Türkisches Leben

Eigentlich habe ich ja dieses Wochenende dem ausführlichen Korrigieren meiner “Unsichtbaren Frau” widmen wollen, um mit dem Text, den ich am Sonntag schon an den Alfred geschickt habe, dann aber doch noch Fehler um Fehler in ihm gefunden habe, endlich fertig zu werden, dann habe ich in der Früh, ein Mail von Hüseyin A. Simsek mit einer Einladung zur Präsentation seines neuen Buchs “Das Mädchen wollte ihre Infrarotfarbe” am Samstag, um halb neun im “Kramladen” bei den Stadtbahnbögen am Lerchenfeldergürtel bekommen.

Meine Neugier hat gesiegt und ich bin hingegangen, habe aber zuerst bei  Hüseyin A. Simsek nachgegooglet, den ich bei den “Wilden Worten”, wo sein Verleger gelesen hat, kennengelernt habe und, der ein 1962 geborener, türkischer Autor und Journalist ist, der in deutscher, türkischer und zazaischer Sprache veröffentlicht und  seit 1998 in Österreich lebt. Vorher war er, der in verschiedenen Redaktionen gearbeitet hat, sehr viel in Gefängnissen und er hat außer literarischen, auch schon wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht.

Das kleine Lokal bei der Josefstädterstraße war bald sehr voll und der Autor, der von einer Dame unterstützt und eingeleitet wurde, erählte, daß er das Buch schon in den Neunzigerjahren geschrieben hat und  es jetzt in dem Verlag von Gerald K. Nitsche, den Verlag der “Wenigerheiten”, herausgekommen ist.

Im Internet wird das Buch, als Roman eines Aufschreies, “Hände weg von meinem Leben” beschrieben, Hüseyin A. Simsek, der, was ich ein wenig ungewöhnlich fand, nur wenig aus dem Buch gelesen hat, dafür aber eine ausführliche Inhaltsangebe gegeben hat, erzählte, daß es die Geschichte eines Mädchen sei, das sich von der patriarchalischen Struktur ihres Elternhauses lösen wollte und deshalb die Aufnahmsprüfung in ein Internat, beziehungsweise eine Schwesternschule machte.

Dort hatte gab es aber mit den religiösen Einschränkungen Schwierigkeiten und Unterdrückungen. Jeans wurden verboten und man durfte  auch nicht Seilhüpfen, weil das den Busen in Bewegung brachte, etcetera.

Das Mädchen hat sich dagegen aufgelehnt, sich offenbar auch an die Presse gewandt, was die Schule zu einer Gegendarstellung veranlaßte und der Romantitel ist wahrscheinlich, als Metapher für den Wunsch sein Leben selbst zu leben und sich gegen jede Bevormundung zu wehren, zu verstehen.

Ob dieser Versuch gelungen ist, war der Beschreibung und der Textprobe nicht ganz zu entnehmen. Dazu müßte man das Buch, das dem Publikum auch mit fünfzig Prozent Rabatt angeboten wurde, erst lesen.

Es  gab  aber Gelegenheit zu Fragen aus dem Publikum, das hauptsächlich aus der türkischen Gemeinde zu bestehen schien, obwohl die Veranstaltung, glaube ich, auch im “Falter” angekündigt war.

Es wurde zum Bezug des Autors zu dem Thema gefragt, der dabei auch sehr viel persönlich Erfahrenes verwendet  haben dürfte und es war sehr interessant,  eine neue Variante des Literaturbetriebs kennengelernt zu haben und das türkische Leben in Wien studieren zu können, obwohl ich ja eigentlich zu Hause bleiben wollte.

Autolyse Wien

Jetzt kommt mein drittes Geburtstagsbuch, das ich mir im Vorjahr vom Alfred wünschte, nämlich Karin Peschkas “Autolyse Wien”, die “Erzählungen vom Ende”, das 2017 auf der LL des östBp stand und das ich gerne lesen wollte, weil ich ja sozusagen eine Karin Pschka Experitin bin, beziehungsweise von ihr schon sehr viel gelesen und gehört habe. Dabei kann ich nicht einmal sagen, daß mir ihre beiden Bücher, so besonders gefallen haben, sie  haben aber einen speziellen Ton und das findet man auch in der “Atolyse” wieder, von der ich, obwohl ich ja beim “Bachmannpreis” daraus hörte und auch bei den O Tönen war, jetzt erst mitbekommen habe, daß es Erzählungen sind und zwar sehr viele kurze Geschichten und kein Roman und das ist ja auch etwas mit dem ich eigentlich keine sehr große Freude habe.

Aber ein roter Faden hält das Buch zusammen und das ist interessant, das Ende, Wien ist irgendwie und irgendwann zerstört worden. Die Apokalypse hat stattgefunden. Das wie und das wann, spielt wie im Kappentext steht, keine so besondere Rolle, denn Karin Peschka erzählt von den Menschen, die übergeblieben sind und das auf eine sehr spezielle eindrucksvolle Art, die eigentlich sehr interessant ist.

Es gibt drei Teile, im ersten werden auf  über hundert Seiten, kurz von den Menschen und dem, wie sie nach der Katastrophe leben, erzählt.

Da steht immer ein Name, wie Erik, Olja, Rose und und und daneben “Wien leergeräumt” oder “Wien ohne Wien?” und das ist auch sehr geheimnisvoll und scheint eine Spezialität Karin Peschkas zu sein, die mir, glaube ich, auch mehr zusagt, als die Apokalypse im “Watschenmann”, das auch ein ähnliches Thema hat und in einem zerstörten Nachkriegs-Wien spielt.

In den kurzen Geschichten werden wir in die Zerstörung eingeführt. Da wankt der Mann ohne Namen, beispielsweise, der früher von den Obdachlosenküchen lebte, in ein zerstörtes Geschäft oder eine Frau läßt sich von ihrem Freund für ihre Menstuation Binden holen, der wundert sich, daß sie noch eine hat, geht dann in einen zerstörten Eissalon und holt dort Servietten,  abgelaufene Waffeln und Obersbecher, wo die Frau dann das Obers auf die Waffeln tropft.

Poetisch zart diese Geschichten vom Weltuntergang, wobei dieser wahrscheinlich bei jeder der handelnden Personen  ein ganz anderer und ein sehr Persönlicher war.

Da gibt es Imre, der mit zwei Hunden, die sich gegenseitig beäugen und bewachen und gelegentlich sogar ein Reh zerlegen, wie kommt ein Reh in die Stadt, Karin Peschka verrät es uns nicht, aber es gibt in Wien ja den Wiener Wald, Schönbrunn und den Lainzer Tiergarten, das Imre dann zerlegen und auswaiden muß und hat als Bibliothekar, der in seiner Bibliothek das Theoretische erlernte hat, nun Gelegenheit sich dem Praktischen zuzuwenden, während Sugar, die alternde Schauspierlin ihrem Publikum noch immer große Vorstellungen in die Welt der Sylvia Plath, ihrem Vorbild gibt und sich dabei mit ihrem Mann Johann, dem Regisseur streitet.

Und die vier Brüder, die alle einen Vornamen mit dem Buchstaben H tragen, ziehen mit dem kleinen behinderten Hans, der Zollstöcke sammelt herum, haben sich in einem zerfallenen Wirtschafts-Hotspot an der Donau und in Praternähe, ob das wohl die Wirtschaftsuni ist, bequem gemacht, denn die drei Nichtbehinderten waren Handwerker <installateur, Elektriker und Maurer von Beruf und die Supermärkte haben sie rechtzeitig auch geplündert, weswegen auch ein paar von Hans Zollstöcken verlorengingen.

Ivelina ist von Beruf Krankenschwester und arbeit in St. Pölten, einmal im Monat setzt sie sich nach Mitternacht ins Auto um nach Wien zu ihrer Tochter und Schwiegersohn zu fahren und dort zu übernachten. Sie ist schon geduscht, die Zähne sind geputzt, den Pyjama hat sie auch schon zur Hälfte an, nur leider hat sie das Unglück mit einem “Trommelwirbel” auf der Autobahn überrascht, sie hat sich dabei den Arm gebrochen, den sie sich zwar selbst verarzten, verbinden und sich gut zureden kann. Das Auto ist aber ein Wrack geworden “Don` t you know that I love you Baby”, summe Ivelina, die Szene betrachtend, verunfallte Autos vor sich, darin war sicher kein Leben mehr.”

Und die Gläubigen gibt es in dieser Szenerie auch, von jeder Kirche einer, vegetieren sie so vereinzelt vor sich hin, versuchen Statuen zu retten, die andere vorher erschlagen haben, suchen nach dem göttlichen Prinzip oder verlieren ihren Glauben, während Karl im Stadtpark die Bank wieder aufgestellt hat, in der er seiner Frau vor Jahren aus Bequemlichkeit kein Herz der Liebe hineingeritzt hat.

Sie sind mal kürzer und mal länger die einunddreißig Namensgeschichten, mal mehr und mal weniger intensiv ausgeführt. Da wird von Wohngemeinschaften, Unfällen, Mißbrauch etcetera, mehr oder weniger lang geschrieben.

Beeindruckend die Geschichte des Wohnberaterlehrlings Anna, die in einer solchen Zweckgemeinschaft lebt und vor der großen Katastrophe fast ausgelernt gewesen wäre. Da sah sie eine große Zukunft als Wohnberaterin vor sich, jetzt sucht sie nach dem Möbelhaus, um sich vielleicht ein paar gute Möbelstücke in die Zweckgemeinschaft zu transportieren und findet es nicht.

Frau Widehopf, die Siebenundsechzigjährige, die mit ihrer Friseurin Frau Helga vereinbart hatte, sich ab fünfundneunzig nicht mehr dieHaare zu färben, wird in ihrer gemütlichen Wohnung eingeklemmt. Sie kann nicht mehr ins Vorzimmer hinaus, wo die Tasche mit dem Handy liegt, denn Frau Widehopf ist eine agile Alte, die sich auskennt, in der Welt der Smartphoneltelefonie. Leider ist ihr die Kommode auf das Bein gefallen. Jetzt sitzt sie da mit ihren Medikamenten am Schoß, rechnet sich die Blutvergiftung und den Wundbrandt aus und bereitet sich aufs Sterben vor.

Ähnlich eindrucksvoll, die Geschichte von dem demente Alkoholiker, der entlassen und besachwaltert in einer betreuten Wohngemeinschaft, sich auf seinen Selbstmord vorbereiten wollte. Die Medikamente hat er angespart und vergessen, als er sich den Schnaps mit dem er sich betrinken kaufen wollte. Dann kam die Katastrophe. Der Zerfall Wiens ist seinem Selbstmord zuvorgekommen, sein Gehirn regeneriert sich und er beginnt mit Äpfel und mit Nüssen zu überleben.

Dann geht es an das “Ich”, das in sieben Abschnitte aufgeteilt ist. Eine Frau mit einer Autoimunerkrankung, für die sie Medikamente benötigt, hat sich im Sternwartepark eingebunkert, das heißt eigentlich hat sie sich hinausgesperrt, denn die Tore alle zu mit Schlößern, die sie aus dem “Libro” plünderte. Dort vergräbt sie Lebensmittelreserven und bereitet sich auf ihr Sterben beziehungsweise ihre Verwesung vor. Eine Beziehung zu Hunden, wie auch im “Wiener Kindl”, das Stück aus dem Buch, das Karin Peschka in Klagenfurt gelesen hat, gibt es auch.

Das “Wiener Kindl” hat drei Teile und Wolfgang Tischer vom “Literaturcafe” hat sich, glaube ich, im letzten Jahr sehr darüber mokiert, daß man der Autorin das “Kindl” nicht weglektorierte, aber das ist ein Wiener oder vielleicht auch Oberösterreichischer Ausdruck und das Kindl hat auch eine Behinderung oder chronische Krankheit, mußte Medikamente mit einem Silberlöffel nehmen, eine Windel tragen, hat Ergotherapie bekommen, dann kam die Katastrophe. Haus zerstört, Eltern und Brüder verschwunden. Das Kindl steigt aus dem Gitterbett, schleppt sich in den Garten, wo schon die Hunde warten, in dessen Gesellschaft es fortan leben und die Herrschaft über sie erheben wird.

Eine tolle Geschichtensammlung über den Tod, das Sterben und den Zerfall in denen mir Karin Peschkas skurrile Phantasie mit der sie genüßlich, die unglaublichsten Szenen zelebriert, glaubhafter, als in “FanniPold”, beispielsweise, das mir trotz mehrerer Lesungen, immer noch ein wenig unverständlich ist, erschien.

So über die Apokalypse und den Weltuntergang zu erzählen, so poetisch und skurril erscheint mir als das Neue in der Literatur, wie die Kritiker ja immer verlangen, daß sie das haben muß.

Schade, daß es im Vorjahr nicht auf die Shortlist des Öst gekommen ist, dennHand aufs Herz Karin Peschkas Hunde und Menschengeschichten, die nur wenig Kommunikation zueinander haben, haben mir besser als Eva Menasses “Tiere für Fortgeschrittene” gefallen, was auch für manche andere Shortlistbücher gilt. Ausgenommen das dBp-Siegerbuch,  Brigitta Falkners “Strategien der Wirtsfindung” habe ich nicht glesen und das Longlistbuch des Doron Rabinovici hat mir auch sehr gut gefallen.

Jetzt ist Karin Peschka  Stadtschreiberin in Klagenfurt und soll sich dort, wie ich gelesen habe, den Klagenfurtern regelmäßig für Texthilfen zur Verfügung stellen, was auch  einungewöhnlicher Einfall der Autorin ist.

Die Calamari warten

Ich bin ja eine begierige Verfolgerin der Sprachkunstlesungen. Vom Anfang an und vielleicht schon vorher in der Entstehungsphase habe ich die Entwicklungen des Hochschulllehrganges für Sprachkunst verfolgt. War bei den Studentenlesungen, wie die ersten Jahresabschlußlesungen noch hießen, beim “Symposium für Sprachkunst”, beim Fest für Robert Schindel, dann ging der Lehrgang in die “Alte Schmiede” und im Literaturhaus gibts jetzt jeweil zum Semesterende, je eine Veranstaltung mit einem speziellen Titel. Ich war, glaube ich, bei fast allen und einmal auch im Republikanischen Club, wo die Zwischenwelt ihre Sprachkunstlesung mit ihremLehrer Vladimir Vertlib hatte.

Heute hieß es also die “Calamari warten”, einmal habe ich einen Studenten nach der Bewandtheit der Titel gefragt, inzwischen lasse ich mich überraschen und es war der Jahrgang 2015/2016 dran, wo ich gerade Frieda Paris kannte, weil sie ja eine der Betreuerinnen von Christel Fallenstein ist und sie mich einmal auch bei den OTönen angesprochen hatte.

Das Literaturhaus sehr voll mit  Sprachkunststudenten und wahrscheinlich ganz wenig anderen Zuhörern, auch den Lehrkörper habe ich diesmal nicht gesehen.

Barbara Zwfelhofer leitete ein und wies auf die Sprachkunststudentin Anna Draxl hin, die sonst immer beim Ausschank ist, die die Veranstaltung organisierte.

Die las auch als erstes, zwei Texte mit kurzen schönen Sätzen, die ein bißćhen auf den Titel hindeuten könnten. Ging es beim Ersten doch um jemanden, der sowohl eine Fabrik, als auch das Geschehen in einem Schiff beobachtet und im anderen, um jemanden der Schiffe verleiht.

Die Calamari warten, denke ich also unterm Wasser und fangen die Körper ein, die sich dort nähern. Sie können aber auch auf den Tellern warten, in den Vierteln vielleicht, wo viele türken wohnen und wo auch Zitronen über die Straßen rollen, denn Muhamed Ali Bas, den ich, glaube ich,  schon mal gehört habe, hatte genau einen solchen Text.

Es ging um das “Heimatrecht, Alter!” und um den Opa, der sich vielleicht ein solches in Anspruch nehmen könnte, aber sowohl keinen Parkschein, als auch keinen Behindertenausweis hat.

Dann folgte Katharina Pressl mit kurzen Textsequenzen und Stephan Langer mit zwei Strängen aus einem Theaterstück, wo es sowohl um die Protokollierung, als auch um Hunde ging und nach der Pause betrat Frieda Paris mit einem Sackerl die Bühne. Vorher hat sie einen Föhn aus ihm herausgenommen und nachher noch einige Sachen, wie einen Kamm, eine Kaffeemaschine etcetera auf den Tisch gestellt und immer wieder zwischen ihren Gedichtzeilen mit den Gegenständen hantiert.

Antonio Schachinger hatte auch einen sehr interessant über Ecuadorianer, die in Mexiko ihr Leben fristen und Stephan Manuel Eggenweber brachte, wie Antonio Schachinger ankündete einen autobiographischen Text, der war dann natürlich sehr verschlüßelt und handelte, wie Charlotte Roche Texte von vielen Körperflüßigkeiten. Es ging um Sprache und den Mund dabei. Zuerst war vomKörper die Rede, dann ging es zu einem Festbanquette, wo sechs Studenten oder Cateringkräfte, die Gäste einschloßen, während sie ihnen das Festmahl, die Süppchen und anderen Köstlichkeiten servieren und am Ende kotzen alle vor sich hin und waren fröhlich und wenn ich es recht verstanden habe, hat die neue Sprache dabei gesiegt.

Deine grünen Augen

Jetzt kommt, während die Bücher der Herbstproduktion, die erst im Juli, August, September besprochen werden können im Badezimmer auf mich warten, wieder etwas von der Backlist.

Eines der älteren Bücher, das ich unbedingt lesen wollte, obwohl ich gar nicht so genau sagen kann,  wie es zu mir gekommen ist, wahrscheinlich habe ich es mir vor drei Jahren, kurz bevor wir nach Leipzig fuhren, vom klinischen Mittag kommend, in der ehemaligen “Buchlandung” in der Lerchenfelderstraße, um einen  Euro gekauft, vielleicht habe ich es auch in einem der Schränke gefunden.

Arnost Lustig “Deine grünen Augen” und gekauft oder genommen habe ich es mir höchst wahrscheinlich, weil mich der Name an Gila Lustiger erinnerte, von der ich einmal, langs lang ists her, etwas gelesen habe.

Das wäre aber wieder eine legasthene Verwechslung gewesen, denn Arnost Lustig wurde 1926 in Prag geboren, überlebte die Konzentrationslager Theresienstadt, Auschwitz und Buchenwald. Nach dem Krieg kehrte er in seine Heimat zurück und arbeitete als Rundfunkredakteur und Schriftsteller. Aufgrund seiner führenden Rolle imPrager Frühling flüchtete er 1968 nach Israel, steht im Klappentext.

“Wikipedia” entnehme ich, daß er 2011 in Prag gestorben ist und ein Schriftsteller und Publizist war, der sich in seinen Werken hauptsächlich mit dem Holocaust beschäftigte. In den USa scheint er auch gelebt zu haben.

“Deine grünen Augen” erschien 2000 im “Berlin Verlag”, die Originalausgabe kam 2000 in Prag heraus und handelt in Auschwitz kurz vor Ende des Krieges, sowie in Ungarn und Prag kurz danach.

“Hanka ist fünfzehn und Jüdin. Ihre Familie ist in Auschwitz umgekommen. Sie selbst gerät als jüngstes Mädchen ins Feldbordell Nr. 232 Ost. Ein erschütterndes Zeitdokument und eine Huldigung an den Lebenswillen. Mit beinahe beängstigender Ruhe erzählt Arnost Lustig von den Möglichkeiten der Selbstbehauptung in einer humanen Welt”, steht am Buchrücken und die Geschichte, die man eigentlich nicht erzählen kann, wie ein “Amazon-Rezensent” schreibt, wirkt, in seiner knappen,”ruhig”, wird es in der Beschreibung genannt, so, als könnte sie auch knapp nach dem Krieg geschrieben worden sein. Vielleicht ist es  auch die Erinnerung, die Arnos Lustig, das Unerzählbare in  eindringlich dichten Bildern und einer sowohl sehr direkten, als auch dissoziativen Erzählweise beschreiben läßt, die teilweise sehr experimentell  wirkt.

So gibt es immer wieder Stellen, wo beispielsweise “Fünfzehn: steht und dann wahrscheinlich ebensoviele Namen aufgeezählt werden “Hermann Hammer, Fritz Blücher, Reinhold Wuppertal…” etcetera.

Das sind wahrscheinlich die Wehrmachtssoldaten, die eine “Feldhure” pro Schicht zu bedienen hatte und Hanka ist mit ihren  Eltern und ihrem Bruder zuerst nach Theresienstadt, was sie noch, als angenehm und menschlich empfand, dann Auschwitz-Birkenau gekommen, dort wurde selektiert. Der kleine Bruder wurde sofort ins Gas geschickt, der Vater hat sich, um seine Würde zu bewahren an den Zaun geworfen, die Mutter hat sie auch verloren. Sie wurde sterilisiert und ist in eine medizinische Baracke zu einem Dr. Krueger geraten, der Experimente machte. Der wurde versetzt und Hanka gibt sich als Arierin aus, um, um ihr Leben zu retten, in das besagte Feldbordell zu kommen.

Hanka wird am Bauch tätowiert und muß bei Madame Kulikowa auch Offiziere bedienen, den Hauptmann Hentschel und den Obersturmführer Stefan Sarazin, der sich von ihr ans Bett fesseln läßt.

Es gibt außer ihr noch ein anderes jüdisches Mädchen Estelle, die eigentlich Esther heißt, mit ihr kann sie  kurz vor der Evakuation, wo alle erschossen werden, fliehen und kommt zuerst nach Ungarn, spter nach Prag, wo der Erzähler dessen Frau sie später werden wird, sie kennenlernt.

“Mit fünfzehn, fast schon sechzehn, hatte Hanka reine Haut, glänzendes Haar – sorgfältig gebürstet und immer wieder nachgewachsen und wunderbare grünen Augen.”, lautet der letzte Satz.

Die werden in dem nicht chronoligisch erzählten Roman, immer wieder erwähnt, den Soldaten und Offizieren, die sie bedienen muß, fallen sie auf. Hanka ist die jüngste in dem Bodell, gibgt sich aber, um zu überleben, als achtzehn fast neunzehn aus, wenn die Offiziere mißtrauisch auffällt, daß sie so jung ausschaut.

Die “Bordellstellen” werden immer wieder mit den “Nachherstellen”, wo Hanka in Ungarn beispielsweise bei einem Rabiner unterkommt, der ihr zu essen und die Kleider seiner ebenfalls umgekommenen Frau und Tochter gibt und der, ob dem was geschenen ist, fast den Verstand verliert und immer wieder Fragen stellt, wie so etwas geschehen und wie Gott das zu lassen konnte, abgelöst

“Warum haben sie das getan?”, flüsterte er. “Wie haben sie das tun können?”

“Worin verstand das Vegnügen beim Töten von Menschen, die man nicht kannte?

An wen konnte er sich wenden, an welches Gesicht Gottes? An den Gott der Unendlichkeit? Den Gott der Weisheit? Den Gott der Rache? Den Gott der Blitze? Oder den Gott der Gnade? Den Gott der Güte? Den Gott der dreißig Pfade zur Weisheit?  Dem Gott der fünfzig Tore zum Licht? Dem Gott mit dem Flammenschwert? Den Gott des Bundes?”

“Du hast ein Recht darauf sie zu hassen”, sagt der Rabbiner zu Hanka.

“Ich weiß nicht, ob ich das will”, antwortet sie ihm.

“Was mich angeht, darfst du sie hassen” sagt er.

“Das will ich aber nicht.”

“Niemand könnte es dir verdenken.”

“Das interessiert mich nicht.”

“Niemand würde dir einen Vorwurf machen.”

“Ich habe keinen Hass in mir” sagt sie.

Eine seltsame Situation. Während sie nur ans Essen dachte, suchte der Rabbiner nach Antworten auf etwas, das er nicht begreifen konnte.”

“Über Auschwitz zu schreiben, sei ein unmögliches Unterfangen behaupten viele Schriftsteller der Nachkriegszeit und unterließen es deshalb. Mit deinen grünen Augen konnte Arnost lustig den Gegenbeweis jedenfalls nicht antreten”, behauptet ein Zweisternrezensent bei “Wikipedia”, dem das Buch und sein Inhalt wohl zu direkt und nahegehend war.

Und es ist wahrscheinlich auch richtig, daß man das Ungeheuerliche, das damals geschehen ist, wahrscheinlich nicht so einfach erfassen kann und auch das Aufschreibensehr schweirg ist. Es ist  aber trotzdem wichtig, ist das zu tun, kann man die Vergangenheit ja nur so erfassen und es ist wahrscheinlich auch die  knappe  und doch sehr deutliche Art von Arnost Lustig,  die das trotzdem möglich macht, auch wenn der Autor heute eher vergessen und das Buch wahrscheinlich schon vergriffen ist, ist es trotzdem sehr empfehlenswert, es zu lesen, auch wenn es dem Leser vielleicht genauso schwer, wie dem Rabbiner Gideon Schapira fällt, das Geschehene  zu begreifen.

“Arnost Lustig schreibt über den Holocaust mit der gelassenen Autorität, die einer großen Bescheidenheit entwächst. Die kluge Sachlichkeit des Tons ist unvergleichlich”, hat die “Washington Post” noch auf den Buchrücken geschrieben.

Friederike Mayröckers Weggefährten

Ich bin ja keine so besondere Mayröcker-Spezialistin, war aber in den letzten Jahren bei einigen Lesungen der grande dame der österreichischen Literatur, gelesen habe ich Requiem für Ernst Jandl “Und ich schüttelte einen Liebling” und in meinen Harlander Regalen noch ein paar andere Bücher, von denen ich nicht ganz sicher bin, ob und wie intensiv ich sie gelesen habe.

“Larifari” die 1956 erfolgte erste Buchveröffentlichung habe ich in der Telefonzelle bei der Seedose einmal gefunden, signiert und das ist und das ist vielleicht auch interessant, das einzige Mayröcker-Buch das ich in den Schränken gefunden habe. Die Liebhaber geben sie offenbar nicht her und in den Verlassenschaften ist es vielleicht noch nicht.

Mal sehen, es kann sich ja alles ändern, heute hat jedenfalls am Gaussplatz zum Saisonende “Ein Fest mit Weggefährten” gegeben, eine Veranstaltung in Cooperation mit dem “Wir sind Wien.Festival”, deshalb stand auch Susanne Wouk, die ich ja von der Margaretner Kultur kenne, beim Hinausgehen vor dem Eingang, erklärte jeden “Wir sind die Veranstalter!” und drückte einem ein Programm des Stehgreiftheaters Tschauner in die Hand.

Aber noch sind wir nicht so weit, noch sind wir am Beginn und ich habe, glaube ich, auch gezögert zum Gaussplatz hinauszuwandern, weil ich nicht genau gewußt habe, ob man sich nicht vielleicht anmelden muß und ich keinen Platz bekomme, denn die Mayröcker-Veranstaltungen sind ja immer sehr voll, da muß man eine halbe Stunde vorher in die “Alte Schmiede” gehen, deshalb habe ich im März die Präsentation des neuen Buchs “Pathos und Schwalbe” auch versäumt, weil ich eine sechs Uhr Stunde hatte und mir gedacht habe, ich setze mich nicht in den Schmiede-Raum und schaue mir die Lesung über die Video Wall an, hätte ich aber machen können, denn heute war ich zwar eine Stunde früher da und habe auch fast den selben Platz wie am Samstag, diesmal neben Angelika Kaufmann einer Mayröcker Vertrauten, bekommen, aber Friederike Mayröcker ist nicht auf das Podium gestiegen sondern hat unten gelesen und da saßen dann soviele Leute vor mir, daß ich sie eigentlich nur durch das Handy von Herrn Lindner, der vor mir mit seiner Frau auf den Plätzen, die eigentlich für Franzobel, der nicht gekommen ist, reserviert war, gesessen ist.

Also sehr voll und ich war schon einmal auf einem Fest für Friederike Mayröcker, das war in Mürzzuschlag, ich glaube, icn den Neunzigerjahren, wo die GAV zu solchen Festen eingeladen hat und man das Quartier und das Essen bezahlt bekommen hat. Das gibt es nicht mehr, die Weggefährten waren aber trotzdem da.

Liesl Ujvary hat die berühmte Wohnung mit den vielen Papierln fotografiert und die Bilder an die Wand gehängt, Linde Waber hat eingeleitet und erzählt wie und wann sie Friederike Mayröcker kennengelernt hat. Bodo Hell hat einen Ausschnitt aus dem Film “1 Häufchen Blume 1 Häufchen Schuh” das ist ein Mayröckerzitat gezeigt, der 1990 vom ORF gedreh,t eine noch sehr junge FM zeigte, die in dem Haus in der Zentagasse auf und abgegangen ist, erklärte, das sie am liebsten am Nachmittag mit einem Hund spazieren gehen würde und, daß sie, wenn sie Einfälle hätte, auf der Straße stehenbleibe und sie aufnotiere, was die Leute um sie herum irritiere.

Der Kameramann war, glaube ich, ein ehemaliger Schüler. FM war ja früher Lehrerin, der betonte, wie modisch sie damals gewesen sei und sie sagte in dem Film, daß sie jetzt nur mehr bequeme Jacken, Schuhe und <mäntel tragen würde und immer ist sie schwarz angezogen

Bodo Hell zählte dann die Titel einige ihrer Werke auf und las Passagen aus seiem FM Lieblingsbuch, dann kam die Lesung aus “Pathos und Schwalbe”, man konnte das Buch kaufen und signieren lassen.

die Fallensteins waren da, die Studenten der Sprachkunst die sie betreuen, wie schon erwähnt, die Lindner und noch viele andere bekannte, es war wie erwähnt sehr voll und sehr heiß und ich bin, weil ich Veranstaltung schon, um nuen aus war, wo es noch hell war, am Donaukanal zurückgegangen, wo in den Lokalen wieder Fußball gezeigt wurde und während meines Vorbeigehens wieder ein Tor geschossen wurde. Die jungen Leute saßen am Kai, schauten ins Wasser und hatten Bier oder Weinflaschen vor sich stehen. Auf den Donaukanalstufen habe ich, glaube ich, einen anderen Sprachkunststudenten sitzen sehen und auf der Brücke ist mir wenn ich sie nicht verwechselt habe Susanne Scholl entgegengekommen und auf der Margaretenstraße Bendedikt Föger, der Präsident des Hauptverbandes und das war keine Verwechslung, denn der hat mich gegrüßt.

Eines Tages verschwand Karola

Jetzt kommt das, glaube ich, siebente Buch der 1952 in geborenen Judith Gruber Rizy, die mir einmal in den Neunzigerjahren von Arthur West bei einer Lesung vorgestellt wurde, mit ihr in der GAV und auch eine Zeitlang in der “Frauen lesen Frauen Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters” war, bei der sie noch immer tätig ist und wo sie sich auch sehr für die vergessenen Schriftstellerinnen des vorigen Jahrhunderts oder überhaupt für vergessene Frauen, wie Veza Canetti, Gabriele Münter, etcetra, interessiert.

Ich weiß gar nicht mehr genau welche ihrer Bücher ich gelesen habe.

“Aurach” bestimmt und wahrscheinlich auch die Prosa “Zwischenlandschaft”, “Drift” und “Schwimmfüchslein” habe ich gelesen, bei den anderen Büchern war ich, glaube ich, auf Lesungen und habe Judith Gruber-Rizy auch regelmäßig beim Volksstimmefest und bei der Poet-Night gehört und es hat auch eine Zeitlang Frauenlesungen in der Galerie Heinrich gegeben.

Sie hat Germanistik und Theaterwissenschaften studiert, war, glaube ich, lange als Journalistin bei der Volksstimme tätig und ist jetzt schon länger freie Schriftstellerin, mit Helmut Rizy verheiratet und eine ihrer Eigenarten oder Besonderheiten ist, daß alle ihreHeldinnen den Namen Rosa tragen und ihr neues Buch “Eines Tages verschwand Karola”, zu dem Erika Kronabitter eine Beschreibung im Klappentext gab, hat mich sowohl ein wenig verwirrt, als auch verwundert.

Halte ich sie ja für eine sehr kritische Frau, die sich für die Unterdrückten oder gegen die Unterdrückung einsetzt und jetzt sind die diesmalige Rosa und auch ihre Freundinnen Karola und Antigon eigentlich sehr bürgerliche Frauen und machen oder lassen Dinge mit sich geschehen, wo ich eigentlich einen Aufschrei erwartet hätte.

Es ist ein sehr ruhiges Buch, da passiert ja nichts, könnte man auch hier sagen. Zumindest erfährt man bis zum Schluß  nicht wirklich wohin jene Karola jetzt verschwunden ist und warum und wieso?

Es werden an ihrem Beispiel vielmehr die Pardoxien und Widersprüchlichkeiten des Lebens aufgezeigt und die Widersprüche was und wer jetzt wem was verschweigt sind  vielleicht auch das Interessante daran.

Spannend auch der ruhige und genaue Erzählton, eines der Merkmale der Autorin, hier hat mich aber die Trivialität ein bißchen verblüfft, in der der Stoff öfter abgleitet.

Da ist also die Ich-Erzählerin, die wieder Rosa oder eigentlich Rosemarie heißt und die erzählt ihrer Freundin Anne auf einer Fahrt nach Bilbao, daß ihre Freundin Karola vor fünfundzwanzig Jahren verschwunden ist.

Und vor fünfundzwanzig Jahren hat sie das ihrer Freundin Antigone “Wer Antigone heißt, ist für sein Leben gehzeichnet.  Es macht das Leben leichter, wenn man Rosa heißt”, auf der Fahrt in das Wochenendhaus erzählt, worauf die spontan beschlossen hat, nach Karola zu suchen und das hat, wie Rosa Anne weiter erzählt, ihr Leben auf einem Schlag oder nach und nach verändert.

Denn damals war sie mit einem Lateinlehrer namens Julius verheiratet, der eigentlich Werner hieß, war Lektorin in einem Verlag und nicht besonders glücklich und Karola war eine Bekannte, die sie in einem Sprachkurs kennengelernt hat. Sie ist an die vierzig und Sekretärin bei einem Rechtsanwealt. Karolas Mutter ruft Rosa eines Montags an und fragt nach ihr, denn sie ist, die noch am Samstag bei ihr war, auf einmal verschwunden.

Die beiden Frauen forschen nun nach und bekommen nicht viel heraus und diese Karola, füge ich vielleicht an, bleibt auch erstaunlich blaß und widersprüchig. Es gibt einen Freund namens Robert und eine Freundin namens Carla, die nie jemand gesehen hat und der Nachbar Gerhard, ein ewiger Sinologiestudent erklärt den fragenden Frauen überheblich, das hätte Karola nur erfunden und wäre eigentlich in ihrem Rechtsanwalt verliebt gewesen.

Aber in den verliebt sich sofort Antigone, bei der Recherche, übernimmt Karolas Posten und bekommt von ihm drei Kinder, bevor er sie wegen einer Jüngeren verläßt und Rosa hat, als sie Anne all das erzählt, ihren Julius längst verlassen und begonnen Romane über vergessene Schriftstellerinnen des vorigen Jahrhunderts zu schreiben.

Sie hat auch ein Jahr nach Karolas verschwinden versucht, einen Roman darüber zu schreiben, der aber nicht fertig geworden ist, war sie doch zu nahe an den real existierenden Personen daran  und ein Teil des Buches widmet sich auch der Frage, wie das mit den verzerrten Erinnerungen ist?

Es gibt dann noch eine sehr kitschige Stelle, das Ende des ersten oder zweiten Romanversuches.

Denn da hat sich inzwischen herausgestellt, daß jener Robert, von dem Rosa ein Bild gesehen hat, einmal vor sechs Jahren vor dem Verschwinden einen Sommer in einer Pension mit Rosa verbrachte, jetzt, drei Wochen vor ihrem Verschwinden hat sie in der Pension angerufen und nach Robert gefragt, der aber nichts von ihr wissen will, weil auch verheiratet, etcetera.

Karola fährt aber in einer Romanversion zu ihm hin und rüttelt an seiner Tür, Antigone ist ihr hinterher, will sie davon abhalten, Karola zieht das Küchenmesser und sticht zu.

“Ja!”, sagt Anne, das wäre ein Schluss, der mir gefallen könnte..”

“Aber so war es nicht”, sage ich, “denn eigentlich hat die Geschichte von Karolas  Verschwinden bis heute kein wirkliches Ende gefunden.”

So war es, kann ich gleich spoilernd anfügen, hat aber zweihundertfünfzig Seiten gefüllt und in einem sehr ruhigen, manchmal etwas widersprüchigen Ton vom Frauenleben, seinen Veränderungen und auch von einigen Ungereimtheiten erzählt.

“Ein Roman geschrieben aus der Sicht einer Frau mit all der Verwunderung über die wechselnden eigenen Befindlichkeiten. Ein Roman über die Reifung zur selbständigen und selbstbewußten Frau. Ein Roman der lange nach dem Lesen im Gedächtnis haften bleibt”, hat Erika Kronabitter am Klappentext geschrieben und am Buchrücken steht noch “Judith Gruber-Rizy brilliert erneut und schafft in ihrem Roman vielschichtige Figuren, die die Dynamik des Lebens in seiner vollen Bandbreite zeigen.”

Lese.Auslese nicht ganz am Ende

Die Lese.Auslese, wo Katja Gasser und Cornelius Hell immer kurz vor Weihnachten und zu Saisonende in Juni ihre Leseempfehlungen zu den Herbst bezeihungsweise Frühjahrsneuerscheinungen geben, gibt es wie Manfred Müller in seiner Einleitung erwähnte schon zehn Jahre in der “Gesellschaft für Literatur”.

Viermal, zweimal im Dezember, zweimal im Juni habe ich es bisher hingeschafft und heute zum fünften Mal, denn eigentlich gabe ich ja nicht so soviel auf Leseempfehlungen und gehe inzwischen auch nicht mehr zu den literarischen Soireen, obwohl man ja dort Bücher gewinnen kann, aber zu Weihnachten gehe ich ganz gerne hin, wenn es sich ausgeht, denn da gibt es Punsch und Kekse und ich kann was für meinen Blogadventkalender schreiben, im Juni gibt es Bowle und Knabbereien und im Vorjahr habe ich dann endlich herausbekommen, daß Cornelius Hell und Katja Gasser ihre ganz persönlichen Empfehlungen wiedergeben und nicht nur die Jahreshighlights hinunterrattern und das macht es interessant, weil ich von den sieben Buchvorschlägen wieder nicht alle gekannt habe, obwohl diesemal Johannes Bobrowski, Cormelius Hells Favorit fehlte.

Es begann also mit Georges-Arthur Goldschmidt ein mir bisher unbekannter Autor, der wurde 1928 in Hamburg geboren und zehn Jahen später von seinen Eltern nach Frankreich geschickt. Dort hat er die Shoah überlebt und schreibt jetzt mehr oder weniger autobiografisch angehaucht darüber. Dann kam David Albaharis “Das Tierreich” dieser Autor wurde in Serbien gebobren lebt jetzt in Kanada, übersetzt wie viele der anderen vorgeschlagenen Autoren und ist, wie Manfred Müller meinte, in Österreich eher unbekannt.

Wenn man regelmäßig zur “Literatur im Herbst” ins Odeon geht, ist es das nicht, möchte ich anmerken und ich habe auch zwei seiner Bücher in meinen Regalen, dieses nicht und das handelt vom Leben in einer Kaserne und wie Zucht und Ordnung einen Menschen brechen kann. Katja Gasser erzählte das in einer etwas abgehobenen sprache, verwendete oft das wort “narrativ” dabei, während Cornelius Hell öfter Textproben gab.

Und ein Buch wurde sowohl von den beiden Referenten als auch vom Moderator besprochen, das war Esther Kinskys “Hain” die damit den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat und dieser Geländeroman oder die Textfragmente, die sich darum ranken, scheinen eher schwer zu lesen zu sein, wurden aber sehr empfohen und dann folgtenKurzgeschichten von Susanne Gregor. Cornelius Hell schwärmte sehr für diese Literaturart, mit der ich ja meine Schwierigkeiten habe, ich war aber im Literaturhaus, als sie ihren bei “Droschl” erschienenen Band vorstellte.

Dann kam ein mir völlig unbekannter Spanier, nämlich Fernando Arrambura, der schon lange in Deutschland lebt, der einen Familienroman und über den spanischen Bürgerkrieg schrieb, ein achtundert Seiten Schinken, für den Strand und Badeurlaub sehr zu emfpehlen, meinte Manfred Müller und Susanne Röckel ist wie Thomas Stangl wie die Vortragenden meinten in Österreich auch noch zimlich unbekannt.

Susanne Röckel hat aber einmal beim Bachmannpreis gelesen und ich habe von ihr gleich zweimal ein Buch im Schrank gefunden, habe ich geglaubt und das auch Manfred Müller so erzäht, meine leicht legasthene Ader, der Uli wird sich ärgern, hat aber wieder zugeschlagen, so daß ich Röckel mit der Riedel verwechselt und die “Endlichkeit des Lichtes” gelesen habe, während die 1953 in Darmstatt geborene schon mehrer Romane geschrieben und Preise gewonnen hat und jetzt ihr bei “Jung und Jung” erscheinenes Buch “Der Vogelgott” vorgestellt wurde und Thomas Stangel von dem ich wirklich schon etwas gelesen habe und auch bei mehreren seiner Veranstaltungen war, hat bei “Droschl” “Fremde Landschaften” herausgegeben. Ein Buch von dem ich gespannt bin, ob es auf die österreichische oder deutsche Buchpreisliste kommen wird und nachher gab es, wie erwähnt Wein und Bowle zu trinken.Ich habe mich lange mit einer Zahnärztin unterhalten, die extra aus Salzburg angereist ist, beziehungsweise von dort nach wien pendelt und umgekehrt. Die hat mich gefragt, was ich von der Liste lesen werde?

Nichts wahrscheinlich, wenn ich nicht etwas finden sollte oder was davon auf eine der Buchpreislisten kommt. Habe aber inzwischen schon meine persönliche Jahreshighlightliste und kann meinen Lesern meine Buchempfehlungen von den Bücher, die ich in diesem Jjahr gelesen haben und die mir sehr gut gefallen haben.

Das wären etwa:

1.Josuah Cohen “Buch der Zahlen”

2.Karin Peschka “Autolyse Wien”

3..Andrej Kubitzek “Komm in den totgesagten Ppark und schau”

4.John Fante “Der Weg nach Los Angeles”

5.Wlada Kolosowa “Fliegende Hunde”

6.Milena Michiko Flasar “Herr Kato spielt Familie”

7.Heinrich Steinfest “Die Büglerin”

8.Gunnar Kaiser “Unter der Haut”

9.Mareike Fallwickl “Dunkelgrün fast schwarz”

10.Bernhard Schlink “Olga”

und und natürlich, denn beim Auswählen tue ich mir ja immer schwer und bin auch gespannt, was davon auf die Buchlisten kommt? Je mehr desto besser, weil ich dann ja nicht mehr soviel lesen muß. Aber wenn man die oben empfohlenen Bücher liest, hat man wahrscheinlich auch einen guten Einblick in die Gegenwartsliteratur.

Der Artikeltitel bezieht sich übrigens darauf, daß das heute nicht die letzte Veranstaltung der Saison ist, sondern es auch nächste Woche Veranstaltungen gibt.

Spaziergang durch den Neunten

Ich bin ja jetzt, wie im vorigen Jahr auch, seit zwei Wochen “Strohwitwe”, weil sich der Alfred ja mit dem Karl in den USA befindet und von dort fast täglich schöne Fotos schickt. So weiß ich, daß er kürzlich in einer Bibliothek in San Fransico war und sich jetzt im Yellostone Nationalpark befindet und ich befinde mich oder sollte das, neben  meiner täglichen Praxisroutine auf einem intensiven Korrigierretreat, um möglichst bald mit der “Unsichtbaren Frau” fertig zu werden und etwas Neues zu beginnen.

Im Vorjahr, wo der Alfred mit dem Karli in einem anderen teil der USA war, habe ich die “Besser spät als nie-Szenengeschichten” geschrieben und habe mit der Ruth den öffentlichen Raum erforscht, woraus sich, was mir damals gar nicht so bewußt war, dachte ich doch, das ist eine schöne Schreiberei und Ablenkung beziehungsweise Fingerübung, bevor ich mit meinem nächsten Jahrhundertromanprojekt beginnen kann,- eine schöne Veranstaltungs- und Veröffentlichungsreihe entwickelte, die im letzten April begonnen hat.

Denn die Ruth hat das Projekt bei der GAV eingereicht und dreimal drei Spaziergänge zu den jeweiligen Orten mit einer Lesung und einem kunstgeschichtlichen Exkurs von Robert Eglhofer geplant. Den ersten diesbezüglichen Spaziergang haben wir, wie schon erwähnt, im April gemacht und sind da vom Heldenplatz über die Schlüssel vom Servitenplatz zum Thuryhof gegangen und vorher hat es einige der Texte mit sehr schönen Fotos, die der Alfred im Februar machte, im “Hammer 95” der Zeitschrift der “Alten Schmiede” gegeben, die auch der Straßenzeitung “Augustin” beigelegt war.

Ja und da ist die Ruth mit der Leiterin der VHS des neunten  Bezirks ins Gespräch gekommen, die so einen Spaziergang durch den neunten Bezirk in ihrem Programm ankündigen wollte.

Da ist für den Spzaziergan der neunte November, der Tag meines fünfundsechzigsten Geburtstags, so daß wir nachher schön feiern,  Sekt trinken und Torte essen können. Wir haben aber nur zwei Objekte im neunten Bezirk beschrieben, in dem Folder von dem und mit dem wir ausgegangen sind, gibt es aber noch ein anderes Kunstwert, das zwar vielleicht nicht so ganz zu der Zeitgeschichte der zwei anderen passt, aber sehr schön und idyllisch anzusehen ist, denn am Zimmermannplatz an dem ich ja, seit es dort den offenen Bücherschrank gibt, der ja eigentlich auch ein Kunstwerk des öffentlichen Raumes ist, aber vom Künstler Frank Gasser initiiert wurde und daher nicht in dem KÖR-Folder enthalten ist, vorübergehe, wenn ich vom klinischen Mittag komme, gibt es auf der anderen Seite ein Projekt ohne Namen oder eigentlich einen Garten mit Brunnen, den die brasilianische Künstlerin Ines Lombardi gestaltete und der 2009 von Stadtrat Mailath-Pokorny eröffnet wurde und so bin ich heute früh aufgestanden und habe mit einer Bücherkastentour, weil sich das ja schön ausgegangen ist, weil ich sowohl am “Wortschatz”, als auch an dem in der Zieglergasse und dem in der Josefstädterstraße über den Frank Gasser sehr sauer war, weil ihn der Bezirk, ohne ihn zu fragen, einfach von ihm abgekupfert hat, vorüberkomme, wenn ich zum Zimmermannplatz will.

Interessant ist dabei vielleicht noch, daß ich in der Zieglergasse zwar ein abgegriffenes dünnes “Haymon-Bändchen” von Bernhard Aichner “Das Nötigste über das Glück fand”, aber erst am Zimmermannplatz, bei dem ich jetzt schon lange nicht mehr war, so richtig fündig wurde, denn dort gab es ein Reprortagebändchen vom “Augustin-Blattmacher Robert Sommer “Wie bleibt der Rand am Rand”, den ich in der letzten Woche dreimal gesehen habe und dann noch ein kleiner “Meeresroman” von Petri Tamminen aus der “Edition Mare”. Einen dicken Simmel gab es auch, aber den habe ich mir auf unseren Spaziergang durch den neunten Bezirk nicht mitgenommen und einen Roman von Carlos Ruiz Zafon, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob ich ihn nicht schon habe?

Die Ruth ist schon auf einer der Bänke neben dem Schrank gesessen, wir sind zu dem Brunnen in dem verwunschenen Garten auf die  andere Seite hinübergegangen, den ich obwohl ich ja öfter über die Platz gegangen bin, nie gesehen habe und der wirklich ein idyllisch schönes Kunstwerk ist. Ein Stück Märchenlandschaft mitten in der Stadt zwischen AKH und St. Anna Kinderspital gelegen. Ein Steinbrunnen auf dem ein Kübel steht, dem gegenüber ein Rabe auf einem Holzscheit sitzt, aus dessen langen Schnabel sich der Wasserstrahl in den Kübel ergißt und das Ganze ist von dichten Büschen und Rosenhecken umgegeben.

Ein verwunsche Märchenlandschaft mitten in der Stadt sehr idyllisch und ich bin in der sommerlichen Vormittagshitze auf der gegenüberliegenden Bank gesessen und habe das Ganze begierig aufgeschrieben und dann sind wir, um die Zeit für unseren Spaziergang abzustoppen, noch zu den zwei anderen Kunstwerken des Neunten gegangen, beziehungsweise sind wir mit der Straßenbahn dorthin gefahren, weil wir ja nicht wissen, ob die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Spazierganges im November wirklich so weit gehen wollen oder können.

Sind also zuerst zum Thuryhof gegangen und haben den Recken mit dem Schwert angesehen, geschrieben und gelesen haben wir nicht, denn das haben wir ja schon getan und sind dann mit einer anderen Straßenbahn zur Grünetorgasse gefahren und haben uns auf die Bank vor den “Schlüßel gegen das Vergessen-Installation gesetzt und dann in den Straßengarten eines Restaurants in der Servitengasse um Mittag zu essen. Backhendlsalat und roter Spritzer ich, die Ruth hat es mit einer Kokussuppe und einem Eiscafe versucht und ich habe einen intensiven Sommervormittag im öffentlichen Raum verbracht und kann mich jetzt wieder meinem Korrigierprojekt widmen.

Bloomsday und Korrigierretreat

Am  sechzehnten Juni wird ja weltweit der “Bloomsday” gefeiert, der Tag an dem Leopold Bloom, 1904 oder 18 oder 20 durch Dublin ging, um seine Nierndln zu kaufen.

Ein Buch, das ich nicht gelesen habe, aber schon nahe daran war, es zu tun. Jedenfalls ist es, nachdem der Patrick es dem Alfred schenkte, lange im Harlander Badezimmer gelegen und als ich es beginnen wollte, hat es mir die Anna weggegtragen.

Inzwischen hat sie es mir wieder zurückgegeben, aber meine Leseliste ist ja lang und der “Ullysses” wie man so hört, ja  nicht sehr leicht zu lesen und sehr viele sind schon daran gescheitert.

Aber es gibt ja den “Bloomsday” wo überall auf der Welt der “Ullysses” gelesen oder Nierndln gebraten werden und ich habe dem Ersteres einmal, lang lang ists her, teilweise zugehört, als Rolf Schwendter noch mit dem Lesetheater einen diesbezüglichen Lesemarathon machte.

Einmal habe ich auch im Blog darüber geschrieben, das ist aber auch schon lange her und seither ist der Bloomsday irgendwie an mir vorbei gegangen und heuer sollte das ja überhaupt passieren, denn ja bin ich ja im Juni Strowitwe und habe an den Wochenenden eigentlich vor verbissen an meiner “Unsichtbaren Frau” zu korrigieren.

Ganz so wörtlich ist das zwar nicht zu nehmen, denn das letzte Wochenende habe ich ja ziemlich intensiv in den Breitenseer Lichtspielen zugebracht und da sozusagen ein schwarzes Artmann-Wochenende gefeiert. Aber ich habe vom “Aktonsradius Augarten” das Programm zugeschickt bekommen und da gesehen, daß es a am Samstag eine Bloomesday-Veranstaltung gibt.

“Ausgeschlossen!”, hate ich zuerst wieder gedacht und dann “Ich könnte doch eigentlich wieder einmal, denn das ist sicher auch sehr interessant und hebt die literarische Bildung!”

Dann habe ich meinen Einkauf schon am Freitag gemacht, als ich zum Poetry Slam ins Literaturhaus ging und heute schon ab Mittag intensiv korrigiert und korrigiert.

Da habe ich ja jetzt die dreiundneunzig Seiten beziehungsweise etwa fünfundvierzigtausend Worte, die ich jetzt habe, szeneweise durchkorrigerit. Dann in einem weiteren Durchgang die Ungereimtheiten, die das Ganze vom Inhalt beziehungsweise zeitlichen Verlauf noch hatte, durchgegangen und dann das Ganze an die dreimal laut gelesen und jetzt bin ich soweit, daß ich mich an die Feinheiten machen kann und beispielsweise entscheide, welche Worte ich unter Anführungszeichen, denn das liebe ich ja sehr zum Leidwesen meiner Leser setzte und welche nicht.

Einige Durchgänge werde ich wohl noch brauchen, habe aber das nächste Wochenende ganz zur Verfügung, da ich ja morgen mit der Ruth noch einmal den öffentlichen Raum erforsche und bin heute nach sechs zum Gaussplatz hinausmarschiert, wo ich schon sehr lange nicht mehr war.

Wien war voll im Fußballfieber und ich glaube eine Regenbogenparade hat es auch gegeben und das Lokal am Gaussplatz 11, auch sehr gefüllt und es war auch ein dichtes Programm angesagt, das sich von dem, was ich bezüglich Bloomsday gewohnt war, auch etwas unterschied, denn keine Marathonlesung in verteilten Rollen, sondern zuerst eine Einführung von Daniel Bauer und Daniel Syrovy, die erzählten, daß James Joyce zwar in Salzburg und in Feldkirch, aber nie in Wien gewesen ist und dieses angeblich auch nicht sehr geliebt haben soll, obwohl später andere Joyce Forscher erklärten, daß das Buch voller Wien-Anspielungen ist und dann kam eine Lesung in einer oberösterreichischen Übersetzung, die die beiden machten, wo eben der Leopold Bloom am Morgen aufsteht, seine Nirndln kaufen und später dann auch noch aufs Scheißhaus geht und eine Lesung einer irischen Gegenwartsautorin gab es auch und vorher noch einen Vortrag über James Joyce und seine Zeitgenossen und dann noch eine Diskussion mit der hiesigen James Joyce Gesellschaft, also sehr interessant.

Nur der Weg nach Haus war etwas anstrengend, denn die Stadt voll von Menschen, überall wurden die Fußballspiele übertragen und das irgendwer 2 zu 0 gewonnen hat, habe ich von Passanten auch gehört, habe aber keine Ahnung wer. Die Leute scheint es aber mehr als der Bloomsday und die Nirndln des Leopold Blooms erregt zu haben.

Der einundachtzigste Slam B

Meine Poetry Slam Geschichte habe ich ja schon öfter aufgeschrieben. In Berührung gekommen bin ich mit dieser Literaturform, die meist die Jugend anzieht, durch den Slam im Cafe Stein in den Neunzigerjahren, den “Droschl” veranstaltete und bei dem man sich schriftlich berwerben mußte. Das habe ich auch getan, aber keine Chance, keine Chance, denn meine Texte waren, wie Anette Knoch freundlich auf meine Frage schrieb, zu bieder und das stimmt ja auch, obwohl man sich damals dort noch einen Kohlkopf aufsetzten und singen oder rappen konnte.

Jetzt sind alle literarischen Gattungen erlaubt, ich denke aber trotzdem, daß ich mit meinen Prosaszenen, da nie den lautesten Applaus bekomme und melde mich nicht mehr an, obwohl man das beim Slam B im Literaturhaus kann und wenn das mehr als zwölf tun, wird gelost, sonst kommt jeder dran.

Ich war dann ein paar Mal bei den Slams von Markus Köhle und Mieze Medusa im Publikum, auch einmal im Literaturhaus und einmal in St. Pölten, habe mich dann vor den Slam Bs, wo man um sieben hingehen muß damit man einen Platz bekommt, gedrucükt, als ich es dann das erste Mal versuchte, war ich wahrscheinlich zehn nach sieben dort, alles war leer, aber besetzt und ich bin irgendwo weit hinten gesessen und habe mich geärgert, es dann Ende des letzten und Anfang dieses Jahres noch einmal probiert, war immer bei den Ersten, die auf Einlaß gewartet haben, habe einen Platz bekommen und die Wartestunde lesend verbracht. Dann nicht mehr, denn wir sind ja jedes zweite Wochenende nicht in Wien und offenbar ist es sich dann nicht ausgegangen.

Heute in meinen Strohwitwenmonat habe ich es dann wieder probiert und eine große Veränderung bemerkt, denn es gibt eine Kulisse, eine Bücherwand als Hintergrund und zwei filmende Leute saßen oder standen auch herum, denn seit April wird für irgendein Fernsehen mitgefilmt, weshalb Diana Köhle, ich hab nicht ganz kapiert warum, nach jeder Vorrunde die Moderation, das heißt die Poetry Slam Regeln  wiederholen mußte und das Publikum hatte jedesmal laut “Poetry” zu schreien.

Diesmal hatten sich fünfzehn Leute angemeldet, das heißt drei blieben über und ein Fixstarterteam gab es auch, da man offenbar, wenn man von auswärts kommt einen fixen Platz hat.

Ein paar der Teilnehmer kannte ich schon, wie Christian Schreibmüller, der diesmal gezogen wurde, aber nicht in die Finalrunde kam, ein paar waren neu und interessant waren für mich auch, daß tatsächlich verschiedene Textformen und nicht bloß die performierte Rapform vorgetragen wurde, was es meiner Meinung nach spannend machte.

Zwei politische Texte von einem kurzen Prinzen, der König werden wollte und deshalb zum blauen Wolf gehen und den Armen Angst machen wollte und einen, wo der Slamer Donald Trump, H. C. Strache, Kim Jong-un und Emmanuel Macron zum Spieleabend einlud gab es auch.

Das Opferlamm, die Vormonatssiegerin hatte eine frauenbewegte Geschichte von einem Reisebügeleisen das ihr ihre Oma schenkte. Es gab einen Text zu dem Leiden eines Schmetterlingskindes und Christian Schreibmüller brachte einen spannenenden Slam zum Thema Vermeidung oder “Meide:”

“Meide Sperma in den Augen, nur mit Sperma in den Ohren fühlst du dich wie neugeboren”, der mit  “meide generell das Leben” endete, der mir gut gefallen hat. Aber ich schaffe es ja nicht so laut zu klatschen und zu schreien, daß ich damit die Gruppendynamik verändern könnte.

So kamen drei Frauen in die Endrunde, von denen zwei auch starke Texte hatten, einer war, wie einige andere, wie beispielsweise der des Opferlamms, stark frauenbewegt und der der Siegerin, simulierte fast litaneiartig, die Nachrichten im ORF.

Diana Köhle wiederholte, wie schon beschrieben, ständig die Regeln, daß man fünf Minuten vortragen, nicht singen und sich nicht entkleiden darf. Ja richtig, der Text eines mir schon bekannten Slamers, in dem er ein Gedicht über einen Mann vortrug, der sich Pornos hochlädt, dabei auf seine eigene Tochter gerät und einen Steifen bekommt, hat mir nicht so gefallen, obwohl er vielleicht sogar der Realität entspricht und wies dann auf andere SlamVeranstaltungen hin.

Es gibt ja inzwischen sowohl einen Tagebuch– als auch einen Reiseslam, wo man dann eine Bahnnetzkarte gewinnen konnte und der nächste Slam B im Literaturhaus wird im Oktober sein, mal sehen, ob ich da in Wien sein werde.