Apropos Casanova

Jetzt kommt das zweite Buch, der Sparte Übersetzung, das heuer für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde und ich muß schreiben, die übersetzten Bücher bergen für mich Überraschungen und sehr viel unbekanntes.

So sind die “Vögel”, glaube ich das beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Don Passos “USA-Trilogie” habe ich zwar schon seit November in Badezimmer liegen unddieser Autor war mir im Gegensatz zu Tarjei Vesaas und Miklos Szentkuthy auch schon bekannt und ich habe den “Manhatten Transfer” auch schon mal gelesen oder übeflogen von einem Miklos Szentkuthy habe ich aber noch nie etwas gehört und sein “Apropos Casanova aus dem “Brevier des heiligen Orpheus” scheint ein ähnliches Gustostückler, wie Theodor Sappers “Kettenreaktion Kontra” zu sein und es istauch in einem speziellen Verlag, der “Anderen biblothek” begründet von Hans Magnus Enzensberger, in einer speziellen Ausgabe erschienen, die man fast für die schönsten Bücher nomieren könnte, herausgegeben von Christian Döring, übersetztvon Timea Tankö, die ja für den Preis nominiert wurde.

György Dalos hat das Nachwort geschrieben. Das Buch ist in rot und schwar zgehalten, dieSeitenzahlen werden unterande rgeschrieben und es gibt und das ist auch ungewöhnlich ein mehrere Seiten langes Inhaltsverzeichnis, das man fast,wie einen Kurzroman lesen könnte.

György Dalos beschreibt das Lebend es eher unbekannten ungarischen Autors, der als Miklos Pfisterer in einer bürgerlichen katholischen Familie in Budapest geboren wurde und von 1908 und 1988 lebte. Das Brevier ist 1937 erschienen und wurde gleich der Blasphemie rverdächtigt, aber auch von den <kommunisten verfolgt.

“Apropos Casanova” ist in zwei Teile gegliedert. Der erste Teil beschreibt “Das Leben eines Heiligen”, nämlich das von “Alfonso Maria de Liguori 1696-1787”, da war mir das Ganze noch ein bißchen unverständlich. Dann ging es hinein in das Leben Giacomo Casanovas, 1725-1798, dessen Eltern, wie das erste Kapitel gleich verkündet, Schauspieler waren. In längeren oder kürzeren Kapitel wird das Leben beschrieben, das in Venedig begann, wo die Verführer öfter Mönchskutten trugen, um bei den Damen vorgelassen zu werden. Er erwähnt eine Bettina, ein Fräulein Vesian, eine Philosophin und beschreibt auch, die Erotik oder den Sex in Kutschen, was beim damaligen Straßenzustand und den Dienern, die hinten aufsaßen und den verschlossenen Damenkleidern invielen Schichten, wohl besonders aufregend war.

Die freie Liebe, der Inzest, die lesbischen Beziehungen werden beschrieben und regen zum Nachdenken, wie sich das erotische oder sexuelle Verständnis im Lauf der Zeit, im Sinne der Me too -Debatten, wohl verändert hat.

Die Reisen nach Neapel, Rom oder nach Alexandria werden beschrieben, da muß der Giacomo auch in Quarantäne, die er auf einen Balkon, “Halb Zimmer, halb freie Natur” verbringtund dabei einer schönen Sklavin huldigt, beziehungsweise heute ein wenig unverständlich, das Sklaventum preist.

Weiter gehen die Kommentare über die Lektüre von Casanovas Werk zu den Pallazzi, wo der Begnadete neben Kardinälen und Marchesen meist Unterschlupf gefunden hat. Sehr genau werden die Gärten im Renaissancestil beschrieben und hier wird behauptet, daß es “In tialien keine Natur gibt und bei der “Errichtung von Gärten Natur und Schönheit unbekannte Begriffe”, wären “und es lediglich den alleinselig machenden Lxus gibt.”

Die Musik spielt in diesen Szenarien natürlich eine große Rolle, die Mozartopern, Don Giovanni beispielsweise und Papst Benedik XIV, zu dem Casanovaoffenbar jederzeit Zutrtt hatte und ihm darum bat in der Fastenzeit Fleisch essen und verbotene Bücher lesen zu dürfen. Dann muß er in der Liebe zwischen einem Kardinal und einer Marchesa vermitteln, die er im Hauskleid vorfand, was damals wohl etwas Ähnliches wie ein Negligee oder noch weniger bedeutete und er ihr im Namen des Kardinals unbeholfene Briefe oder Gedichte schreiben mußte, damit sie nicht erkannte, daß sie von ihm waren. Am Balkon haben sich die Beiden getroffen, dem Mittelding zwischen Natur und Schlafzimmer, wie wir schon wissen, während sich der Kardinal in diesem befand, was in der Inhaltsangabe mit “Der schlummernde Kardinal, Casanova und die Marchesa am Balkon”, beschrieben wird.

Vollends erotisch phiilosophierend wird es dann, wenn es weg von Casanova und zu “Abelard und Heloise” oder zu Tinorettos “Susanna im Bade” geht. Da hat ja Szenkuthy das berühmte Bild im Kunsthistorischen Museum in Wien gesehen. 1937 ist er dann mit seinem Freund Istvan Söter nach Italien gereist und hat da die Tintoretto-Sonderausstellung im Palast derFamilie Bevilaquva in Venedig gesehen, die ihm sehr beeindruckt hat, da sich da das Bild, das in der seiner Vorstellung hatte, von dem Realen unterschied, so daß er nach Budapest zurückgekommen, mitseiner Frau Dora Eppinger noch einmal nach Venedig reiste, um das Bild erneut zu sehen.

Dann gehts wieder zurück zu Casanova, seine Beziehung zum Geld wird reflektiert und wieder sein Verhältnis zu Musik. Er spielte offenbar nicht nur Karten im Theaterfoyer, sondern auch Violine in kleinen Theatern, schenkte seinen Geliebten ein Klavier und Noten in einem Korb und am Schluß werden Casanova noch Andrew Marvells “Betrachtungen über die Liebe”gegenüber gestellt.

“Wenn wir nicht im18. Jahrhundert leben können, so sollten wir uns mit der Liebe nicht befassen”, heißt es auf Seite zweihunderteinundvierzig des Romans einer geisigen Reise.

Interessant, interessant Miklos Szenkuthys Casanova-Lektüre und die philosophischen Betrachtungen, die er sich darüber macht. Ein interessantes Buch, wieder eines, das ich nicht so ganz verstanden habe, weil ich mich nur eher schnel ldarber gelesen habe, aber einen interessanten mir bisher unbekannten Schriftsteller kennenlernte und natürlich sollte, könnte, müßte man sich mitden Schriften Casanovas oder zumindestens seiner Biografie weiter befassen und darüber seine eigenen Betrachtungen anstellen.

Daheim

Buch zwei der Belletristikliste der für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominierten Bücher. Iris Hanikas “Echos Kammern” habe ich ja schon gelesen und war etwas verwirrt von dem verwirrenden Inhalt oder der verwirrenden Schreibweise und von der 1970 geborenen Judith Hermann, die durch ihre Erzählungen bekannt geworden ist und auch den “Erich Fried-Preis” bekommen hat und ich muß schreiben, das Buch hat mir gut gefallen undwürde es, als einen eher leisen, verständlich geschriebenen Roman, der von den Katastrophen und Problemen, der heutigen Welt erzählt beschreiben. Das ist nicht ganz richtig, so einfach strukturiert ist er gar nicht, da ist, glaube ich, schon System dahinter und eine Metaphernvielfalt gibt es auch.

Die Ich-Erzählerin, sie hat, glaube ich, keinen Namen, springt gleich ein in das Sujet und erzählt von der zeit vor dreißig Jahren, als sie eine junge Frau war, richtig Mietz Medusa, die Romanfiguren wachsen mit ihren Heldinnen und diese Protagonistin ist, glaube ich, siebenundfünzig und vor dreißig Jahren hat sie in einer Einraumwohnung über einer Tankstelle gewohnt und in einer Zgarettenfabrik gearbeitet. Sie hat sich geweigert “Mahlzeit!”, im Betrieb zu sagen, wurde daher abgemahnt und galt als rebellische Person. Eines Tages oder Abends ging sie in die Tankstelle, um etwas einzukaufen und wurde da von einem alten Mann angesprochen, der ihr anbot seine AAssistentin zu werden. Er war Zauberer und wollte sie in eine Kiste legen und dort zersägen. Es gab einen Probelauf im Beisein seiner Frau dann lud er sie ein mit ihm auf eine Tournee auf ein Kreuzschiff nach Singapur zu fahren.

Das war vor dreißig Jahren. Sie ist nicht gefahren, sondern hat einen Otis geheiratet und eine Tochter namens Ann bekommen. Jetzt hat sie beide verlassen und ist in ein Haus am Meer gezogen und arbeitet bei ihrem Bruder, der dort eine Kneipe hat, als Kellnerin. Dem Otis schreibt sie kurze Nachrichten, mit Ann die durch die Welt reist, hat sie Skypekontakt und weil sie einmal nachts, die Türe, die sie versperrt hat, offen fand, kauft sie Pfeffersprax und legt ihn unters Bett.

Die Nachbarin Mimi, eine Bildhauerin, die nackt auf der Wiese tanzt, beruhigt sie, das ist nur der Wind. Es gibt aber auch ein Tier imHaus, einen Marder wahrscheinlich, Mimis Bruder ein Schweinebauer, baut für sie eine Falle auf, aber darin fängt sich nur eine Katze und ein Vogel und die Falle erinnert sie an die Kste, in die sie damals gestiegen ist.

Eine andere Kiste gibt es auch noch, in die wurde Nike, die zwanzigjährige Freundin des sechzigjährigen Bruders, ihren Beschreibungen nach, in ihrer Kindheit von ihrer Mutter oft gefangengehalten und Sascha und die Erzählerin mußten auch oft auf den Stufen des Wohnhauses auf die Mutter warten, wenn die sich ihre Freiheit nahm und daher nicht daheim war, wenn sie aus der Schule kamen.

Mimi erzählt ihr einer Sage von einer Nixe, die von Fischern aus dem Meer gezogen und dann gequält und gefoltert wurde, so daß, die den Sturm dann in die Gegend schickte. Jetzt gibt es aber keinen Regen mehr, die Fische kann man sich auch nicht mehr besorgen und die Erzählerin knüpft eine vorsichtige Beziehung zu Mimis Bruder an. Mit seinem Vater Onno freundet sie sich auch an und Nike wird eines Tages überfahren auf der Straße gefunden.

Da ist der Sommer schon fast vorbei, die Erzählerin hat sich eingelebt,also angekommen und läßt jetzt freiwillig ihre Haustür offen und ich denke mir, so geht es auch, so kann man auch heute noch einen Roman schreiben, der fesselt und auch die gewünschten Geheimnisse hat und dabei hatte ich doch das Vorurteil Judith Hermann könne keine Romne schreiben. Da habe ich mich, glaube ich, getäuscht.

Die Vögel

Jetzt kommt das erste Buch der Sparte Übersetzung der für den Preis der “Leipziger Messe” nominierten Bücher Tarjei Veesas “Die Vögel” und ich muß schreiben, das ist, glaube ich, das beste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe und das ist eine Überraschung hatte ich ja in letzter Zeit mit den Neuerscheinungen ein paar Enttäuschungen erlebt, denn es ist ja nicht so leicht angesichts der schon vorhandenen Bücher immer etwas, wie man ja muß und soll, wirklich Neues und noch nie dagewesenes zu schreiben und dann werden die Ergebnisse immer orgineller, unverständlicher oder what else.

Da hatte es der 1897 in Norwegen geborene und 1970 dort verstorbene Tarjei Vesaas, der auch mehrmals für den Nobelpreis vorgeschlagen wurde und in einem norwegischen Dialekt geschrieben hat, wohl leichter, obwohl er jetzt vergessen ist und sich nur der kleine “Guggolz-Verlajg” sich um ihn bemüht und eine neue Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel herausgebracht hat, der für den Preis nomniert wurde und interessant ist auch, daß Judith Hermann, die ja auch auf der Belletristik-Liste steht und als Nächstes von mir gelesen werden wird, das Nachwort geschrieben hat.

Über den Wert und die Kunst der Übersetzung kann ich natürlich, da ich ja Norwegisch nichts verstehe nichts aussagen und bin da vielleicht auch ein wenig skeptisch, weil ich das schon einiges Seltsames gehört habe und habe sonst über den norwegischen Dichter, glaube ich, noch nie etwas gehört und jetzt war ich, wie schon geschrieben sehr überrascht und auch erfreut

Es geht um den siebenunddreißigjährigen Matti, irgendwo habe ich etwas von einem Alter Ego des Autors gelesen, ob das so ganz stimmt, weiß ich nicht, denn der ist ein Außenseiter. Der Dorftrottel oder Dussel, wie er von den Kindern und den Ortsbewohnern genannt wird. Er scheint aber in dem Dorf an einem See, in dem er mit seiner um drei Jahre älteren Schwester lebt, sehr integriert zu sein. Der Krämer steckt ihm manchmal Kampferbonbons zu und die Schwester ernährt sich und den Bruder durch das Stricken von Jacken.

Das Buch wurde, glaube ich, in den Fünfzigerjahren geschrieben und der Matti zeichnet sich durch seine Senisiblität aus, die aber nicht von allen erkannt wird. Die Schwester, die etwas rauher als der Bruder ist, mag ihn sehr, schickt ihn aber immer in den Ort, um den Bauern bei der Arbeit zu helfen, wo Matti seine Schweirigkeiten hat.

Er hat auch Angst vor den Blitzen und versteckt während der Gewitter am Pumpsklo und seine Spezialität sind die Vögel, wie schon der <name sagt. So beobachtet er die Schnepfen und deren Balzuflügel und nerv die Schwester auch mit seiner Begeisterung.

Eine der Schnepfen wird dann abgeschoßen, was Matti im emotionale Aufregung versetzt. Es gibt auch ein Boot, mit dem fährt Matti auf den See hinaus, weil das Bootaber leck ist, strandet er und wird von zwei Urlauberinnen Anna und Inger von einer Insel gerettet. Begeistert rudert er die beiden Mädchen zurück und landet vor dem Kaufmann, damit ihn alle sehen und dann verdingt er sich als Fährmann. Da hat er zwar keine Kunden. Die Schwester ist aber froh, den Bruder zu beschäftigen und dann bringt er einen Gast, den Holzfäller Jorgen ins Haus, der Quartier bei ihnen nimmt. Die Schwster verliebt sich in ihn und versetzt Matti damit in große Schwierikeiten, denn was macht er, wenn er die Schwester verliert?

Er faßt einen Plan, rudert auf den See hinaus und kommt nicht mehr zurück.

Ein spannendes Thema, sehr eindrucksvoll beschrieben mit ein bißchen Symbolik, die heutzutage vielleicht ein wenig ungewöhnlich anmutet, denn heute werden die Plots ja eher mit der Heldenreise geschmiedet gibt es auch. Aber spannend auch von den Außenseiter und ihren Schweirigkeiten mit der Intergration oder der Eingebettetheit in die dörfliche Gemeinschaft zu lesen und da kanni ch auch an meine “Mimi” verweisen,die aber viel später geschrieben wurde.

Das Cover mit den grünen Vogelfedern ist auch sehr eindrucksvoll.

Echos Kammern

Jetzt kommt schon das erste Buch, das in der Sparte “Belletristik” für den “Leipziger Buchpreis” nominiert wurde, denn da habe ich mich das letzte Jahr auch entschlossen diese Liste hinunterzulesen, zumindestens was die Belletristik und die Übersetzungen betrifft und Iris Haniksas “Echos Kammern” wurde ja bei der letzten “Leseauslese” in der “Gesellschaft” vorgestellt und empfohlen.

Da bin ich aufdas Buch aufmerksam geworden und hätte es mir fast um den Gutchein eingelöst, den mir der Alfred vor Weihnachten gegeben hat, denn ich kenne die 1962 in Würzburg geborene Iris Hanika und ihr “Treffen sich zwei” glaube ich von der “Deutschen Buchpreisliste” 2008 ,die ich da das erste Mal per Internet verfolgte und 2009 versuchte das Büchlpreisleseprobenbüchlein in Österreich zu bekommen.

“Wie der Müll geordnet wird” habe ich mir, glaube ich, einmal in Salzburg aus einer Abverkaufskiste gezogen oder war das das “Eigentliche”, das auch auf meiner Bücherliste steht und nun ist auf der Liste des “Lleipziger Buchpreises” 2021 gekommen.

Die liebe Henrike Blum, die ich jetzt auch live lange nicht gesehen habe, hat mir das PDF geschickt, so daß ich das Buch, als Erstes gelesen habe und war, kann ich schreiben oder mich wiederholen, zuerst einmal verwirrt und habe mir fast gedacht, daß ich jetzt das Gleiche schreiben werde, was ich schon über die“Wilden Theorien” geschrieben habe.

Sorry, nichts verstanden, aber ganz so einfach oder so unverständlich war es nicht. Denn da gibt es erst einmal einen allwissenden Erzähler, der uns durch das Geschehen führt. Ich habe zwar Psychologie und nicht Literaturwissenschaften studiert, hätte aber doch gedacht, daß das jetzt gar nicht mehr geht und ein absolutes no go ist, wie es ja heißt, wenni ch manchmal spoilere und dann und das führt mich wieder zu mir zurück, ist einer der ersten Sätze “Bevor ich bin gereist nach New York, ich war in Sorge.”

,Was heißt denn das? Wenn ich so schreiben würde, würde nicht nur der Uli aufschreien. Aber halt, bevor ich Iris Hanika sprachliche Inkompetenz vorwerfe, das Buch ist bei “Droschl” erschienen und da gibt es auch“Broken German” und Iris Hanika schreibt auch sogleich, daß es dabei, um die sogenannte “Lengevitsch”, handelt die 1925 von einem Kurt M.Stein erfunden wurde und in dem Buchgeht es im wesentlichen, um zwei Städte. Um Berlin und New York und um zwei Frauen. Um Sophoniste und Roxana und da haben wir schon einmal zwei ungewähnliche Namen. Ich hatte da ja mit meiner “Sophie Hungers” und auch schon vor 2009 Probleme, weil ich gerne sprechende oder ungewöhnliche Namen verwende, Sophoniste ist eine alternde Dichterin, die mit ihren “Mythen in Tüten” berühmt geworden ist, in denen es um die Musen Echo und Narziß geht und da haben wir schon die Anpielung zum Titel und die reist jetzt nach New York um einen Roman über die Stadt zu schreiben. Was auch recht schwierig ist, weil das ja heute jeder Dichter machen will, über New York und den Holocaust zu schreiben und da bin ich schon bei Gustav Ernst und seiner Präsentation seiner “Betriebsstörung” im Literaturhaus, wo es darum geht, was gute Literatur ist und ob man nachden hunderttausend Millionen Romanen, die es schon gibt, noch überhaupt einen schreiben kann, der verständlich ist? Und so würde ich mir Iris Haniska “Echo Kammern” auch interpretieren.

Sophoniste reist also nach New York und beginnt zu schreiben. Tut das aber in der “Lengevitsch” und dann geht sie in den Starbuck, lernt dort einen Engel kennen, der sie zu einer Party einer berühmten Sängerin führt, deren Namen mir, die ich ja früher viel in die Oper ging, jetzt aber eigentlich wenig Musik höre, nichts sagte. Sie lernt aber einen Josch kennen, der über die ukrainische Literatur schreiben will und einen Alf, der früher Bedolf heißt, Achtung Anspielung an den Adolf würde ich vermuten, der lebt mit einer Deborah in einer New Yorker Luxuswohnung beim Central Park, lädt sie ein und bekocht sie. Die alternde Sophoniste und da wären wir auch bei den alternden Romanheldinnen von denen sich Mieze Medusa ja nicht vorstellen kann, daß es sie gibt, hat keine Wohnung sondern zieht von Stipendiumquartier zu Stipendiumsuartier und braucht, wenn sie wieder nach Berlin zurückkehrt, eine solche. Guter Rat ist hier nicht teuer, denn Alf kennt ja Roxane, die von Ratgebern lebt und damit berühmt geworden ist, zu der kann Sophaniste ziehen und Josh kommt auch gleich dorthin. Roxana verliebt sich unsterblich in ihm und ich habe dieses Wirrwarr, die verschiednen Sprache und ein Haufen literarischer Anspielungen kommen auch darin vor, eigentlich ganz gut, verstanden.

Das heißt, um nicht hochzustapeln. Ganz so einfach war das doch nicht. Zuerst habe ich bei “Wikipedia” gelesen, daß man die Handlung des Buches nicht nacherzählen kann und dann ein Interview mit der Autorin gehört, wo sie sehr viel lachte und mir war klar, nach den hunderttausend Romanen, die es schon gibt, darf man sich ja nicht wiederholen, sondern muß immer danach trachten, etwas Neues und noch nie dagewesenes zu schreiben und da läuft man dann leicht in Gefahr unverstänlich zu werden oder vielleicht banal und es mit einer “Lengevitsch” und vielen Anspielungen zu versuchen, so daß dann vielleicht gar keine komplizierte Handlung überbleibt, außer einer, die man vielleicht doch nacherzählen kann und das finde ich spnnend, habe ich mir doch, als ich beim Lesen des erstens Drittels war und nichts verstanden habe, gedacht, wieso empfehlen Cornelius Hell oder Katja Gasser, die ja einen elitären Literaturgeschmack haben müssen, dieses Buch und wieso wird es in der “Gesellschaft” präsentiert, die mich ja wegen “selbstgemacht” nicht lesen lassen, wieso gilt alles, was unverständlich ist, als gute Literatur und das andere nicht?

Das habe ich mir durch das Interview jetzt schon erklärt. Was über bleibt und vielleicht doch zu wenig beachtet wird, ist der Leser. Dennn lesen die das, was auf den deutschen, leipziger oder was immer Listen steht, das hehre, elitäre, unverständliche, was von den Literaturkritikern angepriesen wird oder wollen sie, wenn sie überhaupt noch lesen nicht vielleicht doch Krimis, ChickLlit, Fantasy oder what else.

Ich lese selber ja nachweislich viel und bekomme von meinen Spamern manchmal zu hören, daß ich nichts verstanden habe, ja manchmal tue ich das nicht. Dieses Buch habe ich aber doch verstanden. Bleibe ein wenig nachdenklich und noch immer ratlos zurück und bin jetzt gespannt, wie es sich neben den vier anderen Belletristik-Büchern durchsetzen kann. Da habe ich schon gehört, daß Judith Hermann nicht so gut Romane, wie Erzählungen schreiben können soll, von Christian Kracht habe ich auch schon einiges Kritisches gehört, aber noch nichts gelesen. Auf Helga Schubert bin ich gespannt und die Fritzi wäre ja, meine Leser wissen es, meine große Favoritin, scheine ihr Buch aber nicht zu bekommen und in den Schränken ist auch nicht soviel von ihr zu finden.

Rauris 1971-2021

Noch einmal zu den “Literaturtagen im Innergebirg”, die ja 2020 ihr fünfzigstes Jubiläum feiern wollten, Corona hats verhindert. So wurde heuer digital nachgeholt und ich bin dazugekommen mich durch die Literaturtage zu hören, von denen ich schon einiges gehört habe und auch die dort aufgetretenen Literaturgrößen zum größten Teil schon kannte. Es gibt aber ein Buch beziehungsweise einen dichtbebilderten Katalog, den ich, glaube ich, schon am Montag danach zugeschickt bekam und mich so auch durch den Ausstellungskatlog blättern und mein literarisches Wissen vielleicht noch ein bißchen auffrischen kann, was in Zeiten, wo ich ja schon über ein Jahr nicht mehr live im Literaturhaus, in der “AS” und der “Gesellschaft” war und mich nur im Sommer kurz bei den “Strobeler Literaturtagen” und denen im Künstlerdorf im Burgenland tummeln bezihungsweise mich bis Oktober bei den “Wilden Worten” umschauen konnte, besonders wichtig, die Bücher der “Lepziger Buchmesse” warten aber schon, die Teilnehmer des heurigen wahrscheinlich auch nur digitalen “Bachmann-Lesen” werden wohl auch bald bekanntgegeben, also ist doch etwas los und eine, die sich nun ja auch schon fast fünfzig Jahre oder sogar schon mehr für Literatur interessiert, geht da auch nicht unter oder bleibt nicht wirklich über, auch wenn man das fast glauben könnte.

Also das rote Buch im Katalogformat aufgeschlagen und lustig durchgeblättert, zuerst sieht man ein schönes Bild vom Gebirg und das ist wahrscheinlich das besondere an den Literaturtagen, daß sich da vor fünfzig Jahren ein Journalist und eine Lleiterin des Fremdenverkehrsbüro aufmachten, die Literatur ins Dorf zu bringen, also die langhaarigen Hippies, die nachts betrunken in grünen Gummistiefeln durch das Dorf tappten und trotzdem ist Rauris eine Legende und eine unvergeßliche Literaturgeschichte und man sollte, wenn man das wieder dürfen sollte, vielleicht einmal dort hinfahren, aber richtig, Kritiker, das weiß ich schon, Erstens lädt mich niemand zum Lesen ein und Zweitens habe ich ja keinen grünen Paß, setze keine Maske auf, etcetera, also wäre eine diesbezügliche Einladung gar nicht möglich.

Manfred Mittermayer und Ines Schütz, die jetzigen Organisatoren haben unter Mitarbeit von Bernhard Judex den Jubiläumsband herausgegeben und das Vorwort geschrieben

Dann folgt ein Artikel von Anton Thuswaldner, dem Saluburger Journalisten, der diesbezüglich auch eine Rolle spielt “Eine Welt ohne Rauriser Literaturtage? Das ist keine Welt!” heißt er und man sieht ein Bild von 1972 und da Günther Eich, ilse Aichinger, Hilde Spiel und Alois Brandtstetter beim Eistockschießen und das ist natürlich auch sehr interessant.

Britta Steinwendtner hat nach dem die Literaturtage da offenbar in einer Krise waren, 1990 die Organisaton des Festivals übernommen.

“Die Worte sind das Gold”, heißt ihr Artikel. Sie hat die Festtage unter ein Thema gestellt, Studenten wurden auch eingeladen, für hunderfünzig österreichische Schilling für Kost und Quartier in das Dörfchen zu kommen und die Dörfler wurden auch eingebunden, in dem es in ihren Häusern zu sogenannten Störlesungen kam. Da sieht aman Ilse Aichinger auf einem Bild mit einem Bauern und die Literaturpreise, die die jungen Talente nach Rauris brachten, wurden auch eingeführt und natürlich gab es, wie schon Anton Thuswalder schrieb, zu Fehlentscheidungen und Literaturskandalen, so hat Karin Struck meint er, die Geschichte ihres Scheiterns erzählt. Ja die ist in den Siebzigerjahren in den Literaturhimmel aufgestiegen und wurde dann glaube ich von “Suhrkamp” fallengelassen. Brigitte Schwaiger ist ja etwas Ähnliches passiert, da weiß ich aber nicht, ob sie je in Rauris gelesen hat.

Ines Schütz und Manfred Mittermayer haben 2013 Brigitta Steinwendtner in der Organisation abgelöst und die Leitung übernommen. Da gibt es auch ein schönes Foto aus dem Gasthaus Grimming von David Sailer vom Jahr 2017, wo beide neugierig offenbar in Richtung Tür und zum auftretenden Autor oder zu was auch immer schielen.

Christa Gürtler hat einen Artikel über die Studenten geschrieben, die ja, wie schon erwähnt eingeladen wurden um sich mit den Autoren zu unterhalten und ihnen die entsprechenden Fragen zu stellen und die haben, wie in ihrer Überschrift verraten wird auch “Eine Flasche Gin” Kristof Magnusson gespendet.

Hldemar Holl schildert seine “Impressionen von den Rauriser Literaturtagen”. Da gibt es ein schönes Foto aus dem Jahr 1975, wo man den kochenden H. C. Artmann sieht. Es raucht gewaltig und das Gulasch habe ich später gelesen wurde erst verspätet serviert, weil der Autor zuviel geplaudert hat.

Dann gibts einen Text von Bodo Hell, dem ersten Literaturpreisträger und dann werden kurz die ersten dreißig Jahre 1971 bis 2000 geschildert.

Dorothea Granegger und Erwin Grimmelsberger waren die Initiatoren, die das Experimant 1971 gewagt haben. Da gibts auch ein schönes Foto und dann folgen noch sehr viele von den aufgetretenen Stars. So kann man Thomas Bernhard, Peter Handke beim Lesen und beim Autogramm geben sehen. Der hat lange dunkle Haare und eine Brille. Man sieht die junge Barbara Frischmuth die 1972 gelesen hat und Hans Lebert. Hilde Spiel wurde 1973 abgebildet und Franz Innerhofer der, glaube ich, mit seinen “Schönen Tagen” auch dort entdeckt wurde. Interessant, daß mein GAV-Kollegen Johann Barth, der als Fotograf offenbar erfolgreicher war, die Fotos geschossen hat.

Rudolf Bayr sieht man beim Schifahren und den Verleger Wolfgang Schaffler.

Dann gibts die Bilder von den Tagen, die Brigtitta Steinwendtner organisiert hat. Da sieht man Robert Schindel und den Literaturpreisträger Thomas Lehr und von 1995 bis 2000 sind Peter Henisch damals noch mit dunklen Bart und schwarzen Kappel und Peter Rosei, den ich auf den ersten Blick fast für Erich Fried gehalten hätte. Herta Müller die Nobelpreisträgerin von 2009 ist zu sehen, Peter Handke hat den ja 2019 bekommen, die dritte Literaturnobelpreisträgerin die erwähnt wurde, ist wohl Elfriede Jelinek, die aber nicht zu sehen ist oder habe ich einen anderen vergessen?

Gert Jonke ist zu sehen und Felizitas Hoppe, die wie ich geschrieben sehe, das Pech hatte, übersehen zu werden, weil Hermann Nitsch beim Musikprogramm einen Skandal auslöste. Ernst Jandl und Friederike Mayröcker waren natürlich ebenfalls da. Peter Stamm und der “Büchner- Preisträger” Josef Winkler, Norbert Gstrein der vorletzte österreichische Buchpreisträger und und, eine Auswahl war ja schon bei der Onlineveranstaltung zu hören. Ruth Klüger hat einen Preis bekommen und die teilweise schon erwähnten “Rauriser Erregungen” gab es auch und dann natrlich auch das Theater, bei dem, glaube ich, “Sakkorrausch” von Elisabeth Reichart aufgeführt wurde.

Dann gehts zu den “Schulprojekten”, denn Lesungen und Schreibwerkstätten beziehungsweise Einbeziehung der Bevölkerung, was ich sehr gut finde, war immer ein Anliegen der Literaturtage.

Klaus Merz hat eine “Rausiser Notiz” geschrieben:

“Eine Sprache finden, Worte, die nicht über das Erzählte hinweg flutschen, sondern Reibung erzeugen, Wärme, Licht.”

Dann gehts zu Rauris von 2001 bis2019 gesehen oder fotgografiert von David Sailer.

“Spurensuche” hieß das Thema von 2001. Da sieht man Corinna Soria, deren Buch ich gelesen, weil bei den Büchertürmen der “Literatur im März” gefunden, habe.

“Facetten der Kriminalliteratur”und das finde ich sehr spannend, hieß das Thema von 2002, da sieht man Alfred Komarek, Petra Hammesfahr und natürlich Franz Schuh, der, glaube ich, dazu Essays und Rezensionen schreibt.

“Versuchte Nähe” 2003 mit Michael Krüger und Alfred Kollertisch. “Lieben und Leben” 2004, da hat Katja Oskamp mit ihrem “Halbschwimmer”, glaube ich, gewonnen, ein Buch wurde dort verkauft oder verschenkt und signiert und ich habe dann gefunden.

“Worte und Orte” 2005, da sieht man Herta Müller, die erst 2009 den “Nobelpreis”gewonnen hatund eineCollage von ihr.

2006 wardas Mozartjahr, da gab es natürlich eine Annäherung an den berühmten Komponisten. “Literatur und Wissenschaft” gab es 2007.

“Zwischen den Worten – zwischen den Welten” 2008, mit Bildern von Wladimir Kaminer von dem ich einiges gelesen hab und Ilija Trojanow.

“Lust.Spiel.Wut” 2009, da sieht man den verstorbenen Architekten und Wiener Gruppe Mitglied Friedrich Achleitner.

2010 gab dann as “40 Jahre-Festival” mit Wolf Haas, Antonio Fian und Peter Esterhazy.

“…und ich begehre nicht schuld daran zu sein” 2011, Dorothee Elminger, die Bachmanngewinnerin von 2010 und Michael Stavaric. Marlene Streeruwitz hat eine Schreibwerkstatt gehalten.

“Die Erfindung der Wahrheit” 2012, da sieht man die “Bachmann-Preisträgerin” Maja Haderlap am Podium.

“Lebens.Wege” 2013 mit Christoph W. Bauer in der Volksschule und Anna Weidenholzer von der ich viel gelesen habe.

“Kapital.Gesellschaft” 2014, Josef Winkler und Sabine Gruber, Tanja Maljartschuk, Fiston Mwanza Muljila und Angelika Reitzer.

Das berühmte Flüchtlingsjahr 2015 wo ich mit den Buchpreislesen angefangen habe, ist natürlichen den “Mehr-Sprachen ” gewidmet und man kann die Portraits von Jaroslav Rudis, Seher Cakir und György Dalos.

“Geschichte” wurde 2016 von Josef Haslinger, Hanna Sukare und Ludwig Laher erzöhlt.

“Körper.Sprache” war das Thema von 2017. Da kann man eine lachende Mercedes Spannagel sehen, deren Buch ich gelesen und sie auch bei mehreren Gelegentheiten, auch Online gehört habe.

“Frühe.jahre” wurden 2018 mit Raphaela Edelbauer, derBachmanngewinnerin und buchpreis shortliststehenden präsentiert.

“Auf.Brüche” war das Thema von 2019. Da sieht man Simone Lappert, die ich ja in Basel gesehen habe.

Freunde und Kooperationspartner der Literaturtage gibt es auch und dann dibts die “Dokumentation” mit den Llesungsprogrammen und den Literaturpreisträgern, beziehungsweise den Büchern, die dort entstanden, beziehungsweise präsentiert wurden.

Da findet man die “Klassenliebe” von Karin Struck, die “Schönen Tage ” von Franz Innerhofer, Peter Hensichs “Kleine Figur meines Vaters”, daß da schon veröffentlicht war. Thomas Hettches “Ludwig muß sterben”, Ruth Klüger “Weiter leben”. Felicitas Hoppes”Picknick der Friseure”, Peter Stamms “Agnes”, Julie Zehs “Adler und Engel”Corinna Sorias “Leben zwischen den Seiten”, Katja Oskamp “Halbschwimmer”, Thomas Klupps “Paradiso”, Dorothee Elmingers “Einladung an die Waghalsigen”, Maja Haderlaps “Engel des Vergessens”, Karen Köhlers Wir haben Raketen geangelt”,, Angela Lehners “Vater unser” um nur die zu erwähnen, die ich gelesen haben und natürlich Julyia Rabinowitsch “Spaltkopf” nicht vergessen, aber den habe ich nicht gelesen, nur viel davon gehört.

Das war der Rundgang durch die Festbroschüre um noch einmal an Rauris zu denken und ich wiederhole es, darauf zu wrten, wann ich mich ohne Paß, Test und Maske vielleicht doch einmal als sogenanntes literarisch interessiertes Publikum in den Vortragssaaal oder an den Wirtshaustisch setzen kann.

Der ehemalige Sohn

Mit Sasha Filipenkos “Roten Kreuzen” habe ich nicht soviel anfangen können, beziehungsweise es für nicht so ungewöhnlich gehalten. Bei dem 2014 erstmals erschienen “Ehemaligen Sohn” des1984 in Ninsk geborenen und in St. petersburg lebenden auf Russisch schreibenden Autors, ist das anders. Denn das ist ein wahrscheinlich sehr aktuelles Buch, das auch in einer sehr ungewöhnlichen frischen Sprache geschrieben ist. Es wird zu Anfang viel geschimpft und hat dann auch sehr originelle Szenen. Gleich am Anfang gibts ein Vorwort des Autors und ein Nachwort der Übersetzerin Ruth Altenhofer in der ein bißchen die belarussische Situation erklärt gibt es auch und, was in diesem Fall fast schade ist, einen Klappentext, aber der Autor hat die Handlung und das wie und das warum in seinem Vorwort auch schon erklört.

Ich bin ja eine, die zu Beginn eines Buches meistens zuerst das Beschreibung liest, aber hier nimmt es viel vorweg, was man anfangs gar nicht findet. Da wacht einer, ein Celloschüler, nach zehn Jahre Koma auf und erlebt, es hat sich nichts geändert.

Nun gut, nun ja, interessant und man hat von Weißrundland in der letzten Zeit auch sehr viel gehört. Dann findetman zunächst aber etwas ganz anderes. Eine Großmutter schimpft mit dem Enkel, weil der nicht Cello üben will. Dann gehts in die Schule in das Musikgymnasium, das Franzisk besucht, dort gibt es eine Notenkonferenz und da wird immer ein Veteran eingeladen, der ein bißchen was über die Geschichte erzählt. Diesmal ist es offenbar ein rebellerischer, das habe ich trotzdem ein wenig langweilig gefunden. Dann gehts in die Konferenhz, dort soll der faule Zisk hinausgeschmissen werden, obwohl die Großmutter, wie üblich die Lehrer bestochen hat und der geht dann zu einem Konzert, gerät in eine Massenpanik und fällt ins Koma.

Ab da wirds spannend, der Chefarzt gibt den Jungen auf, die Großmutter ist die Einhzige die für ihn kämpft. Sie besticht die Ärzte, erkämpft ein Einzelzimmer, räumt es mit Plakaten voll und quatscht den Enkelden ganzen Tag an, obwohl alle ihr erklären, daß das verrückt ist.

Das ist vielleicht auch nicht so ungewöhnlich, ob so was wirklich, wie oft passiert, weiß ich nicht. Man hört oder liest aber darüber und Sasha Filipenko erzählt das auch sehr genau. Die Freundin Nastja verläßt ihn. Die Mutter, die sich ohnehin nicht so sehr um den Sohn gekümmert hat, wird vom Chefarzt geheiratet, der dann und das ist für uns ein wenig ungewöhnlich, die Wohnung, der Großmutter verkauft, denn die ist durchaus eine selbstbewußte Frau und auch eine bekannte Übersetzerin. Es gibt auch eine deutsche Gastfamilie, die Zisk jeden Sommer besucht hat und die erscheint miteiner übersetzerinund will den Jungen nach Deutschland holen. Die Großümutter lehnt ab und stirbt nach zehn Jahren und ausgerecht einen Tag danach erwacht Zisk aus dem Koma und erholt sich rasch. Er zieht in die nunmehrige Einraumwohnung der Großmutter, besucht sie am Friedhof und die hat und das ist auch originell, einen Berief an den Enkel hinterlassen, in dem sie all das voraussieht, und ihn mahnt auf die Orden des Großvaters zu achten, aber die hat der Stiefvater längst verkauft und der tobt auch gehörig, überlegt sich aber schon seine Habilitation.

Zisk bekommt eine Stelle als Verkäufer in einem Sanitärgeschäft, erkennt die Mißstände desLandes, obwohl es doch immer heißt, wie toll es dort ist. Er geht auf eine Demonstration und erlebt, wie alle hunderttausend, die dort waren gejahgt und verhafte wurden. Es tut mir leid, das hat mich ein bißchen an meine letzten Demonstrationen erinnert und am Schluß sucht er um ein Visum an, geht nach Deutschland zu seiner Gastfamilieund spielt dort auf der Straße Cello.

Ein tolles Buch, ein sehr aktuelles, das viel über das mir doch sehr unbekannte Weißrussland erzählt, spannendundungewöhnlich geschrieben, ein Lesegewinn und füge ich noch an, bei “Diogenes” erschienen.

Wir sind allein unter den Bäumen

Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman der eigentlich keiner ist, sondern eine beeindruckende Skizzensammlung in einer sehr schönen künstlerischen Sprache des 1983 in Zwickau geborenen Jonathan Böhm, der in Leipzig lebt und auch am Literaturinstitut studierte, vor der Danksagung betauert er, daß alles in diesem Buch, die Handlungund die Personen frei erfunden wäre und wenn man trotzdem Ähnlichkeiten erkennte müßte man “die Wirklichkeit beschuldigen, weil sie Verhaltenswisen hervorbringt, die man wiedererkennt.”

Also auch sehr schön formuliert und es geht um eine Schulklasse in der ehemaligen DDR, die dort aufgewachsen und vielleicht sogardas Abi machten und danach in alle Winde verschwanden und einer von ihnen, Richard ist verstorben. Nun tragen sie ihn zu Graben und reflektieren dann über ihn und das Leben und tun das, wie am Klappentext steht “Richard ist tot. In seinem ersten Roman erzählt der Autor in eindringlicher sprache von einer Gruppe junger Menschen, die einst Freunde Richards waren und später in verschiedenen Berufen und auf denkbar unterchiedlichen Wegen ihr Lebensglück versuchen. Böhm schafft es aus verschiedenen Erzählperspektiven und Erzählzeiten ein Puzzle zu entwerfen, und wir Leser schauen wie durch ein Kaleidoskop auf die Biografien der Protagonisten, was uns bis zur letzten Zeile in Atem hält” und ich schreibe wieder, daß es hier ein wenig schwierig für mich wurde, weil ich mich nicht immer auskannte, da die handelnden Personen immer in der “Ich-Perspektive” sprachen, so daß ich oft nicht wußte, wer ist wer?

Richard ist tot und da gibtes einen Christoph, eine Dora, eine Damris, eine Kristina, eine Sophie und und, also die Klassenkollegen, die erzählen und auch die Erzählzeiten, was mir im Klappentext ein wenig weiterhalf, waren nicht immer klar. Wann ist Richard jetzt gestorben? Nach dem Abi oder erst später? Denn er ist nach Bremen gegangen und hat auch in verschiedenen Berufen gearbeitet.

Eine große Rolle spielt ein See, vor dem sich alle treffen, hingehen und ihre Erinnerungen an Richard davon. Einezieht ins alte Land und züchtet alte Äpfel und ein Plastwerk spielt auch eine große Rolle in dem Buch, das eigentlich könnte man sagen aus verschiedenen Szenen besteht, die lose meist mit schönen Metaphern und Überschriften verbunden, zusammenhängen.

So machen die Abiturenten in diesem Werk ein Praktikumund müßen den Wachmann fragen, wenn sie in den Pausen oder auch so an den See wollen. Der hat ein Bildchen mit einer Fee irgendwo hängen und das treffen wir späterin einem Hospitz wieder, wo eine der Abiturentinnen Krankenschwester ist und der Wachmann seiner Leukämie erlag. In dem Werk soll umgebaut werden, die Leiharbeiter entlassen. Nur einer setzt sich durch und ein anderer Klassenkamerad, ich glaube Jakob, wollte Schauspieler werden.Später wurde er Lehrer. Vorher spielte er aber in einem Becket Stück.

Sehr eindrucksvoll und schön erzählt. Für mich, die ich es ja gerne ganz genau auserzählt haben will, ein wenig unklar. So weiß man beispielsweise bis zum Ende nicht, wer Richard eigentlich war. Von einigen seiner Freunden erfährt man viel. So geht eine mit Sophie am Meer entlang, um nach Dänemark zu sehen und erzählt dabei, daß ihr Vater, der Pfarrer, die Mutter mit der Katechetin betüg tund die Eltern der anderen sind auch geschieden und die Mutter hat sich nach ihrem Krankenschwesterberuf doch noch entschloßen Medizin zu studieren. Schöne undauch sozialkritische Szenen von der Veränderung der DDR in die das vereinte Deutschland und der 1983 geborene Autor als Kind erlebte.

Schön erzählt und eindrucksvoll. Von Jonathan Böhn wird man wahrscheinlich noch einiges hören. Ein Roman ist es, denke ich, trotzdem nicht, es sollte aber auf Long- oder Shortlist des Bloggerdebuts und vielleicht auch noch auf andere Listen kommen.

Die Beichte einer Nacht

Jetzt kommt noch ein Buch das das Frauenleben in den Neunzehnhundertzwanzigerdreißigerjahre schildert, interessant wie viel sich das tut und das 1930 erstmals erschienen Buch der niederländischen Autorin Marinanne Philips, die von 1886 und 1940 in Amsterdam lebte, “Diogenes” hat es auf Deutsch herausgebracht, die Enkeltochter, die Leiteri des jüdischen Museums in Amsterdam Judith Belinfante hat das Nachwort geschrieben und das Leben ihrer Großmutter vorgestellt und das passt zur Trilogie der Dänin Dove Ditlevson, obwohl es in einem anderen Stil geschrieben ist.

“Die Beichte einer Nacht”, da erzählt die Patientin einer Nervenheilainstalt einer strickenden nachtschwester ihr Leben und tut das in einem Monolog. hin und wieder wird die Schwester angesprochen und ihr Desinteresse unterstellt, die letzten Sätze an sie lauten aber

“Schwester, was machen Sie? Weinen Sie? Wegen mir?” und eine Seite weiter “Schwester! Was machen Sie jetzt? Beten Sie? Für mich?”

Darin liegt die Tragik des Arbeiterkindes, das wohl Ende des Neunzehntenjahrhundert in eine Amsterdamer Arbeiterfamilie geboren wurde. Sie ist die älteste Tochter. Der Vater ist Handwerker.Dann gibt es noch eine Reihe Kinder bis die kleine Lintje kommt. Da liegt der Vater nach einem Unfall im Bett. Die Mutter hat er noch einmal geschwängert. Die Mutter ist nach den vielen Geburten erschöpft und so muß die siebzehnjährige Lentje, die aber Heelen, Liilian oderLeen gerufen wird, die kleine nachts zu sich nehmen und sie füttern. Sie ist sehr früh von der Schule abgegangen, um der Mutter ein Jahr lang im Haushalt zu helfen. Dann verunfallte der Vater und um die Unterstützung zu bekommen, mußte die Tochter aus dem Haus. Also zu einer Schneiderin in die Lehre. Da lernte die Juffrouw einen Handelsvertreter namen Groenmans, der sie auffordert in sein Hotel zu kommen. Sie tut es, um die kleine Lientje nicht zu erwürgen, wie sie erzählt. Folgt ihm dann in die hauptstadt, wo er ihr eine Stelle in einem Herrenmodengeschäft für fünfzig Gulden, wie er ihr erzählt, verschafft. Dann sind es nurzehn, Groenmans muß sie unterstüzen, damit sie die zwanzig versprochenen Gulden nach Hause schicken kann und kauft ihr auch die Kleider.

Die scheinen der jungen Frau sehr wichtig zu sein. Sie wird dann auch Leiterin einer Antiquitätenabteilung, wo es viele vergoldete Sachen gibt und heiratet dann einen Charles Gould, mit dem sie sehr unglücklich ist. Das warum und wieso wird nur diskret angedeutet.Dann stirbt die Mutter und sie nimmt die kleine schwester zu sich. Sie verläßt sie ihren Ehemann und verdient sich das Leben wieder durch Nähen und lernt dann im Schwimmbad ihren Hannes kennen. Da ist sie dreißig. Er, der Schwimm- oder Turnlehrer, fünfundzwanzig. Was damals offenbar ein Problem war. Lientje dreizehn. Er zieht bald zu ihr. Sie heiraten auch und Leentjes Schwermut scheint hier zu beginnen oder sich fortzusetzen. Denn sie kann ihm keine Kinder schenken. Er wünscht sich diese. Sie wird eifersüchtig. Die Ehe erkaltet und Hannes verunglückt dann in der Schweiz. Das reißt Leentje offenbar vollends den Boden unter den Füßen weg, obwohl es schon vorher einen Selbstmordversuch gegeben hat. Sie nimmt an einer Seance teil, um mit Hannes in Verbindung zu treten. Die inzwischen auch schon über zwanzigjährige Lientje verbietet ihr das. Sie tut es trotzdem und die Seanceleiterin beschreibt ihr dann, daß Hannes neben Lientje hinter ihr steht und er ihr den Auftrag gibt, daß sie beschützt werden muß. Leentje tappt nach Hause und findet die Schwester in Hannes Zimmer. Da packt sie einen Gegenstand und schlägt ohne recht zu wissen, was sie tut, zu.

Sehr eindrucksvoll, die Beichte einer Insaßin einer Nervenheilstanstalt. Damals sind ja viele intellektuelle junge Frauen dorthin gekommen, wenn sie aufsässig waren. Sehr eindrucksvoll erzählt, obwohl manches nicht mehr sehr realsitisch wirkt. Die vielen vergoldeten Zimmer etwa. Aber das waren wohl die Sehnsuchtsorte der jungen Frauen und das Drama zwischen den beiden Schwestern wird auch nur angedeutet. Heute wäre die Geschchite voll von Mißbrauchsbeschreibungen, wird nur angedeutet und die Enkeltochter schreibt auch über die Großmutter, daß sie eine Psychoanalseerfahrung hatte und sogar Freud dabei kennengelernt haben soll und nach der Geburt eines ihrer Kinder wegen einer postnatalen Depression in einer Nervenheilanstalt war, wo sie vielleicht einiges über die anderen Patienten beobachtet hat, was sie in ihrer Beichte beschrieb.

Keines natürlichen Todes

jetzt bin ich gleich an den anderen Ende des Tellerrandes gehüpft, denn nach den “Wilden Theorien” kommt ein Krimi. Kein gewöhnlicher, sondern der dritte Band von der von 1893-1957 gelebt habenden Dorothy Sayers “Ein Fall für Lord Peter Wimsey- Reihe”, die “Wunderlich” jetzt neu übersetzt neu herausgibt. Den zweiten Band habe ich gelesen und spannend ist natürlich auch, daß ich jetzt viele Bücher lese, die vor hundert Jahren geschrieben wurden oder dort spielen und interessant ist auch, daß von der spanischen Grippe, die da ja gerade aktuell war, nicht die Rede ist, vielleicht ist das auch in hundert Jahren so, wenn da die Bücher gelesen werden, die Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts geschrieben wurden, daß das Wort Corona nicht erwähnt wird?

Daß Dorothy Sayers Stil sehr interessant und ungewöhnlich ist, habe ich schon bei den “Diskreten Zeugen” beschrieben. Hier ist das wieder so und denkt man an die tausend Millionen Krimis, die seither geschrieben wurden und die man vielleicht gelesen hat, findet man einiges was sich vielleicht naiv liest, denn wir sind bei den Krimis ja schon anderes gewohnt.

Da sitzen also zwei Herren in einem Restaurant und unterhalten sich. Da mischt sich plötzlich der Herr vom Nebentisch ein, sagt er ist oder war Arzt und erzählt eine Geschichte, wo er sich in einem Fall zu viel eingeschmischt und jetztden Schaden hat. Denn da ist eine krebskranke alte Dame gestorben. Er schöpfte Verdacht und autopsierte sie. Es kam kein Ergebnis heraus und er hatte plötzlich keine Patienten mehr. Die Braut war auch weg und die war Krankenschwester bei besagter Miss Dawson. Die hatte eine Nichte, die alles erbte, wollte aber kein Testament machen, weil sie abgergläubisch ihren Tod nicht selbst herbeiführen wollte. Dann wurden noch die zwei Dienstmädchen entlassen, weil sie eine Teekanne zerbrochen hatten und Lord Wimsey hat Blut geleckt, obwohl ihm Inspektor Parker abrät, die Nase in den Fall, der keiner ist, zu stecken.

Er gibt aber ein Inserat auf, damit sich die Dienstmädchen melden und eines wird davon tod aufgefunden, an einem plötzlichen Herzschlag im Wald verstorben. Lord Wimey kommt in die Wohnung einer Mrs. Forrest, die ihm Schaudergeschichten erzählt und ihm dann verführen oder vetäuben will und eine alte Klatschbase wird von ihm in das Dorf geschickt, wo die Eregnisse stattfanden.

Ein Rechtsanwalt taucht auf, der auch fast ermordet wurde und alles deutet auf die Nichte hin. Aber die hat ein Alibi, ist sie doch von einer jungen Dame umgeben, die so verliebt in sie ist, daß sie sie nicht aus den Augen läßt.

Das ist auch interessant, obwohl das wort lesbisch nicht erwähnt wird und die wird tot im Wald aufgefunden. Diesmal wars ein Überfall, aber der scheint fingiert zu sein. Ein Reverend Hallelujah Dawson aus Westindien taucht auch noch auf und gerät in Mordverdacht und dann findet Mss Climpson in der Kirche den Beichtzettel jener Vera Findlater, wo sie die Lügen, die sie über Mary Whittacker erzählte, aufschrieb und gerät in Gewissennöte. soll sie ihn lesen oder nicht? Sie tut es und bricht dann in die wohnung jener Missis Forrest auf und wäre dort fast auch eines natürlichen todes verstorben, wäre nicht Lord Wimsey, der die Lösung des Rätsel inwischen herausgefunden hatund interessant ist vielleicht noch der letzte Satz des Nachwortes “Über Dorothy L. Sayers, der von einem Walther Kill geschrieben wurde.

“Ich bin ein Autor und kann mein Handwerk”, hat da Dorothy Sayers stolz über sich gesagt. Das Zweite stimmt, das Erste nicht, füge ich besserwisserisch an. Aber damals hat man noch nicht gegendert, obwohl Dorothy Sayers Miss Climpson schon bedauern ließ, daß sie nicht studieren durfte, sondern vom Schicksal zu einer neugierigen alten Jungfer verdammt wurde.

Jetzt bin ich nur gespannt wieviel der elf Bände ich noch lesen werde?

Wilde Theorien

Jetzt kommt wieder ein Kunststück, nämlich ein Buch ohne Plot “Sie möchten sich von einem Roman verzaubern lassen? Literarische Figuren kennenlernen, die zu guten Freunden werden? In “Wilde Theorien” gibt es nichts davon – nur intellektuelle Trolle mit empathiefreiem Weltzugang, grenzenloser Lust an der Provokation und dem unstillbaren Wunsch, zu dominieren. Eine philosophische Komödie über Macht, Verführung und die Schönheit der Niedertracht – barock, brillant-verrückt, erbarmungslos”, steht auf dem Buchrücken von Pola Oloixarac “Wilden Theorien” dem im Original 2008 erschienen Debut der Autorin, die 1977 in Buenos Airen geborenen wurde und von der ich schon “Kryptozän” gelesen waren.

Klingt eigentlich nicht nach dem was ich unter Literatur verstehe, Struktur, Handlung und ein wenig Sozialkritik, aber ich lese, wie meine Leser wissen eigentlich alles und gerne über den Tellerrand, gehe oder ging immer wieder in die “Alte Schmiede” oder in die “Gesellschaft”, wenn dort “Ritter-Bücher” vorgestellt werden, die wohl ähnliche Ansprüche haben und auf dieses Buch wurde ich Anfang März durch das “Morgenjournal” aufmerksam gemacht und kann meinen Kritikern jetzt schreiben, wieder ein Buch das ich nicht verstanden habe und es daher nur mehr oder weniger schnell durchgelesen habe. Trotzdem finde ich es interessant, was andere Leute schreiben und was von der hehren Literaturkritik hochgelobt und mit Preisen bestückt wird?

Nun zum Inhalt, Kritiker freut euch weiter, hier kann ich nicht viel spoilern, sondern nur mehr oder weniger das wiedergeben, was am Klappentext steht. Es geht um eine wunderschöne Erzählerin, sie ist oder gibt an achtundzwanzig und hat schwarze Haare. Fotos oder Illustrationen gibt es auch immer wieder, studiert Philosophie. Am Klappentext steht noch was, daß sie immer eine dreisprachige Aristotelausgabe mit sich führt. Das habe ich offensichtlich überlesen und ist mir entgangen. Sie geht aber mit einem Augusto essen, das ist offenbar ihr Professor. Dann gibt es noch die kleine Kamtchowsky mit ihrem Freund Papst. Was sie aber nicht daran hindert zum Mac Donaldś zu gehen und sich von einem Downsyndrommitarbeiter sich durch das Lokal führen zu lassen und Spekulationen darüber zu machen, ob Behinderte besseren Sex machen? Was in Zeiten, wie diesen eigentlich als nicht mehr korrekt gelten sollte. Aber vielleicht war das 2008 anders?

Einen dritten Strang gibt es auch. Da beforscht ein genialer niederländischerAnthopologe 1917 den Urwaldund verschwindet dort.

Diese Handlungsstränge und vieles anderes werden, wie der Titel schon besagt, in wilden Theorien, frei philosophisch oder intellektuell assozierend aneinandergereiht. Psychoanalytische Theorien tauche auf, aber dann geht es gleich auf Klo und auch woanders hin.

“Pola Oloixarac ist eine derbesten Schriftstellerin des Internets, dem einzigenLand, das größer ist als Argentienien”, schreibt Joshua Cohen und über dessen “Buch der Zahlen” bin ich ja auch gestolpert und habe es nicht verstanden. Aber trotzdem Kritiker, hört und merkt es euch, habe ich es zu Ende gelesen. Denn ich breche selten Bücher ab, auch wenn ich sie nicht verstehe. Füge interessant hinzu, würde aber wieder gerne wissen, wie viele Leser Pola Oloixarac wirklich hat? Und kann auch noch “Amazon” anführen, wo LutziFutzi schreibt. “Sorry, nichts für den Durchschnittseuropaier. Meiner Meinung nach nur verständlich, wenn man sich mit der Geschichte Argeniniens auskennt. Weitere Kritikpunkte sind die verschachtelnten Sätze mit bedeutungsvollen Wörtern, die nur erahnen lassen, was gemeint ist. Man könnte auch sagen, einfaches kompliziert ausgedrückt. Das hemmt den Lesefluß ungemein und man kommt nicht wirklich in die Geschichte hinein und den handelnden Personen nahe. Bin dann nach der Hälfte ausgestiegen.”

Das bin ich, wie schon erwähnt nicht. Kann mich aber trotzdem im Großen und Ganzen anschließen. Die Literaturkritiker, wie etwa bei “Spiegel Online”: Oloixaracs Sprache könnte schärfer nicht sein” oder “Ohne Zweifel einer derersten spanischsprachigen Klassiker des 21. Jahhunderts”, “El Mundo”, sehen es wohl anders.