Vom Rausch des Schreibens zum Musil-Archivgespräch

Ich bin auch heuer wieder nicht zu der Eröffnung der Sonderausstellung “Im Rausch des Schreibens – von Musil bis Bachmann”, im “Literaturmuseum” gekommen, denn da war, glaube ich, die “Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung” im Rathaus, was  insofern nicht so viel macht, da man  an den Veranstaltungstagen ab sechs umsonst in das Museum gehen kann und die Gratistickets, die wir damals bei der “Literaturarchiv-Führung” bekommen haben, müssen auch noch irgendwo beim Alfred liegen.

Also heute nach meiner fünf Uhr Stunde, noch schnell zum “Hofer”, Milch, Faschiertes, Bananen und Emmentaler einkaufen, hoffentlich wurde mir das bei der Hitze nicht schlecht und dann hinauf in den dritten Stock in die Sonderausstellung.

Ich habe ja am Etröffnungsabend das Kulturjournal gehört, wo darüber berichtet wurde und ich dachte, es geht wieder, um die Dichter und ihre Shreibtische, das war auch teilweise so.

Ansonsten war der Titel wieder eine ziemliche Irreführung, gab es zwar gleich am Anfang drei Korrekturfassungen eines Gerstl-Gedichts zu sehen, das glaube ich sogar “Drogenrausch” oder so hieß und dann gabs was von der Bachmamm und die FM war natürlich auch zu sehen, wie sie in ihren Zettelbergen untergeht, beziehungweise mittendrin an ihrer “Hermes” sitzt.

Aber dann ging es um den Alkohol und das Rauchen, gut, ist im Titel zu erklären und es ist auch interessant, daß es vonden Zwanziger- bis Dreißigerjahren eine Zeitschrift der Tabakindustrie mit dem Titel “Die Raucherin” gab, die den Damen das Zigarrettenrauchen schmackhaft machen sollte.

Das wäre heute undenkbar und dann lagen auch auf einmal die Romane der großen Amerikaner und die von Upton Sinclair, etcetera auf, die sich mit Opium, Nikotin und dem Rauschgift beschäftigten.

Brunngrabers “Heroin” lag nicht auf, aber vielleicht habe ich das übersehen und Joseph Roth  ist ja an seiner Alkoholsucht zugrunde gegangen.

Von ihm gabs ein Zitat, daß das Leben, beziehungsweise die Literatur nichts ohne Alkohol sei und von Robert Musil, der ja auch im Titel steht, gab es sein Rauchertagebuch zu sehen und das ist insofern interessant, wurde doch um sieben die bei “Jung und Jung” erschienene neue Werkaufsabae vorgestellt und Robert Musil scheint jetzt modern, beziehungsweise ein Jubiläumsjahr zu haben, beschäftigen sich jetzt ja einige mit dem Ulrich und bei dem Archivgespräch, Bernhard Fetz wies natürlich propmt auf das Tabaktagebuch in der Sonderausstellung hin,  wurde zuerst von Dagmar Leupold, eine “Jung und Jung-Autorin” , die mit ihren “Witwen” auf der letzten dBp Liste stand und ich eines ihrer Bücher auf meiner heurigen habe, aber vielleicht nicht zum Lesen komme und Clemens  Setz, dessen “Stunde zwischen Frau und Gitarre”  auf der 2015 dBp stand,  je ein Stückchen aus dem “Mann ohne Eigenschaften” gelesen und hier ist interessant, daß Dagmar Leupold genau diese Ausgabe mitbrachte, die ich auch 1974 vierzehn Tage Lang im Häuschen am Almweg gelesen habe und, wie ich immer hinzufüge, nicht verstanden habe.

Walter Fanta vom Musil Institut, der offenbar der Herausgeber war, saß auch am Podium, moderiert wurd von Ronald Pohl und dann gab es ein Gespräch, das die Frage beantworten sollte, was Musil der heutigen Leserschaft noch zu sagen hat und warum man ihn lesen sollte?

Das weiß ich nicht so genau und ich habe mit Zwanzig, muß ich gestehen, das Buch auch nicht so spannend gefunden, daß ich nicht zu lesen aufhören konnte.

Daß es aber um Inzest zwischen dem Ulrich und seiner Schwester Agathe geht, habe ich mir gemerkt und auch das von der Parallelaktion.

Daß das Buch unvollendet blieb, habe ich dagegen nicht gewußt und die neue Ausgabe ist auch ein kommentierte, die man offenbar auch online finden kann und dann wurde noch diskutiert, wie das Internet die Archive ändern wird und das  ist etwas, das mich sehr interessiert, weil es ja bald keine Handschiften und dann wahrscheinlich auch keine Vorläße mehr geben wird, wenn man alles im Netzt finden kann.

Walter Fanta erwähnte noch, daß Musil alles in seinem Werk verknpüfte und auf ähnliche Stellen in seinem Werk verwies.

Das mache ich in meinen “Literaturgeflüster” auch und habe da schon über dreitausend  Artikel und werde wahrscheinlich so bald oder vielleichauch nie zum Wiederlesen des “Manns” kommen, habe aber da kürztlich “Musils Möder” gelesen und jetzt das Archivgespräch, das sehr interessant und sehr gut besucht war.

Nachher bin ich mit dem Herrn Pauer, der mir erählte, daß er den “Mann” 1969  im August 1974 in vierzehn Tagen gelesen hat, während in Prag die Russen einmarschierten, zurückgegangen.

Das ist natürlich ein Ereignis, das prägt und die Erinnerung wachhält. Also kann ich sagen, daß ich damals warhscheinlich Heftchen-Romane gelesen habe, aber in dem Supermarkt, den es am Brunnenmarkt gegeben hat, einkaufen war und dort ein Glas Roten Rüben- Salat zerbrochen habe, was ich wahrscheinlich bezahlte und anschließend bin ich, glaube ich, auch zu Fuß auf den Almweg gegangen, wo ich ja damals meine Sommer verbrachte.

Noch einmal drei öffentliche Kunstprojekte

Diesmal hätte ich die Ruth als ich sie um zwei an der Ecke Oper beim Hotel Bristol treffen wollte, fast verfehlt, ist sie doch auf einer Bank bei der Straßenbahnhaltestelle gessen. sie hat mir aber schon einen Brief an Frau Danielcyck geschickt, will sie unser Projekt ja auch im MUSA vorstellen und so sind wir wieder, der Kunst im dritten Reich auf der Spur, das inzwischen von einer modernen Künstlerin transkribiert wurde, in den neunten Bezirk hinausgefahren, denn dort wurde am Thury Hof, einem Gemeindebau des roten Wiens, nach 1938 ein Recke angebracht und darunter war ein Spruch von Adolf Hitler zu lesen:

“Wir bitten dich Herr Gott, laß uns niemals wankend werden und feige sein, laß uns niemals die Pflicht vergessen, die wir über nonmmen haben”

Das steht noch immer dort, das Adolf Hitler wurde nach dem Krieg entfernt und Maria Theresia Litschauer hat 2013, eine Klammer, um die Figur angebracht und sie mit einem Band zu einer Inschrifttafel verbunden, worauf man lesen kann, daß 1938 den jüdischen Mietern die Wohnung gekündet wurde.

Das war sehr interessant zu sehen, was es alles noch an Rest- NS-Kunst zu bemerken gibt. Dann wurde es noch historischer oder vielmehr moderner, denn wir sind wieder nach Aspern hinausgefahren.

Da war ich in den letzten Wochen schon zweimal, habe die Seestadt bewundert und auch auf einer Informationstafel erfahren, daß es dort bis 1927 den damals größten Flughafen gab.

Daß es schon viel früher die Schlacht von Aspern, die Napoeon verloren hat, habe ich schon in der Schule gelernt und nun gibt es in der U-Bahn Station Aspern Nord, die “Aspern Affairs” des deutschen Künstlers Stephan Huber, an den beiden Seitenwänden und auch sonst überall angebracht, die meiner Meinung nach eine Themenverfehlung sind, denn Aspern hat 1809, glaube ich, noch nicht zu Wien gehört.

Er hat aber auf der einen Tafel all die Ereignisse, die zwischen 1800 und 1830 in Wien geschehen sind, also beispielsweise die Eröffnung des Theaters in der Josefstadt und auf der anderen Seite das Ganze ein Jahrhundert später und hat hier so vermerkt, daß Sigmund Freud beklagte, daß die Psychoanalyse nirgendswo mehr mißachtet, wie in Wien werden würden.

Dann ging es, weil es so weit in der  Pampa wahrscheinlich kein Kaffeehaus gab in dem wir uns stärken konnten, nach Wien zurück, zum Rathaus und in die Konditorei Sluka, wo sich auch ein paar Jungbürger niederlassen haben, die wahrscheinlich gerade im Rathaus gefeiert wurden und ein Gläschen Wein tranken.

Wir wollten uns aber noch mit Fritz Wotrubas “Großer stehendder Figur beschäftigen, die dieser 1962, als er aus der Schweizer Emigration zurückgekommen war, dorthin stellte, um zu zeigen, daß man das Gegenständliche zugunsten der geometrischen Abstraktkion auflösen kann.

Interessant, elf Kunstwerke haben wir auf diese Art schon beschrieben. Am Mittwoch wollen wir uns am Karlsplatz noch einmal treffen. Das Projekt ist bei der GAV eingereicht und wird bei der GV besprochen werden.Ich schreibe die letzten Texte noch rein, bin dann gespannt und werde mich wieder mehr meinen Fortsetzungsgeschichten widmen, die ja mein persönliches Schreibprojekt sind, mit dem ich mich in den Monaten Mai und Juni beschäftige.

Tram 83

Graz scheint wieder oder immer noch die Literaturhauptstadt Österreichs zu sein oder zumindest eine, die Gespür für die aktuelle Lage und die aktuellen Trends hat.

Hat doch ConstanzeMatthes auf dem “Buchpreis-Blog” im Vorjahr beklagt, daß es keine aktuellen gesellschaftspolitischen Tendenen, die die sich auf Flucht und Vertreibung beziehen beispielsweise, sondern immer nur den Einheitsbrei des Familienromans und des Männerleidens auf der LL gibt und da lese ich ein halbes Jahr später meine Geburtstagsbücher und merke, das stimmt nicht ganz.

Zwar waren weder Fiston Mwanza Mujila noch Tomer Gardi auf der Liste, können sie vielleicht auch gar nicht, weil der eine Afrikaner, der andere Israeli, der eine lebt aber in Graz, der andere war dort Stipendiat und sie beschreiben diese Tendenzen, spielen damit, gehen darüber hinaus.

Tomer Gardi hat es mit “Broken German” versucht und damit nicht in Klagenfurt gewonnen, der Debutroman des 1981 in der demokratischen Republik Kongo geborenen Fiston Mwanza Muljia wurde aber sehr gelobt und hat, aus dem Französischen übersetzt, auch schon viele Preise gewonnen.

Ich, die ich beim Lesen ja die Struktur und die Handlung brauche, habe mir beim Lesen zwar etwas schwer getan, das Buch, das mit Hieronymus Boschs Farbenvielfalt verglichen wird, hat mich an Dos Passos “Manhatten Transfer” erinnert und  bin wieder etwas skeptisch, ob es in einem afrikanischen Nachtlokal so zugeht, aber der Autor den ich ja bei “Literatur und Wein” in Krems erleben konnte, sprüht wirklich durch seine Sprachgewalt und dazu hat er noch eine sehr laute Stimme mit der er sie einbringen kann.

Was in dem Buch passiert, ist entweder schnell oder wahrscheinlich gar nicht zu erzählen. In dem Nachtlokal “Tram 83”, das in der afrikanischen Großstadt “Stadtland” liegt, von wo alle aus dem Hinterland herkommen, treffen sich Nacht für Nacht die Prostituieren, die Touristen, die Gauner, die  Mienenarbeiter, die Verlierer, die Profiteure und und, wie im Klappentext steht, um ihre Geschäfte zu machen und ihr Vergnügen zu haben und da treffen sich auch die ungleichen Freunde, Lucien der Schriftsteller und der Klein- oder Großgauner  Requiem, einen belgischen Verleger und einen abtrünnigen General, der das Geschick des Landes lenkt oder in den Untergang führt, gibt es auch.

Das Ganze wird auf über zweihundert Seiten, in dreiunddreißig Kapiteln erzählt und es gibt, wie schon erwähnt, keine Handlung und auch keine Chronologie.

Die Kapitel bestehen eher aus Schreigesängen mit immer gleichen Sätzen, einer starken Sprache und Wortneuschöpfungen.

So besteht das Publikum, das sich in den Lokal trifft aus den “Küken”, beziehungsweise den “Single-Mamis”, die von den Freiern ihr Geld haben wollen und ihnen dafür alles und immer nur das Beste versprechen.

“Eine riesige Aufgabe, die Frauen, die ins Tram 83 kamen, zuzuorden. Alle führten einen eisernen Kampf gegen das Altern. Eine Einteilung war nicht ganz ohne, da waren die unter Sechzehnjährigen, Küken genannt, die Single-Mamis, also die zwischen Zwanzig und Vierzigjährigen, auch dann Single-Mamis genannt, wenn sie gar keine Kinder hatten, und schließlich die Frauen- ohne- Alter, deren festes Alter bei einundvierzig lag. Keine von ihnen konnte sich eine Falte erlauben. Man sah sie nie ohne Schminke, sie trugen falsche Brüste, alle Mittel waren recht um die Kunden zu ködern, und sie trugen fremd klingende Namen, wie Marylyn Monroe oder Sylvie Vartan oder RomySchneider oder Bessie Smidt, Marlene Dietrich oder Simone de Beauvoir, alles war recht um der Welt zu zeigen, dass es sie gab”

Solche Passagen ziehen sich durch das ganze Buch.

Es gibt dann auch immer wieder die Sätze, wie “Was sagt die Uhr?” oder “Wo ist mein Trinkgeld?”, denn die Kellnerinnen und Aushilfskellnerinnen verlangen das von ihren Kunden und werden sehr ungehalten, wenn man  es ihnen  verweigert.

Seltsamerweise geht es in dem Buch aber auch sehr viel um Literatur und manchmal klingt es wie ein Schreibratgeber:

“Jedem politischen Regime lieferst du die passende Literatur. Du schreibst ein episches Gedicht über die Frisur der Frau des Präsidenten, und man schenkt dir  ein Haus, einen Monolog, der den Traum des Ministers für Wahrsagen, Hellsehen und Prophezeien aufgreifgt, und man bezahlt dir eine Reise nach Venedig.”

Lucien, der seine Frau verloren hat und aus dem Gefängnis in das Lokal zurückkommt, will dort eine Lesung halten. Die mißglückt, er bekommt auch einen Anruf von dem belgischen Verleger, der sein Buch drucken will. Da schaltet sich aber Requiem ein und erpresst ihn das nicht zu tun, denn seine Mädchen machen immer Aufnahmen von den Kunden, die könnte er dann in die Zeitung bringen und den Verleger ruinieren, ins Gefägnis bringen lassen, etcetera.

So stolpern wir durch das Buch von Kapitel und Kapitel, staunen über die Sprachgewalt und die schönen neuen Worte, in denen das Leben hier passiert.

Manchmal kommt Requiem, des Nachts nach Hause und das Blut quillt von seinen Kleidern, er stopft das erbeutete Geld in Müllsäcke ohne es auszugeben und man weiß nicht wirklich, was hier passiert und worum es geht?

Bibelzitate kommen immer wieder vor und eine Diva, die wie die Callas ausschaut und sehr schön singt .

Und der Verleger von Requiem erpresst versucht dann auch Lucien hinzuhalten, in dem er ihn seit Stück zuerst von zwanzig auf zehn Personen, dann auf zwei umarbeiten und es ihm dann auch noch in den brasilanischen Urwald versetzen läßt.

Ich bezweifle eigentlich, daß so etwas in einem Nachtclub einer afrikanischen Großstadt passiert und, daß sich die Verlierer und Gewinner dort für Literatur interessieren.

Aber richtig, die Lesung ist  mißlungen, obwohl ich auch nicht wirklich mitbekommen habe, wieso und Fiston Mwanza Mujia unterrichtet in Graz afrikanische Literatur und kennt sich deshalb auch sehr gut aus.

Eine groteske Stelle gibt es in dem Buch auch noch, die ich erwähnen sollte. Lucien  wurde ja verhaftet, kommt ins Gefängnis, wird dort gefoltert und dann von einer Frau ausgelöst.

Das Kapitel, das das beschreibt hat die Überschrift “Das Wiener Konservatorium”, weil der Genera,l der dort foltert sich sehr für klassische Musik interessiert und daher den Gefangenen in ihren Zellen Rimski – Korsakow, Tschaikowski, Strawinsky, etcetera, vorspielen läßt.

Dazu habe ich Assozioen und Anknüpfpunkte. Es werden in den Lokal oder in dem Land auch Hunde gegessen und es gibt dann Hundeschützer, die die armen Tiere vor ihrem Tod retten wollen. Denn in Europa haben es die Hunde besser werden von ihren Besitzern gehätschelt und getätschelt, es gibt Hundecafes, Hundegeschäfte, Hundekliniken, etcetera und am Schluß geht das Gerücht um, daß der abtrünnige General, das Lokal schließen läßt, so daß die drei Freunde, Requiem, Lucien und der Verleger wieder fliehen müssen.

Von der Wien-Erforschung zur Schule der Dichtung

Ich mache ja immer gerne Wien-Tage und habe mir während meiner Strohwitwenzeit, abgeseehen vom öffentlichen Raum mit der Ruth, ja eher das mir unbekannte Wien, also die Randbezirke vorgenommen oder sagen wir, das hat sich so ergeben, daß ich zweimal in der Seestadt war beziehungsweise das erste Mal nach ihr suchte und dann fiel mir ein, daß der zehnte Bezirk mit dem Laaerberg und dem böhmischen Prater ein genauso unbekannter Ort für mich ist.

Das heißt im böhmischen Prater war ich einmal vor circa dreißig Jahren mit der Anna und der Monika Jensen, die inzwischen schon verstorben ist und meine Klienten erzählen mir manchmal vom Kurpark Oberlaa so habe ich mich entschlossen, den heutigen Samstag diesbezüglich zu benützen und es ist auch ein langer Auslflugstag geworden, weil es am Abend ja das Fest der “Schule für Dichtung” im Rabenhof gegeben hat.

Sonst bin ich nach meineen Recherchetagen oft schon nach ein paar Stunden zurückgekommen, diesmal dachte ich, ich sollte vielleicht vom Laaerberg direkt zum Rabenhof gehen, nur wußte ich nicht, wie das geht und auf meinen Stadtplänen kam mir auch nicht Erleuchtung, nur daß der Laaerberg nicht so weit von Simmering entfernt ist und Simmering nicht so weit vom dritten Bezirk.

Also bin ich über den Reumannplatz losgezogen und ab dem Reumannplatz war mir die Gegend ziemlich unbekannt, bis dahin kein Problem, denn da habe ich ja manchmal meine Cousine Irmi besucht, die dort  eine Wohnung hat.

Ich habe schon um halb zwölf die erste Rast beim Mc Donald`s auf der Favoritenstraße gemacht, um mir einen Cheese burger de luxe, den ich ja gerne habe und ein Bananenshake gekauft und das Ganze in einem sehr schönen und sehr sonnigen Hinterhofgarten gegessen.

Danach die Laaerbergstraße an vielen Neubauten losmarschiert, Den böhmischen Prater habe ich dann gleich gefunden, dann kam das Erholungsgebiet Laaer Wald und da hat es ein bißchen zu regnen angefangen, so daß ich mich dort auf kein Bankerl, wie ich es eigentlich wollte, legen konnte, sondern habe bei einer Bushaltestelle in der Bitterlichstraße Halt gemacht und dort herausbekommen, daß der Bus nach Simmering fährt.

Weil sich das Wetter aber wieder gebessert hat, bin ich zuerst in den Kurpark Oberlaaa gegangen, den ich nicht gleich, weil eine Baustelle gefunden habe, dann habe ich aber meinen Mittagsschlaf im Kurpark vor einem sehr schönen Springbrunnen gehalten, habe der Konditorei Oberlaa, beziehungsweise deren Klo, einen Besuch abgestattet und am Rückweg ganz zufällig den anderen Teil des Erholungsgebietes gefunden, nämlich einen tollen Park mit Skulpturen, Kinderspielplatz etcetera, der 1974 im Rahmen der WIG eröffnet wurde, wie ich auf verschiedenen Tafeln las.

Also eine neue Entdeckung und den Weg zum Rabenhof über die Simmeringerhauptstraße habe ich dann auch gefunden, dort war ich schon um halb sieben, um acht hats angefangen, die Zählkarten konnten man sich ab sieben abholen, so habe ich den Einzug der Besucher auf einem Bankerl beobachtet und die “Schule der Dichtung” ist mir vielleicht auch, weil sehr experimentell, ein wenig fremd.

Vor fünfundzwanzig Jahren wurde sie von Ide Hintze gegründet. Da kann ich mich an eine GAV-GV erinnerin, wo er den Vorschalag einbrachte. Er hat mich dann auch einmal angerufen, um sich bei mir wegen des “Arbeitskreises schreibender Frauen” zu erkundigen.

Zu einer Mitarbeit ist es aber nicht gekommen, denn ich ich bin ja nicht experimentell so habe ich mir die Werkshow immer bei “Rund um die Burg” angeschaut,Nick Cave hat dort unterrichtet, Falco, Allain Ginsberg, Gert Jonke etcetera und Falko war sogar im Programm, als angefragt angekündigt.

Seminare habe ich dort auch keine besucht, wohl aber der ebenfalls realistisch schreibende Luis Stabauer, der hat einen Kurs bei Nora Gomringer gebucht und dann seinen Text mit den anderen der Gruppe beim “Schamrock-Festival” im Literaturhaus vorgetragen.

Fritz Ostermayer, der jetztige Leiter, Ide Hintze ist vor fünf Jahren gestorben, scheint ein Witzpolt zu sein und so ist nicht nur Falco erschienen sondern auch Antonio Fian der sein Dramulett über die “Schule der Dichtung” lesen sollte nicht, denn dessen Dramulette werden jetzt in Klagenfurt aufgeführt und da wollte er bei der Premiere dabei sein und so haben Judith  Nica Pfeifer und Frithz Ostermayer das Dramulette gelesen, das der “Schule  für Dichtung” gewidment ist.

Vorher gab es aber noch einen projezierten Buchstabensalat, denn die”Schule  für Dichtung” arbeitet auch sehr viusuell. So schlängelten sich Buchstaben auf die große Zahl fünfundzwanzig und einen Sprechchor gab es auch. Dann kam Gerhard Rühm, der glaube ich auch ein Lehrer der Schule für Dichtung ist und brachte mit seiner Frau einige Sprechstücke und gab dann noch sehr alte Chansons aus den fünfziger oder sechziger Jahren zum besten.

Dann gabs eine Pause und dann noch zwei kurze Konhzerte nämlich “Worried men and Worried Boy”, das ist der Frotsänger der “Worried man skiffle group” mit seinen Sonn und deren Lieder, vor allem die des Vater Bayer, Okopenlo und Rühm Vertonungen “Glaubst i bin bled” haben mir sehr gefallen.

Das zweite Konert gab Anne Cotten mit ihrer Schwester und dann wurde, wie Fritz Ostermeyer erklärte, gefeiert. Es gab aber kein Buffet, vielleicht hat das im internen Bereich im Künstlerzimmmer stattgefunden und so bin ich nach Hause gegangen, um meinen Bericht zu bloggen, denn das wurde ich am Klo gefragt, ob ich das wiedertun würde?

Ja natürlich , denn das “Literaturgeflüster” ist sehr wichtig für mich und dann werde ich mich meinen realistischen Fortsetzungsgeschichten widmen, denn eine visuelle experimentelle Poetin bin ich ja nicht, obwohl mir das Motto der sfd “Viva la poesie” sehr gut gefällt und das Fest sicherlich ein Höhepunkt meiner Strohwitwenzeit war, das heoßt halt, der Tag für Elfriede Gerstl war auch sehr intensiv und da hat es ein Buffet gegeben und es haben die anwesenden Autoren auch mit mir gesprochen.

Lange Nacht der Kirchen

Ich bin ja nicht gläubig und auchnicht getauft, nach dem Wunsch meiner Mutter, die katholisch war, aber so erzogen, das heißt den Religionsunterricht besucht und so habe ich immer ein wenig Probleme, wenn mich derAlfred auf Reisen in eine Kirche schleppt.

Denn eigentlich denke ich, ich will da nicht hin, es ist aber sicher ein Kunstwerk, das man besucht haben sollte, wenn man in Rom oder auch nur in Kroatien oder am Bodensee ist und vor ein paar Wochen, als ich nach dem Fensterputzen und vor unserer Radrundfahrt zwei Stunden durch die Stadt marschierte, habe ich das Programm der langen “Nacht der Kirchen”, das hat die dicke eines Taschenbuchs, entdeckt und mitgenommen.

Interessant habe ich gedacht und eigentlich aus oben erwähnten Gründen nicht wirklich vorgehabt, dort hinzugehen, ich war auch noch nie diesbezüglich unterwegs.

Dann habe ich mir aber gedacht, daß das wirklich interessant ist und ich habe  mir in den zwei Schreib- und Recherchemonaten ja auch vorgenommen habe, wie ein Tourist die Stadt zu erforschen.

Aber dann gehe ich nicht nach Schönbrunn und lege dort zehn Euro für das Ticket hinund zahle auch nicht den Eintritt in die Karlskirche, aber in der “Langen Nacht der Kirchen” ist ja im Gegensatz zu dem der Museen alles umsonst.

Und anschauen kann ich mir das Programm ja einmal, hätte es am Freitag außer einem Poetry Slam im Literaturhaus, wo man eine Stunde vorher dortsein muß und dann doch ganz hinten sitzt und nchts sieht, nicht viel gegeben.

Also ich versäume ja nichts, wenn ich ich nicht zu Hause bin und will  ohnehin die Stadt erforschen und nächste Woche, die letzte, wo der Alfred noch nicht da ist, bleibe ich ab Donnerstag ohnehin zu Hause, lese meine Bücher in der Badewanne, gehe am Freitag zwar zur “Schundheftparty”, aber die ist erst am Abend und außer meine Bücher lesen, mache ich einen Fortsetzungsgeschichtenmarathon, sofern der Computer, der ja knapp am Engehen ist, mich läßt und es noch eine Woche aushält.

Und wenn man sich das Programm durchsieht, findet man auch einiges, da gibt es Gottesdienste und Mediationen, die lasse ich aus und ich brauche mich auch nicht für einen Kochkurs anmelden, habe aber ich gesehen, da gibt es ganz vorne von den städischen Fremdenführern drei Themenführungen, die erste, die bei der Landstraßer Hauüptstraße begann, ließ ich aus, weil um fünf eine Stunde, aber um siebenzur Minoritenkirche ist es sich ausgegangen und die ist mir  bekannt, liegt ja gleich um die Ecke das Bundeskanzleramt und dorthin gehe ich manchmal zu literarischen Veranstaltungen, jetzt ging es “Hoch hinaus”, nämlich zu den Türmen und als ich zehn vor sieben dort eintraf, wurden gerade die ersten Führungen zusammengestellt.

Eine freundliche Dame stellte sich als staatlich geprüfte Fremdenführerin vor, wurde gleich von ihren Freunden begrüßt und zeigte uns die Türme der Minoritenkirche, dann die der Kirche am Hof, vor dem Michaelaplatz und der Hofburg, da habe ich gar nicht gewußt, daß es eine solche gibt, obwohl ich  oft genug daran vorübergehe, wenn ich in die “Gesellschaft für Literatur” will.

Dann ging es über St. Peter natürlich nach St. Stephan, dorthin kreuzt sich ja alles Sakrale, zumindestens im ersten Bezirk und dann bin ich kurz in den Dom hinein, wo es sehr voll war, gerade ein Gospelssingen stattfand und ich den Dompfarrer Toni Faber im Gespräch mit einer Dame sah und dann zurück zur Peterskirche zur Themenführung Nummer drei, zu den Heiligen, die verborgen in den Wiener Ecken lauern und da gibt es ja einige Petrus Abbildungen an der Peterskirche und am Graben den Leopold- und den Josefbrunnen und weil das so spannend war, habe ich mich gleich der nächste Führung angeschlossen, die die Runde von der anderen Seite machte und seltsamerweise etwas ganz anderes erzählte.

Dann hatte ich mir noch zwei Programmpunkte herausgesucht, nämlich die eintrittsfreie Besichtung der Karlskirche und dann ein Konert in der Barnabitenkirche. Aber dorthin bin ich nicht gekommen, denn die Karlskirche bot zu jeder vollen Stunde ein Orgelkonzert an, dann um viertel eine kurze Kirchenführung, wo der Führer am Altar stand und auf alles Sehenswerte zeigte und um halb sangen Sänger der Musikakademie Brünn Kirchenarien. Aber der Höhepunkt war, daß man sich für den Panaramalift anstellen konnte, um die Fresken von Johann Michael Rottmayr live zu bewundern.

“Achtung lange Schlangen vor dem Lift!”, stand warnend im Programm, dann war es nicht so arg, die wirklichen Schlagen gab es dort, wo man auf die Aussichtsterrasse und zum Glockenturm gehen konnte. Denn dort ließen sie einen nur hinauf, wenn jemand hinunterkam und die lange Nacht war eigentlich wieder nur ein Abend bis Mitternacht, so daß ich Glück hatte, ziemlich bei den letzten zu sein, die noch hinaufdurften und eigentlich hätte mich die Aussicht auf Wien am meisten interessiert. Die Attraktion war aber der Glockenturm und da durften  nur maximal vier Leute hin, um zwölf wurde das Licht abgedreht und ich war so ziemlich bei den letzten, die die Leiter hochklettern durfte, da habe ich durch die Sladky Wanderungen schon Übung, obwohl ich eine Tasche und keinen Rucksack hatte und die Glocke hat mich dann  nicht so interessiert.

Aber sonst war es fein, ein tolles Feeling, ein Stück Wien das ich noch nie gesehen habe und dabei habe ich  nur einen Bruchteil der langen Nacht besichtigt.

Literarisches war war nicht sehr viel dabei, aber vielleicht kann ich es für meine Fortsetzungsgeschichten verwenden, habe ich bei der Minoritenkirche doch einen Mönch oder Priester im wallenden schwarzen Rock auf ein Fahrrad steigen sehen und auf den Turm ist vor mir auch eine junge Nonne hinaufgeklettert und die älteren Oberpfadfinder mit den Hängebäuchen und den roten Krawatten waren auch sehr interessant.

Chucks

Heuer ist, könnte man so sagen, ein Cornelia Travnicek-Lesejahr, habe ich doch von der 1987, ich glaube, im Krankenhaus St. Pölten geborenen und in Traismauer aufgewachsenen, schon sehr viel gelesen.

“Junge Hunde” ihren zweiten bei DVA erschienen Roman, das Weihnachtsbuch von 2015, dann den kürzlich erschienenen Gedichtband “Parablüh”, eine Hommage auf Sylvia Plath und jetzt “Chucks”, das, glaube ich, 2011 erschienen ist.

Mein Buch, es ist die dritte Auflage, stammt aus 2013 und ich habe es, als ich mich auf einen Recherchetag befand, bei “Thalia” auf der Mariahilferstraße, ich glaube, um einen Euro neunundneunzig, gefunden.

Es wird irgendwie als Jugendbuch gehandelt, hat doch Cornelia Travnicek, die inzwischen auch schon dreißig ist, ein Jugendstipendium dafür erhalten und mit einem Kapitel daraus, einen der der “Fm4-Preise”.

Beim Lesen bleibt wahrscheinlich immer der letzte Eindruck hängen. So würde ich fast sagen, es ist die beste Travnicek, die ich gelesen habe und ich habe mit dem Otto auch öfter darüber diskutiert, welche literarische Bedeutung sie hat.

Was auffällt sind die genauen Beschreibungen und immer wieder sehr schöne ungewöhnlich klingende Sätze.

Da bleibt ja schon das Anfangszitat “Ich unterdrücke ein Gähnen, weil sich das nicht gehört, dass man gähnt, wenn jemand stirbt.”, haften.

Ich habe mir aber eine Menge solcher schöner Sätze angestrichen und für mich sehr angenehm, daß das was da erzählt wird, erstaunlich realistisch ist, wenn auch nicht linear beschrieben wird.

Da hüpft Cornelia Travnicek sogar auffällig anstrengend herum, so daß das Lesen und Mitkommen und das Beantworten der Frage “Wann war das jetzt?”, gar nicht so einfach ist.

Und die junge Mae, sie ist, glaube ich, Mitte zwanzig, wie ihre Autorin beim Zeitpunkt des Schreibens, hat, wie das heute leider auch nicht mehrso ungewöhnlich ist, sehr viel erlebt.

Sehr viele Traumatisierungen kommen da zusammen. Auch wenn Cornelia Travnicek da dick aufträgt. Wahrscheinlich auftragen muß, weil das die Lektoren und die Leser so wollen, daß alles übertrieben ist und nur das Schlimmste, was man erlebt hat,uählt und wer hat davon mehr aufzuweisen?

Mae verliert also ihren Bruder an Krebs, als sie acht ist und er zwölf oder sie zwölf und er vierzehn und sie stellt sich die Krankheit Krebs, wie das ihre Eltern ihr erklärten, auch so vor, daß ein kleiner Krebs im Inneren des Körpers sitzt und frißt und frißt.

Er hinterläßt ein paar nagelneue teure Chucks, die sie fortan trägt und die Mutter entdeckt ein fremdes Unterhöschen im Koffer des ständig abwesenden Vaters und schmeißt ihn hinaus.

Mae bekommt dann Mitten in der Pubertät Probleme mit  der Mutter, will nicht mehr in die Schule gehen und schließt sich der Punkerin Tamara an.

Mit ihr zieht sie eine Zeitlang durch die Straßen, kommt aber davon los und zieht zu einem Jakob, einen als sehr fad und gewissenhaft beschriebenen Architekten. Trotzdem hat sie noch eine Jugendstrafe anzuarbeiten und tut das im Aidshilfe-Haus.

Dort lernt sie Paul kennen, verläßt Jakob, zieht zu ihm, schaut ihm dann irgendwann einmal zu, wie er stirbt und verkneift sich dabvei das Gähnen.

Vorher versöhnt sie sich noch mit ihrer Mutter und sammelt, was man ein wenig zu dick  aufgetragen und kitschig empfinden könnte, Pauls Sperma, seine Haare,  seine Atemluft und seine Zehennägel in Tupperdöschen, um die Erinnerung an ihn zu bewahren.

Trotzdem oder vielleicht deshalb zieht sie wieder zu dem ruhigen Jakob zurück und das Leben geht weiter.

Wär schön, wenn das immer so einfach wäre. Aber trotz der linearen Sprünge ist das Buch angenehm zu lesen oder natürlich nicht. Denn einmal, als es an das Sterben ging, hat es mich erwischt und die Augen wurden feucht, was mir nicht so oft passiert.

Trotzdem würde ich wieder sagen. Es ist sehr schön konstruiert und vielleicht deshalb nicht so ganz glaubhaft, aber was weiß man schon so genau?

Das hat einmal, Cornelia Travnicek zu mir gesagt, als ich sie zu der Besprechung zu den “Mittleren IV”, wo sie ja gelesen hat, einlud und sie nicht wußte, ob sie kommen könne.

Jetzt muß ich nur noch “spannung, spiel und schokolade” lesen, was sie mir einmal zu meinem Geburtstagsfest mitbrachte und ich hätte die Travnicek durch.

Das heißt, stimmt gar nicht, das erste Buch, das jetzt vergriffen ist, habe ich nicht gelesen und auch nicht den in der “Edition Berger” erschienenen Gedichtband.

Und verfilmt ist “Cucks” übrigens inzwischen auch schon geworden.

Elfriede Gerstl Tag

Am sechzehnten Juni wäre Elfriede Gerstl fünfundachtzig Jahre alt geworden. Deshalb hat das Intitutu für Germanistik heute in der “Alten Schmiede” eine Elfriede Gerstl-Tagung abgehalten.

Dann gabs eine “Stunde der literarischen Erleuchtung” und im Anschluß wurde der Band fünf der bei “Droschl” erschienenen Werkausgabe”Das vorläufige Bleibende” vorgestellt und ich kenne die 1932 geborene ganz gut.

War sozusagen ein Fan von ihr. Habe mir irgendwann, als ich noch in der Otto Bauergasse wohnte,die “Wiener Mischung” gekauft und bin ihr auch manchmal begegnet, wenn ich durch Wien gegangen bin.

War sie doch auch eine begnadete Flaneurin. Dann habe ich durch GAV direktenKontakt zu ihr gekommen. Sie hat, weil sie wahrscheinlich schwer nein sagen konnte, einmal bei meinem Geburtstagsfest gelesen undals es im “Semper Depot” das große neue “Wespenetnfest” gab und ich keine Einladung hatte, wil ich ja nicht zu denhundert bedeutensten österreichischen Autoren zähle, hat sie mich einfach dazu mitgenommen.

2009 ist sie gestorben. ich war be ihrem Begräbnis, habe einige Bcher von ihr gelesen, war bei einigen Veranstaltungen und habe “Die berechtigten Fragen” aus dem dem Jahr 1973 auch einmal im Bücherschrank gefunden und als an einem sechztehnten Juni die Bücherschrank-Lesung in der Grundsteingasse war, habe ich dort nicht nur aus der “Mimi”, sondern auch ein Stückchen ihr zu Ehren daraus gelesen und der “Droschl Verlag” hat nach ihrem Tod eine Werkausgabe von ihr zusammengestellt.

Da wa ich bei allen Präsentationen, eigentlich hätten es vier Bände werden sollen.

Aber weil so viel unveröffentlichtes Maerial vorhanden war, gibtes einen fünften Band und das Symposoum “.. bin ich aus Sprache”hat um elf  begonnen.

Da bin ich zwar,weil ich noch eine zehn Uhr Stunde schon lange eingeteilt hatte, ein bißchen hu spät gekommen und habe daher, was sicherlich sehr schade ist, den Vortrag über das Frühwerk fast versäumt, nur aus der Diskussionen mitbekommen, daß Elfriede Gerstl Schwieigkeiten hatten, sich in der Gruppe um Hermann Hakel zu behaupten.

Dann kam schon Alexandra Millner an die Reihe und referierte über Elfriede Gerstls Hörspiele oder über die “Berechtigten Fragen”, die ich  auch einmal in einer Lesetheateraufführung hörte, weil die “Frauen lesen Frauen” Elfriede Gerstl, die ja schwer nein nasgen konnte, bevorzugt zu ihren Veranstaltungen eingeladen haben, damit Leute kommen, weil sie ja nach dem sie spät aber noch den “Trrakl” und den “Fried-Preis” im selben Jahrb bekommen hat, sowas wie berühmt geworden ist.

Ihr war der späte Ruhmso gar nicht recht, da sie sich in den fünziger Jhren ja sehr durchkämfpen mußte und vom Kulgturamt nicht die Unterstüzung bekommen hat, die sie brauchte.

Dann gab es eine Mittagspause, die Referenten wurden zum Essen eingeladen, ich habe mir in einem der Asia- Garbuden, die es am Schwedenplatz gibt, kleine Chicken Noodles geholt, dann ein Eis in dem berühnmten Eissalon am Schwedenplatz und bin danach ins tschechische Zetrum in die Herrengasse gewandert, denn da gab es einen” Tag der offenen Tür,” wo tschechische Heilbäder vorgestellt wurden und man dazu Kaffee und Kuchen, sowie andere Schmankerln bekommen hat.

Dann ging es weiter mit einem Vortrag eines Sprachwissenschaftlers über das Wienerische bei Elfriede Gerstl und als Kontrast dazu kam ein Pole, der Elfriede Gerstl gerade übersetzt und über seine diesbezügliche Schwierigkeiten dabei berichtete.

Dann gab es eine Pause, mit wieder Kaffee und Kuchen und dann stellte Katharina Serles, die in Wien Germankistik studierte, aber jetzt gerade in Desdenabeitet, Elfriede Gerstl multimedial vor.

Das heißt, sie zeigte Bilder und Filme über sie. Zeigte so das Atelier in der Kettenbrückengasse, wo sie ihr Kleiderlager hatteund ich sie einmal hinbegleitet habe, weil wir beide ins MUSAzu einer Aichinger-Veranstaltung nicht mehr hinein gekommen sind.

Dann gabs wieder eine Pause, wo ich ein bißchen am Donaukanal entlangflanierte und dann ging es in den Keller, wo Teresa Präaauer und Franh Schuh in der “Stunde der literarischen Erleuchtung” Texte aus der  neuen Werkausgabe lasen und dazu kommentierten.

Danach wurde die Werkausgabe vorgestellt und es gab eine Podiumsdiskussion mit Herbert J. Wimmer, der ja Elfriede Gerstls Lebensmensch war, Franz Schuh, Konstanze Fliedl, Christa Gürtler und Doron Rabinovici, wo auch die Frage diskustiert wurde, was von Elfriede Gerstl bleiben wirdẞ

Das ist wahrscheinlich genausowenig klar,wie ob sie jetzt eine Rand oder Kultfigur ist und ob sich die jungen Leuten  sehr für sie interessieren?

Es gab aber im Anschluß ein sterisches Buffet, das der “Droschl- Verlag” stiftete, mit Wein,  Aufstrichen und Apfelstrudel und die ganze literarische Prominenz ist dazu gekommen, so daß ich mich mit Manfred Chobot, Mathias Fallenstein, Gustav Ernst etcetera unterhalten konnte.

Vom Centrope ins Literaturhaus und in die Galerie Lindner

Heute war wieder ein literarischer Tag könnte man so meinen oder eigentlich auch nicht.

Am Vormittag vier Stunden, dann mit einem Umweg über den Bücherschrank, wo ich nicht fündig wurde, in die “Dokumentationsstelle für Mittel- und Osteuropäische Literatur zum Centrope Workshop”, wo wir uns inzwischen mit den Sujets befassten und Stephan Teichgräber Bücher von Beppo Beyerl, Anna Kim und den Peter Esterhazy, den ich vor ein paar Wochen gefunden habe, als ich zum orkshop oder vielleicht auch in die Hauptbücherei ging.

Ich habe das Buch jedenfalls einmal mitgenommen, dann auf meinen Schlafzimmerstapel gelegt, der inzwischen schon riesig ist und wenn man in den Büchern das Sujet analysiert, erklärte Stephan Teichgräber, kann man eine diesbezüpgliche Analyse machen und weiß alles bezüglich der Motive und der Fabeln und braucht keine Inhaltsanalyse mehr geben.

Davon komme ich so schnell wohl nicht los und will das auch nicht wirklich und der Philosoph, der mit mir das Workshop besucht, bot sich an, das nächste Mal “Den Meister und Margarita” zu analysieren.

Das gehört zwar zur russischen Literatur und nicht zu der des Centropes, ist aber sicher interessant und bezüglich des Abendprogramms hätte es auch einige Alternativen gegeben.

So gab es ein “Worldpress-Treffen” ganz in meiner Nähe, irgendwo im fünften und in der Hauptbücherei stellte Sybille Haman Shida Bazyar die “Bloggerdebutpreisgewinnerin” vor.

Das wäre zwar ganz interessant gewesen, mich ihr als ein Mitglied der Jury vorzustellen, aber ich gehe eigentlich nicht so gerne zu Veranstaltungen, wo ich schon das Buch gelesen habe, außerdem hätte man sich anmelden müssen und im Literaturhaus gab es eine Performance zum Thema Kannibalismus, beziehungsweise zum “Menschen fressen”.

Das ist zwar nicht ganz mein Thema, aber sicher interessant, wie Barbara Zwiefelhofer in der Einleitung erwähnte und Maria Seisenbacher, die mit Hermann Nikklas zur “Wortwerft” gehört, habe ich schon einmal in der “Gesellschaft für Literatur” gehört.

Dazu kam noch eine Tänzerin, nämlich Marlene Wolfsberger und die drei, barfuß mit schwarzen T-Shirt und Jeans, hatten ein Programm erarbeitet, wo sie vom Hänsel und Gretel wo, es ja auch um das Menschenfressen, bis zu japanischen Texten, Krimifällen, da gibt es ja einiges an Kaniballismus in der Kriminalgeschichte, bis zu eigenen Texten, eine interessante Performance bote.

Das Publikum war mir wieder gänzlich unbekannt, hat also vermutlich aus Freunden und Verwandten der Veranstalter bestanden und Maria Seisenbacher, das muß ich  erwähnen, war sehr freundlich und hat mir ganz genau erklärt, wie es zu der Veranstaltung gekommen ist.

Ich habe mich mit ihr länger unterhalten und  am Rückweg dann doch noch in der Galerie Lindner vorbeigeschaut, wo es eine Vernissage gab.

“Weissbruch” von Annete Haas und Denise Winter.

Die Frau Lindner und die Anna Lindner mit ihrem Sohn waren da und ich habe mich bei derletztern erkundigt, ob sie morgen zum “Gerstl-Symposium” in die “Alte Schmiede” kommt.

Sie kommt, hat sie mir gesagt und ich habe das auch vor, so daß auch der morgige Tag wahrscheinlich auch sehr literarisch werden wird.

Schreibgruppe: Denkmäler

Heute abend wieder Schreibgruppe und mit Ausnahme des Roberts der ja einen Achillessehnenriß hat, sind auch alle gekommen und ich hatte wieder vor eine Szene beziehungsweise eine Challenge-Geschichte zu schreiben, die dann ab Juli ein Roman werden wird.

Da hatte ich ja schon gestern, die mit dem Unvorhersehbaren geschrieben und hatte da noch drei, vier Schreibimpulse, die ich als Thema einbringen wollte.

Da ist mir aber dann die Ruth zuvor gekommen und hat als Thema Denkmäler vorgeschlagen, wahrscheinlich als Referenz auf unsere Erkundungen bezüglich öffentlichen Raum und ich habe gedacht, macht ja nichts, denn ich hatte  ohnehin vor, daß sich die Mathilde mit dem Moritz am Albertinaplatz vor dem Hrdlicka-Denkmal trifft.

Dem Peter Czak schien das Thema gar nicht recht zu sein und er hat sich dann auch als ein Denkmalgegner erwiesen, dabei ist die Doris Kloimstein gerade dabei eines zu errichtet, das im September einer Kindergartenpädagogin gewidmet, in St. Pölten aufgestellt werden wird.

Klaus Khittl hat mit den Wörtern gespielt und mir eine Themenverfehlung vorgeworfen, was ja auch stimmt, denn mir war das Thema  nur Mittel zum Zweck und ich habe auch schon lange beschlossen, die Schreibabende, wenn es gerade passt, meiner Romanentstehung zu widmen und habe auch schon mehrmals geschrieben, daß ich gerade das äußerst kreativ und spannend finde.

Die Ruth hat dagegen überraschend nicht zu unserem öffentlichen Raum sondern über Kriegerdenkmäler geschrieben und nun voila das “Zusammentreffen auf dem Albertinaplatz”.

Einen eigenen Hrdlicka-Denkmal -Text gibt es ja auch schon und denn werde ich, wenn sie stattfindet und wir dorthin gehen, bei unserer Veranstaltung im nächsten Jahr vortragen.

“Das Hrdlicka-Denkmal am Albertinaplatz ist ein sehr berühmtes und auch umstrittenes Monument, des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka, der damit dem dritten Reich und der da stattgefundenen Judenverfolgung etwas dagegen setzten wollte.

“Ein sehr berühmtes Denkmal!”, dachte Mathilde und erinnerte sich an den Widerstand, der zu Zeiten seiner Errichtung durch die Kronenzeitung ausgerufen wurde. Damals war sie eine alleinerziehende Mutter der halbwüchsigen pubertierenden Lily gewesen. Heute war die Tochter längst erwachsen und Kuratorin am österreichischen Kulturinstitut in New York.

Alfred Hrdlicka gestorben und der Stein des Anstoßes, der den Boden aufreibende Jude, der von den Touristen oft nicht als solcher erkannt wurde, so daß sie sich daraufsetzten und die Ruhe des Ortes störten, war inzwischen mit Stacheldraht umhüllt worden, so daß niemand die weihevolle  Stimmung des Gedenkens untergraben konnte.

Es gab, wie Mathilde sah, als sie den Platz betrat, vor dem sich schon ein paar Japaner mit  ihren Handies und Kameras aufgestellt hatten, um die drei Stelen der Erinnerung für das Fotoalbum oder die Facebookseite festzuhalten, auch sonst keine Sitzgelegenheit auf dem großen Platz.

Keine Bank zum Ausruhen und Verweilen, so daß es vielleicht gar keine so gute Idee gewesen war, sich mit Moritz hier zu treffen.

Aber dieser hatte, als er sie am Morgen angerufen hatte, ihr vorgeschlagen, sich mit ihm um zwei hier zu treffen, um alles Weitere zu besprechen. Und sie war zu baff oder auch zu einfallslos gewesen, einen anderen Ort vorzuschlagen. Hatte sie doch ganz ehrlich nicht einmal gewußt, ob sie ihm treffen und was ihm als Antwort geben sollte.

“Laß uns abhauen und irgendwo neu anfangen, Mathilde!”, hatte er bei Natalies Begräbnis zu ihr gesagt und ihr sein Handy mit dem Schnappschuß von seinem Reisebus hingehalten und sie war zu baff gewesen, irgendwas darauf zu antworten.

Er hatte ihr die Ratlosigkeit von der Nasenspitze abgesehen, ihr beruhigend zugelächelt und sanft ihre Hand gedrückt.

“Keine Sorge, Mathilde, du kannst dir Zeit lassen und dir alles in Ruhe überlegen. Ich wollte dich nicht überfallen!”, hatte er zu ihr gesagt und hinzugefügt, daß er jetzt erst einmal nach Berlin zurückfahren und seine Koffer packen werde.

Das war vor sechs Wochen gewesen.Sechs Wochen in denen sie Zeit hatte, nachzudenken und heute um halb neun, hatte er sie angerufen und sie, um sich ihre Antwort anzuhören, hierher auf den großen Platz, zu dem Mahnmal gegen Krieg und Faschismus, bestellt.

Wollte ihre Antwort hören, die sie noch immer nicht wußte, obwohl sie in den letzten Wochen Zeit gehabt hatte, darüber nachzudenken und sie auch Lily angerufen hatte, um sich mit ihr darüber zu unterhalten. Aber die hatte ihr auch keinen Rat geben können. Hatte sie stattdessen nach ihrem Vater gefragt, denn Natalie mußte in ihrer Todesstunde, die Reue überkommen haben. Jedenfalls hatte sie durch einen Notar einen Brief an Lily geschickt, in dem sie ihr mitteilte, daß Moritz ihr Vater war.

“Einen schönen Nachmittag, Mathilde!”, hörte sie jetzt hinter sich seine dunkle Stimme, sah ihn auftauchen, sich vor sie stellen und ihr eine kleine rose und eine kitschige kleine Souvenierschachtel in der sich sicher Sisy-Taler oder Mozart-Kugeln befanden, hinzuhalten.

“Schön, daß du gekommen bist! Du bist sehr pünktlich! Hast du lange auf mich gewartet?”, fragte er und ließ ihren Blick über das “Tor der Hölle” und den Stacheldraht umwickeltenStraßenwaschenden Juden  schweifen. Dann schien auch er zu realisieren, daß es auf den berühmten Platz keine Sitzgelegenheit zu geben schien, den er drehte sich noch einmal um und deutete auf den Schanigarten, den es vor dem Augustinerkeller gab hin, berührte ihr Hand und sagte leise “Komm, laß uns dort Platz nehmen, Mathilde! Ich lade dich gerne auf einen Kaffee oder ein Glas Rotwein ein!”

Weitere Texte aus dem Fortsetzungsgescichtenprojekt gibt es hier: 1 2 3

Wiedergutmachung

“Ich habe noch etwas Unvorhergesehenes getan. Bis heute!”, hatte Natalie gedacht und ertappte sich dabei, daß sie sich mit der Hand über ihre Stirn fuhr und dann durch das kleine Zimmer schaute, das ihr im Hospitz am Weissensee, das sie seit einiger Zeit bewohnte, zur Verfügung stand.

Sie würde es nicht mehr lange bewohnen, das sah sie an den Blicken ihrer Ärzte, wenn sie morgens zur Visite, obwohl das hier nicht so hieß, ihr Zimmer betraten und mußte, ob der Verlegenheit, die sie darin sah, fast ein wenig lachen.

Denn sie machte das nicht verlegen und war das genausowenig,  wie das  nichts Unvorhergesehene in ihrem Leben vorgekommen war. Bei ihr und da war sie stolz darauf, war alles geplant und durchdacht geschehen.

Obwohl der Krebs natürlich nicht. Den hatte sie nicht eingeplant und der hielt sie jetzt fest, hatte sie in das Hospitz  gebracht und würde  sie nach ihrer Ärzte Meinung, wohl auch bald veranlaßen, dieses zu verlassen. Das heißt, da würde sie nicht selber gehen. Da würde man sie schon aus diesen hinaustragen und dann in Wien, am Zentralfrieddhof, im Grab der Eltern, auch das hatte sie geplant und ihren Notar veranlaßt, das für sie zu organiseren, begraben werden. Und der, Dr. Balthasar Höllmoser, er hieß wirklich so, da konnte sie nichts dafür und sie hatte ihn auch nicht seines Namens wegen ausgesucht, hatte verständnisvoll genickt und  sehr vorsichtig hinzugefügt, daß es Zeit wäre, alles noch nicht Erledigte zuerledigen, wenn noch etwas offen sein solle.

“Aber daran brauche ich Sie wohl nicht zu erinnern, gnädige Frau, Frau Doktor Lichtenberg-Schmidt!”, hatte er noch hinzugefügt und, wenn sie es nicht verhindert hätte, wohl wirklich und wahrhaftig ihre Hand geküßt.

Sie hatte es verhindert. Denn sie war nicht sentimental. Hatte  kühl und  beherrscht “Selbstverständlich, Herr Doktor, keine Sorge, da müssen Sie nichts befürchten!”, gewantwortet und jetzt lag sie in ihrem Hospitzbett umgeben von Apparaten, Schläuchen und Medikamenten, erwartete ihren Tod und hatte nachzudenken, ob  noch etwas Vergessenes  zu erledigen war?

Das hatte sie, früher, als sie noch in ihrer Praxis in der Tautenzienstraße tätig war, immer zu ihrem Patienten so gesagt, denn sie war Zeit ihres Lebens mit Leib und Seele Psychoanalytikerin gewesen und hatte höchstwahrscheinlich doch etwas vergessen.

Denn sonst hätte sie nicht mit vierundsechzig der Krebs eingeholt, der ihrem Leben bald ein Ende machen würde, sagte man doch, daß er nur kam, wenn man etwas verdrängte und, daß das nicht passierte, damit hatte sie sich ihr ganzes Leben befaßt.

Bei den anderen hatte sie das getan, denn sie war eine perfekte Analytikerin gewesen. Das sagten ihr auch ihre Feinde nach und trotzdem mußte es so sein, daß sie etwas vergessen hatte. Sonst wäre das kleine Schalentierchen, ihr Pankreatzerl, wie sie es mehr oder weniger liebevoll zu nennen pflegte,  nicht gekommen und hätte sie von innen aufgefressen.

“Wenn Sie etwas zu erledigen haben, gnädige Frau, Frau Kollegin, wäre es jetzt an derZeit dafür!”, hatte auch Dr. Wallner, der Primar dieses Hauses heute morgen zu ihr gesagt, ihr dann die Hand gedrückt und sich verlegen nach der Oberschwester gewandt, die ihn begleitet hatte, um mit dieser hüstelnd und verlegen das Zimmer zu verlassen.

So war es gewesen. So ging es in diesem Hospitz zu, das ihr wegen der hervoragenden ärztlichen und  auch psychologischen Betreuung von ihrem Freunden empfohlen worden war, als es so weit war, daß sie ein solches brauchte.

Sie mußte, wenn sie daran dachte, fast ein wenig lachen, kam doch der Gedanke in ihr hoch, sowohl Doktor Höllmoser, als auch Doktor Wallner, eine Psycnhoanalyse zu empfehlen. Aber dazu war es wohl zu spät. Sie könnte, auch wenn sie wollte, keine solche mehr an ihnen durchführen und hätte das  auch früher aus den sogenannten ethischen Gründen abgelehnt.

“Also ich haben noch nie etwas Unvorhergesehenes getan, bis heute….”, nocheinmal denken, sich dann einen Schwung geben, mit der Hand nach der Halteschlaufe, die es an ihrem Krankenhausspezialbett gab, greifen, um sich an dieser hochzuziehen, und ihr Nachtkästchen errreichen.

Sie mußte es tun, jetzt ihren Grundsatz brechen, wenn sie ohne Schuldgefühle gehen und sich in Wien im Grab der Eltern auf diese Art und Weise eingegraben werden wollte. Mußte sie? Sie mußte natürlich nicht. Hatte noch nie etwas gemußt, denn sie war Zeit ihres Lebens eine willesnsstarke Frau gewesen, die gewußt hatte, was sie wollte und so wollte sie es auch heute. Würde es tun, obwohl sie sich noch gestern wahrscheinlich nicht vorstellen hatte können, daß sie an Mathilde und Moritz einen Brief schreiben wollte, um sich bei ihnen zu entschuldigen.

Und Lily, deren Tochter, die, wie sie wußte, als Kuratorin im Kultutinstitut in New Yorkt tätig war und außerdem noch bloggte, würde sie auch schreiben, hatte das Mädel doch, wenn sie richtig informierit war, keine Ahnung, wer ihr Vater war und die beiden, Mathilde und Moritz würden sie wohl mit Recht hassen.

Aber das tat nicht weh und hätte sie auch früher nicht belastet. Denn sie war, wie schon erwähnt, immer eine willensstarke Frau gewesen, die wußte, was sie wollte. Das war schon als kleines Mädchen,  in der Wiener Wohnung, in der sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester Mathilde aufgewachsen war, so gewesen, die nur ein Kinderzimmer hatte.

Ein Kinderzimmer, daß die Mutter liebevoll für das  kleine Töchterchen, das sie erwartete, geschmückt und hergerichtet hatte. Eine Wiege hatte sie gekauft, die Wickelkommode, die Strampler und die Windeln, das erste Spielzeug, wie das wohl in vorsorglichen Familien so war und dann war nach ihrer Geburt, nicht bloß die Nachgeburt, sondern eine halbe Stunde später auch  Mathilde, von der Mutter vollig unerwaret aus ihr herausgekommen und hatte, die Eltern, die nur ein Kind wollten, überrascht und weil sie zufälligerweise, die erste war, die aus der Mutter Schoß gezogen wurde, hatte sie von der Angelegenheit profitiert.

Denn die Eltern hatte sie in die Wiege gelegt. Für Mathilde war wohl noch schnell ein zweites Bettchen aus einem Trödelladen angeschafft worden. Sie hatte, die von Freunden der Familie geschenkten und gebrauchten Strampler zum Anziehen bekommen, während die Mutter weiterhin nur “Für meine Tochter!”, in den Kinderboutiquen kaufte und zu Weihnachten hatten auch nur für sie Geschenke unter dem Christbaum gelegen, während Mathilde, die zu spät gekommene, Zeit ihres Lebens nur mitgelaufen war.

“Das ist ungerecht!”, hatte sich diese später, als sie das schon konnte, zwar beklagt, war aber an der Sturheit ihrer Eltern abgeblitzt, die sie verständnislos angeschaut und ungerührt gewantwortet hatten, daß sie sich nur ein Kind gewünscht hatten und auch nur eines leisten konnten.

Das war nicht nur ungerecht. Das war auch grausam, das wußte die Psychoanalytikerin und jedes Jugendamt würde auch sofort einschreiten und den Eltern enerrgisch klar machen, daß so etwas nicht ging und absolut verboten war. Aber damals war es gegangen und es war auch niemanden aufgefallen, daß die Eltern Zeit ihres Lebens so taten, als ob sie nur eine Tochter hätten und die zweite übersahen.

Sie hatten sie, das mußte sie dazufügen, nie mißhandelt. Mathilde hatte immer ausreichend zu essen bekommen, aber sie hatte die abgelegten Kleider, der Kinder ihrer Freunde getragen und zu Weihnachten und zu Geburtstag höchstens eine Tafel Schokolade oder ein Unterhemd geschenkt bekommen, während für Natalie, die Kerzen brannten und es war auch immer klar gewesen, daß Natalie studieren und Mathilde in die Hauptschule gehen würden, denn “Mehr können wir uns nicht leisten!”, hatten die Eltern freundlich gesagt, wenn sich Mathilde wieder einmal darüber beschwer hatte.

Das war ungerecht, ganz klar, aber es war nicht ihre Schuld. Das war ebenfalls klar und das war auch das Thema ihrer Lehranalyse gewesen und daher konnte das Pankreatzerl nicht kommen. Denn sie hatte sich nicht eingemischt, weder in der einen noch in der andern Richtung. Sie hatte Mathilde weder gequält, noch sie bei den Eltern verteidigt. Sie hatte einfach die guten Gaben ihrer Eltern angenommen und es eigentlich auch ganz selbstverständlich gefunden, daß sie, weil sie die Erste war und kein Geld zur ein zweites Sudium vorhanden, studierte.

Sie hatte sie nach dem Gymnasium Medizin studiert, während Mathilde nach der Hauptschule und dem neunten Pflichtschuljahr in einem Haushalt, als Mädchen für alles gegeben wurde. Dort hatte sie sich dann gewehrt,  hatte die Handelsakademie besucht und war als Verlagssekretärin nach Berlin gegangen.

Da war sie schon mit ihrem Studium und der Lehranalyse fertig und hatte, weil das auch ein Thema dieser war, obwohl sie sich eigentlich nie sehr für ihre Zwillingsschwester interessiert hatte und sie bereitwillig aus ihrem Leben gelassen oder verdrängt, wie ihr Lehranalytiker bedächtigt meinte, auf seinen Rat nach Berlin begeben, um sich mit der Schwester auszusprechen.

Völllig emotionslos hatte sie das, wie sich sich erinnert hatte, getan und dort hatte sie Moritz kennengelernt, der als junger Lektor in dem Verlag arbeitete, in dem Mathilde Sekretärin war, während sie nach einer Praxis suchte, die sie sich in Wien einrichten hatten wollten.

Dann war alles anders gekommen. Aber das war nicht Unvorhergesehen, denn, daß sie sich, als Mathilde in Moritz Leben eingeschlichen hatte und diesen erst nach der Hochzeit ihren wahren Namen sagte und kalt “Selber schuld, wenn du das nicht bemerktes!”, hinzugefügt hatte, war von ihr geplant gewesen und auch Mathilde hatte sie kaltblütig und wohlüberlegt vor die Tatsache gestellt, daß sie Moritz heiraten würde, die daraufhin schlagtartig Berlin und den Verlag verließ und nach Wien urückgegangen war, während Natalie nach Berlin übersiedelte und ihre Praxis in der Tautenzienstraße errichtete. So war es geplant und es war auch nicht ihre Schuld, daß Moritz sie nach drei Jahren verlassen hatte und sich von ihr scheiden ließ oder doch natürlich war es so gewesen. Das wußte sie schon. Aber sie hatte nur mit vollen Händen nach dem, was ihr das Leben bieten konnte, gegriffen und wenn das der Grund war, daß das Pankreatzerl sich bei ihr eingeschlichen hatte, konnte sie es auch nicht ändern.

Konnte nichts, als würdevoll sterben, was sie, wie sie sowohl mit Dr. Wallner, als auch mit dem Notar besprochen hatte, auch tun würde und die hatten ihr  geraten, das Unerledigte zu erledigen und das würde sie auch tun, dachte Natalie entschlossen und merkte, daß ihre Hände zitterten, als sie nach dem Briefpapier griff und zu dem Kuverts, die in der Lade laden, um an Moritz und an Mathilde zu schreiben, um sich bei ihnen zu entschuldigen, obwohl sie das nie vorgehabt hatte und sich wirklich und ganz ehrlich, bis heute auch nicht schuldig fühlte, daß sie sich an Mathildes Stelle in Moritz Leben eingeschichen hatte und sie bei den Eltern nichts gegen ihre Bevorzugung unternommen hatte.