Wien-Budapest-Transit

Noch einmal Literaturhaus, denn, obwohl wir wahrscheinlich nicht mehr nach Ungarn fahren, interessiere ich mich für die ungarische Literatur und da war heute der Beginn einer neuen Veranstaltungsreihe angekündigt, nämlich Robert Prosser mit Kinga Toth in einer “Improvisierten Verschwörung”,  das ist, wie Barbara Zwiefelhofer erklärte, ein schon seit länger bestehendes Ausstauschprogramm mit dem “Atila Joszef Kreis”, wo ich ja schon einmal eine Verantstaltung in der “Gesellschaft für Literatur erlebte”, wo ungarische Autoren nach Wien geschickt werden und österreichischee nach Ungarn.

Das Literaturhaus hat offenbar mit  Zoltan Lesi von “Atila Jozsef Kreis” eine Reihe ausgemacht, wo die Ergebnisse dieses Austausch präsentiert werden sollten und den Anfang machten die jeweils 1983 geborenen Autoren.

Robert Prosser beziehungsweise seine ersten drei bei “Klever” erschienenen Bände kennte ich recht gut von Lesungen. Kinga Toth, die derzeit Stadtschreiberin von Jena ist und ausgesucht haben Barbara Zweifelhofer und Zoltan Lesi, die beiden offenbar, weil sie sowohl Performer, als auch exeperimentelle Autoren sind und die präsentierten nun ein Aufeinander zugehen oder ein Aneinander anschreien mit ihren Texten.

Das war bei Kinga Toth, etwas diffizifer, als bei Robert Prosser, der aus seinem vierten bei “Klever” im nächsten Jahr erscheinenden, wieder in Bosnien spielenden Buch perfmormierte.

Die Laiin in mir würde sagen, es war ein lange Poetry-Slam, Robert Prosser erklärte in der Diskussion, daß er sich eher dem Hip Hop verpflichtet fühlt, während Kinga Tooths Arbeiten ein stärkeres Crossover darstellten. Sound, bildende Kunst und Text und der noch auf Ungarisch und Deutsch und von ihr gibt es inzwischen drei Bücher oder drei Arbeiten, eines davon auf Deutsch, “All Maschine”, das dritte heißt “Mondgesichter”, das erste, glaube ich “Party” und Kinga Toth begann den Reigen, in dem sie Bilder aus “All Maschine”, ein Text der nur von Maschinen nicht von Menschen handelt, sie ist deshalb auch in Fabriken gegangen, projezierte und dazu ins Mikro einen Sound erzeugte.

In späteren Durchgängen kam noch Text dazu, dazwischen performte Robert Prosser auswendig, den Text aus seinem neuen Buch, der von einem Sprayer handelte, der sich nachts immer verfolgt von der Security und der Polzei in die U-Bahnschächte begibt, um die Züge anzulackieren. Dann fährt er  auch nach Bosnien, lernt dort einen Tiger kennen, der ihm von den Kriegsereignissen erzählt

Dazwischen kamen Kinga Toth Performances und am Schluß standen  beide auf der Bühnen und schrien sich gegenseitig mit ihren Texten an.

Das war, wie dann in der Diskussion zwischen Zoltan Lesi und Barbara Zwiefelhofer besprochen wurde,g eprobt, und Zoltan Lesi erklärte, daß Kinga Toths Arbeit unter den ungarischen Autoren ziemlich einzigartig ist, sie hat auch Germanistik studiert,  sich an Kurt Switters, Hugo Ball und dem Dada orientiert und ist, was die österreichische Szene betrifft wohl, mit Elffriede Auffzeichnungssysteme oder FALKNER  zu vergleichen.

Robert Prosser kommt vom Hip Hop her und hat irgendwie auch die Wiener Gruppe in sich aufgesaugt oder als Prägung verwendet und Kinga Toth hat noch mit der ungarischen Sprache zu kämpfen. Sie schreibt jetzt zwar in Deutsch, will aber ihre Texte gerne in der Passivform haben, weil sie mit manchen Pronomen Schwirigkeiten hat.

Einige Ungarn, darunter György Buda im Publikum aber auch wieder Monika Vasik die unentwegt, Eva Schörkhuber, Hanno Millesi und  im Herbst wird es, wie Barbara Zwiefelhofer versprach, mit den österreischisch ungarischen Transitbewegungen weitergehen, ich bin gespannt.

Preis der Literaturhäuser

Der “Preis der Literaturhäuser” wird seit 2002 vom “Netzwerk der Literaturhäuser” vergeben und am Freitag in Leipzig auf dem “Blauen Sofa” vorgestellt. so war ich einige Male dabei, als ihn Ferdun Zaimoglu, Judith Schalansky, Niklas Mahler, etcetera, gewonnen haben.

Ein Preis der mit vierzehntausend Euro dotiert und mit der Auflage verbunden ist, daß der Preisträger  eine Lesetournee in die Literaturhaäuser macht und ihn sozusagen abarbeitet oder seine Arbeiten vorstellt.

Es gibt dann immer einen Flyer wo die Lesungen in den Literaturhäusern angegeben sind. Berlin, Leipzig, Salzburg, Graz…

Wien war nie dabei, so daß ich in den letzten Jahren immer in Leipzig, wenn ich dort gewesen bin, danach fragte?

“Eine gute Frage?”, hat mir Silvia Bartl, als sie in Leipzig war, um den Büchertisch der GAV, als die dort die “Lyrik im März” im “Ringcafe” veranstaltete, zu betreuen.

Judith Schalansky hat es nicht gewußt, und der Herr, der voriges Jahr moderierte hat, mir erklärt, daß das Wiener Literaturhaus eigentlich die Dokumentationsstelle für neuere Literatur sei und deshalb nicht dabei, aber beitreten würde.

Jetzt ist es soweit und so hat Ulf Stolterfoht, der heurige Preisträger, heute in Wien Station gemacht.

Den Namen des 1963 in Stuttgart geborenen Preisträgers kenne ich von der “Praxis des Schreibens” und die Literaturhauslesungen, die am 18. März im Literaturhaus Leipzig begonnen haben, scheinen sich so abzuspielen, daß sich der Preisträger einen zweiten Lyriker einlädt und mit dem dann liest und diskutiert.

Für Wien hat sich Ulf Stolterfoht, den 1963 Südtiroler Oswald Egger, auch ein experimenteller Lyriker, den ich schon mal in der “Alten Schmiede” hörte, gewünscht und das Literaturhaus war sehr voll von jungen Leuten, die ich spontan für Studenten der Sprachkunst gehalten hätte.

Das das stimmte dürfte, hat Robert Huez, den ich seit langem wieder mal im Literaturhaus sah, bestätigt, denn Ul Stolterfoht scheint dort  zu unterrichten und Oswald Egger hat mit der Lesung seiner Gedichte begonnen, ein sehr sprachgewaltiges Langgedicht, wie mir schien, wo es um das Essen von Stuten und Fohlen, etc ging und ich mir als die humorlose realistische Schreiberin dachte, wer tut das schon oder man könnte sich auch nach dem Sinn des solchen fragen, aber das wurde erst später angesprochen.

Zuerst las der Preisträger, der auch einen Verlag hat, in dem er beispielsweise Oswald Egger verlegt und er las einige Gedichte, die sich mit der Lyrik beschäftigten.

“Immens starke Lesergewohnheiten zerstören  die Wirkkraft der Dichtung”, wenn ich richtig zitiere, worauf ein Gelächter durch das wahrscheinlich studentische Publikum ging und Gedichte, die er Thomas Kling und Oskar Pastior gewidmet hat.

Dann war die Lesung aus.

“Jetzt müssen wir sprechen!”, sagte Ulf Stolterfoht in Oswald Eggers Richtung. Ein langes Schweigen war die Folge, das Christl Greller, die neben mir saß,  als kreatives Schweigen benannte.

“Jetzt nicht mehr!”, antwortete Oswald Egger,  dann bezog sich Ulf Stolterfoht auf Oswald Eggers Landschaftsbeschreibungen, die ihm sehr gefielen und in denen er gerne leben würde, obwohl er nicht wüßte, ob er darin überleben könnte?

Oswald Egger widersprach und begann von dem Wunsch zu sprechen, seine Gedichte zu projezieren, dann würden einzele Worte verschwinden und wieder andere neue Gedichte entstehen.

Dann ging es über den Sinn der Dichtung.

“Wozu der Scheiß?”, fragte Ulf Stolterfoht, flapsig freundlich, was die Humorlose, als “Verarschung” interpretierte.

“Wozu tut man sich das an, ein Gedicht nach dem anderen zu schreiben?”

Nun man gewinnt den “Preis der Literaturhäuser” beispielsweise damit,  geht ein paar Monate auf Lesereise und stellt seine Gedichte ein paar Leuten vor, die sie beispielsweise nicht als “Scheiß” empfinden. So war auch ein Teil der experimentellen Szene Wiens, wie Brigitta Falkner, Herbert J. Wimmer, dann noch Monika Vasik und Christl Greller, ganz zu schweigen von mir, gekommen.

“Haben wir jetzt genug geredet und sollen wir noch was lesen?”, fragte Ulf Stolterfoht nach einer Weile und erzählte  von einer seiner Lesung in Ostberlin, wo er vier Gedichte ankündigte, worauf der Veranstalter aus dem Off “Allerhöchstens zwei!”, büllte.

Die hat er dann gelesen, die von Drogenerfahrungen handelte und morgen geht es in Literaturhaus Graz, wo Jan Wagner, der Gewinner des Leipziger Buchpreises” vom letzten Jahr der zweite Leser ist und gestern waren sie in Salzburg, wo Ulf Stolterfoht mit Franz Josef Czernin gelesen hat.

Da wurde, hat er mir gesagt, das Gespräch, das man heute vielleicht ein wenig unvorbereitet nennen könnte, moderiert.

Eine Studentin hat diese Art der Moderation als sehr angenehm und locker gefunden. Ich bin da ja  vielleicht ein wenig humorloser, ernsthafter und angespannter und hätte mir vielleicht auch eine etwas konkreter Antwort erwartet, wie man dazu kommt “Ich esse Stuten, ich esse Fohlen!” zu dichten und habe ja auch erst am Montag eine sehr gut moderierte Lesung eines experimentellen Dichters gehört.

In Wien muß man zwar keinen Eintritt zahlen, zehn Euro hätte ich mir “einen Scheiß” aber nicht kosten lassen. Ganz abgesehen, daß das eine Vorstellung eines Literaturpreisträgers wahrscheinlich nicht ist.

Peter Pessls Rom

Den 1963 in Frankfurt am Main geborenen Peter Pessl kenne ich aus der GAV, er hat auch mehrmals bei den von mir organisierten “Tag der Freitheit des Wortes” mitgelesen und ist ein experimenteller Autor, sowie Radiokünstler.

Jetzt hat er sein neues bei “Ritter” erschienens Buch, dem sperrigen Verlag, zu dessen Bücher ich nie komme, obwohl ich einige in meinen Regalen stehe habe, in der “Alten Schmiede” vorgestellt,  von Daniel Terkl moderiert, der in  seiner sehr genauen Einleitung von den vier Himalaya-Bänden erzählte, die am Büchertisch aufliegen und die auch in der “AS” vorgestellt wurden, da war ich, glaube ich, bei zwei Lesungen dabei, habe mal ein Buch mit ihm getauscht und eines bei “Kuppitsch” um einen Euro gekauft, das,ich, glaube ich, im Vorjahr von meiner Leseliste strich, weil ich das Lesen nicht schaffte.

Jetzt hat er ein Buch über Rom geschrieben “Wiesenrom! Wiesenmein!” heißt es und warum es von so vielen Wiesen handelt, habe ich nicht verstanden, beziehungsweise bin ich nicht zum Fragen gekommen.

Daniel Terkl hat ihn aber gefragt, wie gut er Rom kenne, die Antwort war, daß er öfter und länger dort gelebt hat und das Buch ist eine Art Tagebuch aber keine Autobiografie, was das ist oder nicht ist, hat Peter Pessl auch beantwortet, handelt jedenfalls in einem März, aber wahrscheinlich in mehreren Jahren und Daniel Terkl meinte auch, daß man beim Lesen die Zeitpunkte erknnen könne.

Es handelt aber auch von sehr viel anderen, von den Orten, den Gebäuden, den Göttern, den Steinen der ewigen Stadt, in der man, wie Peter Pessl meinte, viel besser als in Wien über die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft nachdenken können.

Es kommen auch Personen vor, fiktiv oder nicht lautet, auch hier die nicht beantwortete oder beantwortbare Frage, denn Pessl ist einer der eher verschwimmt als konkretisiert, wie im richtigen Leben auch, also wahrscheinlich eine Mischung aus beiden und dann hat er mit dem ersten Leseteil begonnen, der an der Statione Termini, dem Bahnhof und der Begegnung mit einer Laura handelte. Dann tauchten auch die Frühlingsgöttinnen auf und der Herr Berlusconi für den Peter Pessl einige sehr poetische Bezeichnungen hatte, der in Hietzing lebende Schweigekanzler kommt auch vor und Benito Mussolini. Der hat in Rom einen faschistischen Stadtteil bauen lassen, in dem Per Paolo Pasolini lebte und Gedichte sind in dem Buch auch enthalten, die später in einem Lyrikband erscheinen sollen und schöne Zeichnungen.

Dann gab es noch ein Gespräch und eine zweite Lesung. Peter Pessl meinte, daß er auch seine Radiostücke in Rom geschrieben hätte und bezeichnete sich selbst als einen realistischen Autor und das Buch ist sehr interessant und ich kann nun raten, ob es zu mir kommen und ich es lesen werde?  Aber ich habe ja noch soviel anderes mehr oder weniger Realistisches und von Gerhard Jaschke, der auch im Publkum war, heute seinen letzten Gedichtband zugeschickt bekommen.

Dieter Sperl war da, einige Assistenten der alten Schmiede, die wahrscheinlich Daniel Terkl zuhörten und es war eine sehr interessante Lesung eines sprachgewandten Autors, von dem ich jetzt schon länger nichts mehr gehört habe.

Berührungsentwicklung

Da habe ich ja gestern geschrieben, daß ich immer noch nicht weiß, über was schreiben will, beziehungsweise es mit meinem Ende Februar begonnenen Romanprojekt weitergehen soll?

Da war ich ja vor zwei Wochen vorsichtig optimistisch, habe eine Szene im Cafe Wolke und eine mit der Anna Augusta zum Thema “Rasierklinge” geplant, in meinen Regalen nach Stefan Zweigs Werken gesucht, einen Schwerpunkt geplant, mit der “Ungeduld des Herzens” in Harland begonnen, mit dem Schreiben bin ich aber bezüglich “Literatur und Wein” und einigen Schwierigkeiten, bezüglich “Paul und Paula” und ob ich über das Transgenderthema schreiben darf, beziehungsweise nicht atwaige Persönlichkeitsrechte damit verletze, nicht gekommen.

Ich verletze nicht, hat mir zwar Gerhard Ruiss, der sich meinem Text sehr bemüht angenommen hat, gesagt, ich bin ihn aber trotzdem noch einmal durchgegangen, um ganz ganz sicher zu sein, daß etwaige Ähnlichkeiten, etwa, daß  Paul am Donaukanal joggen geht und Karate trainiert, nur dem Zufall beziehungsweise der Thematik geschuldet ist, denn da habe ich mir ja im Februar einige Videos angesehen und das bei Transgendertransformationen so gefunden.

Das war also die letzten Tage etwas schwierig und mein “Work on Progress”, wo ich ja ohnehin nicht sicher war, ob ich da nicht alte Kamellen aufwärme und mich mit dem Satz “Das berührt mich nicht!” und der Frage, ob die Hildegard auf Weltreise gehen darf, nicht ins Ecke schreibe, denn ich habe ja schon sehr sehr oft gehört, daß ich so nicht oder das nicht schreiben darf, nicht so gut wie Thomas Bernhard oderFlaubert schreibe, etcetera.

Als ich im Amerlinghaus Doris Nußbaumer vom “Miranda Schutzengelchen” und, daß dort Miranda Himmelbauer ihren ersten Joint raucht, erzählte, sagte mir die, daß man darüber nicht schreiben darf, wenn man selbst nicht geraucht hat und in der letzten Schreibgruppe meinte Ruth Aspöck, daß ich nicht soviel über Ausländer schreiben solle, weil ich nicht soviel davon verstehe.

Aber auch das Thema alte Frauen und Bücher, von dem ich ja vielleicht schon ein bißchen was verstehe, weil ich viel lese und schon über sechzig bin, hat mir einmal eine Leserin abgesprochen.

Ja, mein Schreiben steht, denke ich manchmal, unter keinem guten Stern. Ju Sophie hat einmal gemeint, ich würde es mit Zähnen und mit Klauen verteidigen. Ich weiß nicht, ob ich “No na, wahrscheinlich habe ich Grund dazu!”, geatwortet habe oder nur schuldbewußt gedacht, “Uje, tue ich das? Das darf ich doch nicht!”

Und das ist wahrscheinlich auch, was ich während des Schreibens denke, “Das darf ich nicht, das ist schon wieder nicht gut genug, damit habe ich mich jetzt an den Rand geschrieben, etcetera!” und damit ist man blockiert und wenn ich dann zu den Schnuppertagen des Writerstudios gehe und höre, daß man das beim Freischreiben genau nicht tun soll, sondern einfach schreiben und den inneren Zensor in den Orkus schicken, dann erscheint mir das zwar logisch, aber wenn ich so über meine Texte schaue, dann kommt das schon wieder  und wenn ich dann darüber blogge und keiner antwortet mir darauf, ist das auch nicht sehr aufbauend!

Nun gut, ich schreibe mindestens vierzig Jahre, natürlich schon viel länger, aber mit literarischen Anspruch ab meiner Matura, habe über vierzig Bücher publiziert und Texte in “Anthologien”, sogar schon ein paar Preiserln gewonnen und jetzt das Gefühl, das habe ich doch schon über die alten Frauen, über die Pensionsschockdepression, die Bücherberge etcetera und so kam es, daß ich im Februar sehr schnell mit dem neuen Projekt angefangen habe, aber irgendwie nicht wirklich damit zufrieden war.

Dabei birgt es ja Stoff für einige Romane, obwohl zugegeben, einiges Bekannte, mit dem ich auch angefangen habe, drinnen ist, die schreiblockierte Schriftstellerin, die zu einem Therapeuten geht, Ju Sophie hat mir ja, glaube ich, angekreidet, daß ich  Johannes Staudinger in der “Mimi” das tun ließ und gemeint, daß das ein Bestsellerautor nie täte. Als ob Therapie  etwas Schlechtes wäre?

Dann, Hildegard Hadringer, die nicht sicher ist, ob sie angesichts der Flüchtlingskrise, wie geplant, auf Weltreise gehen darf. Dann kamen schon Zarah Bashrami und die beiden Studenten Zoran Simic und Jurij Abrahamovic, die ein Stück über den 12. Februar 1934 proben, wo sich Heimito von Doderer  und Stefan Zweig im Cafe Central treffen.

Das wäre jetzt nicht abgelutscht, aber wenn ich über Doderer und Zweig schreiben will, müßte ich wahrscheinlich wirklich viel über sie wissen und ich habe, als Studentin zwar viel Doderer gelesen und war von den “Dämonen” auch sehr begeistert. Aber das historische Hintergrundwissen, hat mir damals sicherlich gefehlt und dann gibt es auch noch die Anne Frank, über die  Zarah Bashrami ihre Dissertation schreibt.

Da habe ich vor zwei Jahren zwar das “Tagebuch” gelesen, aber wie verknüpfe ich das alles? Wie mache ich den ultimativen Roman daraus, wenn ich über Doderer und Zweig nicht wirklich viel weiß?

Ich habe dann schnell, die ersten vier Szenen geschrieben und war nicht damit zufrieden, habe korrigiert und korrigiert, es dann aber doch so gelassen und nicht neu angefangen, wie ich es mir manchmal dachte.

Obwohl  ja auch die “Wurfgeschichten-Idee” dazu gekommen ist und ich die  Worte “Dosenbier,” “Erkundungen”, “Geld”, Lügen” hatte. Das Wort “Rasierklinge” ist auch noch dazu gekommen.

Wirkliche “Wurfgeschichten” für einen “Wurfgeschichtenband” sind nicht daraus geworden. Aber irgendwie hat sich die Handlung weiterentwickelt. Theo Hardenbergs Frau Sveti aus der “Frau auf der Bank” ist noch dazugekommen und Anna Augustas Nichte, Angie Engel, der sprechende Name zu Potenz und Stefan Zweig und Heimito von Doderer haben sich wieder mit dem Fräulein Anne im Cafe Wolke am siebenten Himmelsbogen getroffen.

Das ist eine Idee, die ich  schon für meine “Luitpold-Stern- Preis- Geschichten” mit dem alten Professor und dem jungen Dichter Dichter hatte und anläßlich seines Todes auch noch Rolf Schwendter dazu schickte.

So weit war ich vor zwei Wochen, gestern habe ich das Ganze, neben meinem Stefan Zweig- Bücherstapel, wo neben der “Welt von Gestern”, das ich schon mal gelesen habe, noch zwei “Novellenbände” und “Fouche” dazugekommen sind und das “Kleine Doderer-Buch” gibt es auch, noch einmal durchkorrigiert und mir gedacht, daß vor allem der sperrige Anfang, die Schreibblockade, der Anna Augusta und die Unenschloßenheit der Hildegard, jetzt passt und daraus könnte ein Roman mit einigen Handlungssträngen entstehen, nämlich die Dreiergeschichte zwischen Zarah und den beiden Studeten, der möglichen IS-Gefährudung von Zoran, das Buhlen derBeiden, um die schöne Zarah und die könnte schließlich den Jurij bekommen, während Zoran Jurijs Schwester Lara trifft, die  Psychologie studiert, so daß Zoran “Die Lügen der Frauen” vielleicht im Bücherschrank findet und ihr die Widmung hinschreibt, nachdem er im “Reinhardt-Seminar” aufgenommen wird.

Konflikte könnten sich noch ergeben, daß Jurij und Lara aus einer jüdischen Familie kommen, Zoran und Zarah aber Moslems sind und dann gibt es noch die Handlungsstränge im Himmel und die Geschichte über Stefan Zweig, Doderer und Anne Frank und am Schluß fährt, die Hildegard dann in die Türkei oder Griechenland und betätigt sich vielleicht dort als Flüchtlingshelferin, während der Roman entstanden ist und Anna Augusta damit auf die Shortlist des neuen österreichischen Buchpreises kommt.

Das wird mir mit meinem  einundvierzigsten Selbstgemachten, glaube ich, wahrscheinlich nicht passieren, da dem ja noch immer der Makel des nicht Professionellen anhaftet, obwohl die “Amazon-Self Publisher”, das inzwischen anders sehen. Aber “Selfpublishing” und “Books on Demand” sind ja beim österreichischen Buchpreis ausgeschlossen.

Aber ich hätte vielleicht wirklich einmal die Chance einen Roman  kommen zu lassen und nicht schon nach sechs Wochen mit dem Rohentwurf fertig zu sein. Ob mir das hilft entdeckt zu werden, weiß ich nicht, denn da bin ich nach den bisherigen Erfahrungen sehr sehr skeptisch, weil es außer dem “Das darst du nicht!” oder “Das ist schon wieder nicht gut genug!”, nicht wirklich weitergeht und, auch wenn ich jetzt ein Jahr oder länger konzentriert daran arbeite und dann zwei oder dreihundert Seiten in meine Vorschau stelle und das Buch  mit einem Bild in meinen Blog bewerbe, werden sich auf das entsprechende Gewinnspiel vielleicht genausowenig Leute, wie sonst melden, die es lesen und besprechen wollen.

So weit, so what, gestern habe ich schon eine Szene weiter geschrieben, nämlich die mit der “Rasierklinge” und der Frage, wie das jetzt mit dem Bärchen von Stefan Zweig ist? Vielleicht wollte er sich das  abrasieren. Hitler hatte ja ein Ähnliches und eine Handlung brauche ich  auch noch, was Stefan Zweig am 12. 2. in Wien, wo er ja, glaube ich, nicht gewesen ist, machte?

Eine Idee hätte ich auch noch mit meinen “Wurfgeschichten-Worten”, die könnten, als Kapitelüberschriften dienen und ansonsten ist er Aufbau, was ich eigentlich ganz gut finde, der, daß die Geschichte in abwechselnden Perspektiven erzählt wird.

Anna Augusta erzählt sie ihren Psychiater, schreibt eine “Wurfgeschichte”, läßt sich von Angie Engel, ihrer Nichte, was noch überarbeitet werden muß, coachen. Stefan Zweig und Doderer schauen vom Cafe Wolke mit dem Fernrohr in den Turnsaal hinunter und beobachten, das, was sich zwischen Zarah, Zoran, Jurij und Hildegard abspielt, etcetera, etcetera.

So weit, so what und die nächste Szene, die ich noch schreiben könnte, bevor ich das Radio aufdrehe und höre, wer in die Stichwahl zur Budenpräsidentenwahl gekommen ist, könnte die, zwischen Fräulein Anne und den beiden Dichtern im Himmel sein.

Wochenbericht zum Welttag des Buches

20160423-201636

Am dreiundzwanzigsten April wird seit einigen Jahren mit verschiedenen Aktionen der “Welttag des Buches” gefeiert und heute ist es wieder mal so weit.

Cervantes und Shakespeare haben ihren Geburts- oder Todestag,  deshalb soll man lesen und das wird in Spanien, glaube ich, mit Rosen gefeiert und in Österreich gibt es seit einigen Jahren eine vom Hauptverband herausgegebene Anthologie, die ich mir immer getreulich abhole und die heuer, vom “Adler bis Flußpferd”, den “Tieren” gewidmet ist und Ausschnitte aus Romanen von Astrid Lindgren, “Pippi Langstrumpf”, Erich Kästner “Konferenz der Tiere”, aber auch Neuerscheinungen, wie Isabells Bodgans “Der Pfau” und österreichische Literatur, wie Bettina Balakas “Unter Menschen” enthält.

1998 oder so, ich glaube, kurz vor meiner “Altweibersommerlesung” in der “Alten Schmiede” bin ich auf diese Aktion aufmerksam geworden. Da hat es ein deutsches und ein österreichisches Geschenkbuch gegeben.

Das Deutsche wurde bald wieder eingestellt, beziehungsweise hat es vor einigen Jahren eine Aktion in Deutschland gegeben, wo man sich melden und dreißig Bücher holen und verteilen konnte.

Wolfgang Tischer hat das mit Peter Stamms “Agnes” gemacht und dann gebloggt, das niemand das Buch geschenkt haben wollte.

In Wien hat es einige Jahre eine Bücherbim um den Ring gegeben, da bin ich 2007 oder 2008, also noch vor meinen Bloggerzeiten einmal mitgefahren und die letzen zwei Jahre hat Anna Jeller ihre Leseexemplare schön verpackt ins Schaufester gelegt. Da habe ich mir  voriges Jahr Ludwig Lahers “Bitter” geholt, aber noch nicht gelesen und am Nachmittag gab es bei den “Wohnpartnern” im Reumannhof ein Büchertauschfest, wo ich gelesen habe.

Heuer wurde am Mittwoch  die Hauptverbandsanthologie in der Grünangergasse vorgestellt, ich habe mich auch zu der Veranstaltung angemeldet, dann aber mit dem Alfred und dem Andy, Annas zweiunddreißigsten Geburtstag in der “Hollerei” gefeiert, so habe ich ich mir das Buch erst holen müßen und am Naschmarkt habe ich in einem Mail vom Alfred gelesen, stellt die “Edition Apfel”  ihre Bücher aus.

Dann gibt es  diese Woche auch einiges bezüglich meines Schreibens Lesens zu berichten:

Mit den “Berührungen” bin ich noch nicht sehr weit gekommen, das heißt, da stehe ich noch bei 39 Seiten, 15 Szenen, knapp 18.000 Worten und weiß wahrscheinlich nach wie vor noch nicht wirklich, worüber ich schreiben will, beziehungsweise habe ich mich vielleicht an die Wand geschrieben oder mir zuviel vorgenommen, habe einen Schreibblockade, bin ausgeschrieben, etcetera und sehr viel Ermutigungen bekomme ich ja  leider nicht, ganz im Gegenteil.

Einen Haufen  Stefan Zweig-Bücher habe ich mir allerdings für einen Stefan Zweig-Schwerpunkt herausgesucht, damit meine 2016 Leseliste höchstwahrscheinlich wieder endgültig über den Haufen geworfen und komme  nicht und nicht zu meinem Vicki Baum-Schwerpunkt, den ich mir ja auch vorgenommen habe.

“Die Ungeduld des Herzens” habe ich schon gelesen. Jetzt warten noch das Wiederlesen der “Welt von Gestern”, zwei Novellenbände und das Buch “Fouche” über den französischen Polizeiminister auf mich und über Stefan Zweig wird es im Juni, habe ich gerade erfahren, auch einen Film geben, was die Frage, ob er jetzt ein großer Schriftsteller ist oder nicht, wahrscheinlich endgültig beantwortet und den ich mir, wenn ich in Deutschland leben würde, vorab ansehen könnte, weil ich da auf eine Liste mit Einladungen für Presseaufführungen gekommen bin, aber in Österreich gibt es das nicht.

Trotzdem ist die Woche für mich sehr international gewesen, so habe ich, die ich auf meinen Blog, ja manchmal über mangelnde Kommetierfrequenz jammere, eine Anfrage von einer italienischen Germanistikstudentin  bekommen, die eine Diplomarbeit über das “Downsyndrom in der Literatur” schreibt und sich für meine “Mimi” beziehungsweise die “Ohrenschmaus-Berichte” interessierte und ein Holländer wollte wissen, ob ich einen deutschen Roman kenne, dessen erstes Kapitel nur aus Stichworten und Zitaten besteht?

Kenne ich leider nicht, obwohl ich ja  schon sehr viel gelesen habe und mich eigentlich für alles jenseits dem Tellerrand und auch für den Mainstream interessiere, Altes und Neues leses, aber irgendwie jetzt sehr langsam lese, denn ich habe heuer, glaube ich, nur etwa vierzig Bücher gelesen und wenn ich so weitermache, wird wieder sehr viel Ungelesenes überbleiben.

Dafür wird es bald die Vorschau von “Paul und Paula” geben, das ich jetzt noch einmal durchgesehen habe, um  ganz sicher zu sein, daß keine Personenrechte  verletzt werden, weil ich ja zu der Geschichte von Paul und Paula, die in Linz das Gymnasium besuchten und sich fünfzehn Jahre nach ihrer Matura in einem Wiener Szenelokal wiedertreffen, durch zwei Transformationen im Literaturbetrieb  angeregt wurde, die Handlung und die Personen aber natürlich erfunden sind.

Da hat es diesbezüglich in den letzten Wochen einige Aufregungen gegeben und “Die Nika Weihnachtsfrau” mein, ich  glaube, achtunddreißigstes selbstgemachtes Buch und sozusagen der dritte Teil meiner “Flüchtlingstrilogie” muß auch noch fertig werden.

Ansonsten wird dieses Wochenende bezüglich der Frage, wer die Bundespräsidentenwahl gewinnen wird, höchstwahrscheinlich spannend werden?

El Awadalla, die ich ja auf den Opernball geschickt habe, kann ich  nicht mehr wählen, aber dafür, wie ich hoffe,  weiterschreiben und weiterlesen und da gibt es jetzt im Netz und auch im Rundfunk immer von Bücherentsorgungsaktionen zu hören, mit denen sich die Büchersammlerin in mir aber immer noch nicht anfreunden will.

Also auf in einen schönen Welttag  und als ich zur “Bücherinsel” schaute, die das Buch jetzt wieder haben, denn beim “Morawa” haben sie, “LiteraTier”, als ich am Donnerstag auf dem Weg in die “Alte Schmiede” danach fragte, das Buch noch nicht gehabt oder mir nicht gegeben, konnte ich auch gleich im “Wortschatz”  am Margaretenplatz schauen, ob der für mich vielleicht ein Welttag-Bücherschmankerl hat, denn da bin ich in den letzten zwei Jahren  auch immer fündig geworden und habe im Vorjahr ein frühes Buch von Andrea Winkler erwischt und gestern hat es, als ich im Literaturhaus war, im Bücherschrank, ein fast neu ausschauendes, wenn auch schon etwas vergilbtes, “Aufbau-Taschenbüchlein” aus dem Jahre 1991 mit “Französischen Kriminalgeschichten” gefunden, das wahrscheinlich Sammlerwert hat und der “Aufbau-Verlag” hat mir auch schon seine Herbstvorschau, wui, wui, geschickt, während ich noch ein Buch aus der Frühjahrserscheinung anfragte, weil das im Mai im Literaturhaus vorgestellt werden wird und diesmal habe ich Franz Innerhofers “Der Emporkommling”, eine alte schöne “Residenz-Ausgabe” und die “Pest in Siena” von Erich Wolfgang Skwara, auch ein Salzburger Autor gefunden.

Jetzt muß ich das alles nurnoch lesen.

Edition Exil entdeckt mit Jugendschreibwerkstatt

Die “Edition Exil”, stellt wie Barabara Zwiefelhofer in ihrer Einleitung betonte, jetzt schon zum achten oder neunten Mal seit 2012 ihre Preisträgertexte im Literaturhaus vor.  Bei einigen dieser Veranstaltungen war ich schon,  die meisten Bücher habe ich gelesen und zu den Preisverleihungen, die früher im Amerlinghaus, seit 2010 bei der Buch-Wien stattfinden, gehe ich auch regelmäßig hin.

Heute wurden im Literaturhaus zwei Preisträger von 2015 vorgestellt, nämlich der1996 in Budapest geborenen Roma-Aktivist Samel Mago, der in Wien aufgewachsen ist und jetzt Soziologie und Transkulturelle Kommunikation studiert und mit “Zeuge der Freiheit” den Jugendpreis gewonnen hat.

Da geht es um den Ungarnaufstand von 1956 und um einer Romafamilie die  in den sechziger Jahren nach Wien ausgewandert ist. Samuel Mago las ein paar Stellen daraus und ließ auch einiges zum Nachlesen aus, so wird einer der Protagonisten am Budapester Bahnhof angeschossen, dann taucht er aber wieder im Wilhelminenspital auf und ein Gedicht gab es auch, das Samuel Mago auf Deutsch und Ungarisch gelesen und dann noch auf Romanes gesungen hat.

Die 1981 in Wien geborene Barbara Eder hat wohl den Preis für “Deutsch als Muttersprache” gewonnen. Sie hat auch Soziologie und Philosophie studiert und an diversen Universitäten gearbeitet, darunter auch in Armenien und die Geschichte “Drüben” mit der sie 2015 gewonnen hat, spielt  in Armenien und ist jezt in einem bei “Drava” erschienenen Erzählband mit dem Titel “Die Morsezeichen der Arkaden” erschienen.

Und es gibt  seit heuer im Literaturhaus etwas Neues, nämlich eine monatliche Schreibwerkstatt, wo  Autoren, die für den Jugendpreis eingereicht haben, aber noch nicht gewonnen haben, ausgewählt wurden, mit Susanne Gregor monatlich an ihren Texten zu arbeiten.

Vier Treffen hat es schon gegeben und vier der Autoren haben ihre Texte, die sie vielleicht auch für den Exil-Preis 2016 einreichen werden, heute vorgestellt.

Deshalb waren auch sehr viel junge Leute im Publikum  und  Barbara Zwiefelhofer erklärte, daß die eingeladenen Autoren so um die zwanzig wären.

Anna Hackl, Fabian Dietrich, Cleidy Acevedo und Elma Candic stellten ihre Texte vor, die mit großen Applaus bejubelt wurden und sehr spannend waren.

Anna Hackl, eine deutsche Studentin, wie ich der Einleitung entnommen habe, hatte einen Text mit  sehr schönen sprachlichen Wendungen “Über den Abgrund hat sie einen Teppich gelegt, er soll ihn noch nicht sehen”, der wie sie betonte, von einer besonderen Frau handelte und “Nach dem Frühling kommt der Winter” heißt.

Dann kam  Fabian Dietrich, der sich Gedanken über die “Schönheit” machte und bezüglich einer Seminararbeit eine Selbsthilfegruppe besuchte.

Cleidy Acevedos Text “Die Fremde” war, glaube ich, eine Auseinandersetzung mit sich selbst, während Elma Candic über den Kaffee ihrer Oma und die bosnischen Kaffeerunden, sehr kurz, prägnant und realistisch, geschrieben hat.

Leider waren die Namen und die Lebensläufe der vier Autoren nicht im Programm angegeben, so daß ich sie, wie bei der “Studentenlesung II” erst erfragen mußte, es war aber sehr spannend der Aufregung  und der Begeisterung zu zu hörenund eigentlich auch zum Neidig werden, aber ich wurde in den späten Siebzigerjahren ja auch im “Arbeitskreis  schreibender Frauen”, wohl ein Vorläufer der vielen Schreibwerkstätten die es heute gibt, sozilisiert und  da habe ich auch Christa Stippinger, die damals gerade mit “Kress”,  den “Max von der Grün Preis” gewonnen hat, kennengelernt.

Inzwischen hat sich herumgesprochen, daß man das Schreiben  in Schreibwerkstätten lernen kann und da ist Christa Stippinger, die glaube ich, auch einen Preis dafür bekommen hat, mit ihrer “Edition Exil” und dem “Exil-Literaturpreis” ein Vorbild und es wurden dadurch ja auch einige Talente wie Dimitre Dinev, Julya Rabinowich, Susanne Gregor, etcetera entdeckt und ich bin auch sehr neugierig, ob und was ich von den vier Jungautoren noch hören oder lesen werde.

 

Lange Erzählspiele

Die “Alte Schmiede” hat offensichtlich einen neuen Moderator, auf jeden Fall stellte Ludwig Roman Fleischer, die beiden Romane von Erst Wünsch und Bettina Balaka unter dem klingenden Titel “Erzählspiele mit Romansujet als Satire ohne gekränkten Idealismus”, vor, den ich eigentlich auch jetzt noch nicht verstanden habe.

Jedenfalls scheint es um Satire zu gehen und Roman Ludwig Fleischer, den ich ja eher als Autor beziehungsweise Verleger kenne, überraschte durch seine lange und sehr ausführliche Einleitungen, die den Eindruck machte, er würde sich sehr gut auskennen und die Bücher gelesen zu haben.

Den 1951 geborenen Ernst Wünsch kenne ich durch das Hörspielstudio und den “Textvorstellungen”, in denen interessanter Weise auch Ludwig Roman Fleischer präsentiert wurde und interessant war für mich bei der Biografievorstellung, daß der  am Attersee lebende, ein größeres Werk hat, als ich dachte.

Studiert hat er Theaterwissenschaft, Germanistik, Theologie, dann war er Puppenspieler, Filmemacher, etcetera.

Und seine in Verlagen, wie “Sisyphos”, “Resistenz” ,”Kitab” erschienenen Romane, dürften irgendwie zusammenhängen und der heute vorgestellte “Der Abschweifer”, spielt am Attersee, der einen anderen Namen trägt. Ein erfolgsloser Schriftsteller namens Leo Kmetko, das Alter Ego Ernst Wünschs, wie in dem Roman auch vorkommt, wohnt dort in einer verfallenen Villa und soll ein Kochbuch schreiben.

Er bekommt eines Tages einen Brief von seinem Verleger, der schickt ihm einen Filmemacher, der einen Film über ihn drehen soll. Der kommt ohne Equipment und um das im Attersee versengte Nazigold scheint es auch zu gehen.

Das alles hat Ludwig Roman Fleischer in etwa  in seiner Einleitung erklärt. Dann kam die sehr lange, fast eine Stunde dauernde Lesung, in der der Autor seine Figuren vorstellte. Da gibt es einen Pianisten, der seinen Flügel in den See versenkte. Einen Exkurs über den See gab es auch und dann noch ein langes Gespräch, wo Ludwig Fleischer, wie er es nannte, viele naive Leserfragen stellte, beispielsweise die, wie autobiografisch ist das Ganze und warum der Leo ein erfolgloser Schriftsteller ist, was auch irgendwie in dem Buch beantwortet wird.

Der Autor beantwortete es mit den Schwierigkeiten mit den Kleinverlagen, etwas was ich mir gut vorstellen kann und dann gab es überraschender Weise eine Pause, beziehungsweise O-Ton Fleischer, ein akademisches Viertel, die wahrscheinlich einige der Zuhörer vertrieb, so daß es nachher als Bettina Balaka an die Reihe kam, schon ziemlich leer war.

Bei Bettina Balaka überraschte Ludwig Fleischer auch über seine große Werkkenntnis. Er stellte die 1966 in Salzburg geborene in ihrer Vielseitigkeit vor und mir ist sie ja auch nicht so unbekannt, seitdem ich, ich  glaube, 1992 im Rahmen meiner Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendium ihren Namen und ihre Texte kennenlernte.

Bettina Balaka erzählte in ihrer Einleitung, daß sie gerne in der “Alten Schmiede” lesen würde, weil sie dort, als sie noch ganz unbekannt war, einen Stapel Gedichte hinschickte und gleich zu einer Lesung eingeladen wurde und Ludwig Roman Fleischer lobte noch die Vielseitigkeit ihrer Romane.

“Eisflüstern” handelt vom ersten Weltkrieg, “Kassiopeia” von Venedig. Dann gibt es noch ein Buch über einen Hund und jetzt in der “Prinzessin von Arborio” um einen Satiren Krimi oder wie Bettina Balaka erklärte, um Frauen, die sich Schwerverbrechern hingezogen fühlen,  ihnen  Briefe ins Gefängnis schreiben, sie heiraten, etcetera.

In dem Buch geht es um die umgekehrte Form. Die Heldin ist eine schöne Frau namens Elisabetta  Zorzi, die ihre Männer umbringt und das weiß man gleich am Anfang.  Ludwig Roman Fleischers naive Leserfrage war dann auch, ob das mit dieser Eisdielenmöderin zu tun hat, die es ja gegeben hat?

Eine schöne Frau, deren Schönheit allerdings vom Chirurgen stammt, die ein italienisches Restaurant, ich glaube, in Wien führt und die Männer mordet, wenn sie sie enttäuschen. Der erste hat sie geformt, das heißt ihrer Schönheitsoperationen bezahlt, der zweite betrogen, danach hörte Bettina Balaka, die überraschend kurz gelesen hat, auf.

Ludwig Roman Fleischer erzählte noch von einem Gefängnispychologien, der sie entlarvt, ihr dann aber doch verfällt und ein langes Gespräch mit vielen Fragen aus dem noch vorhandenen Restpublikum gab es auch und einen sehr direkten Hinweis auf den Büchertisch.

Kaufen und lesen. Mit “Kassiopeia” habe ich das schon getan und Bettina Balaka erzählte noch, daß es sie gereizt hätte, über das zu schreiben, was man angeblich nicht darf.

Also einen historischen Roman, die gibt es über den ersten Weltkrieg aber inzwischen zu Hauf oder über Hunde, die sind in der letzten Zeit auch sehr geschrieben worden, über Venedig oder eben über einen Krimi, wo man schon weiß, wer die Mörderin ist, aber eigentlich ist es Bettina Balaka weniger um den Krimi, als um die psychologische Frage, warum Menschen sich zu Schwerverbrecher hingezogen fühlen, gegangen.

Das ist eine Frage, die mich auch beschäftigt, bei Jack Unterweger, aber auch in meiner Praxis konnte ich das ein bißchen mitvergfolgen.

Es wird wahrscheinlich schon ein bißchen das Helfersyndrom sein und auch das sich überschätzen, bei den Frauen. Bei Männern gibt es das auch viel weniger zu geben, erzählte Bettina Balaka, wenn dann muß die Mörderin schön sein und die Männer werden schwach, während das bei den Männer wurscht ist.

Spannend auch die Frage, ob das bei “Haymon” erschienene Buch einmal zu mir kommen wird.

Ungeduld des Herzens

Passend zur gestrigen “Soma Morgenstern-Gedenkveranstaltung” Stefan Zweigs 1939 erschienener, ich glaube, einziger fertig gestellter Roman “Die Ungeduld des Herzens”, wie Joseph Roths “Radetzkymarsch” warscheinlich auch ein Abgesang an die Monarchie, spielt das Buch ja 1914 in einer kleinen Garnisonstadt, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges und wird vor Ausbruch des zweiten, dem Erzähler von einem Offizier berichtet. Es ist aber, denke ich etwas verhaltener, hat mich, was eigentlich selten geschieht, sehr beeindruckt, obwohl manche Stellen nach heutigen Geschmack eindeutig kitschig sind, andere dagegen so offen, daß man sich wundert, daß das 1939 schon geschrieben wurde.

Ich habs ja, glaube ich, schon einmal geschrieben, daß ich in “Von Tag zu Tag” einmal die Besprechung eines Buches über die neuere österreichische Literatur und da sagen hörte, daß die Autoren Peter Rosegger und Stefan Zweig aus dem Kanon der bedeutenden Schriftsteller gestrichen und dafür Michael Felder aufgenommen hätten. Von Felder habe ich seine Augobiografie gelesen, von Rosegger vor Jahren “Jakob der letzte” und war tief beeindruckt von dem meiner Meinung nach ersten Roman über den Umweltschutz.

Von Zweig habe ich bis jetzt die “Schachnovelle” und vor Jahren, noch als Hauptschülerin, die Biografie “Maria Antoinette” und etwas später “Die Welt von Gestern” aus dem Büchertschrank meiner Eltern gelesen und eine “Arte-Doko” gehört, die mich veranlaßte, aus meinen Beständen, die Zweig-Bücher herauszuholen und den geplanten Vicki Baum-Schwerpunkt noch eine Weile aufzuschieben.

Die “Ungeduld des Herzens” habe ich mir aus Harland mitgenommen, eine “Donauland-Ausgabe”, ob ich sie mir einmal zu Weihnachten wünschte oder im elterlichen Bücherkasten war, weiß ich nicht so genau, aber wieder ein ungelesenes Buch, das nach Jahren zur Ehre kommt und für mich ein weiteres Pläydoyer für das Büchersammeln ist.

Es ist, glaube ich, auch ein Meisterstück des Erzählens, denn sehr verwinkelt und sehr geplant, mehrere Novellen hineingepackt, mehere Ebenen und es beginnt, 1938 oder 39, wo der Erzähler in einem Cafe einen Offizier trifft, der ihm  Angesichts des kommenden Krieges seine Geschichte von der längstvergangenene gestrigen Welt erzählt.

Die “Ungeduld des Herzens”, ist eine Metapher für das Mitleid. Zweig schreibt vom Falschen und vom Echten. Der fünfundzwanzigjährige Leutnant, Anton Hofmiller, hat wohl das Falsche, als er, Sohn armer Leute, der in seiner Garnison immer neben den reichen Kameraden steht und sich sein Geld einteilen muß, zum reichen Herrn von Kekesfalva zum Abendessen in sein Schloß gebeten wird.

Er kommt wegen einer dienstlichen Angelegenheit zu spät, kann sich so über die Verhältnisse wahrscheinlich nicht orientieren und fordert, als es zum Tanzen geht, die Tochter des Gastgebers auf. Die erstarrt, denn sie ist gelähmt, was er nicht wußte, er stürzt entsetzt davon, wird aber wieder in das Schloß gebeten und ist von der Freundlichkeit, die ihm entgegenströmt, sehr gerührt.

Täglich besucht er fortan die Gelähmte, ein siebzehnjähriges Mädchen und es passiert, was passieren muß, sie verliebt sich in ihm.

Der Vater bittet Hoffmiller mit dem Arzt Dr. Condor zu sprechen, wie hoffnungsvoll oder hoffnungslos die Krankengeschichte wirklich ist? Einem Fremden wird der Arzt die Wahrheit eher sagen und Hoffmiller verspricht es , ohne was man hier wohl tun sollte, die Frage zu stellen und was passiert, wenn die Sache aussichtslos ist?

Der Arzt führt Hofmiller in eine Weinstube und erzählt ihm erst lang und breit die Geschichte, daß Kekesfalva kein wirklicher Adeliger, sondern ein ehemals armer Jude ist, der die Gesellschafterin einer Fürstin, der das Schloß früher gehörte und die aus Zorn auf ihre erbschlechenden Verwandten, das Schloß ihr vererbte, um  ihren Besitz prellen wollte. Dann heiratet er sie doch, es wird eine gute Ehe und als sie stirbt, vertraut er dem Arzt die Geschichte an.

Für die Gesundheit der geliebten Tochter würde der alte herzkranke Mann alles tun und der Arzt weicht auf die Frage “Hoffnungslos? aus, denn was ist das?

Als er Medizin studierte galt der Diabetes als hoffnungslos, inzwischen kkann man ihn mit Insulin behandeln. Es gibt also nur noch nicht zu behandelnde Krankheiten und dann erzählt er von einem Fall von der Heilung einer Lähmung von der er gehört hat.

Hofmiller fährt zum Vater und tut nun etwas, was ich unlogisch finde und aus heutiger Sicht nicht verstehen kann. Er redet ihm die Heilung ein.

“Es gibt Hoffnung, sie wird mit der neuen Kur bestimmt gesund!”,  etcetera. Das hat fatale Folgen, denn der Vater und die Tochter haben nun falsche Hoffnungen und Edith schreibt ihm einen langen Brief über ihre Gefühle.

Hofmiller will den Dienst quittieren, um aus der Bedrängung herauszukommen, besucht aber vorher den Arzt in Wien und dessen blinde Frau, die der geheiratet hat, weil er sie nicht heilen konnte.

Der Arzt sagt, man muß alles aufklären.

“Halt, halt!”, antwortet Hofmiller wieder.

“Nur nicht zu früh die Hoffnung zerstören!”, denn es gibt ja auch psychische Kräfte, sowie Sigmund Freud, füge ich hinzu und Stefan Zweig war, glaube ich, von seinen Schriften sehr begeistert.

So geht das Spiel weiter. Edith soll in die Schweiz zur Kur und Hofmiller sie bis dahin jeden Tag besuchen. Die Kranke droht mit Selbstmord, wenn man ihr nicht zu Willen ist. Der Vater kommt zu Hofmiller und bittet ihn auf Knien, doch sein Kind zu retten und so kommt es zu einer heimlichen Verlobung, beziehungsweise zu einem öffentlichen Kuß von Hofmiller, der wieder von seinem Mitleid hin-und hergerißen wird.

Dann geht er allerdings in eine Kneipe und in ein Kaffeehaus, um sich zu betrinken, trifft dort seine Kameraden, die ihm mit der Verlobung aufziehen. Er dementiert verzweifelt. Das ist eine Lüge, also ein unehrenhaftes Verhalten und das ist für einen Offizier unwürdig. Frauengeschichten und Saufen sind erlaubt, beziehungsweise wird es von den Vorgesetzten gedeckt. Das nicht, also ebenfalls Selbstmord, als einzig ehrenhafter Ausweg aus diesem Fall.

Als er mit diesen Gedanken in die Kaserne wankt, wird er von seinem Vorgesetzten gemaßregelt. Er erzählt ihm alles und der sagt “Unsinn!” und versetzt ihn an eine andere Stelle.

Mit den Kameraden wird er sprechen, so daß alles vertuscht werden kann. In Wien, steigt Hofmiller  aus dem Zug, um mit Dr. Condor zu sprechen und als er ihn nicht antrifft, Handies hat es ja noch nicht gegeben, schreibt er ihm einen Brief, wo er ihn bittet zu Edith zu fahren und wenn sie will, wird er quittieren, sie heiraten, etc.

In Brünn will er nach Kekesfalva telegraphieren, aber so viele Leute stehen am Postamt und lesen wahrscheinlich schon die Nachricht von der Ermordung des Thronfolgers. In der Nacht wird er aufgeweckt, ein Telephongespräch, die Verbindung klappt aber nicht, das Telefonfräulein entschuldigt sich. Es ist jetzt soviel los und am Morgen erfährt er, alles war umsonst und ist zu spät gekommen. Edith hat seine Untreue erfahren und sich vom Balkon gestürzt. Betroffen sütrzt er sich in den Krieg, wo alles nichtig wird, denn die Zahl der Menschen, die er dort tötet, wofür er noch einen Orden bekommt, sind unzählig. Nur einmal wird er noch in der Oper, wo er den Doktor und seine Frau trifft, an seine Schuld erinnert und jetzt soviel Jahre später, ist wieder alles anders, denn die Emigranten beginnen schon  das Land zu verlassen.

Im “Marbacher Literaturarchiv” habe ich gelesen, gibt oder gab es eine Sonderausstellung zu diesem Buch und da wurde auch die Frage diskutiert, wie weit der Roman autobiografisch ist? Etwas was mich eigentlich nicht so interessiert. Für mich wurde die Frage beantwortet, daß Stefan Zweig ein Schriftsteller ist, der in den Kanon gehört und dem man lesen sollte, um die Vergangenheit und die Geschichte Österreichs der letzten hundert Jahre zu verstehen und das habe ich mit zwei Novellenbänden, dem Portrait von “Joseph Fouche” und dem Wiederlesen der “Welt von Gestern”, auch vor.

Eine Gedenktafel für Soma Morgenstern

Den Namen Soma Morgenstern habe ich, glaube ich, 2007 oder 2008 zum ersten Mal gehört, als es im Literaturhaus eine große Joseph Roth Ausstellung gab. Da wurde er, beziehungsweise die Biografie, die er über ihn verfaßt erwähnt.

Das habe ich dann auch ein bißchen in der “Radiosonate”, die ich 2008 geschrieben habe, verarbeitet und irgendwie ist der Morgenstern Roman “Der Tod ist ein Flop”zu mir gekommen, beziehungsweise steht er in meinem Bibliothekskatalog.

Ich kann mich aber gar nicht mehr daran, daß ich ihn gelesen habe. Der Name hat sich mir aber eingeprägt und so war ich auch sehr interessiert, als ich im Programm der “Gesellschaft für Literatur” lesen konnte, daß zum vierzigsten Todestag, des aus Ostgalizien stammenden jüdischen Schriftstellers, eine Gedenktafel an dem Haus in der Belvederegasse Nummer 10, in dem er von 1934 – bis März 1938, wo er emigrieren mußte, wohnte und das auch zufällig das ist, in dem die “Auge-Weihnachtsfeiern” stattfinden, enthüllt wird.

So ein Zufall und wieder ein Stückchen mehr über das Wien vor achtzig Jahren und die Bigografien, der nicht so bekannten Schriftsteller, erfahren, das mich ja sehr interessiert. Bei der Gedenktafelenthüllung von Veza Canetti in der Ferdinandstraße, bin ich vor drei Jahren gewesen und Erika Mitterer hat eine in der Rainergasse und das ist ja die Verlängerung der Belvederegasse.

Über Joseph Roth, mit dem er befreundet war, gibt es ja jedes Jahr Veranstaltungen im Literaturhaus.

Soma Morgenstern, der 1890 geboren wurde und in New York starb, muß erst eintdeckt werden, betonte Manfred Müller bei der Enthüllung dann auch und erzählte, daß Georg B. Deutsch, die Idee zu der Gedenktafel hatte.

Er ist vor einem Jahr damit zu ihm gekommen, hat dann das Geld dafür aufgetrieben. Schriftsteller, wie Karl Markus Gauss, Andre Heller, Eva und Robert Menasse, Doron Rabinovici, Robert Schindel, aber auch Barbara Rett, der Hausherr und andere, haben sich beteiligt und nun ist die in Amerika lebende Familie, der 1929 geborene Sohn Dan zum Beispiel, nach Wien gekommen, um der Enthüllung beizuwohnen.

Soma Morgenstern ist 1912 zum Studium nach Wien gekommen, hat dann in sechundzwanzig Jahren fünfundzwanzig Wohnungen gehabt. Er war auch, glaube ich, eine Zeit in Berlin und war Korrespondent einer Frankfurter Zeitung und hat die Jahre in der Belvederegasse, als sehr glückliche bezeichnet.

Am Abend gab es dann noch  eine Gedenkverantaltung im Jüdischen Museum, die Morgensterns Wiener Jahre und seiner Flucht ins Exil gewidmet war.

So erzählte Georg B. Deutsch, der auch eine “Morgenstern-Homepage” hat, über die Wiener Jahre und der Schauspieler Peter Matic las ein paar Stellen aus den entsprechenden Büchern vor.

Es gibt glaube ich eine elfbändige Werkausgabe, die zum größten Teil erst nach dem Tod von Morgenstern erschienen ist.

Morgenstern war, wie schon beschrieben mit Joseph Roth, aber auch mit Alban Berg befreundet, über beide hat er Biografien geschrieben und Joseph Roth, der von sich behauptete, unmusikalisch zu sein, hat er auch ein Lieblingslied beigebracht. Das wurde dann auf Deutsch gelesen und auf Jiddisch gesungen und nach der Emigration ist es für Morgenstern nach Frankreich gegangen, seine Frau ist mit dem Sohn dagegen zuerst nach Dänemark geflüchtet, bevor sich die Familie in New York wiederfand.

Es hat  einen Vortrag über Morgenstern in Frankreich von dem französischen Germanisten Jaques  Lajarrrigue gegeben.

Dann kam der Sohn, der ein bekannter Jazzforscher war und berichtete, daß er nach achtundsiebzig Jahren, die Wohnung, in der er seine Kinderjahre verbrachte, wiedergesehen hat.

Die hatte sechs Zimmer, im Badezimmer gab es ein Fenster, von wo aus man den Kahlenberg sehen konnte und Alban Berg hat dem kleinen Dan, die ersten Jazzplatten geschenkt.

Sehr interessant, denn jetzt wurde mein Morgenstern Interesse wieder geweckt und ich werde mich wohl auf die Suche “Der Tod ist ein Flop” machen, obwohl ich ja bezüglich meines “Work in progress”, einen Stefan Zweig Schwerpunkt, der auch mit Soma Morgenstern berfreundet war, einlege und jetzt gerade “Die Ungeduld des Herzens” lese, die mich sehr beeindruckt hat.

Zsuzsanna Gahses Stadtlandschaften

Beiden  samstägigen “Literatur-und Wein-Veranstaltungen” habe ich Robert Schindel, Christoph W. Bauer, Margret Kreidl und Zsuszanna Gahes Gedichte im “Salzstadl” versäumt, weil ich stattdessen lieber durch die Steiner Weinrieden wanderte, da man bei dem Wiener Literaturangebot aber nichts wirklich versäumen kann, konnte ich Zsusanna Gahse heute in der “Alten Schmiede” nachhören.

Da habe ich dann wegen meiner achtzehn Uhr Stunde, die “Stunde der literarischen Erleuchtung”, wo Daniel Wisser Günter Eichs  “Maulwürfe” vorstellte, aber ich habe ja auch wegen der “Literatur und Wein” den zweiten Tag des “Ilse Aichinger-Symposiums” in der “Gesellschaft für Literatur” versäumt.

Zur Lesung von Zsuzsanna Gahse, die 1946 in Budapest geboren wurde und in der Schweiz lebt, bin ich aber zurechtgekommen und konnte im “Schmiedensaal” auch gleich die experimentelle Szene Wiens oder einen Teil davon begrüßen, Margret Kreidl, Bodo Hell, Angelika Kaufmann, Lukas Cejpek, Elfriede Czurda, Herbert J. Wimmer und und und….

Kurt Neumann stellte sie auch gleich als experimentelle Autorin vor und führte wieder sehr lang und ausführlich durch ihren in der “Edition Korrespondenzen” erschienenen Band “Jan, Janka, Sara und ich”, der tatsächlich sehr kompliziert zu sein scheint und aus mehreren Ebenen besteht.

Da scheint es ersteinmal um “A-Texte” und dann um eine Stadtlandschaft in Büren zu gehen, wo dreiundzwanzig Personen sprechen, beziehungsweise ihre Ansichten über die Stadt in ein Tonstudio aufsprechen. Drei davon kommen  im Titel vor und dann gibt es noch Taltexte und manche der Aufzeichnungen bestehen nur aus einem Wort.

Kompliziert?

Sehr würde ich sagen, zumindest eine realistische Autorin, die sich nach Handlung und Personenführung sehnt, tut sich da schwer.

Zsuszanna Gahse hat aber mit großer Begeisterung gelesen und an einigen Stellen auch noch Anmerkungen gemacht, so an einer, daß sie hier gerne, wie in der Operette eine Musikeinlage hätte.

Dann gab es ein Gespräch beziehungsweise Fragen von Kurt Neumann, wie ein solcher Text entsteht?

Zsuszanna Gahse antwortete, daß sie zuerst einen Essay beschrieben hat, dann sind wir aber schon andere Einfälle zu Geschichten gekommen und so hat sie dann diese in ihrem großen Wohnzimmer ausgebreitet und eine Textsorte, die nicht Prosa und auch nicht Lyrik ist, ist entstanden.

Das Publikum schien sehr interessiert und ebenfalls begeistert.

Eine Anspielung an Günter Eich und eine an Nathalie Sarraute, die ich auch schon einmal in einer “Stunde der literarischen Erleuchtung” gehört habe, hat es gegeben und danach die Aufforderung, sich beim Büchertisch einzudecken und alles nachzulesen.

“Beim dritten oder vierten Lesen des Buches, kennt man sich auch aus, welche Texte nun von welchen Personen sind”, hat Zsuszanna Gahse noch in ihrer Einleitung versprochen und am Ende der Veranstaltung hinzugefügt, daß es am Schluß des Buches ein Register gibt, wo sich das nachschauen läßt.