Verena Mermers Autobus

Die 1984 geborene Verena Mermer, die ich, glaube ich, durch diese Schreibwerkstatt in der “Österreichischen Gesellschaft für Literatur” kennenlernte, ist eine sehr politische Autrin, obwohl mich ihr erstes Buch “Die Stimme über den Dächern”, nicht so begeistert hat, ihr zweites heute im Literaturhaus vorgestellt “Autobus <ultima Speranza” , im Residenz-Verlag erscheinen, tat das sehr wohl. denn es ist ein sehr realistisches Buch mit einem sehr realistischen Thema, das mir sehr liegt und über die ich ja auch Jahrzehnte schreibe und Verena Mermer stellte das Buch, das von Cornelius Hell moderiert wurde auch sehr engagiert vor.

Cornelius Hell, den ich auf der “Buch-Wien”, ich glaube, im Studentakt zu den unterschiedlichsten Büchern moderieren hörte, zog auch den Faden von Andrej Kurkows “Kartografie der Freiheit”, das er unter anderen in der “Gesellschaft für Literatur” moderierte, denn in beiden Büchern geht es um die Arbeitsmigration. Bei Verena Mermer um einen Bus, der rumänischen Buslinie “Speranza”, der von Wien nach Klausenburg fährt und dabei die unterschiedlichsten Schicksale der Arbeitsmigranten, Putzfrauen, Pensionistinnen, Bauarbeiter und das der beiden Buschauffeure Johan und Adrian erzählt.

Erstaunlich offen, erstaunlich engagiert, erstaunlich realistisch. So liebe ich ja die Lteratur und so ist sie sehr oft nicht, weil sie sich um die schöne Spache dreht und den Plot, den Realismus, die Realität der Welt wie diese, außen vor läßt.

Konstantin Kaiser, der mit sagte, daß er mit Verena Mermer, die ja auch am Volksstimmefest gelesen hat, befreundet ist, war mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter im Publkum, die während der Lesung ziemlich lebhaft ihren Kinderwagen durch das Foyer schob.

Ich habe mich mit ihm im Anschluß beim Glas Wein unterhalten, Cornelius Hell und die Autorin kamen hinzu und bei Heidi Selbach vom “Residenz-Verlag” habe ich mich bedankt, daß sie mir ja nach Leipzig Cordula Simons “Der Neubauer” zugeschickt hat und die wurde von Cornelius Hell in ihrer Einleitung auch sehr lobend, als eine der wenigen Autorinnen erwähnt, die sich wie Verena Mermer mit Oteuropa und seinen Schicksalen schreibend auseinandersetzt.

Angelika Stallhofer bei den Wilden Worten

Angelika Stallhofer

Angelika Stallhofer

Nach der intensiven vorigen Woche, mit drei Lesungen, der österreichischen und der europäischen Buchpreisverleihung und Buch-Wien ist es heute gleich weiter mit der Literatur gegangen. Zwei Termine standen zur Auswahlt.

In der “Alten Schmede” wurde Vladimirs Vertib neuer Roman “Viktor hilft” vorgestellt, den ich schon auf der “Buch-Wien” auf der “Standard-Bühne” hörte, das Buch aber nicht habe und Richard Weihs stellt die 1983 in Villach geborenen Angelika Stallhofer mit ihren Debut “Adrian oder Die  unzählbaren Dinge” vor, wo ich das Buch in meinen Regalen liegen habe, die Autorin aber noch nicht kannte.

Ich entschied mich für Richard Weihs und seine “Wilde Worte”, von dem ich mir das letzte Mal ein Gedicht für die “Magdalena Kirchberg” gewünscht habe, traf Luis Stabauer und noch ein paar bekannte Gesichter dort. In dem Buch geht es um den Werbetexter Adrian, der mit einer Autorin namens Anna zusammenlebt und offenbar immer mehr in die schöne Smartphone Welt abgleteitet.

Bei der Diskussion gab es keine Fragen aus dem Publikum, dafür vom letzten Mal achtzehn Wunschgedichte. Eines davon war, wie beschrieben meines, das mir auf dem ersten Blick gar nicht so passend erschien:

“Magdalena Kirchberg sag was tust du da? Seit Stunden schon

sitzt du an der Kreuzung in deiem weißen BMW und bloggst

einen Roman von ungeheurer Länge in dein schwarzes Smartphone!

Sag siehst du nicht? Die Ampel springt von Rot auf Grün auf Rot

und bald schon, Magdalena Kirchberg, bald schon bist du mausetot.”

Das ist nicht so ganz das, was meiner Magdalena Kirchberg in meinem Roman widerfährt, von dem ja seit Anfang November, der absolute Rohtext steht und jetzt korrigiert werden sollte. Dann dachte ich beim Hören aber, vielleicht passt es doch und kann  als Neugiermacher verwendet werden.

Einen freien Wildbahn-Leser gab es auch, der unter einem Pseudonym aufgetreten ist, Gedichte las, die Zettel dann auf den Boden rieseln ließ und den ich schon bei der letzten Sprachkunstlesung im Literaturhaus hörte.

Waren sehr spannend die heutigen “Wilden Worte” jetzt muß ich das Buch noch lesen, was allerdings noch ein wenig dauer wird, weil ich derzeit noch beim Wollf Wondratschek bin. Das Cover, das ein “Botticelli-Motiv” zum  Inhalt hat, gefällt mir aber, das kann ich schon verraten, nicht so sehr!

Von der elften Buch-Wien

©Margot Koller

©Margot Koller

Von meinem Mini-Privatworkshop mit Stephan Teichgräber, wo es heute, um die Frage ging, ob “ein Zimmer, das ein Fenster öffnet” eine Metapher ist, bin ich zur Eröffnung der elften “Buch-Wien”, gefahren. Ja es gibt sie schon elf Jahre, also genausolang wie das “Literaturgeflüster” und ich war immer dabei, bei der Eröffnung zwar zweimal nicht, 2009 hatte ich nur eine Einladung zur Lesefestwoche im Prater und 2015 war ich in der “Alten Schmiede” bei den “Textvorstellungen” mit Sissi Tax und Chris Bader-Zintzen, aber sonst meist die ganze Zeit, vor zwei Jahren habe ich im Rahmen des “Ohrenschmauses” auf der ORF-Bühne diskutiert, 2015 hab ich beim Ö1 Quiz mitgespielt und ein Jahr drauf, glaube ich, auch beim “Bücherquiz”, bei beiden nicht gewonnen und heuer noch einmal beim Bücherquiz, das verändert war, wie vieles auf der heurigen Buch-Wien, aber davon später.

“Schöner, besser, größer!”, habe ich im Vorfeld, glaube ich, gelesen und auf das hat Benedikt Föger in seiner Eröffnung auch extra hingewiesen, daß die “Buch-Wien” jetzt die gesamte Halle umfasst und die “ORF-Bühne” sah auch ganz anders aus.

Es gibt auch andere Bühnen, keine “Donaulounge” mehr und kein “Literaturcafe”, dafür eine “Standard”, eine “Radio-Wien” und eine “Mastercardbühne”, auf dieser werde ich am Sonntag lesen.

Zuerst gab es aber nach den Eröffnungsreden, die Festrede von der Philosophin Svenja Flaßpöhler “Ignorieren, bekämpfen, verstehen? Über den richtigen Umgang mit Rechts” und das ist  auch, wie Benedikt Föger andeutete, ein wichtiges Thema, mit dem ich mich ja seit zwei Jahren auch mit meinem Kritiker Uli auseinandersetze.

Wie macht man es richtig? Gibt man einfach keine Antwort und läßt es geschehen, daß auf einmal alles umgepolt wird, die Linken als Faschisten dargestellt werden und der Eindruck erweckt wird, daß man nicht mehr aus dem Haus gehen kann, weil man gleich von Asylwerbern vergewaltigt oder ausgeraubt wird. Ich habe mit dem Uli  den Weg der Diskussion gewählt, wie Svenja Flaßpöhler auch in ihrer Rede erwähnte, daß das auch in Deutschland versucht wird, daß sich immer zwei Linke und Rechte zusammensetzen und, daß das gut gehen kann, wenn beide gewillt sind, einander zuzuhören und vielleicht auch die gegenteilige Argumente zu verstehen.

Denn das bloße Ignorieren, die “Erfolgsbücher” von Sarrazin, Sieferle, etcetera einfach von den Bestenlisten streichen oder aus den Buchhandlungen nehmen, bringt auch nichts,  als nur erhöhte Aufmerksamkeit dieser Bücher und Argument der anderen Seite, daß hier Zensur betrieben würde und so hat sich die Frankfurter Buchmesse, wo es im Vorjahr ja eine heftige Auseinandersetzung gegeben hatte, alles zuzulassen, was nicht direkt verboten ist, wie Svenja Flaßpöhler meinte, was dann auch wieder zu Auseinandersetzungen führte, weil die zugeteilten Plätze angeblich zu klein wären, wie der Uli heftig argumentierte, etcetera.

Es ist also nicht so leicht, aber ein wichtiges Thema und eine sehr sehr interessante Rede, die natürlich die Frage, wie man es jetzt richtig macht, auch nicht beantworten konnte.

Nachher gab es wie in Leipzig und wahrscheinlich auch in Frankfurt, Brezeln und Wein und ab halb acht seit einigen Jahren “Die lange Nacht der Bücher”, wo man schon die Messe besuchen und die auf der neuen “ORF- Bühne” mit einem Konzert von Clara Luzia eröffnet wurde. die lange Nacht wurde auf der ORF- Bühne” von Florian Scheuba moderiert und da gab es dann gleich eine kleine Änderung, denn außer Programm trat dann noch der neue Bürgermeister Michael Ludwig auf, da bin ich aber schon zur “Radio Wien Bühne” gegangen, weil ich wieder an dem Quiz interessiert war, das diesmal nicht mehr von Günter Kaindldorfer mit einem Gast, sondern nur mit Reinhard Badegruber, von dem ich einmal einen Krimi gelesen habe, der aber inzwischen bei “Radio Wien” zu moderieren scheint und auch einige Wien Bücher geschrieben hat, moderiert wurde.

Er warf einen Ball in das Publikum, wer ihm fing, konnte mitspielen. Die Fragen waren, glaube ich, aus seinen Büchern, bezogen sich auf Wien und nicht so sehr auf Literatur. es gab aber drei Antworten zur Auswahl. Ich habe auch einmal einen Ball gefangen, zwei Runden mitgespielt und  das Badegruber Buch “Wiener Intrigen, Skandale und Geheimnisse” gewonnen.

Dann bin ich wieder zur “ORF- Bühne” zurückgegangen, wo gerade das Duo Maschek auftrat. Einen “Poetry Slam Nacht” gab es auf der “Mastercard Bühne” auch. An der bin ich aber nur vorbeigegangen, beziehungsweise war auch auf den anderen davon Bühnen zu hören. Moderiert haben Mietze Medusa und Markus Köhle, ein Kochprogramm gab es, glaube ich, auch und ich habe mir auf der “ORF-Bühne” noch Bernhard Aigner angehört, der aus seinem neuen Buch “Bösland” gelesen hat, wo ein Kind seinen erhängten Vater am Dachboden, dem “Bösland”, wo ihn der mißhandelt hat, findet, und sich mit seinen Freund einen schönen Tag macht, in dem er Wein trinkt und eine Torte ißt, weil er an diesem Tag auch Geburtstag hat.

Den Rest des Programmes, es hat noch David Schalko gelesen, habe ich ausgelassen und bin nach Hause gegangen, habe mir allerdings noch das heurige “Eine Stadt ein Buch”-Buch” Hilary Mantels “Jeder Tag ist Muttertag” und die neuen “Exil-Preis-Texte” geholt und dazwischen noch ein paar Gespräche geführt, aber bei der Eröffnung gar nicht so viele Bekannte getroffen.

©Margot Koller

©Margot Koller

Dann habe ich bis drei Uhr früh gebloggt, mich mit einigen Kommentierern auseinandergesetzt und bin am Donnerstag zum ersten regulären Messetag marschiert.

Im Radio habe ich noch Benedikt Föger sagen gehört, daß man sich in Zeiten, wie diesen mit einigen wichtigen Themen auseinandersetzen muß und so ging es, während die Schulklassen ihr Extraprogramm hatten und die Kinder wieder mit ihren Mappen herumliefen, auf der “ORF-Bühne” am frühen Morgen mit einem “Salzburger Nachtstudio” weiter, wo sich Susanne Schnabel, die ein Buch “Wir müssen reden”, geschrieben hat, die Psychotherapeutin Christine Bauer-Jelinek, der Psychiater Hans Otto  Thomashoff und der Soziologe Roland Girtler mit der “Neuen Streitkultur” auseinandersetzen, wo die Leute, weil sie alle in ihren Blasen leben, nicht mehr miteinander reden, sondern sich bei gegenseitigen Meinungen, nur  beschimpfen, Haßpostings aussenden oder den Kontakt abbrechen, während früher Rechte und Linke miteinander streiten, aber trotzdem befreundet sein konnten.

Dann gings gleich weiter mit den “Haßpostings” und zwar hat da der in Deutschland geborene Journalist mit indisch pakistanischen Eltern, Hasnain Kazim, ein Buch geschrieben, in dem er sich mit diesen, die er auf seine kritischen Artikel bekommt, auseinandersetzt: “Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte.”

Ein paar davon las er vor und zwar hat ihm da der Karlheinz oder so geschrieben, daß er ihn besuchen soll, damit er ihm erklären kann, was ein richtiger Deutscher ist und er hat ihm dann sehr höflich geantwortet, daß er das sehr gerne tun wird und am nächsten Sonntag mit seinen drei Frauen und seinen sechs Kindern und der üblichen Großfamilie in zwei Bussen anrücken wird um in seinem Garten ein Zelt aufzubauen und zwei Hammeln zu braten. Man muß es wohl manchmal mit der Ironie versuchen, um eine Entschuldigung zu bekommen und ich denke, daß das auch viel besser, als ein Ignorieren oder Zurückschimpfen ist.

Auf der “ORF-Bühne” ist es dann mit dem  Thema Holocaust weitergegangen, naht ja der neunte November und damit der Novemberpogrom und da hat Lilly Maier ein Buch über einen Holocaustüberlebenden geschrieben, der, als sie ein Kind war, plötzlich vor der Wohnung stand, weil er früher dort gelebt hat und sie sehen wollte und es ist eine intensive Freundschaft zwischen der jungen Frau und dem alten Mann entstanden.

Dann wurden die “European storys” vom “European Union Prize”, der ja am Dienstag vergeben wurde, im Stundenabstand auf den verschiedenen Bühnen vorgestellt und man konnte sich das Buch auch auf der Messe gratis mitnehmen und  eine Live Ö1 Übertragung gab es auch und zwar mit Marjana Gaponekos neuen Buch “Der Dorfgescheite”, die sehr witzig  ihre Ansichten zum Besten gab, erzählte, daß sie als Kind  gestottert hat und, daß sie gerne auf den Mond fliegen würde und dafür schon einen Sponsor sucht.

Ich bin sehr viel bei der “ORF-Bühne” gesessen, habe mich da auch mit einigen Besuchern unterhalten und bin erst später zwischendurch zu der neuen Kochbühne gegangen, wo Pasta und Eiscafe und später auch noch Cup Cakes verkostet wurden.

Die “Piper Verlegerin” Felitzitas von Lovenburg, die, glaube ich, auch in der Blogbuster-Jury sitzt und “Eine Gebrauchsanweisung fürs Lesen” geschrieben hat, die ich schon in einer Züricher-Buchhandlung bewundert habe, stellte die zuerst auf der “ORF Bühne vor” und diskutierte später mit dem erfolgreichen Knderbuchautor Thomas Brezina und noch einigen anderen auf der “Mastercard-Bühne” zum Thema “Lesen war gestern – ein kritischer Blick auf unsere Leselust”, denn es gibt ja nicht nur Studien, daß die Bücherkäufer zurückgegangen sind, sonder auch die, daß immer weniger Leute funktional lesen können. Daher gibt es nächste Woche auch einen “Vorlesetag”, denn es gibt Studien, daß man den Kindern täglich fünfzehn Minuten vorlesen und das auch selber eine halbe Stunde machen soll, um wie Felicitas von Loven enthusiastisch anmerkte, seine Gehrinrinde zu stimulieren, gescheiter, erfolgreicher, glücklicher, etcetera zu werden.

Das schien mir ein wenig übertrieben, wie ich auch bei meinem E- Book lesen, da man das beim echten Buch tun soll, keinen wirklichen Unterschied zum Printbuch merke. Aber ich lese ja meistens mehr als eine halbe tägliche Stunde, nur wenn die “Buch-Wien” stattfindet, komme ich weniger dazu und Thomas Brezina merkte auch sehr kritisch an, daß man die Leute nicht zu einem “faden Kanon” zwingen, sondern spannende Bücher für sie schreiben soll, mit denen sie sich identifizeren können.

Auf der “Buch-Wien” gibt es auch genug davon und ein kostenloses Abendprogramm an den literarischen Veranstaltungen gab es auch und so hatte ich am Donnerstag die Wahl zwischen Michael Krüger, den ich schon am Vormittag hörte, Michal Hvorecky, dessen Buch in meinem Badezimmer liegt und Andrej Kurkows neuen Buch “Kartografie der Freiheit”, das in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde. Ich habe mich dafür entschieden, denn ich mag ja den  1961 in Leningrad oder St. Petersburg geborenen,  in Kiew lebenden, sehr gut Deutsch sprechenden Autor, von dem ich schon einige Bücher gelesen habe, sehr und das Buch ist, wie Cornelius Hell, der Litauenspezialist, einleitete, einem litauischen Autor gewidmet und es ist auch ein Buch, wie Andrej Kurkow erklärte, über Litauen, beziehungsweise eines über Migration, Reisen oder Wandern und Andrej Kurkow las einige Stellen vor, die sowohl in Litauen, als auch in Paris und London spielen, wohin seine Protagonisten emigrierten, es ist wieder ein sehr skurriles von sehr vielen Einfällen sprudelndes Buch, das von Andrej Kurkow auch sehr genau und sorgfältig erklärt wurde.

Am Freitag ging es mit einer Diskussion zur Meinungsfreiheit weiter, wo Cornelius Hell mit Mitgliedern des PEN-Clubs über die Ergebnisse ihres “Writers  in Prison-Programm” diskutierte.

Auf der neuen “Standard-Bühne” interviewte Cornelius Hell danach den rumänischen Autor Catlin Mihuleac und seinen Übersetzer Ernest Wiechert, der ein Buch über den Pogrom geschrieben hat, den es 1941 in seiner Heimatstadt, in der er noch immer lebt und in Bukarest gab.

Danach kam Michal Hvorecky der von Ronald Pohl zu seinem kürzlich auf Deutsch erschienen “Troll” befragt wurde, das er zwischen 2015 und 2017 geschrieben hat und das vor einem Jahr auf Slowakisch herausgekommen ist.

Gabriele Petricek, die Stadt Wien Stipendiatin, war auf der “Radio-Wien Bühne” um mit dem “Sonderzahl-Mitherausgeber” über ihr neues Buch “Die Unerreichbarkeit von Innsbruck”, das sie schon im “MUSA” vorgestellt hat, zu sprechen und daraus zu lesen.

Dann habe ich mir noch die Ö1 Übertragung  angehört, wo Judith Schalansky  von der ich ja schon “Den Hals der Giraffe”hal gelesen habe” ihr neues Buch  “Verzeichnis einiger Verluste” vorstellte.

Das wars dann für den Freitag auf der “Buch-Wien”, denn dann bin ich in den neunten Bezirk zum Zimmermannsplatz gefahren, wo der literarische Spaziergang mit der Ruth und dem Robert zur Kunst im öffentlichen Raum startete.

Am Samstag bin ich mit Margot Koller auf die “Buch-Wien” gefahren, wo es auf der “Radio-Wien-Bühne ein  Comic Special gegeben hat und ich mir die Präsentation eines Ivan Cancars Comic, des slowenischen Nationaldichters, angehört habe.

Dann habe ich mir auf der “Standard-Bühne” zuerst Andreas Unterweger, dem inzwischen “Manuskripte-Mitherausgeber” und dann Zoltan Danyi angehört, der ein, der ungarischen Minderheit angehörender in Serbien geborener Autor ist, der im “Kadaverräumer” ein Buch über den Balkankrieg geschrieben hat und eine Stelle über Cevapcici gelesen hat und dabei die Frage stellte, ob sie nun türkischen, serbischen, bosnischen oder was auch immer Ursprungs sind?

Danach haben Martin Prinz und Vladimir Vertib gelesen und Vladimir Vertibs “Viktor hilft” war besonders interessant, handelt es doch von einem freiwilligen Flüchtlingshelfer und der Autor erzählte, daß er 2015 selber als Flüchtlingshelfer gearbeitet hat.

Daniela Strigl und Karl Wagner haben eine vierbändige Rosegger-Gesamtausgabe herausgebracht und das ist interessant, weil ich ja einmal im Radio hörte, daß Stefan Zweig und Peter Rosegger, der für den Nobelpreis vorgeschlagen war, aus dem Kanon hinausgestrichen werden sollten, offensichtlich sind aber beide drinnen geblieben und das finde ich sehr gut, weil mich ja “Jakob der letzte”, sehr beeindruckt hat.

Dann habe ich mich in die “3-sat Lounge” gesetzt und auf Rene Freund gewartet, der sein “Ans Meer” vorstellt, wo es um einen Busfahrer geht, der seine gewöhnliche Bustour unterbrich um eine krebskranke Frau ans Meer zu fahren.

Daß der Kabarettist Michael Niavarani ein großer Büchersammler ist, habe ich auf der “ORF-Bühne”  erfahren, mir noch einmal Eva Roßmanns “Im Netz” angehört, bevor es zur “Exil-Preisverleihung” ging, die diesmal auf der “Radio-Wien-Bühne” stattfand, bevor es zu meinem literarischen Geburtstagsfest ging, wo schon einige Leute und einige Geschenke auf mich warteten.

Am Sonntag bin ich wieder allein auf die Messe gegangen und habe mir zuerst den von Margit Heumann bekommenen Gutschein eingelöst und mir Petra Hartliebs “Weihnachten in der wunderbaren Buchhandlung” ausgesucht, mal sehen ob ich das Büchlein zu Weihnachten in meine Leseliste hineinschieben kann.

Dann war ich ein bißchen auf der “Standard-Bühne” und habe mir die Verleihung des Christine Lavant-Preises an den Schweizer Autor Klaus Merz, beziehungsweise die Lesung des Preisträgers angehört und die Performance von Nadine Kegeles neuem Buch, das noch auf mich wartet angehört.

Dazwischen war ich wieder auf der Kochbühne und habe Weihnachtsekse genascht, die es dort in größeren Mengen zur freien Entnahme gab, habe mir dann die Verleihung des Csokor-Preistes durch den österreichischen PEN an Alois Brandtstetter auf der ORF Bühne angehört, bevor ich zur Mastercard Bühne und den “Ohrenschmaus-Lesungen” ging. Da gab es ja zwei Blöcke, zuerst hat Franz- Joseph Huainigg ein bißchen was dazu gesagt, dann haben die früheren Preisträger David Tritscher und Viktor Noworski ihre Texte gelesen. Ich folgte ihnen mit dem Beginn der “Mimi” und im zweiten Block warde das “Geheimnisgeschichtenlexikon” des “Ohrenschmaus-Stipendiaten” David Sylvester Marek, das von Franzobel bei “Klever” herausgegeben wurde, vorgestellt.

Danach hat Dine Petrik auf der “Mastercard-Bühne” gelesen, der ich zuhören sollte, auf der Kochbühne gab es aber wieder die besten Weine Österreichs, also eine Weinverkostung, so habe ich sie enttäuscht, obwohl es auf der Verkostung, wie sich herausstellte, nur Weißweine gab, die ich eigentlich nicht mag.

Das war also die elfte “Buch-Wien” und sie war, wie ich finde, eine sehr schöne mit viel Literatur aber auch vielen Diskussionen zu dem brisanten Thema Ausgrenhzung und Fremdenhaß und zur hundertjährigen Repubikgründung war auch einiges dabei. Anstrengend war es allerdings auch. So daß ich jetzt müde und erschöpft bin.

 

Königin der Berge

Nun kommt das wahrscheinlich letzte öst. Buchpreis Buch, Daniel Wissers “Königin der Berge”, der für mich und wahrscheinlich auch für andere überraschend den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen hat und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch mit einem wichtigen, mich sehr interessierenden Thema, das uns alle betreffen kann. Wie gehe ich um, wenn ich unheilbar krank bin, wie mache ich es da mit dem Sterben und beende wie mein Leben?

Ein Thema das uns alle betrifft und das wir vielleicht deshalb oft verdrängen und das wäre vielleicht eine kleine Kritik, die bei “Amazon” von einem Leser auch nur eine “Ein Stern Rezension” bekommen hat.

“Leider sind im E Book, immer wieder Seiten bei denen viele Buchstaben durch scharze Balken/Flächen ersetzt werden.

Bei einigen Seiten sind auch die Absätze komplett verschoben. Um das Buch zu lesen, muß man auch immer wieder zurückblättern, es ist wirklich verwirrend……

Schade, es war sehr teuer…”

Und das, der experimentelle Stil in dem Daniel Wisser seinen Roman verpackt, ist wahrscheinlich nicht nur dem Inhalt und der Distanz die man braucht, um das Lesen zu verkraften, geschuldet, denn Daniel Wisser ist ein experimenteller Autor, zumindest wird der 1971 geborene, dieser Szene zugerechnet und da habe ich auch ein Bonmot zu erzählen, habe ich ihn doch 2003, glaube ich, im Amerlinghaus, ich glaube weiter, im Rahmen des “Fröhlichen Wohnzimmers” kennengelernt, als er aus seinem “Ritter-Buch” “Dopplergasse 8” gelesen hat und da war ich über den realistischen Stil sehr erstaunt und habe gedacht, wenn das bei “Ritter” erscheint, dann kann ich das auch.

Ich konnte, wie bekannt nicht und habe auch noch kein anderes Buch von Daniel Wisser gelesen, ihn nur bei verschiedenen Lesungen beispielsweise im Musa, bei den O Tönen, etcetera, gehört.

Er macht auch literarische Performances, ist Musiker und ist und das ist erfreulich nach und nach aufgestiegen, hat beim “Bachmannpreis” gelesen, bei “Klever” und jetzt bei “Jung und Jung” verlegt und als ich “Königin der Berge gelesen habe, war ich wieder etwas erstaunt, daß das ein so realistischer mit einem so wichtigen Thema ist. Nur der experimentelle Touch der für mich eigentlich nicht wirklich experimentell ist, störte mich etwas. Wirkte er doch für mich ein wenig aufgesetzt und hat vielleicht auch mich wie den “Amazon-Leser” vom Lesen  abgelenkt.

Es wird in dem Buch nämlich immer wieder etwas durchgestrichen. Es gibt sehr viele Dialoge und an manchen Seiten gibt es immer gleich zwei Reden. das was man sagt und das was man denkt und Daniel Wisser lenkt von der Brisanz des Themas auch immer wieder durch theoretische Diskurse ab. Geht in die Vergangenheit zurück, erzählt von Bankräubern, amerikanischen Präsidenten, läßt seinen Helden mit einer toten Katze kommunzieren, etcetera, obwohl das, daß man mit einer nicht real existierenden Person spricht, vielleicht gar nicht so experimentell ist.

Nun zu dem, um das es in dem Buch geht. Es geht, wie in einer anderen “Amazon Rezension” steht um einen gar nicht so sympathischen Helden, um einen politisch unkorrekten Ungustl und Frauenheld, den Mittevierzigjährigen Robert Turin, einstmal ein erfolgreicher EDVler, der mit einem Freund eine eigene Firma mit vielen Angestellten hatte. Dann bekam er MS und sitzt jetzt mit Mitte vierzig in einem Pflegeheim, muß von den Schwestern dort angezogen, gewaschen und in den Rollstuhl gehievt werden, schaut ihnen dabei immer wieder auf den Busen, irritiert sie auch, in dem er von sich in der direkten Rede spricht, wenn sie seinen Namen falsch aussprechen “Nein, Herr Turin will nicht in den Garten, Herr Turin haßt die Natur, weil sie grausam ist”

Er hat eine Frau namens Irene, die ihn am Wochenende besucht, ansonsten verbringt er anfangs seine Tage in der Cafeteria und läpt sich von den Zivildienern grünen Veltliner servieren und nervt alle mit der Frage, ob sie ihn in die Schweiz fahren?

Er fragt das anfangs auch seine Lieblingsschwesgter Aliki, die Namen der Schwestern übt er in einen sogenannten “Schwesternalphabet”, die antwortet, was wohl alle Schwestern in einem katholischen Pflegeheim antworten müssen oder sie gibt keine Antwort und Daniel Wisser führt uns trotz seiner experimentellen Spielchen sehr realistisch in die Welt der Pflegeheime und Hospize ein, denn er war, hat er bei den “O Tönen” erzählt, einmal Zivildiener in einem solchen und hat dort eine Cafeteria betrieben und wahrscheinlich auch einen ähnlichen Patienten gekannt.

Es gibt in dem Heim auch eine etwas aufmüpfige Psychologin namens Katharina, die Herrn Turin zu einer Gesprächstherapie veranlassen will, die er auch nicht braucht und während seine Frau Irene zu Weihnachten Karriere in Japan macht, wird er von ihrer Schwester, einer Anästhesisitin besucht, der er auch diese Frage stellt.

Dazwischen bekommen wir die Realität der Pflegeheime mit, die Schwestern kommen alle aus dem Ausland und haben Heimweh oder ihre Berufe gewechselt, anstatt Deutschunterrichten müssen sie jetzt Harnbeutel wechseln, die Cafeteria wird ausgelagert, der Putzdienst ist es schon, einer der Patienten bekommt einen Schlaganfall und muß von Herrn Turin auf der Pflegestation besucht werden, der sagt  zu allem nur noch “ja, ja, ja” und eine andere Patientin und das finde ich, ist ein gelungenes Beispiel, sitzt ständig vor dem Fernseher und schreit laut “Trump”, denn es ist Wahlkampfzeit und sie ist begeistert vom amerikanischen Präsidenten.

Herr Turin ist das weniger, findet aber zwei Komplizinnen, die Schwägerin und die Psychologin. Es kommt aber trotzdem zu einem Selbstmordversuch und er wird dann vom Heim erpresst zu sagen, daß es ein Unfall war, damit er in keine Psychiatrie kommt, was er nicht brauchen kann, denn um dem Verein für Sterbehilfe beizutreten, muß er bei geistigen Kräften sein. Er muß dafür auch verschiedene Formulare ausfüllen was er nicht kann. So muß er den Zivildiener und die Schwestern dazu bitten. Seine Frau ist dagegen, die Anästhesistin hilft ihm und verschafft ihm die richtigen Tabletten, die er aber auswärts nehmen muß, so daß er  in ein Einkaufszentrum fährt und sich dort einsperren lassen will. Der Zivildiener vereitelt das. Es kommt zu weiteren Schwierigkeiten. Herr Turin muß  nun eine Therapie machen und Psychopharmaka nehmen.

Schließlich gelingt es ihm doch und die Psychologin fährt ihn in die Schweiz und wir haben ein sehr sehr gutes Buch mit einem sehr brisanten Thema gelesen über das man diskutieren kann und sollte und, wie geschrieben, wenn ich Daniel Wisser einen Rat geben könnte, den er wahrscheinlich nicht annehmen wird, würde ich ihm empfehlen, den “experimentellen Schnickschnack” wegzulassen, weil das Buch meiner Meinung nach dadurch besser werden würde.

Es ist aber wahrscheinlich auch so gut genug, hat es ja den dritten österreichischen Buchpreis gewonnen. Ich gratuliere sehr!

Geburtstagslesung

Die zweite Lesung dieser Woche fand auf meinem literarischen Geburtstagsfest statt, das ich schon seit den Achtzigerjahren, jedes Jahr veranstalte und da mit Lesungen von Frauen, ich  bem Arbeitskreis  schreibender Frauen kennengelernt habe, begonnen habe. Einmal habe ich nur Männer eingeladen und zum fünfzigsten und sechzigsten Geburtstag allein jeweils fünfzig beziehunsweise sechzig Minuten gelesen.

Jetzt wurde ich fünfundsechzig und habe mir gedacht, daß ich auch ein bißchen länger lesen möchte und dazu die Ruth und den Rudi eingeladen, mit denen ich ja sehr gerne lese und als Lesestoff habe ich mir gedacht,  die “Unsichtbare Frau” vorzustellen, die ja noch beim Alfred liegt und noch nicht erschienen ist.

Der Alfred hat wieder das Buffet gemacht, während ich mit Margot Koller, die schon am Freitag aus Salzburg gekommen ist, um bei unseren literarischen Spaziergang teilzunehmen, auf die “Buch-Wien” gefahren bin.

Als wir um sieben zurückgekommen sind, waren schon fünf oder sechs Leute da. Ich lade bei meinen Fest ja alle meine Bekannten ein und es haben sich auch diesmal eine Reihe von Leuten angemeldet. Leider waren einige erkrankt, so hat auch der Rudi abgesagt, so daß die Ruth und ich allein gelesen haben.

Die Ruth ein Stück aus ihrem “Adria-Buch”, ich meine liebsten Szenen aus der “Unsichtbaren Frau”, die erste Alfons Tratschke Szene, dann die, wo die Amanda das erste Mal den Minister Basti besucht, danach die Szene im österreischen Kulturinstitut von New York mit der Daniel Kehlmann und der Jonathan Franzen Lesung und dann noch die Szene mit der Nobelpreissitzung, wo Jonathan Larssen Lillys Blog vorschlägt.

Ein guter Querschnitt denke ich, dann habe ich noch ein bißchen über mein literarisches Jahr berichtet, wo ich ja im April einen ersten Höhepunkt hatte, habe das eine in diesem Jahr schon erschienene Buch hergezeigt, den “Hammer” ausgeteilt und von unsererm gestrigen Spaziergang berichtet. Dann habe ich sozusagen als Zugabe noch die “Schlüßel gegen das Vergessen” aus dem “Hammer” vorgelesen und von Ingrid erzählt bekommen, daß sie uns dabei gesehen und mich lesen gehört hat.

Das Buffet, Brötchen, Lungenbraten im Blätterteig, Spinatstrudel, Topfenstrudel und Mandelkuchen war sehr gut. An Geschenken hat es wieder Wein, Blumen, Schokolade und auch einige Bücher gegeben.

Ich antworte ja immer auf die Frage, was ich mir zum Geburtstag wünsche “Ein Buch!”, überfordere, weil ich ja schon soviele Bücher habe, wahrscheinlich die meisten und habe auch schon einige Bücher doppelt bekommen.

Die Trude hat mir aber Norbert Gstreins “Die kommenden Jahre”, Margot Koller Juli Zehs “Leere Herzen” gebracht, Martin und Zaruhi ein Buch über den “Völkermord an den Armeniern” und von Margit Heumann habe ich einen Gutschein, den ich mir morgen auf der “Buch Wien” einlösen werde und ihr “Curriculum vitae” bekommen, Herr Blaha hat mir “Texte wie Flugsamen” einen Bericht aus seiner Schreibwerkstatt mitgebracht und meine Hauptschulkollegin Christa U, die ich meistens bei Sommerveranstaltungen treffe, einen ganzen Rucksack, ich habe mir gedacht “Cool, einen ganzen Sack voll Bücher aus dem Bücherschrank!”, es waren aber Notizbücher und Bleistifte drinnen und ich kann ich anfügen, habe ein Buch aus dem Bücherschrank, nämlich Norbert Niemanns “Wie mans nimmt”, habe ich gefunden.

 

Von der Idylle zum Novemberpogrom

©Margot Koller

©Margot Koller

Von der “Buch-Wien” bin ich am Freitag schon um zwei Uhr weggegangen, um selbst wieder literarisch zu werden und einen meiner Texte zu lesen, denn die Ruth hat ja nachdem wir im April unseren ersten Spaziergang zu den Kunstwerken des öffentlichen Raumes gemacht haben, die ich im Mai und Juni 2017 mit ihr beschrieben habe, mit der Leiterin der VHS Alsergrund ausgemacht, einen solchen bei ihr zu wiederholen.

Dafür haben wir im Juni noch den Brunnen am Zimmermannplatz, dieses idyllische Gartenstück mit Rabe und Rosenhecke beschrieben, denn wir hatten ja nur zwei Texte über Objekte im neunten Bezirk nämlich den “Thuryhof” und das “Mahnmal mit den Schlüßeln” beschrieben.

So haben wir am neunten November, dem Tag, wo vor achtzig Jahren die Reichskristallnacht stattfand unserern Spaziergang zu wiederholen, was zwar nicht besonders zu dem idyllischen Brunnen von Ines Lombardi, aber zu den zwei anderen Texten passt.

Mit einem roten Schirm hat sich die Ruth am Zimmermannplatz aufgestellt, so daß sie die Angemeldeten, gleich erkennen konnten. Es sind aber ohnehin hauptsächlich Bekannte, bespielsweise Margit Koller, die direkt aus Salzburg gekommen ist, um auch noch zu meinem Geburtstagsfest und mit auf die “Buch-Wien” zu gehen, Erika Brunngraber mit ihren Hund, Brigitte S. und daß der Spaziergang sehr gut zum heutigen Tag passte, habe ich mir schon gedacht, als ich mich darauf vorbereitet habe und auf der “Buch-Wien”, die Präsentation von  Lilly Maiers “Arthur und Lilly”, hörte.

Ob Arthur als Kind auch im neunten Bezirk wohnte, weiß ich jetzt gar nicht, habe aber bei unserem ersten Treff, wo ich meinen Text von dem idyllischen Märchenbrunnen vorgelesen habe, darauf hingewiesen, daß es nachher weniger idyllisch wird, wenn wir zu dem Gemeindebau des roten Wiens, diese Trutzburg des sozialistischen Wohnungsbaus, kämen, wo die Nazi einen ideologischen Recken mit einem Kampfspruch Adolf Hitlers anbringen ließen, den jüdischen Bewohnern aber die Wohnung kündigte und mein “Schlüßel gegen das Vergessen-Text” zum Mahnmal vor der Kirche in der Servitengasse beginnt ja auch mit den Worten “Der 9. 11. 1938 war sicher eine grauslische Nacht in Wien, Berlin oder anderswo im deutschen Reich, zu dem Wien als Teil der sogenannten Ostmark damals gehörte.”

©Margot Koller

©Margot Koller

Es hatten wahrscheinlich schon andere Leute an die Reichskristallnacht und an die Juden, die damals aus der Servitengasse vertrieben wurden, gedacht, denn am Rande des Denkmal brannte eine Kerze und es gesellten sich auch einige Passanten zu uns, um der Lesung zuzuhören.

Sehr passend, mit unseren Texten an die Reichskristallnacht und an das, was damals in Wien geschehen ist, zu gedenken und weil wir ja eher idyllisch begonnen haben, haben wir uns auch noch in ein Gasthaus gesetzt, gegessen und getrunken und ein wenig geplaudert.

Der Spaziergang werden wir im Frühjahr 2019, wenn wir genügend Teilnehmer, zehn müssen es sein, haben, wiederholt und im Rahmen der GAV werden wir dann auch mit der U-Bahn fahren und die vier U-Bahntexte vorstellen, die wir geschrieben haben.

Ich habe im Servitenhof nichts gegessen, sondern nur einen Spritzer getrunken, war ich ja mit dem Alfred, der Anna und dem Andreas bei den “Drei Buchteln” zum Geburtstagsessen verabredet, dem tschechischen Gasthaus in der Wehrgasse, in dem wir mit der Anna früher öfter,  jetzt aber schon lange nicht mehr waren. Margot Koller ist mitgekommen, schläft sie ja die nächsten zwei Nächste bei uns und da wird es noch zwei weitere Lesungen geben, nämlich, die aus der “Unsichtbaren Frau” morgen bei meinem literarischen Geburtstagsfest und dann am Sonntag auf der “Mastercard Bühne” der “Buch-Wien” im Rahmen des “Ohrenschmauses” aus der “Mimi”.

Man sieht, bei mir ist auf einmal literarisch sehr viel los und wenn man es so will, hat es im Jahr 2018 auch zwei literarische Spitzen bei mir gegeben, die ich am ersten April zwar ein wenig satirisch beleuchtet habe, beziehungsweise mich selber dorthin schickte.

Aber da hat es nach Leipzig, wo ich nicht gelesen habe, gleich mit der Vorstellung meines “Literaturgeflüsterbuchs” in der “Alten Schmiede”  angefangen.

Der “Hammer”, die Zeitschrift der “Alten Schmiede”, die auch der Straßenzeitung “Augustin” beiliegt, hat  unseren Texten eine Nummer gewidmet und am achtzehnten April war der Spziergang vom Mahnmal der Deserteure am Ballhausplatz zum “Thuryhof” und zu den “Schlüßeln”.

Und jetzt gibt es ein “literarische Novemberhighlight” bei mir. Ein kleines zwar nur, das weiß ich schon, da ja auch bei dem Spaziergang eigentlich nur sieben Leute mitgegangen sind und sehr viele werden vielleicht auch nicht am Sonntag zuhören, aber etwas was mich freut und wenn einer meiner Leser Lust hat, am Sonntag um drei auf die “Buch Wien” zu kommen, um mir zuzuhören oder mich kennenzulernen.

Vielleicht die Kritiker, denen meine verkürzte Wiedergabe der Daniel Kehlmann Festrede bei der Velrleihung der euopäischen Literaturpreise nicht gefallen hat, würde mich das freuen und morgen beim Geburtstagsfest gibt es mit dem Querschnitt durch die unsichtbare Frau auch Higlight, denn daraus habe ich zwar schon beim letzten Volksstimmefest  und bei der Lesung im “Bebop” mit dem Rudi gelesen, aber noch nie soviel  und ein besonderes Schmankerl wird es  auch noch geben, denn ich werde als Zugabe auch noch meinen Text über die “Schlüßel gegen das Vergessen” aus dem “Hammer” lesen, so daß ich mich auf und während der “Buch-Wien” diesmal auch ein bißchen literarisch einbringen werde.

Ich war Diener des Hauses Hobbes

Vor zwischen und nach dem österreichischen Buchpreislesen beziehungsweise der “Buch-Wien” komme ich jetzt zur österreichischen Literatur und zwar zum dritten Roman der 1979 in Blundenz geborenen Verena Rossbacher und es ist einer, den ich eigentlich mit in die Schweiz nehmen hätte können, wenn ich nur vorher den Kappentext und die Beschreibung gelesen hätte. Aber das tue ich ja nur selten und so bin ich erst während meines Buchmessensurfings daraufgekommen, daß das Buch nicht nur in Feldkirch, sondern auch in Zürich spielt.

Dachte ich da ja wahrscheinlich des Titels wegens, es wäre vielleicht ein Fantasyroman und als das Buch bei den O-Tönen vorgestellt wurde, bin ich ja in Zürich im Zelt beim See gelegen und habe wahrscheinlich den “Auftritt-Schweiz” gelesen.

Jetzt bin ich aber doch dazu gekommen und  muß sagen, es spannendes Buch. Ich habe von der Vorarlberger Schriftstellerin noch nicht sehr viel gelesen, nur ihren Auftritt in Klagenfurt gehört und beim Doderer Symposium wurde ihr “Verlangen nach Drachen” besprochen, das sehr starke Ähnlichkeiten mit einem von Doderers Romanen hat.

Verena Rossbacher, die im Leipziger Literaturinstitut studierte, ist eine belesene Frau. Kommen  doch Stefan Zweig und seine letzten Worte in den Buch vor, über den “Ulysses” wird ein bißchen geschimpft und es taucht auch ein österreich-amerikanischer Schriftsteller namens John Wray auf und von dem habe ich mir gestern ein Buch bestellt. Ob es das ist, was in Rossbachers Roman geschrieben wird, werde ich herausfinden. Am Klappentext steht aber, daß das Buch ein “betörend leichfüßiger und vertrackt unheimlicher Roman ist, in dem nichts ist, wie es zunächst scheint.”

Worum geht es? Eigentlich ist die Handlung, die das auf den dreihundertsiebzig Seiten aufgeblättert ist, kitschig zu nennen. Es geht um Mord und Totschlag, um, wie bei Agatha Christie aufgefundenen Leichen, die dann der Butler im Pavillon findet. Es geht um unterschobene Kinder, um Kunstfälschung und sonstigen Betrug, wie das in den Herrschaftsvillen, die vielleicht in den Groschenromanen beschrieben werden, so üblich ist.

Und es geht um Christian oder Krischi, denn er ist ein Vorarberger. Der macht nach der Matura in den Niederlanden eine Dienerausbildung und läßt sich dann in Zürich am Berg von der Anwaltsfamilie Hobbs. Das sind Jean -Pierre und sein Bruder Gerome, ein Maler, der immer in weißen Kitteln durch die Villa läuft, die Frau Bernadette und die beiden Kinder Raphael und Aurelia und weil Frau Hobbs Vater Christian heißt, wird er im Hause Hobbs, wie es bei den feinen Familien üblich ist, Robert genannt. Es gibt eine Köchin, einen Gärtner, eine Nanny für die Kinder und ein polnisches Ehepaar für das Grobe.  Christian hat in Feldkirch noch drei Freunde den Gösch, den Isi und den Olli und als das Buch beginnt, sitzt er schon wieder in Feldkirch und schreibt alles auf.

Die Handlung aus einem Agatha Christie Buch oder einem Groschenhefterl entnommen, habe ich oben schon erzählt oder angedeutet. Ich soll ja vielleicht nicht so viel spoilern. Das Zitat “Ich grüße alle meine Freunde! Mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger, gehe ihnen voraus!”, hat der Isi im Vorlberger Gymnasium dem Mathematiklehrer Andre gesagt, als er die Schularbeit abgegeben hat, beziehungsweise von ihm hinausgeschmissen wurde und, daß Stefan Zweig am dreiundzwanzigsten März 1918 am Feldkirchner Bahnhof war, als der letzte Kaiser Österreichs  mit seiner Frau Zita das Land verlassen hat, wird auch erwähnt und das kann man wahrscheinlich in keinen Groschenroman finden.

Es ist auch keiner, sondern wie am Buchrücken steht: “Der dritte Roman von Verena Rossbacher ist ein literarisches Ereignis -voller psychologischer Brillanz, umwerfender Poesie und doppelbödigen Humor”. Dem stimme ich gerne zu.

Bevor wir verschwinden

Wir bleiben beim östBp und dem zweiten Debutband “David Fuchs “Bevor wir verschwunden, das Buch des 1981 in Linz geborenen Onkologen, der damit auch beim “FM 4Preis”, sowie den “Alois Vogel Preis” gewonnen hat.

Ein Buch über Krankheit und Sterben, so habe ich die “O-Töne” übertitelt, da war noch das Wisser Buch dabei, das noch kommt und die Erlebnisse des jungen Ben, Benjamin Marius Maier, Medizinstudent in der letzten Phase, der noch ein paar Prüfungen und ein Praktikum braucht, bis er fertig und Doktor ist, sind wirklich interessant.

Allen “Amazon-Lesern” hat es nicht gefallen, sie bemängeln die mangelnden Anführungsgszeichen bei der direkten Rede, was mir gar nicht aufgefallen wäre.Ja, ja ich bin ein bißerl schlampig oder soll man sagen tolerant und mich haben vor allem die sehr direkten, witzig, wird es wohl der Verlag nennen, Beschreibungen des Krankenhausallts beeindruckt.

Ben macht im Krankenhauskeller für seine Dis und auch für Geld Experimente an Schweinen, die dann ins Zeitliche narkotisiert werden, das hat mir nicht so gefallen und weiß auch nicht, ob das der Alltag eines jeden Medizinstudenten ist.

Zu meinen Studentenzeiten hießen die Praktika, glaube, ich auch “famulieren” und Ben hat ein solches auf der Onkologie, obwohl er dieses Fach nicht mag.

Klar, denke ich, für einen Vierundzwanzigjährigen ist das auch harte Kost gleich mit dem Sterben konfrontiert zu werden und Ben trifft es noch um eine Nummer weiter, denn dem ersten Patienten, dem er Blut abnehmen muß, was eigentlich Schwesternsache wäre, wie ihm der Oberarzt später erklärt, ist Ambros mit einem Haufen Metastasenin seinem Körper, Ambros Wegener, der wie eine Krankheit heißt, und die heißt nach einem Nazi-Arzt und soll daher bald umbenannt werden, man sieht die leicht sarkasgtische Art David Fuchs, ist der Jugendfreund Bens und noch ein bißchen mehr dazu, denn um Homoerotik geht es auch.

Sie haben sich aber offenbar nach der Matura getrennt und sehen sich jetzt am Krankenbett wieder und Ben bekommt sozusagen die Aufgabe seinen Ex bis in den Tod zu begleiten.

Es gibt aber noch andere Patienten auf der Station. Den der nicht sterben kann und daher von allen der “tote Kobicek” genannt wird, der Frau mit dem Loch in der Wange und den Otto, der eigentlich nur aus “sozialer Indikation” aufgenommen wird, also weil seine Frau mit ihm überfordert ist, dann aber doch nicht mehr nach Hause muß, weil ihm ihn der berühmte Gevatter vorher holt.

Es gibt und das ist wahrscheinlich eher aus schreibtechnischen Gründen, als nach dem wirklichen Krankenhausalltag passiert, nur einen Oberarzt, eine Chefin, eine Schwester und einen Assi auf der Station, aber hauptsächlich managen, Schwester Ed, die eigentlich Edna heißt, Ben und Oberarzt Pomp, den Betrieb und während Ben punktieren, stechen, etcetera lernt und zu den Obduktionen geht, ja, ein bißchen lernen wir auch vom Kranhenhausalltag mit, geht er sein Leben mit Ambros durch, schläft, weil es bei ihm Hochwasser gibt, auch in seiner Wohnung, fährt mit seinem Auto das “Herr Fridolin” heißt.  Ambros fährt schon im Rollstuhl und hat noch einProjekt vor, nämlich das “Verschwinden” zu dokumentieren, beziehungsweise zu fotografieren, als das Ben aber bei ihm versucht, geht es ihm doch ein bißch zu schnell und er fährt verärgert von seiner Wohnung, wo er die Nacht verbotenerweise mit Ben verbringen wollte, ins Krankenhaus zurück. Ben geht inKrankenstand und so stirbt Ambros schließlich ganz allein und Ben bleibt nichts anderes über, als sich von ihm zu verabschieden und seine Befunde zu lesen.

Ein sehr beeindruckendes Buch, das auch auf der Bloggerdebutliste steht und dem ich für den öst auch gute Chancen gebe oder gab, auch wenn ich es, ganz ehrlich, David Fuchs nicht so ganz glaube, daß er das Buch gar nicht und unter gar keinen Umstände aus Bewältigungsgründen geschrieben hat. Denn man hält natürlich nichts vom Schreiben zur Psychohygiene oder als Therapie und geht als Praktikant, Turnus- oder anderer Arzt auch auf gar keinen Fall zu einem Psychologen oder zur Supervision, weil man das ja nicht braucht und nötig hat.

Im Buch wird das Ben so empfohlen, im wahren Leben, sprich bei den Krankenhaussupervisionen, die ich manchmal mache, höre ich, daß da die Ärzte noch immer ganz selten eine solche in Anspruch nehmen, obwohl das bei den Schwestern und den anderen Berufsgruppen schon so üblich ist.

Nun gut, dann haben halt nur die Leser etwas für sich getan.

EU- Literaturpreise

Am Sonntag habe ich eine Einladung von Gerhard Ruiss zu der “Verleihung der EU-Literaturpreise” ins Belvedere für diesen Dienstag um acht Uhr bekommen. Eine Einladung für Schnellentschlossene oder vielleicht auch für Lückenbüßer, weil sonst die Plätze vielleicht leer geblieben wären. Ich bin aber, wie meine Leser vielleicht wissen, eine begeisterte Preisbesucherin und dachte “Shit, da habe ich ja eine Stunde!”

Aber von meiner Praxis ins Belvedere brauche ich nur eine halbe Stunde und wenn die Klientin vielleicht früher kommt….

Es ließ sich arrangieren und ich war pünktlich dort und mehr Information darüber habe ich auch bei der östBp-Verleihung bekommen, denn da lagen die persönlichen Einladungen gültig für zwei Personen auf. Meine zweite Person interessiert sich aber mehr für die Fußballballübertragungen und ich hate mich ohnehin schon bei Chárlotte Sucher angemeldet, da man das bis vierten sollte.

Die von Gerhard Ruiss mitgeeschickten Informationen waren auf Englisch, der Hauptverband war aber ein Mitveranstalter und den Preis scheint es seit zehn Jahren zu geben und das wurde im Belvedere gefeiert. Auf der Buch-Wien gibt es, habe ich im Programm gelesen, dann auch diesbezügliche Lesungen. Aber jetzt der Empfang, beziehungsweise der Festakt, der von Michael Freund vom “Standard” moderiert wurde.

Daniel Kehlmann der große Autor, der in der “Unsichtbaren Frau” auch ein bißchen vorkommt, hielt die Eröffnungsrede oder “Keynote” wie das auf Englisch heißt und erzählte, was von einer Budapest Bookfair, wo er schlechten Kaffee aus weißen Plastkbechern trank und dabei Imre Kertez und Peter Esterhazy kennenlernte.

Minister Blümel, der auch gestern anwesend war, trat wieder auf und erzählte was von “Kierkegaard” über den er dissertiert hätte und den er empfehlen würde und ein EU-Kommissar namens Tibor Navraciscs, dann kamen die Preisträgerinnen aus Serbien, Luxemburg, Rumänien etcetra, lasein ein bißchen was vor oder hielten eine Rede und ein Buch zur freien Entnahme mit der entsprechenden Tüte “European stories” gab es im Anschluß auch.

Da weiß man, wo das Geld hingeht, denn das Buffet war excellent und ausgezeichnet, Vorspeisen, Süppchen, Schnitzel, Tafelspitz und Maroni in kleinen Becherchen und Schälchen und ein Bonmot habe ich auch zu flüstern.

Am meinem Tisch stand nämlich Helmut Niederle, der ehemalige Präsident der “Gesellschaft für Literatur” mit einer sehr attraktiven libanesischen Autorin, die auch sehr extravertiert war und über mich gleich einer anderen Dame, von ihren Büchern erzähle.

Walter Famler tauchte auf und empörte sich über die österreichische Verweigung der Unterschrift zum Migrationspakt. das wollte er dem Minister sagen, die Dame kam ihm aber zuvor, schüttelte den Minister die Hand und ließ sich mit ihm fotografieren.

Ansonsten habe ich mich wieder mit Robert Huez vom Literaturhaus und auch mit Marie Therese Kerschbaumer unterhalten.

Laß dich heimgeigen Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe

Jetzt  am Vorabend der Buch-Wien geht es ans öst Buchpreisauflesen, denn da hatte ich ja schon fünf Bücher gelesen, als die Liste bekannt gegeben wurde, dann habe ich den Millesi und den Jäger, die ich als PDF bekommen habe, gelesen und beim Rest, was zuerst nur der Josef Winkler und der David Fuchs war, gedacht, das mache ich sopäter, ich habe ja mit dem dBp und den anderen Neuererscheinungen genug zu tun.

Also jetzt der große Favorit und “Büchnerpreisträger”, der 1953 in Kärntnen in dem Dörfchen Kamering geborene Josef Winkler, das inzwischen wohl wahrscheinlich  Berühmtheit erlangte und zumindestens allen Deutschlehrerinnen bekannt sein wird, denn Josef Winkler ist ja auch einer, der ähnlich wie Florjan Lipus und wahrscheinlich noch einige andere, sein Leben aufschreibt und sich dabei wiederholt in endlos Schleifen das Aufwachsen in einem katholischen Bauerndorf der Nachkriegszeit und die Gewalt, die er dort erlebte, beschreibt und er tut es in einer sprachlich schönen Form, so daß die Germanisten Symposien darüber abhalten und die Leser für die der Buchpreis ja eigentlich oder ursprünglich da ist, vielleicht sagen werden “Was interessiert uns das? Das ist uns zu schwer und hochgestochen, wir wollen lieber was Unterhaltsames, nach unserem schweren Arbeitstag!” und werden vielleicht zum Krimi greifen, der nicht auf den Buchpreislisten steht.

Ich kenne Josef Winkler zumindest vom Namenseit seinen Anfängen, hat er doch, als ich mich noch sehr dafür interessierte und glaubte, daß ich das auch einmal könne, beim Bachmannpreis gelesen und mit “Menschenkind” gewonnen, das inzwischen ein Teil der Trilogie “Das wilde Kärntnen” ist.

Das Buch habe ich, glaube ich, vor Jahrzehnten gelesen und wahrscheinlich nicht sehr verstanden, dann war ich  1996 auf eigene Kosten und als Publikum im Klagenfurt, wo er mit einem Kind am Arm herumgelaufen ist und, ich glaube, aus “Domra”, den Bericht seiner Indienreise gelesen, aber nicht gewonnen hat. Das Buch habe ich dann auch vom Karli zum Geburtstag bekommen und die Dramatisierung seiner “Römischen Novelle” habe im im MQ, ich glaube, im Rahmen der Festwochen gesehen.

Da ist mir also der sich um sein Kindheit kreisende Josef Winkler ein wenig verloren gegangen, könnte man so sagen, stimmt nicht ganz, denn ich war beim Symposium in der “Alten Schmiede” und da hat er, glaube ich, aus seinem “Abschied von Vater und Mutter” gelesen und jetzt das öst Buchpreis Buch, das im Frühjahr bei “Suhrkamp” erschienen ist und da an mir ohne die Nominierung vorbeigegangen wäre, obwohl es, glaube ich, im Vorjahr im “Casino am Schwarzenbergplatz” aufgeführt wurde, bin ich wieder in die Winklerische Welt des Grauens und des Lamatierens eingetaucht und ich muß sagen, er versteht es ausgezeichnet, das in eine kunstvolle Form zu fassen, obwohl die Inhalte, wie man auch bei “Amazon” lesen kann, schon sehr bekannt sind.

Neu für mich war, daß der kleine Josef oder Sepp schon als einjähriger mit einem Bleistift, um auf seine spätere Profession hinzuweisen, herumgelaufen ist, aber, daß die schweigsame oder im Schmerz verstummte, später Psychopharmaka nehmende Mutter ihre drei Brüder im Krieg verloren hat, habe ich schon gelesen oder gehört, auch daß er beim Tod des Vater in Tokio war, daher nicht zu seinem Begräbnis kommen konnte oder auch nicht wollte, weil der Vater ihm das verboten hat, weil sich das Dorf naturgemäß wahrscheinlich nicht darüber freute vomJosef oder Sepp in den “Dreck” gezogen zu werden.

Das Buch, die sich immer wieder wiederholenden Inhalte der Gewalt, die das Kind wohl in der muffigen Bauernstube erlebte, das Blauschlagen des Hinters beispielsweise “Er hat blaue Würste am Arsch!”, ist, muß ich sagen, in eine wirklich künstlerische Form gebracht und darin eingerahmt.

Eingerahmt durch die Gedichte de jiddisch schreibenden Rajzel Zychlinski, die in Polen geboren wurde und 2001 in den USA gestorben wird und dann gibt es noch das Gedicht “Der Herr, der schickt den Jockel aus:/ Er soll den Hafer schneiden”, das, glaube ich, von Fontane ist, das vor jedes Kapitel gestellt wird und daher von Kapitel zu Kapitel immer länger wird, bis es schließlich in “Da geht der Herr nun selbst hinaus/ Und macht gar bald ein End daraus/ Der Teufel holt den Henker nun, / Der Henker hängt den Schlächter nun, /Der Schlächter schlacht’den Ochsen nun, / Der Ochse säuft das Wasser nun,/ Das Wasser löscht das Feuer nun,/ Das Feuer brennt den Prügel nun,/ Der Prügel schlägt den Pudel nun,/Der Pudel beißt den Jockel nun,/ Der Jockel schneidt den Hafer nun,/ Und kommt auch gleich nach Haus.”

Jockel ist, glaube ich, die Abkürzung von Jakob und so heißt Josef Winklers Vater und das Buch ist eine Ltanei, ein Zwiegespräch mit ihm in dem all das, was wir, wenn wir ein bißchen Winkler gelesen haben, schon wissen, aber noch etwas anderes, das der Aufhänger für das Buch ist, enthält.

Den Josef Winkler, steht am Klappentext, hat erst vor wenigen Jahren erfahren, daß in den “Sautratten”, wo die Gerste wuchs, die in der väterlichen Mühle gemahlen und auch das ganze Drautal mit Mehl belieferte, die Leiche des sich 1945 selbst vergiftet habenden, weil die Engländer ihn gefangene nahmen, Odilo  Globocnik, der als Leiter der Aktion Reinhart für die Vernichtung von  Juden in Treblinka Belzek und Sobibor verantwortlich war.

“Zwei Millionen ham`ma erledigt!”, wird immer wieder litaneiartig wiederholt und nun klagt der Sohn, den Vater an, wieso er ihm, der doch sonst soviel vom Krieg erzählte, das nicht gesagt hat und so er und der Rest des Drautals jahrelang, wie er schreibt verseuchtes Brot essen mußten.

Der Lebenslauf des jungen Josef, der mir aus Lesungen schon bekannt war und der auch ziemlich genauso  beschrieben in “Wikipedia” steht, wird erzählt. Die kleinen bunten Soldatenfiguren, die dieKinder aus den “Linde-Kaffeebohnenschachteln” sammelten, die die Verwandten bei den Besuchen mitbrachten. Die katholischen Rituale und Aufbahrungen, das Lesen der Winnetou-Bücher, die ihm aus der Sprachlichkeit und der Dumpfheit des Dorfes herausbrachten. Er hat dazu auch Geld aus der Böse seiner Mutter, die er und das finde ich ein bißchen seltsam, obwohl ich den dramaturgischen Effekt nachvollziehen kann, in dem Buch “Mame” und den  Vater “Tate” nennt und denke, daß er  als Kind seine Eltern sicherlich nicht so genannt hat, gestohlen.

Hat später auch Camus und Hemingway gelesen, ist nach Klagenfurt auf dieHandelschule gegangen und hat später an der damaligen Hochschule für Bildungswissenschaft, als Schreibkraft gearbeitet. Dann sind seine erste drei Bücher erschienen, die das Dörfchen  wohl erregten und er verstummte. Später kehrte er wieder in sein Elternhaus zurück, um und das mag auf dem ersten Blick seltsam erscheinen, wieder schreiben zu können. Aber ich finde gerade diese Ambivalenz das Wandern zwischen Gut und Böse, das Josef Winkler auch bei sich selbst beschreibt, diese Haßliebe, das nicht loskommen und sich immer wieder fortan wiederholen, als das Bemerkenswerte an dem Buch und an Josef Winkler literarischen Schaffen.

Ein Buch, das wahrscheinlich, wie schon beschrieben an mir vorbeigegangen wäre, ich aber sehr froh bin, daß ich es gelesen habe, denn ich habe dadurch sehr viel von Josef Winkler und seinem Schreiben  gelernt und füge ich noch hinzu, daß als ich 2000, zu Zeiten von schwarz blau eins, was allerdings ein Zufall ist, in Klagenfurt war, wurde dort gerade das Stück des  20011 verstorbenen Werner Kofler “Tanzcafe Treblinka” aufgeführt, denn Odilo Globocniks Adjutant Ernst Lerch hat sich nicht umgebracht, sondern bis in die Siebzigerjahre in Klagenfurt ein Tanzcafe geführt, in dem Josef Winkler, als es allerdings kein solches mehr war,  öfter war, bevor er von der Abendhandelsakademie nach Hause gefahren ist.