Ach, Wien

Während meines Pendels von Harland nach Göttweig oder Krems, lese ich Maximilan#bezirkowitschZirkowitschs “Hommage an das Zufällige in der Stadt”, ein Büchlein aus, wie könnte es anders sein, dem “Holzbaum-Verlag”, denn das ist der junge Mann, der bei den Präsentationen von “Kafee”, Frühstück” etcetera “in Wien” mit einem Bällchen an der Spitze steht, es in die Menge wirft und nachher an die glücklichen Gewinner Goodietüten verteilt.

Das Buch des Fotografen, der durch die Stadt marschiert, den Alltag abknipst und seine Geschichten dazu schreibt, scheint es schon länger zu geben, denn Maximilian Zirkowitsch hat beim “Buchquartier” im Dezember daraus gelesen. Jetzt ist es auch zu mir gekommen und so kann ich, bevor es zur Sektmartinee nach Krems geht, ein bißchen darin schmökern und meinen Flüstereindruck geben.

“Maximillian “Bezirkowitsch”-Zikowitsch fotografiert gern komische Alltagsbegebenheiten, die Geschichten erzählen. Seine liebsten Bilder hat er hier gesammelt. Herausgekommen ist ein Stadt- und Landportrait der etwas anderen Art, eine Liebeserklärung an den Alltag”, steht am Rücken  des achtundvierzig Seiten Heftchens das um wohlfeile fünf Euro zu haben ist.

Also gehen wir es an und schauen hinein:

“I love  VOLKSTOD” steht auf einem Pickerl. “Wien 15; Märzstraße #RHSH bleibt real und hat keine Angst”, hat Maximilian Zirkowitsch draunter geschrieben.

“#Opfa” ist offenbar ein beliebter Hashtag-Index, denn da gibt es ein überklebten H.C.Strache-Plakat. Am Donaukal steht “I love you” auf einen Stein und auf einem anderen “Opfa-Foto”, ist “Dein Vater” zu lesen.

Weiter geht es mit den “Maggi-Suppen”, die offenbar ihre Faschingseditionen haben. “Prinzessinnn” und “Feuerwehr”, steht auf den rosa und blauen Tüten.

“Jetzt neu im Angebot: schwule Suppe und Heterosuppe”, hat der Bezirksflaneur dazugeschrieben.

Es gibt Fotos von Kinderwägen und eines, wo auf der Kleiderbox der “Caritas” das Wörtchen “kills” dazu geschrieben steht und für alle, die es noch nicht wissen: “NOTHING WILL MAKE YOU PERFEKT EXCEPT ALLAH”.

“Aha!”

Und wenn man wissen möchte, was Maximilian Zirkowitsch von der Werbung hält;: “WILLST DU GUT UND BILLIG KAUFEN, MUSST DU ZUM SOCKENKAISER LAUFEN”

Wiederum “Aha!” und weiter in dem Alltagsbüchlein, das nicht nur Fotos, sondern auch Texte anzubieten hat.

In einem, den Maximilian Zirkowitsch, glaube ich, auch im Museumsquartier gelesen hat, geht es, um den Fund einer “Seekuh” in seiner “Heimatgemeinde Bad Vöslau”.

Es gibt aber auch politische Texte, beziehungsweise solche, die sich mit den Zeitungsmeldungen nach den Terroranschlägen in Frankreich von 2015 beschäftigen und sehr erbaulich, das Alltagsgespräch zweier künftiger Sozialarbeiter: “In welchen Bereich soll ich als Sozialarbeiter gehen, wenn die FPÖ Präsident und Kanzler stellt und alles kürzt?” Sozalarbeiter im Burnout “Gefängnissozialarbeit”

Zum dritten Mal aha und alles ändert sich oder doch nicht so ganz, beziehungsweise sind wir noch nicht so weit und als die Neonazis von der Polizei in Plauen in der Höhe der Karl-Marx-Grundschule von der Polizei mit Wasserwerfern gestoppt wurden, haben sich die Kinder mit Zäunen auf den Plakaten gewehrt.

Es gibt also auch ein bißchen Hoffnung in unserem neoliberalen Leben und Facebool-Postings von unserem Alltagsmeister, der offenbar auch U-Bahn fährt, gibt es natürlich auch.

Denn da will eine junge Mutter ein Kind beim Ausziehen stoppen, schreit es an und erklärt den staunenden Passanten “Ich glaub nicht, dass die Leute das sehen wollen.” Das Kind bleibt unbeirrt bei seinem Vorhaben. Darauf wird sie wieder lauter. “Hast du die Mama schon einmal so was machen gesehen?” Das kind schaut und murmelt “Ja.” “Da prustet eine alte Frau neben mir los “Heit is haaß, Leiite denkt nix!”, hat Maximilian Zirkowitsch offenbar dazu geschrieben und macht sich auch Gedanken, wie man den “Bachmann” oder sogar den “Mörike-Preis” mit Hilfe seines Handies gewinnen kann.

“Aus meinen ganzen ‘Autocorrect Fehlern könnte ich auch einen lyrischen Text machen”,gibt es dazu zu lesen, den Rest müßte man sich wohl anschauen, um ganz zu verstehen.

Spannend  also in Maximilian Zirkowitsch literarisches Nähkästchen zu sehen und mit ihm auf eine Wiener Alltagstour zu gehen.

Ob es auch eine Buchpräsentation gegeben hat, in dem man, wenn man das Bällchen fing, das Buch gewinnen konnte, weiß ich nicht.

In dem Bananenblatt übers Reisen, habe ich aber, glaube ich, auch eine diesbezügliche Werbung gesehen und jetzt auf  nach Krems, wo ein bißchen “geFIANT” und “geJANDELT” werden wird, was wohl auch zum  literarischen Alltag von Wien gehört.

In jedem Augenblick des Lebens

Das Memoir über den Tod seiner Frau, die nach einem Kaiserschnitt an Leukämie gestorben ist, des schwedischen Dichters Tom Malmquist hat mir “Klett-Cotta” zur Verfügung gestellt und ich habe es, bevor ich es gelesen habe,  schon in großer Auflage bei “Thalia” liegen sehen.

Ist es doch ein Buch mit einem interessanten Thema, das viele Leute interessieren könnte und Tom Malmquist hat sich damit, wie man im Klappentext lesen kann, durch seine Trauer geschrieben, als er mit der kleinen Livia zu Hause war undseine Vaterschaft gerichtlich einklagen mußte.

Ein Buch das daher schon viele Rezensionen bei “Amazon” hat, die von ein bis fünf Sterne gehen und auch einiges zu bemängeln haben, daß es keine Ausrufungszeichen hat und man daher nicht sofort erkennen kann, wer hier spricht, beispielsweise oder auch, daß es sich teilweise wie ein medizinischer Bericht liest und keine Gefühle zu erkennen sind.

Die fehlenden Ausrufungszeichen haben mich auch ein bißchen irritiert und ich hatte Anfangs  Schwierigkeiten mich bei den vielen Vornamen, die genannt wurden, auszukennen, wer jetzt wer ist?

Die Gefühle habe ich mir vorstellen können, beziehungsweise denke ich, daß es einem, wenn man plötzlich mit einem Baby alleine ist, von der Neonatologie in die Intensivstation hetzt und dann noch seinen Vater an Krebs verliert genau so ist und alles geht ja die Öffentlichkeit auch nicht an und ich habe sogar die Art wie Tom Malmquist die Zeit in dem Krankenhaus beschreibt und wie er  sich mit Distanz gegen den medizinischen Apparat in den er da hineingeraten ist, wo jeden Augenblick, die Tür zu den einfachen Familienzimmern aufgerissen werden, jemand hereinkommen und “Hallo, ich bin John Perrson, Oberarzt in der CIVA und zuständig für Karins Zeit hier” sagen kann, wehrt.

Die Patienten werden in Schweden offenbar mit Vornamen angesprochen, alles ist licht und modern und Karin mit der Tom seit zehn Jahren zusammen ist, hat eineinhalb Monate vor dem Geburtstermin offenbarAtemprobleme und mußte ins Krankenhaus. Dort wird eine Myeloische Leukämie festgestellt, das Baby mit Kaiserschnitt herausgeholt und Tom rennt von der einen in die andere Abteilung, kämpft mit den Krankenschwestern, weil er unbedingt die Decken austauschen und mitbringen will, um Karin den Geruch Livias und der, den der Mama zu übermitteln.

Er kämpft auch mit den Angehörigen und darum, daß er als erster von den Ärzten die Informationen bekommt, die er dann an Sven und Lillemor, Karins Eltern, weitergibt, weil die das offenbar so haben wollte. Auch das wird bei “Amazon” bekritelt, daß den Eltern den Zutritt zur sterbenden Tochter verwehrt.

Im ersten Teil wird das geschildert und man bekommt einen guten Einblick von der modernen Medizinallmacht, wo man warten muß “bis Karin installiert ist” bevor Tom an ihr Krankenbett darf und dann kommen auch noch die Genetiker und Psychologen, die reden und Informationen austauschen wollen und manchmal kommen sie im falschen Moment, weil Tom mit der kleinen Likva schon wieder an einem Krankenbett sitzt und jetzt seinem Vater beim Sterben zuschaut. Aber ich greife vor.

Im zweiten Teil ist Tom mit Liva zu Hause und bekommt, seltsam könnte man denken, aber vielliecht ist das in Schweden so oder auch wieder Tom Malmquist Schreibstil sich gegen die Behörden zu wehren, einen Brief vom Jugendamt, daß er die Vermögensverhältnisse des “Kindes weiblich, Unbekannt Lagerlöff deklarieren soll”.

Seltsam, denn eigentlich sollte es ja um das Sorgerecht gehen, war Tom doch nicht mit Karin verheiratet. Aber als er am Jugendamt anruft, wird er ans Finanzamt verwiesen und die Vaterschaft muß er auch einklagen, beziehungsweise muß das das Gericht für die Tochter tun.

Dazwischen reflektiert er seine Beziehung zu Karin mit der er zehn Jahre zusammen war. Sie war Literaturkritikerin und hat auch geschrieben, Tochter eines Psychoanalytikers und einer Lehrerin und im nächsten Teil ist Livia vier Monate, die Vaterschaft ist noch nicht ganz erstritten, aber Tom sitzt schon wieder in einem Intensivzimmer einer Palliativstation, eine Krankenschwester kommt herein und erklärt, bevor er in sein Zimmer darf, den Zustand seines des krebskranken Vater.s

Der war Sportreporter, hat einen großen Skandal aufgedeckt, hat auch zuviel getrunken und seiner Frau im Haushalt und in der Kindererziehung offenbar alles überlassen.

Auch das wird reflektiert und dann kann Livia schon “Papa!” sagen und krabbeln, muß in die KITA und auch da kommen die Erzieher und stecken dem Papa Formulare in die Hand, wo er die nächsten Angehörigen, das sind die beiden Großmütter angeben muß und Reservewäsche für den Regen in die Spind legen.

Dann geht er hinaus, darf der kleinen Livia am Arm der Erzieherin nachwinken, die zuerst keine Ahnung zu haben scheint, wie man das tut, dann aber “unterm Kirschbaum steht und winkt”

Man kann und es wurde schon, darüber dieskutieren, ob man Bücher über seinen Krebs, seine bipolare Störung etcetera schreiben darf und soll, ob sie wichtig oder eine Zumutung sind und den anderen belästigen?

Es ist aber sicher interessant, daß sie meistens, wenn sie von einem bekannten Autor stammen, in großen Auflagen erscheinen.

Wie bekannt der 1978 geborene Dichter, Musiker und Songwriter in Schweden ist, habe ich keine Ahnung. Mir war sein Name jedenfalls völlig unbekannt.

“In jeden Augenblick unseres Leben” ist sein erster Roman, entnehme ich dem Klappentext, ergänze wieder etwas oberlehrerhaft, daß es eher ein Memoir ist, daß mich die angeblich fehlenden Gefühle nicht gestört haben, mir die Distanz mit denen er den medizinischen und den Sozialapparat Schwedens beschreibt, gut gefallen hat und man natürlich darüber diskutieren kann, wie authentisch, geschönt, überarbeitet, etcetera, die dreihundert Seiten jetzt sind. Gehe aber davon aus, daß es wichtig für den Autor war, über diese Erfahrungen seines Lebens zu schreiben und es ist sicherlich auch sehr interessant darüber zu lesen, obwohl, da das Kindbettfieber jetzt ja überwunden ist,  es zum Glück inzwischen nicht mehr so oft  passiert, daß man seine Frau bei der Geburt eines Kindes verliert, während es viel wahrscheinlicher ist seinen krebskranken Vater oder Mutter durch die letzten Tage zu begleiten.

Walter Nowak bleibt liegen

Julia Wolfs zweiter Roman, aus dem sie letztes Jahr ein Stückchen beim “Bachmannpreis” vorgelesen hat, habe ich mir neben Feridun Zaimoglus “Evangelo” mit als “deutsche Lektüre” nach Leipzig mitgenommen.

Zum Lesen bin ich dann nicht gekommen, obwohl es gepasst hätte, lebt doch die1980 geborene in Leipzig und in Berlin und es ist auch eigentlich mein Thema, über das die junge Frau da in einem klaren und doch nicht einfach zu verstehenden Stil geschrieben hat.

Denn Walter Nowak, achtundsechzig und ein “Alphatier” wie es in den Beschreibungen so heißt und ich das gar nicht so empfunden habe, redet oder denkt sich um sein Leben.

Walter Nowak, achtundsechzig, ein Ex Geschäftsmann, Nachkriegs- und Besatzungskind, dreht, vielleicht seit er sich in Pension befindet, jeden Morgen seine Runde im Schwimmbad, das ist gesund und soll man auch so tun und so beginnt das Buch auch damit.

Seine zweite Frau Yvonne ist auf einer Tagung, er sieht im Bad eine junge Frau in rosa Bikini mit einem Kind und dann passierts, er stößt sich den Kopf an, fährt mit der Badekappe und den Ohrstöpsel nach Hause, liegt dann am Boden, eine Beule, überall Blut oder ist es vielleicht doch nur Saft und einmal liegt Walter Nowak im Bett, einmal geht er in den Keller, um ein Wildschwein aus der Tiefkühltruhe zu holen, fährt mit dem Auto zu seiner ehemaligen Firma, ruft seine erste Frau an, um sich nach einem Wildschweinrezept zu erkundigen, sperrt eine Fledermaus ins Bad oder sind das alles doch nur Phantasien eines Sterbenden, eines Mannes nach einem Schlaganfall vielleicht?

Eine Diagnose von einer afrikanischen Ärztin gibt es auch und Yvonne hat ihm, bevor sie zu ihrer Tagung entschwand, auch einen sehr diätischen Speiseplan gemacht, Graupensüppchen und Brei, vielleicht deshalb die Sehnsucht nach dem Wildschweinbraten.

Wenn man so am Boden liegt und sich nicht rühren kann und sich das Blut überall in der Wohnung verteilt, gehen einem die Gedanken über sein bisheriges Leben durch den Kopf und da hat man mit achtundsechzig höchstwahrscheinlich auch schon viel erlebt.

Walter Nowak, der Sohn eines Besatzungssoldaten, selber Vater, der Sohn Felix ist von seiner Frau Gisela, die er wegen der hübschen Yvonne mit dem Pferdeschwanz verlassen hat. Der Sohn ist, als er sich in der Pubertät befindet auf Ahnenforschung und sucht im Stammbaum nach seinem Großvater.

Der hat ein Grab in Nebraska, so will er dort unbedingt hin. Walter Nowak weigert sich zuerst, fährt dann mit Sohn und Yvonne, er er hat in den USA auch etwas zu finden, gibt es doch eine Elvis Verehrung und in dem Örtchen, wo er lebt, einen nach dem berühmten Sänger benannten Platz, der dann aber so nicht mehr heißen soll.

Die Freunde tauchen auf, sogar die russische Putzfrau und schließlich erscheint, während Walter Nowak liegen bleibt oder muß, auch noch der Sohn und soll die Fledermaus aus dem Badezimmer holen.

Rasant, rasant diese Reise durch ein Leben und sehr eindrucksvoll von der siebenunddreißigjährigen Frau erzählt.

Das zweite Buch das ich vom letzten Bachmannpreis in meinen Besitz haben, das erste ist Isabelle Lehns “Binde zwei Vögel zusammen”, ein Geburtstagsgeschenk, das ich noch nicht gelesen habe, aber die Autorin in Leipzig daraus vortragen hörte.

Eine interessante Ausbeute des vorigen Bachmannwettbewerbs und, wie schon geschrieben, ein Thema das mir sehr gefällt, der Monolog des alten Mannes und der Gang durch ein Männerleben, das ich gar nicht so machohaft, eher ganz normal und alltäglich empfunden habe und denke, daß ich die Machophatasien eher in der vorigen Novelle vorgefunden habe.

Hier denkt die Psychologin in mir, die ja auch viel in Pflegeheimen unterrichtet hat, daß so das Leben zu Ende geht, da kommt alles hoch und daß das Ganze wird wahrscheinlich auch sehr ungeordnet, durcheinander,  in Puzzlestücken, die man sich erst zusammenlegen muß, wie Marina Büttner, die das Buch schon gelesen hat, in ihrer Rezension beschreibt, erzählt.

MUSA und Centrope

Im Centrop zwei Personen Privatissimum sind wir  heute endlich zum Analysieren gekommen und zwar haben wir uns da Michael Hvrvetzkys “Das allerschlimmste Verbrechen in Wilsonstadt” vorgenommen und uns angesehen, welche Unterschiede es bei der Verwendung der Präfixes es im Original und in der deutschen Übersetzung gibt.

Ich habe es ja nicht so sehr mit der literarischen Analyse und bin eher an der Literatur des Centropes interessiert und der Roman oder ist es eine Novelle, des 1976 in Bratislava geborenen Schriftstellers mit dem ich einmal mit dem Literaturschiff nach Wien gefahren bin und ihn dabei aus “Tod an der Donau” lesen hörte, ist sicherlich interessant, auch wenn ich noch nicht viel von ihm verstanden habe und auch kaum etwas im Netz darüber im Netzt zu finden ist.

Bei “Google Books” kann man aber etwas Probelesen, es scheint eine Art Krimi oder Gespenstergeschichte zu sein und mit Wilson Stadt dürfte Bratislava gemeint sein und da geht einer zu Anfang des vorigen Jahrhunderts spazieren und Hvovetzky baut Straßen und Plätze ein, die es gar nicht gibt, bezieht sich auf einen ungarischen Doppelagenten, der in London mit “Dracula” in Berührung kam und das alles ist sehr interessant, aber keine literarische Analyse.

Die ist vielmehr, daß der Übersetzer Mirko Kraetsch, der das Buch sehr frisch und literarisch angegegangen ist, viel mehr Wörter mit den Silben “ver” verwendet hat, als im slowakischen Original zu finden sind.

Spannend auch, ob Michal Hvorecky beim Centrope Festival aus dem Buch lesen wird?

Ich habe auf meinen Weg in die Spengergasse beim “Wortschatz” wieder etwas Ungarisches gefunden, nämlich den 1948  in  der “Amadeus-Edition” erschienenen Roman “Die von der Hoffnung leben” von Geza Ujvary.

Auch darüber war im Netz nicht sehr viel zu finden, dafür gab es im MUSA heute wieder einen Dreierabend und der war insofern interessant, weil er eine Mischung durch die Genres darstellte.

Denn der “Canetti Stipendiat” Martin Prinz, den ich ja schon mit seiner “Letzten Prinzessin” im “MUSA” hörte und das damals noch gar nicht auf den Namen Prinz, des  1973 in Lilienfeld geborenen Autors bezogen.

Aber jetzt hat er einen Lilienfeld oder Heimatroman mit dem Arbeitstitel “Der König von Lilienfeld” oder “Die unsichtbaren Seiten” geschrieben und das ist offenbar ein Memoir.

Denn es geht um den kleinen Martin, wie er mit acht Jahren mit Brille und karierten Hemd in der Aula seiner Schule steht und laut “Ich bin der König von Lilienfeld” vor sich hin reflektiert. Dabei ist er der Enkelsohn des Bürgermeister und der Vater ist kein Prinz sondern ein Arbeiter aus Traisen.

Interessant, daß er sich das traut, seine Kinderträunme so auszuleben, interessant auch die Diskussion mit Julia Danielcyck, die mit ihm studiert hat.

Dann kam eine viel jüngere Frau, die Sprachkunststudentin und Dramatikerstipendiatin  Alexandra Koch, die brachte ein Schauspielerteam mit und las mit ihm einige Szene aus zwei ihrer Stücke, für die sie auch für den “Retzhofer-Dramatikerpreis” nominiert ist. Eines ist ein Jugendstück, wo es um Gewalt im Netz geht, das andere handelt von der Identitätssuche im Erwachsenenalter und dann kam eine alte Bekannte, nämlich Margret Kreidl, die ich aus ihrem bei “Korrespondenzen” erschienenen Band  “Zitat Zikade” schon in Leipzig lesen hörte.

Eine interessante Mischung zwischen Roman, experimenteller Textmonatage und jugendlicher Dramatik also und es ist  sicherlich auch sehr spannend, die Stadt Wien Stipendiaten mit der Literatur des Centropes zu vergleichen und Textanalysen kann man auch hier anstellen, aber wie schon geschrieben, habe ich es damit ja auch nicht so sehr.

Schreiben im Untergrund

Heute wieder Schreibgruppe mit Peter Czak, Klaus Khittl oder Gloria G und Doris Kloimstein, die Ruth hat mir gestern oder vorgestern für sich und den Robert abgesagt, weil sie zu einer Preisverleihung mußte, ist aber später doch gekommen und Peter Czak hat das Thema “Untergrund” oder “Underground” vorgeschlagen.

Ein anderes hatten wir diesmal nicht, ich, die ich immer noch an meinem “Frühstück” mehr oder weniger lustlos korrigiere, hatte diesmal keines und zum Thema “Untergrund” ist mir zuerst einmal nichts eingefallen.

Eine Neuerung hat es diesesmal aber gegeben, an die ich eigentlich schon das letzte Mal dachte, dann im Zuge des Gefechtes aber darauf vergessen hatte, ich habe meinen Text nicht mit der Hand, sondern gleich in den Laptop geschrieben.

Was Vorteile hat, denn ich schreibe ja sehr schnell und werde immer schneller und dann kann ich das Geschriebene nicht mehr lesen und wenn man es auch noch vortragen soll, kommt ein großes Gestotter heraus.

Hat man es im Laptop ist des besser, denn dann kann man gleich korrigieren und das habe ich mir angewöhnt, als ich 2009 meinen ersten “Nanowrimo” geschrieben habe.

Vorher habe ich darauf geschworen, daß ich für den Rohtext die Hand und die Handschrift brauchte, seither tippe ich immer gleich in den Computer und das geht und bezüglich “Untergrund” ist mir glaube ich auch ein sehr lustiger Schleifentext gelungen.

“Untergrund, das ist der Boden auf deinen Füßen, auf den du dich begibst, wenn du in das Leben hinausstrebst, auf das Parkett, das glatte, aufpolierte, auf dem es sich so gut ausrutschen und auf die Nase fallen läßt, wenn du nicht aufpasst und einfältig naiv, vielleicht sogar auf hohen Absätzen, deinen Platz im Leben suchen willst.

Dort herumstöckelst auf den highen heels, mit Make up auf den Wangen und dem roten Küßchenmund.

Aber wovon spreche ich, bin ich doch keine Schicki-Micki-Frau, keine glatte aufpolierte, sondern eher die ehrliche Seele, die mit beiden Beinen aufrecht durch das Leben torkelt, Türen aufreißt, die gar nicht verschlossen sind, die holter, die polter mit dieser in das Haus oder aus dem Rahmen fällt.

Die Fettnäpfchentreterin, die Giftmischerin nicht, das nein, das absolut nicht, ganz im Gegenteil und außerdem, ich weiß nicht, ob ihr es merktet, liebe Freunde, weiche ich schon längst vom Thema ab.

Denn dieses war ja der Untergrund, der Boden unter den Füßen oder auch in Neudeutsch-Englisch, the underground und da sind wir in ganz anderen Gefilden und Schicki-Micki, sowie das Herumstöckeln auf den hohen Sohlen hat hier keinen Platz.

Denn der Underground  ist nicht schick und hat auch keinen Opernbalcharakter, sondern ist im Gegenteil, das Außergewöhnliche, Unoffizielle, das halb Legale, dort, wo sich die Außenseiter treffen und die linken Kerle raufen, die jungen Musiker ihre wilden Töne loslassen, die Rapper rappen, die Poetiker slamen und warum, kannst du mir das vielleicht verraten, fällt mir jetzt der Naschmarkt ein?

Ist er vielleicht ein Synonym, ein Nährboden für die unteren Gründe, die enteren, wie es in den älteren Lexika wohl immer noch heißen mag?

Am Naschmarkt treffen sich vielleicht des Nachts die linken Typen, die Sprayer mit den Dosen und verunstalten die schönen neuen Biostände mit ihren Anarchosprüchen.

Dort gibts wahrscheinlich auch die Bettler, die am Boden mit ihren Hüten sitzen und von dir fünfzig Cent oder einen Euro fordern, um sich damit einen Platz in der Gruft zu sichern oder einen in einem billigen Hotel, weil man, wie du weißt und es schon gehört hast, dort nicht mit einem Hund willkommen  ist und der Typ, der mit seinen langen wehenden Haaren und einer speckigen Lederjacke jetzt vor dir steht, hat einen solchen an seiner Seite und ohne den geht er nicht durch die Nacht.

Durch die Nächte ziehst du Schöne, auf deinem Weg durchs Leben, am Parkett des Mainstreams oder auch durch die Naschmarktbuden auf dem Untergrund, auf hohen Absätzen oder auch in flachen Tretern, schleichst du durch die Gegend.

Durch die Gründe, die oberen und unteren, die Parks und Grünflächen, die Städte und die Dörfer, gut geschminkt und aufgetakelt oder auch nur unfrisiert.

Durch die enteren Gründe, Liebchen, Prinzessin deines Herzens und ziehst aus deiner Tasche einen Euro heraus, um ihn mit einem lieben Lächeln dem Hundehalter zu übergeben.

“Schlafe fein, mein Prinz!”, während ich mit meinen flachen Sohlen weitergehe, auf dem Untergrund, durch diese Nacht.”

So, das wars, nachher gabs zuerst ein Schweigen und dann die Frage, war das jetzt eine Themenverfehlung oder wo und wie definiert man den Untergrund?

Doris Kloimstein fielen dazu die U-Bahn ein,  Klaus Khittl war zuerst ganz sprachlos und brachte dann den Satz “Dann ging er in den Untergrund. Und….” heraus und Peter Czak hatte wieder eine seiner berühmten Teufelsgeschichten und während wir noch darüber diskutierten, warum einem dieses Thema sprachlos macht, läutete es an der Tür und die Ruth kam herein im eleganten schwarzen Kleid und einem gelben Jäckchen von der Preisverleihung zum “Frauenring”, den eine türkische Rapperin, die Filmemacherin Käthe Kratz und noch eine Juristin bekommen hat und es war wieder einmal interessant in der Gruppe zu schreiben und Peter Czak stellte dann auch noch die Frage, ob wir vielleicht auch eine Underground-Schreibegruppe wären?

Dazu ist es nicht weit zur Hobbbydichterin, zu der mich ja mein Kritiker, der jetzt auch einen Blog betreibt, so gerne degradiert.

Das nein, das nicht, aber als ich einmal vor Jahren für die Zeitung “Buchkultur” interviewt wurde, ging es, glaube ich, auch um das Thema “Frauenschreiben im Untergrund” und so hätte ich mich damals genausowenig definiert, wie ich meinen Blog dem “Alltäglichen Leben” zu ordnen wüde, aber zu diesem Thema von Ilse Kilic  einmal mit dem “Literaturgeflüster” ins Amerlinghaus eingeladen wurde.

Interessant, interessant, dazu gab es diesmal Linzer Torte von Doris Kloimstein, Klaus Khittl brachte seinen Lieblingsprosecco mit und Peter Czak drei Bier und ein Säckchen mit Pistazien.

Blogbuster-Preis

Die Literaturblogger und auch die Booktuber sind eine sehr engagierte Gruppe. Die sogenannten Booktuber sind meist eher junge Frauen, die mehrmals im Monat Videos ins Netz stellen, wo sie über ihre im Vormonat gelesenen Bücher sprechen, die zeigen, die sie im Monat darauf lesen wollen, Fragen, sogenannte Tags, zu bestimmten Themen, beispielsweise, wie hoch ihr SUB ist, etcetera, beantworten, auf Buchmessen fahren und sich dort auf Booktubertreffen  versammeln und das dann meistens auch ins Netz stellen.

Sie besprechen ihre Leselisten und ärgern sich manchmal auch über die, die zu viel oder zu wenig lesen, zu viel jammern, sich mit ihren Büchern unter Druck setzen, etcetera und insgesamt gibt es  auch das Gerede, daß sie vielleicht zu wenig professionell seien, aber eigentlich betonen sie, daß sie das Booktuben Hobbymäßig betreiben und großen Spaß an der Sache haben.

Bei den Buchbloggern, von denen es inzwischen, glaube ich, schon an die tausendzweihundert im deutschen Sprachraum gibt, ist das ein wenig anders, da sind, wie ich in Leipzig sehen konnte, auch Männer und durchaus ältere dabei und einige von ihren streben durchaus in die Proffessionalität und haben auch Berufe, wie Journalisten oder Verleger und haben auch Literaturwissenschaft studiert.

So haben sich nach dem Mara Giese von Buzzaldrin 2013 mit ein paar anderen, die Idee hatte, die Longlist des dBps zu lesen, dann zwei Jahre später, die sogenannten offiziellen Buchpreisblogger gegründet, die sehr viel Werbung dafür machten und auch sehr selbstbewußt auftraten und inzwischen haben sich gerade in diesem Umkreis einige weitere interessante Aktionen gegründet.

So gibt es seit dem Vorjahr den Bloggerdebutpreis, bei dem einundzwanzig Blogger, da war ich auch dabei, aus einer Shortlist von fünf Debutanten Shida Baziyar “Nachts ist es leise in Theran” ausgewählt haben. Ein Preis, der glaube ich,demnächst in Essen vergeben wird und für 2017 wurde der Preis wieder ausgeschrieben.

Da war die Teilnahme  sehr offen und, ich glaube, es konnteeigentlich jeder Blogger, der mehr oder weniger regelmäßig Literatur bespricht daran teilnehemen, bei anderen Aktivitäten wie bei dem “offiziellen Buchpreisbloggen”, muß man ausgesucht sein, um sich so nennen zu können, obwohl ja eigentlich jeder, die Buchpreisbücher lesen und darüber schreiben kann und ich angestachelt davon, das auch auf eigene Faust seit 2015 betreibe und 2016 höre und staune sogar neunzehn der Bücher von den Verlagen zugeschickt bekam.

Einer der Shortlistfavoriten beim “Bloggerdebut-Preis”, dem unter anderen auch Sophie Weigand von “Literaturen”, und Marina Büttner von “Literatur” erleuchtet in der Jury angehörten, war Philiph Krömers “Ymir” aus dem “Homunculus-Verlag”, das ist ein kleiner aufstrebender unabhängiger Autorenverlag und der hat jetzt ein anderes Bloggerprojekt herausgeeben, nämlich ein Buch mit dem Titel “Warum ich lese – 40 Liebeserklärungen an die Literatur”, dem ein Aufruf des Bloggers Sandro Abbate vorausgegangen ist, der vierzig  bekannten Blogger, wie Tobias Nazemi, Sophie Weigand, Jochen Kienbaum, Marc Richter von “Lesen macht glücklich”, Claudia Pütz vom “Grauen Sofa”, etcetera, diese Frage gestellt wurde.

Ein Buch das ich demnächst lesen und besprechen werde und Tobias Nazemi vom “Buchrevier” auch einer der “Buchpreisblogger”, auf dessen Blog ich auch  gern kommentiere und ihn lese hat noch eine andere Idee gehabt, nämlich den sogenannten “Blogbuster-Preis”, wo er, glaube ich vierzehn oder fünfzehn Blogger, die sich für die Gegenwartsliteratur interessieren, aussuchte, an die man dann, wie er auf letzten “Frankfurter Buchmesse” bekannt gab, ein Mansuskript schicken konnte und diese  Blogger haben dann aus über zweihundertfünfzig eingereichten Manuskipte eine sogenannte Longlist zusammengestellt.

Das heißt, jeder hat sich aus den ihm zugesandten Manuskripten einen Favoriten oder Favoritin ausgesucht, die dann auf seinen Blog vorgestellt und inzwischen gibt es auch ein sogenannte Longlistlesebuch mit einer Textprobe der ausgewählten Romane, die werden jetzt von Tobias Nazemi, Dennis Scheck und noch einigen anderen professionellen Kritiern, durchgeschaut, im April gibt es eine Shortlist und im Mai wird dann in einem Literaturhaus der Sieger oder die Siegerin vorgestellt, bekommt einen Verlagsvertrag und bei der nchsten “Frankfurter Buchmesse” gibt es dann das ausgesuchte Buch.

Toll, könnte man so sagen und ich finde Bloggeraktivitäten und Selbstbewußtsein auch sehr schön. Das Ausgewähltwerden  gefällt mir weniger, aber beim “Buchpreisbloggen” ist das ja kein Problem, da kann  ja jeder die Bücher lesen und darüber schreiben und ich kann auch inoffiziell in Leipzig über das blaue Sofa bloggen, die offizielle Bloggerin war da heuer Mara Giese und wenn sie etwas dafür bekommen hat, ist das auch sehr schön.

Der “Bloggerdebutpreis” war auch sehr toll, denn da durfte  jeder mitmachen und ich habe mich sogar noch angemeldet, als der Anmeldeschluß schon fast vorüber war.

Beim “Blogbusterpreis”, bin ich wie beim “Bachmannpreis” ein wenigskeptisch, denn ich habe jetzt das Longlistenlesebuch vor mir liegen, die Proben noch nicht gelesen und werde da wohl auch nicht wirklich fündig werden, denn was sagen schon zwanzig dreißig Seiten, daß müßte ich wohl alles lesen, um einen Eindruck zu bekommen, bin aber sicher, daß mir mehr als ein Text gefällt und, was mich wirklich stört ist die Frage, was passiert da mit den zweihundertneundvierzig oder so anderen Manuskripten, die eingereicht haben und nicht ausgesucht wurden.

Ich habe nicht eingereicht, weil ich sicher war mit meinen Rechtschreibfehlern nicht ausgewählt zu werden, denn die Blogger  und die vierzehn Texte, die in dem Buch drinnen sind, sollen, habe ich gehört, eine große Qualität haben, also die Besten von den Besten sein, denn die Blogger sind ja nicht nur sehr selbstbewußt, sondern auch sehr streng, so hat Jochen Kienbaum keinen Kanditaten ausgewählt, weil keines der Manuskripten seinen Ansprüchen genügt hat. Er hat das auf seinen Blog ausführlich begründet. Aber ich denke mir jedesmal wenn ich mir Literatursendungen, wie beispielsweise die “Literarische Soiree” oder den “Literaturclub” ansehe, daß da Bücher sehr sehr unterschiedlich besprochen werden.

Was dem einen gefällt, nennt der andere Schwachsinn oder umgekehrt und ich habe beispielsweise mit dem Longlistbuch von Joachim Meyerhoff im letzten Jahr nicht viel anfangen können, obwohl die meisten andern sehr davon schwärmten.

Also denke ich, vielleicht hätte Dennis Scheck oder die anderen Großkritiker ausgerechent Jochen Kienbaum Kanditaten, der jetzt keine Chance hat ausgewählt. Aber wenn das so wäre, bleiben noch die anderen über und das ist etwas was mir ja, wie ich sehr oft schreibe, nicht so gefällt.

Macht ja nichts, kann man denke, wenn die Manuskripte so gut sind, werden sie schon eine Agentur und einen Verlag finden und die Blogger wollen wahrscheinlich gerade mit ihrer Strenge ihre Professionalität beweisen und man kann sich seine Bücher auch inzwischen selber machen.

Viele tun das, aber trotzdem haben zweihundertfünfzig Leute ihre Texte eingereicht, vierzehn wurden für die Endbewertung ausgewählt, dann gibts bald eine Schortlist  und schließlich entsteht ein Buch. Die Blogger frohlocken, und die anderen schönen Texte bleiben über, finden eine andere Option und machen es selbst…

So ist es auch in Klagenfurt und abgesehen, daß ich immer die Frage nach den zweihundert anderen Texte stelle, bin ich natürlich  auch gespannt, wer da am Ende das Rennen macht? Glaube aber, wie auch beim dBP nicht, daß am Ende das beste Buch gewinnt, stehe dieser Auswahl- und Bestensucht skeptisch gegenüber und auch das andere lesen und mich für die Selfpublisher interessiere.

Man kann zu diesem Preis auch noch anmerken, daß man da auch schon etwas selber verlegt haben durfte, das ist ja bei den deutschen oder österreichischen oder Debutpreisen ausgeschlossen, da dürfen keine Selfpublisher ran, hier darf man keine Genres also keinen Krimi und keine Phantasy schreiben, was die Selfpublisher oft tun. Man sieht immer Regeln, Grenzen Stolpersteine.

Die Blogger sind aber sehr stolz auf ihre Favoriten, urteilten hart und zweihundertdreißig Bewerber bleiben über oder haben vielleicht gar nicht erst eingereicht.

Ich wnsche aber allen viel Erfolg und viele Leser, wenn sie dann ihr Buch trotzdem bei einem Verlag oder auch selbst herausbringen. Freue mich über die Bloggeraktivitäten, habe gestern wieder mein interessan am Bloggerdebutpreis angemeldet und da auch zwei Vorschläge für die Longlist gemacht, werde höchstwahrscheinlich wieder Buchpreisbloggen und auch selber publizieren, sowie gespannt sein, wer  den Preis gewinnt und auch neugierig, ob ich von den übergebliegenen Longlistkanditaten noch etwas hören oder lesen werde.

Mexikanische Novelle

Von Bodo Kirchhoff, der mit dem Novelle genannten Roman “Widerfahrnis”, den letzten deutschen Buchpreis gewonnen hat, habe ich mir einmal, des Titels wegen, den 2002 erschienenen “Schundroman” zum Geburtstag  von Judith Gruber-Ritzy schenken lassen und mich sogar ein bißchen dafür geniert, er hat mir aber, so weit ich mich erinnern kann, ganz gut gefallen.

Das Buchpreisbuch habe ich sehr künstlich und konstruiert, wenn auch sehr kunstvoll ausgearbeitet gefunden und es wäre nicht meine Wahl gewesen und jetzt hat der 1948 geborene und in Frankfurt lebende Autor, seine 1984 erschienene “Mexikanische Novelle” noch einmal neu umgearbeitet, herausgebracht und mein bei “Widerfahrnis” gemachter Eindruck hat sich bestätigt und es stimmt auch wohl, was am Buchrücken steht, “daß jedes Wort sitzt und Bodo Kirchhoff ein Meister seines Handwerks ist”, dennoch diese Novelle hat mir noch weniger gefallen, als “Widerfahrnis” und das liegt wohl am Sujet und der Handlung, die meiner Meinung nach kein Klischee ausläßt, sondern mit allem Bösen, wenn auch wahrscheinlich meisterhaft spielt und es ist wahrscheinlich wieder eine Altherrenphantasie, die hier ausgelebt wird und nichts, gar nichts, was man sich nur ausdenken kann, ausläßt.

Eine Altherrenschichte, also, obwohl vor dreißig Jahren, war Bodo Kirchhoff noch gar nicht so alt und sein Held, der namenlose Journalist, der nach Amerika fliegt, um dort eine Reportage über einen Kampfpiloten zu verfassen, ist wohl auch so um die vierzig.

Er soll, als die Reise beendet ist, mit den anderen Journalisten, offenbar war es ein Gruppenflug, wieder zurückfliegen. Er läßt aber seine Freundin allein in das Flugzeug steigen und fährt über die mexikanische Grenze. Dort mietet er sich in ein Hotel mit Pool ein und lernt an diesen, eine Schöne, Baby Ophelia, die Schwester des Hotelbesitzers kennen, die ihn einlädt, sie in Aclatan, das ist eine Küstenstadt, wo sie mit ihrer Mutter wohnt und offenbar auch als Journalistin, was von ihm ein wenig angezweifelt wird, zu besuchen.

Er soll sich da in ein Hotel einmieten und sie  in zwei Tagen in einem Cafe treffen, dann wird sie mit ihm in sein Zimmer gehen und mit ihm schlafen.

Das passiert auch, es taucht dann nur noch der Leutnant Ritzi, das ist der, über den er das Portrait schreiben soll, auf und weil in der Stadt gerade ein Fest gefeiert wird, bekommt er kein Hotelzimmer, so daß er sich bei dem Ich-Erzähler einquartiert und spazieren geht, wenn die schöne Ophelia am Nachmittag das Zimmer betritt.

Es gibt zwei sowohl sehr präzis beschriebene, wenn auch sehr sexistische Szenen. Die eine ist die, von dem Jungen, der am Klo des Cafes, in der er sich im Ophelia trifft, die Herren bedient. Er wischt ihnen die Flecken aus den Hosen und putzt die Schuhe. Die andere ist die, wie der Leutnant in das Hotelzimmer kommt, wo der Erzähler mit der nackten Ophelia im Bett liegt und die sich in das Laken einwickelt, um ihre Scham zu bedecken.

Schön beschrieben, nur nicht mein Geschmack.

Es kommt auch noch eine geheimnisvolle Krankheit vor, die beide Herren packt und Emiliano, Ophelias Bruder, taucht auch h auf und verlangt von dem Erzähler, daß er die Schwester, wenn er sie schon fickt, gefälligst heiraten soll.

Der ist aber ein Unsympathler und verspricht es zwar, hat aber vor sich zu drücken und unter dem Vorwand, daß er beruflich zurück muß, wahrscheinlich nicht wiederzukommen. Er geht auch von Ophelia weg in ein Bordell oder läßt sich in einer Bar in ein diesbezügliches Zimmer führen. Dann kehrt er in sein Hotel zurück und findet Ritzi in seinem Blut und in der Hand hält er den zerfetzten Geldschein, den der Ich-Erzähler von Emiliano bekommen hat und damit, um die Handlung noch auf die kitschige Spitze zu treiben, auch noch die Prostiutierte bezahlte.

Es kommt, wie es kommen muß oder auch nicht, weil viel zu übertrieben und absolut unrealistisch. Er wird verhaftet und verhört. Baby Ophelia und Emiliano leugnen ihn zu kennen und in seiner Gefängniszelle trifft er auch noch den kleinen Roul, das ist der Junge von der Herrentoilette, der schon vorher wegen Drogenhandel verhaftet wurde und verfällt in seinen Armen.

Es tut mir leid, auch wenn die Novelle kunstvoll geschrieben ist, ist mir zuviel an Männerklischee darin, aber vielleicht bin ich nicht die richtige Adressatin für das Buch.

In Zeiten, wie diesen, wo die Amerikaner die Grenze zu Mexiko dicht machen und schon längst ansäßige Familien wieder zurückschicken, hätte ich mir bei einer Neubearbeitung eigentlich schon erwartet, daß diese Probleme aufgenommen werden, statt die Phantasien und Erlebnisse zu beschreiben, in die ein weißer Mittelschichtmann offenbar automatisch kommt, wenn er an einem Pool eines mexikanischen Abbruchhotel ein schönes Mädchen mit langen Haaren sitzen sieht.

Lieben muss man unfrisiert

Vor  vierzig Jahren hat die in Wien geborene und in der DDR gestorbene Maxie Wander ihren Interviewband “Guten Morgen, du Schöne geschrieben”, der prägend für den Feminismus war und sehr viel vom Leben der Durchschnittsfrau, ihren Gefühlen und Verletzlichkeiten in die Öffentlichkeit brachte.

Ein Buch, das ich wahrscheinlich im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennenlernte und gelesen habe und das heute wahrscheinlich ziemlich vergessen ist.

Die 1989 geborene Nadine Kegele, die ich, glaube ich, beim “Linken Wort” kennenlernte und die inzwischen Karriere machte hat in ihrem dritten bei “Kremayr& Scheriau” erschienen Buch daran gedacht und genau, wie Maxie Wander, ab 2015 Interviewes mit Frauen über ihr Leben ihre Verletzlichkeit und die Gewalt, die sie erlebten, geführt.

“Lieben muss man unfrisiert” heißt der Band, ein Zitat einer der Frauen, wie Nadine Kegele in Leipzig im “Österreich-Cafe” Roman Kollmer, der sie  interviewete, erklärte und der, die Gewalt, die Frauen auch heute noch erleben, gar nicht glauben konnte und es ist sicherlich sehr spannend, sich durch die Veränderungen zu lesen, die es inzwischen gegeben hat oder auch nicht, denn vor fast zwei Jahren hat es ja einen Aufschrei gegeben, als Ronja von Rönne “Der Feminismus kotzt mich an!” oder so polemisierte.

Was ist davon geblieben und wie emanzipiert ist die Frau heute in den neoliberalen Zeiten und war es vielleicht in der DDR doch ein bißchen anders könnte man so meinen oder fragen?

Also “Lieben muss man unfrisiert – Protokolle nach Tonband”, wie gleich unter dem Titel steht und vorher gibt es noch ein fiktives Interview, das Nadine Kegele mit der 1977 gestorbenen Elfriede Brunner führte, wo sie versucht Vergleiche zwischen ihr und sich zu ziehen. Beide haben, glaube ich, kein Abitur beziehungsweise Matura, beide waren Sekretärinnen, beide haben Karriere gemacht und beide haben Frauen interviewt, beziehungsweise sich für das Leben der Frau und ihre Emanzipation sehr eingesetzt.

Nadine Kegele hat das in Leipzig Roman Kollmer gegenüber sehr engagiert getan und hat auch einige Stellen in ihrem Interview umgeschrieben.

Aus der Frau einen Mann gemacht, um zu zeigen, wie absurd das klingt, wenn dem plötzlich, die Gynäkologin Oliver auf den Po klopft.

Kein Wunder also, wenn eine so engagierte Frau wie Marlene Streeruwitz das Vorwort geschrieben hat und dann geht gleich los mit den achtzehn Interviews, da hat sich Nadine Kegele, glaube ich, an die Vorlage gehalten und  auch versucht beim Alter der Interviewpartnerinnen genau zu sein.

Die erste Frau ist  “Michaela, 48, Reinigungsfachkraft”, die aus Serbien kommt und wahrscheinlich so frech und rotzig, wie auch Maxie Wanders Interviepartnerinnen, von ihrem Leben als Putzfrau erzählt und davon, daß den Frauen, das Putzen wahrscheinlich näher, als den Männern ist und sie es mit der Sauberkeit genauer, als sie nehmen.

“Fanny, 92, Konturistin”, ist Nadine Kegeles Nachbarin, von der sie auch in Leipzig erzählte. Mir der hat sie, glaube ich, ihre Interviews begonnen und die alte Dame hat zu sprechen angefangen, als sie das Mikrophon gesehen hat und drei Stunden später oder so damit aufgehört und dazwischen mußte sie ihrer Interviewerin noch erklären, was DDT ist, weil man dieses Spritzmittel heute offenbar nicht mehr kennt.

Und in allen Interviews geht es um die Weiblichkeit, die Verletzlichkeit der Frau, die Aufklärung, das sich wehren oder unterdrückt werden, etcetera.

Die Filmemacherin Ona, kommt aus Polen, lebte und arbeitete offenbar viel in Spanien und ist die, die ihre Erlebnisse beim Gynäkologen erzählt, beziehungsweise die im Bus, wenn man plötzlich eine Hand auf die Schenkel gelegt bekommt und sich nicht wehren kann. Sie hatte aber einen aufgeklärten Vater, der der Mutter immer Blumen zum Frauentag schenkte und ihr welche als sie die erste Regel bekam und sie war auch die erste in ihrer Klasse die einen BH trug.

“Ich kenne Catwalk, Cat Lady kenne ich nicht”, sagt “Ingrid, 60, Architektin, die, obwohl in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen, wo schon die Mutter studieren durfte, ähnliche Erfahrunge, wie ich hat. Jedenfalls erwähnt sie oft Johanna Dohnal, mit ihrem Frauenstaatssekretariat, die später die erste Frauenministerin wurde, erwähnt die Skulpturen am “Vorwärts-Haus” und am ehemaligen “Staffa-Gebäude” auf der  Mariahilferstraße und  die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky mit ihrer Frankfurter-Küche, als ihr großes Vorbild, deretwegen, sie zur Architektin wurde.

Rosa und Greta scheinen aus Berlin zu kommen und “Rosas, 27, Autorin” Ansichten über das Schreiben sind besonders interessant.

Eine so junge Frau und schon Autorin, die gelegentlich vom Staat für ihre Arbeit finanziert wird, aber keine Garantien auf Förderung hat, sich vorher aber von Praktikum zum Praktikum weiterhantelte, was wohl auch nicht aussichtsreicher war.

Nur bekommen nicht alle Autoren Förderungen, manche müssen sich mit dem Hobbyautorstatus herumstreiten und “Autorin” sagt Rosa “ist ein Beruf, der nicht als Beruf anerkannt ist. Eines der Probleme beim Schreiben ist, dass die Leute denken, das könne jeder, sie könnten das ebenfalls, Aufsätze in der Schule hätten sie ja auch geschrieben.”

Das ist ein Argument, das ich auch schon öfter hörte und bei dem ich bekannterweise anderer Ansicht bin, denn ich denke ja, ein jeder, der es will, soll es tun und tue es ja auch, aber interessant, daß eine so junge Frau schon so selbstbewußt ist und sich in den Ringkampf des Literaturbetriebs hineinwirft, der ja, wie ich glaube, mindestens so hart wie vor vierzig Jahren, vielleicht sogar in Zeiten des Prekariats noch härter ist.

Sehr schön die Geschichte von der Lesung von Wilhelm Genazino auf der sie  einmal war. Nachher stand sie neben ihm am Getränkebuffet und griff gleichzeitig mit ihm nach einem Glas. Er sagte “Prost!”, sie auch, als sich das dann wiederholte ist sie von der Veranstaltung davongelaufen.

Und “Greta, 42, Bibliothekarin” ist eine Frau neben der Mauer aufgewachsen, die sie später auch vermißte, weil ihr ein Teil ihrer Lebensrealität entschwand,  mit einer Vielzahl von Problemen, in Zeiten aufgewachsen, wo die Frauenemanzipation zumindestens in Liedern selbstverständlich war und das Gärtnerkind ganz selbstverständlich neben dem Arztkind auf der Schulbank saß. Die Ungleichheiten sind ihr dann erst später aufgefallen, haben sie eingeschränkt und geprägt.

Das Elternhaus war nicht gut, so daß sie Ängst, Depressionen und auch ein Übergewicht entwickelte, daß sie dann insbesondere auf Flugzeugsitzen einschränkte und weil alle auf sie schauen, diskriminierten.

“Hillary, 16 und Barbara, 17, Schülerinnen”, sind Nadine Kegeles jüngste Gesprächspartnerinnen, scheinen aus Ghana, beziehungsweise aus Serbien zu kommen und plaudern locker über Snapchat und die Mühe einer Mutterschaft vor sich hin.

Die Scheidungsanwältin “Ruth, 45” scheine ich zu kenne oder gibt es eine andere mit diesen Namen, die sehr berühmt in der Wiener Szene ist. Sie hat von Robert zwei Kinder, sich dann geoutet und ist von ihrer Freundin Adriana inzwischen wieder getrennt. Die Kinder gleich und mit gleichen Rechten zu erziehen hat sie versucht und sie schildert aus ihrer Praxis auch die Schwierigkeiten und Unterschiede beim Scheidungsrecht.

Dann kommt die Transfrau “Helen, 45, Informatikerin”, die sich als als “femmesexuell” bezeichnet und “Ist okay, wie du bist!”, als ihr Motto nimmt.

Das “Kind aus dem Käfig” – “Nehir, 28, juristische Mitarbeiterin, ist Türkin und sowohl in einer Hausmeisterwohnung, als auch auf dem Fußballplatz im Park aufgewachsen, obwohl sie als Mädchen nicht Fußball spielen durfte und sie sich trotzdem zur Feministin entwickelt hat.

Und die “Prinzessin mit Cape” – “Esther, 49, Tänzerin”, ist besonders vielseitig, nämlich Spastikerin und auch eine Zeitlang als “Drag  King” unterwegs und ebenfalls sehr kämpferisch und selbstbewußt, so führt sie Nadine Kegele auch in die “Behindertensprache” ein und erklärt ihr, was ein “Rehabler”,  ein “Geher” und ein “Roller” ist.

“Nora, 35, Sozialarbeiterin” hat ein Kind mit Klumpfuß und die Wohnungslosenhilfe gearbeitet.

Dann gibt es noch eine Lesbierin, eine Transenfrau und eine mit Fluchterfahrungen und und….

Nadine Kegele hat “Nach dem Vorbild von Maxie Wanders Kultbuch”, wie auf dem Buchrücken steht, “Literarische Portrait voll Weisheit und Witz” geschaffen, die das gesamte Spektrum der Frauenwelt umfassen, weil man, wie Maxie Wander einmal sagte “Über alles reden können muß”, deshalb “Ich sage es hier auf Tonbald,damit alle mich hören können”, ist das Zitat, das großauf den roten Seiten vorn und hinten steht und das Buch sozusagen umfassen.

Ein bißchen schwierig war für mich noch, daß ich nicht immer zuordnen konnte, ob es sich jetzt um eine deutsche oder österreichische Gesprächspartnerin handelte, wenn von “Abitur”, “Kita”, gesprochen und geschrieben wurde.

Aber eigentlich ist das auch eigtal, denn das Frauenleben ist ja länderübergreifen und es ist auch sicher interessant Nadine Kegels Portraits der Zeitausendfünfzehnerjahre mit den vierzig Jahre vorher entstandenen zu vergleichen und etwaige gesellschaftspolitische Unterschiede zu analysieren.

Grande dame der italienischen Literatur

Als meine Bücherliste noch nicht so vollgestopft war, daß ich sie noch herunterlesen konnte, habe ich über den Umweg von Alberto Moravia,  die 1936 in Fiesole geborena Dacia Maraini kennengelernt, von der ich “Bagheria”, “Stimmen” und “Die Kinder der Dunkelheit” gelesen und noch einige andere Bücher, wie beispielsweise die “Stumme Herzogin” auf meiner Liste habe, beziehungsweise im letzten Herbst  davon heruntergestrichen habe.

Da trifft es sich sehr gut, daß inzwischen ein neues Buch, der fast achtzigjährigen Dame “Das Mädchen und der Träumer” erschienen ist, das auch heute in der “Hauptbücherei” vorgestellt wurde.

“Wui!”, habe ich gedacht und bin natürlich hingegangen und als ich zwanzig Miniten vorher den großen Saal erreichte waren dort die Stühle bis ins Foyer aufgestellt, die sich auch nach und nach, vorwiegend von älteren Damen, die alle offensichtlich auch einen Italienischkurs besuchten oder, wie der Moderator in der Einleitung ankündigte, zu Dacia Moraini Fankreis gehörten, füllten.

So war des Veranstalters Stimme auch ziemlich belegt, als er von der großen Ehre und der großartigen Veranstaltung sprach und Andreas Pfeifer, der bis 2007 Auslandkorrespondent des ORF in Rom war hat gedolmetscht und das Gespräch mit der alten Dame geleitet. Andrea Ecker die deutsche Übersetzung gelesen.

Das Buch, das ich schon beim “Morawa” gesehen habe, handelt, wie Andreas Pfeifer erwähnte, von den Kindern die Dacia Maraini sehr wichtig sind.

Von den Kindern und den Träumen und den Volksschullehrern, die Dacia Matraini besucht hat, um mit ihnen über die Erziehung zu sprechen und die sie auch sehr lobte, daß sie mit viel Idealismus und viel Ehrenamt viel Heldenhaftes vollbringen.

Dacia Maraini hat sichauch in ihren früheren Büchern, in den “Kindern der Dunkelheit” zum Beispiel, viel mit Gewalt gegen Kindern, Mißbrauch, Prostitution, etcetera beschäftigt und in diesen Buch scheint sie  in ihre eigene Kindheit zurückgegangen zu sein, da sie als Kind, da sie während des Faschismus zwei Jahre mit ihren Eltern in Japan interniert war, auch viel Gewalt und das Gefühl des Eingesperrtseins, erlebte.

Die Handlung des Buches ist schnell erzählt, obwohl sie sehr vielschichtig zu sein scheint. Die Hauptperson ist ein Volksschulllehrer, der seine Tochter mit acht Jahren verloren hat. Jetzt hat er eines Nachts einen Traum, wo er von einem Mädchen in einem roten Mantel träumt, das auf dem Schulweg verschwunden ist.

Dann wacht er auf und hört im Radio, daß tatsächlich ein Mädchen namens Lucia verschwunden ist. Das läßt ihm keine Ruhe und er beginnt nach ihr zu suchen, obwohl ihm die Schule und die Eltern der Schüler Schwierigkeiten dabei machen.

Die Schüler scheinen ihn aber zu helfen und zu unterstützen und einen Vogel, einen Raben, glaube ich, obwohl das in der Diskussion angezweifelt wurde, gibt es auch, der auf der Schulter des Lehrers sitzt und, wie der griechische Chor seine kritische Stimme ist.

Es wurden drei Stellen zuerst auf Italinisch und dann auf Deutsch gelesen. Dazwischen gab es immer sehr viel Gespräch über Dacia Marainis Kindheit, die politische Situation in Italien etcetera und man konnte ihm Anschluß auch Fragen stellen und sich das Buch kaufen, um nachzulesen, wie das dann mit dem Mädchen Lucia ist und ob es vom Lehrer gefunden wurde.

Dacia Maraini scheint ja gerne eine Art Krimis zu schreiben, die aber sehr hintergründig sind, so diskutiert der Lehrer mit seinen Schülern auch über Sklaverei und Demokratie und es gibt auch eine Stelle über den Wert des Lesens.

Eine lange Schlange von Leuten, die sich das Buch signieren ließen, gab es auch und einen vollen Büchertisch und in dem Buch gibt es eine Stelle, wo Dacia Mairaini sehr kritisch mit den Journalisten ins Zeug geht.

Da mußte der JournalistAndreas Pfeifer natürlich kontern, in dem er einige Stellen aus dem Corriere della sere zitierte und ich habe mir das Buch nicht gekauft, hatte aber ein deja Vue Erlebnis, war ich ja vor ein paar Jahren bei einer Peter Esterhazy Lesung in der Hauptbücherei und jetzt hatte ich auf dem Weg dorthin seine “Verbesserte Ausgabe”, wo es, glaube ich, um die Stasi Einträge seines Vaters geht, gefunden und ein Buch einer jüngeren italienischen Autorin, nämlich von der 1972 in Cabras geborenen Michela  Murgia “Chiru”, das mir “Wagenbach” vor kurzem schickte, werde ich auch demnächst lesen.

Das Leben ist also vielseitig und die Welt voller Probleme. In der Diskussion wurde noch vor dem Schaden, die die Handies anrichten gewarnt, in dem Buch geht es nämlich um die, die die Schüler in den Taschen haben und der Lehrer sie erst überreden muß, sie während des Unterrichts auszuschalten und ob die Politik nach Berlusconi besser wird?, wurde Dacia Maraini auch gefragt und sie ist  elegant und höflich ausgewichen und natürlich ist es eine Möglichkeit sich in die Welt der Literatur und der Träume zu flüchten. Dacia Maraini ist aber, glaube ich, eine sehr politische Autorin und gilt als Ikone des Feminismus.

Bei “Wikipedia” habe ich gerade gelesen, daß sie auch eine Anwärterin des Nobelpreises für Literatur ist. Ich drücke ihr also diesbezüglich alle Daumen, denn dann kann ich im Fall der Fälle auf die Lesung und meinen Artikel hinweisen.

Grundgedichte der österreichischen Literatur

Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß Robert Schindels Roman “Gebürtig” zu den “Grundbüchern der österreichischen Literatur nach 1945”,  eine Reihe in der “Alten Schmiede”, bei der ich schon länger nicht war, zählt, aber vielleicht wurde das Buch da schon vorgestellt, ist es ja inzwischen  die vierundsechzigste Veranstaltung, die moderiert von Klaus Kastberger heute in der Schönlaterngasse abgehalten wurde und Lyrik ist ja wichtig und zählt sowieso zu den Stiefkindern der Literatur, die gefördert gehört.

März, den Monat der Lyrik, haben wir auch noch und so wurde bei Veranstaltung vierundsechzig Robert Schindels Gedichtem zwischen 1963 und 2004 “Fremd bei mir selbst”, die zum sechzigsten Geburtstag des 1944 geborenen Dichters, der das erste Lebensjahr im Versteck überlebte, von “Suhrkamp” herausgegeben wurde und die eine Zusammenfassung seiner sechs bis dahin erschienenen Gedichtbände darstellt, vorgestellt.

Kurt Neumann leitete wieder ein und wies auf den speziellen Ton, den Robert Schindel in die Lyrik hineingebracht hat, eine Mischung zwischen Wortwitz, Politik und Melancholie hat er es, glaube ich, genannt und noch ein paar andere Eigenschaften dazugezählt und RobertSchindel begann seine Lesung mit dem frühen Gedicht “Wolken”

“Ich spreche über die Ermordung etlicher Menschen” aus dem Lyrikband “Aus dem Herzen die Krätze”, kam dann zum “Rindfleischesser”

“Und Rindfleisch esse ich und Rindfleisch Um mich herum wachsen die Tode” aus dem Gedichtband “Geier sind pünktliche Tiere”

Es gab ein Gedicht über Hermann Schürer und eines über den Jugoslawienkrieg und und und….

Eine dreiviertel Stunde gab der Dichter Einblick in seine  Gedichte und trug sie  mit sehr eindrucksvoller Stimme, von eindrucksvollen Gesten begleitet vor.

Dann kam der Friedpreisträger Nico Bleutge und kommentierte die Gedichtauswahl, sprach von den sechs Gedichtbänden aus denen die Beispiele stammen und erwähnte, daß die erst spät und gar nicht in der richtigen Reihenfolge erschienen sind, stellte die Frage, ob Schindel und wenn wie weit von der Wiener Gruppe beeinflußt sei und erläuterte noch allerhand Interessantes zu der Art des Schreibens bis Klaus Kastberger an die Reihe kam und ein Gespräch mit dem Dichter führte und ihn fragte, wie er zu der Lyrik gekommen sei und das war sehr interessant, denn weil er nicht zeichnen konnte, hat Robert Schindel geantwortet, hat er mit acht begonnen seiner Mutter ein Muttertagsgedicht zu schreiben, hat dann immer weiter mit den Gedichten gemacht, wurde dafür auch ausgelacht, hat sich später dann an Paul Celan und anderen orientiert.

Bezüglich der Wiener Gruppe nannte er den Einfluß von H. C. Artmann, mit Oswald Wiener hatte er Schwierigkeiten, ebenso mit Erich Fried, aber der gehört ja zu einer anderen Liga.

Elfried Gerstl hat ihn dann, wenn er mit H. C. Artmann oder anderen Schwierigkeiten hatte, getröstet und sein Stammcafe war das “Hawelka”, jetzt schreibt er täglich, wenn er an einem Roman arbeitet, wie ein Beatmer im Cafe Zartl oder Prückl und arbeitet, verriet er auf eine Publikumsfrage gerade an seinem dritten Roman mit dem Arbeitstitel “Genia und die lichte Zukunft”, wo es um eine Kommunistin im zwanzigsten Jahrhundert geht und das finde ich besonders interessant, denn als sich Robert Schindel von der Sprachkunst verabschiedet hat und es deshalb ein Fest im Literaturhaus gegeben hat, hat er aus seinen damals noch unveröffentlichten Roman “Der Kalte” vorgetragen, den ich später gelesen habe und daher bisher eher den Romancier Schindel kenne, aber der politische Roman, ist ja sowieso etwas, was mir wahrscheinlich mehr als die Lyrik liegt, weil ich ja keine solche schreibe.

Ich habe aber den Band “Geier sind pünktliche Tiere” in meinen Regalen und müßte ihn jetzt lesen und “Kassandra”,  von “Haymon” wiederaufgelegt, was, wie der Dichter erklärte, schon früh in einer Studentenzeitung erschien, habe ich, glaube ich einmal bei der “Literatur im März” bekommen.

“Gebürtig” habe ich im Schrank gefunden, was für mich wieder die Funktion der offenen Bücherschränke bestätigt, weil man da an Schmankerln kommt, die sonst vielleicht an einem vorbeigehen würden und so war es auch gut, daß ich heute wieder einmal zu den “Grundbüchern” gegangen bin, weil mir da der Lyriker Robert Schindel näher kam, den ich sonst ja eher als Literaturförderer, er vergibt ja immer den “Priessnitz-Preis”, Schrachkunstgründer und politischen Dichter kenne.