Selmas Zeichen

Weiter geht es mit Amaryllis Sommerers Psychothriller oder eigentlich zurück, zu ihrem 2008 erschienenen Debut mit dem sie für den “Glauser” nominiert war und irgendwo habe ich gelesen, die Autorin hätte ihren eigenen unverwechselbaren Stil.

Stimmt denn ein Krimi ist das Psychogramm einer krankhaften Leidenschaft oder die Schilderung einer Stalker Beziehung eigentlich nicht.

Mehr ein Psychogramm einer außerordentlichen Seelenlandschaft aber da erscheint mir einiges zu lang und auch nicht glaubhaft und Krimi hätte es werden können, wenn die Frau ihren Stalker, nachdem die Polizei und auch die Frauenberatung sie in Stich läßt, nicht mehr aushält und zum Messer oder zur Pistole greift aber so ist es ein eher langatmiger Wahnsinnstrip geworden.

Der durchaus spannend begann, diesmal hat mir die erste Hälfte gefallen, während ich den Rest gekürzt oder weggelassen hätte.

Da ist also Selma, eine Ärztin Ende Dreißig und die zieht in ihre erste Praxis ein. Alles happy also, eine Traumwohnung, Freund gibt es auch und eine Sprechstundenhilfe mit der sie nach dem ersten Arbeitstag eine Flasche Sekt leert, aber der Hausbesitzerenkel, agiert ein wenig seltsam.

Denn erst spielt er Basketball, dann legt er Selma in der er seine Liebe und ihre Zeichen erkennt, das Buch ist immer in abwechselnden Perspektiven  geschrieben, Blumen vor die Tür, besteigt auch ihr Auto und Selma will Martin, ihrem Freund davon erzählen, als er ihr Unterwänsche statt der Blumen bringt. Der nimmt sie nicht ernst, später spricht sie mit dem Täter, verbittet sich die Geschenke, geht zur Polizei, als an ihrer Tür ein Spruch gesprayt wird. Aber als die endlich doch den Fall aufnimmt, ist die Schrift weg und Freund Martin geht ins Ausland und läßt sie allein. Die “himmelblaue” Beraterin von der Frauenstelle, gibt zwar Tips, weigert sich aber mit Selma den Täter aufzuzusuchen.”

Bis dahin war es zwar kein Krimi, aber außerst spannend, das heißt doch vielleicht einer, denn das Ganze ist nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt in einem Eissalon, als Selma schon gebrochen ist, und Krimi Elemente gibt es auch, so hat der Täter offenbar auch die Vormitterinnen ermordet und  den Großvater umgebracht. Ins Bordell geht er auch, also weg von dem Psychogramm, das ich durchaus dicht und spannend fand und dann überschlägt es sich leider und wo waren da die glättenden und streichenden Lektoren, von denen man doch sonst immer soviel hört?

Martin kommt zurück, Selma geht mit einer Freundin auf eine Reise, die Beraterin rät Martin soll zu Selma ziehen, damit sie einen Zeugen hat. Der Täter versucht sich dann umzubringen, kommt in die Klinik und Selma verffällt nach und nach. Verliert ihre Praxis, fängt zu trinken kann, verfolgt dann den Täter und am Schluß will der nichts mehr von ihr und sie landet in einem Krankenhaus.

Das Thema Stalking ist, glaube ich, durchaus ein  interessantes. Auch wenn ich nicht glaube, daß jeder Täter gleich ein Wahnsinniger ist und hier manches vielleicht auch übertrieben geschildert wird. Im Leben, wie in dem Buch und die hoffnungslose Idealstin in mir würde auch hier raten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten, mit dem Stalker zu reden, dann braucht man nicht wahnsinnig werden und das ganze nimmt vielleicht doch ein gutes Ende.

So habe ich mich beim Lesen mit dem zweiten Teil sehr gequält und habe jetz noch “Ulrich und seine Täte” auf meiner Leseliste und bin gespannt, was da auf mich zukommen wird.Aber da wird es noch eine Weile dauern, bis ich zum Lesen komme, denn allmählich trudeln ja erst die Herbstneuerscheinungen ein.

Zum letzten Mal auf ins Glück

Diesmal war es im Cafe Prückl so voll, daß mich der Kellner übersehen hat und ich mir den roten Gespritzten ersparte und es waren auch drei Lesende angesagt, zwei Bibliothekare der NB, die Bibliotheksmaffia, wie es einer von ihnen, nämlich Werner Rotter, nannte, den ich von irgendwoher schon kannte und Christa Nebenführ erläuterte, daß es diesmal einen literarischen Text und dann einen Essay über das Glück in dasLiteratur geben würde, den Werner Rotter offenbar zusammengestellt hat und ihn gemeinsam mit einer Schauspielerin, die Stimme der Wiener Linien, vortrug.

Aber zuerst kam die Bibliothekarin Claudia Karolyi, die vor ihrer Lesung etwas erläuterte, über das ich mir auch schon Gedanken machte, nämlich über das, was Glück ist, in den Texten der letzten Woche war das beispielsweise nicht sehr zu finden und die Claudia Karolyis sechs Gedichten auch nicht, aber die Liebe ist ja Glück, das Reisen, etcetera und manchmal ist es auch imUnglück versteckt.

Dann kamen Texte über ein “nicht zu junges Fräulein”, das im Herbst als Buch erscheinen wird, was vielleicht ein Glück ist, daß ich ja nicht so habe, außer wenn ich es mir selber nehme oder mache und die Szene, wo das Fräulein mißmutig im Regen auf einer Aussichtsterrasse sitzt und sich dann  beim Kulissenmaler, die schöne Aussicht brestellt, habe ich sehr originell gefunden und mich nur gewundert, daß “Sonderzahl” etwas so konventionell Geschriebenes verlegt.

Dann kam der Essay oder besser der Streifzug durch die Ligteratur und die Beschimpfungsorigie des alten Meisters übers Burgtheater, das sich dann nicht aus dem gleichnamigen Roman, sondern aus dem Stück “Heldenplatz” entpuppte, ist ja viellei cht auch nicht gerade ein Glücksmoment.

Aber “das Glück is a Vogerl”, das kam dann noch als Zugabe und vorher enthüllte Werner Ruttter, daß Franz Schuh sein “Magazin des Glücks” Ödon von Horvath “gestohlen” hat und die österreichische Nobellpreisträgerin ist ja auch nicht gerade eine Glücksritterin, das zitierte Stück scheint aber aus den “Liebhaberinnen” zu stammen.

Also eher ein Literaturquizz und Claudia Erdheim war da, Christian Katt, Helene Hofmann von der “Salzburger Leselampe”, die sie einmal, lang lang ists her, betreute und dann wars aus mit dem Glück.

Zumindestens für mich, da ich ja auf mein verlängertes Sommerfrischenwochenende bestehe, denn am Freitag geht es ja zuerst ins Glückschweinmuseum und dann ins Cafe Florianihof.

Da werden dann Ilse Kilic, Ann Cotten und Katharina Riese lesen und, daß die letztere, die ja mein Blogen nicht so will, ein Glück hat, daß ich die Sommerfreitage auf dem Land verbringe, habe ich ihr schon bei der Eröffnungsveranstaltung in der “Alten Schmiede” gesagt.

Verwirklichte und unverwirklichte Sommerpläne

Allmählich beginnt sich bei mir die Hektik, in die ich durch mein sehr abwechslungsreiches Mai und Juniprogramm gekommen bin, zu legen, obwohl ich immer noch vier Bücher im Voraus besprochen habe und hier in Harland auch sehr viel lese, was in Anbetracht meiner überlangen Leseliste, auf der noch soviel Interessantes steht, obwohl ja jetzt schon die ersten Herbstneuerscheinungen kommen und bald wahrschlich das große doppelte Buchpreislesen wieder beginnt, sehr gut ist.

Mein Sommerprogramm ist ja heuer, das habe ich auch schon geschrieben, sehr abwechslungsreich.

Die Mitte der Woche verbringe ich in Wien mit einer meist gut gefüllten Praxis, gehe am Abend auf den Rathausplatz oder zu den O-Tönen, im Juli gibt es die Sommerlesereihe im Cafe Prückl und in Harland, von Freitag bis Montag, fahre ich Rad, gehe mit dem Alfred auf den Markt oder auf die Rudolfshöe und widme mich ansonsten meinen achtzehn Kurzgeschichten, die ich jetzt ein paar mal korrigiert habe und ansonsten mit ein paar inhaltlichen Veränderungen doch so lassen werde, wie sie sind.

Das heißt ein kurzes Nachwort zu der diesmaligen Entstehungsgeschichte habe ich noch angefügt und bin jetzt bei 21758  Worten, beziehungsweise 54 Seiten und werde wohl noch den ganzen Sommer daran korrigieren und dann weitersehen, wie ich das mit meiner Bloggeschichte und der “Unsichtbaren Frau” machen werde.

Zur Ruhe kommen ist also ganz gut und in Harland ist es auch ein bißchen fad oder langweilig, obwohl da der Alfred  schon seine Pläne macht, er will da immer auf den Hochschwab gehen, am neunten August hat er Geburtstag, da gibt es diesmal kein Fest, aber wir werden wieder mit der Anna und dem Andreas essen gehen.

Die Idee, um den fünfzehnten August nach Contona zum Beefsteakfest zu fahren, hat er auch, da habe ich sogar schon ein paar Italienische Bücher aus meinen Regalen herausgesucht, die ich mitnehmen könnte. Eines davon steht auf meiner Jahresliste und die Ruth hat mir die Elena Ferrante geschenkt, die ich dann lesen könnte, aber am fünfzehnten August wird  auch die deutsche Buchpreisliste bekanntgegeben, so daß es vielleicht ganz gut ist, wenn jetzt doch nichts daraus wird, weil der Alfred nicht sicher ist, wie das mit dem Zelt  wird und eine Reise nach Italien wegen eines Beefsteaks ja vielleicht auch ein wenig aufwendig und umständlich ist.

Anfang August gibt es  auch noch das Kellergassenfest in Wagram an der Traisen, wo wir mit dem Rad hinfahren könnten, wenn wir nicht an diesem Wochenende mit einem Teil der Wandergruppe unterwegs sind und einen Rathausplatz mit einem Filmfestival gibt es in St. Pölten auch, da hat sich der Alfred auch schon einen Film ausgesucht, den wir uns am Abend anschauen könnten.

Also viele Pläne und ich überlege, wenn ich nicht korrigiere oder mit dem Rad entweder in Richtung Wilhelmsburg oder St. Pölten fahre und zur “Seedose” schaue, was ich alles noch bezüglich meiner Leseliste unterbringen will, lese mich jetzt durch  Krimis oder ältere Bücher, während ich schon neugierig, was da heuer auf den Listen stehen wird, was auch ganz spannend ist und zum Urlaubsfeeling einer Literaturflüsterin in der Sommerfrische passt.

Keine Wunde nichts

Was ist ein Psychothriller?

“Wikipedia” definiert da etwas von sich überschneidenden Mystery- und Krimielementen und nennt als Beispiele Alfred Hitchcock, Ken Follet, Dan Brown und Eric Ambler, aber Psycho heißt auch Seele und Mara Muthspiel, die Protogonistin in Amaryllis Sommerers 2010 bei “Milena” erschienenen Psychothriller “Keine Wunde nichts” hat einmal Psychologie studiert.

Inzwischen ist sie Fernsehredakteurin, das heißt, sie sitzt mit einem Typen namens Feichtinger in einem Kammerl und schneidet aus Filmen Gewaltszenen heraus, damit die unbeaufsichtigten Kinder, die sich das ansehen, keinen Schaden erleiden.

Die Arbeit  überfordert sie  und so raucht ihr, als sie in der Nacht, in die Kettenbrückengasse, wo sie wohnt, zurückkommt, der Kopf und sie sieht überall Leichen.

Das heißt, sie glaubt, Resi Sternberg, die trinkende Kellnerin aus dem Hinterhaus  mit den Zöpfen und den Rehaugen, bei der Mülltonne liegen zu sehen und geht in ihre Wohnung.

Das schlechte Gewissen treibt sie zurück und sie findet eine tote  vierzehnjährige Drogensüchtige, die, wie sich später herausstellt, erschlagen worden ist.

Das führt nun zu Komplikationen, die wahrscheinlich nichts mit einem herkömmlichen Psychothriller zu tun haben, aber vielleicht hat Amaryllis Sommerer, die auch Drehbuchautorin ist, mit ihrem zweiten “Milena-Krimi” eine Satire schreiben wollen?

Es passiert also viel in Maras Kopf. Sie hat Schuldgefühle, hört die Stimme der Tote, ist unfähig ihre Filme zu schneiden und seht sich nach Island. Sie will dorthin abhauen, ein neues Leben beginnen, etcetera.

Inzwischen kommt ein müder alter Kriminalinspektor, verhört Mara und die anderen im Haus. Da gibt es noch einen dicken Sportreporter namens Clemens, einen Zahntechniker namens Franz, in dem sich Mara, die vor eineim Jahr verlassen wurde, fast ein wenig verliebt und  es gibt eine Bezirksrätin namens Fischer, die gleich politischen Aufwind spürt, Sicherheitsschlösser und Zugangskontrollen im Haus anbringt und es gibt Resi, das Rehlein und Quartalsäuferin, die während das alles passiert, in ihrer Wohnung im Hintterhaus ihren Vater umbringt.

Dazu glaubt sie ein Recht zu haben, denn er hat sie  mißbraucht und so kommt sie in Maras Wohnung und gesteht ihr alles. Die fühlt sich gleich verantwortlich. Das heißt, zuerst will sie die Polizei holen, aber vorher Frühstück kaufen. In der Bäckerei, die es, glaube ich, in der Kettenbrückengasse nicht gibt, sieht sie aber im Fernseher, ihre vierzehnjährige Nichte, die bei einer Demo von der Polizei beschuldigt wird.

Also nichts damit, das unschuldige Rehlein soll nicht leiden und statt ihr nach Island fliegen und dort verschwinden. Aber zuerst müßen sie die Leiche beseitigen und auf eine Party gehen. Das führt wiederum zu vielen Komplikationen und Slapsticken und eigentlich geht es für einen Psychothriller auch sehr langsam vor sich.

Aber das war wahrscheinlich Absicht, denn ein moderner Krimi muß ja Lokalkolorit zeigen, also die Kettenbrückengasse, keine Ahnung, ob Amaryllis Sommerer, die ich schon bei einigen Lesungen, zum Beispiel in der “Alten Schmiede” hörte, dort wohnt?

Ich wohne in der Nähe und  da das beschriebene Haus neben einer Apotheke liegt, könnte es  das sein, in dem Elfriede Gerstl einmal ihr Lager hatte.

Dort könnte es auch den beschriebenen Brunnen geben. Ob das ein Durchhaus ist, weiß ich nicht, denn das befindet sich, glaube ich, eher auf der anderen Seite und den  Drogenstrich vor der U-Bahnstation Kettenbrückengasse habe ich eigentlich auch noch nicht gesehen.

Aber es ist ja ein Roman, also Erfindung und Fiction, störend ist dann nur, das Wörtchen “Abitur” statt “Matura”, denn wer bitte macht die in Wien und der “Milena” ist ja ein Wiener Verlag, auch wenn er 2010 vielleicht unter deutscher Leitung war.

Auf das Lesen des Buches habe ich  schon gewartet, habe ich es doch gemeinsam mit Amaryllias Thriller-Debut “Selmas Zeichen” mit dem sie für den “Glauser nominiert war, schon vor längerer Zeit im “Wortschatz” gefunden. Das werde ich demnächst lesen.

“Ulrich und seine “Täter”, 2012 bei “Milena” erschienen, habe ich mir letzten Dezember beim “Literaturhaus-Flohmarkt” gekauft.

Inzwischen verlegt Amaryllis Sommerer bei “Picus” und hat das 2016 erschienenen Buch “Wie das Leben geht” das, glaube ich, auch kein Krimi ist, sondern in das Wien der Fünfziger und Sechziger führt, auf der “Buch Wien” vorgestellt.

Stillbach oder Die Sehnsucht

Von der 1963 in Meran geborenen, in Wien lebenden, Sabine Gruber habe ich noch nie etwas gelesen, wohl war ich aber schon auf verschiedenen Lesungen und habe sie, glaube ich, in den Neunzigerjahren bei einer GAV Vollversammlung in Mondsee  kennengelernt, als sie dort Sekretärin war und das Fahrtspesenformular verteilte.

Ich galbe bei einem von Gösta Maier in Klagenfurt organisierten “Tag der Freiheit des Wortes” haben wir  einmal zusammen gelesen, dann ist sie literarisch aufgestiegen und recht schnell bekanntgeworden, steht doch beispielsweise am Buchrücken von “Stillbach oder Die Sehnsucht”, ein Buch das ich im Schrank gefunden habe, wie die Stempel beweisen und nicht beim “Morawa” aus der Abverkaufskiste zog, wie ich irrtümlich glaubte, etwas etwas von “Sabine Gruber gehört zu den wichtigen Talenten der österreichischen Autorengeneration neben Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz”, was zwar vielleicht nicht ganz richtig ist, da sie ja wahrscheinlich italienische Staatsbürgerin ist, aber auch der Roman, es ist ihr dritter oder vierter, wird  als “groß und wunderschön geschrieben” bezeichnet.

Vielleicht eine Übertreibung, denn was ist schon wunderschön und was ein Wunder, eine Beschreibung des italienischen Faschismus sicherlich nicht, sie hat aber mit ihrem letzten Roman “Daldossi oder Das Leben des Augenblicks”, denn ich inzwischen, ziemlich abgefleddert, auch gefunden habe, bei der “Veza Canetti-Preisverleihung”, den sie  2015 bekommen hat, vorglesen, ist damit auf der “Long oder sogar der Shortlist des öst Bp” gestanden, hat bei den O-Tönen daraus gelesen und die Rezesionen waren gespalten und auch “Stillband”, der große wunderschöne Roman hat bei “Amazon” auch zwei und drei Stern-Rezensionen.

Da habe ich auch etwas gelesen, daß das Lesen etwas schwierig ist, weil heuzutage immer zwei Romane in einem geschrieben werden und man sich von Seite zu Seite auf ein anderes Sujet umstellen muß.

Das mache ich bei meinen Büchern, glaube ich, auch manchmal, habe mir bei “Stillbach” aber ein bißchen schwer getan, in die Handlung hineinzukommen, obwohl die eigentlich eine ganz einfache ist oder doch nicht so ganz, denn es geht ja um ein großes Thema, um den italienischen Faschismus und da finde ich auch, daß ein bißchen viel doziert wird und die Handlungsfäden sehr kompliziert verwoben sind.

Da ist einmal Clara, eine Südtirorerin aus dem Dörfchen Stillbach, in Wien lebend, mit einem Arzt unglücklich verheiratet, von Beruf Übersetzerin oder Schriftstellerin, sie schreibt jedenfalls über Gabriele d`Annunzio und Eleonora Duse und deren Freundin Ines, ebenfalls Übersetzerin oder Nachhilfelehrerin ist in Rom gestorben und Clara soll nun dorthin fahren, um ihren Haushalt auflösen.

Das ist die Rahmenhandlung, denn sie findet in Ines Wohnung das Mansukript eines Romans, der in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts handelt und von Ines erzählt, die damals in den Ferien in dem Hotel von Emma Manente arbeitete und die war auch eine Stillbacherin, die in den Dreißigerjahren in dieses Hotel als Zimmermädchen gegangen ist, mit einem Südtiroler namens Johann verlobt war, der bei einem Parisanenanschlag getötet wurde, aber dann von dem Sohn des Hotelbesitzers ein Kind bekommen hat und in Rom gelieben ist.

In vierunddreißig Kapiteln wird dieser Roman erzählt und dann kommt wieder die Rahmenhandlung, wo Clara mit Paul das ist ein Wiener Historiker, der in Rom Faschismusführungen macht und Franz oder Francesco, das ist Emmas Sohn, die inzwischen in einem Altersheim lebt, die Wohnung besucht und man erfährt in den fast vierhundert Seiten viel vom  italienischen Faschismus, den Neunzehndreißiger und den Neunzehnsiebzigerjahren und Detail am Rande auch die Schriftstellerin Sabine Gruber kommt darin vor, aber auch sehr viel anderes und ich denke es ist das, was wahrscheinlich auch “Daladossi” vorgeworfen wird, das zuviel Hanldungsgtränge in ihm verknpüft sind, aber andererseits tue ich das selber und natürlich ist es wahrscheinlich viel besser und genauer, als ich es tue, erzählt.

Man erfährt von einer sehr genauen Erzählerin sehr viel über die italienische Geschichte und denkt sich manchmal daß die Handlung einserseits eher banal und dann wieder sehr kompliziert konstruiert ist und wenn der Roman höchstwahrscheinlich doch nicht “wunderschön” war, das kann er, wie schon beschrieben, wahrscheinlich schon vom  Thema her nicht sein, so war er doch sehr lehrreich und ich bin jetzt auf den “Daldossi” sehr gespannt und kann noch hinzufügen, daß ich Sabine Gruber auch manchmal bei Lesungen, wo sie im Publikum ist, sehe und, daß sie mit Robert Schindel befreundet ist oder war.

Schattenfangen

Noch ein älteres Buch und eines das ich einmal in einem Schwung Leseexemplare höchstwahrscheinlich im “Wortschatz” gefunden habe.

Louise Erdrich “Schattenwerfen”, bei “Suhrkamp” 2011 erschienen und “Bitte keine Rezensionen vor dem 19. Februar 2011!”

Das ist lang vorbei und inzwischen gibt es, glaube ich, einen neuen Roman von der 1954, als Tochter einer Indianerin und eines Deutschamerikaners geborenen Louise Erdrich, von der ich vor dem Bücherfund noch nie etwas gehört hat.

Ja, die offenen Bücherschränke sorgen für Überraschungen und heben das Bildungsniveau, sage ich immer und diese Autorin ist ja schon von ihrer Herkunf her,t ganz besonders interessant.

Der Inhalt ein Ehe- und Familienroman, ganz besonder makaber und teilweise an die Ingrid Noll erinnernd, die glaube ich, in “Der Hahn ist tot” etwas ähnlich Bösartiges beschrieben hat, hier wird es, glaube ich, obwohls im  Klappentext so steht, nicht ganz ein Thriller.

Aber da ist eine Ehepaar mit drei Kindern, beide mit indogenen Wurzeln oder Mischungen. Er ein berühmter Maler und er hat seine Frau Irene, die sich jetzt, nachdem die Kinder halbwegs aufgezogen sind, an ihre Dissertation macht, nackt in allen Variationen gemalt.

Sie hat sich damals dadurch das Geld zum Studium verdient. Er ist berühmt geworden und liebt seine Frau abgöttisch, ist aber auch sehr eifersüchtig und liest in ihren Tagebüchern, die sie vor ihm versteckte und so treibt sie ein teuflisches Spiel. Sie legt sich nämlich noch ein solches an, hinterlegt es in einem Banksafe und in das andere schreibt sie Sachen, wie, daß sie ihren Mann nicht lieben würde,  sie ihn betrügt, die Kinder nicht von ihm sind,  sie von ihm loskommen will, etcetera.

Das wird in kleinen Tagebuchpassagen, aber auch abwechselnd aus der Sicht von Gil, Irene und den Kindern beschrieben, die eher gegen den Vater sind. Wenn die Eltern streiten, nicht schlafen können und der Vater hat auch eher einen rauhen Ton, obwohl er auch  seine Kinder sehr liebt und den Sohn Florian sogar für ein Genie hält.

Die Tochter Riel, die später das alles aufschreiben wird, sehnt sich nach ihren indianischen Wurzeln und trainiert für das Überleben, der kleine Stoney verstummt  und weil Florian dem Vater etwas von einer Buchbesprechung, die er für die Schule dann doch nicht machte, vorgelogen hat, bekommt er von ihm eine Ohrfeige, was zur einer Familiekatastrophe führt, denn die Mutter zwingt den Vater nun zur Therapie. Sie gehen gemeinsam zu einer Therapeutin, wo Irene Gil dann auch erzählt, daß die Kinder nicht die seinen sind, was die Therapeutin sprachlos macht.

Irene erzwingt nach einem Vergewaltignsversuch auch die Scheidung, beziehungsweise eine neue Therapie.

Gil darf seine Kinder länger nicht mehr sehen, auch keinen Sex mehr mit Irene haben, was ihn dazu veranlaßt seinen Selbstmord zu inszenieren und ins Wasser zu gehen und da die beiden ja nicht voneinander können, auch Irene nicht, springtt sie ihn nach und Riel wird Jahre später, wenn sie nach ihrem einundzwanzigsten Geburtstag, den Schlüßel zum Safe der Mutter mit den Tagebücher bekommen hat, die Kinder sind inzwischen bei der Halbschwester in einer indianischen Großfamilie aufgewachsen und ihren Weg gegangen, all das aufschreiben, was von den Kritikern sehr gelobt wird, von denen die am Buchrücken stehen, bei “Amazon” gibt es ein paar Einstern-Rezensionen und ich würde mich dem anschließen und schreiben, daß die Autorin zwar schreiben kann und es auch sehr interessant ist, vom  heutigen indianischen Leben  zu erfahren, daß mir aber das, was und wie es es  beschrieben wurde, nicht gefällt, obwohl ich, in meinen therapeutischen Alltag ja auch mit manchen Krisen konfrotiert werde, zum Horrorroman eignen sich die aber, glaube ich,  nicht, beziehungsweise will ich das in dieser Form nicht lesen.

Christopher Just und Franzobel bei den O-Tönen

Christopher Just

Christopher Just

Mit dem bei der letzten “Buch-Wien” gewonnenen “Edelsteingarten” von Susanne Ayoub bin ich am Donnerstag um sechs ins Museumsquartier gegangen.

Die Kinder der Veranstalter haben diesmal die Goodie-Sackerln verteilt in dem es schon die Ankündigungen zur nächsten Buch-Wien im November zu finden  waren und Debutant des Abend war  der mir bisher unbekannte Christopher Just, offenbar ein Musiker und Kultstar der Technoszene der jetzt bei “Milena”, dem Verlag der einst nur Frauen verlegte und von dem ich  kürzlich zwei  Krimis gelesen hatbe, einen fünfhundert Seiten langen Roman, namens der “Modddetektiv” herausgegeben hat.

Daniela Strigl leitete wieder ein und Anfangs war der Autor nicht sehr gut zu verstehen, was ein oder  warum   August Johnny Sandemann ein Moddetektiv ist, habe ich so nicht ganz mitbekommen. Er scheint aber eine große Schnauze zu haben und einen trashigen Anzug zu tragen und auf diese Art und Weise ein genauso wortgewandgtes Mädchen namens Birigt zu treffen.

Diese Stelle hat der Autor vorgetragen, dann kam Sebastian Fasthuber auf die Bühne, der übrigens im “Falter” eine Rezension zum “Modetektiv” geschrieben hat und stellte Franzobel und dessen “Floss der Medusa” vor, ein Buch von dem ich wieder annehme, daß es auf einer oder allen zwei der “Buchpreislisten” stehen wird und aus dem Franzobel schon vor einem guten Jahr in der “Alten Schmiede” gelesen hat, als das Buch noch nich erschienen war.

Damals hat Franzobel sehr viele Unterlagen, Bilder Fotografien dazu gezeigt, jetzt erwähnte der Moderator, daß Franzobel sehr lange, nämlich drei Jahre an dem Buch geschrieben hat, das eigentlich schon 2016 erscheinen sollte, da die “Medusa” ja vor zweihundert Jahren, nämlch 1816 gestrandet ist.

Publikum

Publikum

Franzobel

Franzobel

Es gibt schon Bücher von Julian Barnes, ein Buch, das ich übrigens auf meinen Stapel habe und Peter Weiss zu diesem Thema und Franzobel las sich launig durch das Buch und erzählte etwas vom Untergang der “Medusa und den hundertfünfzig Menschen, die dann auf das Floß verladen wurden, von denen nur fünzehn überlebten indem sie sich vom Fleisch der anderen ernährten und ihren Urin tranken und darob zum Teil auch wahnsinnig wurden.

Während Franzobel las, kam ein Sturm über das Museumsquartier, so war die Lesung nach dem Gespräch mit Sebastian Fasthuber dann auch beendet, bei dem Franzobel noch ein bißchen etwas zu seiner Lust an der Sprachaktobatik und am Fabulieren erzählte, während Sebastian Fasthuber meint, daß das ein eher konventionell erzählter Roman sei, der aber, wenn man Abenteuergeschichten mag, sicherlich ganhz spannend ist.

Die Ferienfamilie

Jetzt kommt noch ein Sommerbuch, ein älteres aus dem Bücherschrank und eines, das ich schon nach dem Erscheinen gern gelesen hätte, aber damals war ich zu geizig, um mir Barbara Frischmuths “Ferienfamilie” zu kaufen. Das Buch war aber, wenn ich mich nicht irre, in der “Frau” als Fortsetzungsgeschichte und ich bin, als ich damals auf einen “Ferientag” nach Linz gefahren bin, dort in eine alternative Buchhandlung gegangen und dort ein bißchen hineingelesen.

Und in der Beschrreibung des 1981 erschienenen Buches, die gefundene dtv-Ausgabe,stammt aus 1984, aber damals war die Anna schon geboren und ich bin nicht mehr allein nach Linz gefahren, steht etwas von “literarischer Kunstlosigkeit”. Damit ist vielleicht die Beiläufigkeit gemeint, mit der Barbara Frischmuth hier von einer Patschworkfamilie und dem Leben einer alleinerziehenden Mutter erzählt, ein Schicksal von dem sie  damals, glaube ich, auch betroffen war.

Da ist Nora, die Mutter von Pu, eine Übersetzerin und die hat im Sommer ein Haus am Land gemietet, um mit ihren Sohn dort die Ferien zu verbringen, acht Wochen, also eine Art Sommerfrische und das Häuschen ist so groß, daß es einige leere Zimmer hätte, so kommt die Schwester und Vater Nummer eins oder zwei, denn Pu hat noch einen Halbbruder und die geben Nora  ihre Kinder dazu.

Also reist sie noch mit dem zwölfjährigen Fenek und der achtjährigen Laja los und Vater eins oder zwei rät , daß sie allen erzählen sollen, daß sie eine richtige Familie seien, damit keine Fragen kommen.

Etwas was heut zutage vielleicht  nicht mehr so verständlich ist, aber es kommen ohnehin keine Fragen. Nur die Bäurin die das Haus vermietet hat, erklärt Nora, wie sie den Herd zu bedienen hat. Die Bäurin hat auch einige kinder und einen Fernseher, so ist die Freizeitfrage geklärt, denn am Nachmittag will Nora in der Laube arbeiten und ihre Ruhe haben.

Sie kocht am Abend Palatschinken und muß dann die Kinder suchen, die sich beim Fernsehen verplaudert haben und langsam  hört es auch zu regnen auf und die Ferienfamilie kann schwimmen gehen.

Ein wenig auffällig wirkt auch noch die Altklugheit mit der der zwölfjährige Fenek mit Nora Erwachsenengespräche  über Behiehungen führt, aber der lebt ja in einem Internat, weil Vater eins oder zwei mit Mutt drei in Amerika ist und seine Mutter in Australien und Nora trifft im Schwimmbad ihren Schulfreund  Lajos Molnar wieder und fängt mit ihm eine Ferienbeziehung an.

Dafür bekommt Pu ein Kätzchen geschenkt und streitet sich deshalb mit Laja, die traurig ist, weil ihre Mutter ihr im Gegensatz zu Feneks Vater keinen Brief schreibt.

Zu einer fast Katastrophe kommt es in dieser “literarischen Belanglosigkeit” auch, Fenek stürzt, hat einen Schädelbasisbruch und Nora muß  nun der Schwester, keiner Bürokraft?, im Krankenhaus erklären, wie das  mit Feneks Vater und seiner Mutter ist und, wie  in Zweifelfällen üblich  eine Kaution erlegen. Die teilt sie sich mit dem hilfreichen Lajos und alles geht gut aus. Fenek gesundet, darf im nächsten Jahr auch wieder mit zur Ferienfamilie fahren und seine Eltern kommen aus der fernen USA und  Australien zurück, um nach ihrem Sohn zu sehen.

Eine alltägliche leichte Sommergeschichte und etwas, was wahrscheinlich sowohl Barbara Frischmuth als auch Elfriede Hammerl, die ja auch eine Spezialistin von Patschworkfamilien ist, erlebt haben werden.

Interessant, daß dem Buch Alterserscheinungen anzumerken ist, nicht vielleicht, daß Lajos Pu zwanzig Schilling gibt, damit die Kinder sich ein Eis kaufen können und der nun schnell nachrechnet, wie man das durch drei dividiert, sondern Wendungen wie, “Sich vor Lachen biegen” oder “Plagegeister” erscheinen heute fast liebevoll altmodisch oder liebevoll Österreichisch, wo ja schon im Netz diskutiert wird, ob der Verlag nicht aus einem “Kindl” ein “Kind” machen soll, um Mißverständnisse zu vermeiden.

“Ein leichtes lockeres Sommerbuch und wieder eine Erinnerung, an die späten Siebziger- bzw. frühen Achtzigerjahren, wo ich Barbara Frischmuth gelesen habe und mit Doderer im Stadtpark gelegen bin.

Heute mache ich dagegen nur mehr Sommerfrischenwochenenden, aber das auch acht, beziehungsweise sieben Wochen lang, habe keine Kinder zu beaufsichtigen und hatte, das auch  nur bei einem und bin froh, diese frühe Frischmuth jetzt gelesen zu haben.

“Die Schrift des Freundes” ein etwas späteres Werk habe ich mir übrigens vorige Woche antwquarisch um zwei Euro gekauft.

Kindernazi

jetzt kommt, könnte man so sagen, fast schon ein Klassiker, obwohl der 1930 in Kosice geborene Andreas Okopenko erst 2010 gestorben ist.

Ich war auf seinem Fest zu seinem Achtzigster und bei seinem Begräbnis an einem sehr heißen Sommertag am Grinzinger Friedhof und habe, was ich bekennen muß, nicht sehr viel von ihm glesen, war aber bei einigen Lesungen.

Und als ich 1973 literarisch zu schreiben angefangen habe, hat es, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe, in Ö1 den “Lexikonroman” gegeben und damals habe ich mich ja von den eher konservativen Deutschstunden der Frau Prof Friedl kommend, sehr für die österreichische Gegenwartsliteratur interessiert.

Die war damals sehr experimentel und ist so bei bißchen an mir vorbeigegangen, aber die “Lockergedichte” waren glaube ich mal in der “Alten Schmiede”, bei “Rund um die Burg” war der Meister glaube ich auch und zum Achtziger hat “Klever” ein Büchlein herausgebracht, das ich mir erschnorrt habe.

Neben dem “Lexikonroman gilt “Kindernazi” sicherlich als ein Klassiker, obwohl ich mich, wenn ich dieses Titel hörte, immer” fragte, wie dieses Thema experimentell verarbeitet werden kann?

Nun weiß ich es, denn, als ich 2015 zu meiner Adventlesung in den “Read!!ingroom” ging, fand ich das Buch, es ist die “Residenz-Originalausgabe” mit dem schönen blauen Cover von 1984 in den dortigen offenen Regalen.

Inzwischen ist das Buch, glaube ich, wieder aufgelegt. Bei “Amazon” kann man aber, was ich sehr schade finde,  keine Rezensionen finden, wohl gibt es eine im Literaturhaus, der “Falter” hat eine, etcetera und das Buch ist wegen dem experimentellen Anspruch wahrscheinlich trotz seines wichtigen Themas kein Bestseller geworden, aber sicher interessant und wichtig.

Denn es hat ja viele Kinder getroffen, die in den Dreißigerjahren geboren wurden, dann in die “Hitler-Jungen-” oder “Hitler-Mädchen-Uuniformen” gepresst wurden und nach 1945 mit Schuldgefühlen dastanden.

Denn damals hat man ja in den Familien nicht viel geredet, hat sich seiner Vergangenheit geschämt, nichts gewußt und nichts mitbekommen und die Lehrer haben womöglich, das Parteiabzeichen von ihrer Anzugjacke abmontiert und dann im Herbst 1945 aus anderen Schulbüchern etwas anderers erzählt oder was vielleicht noch ein bißchen schlimmer war, aus den neuen Büchern das alte.

Ich bin ja ein bißchen später geboren geworden und habe gleich die neuen Bücher gehabt und meine Eltern waren außerdem noch Sozialisten. Der Vater war es, während die Mutter manchmal von ihrer jüdischen Lehrfrau erzählte, die dann verschwunden ist.

Andreas Okopenko war 1938 acht und 1945 fünfzehn. Das Foto im Klappentext zeigt den Zehnjährigen in der “H-J-Uniform und das Buch, das ist auch sehr interessant, wird in einundsechzig Episoden vom 1. 4. 45 bis zum April  39 rückwärts erzählt.

Dazu gibt es im Klappentext eine Erklärung.

“Wie meinen Sie? Der Titel gefällt nicht? Irgendwie unangenehm und überhaupt hätten die Leute allmählich die Nase..?”

So wird man in das Thema gleich hineingeworfen. Zwei Zitate gibt es am Anfang und am Ende auch. Zuerst eines aus der “Edda”: Die Wala weiß, die Welt wird enden, den Untergang ahnt sie der Asen alle” und dann eines von der Bachmann: “Es kommen härtere Tage. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont.”

Trotzdem ist das Lesen, glaube ich, wegen des experimentellen Ansatzes, der ja irgenwie distanziert und so kunstvoll ist, daß man in die harte Realität vielleicht nicht gleich hineinfindet und sich auch nicht so auskennt, was da jetzt erlebt und was erfunden wurde, nicht so einfach.

Auch das Rückerzählen macht es das nicht, aber andererseits ist das wohl auch die Realität. Da wurden viele Kinder und auch Erwachsene in die Zeit hineingeworden, haben Uniformen angezogen und Fahnen in die Hand gedrückt bekommen, haben “Hurra!” geschrieben und hatten 1945 auf einmal einen Schuldkommplex, mit dem es höchstwahrscheinlich nicht so einfach zu leben war.  Denn Traumatherapeuten hat es wahrscheinlich keine gegeben, wohl aber die Frage “Wieso bist du bei der “Hitler- Jugend” gewesen?”

Die aber, glaube ich, gar keine so freiwillige Sache war.

So beginnt das Buch auch gleich im Jahre 1945 wo der Vater dem Fünfzehnjährigen verkündet:

“Aber jetzt Schluß kommentiert Papa: Anatol! Hitler hat den Krieg verloren, verstanden? Wir müssen uns jetzt umstellen. Sei jetzt ein vernünftiger Mann. Stell dir vor , du warst ein großer Star, ein Kinderstar, und jetzt ist bist du ein Mann und deine Rolle ist aus. Tilki, jetzt darfst kein Nazi mehr sein, sagt Mama, sehr schlaff. Ein Kindernazi, sagt Anatol zornig und weint wieder los”

Und auf der letzten Seite, im April 39, steht “Aber, Papa, was heißt Gestapo? Ja, diese Art von Polizei ist überall geheim. Aber warum steht sie dann angeschrieben? Du wirst ein deutscher Junge werden, Tolko. Wirst alles lernen und verstehen.Ich verständnisvols. Bist du bereit, Tolko?  Bereit, was heißt denn das? Ja, ich bin bereit Papa!

Dnd dazwischen liegt das Aufwachsen im deutschen Reich, Juden verschwinden, die sich zuerst Sara nennen mußten, um das jüdische zu demonstrieren und in der Schule bekamen die Kinder, 1942 Merkblätter mit, wo sie in die “Erweiterte Kinderverschickung” der “Pimpfe und Jungmädeln” eingeladen wurde, was für die Kinder warscheinlich lustig war, aber sicher dann auch wieder viel Disziplin bedeutete. Vor allem, wenn sie vielleicht nicht so stark und blauäugig waren und von zu Hause vielleicht auch gesagt bekamen, daß man über das und das nicht sprechen darf: “An der Tür die feierabendliche Besuchstante mit dem Hitler-und Echo-Witz: Wir haben gute Waffen! -Affen! Wo wird der Krieg beginnen? -Innen! Aber: Pscht, Tilki, du hast nichts gehört! Warum? Sonst kommen wir alle nach Dachau. Was ist eigentlich Dachau? Papa, abherschend. Eine Strafanstalt”

Dazwischen wird das Deutschlandlied gesungen, ins Kino gegangen, hat in der Deutschstunde Aufsätze geschrieben, ist langsam erwachsen geworden, etcetra, bis man vom “Kindernazi” zu dem erwachsenen Mann werden mußte, der von allen nichts gewußt und geahnt hat und man, weil man ja nicht darüber reden durfte und es auch keine Therapeuten gab, oft traumatisert zurückblieb.

Bis dann sehr viel darüber geschrieben und geredet wurde. Jetzt sind es ja schon die Enkel, der damals betorffen 1984 hat es der erwachsene experimentelle Dichter Andreas Okopenko getan und im Sommer 2017 habe ich endlich dank dem “Read!!!ing Room” und seinen offenen Regalen diesen Klassiker gelesen und bin sehr beeindruckt, obwohl ich  schon wirklich viel über dieses Thema gelesen habe.

Cafe Prückl fast ohne Glück

Wieder ein Abend der Sommerlesereihe im Cafe Prückl, die Freitage lasse ich ja Sommerfrischenbedingt immer aus, die Dienstage werde ich mir heuer geben, habe ich mir vorgenommen und diesmal lasen auch zwei mir bekannte Autoren, die einmal, glaube ich, sogar ein Ehepaar waren.

Das Cafe Prückl war, als ich es erreichte fast leer, die Ruth saß an einem Ecktisch und verspeiste einen Vorspeisenteller und erzählte mir, daß zeitgleich eine Gedenkveranstaltung für unseren GAV-Kollegen, den experimentellen Autor Hansjörg Zauner, der am dreißigsten Juni, siebenundfünfzigjährig nach Komplikationen nach einer Hüftoperation verstorben ist, im “Rhiz” stattfand.

Ich habe ihn, der oft einen rosa Anzug und eine rosa Brille getragen hat, durch den “fröhlichen Wohnzimmerkreis” kennengelernt, als ich 1987 in die Grazer Autorenversammlung gekommen bin. Er hat den “Priessnitz-Preis” bekommen und 1996, als ich in Klagenfurt zuschauen war, glaube ich, schon in diesem Anzug, als erster gelesen. Aber nichts gewonnen und jetzt ist er sehr jung gestorben und im Cafe Prückl sollte das Glück mit Stephan Eibel Erzberg und Renata Zuniga weigtergehen und Renate Zuniga sagte mir jetzt noch und das ist ein Glück für mich, daß ich Anfang nächstes Jahres bei den “Textvorstellenungen” aus “Claire-Klara-Clarisse” lesen soll, meine Kroatiensommergeschichte, wo es ja auch ein bißchen um das Glück beziehungsweise um Liebe geht.

Christa Nebenführ kündete dann Renata Zunigas Text mit einem Glückstitel an, es geht darum, um eine Frau, die alleine nach Mexiko fliegt, dort von einem verrückten Taxifahrer in ein Hotel gebracht wird und nach indogenen Dörfern sucht, sie die doch nicht findet, also nicht viel Glück bei der Geschichte und, daß das in Stephan Eibel Gedichten auch nicht zu finden sind, habe ich mir schon gedacht und fast vermutet, daß er unter diesem Titel sein Liebesgedicht, wo alles schiefgeht und alle Unglücksfälle passieren, daß er sowohl bei der “Amerlinghaus-Benefiiz-Lesung” als auch am “Indie-Book-day” gelesen hat, einschmugglen könnte.

Er bezog sich aber auf seine Gedichte, die in der “Wiener Zeitung” erscheinen und da war seine Lesung auch angekündigt und so ist einer, den ich sonst immer bei den ÖAAG Treffen des KAV-Supervisiorenpool sehe, zu seiner Lesung gekommen und den hätte ich fast mit Franz Schuh verwechselt, der ja ein Glücksritter ist und bei der Auftaktveranstaltung gelesen hat.

Stephan Eibel Erzberg hat seine Gedichte, wie immer frei vorgetragen und viel dazu erzählt von seiner Lesung mit Renata Zuniga, die damals noch Renat hieß, vor neunundzwanhzig Jahren, seinen Bezügen zu den Dichtern Joe Berger, H. C. Artmann und Ernst Jandl und dann kamen seine politischen Gedichte mit denen er die F-Partei ärgern will, aber alle Prozesse, die die gegen ihn anstrebte, gewonnen hat.

Was hat das mit Glück zu tun?, war meine Abschlußfrage, Stephan Eibel Erzberg hat sie mir, glaube ich, eher ausweichend beantwortet. Seine Verlegerin aus dem “Splitter-Verlag”, die, glaube ich, mit einer Ex-KAV- Supervisorin  nämlich Vera Albert befreundet ist, war da und wenn in diesem Post schon viel von der GAV und GAV–Kollegen zu lesen ist, etwas Erfreuliches gibt es schon zu berichten, nämlich Hanno Millesi, den ich ja sehr mag, wird heuer den “Priessnitz-Preis” bekommen.