WELT.ALL.TAG bei “Literatur und Wein”

Viktor Jerofejew

Viktor Jerofejew

Miljenko Jergović

Miljenko Jergović

Das internationale Kulturfestival “Literatur und Wein” findet inzwischen, wie Sylvia Treudl bei der Eröffnung stolz erzählte, zum achtzehnten Mal in Krems und Göttweig statt, zum vierten Mal sind wir dabei.

Das Motto lautete heuer “WELT.ALL.TAG” und begonnen hat es am Donnerstag im Literaturhaus Krems mit einer Lesung des  1966 in Sarajevo geborenen und seit 1993 in Zagreb lebenden Miljenko Jergovic, der aus seinem atuobiografisch klingenden Roman “Vater” gelesen hat, in der Beziehung des Sohnes zu seinem Vater, einem Arzt, geschildert wird.

Dann folgte der  1947 in Moskau geborene Viktor Jerofejew mit seinen  2013 bei “Hanser” auf Deutsch erschienenen Roman “Die Akimuden”, der ein bißchen an Bulgakovs “Der Meister und Margarita” erinnert.

Jedenfalls wird Moskau von einer Horde Untoter übefallen, einige nisten sich in der Wohnung des Erzählers ein und der Autor erzählte im Interview, daß man mit Satire viel besser Kritik am System üben kann und scheint das mit seinem Roman, der sehr witzig und fantastisch klang, auch bewiesen zu haben.

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Eva Jancak, Margarita Kinstner

Eva Jancak, Margarita Kinstner

Am Freitag ging es dann in Göttweig mit der Begrüßung des Abtes und der Doppelconfercne, Literatur-und Weinvorstellung, weiter und zwar begann Margarita Kinstner, die ich ja vom Cafe Anno, bziehungsweise dem Blog von Thomas Wollinger kenne und die mit ihren Debutroman “Mittelstadtrauschen” ja sehr schnell bekanntgeworden ist.

Inzwischen gibt es einen zweiten Roman “Die Schmetterlingsfängerin”, im vorigen Jahr erschienen, der ein bißchen an mir vorbei gegangen ist, wo es um die Entscheidung einer Lehrerin geht, ihrem Freund oder Mann nach Sarajevo zu  folgen und dort sein Kind zu bekommen.

 

War eine sehr spannende und erfrischende Lesung, dazwischen bin ich das  Exemplar von Jan Böttchers “Y”, das wiedermal zu viel zu mir gekommen ist losgeworden und das erste Glas Wein mit Blick von der Terrasse auf die Donau wurde auch getrunken und ein paar Leute begrüßt.

 

Judith Kuckart

Judith Kuckart

Pedro Lenz

Pedro Lenz

Die 1965 geborene Schweizer Schriftstellerin Ruth Schweikert von der ich “Augen zu” im Vorjahr gelesen habe und “Ohio” an die Reihe kommen sollte, wenn ich mit meinen Stefan Zweig Schwerpunkt, den ich mir bezüglich meines derzeitigen Romanprojekts aufgelegt habe, fertig bin, folgte mit “Wie wir älter werden” und dann kam Ernst Molden mit seiner Band und stellte ein Projekt  vor wo es um die Au, den Nationalpark und das Wasser ging und erzählte, daß er einen Auftritt wie diesen liebe, eine halbe Stunde singen, dann zwei Stunden die besten Weine trinken, denn dazwischen ging es ja weiter mit der langen Lesenacht und dem “Weltalltag” mit dem 1935 in Meran geborenen Joseph Zoderer, dem Mann mit dem Hut, den Sylvia Treudl sowohl, als Klassiker als auch als Gegenwartsautor vorstellte, seine Werke werden jetzt von “Haymon” wieder aufgegelgt und so las er aus den “Farben der Grausamkeit” und da war es für mich spannend zu sehen, wieviel man von seiner Lektüre vergißt, beziehungsweise fielen mir einigen originelle Wortschöpfungen und Wenungen auf, an die ich mich nicht erinnern konnte.

Mit der Büchnerpreisträgerin von 2012, der 1960 in Hameln geborenen Felicitas Hoppe, die ich 1996 in Klagenfurt, als sie dort einen der Bachmannpreise gewann, kennenlernte, ging es weiter und das war für mich wieder eine Überraschung, habe ich ja mit dem “Picknick der Friseure” das 2913 gelesen habe, nicht besonders viel anfangen können und das sagte ich auch in der Pause zu Wolfgang Kühn, als er mich fragte, wie es mir das Festival gefällt?

Wolf Wondratschek

Wolf Wondratschek

Karl-Markus Gauß

Karl-Markus Gauß

Jetzt las sie aus dem 2012 erschienenen Roman oder erfundenen Autobiografie “Hoppe” und da war ich eigentlich auch sehr skeptisch. Dann hat mir diese Fabulierkunst und die Geschichte einer Felicitas die mit ihrem Vater alleine in Canada aufwächst, beziehungsweise Eisschlittschuhläuferin ist und hunderttausend andere Dinge macht, die in der echten Biografie nicht aufscheinen, aber sehr gefallen.

Dann gabs noch mal Molden und nochmal Pause, dann folgte Antonio Fian, auch ein alter Bekannter von “Literatur und Wein”, wie mir überhaupt auffiel, daß sich einige Autoren oder Musiker wiederholen und immer wieder eingeladen werden und der las eine Menge seiner Dramulette  und ist auch Gegenstand  einer der Sonderpublikationen, die es in diesem Jahr wieder gab.

Der Samstag war dann wieder rund und zwar begann es im Literaturhaus Krems mit einer weiteren “Transfair-Folge: Von Staatsfeinden, Paranoia und zivilen Ungehorsam”, wo Klaus Zeyringer mit Kathrin Röggla und dem Tierschützer Martin Balluch über ihre Bücher diskutierte, während es eine Parallelveranstaltung mit fünf internationalen Lyrikern aus Italien, Slowenien, Wales, Deutschland und Polen, zu deren Veröffentlichungen es auch je eine Sonderpublikationen “Veropolis – wo Lyrik zu Hause ist”, gegeben hat, die es zur freien Entnahme gab, beziehungsweise bei den “Festivalpaß-Goodies”waren.

Harri Stojka

Harri Stojka

Stefan Slupetzky

Stefan Slupetzky

Ich habe mich  für das  Literaturhaus entschieden, wo Klaus Zeyringer die Fiktion zu diesem Thema  dem Realismus gegenüber stellte.

Arbeitet ja die 1971 in Salzburg geborene Kathrin Röggla von der ich “Wir schlafen nicht” gelesen habe und die ich auch schon bei verschiedenen Veranstaltungen gehört hat, ja mit realistischen Material aus dem sie ihre Texte macht.  sie las auch einen, wo das Wort “Schweigeminute” in  Formen variiert wurde, während der Tierschützer Martin Balluch, der mit seinem Hund ins Literaturhaus gekommen ist, ein Buch über seinen Prozeß geschrieben hat und daraus zitierte.

Am Nachmittag bin ich wieder auf die Wanderung, diesmal mit dem Winzer Urban Stargards, der schwedische Wurzeln hat, auf die Steiner Weinrieden gegangen. Danach las Christian Futscher, den ich vor kurem im “MUSA” hörte, aus seinem bei “Czernin” erschienenen satirischen Text “Was mir die Erdmänchen erzählen”, in dem sehr viele Tiere vorkommen.

Mit dem Bus ist es dann nach Gottweig zum zweiten Leseabend gegangen, wo ich die mir bisher unbekannte Judith Kuckart kennenlernen, die das Publikum wählen ließ, welche Geschichte es aus ihrem neuen Erzählband hören wollte und dann von einer Schauspielerin las, die in einer Bäckerei arbeitet und dabei offenbar sehr viel flunkert.

Sonnenuntergang auf Göttweig

Sonnenuntergang auf Göttweig

Trio Lepschi

Trio Lepschi

Den Schweizer Pedro Lenz, der dann folgte, kenne ich durch das “Bachmannlesen”, er las ein langes Gedicht, scheint auch viel in der Berner Mundart zu schreiben und lobte seinen “Patenwein” aus dem Weingut Hirsch.

 

Der 1943 geborene Poppoet Wolf Wondratschek, der nach dem ersten Musikblock, der diesmal wieder von Harri Stojka und seiner Band gestaltet wurde, gehörte wohl zu den bekanntesten Autoren, die am Samstag auftraten. So hielt ihm Sylvia Treudl auch eine sehr leidenschaftliche Einführung. Er las ein Stück aus seinem schon 2002 erschienenen Roman “Mozarts Friseur”, wo es um drei alte und falsch gehende Uhren geht, die ein Museumsdirektor für ein Kunstwerk hält, so daß der Friseur schnell eine Biografie herum erfindet.

Politisch wurde es wieder mit Karl Markus Gauß und seinen Journalen, aus denen er einige Kostproben gab und Stefan Slupetzky mit seinen “Lemming-Romanen” ein bekannter Krimiautor, mit denen der den “Glauser-” und den “Perutz Preis” gewonnen hat, sowie auch Musiker, hat jetzt mit “Der letzte große Trost”, sowohl einen Familien als auch autobiografischen Roman geschrieben, den er nach der zweiten Musikeinlage vorstellte.

Christoph Mauz

Christoph Mauz

Die Gebirgspoeten

Die Gebirgspoeten

Mit dem Trio “LEPSCHI” in dem Stefan Slupetzky, Tomas Slupetzky und Martin Zrost spielen und das ich schon einmal im Wiener Literaturhaus hörte, ist es in der Sektmatinee am Sonntag in Krems weitergegangen und die  stand im Zeichen der Schweiz-Östereischichen Freundschaft, kamen doch nach einem Musikauftakt die “Gebirgspoeten”, die aus den Schweizern Rolf Hermann, Achim Parterre und Matto Kämpf bestehen, die in karierten Hemden auftraten und sich, wie im Programm steht, mit “Den Mythen und Klischees der Schweiz” auseinandersetzen zu Wort und danach wieder der Schauspieler Christoph Mauz mit einem “Willkommenskultur” getitelten Programm, das aus Texten von Karl Kraus zum Beispiel aus den “Letzten Tagen der Menschheit” und Anton Kuh bestand und da  hundert Jahre alte literarische Betrachtungen, die wie Christoph Maunz erklärte, erstaunlich heutig klingen, excellent aufführte und so ist dieser “Weltalltag” in Göttweig und Krems mit vielen Weinproben, bekannter und unbekannter Literatur zu Ende gegangen und während das Team um Sylvia Treudl das Programm für das nächste Jahr zusammenstellt, bleibt zu hoffen, daß er die  Welt vielleicht ein bißchen besser macht.

 

 

Florian Berg ist sterblich

Als ich im März in Leipzig war, war ich  auch bei einer Lesung von Absolventen des “Leipziger Literaturinstiuts” und da ein Stück aus Janko Markleins bei “Blumenbar” erschienenen, wahrscheinlichen Debutroman “Florian Berg ist sterblich” gehört, den der 1988 in Bremen geborene, der 2010 den “Open Mike” gewonnen hat, über einen jungen Studenten, der an der Leipziger Uni im ersten Semester Philosophie studiert und nun vor einer Beschwerdestelle wartet, weil er keinen Platz für ein Proseminar bekommen hat und stattdessen einen Französischkurs besuchen solll, geschrieben hat.

Eine Satire über das Studentenleben würde ich es interpretieren, auch ein Buch über das Erwachsenwerden und bei “Amazon” kann man lesen, daß dieser Florian Berg sehr unsympathisch ist.

So habe ich das teilweise auch empfunden, aber das ist wahrscheinlich Absicht des Romans und der Clou, Florian Bergs Unentschloßenheit zu zeigen, dem dann in einem Seminar, das er auf Vermittlung der Studentenvertreterin Line, doch bekommt, demostriert wird, das er sterblich ist, denn alle Menschen sind das, Florian Berg ist ein solcher, etcetera…

Denn er ist ein Sohn zweier Pastoren, aus einem kleinen Dörfchen, die Mutter ist für die Beerdigungen zuständig, der Vater für die Hochzeiten und deshalb schwankt der liebe Junge, wie ein Baum im Wald, na ja.

Es wird in zwei Strängen erzählt, der erste ist Florians Studentenleben, Line, die sich in ihm zu verlieben scheint und ihn küßt. Er tut das nicht, hält aber still, weil sie sich für ihn ja einsetzen will. So bekommt er ein Seminar bei einer Anna Kuszlak, mit der will er nun Kontakt und auf Kaffee und Kuchen gehen…

Sie verhält sich abwartend, nimmt ihn aber dann doch auf einen Spaziergang mit, wo sie die Deutschlandfahnen von den Autos entfernt, sie ist nämlich sehr politsch.

Line besetzt inzwischen die Uni, um gegen die Bildungsmisere zu kämpfen. Das wollen, die Wirtschaftstudenten, die gerade Vorlesung haben, aber nicht und Anna fährt dann auch noch nach Santiago de Chile, um die dortigen Proteste zu unterstützen.

Florian reist ihr nach, wohnt bei einem Couch-Surfer im siebzehnten Stock eines Hochhauses und weil der Lift gerade kaputt ist, muß der arme Portier seinen riesigen Rucksack hinaufschleppen.

Im zweiten Strang wird von der Kindheit erzählt. Den Eltern die sich streiten, der Depression des eher hilflosen Vaters, der immer zu dem Sohn ins Zimmer geht und mit ihm reden will, beispielsweise, ob er weiß, wie man ein Präservativ verwendet?

“Ich muß lernen!”, antwortet der dann und schickt ihn hinaus.

Mit seinem Freund Ole, einem Bauernsohn hat er einen Bund gegründet, der keine Mädchen zulassen will, eines drängt sich hinein, verwirrt die Burschen und schließlich wird die “Grüne Garde” eine grüne Jugendorganisation, Florian besteht sein Abitur und zieht nach Leipzig.

Jugendbuch habe ich bei “Amazon” gelesen. Ja, Janko Märklein ist noch sehr jung und sieht auf dem Foto am Klappentext auch so aus.

Der Roman ist, was man wahrscheinlich im “Literaturinstitut” lernt, sehr gut konstruiert und mich hat die satirische Seite, die lapidar schlapsige Art, wie der junge Mann da von den Initialriten des jungen Florian erzählt, sehr angesprochen.

Um in den Bund hineinzukommen, muß man Käfer essen und Hunde töten. Das ist vielleicht kein besonderes Zeichen der Neuzeit und war schon früher so. Die Lieblingslektüre von Florian Berg und seinen Freunden ist aber “Harry Potter”. Den liest er noch als Student, neben philosophischen  Schriften. Aber er und seine Freunde lesen ihn nicht nur auf Deutsch oder vielleicht in der englischen Originalfassung, sondern auch auf Japanisch, Lateinisch etcetera.

Was ich mir, als die Überforderung der heutigen Jugend interpretieren würde und daher sehr froh bin, auf das Buch aufmerksam geworden zu sein, das sonst, ist es ja schon 2015 erschienen, an mir vorbeigegangen wäre und jetzt ja ein anderes Buch einer noch jüngeren Frau über die Schwierigkeiten des Lebens in aller Munde ist.

In den Wäldern des menschlichen Herzens

Der 1974 in Potsdam geborenen Antje Ravic Strubel, die 2001 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat mit dem, wie am Cover steht, Episodenroman “In den Wäldern des menschlichen Herzens” einen Reigen des einundzwanzigsten Jahrhunderts geschrieben, wo es hauptsächlich um Frauenbeziehungen geht, aber auch eine Transgender Person, was der Grund auch war, weshalb ich das Buch anfragte und gelegentlich ein Mann, spielen eine Rolle.

Der Schausplatz ist die moderne globalisierte Welt, wo wir ja so leicht von einem Kontintent in den anderen fliegen und auch unsere Wohnort wechseln, also von Berlin nach Amerika oder nach Schweden ziehen, weshalb die Umwelt verschmutzt, so daß man sich dann auch in die modernen Naturoasen,  wie in die Wüsten bei L.A oder in die schwedischen und norwegischen Fjorde zum Kanufahren und Marathonlaufen begibt, wo man sich vor den Mückenschwärmen schützen muß.

Katja, Rene, Leigh, Faye, Emily, Helen, Sara etcetera spielen eine Rolle und flattern in wechselnden Beziehungen durch die Kapiteln, in denen man nach und nach eine Handlung erkennt.

Ich habe das ja in den “Dreizehn Kapitel”, wo es nicht um Sex geht, auch einmal versucht, jetzt weiß ich, daß das “Episodenroman” heißt und Sex spielt in den Episoden eine große Rolle. Es geht um Sex und um menschliche Beziehungen, allerdings in einer viel moderenen Art (no na), als bei Arthur Schnitzer, obwohl es ein Weihnachtskapitel gibt, das mich an seinen “Anatol” erinnerte.

Also, Katja und Rene fahren zum Kanaufahren nach Schweden und Katja gesteht der Journalistin, die ein Crossover zwischen einem Reiseführer und einem Reiseroman mit fiktiven Elementen schreiben will, daß ihr die Beziehung mit ihr keinen Spaß mehr macht, so läßt sie “Katjuscha” zurück und im nächsten Kapitel sind wir in Kalifornien, wo Emily, mit Leigh, der einmal ein Mädchen war, in die Wüste fährt und dort verschwindet.

Sie taucht dann etwas später in Hiddensee, in Deutschland auf, wo sie kellnert und noch nicht so gut Deutsch spricht, daß sie Kinder, die Quallen quälen zurechtweisen könnte.

Sie ist die Tochter von reichen Eltern, die ihr Geld mit dem Verkauf an Wasserrechten verdienen, als sie das anprangert, wird sie entführt und in der Wüste ausgesetzt. In der Bar in der sie in Deutschland arbeitet, lernt sie Rene kennen, übersetzt ihr Buch und stellt es mit ihr in Manhatten bei einem Übersetzerkongreß vor.

Es soll auch groß, allerdings in einer anderen Übersetzung, herauskommten, was zur Beziehungskrise zwischen ihr und Rene führt und die gibt es bei zwischen Faith, Emilys Freundin, die einmal mit Leigh in die Wüste fuhr, um nach Emily zu suchen, sich jetzt aber in Schweden in einer Dreierbeziehung vorfindet, auch und am eindrucksvoll- skurillsten fand ich die Sznene, wo Helen, das ist eine Frau aus dieser Dreierbeziehung, nach Berlin fliegen will, am Flughafen aber eine Frau sieht, die nach Münschen will. Sie ändert ihren Plan, folgt ihr ins Hotel, das sie sich eigentlich nicht leisten kann und wird von der Rezeptionistin angerufen, die ihr sagt, daß sie die Polzei rufen will, weil unten in der Lobby eine verrückte Alte eine Party feiern will. Sie geht dann hinunter, um sich an den Freigetränken zu bedienen.

Am Schluß wird es ein wenig unverständlich, denn da fährt eine “sie” mit einem Katt durch Mecklenburg, Vorpommern, ein alter Mann rennt in ihr Auto, niemand der Alten in dem Dorf hilft ihm, denn in der DDR hat man die Unbequemen dorthin ausgesetzt und die Erzählerin entdeckt in Katts Aufzeichnungen, den Namen “Katjuscha” und die Beschreibung “Es ging um Sex. Sex in Hotels, auf Felsen, in Bars, nüchtern, drastisch, verliebt” und der Reigen hat sich geschlossen.

Ich habe Antje Ravic Strubel, wie schon erwähnt durch ihren Text beim Bachmannpreis kennengelernt, die ich mir damals, glaube ic,h noch ausdruckte und nachlas und dann 2003 oder vier oder fünf, als es in der “Buchlandung” die Ein-Euro Bücher gab, einiges von ihr entdeckt und auch gelesen, aber wie ich mich erinnern kann, eher unverständlich gefunden.

Jetzt habe ich vor ein paar Tagen “Tupolew 134” von ihr im Schrank gefunden.

“Kältere Schichten” war 2007 für den “Leipziger Buchpreis” nominiert, mit “Sturz der Tage in der Nacht” ist sie 2011 auf der  LL des “Deutschen Buchpreises” gestanden.

Jetzt habe ich sie in Leipzig auf dem “blauen Sofa gehört, wo sie sagte, daß wir immer noch sehr wenig Ahnung über die verschiednenen Beziehungsformen haben und beispielsweise, Transsex mit Transgender verwechseln, was aber, wenn ich  John Irving richtig verstanden habe, eine Veränderung der Sprache ist, so daß man heute zu dem, was früher Transsex war, heute politisch korrekt Transgender sagt.

Und verändert hat sich, wie das Buch deutlich zeigt, auch sonst sehr viel.

aichinger- digital human

Ein “Ilse Aichinger-Symposium” in der “Gesellschaft für Literatur”, das erste, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erzählte, Vorträge und Lesungen hätte es aber schon gegeben.

Die erste im Dezember 1965, da hat sie aus “Eliza Eliza” gelesen.

Das habe ich natürlich versäumt, war aber schon bei Aichinger Veranstaltungen in der “Alten Schmiede” und einmal, glaube ich, in der Beamtenversicherung, da hat sie noch selbst gelesen, vor circa zehn Jahren oder etwas länger und da habe ich mir auch das “Edition Korrespondenzen Heftchen”, wo ihre Publikationen angekündigt waren, signieren lassen.

Jetzt tritt Ilse Aichinger nicht mehr öffentlich auf, dafür gab es aber ein großen Foto von ihr vor dem Vortragspult und das “Aichinger Symposium”, das am Donnerstag und Freitag in der Herrengasse stattfand wurde, von Christine Invanovic konzipiert, die ist Professorin der Komparatistik und das “Symposium” ist ein Studentenprojekt, deshalb waren auch sehr viele junge Leute da.

Drei von ihnen haben am Vortragspult Platz genommen und es begann mit einem Film aus dem Jahr 1965 “Bücher beim Wort genommen: Schlechte Wörter”, den Johannes Schlebrügge und Ulrike Voswinckel im Haus der Dichterin in Großgmain, wo sie damals lebte, drehte.

Es ging um das Buch “Schlechte Wörter” und die noch sehr jung wirkende Ilse Aichinger las daraus den Text “Dover”: “Wult wäre besser als Welt.  Weniger brauchbar, weniger geschickt…”

Dann ging sie einen Wiesenweg hinunter und erklärte, wie bei ihr das Schreiben funktioniere. Der erste Satz muß stimmen, mehr weiß sie nicht, aber wenn sie den hat,  läßt sie sich treiben und der Text entsteht und bei den Figuren ist das ähnlich.

Erstaunlich,  von einer eher experimentellen Dichterin, mit einer Stimme, wie sie heute Valerie Fritsch hat, schon  1976, das zu hören, was heute in jedem Schreibgeberratbuch lesen kann und im Anschluß an den Film lasen die drei Studenten, den Text nochmals vor und diskutieren mit dem Publikum eineinhalb Stunden darüber, wie man ihn verstehen kann.

Ich habe ja Ilse Aichinger so verstanden, daß ihr Schreiben ein Assoziationsfluß ist, also aus dem Unbewußten kommt, interessant also die Deutungen der Studenten und interessant, sozusagen live eine Proseminar zu erleben oder sich vorzustellen, wie das Studieren heute geht.

Dann gabs eine Pause und dann ist es mit “Ilse Aichinger und der Film” weitergegeangen. Alexander Horvath, der mit ihr befreundet war, hat dazu einen Vortrag gehalten,  Ilse Aichinger ist ja sehr lange jeden Tag ins Kino gegangen und hatte vor zehn oder fünfzehn Jahren auch einen diesbezügliche “Standard Kolumne”.

Im Anschluß daran hat Anne Bennent Aichingers Gedichte gelesen und am Freitag geht es weiter mit dem Syamposium. Ich bin aber schon nach der Pause, in der ich mich sehr lang und sehr intensiv mit dem “Korrespondenz-Verleger” Reto Ziegler, der auch mit Ilse Aichinger befreudet ist und der sich jede Woche besucht, unterhalten, gegangen, weil ich  mit dem Alfred nach Krems zum achtzehnten “Literatur und Wein- Festival” gefahren bin und das Wochenende auch in St. Pölten, beziehungsweise Krems und Göttweig bleiben werde.

Ergänzend ist vielleicht noch hinzuzufügen, daß es  bei dem Symposium auch um Orte, beziehungweise Verortungen geht, deshalb auch der Text “Dover” und deshalb gab es auch eine Fotoausstellung mit Bildern von den Studenten, an der Stelle, wo sonst die Fotografien von Hertha Müller, Friederike Aichinger, Gert Jonke hängen und digital:human heißt das  Studentenprojekt wahrscheinlich, weil sich die Studenten auch im Internet damit beschäftigen und da sozusagen ein “Aichinger-Haus” eingerichtet haben.

 

Dunkles Italien

Heute bin ich wieder einmal in die Hauptbibliothek gewandert und habe dort einen Italiener kennengelernt, der mir sonst entgangen wäre.

Gioaccino Criaco, 1965 in Africo, Aspromonte Gebirge geboren, in Mailand Rechtsanwalt gewesen, stellte, wieder assistiert von Robert Reinagl und vorgestellt vom Italien Korrespondent Andreas Pfeifer moderiert, seinen von Karin Fleischanderl übersetzten und bei “Folio” erschienenen Roman “Schwarze Seelen” vor.

Deshalb bin ich einmal gleich Gustav Ernst fast in die Arme gelaufen, den ich schon lange nicht gesehen habe und Andreas Pfeifer stellte dann die Gegend des Aspromonte, eine schöne aber auch offenbar gefährliche und sehr arme Gegend, denn in dem ersten Stück das gelesen wurde, erzählt einer, wie er als Kind mit seinem Vater und seinem Bruder ein “Schwein” durch  die bergige Gegend führ, das stellt sich bald als ein entführter reicher Industrieller vor. Sie gehen mit ihm in eine Hütte, geben ihm zum essen, sperren es dann in den Stall, dann fahren oder gehen sie zurück in ihre Wohnung, um am nächsten Morgen mit dem Schulbus in die Stadt zu fahren. Denn sie sind arme Ziegenhirten und brauchen solche Geschäfte offenbar zum Überleben.

Später gehen sie zum Studium nach Mailand, geben das aber  bald auf und leben vom Drogenhandel, werden reich dabei, sind aber getriebene und kehren noch ein bißchen später in das Heimatdorf zurück.

Das waren die drei Leseblöcke.

Dazwischen gab es Gespräche über die Mafia, die Geschichte des Landes und die Karriere des Autors, von dem im Programm steht, daß sein Vater in einer Blutfehde ermordet wurde und sein  Bruder einer der meistgesuchten Kriminellen war.

Er hat es aber geschafft, als Rechtsanwalt und jetzt als Autor auf der “richtigen Seite”, die auch diskutiert wurde, zu bleiben. Das Buch wurde inzwischen verfilmt und die zahlreichen Fragen aus dem Publikum erkundigten sich nach der Rolle der Kirche, der Frauen und, wie man es schafft die Kinder von der Kriminalität wegzubringen.

“Die Literatur!”, war glaube ich ein Vorschlag, des charmanten und auch sehr selbstbewußten Moderators.

So konnte man das Buch auch kaufen und signieren lassen und ich habe wieder etwas gelernt, obwohl mich die kitalienische Mafia ja nicht so besonders interessiert. Von der alltäglichen Gewalt, in der, weil so armen Gegen offenbar schon schon Kinder zu Kriminellen werden und ganz selbstverständlich in den Neunzehnsiebziger bis neunziger Jahren tausende Reiche entführt wurden, habe ich allerdings nichts gewußt.

Grillparzer-Bachmann-Jelinek

“Vom  Vielvölkerstaat zur europäischen Union”, hieß ein Vortrag von Prof Pichl, den die “Grillparzer-Gesellschaft” anläßlich ihrer GV in der”Gesellschaft für Literatur” veranstaltet hat.

“Dargestellt bei Franz Grillparzer-Ingeborg Bachmann und Elfriede Jeliniek”, hieß es noch weiter, was der Grund auch war, warum ich hingegangen bin, denn diese Autorenauswahl  ist ja sehr interessiert, wenn auch durchaus unterschiedlich.

Ruth Aspöck, die ja seit ihrem “Grillparzer-Buch” Mitglied der “Grillparzer-Gesellschaft” ist, habe ich gleich gesehen, die sich mit einer Dame unterhielt, die sich als Agnes Pistorius entpuppte und deren Buch über ihre Mutter, Hedwig, die im Burgtheater öfter die Libussa spielte, habe ich ja gelesen.

Die “Libussa” nicht und auch nicht im Burgtheater gesehen, aber kürzlich Friedrich Schreyvogels “Grillparzer-Biografie” und über die europaische Union, beziehungsweise ihren Schwierigkeiten bei der Flüchtlingsfrage kann man  jetzt öfter in den Medien hören.

So wurde heute  bei von “Tag zu Tag” ein Roman des Satirikers Klaus Oppitz “Landuntergang” vorgestellt, wo Österreich ein Polizeistaat ist, der aus der EU ausgetreten ist und Arbeitslose und Regimekritiker in Textilfabriken sperrt. Aber darum ist es bei dem Vortragt nicht gegangen, sondern um Grillparzers Weltbild, der ein großer Monarchist gewesen ist und am einem Untergang des Vielvölkerstaats wahrscheinlich sehr gelitten hätte.

Was er zu einer möglichen EU gesagt hätte, darüber kann man wahrscheinlich nur spekulieren und Ingeborg Bachmann hat in ihren “Drei Wegen zum See” auch schon durch den Namen Franz Joseph Trotta  monarchistische Anklänge beziehungsweise solche an Joseph Roth anklingen lassen und die Jelinek hat sich, wie Professor Pichl erwähnte in ihren Werken nicht auf die EU aber sehr wohl in ihren Interviews darauf bezogen. War sie doch zuerst gegen einen Beitritt, dann aber in Zeiten der FPÖ-Siege froh, “in der Löwengruppe nicht ganz allein zu sein”, wie ich es im Jahr 2000 einmal in einem Essay bezüglich der “Santktion bezüglich schwarz-blau” formulierte.

Nachher gab es eine lange Diskussion mit der Frage, wie Grillparzer zur EU gestanden wäre und Fragen zu Deutschland und dem eisernen Vorhang.

Zur Literatur wurde weniger diskutiert, wurde, die in dem eher kurzen Vorttrag  auch nur angerißen, obwohl Prof. Pichl in seinem Schlußwort alle zum Lesen von Grillparzer-Bachmann-Jelinek aufrief und das habe ich mit Ausnahme der Jelinek, bei der die ich eigentlich mehr zu Veranstaltungen gehe als lese, in letzter Zeit auch getan und die ist ja, weil sehr links, bei manchen, wie Professor Pichl bezüglich seiner Vortragserfahrungen erlebte, nicht so beliebt, hat aber sicher sehr viel Kritisches zur momentanen Weltlage zu sage.

Weiter mit dem “Damendoppelpingpong”

Im Jänner hat es bei den “Wilden Worten” ein Damendoppel aus der “Sprache-Anthologie” gegeben. Erika Kronabitter und Marianne Jungmaier haben ihren Schlagabtausch gelesen und jetzt gabs bei Richard Weihs die Fortsetzung mit Patrica Brooks und Judith Nika Pfeifer, an der ich ja am letzten Donnerstag vorbeigegangen bin, als ich zu “Westbahn-Spontan” in Cafe Fortuna ging.

Das Thema war Reisen oder auf Englisch ausgedrückt “on  a bling bling trip” und das bedeutet, wie jemand aus dem Publikum erfragte, etwas Glamouröses, Schein und Glimmer und die beiden Damen haben sich sowohl offenbar am Donaukanal getroffen, als auch gegeneinander Mails geschrieben, die sie dann in einer Word Datei gesammelt haben.

Sie haben auch gewürfelt und sich auf der Landkarte blind einen Ort ausgesucht und dann “schwesterlich” aufeinander Bezug genommen. Regeln und Vorschriften tauchen auf, was man in Hotels und in der Öffentlichkeit alles nicht machen darf, rauchen, lachen, lieben, essen, beispielsweise und von mir erfunden und in Island war die Marmelade zu erraten, die nach Rharbara klang und offenbar auch so schmeckte.

“eine münze werfen. mit dem finger tippen. zum flughafen fahren. sich keine gedanken machen. reisen ohne plan. herumkommen. immer neu vernetzt. schauen, wo es eine/n hinführt. zwei machen sich auf dem weg, rechnen mit dem unvorhersehbaren.

die autorinnen nehmen den zufall als ausgangspunkt für reisen in unterschiedliche gebiete, mit dem kofferradio in der hand schicken sie randnotizen aus macao, reisen auf den spuren von alvar aato nach jyväskyla, rekapitulieren versäumnisse, versäumte flüge und irrwege”

Steht so am Flugblatttext. Nachher gab es viele Fragen im Publikum und Fragen von Judith Nika Pfeifer, glaube ich an Richard Weihs, wohin er reisen würde?

Er ist aber nicht so ein Reisefanatiker, sondern reist  nur zum Semmerling oder mit dem Kopf.

“Vom Semmering nach Simmering”, wurde dann geunkt und in dem Büchlein, in dem ich mir Notizen machte, stand sinnigerweise “Meine weiteste Reise war nach..”

Japan würde wohl die Antwort lauten oder auch Hongkong, Bali, Malysia, Mexiko, New York  und zwei freie Wildbahngäste hat es auch gegeben.

Einen Herrn, der betonte kein Magister zu sein und Werner Grüner, der wieder seine gesammelten Gedanken zum Ausdruck brachte und beim Lesen  bemerkte, daß sie ein bißchen ordinär ausfielen.

“Immer diese Männerwitze, ich verstehe sie nicht!”, stöhnte so auch, glaube ich, Gabriele Petricek.

“Aber auch zum Nachdenken!”, lautete die gemütliche Antwort.

Wunschgedichte hat es auch gegeben, ich habe mir sinnigerweise eines zum Thema “Wurfgeschichte”, mit dem Beginn “Heute-” und den Worten “Dosenbier”, “berühren”, “Rasierklinge” und “Lügen der Frauen” gewünscht.

Man sieht ich habe meine gegriffenen Worte inzwischen ein wenig abtewandelt und werde die sechzehnte Szene demsächst Anna Augusta über “Dosenbier” und “Rasierklinge “bezeihunsweise Zoran und Stefan Zweig schreiben oder das von Anna  Augusta machen lassen und da ich diesbezüglich wahrscheinlich etwas mehr über Stean Zweig wissen sollte, bin ich zu meiner Leseliste, beziehungsweise meinen Regale abgegangen und  haben “Josef Fouche – das Bildnis eines Politischen Menschens”, ein Fischer TB aus dem Jahre 1964, und  zwei Novellenbände gefunden.

Zu den Autorinnen sollte ich noch anmerken Patricia Brooks wurde 1957 geboren und ist vielleicht auch eine die inzwischen Karriere machte, ich habe sie, glaube ich, durch ein gemeinsames Portrait in der Zeitschrift “Buchkultur” kennengelernt. Dann hatte sie ein paar Bände in der “Edition Selene”, macht die “Radio Rosa-Reihe”, die im Oktorber ein Jubiläum hat, bei den “Mittleren VI” hat sie gelesen und vor Weihnachten habe ich sie im “Read!!ingroom” mit dem fröhlichen Wohnzimmer gehört.

Judith Nika Pfeiferwurde 1975 geboren, kennengelernt habe ich sie im Literaturhaus, bei dem “Lyric Festival”, wo sie mir im Lyrikautomat ein Gedicht zu meinem Foto schrieb, sie ist Priessnitzpreisträgerin und hat, wie schon oben erwähnt, am Donnerstag im Literaturhaus gelesen.

Weiter gehts

Der gestrige Samstag ist einer mit dem ich schreibtechnisch zufrieden sein kann, wie das so blöd Neudeutsch heißt. Ich habe  schon am Freitag einen Schreibetrag machen wollen, beziehungsweise meine Notizen bezüglich “Berührungen” durchforsten und ein Konzept erstellen, die nächsten Szenen planen, ein Handlungsgerüst erstellen, damit endlich was weitergeht oder ich haue die elf Szenen und die knapp eindunddreißig Seiten, die ich bis jetzt habe, weg, habe ich ja am Donnerstag in der Schreibgruppe verlautet, wo ich mir Bierdose statt Dosenbier wünschte, dann, das hatte ich schon beim Hingehen ins Cafe Fortuna geplant gehabt, sozusagen eine Zusammenfassung “Roman versus Wurfgeschichten” schrieb, die dann vom Zoran über die sehr viefältigen Handlungsstränge aus- und wiederzurückgekommen ist.

Ilse Kilic, die da ja sehr offen ist, hat es gelobt und gemeint, es hätte ihr gefallen, die Ruth hat gemeint, es wär zu kompliziert, ich solle nicht soviel über Ausländer schreiben, weil ich ja von ihrem Leben vielleicht nicht so viel verstehe und wieso “Wurfgeschichten”, “Greifgeschichten” gehen auch, habe ich berichtig,  Peter Czak hat sich erkundigt, wie das mit dem diesbezüglichen Schreibtip ist, die Ruth hat gesagt, “Greifgeschichten”, während Ilse Kilic meinte ihr würden “Wurfgeschichten” besser gefallen, weil das ja von “Entwürfen” kommt.

Derweil ist es mit meinen “Wurfgeschichten” nicht weit her. Ich bin wahrscheinlich eine Romanschreiberin und ich habe dann am Freitag nach einer sehr langen Anlaufsphase, wo ich mir noch einmal meine “Paul und Paula”- Schreibberichte durchgesehen habe, zuerst die letzten Szenen, die ich zu Ostern in Harland und dann in der letzten Woche in Wien geschrieben habe, korrigiert und dann bis gestern das Ganze noch einmal von vorn und ich denke ganz vorsichtig, vielleicht wird  etwas daraus, bezüglich des “Schreib nicht so viel und so schnell!”, was meine Kritiker ja immer von mir wiederholen, kann ich verlauten, daß ich über die sechs Wochen Rohkonzeptphase schon bald  hinüber bin, denn ich bin, glaube ich, im Februar auf Stoffsuche gegangen, habe da mit der Idee der blockierten Schriftstellerin, die zu einem Psychiater aus einem meiner vorigen Bücher geht und der Frage, ob die Hildegard jetzt wieder auf Weltreise gehen kann, wenn doch schon die Uschy Bischof dort war, begonnen und wahrscheinlich zu patschert angefangen und mir einige Fallstreicke gelegt, die ich hoffe, jetzt einigermaßen gelockert zu haben und ansonsten habe ich vor weiterzuschreiben.

Das wohin ist noch immer vage und unbestimmt, denn es gibt sehr viele Ebenen und Handlungsstränge. Da ist einmal die ausgeschriebene Anna Augusta mit ihrer “Berührt nicht!-Kritik”, dann die Hildegard, die immer noch im Turnsaal bei Zarah Bashrami, Zoran Simic, Jurij Abrahamovic und ihrem “Zwöften Februar-Stück” ist, aber das wird vom Himmel aus von Heimito von Doderer und Stefan Zweig beobachtet, während Anne Frank inzwischen in der Himmelsbücherei war und sich ihr Tagebuch geholt hat.

Dann gibt es noch Anna Augustas Nichte Angela oder Angie Engel, den sprechenden Namen zur Potenz, an denen sich Fau Haidegger meine erste Kritikerin ja sehr störte und das Ganze gibt Stoff für mindestens zehn Romane oder so und mein Wunsch ist es ja auch meine Hemmung, was ich glaube auch schon habe, zu überwinden und mir wirklich einmal sehr sehr viel Zeit zu lassen.

Eine “Schneflockenplanerin” bin ich noch immer nicht, also lasse ich das Ganze kommen, wachsen, gedeihen oder auch wuchern und schneide es auch immer wieder mit Korrekturdurchgängen zurück, so habe ich gestern die einunddreißig Seiten auf, glaube ich, acht- oder neunundzwanzig reduziert und dann gleich zwei Szenen geschrieben, die, wo Angie Engel ihre Tante Anna besucht und dann die, wo Anne Frank sich von Fräulein Silberstein ihr Tagebuch geben läßt, so daß ich jetzt  dreizehn Szenen, fünfunddreißig Seiten und 15.8443 Worte habe.

Man sieht ein “Nanowrimo” wird es diesmal nicht, weil ich diesbezüglich zu oft  korrigiere und Ideen für meine vier oder fünf Ebenen habe ich auch.

Formal sieht es ja so aus, daß sich die Anna Augusta Szenen mit denen ihrer Romanfiguren abwechseln. So wird sie demnächst wieder zu Theo Hardenberg gehen und der wird ihr stolz ein Foto von seiner neugeborenen Tochter Jovanka zeigen. Dann gibts eine Zoran Szene, dann wieder A. A. und die Anne geht mit ihrem Tagebuch ins Wolkencafe zurück, wo Stefan und Heimito immer noch mit dem Fernrohr  auf die Probe in den Turnsaal des Studentenheims schauen.

Was dazwischen kommt weiß ich noch nicht. Die “Wurfgeschichten” wurden bis jetzt eher nur erwähnt aber nicht geschrieben. Das wär dann was  fürs nächste Projek, und dann eine Geschichte aus fünf Wörtern ohne das Romanhintergrundkorsett zu machen.

Vage Vorstellungen vom Ende gibt es aber schon.  A. A. A. wird für den “österreichischen Buchpreis” nominiert, ob sie ihn bekommt bleibt offen. Hildegard fährt weg, wohin ist auch noch vage, Zoran wird am “Reinhardt-Seminar” aufgenommen und  bekommt  Zarah. Begibt sich allerdings vielleicht in eine Menage a trois mit dem Jurij.

Ganz toll, denke ich, meine Leser werden es vielleicht kitschig finden, daß schon wieder ein Schutzengelchen, nämlich Anna Augustas Nichte, die Sozialarbeiterin bei der “Caritas” ist, vorkommt und natürlich wird und soll es eine Eva Jancak bleiben und es ist auch sehr persönlich. Die Flüchtlingstrilogie kommt einige Male vor und die Uschy Bischof aus den “Dreizehn Kapiteln”, die ja auch auf Weltreise geht.

Die Zoran und die Jurij Stränge könnten noch ausgearbeitet werden und was das “Man schreibt immer den selben Roman sein Leben lang” betrifft, bin ich daraufgekommen, das ist nicht von mir sondern von Heimito von Doderer, der das in den fünziger Jahren zu Heinz Fischer Karwin in einem Radiointerview sagte, das man sich bei “You Tube” anhören kann.

Denn als ich gestern die Szenen zwölf und dreizehn konzipiert hatte, habe ich mir zuerst einen Film über Anne Frank angeschaut, eigentlich, um herauszubekommen, ob sie ihren Vater wirklich Pim nannte und dann habe ich nachgeschaut, was sich über Doderer bei den “You Tube” finden läßt.

Von Stefan Zweig habe ich vor kurzem einen “Arte Film” gesehen und war auch in Salzburg auf seinen Spuren, obwhl ich da ja noch gar nicht wußte, daß ich ihn ins Himmelscafe setzen werde, beziehungsweise die Zarah Bashrami ihn in ihrem Stück auftreten läßt.

“Die Welt von gestern” und das “Kleine Doderer-Buch” steht immer noch auf meiner Leseliste. Vorerst habe ich aber noch ein paar Rezensionsexemplare zu lesen, die ich mir nach Leipzig bestellt habe. Was den Zweig betrifft, habe ich vor langen, noch in meiner Hauptschulzeit, die Biografie der Marie Antoinette gelesen, weil sie im Bücherschrank meiner Eltern stand.

Die “Schachnovelle” habe ich gefunden und die “Welt von gestern” auch aus dem Fundus meiner Eltern, habe ich ungefähr nach meiner Matura gelesen und in dieser Zeit war ich auch ein Doderer-Fan, habe mir vieles von ihm gekauft und von seinen “Dämonen”, die ich, glaube ich, im Sommer 1977, als ich gerade in die Otto Bauer Gasse gezogen war und mit dem Willi am Freitag immer in den Volksgarten tanzen ging, obwohl ich das gar nicht kann, im Stadtpark gelesen habe, war ich sehr begeistert, obwohl ich sie sicherlich nicht verstanden habe und wiederlesen sollte.

Aber wann? Sie sind ja erst in den Fünfzigerjahren erschienen, obwohl Doderer erste Entwürfe, glaube ich schon zu dem Zeitpunkt hatte, als ihn Zarah mit Stefan Zweig zusammentreffen läßt.

So weit so what und weiterschreiben, weiterentwickeln lassen, dazwischen wird es wahrscheinlich bald eine Vorschau von “Paul und Paula” mit einem professionellen roten Cover geben. Das neue Buch von Antje Ravic Strubel, wo auch eine Transgenderperson vorkommt, habe ich jetzt gelesen und die Verlage haben hundertsechundfünfzig Bücher für den neuen dBp eingereicht, neundundachtzig davon aus dem Frühjahrsprogramm, vierzehn aus dem vorigen Herbst, die anderen müßen erst erscheinen und man müßte wahrscheinlich die alle lesen, um dann etwas Qualifiziertes über die künftige Longlist aussagen zu können, aber dann würden ja auch noch die vielen anderen gar nicht erst eingereichten Bücher fehlen und so kann ich mich, obwohl ich ja schon fleißig lese, gerade Janko Marklein “Florian Berg ist sterblich”, auf meinen neuen Roman konzentrieren, auch wenn sich niemand außer mir dafür interessiert.

Wie kommt der Parmesan in die Tastatur?

Jetzt habe ich ja schon lange nichts mehr vom Holzbaum-Verlag gebloggt, dem kleinen feinen österreichischen Verlag mit Shop im Museumsquartier, der mir den Humor näherbringt und mir so getreulich seine Cartoons über Katzen, Fußball, Hunde, Wien, Weihnachten, Kunst, etcetera, zuschickte.

Da geht einmal der Stoff aus, könnte man so meinen, es gibt zwar auch die Holzbaum-Karikaturisten Daniel Jokesch und Oliver Ottitsch beispielsweise oder Jean La Fleur, von dem man in dem kleinen feinen weißen Heftchen, um wohlfeile fünf Euro, wie ich in einer anderen Besprechung gelesen habe, nicht viel an Information, was für einen Kontrollfreak, wie mich ein wenig schade ist, finden kann.

“Jean la fleur ist die größte Bitch im Cartoon-Business, macht alles für Gelkd z.B. in Titanic, Eulenspiegel und TAZ veröffentlichen.

Der Begründer der neuen Frankfurter Hauptschule (Mitglieder.1) veröffentlicht seine Witzbilder außerdem in dem Hetz-Blog itsjeanbitch.tumbir.com.

Nun ja, “Besser als die Bild-Zeitung!”, steht dann noch am Heftchenrücken und dann geht es los in die fünfzig  schwarz-weißen Bildgeschichten, um die wohlfeilen fünf Euro und man oder frau ist zuerst vielleicht ein wenig verwirrt, bis man sich eingelesen hat, in die neue Tradition, der Frankfurter oder vielleicht auch Wiener Hauptschulbildung.

Denn jetzt muß ja alles schnell und leicht zu lesen sein und so hat  man auf den wohlfeilen achtundvierzig Seiten, die zwei anderen sind wahrschein am Cover und am Back zu finden, sich ruck zuck in  die Geschichten eingelesen, von denen ich einige nicht einverstanden habe, einige nicht so aufregend sind und die anderen beeindrucken und vielleicht sogar durch oder unter die Haut gehen.

Immer alles schön schwarz weiß gezeichnet,  den Text dazugeschrieben und man hat sein Lesepotential schon erfüllt, am Handy oder Smartphone ist es vielleicht noch trendiger. Aber ich bin ja eine Handyverweigerer, also nutze ich die schöne alte Pritform und in die Tasche stecken, kann man das Heftchen, sicher auch.

“Leg das Baby vor die Tür. Es zieht!”, lautet etwa so eine Geschichte. Das habe ich genaus treffend vor Jahrzehnten von der Erni Mangold in den “Geschichten aus dem Wienerwald” vorgespielt bekommen und die Figuren haben, wenn sie weiblich sind, einen Roßschwanz, die Männer einen Schopf, den man auch für ein Loch im Kopf halten könnte, oder überhaupt eine Glatze. Gesichter haben sie eigentlich keine oder nur ansatzweise.

“Seit ich die Brille habe, versuchen mir alle ein intellektuelles Gespräch aufzudrängen!”, denkt sich so eine solche Figur in einer Bar und die Dame auf der Straße sagt: “So, so… Philosophie-Professor. GV, AV und küssen ist alles inklusive. Aber reden kostet extra!”

Noch ärger ists schon weiter vor beschrieben “Hi, ich bin Uwe, der Projekt-Lead. Das ist Marek unser neuer Art Direktor. Wann soll die Wand denn fertig sein?”, sagen die Maler und Anstreicher zur Kundin, die prompt “Freitag ist Deadline!”, antwortet.

“Ich hab mir eine Brust verkleinern lassen, um auf mein Idealgewicht zu kommen!”, sagt eine Klassefrau zu der anderen und das Lebensgefühl und der Leistungsdruck von heute ist  treffend beschrieben.

Die “Greenpeace-Aussteiger” verlangen Plastiktüten an der Kassa und auf der einsamen Insel ist niemand da, “der die Palme ficken will”.

Und wie schaut es in der “Redaktionssitzung der Lügenpresse aus?, da hat der Hund den Artikel des einen Redakteurs gefressen, während der andere nicht schreiben konnte, weil seine Oma gestorben ist und die Dame hatte natürlich ich “Magen-Darm!”(Probleme) füge ich hinzu.

Das mit dem “verliehenen Nobelpreis” habe ich, glaube ich, schon einmal gesehen und beim “Poetry Slam” liest der Dichter “Erfahre den Trick, mit dem Dein Penis wächst und riesig wird” aus dem Büchlein vor.

So gehts  durch das Heftchen und die bis fünfzig Kurzgeschichten. In der “Salatbar”, bekommt der Gast keine” Ladung Rucola” mehr serviert und wenn sich “Bildungsbürger radikalisieren” bringen sie “Sammlungen seltener Steine” auf die Demo mit und ich höre auf, um nicht zu viel zu spoilern, da man die dazupassenden Zeichnungen aber nicht  sehen kann, muß man sich, wenn man den ganzen Genuß haben will, ohnehin  das Büchlein kaufen.

Was ich nur empfehlen kann, denn Jean La Fleur wird in den Rezensionen mit Tex Rubinowitz und Nicolas Mahler verglichen und “Wie der Parmesan nun in die Tastatur kommt”, habe ich auch noch nicht verraten.

Es ist aber “Egal”, denn “ich gehe Nudeln kaufen!”, entscheidet sich das gesichtslose Männchen mit dem Loch im Kopf, das man am Cover sehen kann.

 

Muttergehäuse

Von Gertraud Klemm, eine von denen, deren literarischen Aufstieg ich verfolgen konnte, habe ich, glaube ich, das erste Mal bei den Textvorstellungen “Etwas Wichtiges fehlt” gehört, wo sie ihr bei “Arovell” erschienenes Buch “Mutter auf Papier”, in dem es um Adoption und die “Mütter und Reproduktionsindustrie” vorstellte, gehört.

Vielleicht habe ich ihren Namen aber auch schon mitbekommen, als ich einmal bei einer Lesung von Petra Ganglbauers “Schreibwerkstatt” war.

Dann bin ich ihr auf dem Volksstimmefest begegnet und habe mit ihr eine der diesbezüglichen Anthologien im “Werkl im Goethehof” vorgestellt, da hat sie das “Arovell-Buch” glaube ich, Hilde Schmölzer gegeben und erzählt, daß ihr nächstes Buch “Herzmilch” bei “Droschl” erscheinen wird.

Ein paar Preise hat sie inzwischen auch gewonnen. Dieses Buch habe ich nicht gelesen, aber daraus, glaube ich, bei “Rund um die Burg neu” und vielleicht auch woanders gehört.

Dann kam der Bachmannpreis und die großeEntdeckung mit ihrer “Suada über die Mutteschaft”, wie ich es nennen will, die sehr gelobt wurde, mir aber eigentlich als überholt erschien.

Das das nicht so ist, konnte ich ein Jahr später erfahren und Gertraud Klemm, von der man nach der Diskussion in Klagenfurt denken konnte, das ist jetzt die Gewinnern, mußte bei der Preisverleihung erleben, wie ein Preis nach dem anderen vor ihr weggewonnen wurde und es sich dann gerade noch für den Publikumspreis ausging.

Theresa Präauer hat das ein Jahr später noch stärker betroffen “Aberland”  ist aber im Frühling groß bei “Droschl” herausgekommen, ich habe Gertraud Klemm sowohl in Leipzig als auch bei der “Literatur und Wein” daraus lesen gehört.

Alfred hat das Buch mit ihrer Widmung gekauft, das ich auf meine Leseliste setzte und im August vom Regal holte, nachdem es auf die LL gekommen ist, gefallen hat mir dieser Monolog noch immer nicht besonders, obwohl ich ja wirklich nicht glaube, daß der Feminismus zum Anekeln ist, aber ich denke, wir stehen schon darüber, auch wenn das offenbar die sehr jungen Frauen schon wieder anders sehen.

Bei der Vorstellung der Literaturschiene des “Kremayr&Scheriau-Verlags” in der “Gesellschaft für Literatur war ich dann sehr erstaunt, als ich hörte, daß sie ihr nächstes Buch dort herausbringt.

Das wurde dann in Leipzig im Österreich-Cafe, glaube ich, vorgestellt, dort habe ich Gertraud Klemm  am Stand der IG-Autoren gesehen und jetzt “Muttergehäuse” gelesen, das mir, ich schreibe es gleich, ähnlich, wie Marlen Schachingers Erzählungen, die auch dort vorgestellt wurden, besser als die Suada über die Mutterschaft gefallen hat und mir die Lesung die ganze Zeit dachte, daß mir das  bekannt erscheint.

Aber die 1971 in Wien geborene Biologin hat ja zwei Kinder adoptiert, bis ich beim Nachwort daraufkam, daß es eine Adaption von “Mutter auf Papier” ist.

Da ich den Urtext nicht gelesen habe, kann ich nicht vergleichen, Gertraud Klemms harsche scharfe  Sprache, wie sie mit der Mutterschaft und dem Darum ins Gericht fährt, ist mir aber frischer und weniger künstlicher vorgekommen, als das Mittelschichtelend von Fransziska und Elisabeth, das es natürlich gibt und natürlich haben es auch Unterschichtfrauen und Migranten schwer oder sogar schwerer.

Am Cover ist eine Graphik von Alex Makarova, die es im ganzen Buch immer wieder mit den Träumen der Autorin oder Ich-Erzählerin  zu sehen gibt.

“In Painik laufe ich durch das Haus und suche das Kind. Die Haustür ist offen. Der Pool ist nicht abgrdeckt. Das Kind ist ertrunken”, ist beispielsweiser einer in dem Buch, das sich Roman nennt, aber keiner ist, sondern wahrscheinlich wieder in die Gattungen “Person Essay” oder “Memoir” einzuordnen wäre.

Das wird auch bei den “Amazon-Fünfstern-Rezensionen” bemängelt, daß es mehr ein Sachbuch  oder ein Essay ist, denn man erfährt viel über den Kinderwunsch und die Leiden der jungen oder auch älteren Frauen, die außerhalb der Gesellschaft stehen, weil sie keine Kinder “zusammenbringen”.

Gertrauds Klemms beklemmend lakonischer Ton verweist aber eindeutig in die literarische Richtung. Die Larmoyanz, die mich beim “Aberland” wahrscheinlich gestört hat, fehlt, was beruhigend ist.

Es gibt einen Prolog und ein Motto von Sylvia Plath. Im Prolog erzählt die Ich-Erzählerin, daß sie als Fünfjährige einen Film über eine Geburt gesehen hat, wo die Frau im Schmerzen dalag, alle um sie aufgeregt herumwuselten und nur der ruhige Arzt, als einziger wußte, “wie gebären geht”.

Das könnte als Motto für das Buch stehen und das ist auch das, was mir an Gertraud Klemm Sprache gefällt.

Dann kommen drei Teile, die immer wieder von den oft Alpträumen unterbrochen werden.

“Mutter-Papier-Kind”

Der erste erzählt von der Mutterschaft beziehungsweise dem Schwangerwerden, das seltsamerweise bei der Erzählerin, obwohl alle um sie herum das jetzt werden, nicht geht. Die Ärzte beruhigen zuerst, schicken dann aber zu Sicherheit doch zu den Kontrolluntersuchung und man erfährt, wie die Kinderwunschindustrie passiert, wo die Autos der Gyn- oder Urologen Nummertafeln, wie URO 1 oder GYN 1 tragen. Man für die Untersuchungen bezahlen muß und es oft gar kein Klo für das Urinieren gibt.

Das Paar entscheidet sich dagegen. Vorher gab es noch eine Minikurzschwangerschaft, die mit einer Ausschabung und dem Op-Tisch endet.

“Wohin soll ich sie schicken?”, fragt die Anästhesistin.

Nirvana geht nicht, also entscheidet sich die Erzäherlin für Afrika, fährt dann auch dorthin, um ein Kind zu adoptieren und der Papierkrieg beginnt.

Adoptionskurse, Gespräche mit Sozialarbeitern und die schelen Blicke, der scheinbar besseren, schon schwangeren Freundinnen, die die “Versagerin” mitleidig anschauen..

Die Erzählerin legt sich Wehen- und andere Listen an:

“Haben Sie es verdaut

Haben Sie es verkraftet

Sind Sie sicher ganz sicher”, etcetera.

Die Freundinnen fragen, warum ein ausländisches Kind, weil, die inländischen alle vorher abgetrieben werden, könnte die zynische Antwort lauten und Angst gibt es nur vor dem Nazigroßvater, denn was könnte der zu dem “Negerkind” sagen.

Sehr schön finde ich die Stelle, wo der dann schon über neunzig, nur lakonisch “Der ist ja gar nicht schwarz. Der ist braun!”, meint und bis zu seinem Tod mit dem Therapieball mit dem Buben spielt.

Beim zweiten Kind muß ein neiuer Adoptivantrag auf den alten Bogen ausgefüllt werden. Die Sozialarbeiterinnen entschuldigen sich dafür und auch, daß vielleicht eine “Babypflegekurs” besucht werden muß.

Dann ist es “nur” ein “Geschwisterkus”, wo die Bittsteller im Kreis sitzen müßen, nicht aufbegehren dürfen und “Gefühlshäuser” zeichnen, während man im Amstetten, den Fall Fritzl entdeckt, wo der Großvater sieben Kinder mit seiner Tochter hatte, die er im Keller einsperrte und drei der Kinder vor die Haustür legte und mit dem Jugendamt oder dem für Familie keine Schwierigkeiten hatte.

Ein sehr interessantes Buch, das wohl allen, die sich sowohl mit dem Schwangerwerden, der Mutterschaft und den Schwierigkeiten darumherum auseinandersetzen wollen und das auch literarisch aufgearbeitet haben möchten, zu empfehlen ist und das in seiner graphischen Ausstattung auch noch sehr schön anzusehen ist.