Die Erfindung der Sprache

jetzt kommt ein Unterhaltungsroman mit wahrscheinlich Bestsellerqualität, denn die 1979 in Dresden geborene Anja Baumheier hat mit “Kranichland” und “Kastanienjahre” schon zwei solche geschrieben, von denen ich schon gehört aber nicht gelesen und auch nicht in meinen Regalen habe.

“Rowohlt” hat mir das bei “Kindler” erschienene Buch zugeschickt und es erinnert mich, obwohl es trotz seines Titels sprachlich wahrscheinlich nicht so anspruchsvoll ist, an Benedict Wells neuen Buch.

Beide scheinen jedenfalls mit vielen literarischen Anspielungen sehr konstruiert zu sein und Anja Baumheier spielt auch sehr auf die “Heldenreise” an. Sie macht Adam, ihren Hauptprotagonisten zu einem solchen und läßt ihn auf eine solche gehen und ich, die ich ja bekanntlicherweise meine Schwierigkeiten mit diesem hochgelobten Schreibhilfsmittel habe, könnte, wenn ich mir nur die Zeit dazu nehme, das Buch durchgehen und über jeden Kapitel, die einzelnen Stufen des von Campell ermittelten Schemas notieren und noch etwas ist sehr interessant, die Namen.

Heißt der Held doch Adam Riese, eine Zola Hübner, eine Udine Abendroth, eine Bonna Poppinga gibt es auch und ich habe beim “Verrückten Traum der Thea Leitner” ja einen Günther Grass als Helden gehabt und wurde von Elfriede Haslehner sehr deshalb gerügt und bei der “Sophie Hungers”,die ja auch ein Roadmovie ist, gab es einen regen Kommentarwechsel mit meiner ersten Kritikerin.

Es geht also doch solche Namen zu verwenden und sogar vermutlich in Bestsellerränge zu kommen, literarische Anspielungen, was mir auch immer vorgeworfen wird, sind offenbar auch erlaubt und pschologisch hat sich Anja Baumheier offenbar auch sehr schlau gemacht und ich könnte dieses Buch wahrscheinlich wieder meinen Angstpatientin sehr empfehlen, denn darum geht es in dem Buch, um Panikattacken und sogar Autismus und noch vieles mehr, offenbar hat Corona im letzten jahr viele Autoren auf die Idee sich mit dem thema Angst zu beschäftigen, gebracht.

Interessant ist auch der Schreibstil, denn da wird sowohl vorwärts, als auch rückwärts erzählt. Da ist also Adam Riese. Er ist dreiunddreißig, Sprachwissenschaftler, wohnt in Berlin und gerade bei einem Speeddating. Das endet fürchterlich, den Adam ist sehr unbeholfen, obwohl wahrscheinlich ein Genie. Er hat eine Sprachassistentin, ja das Buch ist sehr modern und lebt von Listen, die seine Therapeutin Dr. Modder mit ihm entwickeln hat, darauf stehen sieben Dinge, denn die Zahl sieben ist für Adam auch sehr relevant,

1.Nehmen Sie eine aufrechte, offene und starke Körperhaltung ein.

2. Atmen Sie ruhig in den Bauch länger aus als ein, und zählen Sie dabei im Kopf bis drei.

3. Nutzen Sie die wassermagie, trinken Sie Ihre Angst weg” und so weiter und so fort.

“Einatmen, ausatmen!”, spielt auch eine große Rolle und als Adam in seine Vorlesung gehen will, geht es so richtig los. Denn Adam, der auf einer kleinen ostfriesischen Insel mit seiner tschechischen Großmutter Leska, seiner Mutter Oda und seinem Vater Hubert aufgewachsen hat, hat diesen, als er dreizehn war, verloren. Der ist einfach verschwunden. Danach hat seine Mutter mit dem germanischen Heldennamen, die Radiomoderatorin war, zu sprechen aufgehört und jetzt ist sie vor einer Buchhhandlung umgefallen und ins Spital gekommen. Denn sie hat dort ein Buch namens “Die Erfindung der Sprache” entdeckt. Die Großmutter, eine begnadete Köchin, die allen immer ihre Plastikdosen mit ihren tschechisch-friesischen Köstlichkeiten in die Hände drückt und dazu deutschtschechisch radebrecht “Ach, Ubocik, was du redet. Ich denke Karel Gott, Goldene Stimme aus Prag. Nur mehr Kilogramm auf Hüftchen, weil Hubertcik ist Leckermäuchen.”, ruft ihn an und fordert ihn auf schnell zu kommen, was Adam in Panik versetzt. Denn er hat ja viele Phobien. So bucht er im Bus einen zweiten Platz, um den Abstand zu halten.

Ja, das Buch scheint 2020 geschrieben zu sein, so daß auch unser neues Sprachvokublar einfließt, obwohl es um Corona gar nicht geht. Dafür um vieles andere, wie beispielsweise einen Plagiatsskandal. Adam kommt jedenfalls an, erfährt, daß die Mutter in dem Buch, das von einer Zola Hübner geschrieben wurde, entdeckte, daß, der verschwundene Hubert zu leben scheint und hört auch zu essen auf, so daß Adam handeln muß.

Was er umsoleichter kann, als ihm die Universiät zu suspendieren scheint, weil er, wie ihm sein Kollege Dr. Nacht flüstert, plagiiert haben soll. Das gibt Adam den Weg frei, sich auf ein Roadmovie zu machen und seine Heldenreisezu absolvieren. Denn er bekommt das Buch in seiner Lieblingsbuchhandlung, der Udine Abendroth nicht gleich. Dafür erscheint aber Zola Hübner, die Logopädin, die etwas seltsam spricht “Käffchen, Gerätchen”, aber die Frage ausspricht, ob Adam vielleicht Autist ist und ausschaut wie Lisbeth Salanda aus der Steg Larsson-Reihe, auch eine Spezialität Baumheiers, daß die Personen öfter, wie Filmhelden ausschauen und fordert ihm auf, mit ihr nach Hubert zu suchen.

Denn der Verschwundene, der sich auch schon auf der Insel, wo er als Leuchtturmrestaurator aufgetaucht, seltsam benommen hat, war irgendwann in Göttingen und hatte ein Verhältnis mit Zolas Mutter, die nach dem französischen Dichter Emile Zola heißt, denn die Mutter schwärmte für die Franzosen und ist dann auch verschwunden. So überfredet sie ihm, sich mit ihr in ihr alterschwaches Auto zu setzen und nach Bad Kissingen zu fahren, wo es Spuren und das Grab von Huberts Vater gibt. Noch ein Detail, Zola hat sich Hubert als “Über” Giant vorgestellt und auf dem Grab des Großvaters steht Pavel Obri, was offenbar auf tschechisch, Riese bedeutet, denn der Großvater war auch ein Tscheche und Schauspieler im Prager Nationaltheater. Dort fahren die Beiden dann auch hin und mehrere Heldenreisenstufen passieren. Das Auto wird gestohlen, taucht dann wieder wieder auf und Zola vefrschwindet, weil ihr Ex, das Arschloch, ihre Mutter bedroht.

So muß der arme Held seine Reise alleine weiter machen. Stimmt nicht ganz, denn dem Katzenphobiker ist inzwischen eine solche übern Weg gelaufen, die er “Zola, die Katze” nennt und in die er sich sofort verliebt. Die Spur führt dann nach Frankreich, in die Betagne. Dort wird Hubert noch zusammengeschlagen, sein Geld wird gestohlen, damit alle Heldenreisenstufen erfüllt sind, bevor er auf einer weiteren Insel seinen Vater, der sich inzwischen “Herve le Braz” nennt, was auf bretanisch Riese heißt und das Gemischtwarengeschäft, der Insel betreibt. Die Restfamilie, sowie die Buchhändlerin tauchen auf und um nun noch den Rest zu spoilern, Achtung, ich habe viele der unzähligen Details ausgelassen, fängt Oda am Schluß auch noch zu sprechen an.

Spannend und interessant könnte ich nun wieder schreiben. Ein bißchen kitschig ist es sicher auch und an einem Faux paxs ist Anja Baumheier elegant vorbeigeschrammt. Denn um Huberts Geheimnis zu lösen, outet er sich am Schluß, er ist schizopheren und deshalb vor allem geflüchtet. Er hat auch seinen Sohn ein Buch mit dem Titel “Mein Leben in zwei Welten” bevor er verschwunden ist, hinterlassen und ich habe gedacht “Uje, uje, jetzt kommt das mit dem “Zweigespalten” als Erklärung!”

Etwas worüber sich Prof Katschnig, der gewesene Pyschiatrieprofessor vom AKH, ja sehr wehrte, die Schizophrenie so zu erklären. Wurde dann auch nicht so definiert und unterhaltsam ist das Buches sicherlich, gut recherchiert ebenfalls und man kann sicher viel daraus lernen oder darüber nachdenken.

“Ein grosser Roman über die Magie der Sprache, die Kraft der Gemeinschaft und eine ganz besondere Familie”, steht am Buchrücken. So kann man es auch interpretieren.

Warum das Buch “Die Erfindung der Sprache heißt” ist mir auch nicht so ganz klar. Gut, Adam hat erst mit Zwei sprechen zu begonnen. Aber das hat die Anna auch getan und wird bei der Lia wahrscheinlich ebenfalls so sein.

Meiner Meinung nach hätte “Die Überwindung derAngst” besser gepasst. Aber das würde vielleicht als zu plakativ empfunden.

Hard Land

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich jetzt das beste Buch in diesem Jahr gelesen habe, das ich gern auf der nächsten deutschen Buchpreisliste oder auf dem des Leipziger Buchpreises stehen sehen würde oder, ob es vielleicht zu kitschig und zu aufgesetzt ist?

Brillant geschrieben und äußerst spannend ist das neue Buch des 1984 in München geborene Benedikt Wells von dem ich noch nichts gelesen habe, obwohl ich mir, glaube ich, einige seiner Bücher von den Thalia-Bücherabverkaufstürmen kaufen ließ. Auf jedenfall, ein Coming of Age, Roman, der das Retrogefühl der Neunzigachtigerjahre in einem Kaff in Amerika wiederauferstehen oder neu erfinden ließ.

Mit einem klassischen ersten Satz “In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb” und dann lese ich auf seite 285 und das ist Grund, warum ich ein wenig mißtrauisch bin “Im Sommer 1963 verliebte ich mich und mein Vater ertrank”, das ist der erste Satz aus dem Roman “Salzwasser” von Charles Simmons. Ich habe nachgegooglet, Autor und Buch gibt es, wie auch einen William Morris,der wurde 1896 in England geboren, war Maler, Architekt, Dichter und Drucker und wahrscheinlich nie in seinem Leben in dem amerikanischen Kleinstädtchen Grady und hat wahrscheinlich nicht das titelgebende Gedicht geschrieben, wie ich auch nicht weiß ob es das Städtchen gibt oder ob es von Benedict Wells erfunden wurde.

In dem heruntergekommenen Kleinstädtchen in dem der sechzehnjährige Sam aufwuchs, war er aber der bedeutenste Dichter und in der Highschool mußte man, so wie ich mich in der Straßergasse, ein Jahr mit dem “Faust” beschäftigen mußte, mit ihm und seinem berühmten Gedicht beschäftigen und mußte herausfinden, warum es in diesem Coming of age-Gedicht geht?

Es gibt in Grady auch vierzehn Geheimnisse, die stehen jedenfalls auf einem Straßenschild, daß man sie ergründen soll. Aber jeder hat wahrscheinlich seine eigene und der heranwachsende Sam, der in diesem Sommer sechzehn wird, hat sie auch.

Das heißt, er hat eine an Krebs erkrankte Mutter, einen schweigsamen Vater mit dem er sich schlecht versteht, eine ältere Schwester, die das Kaff schon verlassen hat und er hat Panikattacken, war deshalb beim Pschologen, fühlt sich als Außenseiter und soll den Sommer eigentlich bei Verwandten verbringen, was er nicht will.

Die Mutter, die den Buchladen in diesem Kaff führt, vermittelt ihn daher einen Job in dem, glaube ich, einzigen Kino und das verändert sein Leben total. Denn da lernt er Kirstie kennen. Sie ist die Tochter des Besitzers, soll nächstes Jahr nach New York zum Studium gehen. Jetzt schupft sie mit zwei Freunden, Cameron und Hghtower, die auch dan das Kaff verlassen werden, den Laden und die drei grenzen Sam erst mal aus. Dann kommen sie ihm aber näher und als der sechzehnte Geburtstag naht läßt Kirstie Sam versprechen, daß er alles tut, was sie von ihm will und gibt ihn dann drei Prüfungen auf.

Er muß in einem Laden etwas stehlen, dann über die Selbstmordklippe in einen See springen. Sie springt gleich mit ihm und am Schluß muß er etwas auf der Gitarre spielen. Dadurch überwindet er seine Angst und verlebt eine aufregende Nacht. Aber eigentlich hätte er seine Eltern, um zehn in einem Restaurant treffen sollen. Er kommt erst am nächsten Morgen heim. Vor der Haustür steht der Krankenwagen und die Mutter liegt tot am Boden, uje uje.

Beim Begräbnis soll der verhaßte Referend, die Grabrede halten. Der Vater will es so, obwohl es sich die Mutter nicht gewünscht hätte. Die Schwester macht mit Sam aber aus, wie man das umgehen kann. Dazu kommt es beinahe nicht, denn Sam verprügelt sich vorher mit einem seiner Feinde und kommt daher verletzt und verschmutz in die Aufbahrungshalle. Das ist wahrscheinlich wieder etwas zu aufgesetzt. Er spielt dann mit seiner Schwester einen Rocksong, er hätte ein frommeres Lied singen und mit seinem Vater versöhnt er sich auch.

Trotzdem hat er ein hartes nächstes Jahr vor sich, in dem ihm auch der “Inspektor” oder Deutschleher mit seinem “Hard land” nicht richtig helfen kann. Er bekommt auf den verlangten Aufsatz auch nur eine zwei minuns. Den einzigen Einser hat, wie sie ihm später erklärt, Kirstie bekommen. Sie erklärt ihm am Ende auch das vierzehnte Geheimnis.

Wieder raffiniert, das Buch ist in vierzehn Kapitel geschrieben. Also klärt jedes eines auf und der “Peter Pan” mit seinem ebenfalls berühmten ersten Satz, spielt auch eine Rolle.

Ein beeindruckender Coming of Age Roman über eines Sechzehnjährigen in den Neunzehnachtzigerjahren, die wie die Fünfziger oder Sechziger klingen und das man den berühmten amerikanischen Romanen aus dieser Zeit vielleicht schon gelesen hat.

Was ein wenig retro klingt und warum hat Benedikt Wells ein amerikanisches Provinzstädtchen als Sujet gewählt?

Fragen über Fragen, ich habe jedenfalls ein überraschendes Buch gelesen, das ich schon einer Klientin mit Höhenangst empfohlen hat. Vielleicht hilft es ihr, auch wenn sie nicht die Klippen hinunterspringen wird und jetzt bin ich gespannt auf die Rezensionen und möchte wissen, wie, den anderen das Buch gefallen hat?

Ein Diogenes-Bloggertreffen, wo das Buch besprochen wurde, gab es schon, das aber leider auch ein bißchen ein Geheimnis blieb, weil ich ja kein Ton hatte und daher nur Benedict Wells sehen und die Chatnews lesen konnte.

Verliebt (später nicht mehr)

Zu vier Jahre Tagebuchslam hat Diana Köhle, die ich von den Slam Bs im Literaturhaus kenne und die auch im MQ beim Buchquartier moderierte und da auch das Buch vorstellte, ein solches herausgegeben und ein paar Schreiberinnen ihre Beiträge vorlesen lassen und jetzt hat der “Holzbaumverlag” ein Buch mit dem Besten aus sieben Jahren herausgegeben und mir diesmal auch das PDF zugeschickt.

Wahrscheinlich muß der “Holzbaum-Verlag” krisenbedingt sparen und die Tagebucheinträge sindauch leichter per Computer als Cartoons zu lesen. Ich habe aber schon die “irrsten” E-Bücher rezensiert und im Original ist das Buch in Quadratform vorhanden, bunt und fröhlich, das Cover mit blauen Blümchen und das, was mich an den Tagebuchslams am meisten stört, ich habe auch noch nie an einem Teil genommen und wüßte auch nicht wirklich wo sie stattfinden. Habe nur die Information darüber über die “Holzbaum-Bücher,” ist, daß man sich da über das, was man vor zehn fünzehn oder was auch immer Jahren erlebte, öffentlich lustig macht. Über seinen Herzschmerz von damals lacht, outete in wen man damals verliebt war oder sich über seine blöde Mutter ärgerte. Das war die Pubertät. Jetzt ist esvorbei und ich kann mich darüber lustig machen.

Für mich ist das nichts und habe mir das beim Lesen wieder gedacht. Wieso habe ich mir das Buch bestellt? Das will ich eigentlich nicht rezensieren! Ist es mir beim Ersten ähnlich gegangen? Ich weiß es nicht. Habe mich jetzt durchgelesen und kann kurz und möglichst sachlich darüber berichten. Denn vielleicht sind die gesammelten Gefühlen ganzer Generationen, es beginnt in den Fünfzigerjahren und endet 2016, glaube ich, für die Wissenschaft doch sehr interessiant. Spannend, was man in den fünfzigerjahren über seine Gefühle schrieb und was man heute darüber schreibt, wo man eigentlich zu Facebook gehen muß, um in zu sein.

Interessant ist auch, daß natürlich mehr Mädchen Tagebücher schreiben, aber einige Jungen sind auch dabei. Diana Köhle, die eine Einleitung und ein Nachwort geschrieben hat, führt da genau Bilanz. Es waren 471 Teilnehmer,die zwischenApirl 2013 und Oktober 2020 bei den Slams ihre Einträge mit der Öffentlichkeit teilten, Diana Köhle hat die dann angeschrieben, um die Tagebücher gebeten und die besten Textstellen ausgesucht. Eigentlich wollte sie, schreibt sie, ja alles nehmen und sie dankt am Schluß den teilnehmern auch sehr höflich und wünscht allen eine Taschengeld Erhöhungum 1000 Schilling oder sollten es Euro sein?

Inzwischen, steht im Vorwort gab es 208 Slams in ganz Österreich und von den 471 Teilnehmern der letzten sieben jahren waren 396 Frauen und 75 männer, im April 2020 hat sie 174 Teilnehmer angeschrieben 83, 75 Frauen und 8 Männer haben ihr ihre Tagebücher zur Verfügung gestellt. Was mich jetzt ein wenig wunderte dachte ich doch beim Lesen, da sind erstaunlich viele Männernamen dabei aber nach,gezählt habe ich nicht. Die älteste Teilnehmerin Herta ist, glaube ich, 75 bzw. 77 und schreibt 1990 von einem Ausflug auf den Kahlenberg und einem anschließenden Opernbesuch “im Touristengewand.”

Die Jüngste fünf, hat den Text der Mama diktiert und das Layout, das muß ich lobend anführen, ist sehr schön und wurde von Vanessa Hradecky gemacht. Es beginnt mit einem Steckbrief und dann ist das Buch in Jahrzehnte gegliedert. Aso die Fünfziger, die Sechziger bis zu den Nullern. Da war ich bei einem Bild, das das Kapitel einleitet, erstaunt, gleich Greta Thunberg zu finden und dachte, die war 2000 ja noch gar nicht geboren. Aber es geht dann bis 2016 und im Steckbrief kann man sich über das Lieblingsessen, die Liebslingsnamen, die Filme, das aktuelle Geschehen,der jeweiligen Jahrzehnte informieren und dann, das ist sehr schön, ist das Buch mit der Hand geschrieben und darunter immer die Vornamen, das Alter und das Bundesland angegeben. Die ersten Kapitel sind sehr kurz. Nur wenige Einträge aus den Fünfziger, Sechziger, etcetera. Das Dickste sind natürlich die Nullerjahren und wenn auch die älteste Teilnehmerin, da habe ich beim ersten Buch, ja im Literaturhaus einmal mit einer Tochter gesprochen, die mich auf das Buch aufmerksam macht, 1990 siebenundsiebzig ist, sind die meisten Teenager. Ein paar Zwanzigjährige gibt es aber auch und spannend fand ich den Eintrag aus den Fünfzigerjahren, wo der vierundzwanzigjährige Anselm sein Baby fotografieren wollte und dabei mit den Blitzlichtern fast einen Hausbrand auslöste.

Ja, Diana Köhle hat die spannensten Stellen ausgesucht. So ist eine Schreiberin sehr traurig über den Tod der Prinzessin Diana, die am einunddreißigsten August 1997 in Paris verunfallte, vergleicht sie mit der Sisi und die Romantik wird auch bei de Nullerkids hoch geschrieben. Die wünschen sich in Reifröcke und wollen beim”Sissi-Faschingsfes” mit ihrem Franzl tanzen. Nur leider gibt es die im Gymnasium nicht.

Sonst wird die liebe thematisiert, das Fremdgehen, das Verliebtsein in den Lehrer. Die Nuller machen sich über ihre Achselhaaren Sorgen und das Handy und der Computer werden sehr oft erwähnt. Das Unzufiredensein mit seinem Körper. Man kann sich aber operieren lassen und mit den Müttern ist man unzufrieden, wenn die ihren Söhnen, die optischen Sonnenbrillen zu den Landschultagen nach Bad ischl nachtbringen und dann noch auf die Ausflüge mitgehen. Ach Gott, wie peinlich! Es werden aber auch, wieder sehr originell, die Lieben zu Fliegen, “Ich habe einen Freund: eineFliege! Sie ist sehr nett aber leider schon tot. Uuuääääää!”-Denise, 8 jahre Tirol” und zu Erdbeerkuchen “Das Stück Erdbeekuchen schmeckt e so traumhaft und roch so sehr nach Erdbeeren, ob es jemals ein Kuchen wieder schafft mein Herz zu erobern…- Marina 26 Jahre Schweiz”, thematisiert, die zwölfjährige Sandra aus NÖ versteckt eine Maus vor ihrer Mutter und der zweiundzwanzigjährige Lenz aus Wien hat am 21.7.1969 die “Mondlandung verschlafen”, wie am Buchrücken steht.

“Spannend, spannend!”, würde ich wieder sagen wenn man das Ganze etwas ernster nimmt und beim Lesen muß ich über die Gefühle der jungen Mädchen und der Burschen aus den Sechziger-Siebziger Achtziger, etcetera, ja nicht lachen, sondern kann mich sozusagen psychologisch, soziologisch in die Gefühle und in die Veränderungen, die da in den Jahrzehnten passierten, eindenken. Das ist interessant an dem Buch. In wissenschaftlichen Analysen kann ich das alles wahrscheinlich schon finden. Aber das pastellfarbige Büchlein mit den Steckbriefen und den bunten Kapitelbildern macht es sicher interessanter undso werde ich wahrscheinlich falls es das noch geben sollte, auch das Beste aus zehn fünfzehn oder zwanzig Jahren Tagebuchslam lesen.

ausgestoßen

Noch einmal Peter Paul Wiplinger, dessen neuen Gedichtband ich ja vor kurzem gelesen habe und der mir, als ich ihm um das Buch anfragte, gleich drei geschickt hat, ist der 1939 in OÖ geborene Dichter, Photograph und IG-Aktivist ja literarisch sehr produktiv und so haben sich auch bei mir schon einige seiner Bücher angesammelt. So habe ich nicht nur die “Lebenszeichen”, die er mir auch schickte, sondern auch “unterwegs”,”Positionen 1960- 2012″ und die “Tagtraumnotizen” in meinen Bibliothekskatalog, beziehungsweise in meinen Regalen stehen.

Ob und wieviel ich davon gelesen habe, kann ich jetzt nicht so genau sagen, bin ich ja auch eine Sammlerin, die gerne alles von alles Autoren bei sich haben will. Den 2006 bei “arovell” erschienenen, aber offenbar schon in den Neunhzigerjahren geschriebenen und erstmals erschienen Prosaband “ausgestoßen”, habe ich, obwohl “unverlangt” zugesandt, jetzt gleich gelesen und ich muß wieder schreiben, es war ein Gewinn, habe ich Peter Paul Wiplinger ja bisher eher als engagierte IG oder sogar PEN-Mitglied, das sich sehr für seine nicht so priveligierten Kollegen vor allem aus Osteuropa oder aus dem “Writer in prisons-Programmen” einsetzt, kennengelernt, war aber auch bei seiner Lesung im “Arabisch österreichischen Haus” und bei seinem achtzigsten Geburtstagsfest im Presseclub Concoria und bei der “Goldenen Margarete” in der Bücherei Pannaschgasse habe ich ihn auch einmal lesen gehört

Jetzt habe ich ihn aber auch gelesen und ich wiederhole mich, das war ein Gewinn Peter Paul Wiplingers Schreiben besser kennenzulernen. Denn dieser fast in Thomas Bernhard-Manier geschriebene Monolog eines Trinkenden, ein nächtlicher Spaziergan durch Wien und die damit verbundenen Schimpfereinen oder Refektionen über den aufgezwungenen Katholizismus, das Versagen, das Scheitern und den wachsenden Rechtsextremismus mit dem Aufstieg Jörg Haiders, der ja in den Neunzigerjahren das politische Bild bestimmte, sind ebenso beeindruckend, wie der Gedichtband, wo sich Peter Paul Wiplinger ja sehr mit seiner Gebrechlichkeit beschäftigte.

In den Neunzigerjahren war er noch jünger. Am Buchrücken ist sein Foto mit schwarzen Rollkragenpulli und schwarzen Käppchen, sowie Schnurrbart, so wie ich ihn von den IG-GVs kenne, zu sehen und auf der Iimpressumseite steht zu lesen, daß eine “Hauptpassage dieses Textes wurde 1997 mit dem Luitpold-Stern-Preises des ÖGBs ausgezeichnet”.

Da habe ich mich ja auch ein paarmal beteiligt und auch ein paarmal was gewonnen, als es diesen Preis noch gab und, das finde ich sehr schön und macht das Buch besonders wertvoll, gibt es wieder eine handschriftlich beschriebene erste Seite, wo Peter Paul Wiiplinger unter den Buchtitel “ausgestoßen”- “aber nicht verloren sein” geschrieben hat. Weiter oben hat er die Kaffeehäuser aufgeschrieben, die die Orte des Geschehens darstellen oder dort geschrieben wurde, wie beispielsweise das Cafe Sport, Cafe Savoy und das Caf Alt Wien und dann hinein in den Monolog, der wenn ich es recht verstanden habe, im Göttweiger Stiftskeller beginnt.

Richtig, am Anfang liest sich das Buch etwas sperrig und ich brauchte ein wenig um in den Stil hineinzukommen, bis ich es dann sehr berührend fand, von diesem “Ausgestoßenen”, “Ich hasse mich-” lautet der erste Satz, zu lesen, der in einer Winternacht durch Wien taumelt und über sein leben resumiert. Es beginnt wie schon geschrieben, im Göttweiger Stiftkeller, da wird dann auch das Stift Göttweig erwähnt, wo ich ja auch einige male bei der “Literatur und Wein” war. Der namenlose Ich- Erzähler ist, erfahren wir, Sohn aus guten ländlichen Hauses, hat studiert, der Kellner verweigert etwas später dem betrunkenen “Herrn Doktor” das bestellte viertel Wein und hat sich immer hinter seinen Brüdern zurückgesetzt fühlt. Er war dann zwar auf der Uni Assistent oder Dozent, hat aber gerade seinen Job wegen seiner Trinkerei verloren und sitzt dann einige zeit im Stephansdom, bis der geschoßen wird und hier ist wieder interessant, daß ihm der Glauben, obwohl er auf die Kirche schimpft, offenbar doch nicht so ganz abgegangen ist.

Später sitzt er auf einer Bank vor dem Dom, wird angeschneit und raucht gedankenverloren einige Zigaretten. Dann schlendert er, weil er etwas Warmes braucht ins Cafe Alt Wien wo sich ja wahrscheinlich auch heute noch die”Pseudokünster”, wie einmal Hermann Schürrer, ansammeln, bestellt, um sein letztes Geld ein letztes Achterl, stellt sich zum Wärmen an die Heizung, bricht zusammen, wird von einem Zivildiener versorgt und wandert dann zum Lueger-Denkmal weiter, um die Nach im Bahnhof Landstraße zu verbringen, weil er es in seinen Zustand nicht mehr in seine Basenawohnung am Gürtel schafft. Polizisten rütteln ihn von einerParkbank auf, er schafft den Weg zum Bahnhof, verbringt die Nacht in einer Nische, obwohl er ja kein Sandler ist und geht am nächsten Morgen durch den Stadtpark, um dort die U-Bahn zu erreichen und nach Hause zu fahren, sich zu waschen und rasieren und auszuschlafen und entgegen dem Buchrücken, wo etwas von einem Gescheiteren und Ausgestoßenen steht”, endet Peter Paul Wiplinger eher versöhnlich mit “Er verspürte eine innere Dankbarkeit in sich. Und er sagte pötzlich laut vor sich hin: “Alles ist gut, alles ist gut!” Dann ging er mit schnellen Schritten aus dem Park und der Haltestelle der U-Bahn zu. Es war nicht mehr weit nicht mehr weit, dann war er endlich daheim.”

Und noch etwas ist interessant, daß dem 2006 erschienenen Buch die Verlagsanmerkung vorangestellt “Auf ausdrücklichen Wunsch des Autors wurde als Bestandteil und Ausdruck seiner literarischen Authentizität die alte Rechtschreibung beibehalten”, wurde.

Kleine Freiheit

jetzt kommt ein Debut, nämlich der Roman der 1978 geborenen in Lübeck lebenden Redakteurin Nikola Kabel, die sich an Hand ihrer Richterin Saskia und deren Vater Hans mit dem Leben der Vierzigjährigen, die von achtundsechziger Väter in Kommunen aufgezogen wurden, jetzt trotz Studiumbei bei den zwei Söhnen zu Hause bleiben will, weil sie sie nicht so, wie sie aufwachsen lassen will und da in eine Bürgerinitiative gegen Windparks hineinkommt und damit in Berührung mit einem alten konservativen rechten Herrn in AfD nähekommt.

Nikola Kabel tut das auf erstaunlich realistische, journalistische Art, eben. Keine literarische Überhöheung und die Lebensläufe lustig innerhalb vermischt. Mal istman bei der Mutter, die mit ihren Kinder Weihnachtskekse backt und dann wiederbei der kleinen Saskia in der WG, wo man kein Weihnachten feiert und sie das dann ihren Schulkollegen erklären muß, daß sie wegen dem Konsumterror keine Barbiepuppe, wie die anderen bekommen hat.

Was tut dann eine Acht-oder zehnjährige? Sie tastet sich vorsichtig an die Rucksäcke der WG- Bewohner heran, nimmt da eine Mark und dort ein paar Pfennige, schleicht sich dann mit zitternden Knien in ein Kaufhaus hinein und am Schluß gibt es dann am Dachboden gut versteckt, die Barbie, den Ken und sogar das Pony, das hat sie dann gleich in dem Kaufhaus geklaut.

Später kommen dann die auch die Geschenke und Barbiepuppen. De bringt die Mutter Meggie, wenn sie von Amerika auf Besuch kommt, mit. Dann reist sie wieder zurück und läßt die Kinder mit dem Vater und den WG-Genossen allein.

Es geht aber viel weiter zurück, denn der linke Hans, auch ein erfolgreicher Rechtsanwalt, der überall auf der Welt Vorträge hält, stammt aus einer Apothekerfamlie, die ältere Schwester Luisle wurde im Krieg verschüttet. Der Vater kommt mit nur mehr einem Arm aus demKrieg zurück. Dann kamen die WGs und die Meggie oder Margarete stammt aus einer achtsamen Kaufmannsfamilie.Meggie ist nach dem das dritte Kind, das nicht von Hans ist, tot auf die Welt kam, nach Amerika ausgebuchst und dort an einem Autounfall gestorben, als Saskia zwölf, war.

Da war sie dann oft auch für die kleinere Schwester verantwortlich. Hat Mutterstelle übernommen, geputzt und aufgeräumt und sie so geworden, wie sie ist. Eher konservativ und daher leicht für die Vorträge der neuen Rechten empfänglich, denn der Herr von Wedekamp ist sehr freundlich und entschuldigt sich,dafür daß es keine vegetairischen Speisen gibt, weil er nicht wußte, daß Saskia kein Fleisch ißt und die ist so geworden, weil die Mutter früher Hühner schlachtete, Nikola Kabel packt in ihre Geschichte sehr viel hinein und der Hans hat seine Religiösität doch nicht so ganz verloren, wie es scheint.

Der will plötzlich aus Frankreich, wo er lebt, zu Weihnacht in das Dorf bei Hamburg, wo Saskia mit ihrer Familie lebt, kommen. Da kommen auch die Schwiegereltern und da kommt es zu einem großen Eklat, als Hans den Buben erzählt, daß sie sich nicht an den Spielsachen der China freuen dürfen, weil die unter kapitalistischen Umständen und durch Kinderarbeit erzeugt wurden, da schreit Saskia ihn an, erzählt von der Flüchtlingsinvasion, von dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt, von den Vergewaltigungen, die es gerade gab.Es kommt zum Streit. Hans reist ab. Es wird ihm ständig schlecht, ein Tumor wird diagnostiziert. Er will zu Ostern oder den Sommer mit seinen Töchtern verbringen. Saskia wehrt zuerst ab. Dann stehen die Schwesterm am Grab des Vaters, Sophie soll zu ihrer Schwester ziehen und deren Mann Christian hat sich auch unter der Woche in eine Wohnung nach Brüssel zurückgezogen.

So ist es oder haben es wahrscheinlich viele, die heute vierzig oder siebzig sind, erlebt und sind vielleicht auch aus diesen Gründen so geworden wie sie sind.

Das Buch spielt wie man am Prelog und Epilog ersieht, 2017. Inzwischen sind wir vier Jahre weiter, die neue Rechten wurden von Corona überfrannt und wirkt wahrscheinlich mehr im Untergrund weiter, als es damals war. Denn inzwischen engagieren sind ja die Rechten sich für die Freiheitsrechte und zeigen nicht mehr jeden Vergewaltigunsversuch, der vielleicht von einem jungen Syrier kommt auf und kämfpen vielleicht auch nicht mehr gegen jeden Windparkt. Ob das aber wirklich gut oder vielleicht noch viel schlechter ist, kann man jetzt wahrscheinlich noch gar nicht sagen.

Aber spannend sich durch das Buch zu lesen, weil man dabei, je nachdem wie alt man ist, wahrscheinlich vieles findet, das man selbst so erlebt hat.

Aus der Mitte des Sees

Wieder eine Neuerscheinung und wieder ein “Diogenes-Buch”, ein Roman des 1971 in Stuttgart geborenen Moritz Heger, das in einem Kloster spielt und Schwimmen das ist interessant und daher auch der Name, spielt darin auch eine große Rolle. Am Schluß des Buches gibt es ein Interview mit dem Autor, der erzählt, daß er auf dieIdee zu dem Buch in maria Laach an der Eifel, wo er im Sommer immer einige Wochen verbringt, gekommen ist und, daß es sein Ziel war, dem Leser etwas über die Tiefen des Lebens oder der Menschen nahezubringen.

Der Held ist der etwa vierzigjährige Mönch Lukas, der am Schluß Prior wird. Zu Beginn überlegt er, ob und, wie er seinem ehemaligen Mitbruder Andreas zur Geburt seines Sohnes Xaver gratulieren soll.

Die Sprache ist sehr schön und tiefgründig und jener Lukas, der Gastbruder, der den Gästetrakt managt, die Gäste unterbringt und betreut und dort auch die Tischgebete hält, geht gerne zur Erbauung oder was auch immer an den See schwimmen, da resumiert er, ob seine Mitbrüder, das vielleicht auffällig finden könnten, aber die, außer ihm schon lauter alter Herrn, die bald, wie Bruder Albin, der immer schöne Bilder malt, sterben, sagen nur “Viel Vergnügen!” und da kommt er in Beziehung mit der Schauspielerin Sarah und tauscht sich mit ihr aus. Es kommt, Lukas ist ein moderner Mann, auch wenn er eine schwarze Kutte trägt und, was ich auch nicht gewußt hatte, hatte ich doch zwei Tanten, die Nonnen waren und die eigentlich hießen, seinen Namen behalten durfte,weil Lukas ohnehin ein biblischer Name, zum Sex. Am Ende beschließt er den Antrag des Abtes anzunehmen und der kleine Xaver besucht ihn auch, darf er Jjuliane sogar beim Stillen zusehen und ihn halten und damit das Kloster nicht ausstirbt, hat sich auch der junge Lucian entschloßen Mönch und werden und wir haben wirklich viel vom Klosterleben erfahren. Viel Handlung gibt es nicht, es ist eher ein ruhiges Buch, das zum Nachdeenken anregten kann, Moritz Heger hat ja auch evangelische Theologie neben Theaterwissenschaft studiert, aber auch, wenn es keine besondere Spannungsbögen gibt, einige ungewöhnliche Szenen, wie die zum Beispiel, wie, als das Kloster brennt und alle im Speisesaal untergebracht sind, der Abt mit der dicken Köchin Walzer tanzt.

Treue

Jetzt kommt ein “Wagenbach-Quartbuch”, der Bestseller des 1981in Riimini geborenen und in Mailand lebenden Marco Missiroli, das schon verfilmt wird oder wurde. Ein modernes Ehedrama, das vielleicht ein bißchen an den “Reigen” erinnert, vielleicht auch an das “Fegelfeuer der Eitelkeiten” von Tom Wolfe, eine moderneres Behandlung des Themas Erotik, als wir es vielleicht bei Alberto Moravia oder Michela Murgia finden.

Es beginnt im Jahr 2009 und da wurde der Dozent für literarisches Schreiben Carlo Pentecoste auf der Uni Toilette mit der Studentin Sofia Casadei in intimer Pose erwischt. Sie reden sich damit heraus, daß der Studentin schlecht geworden wäre und er ihr nur geholfen hätte und der moderne Reigen oder auch das Ehedrama beginnt oder es beginnt, daß die Studentin dem Dozenten in der Vorlesung sagt, daß sie von seiner Frau verfolgt worden wäre.

Die heißt Margherita ist Immobilienmaklerin und hat sich in eine Wohnung verliebt, die sehr teuer ist und auch keine Lift hat, sie will sie aber trotzdem für sich und denkt sich einen Schlachtplan aus, wie sie sie billig bekommen könnte.

Sie hat auch etwas am Fuß, muß deshalb zur Physiotherapie und betrügt schließlich ihren Carlo mit dem Physiotherapeuten Andrea, der hat es in sich, am Schluß entpuppt er sich als schwul, vorher trauert er um seinen Hund, der ihn gebissen hat, so daß er ins Spital kommt und auch von Margherita versorgt werden muß, die ihren Carlo schließlich mit ihm betrügt.

Sofia, ob und was wirklich zwischen ihr und Carlo war, kommt nicht so gut heraus, verläßt Mailand und kehrt nach Rimini zurück, um ihren Vater in der Eisenhandlung zu helfen und dann geht es im zweiten Teil in das Jahr 2018, das Ehepaar hat die Wohnung gekauft und inzwischen einen Sohn, den kleinen Lorenzo, Margherita hat ihre Immobilienfirma verkauft, um sich die Wohnung leisten zu können, Carlo ist auch arbeitslos geworden und Sofia schickt ihm drei Bücher, die sie vorher auf Instagram postet, was bei Margheria Eifersucht auslöst.

Es gibt auch die Schwiegermutter Anna, die zu einer Wahrsagerin geht und am Schluß einen Oberschenkelhalsbruch erleidet und daher vonAndrea, der sich inzwischen dem Boxsport widmet und auch in seinen FisioLab gekündet, hat betreut.

Fast absatzlos gehen in dem Buch die Perspektiven ineinander über und springen von Person zu Person, was das Lesen nicht ganz einfach macht, aber vielleicht, obwohl es eigentlich, um das ehepaar und ihre Bezugspersonen geht, an den Reigen denken läßt.

Es geht um die Frage, was Treue in Zeiten, wie diesen bedeutet. Das Buch ist spannend zu lesen, wirkt manchmal sehr modern und spricht auch ungewöhnliche Themen an.

Spannend, spannend, sich in die italienische Erotik einzulesen, wo es auch ein bißchen um Gesellschaftkritik geht, einige sehr schöne Szenen und Metaphernhat und eigentlich, wenn ich es recht verstehe, zwischen Carlo und Sofia nicht soviel passierte, obwohl es durch das ganze Buch zwischen den beiden ständig knistert.

Ausklang

Gedichte von 2010 – 2020 des 1939 in Haslach OÖ geborenen künstlerischen Fotografen, Schriftsteller und engagierten Mitglieds der IG Auoren Peter Paul Wiplinger. Sogenannte Lapidargedichte “ohne jeden Metaphernschmus”, wie der Schriftsteller, den ich, glaube ich, in den späten Neunzehnachtzigerjahren bei den IG-GVs kennenlernte, auf einem dem Buch beigefügten Zettel geschrieben hat und ich habe mich 1996 sehr vor Peter Paul Wiplinger gefürchtet, als wir beide in der Jury für das damalige Nachwuchsstipendium für Literatur waren, denn er war vom PEN, ich von der GAV dorthin gesandt, was in meiner Vorstellung starke gesellschaftliche Unterschiede bedeutete. Er rechts, ich links und dann hatten wir dieselben Vorschläge, kämpften für denselben Kanditaten, sprachen uns gemeinsam gegen eine Autorin aus und ich hatte wieder etwas gelernt.

Danach erlebt, wie Peter Paul Wiplinger, der vor einigen Jahren auch einen schweren Unfall hatte, vom PEN austrat und in die GAV hinüberwechselte, da gibt es immer noch diese Bestimmung, daß man nur in einer der Vereine Mitglied sein kann, an die ich mich eigentlich halte, aber ich würde, weil ja “nur” selbstgemachte Bücher wahrscheinlich ohnehin nicht in diesen Verein aufgenommen werden.

Jetzt scheint er sich wieder im PEN zu engagieren, zumindest wurde sein achtziger Geburstag, zu dem er mich eingeladen hat, glaube ich, in einem PEN-Lockal gefeiert und er hat mich, als wir uns einmal beim Empfang der Buch-Wien getroffen haben, sehr freundlich auf meinen Blog angesprochen. Er hat mich auch vor einiger Zeit bei der Krit Lit fotografiert und schickt mir jetzt immer die Einladungen zu seinen Veranstaltungen. So hat er mich auch auf sein neues Buch aufmerksam gemacht, das in der “Edition Löcker” erschien und seit Dezember, glaube ich, im Buchhandel erhältlich ist und als ich ihn fragte, ob er mir das Buch für das “Geflüster” schicken will, hatte ich einige Zeit später ein dickes Bändchen mit gleich drei Büchern im Postkasten.

Darunter die “Lebenszeichen”, die ich schon hatte, denn in meiner Bibliothek haben sich inzwischen einige Wiplinger-Bücher angesammelt und ich kann mich auch an einen Wettbewerb in der Bücherei Pannaschgasse erinnern, den Stephan Teichgräber organiserte, “Die goldene Margarete” hat er geheißen. Ich habe auch gelesen und daneben viele ost- und mitteleuropaische Autoren, die gar nicht persönlich anwesend waren, weil die Bibliothek nicht die Fahrt und Übernachtungskosten zahlen wollte oder konnte.

Peter Paul Wiplinger hat ziemlich zu Beginn soweit ich mich erinnern kann, sehr beeindruckende Holocaust-Gedichte gelesen, wurde dann aber aus Zeitgründen sehr bald von Stephan Teichgräber unterbrochen, was ich eigentlich als sehr unhöflich empfand. An einen Abend im arabisch-österreichischen Haus, kann ich mich erinnern und die drei Büchern darunter der, bei “Arovell” 2006 erschiener Prosaband “ausgestoßen” waren alle sehr schön und handschriftlich für mich signiert.

“Letzten Endes bleibt alles Fragment” steht beispielsweise bei dem neuen “Löcker-Band”, bei den Lapidargedichten, wo am Cover ein Foto des Autors, “Sonnenuntergang am Neusiedlersee” zu sehen ist, das Peter Paul Wiplinger mit der Kamera seines Vaters 1981 aufgenommen hat und am Büchrücken ist noch einmal das Gedicht zu sehen, mit dem der Band auch beginnt: “gehen/ gehen gehen/ gehen gehen/ einfach gehen/ was sonst”, womit man schon eine klare Definition hat, was unter Lapidargedichten zu verstehen ist.

Kurze knappe zweizeilige Gedichte, die sich mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen.

“WEGE GEHEN gehen/ die sich kreuzen/ wege gehen ohne ein ziel/ schnittpunkte begegnungen/berührungen beziehungen/ereignisse menschen/erinnerung vergessen” oder “DAS LEBEN” “das leben ist das märchen/ das leben ist wie es ist/ so ist es”.

Es gibt aber auch Gedichte die bestimmten Personen gewidmet sind, so ist der “Dichter” “tag für tag ein gedicht schreiben”, dem 2014 verstorbenen Politiker und Schriftsteller Hugo Schanovsky gewidmet und sehr berührend “EIN GEDICHT SCHREIBEN”, wo Peter Paul Wiplinger, den Auftrag seiner Ärztin beschreibt, daß er dieses tun soll, als er nach seinem Unfall im Spital liegt “ich soll mit der hand/ ein gedicht schreiben/ sagte heute zu mir die frau/ prof. dr. paternostro-sluga/ im donauspital in wien/ und fügte noch hinzu egal was/ sie dann schreiben ganz egal/ wichtig ist nur daß sie schreiben/ und zwar mit ihrer rechten hand/ die halbseitig nervengeschädigt ist”

So eindrucksvoll habe ich Lyrik noch selten gelesen und davon ist auch die Psycholoin in mir sehr angesprochen, die sich neben der schönen Sprache immer sehr für die psychischen Ausnahmesituationen interessiert.

Es gibt neben den kurzen sich mit dem Lauf des Lebens beschäftigenden lapidaren Gedichtzeilen auch längere Gedichte, beispielsweise die “LEBENBSAUSSICHT”, 2013 geschrieben “heute ist der erste Tag/ in meinem Leben an dem ich/in mein 75. lebensjahr trete/bloß kein Selbtmitleid sage ich” oder “MUTTERS LEBEN- nach ihrer Erzählung” geschrieben.

Kurze lapidare Gedichtzeilen, in denen es viel um das Leben geht. So schreibt er beispielsweise über einen der sich den Suicid wünscht “du kommst zu mir/und sagst du magst nicht mehr leben/ ich sage/ ganz einfach/ ich lebe gern/” oder in “GLEICHZEITIG” “aber ich lebe/in der stadt/da gibt es/keine natur”

Es geht auch zunehmend um Krankheit, Sterben und Tod.

“DAS FOTO” “soeben habe ich/das foto angesehen/das foto betrachtend denke ich/an deinen und an meinen tod” oder

“DER KOFFER” “Seit 36 Jahren steht/ der Koffer meines vaters/ nun schon ungeöffnet/ in meinen Keller./ Jetzt, da ich schon fast/genau so alt bin wie er, /als er damals fortging/mit seinem kleinen Koffer/ins Spital, werde ich/ diesen alten Koffer öffnen,/weil ich wissen will,/was ich mitnehmen soll/ins Spital,wenn es/ans Sterben geht./

Es gibt den “TAGESVERLAUF im Krankenhaus” und die “ZWISCHENBEREICHe im AKH in Wien”, in dem sich Peter Paul Wiplinger offenbar befunden hat “das grünen Bettenhaus/das rote Bettenhaus/der grüne Bodenbelag/der rote Bodenbelag” und die “ABENDSTIMMUNG im AKH Wien” Der Himmel/verbrennt/im Abendrot./Wie lange noch/werde ich leben?”

Besonders berührend die “ENTSCHEIDUNG”

Ich breche jetzt/die Chemotherapie ab,/sagte er und tat es auch;/Wenige Wochen darauf starb er./Ich schrieb einen Nachruf auf ihn/für eine bekannte Regionalzeitung/Und setzte meine Chemotherapie/noch einige Wochen lang fort,/bis sie bei mir beendet war.”

In einer anderen “ENTSCHEIDUNG” geht es um die Bücher, die er noch lesen möchte oder noch nicht gelesen hat. Ein Problem das ich auch genau kenne und mich oft genug damit beschäftige.

Dann geht es sehr aktuell um die “CORONA-PANDEMIE 2020”, im April geschrieben. Dann gibt es noch eine NEGATIV-ASSOZIATION “Eine Negativ-Assoziation besetzt/also mein Assoziationsvermögen./Auch das hat sich so ergeben:/ein Alltagsbild als Schreckensbild!/Und das wird noch lange so bleiben.”

Spannend, spannend in die Assoziationen, Gedanken, Überlegungen eines alten Dichters einzutauchen. Spannend sich in seine “Ausklänge” einzulesen und wenn man noch ein wenig mehr von und über Peter Paul Wiplinger lesen will, sind seine “Schachteltexte” sehr zu empfehlen.

Am Götterbaum

Von Hans Pleschinski habe ich, glaube ich, bei einem Frankfurter Buchmessensurfing das erste Mal etwas gehört, das heißt, ich habe ihn mit Ludwig Fels verwechselt, der vor kurzem verstorben ist, da wurde sein “Ludwigshöhe” vorgestellt, das mich interessierte, weil ich mich mit dem Thema Sterbehilfe ja auch sehr beschäftigte. Bei dem Bücherkauf von Alfreds literaturversierter WU-Kollegin habe ich das “Bildnis eines Unsichtbaren” um einen Euro wahrscheinlich, erstanden und ich gestehe es, immer noch nicht gelesen, auch “Wiesenstein” das Portrait über den großen Gerhard Hauptmanns noch nicht. Das hatte ich bei “Beck” angefragt, nicht bekommen, es mir dann aber einen Literaturhaus-Flohmarkt um fünf Euro gekauft, noch nicht, dafür aber, Kritiker hört her “Königsalle” über den noch berühmteren Thomas Mann.

Woher ich das Buch bekommen habe, weiß ich nicht mehr, vielleicht wars im Kasten oder in einer Abverkaufskiste und bin so daraufgekommen, daß sich der 1956 in Celle geborene, in letzter Zeit für literarische Biografien interessiert, denn jetzt ist ein weiters Bildnis eines Unsichtbaren oder Unbekannten, herausgekommen, nämlich das Portrait des ersten deutschen Nobelpreisträgers von 1910 Paul Heyse und ich höre jetzt schon rufen “Paul Heyse wer wer ist denn das?”

Ein klein wenig Ahnung hatte ich schon, denn es gibt einen Briefwechsel zwischen ihm und Marie von Ebner- Eschenbach und da war ich mal bei einem Symposium und da hat ihn, glaube ich, Alexandra Millner oder war es Daniela Strigl vorgestellt und als ich einmal erschöpft von dem Writersstudio-Marathonschreiben nach Hause beziehungweise an einen Bücherschrank vorbeigegangen bin, habe ich dort ein Buch über die “Deutschen Nobelpreisträger” gefunden, das dann auch in meine “Unsichtbare Frau” hineingefunden hat.

Ein Biografie über einen unbekannten Nobelpreisträger, wie fad könnte man da unken. Wen interessiert denn das? Das ist doch altmodisch und verstaubt!

Mitnichten, liebe mögliche Vorauskritiker, denn Hans Pleschinski macht es sehr originell. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob das auch schon beim Thomas Mann so war. Aber hier marschieren eines Abends in München drei Frauen um die sechzig, die Baustadträtin Antonia Silberstein, die Bibliothekarin Therese Flößer auf Krücken und die Münchner Literaturpreisträgerin Ortrud Vandervelt, die gerade von einer Lesereise aus Sibirien zurückkommt, vom Rathaus in die Luisenallee, wo sich das Haus befindet, in dem Paul Heyse 1914 wahrscheinlich gestorben ist oder zuletzt dort lebte. Heute ist das eine verfallene Villa in der alte Waschmaschinen stehen, ein Konditor und ein Uhrmachen mit ihren kinder leben und sich die Spekulanten reißen. Die Stadt München will aber ein Kulturzentrum daraus machen. Deshalb hat ein Praktikant, die drei Damen angemeldet, die dort noch einen Erlanger Heyse-Experten treffen sollen.

So stolpern die drei Frauen durch die Stadt und machen mancherlei Alltagsbeobachtungen dabei. Da wird eine taubenfütternde Alte vom Portier vertrieben wird, AfD-Wäher unterhalten sich, etcetera.

Die Bibliothekarin hat ein paar Heyse-Bücher im Rucksack. So werden immer wieder Gedichte zitiert, die man auch im Buch finden kann und über Paul Heyse, der 1830 in Berlin geboren wurde, erfährt man auch sehr viel. Der war damals ein berühmter Dichter, wurde sogar geadelt, hatte viele Künstlerfreunde und hat auch Künstlerkreise zum Beispiel einen namens “Krokodil” gegründet. Hundertzwanzig Novellen, acht Romane und unzählige Theaterstücke hat er geschrieben. Da kommt dann eine Anspielung, daß man heutzutage keine Novellen mehr schreiben kann, weil keiner weiß, was das ist und sogar schon “Haikus” als Romane betitelt werden.

Die Gruppe torkelt weiter durch die Stadt, kommt dann zu der Villa, aber zuerst nicht hinein. Die Bibliothekarin hat Schwierigkeiten mit den Krücken und bekommt Alpträume, wo sie sich an ihren Schreibtisch wähnt. Dann dann gibt es auch ein Zwischenkapitiel in Italien, denn da besucht 1905 offenbar der berühmte Verleger der Cottta´schen Buchhandlung, den alten Dichter in seiner Sommerredsienz am Gardasee, denn der war sehr Italophil, hat das auch studiert und Ende eine Villa dort gehabt. Frau Anna fragt was sie kochen soll? Der Verleger deutet schon den möglichen Nobelpreis an

Dann geht es wieder zurück in dieLuisenstraße, beziehungweise in das Cafe nebenan, wo die die fünf, der Erlanger Spezialist vom Department of literatur, auch so eine Anspielung mit seinem chinesischen Mann ist inzwischen auch eingetroffen, um sich zu stärken. Dann kommen sie doch in die Villa hinein und am Ende erscheint noch der Direktor vom Touristenbüro von Gardone Riviera, der dort ein Paolo Heyse- Centro errichten will und bietet der Baurrätin oder der Stadt Münschen seine Vorschläge an.

Interessant merke ich an, sehr orignell und gewagt. Bin gespannt, was die Literaturkritik dazu sagt? Mir hat es jedenfalls gefallen und wieder viel gelernt. Vor allem das man Literatur und auch biografische Romane anders schreiben kann und kann das Lesen des “Götterbaums” oder auch Paul Heyse selbst, von dem ich gar nicht weiß, ob der noch lieferbar ist, sehr empfehlen, der aber vielleicht verstaubter wirken kann, als das Buch über ihn.

Ich bleibe hier

Ich weiß gar nicht so genau, ob ich auf Marco Balzanos Südtirolroman auf dem vorletzten “Diogenes Bloggertreffen” aufmerksam wurde ober, ob das erst durch die Sendung “Aufgeblättert – Zugeschlagen” mit dem “Österreichischen Literaturpapst Robert Wagner”, der Martin Sellner verdächtig ähnlich sah, geschah?

Aber ich habe mir das Buch, wo auf dem Cover der Reschenstausee mit dem herausragenden Kirchturm, zu sehen ist, bestellt und jetzt gelesen.

Es ist vielleicht nicht so ein besonders literarisches Buch, wie Lutz Seiler “Stern 111”, das auch in dem Literaturformat vorgestellt wurde, hieß es dort, aber ein italienischer Bestsellers des 1978 in Mailand geborenen Marco Balzano, der dort auch als Lehrer tätig ist, von dem ich vorher noch nichts gehört habe und das Buch ist interessant.

Die Geschichte der Lehrerin Trina, von der Marco Balzano im Nachwort schrieb, daß er 2014, das Dorf Graun im Vinschgau mit dem Stausee und dem Turm, das inzwischen eine Touristenattraktion ist, besuchte. Von dem Thema fasziniert war, zu forschen begann und dann aus den historischen Tatsachen einen Roman machte, in dem, wie üblich alles erfunden und Ähnlichkeiten rein zufällig ist.

Oder doch vielleicht nicht so ganz. Denn das Dorf Graun hatte einen Pfarrer namens Alfred Rieper und ein Pfarrer namens Alfred kommt in dem Roman auch vor, in dem die Lehrerin Trina einen Brief an ihre Tochter Marica schreibt, die als die Nazis in das Dorf kamen und den Deutschsprachigen, die Option erstellten, nach Deutschland auszuwandern oder weiter in Südtirol als Menschen zweiter Klasse zu leben, mit der Schwester von Trinas Mann Erich, die in Innsbruck lebte, das Dorf verlassen hat und offenbar nie mehr zu ihrer Mutter zurückgefunden hat.

Aber zum Anfang des vorvorigen Jahrhunderts. Da macht Trina mit ihren Freundinnen Barbara und Maja in Bozen eine Lehrerinnenausbildung und 1923 ihr Examen. Das war das Dorf, ihr Vater ist der Schreiner dort, schon von den italienischen Faschisten Mussolinis besetzt und die deutschsprachigen Lehrer fanden keine Anstellung. So bietet ihnen der Pfarrer an, in den Untergrund zu gehen und in den Katakomben, die Kinder in Deutsch zu unterrichten.

Das ging oft schief, denn die Carabinieri dringen oft ein und Barbara wird nach Italien verschleppt, worauf ihre Familie böse auf Trina ist. Dann kommen die Nazis und Michael, der Sohn wird ein solcher. Die Eltern fliehen in den Berge und da muß Trina auch zwei Soldaten erschießen. Nach dem Krieg kommen sie in das Dorf zurück. Aber da ist schon die Firma Montecatini da, um den Staudamm zu bauen. Erich kämpft sehr engagiert dagegen. Wendet sich sogar an den Papst zu Unterstützung. Hilft aber alles nicht und die Familien können sich entscheiden, ob sie auswandern oder sich am Rande des Dorfes in Containern unterbringen lassen und das Geld, das sie als Entschädigung bekommen, können sie in Bozen holen. Aber da wären die Fahrkosten höher, als das, was sie bekommen hätten. Erich stirbt und Trina zieht schließlich doch in eine Zweizimmerwohnung, geht am See spazieren, beobachtet die Sommerfrischler, die sich die Attraktion anschauen kommen und schreibt den Brief an ihre Tochter und ich habe ein sehr beeindruckendes Buch mit einem interessanten Stück Geschichte gelesen, das mich ein bißchen an die Situation von heute erinnert, wo man ja auch nicht viele Chancen hat, wenn man beispielsweise gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren und sich nicht Freitesten oder Freiimpfen will und da habe ich ja schon in einem Facebook-Eintrag gelesen, daß die Eltern die ihre Jinder nicht testen lassen wollen, entmüdigt werden sollten.