Heute ist mitten in der Nacht

Die Pandemie, hatte auf das Schreiben der Autoren offenbar eine größere Auswirkung als ich bisher glaubte, wo ich ja nach dem ersten Buch der Marlene Streeruwitz immer hörte, “Covid interessiert uns nicht! Und nicht schon wieder ein Covidroman!”

Aber jetzt tauchen plötzlich Bücher auf, die sich mit dem Sterben beschäftigen, wo eine Bestatterin mit ihren Toten spricht oder die Reinigungsfirmen dann die Wohnungen aufräumen, wo die Leute einsam gestorben sind.

“Mit Sprache unterwegs” hat sich mit der Armut im Alter beschäftigt ,und dann diskutiert ob die Insprachnahme der mobilen Pflegedienste oder die Pflegeheime besser wären?

Die Pflegeheime nicht, denke ich, habe das schon früher gedacht, nach Covid, wo man seine Angehörigen aber noch immer nicht ohne Test oder Maske besuchen darf und die Leute dort monatelang keine Besuche empfangen durften und einsam gestorben sind und Covidist schon sowieso schwer zu erklären. Ein Dementer wird sich vielleicht vor den pflegenden Zoombies, die da auf einmal auftauchten gefürchtet haben.

So weit so gut, und eigentlich eine Themenverfehlung, denn es geht ja um das neue Buch, der 1980 geborenen Kerstin Preiwuß, die in Leipzig lebt, beim “Bachmann-Preis” gelesen hat auf der Buchpreisliste stand und jetzt auch noch Professorin am Leipziger Literaturinstitut ist, das den klingenden Namen “Heute ist mitten in der Nacht” hat, wo man natürlich einen Roman vermuten würde.

Aber nichts davon, es sind eher lyrische persönliche kleine Stücke, die sich mit der Angst und dem Tod beschäftigen, in Zeiten, wie diesen, wo wir von der Pandemie in den Ukrainekrieg und die Weltkriegangst stolperten, absolut verstänlich und vielleicht ganz schön, während einer Panikattacke oder nach dem Verlust eines Lieben, dieses Buch zu lesen.

Die kleinen Stückchen beginnen mit einem Autorstoperlebnis der Autorin in Frankfurt, wo sie wahrscheinlich einer Vergewaltigung entkam und dreht sich dann, um die Angst. Wo sie anfängt und wo sie kommt, beim Autofahren wahrscheinlich. Aber auch nach einer Fehlgeburt, die Kerstin Preiwuß einmal erlebte. Dann kommt sie zu dem Unfalltod ihres Vaters, der auf dem Fahrrad von einem Ajuto meterweit geschleudert wurde und sich dann die Angehörigen mit der Frage beschäftigen mußten, ob sie den noch brauchbaren Körper, als Ersatzteillager zu Verfügung stellen, was in Deutschland anders als in Österreich geregelt ist.

Dann geht es schon zu Covid und der Frage, ob man jetzt seine Kinder “Corona” oder “Covid “nennen soll und “Bleiben Sie gesund!”, ist der neue Gruß der Zeit, wie Kerstin Preiwuß erwähnt.

Gedichte gibt es in dem persönlichen Essay immer wieder auch:

“Jetzt ziehen wir ins Schneckenhaus./Die Zeit weiß schon Bescheid.”

Und fiktive Briefe, einen an die Kinder und eines an Emily Dickinson, die sich offenbar auch von der Welt zurückgezogen hat und die nur mehr aus ihrem Fenster hinaus betrachtete. Rose Ausländer hat das, glaube ich, auch gemacht, aber die war ja kriegstraumatisiert und da darf man keine Vergleiche ziehen.

Es gibt das Gedicht von Christine Lavant “Wieder brach er bei den Nachbarn ein…”, das analysiert wird und die Winter, Sommer, etcetera, der Zurückgezogenheit. War die Pandemie offenbar etwas, das Kerstin Preiwuß sehr ernst nahm und in Angst versetzte.

Außerdem was macht man als schreibende Frau, Kerstin Preiwuß nennt sich Schriftsteller, wenn man nebenbei noch Kinder im Homeoffice zu versorgen hat, weil die Schulen und die Kitas ja geschlossen sind?

“Es gibt mich kaum noch./Ich nehme mir nichts vor./Ich arbeitete ab./ Ich denke nicht mehr nach…”

Dann werden die Phasen des Schocks erklärt. Das habe ich auch den Pflegehelfern unterrichtet, als ich in Lainz noch die Fortbildungen machte und verschiedene Worte und Begriffe werden analysiert.

“Was deutet sich als beschaffbar an, Masken, Impfungen, Tests, sofort stellt sich die Bereitschaft ein,vorzusorgen.” Die “Hoffnung schwindet” und das “Früher wird zu einem Sehnsuchtsort.”

“Früher als wir alle noch schwelgten in Erinnerungen, die man nun als verloren betrachtet, darum mit Sehnsucht verbindet.”

Dann geht es zu den “Petitionen der Kunst”. Da gab es bei uns am Anfang einige Demonstrationen, bis diese aufhörten, wahrscheinlich weil die Förderungen kamen und die Demos dann den rechten zugeordnet wurden.

“Wir gaben alles aus der Hand, wir ließen unser gesellschaftliches Dasein ruhen, wir gaben die Kultur auf und ermahnten uns sogar dazu. Wir handelten vorsorglich.” – “Aus Gewöhnung wird also Gewohnheit.” und dann gibt es noch die “Katastrophen”, die man mit den “W-Fragen”, die man im Erste Hilfekurs oder Journalistenseminar lernt, analyasieren kann.

Dann kommt sie zu den “Kindern, die weinen, weil sie als Einzige in der Klasse positiv getestet sind.”, bis es “Plötzlich alle haben, hat man es auch und der Abstand verliert sich.” und “Nach der Krankheit kommt der Krieg”, schreibt Kerstin Preiwuß immer wieder, was sie wieder zur Angst zurückkommen läßt und dann listenartig die Situationen aufzählt, die sie in der Schule erlebt hat.

Der Ukrainie-Krieg wird erwähnt und sogar die Gedichte der Kaiserin Sissi, Zusammenhänge und, die ein bißchen schwer zu verstehen sind, wenn man nicht aufmerksam genug liest, um die Gedankensprünge der Autorin zu verstehen, die mit diesen Buch sich in einer sehr schönen Sprache, mit der Sprache, wohl auch selber Klarheit gewinnen will.

“Kerstin Preiwuß, vielfach ausgezeichnete Autorin von Romanen, Gedichten und Essays legt mit “Heute ist mitten in der Nacht” einen Text vor, der Angst und Schreiben auf eindrucksvolle Weise zusammenführt und ein Zeitempfinden in den Blick nimmt, das unsere Gegenwart bestimmt.”, steht am Buchrücken.

Ein interessantes Buch in dem man über die Ängste und die Gefühle der Autorin erfahren kann.

Oben Erde, unten Himmel

Die erste Neuerscheinung in diesem Jahr. Bisher habe ich ja nur die Reste vom Vorjahr, bezieungsweise, die Bloggerdebuts gelesen.

Jetzt also Milena Michiko Flasars dritter bei “Wagenbach” erschienener Roman. Die zwei Ersten kamen bei “Residenz” heraus, woran man wieder sieht, wie das mit der österreichflucht der Autoren ist. Katja Gasser will ja durch den Leipziger Österreich Schwerpunkt die österreichischen Verlage nach <österreich holen, mal sehen, wie das gelingt.

Ich habe von “Ich nannte ihn Krawatte”, auch in Leipzig prominent erfahren, später hat sie den “Alpha” damit gewonnen. Da haben sie mich ja hinausgeschmissen. Deshalb habe ich das Buch noch nicht gelesen.

“Herr Kato spielt Familie” habe ich schon und “Okasaan”,, den Fund aus dem Bücherschrank, den ich glaube ich einmal während einer GV der IG Autoren besuchte und jetzt das neue Buch, das von “Wagenbach” prominent beworben wurde.

Milena Michika Flasar stand noch nie so im Mittelpunkt, hat mir Robert Huez am Donnerstag in der “Gesellschaft” gesagt. Da wurde das Buch ja im Literaturhaus wieder mit japanischen Spezialitäten, wie mir Robert Huez verriet, vorgestellt, aber das haben wir beide versäumt und sind mit der “Sprache unterwegs” gewesen.

Wobei so anders war es dann nicht, wenn es auch um die “Armut im Alter” und nicht um Japan ging. Aber sonst war die Einsamkeit und sogar die Bestattung das Thema. Die Wassergläser mit den Schlieren, die der mobile Pflegedienst hinterlässt, die dann die Bestatter, die die Leichen abholen, finden und Milena Michiko Flasar hat sich wieder einem Thema mit einem speziellen japanischen Namen nämlich dem “Kodokushi”, dem einsamen Tod, wie im Anhang steht und das ist auch, glaube ich, das besondere am Schreiben der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, die eine japanische Mutter hat, dadurch wahrscheinlich Japanisch spricht und vielleicht auch öfter dort gewesen ist.

Sie hat sich, kann man sagen, der japanischen Kultur angenommen und nach Österreich gebracht. Deshalb fließen immer wieder japanische Wörter durch das Buch. Deshalb hat “Wagenbach” zum Japanisch essen eingeladen und während es im ersten Buch um die, die, weil vielleicht Schul- und Leistungsangst ihre Wohnung nicht mehr verlassen, den “Hikimori” ging und beim zweiten Buch, um einen Pensionisten, der sich als Familienmitglied vermieten läßt, geht es jetzt um die, die monatelang in ihren Wohnung liegen, bis dann die Briefträger oder die Hausmeister die Polizei verständigen und der Reinigungstrupp trifft ein, um die Wohnung zu putzen.

Als ich das Cordula Simon, die ja als Bestatterin tätig ist oder war, am Donnerstag erzählte, sagte sie, das kommt in Österreich nicht so oft vor. Wahrscheinlich ist das in Japan häufiger, das Menschen einsam und ohne Angehörige sterben und eigentlich geht es auch um etwas anderes.

Es geht um Suzu, fünfundzwanzig und auch alleine mit einem Hamster lebend. Sie hat zwar Eltern, mit denen sie telefoniert und die sie zu den Festtagen besucht. Hat aber sonst wenig Kontakt zu ihren Nachbarn, keine Freunde und jobbt als Kellnerin in Familienrestaurants. Sie hat auch das eine oder andere Date, aber sonst wahrscheinlich keinen wirklichen Sinn im Leben und ist vielleicht auch etwas schüchtern. Aber sonst ziemlich schlagfertig und die verliert ihren Job als Kellnerin und sucht nun, weil das Geld ausgeht, etwas anderes. Da landet sie bei der Reinigungsfirma des Herrn Sakai und da ist sie beim Vorstellungsgespräch nicht allein. Ein Takada, der denselben Nachnamen wie sie hat, bewirbt sich mit ihr. Der hat lange Haare, die ihm ins Gesicht fallen und schreibt sich ständig Wörter in ein Notizbuch auf, um später vielleicht einen Roman zu schreiben und wahrscheinlich auch sehr einsam und hat seine Traumen. Er wohnt, auch das ist wahrscheinlich typisch japanisch in einer Kabine in einem Internetcafe und so beginnt Suzu mit dem Reinigungsdienst.

Da wird zuerst ein Gebet gesprochen und dann der Tote, der gar nicht mehr anwesend ist, begrüßt. Das erinnert an die “Bestatterin von Killcross” und nach der Arebei, an die man sich erst gewöhnen muß, deshalb liegen auch Speibetüten bereit, geht es ins Sento, das japanische Badehaus, wo Suzu einer Mrs Langfinger genannten Alten begegnet, die Drops stiehlt, damit sie ins Gefängnis kommt, um nicht mehr einsam zu sein, obwohl sie eine Tochter hat und dann zum Absacken in ein chinesisches Restaurant.

Man sieht Herr Sakai kümmert sich sehr fürsorglich um sein Team und veranstaltet zum Kirschblütenfest auch ein Picknick, wo er alle seine Bekannten einlädt. Also die Kassiererin im Badehaus, Frau Langfinger und ihre Tochter und da ist dann zu erwähnen, daß das Buch im Winter beginnt und bis zum nächsten Winter geht.

Takada wird im Sommer, glaube ich, krank. Da wird Suzu von Herrn Sakai in seine Kabine geschickt, um nach ihm zu fragen. Ihr fällt das schwer. Sie kauft eine riesige Melone, die sie dann zu diesem Cafe schleppt und findet einen hochfiebrigen Takada, den sie dann in ihre Wohnung bringt und da ist interessant, daß der Hamster, der sich bisher immer vor ihr versteckte, plötzlich aus seinem Untergrund kommt und interessiert das Geschehen beobachtet.

Suzu freudet sich auch mit ihren Nachbarn, auch zwei alte Menschen, an und besteigt mit dem gesund gewordenen Takada dann das Plateau ihres Hauses von dem man eine wunderbare Aussicht auf die Stadt hat und im nächsten Winter kommt es, wie es kommen muß.

Herr Sakai entschuldigt sich für drei Tage und kommt dann zurück, um seinen Team zu erklären, daß er nur mehr drei Monate zu leben hat. Er stirbt zuerst von seinen Freunden umgeben und letztlich doch allein im Spital und die vier Übergebliebenen räumen seine Wohnung auf.

Das heißt, sie glauben zu einer Messiewohnung zu kommen, aber die ist leer und blitzblank und so gehen sie wieder zu ihrer Arbeit.

“Wir schlüpften in unsere Schuhe, die nebeneinander aufgereiht im Eingang standen. Dann – mit einem letzten Blick auf das, was hinter uns lag – machten wir uns auf den Weg.”

“Leben probiert man nicht aus. Man lebt es einfach. Es gibt keine Generalprobe. Keine Wiederholungen” – “Ein umwerfender Roman über Nachsicht, Umsicht und gegenseitige Achtung”, steht am Buchrücken.

“Wagenbach” hat mir auch eine Liste von Michiko Milenas Flasars Lesetour geschickt. In Leipzig, das diesmal im April stattfindet, tritt sie sicher auf und dann auch bei “Literatur und Wein”, sowie an anderen Orten.

Populärer Realismus

Jetzt kommt ein sehr interessantes Buch auf das ich durch Ö1 aufmerksam wurde, wo es dann auch noch eine gesamte Sendung dazu gab. Das Buch des 1962 geborenen Moritz Baßler, der an der Universität Münster neuere deutsche Literatur lehrt “Populärer Realismus”-“Vom internationalen Style des gegenwärtigen Erzählens” heißt es weiter und da hatte ich schon mal Schwierigkeiten mit den Begriffes.

Was ist der “Style” und was heißt “Midcult”? Und ich, die ich ja realistisch schreibe, meine die Gesellschaftskritik dabei und keine Trivialliteratur. Denn man sollte ja eigentlich leicht und verständlich schreiben und sich nicht in einem Fremdwörter-Touch verwirren, damit man was versteht.

Das ist wahrscheinlich die alte Frage. Sprache oder Inhalt? Und nur der Joyce ist gut, der Proust, der Johannes Marius Simmel nicht und schon gar nicht der Sebastian Fitzek oder die Joanne Rowling, obwohl die ja die Kinder in die Bibliotheken getrieben hat und als der Hauptverband des Buchhandels den deutschen Buchpreis ausgerufen hat, damit die Leute zu Weihnachten Bücher verschenken, würde ich mal vemuten, berief er Literaturkritiker in die Jury und die Buchhändlerin, darunter auch das Jurymitglied Petra Hartlieb, stöhnten, den Reinhard Jirgl, Ulrich Petzer, Frank Witzel, Thomas Lehr können sie nicht verkaufen, denn die Keute wollen etwas Lesbares, Spannendes, Unterhaltendes und nicht die hehre Sprachkunst, die sie nicht verstehen.

So schreibt Moritz Baßler auch gleich am Anfang, daß er mit James Joyce aufgewachsen ist und dann kommt Wolf Haas daher witzelt herum und die Leute sind zufrieden.

Daniel Kehlmann und noch ein paar andere werden aufgezählt und dann ein Text von Sebastian Fitzek, dem Bestsellerautor mit seinen Psychothriller und die Leser, die “Amazon Rezensenten” oder so, sind zufrieden, denn sie kriegen genau was sie erwarten und können sich auf ihren Fitzek ,verlassen obwohl es immer wieder spannend ist und da sind mir die Webinare der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan eingefallen, die ja genau das beibringen will mit der Heldenreise,, die den Leser fesseln und die die noch lesen und, ich glaube, das tun immer weniger Leute, wollen unterhalten werden.

Die hehre Literaturwissenschaft sagt aber Genre oder Trivialliteratur dazu, bespricht es nicht in ihren Feuilletons und Denis Scheck schmeißt es in seinem “Druckfrisch” in den Mistkübel hinunter und das ist interessant, denn warum heißt es “Eigenverlag” wollen wir nicht und warum darf ein Buch nicht leicht geschrieben sein, denn wenn man ein Fremdwörterlexikon dazu braucht, um es zu verstehen, schmeißen es die Leser am Ende in den Müll.

Aber zurück zu Moritz Baßler zu seinen internationalen Style und seinen Midcult, denn er verteidigt Sebastian Fitzek und meint, auch wenn man seine spannende Thriller liest, bekommt man etwas mit von der Welt und es geht nicht nur um den Kommerz und das Verkaufen, was offenbar, das einzige ziel der Populärliteratur ist und da erinnere ich mich, wie ich einmal bei dem “Fest für Gerhard Rühm” iwar, der sicherlich nicht im populären Realsmus schreibt, einen hehren Literaturkritiker klagen hörte, daß es soviele erzählende Romane gibt und man stattdessen lieber Friederike Mayröcker lesen soll.

“Hui?”, dachte ich da verschüchtert.

“Aber ich will ja so schreiben und andere tun es doch auch!”

Richtig, Wolf Haas und Daniel Kehlmann, den ich gar nicht so besonders mag und Moritz Baßler führt dann neben Sebastian Fitzek auch noch den Alfred Döblin und seinen “Alexanderplatz” und der ist sicher nicht trivial obwohl er sich offenbar auch den Mitteln des populären Schreben bedient und der populäre Realismus ist offenbar weltüberfassend und leicht zu übersetzen oder eigentlich dafür geschrieben.

Als Beispiel werden da Huraki Murakami und und Frank Schätzing angeführt, da hat sich der Autor einmal in einer Bahnhofsbuchhandlung den “Schwarm” gekauft und bemerkt, daß er das schon hundertmal gelesen hat, weil da ja die Klischees verwendet werden, leicht verständlich sind, während die hehre Literatur mit der Sprache arbeitet und seinen Leser etwas Neues bietet,, was dieser der sich auf seinen Autor verlassen möchte, gar nicht haben will.

Eine interessante Frage und ich dachte, als ich das begriffen habe, daß es ja sehr wichtig ist, in leichter Sprache zu schreiben. Damit alle an der Kultur teilhaben können und nicht nur die, die Matura haben oder Literatur studierten und mit der Matura habe ich gehört, ist es ohnehin nicht mehr weit her, denn da muß man nur Gebrauchsanweisungen schreiben und kann bis zur achten Klasse kommen ohne einen Klassiker oder Gegenwartsautor gelesen zu haben und da denke ich wieder, daß man alles lesen soll, den James Joyce und den Sebastian Fitzek.

Jeden das Seine und wenn man sich nach einem Tag schwerer Arbeit mit einem Krimi erholt und sich nicht mit Marcel Proust abquälen will, ist das auch okay und es gibt auch gesellschaftskritische Krimis.

Der Ausdruck Midcult stammt von Umberto Eco und mir fällt noch der Rüffel ein, den ich hier bekomme habe, weil ich auch Sophie Kinsella lese. Aber ihre “Schnäppchenjägerin “ist großartig, da ist sehr viel Psychologie dabei, auch wenn die Sprache gut verständlich und leicht zu übersetzent ist.

“Midcult” hat wahrscheinlich soviel zu bedeuten, daß der “Populäre Realismus Kunst sein will” und das wird in nächsten Kapitel gehörig verrissen, beziehungsweise Daniel Kehlmanns “Vermessung der Welt”, das ich einmal gefunden, aber nicht gelesen habe, analysiert. Das kommt irgendwo eine Anspielung auf Goethes “Nachtlied” vor, was verstanden wird oder nicht, bzw. die englische Übersetzerin ärgert und dann geht Baßler durch Kehlmanns Werk, der seiner Meinung nach eine Literarizität vortäuscht, aber nicht hält.

Ich halte Daniel Kehlmann für einen hochintelligenten Autor, der mit all den Klischees und Vorurteilen spielt und sie hervorragend verwendet, so zum Beispiel dann in der “Vermessung” ein Ufo auftreten läßt und ich habe einiges von Kehlmann gelesen, beim “Fernsten Ort” habe ich einmal einen Angriff auf ihn in der “Alten Schmiede” und die Reaktionen darauf erlebt.

2003 hat er “Ich und Kaminsky geschrieben” und dann ging es mit der “Vermessung” hoch in den Literaturhimmel und das, was Baßler da kritisiert, wäre ja eigentlich sehr gut. Ein literarischer Roman der die Massen erreicht und den die Leute gern lesen. Was ist da dabei,wenn er sich, damit das passiert Klischees verwendet?

Die, die den hehren Proust analysieren wollen, weil sie Bildungsbürger sind, können das ja immer noch tun und die Mainstreamleser werden sie dabei nicht stören. Das ist wohl mein pädagogisches Ich, das mich über den Tellerrand schauen und da toleranter sein lässt, aber Achtung Leser, ich war nie in einem Gymnasium oder nur in der Sprechstunde dem, meiner Tochter Anna.

Dann kommen wir schon zum magischen Realismus, der in Lateinamerika vorherrscht und von dort zu uns geschwappt ist. Dort sind die Leute arm, könnte man unken, retten sich deshalb gern in die Phantasie und sehen Wirklichkeiten, die sie vielleicht gern hätten aber nicht haben.

Heinrich Böll, der inzwischen vergessene Nobelpreisträger von 1972 wird hier auch zitiert oder seine Literarizität in Frage gestellt. er hat in “Wanderer kommst du nach Spa..” offenbar einen verletzten Soldaten in sein ehemaliges Gymnasium gebracht, weil das inzwischen zum Lazarett umgewandelt wurde. Das ist sehr eindrucksvoll und sagt uns “Krieg ist Böse!”, wenn die starken Metapher natürlich kitschig ist und deshalb prägt sie sich wahrscheinlich auch so gut ein.

Dann kommt es zu Knausgards Autoficition, den ich nicht gelesen habe und wahrscheinlich auch nicht lesen werde und höre und staune, einer seiner Romane fängt fast genauso, wie der “Engel des Vergessens” an und da hätte ich gedacht, es gibt kein Problem mit der literarischen Wertung. Sie ist eine Lyrikerin, beherrscht also die Sprache und sie hat auch den “Bachmann-Preis” bekommen und ist dadurch bekannt geworden.

Für Moritz Baßler wieder zu poulär. Aber was ist schlecht daran, daß das Buch ein Bestseller geworden ist und sich die Leute mit den Kärntner Slowenen beschäftigten? Das halte ich sogar für sehr gut, auch wenn Maja Haderlap ihrer Großmutter da vielleicht etwas in den Mund legt, was sie selbst nicht gedacht hat.

Dann geht es um die Genre, den Fantasyroman, zu dem “Harry Potter”, der “Herr der Ringe”, die “Biß-Romane”, etcetera gehören und da stellt Baßler die Frage, ob sie zur Literatur gehören? Das ist wohl eine Frage der Definition und ich könnte genausogut danach fragen, ob experimentelle Textmontage ohne Sinn und Handlung eine solche sind?

Die, die Fantasy schreiben, tun das oft in Serie und da sind wir wieder bei dem, was die Leser sich erwarten, bei den “Tatort-Krimis” und den Fantasycomputerspielen.

Dann kommt wieder Baßler zur Literatur oder zu Katrin Paßing, die ja 2006 den “Bachmann-Preis” gewann und das auch voraussagte, weil sie den Text nach bestimmten Kriterien konstruierte. Das nannte sie automatische Literaturkritik und damit hat sie die Texte nach Kriterien etwa, spielt in der DDR, hat Nazivergangenheit, etcetera bewertet und auf diese Art und Weise eine Zeitlang selbst einen Preis vergab.

Das hat sich jetzt aufgehört und es ist, glaube ich, auch um Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner Krebserkrankung das Leben nahm.

“In Plüschgewittern” habe ich von ihm gelesen und “Tschik” und das ist ja der Kultroman, der laut Baßer nach diese Kriterien geeschrieben wurde. Baßler kommt dann noch zur Popliteratur, dazu zählt Herrrndorfs “In Plüschgewittern” und ich weiß zwar ungefähr, wer zu den Popliteraten gehört, aber nicht genau, was das eigentlich ist.

Beim “Neuen Midcult” geht es über die Rezension von Elena Ferrantes “Genialer Freundin”, wo ich den ersten Teil gelesen habe, zu den etws umstritteneren Stimmen. Da wäre einmal Takis Würgers “Stella”, das mir die liebe Doris ins Klinikum St. Pölten mitbrachte, als ich dort mit meinen Knöchelbruch lag und dem wird ja kulturelle Aneignung vorgeworfen oder, daß ein nicht Betroffener sich nicht in eine Holocaust-Täterin einfühlen darf.

Dann wird es noch moderner nämlich binär und antirassistisch und da stand ja Olivia Wenzel mit ihren “1000 Serpentinien Angst” auf der dBp und die hat ordentlich ausgeteilt, als sie mit ihrer Oma chinesisch Essen ging und dort vermanschte Ethnokost vorgesetzt bekam.

Sharon Dodua Otoos “Adam Raum” wird auch vorgeworfen, daß sich eine schwarze Frau nicht in ein Nazi-KZ hineindenken darf. Allerdings milder als Takis Würger, dem wahrscheinlich mittelalten weißen Mann und Anke Stelling, die mit “Schäfchen im Trockenen” den Leipziger Buchpreis gewonnen hat. Leider habe ich das Buch nicht gelesen, hat sich mit den Sorgen einer modernen Bildungsunterschicht beschäftigt, die nicht mithalten kann, wenn sich ihre Freunde aufs Land zurückziehen wollen.

Man sieht der moderne “Midkult” ist wieder sozialkritisch geworden und interessant ist auch, daß Moritz Baßler, den ich, ohne ihn zu kennen, für konservativ halten würde, sich auf eine Anticorona-Demo bezieht, wo eine Jana aus Kassel, meinte, daß sie sich wie Sophie Scholl fühlt, “weil sie in der Corona-Pandemie eine Maske tragen muss.”

Was Baßler, wie anderere für nicht zuläßig hält und vermutet, daß “Jana ihr Bild von Sophie Scholl selbst bereits kitischigen , unterkomplexen, literarischen oder filmischen Darstellungen der NS-Zeit verdankt.” Nun ja, 1943 war sie wahrscheinlich noch nicht geboren.

Da würde ich “Wehret den Anfängen!”, rufen und einwenden, daß man das, wenn man nur mit Bändern ausgerüstet und zwei Pässen von der Polizei oder Security kontrolliert in Geschäfte und in die Uni darf und zum Zeitpunkt des Geschehens, nicht wußte, ob das vielleicht ewig weitergehen wird? schon darf und sich die Geschichte vielleicht auch anders entwickelt hätte, wenn es 1933 mehr Widerstand gegeben hätte und die Bedrohung auch etwas Subjektives ist.

Die einen haben sich vor dem Virus gefürchtet, die anderen, sich um ihre Freiheit gebracht gesehen und wenn jeder Kritiker gleich ins rechte Eck gerückt wird, kann man vielleicht auch von Verharmlosung des Nationalsozialismus sprechen und sich fragen, warum das nötig war?

Eingeleitet wurde das Kapitel aber mit der Frage an die Leser, was sie sich von der Literatur erwarten und dann zum neuen oder auch alten literarischen Quartett hinübergeschwenkt. Das Alte war stimmgewaltig von Marcel Reich-Ranicki geprägt, das dazwischen von Maxim Biller, der mir zu viel schimpfte und Christine Westermann, die wohl als “Wohlfühlmama” bezeichnet wurde. Das Neue dominiert die Autorin Thea Dorn mit Gästen, wenn das nicht schon überholt ist und Wohlfühlliteratur ist überhaupt etwas, das Mortiz Baßler gar nicht mag.

Ob man aber “Stella”, “Hundert Serpentinen Angst”, oder “Schäfchen im Trockenen” wirklich als Wohlfühlliteratrur bezeichnen kann, würde ich bezweifeln.

Im Kapitel “Tentakuläres Erzählen” werden die Romane “In der Traumfabrik” von Hengameh Yaghoobifarah”, “Der Mythos des Pferdemädchens” von Lisa Krusche und “Identitti” von Mithu Sanyal vorgestellt. Den Zusammenhang zwischen Romanen und auch was tentakuläres Erzählen ist, habe ich nicht ganz verstanden. Was eine Kritik an Moritz Baßler sein könnte, der es als Wissenschaftler offenbar nicht viel vom verständlichen Schreiben hält.

Im nächsten Kapitel geht es um die derzeit sehr beliebte Autofiktion und die hat möglicherweise Karl Ove Knausgard mit seiner Serien “Min Kamp” begonnen und da erklärt Baßler, wie man sein Leben in Serie beschreiben kann.

Literarischer wurde es dann be Rainard Goetz, der ja 1983 Klagenfurt erregte, als er sich während des Lesens die Stirn aufschnitt.

Christian Kracht ist auch ein Meister des Autofiktionales und einer den Baßler anerkennt. Begonnen hat der mit “Faserland” und das dann in “Eurotrash” fortgeführt und das wird auch zur Popliteratur gezählt.

Daran knüpft sich wieder die Frage, wer über was schreiben oder übersetzen darf? Früher hatte man das Problem nicht, da haben Männer die berühmtesten Frauenroma geschrieben und deren Psyche erklärt. Aber jetzt haben wir die political correctness und da wird es schwieriger, aber auch eingeengter, weil am Ende und ganz genau genommen, jeder nur mehr über sein Erlebtes schreiben darf und ob die Leser dann dann haben wollen, ist die Frage oder vielleicht darf man dann nur das lesen, was man selbst erlebt hat, was dem Buchhandel aber wahrscheinlich nicht gefallen wird.

Im Kapitel “Kalküroman” wird Dietmar Darth zitiert dessen “Gentzen oder betrunken aufräumen”, ich gelesen habe und den ich eigentlich nicht zu den leicht lesbaren Unterhaltungsautoren einordnen würde.

Interessant ist auch, daß Moritz Baßler Anette Webers “Anette, ein Heldinnenepos” zu den Kalkülromanen zählt. Sie hat damit aber auch den deutschen Buchpreis gewonnen und Leif Randt, dessen “Allegro Pastell” ich gelesen habe, wird auch analysiert und am Schluß kommt Moritz Baßler, der dann doch beim Lesen, das “Gut mit dem Gernelesen” verbinden will, wieder zu Wolf Haas zurück, den er sehr zu schätzen scheint.

Bilder gibt es in dem Bjuch, das ich sehr interessant fand, gern las und viel für mein Schreiben daraus mitnahm, auch wenn ich alles nachvollziehen konnten und nicht alle Meinungen des Autors teile, auch.

Ihr seid noch nicht besiegt

Der “Wagenbach-Verlag”, der mir immer so getreulich seine Quartbücher schickt hat, mir vor ein paar Monaten, die ausgewählten Schriften des ägyptischen Freiheitskämpfer Alla Abd el-Fattah, der 1981 in Kairo geboren wurde, der Sohn eines Menschenrechtsanwalt ist und seit 2011, seit dem Beginn des arabischen Frühlings mehr oder weniger ununderbrochen im Gefängnis sitzt, zukommen lassen.

“Wagenbach” hat das Buch das von Utku Mogultay aus dem Englischen übersetzt wurde, herausgegeben, in dem Texte des berühmten Bloggers, der soviele Teewts geschrieben hat, daß sie mehrere Bücher füllen könnte, von 2011- 2021 enthalten sind.

Noemi Klein hat das Vorwort geschrieben, das die ägyptische Situation erklärt und ich habe beim letzten “Writers on prison day” der traditonellen vom PEN veranstaltet wird, auch von dem Autor, der mir bisher unbekannt war, gehört und es daraufhin gelesen.

2011 beginnt es mit der Geschichte der Revolution und dem Wunsch zu einer neuen Verfassung zu kommen.

Im Dezember kam es zum Protestmarsch von Maspero, wo bei dem sogenannten Maspero-Massaker selchsundwanzig Demonstranten darunter Mina Daniel getötet wurde, worauf Alaah Abd el Fattah das koptische Krankenhaus besetzte, um eine Oduktion der Getöteten zu erzwingen, worauf El Fattah in der Zeit, als sein erster Sohn Khaled geboren wurde ins Gefängnis kam.

2012 begab er sich mit seinem Sohn auf eine “Gaza-Reise und berichtete, umgeben von den Versen des palästinenischen Dichters Mahmd Darwisch, von den politischen Zuständen und den Überraschungen, die er dort erlebte.

“2013 wird dann schon getwittert oder die Artikel auf Facebook gestellt. So schreibt er zum zweiten Jahrestag der Revolution: “Pessimismus des Intellekts, Optimismus des Willens”, “Vier Tweets über staatliche Gewalt” gibt es im Jänner. Im April kommt es zu Solidaritätsstreiks und im Mai wird dann die Geschichte wiederholt und zwar wie Alaa schreibt “Zuerst als Tragödie, dann als Farce.”, weil es Angesichts des Jahrestages zu Massenprotesten kam.

“Schrödingers Coup” gibt es dann im Juni, da ging es, um die Proteste, “wo hunderttausende gegen die Bruderschaft auf die Straße gingen” und im August stellt er auf Facebook die Frage was in “Abu Zabaal” geschah, wo siebenunddreißig Gefangene in einem Gefägnistransporter ums Leben kamen.

In einem längeren Artikel räsumiert Alaa ab el Fatah dann “Wer die Bourgeois repräsentiert?”, während er im November twittert: “Lasst euch nicht vom Pfad der Gerechtigkeit abbringen, weil er mit Toten übersät ist.”

2014 beschäftigt er sich mit dem “Autismus”, der im Gefängnis entsteht und verläßt das Tora-Gefängnis nach drei Monaten Haft.

“Jeder weiss” schreibt er dann weiter “dass den überwiegende Teil der Gefangenen die Grundrechte verwehrt werden, die Gesetze verfassungswidrig sind, das Regime der Jugend nichts zu bieten hat”, etcetera.

“Games of Thrones ” gibt es auch “Ich wollte doch games of thrones weiterschauen#nieder mit dem Militärregime”, weil er am elften Juni verhaftet wurde, weil er an seine “Grenzen gekommen ist”. Im September gegen wurde er dann gegen Kaution freigelassen.

2015 wird Alaa Abd el Fattah wieder verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wo er sich 2016 in drei Texten mit “Der Geburt der schönen neuen Welt beschäftigt” und auch schreibt, daß er sich dabei behindert fühlte, weil ihm das Gefängnis den Zugang zum Internet und zu Bücher verwehrte, obwohl ihm das eigentlich zustehen würde.

2017 gibt es das “Portrait eines Aktivisten außerhalb des Gefängnisses” und den titelgebenden Text, den er an die “Menschenrechtskonferenz Rightscon in Silicon Valley” schrieb.

2019 wird er dann auf Bewährung entlassen

“Ich bin das Gift, ich bin das Gegenmittel

ich bin die Medizin, ich bin der Auslöser

ich bin das Gespenst des vergangenen Frühlings”, schrieb er da und wurde im September wieder verhaftet.

Es gibt einen Artikel in dem er beschreibt, wie wichtig es ist, trotz der schlechten Gefängnisbedingungen gesund zu bleiben und er bedauert, daß sein Vater während seines Gefägnisaufenthaltes verstorben ist. Seine Schwester hat über seine neuerliche Verhaftung geschrieben und Alaa Abd el Fattah ist mehrmals in Hungerstreik getreten, um gegen seine Haftbedingungen zu protestieren.

Es gibt Listen wo er über die “Metaphern der Heilung” und den “Sieben Wegen zum Wandel” reflektiert.

2021 gibt es noch einen Palästina-Text, mit dem das Buch auch beendet wird.

Das heißt, es gibt auch eine ausführliche Chronik der ägyptischen Geschichte von 1952-2019 und viele Buchhinweise, wenn man sich mit der arabischen Revolution weiterbeschäftigen will, von denen ich “Die Stadt der Rebllion” schon gelesen habe.

Liebe ist gewaltig

Das letzte Buch der Bloggerdebutshortlist ist dem vierten, “Nordstadt” sehr ähnlich, wie es überhaupt bei drei oder vier Büchern auf dieser Liste umd die Identitätsfindung und das Aufwachsen in häuslicher und gesellschaftlicher Gewalt geht.

“Liebe ist gewaltig” der 1986 in Tübingen geborenen Cludia Schumacher ist erzählender und vielleicht auch ein wenig kitschiger, als Annika Brüsings Debut. Es schweift mehr herum und ist vielleicht auch ein wenig unglaubwürdiger. So wirkt die Anwaltmutter manchmal wie eine Hausfrau, die zu Mittag zu Hause ist und für ihre Lieben kocht und der wahrscheinlich dreißigjährige Bruder wird gleich Bürgermeister des Städtchen.

Die Einstiegsszene, die 2007 spielt, ist aber schon mal sehr gewaltig. Da ist die Heldin, Juli, Jules genannt, die sich später Julia nennt, siebzehn und ist von ihren Eltern in ein Sanatorium gebracht worden, wo sie sich erholen soll und ist hier mit Dementen und Bunouts zusammen, passt also nicht hin.

Vielleicht passt sie auch nicht nach Ederfingen, das ist ein Vorort von Stuttgart, wo sie in einer Vorzeigefamilie, beide Eltern Anwälte mit drei Geschwistern aufwächst. Eine Vorzeigefamilie mit dem reinen Glück, dabei ist der Vater sehr gewaltig und der Teppich hat Blutflecken, die Mutter beschwichtigt, lächelt immer und versucht alles mit neuen Klamotten und McDonald Besuchen auszugleichen.

Juli fliegt, weil sie auch gewalttätig sein kann, aus der Kur hinaus, soll in eine Psychiatrie kommen, die Mutter holt sie aber ab und bringt sie in die Villa zurück und hier findet Juli vorläufig ihr Glück in einer kleinen Maus, die sie aufzupäppeln versucht. Der Vater erlaubt ihr zuerst sie zu behalten. Später setzt er sie in Beisein der Mutter aus, aber von Menschen aufgezogene Mäusen können in der freien Wildbahn nicht überleben, “weil sie den Katzen gleich ins Maul marschieren”.

Juli rastet also wieder aus und verläßt das Elternhaus. Später, 2014, da ist sie erfolgreiche Gamerin, lebt in Berlin und soll ihr Mathematikstudium abschließen, kehrt sie zum sechzigsten Geburtstag des Vaters zurück. Was auch in einer Katastrophe endet. Sie beschimpft den Gratulanten. Der älteste Bruder ist inzwischen Bürgermeister des Städtchens geworden und sehr aufstiegsorientiert. Nur der Bruder Bruno ist ihr Halt. Sie klagt den Vater in Beisein aller der Gewalttätigkeit an. Schweigen folgt, der Vater sagt sie ist hysterisch und bildet sich das nur ein und niemand glaubt ihr.

So verläßt sie die Party und fliegt nach London, um ihre Exfreundin Sanyu, die eigentlich Sandy heißt, zu treffen, die sie aber gar nicht hineinläßt und in einer Disko hat sie auch jemand zusammengeschlagen und muß mit einer Anzeige rechnen. Der Vater, der das öfter macht, boxt sie hinaus und 2016 heißt sie dann Julia, was mich Anfangs beim Lesen sehr verwirrte, weil ich mich nicht auskannte, wer diese Julia ist jetzt ist?

Sie ist, wird ihr ihr Bruder Bruno später schreiben, eine “runtergedummte Barbie-Version”, denn sie hat sich ihren Freund Thilo, einen Aufsteiger aus Sachsen, sehr angepasst und sich äußerlich sehr verändert, kocht und backt für ihren Freund, hat die Wohnung umgestaltet und ihr Inneres total verdrängt.

Sie wird sich aber wieder finden und nach Berlin zurückkehren und wie es weiter geht, können wir nur ahnen oder uns erhoffen, daß es nicht in dieser Art und Weise weitergeht.

Sehr viel Gewalt also, die die Dreißig bis Verzigjährigen, die heute Bücher schreiben, in ihrer Jugend erlebten.

Ronja von Rönne, die das Buch sehr lobte, ist wahrscheinlich auch eine davon, Helene Hegemann, etcetera und die Danksagung, wo man den Schreibverlauf gut verfolgen kann, ist sehr lang.

Nordstadt

Buch vier der Bloggerdebutshortlist Annika Büsings “Nordstadt” ist ein kleines dünnes “Steidl- Taschenbüchlein” mit einem sehr eindrucksvollen Cover. Eine Schwimmerin mit Kopf nach unten und das ist Nene, fünfundzwanzig Jahre alt. Bademeisterin von Beruf und für die meisten Romane ungewöhnlich, eine Protagonistin aus der Unterschicht und die Nordstadt scheint auch eine Art Großfeldsiedlung zu sein. Sie wurde von ihrem Vater grün und blau geschlagen und wenn den Vertrauenslehrerinnen, die blauen Flecken auffielen, haben sie das Jugendamt verständigt und die haben sie dann für ein paar Tage in ein Heim gesteckt.

Es gibt eine ältere Halbschwester namens Alma, die sich um Nene kümmert, deren Mutter früh gestorben ist. Die ist eine erfolgreiche Goldschmiedin und schwimmt im Geld während Boris, der an Kinderlähmung erkrankte und daher hinkt, weil seine Hippiemutter eine passionierte Impfverweigerin ist. Man sieht oder ich würde es vermuten, das Buch wurde während der Pandemie geschrieben, vom “Geldamt” lebt, das ist ein Ausdruck Nenes und das ist manchmal so knapp, daß er nichts zu essen hat und Nene dann für das Popcorn und die Kinobesuche sorgt.

Aber das ist schon vorgegriffen. Nene lernt Boris im Schwimmbad kennen, wo er sich das Schwimmbrett ausleiht und sie gehen fünfmal ins Kino und dann klappt es mit dem Sex nicht so ganz, wie Nene es sich vorstellt. Denn Boris ist diesbezüglich sehr verschlossen und Nene wurde auch einmal auf einer Schaukel vergewaltigt.

Die Geschichte wird rückwirkend und sehr lakonisch von der Ich-Erzählerin erzählt. Die Sprache wirkt manchmal ein wenig altmodisch und manche eindrucksvolle Metaphern werden mehrmals zitiert

“Alma sagt: “Du teilst die Welt immer so in Häppchen ein.”

“Boris sagt “Jeder denkt in Klischees. Sonst überleben wir doch gar nicht.”

“So nennen wir das manchmal: Optionen”, beispielsweise.”

Eine Metaphernerklärung bietet die 1981 geborene in Bochum lebende Annika Büsing, die Theologie und Germanistik studierte auch an:

“Mein Mitschüler Marius verstand nicht, was das sein sollte, eine Metaphernkeule.

“Ein Mordwerkzeug”, sagte mein Deutschlehrer, “man killt damit jede Poesie.”

Und weil Marius es noch immer nicht verstand, erklärte er es so “Wenn du einen Roman schreibst über einen Zug, der mit einem Waggon eine Liebesbeziehung führt, und der Zug Schluss macht und du den Waggon sagen lässt “Du hast mich abgehängt”, das ist eine Metaphernkeule.

Da hatte Marius es verstanden. Er meinte aber die Information sei für ihn nicht wichtig, denn er habe nicht vor jemals Romane zu schreiben.”

Die Beziehung zwischen Nene und Boris entwickelt sich als schwierig. Denn er lügt sie an, erzählt ihr er sei Hausmeister und hat vor eine Ausbildung als Mechatroniker zu machen, was aber nicht stimmt, denn er ist arbeitslos und bekommt sein Geld von “Geldamt”.

Dabei hat er einmal als Jugendlicher einen Preis gewonnen, denn er ist sehr begabt. Seine Hippiemutter behält das Geld aber so lange auf dem Konto, bis er eine Ausbildung macht. Man sieht auch ein wenig ungewöhnlich und gegen den Strich gebürstet und der Tod ist in dem Buch ein wichtiges Thema.

Zuerst oder zuerst beschrieben stirbt Frau Lübke, die Stammgast im Schwimmbad war und Nene bittet sich von ihrem Sohne ihre alte Badekappe aus. Eine alte Frau, die die Bademeister, um ein Handtuch bittet, weil ihr kalt ist, fällt auch plötzlich um und dann stirbt auch noch Nenes Vater, von dem sie ausgezogen ist, als sie achtzehn war und ihn dann erst bei seinem Begräbnis sehen wollte.

Ein sehr eindruckvolles ungewöhnliches Buch, dessen letzte Sätze nach dem Begräbnis lauten:

Boris nimmt seine Mütze ab und setzt sie mir mit einer Hand ungelenk auf den Kopf, und er sagt “Wenn du mit wem anders rummachst, stecke ich die Stadt in Brand.”

“Episch “, sagte ich.”

Auch diese Sätze kann kann schon vorher lesen und Elke Heidenreich hat am Buchrücken “Ein bemerkenswert eindringliches Debut ist entstanden, aus Liebe und Wut”.

Dem kann ich mich anschließen und überlegen, ob das Buch bei mir jetzt an erster oder zweiter Stelle kommt.

“Liebe ist gewaltig” ist aber erst zu mir gekommen und am Titel hätte ich auch etwas auszusetzen, da er mir nicht ganz passend erscheint. Ich hätte eher eine Schwimmmetapher dafür ausgesucht.

Interessant ist auch die Triggerwarnung am Buchbeginn: “In diesem Roman finden sich Beschreibungen körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt”. So ist das Leben aber, würde ich meinen und wer das weiß und ihm nicht ausweicht, ist klug und bin als Verhaltenstherapeutin auch eine Anhängerin der Konfrontationstherapie.

Ist hier das Jenseits, fragt das Schwein

Buch drei der heurigen Bloggerdebutshortlist hat wohl den ungewöhnlichsten Titel und ist auch ein ungewöhnliches Buch, denn seine Helden sind Tiere. Alle ohne Namen und ohne Geschlecht, so daß einige Leser vermuten, daß die 1994 in Solothurn geobrene Noemi Salamlvico, die am Literaturinstitut in Biel studierte, die Genderproblematik und die Verunsicherung unserer Zeiten, wieviele Geschlechter es nun gibt, umschiffte.

Die junge Autorin selbst meinte bei einer Lesung, die vor ungefähr einem Jahr im Berliner Literaturhaus stattfand, daß sie von den Menschen genug hatte und deshalb zu den Tieren gewechselt hat und das Schwein der oder das Titelheld hatte sie zuerst im Kopf und mir macht es die junge Autorin mit der poetischen Sprache schwer.

Ist sie doch auch eine, die keinen Plot und keinen Handlung will , sondern, wie ich es interpretieren würde, mit viel Spaß vor sich hinschreibt und wenn man Tiere als Protagonisten hat, denkt man wohl an eine Fabel oder an Kinderbücher, denn da kommen Tiere meist als Menschen verkleidet auch gern vor und das Ganze hat dann meist auch eine mehr oder weniger moralinsaure Botschaft.

Das fehlt bei der jungen Autorin und ich habe mir schon mit den vielen Tieren sehr schwer getan und mich nicht ausgekannt wer oder was das jetzt ist und tut und wohhin es in den sehr dünnen Buch geht und da passiert sehr viel. Werden doch Welten die das Dies- und Jenseits lustig gewechselt und eine Zwischenwelt, dort wo Gott wohnt, scheint es auch zu geben.

Es beginnt aber sehr weltlich, pardon tierisch natürlich, denn Schwein ist depri oder einsam, von seinem Freund verlassen. Dann ruft es im Radio an und gewinnt eine Reise in eine Wüste, die es aber stornieren muß, denn es hat keinen, der es es dahin begleiten würde.

Das klingt schon alles recht und menschlich. Die Tiere fahren Straßenbahn oder Bus, schminken sich und haben Handies und können dann auch nicht mit auf die Reise, weil sie ja arbeiten müssen.

Eine Reh und einen Hirsch gibt es auch und dann gibt es noch einen Dachs, der eine Erfinduung macht und der trifft dann Gott in seiner Zwischenwelt, der schläft, sowie eine Schwester hat und findet dann einen Fisch mit dem er mit Schwein und Dachs ins <jenseits aufbricht, weil dort die Toten wohnen.

Bei der Lesung in Berlin war eine Pfarrerin die Moderatorin und die hat Noemi Somalmvio gefragt, wie sie sich Gott denn vorstellen würde? Ist das jetzt ein alter Mann mit weißen Bart oder ganz wer anderer und die hat gesagt, daß sie da mit einer Antwort überfordert ist.

Also spazieren Schwein, Gott und Dachs im Jenseits auch auf einer Wüste herum, finden da eine Telefonzelle und dann ein Hotel. Dort wird Gott krank, stirbt vielleicht.

Man sieht Noemi Somalvico spielt mit allen Wirklichkeiten und Ordungswelten und bringt alles lustvoll durcheinander. Am Schluss kehrt er dann wieder in sein Haus zurück und die Leser werden aufgefordert ihre Welt zu verlassen und sich in Noemi Somalvicos schöne Sprachutopie einzulassen, die dann die Literaturexperten schreiben und die ist schon ein bißchen lyrisch, aber doch nicht so poetisch wie die Sprachwelt der Andrea Winkler beispielsweise.

Ich würde es eher kindlich nennen und auch so frech sein, das Buch einem Nonsensstil zuzuordnen. Da hat eine mit Literaturabschluß lustig vor sich hingeschrieben, ohne sich viele Gedanken zu machen. Die Kritiker geben dem Ganzen dann schon einen Sinn. Sprechen vom hohen Wert der Freundschaft und sogar Dennis Scheck, der von den hunderttausend ähnlichen Plotbüchern wohl schon die Nase voll hatm scheint begeistert. Die Debutfrauen sprechen von moderner Fabel und absurder Erzählung und ich bleibe ein wenig ratlols zurück und weiß wieder nicht, wie ich das sehr ungewöhnliche Buch mit der starken bildhaften Sprache einordnen soll?

Ich habe aber noch zwei der nominierten Bücher zu lesen.

Die Bestatterin von Killcross

Beim nächsten Buch kann man schön die Spannungsbögen, die ein guter Roman offenbar haben muß, ablesen. Das Genre ist nicht so ganz klar, ein Unterhaltungs- oder Liebesroman vielleicht oder auch eine alternative Form sich mit dem Sterben auseinanderzusetzen.

Die 1970 geborene irische Autorin Anne Griffin macht das vor und sie erzählt trotz aller Spannungsbögen eigentlich eine recht leise Geschichte und führt auch ein surreales Element ein, um die Handlung in Schwung zu bringen, die vielleicht auch eine Midlifekrisegeschichte ist oder nein, die Protagonistin Jeanie Masterson ist erst über dreißig und sie bricht gleich zu Beginn zusammen, als ihr Vater ihr bekannt gibt, daß er in den Ruhestand gehen und mit seiner Frau aufs Land ziehen und Jeanie die Bestattungsfirma übergeben will.

Das stürzt Jeanie in eine Krise. Dabei hat sie doch ein besonderes Talent. Se kann nämlich mit den Toten sprechen, während de für das Begräbnis hergerichtet werden, nach ihren Wünschen fragen und die dann an die Angehörigen weitergeben.

Der Vater kann es auch, seine Schwester Harry aber nicht, die balsamiert die Toten ein und das tut auch Jeanies Ehemann Niall und das löst eine Reise in die Vergangenheit aus und wir erfahren Jeanies Lebensgeschichte.

Sie hat Niall schon in der Schule kennengelernt, sich dann aber in den Fotografen Fionn verliebt, den sie nach London folgen soll. Kann sie aber nicht, ist sie doch Vollzeit in die Bestattungsfirma eingestiegen.

Es gibt auch einige Fallgeschichten, die uns berichten, was die Toten Jeanie oder ihren Vater erzählen. So gestehen sie beispielsweise, daß sie einen Kugelschreiber gestohlen haben oder gestehen ihre Liebe und wenn wir schon beim Schreibgeschehen sind, können wir auch nach den Prämissen fragen, den ein verdammt guter Roman ja haben soll.

Die Lebe zur Wahrheit könnte man sie benennen, denn Jeanie und ihr Vater geben nicht alles eins zu eins an die Angehörigen weiter, sondern beschönigen einiges, um die Angehörigen nicht zu verletzen. Jeanie lernt aber eine anderer Totenflüsterin kennen und die lebt ihr vor, daß man es auch anders machen kann.

Des Vaters Entschluss führt Jeanie jedenfalls in die Krise und sie überlegt, ob sie nicht vielleicht aussteigen und etwas ganz anderes machen soll. Ihr Mann tut das aus, denn er will ein Haus am Meer, einen Hund und ein Kind. Jeanie aber nicht. Denn was ist wenn das Kind dann ihre Gabe erbt und damit dann so überfordert wie sie selber ist?

Jea nie hat auch einen autistischen Bruder, der diese Gabe nicht hat und auf einmal liegt auch ihr Jugendfreund Fionn bei ihr im Bestattungszimmer. Das löst ein Fluchtverhalten auf. Liall hat sich schon früher zurückgezogen. Jeanie geht zuerst nach Norwegen zu einer Freundin, dann nach Frankreich zu der anderen Totenflüsterin und dahin kommt auch Tante Harry und verrät ein Geheimnis, nämlich, daß das Totenflüstern offenbar weiblich ist.

.Jeanie, Harry und die Französin können es. Der Vater nicht. Aber das hat der autoritäre Großvater nicht zulasen können, so mußte Harry dem Vater alles flüsternn und das löste dann die Mißverständisse aus, die Jeanie belasteten.

Es gibt natürlich ein Happyend und ich habe ein interessantes Buch einer irischen Autorin gelesen, das ein wenig abseits dem Buchpreisschema liegt.

Samson und Nadjeschda

Jetzt kommt etws zum Ukraine-Schwerpunkt, den ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, das neue oder letzte Buch des 1961 in St. Petersburg geborenen und auf Russisch schreibenden Andrej Kurkow, von dem ich schon einiges gelesen habe und den ich auch schon an verschiedeenn Orten hörte. So ist er, glaube ich, Stammgast auf der “Buch Wien” war bei der “Literatur im Herbst” und einmal in der Kunsthalle vor vielen Jahren bei einem Ukraine-Schwerpunkt hätte ich ihn fast zu meinen Geburtstagsfest eingeladen, mich das dann aber doch nicht getraut, obwohl ich mich intensiv mit ihm unterhalten habe.

Das erste Buch, das ich von ihm gelesen habe, war “Picknick auf dem Eis”, dann kam der “Volkskontrolleur” und jetzt “Samson und Nadjeschka” und der Stil in dem Kurkow schreibt, könnte man wahrscheinlich phantastischen Realismus benennen.

“Ein später Bulgakov, ein ukrainischer Murakami, steht am Buchrücken und der Roman oder der erste Teil davon, spielt 1919 in Kiew. Da ist der junge Elektrotechnikstudent Samson, der gleich zu Beginn des Buchs mit seinem Vater von Rotarmisten überfallen wurden. Der Vater wird getötet, Samson verliert ein Ohr und das besondere auch skurille an der Geschichte ist, daß er mit diesem abgeschnittenen Ohr hören kann. Ein Einfall Kurkows, überall erwähnt, aber eigentlich nicht das Hauptstück des Buchs. Samson bleibt jedenfalls allein in seiner großen Wohnung zurück, wird von der Portiersfrau betreut, die ihm rät, das er heiraten soll und dafür die strenge Nadjeschda aussucht, die in einer Art statistischen Zentralamt arbeitet.

Samson wird von einem Augenarzt betreut, der seine Verbände wechselt und in seine Wohnung dringen zwei Rotarmisten, Anton und Fjodor ein, die bei ihm wohnen wollen. Sie hauen den Schreibtisch aus dem Arbeitszimmer seines Vater hinaus. Der kommt auf die Milizstation und Samson wird dort gleich als Polizist eingestellt, weil er gut schreiben kann.

Dann passieren wieder ein paar skurille Dinge und welche die ganz realistisch sind, zum Beispiel, das Essen in der sowetischen Kantine und die Hafergrütze, die es dort auf Bons, aber ohne Brot gibt.

Dann bemerkt Samson, daß seine zwei Rotgardisten requirierte Säcke in seine Wohnung schleppen und abhauen wollen.

Er läßt sie verhaften und findet in den Säcken Silber und seltsam zusammengeheftet Stoffstücke. Die Spur führt dann zu einem deutschen Schneider und einen Belgier namens jakobson mit einer Knochenkrankheit, der von einem Arzt gesagt bekommen hat, daß ihn Silberknochen heilen könnten.

Nadjeschda zieht inzwischen bei Samson ein, der befördert wird und Fortsetzung folgt. Also haben wir etwas, auf das wir uns freuen können. Aber ich habe ja noch den zweiten Tel des “Volkskontrolleur” und ein “Ukrainisches Tagebuch” ungelesen in meinen Regalen liegen.

Die Masken nieder

“60 Corona-Dialoge und ein Märchen” hat der 1978 in Kattowice geborene Andi Pianka, der seit 1983 in Wien wohnt und seit der Jahrtausendwende literarisch tätig ist, im August in einem Buch herausgegeben, den ich, glaube ich, kennenlernte, als ich noch Corrnelia Travnicecs Blog und die Diskussion um ihre Nichtaufnahme auf die Hochschule der Sprachkunst verfolgte.

Dann haben wir wir gemeinsam am Volksstimmefest gelesen, ich habe ihn einmal glaube ich bei einem Poetry Slam in St. Pölten, wo auch der Robert gelesen hat, verfolgt und ihn dann als Corona kam immer wieder auf den Demos gesehen. Als es dann zur Impfflichteinführunga kam, hbe ich ihn um Infos angeschrieben, die er regelmäßig an Freunde verschickt, da bekam man auch immer seine Corona-Dialoge und als ich beim Volksstimmefest ausgeladen wurde, hat er sich auch kommentierend eingeschaltet.

Ein eifriger Kämpfer gegen die Maskenpflicht, der man ja auch herrlich satirisch begegnen kann, da habe ich ihn einmal im Amerlinghaus gehört, das erste Mal nach der KritLit war ich zu erschöpft dazu und das Corona Schreiben ist ja sehr interessant.

Da gab es ja schon im Frühling 2020 als die Maskenpflicht eingeführt wurde und der Lockdown herrschte, die ersten Texte. Das Buch der Marlene Streeruwitz zum Beispiel, das ich durchaus kritisch einordnen würde.

Dann kam über “Corona darf man nicht schreibe, bitte keine Corona Romane, die interessieren uns nicht!”

Ich bin ja, glaube ich, Top in Corona Texten und stehe da höchstwahrscheinlich an der Spitze. Zwölf Corona Bücher und unzählige Texte im “Geflüster”, der liebe Andi ist aber auch sehr tätig und wenn man über Corona lachen will, was sehr gesund sein soll, sind seine Dialoge sehr zu empfehlen.

Das Buch wurde von Nadia Baha, die, glaube ich, auch am Volksstimmefest gelesen hat, lektoriert, die Illustrationen stammen von Stephen Reeder und die Motti wurden von George Orwell aus dem berühmten “1984” und Nena gespendet:

“Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern die Frage ist die, was wir mit uns machen lassen!”

Im Vorwort schildert Andi Pianka, daß er sich ab März 2020 in einem falschen Film fühlte, was ich nur bestätigen kann, denn da habe ich mich auch im dystopischen Raum gefühlt und mich gefragt, wie man darüber schreiben kann, wenn man mitten in der Satire steckt?

Es gibt inzwischen viele politische und gesundheitliche Corona Bücher, einige davon habe ich gelesen, schreibt Andi Pianka und sein Buch enthält sechzig Dramulette, die zwischen dem März 2020 und März 2021 entstanden sind.

Und jetzt hinein in die neue Skurrilität, die jetzt hoffentlich ein bißchen vorüber ist und die damalige Normalität mit ihrer Überspitzung.

Da gibt es gleich eine Liveschaltung mit einem deutschen Virologen “Corona ist unser aller Tod. Billionen, ach nein, Billiarden Menschen werden daran erkranken und Trillionen davon stäääärbn”

“Herr Doktor, wie valide sind denn ihre Prognosen?”

“Na glauben Sie ich wäre invalide?”, sind wir gleich in den März 2020 hineingesprungen.

Dann geht es in den Supermarkt und als der erste Lockdown vorrüber war, in ein Wiener Cafehaus, wo eine alte Dame endlich wieder ihr Kaffetscherl und ihre Sachertorte genießen will. Das wird vom Kellner Rudi mit der Spritze subkutan bze. rektal serviert.

In einem Park wird mit nötigen Abstand Schach gespielt, was aber dem Inspektor Karl nicht gefällt, wenn sich der König mit den Bauern vermischt.

Dann fliegt der Schüler Nils, der auf einen Outdorrausflug einer Wildgans eine Maske aufsetzen soll, mit ihr noch schnell davon, bevor der Schweden-Route geschlossen wird.

Man sieht Meister Andi hat es faustdick mit der Satire hinter den Ohren und ist auch literarisch sehr bewandert.

Im Frühling 2020 durfte man ja nur im selben Haushalt auf der Parkbank sitzen oder Händchen halten und Räuber mit ohne der Maske haben da ja, glaube ich, auch Banken überfallen.

Das Gläschen Wein unseres Bundespräsidenten, der dieses einmal nach der Sperrstunde konsumierte, wird thematisiert und wenn man ohne Handy und ohne App ein Magistrat besuchen will, wird gleich die Psychiatrie informiert, damit sie mit der Zwangsjacke kommen kann.

Der Vermieter Rudi bringt der Mieterin Corona-Impfplätzchen und spielt dabei russisches Roulette und das Einkaufen ist in Corona-Zeiten und die der Klimakrise auch recht schwierig geworden.

Die Journalisten verhalten sich bei Andi Pianka bei den Wahrheitskonferenzen des virologischen Quartetts kritischer, als ich das bei den PKs erlebt habe, denn da haben die, soweit ich mich erinnern kann, von den Politikern immer strengere Maßnahmen gefordert, so daß Kanzler Kurz einmal sogar eher hilflos sagte “Aber strenger gehts nicht mehr!”

Wenn das Kind “Mama” statt “Maske” als erstes Wort sagt, wird der Mutter vom Inspektor gleich die Abnahme angedroht, ja so wars und habe ich gehört, daß das passieren kann, wenn man die Quarantäneregeln nicht vorschriftsmäßig beachtet und in der Schule wird inzwischen das richtige Verhalten bei der Corona Ampel eingeübt, die gilt auch in den Restaurants, was dazu führen kann, daß der Gast wenn die Ampel auf rot geschaltet wird, nicht mehr zahlen darf und der Wirt hat das Nachsehen .

Die trendy Pam und ihre Umfaller wird auch verarscht und der Ex-Kanzlersager, daß das Virus mit dem Auto kommt und wenn die Bäuerin in Quarantäne ist, darf sie ihre Kühe nicht mehr versorgen.

In die Psychotherapiepraxis geht es auch, wohin die Mütter kommen, wenn die Kinder Schwierikeiten mit den Masken haben, eine Erfahrung die ich bestätigen kann, wenn ich auch anders reagierte, als die skizzierte Psychotherapeutin und wenn man beim ärztlichen Notdienst anrief und kein Corona hatte, wird einen geraten sich dringend anzustecken, denn sonst wird man nicht versorgt.

Dann gehts zu Pippi Langstrumpf, die über die Maskenverordnung lachen kann und man sieht Antonio Fian hat in Andi Pianka einen wahren Dramulette Meister gegenübergestellt bekommen und den ersten Meister habe ich ja einmal bei Maskenkneten im Stream beobachten können.

Zu Halloween betritt der Kanzler die Schule und verbietet den Kindern das Feiern, das hat Exex- Gesundheitsminister Anschober im Oktober 2020 auch getan:

“Da lassen wir die Sau heraus, aber bitte erst im nächsten Jahr!”, und ich war da bei einer Corona- Demo.

Und das virologische Quartett übt sich auch im Singen von Weihnachtsliedern:

“Morgen kommt der Weihnachtsmann

Kommt mit seinen Gaben.

Maske Impfung, Hausarrest,

App und Lockdown und der Test.

Ja am besten gar kein Fest

Möcht ich gerne haben.”

Um das Angstmachen geht es auch, das ja noch heute bei einigen, wie erst kürzlich merken konnte, herrlich funktioniert, aber am Schluß des Märchen, durchschauen die Leute die Angstmachen und stürzen den Kanzler und seine Experten und alles wird wieder gut.

Leider nicht so ganz, denn die Pandemie hat sich inzwischen, wie wahrscheinlich zu erwarten war abgeschwächt und als epidemisch erwiesen. In China rauscht das Virus aber durch, weil die Null Covid-Strategie ja nicht wirklich funktioniert. Die Inflation ist gestiegen und bei den klimakatastrophen kann man das Ganze dann aucch wieder anwenden, wenn es schon das erste Mal so gut funktioniert hat und weil die Dialoge im Sommer 2020 enden und sich das Ganze inzwischen sehr verändert hat, noch ein paar aktuelle Dialoge, die mir der liebe Andi neulich schickte.

Und da geht um den Bürgermeister Kim Jong Lud-Wig und das Zwangstesten der chinesischen Touritsen und, daß er nicht daran denkt, das Maskentragen in den Öffis abzuschaffen, aber das müssen wahrscheinlich die Menschen selber machen, wie der müde Kontrolleur einer maskenlosen Passantin sagt.

Also warten wir ab, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird und ich kann Andi Piankas Corona-Dialoge, als Erinnerung, wie skurril das Ganze vor zwei Jahren war, wirklich nur empfehlen.

Am Schluß dankt er noch seinen Freunden und den Gleichmeindenden für die Unterstützung und da kann ich mich auch dazuzählen.