Mit der unsichtbaren Frau ins Cafe Westend

Luis Stabauer

Luis Stabauer

Bruno Schernhammer

Bruno Schernhammer

Heute also wieder einmal eine Lesung, wo ich meine “Unsichtbare Frau”, die ja durch die Regierungsumbildung wieder aktuell geworden ist, vorstellen konnte.

Das erste Mal habe ich aus ihr die Nobelpreisszene, die ich ja sehr gern mag beim “Volksstimmefest” gelesen und mir vorher im “Writersstudio” zweimal Feedback geholt, dann habe ich beim “Bobop” wozu mich der Rudi Lasselsberger eingeladen hat, daraus gelesen und beim Geburtstagsfest vier Szenen, eine Szene bei den “Wilden Worten” im Jänner und im Mai dann noch einmal das volle Programm im Republikanischen Club. Heute habe ich meine fünfzehn Minuten auf die erste unsichtbaren FrauSzene und dann auf die in New York verteilt und das Cafe Westend war auch erstaunlich voll.

Ich bin ja vor zwei Monaten das erste Mal zu einer von Luis Stabauer und Erika Kronabitter, bei deren Geburtstagsfest ich auch die zene fürf vorgetragen habe, organisierten Lesung gegangen, um mir das Senaro anzuschauen, wo es auch sehr gut besucht war und dann vor einem Monat noch einmal, wo deutlich weniger Besucher waren, also habe ich auch mit einem Sommerschwund gerechnet, es ist aber wieder die Margit Heumann gekommen, die Doris Kloimstein, meine Hauptschulfreundin Christa U., der Chemiker Manfred und dann noch zwei Stammbesucherinnen, die ich eingeladen hab und dann noch das andere Publkum das vielleicht so oder zu den beiden anderen Lesern kamen.

Und die waren moderiert von Luis Stabauer, der 1957 geborene Bruno Schernhammer, der in der “Kramer Gesellschaft” einen Roman über den Autobahnbau “Und alle winkten – Im Schatten der Autobahn” herausgegeben hat, aus dem er vier Stellen las.

Eva Jancak

Eva Jancak

Christian Schwetz

Christian Schwetz

Der hat die Lesung begonnen, gefolgt von mir und dann kam der  1962 geborene Christian Schwetz, der sohn des zweiten Mannesm ,meiner Cousine Irmi, der las einen “Er- Ich” genannten Text, der die Ereignisse in zwei Perspektiven schilderte und recht interessant, sowie ein wenig experimentell klang.

Jetzt gibt es eine Sommerpause bei den Westend-Lesungen, im Herbst geht es dann weiter, ich bin gespannt und habe heute die “Podium-Sommerlesereihe” im Cafe Prückl versäumt.

Nestroy im Weinhaus Sittl

Da der Alfred heute wieder eine Betriebsratsitzung hatte, sind wir wieder zu der Sommerlesereihe ins Weinhaus Sittl gegangen, um ums vom ersten Wiener Lesetheater eine Nestroy-Aufführung geben zu lassen.

Irgendwie passen die Wientage mit den Sommerlesereihen ja ganz gut zusammen, am Montag Weinhaus Sittl, aber da sollte ich eigentlich in Harland sein, am Dienstag im Juli Cafe Prückl und am Donnerstag die O- Töne, da bleiben für den Mittwoch nur der Rathausplatz oder das Filmfestival am Karlsplatz über, sofern es eines gibt.

Und Nestroy mag ich eigentlich sehr, obwohl ich ja keine große Theatergeherin bin, habe ich als Schülerin und Studentin, glaube ich, recht viele seiner Stücke gesehen und wir waren auch vor zwei Jahren mit der Ute und dem Andreas bei den Nestroy-Spielen in Schwechat. Da hat Ottwald John einen Hausherrn gespielt, jetzt hat er bei der von Christa Kern kuratierten Veranstaltung der “Beiden Nachtwandler oder das Notwendige und das Überflüßige”, auch einen bankrotten Vater gespielt, der seine beiden Töchter gegen Geld verkuppeln will.

Ein eher selten gespieltes Stück, ich weiß nicht, ob ich es schon einmal gesehen oder gelesen habe. Der Titel ist aber sehr bekannt und war eigentlich das Motto das die Schülerin oder Studentin aus ihrer philosophischen Phase ins Leben mitgenommen hat, auch wenn sich das inzwischen vielleicht ein bißchen verwischt hat und ein berühmtes Zitat habe ich auch daraus erkannt, daß ich gerne öfter mal zitiere “Ich denke von allen Menschen das Schlechteste, selbst und mir und ich habe mich noch selten getäuscht!”

Sonst war mir die Handlung von dem Nachtwandler, der durch sein Auftauchen einen reichen Herrn vor einem Einbrecher rettet, der ihn daraufhin glücklich machen will, was aber nicht gelingt, weil die Ansprüche mit den Gelegenheiten steigen, ziemlich unbekannt und Nestroy, ja Nestroy ist sehr moralisch und es ist eigentlich ein starkes Stück, das viel über die Menschheit aussagt, daß der Seiler, glaube ich, Sebastian hieß, war dann ein Gag, der eigentlich gar nicht so hineinpasste, die Leute aber zum Lachen brachte, mich aber ein bißchen störte, habe ich es doch bekanntlich nicht so sehr mit der Ironie, es war aber gut, wenn ich schon nicht in Harland Radfahren konnte, mir wieder einmal einen Nestroy zu geben oder in Erinnerung zu rufen, da ich da ich ja außer im Sommer oder zu den “Frauen lesen Frauen-Aufführungen”, nicht so oft zu Lesetheateraufführungen gehe.

Außer Christa Kern und Ottwald John haben noch Manuel Gierisch,Renate Woltron und Thomas Macek , die ich von den Poet-Nächten kenne mitgelesen, während mir die anderen Darsteller eher unbekannt waren und der schöne Bidermayergastgarten des Weinhaus Sittl war des schönen Wetters wegen auch sehr voll und der Hof ist auch so stilecht, daß man sich vorstellen könnte, daß Johann Nestroy auch hier gespielt haben könnte.

Die Wahrheit ist ein Heer

Die 1979 in Wiener Neustadt geborene Tiwald habe ich, glaube ich, bei einer IG-Autoren Veranstaltung im Augarten Spitz kennengelernt, wo sie erzählte, wie so der Alltag einer schreibenden Jungautorin aussieht: Reden bei Begräbnissen, das hat mich so beeindruckt, daß ich in der “Sophie Hungers” eine solche Figur einbaute, Deutsch und Analphabetisierkurse und dazwischen schreiben und verschicken der Texte an Zeitschriften und Verlagen, das füge ich jetzt frei hinzu, weil ich das so am Anfang meiner literarischen Laufbahn so gemacht habe.

Dann kann ich mich erinnern, daß ich sie gesehen habe, als ich 2009 Gästin bei der damals von Franz Blaha geleiteten “Augustin Schreibwerkstatt” war. Da ist sie im Hof gesessen und hat mit Franz Blaha etwas gesprochen, denn es gibt auch Connections zum Burgenland, inzwischen ist Katharina Tiwald, glaube ich, Präsidentin des burgenländischen PEN und das von den Deutschkursen hat mich auch sehr fasziniert. In meinen Texten kommen auch immer wieder solche Sprachlehrerinnen vor und Katharina Tiwald hat Sprachwissenschaften und Russisch studiert, die Hauptschullehrerzusatzprüfung gemacht und, glaube ich, auch dort unterrichtet und immer wieder Berichte über die Zustände in den Schulen gegeben, daß sie an einem Buch darüber schreibt, habe ich auch gehört, beziehungsweise hat sie dieses, glaube ich, vorgestellt, als sie Gästin bei den “Wilden Worten” war, das ist dann 2012 bei “Styria” erschienen und da hat mich der Titel verwirrt, weil ich mir den nicht zum Schulalltag in Beziehung setzen konnte.

2015 habe ich das Buch dann in der “Morawa-Abverkaufskiste” um zwei Euro gefunden und jetzt erst gelesen, obwohl es ja auch nicht ganz in den Sommer, wo ja Ferien sind passt, aber erfahren, was es mit dem Titel auf sich hat, das ist eine Metapher die Nietzsche einmal gebrauchte und jetzt wissen wir schon viel über das Buch und was es von dem unterscheiden würde, das ich über den Schulalltag schreiben würde und da kommt ja einiges in der “Pensionsschockdepression” vor.

Katharina Tiwald macht es natürlich sprachlich viel genauer und abgehobener und so steht auch in der einzigen “Amazon-Rezension”, die es zu finden gibt, etwas, daß es schwer zu lesen ist.

Darüber bin ich dann auch gestopert und fast gescheitert, habe ich doch fast ein verlängertes Wochenende für die zweihundert Seiten gebraucht, denn man kommt nur schwer hinein und Katharina Tiwald macht es wirklich sehr kompliziert und der Leserin und ich bin ja eigentlich eine geübte, nicht sehr leicht.

Die Vergleiche zum “Schüler Gerber”, stehen natürlich auch im Klappentext und da könnte man denken, was hat das Schulsystem des vorigen Jahrhunderts mit dem heutigen zu tun? Da hat sie sich ja  viel verändert und das wird dann auch, wenn auch, wie erwähnt sehr abgehoben, von Katharina Tiwald auch  thematisiert.

Es geht um das Mädchen G. Interessant, beziehungsweise wieder sehr viel von Katahrina Tiwald, die sich immer wieder als die von außen kommende Erzählerin im Wir-Stil in die Handlung einmischt, daß das Mädchen keinen Namen hat.

G. ist die Abkürzrung des Nachnamens. Ernst G. heißt der Vater und ist Arzt in einer Provinzstadt. Die Mutter hieß Martha Vogelbauer bevor sie ihren Ernstl heirate, beschloß dann, nicht mehr als ein Kind zu bekommen und ist diesem eigentlich eine recht liebevolle Mutter.

Kurz wird noch etwas vom Kindergarten und der Volksschule philosophiert, bevor es in das Provinzgymnasium und in Gs Pubertät hineingeht und dieses Mädchen wird von der Autorin auch sehr widersprüchig und keineswegs, wie man es eigentlich erwarten könnte, nur als Opfer geschildert.

So fordert sie die Mutter eimal auf, eine Freundin zum Essen mitzubringen, sie lädt dann ein Mädchen ein und sagt dem zweiten, das auch dazu möchte, schroff ab.

Die Lehrer werden geschildert. Die “Cinderella” genannte Englischlehrein, die ein Herz für ihre Schüler hat und dann an einem Burn-out endet. Die strenge Mathemathiklehrerin und G. ist natürlich eine schlechte Schülerin in diesem Fach, was den Vater in Verzweiflung bringt und er mit seiner Autorität droht. Die Mutter ist da viel verständiger und sagt “Schreib halt nicht so schön, dann hast du mehr Zeit!”

Die Deutschlehrerin, die daran verzweifelt, daß die Schüler keine Phantasie haben und nicht erzählen können, ruft “Eure Eltern sollen euch doch ein Buch kaufen!”,  verzweifelt ruft. Da zeigt G. auf und sagt: “Wie sollen wir das können, wenn keiner mit uns spricht?”

Es werden dann auch die Schüler geschildert. Da gibt es den “Paten”, den Gottfried Blech, der alle schikaniert, aber dann mit Vierzehn seltsamerweise abstürzt und seine Macht verliert, den Bosnier Nebojsa Cvijetinovic, als einzigen Migranten und mit dem und zwei anderen Burschen, “Die Ritter von der Tafelrunde” genannt, freundet G. sich auch an.

Die erste Regel kommt, glaube ich, mit Dreizehn und als sie vierzehn wird, will die Mutter unbedingt eine Party starten. So lädt G. die drei Freunde ein, nur einer sagt zu. Nebojsa kommt zu spät, der Dritte mußte mit seinen Eltern auf einen Berg und widerwillig ein paar Mädchen der Klasse.

Es kommt zu den ersten Liebesbeziehungen mit Nebojsa und dann zu einer mit Gottfried Blech und das ist der Untergang und das, woran G. scheitert. Sie wird krank, geht nach Hause, ruft die Großmutter an, die aber auch nicht versteht und nur “Alles Gute!”, wünscht. Dann geht sie ins Schlafzimmer der Eltern, holt sich dort die Schlafpulver, der Mutter und ein Fensterputzmittel, ruft dann noch einmal ihre Freunde an, die sich nicht melden.

Nebojsa will nicht mit ihr sprechen. Gottfried Blech ist schon in den Ferien so daß nichts überbleibt, als daß sich die allwissende Erzählerin wieder einmischt und den letzten Satz hinschreibt:

“Ich sage noch”, jetzt verwendet sie die Einzahl “dass sie noch einmal den Korridor entlanggegangen ist, ins Schlafzimmer der Eltern. Sie hat das Fenster dort aufgerissen.”

Der Schüler Gerber hat sich, glaube ich,  ja auch aus dem Fenster gestützt, aber der hat und das ist der Clou der Torberg-Geschichte, seine Matura bestanden. Das Mädchen G.  dagegen die Unterstufe gerade erst abgeschlossen und ich schließe mit der Betrachtung, daß Katharina Tiwald zwar ein sehr sperriges Buch mit all seinen Ecken und Kanten, die ja auch von mir immer gefordert werden, geschrieben hat, daß aber trotzdem, gerade in Zeiten wie diesen, also wahrscheinlich zehn Jahre nach dem Schreiben, noch sehr aktuell und für die etwas im Lesen geüberten, sehr zu empfehlen ist. Ich hoffe es gibt es noch und ist noch nicht vergriffen oder ausverkauft und ansonsten bin ich sehr gespannt was ich noch von Katharina Tiwald lesen und hören werde.

“Die Messe für eine” habe ich zu Hause, sie ist aber glaube ich in meinen Bücherbergen sehr vergraben und ich müßte erst danach suchen und sie wieder auf meine Leseliste setzen.

Leere Herzen

Es beginnt mit einem Abendessen einer Mittelschichtfamilie in der nahen Zukunft, so ab 2020 würde ich schätzen, die AfD, hier BBB oder “Besorgte- Bürger- Bewegung”, genannt, hat die Macht übernommen und der Import von ausländischen Bier soll verboten werden, weil das deutsche ja besser ist.

Britta und Richard haben ihre Freunde Janina und Knut mit ihrer Tochter Cora eingeladen, Brittas Tochter Vera freut sich darauf, die beiden Töchter verziehen sich ins Kinderzimmer, um mit irgendwelchen Megapuppen zu spilen, dann drehen sie das Fernsehen auf und rufen die Erwachsenen herbei, denn auf dem Schirm ist ein Anschlag zu sehen, Selbstmordattentäter haben den Flughafen in Leipzig überfallen, Britta erblasst, wird nervös und greif zu ihrem Handy.

Britta leitet eine psychologische Beratungsstelle namen “Brücke”, die darauf spezialisiert ist, Selbstmordkanditaten von ihrem Vorhaben abzubringen. Das ist die offizielle Version. Die Inoffizielle lautet, daß die Kandiaten durch ein ausgetüffeltes Evaluierungsverfahren geschleust werde, die meisten geben auf und gehen geheilt nach Hause, die, die überbleiben, werden an Organisationen, wie die IS, die auch einen anderen Namen hat oder an Tierschutzvereine vermietet und jetzt hat sich offenbar eineKonkurrenzorganisation gebildet, die Britta und ihren Partner Babak, das ist, glaube ich, ein Iraker zu routieren bringt und der weitere Fortlauf der Verhandlung wird etwas unklar erzählt.

Britta fährt gegen Babaks Willen herum, um mit ihren Partnern von der “Daesh” und einem seltsamen Aussteiger namens G. Flossen zu sprechen, die beteuern sie waren es nicht und es kommt heraus, daß die Attentäter ein eintätowiertes “Empty Hearts” hatten.

Inzwischen gerät Richard in Hochstimmung. In seiner Firma hat sich ein potenter Patner gemldet, der in sie einsteigen will, der heißt Guido Hatz, taucht etwas später in Brittas Praxis auf, erklärt sich zu ihren Schutzengel und rät ihr ein Jahr auszusteigen. Auch Richard drängt das zu tun. Britta, die unter Panikattacken, Verfolgsängsten und Magenschmerzen leidet, weigert sich das zu tun, hat  sie doch in Hatz einen Verfolger erkannt, der ihr nachgefahren ist, als sie mit ihren Freunden ein heruntergekommenes Haus besichtigten, das diese kaufen wollen.

So bildet sie stattdessen weiter ihre Kanditaten aus, da gibt es schon zwei in höchster Stufe, als dritte meldet sich eine Juiletta, die alsbald in des schwulen Babaks Wohnung zieht. Sie will nur für eine Tierschutzorganisatzon sterben. So sucht Britta verzweifelt nach Flossen, findetihn dann etwas später tot in ihrer Praxis und die Unterlagen zu den Datenträgern wurden auch gestohlen.

So brechen die  Britta, Juiletta und Babak in einer nächtlichen Fahrradaktion in das verfallene Häuschen auf, das etwas unrealistisch, über keine Wasseranschluß verfügt, so daß sie Flußwasser trinken müssen, sie haben auch keinen Strom und keinen Herd und müssen sich nächtens heimlich mit Chipspackungen aus den Tankstellen versorgen.

Das zielt darauf ab, verrückt zu werden, bevor es aber so weit ist, taucht der Schutzengel auf, den sie überfallen und gefesselt in den Keller schleppen und der klärt sie auf, was das ganze soll. Die abgedankte Frau Merkel, was ja insofern interessant ist, da diese von den rechten Kreisen derzeit ja wirklich sehr gemobbt wird, soll wieder eingesetzt werden, BBB von einem ehemaligen Kanditaten, den die “Brücke” ausgeschieden hat, vernichtet werden und Guido Hatz fordert die drei auf, sich ihnen anzuschließen. Da schüttelt Britta den Kopf, fesselt ihn wieder und versorgt ihre drei Kanditaten mit einem Handy, so daß sie jederzeit überwacht werden können, läßt sie tätowieren und verläßt dann die “Brücke”.

Das letzte Kapitel beginnt wieder wie von vorn. Janina und Knut kommen zum Abendessen, diesmal ist auch Babak dabei, die Mädchen freuen sich und verziehen sich zum Fernseher zurück, dann rufen sie die Eltern, denn das Programm wurde unterbrochen und wieder ist ein Attentat oder ein vereitelter Putschversuch zu sehen, die drei Attentäter Juilette Marquart und Djaward sind umgekommen, der Putschverhindert und mit der BBB wird es weiter gehen.

“Warum?”, fragt glaube ich Richard und das ist etwas, worauf ich  auch keine Antwort weiß.

Der Roman, der 1974 in Bonn geborenen Juli Zeh, die in Leipig studierte und inzwischen, glaube ich,  auch Verfassungsrichterin ist, ist 2017 erschienen, Margot Koller hat ihn mir zum letzten Geburtstag geschenkt, es ist also auch ein Buch von der Backlist, der Erfolgsautorin, die inzwischen schon weitere Bücher geschrieben hat und von der ich, ihren Erstlings “Adler und Engel” gelesen, sowie zwei weitere Bücher noch auf meiner Leseliste habe.

Ein Roman über den man sicher länger nachdenken kann und der vielleicht auch  einige Erklärungen braucht, die “Amazon-Meinungen” sind geteilt von gut bis schlecht, warum die Rückkehr Merkels verhindert wurde und man dazu einen Selbstmordanschlag mit drei Toten brauchte und was überhaupt die Aussage des Buches ist, wurde mir nicht  ganz klar.

Juli Zeh ist eine sehr politische Autorin und hat sicher ein sehr politisches Thema aufgegriffen, einiges erscheint mir vom Plot aber unverständlich. So zum Beispiel, wieso sich die beiden Freunde ein so heruntergekommenes Haus kaufen wollen und das noch als ihr Traumdomizil bezeichen. Die Psychotherapie wurde auch ein wenig schief geschildert, das mit den Panikattacken der Hauptfigur wurde mir nicht ganz klar, was die bedeuten sollten, daß Britta sich immer an den Magen griff, aber jede Untersuchung verweigerte. Die ganze Britta erscheint mir auch ein wenig blass und in ihrem Umgang mit Babak widersprüchig und was das mit den “leeren Herzen”,  dem mangelden Lebenssinn” und die  “Überzeugsbereitschaft”, des heutigen Deutschlands auf dem Weg ins Morgen zu tun hat, habe ich auch nicht ganz verstanden.

Interessant ist vielleicht auch, daß ich von dem Buch, bevor ich es bekommen habe, so gar nichts auf den Blogs und in den Rezensionen hörte, während das vorher erschienene “Unterleuten” und das danach herausgebrachte “Neujahr” prominent auf den Messen diskutiert wurde.

Es ist auch die Frage, ob ein Buch das Anfang bis höchstens  Mitte Zweitausendzwanzig spielt, vor allem wenn man es im Juli 2019 liest, wirklich als Zukunftsroman bezeichnet werden kann und so finde ich die Systemkritik, die es wahrscheinlich beschreiben will, sehr verhalten, vage und verschwommen und denke, daß sie jemand, der das Buch vielleicht in fünf Jahren liest gar nicht mehr verstehen wird und die deutsche Bundeskanzlerin dann vielleicht anders heißen wird und ein Kanzler ist und die Vermietung eines Selbstmordkanditaten an die IS oder an einen militanten Tierschutzverein, finde ich eigentlich verwerflich, was im Buch aber nicht thematisiert wird, während ich eines über die Organisationen der aktiven Sterbehilfe, die es in der Schweiz und in Holland gibt, viel spannender finden würde. Aber in der Literatur muß ja alles erhöht sein, wenn es das dann, genau betrachtet, am Ende gar nicht ist.

Und um am  Schluß noch eine in dem Buch gestellte Frage zu beantworten, ich, obwohl ich ja sehr politsch bin, könnte mir vorstellen, daß ich, wenn ich mich zwischen einer Waschmaschine und das Wahlrecht entscheiden müßte, aus Gründen der Effizienz für das Erstere entscheiden würde, weil es ja ohnehin nichts bringt, wenn ich, wie ich es in den letzten Jahren tat, die KPÖ wählte, während das Waschen der Wäsche in der Trommel statt im Fluß sicherlich viel einfacher ist.

Die Stille in Prag

Weiter geht es mit dem Backlistlesen, nämlich mit Jaroslav Rudis “Die Stille in Prag”, 2007, geschrieben, gekauft vor einigen Jahren bei einem dieser Literaturhausflohmärkte.

Es ist ein Sommerbuch könnte man anmerken, denn es spielt in diesem oder am Ende, lautet doch der letzte Satz “Der Sommer ist vorbei” und es ist auch eines in dem man Prag kennenlernen könnte, leben die handeldnden Protagonisten doch dort und ziehen mehr oder weniger erfolgreich in der Stadt herum.

Da ist einmal Petr, er hat sein Studium abgebrochen und arbeitet jetzt als Straßenbahnfahrer. Dazu nimmt er, was eigentlich streng verboten ist, seine Hündin Malmö mit, er ist auch sonst ziemlich unangepasst.

So beginnt das Buch, daß er mit Vanda die Nacht verbrachte, die ist knapp achtzehn, einePunkerin oder Sängerin der Band “Kill the Barbie”, da soll sie am Abend als Vorprogramm auftreten. Einer der Bandmitglieder hat sie betrogen, so ist sie auf einer Bank vor einer Straßenbahnhaltestelle gesessen und Petr hat sie mitgenommen.

Sie hat auch Schwierigkeiten mit ihren Eltern, der Vater hat die Mutter betrogen und ist eigentlich ein Arschloch, seither lebt sie von Wein und Alkohol und der Vater gibt Vanda nicht das von ihr gewünschte Geld für einen Computer. Da soll sie erst ihr Abi machen, aber sie ist ja schon lange ausgestiegen.

Wayne heißt Wayne nach dem berühmten Schauspieler, weil sein Vater einen Cowboyhelden als Sohn haben wollte, er ist Amerikaner aus dem berühmten Delaware, lebt aber jetzt als erfolgreicher Anwalt in Prag und hat die “Kleine” als Freundin.

Die heißt eigentlich Hana, hat Kulturwissenschaften studiert, in Berlin, Genf und sonstwo gelebt und befindet sich gerade auf einen Rückflug von Lissabon, wo sie auf einem Kongreß war. Dort hat sie mit einem Thomas gevögelt, den sie zwar nicht mehr wiedersehen wird, trotzdem aber Wayne  verlassen möchte und der hat auch Probleme, beziehungsweise Panikanfälle, hat er doch im Fernsehen einen Soldaten auf einer Bahre gesehen und denkt, daß es sein Bruder Mike sein könnte, der ja gerade im Irak stationiert ist.

Dann gibt es noch Vladimir, einen ehemaligen Musiker, der seine Frau verloren hat und deshalb am Durchdrehen ist, er haßt den Lärm, die vier anderen sind ja eher laut, so hat er eine Lärmzerstörungsmaschine gebaut, weshalb ihn seine Kinder in die Klapse bringen wollen. Er läuft auch mit Scheren in den Straßenbahnen herum und zerschneidet Passanten, wie beispielsweise Hana, das Kabel ihres Walkmans.

Dann will er sich nur heimdrehen, kauft eine Flasche Wodka, zermörsert sämtliche Tabletten, die er zu Hause hat und trinkt das Gemisch dann trotzdem nicht, stattdessen besucht er das Konzert auf dem sich sämtliche Protagonisten und auch der Hund Malmö, obwohl er das eigentlich nicht darf, befinden, dreht den Strom ab, um die gewünschte Stille zu erzeugen, eine Schlägerei beginnt. Vanda kommt in ein Krankenhaus, Wayne wird auf die  Polizei gebracht. Vladimir ist umgefallen und Petr geht mit Hana nach Hause, beschließt aber Vanda am nächsten Tag im Kankenhaus zu besuchen.

Ein spannender Roman über den man sicher geteilter Meinung sein kann, manchen wird er nicht genug literarisch sein, es ist aber wieder das, was mir auch zu schreiben vorschwebt und was ich auch schon seit einigen Jahrzehnten tue.

Jaroslav Rudis wurde 1972 geboren, ich habe ihn, glaube ich, beim ersten “Literatur und Wein” in Krems kennengelernt, heuer hat er wieder dort gelesen, war auch mit seinem “Winterbergs letzte Reise”, das ich erst lesen muß, in Leipzig prominent und “Grand Hotel” habe ich im letzten Jahr gelesen, weil “Wagenbach” da eine Hotel-Serie herausgebracht hat.

Schräges von der O-Töne-Eröffnung

Lukas Lauermann

Lukas Lauermann

Barbara Zeman

Barbara Zeman

Am Donnerstag hat im MQ wieder das Lesefest begonnen, das jetzt von Klaus  Kastberger zusammengestellt wird, der jetzt auch für die Debuts verantwortlich ist.

Bei der Eröffnung gibt es immer ein Musikprogramm und war im Folder als die “Schräger Singer/Songwriterin Alicia Edelweiß mit dem wohl vielfältigsten Cellisten Lukas Lauermann” angekündet.

Sie hatten auch eine Geigerin dabei und dann folgten zwei Autoren, die man wohl auch als schräng bezeichnen kann. Nämlich das Debut “Immerjahn” von Barbara Zemann, die ich schon im Literaturhaus hörte und da hat die 1981 in Eisenstadt geborene Autorin wieder sehr genau und sehr lang ihren wohl etwas ungewöhnlichen Künstlerroman vorgestellt, der wahrscheinlich an das Debut von vor zwei Jahren von Irene Diwiak erinnern könnte, so daß ich gespannt bin, ob ich das Buch auf der Debutschiene des östBps finden werde, auf der Bloggerdebutlonglist steht es, glaube ich, schon.

Barbara Zemann erzählte wahrscheinlich mehr, als sie gelesen hat und Daniela Strigl sprach in ihrer Einleitung auch davon, daß des Sujet des Debuts, nämlich ein Tag eines reichen Mannes, der seine Villa in ein Museum verwandelt will, dabei aber seine Sekretärin entlassen hat, etwas ungewöhnlich ist, weil die meisten anderen Debutanten eher von ihrer engen und bedrückenden Kindheit schreiben.

Dann folgte ebenfalls ein außergewöhnliches Literaturtalent, nämlich der neue Erzählband “Der Trost runder Dinge” des 1982 in Graz geborenen Clemens J. Setz, der neuerdings Hüte zu tragen scheint und dessen literarischen Aufstieg ich eigentlich sehr genau verfolgt habe.

Habe ich doch sein Debut “Söhne und Planeten” bei einem St. Pöltner Flohmarkt gekauft und, ich glaube, 2009 gelesen. Dann hat er bald den Bremer Literaturpreis bekommen,  dicke Romane wie die “Frequenzen” noch bei “Residenz” erschienen, geschrieben. “Indigo” ist, glaube ich, auch sehr dick.

Mit den Erzählungen “Die Liebe zur Zeit des Mahlstädterkindes” hat er den “Leipziger Belletriktik-Preis” gewonnen und da hat mich der Wechsel in die Skurrilität schon etwas gewundert. Bei dem neuen Erzählband scheint das nicht anders zu sein, wie Daniela Strigl im Interview erwähnte, obwohl die Geschichte, die er glesen hatte, einen eigentlich realen Hintergrund hatte.

Der dickste Roman war dann wohl “Die Stunde zwischen Frau und Gitarre” was 2015 auf der Long- und vielleicht auch auf der Shortlist des dBp stand und mir sehr gefallen hat.

Gedichtbände gibt es  auch und auch Twittergedichte, von denen Clemens J. Setz noch eine Zugabe gab und der Haupthof des MQ war wieder sehr voll, Ljuba Arnautovic, Alice Harmer, Sarah Wipauer, die glaube ich mit Clemens J. Setz befreundet ist, habe ich gesehen, aber auch meine Hauptschulkollegin Christa U, Margit Heumann und noch viele mehr.

Fliegengewicht

Weiter gehts mit einem richtigen Backlist-Buch, nämlich den 2010 erschienen Debutroman von Anna-Elisabeth Mayer, der bei mir natürlich auch seine Rezeptionsgeschichte hat.

Gehört habe ich von dem Werk, der 1977 in Salzburg gbeborenen Autorin, glaube ich, das erste Mal im Radio, bei den “Neuerscheinungen aus Österreich”, daß es sich bei der in Leipzig studierenden Anna Elisabeth Mayer, um einen ungewöhnlichen Arztroman handeln würde und habe mich noch über das Sujet gewundert.

Dann bin ich am Vorabend des zweiten “Alphas” in die SVA gegangen, weil die da einen Abend für ihre Autoren hatten und habe mich mit Andreas Renoldner über die Autorin, die ja dort für den Preis nominiert war unterhalten.

Am nächsten Tag war die KritLit, der Alfi war zu Hause und hat alles für das Geburtstagsfest vorbereitet, daß ich extra wegen dem “Alpha”, obwohl die sich auf mein Mail nicht gemeldet hatten und ich auch nicht genau wußte, wann die beginnen würde, verschoben hatte.

Ich kam dann sehr spät in das Studio am Rennweg, wollte nach dem Schutting hinein, wurde das aber nicht gelassen, bin nach Hause gefahren und habe mich geärgert und dann auf der Website erfahren, Anna-Elisabeth Myaer hat den Preis gewonnen.

“Wir laden Sie das nöchste Jahr ein!”, hat der nicht sehr freundliche Herr zu mir gesagt und sein Versprechen natürlich nicht gehalten. Da habe ich aber den “Chef” auf der “Buch Wien” angesprochen und ihm die “Buch-Kultur” gezeigt, wo die Veranstaltung wieder angekündigt wurde, ohne, daß dazugeschrieben war, daß man ohne Einladung hinausgeschnissen wird.

Herr Leitgeb hat sich dann zu mir gesetzt, gesagt, daß er sich der Sache annehmen wird, ich aber nicht böse sein solle, wenn….

Angenommen hat sich dann aber erst “Atalante” und ab dann hat es geklappt und 2015 hat Anna-Elisabeth Mayer den “Priessnitz-Preis” bekommen. Da ist mir ein Herr im Literaturhaus aufgefallen, der dort sehr auffällig “Hof gehalten” hat. Der Verleger habe ich gedacht, es war aber der Vater, den habe ich dann angesprochen, ihm mein Karterl gegeben und er hatte meinen Blog gelesen, wo ich ja bei den Bücher von Anna- Elisabeth Mayer und Miliena Michiko Flasar, der Gewinnerin von 2012 immer dazu geschrieben habe, daß ich das Buch leider nicht bekommen und auf meinen “Alpha-Artikel” verlinkt habe, weil man sich bei den Preisverleihungen, die entsprechenden Bücher immer mitnehmen konnte.

Er hat es mir dann aus Lichtenstein, wo er, glaube ich, eine Rechtsanwaltspraxis hat oder hatte, geschickt, wofür ihm nochmals sehr herzlich danke und das Buch dann angesichts meiner übervollen Leseliste liegenlassen, jetzt aber in der Sommerpause oder Sommerloch bevor die Neuerscheinungen des Herbstes kommen, hervorgeholt und ich muß sagen, es war eine Überraschung, nämlich ein Buch, wie ich es eigentlich schreiben möchte. Vielleicht lernt man das in Leipzig mit dem Klischee eines Arztromanes umzugehen und trotzdem keinen Trivialroman daraus zu machen.

Eine junge Frau komm auf eine Herzstation, wo außer ihr im Zimmer noch drei alte Frauen, Frau Ferdinand, Frau Ott und Frau Blaser liegen, die sich über das “Küken”, das sie nun bekommen haben, freuen. Der Stationsarzt heißt Dr. Winter, alle sind in ihm verliebt und träumen von ihm und die drei Frauen schlagen der Ich-Erzählerin eine Wette vor, daß sie ihn verführen soll oder so.

Sie steigt schließlich darauf ein, besucht ihm fortan immer, um drei im Ärztezimmer, um sich von ihm abhören zu lassen. Es gibt aber Schwierigkeiten, die eifersüchtige Stationsschwester mit Schmollmund namen Beatrice und natürlich auch die Frau Dr. Winter, die ein paar Staionen weiter auf der Urologie arbeitet.

Dazwischen laufen die Visiten ab, Medikamenten werden verabreicht und die Patientinnen werden besucht. Da kommt der Herr Abu ein afrikanitscher Ex-Flüchtling aus dem Herrenzimmer und verteilt Pistazien an die Damen, Frau Blaser wird von ihrem Sohn Reini besucht und Frau Ferdinand, die eigentlich nur sterben will, von ihrem Sohn Georg.

Die stets geschminkte Frau Ott, die Sophia Lorens Memoiren liest, ist die aktivste in der Runde. Sie erzählt von ihren Männern und gibt gute Ratschläge. Frau Blaser hat ein Hörgereät, daß einstmal einem russischen Minister gehörte und ihr Sohn Reini ist ihr Sorgenkind, denn er ist arbeitslos, lebt noch bei ihr und ist ein Spezialist für Vogelstimmen. Sie will ihn  auch gern an das Küken verkuppeln und dann gibt es noch ihre Tochter Ursl, die in Amerika ihren Xuan, drei Söhne von ihm hat und mit ihm einen vieatnamesischen Imbiß führt.

Sie kommt zum Muttertag auf Besuch und will Reini nach Amerika holen, was der Mutter so zusetzt, daß sie, was in einem Krankenhaus eben vorkommt, wie Schwester Beatrice belehrt, verstirbt. Der Herr Abo tut das aus, aber die Erzählerin wird entlassen und denkt bedauernd auf ihren Krankenhausaufenthalt zurück und überlegt, ob sich dort schon ein neues Fliegengewicht befindet.

Ein tolles und sehr gut geschriebenes Buch, so eines, wie ich, ich habe es schon erwähnt, auch gern schreiben würde können.

Anna Elisabeth Mayer hat inzwischen, glaube ich, zwei weitere eher ungewöhnliche Bücher geschrieben, die “Hunde von Montpellier” ist das zweite, “Am Himmel” heißt das dritte und das habe ich, höre und staune, vor ein paar Wochen im Schrank gefunden. Jetzt muß ich es nur noch lesen.

Spurensuche im Cafe Prückl

Den ersten Cafe Prückl Leseabend am vorigen Donnerstag habe ich versäumt, weil ich bis acht Uhr Stunden hatte und wir dann nach Harland gefahren sind.

Bei der Eröffnung der “Podium-Sommerlesereihe” in der “Alten Schmiede” vor einer Woche bin ich gewesen, habe mich gewundert, daß Nils Jensen bei den “Fernen Spiegeln” gar nicht so weit in die Vergangenheit zurückgegangen ist, wie mir Birgit Schwaner mailte, daß man eigentlich sollte und heute hat sie in ihrer Einleitung verkündet, könnte man von einer Spurensuche in und von der Vergangenheit gesprochen und hat die beiden Autoren vorgestellt, die ich für sehr esperimentell halte.

Lisa Spalt und Helwig Brunner, Lisa Spalt habe ich durch das “Fröhliche Wohnhzimmer” und die xxxxxxx-small-Reihe, die Ilse Kilic und Fritz Widhalm lange im Amerlinghaus vor Weihnachten hatte, kennengelernt.

Dann ist die 1970 in Hohenems geborene und feste Mitarbeiterin des “Instituts für poetische Alltagsverbesserung” was immer das auch ist, literarisch aufgestiegen und hat bei “Czernin” zu verlegen angefangen.

Aus einem dieser Bücher, “Die zwei Henriettas” hat sie vorgelesen und da geht es, um eine digitale Spurensuche und ganz real hat sie, wie sie einleitete, nach einem nach Amerika ausgewanderten Onkel gesucht, ist dort auf ein Bild von einer gewissen Henrietta mit zwei Namen gestoßen und darauf gekommen, daß das zwei verschiedene Personen sind, was sie zu ihrem experimentellen Roman und der digitalen Spurensuche veranlaßte.

Den in Graz lebenden Helwig Brunner kenne ich vorwiegend als Lyriker, hat er doch, wie Brigit Schwaner betonte elf Gedichtbände herausgegen. Er betreut, glaube ich, auch die “KeiperLyrikreihe” und ich habe ihn schon bei einigen Lesungen gehört.

Jetzt schreibt er auch Prosa, beziehungsweise einen dystopischen Roman “Flimmern”, der bei “Droschl” erscheinen wird und der sehr kompliziert klingt, aber eigentlich ganz einfach ist, da ist jemand durch die Klimaveränderung, sehr aktuell und durch den Tod seiner Frau in die Psychiatrie gekommen und schreibt dort einen utopischen Roman, den Birigt Schwaner, wie sie betonte, nur ausnahmweise in ihr Programm aufgenommen hat, wahrscheinlich weil utopische Romane  in der Regel, als nicht sehr literarisch gelten.

Helwig Brunner ist aber sehr lyrisch und experimentell, so daß es wieder passte und es wieder, wie auch in den letzten Jahren, einige Störungen gab, so hat das Mikrophon nicht so ganz funktioniert und ein Stammbesucher hat sich auch eingemischt und nächsten Donnerstag, wo Christoph Janacs und Alexander Peer etwas von Mexiko lesen werden, wie Birgit Schwaner verriet, beginnen die O-Töne, so daß ich nur mehr an den Dienstagen ins Prückl kommen werden, den nächsten aber auch nicht, weil ich da ja bekanntlich im Cafe Westend aus einem leicht in der Vergangenheit angesiedelten, aber trotzdem derzeit sehr aktuellen Roman lesen werde.

Wieder Dreiminutenspiele

Eigentlich hätte ich den Sommerfrischenmontag in Harland verbringen  und da beispielsweise zur Ochsenburg hinaufsteigen wollen, da aber der Alfred eine BetriebsratsFraktionssitzung hatte, sind wir schon nach dem Mittagessen im Gasthaus Gwercher nach Wien gefahren und ich bin wieder einmal zur Sommerlesereihe des Lesetheaters ins Weinhaus Sittl gegangen, die ja den ganzen Sommer am Montag dort Programm machen und wenn ich in Wien bin, gehe ich auch hin, obwohl das Programm nicht so ganz meinem Geschmack entspricht, ich Theaterstücke eigentlich nicht so mag und ich einiges schon in den Vorjahren gehört habe, so, glaube ich, auch die “Dreiminutenspiele” veranstaltet von Hahnrei Wolf Käfer, aber diesmal gab es ein anderes Programm, das sich viel um Liebe und Verführung handelte, was von Hahnrei Wolf Käfer gekonnt moderiert wurde.

So gab es wieder das Stück von Peter Turrini, wo sich die Buben Tannenhzapfen in die Badehose steckten, um den Mädchen zu imponieren. Es gab auch ein Stück von Renate Woltron, das ich auch schon gehört habe, wo ein Mann von seiner Frau einen Gutschein für eine Kosmetikbehandlung geschenkt bekommt und er ihn ihr dann wieder zurückschenkt.

Es gab ein schönes Stück von Thomas Sautner “Wir rauchen nicht, wir trinken nicht, wir sind brav und angepasst” und wieder zwei Stücke von Dietmar Füssel, Dramulette von Antonio Fian und und und……

Gerhard Ruiss hat auf der Gitarre dazu gespielt und gesungen, aber auch mitgelesen und es war wieder ein interessanter Abend mit einer interessanten Stimmung und ebensolchen Gesprächen mit beispielsweise Ottwald John, der uns gleich für nächste Woche zu dem Nestroystück “Die beiden Nachtwandler oder das Notwendige und das Überflüssige”, wo er mitlesen wird, eingeladen hat und da der Alfred da wieder Betriebsratsitzung hat, werden wir wohl auch hingehen.

Im Inneren des Klaviers

Jetzt geht es noch weiter mit dem Backlistlesen, obwohl Mario Wurmitzers “Im Inneren des Klaviers” erst vor einem Jahr erschienen ist. Da stand das Debut des 1992 in Mistelbach geborenen auf der Longlist des Bloggerdebuts, obwohl er schon ein Jugendbuch geschrieben hat, ich war bei einer Lesung in der “Gesellschaft”, der Co-Leser war Lukas Meschik, den ich erst vor einer Woche beim Bachmannlesen hörte und das Buch habe ich auch ziemlich genau vor einem Jahr im “Seedosenschrank” gefunden. Noch eine Besonderheit gibt es, da ich es ja gleich in mein damaligen “Work on Progress” eingebaut habe, das heißt Magdalena Kirchberg zu einer Lesung daraus ins Literaurhaus gehen habe lassen.

Das Buch ist eine Mischung zwischen Märchen und surrealen Elementen, steht in der Beschreibung, ich füge hinzu, es ist eigentlich ein Fantasyroman, könnte daher auch in den entsprechenden Verlagen erscheinen und daher wahrscheinlich auch ein anderes Publkum, als das, das zu den “Luftschacht-Bücher” greift, haben.

Die Handlung ist einfach. Da gibt es einen Ich-Erzähler, der mit einem “du” spricht und die beiden haben sich in einem Wald gefunden und wollen das korrupte Königreich, in dem sie bisher lebten, verlassen. Die namenlose Frau, da heißt sie nennt sich,  sowohl Nelly Nightingale als auch Petra Blocksberg und noch ein anderer Name kommt vor, das ist interessant weil wir da bei den sprechenden Namen wären, ist, stellt sich bald heraus, die Tochter des Tyrannenkönigs, zuerst weiß das aber der Erzähler nicht.

Sie nächtigen bei einem Paar namens Lucy und Simon, das ist interessant, daß es im “Flugschnee” ein gleichnamiges Geschwisterpaar gibt. Aber das ist Zufall, daß ich die beiden Bücher so nacheinander gelesen habe.

Dann ist  noch interessant, daß Lucy sich für denKönig die Finger wund, um Gold zu erzeugen, spinnen muß.

Es gibt aber auch in Computer in der Welt, in der die Beiden leben und Comics, aber auch Kutschen und in einer solchen finden sie einen Stapel Lucky Luke-Hefte.

Da sind sie schon auf der Flucht über die Grenze in die Freiheit und in eine Stadt namens Port Robinson. Dort ist aber nicht soviel mit der Freiheit, denn die Königstochter wird gleich verhaftet und der Erzähler gerät in einen revolutionären Club und kommt da mit einem Max zusammen, der sich für Nellys Freilassung einsetzt. Sie flüchten  weiter in eine Hütte, werden wieder verhaftet und amSchluß kommen sie ins Königsreich zurück, da springt der Tyrannenkönig aber aus dem Fenster, Max wird sein Nachfolger und die Beiden bekommen eine Villa in der ein Klavier steht, in dessen Inneren sei für die gespoilert, die sich schon fragen, warum das Buch so heißt, sich die Beiden sich dann mit einer Kerze und einem Apfel verziehen.

Interessant, schließe ich meine Besprechung, interessant, daß “Luftschacht” eine solche märchenhafte Mischung bringt, als Fantasyroman hätte es vielleicht größer hinauskommen können, dann hätte man aber die Gedichte weglassen müssen, die Petrus, der Gedichteaufhänger an die Wände von Port Robinson anbringt und die Anspielungen auf den “Club der toten Dichter”, denn Mario Wurmitzer hat ja Geschichte und Germanistik studiert und schreibt vielleicht auch Gedichte.

Ein interessantes Debut allethalben, auf die Shortlist des Bloggerpreises ist es nicht gekommen und auch nicht auf die des östBp, so bin ich gespannt was ich noch von dem jungen Mann hören werde, ob er vielleicht in den nächsten Jahren in Klagenfurt lesen wird und was ich noch so im “Seedosen- und in den anderen Bücherschränken” finden werde.