Wir leben ja in einem Jubiläumsjahr. Am vierundzwanzigsten Mai feiere ich mein fünfzigstes Maturajubiläum und da habe ich sehr euphorisch beschlossen, ab nun zu schreiben und Psychologie ,zu studieren. Das habe ich auch getan. Eine Geschichte, die wahrscheinlich stark von meinen Deutschunterricht inspiriert war, geschrieben und habe mir auch überlegt, wie ich schreiben will. Das literarische Wien von 1973 war ja sehr experimentell.

So kann ich mich erinnern, daß ich in eine Buchhandlung gegangen bin, dort ein Buch von Gerd Jonke aufgeschlagen habe und eigentlich ziemlich ratlos war. Aber ja kurze Sätze, Punkte und Bindestriche. Das habe ich nicht lange beibehalten und den Sommer habe ich sowohl mit einem Work Camp im Westpark Hospital als auch im Gartenhäuschen meiner Eltern am Almweg verbracht.
Da habe ich im Radio Andreas Okopenko “Lexikonroman” in Fortsetzung gehört und Michael Scharangs “Charly Trakor” und irgendwann stand ich am Klo. In der Küche lief das Radio und da hörte ich “Die Grazer Autorenversammlung hat sich gegründet!”
Damit habe ich auch nicht viel anfangen können und wahrscheinlich keine Ahnung gehabt, daß ich da einmal Mitglied werde.
Aber wie war das 1973 mit der österreichischen Literatur. Da gab es den PEN, der von alten konservativen Männern dominiert wurde und die jungen aufstrebenden, wie die schon erwähnten, wie H. C. Artmann, Peter Turrini, Peter Handke, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker außen vor ließen.
Die ließen sich das, weil sie langsam anfingen in deutschen Verlagen verlegt zu werden, nicht gefallen, fuhren nach Graz in das Forum Stadtpark, denn das war damals das literarische Eldorado. Achtundfünzig Autoren wurden, glaube ich, eingeladen. Achtunddreißig sind gekommen. Die GAV wurde gegründet und hat sich langsam zum größten österreischischen Schriftstellerverein etabliert und hat eigentlich mit Graz außer der Gründung nicht viel zu tun, denn 1975 wurde schon das erste Büro in der Wiener Schwertgasse bezogen und ich bin 1978 oder 1979 i n den “Arbeitskreis schreibender Frauen” gekommen und habe da langsam langsam von der GAV gehört. Die Elfriede Haslehner und noch einige andere waren wahrscheinlich früher dran als ich.n
Ich habe, glaube ich, 1986 mein Aufnahmeansuchen gestellt und wurde ein Jahr später aufgenommen. Damals war, glaube ich, Ernst Jandl Präsident und Josef Haslinger ,der Generalsekretär und für mich ist die GAv sehr wichtig.
Auch wenn ich da ein wenig außen vor stehe. Aber von 2002 und dann von 2003 bis 2009 den “Tag der Freiheit des Wortes, den Gerhard Kofler, der nach Josef Haslinger Generalsekretär war, glaube ich, unter den Tisch fallen lassen wollteieß. Eine Zeitlang habe ich auch die Frauenlesung “Die Mittleren” veranstaltet und zweimal war ich in der Aufnahmejury und gehe ziemlich regelmäig zu den Generalversammlungen, zu den Arbeitskreisen zu den Jour fixes und so feiern wir beide ich und die GAV heuer unser fünfzigjähriges Jubiläum, was sich ja irgendwie auch verbinden läßt.
Ich schreibe ein paar Jubel- oder eher Jammerartikel.
Warum bin ich nicht erfolgreich? Warum werde ich übersehen?, die dann der Uli wieder “Weil Sie es nicht können und uneinsichtig sind!” kommentier! und am vierundzwanzigsten, wo ich mit dem Alfred höchstwahrscheinlich den Main entlang rade, erscheint, der “Fünfzig Jahre-Artikel” und die GAV tut das dieses Woche.
Blöderweise tut sie das parallel mit der KritLit,so daß man sich wieder zweiteilen müßte. Aber teilweise liegen die Veranstaltungsorte nebeneinander, so daß man hin und her switschen kann. Am Freitag und am Samstag wird das in der Kundstankstelle und in der Brunnenpassage sein. Am Dnnerstag hat das Büro zu einem Stadtspaziergang geladen und der hat in der schon erwähnten Schwergasse begonnen, wo das erst GAV-Büro war. Da versammelten sich zwanzig bis dreißig GAV- Mitglieder und auch andere, denn die Veranstaltung war ja öffentlich und Ilse Kilic,, die als ich in die GAV gekommen bin, dort Sekretärin war und Josef Haslinger erzählten, das was ich schon beschrieben habe.
Die zweite Station war die “Alte Schmiede”, denn da gab es von Anfang an Verbindungen. Kurt Neumann, der glaube ich 1975 die “AS” begründet hat und Gerhard Jaschke der nach Gerhard Kofler Generalsekretär war, erzählten von den Symposien, die die GAV in Verbindung mit der AS von 1979 bis 1991 veranstaltet hat.
Die waren damals ziemlich bombastisch, fanden zum Teil auch im Konzerthaus statt, Erich Fried, Karin Struck und andere damalige Berühmtheit sind aufgetreten. Die dritte Station und da bin ich mit der Ruth, die ja im GAV-Vorstand ist und, glaube ich, länger, als ich, dort Mitglied ist, in die Rasumovskygasse, wo sich das Büro seit 1988 befindet, hinmarschiert und das ist interessant. Denn das Büro befindet sich in dem Haus in dem Robert Musil einmal lebte, zwar nicht in derselben Wohnung, sondern einen Stock darüber, aber die Musil Gesellschaft wollte dort eine Musil Wohnung haben und hat sich dann nicht sehr darum gekümmert, so ist die GAV dort eingezogen und führt die Besucher, die sich mit Musil beschäftigen wollen auch herum, was ich interessante finde, da ich mir Robert Musil, den Schöpfer des “Mannes ohne Eigenschaften” eigentlich nicht als GAV-Mitglied vorstellen kann.
Es ist aber einer gekommen, der den “Tag der offenen Tür” dafür nützte sich die MusilWohnung anzuschauen. Die anderen GAV-Mitglieder waren wohl am Austausch interessiert. Es gab Wein, Bier und Brötchen. Margot Koller habe ich gesehen, Wally Redtenbacher, den Jopa , der auch seine Eltern mitbrachte, Christl Greller,Jörg Pieringer, Ilse Kilic, die, derzeit, glaube ich, die Präsidentin ist und morgen geht es mit einer öffentlichen Vollversammlung weiter, die in der Kulturtankstelle in der Grundmanngasse ein paar Gassen von der Brunnenpassage entfernt, stattfand. Da gab es eine große Ausstellung, Bilder von Anton Blitzstein, den ich, glaube ich, in die GAV gebracht habe, Gerhard Jaschkes “Feribords” und die Autorenbilder der Eva-Maria Geisler waren ausgestellt und ein paar Filmaufnahmen gab es auch zu sehen.
Dann begann die Vollversammlung. Ilse Kilic eröffnete und es ging zuerst um die prekäre Frage, wie das mit der GAV und dem PEN und den Unverträglichkeitsparagraphen ist. Ruth Aspöck hielt da ein Eingagnsstatement, in dem sie sich für die Beibehaltung aussprach. Roland Innerhofer, der, glaube ich, ein Buch über die GAV geschrieben hat und einmal auch Generalsekretär war, wiederholte die Historie und nach einer Pause ging es, um die Veränderung des Schreib- und Leseverhaltens der letzten fünzig Jahre.
Da haben wir ja schon bei dem Vernetzngstreffen vor ein paar Wochen im Literaturhaus einiges gehört, was Ilse Kilic wiederholte und ich auch miterlebt habe.
Jetzt schreiben mehr Leute und lesen weniger. Das Veröffentlichen ist leicht, denn man kann es selber machen. Aber die Leute lesen nur mehr dreieinhalb Bücher im Jahr. Vor ein paar Jahren habe ich noch acht oder neun gehört und Jörg Piringer erklärte uns dann, wie das mit der künstlichen Intelligenz ist und wie gut oder schlecht sie Texte schreiben kann? Das war es dann und die Versammlung schloss nach ein paar Stunden mit dem Aufruf nun die KritLit zu besuchen, was ich auch tat und mich dabei mit einer Kollegin gut unterhielt.
Am Samstag ist es mit der sogenannten Stationenlesung an verschiedenen Orten in der Grundsteingasse weitergegangen. Das heißt, da wurden zwanzig Autoren ausgewählt, die zwanzig Minuten lesen druften und da hat die Ruth schon am Freitag erwähnt, daß sich der GAV-Vorstand davon ausgenommen hat.
Das ist sicher positiv und demokratisch, noch besser wäre aber gewesen, wenn man sich dafür melden hätte können, denn ich wurde natürlich nicht ausgewählt und dann gab es noch einen Film mit “Fünfzig Lesungen zu fünfzig Jahre GAV”, den der August Bisinger machte und den man in der “Kunsttankstelle” ansehen konnte. Da war ich auch nicht dabei. Also nur Publikum, bin aber getreulich von der KritLit, wo ich den Samstag verbracht habe, um fünf zur “Kunsttankstelle” marschiert, da die Lesungen dort von Julia Danielcyck eröffnet wurde.
Das war sehr feierlich und es sind auch eine Menge GAV Kollegen und andere Besucher gekommen. Bis sieben konnte man etwas trinken oder sich die Ausstellung und die Videos ansehen. Da habe ich ein bißchen in die Lesung von Julian Schutting hineingehört und mir dann das andere Video zu “Dreißig Jahre GAV,” auch von August Bisinger gemacht, angesehen und das war interessant.
Denn da lasen Friederike Mayröcker, Walter Pilar und wahrscheinlich achtundzwanzig andere, zum Teil in einem Garten. Man sah Schlangen und Einchhörnchen, sowie die Portraits der Eva-Maria Geisler, zum anderen Teil ging es um eine Lesung im Literaturhaus, an die ich mich nicht erinnern kann, daß ich da gewesen bin, habe mich aber, glaube ich, kurz im Publikum gesehen.
Da kann ich mich nur an eine Lesung im AK-Theater erinnern, wo noch H. C. Artmann aufgetreten ist, das war aber wahrscheinlich das fünfundzwanzigste Jubiläum.
Gelesen habe ich da natürlich nicht, sondern die damalige Größen von denen einige, wie der Werner Herbst, der Helmut Eisendle, die Elfriede Gerstl, die Heidi Pataki schon gestorben sind und interessant ist auch, daß es, ich habe zwar nicht den ganzen Film gesehen, bei den Lesenden nur drei Frauen waren, denn um sieben bin ich in die Galerie Wechselstrom gegangen, die der Kulturtankstelle gegenüberlag und da haben Julian Schutting, Margret Kreidl, Mila Haugova aus Bratislava, die zweimal bei meinen “Tagen der Freiheit des Wortes” gelesen hat, Bettina Balaka und O.P. Zier gelesen. Die anderen Stationen waren die “masc Foundation”, in der Grundsteingasse 40, der offene Bücherschrank, Ecke Brunnengasse, wo ich schon einmal gelesen habe und “woodlab”,Nummer 14.
Leider haben die Lesungen gleichzeitg stattgefunden. Man mußte sich also entscheiden, was man hören wollte. Fritz Widhalm hat sich auch noch am Gürtelbogen als Dj betätigt.
Das habe ich aber ausgelassen und damit, daü ich in der “Kunsttankstelle” noch kurz mit Rudi Lasselsberger und Alexandra Millner , unterhielt, beziehungsweise an den anderen Stationen, wo aus der “masc foundation” lauter Jubel kam, vorbeiging, die GAV-Feiern abeschlossen und kann sagen, daß es sehr intensive Tage waren, ich interessante Begegnungen hatte und Erinnerungen wieder auflebten, weil mir die GAV sehr wichtig und mein Einstieg in den Literaturbegtrieb ist, obwohl ich da, wie ich wieder merkte, sehr abseits stehe.