Schock in der U-Bahn

Und jetzt eine Kostprobe aus meinem heurigen “Nichtnanowrimo”, der “Stalkingstory”, die ich in diesem Monat korrigieren und eventuell erweitern werde und die derzeit aus 36.690 Worten, einundvierzig Szenen und über dreiundsiebzig Seiten besteht.

“Laura Hofgarten atmete tief durch, als sie die Werbeagentur verließ, bei der sie ab Montag Praktikantin sein würde.

“Geschafft, geschafft!”

Sie könnte sich freuen und erleichtert sein, dachte sie und schüttelte den Kopf. Denn das war sie nicht. War sie undankbar, daß sie sich nicht freuen konnte, daß das Leben weiterging und die Pandemie und die Schrecken der letzten Jahre vorüber waren und sie alles vergessen konnte, wie ihr ihre Schwester Barbara, die besorgte Sozialarbeiterin, immer predigte? Wenn das nur so einfach wäre, dachte Laura seufzend und schlug den Weg zur U-Bahnstation ein, um nach Hause zu fahren, wo sie Barbara von ihrem Erfolg berichten konnte. Das war es auch. Das wußte sie schon. Da hatte die Schwester recht, daß sie sich freuen und das Andere vergessen sollte. Denn jetzt war sie zu Barbara gezogen und konnte die Lockdowns vergessen, die sie mit Walter dem damaligen Lebensgefährten der Mutter, die als systemrelevante Krankenschwester in ihrer Klinik gebraucht wurde, in der Wohnung verbracht und dort mehr oder weniger verzweifelt versucht hatte, ihr Graphikdesignstudium im Distancelearning zu beenden. Das war jetzt geschehen, dachte Laura, atmete erleichtert auf und versuchte sich zu freuen. Natürlich war es schön, daß ihr das gelungen und die Lockdowns und die Pandemie vorüber waren. Sie würde am Montag mit einem Praktikum bei “Allfritz” beginnen und die Idee Comics zu zeichnen, hatte sie auch nicht aufgegeben. Alles bestens also und in schönster Ordnung, auch wenn sie noch ein bißchen brauchte, um sich zu freuen, würde sie es versuchen und am Abend mit Barbara ein Gläschen Wein trinken. Die Mutter würde sie auch anrufen und ihr berichten, daß es mit dem Praktikum geklappt hatte und sie sich keine Sorgen machen mußte. Eigentlich machte Laura sich Sorgen, um die Mutter, an der die letzten Jahre auch nicht spurlos vorübergegangen waren. Die sie in Verdacht hatte, depressiv zu sein und die höchstwahrscheinlich öfter, als ihr gut tat, nach einem Gläschen griff. Vielleicht hatte sie all das auch noch nicht verkraftet, obwohl es gut war, daß sie sich von Walter getrennt hatte. Für sie war es gut. Für die Mutter vielleicht weniger, dachte Laura, als sie die U-Bahnstation erreicht hatte und die Stufen zum Bahnsteig hinunterging. Obwohl es ihr egal sein könnte, wie Barbara immer predigte. Natürlich war es so. Da hatte die Schwester schon recht. Die Pandemie war vorbei und als die Lockdowns vorüber waren und sie wieder normal die Wohnung verlassen konnte, hatte sie ihre Koffer gepackt und war zu der Schwester gezogen.

“Das wird dir gut tun!”, hatte die behauptet und nur die Mutter hatte traurig geschaut, wie sie sich erinnern konnte, obwohl sie nichts dagegen gesagt hatte. So war sie ausgezogen und hatte die Mutter mit Walter zurückgelassen, den diese, wie sie ihr vor vier Wochen mitgeteilt hatte, hinausgeschmissen hatte.

“Ich habe mich von Walter getrennt, Laura! Jetzt kannst du mich wieder besuchen kommen!”

Laura hatte es ihr versprochen und nur die vernünftige Barbara hatte sich eingemischt und “Du mußt nicht, Laura! Nur wenn du es willst!”, gesagt. Und das wußte sie ganz ehrlich nicht, obwohl sie es der Mutter versprochen hatte. Inzwischen war der U-Bahnzug eingefahren. Laura hatte sich hineingedrängt, einen Platz gefunden und dachte erleichtert, daß man nun auch in Wien schon seit einem halben Jahr keine Maske mehr in den Öffis tragen mußte, obwohl für den nahenden Herbst wieder gefordert wurde, um sich und die vulnerablen Gruppen zu schützen, eine solche freiwillig zu tragen. Laura wusste auch hier nicht recht, ob sie das wollte oder nicht? Das heißt, sie wollte es natürlich nicht. Hatte auch keine solche aufgesetzt. Andererseits konnte sie nicht verhehlen, daß sie etwas ängstlich war und nicht krank werden wollte. Aber jetzt war keine Gefahr, denn der Zug war nicht so voll, so daß der Babyelefantenabstand gewahrt werden konnte, obwohl der auch nicht mehr vorgeschrieben war. Laura atmete noch einmal auf und sah in das maskenlosen Gesicht des jungen Mannes, der ihr gegenüber saß. Ein attraktiver junger Mann mit einem braunen Wuschelkopf und einer runden Brille, der sie anzustarren schien, so daß sie, als gebranntes Kind den Kopf, erschrocken den Kopf schüttelte und abwehrend dreinschaute. Sie wollte ihre Ruhe haben, sich über ihren Erfolg freuen, nicht angequatscht und dadurch an Walter erinnert werden, dachte sie und versuchte noch abwehrender zu schauen, als sie hörte, daß er jetzt etwas herausstotterte, daß wie “Haben Sie etwas Zeit? Wollen Sie ein Cola oder einen Kaffee mit mir trinken?”, klang. Das heißt, soviel hatte er, der etwas schüchtern schien, gar nicht herausgebracht. Denn da hatte sie wieder Walters Grinsen und seine grapschende Hand vor ihrem Gesicht gesehen, mit der er ihr über ihren Schenkel gefahren war und sie an sich gedrückt hatte, so daß sie gar nichts weiter hören, sondern schleunigst aussteigen sollte, um nicht den U-Bahnzug vollzukotzen und dann vielleicht Strafe zahlen mußte, obwohl sie nichts dafür konnte, daß Walter grapschende Hand und sein schleimiges Gesicht nicht aus dem Kopf zu bekommen war und sie das Geschehene nicht vergessen konnte.

“Stop, halt!”, verzweifelt denken. Dann war sie schon aufgesprungen und aus dem Zug gestürzt, der gerade in die Station eingefahren war. Nicht auf den Perron kotzen und Strafe für etwas zahlen, für das sie nichts konnte. Das nicht ihre Schuld war, wie ihr Barbara ständig predigte, dachte Laura, die die Toilette gerade noch rechtzeitig erreicht hatte.

“Alles gut, Laura!”, murmelte sie mit hochroten Kopf vor sich hin, hielt den dann über das Waschbecken, um sich den <mund mit kalten Wasser auszuspülen.

“Alles gut, Laura! Du kannst dich beruhigen! Es ist nichts geschehen und es ist auch nichts dabei, wenn dich ein schüchtener junger Mann ansprechen will!”

Barbara würde das sogar gefallen, die ihr immer einredete, daß sie sich nicht so einigeln, sondern ihr Leben genießen sollte, da die Pandemie vorbei, Walter Krieger und sie ausgezogen und eigentlich nichts geschehen war.

“Gar nichts war geschehen!”, dachte sie, als sie vorsichtig die Toilettentür öffnete, um nachzusehen, ob ihr der Wuschelkopf vielleicht nachgeschlichen war, um dann sogar ein wenig enttäuscht zu sein, daß er nicht zu sehen war und höchstwahrscheinlich über die flüchetende Laura den Kopf schüttelnd, weitergefahren war, während sie auf den nächsten Zug warten musste.

“Stell dich nicht so an, Laura!”, schimpfte sie mit sich.

“Es ist nichts passiert und das Leben ist schön! Du kannst nach Hause fahren und mit Barbara ein Gläschen Wein trinken” Ihr erzählen, daß es mit dem Praktikum geklappt hatte und sie am Montag in der Agentur anfangen konnte!”

Der Mutter würde sie das Gleiche erzählen. Konnte es aber nicht. Zumindestens nicht gleich. Denn jetzt meldete sich ihr Handy. Es war ihre Freundin Sandra, die wissen wollte, wie es mit dem Praktikum stand?

“Hast du Zeit, Laura? Können wir uns im “Phil” auf einen Cafe latte treffen? Ich habe dir etwas zu erzählen, denn ich habe, da wir jetzt beide mit unseren Studium fertig sind, einen tollen Plan!”

Was ist jetzt mit dem Nanowrimo?

Das ist eine spannende Frage, da ich bei meiner “Stalkingstory”, die ich ja erst ab ersten November schreiben wollte, schon 9.245 Worte, achtzehneinhalb Seiten und acht Szenen.

Ich kann es nicht lassen. Die Fenster sind zwar noch nicht geputzt. Ich habe aber am letzten Donnerstag neun Charakterbögen ausgefüllt und wäre dann am Wochenende in Harland ein wenig ratlos gewesen. Bin da zuerst Rad gefahren und dann stand die erste Szene schon so dicht vor mir, daß ich zurückgekommen, gleich zu schreiben angefangen habe und dann noch eine Szene und noch eine. Jetzt habe ich schon acht und wenn das so weiter geht, bin ich vielleicht schon am einunddreißigsten Oktober damit fertig und das war es dann?

Das ist mir, glaube ich, schon einmal passiert und wäre auch egal. Bei dem “Arbeitstitel”, bin ich glaube ich, erst später eingestiegen und ein paarmal habe ich am ersten November an die zwanzigtausend Worte hochgeladen. Da hätte ich noch Einiges zu schreiben und ich kann meinen kritischen Lesern auch verraten, daß mit den acht Szenen vorläufig auch wieder Ende vom Gelände ist.

Das heißt eine vage Idee hätte ich noch und die achte Szene muß ich auch noch reinschreiben, denn liebes Fräulein Rottenmeier, das sind vorläufig noch Rohtexte. Beim “Nanowrimo” rät man ja alles einmal hinunterzuschreiben und dann ans Korrigieren zu gehen und ich korrigiere auch immer sehr genau.

Zwar ändere ich da, zugegeben nicht mehr viel am Inhalt, bei meinen letzten Text, den “Toten” habe ich nachher noch ein paar Szenen angefügt, sondern korrigiere mich eher auf die Rechtschreibfehler und wenn ich es dann fehlerfei finde, übergebe ich es dem Alfred, der noch einmal drüberschaut.

Ich korrigiere also und habe inzwischen schon oft beim “Nanowrimo” mitgeschrieben. Für mich allein und meistens ohne Buddies und in den letzten Jahren hatte ich Schwierigkeiten mit den fünfzigtausend Worten, denn ich werde immer kürzer und dichter und das könnte mir, ist zu befürchten, hier wieder passieren.

Aber keine Angst, ich werde an mir arbeiten und ob ich diese Woche viel zum Weiterschreiben komme, ist auch nicht so klar, habe ich ja meine Stunden und ab Freitagnachmittag GAV-Veranstaltungen und nächste Woche beginnt die Frankfurter Buchmesse, die ich ja streamen will.

Dann fährt der Alfred mit dem Karli in die Toskana. Da werde ich meine Fenster putzen und den Rest der zehn Tage recherchieren oder shoppen gehen, wenn ich keine Stunden habe. Da kann ich mir das Szenekonzept in Ruhe anschauen und weiterplanen. Bei dem letzten Jurenka Jurk Webinar, wo man seine Pläne aufschreiben sollte, bin ich daraufgekommen, daß ich zwar weiß, wie es anfängt und wie es enden wird, mir aber dazwischen noch einige Handlungs- und Spannungsbögen fehlen.

Das ist auch jetzt noch so. Also eine spannende lange Geschichte daraus machen, ist mein Plan. Inzwischen war ja der Edgar Hillinger schon in seiner Bridgerunde im Cafe Ritter, hat sich mit seiner Praktikantin Sandra Pichler gestritten, die seine Mails zum Handlungsstrang für den Comic nimmt, denn sie mitLaura schreiben will.

“Mathilde im Coronaland” soll er heißen. Denn da dachte ich ja schon, daß ich mein drittes Corona-Buch vielleicht aktualisieren sollte. Da gibt es das Mäxchen, das nicht mehr in die Schule gehen will und immer noch befürchtet zum Mörder seinerOma zu werden und das Gretchen, da ihren Johannes Faust bei seinem Sexuallexikon helfen soll, der sie dabei lüstern mustert und begrapscht. Die Laura wurde ein zweites Mal von Severin verfolgt, weil der zu seiner Klavierstunde wollte und ist vor ihm in einBlumengeschäft geflüchtet und die Olga Tokarz ermuntert ihn, nicht so schüchtern zu sein, sondern sich an die Frauen zu trauen.

So weit so what und wenn ich nicht wieder bei zwanzigtausend Worten enden will, muß mir noch einiges einfallen. Ich bin bemüht und wenn mir meine Leser dabei helfen und Feedback geben wollen, wird mich das freuen.