Bestandsaufnahme

In der letzten Woche bin ich wieder in einen Clinch mit dem Uli, wegen meines Schreibens, den ich jetzt ziemlich genau fünf jahre kenne, gekommen. Da ist er auf einen meiner Kommentare im Literaturcafe getoßen, ich glaube es ist da um die Frage gegangen, wieviel Gelde den Autoren entgeht, weil sich die Leute, die E-books illegal hinunterladen. Und mich dann, im Juli 2016, glaube ich, gefragt, ob ich Kritik verstehe? Hat dann einen meiner Sätze abgewandelt und gemeint, daß sie so viel verständlicher scheinen und ich solle mich daran halten.

So viel besser sind mir seine Vorschläge gar nicht vorgekommen, ich habe mir seine Kritik aber insofern zu Herzen genommen,daß ich seither versuche im Blog mehr Absätze zu machen. Fehler sind wahrscheinlich trotzdem drinnen, weil ich sehr viel schreibe und dann oft zu müde bin, dann dann noch stundenlang zu korrigieren und außerdem macht mir mein Computer Schwierigkeiten, der da oft sehr oft hängen bleibt.

Ich könne nicht schreiben, hat er gemeint und dazu gefügt, daß er meinen Blog deshalb liest, um sich zu gruseln und später, daß ich keine Kritik vertragen kann und weil es anläßlich meines dreizehn Jahre Literaturgeflüster feiern wieder zu einer diesbezüglichen Kritik gekommen bin und ich des Sommerlochs wegen auch Stoff für rmeine Artikel brauche, habe ich mir gedacht, die Gelegenheit zu einer neuerlichen Bestandaufnahme zu nützen und darüber nachzudenken,wie gut oder schlecht ich wirklich schreiben kann und in wie weit sich das in den schon fast fünfzig jahren in denen ich das schon literarisch versuche, verändert hat?

Daß ich nicht schreiben kann, glaube ich, nicht, habe ich dem Uli damals soweit ich mich erinnern kann, auf seine Mails geschrieben! Dazu tue ich es schon zu lang und zuviel! Aber natürlich er meint, das literarische Schreiben, denn die Kulturtechnik lernt man in der Schule und da auch nicht mehr richtig und immer, gibt es ja inzwischen schon Studien, daß vierzig Prozent der Schüler diese verlassen ohne sinnerfassend lesen zu können. Da gehöre ich mit Sicherheit nicht dazu und habe das auch schon gekonnt, als ich die erste Volksschulklasse im jahr 1960 betreten habe. Denn ich bin ja ein Novemberkind, also hat mich meine Mutter schon im jahre 1959 für die Schule angemeldet, da hatte ich aber Sprachfehler und da hätten sie mich nur für eine diesbezügliche Sonderschule genommen.

“Mein Kindgeht in keine Sonderschule!”, hat meine Mutter, glaube ich, geantwortet und ist mit mir zu einem Logopäden gegangen. Einen recht bekannten glaube ich sogar, einen Herrn Aschenbrenner, der wenn ich mich erinnern kann, auch recht verzwelt war, weil es nicht so einfach war, mir das richtige r oder s beizubringen. Jedenfalls hat er das offenbar soviel mit mir geübt, daß ich dann Lesen und Schreiben konnte und die Idee das schriftstellerisch zu verwenden ist mir, glaube ich, schon in der Volksschule gekommen und da habe ich am Wochenende immer Aufsätze geschrieben und die der Lehrerin gezeigt, die mir einmal, glaube ich, auch geraten hat, keine Doppelausdrücke zu verwenden. Die Resonanz war damals also gut und die Deutschstunden auch!

Den Uli nervt, glaube ich, auch die Geschichte von der Frau Prof Friedl, die in der Straßengasser verzweifelt war, daß sie mir wegen meiner Rechtschreibung nur ein minus sehr gut geben konnte und ich mir gedacht habe, was hat sie nur, das ist mir ja egal und das war mir damals und vielleicht auch noch heute, die Rechtschreibung, weil ich mir gedacht habe, daß es ja zur Freiheit des Menschen gehört, so zu schreiben, wie er will!

Man muß es lesen können, natürlich, daher die Rechtschreibregeln, aber warum soll ich mich da anpassen? Das war auch vor fünfzig Jahren so, daß ich so gedacht habe, inzwischen habe ich mich da angepasst, verwende aber immer noch die alten Rechtschreibregeln, weil da bei den Autoren auch großer Widerstand war, sich da anzupassen. Die Anpassung ist auch da still und heimlich passiert. Das war aber erst viel später, denn 1973, als ich maturiert habe, hat es noch keine Rechtschreibreform gegeben und ich bin mit großen Illusionen im Kopf mitten in der philosophischen Krise dagestanden, habe Satre und Camus gelesen und ein Jahr später auch Robert Musil habe mir Rilkes Gedichte gekauft und meine erste Erzählung geschrieben. Das war ein Geschichte von einer Prostiutierten, die Kinder unterrichtet hat. Ich habe sie fertig geschrieben, nie wirklich korrigiert und auch nicht recht gewußt, was ich damit anfangen soll? Einem alten Herrn der nach seiner Pensionierung Pyschologie studierte, was ich ja auch getan habe, habe ich sie gezeigt, der hat wohlwollend “Eine nette Broschüre!”, gesagt und ich war verwirrt, denn es war ja eine Erzählung, habe mich aber nicht getraut ihn darauf anzusprechen.

Ich hatte damals, glaube ich, experimentelle Ansätze. Kurze Sätze und Bindestriche dazwischen. In späteren Erzählungen, dann auch sehr viele Alltagsbeobachtungen, wie beispielsweise in den U-Bahngeschichten verwendet und ich kann mich auch erinnern, daß ich damals so nach oder vor meiner Matura mit einer Tanzschulbekanntschaft darüber diskutiert und er mir sagte, die Form ist wichtiger, als der Inhalt und ich schon damals anderer Ansicht war.

So gesehen ist und war mir der Inhalt immer wichtiger, als die Sprwche und das ist wahrscheinlich mein Problem, daß der Erfolg ausgeblieben ist, auch daß damals Jonke und Handke en vogue war und Ernst Jandl, obwohl es ja auc hdie realistischen Romane von Innerhofer und Scharang gegeben hat.

Ich war auch weit entfernt meine Texte an Verlage zu schicken. Hatte kaum Kontakt zu Autoren und bin dann auch in eine krise gekommen, weil man ja nicht wirklich Psychologie studieren und Abend seine Texte schreiben kann. Habe aber nicht aufgegeben, sondern weitergeschrieben. Denn, ich glaube auch, schreiben lernt man durch das Schreiben und der nächste Text, den ich mich traute jemanden zu zeigen, war dann die “Einladung zum Tee”, die dem Gerhard und der Monika nicht gefallen haben. Da weiß ich noch immer nicht so genau, was sie hatten. Denn die Dreiecksgeschichte war sicher konventionell, aber für richtig schlecht würde ich sie nicht halten. Sie wäre auch fast im “Sterz” veröffentlicht worden und war auch schon illustriert. Denn die Monika hat mich dann auch in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht und mich auf die damaligen Textvorstellungen in der “Alten Schmiede”, die noch anders hießen und man kein Honorar bekam, aufmerksam gemacht. Da haben immer zwei Autoren, die Texte der Angetretenen auseinandergenommen. Das sagte sie einem auch bei der Anmeldung. Bei mir waren es Gustav Ernst und Marie Therese Kerschbaumer. Es war fürcherlich. Iich habe mich aber auch nicht entmutigen lassen und dann auch versucht meine Texte an Zeitschriften und Verlage zu schicken. Das hat nicht geklappt. Ein paar Kleinere haben sie zwar genommen und spannend ist auch was den Lektor betrifft, daß “Güler will kein Kopftuch mehr”, wo ich ja einen Preis für ein nichtrollenkonformes Kinderbuch gewonnen habe, der dann auch in “Mädchen dürfen pfeifen Buben dürfen weinen” abedruckt war, lektoriert wurde. Ich habe trotzdem eine Kritik von wegen “Was für ein schlechter Text!”, bekommen habe.

Das ist wohl mein Schicksal, daß es immer Leugte gibt, die das meinen, was ich lange nicht verstanden habe,vielleicht meint der Uli deshalb, daß ich kritikunfähig bin. Ich weiß nicht so recht, irgendwie hat man ja immer blinde Flecken und als ich die “Hierachien” an zweiundvierzig Verlage geschickt habe, hat mir der Herr Amann von demgleichnamigen Schweizer-Verlag, einen lieben Brief geschrieben, wo er mir zu erklären versuchte, warum er das Manuskript nicht nehmen würde. Das hat dann der Jack Unterweger genommen, weil der das Bundesministerium die entsprechenden Subention gewährte und die Kritik war dann auch “Ein schlechtes Buch!”

Hui,hui und sicher sehr entmutigend und meine Reaktion war damals sicher, daß ich abgewehrt und weitergeschrieben habe und damals habe ich mich ja regelmäßig mit der Elfriede Haslehner, der Bruni Langthaler und der Valerie Szabo-Lorenz getroffen und wir haben über unsere Texte geredet. Da kann ich mich erinnern, daß die Valerie, es war wohl in den Siebziger-oderAchtigerjahren einmal sagte, ihr würden die Texte so zufliegen. Sie stand wohl auch im Schatten ihren berühmten Mannes, des inzwischen ziemlich vergessenen Wilhelm Szabo und ich dachte mir “Wui, bei mir ist das nicht so!”

Ich war damals ziemlich gehemmt und jeder neuer Text ein ziemlicher Krampf. Die Angst vor dem leeren Blatt. In diese Schublade könnte man das reihen. Das hat sich inzwischen geändert und ich denke, das ist der Erfolg, daß ich einfach weitergeschrieben habe. Ich habe damals wohl wirklich ziemlich kritiklos auch schlechte Texte weggeschickt. Das war wohl ein Fehler und nicht jeder tet ist auch gelungen. Obwohl man das selber wahrscheinlich schlecht beurteilen kann. So kann ich mich erinnern, daß 2000 die Obdachlosenzeitung “Augustin”, als es damals schwarz-blau das erste Mal gegeben hat, auch da hat sich inzwischen viel verändert,einenWettbewerb ausgerufen hat und ich einen Text, den ich gar nicht für so gut gelungen gehalten habe, hingeschickt habe.

“Widerstand beim Zwiebelschneiden” hat er geheißen. Ich habe den Preis nicht gewonnen. Er war aber noch in einigen Zeitschriften abgedurckt, während Texte die ich für besser gehalten habe, oft übersehen wurden. Die Erzählung “Ernestine” aus den “Hierachien”, die ich, was ich früher öfter machte, auch an Zeitschriften geschickt habe, habe ich von einem “Sterz- Redakteur” rot korrigiert zurückbekommen. Er hat es, glaube ich, gut gemeint. Ich war empört und bin in diesem Sinn, da hat der Uli wohl recht, wirklich nichtsehr kritikfähig, weil ich nich tmag daß man in meinen Texten herumstreicht. Das gehört sich nicht, denke ich und das würde ein Lektor, den ich bezahle, wohl auch nicht tun und so war ich auch empört, als mir bei einer Lesung aus der “Güler”, in der Einladung der Titel in “Güler und der Pascha aus Ottakring umgedeutet.

So ist es dann weitergegangen. Ich habe geschrieben und geschrieben, bin 1987 im zweiten Anlauf Mitglied bei der GAV geworden. Die Arbeitskreisfrauen und auch andere,wie die Ruth und die Hilde Schmölzer immer wieder getroffen und auch, ab circa 2000, weil es mit den Verlagen nicht klappte, auf Initaive des Alfreds mein erstes Buch selbst herausgebracht. Ganz unkonventionell fünfzig mal gedruckt ohne ISBN-Nummer. Das könnte man inzwischen geschickter machen, da hat der Uli auch recht, obwohl ich zwischen BoD und den bei “Amazon” selbst heraufgeladenen Büchern auch nicht soviel Unterschied sehe. Es ist irgendwie öffentlicher. Das stimmt, die professionelle Anerkennung hat man aber trotzdem nicht, heißt es ja auch hier noch oft, kein selfpublishing! So bleibe ich dabei und stelle meine Bücher auf meinen Blog vor, den ich ja auch nun schon dreizehn Jahre schreibe, bin da warhscheinlich auch nicht sehr geschickt und habe wenig Resonanz. Bin in den Literaturbetrieb auch nicht hineingekommen, sondern habe mich im großen und ganzen mit drei Kritikern, der Frau Heidegger, der JuSophie und dem Uli gematscht aber ich wollte ja über meine Schreibfortschritt schreiben und da hat sich in den fast fünfzig Jahren wo ich das nun schon professionell betreiben will, schon etwas verändert.

Am Anfang war ich gehemmt und die harschen Krtiken haben mich abgeschreckt. Das hat sich verändert. Die Ideen fließen oder floßen,weil ich mich inzwischen auch schon ein wenig ausgeschrieben fühle. Kunststück, nach fünfzig Jahren und fünzig selbstgemachten Büchern. Aber und das habe ich meinen Blog zu verdanken, ich reflektiere ja viel über mein Schreiben. Habe da auch oft das Gefühl da an meine Grenzen zu stoßen und, daß es nicht so wird,wie ich es will. Ob mir da ein Lektor wirklich helfen könnte,weiß ich nicht. Ich bleibe mi tmeinen ideen wahrscheinlich oft an der Oberfläche. Schreibe manches nur an und komme dann nich weiter,das stimmt. Dann probiere ich es eben noch einmal und seit ich 2005 bei dieser “Text und Kritik-Werkstatt”, der Erika Kronabitter war, verrsuche ich auch an meiner Sprache etwaszu verbessern.

Ich schreibe den Rohtext relativ schnell herunter, korrigiere dann ein paar Monate, bis der Text an den Alfred geht, der ihn mir druckereifertig macht. Große Verbesserungen kommen dann ncht mehr dazu und die Frage ist ja, was habe ich in den fünzig Jahren, seiit ich professionell zu schreiben versuche, gelernt?Am Anfang hatte ich stark das Gefühl stecken zu bleiben und mich nicht weiterzuentwickeln. Dann habe ich mir aber einmal, die”Hierarchien”,die ja etwas kritisiert wurden, herausgeholt und wiedergelesen und erstaunt gedacht “Na so schlecht ist das nicht!”

Gehemmt bin ich eigentlich auch nicht mehr, sondern schreibe am laufenden Band. Zuviel, sagt manchmal derAlfred, Das weiß ich nicht,obwohli ch jetzt ja wieder denke, nac hden”Hundert Seiten”fällt mir nichts mehr ein. Aber das denke ich mir schon seit einigen Jahren und dann ist doch wieder sehr schnell etwas Neues entstanden und was die “Hundert Seiten” betrifft, die ich jetzt wieder ganz durchkorrigie, während ich vorher bei den einzelnen Stärngen war, denke ich, daß da auch eher etwas weg, als dazu kommenwird. obwohl es wieder eine eher kürzere erzählung ist. Da bin ich eher beim Verdichten angelangt und das wäre ja gut und literarisch erwünscht.

Ganz sitzt es noch nicht. Da bin ich wieder eher unzufrieden und denke “Schon wieder nicht gelungen!”

Aber ich werde es fertiig korrigiern,bis meiner Meinung nach jeder Satz sitzt. Das wa ja so ein Satz, den mir die Bruni malwovgehalten hat ,jeder Satz muß stimmen. Die große Feminsmus-Aufarbeitung ist es wohl nicht geworden, aber die gibt es ja auch schon,eher eine kurze Großmutter-Sohn- Enkeltochtergeschichte mit drei Handlungssträngen. Die Geschichte um Ricki Neuwirths Kind kommt mir eher wieder wie ein Jugendbuch vor und das ist es wohl auch, daß mein sozialkritischer Realismus vielleicht als zu wenig literarisch klingt und dann ist mir wohl und das mag stimmen, die Sprache wirklich nicht so wichtig, obwohl ich hauch keine richtige Heldenreiseplotterin bin. Da wirft mir ja der Uli vor, daß ich zuviel monologisiere und das stimmt wohl auch und möchte ich auch tun. Das ist wohl mein Stil.

Was die Dialoge betrifft, da bin ich, glaube ich, sicher flüßiger geworden un dschreibe inzwischen auch ganze Passagen solcher, da kann ich mich ja an die Schreibwerkstatt bei der Eveline Haas erninnern, wo wi einen solchen schreiben sollten und ich nichts zusammenbrachte. Da wa rich irgendwie blockiert, während der Krimi, den ich dort geschrieben habe Mein ist die Rache im “Best of”, für die, die es interessiert, sehr lang geworden ist und ichschreib ja viel und schnell und ich habe mr inzwischen wohl endgültig den Rat des Rudolf B., den er mir etwa 1978 gegeben hat, nur für mich zu schreiben, angenommen. Etwas anderes bleibt mir auch nicht über. Ich verschicke nicht mehr an Zeitschriften und Verlage, sondern stelle meine Texte und mein Schreibberichte in das Netzt und wer mag, kann und wird mich finden und da habe ich auch vor das jetzt wieder so ähnlich,wie beim “Frühlingserwachen” mit den “Hundert Seiten” zu tun .Da gibts in den nächsten Tagen und vielleicht auch später ein paar Szenen, so daß man schon darüber diksutieren kann, bevor das Buch ferig geschrieben worden ist.

Ich weiß gar nicht, ob ich gut schreibe. Das will ich gar nicht selbst beurteilen. Ich schreibe jedenfalls sehr viel, reflektiere darüber und stelle mich auch der Kritik im Blog und denke auch, die Übung macht den Meister und die betreibe ich schon sehr lang. Also bin ich gespannt, wie es weitergeht und was in meiner heurigen Sommerschreibwerkstatt und auch später noch alles entstehen wird.

Im Landhaus der Dietrich Kittner-Stiftung

Wochenende in der Steiermark in Dedenitz bei Bad Radkersburg, weil da hat sich die Ruth bei der Dietrich Kittner Stiftung, das war ein Kabarettist, der dort ein Kulturzetrum mit Theater aufgebaut hat,das jetzt von der steierischen KÖP und von Ernst Kaltenegger verwaltet und als Ferienwohnungen meistens an Künstler vergeben wird, eingemietet und uns eingeladen dort im Garten unser Zelt bzw. den neuen Campingwagen aufzubauen und ein bißchen Urlaub ist in Corona- Zeiten, wo man ohne 3G ja nicht sehr viel herumkommt, ganz gut. Vor der ruth war in der großn Wohnung, die wahrscheinlich ein ehemaliges Bauernhaus ist, Erich Hackl und hat vielleicht ein paar seiner Bücher hinterlassen oder waren sie schon dort. Ein sehr idyllischer Hof,der fast ein bißchen an das Künstlerdorf erinnert wo wir im Vorjahr waren. Den neuen Campinganhänger den sich derAlfred mit dem Karli im Oktober geholt hat unter einem Baum aufgestellt und ein bißchen probegeschlafen und dann mi tden Klapprädern, die wi rmitgenommen haben nach Bad Radkersburg vier Kilometer auf einen schönen Radweg gefahren.

Am Hauptplatz direkt neben der ästhetisch schönen Bücherzelle, wo die städtische Bibliothek ihre Plakate angebracht hat, die Räder abgestellt und zur Frauenkirche gewandert alles ästhetisch schön. Das Finanzamt schaut wie ein Theater aus, dabneben steht das Russendenkmal, das, glaube ich, vom Hauptplatz verlegt wurde, dann zu einer anderen Kirche, die sehr schön war und davor gab es eine Ausstellung über das Sterben mit einem alten Totenwagen,woman sich einbißchen in dieVergangenheit begeben konnte.

Dann sind wr zurückgeradelt, ein bißchen hat es geregnet und in der Nacht gab es ein Gewitter, so daß das neue Zelt, das sehr weich und bequem war gleich zumEinstand naß geworden ist und dasWetter am Samstag schlecht, wo die Ruth ihre Schwester und ihren Schwager erwartet, die aus Stuttgart kommen sollen und amSonntag soll auch noch ihr Sohn mit seiner Familie kommen, so daß es ein richtigs Familientreffen geben wird.

Zum Frühstück kam der Bäckerwagen, es gab Kipferl und Eiern vom Bauern von angeblich glücklichen Hühnern. Das Internet war, was mich in Schrecken versetzte, eine Weile aus, denn was tut man Mitten am Land im Regen? Allerdings gibt es ja meinen “Hundert Seiten-Text”, den ich auch ohne Netz korrigieren kann und da auch noch viel Arbeit habe.

Dann bekamen wir Besuch von einem einheimischen Naturburschen, der Alfreds Zelt besichtigen wollte. Ruth kochte zum Mittagessen Champignons mit Reis und der Alfred,der unbedingt Fleisch haben wollte, fuhr zum Lindenhof um zwei Portionen Schweinsbraten und drei Cremeschnittenzu holen und den drei G-Regeln zu entgehen. Danach ein Spaziergang anderslowenischen Grenze durch den Wald, was Erinnerungen in mir weckte, bin ich doch vor fast vierzig Jahren mit dem Herrn Benesch in einem Bauernhof an der slowenischen Grenze gewesen und dortbeim Scheammerlsuchen ein bißcfhen zu weit in das ehemalige Jugoslawien gekommen. Das ist diesmal nicht passiert, sondern ein schöner Gang durch einen schönen Wald in einem schönen Erholungsgebiet und das Wetter war auch wieder schön.

Am Abend während Ruth auf ihre Schwester wartete, sind wir noch einmal zum Lindenhof geradelt, um Getränke zu holen und da in ein Gewitter geraten. Zum Glück aber nicht zu naß geworden. Die Schwester und der Schwager sind dann erst sehr spät, weil in einem Stau geraten, gekommen. Am Sonntag war dann das Wetter nach einer ruhigen Nacht wieder schlecht.

Überall gibt es Hochwasser und Überschwemmungen. In Deutschlandf sind über hundert Menschen daran gestorben, Hallein ist überflute und Amstetten.

So sind wir in Ruths Wohnung geblieben, ich habe meinen Text korrigiert und noch einmal das Bücherregal durchgesehen. Dietrich Kittner hat, glaube ich, eine Bibliothek mit zehntausend Büchern hinterlassen. Da habe ich nur ein Foto gesehen. In dem Bücherregal in derWohnung gab es aber ein Buch mit Kittner Texten, das ich durchgeblättert habe und was ich besonders interessant fand, auch eines von Louis Mahrer nämlich “Bora”, das Robert Streibel herausgebracht hat, ich habe bei einer KritLit davon gehört in der Kittner Stiftung gibt es also besondere kritische Bücher und zum Mttagessen hat der Alfred aus dem Gasthaus Backhendl geholt. Die Ruth hat Gurkensalat gemacht. Cremeschnitten gab es noch von gestern und dann sind wir über Graz und Mariazell zurückgefahren und haben die Option nächste Woche wiederzukommen und da noch einmal ein Wochenende an der steirisch slowenischen Grenze zu erleben, wenn das Wetter vielleicht besser ist.

Inneres Wetter

Jetzt kommt wieder eine Neuerscheinung, nämlich”Inneres Wetter”, der 1961 geborenen Elke Schmitter, von der ich “Frau Satoris” gelesen habe, das von Marcel Reich-Ranicki sehr gelobt wurde und hier geht es um einen Geburtstag des siebenundziebigjährigen Georg Kupfer, der verwittwet ist und drei Kinder hat, Sebastian, Huberta, Bettina, alle in den Sechzigerjahren geboren, also über fünfzig, da das buch 2014 zu spielen scheint. Zumindest gibt es Mails, die darauf hinweisen, da möchte Bettina nämlich ihre Geschwister veranlaßen für den Vater eine Überraschungsparty zu veranstalten.

Alles sher banal und gewöhnlich würde man sagen, daß man den Geburtstag seines Vaters feiert. Meistens ist der auch darauf vorbereitet. Aber hierzieht sich alles auf zweihundert Seiten hin und ist auch in drei Teilen gespaltet, findet der Geburtstag des Vaters, glaube ich, im Oktober statt. Es beginnt aber im Frühling, da wird dann ein Tag beschrieben. Dann folgt der zweite Teil, der “Zwei Tage im Sommer” heißt und der dritte wenig originell “Drei Tage im Herbst” und dazwischen plätschert es dahin und wir erleben das “innere Wetter” oder das Alltagsleben der Geschwister, bis es soweit ist, daß sie den Vater in einem Restaurant treffen und sich von der Kellnerin die Speisekarte erklären lassen.

Die drei Geschwister und ihre Familie gehören wahrscheinlich, wie auch Elke Schmitter der Mittelschicht an. Am Interessantesten ist aber Sebastians Frau Mora, die aus Dalamtien stammt und von der wir relativ viel erfahren. Sie verkauft tageweise in einer Boutique, da werden ihr einmal einige Schals gestohlen. Die Diebin trifft sie dann am Elternsprechtag ihres Sohnes Ben oder ist es der der Tochter Adiana wieder. Ben spricht jedenfalls wenigmit den Eltern und steht im Verdacht Autist zu sein.

Gesellschaftls- und Alltagsereignisse, wie julian Assange oder die Flüchtlingsfrage werden erwähnt und Bettina hat auch zwei Freudninnen, Angelika und Selma. Zu Beginn des Buches gibt es ein Personenverzeichnis. Angelika hat Probleme mit ihrer Wohnung. Selma berichtet von einer Tagung, Huberta ist Ethnologin und warlange in Äthiopien und die Handlung, der Plot und die Spannung fehlen wieder.

Es wird, das habe ich auch in einer Rezenson gelesen, dahin geplätschert. Der Vater weiß natürlich von der Party die Geschwister haben es ihm verraten und sich auch Sorgen gemacht ob er am Tage der Überraschung daheim sein wird und muß tun, als wüßte er von nichts und das Interessanteste an dem Buch ist wahrscheinlich der Stil. Da gibt es Briefe und Mails und vieles ist auch kleingeschrieben.

Schwierig ist auch der ständige Perspektivenwechsel. Denn da wußte ichoft nicht,wo ich jetzt bin und wer jetzt spricht, denkt oder handelt. Aber natürlich ist das Midlifeleben der intellektuellen Mittelschicht und ihre Probleme interessant und das war wohl auch die Absicht des Romans, den ich eigentlich wieder nicht als solchen bezeichnenwürde das aufzuzeigen.

Ich finde trotzdem es wurde zuviel bla bla und zuviel Auwand, um so etwas Alltägliches wie den Geburtstag des alten Vaters gemacht,obwohl natürlich klar ist, daß jedes der Kinder, Schwiegerkinder und auch die Freundinnen ihre Probleme haben, die sie trotz des Geburtstags bewältigen müssen. Aber da das Buch in Vor-Corona-Zeiten spielen, haben sich diese inzwischen auch schon überschlagen, sind andere und vielleicht auch größer geworden.

O-Töne im 3G-Design

Die O-Töne, das Lliteraturfestival im Museumsquartier, das im Juli und August jeden Donnerstag stattfindet und da die österreichischen literarischen Mainstream Neuerscheinungen präsentiert,gibt es schon seit einigen Jahren, wegen meiner Sommerfrische habe ich erst seit dem sich der Alfred in Altersteilzeit befand, damit begonnen am Donnerstag hinzugehen und als ich vor ein paar Jahren von der Sommerakademie im Völkerkundemuseum schon um sechs dort war, habe ich mir angewöhnt, um diese Zeit mit einem Buch hinzugehen, mich in die zweite Reihe zu setzen und war mitten im Geschehen, habe mich dann meistens mit der Christa Unterauer unterhalten, manchmal auch die Ruth dabei getroffen, etcetera.

Florian Baranyi, Katharina Schaller

Florian Baranyi, Katharina Schaller

Ab letzten Jahr ab den Corona-Zeiten war das anders, denn da mußte man sich ja mit Maske durchschleusen lassen und durfte freiwillig den Registrierungsboben ausfüllen, so bin ich zwar auch um sechs hingegangen, aber draußen vor gestanden oder auf der Bank hinten gesessen und heuer braucht man keine Maske im Freien, aber die 3G-Regel und die Regisgtrierung ist Pflicht und letzten Donnerstag als es mi Monika Helfer und Thomas Arzt begonnen hat, war ich in Harland, weil ea ja der neunundachtzigste Geburtstag der Schwiegermutter gefeiert wurde, also erst diese Woche wieder ein live Literaturerlebniss, da gibt es ja heuer außer den O- Tönen wahrscheinlich nichts, im letzten Jahr war ich in Strobl, im Künstlerdorf, im Cafe Prückl im Weinhaus Sittl und dazwischen noch ein paar Mal bei den “Wilden Worten” und im März, im April und Mai bei der Ruth Privatveranstaltung beim Grillparzer Denkbmal. So ganz literarisch ausgehungert bin ich aber trotzdem nicht, weil ich mir ja die livestreams gegeben habe, aber die haben jetzt Sommerpause, also heuer wieder O- Töne und auch das war nicht so sicher, weil es am Nachmittag ein bißchen nach Regen ausgesehen hat, aber das hat sich gegeben und ich habe mir gedacht, wenn ich ohnehin nur hinten stehen kann, ist es ja egal wann ich hinkomme und so habe ich den Haupthof erst um dreiviertel acht erreicht, einen dieser Sitzmöbel gefunden, aber bald verlassen, denn da hätte ich nichts verstanden, obwohl mir das Debut und die Hauptlesung diesmal nichtso ganz unbekannt war. Florian Banjanyi hat moderiert und da zuerst die Debutantin Katharina Schaller vorgestellt, da habe ich nichts verstanden, weil der Alfred gerade auf Fototour war, aber ich habe die 1989 Katharina Schaller und ihr Debut “Unterwasserflmmern” schon beim Leipzig extra und ich glaube auch sonst schon wo gehört. Die Autorin las dann zwei Stellen aus ihrem bei “Haymon” erschienenen Buch, wo es um eine Frau, die aus einer Beziehung zwischen zwei Männern ausbricht zu gehen scheint und dann eine Beziehung zu einer Frau namens Marie eingeht.

Florian Baranyi, Raphaela Edelbauer

Florian Baranyi, Raphaela Edelbauer

Diesmal war es kein Problem sich hinter das Gitter zu stellen, der ein Meter Abstand der im letzten Jahr galt und es waren eigentlch auch nur wenige Besucher anwesend und sehr viele sind auch dannn auch während der Lesung von Raphaela Edelbauer gegangen und die ist mir ja auch keine Unbekannte mehr, habe ich sie ja vor ein paar Jahren auf der Buch Wien im Literaturvdafe aus ihrem sehr theoretischen Debutroman lesen gehört. Dann kam das “Flüßige Land”, wo sie ja auf beiden Buchpreis Shortlists gestanden ist, und jetzt “DAVE” der SF- Roman um die künstliche Intelligenz den ich gelesen habe und es gab wie bei den Hauptlesungen üblich auch ein Gespräch mit dem Moderator, wo Raphaela Edelbauer erzählte, daß sie zehn Jahre an dem Buch gearbeitet und es dreimal geschrieben hat und sie verriet auch, daß ihr nächster Roman von ein paar jungen Lleuten ein paar Stunden vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges handelt, also sehr spannend und ich freu mich schon auf das Lesen, denn der erste Weltkrieg interessiert mich sehr und ich habe den dann doch sehr schönen Sommerabend sehr genossen, zwei “Hugos” gentrunken, obwohl die Delta-Variante die Zahlen ja wieder nach oben treibt, so daß es statt Lockerungen wieder Verschärfungen gibt und man jetzt auch ständig” impfen”,” impfen”, “impfen” hört, das kann man ja jetzt sogar auf einem Schiff, im MQ offenbar noch nicht. Aber die Literatur ist vielleicht nicht so ein Mainstreamprogramm, daß das interessant wäre und nächste Woche gibt es dann Egon Christian Leitner, der voriges Jahr beim “Bachmann-Preis” gelesen hat und das Debut von Ferdinand Schmalz und der hat ja ein paar Jahre früher beim “Bachmann-Preis gewonnen.

Die Obstdiebin

Weiter gehts mit den Harlander Backlistbüchern, sprich denen, die ich mir von dem Geburtstagsgutschein der Anna 2019 besorgte, nämlich Peter Handkes, des damaligen Nobelpreisträgers Peter Handke und der 1942 in Griffen geborene, gehört wohl zu den umstrittensten Schriftsteller, wie auch die Nobelpreisdiskussion im Literaturcafe deutlich zeigte.

Eine Schlaftablette, ein Langweiler, wie das dort diskutiert wurde und der O -Ton der dortigen Kommentierer war, daß man ihn, auch wenn er den Nobelpreis bekommen hat, nicht lesen müße. Muß man natürlich nicht, aber dann hat man keine Ahnung von seinem Schreiben und interessant ist es sicherlich sich in die Langsamkeit und das Flanieren des sicherlich umstrittenen Schriftsteller, der wahrscheinlich auch ein schwieriger Mensch ist, einzulassen. Ich habe Peter Handke von dem ich in der Schule, ich habe 1973 maturiert schon ein bißchen was gehört, aber damals habe ich Thomas Mann und Hermann Hesse gelesen, mir aber, glaube ich, auch den “Hausierer” gekauft. Das “Wunschlose Unglück” zuerst abgelehnt, weil für experimentell gehalten, dann als ich es gelesen habe war ich erstaunt, wie realsistisch es war.

Ein Buch über den jungen Handke habe ich gelesen, war auch auf einigen Diskussionsveranstaltungen und die “Fahrt im Einbaum” wo es um die Jugolsawiendebatte ging. Da wurde Handke für sein Eintreten für die Serben ja sehr angegriffen und beschimpft, was mich besonders störte, als das auch Sascha Stanic anläßlich seiner Buchpreis-Rede tat. Er hat da als bosnischer Flüchtling wohl eine andere Sicht darauf, aber das Leben ist vielseitig und es hätte sicherlich auch gereicht,”Da habe oder will ich nichts dazu sagen!”, dadazu sagen oder sich einfach für den Preis zu bedanken und sich zu freuen.

Ich habe mich über den Nobelpreis gefreut, war über die Hatz, die Handke da entgegen schlug überrascht und befremdet und nun hinein an einem Sommerfrischenwochenende in die” Obstdiebin”. Was erwartet mich da? Habe ich wohl gedacht und zuerst auf die über fünfhundertfünfig dünn bedruckten Seiten geschaut. Im Beschreibungstext steht etwas von Roman oder Geschichte, das zweitere ist ein O- Ton Handkes, der seine “Einfache Fahrt ins Landesinnere”, als das “Letzte Epos” bezeichnet und da verläßt er die Niemandsbucht. Das ist der Titel eines anderes Handke Werks, das ich nicht gelesen habe, um sich auf die Suche nach einer Obstdiebin zu machen. Ein Bienenstich den er sich zuzog, als er mit nackten Füßen durch das Gras ging, hat ihn dazu veranlaßt, so daß er das Buch, das noch auf seinen Tisch lag, liegen ließ und los maschierte. Das Ganze ist in einem durchgeschrieben undeinDauermonolog. Es gibt Absätze, aber keine Kapitelüberschriften und schon gar nicht einzelne Teile, nur eine wahrscheinlich vom Verlag angefügte Kapittel oder Iinhaltsangabe, die”Der Gare-Saint-Lazare bis hin zu “Einer Festrede” lautet, damit man sich wahrscheinlich in den fünfhundert Seiten Labyrinth doch nicht so sehr veriirrt. Für die, die also einen Plot, eine Handlung mit dem entsprechenden Spannungsbögen wollen, werden sich vielleicht enttäuscht abwenden und “Da passiert ja nichts!”, schreien.

Irrtum, es passiert eigentlich sehr viel. Man muß aber wahrscheinlich geduldig sein und einen langen Atem haben um Peter Handke auf seiner Reise durch Frankreich zu folgen. Denn es sind eigentlich ganz banale Dinge, die ihm da auf seiner Suche nach der Obstdiebin passieren. So fallen ihm, als er über den Markt stolpert, er ist durch seinen Stich da auch etwas behindert, die Kanalsationsplatten auf, die da am Boden verlegt werden, um das Kabelfernsehen, die Telefonnetze, das Gas, etcetera zu verlegen. Vorher hat er sich über das Auto des Therapeuten, der täglich seinen Nachbarn pflegen kommt, gewundert. Dann trifft er die Clochards beim Bahnhof, grüßt sie, trinkt mit ihnen ein Schlückchen Wein und dann bei einem Buffet, um den Rauchgeschmack aus dem Mund zu bekommen noch ein Glas Wein. Er wünscht sich für seine Reise nach Paris Segenwünsche, gibt den dortigen Clochard nochmals Geld, wird als er das beim Zweiten verweigert, von diesen wüst beschimpft. Das sind dann die Segen, dann will sich der ältere Mann, die jungen Frauen im Zug ansehen und blickt in Kopftücher und Verschleierungen. Sieht dann die Doppelgängerin der Obstdiebin, die als der Zug an der Provinzgrenze kontrolliert wird, die Kontrolleure wüst beschimpft.

Ein schöner Handke-Satz ist der von denFrauen im Zug, die sich nach dem Aufwachen schminken, obwohl sie ans Meer und nichts ins Landesinnere fahren. Dann geht es schon zur Obstdiebin und wir erfahren ab etwa Seite hundertzwanzig etwas mehr von ihr und was es mit ihr auf sich hat. Da ist auch interessant, daß Handke schreibt, daß er keine Kriminalgeschichte schreiben will, weil er die als nicht Plotschriftsteller natürlich haßt. Die Obstdiebin ist eine junge Frau heißt Alexia oder auch nicht, war in Russland, will Russisch lernen, hat einen russischen Vater und eine verschollene Mutter, aber auch das stimmt wahrscheinlich nicht so ganz. Sie wird als Streunerin und Herumtrampende beschrieben, obwohl sie mal hier mal dort als Kellnerin, Zimmermädchen oder auf Flußfischmärkten gearbeitet hat. Es wird beschrieben, wie sie zur Obstdiebin wurde. Der Vater hat sie dazu, wie zu einer Mission oder Berufung, die sie hätte, dahingetrieben. Mit Ausnahmen von Trauben und Nüßen klaut sie immer nur einzelne Früchte, wie beispielsweise Birnen, die sie dann oft gar nicht ißt. Handke verfolgt sie auf ihrer Reise und da sieht sie an der Oise chinesische Flußfahrer bei deren Anblick sie beschließt das Obstdiebstum aufzugeben.

Sie flüchtet dann von Handke in einer einfachen Sprache erzählt, nach Cergy, telefoniert mit ihrem Bruder, nimmt ein Abendessen ein, landet dann in Courdimanche und nimmt dort an einer Totenwache teil. In dieser Außensicht geht es mit dem auktorialen Erzählen auf der Suche nach der Mutter, die Bankfrau ist, weiter. Der Krieg wird erwähnt, findet die Obstdiebin doch einen Napf aus Aluminium, der von einem Soldaten stammen könnte, “versteinert, wie ein Stock” dabei, wieder so eine eine schöne Handke Wendung und die Frage der Schuld wird thematisiert.

Die Obstdiebin Alexia wandert dann durch die Au und begegnet verschiedene Tiere dabei, so kreuzt ein Hund, ein Rabe, ein Wal, ein Goldfasan und auch eine vermißte Katze ihren Weg und dann der Pizzabote Valter, der ihr das Gepäck trägt, Mühlenbrot für sie beaorgt und dann mit ihr Essen geht.

Im Cafe l´ Universe bekommen sie dann die Geschiche von dem Selbstmörder Zdenek erzählt und ein alter Mann hält eine Hymne auf Haselnüße. Sie gehen in eine kurdische Kebabbude, dort trifft Alexia eine Schulfreundin, die sie dann mit Valter verläßt, um weiter an der Grenze zwischen der Ile de France und der Picardie in einen Dschugel geraten, wo sie auch das Kätzchen wiedertreffen, das dann von seinem Besitzer abgholt wird.

Wir treffen auf eine alternde Lehrerin die im Sommer, die Geschichte spielt in derSommerhitze einen Kriminalroman schreiben will und Alexia und Valter ziehen dann in derAuberge deDieppe ab, wo si esich nacch einem Tanzabend trennen und einen Traum von der Muttter gibt es auch.

Nach einigen Hin- und her, geht es dann an die Baustelle, wo der Bruder Lehrling ist., Sie gehen auf ein Fußballspiel und am Schluß gibt es noch ein Familienfest und ich habe eine Woche lang einen sehr spannenden Text des “Deutschreibenden in der französischen Niemandsbucht”, wie auf Seite 525 steht, gelesen und bin etwas erstaunt, wie scheinbar einfach Handke es sich da macht, wenn ich so schreiben würde, würde es sicher heißen, da passiert ja nichts! Da ist keine Spannung, Handlung drinnen und außerdem ist es oft surreal und schwankt von einem Thema zum anderen. Einmal sind wir im Krieg, dann wieder im Dschungel und Uli aufgepaßt, der Nobelpreisträger gendert ebenfalls nicht, sondern schreibt von “weiblichen Maurern, Dachdeckern, Elektrikern, Zmmerleuten”, die Sprache ist sehr schön und irgendwo habe ich gelesen, daß das ein sehr ungewöhnlicher Handke ist. Das kann ich nicht beurteilen, weil ich nicht so viel von ihm gelesen habe, habe das Lesen aber sehr genoßen und nein, liebes Literaturcafe, eingeschlafen bin ich dabei nicht!

Buch und Lesegeschichten

Es ist Mitte Juli Sommerlesezeit und da wollte ich ja und tue das seit einigen Jahren meine Backleseliste, also die ungelesenen Bücher, die ich schon seit Jahren vor mich herschleppe, meine Bücherschrankfunde oder Geschenke nach und nach auflesen. Und da hat es ja schon mit dem Bücherschrank im Wohn- und späteren Schlafzimmer meiner Eltern in der Wattgasse angefangen. Den ich geerbt habe und die Traven und John Knittels, das was man damals gelesen und die Büchergilde Gutenberg empfohlen hat, noch immer nicht alle aufgelesen. Als Studentin habe ich mir sehr viele Bücher gekauft, später das Bücherkaufen aufgegeben, dann kam der Büchertum der “Lteratur im März”, wo es eher unbekannte Bücher österreichischerVerlage zu finden gab, die ich auch noch nicht alle gelesen habe. 2010, als ich glaubte, jetzt lese ich meinen SUB einmal fertig, kamen die Bücherschränke und ich dachte, fein, ich hole mir da ein Buch pro Woche und erweitere meinen Lesegeschmack.

Was auch Anfags gut klappte, da habe ich Kafkas-Tagebücher, von dem ich damals nicht viel Ahnung hatte, gelesen und Paolo Giordanos “Einsamkeit der Primzahlen”. Irgendwann hatte ich dann soviele ungelesene Bücher, daß ich mir ernsthaft schwor, nie wieder kaufe ich ein Buch und nehme eines aus den Schränken! Das habe ich, glaube ich, nicht einmal eine Woche ausgehalten, was zur Folge hatte, daß ich etwa um 2013 schon Bücherlisten bis 2023 hatte, die habe ich nach und nach aufgelöst, da ich ja 2015 mit dem “Buchpreis-Lesen” angefangen habe. Damals war es nur die deutsche Leseliste, 2016 kam dann die österreichsche dazu, sowie das Debutpreisbloggen.Inzwischen lese ich auch die Schweizer Bücher und seit dem Vorjahr die des Leipziger Buchpreises, was zur Folge hatte, daß ich meistens bis Februar brauche, um mit den Büchern des Vorjahres fertig zu sein. Also stockt das Backpreislesen. Die schönen Bücher, die ich gefunden habe und lesen möchte, die am Anfang meiner Jahresliste stehen und bin seit einigen Jahren erst im Juni dazugekommen, sie aufzulesen,, bis dann im August die “Buchpreis-Liste” kommt und dann ist das Lesejahr ohnehin schon vorgeplant, das heißt im Dezember sollte ich auch Weihnachtsbücher lesen und da auch im Sommer Leseanfragen kommen, sind die Backlistbücher, die ich dann lesen konnte, immer weniger und weniger geworden, habe Clemens Meer “Im Stein” aufgeschoben, weil mir ein paar erotische Krimis angeboten wurde. Jetzt wartet eigentlich der Haslinger auf mich, den ich ja im vorigen Herbst im Skriptorium lesen wollt und dann dort nicht war und heuer habe ich zwar schon sehr interessante Bücher, die für Leipzig nominiert waren, aber erst sehr wenige Backlistbücher gelesen. Das heißt das stimmt nicht ganz denn die “USATrilogie”, die ich mir von der Anna zum Geburtstag schenken ließ habe ich wahrscheinlich nur deshalb gelesen, weil sie auf der Übersetzer Schiene der “Leipziger Buchpreisliste” standen. Jetzt habe ich den Volker Weidermann gelesen, bin gerade bei der “Obstdiebin”, die, glaube ich, genauso ein Gewinn ist, wie es die “Vögel” waren und Handke kann ich wieder sagen, ist kein “Langweiler und keine Schlaftablette”, man braucht nur, das stimmt schon, ein bißchen Geduld zum Lesen und höchstwahrscheinlich auch etwas Zeit.

Ich habe noch ein paar Geburtstagsbücher die ich eigentlich noch heuer lesen möchte, dazu gehört Nadja Buchers “Doderer-Gasse” und Sandra Gugics “Zorn und Stille” und dann würde ich auch gern unbedingt neben dem Haslinger auch das Buch der Ingrid Broding über den “Der unsichtbare Mensch” lesen und datürlich Dominik Bartas “Vom Land” und Gertraud Klemms “Erbsenzählen”. Es kommen aber inzwischen auch immer wieder neue Bücher, denn ich kann und will es ja nicht lassen, angebotene Bücher abzulehnen und die sind ja auch meistens sehr sehr interessant. So habe ich mit Melissa Broders “Muttermilch” erst vor einigen Wochen eine große Entdeckung gemacht.

jetzt habe ich also noch ein Monat Zeit bis das deutsche Buchpreislesen kommt und da lese ich ja wie schon erwähnt seit 2015 eifrig mit und habe, kann ich erwähnten, sehrviel dadurch gelernt, so daß ich das Nachmachen wirklich nur empfehlen kann Auf das “Buchpreis-Lesen” bin ich ja auf dendurch “Buzzaldirs- Blog” aufmerksam geworden. Denn vor 2013 habe ich da ja nicht sehr viel mitgelesen und mir höchstens ein paar Bücher davon zum Geburtstag oder Weihnachten schenken lassen. Dann kam “Buzzaldrin” auf die idee, die Bücher mit drei oder vier Kollegen zu lesen und ich habe schdamals schon gedacht, das würde ich ich sehr gerne auch machen, aber wegen meiner überlangen Leseliste habe ich das dann erst 2015 gemacht, als “Buzzaldirn” mit sechs anderen zu den offiziellen “Buchpreis-Bloggern” wurde die auch viel Aufwand darum machten. Jetzt gibt es das nicht mehr oder inur in anderer Form, denn jetzt bekommen zwanzig Bogger, Vlogger, Istagrammer, etcetera, je ein Buch, das sie dann vorstellen. Aber ich werde höchstwahrscheinlich wieder alles lesen, weil man diee Bücher auch über “Netgalle” bekommen kann, ist das überhaupt kein Problem und ab 2015 hat es auch immer Voraussagen gegeben, was da wohl auf den Listen stehen könnte?

Ich habe da auch immer eifrig mitgeraten und mir von den Neuerscheinungen und dem, was ich schon gelesen habe, eine Voraussage gestellt. Heuer, wo ich das jetzt auch tun könnte, bin ich ein wenig ratlos, denn auch das, wie man die Informationen über die Neuerscheinungen bekommt, hat sich in letzter Zeit verändert. Eine Zeitlang habe ich da ja von den Bücherblogs sehr viele Informationen bekommen. Aber die gibt es jetzt viel weniger. Es gibt das “Ex Libris” und die Buchempfehlungen von Ö1 aber auch das höre ich weniger. Ich schaue aber regelmäßig die ORF-Bestenliste und bin da immer erstaunt, welche Bücher da empfohllen werden von denen ich bisher nicht viel Ahnung hatte. INformationen habe ich natürlich von der “Lese-Auslese” der “Gesellschaft” bekommen und da auch schon “Corona in Buchenwald” gelesen. “Rund um die Burg” hat mir auch Informationen gegeben und natürlich habe ich auch viel von den Livestreams aus der AS, dem Literaturhaus und der “Gesellschaft” mitbekommen, weiß also von dem neuen Buch der Olga Flor, von dem der Ljuba Arnautovic dem von Daniel Wisser und und…

Gelesen habe ich von den möglichen Buchpreiskanditaten eigentlich nur Raphaela Edelbauers “Dave” und die wird ja ihr Buch auch bei den “O-Tönen” präsentieren und die “O-Töne” sind ja auch ein heißer Tip dafür, was man dann auf den “Buchpreis-Listen” finden könnte? Also bin ich sehr gespannt, denke aber wieder, ich muß nicht alles lesen und Backlisten sind auch sehr pannend, da nach und nach das Ältere aufzulesen. Ein Dilemma oder ein Verdrängungskampf, ein Luxusproblem, wie ich immer schreibe und durchaus spannend, was sich da durchsetzen und alles ansammeln wird. Daß ich nicht alles lesen kann, habe ich jetzt endlich begriffen. Es ist aber sicher interessant aus dem Vollen wählen zu können und da sind die Bücherschrzellen die es da um St Pölten gibt, auch sehr interessant und spannend auch was sich da neben den “Angelique-Bänden” so alles finden läßt. So habe ja erst kürzlich eine Elif Shafak, eine Julie Zeh und ein Buch von Thomas Sautner herausgenommen und das ist ja auch sehr schön, während mir die Ruth oder war es die Doris Kloimstein vorige Woche sagte, daß es es den Bücherschrank beim Hegerpark und den vor der Buchhandlung Kuppitsch, die jetzt dem “Thalia” gehört, nicht mehr gibt.

Menschin zweiter Klasse oder was bisher geschah?

“Hast du deine Enkeltochter jetzt schon gesehen und bist du schon geimpft oder immer noch so stur, die Corona-Maßnahmen zu verweigern?”, fragte Gisi, die gerade angerufen hatte, in vorwurfsvollen Ton und Mathilde konnte nur den Kopf schütteln.

“Habe ich noch nicht, denn immer, wenn wir das wollten, wurden die Maßnahmen verschärft, der zweite, dritte oder vierte Lockdown ausgerufen und, nein, geimpft bin ich noch nicht! Dazu habe ich mich noch nicht entschließen können, obwohl diesbezüglich jetzt starker Druck ausgeübt wird, denn man fast als Nötigung empfinden könnte und das ist es, was mich bisher zögern ließ,weil ich mich zu nichts zwingen lassen möchte, hinter dem ich nicht mit vollsten Herzen stehe, auch wenn ich deshalb, wie ich fürchte, zur Menschin zweiter Klasse geworden bin!”

“Na, so schlimm ist es nicht!”, sagte Gisi insTelefon “-denn du bist,wie ich vermute noch immer in deiner Wohnung und nicht, wie du anklingen last lassen, in ein “Nichtgeimpften-Ghetto” umgezogen. Das gibt es nicht und ich habe noch nichts davon gehört, daß ein solches errichtet werden soll! Also bleibe sachlich und lasse deine dystopischen Phantasien, die nur in einem Roman und sonst nirgends hingehören!”

“Das “NI-Ghetto gibt es nicht, stimmt!”, antwortete Mathilde in die Leitung und versuchte ruhig zu bleiben.

“Stimmt auch, daß ich mir ein solches ausgedacht, beziehungsweise befürchtet habe, daß es dahin kommt! Das gibt es nicht und wird es vermutlich auch nicht geben,dafür aber die 3 G-Regeln seit einigen Monaten, die man als etwas diesbezüglich Vergleichbares einschätzen könnte. Ohne 3G kein Urlaub, kein Restaurant- und auch kein Friseurbesuch, so ist das schon seit einem halben Jahr! Deshalb habe ich mir die Haare selbst geschnitten und einkaufen geht, weil ich keine Maske tragen will, immer noch meine liebe Nachbarin für mich oder eigentlich deren Schwester, weil, die Rosa inzwischen zu ihrem Freund gezogen ist und nur selten in ihre frühere Wohnung kommt. Also stimmt es mit der Menschin der zweiten Klasse und es wäre nur ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein, wenn die Gemeinde Wien beschließen würde, nur Geimpfte in ihren Wohnungen zuzulassen. Soweit ist es noch nicht und ich kann dich auch beruhigen liebe Gisi, es geht mir trotzdem gut und ich fühle mich durchaus nicht, obwohl ich das immer in den Medien höre, als Menschin zweiter Klasse, sondern gesund, frei und widerständig und habe mir das auch auf mein T-Shirt drucken lassen, daß ich mich dem vierten G zugehörig fühle, aber keinen grünen Impfpaß habe und ganz ehrlich möche ich auch keinen Kellner oder Billiteur meinen Impfnachweis zeigen, wenn ich ins Cafe oder ins Theater gehen will! Dann lasse ich es und mache mir meinen Kaffee selber! Ich habe, wie du weißt, eine ausgezeichnete Kaffeemaschine und auch Internet im Haus, so daß ich Online ins Theater, ins Konzert oder auch an anderen Kulturveranstaltungen teilnehmen kann! So gesehen fühle ich mich nicht eingeschränkt, sondern frei, weil ich mich zu nichts zwingen lassen will, was ich nicht wirklich möchte und ich wundere mich auch ein bißchen, liebe Gisela, daß du das anders siehst! Habe ich dich bisher doch, als kritische Person eingeschätzt! Bist du schon geimpft und hattest du nicht das Gefühl, daß du hier vielleicht zu vorschnell zu etwas gedrängt wirst, von dem man noch nicht wirklich sagen kann, ob es hundert Prozentig sicher ist und da denke ich immer noch, daß man das nur soll, weil man nicht krank werden will und nicht, um wieder frei zu leben! Denn das sollte man auch ohne Impfzwang können und daher habe ich vor den niederschwelligen Angeboten von denen jetzt ständig die Rede ist, Bedenken! Denn ich halte es nicht für professionell, die Leute, die zum Filmfestival am Rathausplatz gehen wollen, vorher schnell durchzuimpfen, denn Ersten bräuchten sie dann trotzdem einen Test, weil die Impfung erst nach drei Wochen als solche gilt und wenn ich im Fernsehen so sehe, daß sie sich schon vor dem Parlament maskenlos anstellen, sehe ich da eigentlich eine Gefahr, noch dazu, da ich immer höre, daß die neue Delta-Variante viel viel ansteckender als die Alpha- ist und die ist noch viel anstecker, als der Wild-Typ, obwohl man da schon hörte, daß sie so gefährlich ist, daß der erste Lockdown beschloßen wurde. Daher sind solche Events eigentlich nicht so ungefährlich und über diese Impfparties von denen mir Mar, meine Nachbarin, mir erzählt hat, kann ich nur den Kopf schütteln! Denke ich doch, daß man das in einer Ordination nach voriger genauer Abklärung tun sollte und sich anschließend noch eine halbe Stunde in Beobachtung begeben, damit kein allergischer Schock entsteht oder Nebenwirkungen auftreten. Aber da bekomme ich einen Stich, damit ich tanzen und vielleicht auch Alkohol trinken kann, was nicht im Sinne der Gesundheit sein kann! Findest du das nicht verrückt, liebe Gisi? ich denke, das ist das schon einbißchen!”,sagte Mathilde und atmete tief durch. Dann blickte sie in ihren Laptop in dem Richard Spielbergs neuer Blog lief, der gerade mit “Seit fast fünfhundert Tagen bin ich schon Gefangener der Corona- Gesundheitsdiktur-Fraktion”, seine Zuhörer begrüßte und ein ähnliches T-Shirt, wie sie trug und blickte auf das vor ihr liegende Manuskript “Mathilde im Coronaland” hieß es und darin hatte sie versucht, die Ereignisse des jahres 2020 aufgeschrieben. Jetzt schrieb man Juli 2021 und sie hatte das Manuskript gerade vom Verlag zurückbekommen, weil es angeblich zu dystopisch wäre, hatte ihr ein Lektor namens Rainer Wilbig geschrieben und sie schüttelte den Kopf, denn sie hatte das Buch im vorigen Dezember mit dem Zusatz, daß sie in eine “Nicht- Geimpften- Wohnung” übersiedeln würde, beendet. Das war nicht eingetroffen, aber sehr viel anderes geschehen. Das Freitesten und die 3Gs waren eingeführt worden, auf den dritten Lockdown war zumindestens in Wien der vierte gefolgt, während der Bundeskanzler immer einen Sommer voll der Freiheit versprochen hatte, womit er allerdings das 3G-Regime meinte, mit dem man ungestört auf Urlaub fahren oder ins Kino gehen könne.

So hatte die Realität ihre Phantasie eigentlich bei weitem übertroffen und sie hatte damals nicht gedacht, daß sie, wenn sie sich nicht testen oder impfen ließ, nicht einmal in einen Gastgarten setzen oder zum Friseur gehen konnte, was sie auch nicht mußte, denn sie hatte sich ein Video angesehen, dann selbst zur Schere gegriffen und brauchte, obwohl, die Delta-Variante schon bedrohlich über allen Köpfen schwebte, Mars Einkaufdienste derzeit nicht in Anspruch nehmen, gab es im Moment doch keine Maskenpflicht im Freien, so daß sie unbehelligt auf den Naschmarkt gehen konnte und beim Würstlstand bekam sie auch eine Käsekrainer und einen weißen Spritzer. Also ging es ihr, wie sie Gisi versichern konnte, eigentlich auch als Menschin zweiter Klasse gut, zumindestens durch die Hintertür und im Freien. Das hätte sie der geimpften Gisi, die sich inzwischen weigerte, sie als Ungeimpfte zu treffen, entgegnen können. Aber die hatte schon aufgelegt und Richard Spielberg hatte gerade die Faust erhoben und verabschiedete sich mit “Macht es es gut, liebe Mitgefangene und laßt euch nicht unterkriegen! Kopf hoch und passt auf euch auf, damit euch die böse Delta-Variante nicht erwischt!”

Urlaub in Wien

“Fein der Kindergarten ist aus, jetzt habe ich Ferien, brauche ein Monat lang nicht hingehen und kann mit euch Urlaub machen, Mama, ich freu mich so!”, rief Lena laut und streckte Michaela Reisinger ihre Kindergartentasche hin aus der einige Zeichnungen und Bastelbögen herausragten.

“Und diese dummen Lollypops muß ich auch nicht mehr lutschen, nicht wahr, Mama, das brauche ich jetzt nicht mehr? Ich freu mich so, daß du ind der Papa jetzt zu Hause seid, Zeit für mich habt und auch, daß der Leo zu uns kommt und mit uns Ferien macht! Wann kommt er denn, Mama und warum kommt er zu uns? – Weil seine Mama, deine Freundin Melanie vom Arbeitsamt nach Tirol geschickt wurde, um dort zu servieren und weil sie ihn dort nicht mitnehmen kann, kommt er zu uns, nicht wahrr? , fragte sie und Michaela Reisinger nickte.

“Das freut dich doch Lena, dann bist du nicht so allein und wirst deine Kindergartenfreunde nicht vermissen! Der Leo ist zwar schon ein bißchen größer als du, ihr werdet aber genug Platz in deinem Zimmer haben und du hast dich doch auch immer gut mit ihm verstanden!”

“Klar Mama, er ist acht und kommt schon in die dritte Klasse, während ich ja immer noch im Kindergarten bin, obwohl ich bald vier bin und daher auch schon groß bin, aber-!”, sagte sie und brach ab, um Michaela mit ihren großen Kinderaugen erschrocken anzusehen

“Stimmt das, daß der Leo sich dreimal in der Woche testen lassen muß, um mit uns in den Prater Ringelspiel fahren und ins Gäsehäufel zu gehen zu können? Stimmt das, Mama, daß du das auch mußt, wenn wir Eis essen gehen? Aber ich muß das nicht! Ich muß nicht mehr diese Lollypops lutschen oder schon!”, hat die Tante Hlde gesagt! Die hat gesagt, daß wir weiter freiwillig die Lutschtests machen sollen, damit wir wissen, daß wir nicht ansteckend sind und unsere Oma nicht krank machen! Aber die Tante Laura hat gemeint, daß die nicht mehr gültig sind, daß man keine Selbsttests mehr machen darf, weil damit viel zu viel geschummelt wurde! Wir sollen gurgeln, hat die Tante Laura gemeint, weil das sehr einfach und sicher ist! – Warum gurgeln wir nicht Mama?”, fragte sie und sah Michaela Reisinger, die wieder etwas ratslos wirkte, fragend an. Die hatte Lenas Kindergartentasche genommen, die Zeichnungen und die Bastelbögen herausgenommen und in Lenas Regal gelegt. Dann drehte sie sich um, sah das Töchterlein an und fügte “Stimmt hinzu!”

“In Wien müßen auch die die Kinder weiter, wie bisher in der Schule, gestestet sein, damit sie nicht das Delta-Virus das sich jetzt verbreitet und sehr ansteckend sein soll, in sich haben! Aber du brauchst das noch nicht, denn du bist erst vier!”, antwortete sie sich schon vor Lenas Frage, warum sie das nicht müße, fürchtete und fügte “Wir haben das bisher nicht gebraucht und brauchen es vielleicht auch mit dem Leo nicht zu sehr tun, da wir heuer nicht wegfahren, sondern den Sommer in Wien verbringen wollen!”

“Gehen wir da nicht ins Bad schimmen und nicht in den Prater Ringelspielfahren, wenn der Leo sich dreimal in der Woche testen lassen muß?”, fragte Lena und wirkte enttäuscht.

“ins Gasthaus werden wir nich so viel gehten,weil ichselber koche nd im Park in den du gern gehst und der auch dem Leo gefallen wird, braucht er keinen Test und auch nicht, wenn ihr ein Eis essen wollt! Das bekommt ihr an der Theke, glaube ich, auch so und in den Gastgarten müssen wir unsnicht setzen”,antwortete Michaele Reisinger tröstend.

“Im Freien baucht man auch keine Maske!”, ergänte Lena schon wieder fröhlich.

“Das finde ich fein, denn hinter den weßen Kaffeefilter, die der Papa immer trägt, wenn er mit mir in den Supermarkt geht, schwitzt man fürchterlich und du schaust damit auch wie eine Ente aus!”, sagte sie und kicherte vor sich hin.

“Deshalb trage ich sie auch nicht so gern!”, erklärte Michaela Reisinger und lächelte auch.

“Stimmt, Lena im Freien braucht man die Masken nicht mehr und wenn man im Parks die Tests nicht braucht, dann brauchen wir auch nicht soviel gurgeln und wir werden auch im Wienerwald wandern gehen! Du wirst sehen, das wird toll und wir werden einen schönen Sommer haben!”, versprach Michaela Reisinger und war in die Küche gegangen, um den Tisch für das Mittagessen zu decken.

“Es gibt Pizza, Lena, die magst du doch gern und dazu Hollundersaft!”

“Fein!”, rief diese, um dann wieder besorgt vor sich hinzusehen.

“Aber auf den Rathausplatz zu diesem Filmfestival, wo du und der Papa immer gegangen seid, können wir dann auch nicht gehen, Mama und weißt du, was die Tante Laura noch erzählt hat? Sie hat gesagt, wenn man das jetzt macht, kann man sich vorher in einer Impfbox impfen lassen und braucht dann nicht den 3-G oder grünen Impfnachweis, wenn man sich nachher den Film ansehen will! Aber die Tante Hilde hat geschimpft und gesagt, daß das Blödsinn ist, weil sich dann die Leute schon beim Parlament anstellen, um in die Impfbox zu kommen und dabei keine Kaffeefiltermasken tragen und da stecken sie sich an und nach dem Impfen kommen sie in den Rathausplatz auch nicht hinein, wenn sie keinen Test haben! Das ist sehr kompliziert und man sollte das viel ernster nehmen und beim Impfen, das sehr wichtig ist, nicht so leichtsinnig sein? – Bist du schon geimpft, Mama?”, fragte sie dann und schaute Michaela, die wieder etwas ratlos und verlgen geworden war, so streng an, wie das vermutlich auch die Tante Hilde im Kindergarten tat.

“Noch nicht!”, antwortete sie und schüttelte entschlossen den Kopf.

“Da warten wir noch etwas, haben der Papa und ich uns gedacht, weil ich eine Freundin habe, bei der diese Thrombose aufgetreten ist und sie starke Schmerzen hatte!”

“Und die Impfungen sind auch noch nicht so ganz erprobt und zugelassen, Mama, nicht wahr? Das hat die Mama vom Kevin, der von der Kira gesagt, aber die ist da bös geworden und hat gemeint, daß die Kevin-Mama eine Impfverweigerin und eine Schwurblerin ist! – Bist du das auch, Mama? Aber Schwurblerin ist ein schönes Wort! Ich möchte auch schwurbeln, Mama! Bitte laß mich das tun, wenn ich schon mit dem Leo nicht Ringelspiel fahren darf, weil der sich nicht ständig testen lassen will! Aber du und der Papa könnt zu diesen Impfparties gehen, von denen die Tante Laura der Tante Hilde auch erzäht hat, daß es die jetzt gibt, um die Leute zu der Impfung zu motivieren! Denn die brauchen einen Anreiz, um das zu tun, weil sie zu faul dazu sind! Also brauchen sie niederschwellige Angebote und die soll es im Supermarkt und auch am Friedhof geben, hat die Tante Laura gesagt. Warum am Friedhof, Mama? Da kann man doch keine Party machen, weil das die Ruhe der Toten stört und die dann nicht mehr ruhig schlafen können, wenn die Leute auf der Party gtanzen! Am Friedhof muß man erst und still sein, hat die Tante Hilde erklärt und nach dem Impfen soll man auch keinen Alkohol trinken, sondern sich niedersetzen und schauen, ob man den Stoff verträgt und keinen allergischen Schock bekommt! Wie kann man dabei tanzen und Musik hören, Mama? Das ist doch komisch, nicht wahr?”, wollte Lena wissen und schaute Michaela fragend an, die immer noch ratlos war und den Kopf schüttelte, weil sie das auch nicht wußte und all die Widersprüchlichkeiten, die sich da auftaten, der kleinen Tochter nicht erklären konnte. Also drehte sie sich zum Herd, nahm die Topfhandschuhe und die Pizza aus dem Rohr, um sie auf den Tisch zu stellen.

“Das weiß ich auch nicht, Lena, ich denke aber, daß der Bürgermeister meint, daß die Kinder, die das schon gewohnt sind, sich weiter testen lassen sollen und die Leute sollen sich impfen lassen, damit sie geschütztsind und sich das Virus nicht verbreiten kann und wir einen schönen Urlaub erleben und den werden wir haben, wenn der Leo kommt und mit ihm die Parks entdecken, damit er nicht traurig ist, daß das Arbeitsmarktservice seine Mama nach Tirol geschickt hat, weil man dort Servierinnen braucht, wo sie sich übrigens auch regelmäßig testen lassen muß, damit sie die Gäste nicht ansteckt! Wir werden uns davon nicht irritieren lassen, sondern unsere Pizza essen und dann in deinem Zimmer alles für den Leo herrichten und du kannst ihm, wenn er am Nachmittag kommt, auch deine Zeichnungen zeigen, damit er sieht, was ihr im Kindergarten so macht und er kann dir dein Zeugnis zeigen, daß, wie mir die Melanie berichtet hat, sehr gut sein soll!”

Machtkampf im Ministerium

Jetzt kommt ein Buch, das eigentlich schon veraltet ist, denn von einem “Machtkampf im Klassenzimmer” oder diesbezüglich im Ministerium hat man schon länger nichts gehört, ging es im letzten Jahr ja eher um das Dauertesten, das Maskentragen und ob die für die Kinder schädlich, neurotisieend, traumatisierend oder nicht ist. Aber die Spannungen, die es in den Schulen gab, werden sich durch den mangelnden Unterricht dort, sicher nicht verbessert haben und die Deutschkenntnissse werden durch den Digitalunterricht auch nicht besser geworden sein. Es gibt vordergründig aber andere Probleme, da wird da die Abschiebung von Afghanen gefordert und der Delta Cluster im U- Ausschluß diskutiert, etcetera.

Aber der Reihe nach. 2018 hat die sozialistische Gewerkschafterin und Lehrerin an einer Schule im zehnten Bezirk, glaube ich, Susanne Wiesinger, ein Buch über den “Machtkampf im Klassenzimmer” geschrieben, im dem sie auf die Probleme, die es an den sogenannten Problemschulen, wo alle kinder migrationshintergrund haben, gibt. Hat sie da ja beobachtet, daß sich ihre Schüler nach den Anschlag von Charly Hedo Anfang 2015, darüber eher freuten und daß es auch schwierig ist, wenn an den Schulen Broschüren verteilt werden, die die Mädchen dazu aufforderten zu ihren lesbischen Bedürfnissen zu stehen, die muslimischen Mädchen sich aber nicht einmal ihren ehepartner aussuchen dürfen und oft noch zwangsverheiratet werden.

Das Buch hat Aufsehen erregt. Ich habe es nicht gelesen aber mehrere Interviews darüber gehört und Bildungsminister Fassmann hat sie deshalb zur Leiterin einer Ombudsstelle bestellt, in der die Probleme aufgezeigt und Lösungen erstellt werden sollten.

So ist Susanne Wiesinger ein Jahr durch alle Bundesländer gereist und hat mit Lehrern, Schülern, Eltern Interviews gemacht und dabei gleich beklagt, daß ihr da zu ihrer Sicherheit Berater oder Spitzel zur Seite gestellt wurden, die ihr immer sagten, daß sie das und das, den Journalisten nicht sagen dürfe. Sie hat deshalb öfter überlegt, ihren Job hinzuschmeißen und wieder an die Schule zurückzugehen. Bildungsminister Faßmann hat sie aber immer ermutigt zu bleiben und so ist Anfang 2020, also noch vor Corona ein weiteres Buch herausgekommen, wo sie diese Schwierigkeiten, bezeihungsweise den Machtkampf, den sie im Ministerium erlebte, beschrieb. Ich habe das buch von Doris Kloimstein, die ja an Bildungsfragen auch sehr interessiert ist, überrreicht bekommen, angesichts meiner langen Leseliste es aber auf der nächste Jahr verschoben und jetzt ist ja vieles anders geworden. Also spannend zu sehen, was sich in dem Jahr verändert hat. Anfang 2020 habe ich noch einige Diskussionen darüber gehört. Susanne Wiesinger wurde, glaube ich, nach Erscheinen von ihrer Ombusfrauposition abgesetzt.Seither habe ich nichts mehr von ihr gehört und keine Ahnung, ob sie jetzt wieder an ihrer Schule ist und, wie die Situation dort ausschaut?

Jetzt sind aber ohnehin Ferien. Die Kinder ab zwölf werden geimpft, die ab sechs sollen sich in Wien dreimal wöchentlich testen lassen, um ins Bad und ins Eisgeschäft zu dürfen. Aber das fällt ja, wie in Susanne Wiesingers Buch steht, für die muslimischen Mädchen ohnehin aus, weil die ja weder mitturnen noch schwimmen gehen dürfen.

Es gibt ein Vorwort von Konrad Paul Liessmann, der auf die hohen Ansprüche, die man von der Bildung hat, hinweist, die vom jeweiligen Standpunkt gesehen, sehr widersprüchig ist und, daß die Kinder, die betroffen sind, überbleiben, beziehungsweise von den jeweiligen Parteien lustig hin und hergeschoben werden.

Von den Kontrollmaßnahmen, die Susanne Wiesinger gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit erlebte, habe ich schon geschrieben. Sie beklagte vor allem, daß die Schulleiter und die Lehrer ihre Meinung nicht frei äußern, sonder nur das sagen dürfen, was die Partei von ihnen verlangt, obwohl sie vielleicht ganz anders denken oder in den Schulen etwas anders erlebten und, daß man gleich als rechts hingestellt wird, wenn man auf Probleme aufmerksam macht. Was jetzt auch die Corona-Kritiker sehr stark erleben.

Dann kommt man gleich zu den verpflichtenden Deutschklassen. Da wurden ja seit der türkis- blauen Regierung die Schüler getrennt und die, die nicht gut Deutsch sprachen, wurden seperat unterrichtet und waren nur beim Zeichnen und dem Turnen in der Klasse. Dagegen gab es ja massiven Widerstand, weil es als diskriminierend erlebt wurde. Ich sehe es aber eher als postiv, denn wenn ein Kind aus Afghanistan kommt, nicht Deutsch kann und dann gleich in der NMS sitzt, wird es nichts verstehen und daher auch nichts lernen. Susanne Wiesinger meint aber, daß es eher, die schon hier geborenen Kinder sind, die in die Schule kommen und nicht Deutsch können und meint hier,was mich erstaunte, weil ich es anders erlebte, daß hier oft die Eltern besser Deutsch, als die Kinder können. Erstaunlich deshalb weil es ja auch eine Kindergartenpflicht gibt und die Kinder ja ständig auf ihre Deutschkennsse überprüft werden. Eine Frage ist auch das Kopftuchverbot, daß es ja, glaube ich, inzwischen in den Schulen gibt. Iinteressant ist hier auch, daß ich dle im letzten Jahr, wo ich ja in Wien wenig auf der Straße war, auch kaum Kopftücher gesehen habe und der verpflichtende Ethikunterricht, gegen den sich, glaube ich, die katholische Kirche sträubt, wurde jetzt, soviel ich weiß, auch eingeführt.

Ein Problem sieht Susanne Wiesinger in der, we sie sagt, mangelnden Mischung in den Schulen, gibt es ja offenbar Problemschule mit hundert Prozent Migrantionshintergrund, die landen dann alle in den Rest- sprich neuen Mittelschule, wie die Hauptschule jetzt vornehm genannt werden, um die Kinder oder Eltern vor dem Ran in die AHS abzuhalten, will die ÖVp ja keine Gesamtschule und sträubt sich mit Händen und Füßen dagegen. So gehen alle, die das können ins Gymnasium. Die verlieren dadurch auch an Niveau und Susanne Wiesinger beklagt auch, daß in den Unterstufen schon viele Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen gehen, die dann Schwierigkeiten haben dem Schulstoff zu folgen. Susanne Wiesinger spricht auch von sekundären oder primären Analphabetismus oder der Schweiergkeit sinnerfassend lesen oder verstehen zu können.

“Nenne drei innere Organe?” lautet eine Frage “Ottakring und Simmering”, lautet die Antwort, das sind aber Wiener Randbezirke. Es gibt Schwierigkeiten mit der Evolutionstheorie, dem Schwimmen und Turnen, wie schon erwähnt, so daß sich manche Lehrer das nicht durchzunehmen trauen oder sich auch weigern mit ihren Schülern nach Mauthausen zu fahren, denn die könnten sich dort antisemitisch äußen und dann wären die Lehrer schuld.

Susanne Wiesinger schreibt von einer tschetschenischen Schülerin, die ihre Mitschülerin zwang den Hjiab zu tragen und von einem anderen Mädchen dem die Haare abrasiert wurden, weil sie sich zu wenig bedeckte. Dem Jugendamt hat das Mädchen dann erklärt, sie hätte sich mit Kaugummi verklebt und eine Lehrerin war sehr hilflos, daß sie ihrer Schülerin nicht helfen konnte, die sich ritze oder schnitt. Sie hat das Jugendamt verständigt, das hat aber auch nicht sehr viel getan, als eine Therapie zu empfehlen, die dann nicht angenommen wurde und Schwierigkeiten hatte Susanne Wiesinger auch bei ihrem Ombudsfraujob, da beklagte sie das mangelnde Interesse der Wiener bildungsdirektion, wie der Stadtschulrat heute, glaube ich, heißt, die Wiener SPÖ warf ihr Verrat vor und unterstellte ihr ÖVP- oder FPÖ- lastig zu sein. Sie zitiert aber auch einen Besuch in Vorarlberg, wo die Lehrer und Schuleiter alle behaupteten keine Probleme zu haben und lieber mit ihr über Politik diskutieren wollten. Susanne Wiesinger meint, daß Problemschüler, aber auch Problemschüler von einer Schule zur anderen verlagert werden, ohne daß die Schulleiter Informationen über die Problemlage bekommen.

Die Lehrer meint Susanne Wiesinger erleben in den Klassen viel, wogegen sie nichts machen können, werden immer mehr zu Sozialarbeitern und sind beispielsweise hilflos, wenn immer mehr Mädchen von den Schulen verschwinden, weil sie verheiratet wurden, etcetera. Susanne Wiesinger führt hier das Beispiel einer türkischen Maturantin an, die es geschafft hat und nicht versteht, warum das bei den anderen nicht so ist? Ihre Eltern kommen ja auch aus der Türkei, hatten aber nichts gegen die Bildung ihrer Kinder und das von drei tschetschenischen Modeschülerinnen. An der Maschine mußten sie Hijab lüften, die Männer waren dagegen. Es könnte ja ein Mann vorbei kommen und ein Stückchen Haut sehen. So wurde verdunkelt und Susanne Wiesinger bespricht die Dilemmen vor denen viele Lehrer stehen. Anpassung an die muslimischen Normen oder die Schüler verschwinden. Die Mädchen fahren nicht am Schikurs mit, weil sie dort angeblich ihr Jungfernhäutchen verletzen. Das kommt aus den Muscheen meint Susanne Wiesinger und beklagt, daß die Eltern nicht mitarbeiten wollen und ist für Strafen und Abschafffung der Mindestsicherung, wenn sie ihre Kinder nicht auf den Ausflug schicken. Da bin ich grspalten, den die türkischen Familien haben einen anderen kulturellen Hntergrund. De Kinder nur an die Werte der Schule anzupassen, trifft es da wohl auch nicht. Die Lösung wäre der Kompromiß und das Gespräch. Das ist aber mühsam und in den Schulen ist die Autonomie von den vielen Vorschriften, die aus den Ministerien von Leuten, die nichts von der Praxis verstehen, ohnedies immer mehr bedroht.

Am Schluß gibt es eine zehn Punkteempfehlung und ein sehr schöner Graphikteil wo an Hand von Schultaschen und Belistiften, die Problemlage noch einmal optisch erklärt wird. Das Buch wurde unter Mitarbeit eines Jan Thies geschrieben und ich füge am Schluß noch an, daß es trotzdem sehr gut ist, daß ich es erst jetzt, nach der Pandemie in der wir ja immer noch stecken, gelesen habe.

Denn jetzt verstehe ich den Machtkampf zwischen der Stadt Wien und dem Bund und die Entmündigung, die inzwischen ja alle getroffen hat noch viel besser und mich würde wirklich interessieren, was sich in den eineinhalb Jahren in unseren Schulen geändert hat? Ein bißchen bekomme ich das, die ich ja meine Berufslaufbahn in den Kindergärten der “Kinderfreunde” und im schulpschologischen Dienst begonnen habe, sowie bei “Rettet das Kind” Gastarbeiterkinder betreut habe, in meiner Praxis auch mit.

Noch einmal Literaturgeflüster feiern

Es ist der zehnte juli und ich habe ja versprochen mein dreizehn Jahre Literaturgeflüster-Jubiläum diesmal dreizehn Tage zu feiern und das passt ja ganz gut zu den verlängerten Schreibesommersfrischewochenenden und den dazwischen liegenden Praxistagen. Ja mein Rohtext ist fertig, ich stehe jetzt bei 33380 Worten und vierundsiezig Seiten noch immer einunddreißig Szenen und habe die drei großen Handlungsstränge aus denen der kurze Roman oder die längere Erzählung besteht, begonnen seperat durchzukorrigieren, den der Großmutter Lore und des Sohnes Richard habe ich schon und bin zumindestens vorläufig zu keinen großen Verlängerungsschüben gekommen. Jetzt kommt noch der längste, der der Enkeltochter, die ja von Weitra nach Wien gekommen ist, die kleine Jenny babysittet und der Nachbarin bei ihrem Kampf um ihr Kind hilft und sich außerdem auch an Richards Vlog beteiligen wird. Ich bin, glaube ich, da am Ende Juni oder Anfang Juli fertig geworden und dann nach Harland zum verlängerten Wochenende aufgebrochen. Am Freitag, den zweiten Juli hats dann ziemlich geregnet. ich bin mit dem Rad zum Rastplatz bei Wilhelmsburg gefahren, habe Feuerlinien gepflückt und ein bißchen was aufnotiert, bevor es am Samstag zum ersten Jubelartikel gekommen ist, der war vorgeschrieben und ich bin, wie immer am Samstag in Harland mit dem Rad in die Stadt gefahren und dann zum Markt gegangen, da habe ich nur den Alfred getroffen und mit ihm Cidre getrunken und Leberkäsesemmel gegessen und mir ja vorgenommen meinen Blog in dem ich schon dreizehn Jahre inzwischen täglich über mein literarisches Leben berichte, auch entsprechend literarisch zu feiern.

Aber wie macht man das, wenn man eigentlich absolut neben oder vor dem Literaturbetrieb steht? Ganz schön narzistisch wird der Uli wahrscheinlich sagen, aber irgendwann habe ich von den Beiden, die das Volksstimmefest beziehungsweise, die Lesung da heuer organisieren, die Nachricht bekommen, es gibt keine Corona-Auflagen, also könnte ich da lesen und der Demo-Bericht über die, wo wir auf der Jesuitenwiese gelandet sind, wäre ja vielleicht passend oder wäre das zu schwurblerisch?

Das weiß ich nicht so genau und die diesbezügliche Nachricht ist, glaube ich, auch erst später gekommen. Am Samstag habe ich dann am Balkon in Harland wahrscheinlich bei einem Erdbeercocktail, der Alfred kauft da ja am Markt oder beim “Altenrieder” immer besonders feine Sachen ein, meinen zweiten Feierartikel geschrieben und sonst habe ich gelesen und gelesen, Volker Weidermanns “Duell” zwischen Marcel Reich-Ranicki und Günter Grass, was auf jeden Fall literarisch ist, auch wenn das nicht viel mit mir zu tun hat und am Sonntag sind wie dann, wie wir es auch immer machen, wenn wir am Sonntag in Harland sind, auf die Rudolfshöhe gewandert und haben dort gegessen, Schweizer Wurstsalat und in der Radlerschenke bei Ochsenburg dann einen Bananensplit. Das heißt, eigentlich nur einen halben, habe ich ihn doch, da die Portion sehr groß war, mit dem Alfred geteilt. Am Montag habe ich mich dann enstschloßen wieder einmal mit dem schön grau gemusterten Notizheftchen zum Viehofner See und zur “Seedose” zu fahren. Da war ich im vorigen Sommer regelmäßig und habe einen oder zwei Kaiserspritzer getrunken und auch mal einen Toast gegessen. Aber diesmal gibt es ja die drei Gs und ich habe das vierte, bin frei gesund und widerständig.

Also nur ein Eis und da hat mich der Herr mit der Maske und den Kindern bei dem ich mich vielleicht vorgedrängt habe so erschreckt, daß ich mir die dreißig Cent von meinem zwei Euro Stück gar nicht mehr herausgeben habe lassen, obwohl das Himbeer Greißler Eis nur einssiebzig gekostet hat. Früher hätte ich mich darüber geärgert.Jetzt war es Trinkgeld und wir sind dann auch nach Wien gefahren, denn am Dienstag hat uns die Ruth und das war wahrscheinlich ein literarisches Ereignis zum sommerlichen Mittagessen eingeladen hat. Ich habe ihr mein drittes Corona- Buch mitgebracht und richtig ein paar Bücher sind auch gekommen, während ich in Harland auf meiner sommerfrische war. “Die Wunderkammer des Reisen durch Deutschland” habe ich inzwischen schon gelesen und die Ruth hat mir erzählt, daß sie beim Mayröcker-Begräbnis war und dort die Doris Kloimstein getroffen hat. Mir war der Gang zum Zentralfriedhof, obwohl ich den schon öfter unternommen habe zu weit. Außerdem war das “Bachmann-Lesen” und Klienten hatte ich auch eingeteilt, obwohl ich einen Partezettel bekommen habe. Mit der Ruth sind wir dann in den Stadtpark gegangen und haben die 3 G-Regel ausprobiert und kann denen, die sich Sorgen machen, daß in Wien nicht kontrolliert wird, beruhigen, es wird. In der Kurkonditorei Oberlaa ist es also nichts mit einem “Hugo” geworden, weil man sich den auch nicht von der Theke holen konnte. Also haben wir uns auf den Karlsplatz gesetzt und dort ein paar Aperol Spritz bzw. Campari Soda getrunken. Der Alfred ist dann noch zum Fußballspiel gegangen und am nächsten Tag nach Harland gefahren, um seine Mutter für ihren neundundachtzigsten Geburtstag testen zu lassen. Ich habe Stunden gemacht und bin am Abend mit ihm auch dorthin gefahren, weil am Donnerstag großes Fest im Bootshof. Das heßt so groß war es gar nicht , aber eine Torte hat es gegeben und ich bin erst am Freitag nach Ochsenburg zur Radlerschenke gefahren und da auch keine Notizen gemacht, weil mich die Anna mit der kleinen Lia begleitet hat und dort ein Bambini-Eis mit vielen bunten Smarites gegessen hat. Das war zugegeben auch nicht besonder literarisch. Ich habe aber, als ich zurückgekommen bin, wie schon beschrieben mein “Wo wir waren” korrigiert und überlegt, was ich wohl noch anfügen könnte und richtig von der Doris Kloimstein habe ich inzwischen die Nachricht bekommen daß die “Noahs Fest-Anthologie”, die ja im Herbst beim Skriptorium in Stift Seitenstetten entstanden ist, an die Druckerei gegangen ist. die Fahnen von meiner Geschichte, die ja, weil Maskenpflicht in der Krongasse entstanden ist, hatte ich schon korrigiert und das Belegexemplar kommt im September, also hurrah, hurrah und damit am Samstag am Markt mit der Doris Kloimstein, die wir dort wieder getroffen haben, angestoßen. Bücher getauscht haben wir auch und sie hat mir zur Feier des Tages den Comic “Persepolis” gebracht, der, glaube ich, sehr gut zu Susanne Wiesingers “Machtkampf im Ministerium”, das ich inzwischen ausgelesen habe, passt, aber nicht sicher bin, ob ich es nicht schon habe, denn das Buch wurde, glaube ich, einmal bei der “Literatur im Herbst” oder war es noch die im “März” vorgestellt und da hat sich der Alfred dafür interessiert und es kann auch sein, daß ich es auch einmal im Schrank gefunden habe.

Auf den Markt ist diesmal auch die Anna mit der kleinen Lia mitgekommen. Wir haben mit Cidre angestoßen und dann am Rathausplatz auch noch einen Eis-Prosecco getrunken. Die kleine Lia ist auf der sich dort befindenenden Eisenbahn herumgeturnt und das Wetter war wunderschön und jetzt gibt es noch drei “Literaturgeflüster-Feiertage” bevor es mit den ganz gewöhnlichen Sommerfrischenwochenenden weitergeht. ich werde den Amelia-Strang korrigieren. Dann das ganze noch einmal durchgehen und schauen passt es so oder fehlt noch was und dann kommt Szene für Szene dran, bis das Buch dann irgendwann fertig ist und mit den großen Schreibwerkstatterlebnissen wird es wahrscheinlich nichts mehr werden. Denn der Rohtext ist ja in der Korrigierphase. Das wird wahrscheinlich ein paar Wochen oder Monate dauern. Was dann kommt habe ich noch keine Ahnung und muß das auch noch nicht wissen.

AmMontag fahren wir wieder zurück nach Wien. Zu der Lesetheatersommerreihe ins Weinhaus Sittl kann ich wegen der drei G ja nicht gehen, aber am 23 juli soll ja die Maske in den Geschäften fallen. Dann kann ich wieder in das kleine Spielwarengeschäft in die Westbahnstraße gehenund ein bißchen was für die Lia kaufen,wie ich das auch vor einem Jahr machte, wenn das so bleibt, die Zahlen steigen ja wieder an, die Delta-Variante die viel ansteckender sein soll, ist schon in Österreich angekommen, hat das Parlament und den Ausschuß erreicht und in OE-24 schreien alle, die Lockerung der Maskenpflicht ist viel zu früh und viel zu gefährlich, der Kanzler bleibt aber, was ich sehr positiv finde, gelassen, sagt zwar impfen, impfen, impfen und das kann man ja, wenn man auf den Rathausplatz zum Filmfestival geht.

Da gehe ich, glaube ich, nicht hin, aber am Donnerstag zu den O-Tönen und schauen, wie das da heuer ist. Maskenpflicht im MQ gibt es es ja nicht mehr. Also müßte man dort stehen und zuhören können und dann fahren wir in die Steiermark zur Ruth, die dort für vierzehn Tage eine Ferienwohnung hat, wo wir unseren neuen Campinganhänger aufstellen und ausprobieren können. Dann Sommerfischewochenenden bis Ende August und dann wieder zurück nach Wien und zur Lesung auf das Volksstimmefest, wenn alles klappt und das Leben ist doch ein bißchen literarisch, zumidestens meines, das sich durch Corona ja sehr reduziert hat.

“Das “Literaturgeflüster” ist aber mein Fenster in die Welt!”, habe ich der Judith Gruber-Rizy einmal geschrieben und das finde ich besonders schön!