Vom Doml in die Schreibgruppe

Stephan Teichgräber hat dieser Tage wohl sehr viel zu tun, beginnt doch morgen das “Literarischer Lenz in Centrope XI-Festival” im Theaterbrettt in der Münzwardeingasse und so hat der heutige zwei Personen- Workshop schon um halb fünf geendet, da er etwas mit dem Techniker zu besprechen hatte und dorthin mußte.

Seit drei oder vier Wochen bin ich mit ihm ja allein und da geht das Erarbeiten des Skriptums auch besonders langsam vor sich, weil wir immer wieder literarische Gespräche einschalten, denn ich mag es ja zwischen meinen inzwischen recht dichten Stunden einmal in der Woche zwei Stunden Quatschen über Literatur einzuschalten, weil ich ja der Meinung bin, daß ich sehr viel davon verstehe, obwohl mir das nicht alle Leute glauben.

Am Sonntag bei der KritLit sehr wohl, da habe ich, glaube ich, einen Vortragenden sehr damit beeindruckt, als ich ihm erzählte, daß Johannes Urzidil sehr darunter gelitten hat, immer mit dem gleichnamigen sehr bekannten Fußballstar verwechselt zu werden und, daß Josef Hader Stefan Zweig in dem Film “Vor der Morgenröte” spielte und, daß die vorgetragene Textpassage aus der “Welt von Gestern” stammt.

Nun ja, wenn man sich über fünfundvierzig Jahre sehr intensiv mit Literatur beschäftigt, hat das seine Spuren und wenn das niemand merkt, ist das nicht so leicht zu verkraften, deshalb also seit einem Jahr das Mittwöchige Literaturworkshop das zu zweit oder zu dritt stattfindet.

Weil wir immer soviel  literarisch abschweifen geht es mit den zu analysierenden Texten auch nicht so schnell weiter. So sind wir immer noch bei den ersten Seiten von George Orwells “1984”, dem utopischen Klassiker, den ich einmal, lange lang ists her, wahrscheinlich in den Siebzigerjahren in der Wattgasse gefunden habe. Wahrscheinlich war das Buch im Besitz meiner Schwester, vielleicht auch in dem meines Vaters.Gekauft habe ich es mi,r glaube ich, nicht und ich habe es wahrscheinlich auch nicht geschenkt bekommen.

Ich habe es damals als literaturbegeisterte Psychologiestudentin wohl ziemlich unbedarft gelesen und keine Ahnung, daß es wahrscheinlich Orwells Verarbeitung des zweitens Weltkriegs war. Es hat mich aber tief beeindruckt und manche Sätze oder Phrasen daraus gelten inzwischen höchstwahrscheinlich als der Inbegriff der utopischen Literatur, das “Big brother is watching you” beispielsweise oder Sätze wie “KRIEG BEDEUTET FRIEDEN- REIHEIT IST SKLAVEREI – UNWISSENHEIT IST STÄRKE” – Verballhornungen, die man heute überall finden kann, wenn man sich über ein diktatorisches Vorgehen lustig machen will.

Ganz besonders interessant ist dabei wahrscheinlich, daß Stephan Teichgräber, die Metaphern und poetische Vergleichseinteilung aus dem englischen Original übernimmt. Wenn ich dazu aber die deutschen Sätze, die Übersetzung von Kurt Wagenseil nehme, stimmt vieles nicht mehr, sondern wurde literarisch ageschwächt.

Dann mußte ich in meine Praxis und danach sollte wieder einmal unsere Schreibgruppe sein, die ja auf Peter Czaks Wunsch vom Dienstag auf den Mittwoch verschoben wurde.

Das letzte Mal ist nur die Ruth gekommen und wir haben nichts geschrieben. Diesmal war Doris Kloimstein die einzige Gästin, obwohl der Robert und auch Peter Czak zugesagt haben.

Wir haben auf Alfreds Wunsch einen Text über das Alter geschrieben, der vielleicht in meinem nächsten Work on progress Einklang finden wird und werde auf Doris Kloimstein Wunsch noch einmal versuchen einen Termin am sechsten Juni zu fixieren, dann gebe ich es auf.

Denn ich kann ja schreiben und werde es höchstwahrscheinlich noch mit einem weiteren Werk versuchen, beziehungsweise im Juni, wenn der Alfred in Amerika ist, meine “Unsichtbare Frau” fertig  korrigieren.

Wien 1938

2018 ist ja ein Gedenkjahr in jeder Hinsicht und zum Gedenken des März 1938, achtzig Jahre Anschluß, gibt es ja in der Wien Bibliothek eine große Ausstellung mit einem großen Begleitprogramm und im Zuge dessen wurde heute Manfred Flügges “Stadt ohne Seele -Wien 1938” vorgestellt.

Wegen meiner achtzehn Uhr Stunde, bin ich wieder zu spät gekommen. Es war aber glücklicherweise genug Platz. Suzie Wong hat gerade eröffnet und, daß die Herren am Podium andere waren, als im Programm angekündigt, habe ich erst nach und nach mitbekommen.

Denn der Autor des Buches, der 1946 geborene Manfred Flügge, der 1992 beim Bachmannpreis gelesen hat, war erkrankt und es war  offenbar der Historiker Gerhard Botz da, der mit dem Moderator ein Gespräch führte, während der dritte Herr ein Schauspieler war, der aus dem Buch las und die Frage an den Historiker, der ja auch ein Buch zu diesem Thema “Wien im “Nationalsohzialsmjus” geschrieben hat, das zu der Zeit in der “Wien Bibliothek” vorgestellt wurde, als ich in Würzburg, Essen oder Leipzig war, war, wie weit sich ein Zeitroman über den Nationalsozialmus, denn das Buch wurde als solcher betitelt, von einer historischen Studie zu dieser Zeit unterscheidet.

Und das ist ja eine Frage, die mich, die ich in letzter Zeit einige fiktive Biografien lese und jetzt gerade mit einer über Karl Marx, der vor kurzem zweihundert wurde, beschftigt bin, auch sehr interessiert.

Der Historiker hat naturgemäß einiges an der narrativen Erzählweise auszusetzen und hätte gerneä wie er sagte, mit dem Autor selber diskutiert.Er brachte auch einige Fakten, die mit meinem Wissen beziehungsweise dem was der Autor geschrieben hatte, nicht übereinstimmte.

So ging es um die Opferrolle. Österreich das erste Opfer oder in der Täterrolle, der Novemberprogrom ist ja in Österreich offenbar viel brutaler, als sonstwo im Reich ausgefallen und die Frage wurde auch erläutert, ob der Einmarsch der deutschen nur ein Scheinangriff war, der leicht überwältigt werden hätte können, wie der Autor offenbar behauptete, Gerhard Botz aber widerlegte.

Einige Stellen wurden vorgelesen und das Buch blättert den März 1938 offenbar an einigen exemplarischen Beispielen auf. So wurde eine Fluchtgeschichte von einem Buchhändler vorgelesen und die sehr spekulatäre Flucht von Sigmund Freud erwähnt. Egon Fridell hat sich aus dem Fenster gestürzt und vorher noch “Zurücktreten bitte!”, gerufen, die Frage weiviel Selbstmorde es am zwölften März und kurz darauf gegeben hat, wurde diskutiert.

Ich weiß von einigen, die danach ins Rothschild Spital eingeliefert und vom jungen Viktor Frankl, der das, als seine Pflicht ersah, gerettet wurden, das steht in einem Buch, das ich mir von einigen Jahren schenken ließ und der Tenor des Buches ist offenbar, daß das  Verschwinden der vielen Intellektuellen und Künstler, der Stadt an der Donau, die Seele geraubt hat.

Die Ankunft Adolf Hitlers und seine Rede vomHotel Imperial bez. dem Heldenplatz wurde erwähnt und der hat da ja, glaube ich, gesagt, das weiß ich noch von meiner Mutter, “daß Wien eine Perle sei, der er die richtige Fassung geben würde” und in Harland liegt ein Bildband, ich glaube von 1946 oder 47, der dann das Resultat dieser Fassung, nämlich das zerstörte Wien, zeigt.

Jetzt ist es aber um den Anschluß gegeangen und ein Original O-Tonzital von Manfred Flügge, das in Ö1 gesendet wurde, wurde auch gespielt. Dann gab es Brot und Wein. Ich habe mich mit dem Chemiker Manfred unterhalten und bin jetzt gespannt, ob das Buch, das bei “Aufbau” erschienen ist, zu mir kommen wird und, als ich beim Nachhause gehen in die Buchhandlung Jeller hineingesehen habe, habe ich gesehen, daß “Wagenbach” Vicki Baum “Hotel Berlin”, das ja in Berlin in oder nach dem Nationalsozialismus spielt, wiederaufgelegt wurde und das finde ich sehr interessant, weil ich mich  vor kurzem im Literaturhaus über Vicki Baum und diesen Roman, den ich sehr gerne lesen würde unterhalten habe und da die Auskunft bekommen habe, daß es nur mehr sehr wenige in Antiquariaten erhältliche Exemplare geben würde.

Drei neue Bücher aus dem Wortreich-Verlag

Karoline Cvancara, Volker Kaminski, Valeska Réon, Judith Gruber-Rizy

Karoline Cvancara, Volker Kaminski, Valeska Réon, Judith Gruber-Rizy

Vor ein paar Jahren habe ich ein Mail von einem österreichischen Verlag bekommen, der mir mitteilte, daß er sich bald gründen will und mich eingeladen ihn in Frankfurt zu treffen. Aber dort komme ich ja nicht hin, also habe ich zurückgeschrieben, daß ich an den Büchern interessiert bin, außer einer freundlichen Antwort nie mehr etwas davon gehört und darauf vergessen.

Der “Worttreich-Verlag” hat sich dann vor drei Jahren gegründet. Judith Gruber-Rizy, die eines ihrer Bücher dort verlegte, hat mich zu der Präsentation ins “Thalia” eingeladen, Hermann Knapp, den ich einmal mit in die GAV-aufgenommen habe, war der zweite Autor, dessen Buch ich mir inzwischen bei einem “Morawa-Abverkauf” gekauft habe und ein anderes Buch habe ich an einem Indie-Book-Day gewonnen.

Vor einem Jahr habe ich dann Karoline Cvancara, die Verlegerin, die auch Autorin ist, in Leipzig auf ihren Stand angesprochen, ob ihr Verlag das war?

Sie wußte es, glaube ich, auch nicht genau, hat mir aber drei Bücher gegeben und heuer eines, denn Judith Gruber- Rizys neues Buch “Eines Tages verschwand Carola” war noch nicht fertig. Jetzt ist es es und wurde zusammen mit zwei anderen Neuerscheinungen in der Buchhandlung Kuppitsch vorgestellt und die war sehr voll.

Viele Bekannte Gesichter, Angela und  Josef, Elfriede Haslehner und Franz, die Erika Kronabitter die ja auch Verlagsautorin ist, Vera Albert hat mir zugewinkt, Hans Jörg Liebscher, Susanne Schneider und und und……

Eine Band namens S.O.D.A gab es auch und der Buchhändler, der eröffnete erklärte, daß noch nie so viele Leute auf einmal bei ihm aufgetreten wären.

Ich gehe ja manchmal in die Buchhandlung Kuppitsch lesen oder Bücher schauen und habe muß ich gestehen dort den gesamten “Der Fuchs und Dr. Shimamura “ während meines Buchpreislesens 2015 ausgelesen und bei einer Buchpräsentation von Susanne Ayoub war ich einmal auch und ich gehe, auch manchmal dort aufs Klo, das, wie ich heute entdeckte eine tolle Aufschrift hat oder hole mir Verlagsprospekte und nein “Amazon-Kundin” bin ich nicht, obwohl ich ihm entgegenhalten muß, daß er den Selbstpublishern Tor und Tür geöffnet hat, verlege ich trotzdem dort nicht und stelle meine Sachen dort auch nicht als E-Book ein.

Es war also sehr voll und die Verlegerin stellte kurz die Autoren und ihre Bücher vor, zwei Deutsche und eine Österreichicherin und zwei davon sind schon Wiederholungstäter und obwohl die Genres sehr verschieden sind, waren die Inhalte, glaube ich, gar nicht so unähnlich und eine Rosa als Ich- Erzählerin gibt es bei Judith Gruber-Rizy wieder auch. Das ist ja ihr Markenzeichen und die Frage, die man bei einem Literaturquizz stellen könnte, ansonsten ist in ihrem neuen Buch eine Frau namens Carola verschwunden, während bei Volker Kaminski eine Mutter stirbt und ein Sohn erkennen muß, daß er einen anderen Vater hat “Auf Probe” heißt das Buch und Valeska Reon, die mit einer Co-Lesererinauftrat, ist von Beruf Lektorin und hat in ihrem Krimi oder Thriller eine solche zu ihrer Heldin gemacht. Die wurde einmal als Schülerin von einem Mitschüler vergewaltigt und mißhandelt. Jetzt ist der ein berühmter Krimiautor geworden und sie seine Lektorin, was sie wegen seinem Pseudonyms nicht gleich erkennt, als sie das aber tut, beschließt sie sich zu rächen, zuerst will sie ihn ermorden. Dann fällt ihr aber etwas ein, was noch viel viel schlimmer ist, also sehr interessant und die gewiefte Autorin schloß ihre Lesung auch mit einem Cliffhanger.

Dann spielte die Band weiter und man ging nach hinten, wo es Brot und Wein und Gespräche gab. Ich habe mich mit der Co-Leserin Christine Unger ausgetauscht. Sie hat mir die Kärtchen zu ihrem Büchern gegeben und ich habe Volker Kaminski gesagt, daß ich es mir gerade noch verkneifen habe könne, sein Buch als  anzufragen, denn ich habe ja so viel zu lesen und man soll auch bescheiden sein, bei Judith Gruber-Rizy habe ich es aber getan und ihr ihr das auch schon bei der GAV-Vollversammlung so versprochen. Jetzt warte ich auf das Buch, bin sehr gespannt und habe wieder eine interessante Auswahl der neuen deutshsprachigen Literatur kennengelernt.

Wieder einmal kritische Literaturtage

Chor Gegenstimmen

Chor Gegenstimmen

Die KritLit die kritischen Literaturtage, die alternative eher linke Literaturmesse, gibt es ja schon lange, es ist aber sicher zu unrecht auch eine Veranstaltung, die ich meistens, der Harland Wochenenden wahrscheinlich, eher versäumt habe.

Das heißt stimmt nicht so ganz, in dem Gewerkschaftszentrum bei der Donau bin ich mal gewesen, das war auch der Tag wo sie mich beim “Alpha” hinausgeschmissen haben, also unvergeßlich.

Seither findet die Veranstaltung glaube ich eher am Yppenplatz in der Brunnenpassage statt, da ist Uli Fuchs die Organisatorin und da war ich vor einigen Jahren am Freitag, weil wir das Wochenende danach nach Harland gefahren sind. Ich habe mein paar Bücher erschnorrt, mit Andreas Pittler und Doris Nussbaumer kann ich mich erinnern geredet und Uli Fuchs eines meiner Bücher mit dem Zusatz gegeben, daß ich da auch gern mal lesen will.

Seither habe ich nichts mehr von der Veranstaltung gehört, bis auf den letzten ersten Mai, wo wir Uli Fuchs am Ring getroffen haben und sie uns das Programm in die hand drückte und weil wir dieses Wochenende in Wiens sind, passt es wieder einmal daran teilzunehmen.

Ottwald John

Ottwald John

Das heißt auch nicht so ganz, denn für den Freitag ist es sich meiner Stunden wegen nur für das Abendprogramm im Weinhaus Sittl ausgegangen und das war ein ganz besonderes, wäre Heinz R. Unger, der Autor des berühmten “Zwölfeläutens” heuer achtzig geworden.

Da hätte bei “Mandelbaum” ein Gedichtband erscheinen sollen und ist unter dem Titel “Die Freiheit des Vogels im Käfig zusingen” auch erschienen. Nur ist Heinz R. Unger am zwölften Februar gestorben, wo ich gleich die Frage stellen könnte, mit welch anderen berühmten Autor er sich den Todestag teilt und so ist das Buch posthum vorgestellt worden und die “Gegenstimmen” haben einige seiner Lieder gesungen. Ottwald John und Christina Zurbrügg sind auch mit Unger Gedichten aufgetreten und ich habe mich sozusagen von dem Dichter verabschieden können, den ich, glaube ich, als sehr freundlich in Erinnerung habe.

Er ist, glaube ich, einmal auch mit mir bei einer der Veranstaltungen der Ruth im Burgenland in Schloß Schlaining gemeinsam aufgetreten und seinen Griechenlandroman habe ich glaube ich auch einmal mit dem Alfred bei einer Lesung gehört.

Christina Zurbrügg erwähnte bei ihrer Lesung, das 1971 bei “Jugend und Volk” erschienene Bändchen “Die Stadt der Barbaren” und das habe ich mir, glaube ich, irgendwann und irgendwo gekauft und das Pelikanstüberl des Weinhaus Sittls, wo sonst immer Lesetheaterveranstaltungen stattfinden, war auch ziemlich voll.

Meine Hauptschulkollegin Christa U. die ich  meistens nur im Sommer bei Outdoorveranstaltungen oder im Literaturmuseum treffe war da und sie hat mir, wie sie mir sagte, auch ein Gechenk bebracht, weil sie mich irgendwie erwartet hat, nämlich vier Notizbücher, die ich  immer sehr gut brauchen kann, wofür ich ihr das “Bibliotheksgespenst” überreichte und da ist ja eine Szene darin, wozu sie mich inspirierte und ein interessantes Gespräch über seine Thomas Bernhard Erlebnisse, habe ich bei einem mir bekannten Polit-Aktivisten, den ich sonst meistens am ersten Mai oder auf Demonstrationen höre, auch mitgelauscht.

Yela Brodesseer mit Musikgruppe

Yela Brodesseer mit Musikgruppe

Am Samstag ist es dann ab zwölf in der Brunnenpassage weitergegangen und diesmal war das Programm im Außenbereich, Bänke und Sonnenschirme gegenüber den Abstellräumen, wo das immer die Händler ihre Wagen hineinrollten oder die Kinder mit ihren Rädern vorrüberrollten.

Eine ganze Reihe der eher kleinen kritischen Verlage, das “Fröhliche Wohnzimmer”, “Atelier”, “Tarantel”, die “Edition taschenspiel”, von der ich ja schon einmal zwei Bücher gelesen habe. Eine Kinderleseecke mit einer Kinderbuchausstellung “Mutige Mädchen – starke Frauen” gab es auch und dort hat der erste Programmpunkt zu dem ich zurechtgekommen bin, stattgefunden, nämlich ein Gespräch zum dreißigjährigen Bestehen des “Guthmann Peterson Verlag” und da hat der Verleger seinem Publikum jeweils eine Frage gestellt, die es beantworten mußte.

Die Letzte war Uli Fuchs, die heute Geburtstag hatte und die dem Publkum verriet, daß sie sich zwar nicht für Fußball interessiert, aber Fußballbücher gelesen hat und sie auch mit  Christine Nöstlinger und ihren Büchern aufgewachsen ist.

Dann ging es ins Freie zu Robert Streibel von dem ich ja schon “April in Stein” gelesen habe. Jetzt hat er sich weiter mit der Geschichte Krems beschäftigt und ist da auf einen Lehrer gestoßen, der mit zweiundzwanzig in den Krieg geschickt wurde und dort mit einem Freund leisen Widerstand betrieb. Der Freund wurde deshalb hingerichtet. Er hat ein Buch darüber geschrieben, daß 1947 erschienen ist, aber nicht sehr erfolgreich wurde, jetzt wurde es in der “Biblitohek der Provinz” wieder aufgelegt und Robert Streibel hat daraus gelesen.

Dann gings zu einer Gegenwartautorin nämlich Ulrike Kozeschnik, die bei “Taschenspiel” einen Erzähband verlegte, wo die Protogonistinnen offenbar keinen Namen haben, eine Geschichte mit Namen “Abschied”, wo es um das Sterben des Geliebten geht, wurde vorgelesen.

Dann ging zur “Edition Atelier”, wo ich mir schon vorher in der Pause zwei Bücher um je fünf Euro gekauft habe und war, was ich schon immer wollte, Hilde Spiels “Kathi auf der Brücke” und dann Wolfgang Popps “Wüste Welt” das ich ja einmal beim Bücherquizz der “Buch Wien” fast gewonnen hätte.

Bei der Präsentation ging es auch um eine Neuauflage und zwar präsentierte der Verleger Jorghi Poll Alfred Pratt die “Welt ohne Hunger”, das der Autor 1916 geschrieben hat, es wurde zu einem Welterfolg. Der autor ist aber leider schon ein paar Jahre später an der spanischen Grippe gestorben und deshalb fast vergessen und kann jetzt wieder entdeckt werden, da sich die “Edition Atelier ja sehr mit Wiederauflagen vergessener Dichter beschäftigte und ich aus diesem Verlag  noch Else Feldmanns “Travestie der Liebe” auf meiner heurigen Leseliste habe.

Weiter ging es mit den vergessenenen Dichter und zwar stellte da Dieter Braes  Jakob Haringer vor, der ein ziemliches Original gewesen sein mußte, Bettel- und Schnorrbriefe schrieb, sein Publkum beziehungsweise die anderen Dichter, wie Goethe oder Hofmannsthal beschimpfte, auch bei der Müncher Räterepublik beteiligt war, dann aber die Staatsbürgerschaft verlor, seinen eigenen Tod mehrmals bekanntgab, aber erst viel später gestorben ist.

Am schluß wurde es  besonders interessant, denn da kamen drei junge Frauen und stellten Namenschildchen vor sich in, auf einem stand El Awadalla, auf dem in der Mitte der einer offenbar jüngeren Dichterin und dann auf der anderen Seite Ulrike Dreasner.

Die jungen Frauen sind herausgeberinnen einer Literaturzeitschrift, die sich mit dem Literaturbetrieb aber auch mit dem Alter beschäftigten. So las die eine Aussagen von El Awadalla, die ich ja vor vierzig Jahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennenlernte vor und die meinte, daß sich im Literaturbetireb seit damals nicht viel positives verändert hat. Die Gagen und die Stipendien sind gleich, Verlage sind eingegangen, so gibt es ja auch den “Wiener Frauenverlag” nicht mehr und Widerstandslesungen sollte man wahrscheinlich auch wieder halten, das überläßt El Awadalla aber den jüngeren Frauen.

Dann wurde ein Text vorgelesen, der von zwei Schwestern und dem Tod ihrer Mutter handelte und es gab auch noch ein Interview mit der ebenfalls schon älteren Ulrike Draesner und Schokolade und das Buch samt Geburtstagswünsche gab es für Uli Fuchs von den Autorinnen auch, die dann allen empfahl das Buch zu kaufen.

Dann war die Messe noch eine Stunde geöffnet, wo ich mich sehr intensiv mit Wolfgang Helmhart beschäftigte, bevor es wieder ins Weinhaus Sittl ging, denn Uli fuchs hat sich da von Ramona Kasheer ein Solokonzert mit Christine Lavant Vertonungen gewünscht, denn die 1973 geborene Sängerin und Gitaristin hat sich schon lange mit der ebenfalls 1973 verstorbenen Kärntner Dichterin beschäftigt. Sie sang aber auch Beatles Songs erzählte von ihrer Großmutter, die in einer Wäscherei gearbeitet hat und amSchluß gab es noch ein Geburtstagsständchen für Uli fuchs, die sich, weil ja Sozialistin keine roten Rosen, sonder solche Nelken wünschte.

Am Sonntag, dem Muttertag, war es  im Lesebereich ziemlich heiß und die Bänke sowie die Sonnenschirme wurden verrückt, damit alle ein schattiges Plätzchen fanden und als Erstes wurde das Buch “Ausnahmezustand” von Thomas Aiginger vorgestellt, das auf dem Yppenplatz spielt und das sich der Alfred schon gekauft hat.

Dann sollte Eva Geber mit Rosa Mayreder folgen, weil sie aber einen Unfall hatte, folgten zwei Bücher über die Novemberrevolution, eines aus dem “Mandelbaum-Verlag”, der auch Eva Geber präsentiert hätte, das zweite wurde wieder von Dieter Braeg und der “Buchmacherei-Berlin”, dem Verlag für politische Bücher vorgestellt, der für sein wiederaufgegelegtes Buch von  Richard Müller “Vom Kaiserreich zur Republik”  sehr viel Werbung machte und meinte, daß es jeder kaufen sollte.

Dann wurde es wieder literarischer oder auch musikalisch, denn es folgte ein afrikanischer etnoglogischer Ppolitkrimi  “Rote Erde” von  Yela Brodesser aus der  “Edition Mocca”, die kam aber mit Verstärkung, so daß auch gesungen und afrikanisch getrommelt wurde und in demBuch geht es um eine Studentin, die in Afrika ihre Diplomarbeit fertig schreiben will, dort einen Musiker kennenlernt und in eine Demonstration gerät, bei der sie flüchten muß.

Am Scbluß ging es zu “Bahoe Books”, wo ich ja vor kurzem einen Comic über den 12. Februar im Schrank gefunden habe und da stellte Georg Fingerlos ein noch nicht erschienenes Buch vor, in es um den ersten Weltkrieg und die blutroten Kirschen von Graz soiwe dem Fenstersturz von St. Lorenzen von 1921″ geht.

Das waren die kritischen Literaturtage 2018 und ich muß sagen sie waren sehr interessant und jetzt geht es gleich weiter mit der Literatur, denn es gibt ja noch viele andere kleinere oder größere Verlage, die ihre Bücher ebenso vorstellen.

So geht es morgen zu einer “Wortreich-Präsentation” in die Buchhandlung Kuppitsch und ein Buch zu 1938 wird in der Wien-Bibliothek am Dienstag  vorgestellt und das Centrope-Festival der “Dokumentationstelle für ost-und mitteleuropäische Literatur” naht  sich auch.

Signalstörung

Jetzt kommt, obwohl ich ja eigentlich keine Erzählungen mag, ein Erzählband, der 1977 in Chemnitz geborenen Kirsten Fuchs, von der ich “Heile, heile” gelesen habe und, wie ich dem Klappentext entnommen habe, Star der Berliner Lesebühne ist, ein Buch, das erstaunlich realistische Themen aufgreift, was mir sehr sympathisch ist und mich auch etwas erstaunte, weil ich den Roman ja, glaube ich, als eher “worträuschig”erlebte.

Also erstaunlich interessante Geschichten zu höchst aktuellen Themen sprachlich originell und, wie ich meine, auch etwas vorwitzig erzählt.

Nach zwei Aufwärmgeschichten, die vom Fußballspielen auf einer Insel und einem nächtlichen Schwärmer, der auf Grund eines einschneidenden Erlebnissen zu trinken aufhört, geht es gleich hinein in das Medias res, oder nein, eigentlich zu einem Journalisten, der in einem Club kommt, um eine Band zu interviewen. Er ist zu früh dran, so bringt ihm der Angestellte dort ein Bier und erzählt ihm dann eine Geschichte, wie er zu trinken aufgehört hat, was wie man merken kann, ein Thema für Kirsten Fuchs sein dürfte.

Seine Frau hat ein Haus geerbt, weil sie vorher das Ehepaar, das dort lebte, gepflegt hat. Jetzt steht der tote alte Mann, der, wie der Erzähler meinte, am Ende seines Lebens rassistisch wurde und vorher, weil er wahrscheinlich keine Wahl hatte, bei den Wehrmachtssoldaten, im Garten und erzählt dem nächtlichen Heimkehrer, wie es war im Krieg, wo er in die Leute geschossen hat, aber eigentlich nicht viel davon gesehen hat, weil er beim Schießen immer die Augen schloß.

Man sieht höchst originell, nicht nur die Themenwahl, die das bei dieser Geschichte ja nicht wirklich ist, sondern auch der Ton, in dem erzählt wird und so geht es auch gleich weiter zu einem anderen Hausmeister, einem der in einer Kita arbeitet, also meistens im Keller steht und dort die kaputtgegangenen Spielzeuge reparieren soll. Seine Chefin namens Sabine hat ihm aufgetragen, sich ein wenig herumzuhören, denn sie hat einen “unangemessenen Brief” bekommen. Also tut er es aus dem Fenster und hört, wie die Mamis ihren Kleinen, die zum Teil “Minala” oder anders heißen, erklären, warum sie leider leider, obwohl sie es nicht wollen, da die Mami arbeiten muß, in die Kita müssen. Die lebt vom Integrationsbedarf ihrer Integrationskinder und als er den Drucker reapieren mußt, stellt sich Herr Gustav vor, wie der Erzieher auf ihn eigeredet hat und formuliert dabei die Flosklel, die er dabei verwendet hat.

Da ist dann von “Einfühlungsvermögen”, also “Sag mir doch mal, was du hast, hm. Bestimmt versteh ich dich viel besser, wenn du es mir sagst. Hast du ein Blatt quer sitzen?”- bis zu “Soziale Isolation als Strafe” – “Du kommst jetzt runter zum Hausmeister”, der natürlich sofort weiß, woran es liegt und den Schatten beheben kann.

In diesem Tonfall geht es munter weiter zur “Signalstörung”, der dem Buch den Titel gebenden Geschichte. Und da sitzen zwei Frauen namens Nermin und Jagwida in einem aufgelassenen Schulungscenter der Bundesbahn und sollen die Pläne für die Bahn erstellen. Es sind offenbar die Zeiten der Flüchtlingswelle und Sonderzüge müssen eingeplant, Demonstrationen beachtet werden und die Gerüchteküche spielt  natürlich auch eine große Rolle und ganz besonders zynisch und wahrscheinlich, wie ich, die ich ja auch sehr viel mit vom AMS betreuten Klienten arbeite, ein wenig hilflos, anmerken möchte, ist das “Kleinjobcenter” und auch ein bißchen autobiografisch, denn da heißt, die Heldin “Frau Fuchs” und die hatte eine Krise oder eine Schreibhemmung. So kam der schon geplante Vorschuß nicht und sie muß für ein halbes Jahr “Unterhaltsbevorschußung” beantragen.

Wie das erzählt wird, ist köstlich bis tragisch komisch, denn man stolpert da zuerst über jede Menge von “Hartvierwitzen”, da man zuerst gar nicht lustig findet. Dann kommt die Antragsstellerin zu ihrer Betreuungskraft, macht zuerst ein paar Vorschläge, die auch wohlwollend, “Wir werden einen Antrag stellen!”, aufgenommen werden und dann, als sie gehen will wird sie noch gefragt, ob sie auch einen Antrag auf den ihr zustehenden monatlichen “Hartzvierwitz” machen will und der Clou der gar nicht so lustigen Geschichte ist, das Geld kommt, ein halbes Jahr später, für das es ja eigentlich gedacht war, so daß sie es gleich ihren wohlwollenden Freunde, die ihr inzwischen aushalfen, zurückgeben und sich wahrscheinlich denken konnte, daß sie sich den Aufwand, wenn er nicht Recherchematerial für eine Geschichte gewesen wäre, sparen hätte können und sie fügt dann noch die Frage an, wie es wohl denen geht, die nicht nur verrübergehend und auch nur recherchieren auf die Leistungen des Jobcenters angewiesen sind?

In “Onkel” fährt eine Frau von Besuch bei einer Freundin vom Stadtrand im Bus nach Hause und belauscht dabei das Gespräch eininger Jugendlichen, die zu ihrer Clique am anderen Ende der Stadt fahren:

“Hast du was?” -“Nee” – “Scheiße. Wo kriegen wir was her?” – “Weiß nicht.”…., während in “Casablanca” einer zum Flughafen fährt, sich dort in ein Cafe setzt, wo er schon die Stammgäste kennt und auf seine Freundin wartet, mit der einmal in dem berühmten Film war und die ihn danach verlassen hatte, weil er dabei nicht weinen und auch nicht “Ich liebe dich!”, zu ihr sagen konnte.

Und in “La Schuhkran” wird 2003 nach Syrien gereist, wo man das noch gefahrlos konnte. Das heißt, so ganz gefahrlos war es auch nicht, wenn man zu Weihnachten eine Freundin besuchen wollte, die auf der deutschen Botschaft arbeitete, wenn man vorher in Israel war. Gut, da konnte man sich einen anderen Pass besorgen, aber weil man das 2004 nicht schon wieder tun konnte, wudre man in Amerika am Flughafen aufgehalten und genau befragt, was man da gemacht hat.

Weihnachten gefeiert ganz klar, aber wo bekommt man in Damaskas Weihnachtsgeschenke her, wenn man am Markt von jeden angesprochen wird, in Geschäfte gelockt und dann mit Datteln herauskommt, so kommt am Schluß ein doppeltes Zungenküßen und vielleicht ein Partnertausch heraus.

In “Erbe” kommt einer in das verfallene Haus mit Garten in dem verfallenen Dörfchen seiner Jugend zurück, um seinen Vater zu pflegen und wahrscheinlich auch biographisch, fährt ein paar mit Kind einen “Nachtschrank” zum Schuster, denn der Schlüßel ist verloren und darin steckten Tagebücher, die die Mutter mit zwölf, also im Jahr der Wende geschrieben hat. Die Tochter fragt neugierig nach, was der ganze Aufwand soll und versteht nicht ganz, warum man einem Land, das es nicht gibt, nachspüren will?  Das versteht nur der Schuster Roman, der auch aus einem solchen kommt.

Und dann ist noch eine Frau zu Hause, weil das Kind krank geworden ist. Sie beschließt die Wohnung zu putzen, bleibt aber am Türspion hängen, um von dort das Gespräch der Nachbarn am Gang zu erlauschen, während das Kind Pfirsiche essen will.

Surreal kann es Kirsten Fuchs auch und spielt das in allen Tönen, so habe ich “Maran” nicht ganz verstanden, während es im “Rosa Mantel” offenbar, um die  verdrängten Anteile geht. Da liegt eine Frau in der Badewanne hat eine Haarspülung am Kopf, fürchtet sich vor dem Fremden und bekommt die ganze Zeit, die Begegnung und den Geruch der Obdachlosen, die sie in der U-Bahn begegnete, nicht aus dem Kopf und dann ist die plötzlich in der Wohnung und wird von ihr gebadet.

Dann fährt eine junge Frau mit einem Hund mit dem Rad von Berlin an die Ostsee, will Zelten und die Angst,  was da alles geschehen kann, läßt sie nicht aus, obwohl und das ist vielleicht das Teufliche an der Sache, gar nichts passiert und um den Kreis zu schließen, geht es noch einmal in die DDR zurück, in die Zeiten, wo ich Erzählerin zwölf war, die Mauer fiel, das erste Tagebuch geschenkt wurde und auch die erste Monatsblutung passierte, die im Osten offenbar “Besuch aus Moskau” genannt wurde, natürlich Blut ist rot und das ist die rote Armee offenbar auch und am Schluß wird noch vom ersten Mai erzählt.

Den “Tag der Arbeit”, wo die Männer an der Demonstration teilnahmen, die Mutter mit der Neuen ihres Sohnes kocht und am Schluß sitzen alle im Garten und beglückwünschen sich:

“Als die Männer sagten, daß die beiden Köchinnen hoch- hoch- hochleben sollten, schauten beide streng.”

Es ist wirklich die ganze Variante des Lebens in allen seinen Facetten und literarischen Gattungen, die Kirsten Fuchs da in neunzehn Geschichten vor ihren Lesern ausbreitet.

“Nun kann man Kirsten Fuchs als glänzenden, vielseitige Geschichtenerzählerin entdecken: Ihre mal komischen, mal ernsten, schrägen, schnoddrigen und in hundert anderen Farben leuchtenden Storys erzählen so originell von unserer Gegenwart, wie es selten gelingt, und erfassen wie nebenher das Wesentliche, was einem so  beim Leben passieren kann.”, steht so auch am Klappentext.

Fische

Nun kommt das Debut einer amerikanischen Twitterin Melissa Broder “Fische”, bei “Ullstein” erschienen, das ein Kultbuch werden könnte und von dem ich nicht recht weiß, ob es mir gefallen hat oder ob ich den sehr packend geschriebenen Roman nicht für Erotik-Kitsch halten soll?

Es geht um Liebe und Einsamkeit, lese ich in der Beschreibung, um die Liebessucht der Frauen an die vierzig und ihre Beziehungslosigkeit und das Ganze sehr flott dahin geschrieben, könnte auch eine Parodie auf die amerikanische Frau vor der Midlifekrise sein.

Es gibt einige Stellen, die mich durchaus in Bahn zogen, die, wie Lucy zum Beispiel in Veenice Einkaufen und zum Friseur geht, um sich auf ihre Dates vorzubereiten und auch die, wo sie in dem teuren Dessoushop angefeuert von der Verkäuferin und einer Freundin, die Reizwäsche für den Sex, der später in einer Hoteltoilette stattfindet wird, ausprobiert.

Alles andere vor allem die Erotikszenen erscheinen mir der wahrscheinlich prüden Mittesechzigerin zu aufgesetzt und auch sonst scheint mir diese Achtunddreißigjährige ein wenig übertrieben.

Da ist also Lucy, sie ist achtunddreißig, wohnt in Phoenix in der Wünste und schreibt schon endlos lang an ihrer Dissertation über “Sappho”. Bekommt, was mich ein wenig verwundert hat, von der Universität auch ein Stipendidum dafür. Das heißt nicht mehr lang. Jetzt soll sie endlich einmal fertig werden und sie hat auch einen Freund namens Jamie, einen Geologen, von dem sie offenbar nicht recht weiß, ob sie ihn liebt.

Sie führt mit ihm jedenfalls eine sogenannte freie ungebundene Beziehung und als er, als sie ihm eine Trennung vorschlägt, unerwartet darauf eingeht und nicht widerspricht, dreht sie durch.

Sie besucht ihm und gibt ihm einen Faustschlag, macht einen Selbstmordversuch und wird dann von der Polizei auf der Autobahn in ihrem Auto im Nachthemd mitten von einem Berg von Donuts erwischt, was zu einer Zwangstherapie führt, damit sie nicht ins Gefängnis muß.

Die Schwester Annika, die in Los Angeles in einer Luxusvilla lebt und den Sommer in Europa verbringen will, bietet ihr an, in den Stadtteil Venice zu kommen, den Hund Dominic zu hüten und die Dissertation fertig zu schreiben. Sie tut das widerwillig, schleppt sich an die Promenade von Santa Monica, beobachtet neidisch die Liebespaare, schläft lustlos mit dem Hund auf ihren Knien und muß in die Zwangsgruppentherapie.

Dann gibt sie eine Kontaktannounce auf, will Sex auf der Straße oder so, lernt zwei Männer kennen, kleidet sich für sie, wie schon erwähnt, neu ein, schläft mit dem einen in der Hoteltoilette und ist enttäuscht von ihm und dann lernt sie und das ist das Höhepunkt des Buches auf einem Felsen, den Fischmann Theo kennen, der auch einiges, als sie jünger ist.

Das heißt, er sieht nur so aus, in Wahrheit ist er schon mindestens vierzig. Und das führt zu Komplikationen. sie schleppt ihn im Bollerwagen an Land. Der Hund Dominic ist eifersüchtig und fängt zu knurren an, so daß sie ihn betäuben muß. Am Schluß will sie reumütig zu Jamie zuirück, der bekommt aber von seiner Liebhaberin ein Kind, der Hund stirbt an der Überdosis der Beruhigungstabletten, die sie ihm gegeben hat. Theo dreht durch, als sie ihn verlassen will und so will sie mit ihm ins Meer gehen. Das geht aber nur als tote Frau, so daß sie es sich doch noch überlegt, den Fisch ziehen läßt und mit ihrem Koffer zu ihrer Schwester und ihrem Schwager zurückgeht und die Dissertation ist auch nicht fertig geworden. Das heißt schon, sie erscheint ihrem Doktorteam aber als zu narriativ und zu wenig wissenschaftlich und so ist in dem Buch eigentlich alles schiefgegangen, was nur schiefgehen kann, obwohl es ohne Zweifel sehr stark frech und rotzig geschrieben ist.

Aber mir der schon erwähnten eher prüden Mitsechzigerin wahrscheinlich etwas zu offensiv erotisch war und das mit dem Fischmann, die Methapher und die Metaphorik dahinter, hat, wie sie zugeben muß, die Psychologin auch nicht so ganz verstanden.

Super und dir?

Das ist die ewig gleiche Antwort, auf die höchst banale Frage, wie es einem denn so ginge, die höchstwahrscheinlich ohnehin niemand wissen will und nur aufhalten würde, wenn jemand ehrlich “Beschißen!”, darauf antworten würde oder “Ich brauche Zeit und Geld!” oder so, die aber die Generation über dreißig der prekären Arbeitswelt gerade entkommen, die nach ihrem Studium in den angeblichen Traumberuf eingestiegen ist, zu geben sich veranlaßt fühlt oder denkt und glaubt, daß die Gesellschaft, das von einem erwarten würde, wurde man doch höchstwahrscheinlich  so erzogen.

Die perfekte Fortsetzung  auf das vorher gelesene Buch, hier war es die österreichische Gegenwartsliteratur, die in einem Hochstaplerroman von einem berichtet, den das “Super und dir!”, auch nicht so gelungen ist, hier erzählt die1985 geborene deutsche Kathrin Weßling, die Online-Redakteurin ist und in einem ihrer vorigen Bücher, glaube ich, schon über ihre Depression geschrieben hat.

Da ist es nicht weit zum Burn-Out und zur Drogensucht und Kathrin Weßling könnte man veranfacht sagen, erzählt, wie viele andere, auch hier von der Krankheit der Jugend in einer Gesellschaft wie dieser und sie tut es mit einer unheimlichen Wucht, wenn auch nicht immer linear, nicht immer ganz nachvollziehbar und nicht immer mit der gleichen Dichte und auch in unterschiedlichen Textsorten.

Da ist also Marlene Beckmann, die ist gerade einundreißig geworden und soll ihren Geburtstag feiern und man merkt, da stimmt etwas nicht, denn die Person ist trotz ihrer vielen Facebookfreunde fertig und am Ende.

Das von den Facebookfreunden steht schon so im Klappentext: “Marlene Beckmann Anfang dreißig. Social Media Managerin in einem multiinternationalen Unternehmen, hat es geschafft. Sie hat 532 Freunde auf Facebook, einen Freund, der sie liebt und einen Job den alle haben wollten. Und wenn sie noch weniger schläft, noch produktiver ist, fröhliche Selfies postet und dabei in ihren Chacren atmet, wird das Leben noch besser.”

Dann wechselt das Bild von der eher schwachen Person, die unfähig ist, trotz Anruf ihrer Mutter, ihre Geburtstagsparty zu planen und wir kommen zu einer Jugendlichen, deren Welt zusammenbricht, als ihre Eltern ihr bekannt geben, daß sie sich trennen wollen. Das heißt für die Mutter ist das eigentlich die Katastrophe, sie greift zum Alkohol und zu dem vom Arzt verschriebenen Beruhigungsmittel, der Vater säuselt, es wird alles gut und verschwindet, die Tochter räumt die Flaschen weg und verspricht der Englischlehrerin, die sie in der Schule auf ihr gelegentliches Fehlen und ihren Leistungsabfall anspricht, daß alles Super ist und sie sich zusammenreißen würde, was zu den dichtesten Stellen des Buches zählt

Das tut sie dann auch, denn sie ist die Beste ihres Abisjahrgangs, Vater und Mutter sind zur Feier gekommen, spielen heile Welt, der Direktor hält eine Lobesrede. Dann schafft sie ihr Studium und tritt die oben erwähnte Stelle an. Die Firma in die sie einsteigt, wird ein bißchen wie Dave Eggers “Circle” geschildert, neben ihr wird noch eine zweite Volontärin aufgekommen und nur eine wird, besonderes grausiges Spiel, den Job bekommen.

So lächelt sich Marlene durch, betreut Bloggerinnen, macht für ihren Chef die Präsentationen, die er dann als seine ausgibt, weist Maya, die ein bißchen zu viel getrunken hat, bei einer Afterwork-Party zurecht, schläft zuwenig und ißt ihren Freund Jakob, weil sie nicht zum Einkaufen kommt, den Lieblingspudding weg. Der spricht sie darauf an, daß offenbar etwas nicht in Ordnung ist, sie verspricht ihm, sich zu ändern. Ein Ulraub wird geplant, den sie aber, weil in der Firma zu viel zu tun, verschieben muß.

So weit der erste Teil. Im Zweiten ist Jakob  offenbar allein in den Urlaub geflogen. Sie bricht nicht zusammen, geht nicht zur Arbeit, sondern zum Arzt, erzählt ihm, nachdem sie ihm etwas von einem Darmvirus vortäuscht, um zu einer Krankschreibung zu kommen,  weinend von ihrer Drogensucht, der nimmt sie nicht erst, sagt “Sie sind doch kein Junkie!” und verschreibt ein sanftes Beruhigungsmittel und von Stefan, ihrem Chef kopmmt die Nachricht, daß leider, leider, sie solle es nicht persönlich nehmen und es ist auch nichts gegen sie, sich die Firma doch für Maya entschieden hat.

Dazwischen wird noch eine Abtreibung erwähnt, die Marlene einmal hatte, weil es mit ihren damaligen Freund Davind nicht der richtige Zeitpunkt zum <kind war und am Ende geht es wieder zu dem nicht gefeierten Geburtstag zurück und zu den Anrufen, die vom Vater, der den üblichen Scheck verspricht, der Mutter und der glücklicheren Kollegin Maya kommen.

Ein sehr beklemmend dichtes Buch, in dem wahrscheinlich viel selbst Erlebtes und viel von dem Druck, den unsere Gesellschaft auf die Jugend von heute, den erfolgreichen Superkindern, die immer lächeln und leisten müssen und damit überfordert sind, macht, steckt.

Eines das sich nahtlos an die traurigen Freiheit und auch noch einige andere Bücher einiger anderer Dreißigjährigen reiht und das auch schon von “Literaturen” und “Herzpotential” gelesen wurde, die glaube ich, ebenfalls beeindruckt waren.

Mittwoch-Geplauder

Jetzt bin ich in der letzten Woche kaum zu literarischen Veranstaltungen gekommen, weil am Dienstag erster Mai, am Montag und Mittwoch Abendstunden und am Wochenende sind wir wieder zu unserem üblichen Programm nach Harland gefahren, so daß es sich erst am Montag wieder wenigstens zu zwei Dritteln für die “Alte Schmiede” und zu einem “Poliversale-Abend” ausgegangen ist.

Gestern den “Tag des Freiheit des Wortes” versäumt, dafür habe ich aber in meinen Stundenlücken ein wenig an der “Unsichtbaren Frau” korrigieren können, wo ich ja hoffe, bald fertig zu werden und heute Mittwoch wieder das “Utopie-Workshop” in der Spengergasse, da bin ich ja jetzt mit  Stephan Teichgräber allein und das literarische Plaudern überwiegt, obwohl Stephan Teichgräber intensiv an seinem Skriptum weiterarbeitet.

Aber da habe ich, als ich am achtzehnten April im tschechischen Zentrum war ein Heftchen zur neueren tschechischen Literatur ab 1990 bekommen, da ich heute mitgebracht habe, weil ich seine Meinung zu den angeführten Autoren wissen wollen, so daß er sie mit mir durchgegooglet hat und Überraschung, einen von ihnen werde ich nächste Woche beim “Centrope-Festiva”l kennenlernen, denn Marek Sindelar ist da ja neben Mechthild Podzeit-Jonke, Anna Weidenholzer, Reinhard Kaiser-Mühlecker und Franzobel eingeladen und nach dem Workshop hatte ich noch zwei Stunden, während der Alfred parallel ein Fest für seine Betriebsratkollegen veranstaltet hat, so daß es ein sehr gutes Essen gegeben hat.

Morgen ist wieder Feiertag und am Freitag und am Wochenende ist die “Kritlit”, die kritischen Literaturtage, wo ich wieder zu ein paar literarischen Veranstaltungen kommen werde und ansonsten ist diese Woche sehr von Michael Köhlmeier dominiert, habe ich den doch nicht nur am Montag als Lyriker kennengelernt, nein, er hat auch am letzten Freitag zum Kriegsende eine Rede im Parlament gehalten, wo er die schwarz-blaue Regierung sehr kritisierte und dafür sowohl Lob, als auch Tadel bekam. Das war im Fernsehen zu sehen und im “Falter” zu lesen und ich habe mich durch meine Rezensionsexemplare jetzt auch langsam durchgelesen, so daß ich höchstwahrscheinlich bald zu den anderen Büchern komme, die sich in meinem Badezimmer angesammelt haben.

Dann gibts noch zwei Maiwochen, mit dem “Wildgans-Preis”, den diesmal Sabine Scholl bekommen wird. Es gibt das Centrope-Festival im Theaterbrett, “Rund um die Burg” das letztes Wochenende war, habe ich versäumt.

Es kommt dann Pfingsten, wo wir etwas verkürzt wieder in Harland sein werden und dann im Juni fliegt der Alfred wieder für ein Monat nach Amerika, wo ich mir zumindestens die Wochenende für möglichst intensive Writer-Retreats vorgenommen habe, um endlich mit der “Unsichtbaren Frau” fertig zu werden.

Denn die Idee danach wartet schon, beziehungsweise, hat sich diese dopptelte Magdalenageschichte, die ihre Depression ins Netz outet und ihre Vergangenheit noch einmal durchlebt ein wenig umgewandelt.

Da gibt es dann noch eine idee einen jungen Syrer einzuführen und eine Supermarktkassiererinidee, als Nebenfigur habe ich auch.

Mal sehen, wie lange ich noch zum Korrigieren brauche, denn Anfang Juli gibts ja das zehn Jahre Jubläum und dann die Sommerfrischenwochenenden, wo ich eigentlich mit dem Schreiben beginnen könnte, wenn es nicht wieder ein “Nanowrimo” werden wird.

Ansonsten habe ich Nachricht vom Chritoph Kepplinger bekommen, am ersten und zweiten September wird es wieder ein Volksstimmefest geben, wo ich ja, das Motto steht noch nicht so ganz fest,  meine Jonathan Geschichte mit der Nobelpreissitzung lesen könnte und die ist ja höchst aktuell.

Zwar schlägt er da  die Lilly mit ihrer “Unsichtbaren Frau” vor, aber aktuell hat sich die Kommission ja so zerstritten, daß sie heuer keinen <preis vergeben wird, während es bezüglich des Volksstimmefest noch die zwei letzten Anthologien fertig werden müssen.

Da ist in der einen ja meine Fabianszene aus dem “Bibliotheksgespenst” drinnen und in dem anderen die Himmelssezene aus den “Berührungen und was die “Kunst im öffentlichen Raum” betrifft, gibt es auch etwas zu berichten und zwar ist da  die Ruth letzte Woche zu mir gekommen und wir haben für 2019 die “U-Bahntexte” eingereicht und da mir Erika Kronabitter empfohlen hat, die Texte auch an “Art Science” zu schicken, habe ich das getan.

Mal sehen, vielleicht wird ein Buch daraus, noch habe ich keine Antwort bekommen, aber wenn etwas daraus wird, könnten wir es ja in der “Gesellschaft für Lteratur” vorstellen, wo man mit selbstgemachten Bücher  noch immer nicht lesen darf.

Mal sehen noch ist es nicht so weit und wer jetzt wissen will, wie es mit der Schreibgruppe weitergehen wird, da werden wir uns am nächsten Mittwoch wiedertreffen und da könnte ich, wenn da ein paar Leute kommen werden, vielleicht wieder eine Szene für mein work in Progress schreiben.

Der Neubauer

Jetzt kommt der  vierte Roman, der 1986 geborenen Cordula Simon, die ein paar Jahre in Odessa studierte und beim “Bachmann-Preis” gelesen hat. Ich habe sie, glaube ich, im Literaturhaus persönlich kennengelernt, treffe sie regelmäßig beim “Alpha” wo sie einmal auf der Shortliste stand und habe, ich schreibe es gleich, ihren sehr modernen und hippen Schelmenroman, sehr sehr spannend und auch originell gefunden.

“Schlechten Menschen geht es immer gut!”, ist ein Satz der im Klappentext steht und einer mit dem sich der Held und namenslose Ich-Erzähler durchs Leben und durchs Buch schummelt, dabei öfter auf die Schnauze fällt, vielleicht auch ganz durchkommt, je nach welcher Perspektive man es betrachten will und der titelgebende Neubauer ist eine ominöse Figur, die sich durch das Buch durchzieht, alle sprechen auf den Parties, die sie besuchen, von ihm. Am Ende taucht er auch höchst originell auf einem Friedhof auf, verschwindet aber wieder, als wäre er nie dagewesen und nur eine Phantomgestalt.

Und das Buch spielt in der hippen Welt der Mittelschichtstudenten und Pesudoontellektuellen, die sich vielleicht auch nur von einem prekären Job zum nächsten hanteln, das aber nie zugeben würde und der Held, der Hochstapeler, der nicht “Felix Krull” heißt, vielleicht aber auch ein “Taugenichts” ist, kommt aus anderen, weniger priveligierten Schichten, könnte also auch “Kevin” heißen, aber so niveaulos tut es Cordula Simon nicht.

Er arbeitet in einem Supermarkt und weil er das nie zugeben darf, weil er sonst alle seine Freunde auf deren Parties er sich herumtreibt, verlieren würde, wird er, als einmal doch Bekannte dort auftauchen, entlassen.

So beginnt die Geschichte, die vielleicht nicht ganz logisch ist, denn er geht nach Hause, kann dort seinen Mietzinsrückstand nicht zahlen, verstaut seine Sachen im Keller und taucht bei seinen Freunden auf, um sich dort für die nächsten Tage einzuquartieren.

Und weil er auf ihre Frage nach dem “Warum?” natürlich nicht sagen kannn, daß er wohnungs- und mittellos ist, erfindet er eine Verfolgung von der Mafia, was ihn erst recht in Schwierigkeiten bringt.

Er hat auch eine Freundin “Die Taran” genannt, daß sie mit Vornamen Violetta heißt, erfährt man erst am Schluß des Buches und die pflegt auf rumänisch zu denken.

Ja, das habe ich jetzt noch vergessen, eine kleine surreale Wendung von Cordula Simon ist, daß sie ihren Helden, wenn er Akohol getrunken hat, die Gedanken seiner Freunde lesen läßt. Man kann auch sagen, daß sich Leute, die sich durchs Leben pumpen, eine gehörige Menschenkenntnis und Feinfühligkeit dazu benötigen und so geht es höchst amusant voran oder bergab.

Er kommt dadurch in Schwierigkeiten, verrät der Klappentext, was heißt, er zieht von Wohnung zu Wohnung, denn Wiesner, wo er es zuierst versucht, wird er von dessen Freundin Moni behindert, die bei ihm auch nur eingezogen ist, weil sie zu faul ist, sich selber eine Wohnung zu suchen, wie uns derHeld oder Cordula simon etwas schnoddedrig verraten.

Bei einem anderen Freund gibt es nur veganes Essen, ein Horratrip, nicht nur für den Schnorrer, sondern auch für des Hausherren Katze, namens Gina, die heftet sich, was ich sehr köstlich finde, fortan an des Helden Spuren und läßt ihn nicht mehr los. Denn der hat ein Herz für Tiere, so nimmt er sie in ein Restaurant mit, in das er von Wiesers Mutter eigeladen wurde.

Er muß auch vor der Polizei flüchten, denn die Mafia-Geschichte macht unter den Freunden die Runden und weil er Geld für den Eintritt in einen Club braucht, geht er in ein Autohaus, gibt sich dort als Verkaäufer aus und zieht einer Dame, immer mit Gina an seiner Seite, hundertdreißig Euro aus der Tasche.

Man sieht, Cordula Simon mangelt es nicht an skurrilen Einfällen, wie auch der es ist, daß er bei dem Clubbesitzer einbrechen will. Dazu selber den Aufsperrdienst holt, aber in der falschen Wohnung landet, wo ihn eine alte Dame mit einem Gewehr erwartet, die ihn mit Braten und Knödel füttert und ihn dann noch einen Ring und ein bißchen Kleingeld in die Tasche steckt.

Am Ende treffen sich alle, wie shon erwähnt, am Friedhof bei einer nächtlichen Party, da taucht dann auch  der ominöse Neubauer auf, der aber, wie ebenfalls schon erwähnt, vielleicht nur ein Phantom ist.

Der Held und die Taran, die ihm gesteht, daß sie auch nur Kellnerin in einem Coffeeshop war und dort entlassen wurde, kommen zusammen. Sie verliert dabei noch einen Finger, den ihr der Held bricht, als er ihr den von der alten Dame bekommen Ring an den Finger stecken will.

Aber das Leben geht weiter oder “Die Welt ist schlecht mein Liebchen, so wie wir.”, wie der Held resumiert und am Schluß Cordula Simon “Wir hatten uns etwas Schönes ausgedacht. Eine neue Geschichte für die neue Stadt. Jeder erzählt sich sein Leben zurecht”, Cordula Simon schreiben läßt, die im “Neubauer” eine köstliche Parodie auf die Zustände unserer heutigen schönen Hipsterwelt mit der Flüchtlingskrise, den “Paradeflüchtling”, der dann in der Hipsterwohnung auf den Parties das syrische Buffet serviert oder den anderen Fragen, ob man  seine Kinder anti-oder autoritär erziehen soll, in einer starken rotzigen Sprache geschaffen hat.

“Eindeutig mein bisher liebstes Buch von Simon!”, hat eine Rezensentin auf “Amazon” geschrieben. Das kann ich, weil ich sonst noch keines von ihr gelesen habe, nicht so  beurteilen. Dieses hat mir aber, das habe ich schon erwähnt, sehr gefallen.

Und es ist das sechste Buchanfang, das dem Gratisbuch, das der Hauptverband des Buchhandels zum heurigen “Welttag des Buches” herausgegeben hat.

Zerissenheit und Spannung

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Jetzt ist es sich doch noch für den dreizehnten Abend des heurigen Poliversale-Festival ausgegangen, zu zwei Drittel jedenfalls, das erste Drittel zu Hertha Kräftners neunzigsten Geburtstag habe ich versäumt, obwohl mich Dine Petrik, die ihre Gedichte gelesen hat, extra dazu eingeladen hat und meiner natürlich höchst unliteraturwissenschaftlichen Meinung nach, waren es höchstwahrscheinlich, die einzigen Gedichte dieses Abends.

Denn Petra Ganglbauers experimentelle Textmontagen würde ich eigentlich, die ich ja immer noch von Gerald Bisingers Gedichtvariantion “Ich sitze im Zug, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August”, die ja eigentlich auch keines ist, begeistert bin, nicht für ein solches halten.

Sie hat aber bei “Art und Science”, wo ich wegen unserer “Kunst im öffentlichen Raum-Spontantete” jetzt auch hingeschrieben habe. Mal sehen ob eine Antwort kommt, einen Band “Zur Lage” herausgebracht und den hat Kurt Neumann sehr genau erkäutert. Es gehe um drei Zyklen, einen terristischen, einen sprachlichen und einen extratertrestrischen. Er erzählte noch etwas von zwei Erzählstimmen und  Listentexten und Petra Ganglbauer, deren “Wasser im Gespräch”, ich ja gelesen habe, begann mit ihten Wortlisten zum Thema Flucht, Vertreibung und Entgrenzung, ein Thema, das sie, wie sie im anschließenden Gespräch erläuterte, schon sehr lange verfolge und da setzte es dann die Listen in allen ihren Varianten und Widerholungsformen.

“Windel –  Wiege – Ursprung” – “Hautgrenze- Sprachgrenze, Bewegungsgrenze….”.- und so weiter und so fort, bis es zum zweiten Teil, der sprachlichen Begrenzung ging und im dritten extraterrestischen, ging es dann astronomisch zu und um ein Buch und dessen leeren Seiten mit dessen Inhalt sich der Leser auseinanderzusetzten hat, ging es in irgendeinen dieser Teile auch und schade, daß ich in das Bändchen nicht hineingeschaut habe, da es dort, wie Kurt <neumann um Großschreibung und graphische Gestaltung ging, die man beim Lesen natürlich nicht so hören konnte, obwohl Petra Ganglbauer deutliche Zeichen setzte, die  für mich aber nicht so leicht zu erkennen waren.

Dann ging es in den Keller zum Doyen, der österreichischen Gegenwartsliteratur, wie ich Michael Köhlmeier fast bezeichnen möchte und den, den großen habe ich schon heute morgen im “Leporello” gehört. Da ging es um ein Hörspiel und, daß “Ein Vorbild für die Tiere”, sein zweiter bei “Hanser” erschienenener Gedichtband ist, habe ich, wie ich gestehen muß, erst bei der Veranstaltung mitbekommen, bin aber immer noch der Meinung, daß es keine Gedichte sind, die Michael Köhlmeier da vortrug, obwohl Kurt Nneumann in seiner Einleitung von verschiedenen Textformen in Strophen und sogar in Sonettform sprach.

Da habe ich wohl etwas verschlafen oder überhört, denn für mich waren es Prosatexte, die die Erzählstimme Österreichs, Antonio Fian hat da, glaube ich, einmal ein Dramulett geschrieben, wo Michael Köhlmeier das Telfonbuch verliest, da vorgetragen hat und der Titel des Bandes, stammt aus einem Text namens “Der Idiot”.

Der Lektor hat dann fünf Kapitel, die alle Tiernamen tragen, daraus gemacht und interessant ist auch die Entstehungsweise, die Michael Köhlmeier im anschließenden Gespräch freimütig äußerte. Er setzt sich in den Zug oder in den Park, nimmt den Bleistift, übt  das freie Schreiben und da,s was dann herauskommt, bearbeitet er, solange bis ein Gedicht entsteht, während er bei seine Romanen und Erzählungen anders vorgeht.

Interessant, habe ich gedacht, da habe ich doch bisher immer gehört, daß Gedichte ganz anders entstehen, aber Michael Köhlmeier ist wahrscheinlich kein Lyriker und sprach auch selbst beim Vorlesen von “Prosagedichten”, mit denen er offenbar auch Schwierigkeiten hatte, denn nach einer Weile des Lesens hat er sich selber unterbrochen und sich fortan selber kommentiert.

Das Publikum das aus einer Reihe von älteren damen bestand, gefragt, ob er die Texte nicht zweimal lesen solle, die begeistert nickten, Rainer Kunze tut das auch, ist aber wahrscheinlich der reinere Lyriker und so schwer verständlich waren die Prosatextsammlungen meiner Meinung nach auch nicht, schienen Michael Köhlmeier aber teilweise, wie er sich kommentierte, selber zu beglücken uind er erzählte dann immer wieder etwas ihm faszinierendes dazu.

Für mich waren zwei Passagen besonders eindrucksvoll, das “Der Roman” genannte Gedicht, eigentlich eine Shortstory. wie Kurt Neumann erläuterte.

“Echt wahr!”, sagte der Dichter und Kurt Neumann verwies auch auf den Blues, etwas, das ich nicht nachvollziehen konnte.

Beindruckt hat mich aber der Text, da schickt ihm ein elfjähriges Mädchen den Roman seiner Mutter und bittet ihm, den berühmten Dichter, dafür einen guten Verlag zu suchen.

“Wow!”, hätte ich da gedacht.

“So eine Tochter müßte man haben, wo bekommt man eine solche Tochter her?”, vielleicht war das Erlebnis autobiografisch und heute habe ich auch eine Doko bei “You Tube” gesehen, wo zwei Hartz IV Empfänger gemobbt wurden, weil der ältere gerne mit den Kindern der Siedlung spielte und ihnen auch mal ein Eis einkaufte, Es wurde dann gleich eine Azeige wegen sexuellen Miußbrauc hdrauras und einen solchen Prosatext hat Michael Köhlmeier auch geschrieben.

Es folgten dann auch, noch zweimal gelesen, “Drei Eindrücke”, die der weißen Männerhaut auf weißen Laken, die der Knien der osteuropäischen Freuen und das Vogelschwingen bei Richard Ford kam dann auch noch vor.

Ein sehr interessanter Abend der lyrischen Kontraste, habe ich dann zu Petra Ganglbauer gesagt, die sich freute, daß ich doch kommen konnte.

Ein anderer hätte die Köhlmeier Lyrik vielleicht kitschig emfpunden, die Damen im Publikum waren aber, glaube ich, begeistert und Petra Ganlbauers Lyrik war mehr experimentell und Hertha Kräftner habe ich versäumt, obwohl sie Dine Petriksicherlich emphatisch vertreten hat, kann sie aber, da ich in Harland ein paar iherer Bände habe, jederzeit nachlesen.