Das Lügenlabyrinth

Jetzt kommt das im “Arco-Verlag” erschienene Buch von Paul Binnerts, das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe und das, obwohl ich ja unlängst geschrieben habe, daß ich nicht mehr so viele Holocaust-Bücher lesen möchte, sehr interessant ist.

Paul Binnerts wurde 1938 in Den Haag geboren und schreibt in seinem Buch, daß sein Vater den Judenstern seiner Mutter in einem Blechkästchen hatte und als er ihn darauf angesprochen hatte, das bestritt und von seinen Bruder hat er eine Mappe mit Unterlagen aus dieser Zeit bekommen. Aber niemand in der Familie hat über den Holocaust gesprochen, so hat er darüber zu recherchieren angefangen.

Seine früh verstorbene Mutter war Jüdin und es gab auch noch einen Onkel Arnold, den er nie gesehen hat, über den er auch Unterlagen bekommen hat.

So hat er sich, was ich sehr interessant finde, seine Familiengeschichte ausgedacht und fiktionalisiert und noch interessanter finde ich, daß er in den Text immer wieder eingreift und quasi in Bezug zu seinen Figuren tritt und Passagen, wo er dann schreibt, wie es wirklich in seiner Familie war, gibt es auch

Dazu hat er viel recherchiert und Tagebücher aus dieser Zeit gelesen, so führt auch seine Emmeke, das Vorbild seiner Mutter, Tagebuch und Bert, der den Arnold vertritt, kauf sich am Beginn des Buches ein Motorrad.

Emmeke und Bert sind Geschwister, die sich bisher nicht für Juden hielten und beide auch gemischte Partner haben. Josef hat sich Joost gennt und Emmecke hieß eigentlich Maria und das “Jesuskind” der beiden, der kleine Bobbie ist wohl der kleine Paul.

Das Buch beginnt 1940, wo die Deutschen Holland gerade überfielen. Da kaufte sich der Geschäftsmann Bert gerade sein Motorrad und baut dann das “Lügenlabyrinth” auf, in dem er Beziehungen zu den Deutschen aufbaut, sich von ihnen Begünstigungen holt und gleichzeitig die Kunstschätze der geflohenen Juden versteckt.

Seine Freundin und spätere Frau Lien ist Verkäuferin in einem jüdischen Kaufhaus und der selbstbewußte Bert klärt sie nicht über seine Aktionen auf.

Dann verschlimmert sich die Situation. Die Juden müssen sich registrieren lassen. Joost verliert seinen Job und Emmeke muß den Stern tragen. Sie tut das nur ungern und Bert überhaupt nicht. Er fährt mit seinen Motorrad herum und zeigt ständig seine Begünstigungen her, wenn er kontrolliert wird.

Bella, die Mutter der Beiden wird deportiert, Emecke verhaftet und auch Bert kommt in einem Lager, wo er vieler Verbrechen, darunter des Nichttragen des Sternes, angeklagt wird, um.

Und das ist auch Paul Bnnerts Eltern passiert. Seine Mutter war verhaftet und ist dann sehr bald an Krebs verstorben und der Vater und der Bruder haben, wie das oft so war, nie über die Vergangenheit gesprochen.

Jetzt hat Paul Binnerts, das Buch, das ich für sehr interessant halte, weil ich bisher nur über Anne Frank von der hollänidschen Situation hörte, seinen Eltern gewidmet.