Wald

In der “Falter-Redaktion”, der “Stadtzeitung für Wien” scheinen lauter Bobos zu sitzen, beziehungsweise gibt es dort einige Redakteure, deren Bücher darüber höchstwahrscheinlich zu Bestsellern wurden.

Anna Maria Dusl ist eine davon, sowie Doris Knecht und der Alfred, der ein Faible dafür zu haben scheint, schenkt mir ihre Bücher auch bevorzugt zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

Doris Knecht “Wald”, 2015 erschienen und wie ich glaube auch der Wunsch einiger Blogger für die Buchpreis-LL, habe ich aber im Schrank gefunden und es hat mir auch besser als “Besser” gefallen und besser, als die Bobo-Visionen der Anna Maria Dusl.

Aber interessant sich vorzustellen in welchen Weltbild die “Falter-Redakteure” leben und für selches Zielpublikum sie schreiben.

Marianne Malin, die sich längst trendiger Marian nennt, das ist zwar glaube ich ein slowakischer Männername, aber immerhin, gehörte wahrscheinlich zu den “Falter-Abonennten”. Früher, vor 2008, als es ihr noch gut ging und die Wirtschaftskrise, beziehungsweise die Leman-Brothers nicht einen Strich pber die aufsteigende Karriere der Jungdesignerin machte.

Und die hat, erfolgsgewohnt nicht so schnell geschnallt, daß es jetzt vorbei sein könnte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und sich die Leute, die anderen Bobos, fortan ihre Kleider wieder von der Stange, als in ihrem schicken Atelier kaufen würden. So hat sie investiert, noch einmal einen Kredit aufgenommen, ein neues Studio eröffnet, ein paar Stores und alles verloren. So sitzt sie zu Beginn des Buches im Wald, das heißt im ererbten Häuschen ihrer Tante, das nicht mehr ihr sondern ihrer Tochter Kim gehört, so daß man es ihr auch nicht wegnehmen und auch nichts mehr pfänden kann.

Marian hat sich, als sie schon ganz unten war dorthin zurückgezogen, hat sich wie Doris Knecht das so trendig schreibt “aus dem System ausgeklinkt”, beziehungsweise von dort geflohen und überlebt den ersten Winter in der Kälte. Klaut sich von den bauern der Umgebung, die Kartoffeln, das Gemüse, die Hendln. Läßt sich von der Schwester, die Stromrechnung zahlen und Handy-Wertkarten schenken und versucht mühsam zu überleben.

Das geht nicht ohne einige Verletzungen oder Drohungen ab, so droht ihr der Bauer, dem die Kartoffeln oder auch die Hendln gehörten, mit dem Abfackeln ihres Hauses, denn das geht, da soll sie aufpassen, sehr schnell!

Und dann trifft sie den Franz. Das ist ein schon älterer Grundbesitzer der Umgebung. Einer von denen, der sicher nie die “Seitenblicke” sah, in denen Marians schicke Mode präsentiert wurde. Er erwischt sie beim Wildern. Der Onkel hat ihr auch ein Gewehr hinterlassen und schießen hat sie früher einmal in ihrer Bobo-Zeit gelernt. Man sieht die Ähnlichkeiten zur Streeruwitz, obwohl die  1966 in Vorarlberg geborene, das Buch hätte ich mir also auch auf den Bodensee mitnehmen können, ganz anders schreibt.

Franz knallt ihr eine hinunter, zeigt ihr aber dann, wie man das Reh ausnimmt und schickt ihr später die einzelnen Portionen schön verpackt nach Hause. Dafür kommt er sie am Nachmittag besuchen, legt ihr die Hand aufs Knie und zieht ihr den  Pullover aus. Auch das kann man bei der Streeruwitz finden und auch hier über die Unterdrückung der Frau nachdenken.

Bei Knecht tut das Marian selbst, den die resumiert an dem Tag in dem das Buch spielt, über ihr bisheriges Leben nach und auch darüber, was Prostitution ist?

Wo hat sie sich mehr prostiuiert, wenn sie mit Franz dafür, daß er ihr Holz liefern läßt, eine Angel schnenkt und auch das Fischrecht über seinen Besitz gibt, ins Bett steigtoder als sie einer Opernball-Pomeranze, als es ihr schon sehr schlecht ging, ein Kleid nach ihren Wünschen nähte und dafür ihre Grundsätze über Bord warf?

Sie hat aber nicht nur Feinde in dem Dorf. Es gibt auch eine alte Nachbarin, auf deren behinderten Sohn sie manchmal aufpasst, die ihr eine alte Nähmaschine schenkt und ihr auch sagt, daß sie beim  Hendl-stehlen aufpassen soll, denn die Bauerin, der es entlaufen ist, hat sie dabei gesehen und hat an der Kasse des Genossenschaftmarktes gesagt, daß sie sie anzeigen wird und irgendjemand hat “HUR” auf Marians Tür geschrieben, als sie in der Früh fischen war.

Marian überdenkt das alles. Das schöne, schicke Bobo-Leben, wo man das Geld nur so hinaufswar.  Sojamilch statt der normalen kaufte, weil man ja leider allergisch ist. Jetzt, wo sie von der Hand in den Mund lebt, ist sie das seltsamerweise nicht mehr, also nur eine Modekrankheit der schönen reichen Bobos?

Und sie stellt sich auf vor, auf wieviel schönes gutes Essen sie wegen Diäten, die ihr auch die Schickeria und die Modezeitschriften verordnenten, damals verzichtete.

Sie reift, es ist also wieder ein Entwicklungsroman, der zeigt, wo das schöne wahre Leben ist, in der Natur. Und ein bißchen hat Doris Knecht vielleicht auch übertrieben, wenn sie vom Mäusefangen schreibt und Marian zusehr zu den Wurzeln zurückkehren läßt, denn nach einem normalen Abstieg geht man wahrscheinlich zum AMS und in einen Sozialmarkt einkaufen.

Es kommt aber und das finde ich gut, zu einem Happy-End. Sie spricht sich mit Franz aus, darf sich von ihm, der sie jetzt endlich so und nicht mehr altmodisch Marianne nennt, etwas zum Geburtstag wünschen. Sie wünscht sie ein Hendl oder zwei, so daß sie nicht mehr stehlen muß und in dem alten Gasthaus, das Franz Sohn wiederöffnen will, soll sie auch mithelfen und dem Sohn unter die Arme greifen.

So trinkt sie zuversichtlich von Franz guten Wein, wischt dann das “HUR”, Franz wird dafür sorgen, daß das nie mehr passiert, von der Türe weg und geht ins Haus im endlich ihre Tochter anzurufen, was sie solange vermieden hat.

Ein wirklich spannendes Bhuch, das ich sehr interessiert gelesen habe und dabei, glaube ich, meine Knecht-Vorurteile, daß das ja keine Literatur ist, reviderte.

Vorbilder gibt es natürlich auch. Da wäre vor allem die “Wand” und die hat Doris Knecht sicherlich gelesen. Bei Sophie Kinsella, die ja etwas Ahnliches auf ChickLit Art beschrieben hat, wäre ich mir da nicht ganz sicher und ein Debut, das sich mit dem Überleben beschäftigt, hat es im Herbst ja auch gegeben.

Babys in leiwanden Grafiken

Ich bin ja eine eifrige Leserin der “Holzbaum-Publikation” und habe sehr viele, fast alle sogar von ihnen gelesen, seit mir Clemens Ettenauer vor ein paar Jahren das erste Heftchen zuschickte.

Finde den kleinen Verlag, der seinen Shop im Museumsquartier hat sehr fein und bedaure nur, daß er kaum mehr literarische Publikationen, statt dessen WienBücher, Cartoons und in letzter Zeit vermehrt die “Leiwanden Grafiken” bringt, wo das Weltgeschehen in Kugeln und Strichlinien beschrieben wird. Da habe ich, glaube ich, nur ein Buch gelesen, weil das ja nicht wirklich literarisch ist.

Jetzt sind Katja und Clemens Ettenauer, die Herausgeber, Eltern geworden und haben, wen wunderts, dazu ein Büchlein mit den leiwanden Baby Grafiken herausgebracht und richtig, das ist auch nicht literarisch, absolut nicht, das Gegenteil davon und trotzdem, das wundert vielleicht auch, kann die Psychologin in mir das Buch allen, die sich für Kinder interessieren oder welche haben, sehr empfehlen.

Denn es ersetzt, glaube ich, so manchen Ratgeber, obwohl es ja nur aus Kugeln und Strichen und richtig, aus vielen weisen Überschriften ersteht, die einen nachdenken, schmunzeln, nicken oder was auch immer lassen.

Dabei bin ich für das kleine Heftchen wahrscheinlich gar nicht die richtige Zielgruppe, denn ich gehöre  weder zu den “frischgebackenen” oder den “werdenden Eltern”.

Aber da ist die Grafik vielleicht werbemäßig gleich verteilt. Zwanzig zu zwanzig, kommen da noch die “noch nicht Eltern”, “deine Eltern” und “überhaupt alle Eltern” vor.

Also für jeden etwas, obwohl ich es den frischgebackenen und den werdenden Eltern und vielleicht auch noch den Freunden und Verwandten von diesen am wärmsten empfehlen würde.

Also wieder ein Gang durchs Buch, ein kurzer nur, wer mehr wissen will, sollte es selber lesen. Das geht schnell. Es ist auch klein und handlich und hat in jeder Tasche Platz. Teuer ist es mit fünf Euro auch nicht und das kommt noch dazu. Es ist als Geschenk für frischgebackenen Eltern bestens geeignet, steht doch auf der ersten Seite “Zur Geburt von:…” und man kann den Namen des Kindes eintragen.

Also die Sprüche, die der Psychologin in mir am besten gefallen und die sie “So ist es!”, denken ließen.

“Wann beginnt das Baby also zu schreien?” Natürlich nicht, wenn es naß ist oder Hunger hat, sondern “wenn sich die Eltern gerade aneinander kuscheln.”

Selektive Wahrnehmnung nennt man das, glaube ich.

Welches ist das schönste Baby?”. Das Eigene natürlich. Da gibt es keinen Zweifel und als man noch keine Kinder hatte, brauchte man nur den Schlüßel, die Geldbörse und das Handy mitnehmen. Jetzt kommt noch sehr viel anderes dazu.

Babyeltern brauchen natürlich keinen Wecker mehr und wieder selektiv subjektiv, für das Baby, wahrscheinlich ist da schon ein größeres Kind gemeint, ist das Spielzeug am interessantesten, “was ich gerade wegräume” und die Eltern, kaufen dem Kind am öftesten die Spielsachen, die sie selber einmal haben wollten und bauen wahrscheinlich auch den “Stapelturm” öfter das das Kind zusammen.

Was ich nicht ganz glasube ist, daß das Baby nur den Mund verzieht, wenn es das erste Mal Karotten zum Essen bekommt, das passiert bei anderen Sachen, Spinat, vielleicht, wahrscheinlich auch, aber wahrscheinlich haben das die Ettenauer beim Ettenauer-Baby so erlebt.

Und statt sich zu freuen, daß das Baby endlich schläft, kontrolliert man vielleicht alle fünf Minuten nach, ob es noch atmet. Ja, am Anfang ist man noch unsicher. Später kommt die Routine und natürlich schadet man sich selbst damit, aber wahrscheinlich lernt man beim zweiten Kind dazu und nimmt es gelassener, sofern man eines hat.

Und klar fürchten sich die Eltern vor der ersten Impfung mehr, als das Kind. Denn dieses weiß ja nicht, was das ist und schreit erst nachher.

Und so geht es weiter fort und durch das unnummerierte Heftchen. Die Eltern patzen sich beim Füttern an, obwohl nur Baby ein Lätzchen trägt und die besten Eigenschaften hat es natürlich nur vom Vater und nur von der Mutter und von beiden wird das natürlich gleichzeitig behauptet.

Man kann sich ein bißchen selber reflektieren, wenn man das Buch gelesen hat, obwohl es ja hauptsächlich aus bunten Kugeln besteht. Das habe ich schon geschrieben und möchte es noch einmal betonen und vielleicht auch dazu setzen, daß ich daraus, obwohl meine Tochter ja schon über dreißig ist und ich mich schon über vierzig Jahre mit Entwicklungspychologie beschäftige, einiges aus dem Buch gelernt habe, von dem ich vorher nicht dartüber nachgedacht habe, daß es so ist.

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz “Yseut”, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers “Centrope-Workshop” analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem “Präfix” kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:”Yseut hat dann…”. zum Beispiel oder “Yseut mußte lachen.”

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise “Die Schmerzmacherin” glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei “Yseut” war das nicht so, da habe ich diesen “Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den “Amazon-Rezensenten” prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

“Verschlungen!”, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als “alte Frau” beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie “Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde”, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das “Sacre Cour”, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

“Grüne Wanzen gibt es nicht!”, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich “Isabella”, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei “Fischer” verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

Rote Tränen

Von Ostende im Sommer 1936 ist es nur ein kleiner Schritt zur Zerstörung der Arbeiterliteratur durch Faschismus und Nationalsozialismus und es sind zum Teil auch die gleichen Protagonisten, die hier eine Rolle spielen.

Joseph Roth, Friderike Zweig, Ernst Toller und so habe ich nach der Buchpräsentation vergangenen Dienstag und Voler Weidermanns Stimmungsbild einer untergegangenen Zeit, die “Roten Tränen angefangen, die “Ergebnise der gleinahmigen Internationalen Tagung in memoriam Herbert Exenberger am 14.- 15. November 2014”, wie so schön im Vorwort steht und die in der VHS-Brigittenau stattgefunden hat.

Da war ich wahrscheinlich woanders, vielleicht bei meinem Geburtstagsfest, in Ungarn oder auf der “Buch-Wien” und Herbert Exenberger, den 1943 in Simmering geborenen Arbeitersohn, der es zum Bibliothekar und Sammler der Parteispenden brachte und der 2009 gestorben ist, habe ich, glaube ich, gesehehen, als einmal, ich habe da gerade für das Cover von “Tauben füttern” am Donaukanal foografiert, als eines von Else Felmanns Bücher in der jüdischen VHs, die es irgendwo beim Praterstern gibt oder gab, vorgestellt wurde.

Der Tagungsband beginnt mit den üblichen Grußworten, dann wird gleich Herbert Exenberger vor- und die Frage gestellt, ob die Arbeiterkultur eine Fortsetzung der bürgerlichen oder etwas ganz anderes ist?

Gar nicht nicht so leicht zu beantworten und das Buch, will ja, glaube ich, beweisen, daß diese Kultur, das rote Wien der Zwischenkriegsjahre durch den Faschismus zerstört wurde und ich kann michnur auf das beziehen, was ich, als 1953 geborenene erlebte, als ich in einem der alten Gemeindebauten, erbaut aus den Mitteln der “Breitnerschen-, von dem im Buch auch noch die Rede sein wird, Wohnbausteuer”, aufgewachsen bin.

Von dort bin ich  in Volksschule, dann in die Hauptschule, mehr war zuerst nicht drin, dann in die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe gegangen, um doch zu einer Matura zu kommen und dann an die Universität, um Psychologie zu studieren.

Und mein Vater war wohl so ein typisches Arbeiterkind in den Ottakringer Jubiläumsbauten, als der Kaiser ein solches hatte, aufgewachsen, in die SPÖ eingetreten, dort Parteifunktionär und an die Frau Schauffler, die jedes Monat, den Parteibeitrag abkassieren gekommen ist, kann ich mich auch noch erinnern.

Das jährliche Weihnachtsbuch der Kinderfreunde für die Parteimitglieder, gehört für michzurArbeiterkultur und meine Eltern hatten, glaube ich, einVolksstheater-Abo, keines in der Oper oder im Burgtheater und den berühmten schönen Bücherkasten, der zuerst im Wohnzimmer später im Schlafzimmer stand, als meine Schwester, dieses für sich bekommen hat, hat es auch gegeben.

Dort sind die Büchergilde Gutenberg-Ausgaben gestanden, die B. TravenBände, Joseph Roths “Radetzkymarsch”, die Brunngrabers und noch einiges anderes, was inzwischen von mir gelesen wurde und jetzt in Harland steht.

Für mich gibt es diese Arbeiterkultur also ein bißchen noch, der Vater hat die AZ gelesen, die Mutter “Die Frau”.

Diese Zeitungen gibt es nicht mehr, sie wurden eingestellt, wie es auch den “Luitpold-Stern-Preis” der Gewerkschaft nicht mehr gibt, weil der ja nach dem “Bawag-Skandal” 2005, nicht mehr vergeben wird und noch viel früher, als Kreisky gerade reagierte und ich studierte, war ich mit meinem Vater und der SPÖ einmal ein paatr Tage in Schweden, um uns dort den Sozialismus anzuschauen und in der Oper war ich auch einmal mit ihm.

Das war eine Parteiveranstaltung, da ist, glaube ich der Minister Sinowatz auf die Bühne gekommen und hat gesagt “Ich höre gleich mit dem Reden auf, damit wir uns die Zauberflöte anhören können!”

In der berühmten Ausstellung “Mit uns zieht die neue Zeit” oder so ähnlich, hat sie geheißen, war ich auch  mit meinem Vater. Es erscheint mir also vieles gar nicht so unbekannt, was in dem Buch steht und Alexander Emanuely, einer der Herausgeber bezieht sich in seinem Beitrag “Rund ums “Erste proletarisch-revolutionäre Denkmal in Wien-” auch  auf eine Else Feldmann Geschichte, die ja in Brigittenau geboren, in der Arbeiter-Zeitung schrieb und von den Nazis ermordet wurde.

“Der Leib der Mutter” in der Originalausgabe befindet sich auch in den Harlander Regalen, denn das hat mein Onkel Hans wahrscheinlich meiner Mutter 1933 oder so zu Weihnachten geschenkt.

Jürgen Doll bezieht sich  in seinen Beitrag auf Luitpold Stern, den führenden Bildungsfunktionär der Arbeiterbibliotheken, der selbst gedichtet hat, ich habe einmal zwei Bände seiner Gesamtausgabe in den Schränken gefunden und wohl ein wenig pathetisch gewesen sein muß und den Arbeiter  “Weihespiele” und solches schenken oder verordnen wollte, während die vielleicht lieber in die Kabaretts von Jura Soyfer gegangen sind.

Ester Saletta bezieht sich und das fand ich sehr interessant in ihrem Beitrag auf Adelheid Popp, die Arbeitertochter die in ihren “Aufzeichnung” “Die Jugend einer Arbeiterin” genau die katastrophalen Zustände, wie sechzehn Stundentag, etcetera beschrieben hat und dann in den sozialistischen Partei für andere Zustände kämpfte und sich auch von den Nazis nicht einschüchtern ließ.

Wolfgang Fritz läßt zwei “vergessene Namen” nämlich Rudolf Goldscheid und Hugo Breitner wieder auferstehen. Aber ich bin ja jeden Tag an der Tafel mit der “Breitnerschen Wohnbaustuer” vorbeigegangen und habe das, glaube ich, auch meiner Volksschulllehrerin vorgetragen, als die wollte, daß wir unseren Schulweg oder Wohnhaus beschreiben.

Sabine Lichtenberger berichtet auch von Luitpold Stern und führt dann noch zwei weitere Arbeiterbildungsfunktionöre nömlich Franz Rauscher ud Richard Wagner an, die mir kein Begriff sind. Aber vielleicht ist mein Vater wirklich in ihre Volkshochschulkurse gegangen und den Namen Luitpold Stern habe ich, glaube ich, durch den gleichnamigen Preis, zu dem ich ja hinschickte und den ich bevor er eingestellt wurde, auch ein paarmal gewonnen habe, durch das Handbuch der IG-Autoren kennengelernt.

Primus Heinz Kucher hat schon bei der Präsentation von den Literatur- und Filmkritiken von Fritz Rosenfeld, der dann später als Kinderbuchautor Friedrich Feld durch die Gaben der Wiener Kinderfreunde bei mir Einzug gehalten hat und dessen Bücher auch in dem großen Harlander Bücherregal stehen, denn ich bin ja eine Sammlerin und werfe nichts weg, berichtet und Evelyn Adunka, die Historikin, die ich regelmäßig bei den “Krarmer- und anderen Veranstaltungen” sehe, hat sich in ihrem Beitrag ausführlich mit der jüdischen Arbeiterbewegung der “Poale Zion” befaßt, von der ich, wie ich zugeben muß, nicht sehr viel wußte.

Dann folgen zwei Artikel zur Musik und zwar der von Derek Weber, der auch bei der Präsentation über die Rolle des Arbeitersynphonieorchesters referierte, während sich Irene Suchy mit der “Arbeiterinnengesangskultur” beschäftigte.

Im dem Teil der sich mit der “Zerstörung” auseinandersetzt, wird zuerst von der Rolle der Arbeiterkammer berichtet, dann kommt Eva Gebers Beitrag zum “Frauenkampf” und Peter Zimmermanns Beitrag zur “Zerstörung der Arbeiterkultur im zwanzigsten Jahrhundert in Deutschland”, geht sogar soweitin die Zukunft, daß er sich mit Günter Wallraff, Max von der Grün und dem “Werkkreis zur Literatur der Arbeitswelt” auseinandersetzt, wo es ja in den Siebzigerjahren, bei “Fischer”, glaube ich, eine eigene Taschenbuchreihe gab und was den “Max Grün Preis betrifft”, der ja einige Zeit von der AK in Linz vergeben wurde, da habe ich mich auch beteiligt, aber nie etwas gewonnen. Nur einmal wäre ich fast in die engere Wahl gekommen.

Dann folgen zwei Fallbeispiele. So erzählt Yves Müller von der “Köpeniker Blutwoche”, wo die Nazis in den Dreißigerjahren in die Laubenkolonien der Arbeiter bei Potsdam eindrangen und die1928 in Deutschland geborene Vera Freud erzählt anhand des Kinderfreundeliedes “Wir sind jung die Welt ist offen”, das für mich auch eine große Rolle spielte, weil ich ja einige Jahre lang in einer Tanzgruppe der Wiener Kinderfreunde war und auch die Sommer regelmäßig in diesbezüglichen Ferienlagern verbrachte, das Schicksal der gleichaltrigen Dorli Löbl, die mit ihr in Frankreich in einem Kinderheim war und 1942 nach ihrem vierzehnten Geburtstag von den Nazis vergast wurde.

Weiter kommen ein paar Beispielen, wie sich man als Schriftsteller in der NS-Zeit verhalten konnte.

Der Arbeiterschriftsteller, Sexualkämpfer und “Schundheftschreiber” Johann Ferch hat um Aufnahme in die Reichschriftkammer gebeten und war verärgert, daß ihm das nicht gleich gewährt wurde, während die Arzttochter Lyrikerin und Komponistin Hedda Wagner in die innere Emigration ging.

Dann beschäftigt sich Konstantin Kaiser mit dem Volksbildner Otto Koenig, dem Vater des Verhaltensforschers mit den Graugänsen, der der Beitrag heißt “Zwischen Goethe und und Sozialismus” angesiedelt ist.

Traude Bollauf hat ihren Beitrag über Stella Klein-Löw, die als Hausangestellte nach England ging und nach dem Krieg in der Raalgasse Lehrerin war, schon bei der Präsentation vorgestellt und für mich besonders interessant war der Beitrag über Fritz Brügel, dem Schöpfer “Der Arbeiter von Wien”. Er hat auch noch die “Februarballade”, die vom Ausland glaube ich in das austrofasihistische Wien geschmuggelt wurde und das “Flüsterlied” geschrieben.

Dann kommen Erinnerungen oder die Beiträge der Erben von damals, so erinnert sich eine Frau an ihre Kindergarten Erlebnisse in Sandtleiten in dem berühmten Gemeidebau, der ja auch eine Arbeiterbibliothek hat, in der ich mir als Hauptschülerin eine Zeitlang Bücher ausborgte, obwohl ich ja nicht so ein Bibliothekstyp bin und mit den Bibliothekarinennen auch keine so gute Erfahrungen machte.

Dort wurden die Kinder bevor sie in die Schule kamen in den Prater ausgeführt, durften mit den Ringelspielen fahren und bekamen im Restaurant Eisvogel wahrscheinlich ein Kracherl.

Und Peter Schwarz, der das ESRA leitet, erinnert sich an den Widerstand, den seine Mutter und Großmutter in Sandtleiten leisteten.

Vorher war noch einmal Konstantin  Kaiser mit einem Beitrag zum “Verschwinden der Arbeiterkultur” am Wort, aber wie schon geschrieben, ich kann ihm da, da ich doch den Ausfschwung unter Kreisky, der freien Straßenbahnfahrt, dem freien Hochschulzugang, den Schulbüchern, etcetera erleben konnte, nicht ganz zustimmen.

Aber natürlich habe ich auch ein bißchen, die “Verbürgerlichung” meines Vaters erlebt, der nach dem Krieg endlich ein paar große Reisen machen konnte, die Mutter hat im Alter wieder ihre katholischen Wurzeln entdeckt und hat mich, die nicht getaufte, auch in der Schule am Religionsunterricht teilnehmen lassen.

Das hat bei mir nicht gefruchtet und ich habe den sozialistischen Gemeidebau auch ein bißchen als Kontrolle erlebt. Ich habe nach meinem Fertig werden,  auch einige Zeit die Kindergärten der “Kinderfreunde” als Psychologin betreut.

Als ich dort angestellt werden wollte, mußte ich in die SPÖ eintreten. Ich bin wieder ausgetreten und habe bald die Kommunisten gewählt, wähle sie immer noch und gehe am ersten Mai auch vors Paralment und nicht oder erst später oder zwischen durch auf den Rathausplatz, wo jetzt ja die Herren im schwarzen Anzug und mit  den Krwatten stehen und wenn wir Pech haben, haben wir bald wieder eine schwarz-blaue Regierung.

Der Niedergang der Arbeiterkultur hat für mich aber eher erst mit der Einstellung der Arbeiterzeitung, der Abschaffung des freien Hochschulzugangs, den Neoliberalismus, der Generation Praktikum etcetera begonnen und erlebe den Verlust des Sozialismus, wenn ich meinen Kritiker Uli über die “Linken” schimpfen und die Identitären vom “Schreitern von Multikulti” reden höre.

Im Herzen bin ich immer noch eine Sozialistin, meine da auch vielleicht die, die ich gar nicht so erlebt habe.

Lese am Volkssctimmefest und wenn man  wissen will, was Arbeiterkultur ab den Siebzigerjahren war, kann man das warhscheinlich ein bißchen in meinen Blogartikeln und Büchern finden.

Ostende

Vom Bodensee geht es jetzt nach Ostende und von der Zerstörung der Arbeiterkultur in den Sommer 1936, wo sich Stefan Zweig, Joseph Roth und noch einige andere aus Deutschland Vertriebene trafen.

Ich habe mich ja im vorigen Jahre für meine “Berührungen” intensiv mit Stefan Zweig beschäftigt, da fast alles, was ich im Hause hatte von ihm gelesen, die Ausnahme war die Biografie von Marie Antoinette aus der Arbeiterbibliothek meiner Eltern, denn die hatte ich noch in meiner Hauptschulzeit gelesen und wollte es nicht nochmals  tun.

Da bin ich auch auf zwei Bücher über Stefan Zweig gestoßen, nämlich auf Volker Weidermanns, dem 1969 in Darmstadt geborenen, der jetzt das literarische Quartett moderiert, “Ostende” gestoßen, sowie auf Ulrich Weinzierls “Stefan Zweigs brennendes Geheimnis”, wo dieser nachweisen will, daß Zweig ein Exhibionist und Homosexuell gewesen ist.

Etwas, was ich mit Skepsis  betrachtet, es geht mich auch nichts an, auf das Weidermann-Buch war ich aber sehr neugierig und hoffte es irgendwann in einem der Bücherschränke zu finden. Dann bin ich im März nach Leipzig gefahren, habe mich dort mit Ulrike Meier von “Kiepenheuer & Witsch” getroffen, die mit mir die Herbstvorschau ihres Verlags durchgegangen ist und mich darauf hinwies, von VolkerWeidermann wird ein neues Buch erscheinen.

Da habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht “Ostende” schicken könne?

Sie tat es und jetzt habe ich das knapp über hundertfünzig Seiten dünne Büchlein gelesen, das, wie man vielleicht sagen könnte, ein Zeitbild von 1936 gibt, wo sich Stefan Zweig mit seiner damaligen Sekretärin, die auch schon seine Geliebte war, Lotte Altmann nach Ostende begab, um eifrig seine Bücher zu schreiben. Deshalb sollte das Fräulein Lotte auch die Schreibmaschine mitbringen und, wie Volker Weidermann meint, noch einen schönen Sommer zu verleben, bevor der Krieg ausbrach und das Anfang vom Ende begann.

Zweig ist schon einmal, nämlich 1914 in Ostende, wo ja auch ein Krieg begonne hat, gewesen und er war mit Joseph Roth befreundet, dem Monarchisten und Trinker, der damals schon so versoffen war, daß Stefan Zweig dem amerikanischen Verleger vor dem Abfall der Qualität warnte, worauf sich der weigerte, die weiteren Bücher zu verlegen. Sonst hat Zweig, der Millionär, wie er im Buch genannt wird, Roth aber finanziell untersützt. Hat ihm zuerst eine Hose und dann noch eine Anzugjacke nähen lassen und sich mit ihm auch regelmäßgi im Cafe Flore getroffen. Er hat auch geschaut, daß der Trinker regelmäßig eine warme Mahlzeit zu sich nahm und an die frische Luft kam, was Roth nicht so wollte, weil, wie er laut Volker Weidermann sagte, “Die Fische ja auch nicht in Kaffeehaus gingen.”

Es gab aber noch andere Künstler, die im Sommer 1936 Ostende besuchten. Eine davon war die einzige Nichtjüdin in der Runde, nämlich Irmgard Keun, deren Bücher aber von den Nazis verboten wurden. Sie klagte zwar dagegen, hatte aber keine Chance. So kam sie nach Ostende, verliebte sich in Roth, der wie Volker Weidermann erkärt, schon dünn wie ein Gespenst war und kaum Zähne mehr hatte und begann mit ihm eine Beziehung, wo er sie, wie Weidermann schreibt zum Trinken, sie, ihn davon wegbringen wollte, aber Roth hat gesiegt.

Außerdem war noch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch mit seiner Frau Gisela da, das Ehepaar Troller, Hermann Kesten und Arthur Koestler und Volker Weidermann erzählt ein bißchen die Bigorafien der Freunde “Sommer der Freundschaft”, ist ja der Untertitel, aber auch was sonst noch in diesem Jahr passierte.

Schuschnigg ließ sich auf einen Pakt mit Hitler ein, in Deutschland gab es die olympischen Spiele, Klaus Mann hat seinen “Mephisto” herausgebracht und als der Sommer zu Ende war, zerstoben die Freunde in alle Richtungen.

Zweig fuhr zuerst zum Pen-Kongreß nach Argentinien und dann zum ersten Mal nach Brasilien um zu erkunden, ob das Land eine Lebensform für ihm wäre, wo er sich ja 1942 umbrachte.

Der Film “Vor der Morgenröte”– “Ich grüße alle meine Freunde, mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!”, zeigt davon.

Joseph Roth befand sich in finaziellen Nöten, ging mit Irmgard Keun nach Paris, wo sie sich bald von ihm trennte und starb  im Mai 1939.

Irmagard Keun wurde  in den Siebzigerjahren durch die Zeitschrift “Emma” wiederentdeckt. Da habe ich jedenfalls von ihr gehört, mir ihre Bücher gekauft und gelesen und Volker Weidermanns Zeitbild über den Sommer 1936 kann ich allen an der Geschichte und der Literatur interessierten sehr emfpehlen und mein Buch über die Schreibkrisen und das Theaterstück einer jungen Exil-Iranerin, wo sie Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 2. 1934 im Cafe Central treffen, natürlich auch.

Zwei Herren am Strand

Ich habe mir auf unserer Bodensee-Radrundfahrt ja eifrig heimische, sprich Vorarlberger Literatur mitgenommen. Literatur von Vorarlberger Autoren, obwohl der Bodensee ja nur zu einem eher kleinen Teil in Österreich liegt.

Aber Schweizer- Bodensee-Autoren sind mir keine eingefalen, von den deutschen nur der Martin Walser, der aber dort lebt und auch sehr viel darüber schreibt, während der Vorarlberger Michael Köhlmeier, zwar  in Hard am Bodensee, wo wir, glaube ich, waren und ein Eis gegessen haben, geboren wurde, aber in Hohenems und in Wien lebt.

In Hohenems sind wir, dank Erika Kronabitter und der Konditorei, wo man sehr gute Schokolade kaufen konnte, auch gewesen und der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist mir auch ein Begriff.

Also ein Vorarlberger und kein so besonderer Bodensee-Autor, aber als wir mit Erika Kronabitter im Bregenzer Wald gewesen sind und Clou am Rande dort ausgerechnet Antonio Fian und das Kollegium Kalksburg hörten, hat der erstere, als Zugabe auch eine Köhlmeier Hommage gebracht, beziehungsweise sich in einem Dramulette darüber lustig gemacht, daß der das Telefonbuch vorliest und alle sind begeistert und wollen die CDs haben.

Michael Köhlmeier ist ein fleißiger Schreiber, er ist auch, glaube ich, GAV-Mitglied und ich kann mich an eine GAV- GV vor Jahrzehnten erinnern, wo Thomas Rothschild  aufstand und sagte, er würde jetzt das Buch des Mitgliedes Köhlmeier lesen.

Damals war er mir noch nicht so ein Begriff, inzwischen habe ich einiges von ihm gelesen und gefunden und die “Zwei Herren am Strand”, ein Buch über Charlie Chaplin und Winston Churchill, beziehungsweise über die Depressionen der zwei berühmten Männer stand 2014 auf der Longlist des dBps.

Da waren wir, wieder Detail am Rande gerade im Elsaß urlauben und sind einen Tag nach Bekanntgabe der Liste nach Ansbuach zurückgekommen, wo mir die freundliche Buchhändlerin die Liste ausdruckte.

Damals habe ich noch nicht Buchpreis gelesen, das Buch aber später einmal im “Wortschatz” oder im “Bücherschrank” gefunden und es noch nicht gelesen. Was lag also näher, als es auf meine Leseliste zu setzen und es auf die Radreise mitzunehmen?

Eigentlich nichts, außer daß es  gar nichts mit dem Bodensee zu tun hat und Michael Köhlmeier auch nicht sehr oder doch vielleicht wieder, denn wir sind ja zweimal kurz in Hohenems gewesen, haben da zwar Michael Köhlmeier genausowenig gesehen, wie in Überlingen Martin Walser.

Das Buch habe ich aber in Konstanz zu lesen angefangen, dann in Rorschach weiter gelesen und im Hotel Bodensee in Bregenz beendet und es spielt hauptsächlich in Amerika, wo  laut Michael Köhlmeier, also wieder nicht sehr klar, ob jetzt wirklich oder erfunden, Charlie Caplin und Winston Churchill bei einer Party in Sanct Monica aufeinander trafen, dort am Strand spazierengingen und beide eine Freundschaft für das Leben schlossen.

Das Buch ist in fünf Teile gedliedert und wird von einem wahrscheinlich wieder fiktiven Ich-Erzähler erzählt, der höchstwahrscheinlich nicht Michael Köhlmeier ist, sondern von seinem Vater Unterlagen vererbt  bekam und jetzt schildert er in fünf Teilen einen Teil des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert auch Charlie Chaplins Flme “Der Tramp”, “Der Große Diktator” und und und…

Ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Michael Köhlmeier, keine Chaplin Spezialistin und habe, glaube ich, auch keinen dieser Filme gesehen und von Winston Churchill war ich bis jetzt nur sehr erstaunt, daß der 1953 den “Nobelpreis für Literatur” bekommen hat.

Wie bitte? Das war doch ein Staatsmann und Politiker und hat trotzdem hitstorische Romane geschrieben. Laut Köhlmaeier soll er in seinen Depressionen auch gemalt haben und die Depression wird in dem Buch “der schwarze Hund” genannt.

Roman steht in dem Buch und es ist wieder keiner, sondern biografphische Episoden über die beiden Männer. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern in den fünf Teilen hin und hergesprungen und die Buchhändlerin in der Margaretenstraße, die ich ja irgendwie in Verdacht habe, daß es ihr Leseexemplar ist, das ich da auf meiner Radrundfahrt gelesen habe, hat mir im Vorjahr, als ich nach dem Leseprobenbüchlein des östBp fragte, das Buch sehr empfohlen.

Es sei besser als das “Mädchen mit dem Fingerhut” hat sie gemeint. Das kann ich nicht beurteilen, denn “Deuticke” oder “Hanser” schicken mir ja keine Rezensionsexemplare und bei diesen war ich vielleicht nicht in der richtigen Stimmung, interessiere ich mich ja ganz ehrlich weder so besonders für Charlie Chaplin, als für Winston Churchill und in diesen Fall war ich auch eher an Bodenseebezügen interessiert.

Aber wir haben in dem Schloßcafe Fenkart in Hohenems Kaffee getrunken und Schokolade für die Anna eingekauft und die “Idylle mit Hund” muß ich erst lesen, das “Mädchen mit dem Fingerhut” finden, der “Joel Spzierer” hat mir, soweit ich mich erinnern kann, gefallen und die letzte Köhlmeier-Helfer Lesung in der “Alte Schmiede” habe ich leider versäumt, weil ich eine achtzehn Uhr Stunde hatte und dann zu spät hingekommen wäre.

La Leguna

Jetzt kommt die Besprechung des dritten Buches das mir der “Wortreich-Verlag” freundlicherweise in Leipzig gegeben hat, denn Erika Kronabitters “La Leguna”, habe ich unbedingt auf der Bodensee-Radrundfahrt lesen wollen, zu der wir die Ruth ja zu ihrem siebzigsten Geburtstag eingeladen habe, da wir sie dort getroffen haben.

Ich kenne die 1959 in der Steiermark geborene und derzeit in Bregenz und in Wien lebende Erika Kronabitter ja schon lange, als eine eher experimentelle Autorin, die sich sehr für Friederike Mayröcker interessiert, die “Friederiken-Briefe” herausgegeben hat und ein Buch zum neunzigsten Geburtstag der F. M.

Kennengelernt habe ich sie, glaube ich, 2000 bei einer Versteigerung im Literaturhaus, wo sie, glaube ich, ihr Nachthemd zur Verfügung stellte, denn sie ist eine sehr umtriebige, engagierte Frau und als ich meine “Mittleren II” nicht mehr im Wiener Literaturhaus machen konnte, hat sie mich diesbezüglich nach Feldkirch eingeladen und 2005 war ich auch bei ihrer “Text und Kritik-Werkstatt”.

Ein paar Bücher habe ich von ihr schon gelesen und sie bei den “Wilden Worten” und auch bei anderen Veranstaltungen gehört und so war ich jetzt auch erstaunt, über ihren 2016 bei “Wortreich” erschienen Roman, der ja sehr realistisch ist.

Eine Mischung aus Autobiografie und Fiktion steht, glaube ich, auch im Klappentext und es geht, glaube ich, auch um ihren Vater, der tatsächlich in Teneriffa verunglückt ist.

Im Buch geht es aber um viel mehr, denn Erika Kronabitter vermischt gekonnt, eine Familiengeschichte mit einem ungeklärten Kriminalfall, der vielleicht keiner war, ein reales Flugzeugunglück kommt vor und die zeitlichen Abfolgen werden auch immer wieder vermischt, so daß das Lesen sehr spannend bleibt.

Mal sind wir in den Neunziger-, mal in den Fünziger-, mal in den Achtzigerjahren und nach und nach führt uns Erika Kronabitter in ihre oder in die Familiengeschichte von Elena ein, die ihren Vater in Tenariffa unter merkwürdigen Umständen verloren hat.

Jetzt fliegt sie hin, um über sein Schicksal Näheres zu erfahren, wird aber durch ihre Flugangst sehr behindert und sie denkt auch an Hanna, ihe Mutter, die vom Land in die Stadt gegangen ist, um dort Beppo, einen Lebenskünstler kennenzulernen.

Leider war der aber schon verheiratet und konnte sich von seiner Frau nicht trennen, so verließ Hanna ihn, zog mit ihren zwei Kindern wieder aufs Land zurück, um sich dort doch zu verheiraten.

Elena forscht aber dem Schicksal ihres Vaters nach, denn dessen Todesumstände sind rätselhaft und werden in den Dokumenten auch fehlerhaft wiedergegeben und so erfahren wir von Beppo, beziehungsweise seinem Freund Larek, der von ihm den Auftrag bekommen hat, für einen alten Grafen zu sorgen.

Larek soll ihn für ihn  bis zu seinem Tod pflegen und dann sein Schloß erben. Aber der lebenslustige alte Herr macht ihm einen Strich durch die Rechnung, will nicht sterben, sondern sein Geld lieber in ein Anti Aging Programm investieren, was ihn vielleicht unsterblich macht.

So unterschiebt Larek ihm bei einem Herzanfal das falsche Medikament. Der Graf stirbt, Larek verkauft das Schloß und investiert in Teneriffa und der Elektriker Beppo soll auch dorthin kommen und seine Wohnbauanlagen ausstatten und stirbt vielleicht, weil er auf Lareks Geheimnis gekommen ist.

Erika Kronabitter deutet nur an, macht Wendungen, zieht Schlingen, geht vom Krimi wieder in die Familiengeschichte zurück, läßt alle offen und am Ende könte alles anders gewesen sein oder auch nicht.

Das Geheimnis wird nicht geklärt und ich habe jetzt eine sehr realistische Erika Kronabitter kennengelernt, deren Schreibweise mich manchmal fast an den Ton von Ruth Aspöcks Familiengeschichten erinnert hat und mit der ich in Bregenz auch über ihr Buch sprechen konnte, in das sie mir, beziehungsweise für das “Literaturgeflüster”, für das ich es ja bespreche, auch eine liebe Widmung hineingeschrieben hat.

Mit Martin Walser unterwegs am Bodensee

Auch wenn man keine besondere Literaturexpertin ist, kommt man wahrscheinlich um Martin Walser nicht herum, wenn man auf einer Radreise um den Bodensee “Literatur vor Ort”, in die Fahrradtaschen packen will und so ist mir neben Arno Geiger und Michael Köhlmeier, Erika Kronabitter ist dann ja fast zufällig noch dazu gekommen, auch Martin Walser, von dem ich “Augenblick der Liebe” auf meiner Leseliste hatte, eingefallen, da der ja 1927 am Bodensee geboren wurde und dort auch noch heute lebt.

Daß der dann vor kurzem noch seinen neunzigsten Geburtstag feierte, ist noch ein besonderer Zufall und wahrscheinlich auch, daß wir in dem Weingut vor Meersburg auf das der Alfred durch seine Führer aufmerksam wurde, bei der Verkostung, ein Büchlein zur Region “Nirgend wär ich lieber hier – Mit Martin Walser unterwegs asm Bodensee” von den zwei Walser Spezialisten Lorenz L Göser und Elmar Ö . Kuhn, 2016 herausgegeben, gefunden habe und es mir auch kaufen ließ.

Beide Herausgeber wurden in Kressbronn geboren und haben in dem Büchlein, die Orte zusammengesucht, die in den Walser-Romanen vorkommen, Bilder dazugegeben und das Ganze mit Stellen aus einigen seiner Bücher zitiert.

Ich habe das Buch, das ist vielleicht auch ein Detail am Rande, nicht am Bodensee, sondern auf unserer Schifffahrt nach Stein am Rhein gelesen, mir dazu aber die Bodenseelandkarte aufgeschlagen und so kann ich das Büchlein allen, die sich für Literatur oder auch für Martin Walser interessieren, auf einer Bodenseereise sehr empfehlen.

Für Walser-Experten eignet es sich wahrscheinlich ganz besonders, denn wenn man nicht alle Romane gelesen oder in Kopf hat, fällt es einem wahrscheinlich nicht sehr leicht, sich bei den natürlich nur kurzen Textauszügen auszukennen. Es kann und soll aber wahrschehinlich anregen, mehr und intensiver Walser zu lesen und dazu ist das Buch auch sehr geeignet.

Ich habe es  gelesen, als ich mit dem 2004 erschienenen “Augenblick der Liebe”, das ja  auch am Bodensee spielt, fast fertig war.

Das Buch kommt hier aber nicht vor, wohl aber der Vorgänger “Das Schwanenhaus”, dann auch die “Tagebücher” “Ein fliehendes Pferd”, “Der springenden Brunnen”, den ich  ein paar Tage später, in Feldkrich im dortigen Bücherschrank gefunden habe, aber gar nicht mehr weiß, ob ich es schon gelesen habe oder nicht, es also, wenn ich nicht schon so viele Bücher hätte, wahrscheinlich wieder lesen solle

Martin Walser ist ja ein Vielschreiber und er scheint sich gern und viel auf den Bodensee zu beziehen und so ist das Buch, das ein Vorwort von Lorenz Göser hat, auch in die verschiedenen Orte eingeteilt und am besten nimmt man es auf seine Bodenseereise mit und liest sich an den entsprechenden Orten in die entsprechenden Werke ein.

Ich habe das in dem Landgasthaus in Sipplingen getan. Da wird das “Schewanenhaus” zitiert und hier kommt das Sipplinger Kirchlein vor und natürlich kann man wahrscheinlich auch durch Überlingen oder Nußdorf gehen,  wo der Dichter ja wohnen soll.

Wir sind ein paar Stunden in Überlingen spazierengegangen und da ist es ja ganz interessant, sich vorzustellen, daß einem Martin Walser begegnen könnte, wie er vielleicht zum Zahnarzt geht und dabei nach hübschen jungen Frauen Ausschau hält oder sich ausdenkt, wie er das in seinem nächsten Buch beschreiben könnte.

In dem Buch wird bei “Überlingen” die “Seelenarbeit”, die “Tagebücher” und das “Fliehende Pferd” zitiert und ein eigenes Kapitel, das den Ort Überlingen behandelt gibt es  auch.

Es gibt ein Glossar, wo man die entsprechenden Orte nachschlagen kann, auch eine Bodenseekarte, wenn man keine eigene bei sich hat und am Schluß gibt es  ein Foto von Martin Walser, wo er vom See wegspazigert und man dann vom “S Wasserburger Johr – wia`n as amol gsi isch” aus den “Heilige Brocken, Aufsätze, Prosa, Gedichte, aus 1986”, lesen kann, wenn man den Dialekt versteht.

Wo er recht hat hat er recht

Passend zu unserer Bodensee-Radumrundung und als Beitrag zur Vorarlberger Literatur, kommt jetzt Margit Heumanns “kurzer Krimi”, den sie mir freundlicherweise zuschickte, nachdem ich sie in der “Alten Schmieden” beim “Lichterloh-Lyrikfestival” getroffen habe, denn die 1949 geborene ist ja in Vorarlberg aufgewachsen, obwohl sie, glaube ich, in Wien lebt, denn da treffe ich sie gelegentlich bei Literaturveranstaltungen.

Bei den “Texthobeln” hat sie glaube ich, auch einmal gelesen, Pferdebücher herausgegeben und jetzt in der “Schundheftreihe” der “Unartproduktion” einen Kurzkrimi herausgegeben.

Es ist schon der fünfzehnte, der in dieser Reihe erschienen ist.

Die “Schundhefte kurz klein billig aktuell kult.urig  nachhaltig literarisch informativ” steht auch auf den Heftchenrücken des A6 Kleinformats, in dem schon Krimis von Christian Futscher, Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Petra Nachbaur und anderer erschienen sind.

Die Reihe ist eben vorarberglastig, klein, aber trotz des Dünndrucks graphisch schön, wenn auch etwas verwirrend gestaltet, denn da gibt es immer wieder querliegende Textpassagen, auf denen Wohnwägen und anderes zu sehen sind und  offenbar mit Margit Heumanns Text  nicht soviel zu tun haben, obwohl dort ein Wohnwagen eine große Rolle spielt.

Denn Paul ist ein Vorarlberger Künstler, “kein notorischer Neinsager”, schreibt Margit Heumann in ihrem Anfangssatz, der mit seiner Kätzin Emma auf Campingurlaub in die Toskana fährt.

Sie will dorthin, er würde sich in seiner Vorarlberger-Künstlerwohnung viel wohler fühlen, da er aber nicht nein sagen kann oder sie alles organisiert, fahren sie hin und dann ist er unzufrieden.

Denn es regnet ständig, die ideale Campiingzeit scheint es auch nicht zu sein, so gibt es nur ein paar anderer Camper auf dem Platz, aber einen Nachbarn dicht an dicht. Der ist ein Rentner, steht um sieben auf, fängt an zu kochen, macht Lärm, während die Nachtmenschen Paul und Emma erst um vier schlafen gehen.

Das macht Mordgedanken und da kann ich bei der metaphernreichen Geschichte, Margit Heumann scheint eine Metaphernmeisterin zu sein, gleich anmerken, daß da die “Mordsstimmung gleich bildhaft erzeugt wird, obwohl in dem Schundheftel ja eigentlich gar nicht so viel passiert.

Aber “der See hat gleich ein dunkles Geheimnis” und in der Enge des Wohnwagens haut Pauls sich gleich überall  an. So treibt es ihn hinaus auf den Platz, wo der Nachbar fröhlich sitzt und von seinen Kloproblemen spricht. Er muß nämlich nachtsauf die Toilettenanlage und da kommen schon die Mordgelüste, denn der freundliche Nachbar, lädt den Paul auf ein Mittagessen mit Speckknödel ein und die kann der gute Mann so gar nicht ausstehen, hat geradezu ein Speckknödeltrauma.

So flüchtet er mit seiner Emma in ein italienisches Restaurant und hat sogar das Glück, daß die Katzen den Speck aus den Knödel stehlen, aber die Mordgedanken sind schon geschmidet. Paul schlecht dem Nachbar nachts auf den Klogang nach, obwohl er den auch nicht ausstehen kann, sperrt die Klotür zu und dann ab ins schöne bequeme Bahnhofsklo der Stadt, denn das Schicksal rächt sich,  die Gedärme winden sich und die Kätzin Emma ruft auch noch an, hat genug vom Campingurlaub und will in ein Hotel übersiedeln.

So weit, so kurz und viel mehr ist gar nicht passiert, aber wie gesagt, die drastischen Metaphern versetzen einen in die schönste Krimistimmung und so wird die Kloanlage auch entsprechend schaudrig beschrieben:

“Der Ort für grausame Schandtaten, brutale Morde, die Todesschreie vervielfacht dacht das Echo, Blutlachen, Blutflecken, Blutspritzer pbeall, schreicklich”.

Es kommen aber auch noch andere Metapher beziehungsweise Sprichwörter vor, die zum Teil schon ziemlich abgelustscht sind, wie das von dem “Teufel und dem Weihwasser”, zum Teil aber originell und immer deutlich gründlich und klar ausgedrückt, wie  das titel gebende “Wo er recht hat hat er recht”.

Margit Heumann scheint da eine sehr pointierte Sprache zu haben und so kann ich die “Schundheft-Reihe” eine Entdeckung für mich, nur empfehlen und darauf hinweisen, daß der Verlag noch andere Publikationen hat, auf die auch genau hingewiesen wird und auf  eine “Schundheftparty” gibt es  am sechszehnten Juni um zwanzig Uhr im Gasthaus Lechner in der Wilhelm-Exner-Gasse achtundzwanzig, im neunten Bezirk auch, wo Margit Heumann lesen wird und man sich sicher mit den “Schundheften”, die man, glaube ich, auch im Abonnement zu beziehen sind, eindecken kann.

Der Augenblick der Liebe

Es ist ja vielleicht ein naheliegender Einfall ein Buch von Martin Walser mitzunehmen, wenn man um den Bodensee radeln will, ist der doch 1927 in Wasserburg geboren und so habe ich mir “Der Augenblick der Liebe” auf meine Reise einepackt, weil ich das Buch auf meiner Leseliste stehen hatte und wohl einmal im Schrank gefunden habe.

Ich habe zwar auch einmal einen “Walser” aus der Abverkaufkiste einer der damals noch auf der Wiedner Haptstraße existierenden Buchhandlungen gezogen, das wird aber “Das Schwanenhaus” gewesen sein, weil in dem jetzt gelesenen Buch, die erste Seite, in der wohl eine Widmung gestanden ist, herausgeschnitten wurde und so mußte ich erst nachgooglen, das “Der Augenblick der Liebe” 2004 erschienen ist und der erste Walser-Roman ist, der schon bei “Rohwohlt” erschien, da er sich wohl nach dem “Tod eines Kritikers” von “Suhrkamp” trennte.

Genauer kann man das wahrscheinlich in dem “Spiegel-Sonderheft” nachlesen, das zum neunzigsten Geburtstag des Dichters erschienen ist, und das mir die Ruth freundlicherweise zur Verfügung stellte, nachdem sie mitbekam, daß ich mich auf unserer Reise für den großen deutschen Dichter interessierte, obwohl so eine Walser Spezialistin bin ich eigentlich nicht.

Aber den “Tod eines Kritikers” habe ich gelesen, “Messners Gedanken”, “Ein liebender Mann” und dann noch seine “Sonntagsrede”, ein paar andere Bücher, über die ich noch nicht bloggte, höchstwahrscheinlich auch und interessant ist  daß “Im Augenblick der Liebe” derselbe Held vorkommt, der auch der Protagonist vom “Schwanenhaus” nämlich Gottlieb Zürn oder Wendelin Krall, wie er sich auch nennt und das Sujet ist wieder das Klischee, alter Mann verliebt sich in junge Frau oder auch nicht.

Das ist ja das berühmter Walser Klischee, das der das in den letzten Jahren immer wieder schreibt, ich habe  nur den Goethe Roman gelesen,  in diesen Buch, das “Schwanenhaus” muß ich erst lesen, kommt es aber auch sehr stark vor.

Das Buch hat vier Teile, “Kommen und Gehen”, “Zusammenfinden”, “Auseinanderkommen”, “Kehre” und eigentlich ist die Handlung sehr schnell erzählt.

Gottlieb Zürn ist ein Ex-Makler und Privatgelehrter, der mit seiner Frau Anna, einer erfolgreichen Immobilienmaklerin, von der er auch zu leben scheint, am Bodensee lebt und  bekommt eines Tages Besuch von einer jungen Doktorantin aus Amerika, die ihre Disseration über den französischen Philosophen La Mettrie schreibt, über den Zürn auch forschte.

Sie bringt ihm eine Sonnenblume mit. Er verliebt sich in sie, reist ihr nach nach Amerika, um dort ein Referat bei einem Kongreß zu halten, dort verliert er aber seine Stimme. So reist er wieder zurück zu Frau und Töchtern, da überfällt ihn aber die Sehnsucht nach der Geliebten. So bucht er fast wieder einen Flug, bekommt aber vorher die Nachricht, daß sie schon geheiratet hat.

So weit, so what und ein Unglück für den alten Helden und ein ganzes Kapitel über den mir bisher unbekannten Philosophen gibt es in dem Buch auch.

Ein Buch, das das Klischee bestätigen könnte, aber ich bin keine Walser-Spezialistin, habe nicht wirklich viel von ihm gelesen und bin jetzt während unserer Reise, sozusagen in das Buch, das ich in Friedrichshafen zu lesen begonnen habe, hineingefallen, denn der Ort Langenargen, durch den wir an diesen Tag geradelt sind, kommt darin vor und in Überlingen, wo Martin Walser laut dem Buch ja leben soll, in anderen Beschreibungen, wird der Ort Nußdorf genannt, sind wir sogar spazierengegangen.

Das war also sehr interessant, obwohl ich Martin Walsers Bodensee Bezüge  ja  noch in einem anderen Buch viel näher gekommen sind.

So ist mir das Klischee von dem Begehren eines alternden Mannes nach einer jungen Frau und das sich vielleicht darüber lutstig machen in sehr schönen und sehr komplizierten Worten, mit sehr schönen und sehr komplizierten Anspielungen, hängen geblieben und da ich dann noch viel später, als wir schon in Feldkirch waren, noch den  “Springenden Brunnen”, den ich möglicherweise schon gelesen habe, im Bücherschrank gefunden habe, kann ich diesen Klischee dann vielleicht auch noch nachgehen oder  die “Spiegel-Rezensionen” nachlesen, die auch den politischen Walser, den Essayisten und viele andere seiner Facetten zeigen, die er höchstwahrscheinlich auch noch hat.