Kinder der Poesie

Nachdem das österreichische Buchpreislesen zu Ende ist, wegen dem vorher folgenden deutschen hat es ein wenig länger gebraucht, ein Poesiealbum der österreichischen Literatur, bevor es über den Umweg Norwegen ans Schweizer Buchpreislesen, beziehungsweise an die “Bloggerdebut-Shortlist” geht.

Denn die 1982 in Graz geborene Barbara Rieger deren “Bis an Ende Marie” ich gelesen und mich deshalb wegen der Spoilerfrage mit “Bookster” zerstritten habe und die vorher schon ein Fotobuch über die “Kaffeehausliteratur” herausgegeben hat, hat es jetzt mit dem Fotografen Alain Barbero noch einmal versucht und ein Buch herausgebracht in dem sich die österreichische Autorenschaft, die berühmte oder dafür gehaltene jedenfalls,  mit Fotos an ihre Kindheit erinnert, was ja ganz gut an das herannahende Weihnachtsfest passt, weil sich das Buch, glaube ich, ganz gut an literarisch Interessierte verschenken oder unter den Christbaum legen läßt.

Mit zwei Vorbemerkungen beginnt es, dann geht es schon hinein in das Jahr 1924 und zu Friederike Mayröcker, die ja am zwanzigsten Dezember ihren fünfundneunzigsten Geburtstag feiert und ich  erst kürzlich im Literaturhaus lesen und etwas früher in der Wien-Bibliothek beim Artmann-Smposium übers Telefon hören konnte.

Die hat ihre Kindheit in Deitzendorf verbracht und später den Krieg erlebt und dann eine Zeitlang als Englischlehrerin gearbeitet, bevor sie sich als Dichterin selbständig machen konnte.

Es gibt ein Foto mit dem Kinderköpfchen und der Hand der Großmutter und dann, die alte Frau am Sofa, die das Bild in Händen hält und einen entsprechenden Text dazu.

1937 hat Ödon von Horvath “Jugend ohne Gott” geschrieben, der mir völlig unbekannte  Roger Martin de Gard hat den “Nobelpreis für Literatur” bekommen, Kurt Schuschnigg war Bundeskanzler und in Amstetten wurde die kleine Jutta geboren, die wir jetzt als Julian Schutting kennen. Der Text heißt “Kinderzeitspuren” und schon sind wir im Jahr 1941, da war ja Krieg und Barbara Frischmuth wurde in Altaussee geboren, ihr Vater ist 1943 gefallen, die Mutter mußte das Hotel alleine weiterführen und hat die Kinder den Kindermädchen überlassen, eine freie Kindheit für die kleine Barbara, die später in die “Klosterschule” mußte und jetzt, glaube ich, ihre Kindheit literarisch aufgerabeitet hat.

1943 war noch immer Weltkrieg, Adolf Hitler an der Macht, kein Literaturnobelpreis verliehen und in Salzburg wurde Bodo Hell, der experimentelle Dichter, der ein sehr vertrautes Verhältnis zu Friederike Mayröcker hat und seine Sommer schon seit Jahren auf einer Alm verbringt, geboren.

1945 ging der Krieg zu Ende, die “Farm der Tiere” wurde geschrieben, Else Lasker-Schüler starb in Jerusalem, Franz Werfel im amerikanischen Exil, Anne Frank in Bergen-Belsen, Josef Weinheber und Adolf Hitler haben sich umgebracht und Alfred Komarek wurde im Ausseerland geboren. Der hat eine Wohnhöhle in Wien, im Weinviertel, wo er den Gendarmen Polt ins Leben rief, wahrscheinlich einen Weinkeller und das Bild zeigt ihm im Wetterfleck mit einem seiner Großväter, der aus einem Stück Holz ein Schiff oder eine Rakete für ihm schnitzte.

1954 hat Ernest Hemingway den Nobelpreis für Literatur bekommen, der “Herr der Fliegen” wurde geschrieben und ein paar Jahre später hat man den kleinen Robert Menasse vor eine Schreibmaschine gesetzt und sein Milchflascherl dabeben gestellt. Start in die literarische Karriere des deutschen Buchprästrägers von 2017, der die “Hauptstadt” geschrieben hat und ein paar Jahre in Brüssel lebte.

So passiert er auf dem Erwachsenenbild vor dem “Apple”, Wein und eine leere Milchflasche stehen daneben.

Ein Jahr später wurde “Lolita” geschrieben und “Bonjour Tristesse”, Omen für den 1955 in Zwettel geborenen Josef Haslinger, der als ich in die GAV kam, dort Generalsekretär war und seine Kindheit im Stift Zwettel verbrachte. Daß man dort nicht nur die Spinde geraderichte und von den Mönchen mit Tiernamen beschimpft, sondern zu Weihnachten oder auch sonst in die Zellen gebeten, mit Wein bewirtet und betapscht und mißbraucht wurden, hat er, glaube ich, in seinem jüngsten Buch beschrieben, das im Literaturhaus vor zwei Wochen just zu der Zeit präsentiert wurde, als ich auf dem Weg zur Poet-Night war.

1961 hat Ivo Andric den Nobelpreis für Literatur bekommen und im Sölden im Ötztal kam Norbert Gstrein auf die Welt, der hatte fünf Geschwister, drei Brüder und zwei Schwestern und den Onkel Jakob, über den er, glaube ich sein erstes Buich geschrieben hat. Mit dem, einem bärtigen Herrn im Schipullover, ist er porträtiert und in seinem jüngsten Buch mit dem er zum diesjährigen österreichischen Buchpreisträger wurde, geht es um Jackson in Wyoming USA und das wird in seinem Beitrag auch erwähnt.

Sabine Gruber wurde 1963 in Südtirol geboren und zitiert in ihrem Text, das was an dem Tag an dem das Kinderfoto, ein blondgelocktes kleines Mädchen, in einem weißen Kleid, das eigentlich lieber eine Lederhose getragen und mit Autos statt mit Puppen gespielt hätte, in der Zeitung stand und Dimitre Dinev 1968 in Bulgarien. 1981 ist er mit seinen Eltern zum ersten Mal nach Sofia gefahren, da posiert er dann mit seinem  Bruder vor dem großen Mausoleum. Später ist er nach Österreich geflüchtet und gleich mit seinem Debut “Engelszungen”, ich glaube, über den Umweg des “Exil-Preises”, gleich berühmt geworden.

1971 kamen sowohl Daniel Wisser als auch Kathrin Röggla zur Welt, der eine in Klagenfurt, die andere in Salzburg, der eine liebt es nicht aus seinem Priviatleben zu erzählen und hat daher aus seinem Text eine Geschichte gemacht. Die andere liebt es schnell, so fährt sie als Kind  Autodrom und sitzt als Erwachsene mit Mütze in einem Keller oder Garage auf einem Fahrrad und lacht uns etwas skeptisch an.

1975 habe ich studiert und Petra Piuk von der ich beide Bücher gelesen habe, ist in Burgenland auf die Welt gekommen. Sie posiert als Kleinkind zwischen einem großen Bären und einem Weihnachtsmann und als Erwachsene steht sie vor einer Bude in die Luft springend im Prater.

1980 sind sowohl Milena Michiko Flasar, als auch Barbi Markovic geboren, die eine in St. Pölten, als Tochter einer japanischen Mutter, die andere in Belgrad, den “Nobelpreis” hat in diesem Jahr Czeslaw Milos und den “Büchner-Preis” Christa Wolf bekommen.

Milena Michiko Flasar von der ich ihren “Herrn Kato”, die “Krawatte” leider nicht, gelesen habe, ist als Kind mit einer japanischen Fibel abgebildet und schreibt in ihrem Text, wie wichtig ihr das Schreiben und Lesen war, während die “Alpha-Preisträgerin”, bei deren Preisverleihung ich dann schon anwesend war und die ja auch kürzlich erst den “Priessnitz-Preis” bekommen hat, in ihrem Text mit den Belgrader Straßenhunden, beziehungsweise mit den Haustieren, die sie einmal hatte, beschäftigt.

1994 wurde nicht nur meine Tochter Anna, sondern auch das Nachwuchstalent Anna Weidenholzer in Linz geboren, die auf den Bildern jeweils mit einer schwarzen Katze posiert, für ihre Romane beziehungsweise den Erzählband, gerne Tiernamen wählt und sich oder ihr Verlag offenbar, zum Glück werden manche sagen, in einer Jahreszahl gewirrt hat.

1990, so jung ist sie noch, kommt Theodora Bauer, die mit einem Blumenkranz als Kind abgebildet ist und sich später an die Haube greift, auf die Welt und versucht sich an ihre Kindheit zu erinnern.

Von ihr habe ich “Chicago” gelesen, während das “Fell der Tante Meri” irgendwo in meinen Regalen steht und der Jüngste, des Bandes, siebzig Jahre nach Friederike Mayröcker geboren ist Elias Hirschl, der trotzdem schon Slammeister ist und drei Romane geschrieben hat, die alle witzige Namen tragen.

Jüngere Autoren fallen mir nicht ein, sind aber wahrscheinlich schon am Schreiben und ich kann das Buch, das sich, wie schon erwähnt,  als Weihnachtsgeschenk bestens eignet, für alle Literaturinteressierten unterm Christbaum sehr empfehlen.

 

In die Weihnachtsferien

Heute war das letzte “Gegenwartsworkshop” in der “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur” in der Spengergasse vor der Weihnachtspause und ich bin mit dem “Schutzengelchen”, losgegangen, das ich als Weihnachtsgeschenk für meine unbekannte Leser in den “Wortschatz” hineingelegt habe.

Da habe ich ja heuer eine Bücherliste gemacht, wo man nachvollziehen kann, was ich heuer in die Schränke legte, einiges und abwechslungsreich habe ich versucht eine ganze Palette meiner Bücher hineinzustellen. Manchmal habe ich auch darauf vergessen und dann gelegentlich etwas nachgelegt und der Advent, der für mich ja immer etwas besonderes ist, war für mich auch sehr intensiv und umfangreich.

Am ersten Dezember oder dreißigsten November habe ich damit angefangen, die Weihnachtsdekorationen aus dem Keller heraufgeholt und in meiner Praxiswohnung aufgestellt, da hat sich ja schon einiges angesammelt und ich habe auch den kleinen Weihnachtsmann mit dem Buch, den ich damals von der aufgelöstenBuchhandlung in Edith B. Haus bekommen habe, für die kleine Lia, die jetzt schon ein halbes Jahr alt ist, vorbereitet und habe auch angefangen, aus dem “Adventkalenderbuch” jeden Tag ein Kapitel zu lesen, was es dann am vierundzwanzigsten, als Ganzes zu sehen geben wird und dann habe ich noch einen Bildadventkalender, wo ich jeden Tag ein Türchen öffnete und im Netz schaue ich mir auch gern die X-mas Vlogs der Booktuber an.

Am zweiten Dezember ist es dann gleich mit der “Ohrenschmaus- Preisverleihung” weitergegangen, wo es auch ein kleines Dankeschön- Päckchen gab. Am Mittwoch darauf waren wir beim Martin und der Zahui eingeladen und am Samstag gab es die Kleinverlagsmesse beim Buchquartier.

Am Sonntag gabs beim “Ambichl” das Geburtstagsfest des Onkel Franz zu feiern, dann folgte die Weihnachtsfeier im “Doml”, wo ich ein Stück aus meinem “Adventkalender” gelesen habe.

Richtig meine “Adventkalenderfester” aus der “Nika, Weihnachtsfrau” gibt es auch in diesem Monat immer wieder und zwei neue Türchen, das am zehnten November und am fünfzehnten, denn da gabs ja auch das Geburtstagsfest der Doris Kloimstein die eigentlich sehr weihnachtlich war. Sekt und Brötchen hat es vorher beim letzten ÖAAG-KAV- Reflexionstreffen auch gegeben und daneben habe ich meine Praxisstunden gemacht, mir meine heurigen Bücherchristbäume in Wien und in Harland aufgebaut und jetzt bin ich mit den Arbeitstagen fertig. Morgen werde ich noch meine Abrechnung machen und dann am Abend mit dem Alfred nach Harland fahren und dort auch Weihnachten und Silvester feiern.

Bücher zu lesen habe ich ja auch noch, warten ja noch einige “Schweizer Buchpreisbücher” für mich und dann kommt ja noch das “Bloggerdebutpreislesen”, wo ich ja noch drei Bücher zu lesen habe.

Man sieht schon Advent oder Weihnachten ist für mich eine besondere Zeit und nach dem “Doml Workshop, wo ich mir überlegte, ob Dirk Stermanns “Hammer” jetzt ein gutes Buch ist oder nicht, da schwanke ich ich derzeit noch ziemlich hin und her, sehr überladen ist jedenfalls und ein bißchen wie Thomas Berhard in Vulgärformat, hatte ich noch eine Stunde, dann gab es, bevor es nach Harland geht noch eine “Weihnachts- und Jublimäumsparty” der Jurenka Jurk, in deren Verteiler ich mich ja befinde und deren “Webinare” ich mir ja sehr gerne anschaue.

Eine Weinachtsparty am Computer cool.

“Bereitet euch Getränke vor!”, sagte die Schreiblehrerin, die die meiste Zeit gar keine Weinnachtsmütze auf hatte, aber ein Glas Sekt in der Hand hielt und erzählte, daß sie jetzt schon zehn Jahre Schreibtrainerin ist.

Leider bin ich zweimal aus dem Video herausgefallen und ich habe auch die “Unhaltbaren Zustände” gebloggt, das ja auch ein bißchen weihnachtlich ist und jetzt ist alles vorbereitet.

Die Geschenke für die Anna und die Lia, die Tasche mit den Büchern, die nach Harland gehen sollen, wo wir ja zehn Tage bleiben wollen und dort an meinem “Literaturgeflüster-Schreibe-Buch” soviel wie möglich korrigieren, denn 2019 war ja auch mein Romanjahr, ich habe “Mein Schreiben meine Bücher” zusammengestellt und hoffe mit dem Korrigieren bald fertig zu werden, damit ich mich an die Korrektur meines “siebenten Nanowrimos” machen kann.

Gustav Ernst “Romanschreibbuch” liegt auch in der Büchertasche, bin aber nicht ganz sicher, ob ich in diesem Jahr noch zum Lesen kommen werde und dann werde ich auch noch ein paar Shoppingtage machen, bevor es am Dienstag ans Weihnachtsfeiern gibt. Der Christbaum in Harland ist ja schon geschmückt, die Weihnachtskekse sind gebacken und in Harland sind die Weihnachtsdekorationen auch schon aufgebaut.

Danach, wenn ich meinen 2019 Rezensionsstapel heruntergelesen habe, werde ich mich an den “Hammer”machen und hoffe auch wieder ein bißchen Backlist lesen zu können, da wartet ja schon einiges auf mich und einen Jahresrückblick und einen bezüglich meines Bücherjahrs wird es auch noch geben.

Ja und eine Weihnachtslesung auf “Ottakringerisch” hat es am Montag auch noch gegeben und natürlich den Punsch und die Kekse in der “Gesellschaft für Literatur”, von wo vielleicht auch noch ein Buch zu mir kommt.

In die “Gesellschaft” zu Punsch und Keksen

Die “Leseauslese” in der “Gesellschaft für Literatur” wo Katja Gassner und Cornelius Hell jeweils zum Jahresende bzw. zum Saisonschluß ihre Lieblingsbücher vorstellen und dann mit Punsch oder Bowle gefeiert wird, gibt es. wie Manfred Müller erklärte nun schon seit zehn Jahren und ich bin glaube ich im Sommer 2010 eher zufällig dorthin gekommen, weil ich Buchempfehlungen ja eigentlich nicht mag und bin dann im Winter eher gezielt dorthin gegangen, um dem “Geflüster” einen adventlichen Touch zu verleihen.

Seit einigen Jahren gehe ich jetzt kann man sagen gezielt und der Bücher wegen hin und so hatte ich im vorigen Advent zwei noch ungelesene der vorgestellten auf meinem Badezimmerstapel, diesen Juni habe ich mir zwei bestellt und denke immer noch, ob ich das nicht vielleicht auch bei dem Ungarn tun hätte sollen und jetzt hatte ich schon zwei gelesen, das deutsche und das österreichische Buchpreisbuch und ich muß sagen, das sind die zwei, die mir gar nicht so sehr gefallen haben.

Mein Bücherranking kommt, das kann ich gleich verraten, am neunundzwanzigsten Dezember, da habe ich jetzt schon siebzehn Bücher auf der Liste von den wahrscheinlich hundertsechzig gelesenen und von den heutigen Buchempfehlungen waren mir wieder einge völlige unbekannt. Von einigen habe ich schon etwas gehört, zwei wie schon erwähnt, gelesen und begonnen hat es natürlich mit dem berühmtesten und auch dem dicksten Buch, nämlich den “Jakobsbüchern” der “Nobelpreisträgerin” von 2018 von der habe ich ja noch den “Gesang der Fledermäuse” auf meiner Leseliste, was mir “Schöffling un Co” freundlicherweise schickte “Annain den Katakomben” in den Regalen, die “Jakobsbücher” ein historischer Roman, der das Polen des achtzehnten Jahrhunderts schildert, wurde aber von Katja Gassner und Cornelius Hell sehr empfohlen.

Dann ging es weiter mit Lars Saabje Christensen “Die Spuren der Stadt”, ein mir vollkommenen unbekannter Norweger, aber vom Gastland Norwegen habe ich ja gerade Jon Fosses “Der andere Name” gelesen und war zu meiner Überraschung sehr begeistert.

Es folgte Nora Bossongs “Schutzzone” der vereinte Nationen Roman, der Katja Gassner sehr begeistert, mir eigentlich weniger gefallen hat und dann die “Budapester Überschreitungen”, des kürhzlich verstorbenen Janos Terey, der  bei Stephan Teichgräbers Festival gelesen hat und das jetzt bei “Arco” erschienen ist.

Drago Jancars “Wenn die Liebe ruht”, habe ich auf der “Buch-Wien” ein wenig gehört und das Buch wurde von Katja Gassner, Manfred Müller und Cornelius Hell, als ein wenig kitschiges großes Liebesepos geschildert, das verfilmt werden sollte. Mal sehen ob das geschieht, ich habe Drago Jancar ja schon einige Male in der “AS” oder auch anderswo gehört.

Sophie Reyers “Mutter brennt” ist auf der Shortlist des Öst gestanden, ein sehr experimentelles lyrisches Buch, auch wenn mir wieder klar wurde, das ich nicht glaube, daß dieKinder nur eingebildet sind, weil man das sonst anders hätte schildern müßen, aber mystisch geheimnisvoll ist es wohl allemal und, daß Sophie Reyer auch Komponistin ist, war mir eigentlich nicht bewußt.

Ein Buch über Litauen kann bei dem Litauen-Übersetzer Cornelius Hell natürlich nicht fehlen. So wurde das bei “Wallstein” erschienene Gespräch zwischen Irena Veisaite und Aurimas Svedas “Ein Leben in Litauen” vorgestellt und wenn man dann noch Josef Winklers bei “Suhrkamp” erschienenen “Stadtschreiber von Kalkutta” dazunimmt, hat man sich wahrscheinlich durch einen sehr internationalen Bücherreigen gelesen.

Ich bin ja derzeit noch beim Schweizerlesen, bevor es an das “Bloggerdebut” geht, habe aber wieder einige Empfehlungen mitgenommen und mir natürlich wegen des adventlichen Flairs, das ich auch heuer wieder besonders genieße, mir den Punsch und die Kekse schmecken lassen.

Ottakringerisch im Cafe Amadeus

“Ottakringerisch ist mehr an das Milieu, als an den Ort gebunden, hat Franz Blaha heute im Cafe Amadeus in der Märzstraße im fünfzehnten Bezirk, wo ich auch schon gelesen habe, erzählt, als er das “Häferl”, da hab ich auch schon gelesen und nicht so besonders gefallen, vorstellte, diese Initiative für Haftentlassene, die er mehrere Jahre schreibwerkstättisch betreute und die sich von ihm immer ein Weihnachtsgedicht gewünscht haben.

Da ist dann “ds`weinochdn” entstanden, das ich voriges Jahr gelesen habe und heute eine Lesung im Cafe Amadeus veranstaltet von der Kulturinitiative Klopfzeichen, die, glaube ich, von Christian Schreibmüller, dem begnadeteten Slamer betreut wird. Der und Eugen Bartmer und noch ein paar Leute waren schon da, als ich das Cafe erreichte und Franz Blaha, den ich ja schon lange kenne, der auch bei den “Wilden Worten”, etcetera gelesen hat, gleich eine Einführuing in die Dialektik gab, das Ottakringerisch in und mit dem  er aufgewachsen ist und mir ist dieser Bezirk auch sehr vertraut, hat doch meine Großmutter in den sogenannten Jubiläumsbauten im dritten Stock mit Blick sowohl auf die Kirche am Steinhof, als auch auf die Tschauner-Bühne, dem ersten Wiener Stehgreiftheater gewohnt und ich selber in Hernals in der Wattgasse, in der Nähe zum achtzehnten Bezirks, daher auch im Krankenhaus währing geboren und meine andere Oma, hat in einem der schönen alten Gemeindebauten in der Hütteldorferstraße 150, gewohnt.

Man sieht die Bezirke sind mir vertraut, die Sprache eher nicht, hat meine Mutter ja auch das “Schönsprechen!”, von mir gefordert, so beherrsche ich den Dialekt wahrscheinlich nicht so gut, wie das H. C Artmann tat, der ja von Breitensee herkam und von Franz Blaha mehrmals erwähnt wurde.

Es begann zur Zeit passend mit einem Weihnachtsgedicht und endete auch mit einem solchen. Dazwischen gab es sehr viel Loalcolorit und auch sehr viel Hinterfotziges.

Der Greißler wurde erwähnt, der Eismann, der die Eisblöcke in die Kühlschränke brachte, der “Qui Qui” und der Einundzsiebzigjährige, der mit dem Einundsiebziger nach Simmering fährt und es war eine schöne literarische Alternative zu der “Alten Schmiede” und den jüdischen Weisheiten des Paul Chaim Eisenberg zu denen ich sonst wahrscheinlich gegangen wäre.

Schotter

CJetzt kommt Buch zehn des österreichischen Buchpreislesens, das damit abgeschlossen ist.

Florjan Lipus “Schotter” ist das letzte Buch, das noch zu lesen war und von den 1937 bei Bad Eisenkappl geborenen, habe ich schon einiges gelesen und gehört, denn der auf slowenisch schreibende Dichter, ist einer, der wahrscheinlich ähnlich wie Josef Winkler sein ganzes Leben ein einziges Buch, beziehungsweise sein Trauma beschreibt und das war bei Florjan Lipus, wahrscheinlich die Mutter, die, als er sechs war ins KZ Ravensbrück verschleppt und dort ermordet wurde.

Sein bekanntes Werk ist wohl der “Zöglings Tjaz”, der von Peter Handke übesetzt wurde. Das habe ich nicht gelesen, wie “Schotter” auch mein erstes gelesenes Lipus-Buch ist.

Ich habe aber einmal eine zweisprachige Lesung in der “Alten Schmiede” gehört, 2017 war er bei den O Tönen, wo von Katja Gassner bedauert wurde, daß er nicht den österreichischen Staatspreis für Literatur bekommen hat, weil er ja nicht auf Deutsch  schreibt, slowenisch ist aber eine anerkannte Minderheitensprache und er hat den Preis, glaube ich, inzwischen auch bekommen.

Das Buch, das er dort vorstellte, habe ich mir aber, glaube ich, bei einem Literaturhaus-Flohmarkt gekauft und den “Zögling Tjaz” einmal in den Schränken gefunden und nun “Schotter”, wo es nicht, zumindestens nicht vordergründig, um die tote Mutter geht, sondern um einen Gedenkbesuch in ein Lager, das eine Dorfgemeinschaft macht und das nicht sehr dicke Büchlein, ich habe das PDF oder E Book gelesen, das mir “Jung und Jung” zur Verfügung stellte, ist, würde ich sagen, eine einzige Litanei oder ein Totengesang auf das damals Geschehene.

Der Titel beszieht sich auf den Schotter, der am Boden liegend, sowohl die Fußsohlen, der damals Inhaftierten, als auch die, der Besucher berührten und es gibt zwei Enkelkinder, einen Knaben und ein Mädchen, die nach den Spuren der getöteten Großmutter suchen und die natürlich nicht finden.

Ein beeindruckendes Werk eines großen österreichischen Schriftstellers, der vielleicht ein wenig im Schatten von Peter Handke, Josef Winkler und Gerhard Roth steht, ich habe mir aber schon 2017 gewünscht, daß er den “Buchpreis” bekommt, da stand er nicht auf der Liste, jetzt ist er nicht auf die Shortlist gekommen.

Auf Meiner würde er stehen und wenn ich, was ja eigentlich nicht geht, eine Reihung von meinen Favoriten geben würde, würde die so ausschauen:

  1. Florja Lipus “Schotter”
  2. Raphaela Edelbauer “Das flüssige Land”
  3. Gerhard Roth “Der Himmel ist leer, die Teufel sind alle hier”
  4. Marlene Streeruwitz “Flammenwand”
  5. Clemens J. Setz “Der Trost runder Dinge”
  6. Karl Markus Gauss “Abendteuerliche Reise durch mein Zimmer”
  7. Sophie Reyer “Mutter brennt”
  8. Norbert Gstrein “Als ich jung war”
  9. Ivna Zik “Die Nachkommende”
  10. Harald Darer “Blaumann”

Und von den Debuts kann ich gleich hinzufügen, haben mir Angela Lehner und Marco Dinic besonders gut gefallen.

Doris Kloimsteins sechzigster Geburtstag und vierzehntes Nika-Fenster

Die am elften Dezember 1959 in Linz geborene und seit langem in St. Pölten lebende Doris Kloimstein, kenne ich wahrscheinlich seit dreißig Jahren. Damals bin ich von St. Pölten nach Wien gependelt und einmal zu einer IG-Autoren-Regionalversammlung ins Neugebäude gegangen. Seither besteht Kontakt zu der ehemaligen Obfrau der LitGes, ich habe einige ihrer Bücher gelesen, sie ein paar mal während meiner Sommerfrische in St. Pölten getroffen. Sie war in der Schreibgruppe und wenn wir jetzt am Samstag in St. Pölten auf den Markt gehen, rufen wir sie vorher an und treffen sie, wenn sie auch hier ist. In der letzten Zeit tauschen wir auch Bücher aus.Sie bringt mir was und ich ihr meine Doppelexemplare, so habe ich beispielsweise vor kurzem Arno Geigers “Alter König in seinem Exil” in einem der Schränke gefunden und heute war ein großes Fest im Lilienhof im “Maria Ward-Haus”, wo die Anna mal einige Schulungen hatte, denn Doris Kloimstein war nicht nur Regieassistentin im St. Pöltner Landestheater, sondern arbeitete auch bei der Erzdiözöse und eine passionierte Reiterin ist sie auch. So zierte die Einladung ein Pferdebild, es gab Pferdeservietten und auch ein Pferd auf den Tischkarten.

Es gab gutes Essen und auch ein musikalisch- literarisches Programm, denn Doris Kloimstein ist oder war auch im PEN aktiv, hat hier einige Veranstaltungen gemacht und so hat auch Magdalena Tschurlovits einige Weihnachtsgedichte gelesen und ich natürlich mein vierzehntes-Nika-Fenster. Es gab ein Harvenkonzert, ein paar Reden und eine Tanzeinlage der Reiterfreunde. Gute Gespräche und schöne Stimmung und meinen Lesern hat dieses Fest, was mich besonders freut, einen weiteren Einblick in die Nika gegeben, obwohl ja der vierzehnte Dezember 2015 ein Montag war.

“Montag , 14. Dezember

Am Montag war eine Laterne im Adventkalender zu sehen und Nika,  sowohl ein wenig verkatert von dem zuviel getrunkenen Punsch, als auch ein wenig trunken von dem Gefühlsrausch, in den Harald Schwabeneder sie versetzt hatte. Denn der Nachmittag und Abend war wunderschön gewesen. Er hatte sie auch in ihre kleine Wohnung begleitet, war ihr in ihr Bett gefolgt und durch den lauten Weckerton  abprupt in die rauhe Wirklichkeit hineingerissen worden.  War mit ihr zum Adventkalender getappt. Wo er ihr ein Morgenküßchen gab und behauptete,  daß das das Licht sei, daß sie in die Sache bringen würden, dann begann er sie ein wenig verschlafen wachzuküßen.

“Welche Sache?”, erkundigte sich Nika ebenfalls nicht sehr munter.

“Der Fall Kronauer ist doch geklärt, nur den “Faust” müssen wir noch zu seinem “Gretchen” bringen und Ruth dazu, daß sie Joe Prohaska  wenigstens als Wochenendvater für Zoe-Philipas Seelenheil akzeptiert!”

“Das ist es!”, behauptete Harald und zog sie noch einmal an sich.

“Du bist ein Geistesblitz, liebe Nika, denn das ist des Rätsels Lösung! Wir müssen den guten Joe dazu bringen, daß er sich in sein “Gretchen” verliebt, von deiner Schwester abläßt und alles ist in Ordnung, sowie die Welt gerettet!  Ich schreibe einen wunderschönen Abschlußartikel, der kurz vor Weihnachten erscheint!  Alle sind gerührt, wir haben die Welt ein Stückchen heiler gemacht und dazu hat uns das Licht deiner  kleiner Laterne  gebracht!”

“Du bist ein Spinner,Harald und hast gestern zuviel Punsch getrunken!”, antwortete Nika lachend und machte sich von ihm los.

“Ich muß ins Bad um nicht zu spät auf die Mariahilferstraße und mit meinem Chef Schwierigkeiten zu bekommen, der mich daraufhin hinauswirft, weil eine Weihnachtsfrau pünktlich sein muß, wie er mir jeden Tag erklärt! Ich bin für den Rest des Monats arbeitslos, die Weihnachtsgans und die Geschenke  sind gestrichen,  beziehungsweise die Donau hinabgeschwommen!  Das darf nicht passieren,  deshalb sei doch so lieb und fülle Wasser  in die Kaffeemaschine!”, rief sie, drückte ihm auch einen Kuß auf die Stirn und wurde ein wenig rot, als Harald behauptete, daß, wenn Joe Prohaskas “Gretchen” nur halb so hübsch, wie sie wäre, das mit der Liebe sicherlich passieren würde und der Weihnachtsbraten gerettet sei! Sie brauche nicht alles so pessimistisch zu sehen, denn das Stück allein sei schon  ein gutes Omen und eine gnädige Vorsehung des Schicksals!

“Du kannst dich sicher noch an den Literaturunterricht in der Schule erinnern und bist außerdem Germanistin! Der “Faust” ist ein Verführer und läßt das “Gretchen” sitzen! Der gute Joe aber ein Gutmensch, der das bei seinem “One Night Stand” nicht tun will!  Jetzt hat er nur das Pech, daß deine Schwester ihren Part verweigert! Wenn aber das schöne Fräulein, das er auf der Bühne verführen soll, ein solches ist und Joe Prohaska ein halbwegs guter Schauspieler, der sich in seine Rolle versetzen kann, kann es sein, daß er sich in seine Partnerin verliebt und-”

“Die Welt ist gerettet und wir müssen nur noch Fatma Challaki zu Hassan Arawani bringen, damit er das Ertrinken seiner Eltern und den Selbstmord seines Zwillingsbruders vergißt, Fatma über die Ermordung ihres Bruders hinwegkommt, die vielen Flüchtlinge wieder zurück nach Damaskus können und das war es!”, rief sie seinen Optimismus bremsend, lief ins Bad, um sich unter die Dusche zu stellen und die Zähne zu putzen. Als sie in die Küche kam, duftete es nach Kaffee und Harald hatte auch schon Brot, Marmelade und Butter auf den Tisch gestellt.

“Sagen wir wenigstens, das ist heil und unser Frühstück ist gerettet! Wir müssen nicht, weil wir zusammengekommen sind, übertreiben und alles Unmögliche möglich machen, was auch den anderen nicht gelingt! Also guten Morgen und vielen Dank für die wunderschöne Nacht! Wenn es dir recht ist, begleite ich dich an deinen Arbeitsplatz und fahre dann ins Büro, um nachzuschauen, ob sich etwas ergeben hat, was sich für einen weiteren Artikel eignet! Sonst treffen wir uns spätestens am Donnerstag im Theater und schauen uns das “Gretchen” an!”

“Einverstanden!”, antwortete Nika, griff nach dem Kaffeebecher, um einen großen Schluck daraus zu nehmen und alle noch vorhandenen Punschspuren zu vertreiben.

“Der Kaffee schmeckt wunderbar! Du scheinst ein ausgezeichneter Früchstückskoch zu sein! Ich freue mich also auf den Donnerstag und auf das “Gretchen”, sowie auf meinen Arbeitstag!”, sagte sie gut gelaunt und gab ihm eine Stunde später noch  einen Kuß, um sich von ihm zu verabschieden und einigermaßen pünktlich zu sein, was auch zu gelingen schien. Dragana Nikolic  flüsterte ihr, als sie mit ihrem Sack an ihr vorüberhetzte, zu, daß sie sich für den guten Rat bedanke und glaube, daß alles stimme!

“Davon habe ich mich vorgestern in der Mittagspause überzeugt! Der Herr Max scheint ein netter Mann zu sein, der durch seine Krankheit ein wenig behindert ist!  Wenn Jessi ihm beim Einkaufen hilft und ihr das Wichtelspiel Freude macht, ist ihr nicht langweilig und ich brauche mich nicht zu fürchten, daß sie zu oft hier auftaucht und mir Schwierigkeiten bei meinen Vorgesetzten macht, denn die Frau Meisel, die keine Kinder hat, ist da sehr streng und duldet keine Privatbesuche!”, sagte sie mit einem ängstlichen Blick auf die ältere Verkäuferin, die tatsächlich mißtrauisch herüberschaute, so daß sie sich hastig noch einmal bedankte und Nika gutgelaut “Keine Sorge, Frau Nikolic, ich störe nicht! Denn ich muß auch auf meinen Arbeitsplatz, damit ich keine Schwierigkeiten mit meinem Chef und die Kinder ihre Süßigkeiten bekommen!”, rief. Dort war es dann nicht mehr so harmonsich und Haralds Weltrettungsphantasien bald beendet, denn nachdem sie einem kleinen Mädchen, das sie erschrocken ansah,  ein Zuckerl entgegengestreckt hatte,  das dieses fallenließ und ihr Bruder ihr seine Zunge zeigte und frech “Du bist gar keine echt Weihnachtsfrau, denn die gibt es nur im Märchen und im Kindergarten, in den wir heute nicht gehen wollen”, rief, meldete sich ihr Handy und sie hörte die aufgeregte Stimme iher Schwester “Es ist etwas Schreckliches passiert, Nika! Ich hoffe, ich störe nicht und bringe dich auch nicht in deiner Weihnachtsfraumission durcheinander! Aber stell dir vor, Vera hat einen Drohbrief bekommen, daß sie sich bekehren und von mir ablassen soll, weil es ihr, wenn sie sich weiterhin so sündhaft verhält und mit Frauen statt mit Männer verkehrt, wie Peter Kronauer ergehen wird, der seine gerechte Strafe für seine frevelhafte Taten erhalten hat!”, ins Telefon keuchen.”

Was bisher geschah findet sich hier und wie es weitergeht dort, wenn nicht noch etwas Neues dazwischen kommt!

 

Die guten Tage

Jetzt kommt das letzte Buch der österreichichen Debutpreisliste und ich muß sagen der 1988 in Wien geborene und in Belgrad aufgewachsene Marco Dinic, der dann in Salzburg Germanistik und jüdische Kulturgeschichte studierte und beim “Bachmannpreis” glesen hat, macht es mir nicht leicht, mich zwischen ihm und Angela Lehner bezüglich des besten Debuts, was ja ohnehin nicht geht, zu entscheiden.

Beide Bücher sind sehr gut und schade, daß es nicht auf die  Debutpreisshortlist gekommen ist, obwohl ich länger brauchte, bis ich die Struktur erkannte und mich von dem Ton, der teilweise sehr hart rauh aggressiv und auch unsympathisch ist, mitreißen ließ.  Aber so sind sie die Kriegskinder des ehemaligen Jugoslawien, die ihre Kindheit in den Krisengebieten oder in der Diaspora erlebten und einige von ihnen äußern sich auch sehr scharf über ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Gegner.

Beginnen tut es, wie auch Verena Mermers “Autobus Esperanza” in dem sogenannten Gastarbeiterexpress, der von Wien nach Belgrad fährt. Dorthin reist der Ich-Erzähler, der glaube ich, wie an einer Stelle erwähnt wird, tatsächlich Dinic heißt, zum Begräbnis seiner Großmutter.

Dort war er lange nicht, denn der Krieg, sein Verhältnis zu seinem Vater, einem ehemaligen beamten, den er nur wüst beschimpft, hat ihn davon abgehalten.

Er soll auch den Ring der Großmutter mitbringen, den ihm diese zusammen mit ihren Ersparnissen gab, als er die Matura hinter sich hatte und sich wohl in einen ähnlichen Bus in umgekehrer Richtung gesetzt hat und sein Leben fortan in Wien als Barkeeper verbrachte.

Im Bus neben ihn sitzt ein Elektriker und Hobbyautor, der nach Belgrad reist um seine Familiengeschichte zu schreiben. Der schwafelt ih die Ohren voll, verschwindet dann an der ungarisch-serbischen Grenze auf geheimnisvolle Weise, wie er überhaupt ein eher faustischer Charakter zu sein scheint.

Der Bus fährt weiter und die Gedanken des Erzählers gehen in seine Kindheit bzw. Schulzeit zurück. Der Vater wird, wie schon beschrieben beschimpft, die Familiengeschichte erzählt, die Großmutter hat einige Söhne geboren und dann bei seinen Eltern gelebt. Die Mutter wollte zwar einstmals in Amsterdam Kunst studieren, ist dann aber doch nach Belgrad zurückgekommen.

Eine Schulstunde kurz vor der Matura wird lang und breit geschildert, wie der Geschichtslehrer, die Schüler mit seinen Geschichten nervt und unter Druck setzt. Dann kommt die Matura, die Großmutter gibt ihm das Geld, er haut ab und ist jetzt mit demRing zurückgekommen, sieht, daß der Vater klein und alt und geschrumpft ist, erlebt das Begräbnis als Farce, irrt dann in der Stdt herum und trifft an der Stelle über einem ehemaligen Konzentrationslager, das jetzt teilweise ein luxuröses Neubauviertel werden soll, teilweise aber noch die Roma aus der ehemaligen Roma-Siedlung und anderen Obdachlose in einer Bauhütte im Schmutz zusammenkauern läßt, den jetzt seltsam verjüngten Busnachbarn wieder, der sich in seiner zynischen Art über die Gegend und ihre Geschichte ausläßt und dann sein Leben aushaucht.

Das ist die Stelle die Marco Dinic auch bei der Debutlesung in der AK-Bibliothek gelesen hat. Der Erzähler geht nach Hause, trifft sein Vater erstaunlicherweise beim Lesen der russischen Dichter an, die schon früher in dem Buch vorkamen und der Erzähler söhnt sich mit ihm aus, reist am nächsten Tag nach Wien zurück oder bleibt  vielleicht auch in Belgrad zurück?

Das Ende ist jedenfalls unklar.

“Ich öffnete die Augen. War nirgends angekommen”, lauten die letzten Sätze.

Als ich jung war

Nun kommt Buch acht der österreichischen Buchpreisliste und gleichzeitig das Siegerbuch Norbert Gstreins “Als ich jung war” und ich habe von dem 1962 in Tirol geborenen schon einiges gelesen und gehört.

Aufgefallen ist er mir, glaube ich, vor zig Jahren als er beim “Bachmannpreis” gelesen hat. Da habe ich ihn, glaube ich, für experimentell gehalten. Inzwischen ist sein Stil eindeutig realistisch geworden. Er greift immer aktuelle Themen auf und versucht sie, glaube ich, auch mit philosophischen Ansätzen zu verbinden.

“Selbstportrait mit einer Toten”, sowie “Die ganze Wahrheit”, habe ich gelesen und kürzlich erst die “Kommenden Jahre” wo er mit dem Buch, glaube ich, sowohl in Krems, als auch bei den “O-Tönen” war.

Er ist, glaube ich, auch schon öfter auf den “Buchpreislisten” gestanden. 2013 mit einer “Ahnung vom Anfang”, in der “Alten Schmiede” habe ich auch schon Lesungen aus seinen Romanen gehört, den “Wildganspreis” hat er bekommen und bei dem neuen Buch haben, glaube ich, einige bedauert, daß es nicht auf der deutschen Liste gestanden ist.

Nun  war er auf der österreichischen und ich kann schreiben, daß ich mit dem Buch wohl das Problem hatte, wie mit Norbert Gstrein überhaupt, den ich wahrscheinlich, als etwas distanziert empfinde oder man kann über das Buch ein großes philosophisches Konstrukt stülpen, kann die verschiedenen Fragen, wie “Wem gehört die Wahrheit?”, “Wer erzählt eine Geschichte?”, “Was erzählt man dabei und was nicht?”, diskutieren und dann liest man ein Buch, wo auf den dreihundertfünfzig Seiten eigentlich nicht sehr viel geschieht, als daß der Ich-Erzähler Franz der im Hotel seines Vaters aufgewachsen ist, der dort eine sogeannten Hochzeitfabrik betrieb, das heißt, jedes Wochenende Hochzeiten ausrichtete, einmal die Cousine einer Braut küsste, die sich als siebzehn ausgab, aber erst dreizehn war.

Er war zu dieser Zeit Student und ein paar Wochen später ist eine Braut bei einer anderer Hochzeit, die er fotografierte, tot aufgefunden worden. Der Protagonist ist daraufhin nach Amerika gegangen, war dort jahrelang Skilehrer und kehrte, nachdem er eine Beinverletzung hatte, wieder nach Tirol in das Hotel, das inzwischen von seinem Bruder geführt wird, zurück. Dazwischen liegt eine Beziehung zu einem tschechischen Professor, dessen Skilehrer er in der USA war und der sich dort umbrachte.

Das ist eigentlich die ganze Handlung und die ist eigentlich banal. Norbert Gstrein schreibt einen ganzen Roman daraus, der die Frage, der Schuld aufbläht oder beleuchtet und eigentlich einen Looser aus diesem Franz macht.

Aber, um welche Schuld geht es? Ein Kuß ist, denke ich, kein Verbrechen auch wenn das Mädchen erst dreizehn ist und die Theorie, die ich auch schon hörte, daß er die Braut umgebracht hat, kann ich aus dem, was ich gelesen habe, eigentlich nicht nachvollziehen.

Trotzdem tauchen ständig Kommissare oder Sheriffs auf, das halbe Buch spielt in Amerika, die andere Hälfte in Tirol und am Schluß, da fährt er zu einem Konzert, wo das inzwischen erwachsene, dreizehnjährige Mädchen, eine Geigerin ein Konzert gibt.Er geht aber nicht hienein, aus Angst, daß ihm die Polizei verhaften können, flieht er mit dem Auto nach Sizilien, wo er zusammengeschlagen wird, in einem Krankenhaus aufwacht und den dort ihn fragenden Ärzten einen Namen angibt.

Das erscheint mir etwas sehr aufgebläht oder viel Lärm um nichts und man könnte das alles viel einfacher und viel weniger geheimnisvoll erzählen, aber damit vielleicht keinen Buchpreis gewinnen.

Interessant ist auch, daß Norbert Gstrein bei der Preisverleihung ja krank war, den Anfang seines nächsten Romans von seiner Lebensgefährtin vorlesen ließ, was einigen Besuchern nicht gefallen hat und Clemens J. Setz der ja auch auf der Shortlist gestanden ist, dessen Erzählband ich gerade ebenfalls lese, sich auf der “Buch Wien” wo er für Michael Köhlmeier eingesprungen ist, sich darüber mokierte, daß er nicht anwesend war und in seiner ersten Erzählung auch Norbert Gstrein erwähnte.

Da ich außer “Schotter” jetzt schon alle Bücher gelesen habe, könnte man mich nach meiner Einschätzung zum Buchpreis fragen und wissen wollen, wem ich den Preis gegeben hätte?

Ich fürchte, ich weiß es nicht, bei meiner Shortlistprognose hätte ich ja auf Florjan Lipus oder Gerhard Roth getippt. Das Roth Buch hat mir, glaube ich, während des Lesens nicht so sehr gefallen. Jetzt würde ich es aber bei meinen Ranking hinaufreihen. Raphaela Edelbauers Buch hat mir sehr gefallen. Sie hätte ich gern auf der “Bloggerdebutshortliste” gehabt und sonst Karl Markus Gauss ist interessant, Norbert Gstrein ohne jeden Zweifel ein routinierter Schreiber, Sophie Reyer eher experimentell und Harald Darer, der mir auch nicht so gefallen hat und Marlene Streeruwitz sind ja nicht auf der Shortlist gestanden, was auch für Ivna Zik gilt.

 

Dirk Stermanns Sprache und Brigitte Schwens-Harrants Essays

Im “Doml” hat es noch die letzten Kekse von der gestrigen Weihnachtsfeier gegeben und die gute Schokolade, die die Vortragende aus Kroatien mitgebracht hat, für die SPÖ-Weihnachtsfeier wurde auch eifrig hergerichtet und umgeräumt und ich habe mich mit Stephan Teichgräber wieder in die Gefilde von Dirk Stermanns “Hammer” begeben, was ein tolles Buch ist, was ich dem Kabrettisten gar nicht zugetraut habe. Ein tolles Buch mit einer tollen weitschweifigen Sprache, so daß man mit den Googlen gar nicht nachkommt.

Da waren ja erst die Berufe, der “Kotzenmacher”, der “Gubernialrat”, die “Wehenmutter”, etc, die sich Stermann wohl aus alten Archiven zusammenklaubte, dann ging es zu der Frage, ob “Das Kind zeriß ihr die Eingeweide”, eine Metapher ist?  ich denke eher, das sind die Gefühle einer Gebärenden, bis  hin zu den vielen Glocken, die es in St. Stephan gibt.

Ein tolles Buch und Stephan Teichgräber hat auch sehr viel gegooglet und die Zusammenhänge hergestellt, das ich mir nach dem ich die Lesung bei der “Buch Wien” hörte von Annas Geburtsgutschein bei Thalia in St. Pölten gekauft habe, aber höchstwahrscheinlich erst im Jäjnner lesen werde, wenn ich mit meine 2019 Rezensionsexemplaren fertig bin und dann ist es über den Umweg des “Wortschatzes”, wo ich zuerst die “Anna” hineinlegte und beim Rückweg tolle alte “bb-DDR”-Ausgaben gefunden habe, in die “Gesellschaft für Literatur” gegangen, wo der dritte Essayband vorgestellt wurde, den die 1967 geborene Feuilletonchefin der Furche und Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant gemeinsam mit Jörg Seip bei “Klever” herausgebracht hat “Mind the gap. Sieben Fährten über das Verfertigen von Identitäten” und das ist bestimmt ein spannenden Buch, obwohl mir lange nicht klar war, worum es dabei eigentlich geht?

Um die Identität ganz klar, das was man ist, aber eigentlich ist dabei um Ausgrenzung, Abschotten, Rassismus, etcetera gegeangen und “Mind the gap!”, was ich zuerst auch nicht verstanden habe, ist das was, man in der U- Bahn täglich hören kann, “Achtung, da ist eine Spalte!”

Wir haben eine Identität, aber offenbar können wir die nur haben, wenn wir die anderen nicht dazu lassen, so habe ich die “Sieben Fährten” und die Diskussion darüber verstanden, ist es doch um die Frage ob man mit Rechten reden soll?, gegangen.

ich denke, ja natürlich und habe es auch lange genug mit dem Uli versucht, bis er seine Kommentare geschlossen hat, herausgekommen ist aber nur ein Beschimpft worden sein und, um die Handke-Debatte, derzeit gerade besonders aktuell, weil der Nobelpreis, gestern an ihn vergeben wurde.

Der wurde in dem Buch noch nicht erwähnt, hat aber offenbar die Gemüter erregt und ehemalige Freunde zu Feinden gemacht, was ich nicht verstehe, aber schon sehr irritiert über die Diskussion im Literaturcafe, wo Malte Bremer ihm eine “Schlaftablette” nannte, war, sowie über Sasa Stanisic Reaktion bei der “Buchpreis-Verleihung”.

Aber, ich denke, es ist wahrscheinlich doch der Neid “Was der kriegt den preis, der ist doch….?”

Die Greta Thunberg-Beschimpfung, die man bei den rechten Videos hören kann, wurde nicht erwähnt, eher der Rassismus und da ist es in dem Buch zumindestens bei den Stellen die Brigitte Schwens-Harrant vorgelesen hat, eher, um die amerikanische Literatur Toni Morrisson, zum Beispiel und C T. Boyles “America” gegangen. Die sieben Fährten  sind “Liebe, Gender, Stadt,Hybride, Othering, Religion und Gast” und in jedem Kapitel kann man sich anhand der Literaturbeispiele abarbeiten und seine <meinung bilden und ich bin nach wie vor nicht ganz sicher, ob Identität wirklich etwas mit Ausgrenzung zu tun hat?

Zumindest nach meiner Definition nicht, aber natürlich grenzt man ständig jemanden aus, schon wenn man eine “Buchpreisliste” rangreiht tut man das oder mit dem berühmten Satz “Eigenverlag wollen wir nicht! Da kannst du nicht bei uns lesen!”

Aber das ist ein  anderes Kapitel und das “Miteinander statt Gegeneinander!”, ist vielleicht ein Weg hinaus.

Zuhören, Empathie und Wertschätzung! Dann kann man Peter Handke den “Nobelpreis” gönnen und braucht nicht seiner politischen Meinung sein, aber natürlich ist sehr viel Haß in der Welt, was ich nach wie vor sehr schade finde, weil ich ja eigentlich sehr harmoniebedürftig bin.

Philosophisches Forum und zehntes Nika-Fenster

Im Doml, der “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur finden regelmäßige philosophische Foren statt, wozu mich Stephan Teichgräber zwar einlädt, ich aber noch nie hingegangen bin, weil zu speziell. Aber diesmal gab es anschließend die Weihnachtsfeier und da auch noch die sechs Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich hingegangen, weil ich mich ja auch ärgern würde, wenn ich einen Vortrag halte, wo niemand ist, aber anschließend die Leute zur Weihnachtsfeier auftauchen.

Bei der kroatischen Professorin Danijela Lugaric, die eigends aus Zagreb angereist ist, um ihren Vortrag  “Über den Kulturkapitalismus auf (post) jugoslawische Weise: Der Sozialismus und sein Anderes”, zu halten, sind aber Leute gekommen und die letzte Weihnachtsfeier hat im Doml, glaube ich, vor zwei Jahren am neunzehnten Dezember stattgefunden, da habe ich ein Adventkalenderfenster aus der “Nika” gelesen und heute gleich das zweite, nämlich

“Donnerstag, 10. Dezember

Als der Wecker klingelte und Nika aus ihren Träumen schreckte, rauchte ihr der Kopf und die Schläfen schmerzten. Da hatte sie gestern, als sie sich mit Harald Schwabeneder bei Ruth und Vera getroffen hatte, zuviel Wein getrunken und die Spaghetti, die Vera ihnen serviert hatte, waren auch sehr reichhaltig gewesen, so daß sie lange nicht einschlafen hatte können. Jetzt war es sieben, sie mußte aufstehen und danach trachten, halbwegs munter auf die Mariahilferstraße zu kommen.  Hatte aber keine Lust dazu. Nicht die Geringste war in ihr vorhanden,  sich im roten Anzug auf die Straße zu stellen und mit Herrn Widerlich zu streiten. Auch die schöne Perlenkette, die hinter dem Adventdalenderfenster zu sehen war, konnte sie nicht aufheitern.  Dabei war der gestrige Tag sehr intensiv gewesen. Das ließ sich nicht verleugnen. Hatte doch zuerst Ruth angerufen und sie für den Abend zu sich und Vera eingeladen. Dann hatte Harald sie abgeholt, ihr einen “Standard” mit einem seiner Gegenartikel übderreicht und ihr von einer Fernsehdiskussion erzählt, in der sich Andrea Herbst outen würde, die sie nicht versäumen sollten.

“Dann kommst du am Besten zu Ruth und Vera mit!”, hatte sie vorgeschlagen und Harald, der inzwischen sehr vertraut geworden war, einen Kuß auf die Stirn gegeben. Er hatte nichts dagegen und es war ein schöner Abend geworden. Veras Knoblauchspaghetti hatten hervorragend geschmeckt. Der Rotwein, den Ruth ihr eingeschenkt hatte, hatte das auch getan. Nur leider schien sie zuviel davon erwischt zu haben, so daß der Kopf schmerzte, während sie gestern nichts davon gespürt hatte.

“Schauen wir uns an, was Andrea Herbst darüber zu sagen hat, daß Frau Miletic sie in meine Praxis gehen sah!”, hatte Vera vorgeschlagen und den Fernseher aufgedreht.

“Ich habe sie nicht gesehen und auch nicht bestellt! Als Kronauer geläutet hat, ist sie nicht dagewesen und ich habe sie auch nicht am Gang bemerkt!  Ich habe zwar einen automatischen Türöffner und es kommt auch vor, daß ein Klient zu früh kommt und im Vorraum auf seine Stunde wartet! Als ich Kronauer hinausbegleitet habe, ist niemand auf den drei Wartestühlen gesessen. Ich habe mich verabschiedet, bin ins Büro gegangen, um meine Dokumentation zu machen und die Praxis dann verlassen. Am Klo habe ich, wie erwähnt, nicht nachgesehen und die Tochter muß die Praxis auch verlassen haben, denn am nächsten Morgen war sie nicht da, als Frau Sibelinski den toten Kronauer auf der Toilette fand! Aber es erklärt, wie der Leuchter aufdas Klo gekommen  ist, denn von mir stammt er nicht!”, hatte sie gesagt. Dann hatte sie sich nochmals Wein eingeschenkt,  auf der Polstergarnitur Platz genommen und auf den Fernseher geschaut, wo die schlanke Fünfzehnjährige zu sehen war, die hektisch die Moderatorin anstarrte, die sie vorstellte und sich bei ihr bedankte, daß sie sich bereit erklärt hatte, mit ihr zu sprechen, um der Öffentlichkeit, die sich dafür interessierte, zu erzählen, wie das mit ihrem Stiefvater war?

“Du bist am vorigen Montag, als er seine Therapiestunde hatte, in der Praxis gewesen, nicht wahr?”, fragte Sabine Schweikart Andrea Herbst sanft, die ein blasses, hochaufgeschossenes Mädchen war, das die blonden halblangen blonden Haare,  aus dem Gesicht gestrichen hatte, Jeans und einen blassblauen Rollkragenpulover trug. Sie fuhr sich nervös mit der Hand übers Gesicht, dann hatte sie genickt und trotzig “Stimmt!”, gesagt.

“Ich bin dort gewesen! Das habe ich auch der Polizei erzählt! Aber ich habe ihn nicht umgebracht! Ich habe oft daran gedacht,  es zu tun und  das auch mit meiner Therapeutin, die ich die letzten zwei Jahre besuchte, um ihn aus dem Kopf zu bekommen, durchbesprochen, die das für eine normale Reaktion hielt! Ich habe es nicht getan! Es tut mir nicht leid, daß er einen Schlaganfall hatte, aber ich bin nicht schuld daran!” sagte sie laut und brach ab.

“Natürlich nicht!”, bestätigte Sabine Schweikart sanft und beugte sich zu ihrem Gast hinüber um Andrea Herbst über die Schulter zu streichen.

“Das sollten wir vielleicht für unser Publikum klarstellen, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt! Peter Kronauer, das haben die Gerichtsmedihziner inzwischen festgestellt, ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte auf seiner Stirn aber auch einige Platzwunden, die er sich offensichtlich zugezogen hat, als er auf einen Leuchter gefallen ist! Ein Leuchter, der  sich auf der Toilette befunden hat, der aber nicht zur Praxis gehört und die Hausmeisterin, die dich kommen sah,  glaubt nun, daß sich in deiner Tasche ein solcher befunden hat!”

“Sie hat ihn aber nicht gesehen!”, antwortete Andrea Herbst patzig. Dann brach sie erneut ab und, strich sich über die Stirn und starrte in die Kamera.

“Es stimmt! Er war in der Sporttasche! Aber ich habe ihn nicht damit erschlagen, soviel Kraft habe ich gar nicht! Das habe ich auch der Polizei gesagt! “, rief sie laut und machte den Eindruck, als würde sie zu weinen beginnen.

“Beruhige dich!”, sagte Sabine Schweikart, strich Andrea Herbst nochmals über die Schulter und blickte zu Andreas Mutter, die ihre Tochter begleitet hatte und neben ihr saß.

“Das hat niemand behauptet! Unser Publikum möchte nur wissen, wie der Leuchter in die Praxis gekommen ist? Du hast ihn also mitghebracht?”

“Stimmt!”, antwortete Andrea Herbst und blickte zuerst zu ihrer Mutter, die ihre Hand ergriff und dann in die Kamera.

“Es war der Weihnachtsleuchter, den ich einmal von meiner Oma bekommen habe und der in meinem Zimmer steht.  Als ich acht oder neun war, hat ihn mir die Oma zu Weihnachten geschenkt! Er ist am Fensterbrett gestanden , so daß ich ihn immer, wenn ich im Bett liege, sehen konnte!”

“Verstehe!”, hatte Sabine Schweikart sanft geantwortet.

“In dem Bett in dem dich Kronauer überfiel, so daß dich der Leuchter an seine Tat erinnert hat!”

“Stimmt!”, bestätigte Andrea Herbst.

“Ich weiß auch nicht, warum ich ihn nicht fortgeworfen habe! Ich wollte das tun! Habe aber immer darauf vergessen! Vielleicht habe ich es auch nicht zusammengebracht! In meiner letzten Theapiestunde habe ich darüber gesprochen  und meine Therapeutin hat gemeint, daß ich einmal so weit sein werde, ihn wegzugeben,  damit ich mich nicht mehr daran erinnern muß! Am vorigen Montag war das dann so!  Da hatten wir am Nachmittag Turnen  in der Schule, so habe ich ihn in meine Sporttasche gepackt und mitgenommen!  Ich wollte ihn in ein Antiquitätengeschäft bringen und fragen, ob ich ihn verkaufen kann?  Dann bin ich aber an der Praxis seiner Therapeutin vorgekommen. Das heißt, ich habe ihn auf der Straße gesehen,  bin ihm nachgegangen, dann lang vor dem Haus mit der Praxistafel gestanden! Mich geärgert und geweint, weil ich wieder an alles denken mußte! Dann habe ich angeläutet und bin hinaufgegangen, weil ich dachte, daß ich die Therapeutin fragen will,  wieso sie ihn therapiert? Das wollte ich wissen!  Ich habe angeläutet, die Tür ist aufgegangen. Im Wartezimmer war niemand! So bin ich auf die Toilette gegangen, habe nicht zugesperrt,  weil ich mich nur frisieren wollte! Dann ist er plötzlich hineingekommen und erschrocken, als er mich gesehen hat! Ich habe den Leuchter aus der Tasche genommen! Da ist er noch mehr erschrocken und hat ein rotes Gesicht bekommen! Auf einmal ist er nach vor gefallen und auf den Leuchter gestürzt, den ich vor Schreck ausließ! So ist es gewesen! Ich bin weggelaufen! Habe mich zuerst der Mama, dann meiner Therapeutin anvertraut, die gemeint hat, daß ich mit der Polizei reden soll und den Reportern habe ich auch erzählt,  daß ich nicht traurig bin,  daß er nicht mehr lebt,  weil ich mich nun nicht mehr vor ihm fürchten muß! Aber ich habe ihn nicht umgebracht und bin auch nicht schuld, daß er einen Schlaganfall bekommen hat, weil er mich mit dem Leuchter gesehen hat!  Denn ich habe ihm nichts getan!  Das mit dem Schlaganfall war Zufall und hat nichts mit mir zu tun!  Das hat auch meine Therapeutin gemeint, die mich darin unterstützte, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit ich das alles vergessen kann!”, sagte sie und begann wirklich zu weinen. Sabine Schweikart hatte sie noch einmal umarmt  und “Wir verstehen dich, Andrea! Du bist sehr tapfer und brauchst dich nicht zu fürchten!”, gesagt und Vera hatte “Aha, so ist das!”, sarkastisch ausgerufen!

“Jetzt wissen wir, wie der Leuchter in meine Praxis gekommen ist und woran Kronauer gestorben ist! Müssen nur noch JoeProhaska überzeugen, daß er sich um Ruths Kind nicht zu kümmern braucht, weil das ohnehin zwei Mütter haben wird und ich muß schauen, wie ich zu neuen Klienten komme! Denn derzeit ist mein Zulauf sehr gering! Aber vielleicht gibt sich das, wenn sich die Presse beruhigt hat und nicht mehr soviel über mich und meine Praxis schreibt!”

“Natürlich hatte Harald Schwabeneder geantwortet und hinzugefügt, daß er da ganz sicher sei!  Dann hat er seine Hand auf ihren Arm gelegt  und Ruth und Vera verraten, daß sie sich befreundet hätten.

“Sehr gut!”, hatte Vera gekontert.

“Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes! ” und ihnen zugeprostet. Nika hatte genicktund auch das zweite Glas ausgetrunken. Jetzt hatt sie Kopfweh und eigentlich war es ihr egal zu wissen, daß Andrea Herbst den Leuchter in Veras Praxis getragen hatte. Ganz egal war es ihr oder auch nicht, denn vielleicht hatte auch  Klaus Widerlich Sabine Schweikarts Sendung gersehen und verlangte mit ihr über den Leuchter zu diskutieren. Das wollte er aber wahrscheinlich nicht , weil er sich nur dafür interessierte,  daß sie nicht zuviele Süßigkeiten verteilte,  so daß sie aufpassen mußte, daß Jessica nicht mehr bekam.  Aber die würde erst am Samstag auftauchen und da würde sie zur Sicherheit eine Packung auf eigene Kosten besorgen , die in ihre Weihnachtsfrauenjacke stecken und der Kleinen daraus geben. Da konnte Widerlich nichts dagegen haben und nicht mit ihr schimpfen, dachte sie,  als sie in der Garderobe dieJacke anzog  und die Mütze aufsetzte. Als sie das Kaufhaus zehn Minuten später verließ ,  saß sie wieder Hassan Arawani  beim Eingang sitzen und sie anstarren. Er hatte sich nichts angetan und da er wahrscheinlich wieder nichts  aus ihrem Sack wollte, konnte Herr Widerlich nicht mit ihr schimpfen. Zulächeln konnte sie ihm aber und “How are you?”, fragen und wenn sie sich nicht irrte, hatte er auch genickt. Sie irrte sich bestimmt und bildete sich da nur ein! Es konnte aber nicht schaden, ihn angelächelt zu haben und jetzt die Prospekte herausholen und ihre Verteilungstour beginnen.”