Cafe Westend-Lesung

Erika Kronabitter

Erika Kronabitter

Ljuba Arnautovic

Ljuba Arnautovic

Als ich mich am Freitag bei der “KritLit” am “Perspektive-Stand” umschaute, hat mich Stefan Schmitzer angesprochen und mir gesagt, er wüßte, was ich am Dienstag machen würde.

“Ja?”, habe ich geantwortet, “Woher weißt du das?”, denn da hatte ich ja geplant, endlich zu der Lesereihe zu gehen, die Luis Stabauer und Erika Kronabitter seit Jahresanfang jedes Monat im Cafe Westend auf der Mariahilferstraße  beim Westbahnhof veranstalten.

Er meinte aber die “AS”, wo es derzeit das “Dichterloh Lyrikfestival” gibt und er und Dine Petrik am Dienstag gelesen habe.

Hätte mich natürlich auch sehr interessiert, aber da ich ja im Juli bei der Leserreihe ausnahmsweise mit meinen selbstgemachten Büchern lesen darf und ich ja eigentlich schon im März hinschauen wollte, durch meinen Gips aber behindert war, habe ich es mir für heute fest vorgenommen, obwohl mir das Programm gar nicht so unbekannt war, habe ich Ljuba Arnautovic, die damit ja auch für den letzten östBp nominiert war schon einige Male aus “Im Verborgenen” lesen gehört und  Stefan Kutzenberger habe ich vorige Woche auch zweimal aus “Friedinger” lesen gehört.

Die 1967 in Wien geborene Sascha Wittmann habe ich auch schon in Leipzig, glaube ich, gehört und bin mit ihr auch im Vorjahr durch den Augarten spaziert aus dem Roman “Wie ich berühmt wurde”, aus dem sie ein Kapitel, das in einem Cafehaus und vom Ober Franz handelte, der einen Schlaganfall bekam, weil ihn ein Gästepaar “Kellner” nannte, aber noch nicht.

Stefan Kutzenberger

Stefan Kutzenberger

Sascha Wittmann

Sascha Wittmann

Das war also ein Novum und die Lesereihe im Cafe Westend auch, haben da ja Erika Kronabitter und Luis Stabauer einen Verein gegründet, auch ein paar Bücher in das Cafe gestellt und die Cafehausecke, wo die Lesung stattfand, war auch gut gefüllt und ich bin auch gleich mit den Damen an deren Tisch ich einen Platz gefunden habe, ins Gespräch gekommen und bin da zufällig mit einer Ärztin und Psychotherapeutin, die nach ihrer Pensionierung zu schreiben anfgefangen hat und in Harland wohnt, ins Gespräch gekommen.

Sonst war Susanne Toth anwesend, die nächstes Monat gemeinsam mit Bettina Balaka und Herbert J. Wimmer lesen wird, gekommen und bin außerdem noch darauf gekommen, daß ich Stefan Kutzenberger, beziehungsweise seinen Debutroman schon länger, als, ich glaubte, kannte, hat ihn doch die Anna Lindner, der Anna einmal geschenkt, weil beide, glaube ich, Literaturwissenschaftskollegen sind. Die Anna hat ihn mir gezeigt und ich habe gesagt “Kenne ich nicht!”

Jetzt habe ich innerhalb von zehn Tagen dreimal eine Lesung daraus gehört und wem es interessiert, ich lese am 16. 7. fünfzehn Minuten zwei Szenen aus der “Unsichtbaren Frau”, die die gerade  in Zeiten der Regierungsumbildung, wo  Minister Basti vielleicht bald kein Bundeskanzler mehr ist, sich besonderer Akutalität erfreut, lesen werde und lade alle sich im Raum Wien befindlichen sehr herzlich dazu ein.

Wer meine zwei Co-Leser sind, weiß ich noch nicht, das wird nochmal besonders spannend werden, wer sie sind und ob ich sie kenne. Warten wir es ab.

Theodor Kramer Fest am Augartenspitz

Von der “KritLit” habe ich mich dann am Sonntagabend gleich zu der nächsten Veranstaltung aufgemacht, feierte doch die “Theodor Kramer-Gesellschaft” ihr fünfunddreißigjähriges Bestehen und ich kann mich erinnern, daß ich ungefähr zu dieser Zeit bei meiner Freundin Hansi Berger, die inzwischen schon lange gestorben ist und die ich als junge Studentin beim “Club der logischen Denker” kennenlernte, ein diesbezügliches Prospekt oder eine Broschüre liegengesehen habe und sie mir stolz erzählte, daß sie nun dort Mitglied ist, was mir damals noch nicht sehr viel sagte und wer Theoder Kramer war und welch beeindruckende Gedichte er geschrieben hat, habe ich damals nicht gewußt.

Dann habe ich 2001 das erste Mal den “Tag der Freiheit des Wortes” organisiert und bin da mit Konstantin Kaiser auneindergeraten, der die Veranstaltung für sich reklamieren wollte.

Ich habe ihn dazu eingeladen und mich inzwischen mit ihm versöhnt, besuche gerne die “Theodor KramerPreisverleihungen” und auch manche der diesbezüglichen Veranstaltungen, war auch einmal bei einem Fest in Grinzig in der Kreisky-Villa und jetzt gab es ein Fest im Augarten, wo im Vorjahr Luis Stabauer mit seiner Gruppe, eine schöne Lesung abgehalten hat, in einem schönen Garten mit einer Zirkuskulisse und einem sehr schönen Programm, zu dem ich allerdings wegen dem “Tarantl-Lesetheaters” etwas zu spät gekommen bin, so hat gerade eine Dame Brecht Chansons vorgetragen, als ich mir einen Platz suche, Angelika Kaufmann, Helene Hoffmann, Monika Vasik, Konstantin Kaiser begrüßte, mir am Buffet Eiaufstrichbrötchen und Rotwein holte und dann den Texten von der inPolen geborenen und in Wien verstorbenen Tamar Radiziner und den Liebesgedichgten von Theodor Kramer lauschte.

Dann hätte es noch ein interessantes Musikprogramm gegeben. Ich bin aber nach Hause gegangen, war das Wochenende doch sehr anstrengend und die politische Situation hat mich natürlich auch interessiert, die sich inzwischen zu einer “Staatskrise” auszuwachsen scheint und als ich am Nachhauseweg noch beim “Wortschatz” vorbeigeschaut habe, bin, habe ich doch Alexejs Tolstoj dritten Teil des “Leidenswegs” gefunden, was mich dazu veranlaßte, da ich jetzt mit meinen Frühjahrsrezensionsexemplaren so ziemlich fertig bin, es auf meine Leseliste zu setzen, zuerst aber den von Stephan Teichgräber erstandenen ersten Teil “Die Schwestern ” zu lesen und zum “Revolutionsworkshop” wird es am Mittwoch nach langer Zeit wahrscheinlich auch wieder gehen.

Von den kritische Literaturtagen zum Ballhausplatz

Eva Jancak ©2019 Peter Paul Wiplinger

Eva Jancak ©2019 Peter Paul Wiplinger

Die “Kritischen Literaturtage”, die alternative  Literaturmesse, der eher linken Kleinverlage, gibt es schon seit einigen Jahren. Sie wird von Ulli Fuchs jetzt in derr Brunnenpassage veranstaltet, einmal war ich auch im Gewerkschaftshaus an der Donau und habe sie nicht immer, aber einige Male besucht und heuer vor, mir mit Ausnahme der Abendveranstaltungen das ganze Programm zu geben, so bin ich , etwas zu spät, zu der  Eröffnung durch die Bildungssekretärin des ÖGBs Isabelle Ourny gekommen, die gerade etwas von der Wichtigkeit, in Zeiten, wie diesen, der kritischen Literatur erzählte und dann kam der Lokalmatador Uwe Mauch, der immer im “Augustin” schreibt und der jetzt seine Sozialreportagen in zwei Büchern herausgegeben hat.

Ulli Fuchs meinte, sie würde ihm den “Max Winter-Preis” verleihen, hat er doch über die “Armut von Wien” und das “Working pur” geschrieben und las einen Text über einen slowakischen vierundzwanzig Stunden-Betreuer mit Rückenschmerzen vor, der sich mit seiner Alzheimer-Patientin Valerie herumquält. Ein  interessanter Text, der zeigt, wie schwierig das Problem ist, denn die alte Frau, die in ihrer Verwirrung der Betreuer quält und beschimpft, braucht Betreuung. Herr Vlado ist aber nicht mehr arbeitsfähig, muß das aber, weil er nur ein paar hundert Euro Pension hat und in der Slowakei die Lebensmittel fast teurer, als in Österreich sind.

Der zweiten Text aus dem zweiten Buch, ein Portrait des “Augustin- Verkäufers ” Helmerl,  wurde dann von diesem selbst gelesen.

Dann kam wieder Christa Stippinger von der “Editon Exil” mit  Magdalena Diercks und Thomas Perle, die ich beide schon bei der Kleinverlagsmesse im Museumsquartier im Dezember gehört habe und außerdem auch noch ihre Bücher auf meinem Lesestapel habe.

So bin ich ein bißchen durch die Brunnenpassage geschlendert, um mir die ausstellenden Stände anzusehen und ein wenig zu plaudern, habe da Gernot Ragger vom “Der Wolf Verlag” getroffen und bin darauf gekommen, daß ich ihn 1989 in Klagenfurt kennengelernt habe, als ich dort mit meiner “Slavica” zum “Preis der Arbeit” eingeladen wurde.  Er hat dabei gewonnen, ich nicht und  inzwischen  viele Bücher herausgeben.

Zu Thomas Perles Lesung, wo er seine Kindheit im Rumänien Ceausescus beschreibt, bin ich aber zurechtgekommen und  von seinem klaren Stil mit denen er seine Erlebnisse, die Mutter wird inhaftiert, weil sie kritisch ist, er bekommt schlechte Noten und als er sich weigert, ein Gedicht auswendig zu lernen,  das seiner Mutter nicht gefallen würde, wird der Vater verhaftet und es wird ihm ein Zahn ausgeschlagen, sehr beeindruckt.

Dann folgte Alice Harmer, die nicht nur ein Stipendium bei der Stadt Wien bekommen hat, sondern als Burgenländerin auch bei der “Edition  Lex Liszt 12” verlegt mit ihrem sehr poetischen Buch “Die Farbe der Veränderung”.

Dann wurde die steirische Literaturzeitschrift “Perspektive” vorgestellt, beziehungsweise das Heft 96/97 “Bildtestbild – Bild – Störbild”, das offenbar auch eine deutsche Verbindung hatte, wurde es doch sowohl von Silvia Stecher, als auch von Ralf B. Korte vorgestellt und im Heft sind auch viele deutsche Autoren enthalten. Die Texte, die vorgestellt wurden, hatte aber einen starken Wien- Bezug, beziehungsweise beschäftigten sie sich, sowohl mit dem Rechts- und dem Linkspopulismus, als auch mit den Schulen des Schreibens, die es in Österreich gibt.

Dann wurde es politisch, kam doch Gerhard Senft der sich in der “Edition FZA” mit der ungarischen Räterepublik beschäftigte und als letzter am Freitag kam dann noch Georg Fingerlos und stellte sein bei “Bahoe-Books” erschienenens Buch “Verlottertes Blaublut. Entadelte Schwerverbrecher in Österreich 1912-1918” vor.

Dann hätte es noch im Kunstraum Ewigkeitsgasse  Ramona Kasheer ihre Lavant-Vertonungen vorgetragen, aber die habe ich schon bei der letzten Kritlit und vor einer Woche im Literaturhaus bei der Eröffnung der Lavant-Auwstellung gehört und am Donnerstag hat Eva Geber im Weinhaus Sittl über Rosa Mayreder gesprochen  und ihr Buch “Die Anarchistin und die Menschenfresser” szenisch vorgestellt.

Aber da war ich ja beim “Literarischen Lenz”, kann aber anmerken, daß ich die Buchvorstellung schon in der “Alten Schmiede” hörte und mir beim Mandelbaum-Stand aus der Abverkaufskiste “Das Haus in der Landskrongasse” gekauft habe, das ja ein Vorwort von Eva Geber hat.

Als ich am Samstagfrüh das Radio aufdrehte, hörte ich als erstes, daß am Freitagabend ein Video aufgetaucht ist, das Vizekanzler Strache im Sommer 2017 in einer Villa in Ibiza zeigte, wo er einem Lockvogel aufgesessen ist, der sich als Nichte eines russischen Oligarchen ausgab und es verfängliche Aussagen, wie die Übernahme der Kronenzeitung, etcetera, gab.

Bis cirka elf habe ich mir sämtliche Radiosendungen und Fernsehsendungen, die ich auftreiben konnte, angehört, hörte, daß ein Rücktritt und Neuwahlen wahrscheinlich seien und es auch eine Demo geben würde.

Ich hatte allerdings die “KritLlit”, die ja auch eine politische Veranstaltung ist, vor, dort war es aber, als ich um cirka halb eins in der Brunnenpassage eintraf, ziemlich ruhig, der angekündigte Frühschoppen des “Septime-Verlags” fand nicht statt und ich hörte, als, um eins Gernot Ragger mit einer Verlagsautorin auftauchte, daß sich die meisten am Ballhausplatz befanden, die Lesung vor allem der Text von Rhonda Lamberty, die einen Kärntner Nachwuchspreis gewollen hat und der von Meeresmenschen handelte, war aber sehr spannend.

Dann gab es wieder eine Pause, weil auch Dieter Bregg, der um vierzehn Uhr auftreten sollte, nicht anwesend war und den Hinweis auf den Ballhausplatz, so daß ich diese nutzte, mich auch dorthin zu begeben, meine erste Demo seit meinem Unfall, aber das Stehen macht mir ja keine Probleme und der Ballhausplatz war auch sehr voll.

Susanne Toth ist mir entgegen gekommen, Peter Clar, habe ich gesehen, “Widerstand!”, wurde geschrieeen, eine “Oma gegen Rechts” sang das “Omalied” und, als die politischen Reden beendet waren und nur mehr Partystimmung, bis es zu der Pressekonferenz oder der erwarteten Kanzlerrede, kommen würde, bin ich, da auch Uli Fuchs, die übertragen wollte, wieder in die Brunnengásse zurückgefahren, wo gerade Verena Mermer, die unter dem Psedonym Louise Werner erschienenen Lebenserinnerungen “Aber mir hat der  Marxismus besser gefallen” vorstellte, ein Buch, der zu diesem politischen Tag hervorragend passte, hat doch die 2018 verstorbene Autorin,  es für sich selbst geschrieben und berichtet hier vom “Lichtermeer” , dem Austeig der Rechten, die Plakate, der FPÖ aus den Neunzigerjahren “Lieben Sie, Scholten, Peymann, Jelinek oder Kunst und Kultur?”

Danach kam Thomas Griesel mit einem ähnlichen Buch, hat er doch in zweiunddreißig Bilder, das Leben und die Kriegserfahrungen seines Onkels, in dem Buch “Sehr geehrtes Fräulein Reli!”, beschrieben.

Dann kam der “Mandelbaum-Verlag” beziehungsweise Margit Appel und Martin Birkner mit dem Buch “Digitalisierung? Grundeinkommen!”, wo die Politikwissenschaftlerin vor allem die Rolle der Frauen herausarbeitete.

Am Ende des Samstag kam wieder die Redaktion von “PS”, also vier engagierten Frauen, die ihr neues Heft in Formen einer szenischen <lesung sehr engagiert und feministisch vor stellten und dabei Thomas Frechberger, der auch am Freitag seine Gedichte vortrug, und darüber diskutierten wollten, ignorieren beziehungsweise sich von ihm nicht stören ließen.

Das wars dann für den Samstag, obwohl es noch zwei Abendveranstaltungen gegeben hat, aber ich wollte nach Hause und bin da zu der Pressekonferenz zurechtgekommen, wo Sebastian Kurz, Neuwahlen ankündigte, etwas, was eine sehr postive Überraschung ist.

Am Sonntag ist es dann wieder um zwölf mit dem Buch von Gernot Trausmuth über Adelheid Popp weitergegangen. Da wurde eine theatralische Überraschung von Susita Fink angekündigt und so sang diese gerade auch “Ach, Adelheid, ach, Adelheid!” und hatte eine große Puppe, die offenbar die in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsene sozialistische Politikerin, darstellen sollte, aufgebaut, der sie nach jeder Strohe eine Tafel in die Hand drückte “Für Frauenrechte” oder “Gleiche Bildung” stand beispielsweise darauf. Dann kam der Autor des Buches, erzählte den Lebenslauf der Autorin und zitierte einige Texte, darunter dievon Alfons Petzold, die sich darauf bezogen.

Dnn kam die “fabrik transit”, das ist eine bosonderer Kleinverlag, wo auch Doris Nussbaumer ihreTexte hat. Außer ihr, die gar nicht im Programm angekündigt war, haben noch Martin Winter, Eleonore Weber und Sonja Gruber gelesen.

Die nächsten zwei Stunden warem dem Schwerpunkt Afrika gewidmet. Da las zuerst der ehemalige Botschafter von Marokko und Senegal, Gerhard Deiss, aus seinem bei der “Edition Atelier” erschienenes Buch “Rückkehr nach Europa” und dann kam Esperance  Bulayumi aus dem Kongo und stellte zwei Bücher vor, die sich sowohl mit der kolonialen Aufteilung Afrikas, als auch mit der Migrationsbewegung gbeschäftigen und zum Schluß kam Bekanntes, nämlich das Lesetheater “Tarantl” sprich Gerald Grassl, Christian Schreibmüller und Franz Blaha, stellten ihre Texte, die zum größten Teil aus Dialektgedichten bestanden vor und damit war die KritLit 2019 beendet und ein Erfolg geworden und ich auf dem Sprung zur nächsten Veranstaltung.

 

Im Netz

Jetzt kommt der letzte Eva Rossmann Krimi, den mir der Alfred kaufte, als wir im September bei der Buchpräsentation waren. Ich bin ja sozusagen ein Eva Rossmann-Fan, zumindestens habe ich die meisten ihrer Mira Valensky Krimis gelesen, die seit, ich glaube, 2000 Jahr für Jahr zu einem aktuellen Thema erscheinen.

Eva Rossmann scheint eine fleißige Schreiberin zu sein und sie scheint, das habe ich auch schon geschrieben, nach einem bestimmten Schema vorzugehen. So stellt sie viele Fragen, deutet an, ohne, wie beispielsweise bei den “Patrioten”, zu direkt zu sein. Aber das war ja kein Mira Valensky-Krimi und vielleicht ist sie auch schon etwas ausgeschrieben.

So viele neue brisante Themen gibt es ja dann wahrscheinlich doch nicht, so ist, denke ich, auch “Im Netz”, eine Mischung von dieser Themenvielfalt. Aus jedem Dorf ein Hund könnte man sagen, oder ein Mix aus verschiedenen Fällen und was mich besonders an diesem Buch nervte, war, daß bei der direkten Rede, die Anführungszeichen fehlten und durch Bindestriche ersetzt waren.

Das scheint jetzt modern zu sein, zumindest wurde ich schon ermahnt, doch nicht mehr so altmodisch zu sein und “sagte er, “sagte sie”, zu schreiben, aber ich fürchte, man kennt sich dann besser aus und ich habe bei Eva Rossmanns direkter Rede oft nicht mehr gewußt, wer da eigentlich spricht und worum es geht war mir eigentlich auch nicht immer klar, hüpfte Eva Rossmann meiner Meinung nach zu viel und zu schnell von einem Thema zum anderen, stellt sich Fragen, die oft nicht wirklich wichtig sind und mit der eigentlichen Handlung nichts zu tun haben.

Also drei vier Krimis in einem und Mira Valenksy, die Heldein, die wir ja schon fast zwanzig Jahren begleiten, ist in diesen auch älter und fetter geworden, hat vielleicht ein Burn-Out, zumindestens ist mit ihrem “Magazin” nicht mehr zufrieden und mit ihrem Chefredakteur auch nicht, denn der hat ziemlich abgehalftert, so überlegt sie ständig, ob sie in Pension oder woanders hingehen soll, aber wohin soll man, wenn es den Qualitätsjournalismus nicht mehr gibt und durch Internetforen ersetzt worden sind?

Der Kater Gismo ist inzwischen auch schon gestorben und wurde durch einen anderen ersetzt, der sich ständig auf Miras Computer setzt, weswegen sie ihn “Kish” nennt und vermutet, daß er die Inkarnation eines Reporters ist.

Ein anderes Klischee ist und ich vermute, das ist wegen der bundesdeutschen Leser, auch das Motiv vom “Dritten Mann”, aber warum geht es, werden meine Leser jetzt wissen wollen?

Gute Frage! Mira sitzt in der U-Bahn, beobachtet die Leute, denkt herum und erfährt Carlo Neuhaus hat sich umgebracht. Das war ein Importeur von italientischen Lebensmitteln und ein guter Mensch, der allen helfen wollte. So wurde er verdächtigt, Kopf einer Schlepperbande zu sein und ein Shitstorm brach los.

Es gibt eine Witwe, die sich zwar von ihm scheiden ließ, ihn aber trotzdem beerben möchte und einer seiner Mitarbeiter, der Hacker Simon ist auch verschwunden.

Das führt zu Fran, den Sohn von Miras Freundin Vesna, denn der ist auch ein Computerspezialist und der klärt Mira auf, was im Netz alles geschehen kann.

Simon hatte eine Zweitwohnung, sie gehen hin, um  zu recherchieren und werden überfallen.

Nun gut, die Krimielemente müssen sein, obwohl sie meiner Meinung nach zu aufgesetzt wirken, denn Mira kocht und denkt sich inzwischen weiter, interviewt einen Rechtsanwalt und findet heraus, daß die drei Somalis, die Neuhaus angeblich geschleppt hat, den Auftrag bekommen haben, in den Lastwagen zu steigen und seinen Namen zu nennen.

Jetzt kommt noch ein anderer Fall dazu und zwar den, daß einer beschuldigt wurde, eine Frau vergewaltigt und dann liegengelassen zu haben und Quereleien mit dem Chefredakteur gibt es ständig auch.

Dann taucht der sympathische Chef eines Internetforumus auf, macht ein verlockendes Angebot und Mira reist zuerst nach Stuttgart und dann nach Sardinien, um Simon auf die Spur zu kommen. Da bekommt sie die Infos von einer Cyberorganisation, die hinter allem steckt, setzt mit Hilfe von Fran falsche Fährten und verbreitet einige Fakes, um an die Fakt zu kommen.

Am Schluß klärt sich auf, wer der Böse war und in dem Buch, das Eva Rossmann  Alfred signierte, ist auch Fakt und “Fake” hineingedruckt.

“Fakt”, hat Eva Rossmann mit einem gezeichneten Smiley angekreutzt, aber daß alle Schriftsteller lügen und daß alle Romane gefakt, also erfunden sind, hat glaube ich Daniel Kehlmann einmal gesagt, beziehungwweise schreibt man das selbst hinein, um keine Rechtsschwierigkeiten zu bekommen.

Eva Rossmann schreibt sicher schon am nächsten Buch, so daß wir raten können, welches Thema da  bearbeitet wird. Zuviel Neues wird es wohl nicht geben oder doch vielleicht, hat sich ja in Österreich gerade die Regierung umgebildet und Neuwahlen wurden ausgerufen. Aber das wird bis zum Erscheinen des Buches vielleicht schon wieder ein alter Hut und nicht mehr so interessant sein.

Deutschland schafft sich ab

Jetzt kommt ein Fund aus dem Bücherschrank, beziehungsweise aus den Regalen, die es in der Seestadt gibt, denn da habe ich ja, als ich mit der Ruth und dem Alfred das Fotoshooting machte, Thilo Sarrazins Aufreger aus dem Jahr 2010 gefunden und natürlich mitgenommen, denn ich interessiere mich ja  für jede Art der politische Literatur.

Zu lesen hatte ich es vorerst nicht vor. Dann habe ich es aber dem Uli versprochen, als er mich, nachdem er die “Volksstimme Anthologie von 2016” gelesen hat, mich aufforderte, doch auch mal was “Rechtes” zu lesen und nun denn, es ist sicher ein geeignetes Buch, obwohl sich die Gesellschaft  inzwischen weiter entwickelt hat und vieles, was damals aufregte, heute wahrscheinlich überholt ist und Thilo Sarrazin inzwischen auch weitere Bücher geschrieben hat.

Damals hat man ja überlegt, das Buch aus den Buchhandlungen zu nehmen und es gab hietzige Diskussionen darüber. Ich bin auch einmal in Leipzig zu einer Lesung zurechtgekommen und da war es bummvoll und natürlich soll man sich damit beschäftigen. Das Rechte und das Linke lesen und sich  sein eigenes Bild machen und da kann ich gleich verraten, daß das Buch viel sachlicher ist, als die Dskussion darüber war.

Denn der 1945 geborene, ehemalige Banker und SPD-Politiker arbeitet mit Tabellen und Statistiken, widmet dem “Staat und der Gesellschaft” ein Kapitel und blickt in die “Zukunft” und da ist er sehr besorgt, daß die Gesellschaft immer älter wird und die Deutschen immer weniger Kinder bekommen. Er schreibt auch vom technischen Fortschritt,  meint, daß man da  mathematische Begabung braucht, um da mitzuhalten und fürchtet , daß die heutigen Schüler, das nicht bringen können, um diese Technik zu bedienen.

Der ehemalige Banker sorgt sich darum, daß das in Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit schaden könnte, zitiert die sinkenden Pisa-Ergebnisse und führt an, daß die in Korea, Japan und Finnland sehr hoch liegen.

Er sorgt sich auch um die Zukunft der sogenannten “Mintfächer”, Mathematik und Technik und beschäftigt sich danach mit den Zuwandererstatistiken. Die Kinder, die aus Asien stammen, haben gute Schulleistungen, die aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien, sowie Nah-Ost eher schlechte Deutschkenntnisse und Schulergebnisse.

Bezogen auf die Armut und die “Hartz-IV- Empfänger” meint er, daß man damit seine Kinder auch gesund ernähren, sie Sport machen lassen und ihnnen aus Büchern aus der Leihbibliothek vorlesen könnte, was offenbar nicht genug geschieht.

Bevor er zum IQ kommt und meint, daß Intelligenz bis zu sechzig Prozent erblich ist. Da bin ich mir nicht ganz sicher. Er zitiert aber Studien, wonach die evangelischen Pastorenkinder und die jüdische Bevölkerung fast ausschließlich studiert haben und sorgt sich vor allem um die zunehmend sinkende deutsche Bevölkerung und, daß der Bildungsgrad abnimmt, was der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit Schaden bringt.

Im vierten Kapitel geht es dann um “Armut und Ungleichheit” und hier zitiert Thilo Sarrazin wieder Statistiken und meint, daß die “Tafel” mit medialer Unterstützung für die “Hartz-IV-Empfänger” nicht notwendig ist, weil man sich mit der Unterstützung sehr wohl gut und ausreichend ernähren kann und führt dazu ein paar Beispiele an.

Dafür wurde er beschimpft und kommt an dem Schluß, daß die “Hartz-IV-Empfänger”, eher Verhaltensauffälligkeiten haben, die es ihnen unmöglich machen, seinen Vorschlägen zu folgen.

Dem stimmt die Psychologin, die sich sehr wohl mit wenig Geld ernähren kann zu, denkt aber, daß der Banker und Politiker, der ohne Zweifel über brillante geistige Kräfte verfügen muß, um auf diese Position zu kommen, sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen kann, daß die Leute, die über nicht so brillante Kräfte verfügen, eben wegen ihrer “Verhaltendefizite” zu “Hartz-IV- Empfänger” wurden.

Sarrazin zitiert Studien des indischen Nobelpreisträgers Amarytya Sen, obwohl man ja, wie er selber schreibt, die Verhältnisse von anderen Staaten nicht auf deutsche Verhältnisse übertragen kann und kommt dann zu dem berühmten Grundeinkommen, das ja hier und dort bedingungslos gefordert wird, damit man sich ohne Druck seiner Familie, Interessen, Hobbbies, etcetera widmen kann und meint, was sicherlich richtig ist, daß das Unglück der Armen oder Arbeitslosen nicht so sehr die materielle Not, als das Fehlen von Sinn und Anerkennung wäre und das wäre in einer Gesellschaft, wie dieser eben die Erwerbsarbeit.

Was nicht ganz stimmt, da ja viele Künstler von Stipendien und Preisen leben und trotzdem Sinn in ihrer Arbeit sehen.

Aber da wären noch die Tugenden, wie Pünktlichkeit, Fleiß und Disziplin, die manchen aus den bildungsferneren Schichten fehlen und es ihnen daher unmöglich machen würden, im Arbeitsleben zurecht zu kommen.

Sie geben das dann an ihre Kinder weiter und ein weiteres Unglück sieht Sarrazin darin, daß diese Schichten  sehr viele Kinder haben.

Jetzt könnte man einwerfen, daß ihnen das vielleicht den Sinn gibt, wenn sie aber ihren Erziehungsauftrag nicht nachkommen können….

Und das wirkliche Problem sieht Sarrazin darin, daß man angeblich oder tatsächlich sechzig Prozent seines Einkommens ohne jede Bedingung bekommt, so daß der Reiz für den kläglichen Rest Arbeit anzunehmen, natürlich fällt, was auch der Grund dafür wäre, daß die Flüchtlinge und Migranten in so großen Mengen nach Deutschland strömen und dann dort sehr viele Kinder bekommen, wie man ja jetzt, neun Jahre nach Erscheinen des Buches und nach der Flüchtlingskrise auch überall sonst hören kann. Thilo Sarrazin ist also für die Streichung von Transferleistungen, wie er es nennt, ohne Gegenleistung und stellt Modelle auf, wie das funktionieren könnte.

Mit der Bildung geht es weiter, das schlechte Abschneiden bei den Pisa-Tests hat Sarrazin schon in den vorangehenden Kapiteln beklagt. Jetzt erzählt er von seinen eigenen Schulerfahrungen, wie er es in den Fünfzigerjahren ins Gymnasium mit einem strengen Lehrer und mit fünfzig Schülern pro Klasse schaffte und meinte, daß zu einem guten Lehrer sowohl die Liebe zu den Schülern, als auch Autorität und Disziplin gehört. Zuneigung hat er, glaube ich, geschrieben, was mich fast ein wenig wunderte, daß er das für wichtig hält.

Sein Bildungsplan für die bildungsferneren Schichten sieht aber sehr viel Disziplin, wenn nicht Zwang und Autorität vor: im ersten LA Betreuung durch das Jugendamt, dann Krippe und Kita, wie das in Deutschland heißt, viel Vorlesen und wenig oder gar kein Fernsehen und keine Computer.

Die ausreichende gesunde Ernährung und die Bewegung wurden schon erwähnt, dann Ganztagschule und natürlich viel Üben, weil nur dadurch wird man zum Meister, was den heutigen Schulen fehlt. Da wird nicht mehr geübt und keine Hausaufgaben gegeben und es wird nicht mehr differenziert, sondern nach unten angepaßt, was dann zu den schon beklagten schlechten Lernergebnissen führt. Er führt noch ein paar schlechte Beispiele von Berliner Schulen an und hat schon vorher erwähnt, daß die Großstädte, wie Berlin Hamburg und Bremen die schlechtesten Bildungsergebnissen haben.

Im Kapitel “Zuwandererung und Migration” wird dann am Beispiel von Neukölln, über die Türken und Muslime hergezogen, die ab den Achtzigerjahren laut Sarrazin nur kamen, weil sie hier Grundsicherung bekamen. Die meisten seien arbeitslos, meint er, die Frauen unterdrückt und haben viele Kinder, brauchen sie auch wegen dem Kindergeld, das sie dann nach Hause schicken, die Deutschen weniger, so wächst die Bevölkerung an oder dreht sich um und 2004 hat der türkische Unternehmer Viralö Öger bei einem Abendessen scherzhaft gesagt “Im jahr 2100 wird es in Deutschland 35 Millionen Türken geben. Die Einwohnerzahl der Deutschen wird dann bei ungefähr 20 Millionen lieben. Das, was Kamuni Sultan Süleymann 1529 mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen verwirklichen!”

Das ist wohl die große Angst hier und dort und erklärt auch den Titel des Buches. Sarrazin, der Fernsehgegener erklärt auch, daß die türkischen Familien nur türkisches Fernsehen sehen, sich nicht integrieren, also Türken und türkisch bleiben, daher nicht Deutsch sprechen oder nur soweit, um den Antrag auf Arbeitslosenunterstützung auszufüllen.

Das, das die Deutschen und auch die Österreicher ärgern kann, ist verständlich. Andererseits denke ich, warum soll ich Deutsch lernen, wenn ich es nicht brauche, die Amerikaner und die Engländer tun das auch nicht? Eine wirkliche Verpflichtung sollte da nicht bestehen, obwohl wir das Punkteprogramm, um den Problemen Abhilfe zu schaffen von Sarrazin schon kennen. Der Banker nimmt es hart, Kindergarten- und Schulpflicht, Ganztagsschule und Arbeitspflicht. Wer der nicht nachkommt, dem wird die Unterstützung unterzogen und ärgert sich darüber, daß das die Regierung nicht macht und ihm sogar nach Erscheinen des Buches aus der SPD ausgeschlossen hat.

Die Schlußfolgerung aus all dem Vorangegangenen, lautet natürlich “Mehr Kinder von den Klugen bevor es zu spät ist”, und führt zu einem wieder sehr sachlichen Kapitel mit Tabellen und Statistiken  über” Demographie und Bevölkerungspolitik”

Darwin und Mendel wird da zitiert und der Hergang der Familie Sarrazin im vorigen Jahrhundert, bevor man zu der Erkenntnis kommt, daß die deutschen akademischen gebildeten Frauen, die erst mit Ende Dreißig mit ihrem Studium fertig sind und daher keine Zeit für mehr als ein Kind haben, obwohl sie dem ja ihren IQ weitergeben könnten, während die Migranten von der Sozialhilfe leben und dafür ein Kind nach dem anderen bekommen.

Das führt dann zu einer Satire, wie es Sarrazin, glaube ich, nennt, wie es, wenn man  nicht aufpasst “Wie wir unser Land aufs Spiel setzen”, heißt ja der Untertitel des Buches, in hundert Jahren dazu kommt, daß die Kirchen verfallen und schließlich den Muslimen übergeben werden, die deutsche Sprache abgeschafft oder nur mehr in den Randgebieten und in den Schulen nach Bedarf gelehrt wird oder weil Sarrazin, das ja nicht für seine Kinder und Kindeskinder haben will, zu der Alternative, die schon in den vorigen Kaptieln skizziert wurden: Zwangskindergarten, Zuzuug erst, wenn die Familie, ihn erhalten kann und zehn Jahre keine Sozialleistungen für die zugezogen, das führt dann, gekopptel mit einer höheren deutschen Geburtsrate, wieder dazu, daß Deutschland so wird, wie es war und alle glücklich sind, wie Thilo Sarrazin 2010 geschrieben hat.

Jetzt schreiben wir  2019, Deutschland hat nicht auf ihn gehört, wie die Rechten täglich bloggen oder vloggen und die Qintessenz, die ich mir von dem Buch mitnehme ist, daß ich mir Thilo Sarranzin, der ja inzwischen schon weitere andere Bestseller geschrieben hat und damit mit mehr oder weniger Stolpersteinen ausgestattet, durch das Land reist, als einen sehr konservativen, autoritären,  selbstbewußten, hochintelligenten Mann vorstelle, der mit der Entwicklung Deutschlands, wie auch  viele andere, die sich nicht so gut ausdrücken können, nicht zufrieden ist und für einen Banker sehr erstaunlich, ein eigentlich sehr trockenes soziologisches Buch geschrieben hat, das viele Probleme aufzeigt, die man lösen muß.

Ein Land verändert sich und in Wien vor hundert Jahren hat es auch sehr viel anders, als heute ausgesehen und zwar wurde da oder vielleicht schon zwanzig Jahre früher, auch sehr viel aus Mähren und aus Böhmen zugezogen und die Bosniaken, die zu der Monarchie gehörten, haben, glaube ich einen Turban oder Fez getragen, während es in meiner  Volks- Hauptschule und auch in der  Straßegasse keine migrantischen Kinder gegeben hat.

Der große und vielleicht auch kontrollierte Zuzug von 2015, der in dem Buch noch nicht enthalten ist, haben die Unzufriedenheit der Leute auch noch verstärkt. In Deutschland rüstet sich die AfD zur Europawahl und schimpft gegen die Antifa, SPPD und Grünen in Österreich haben wir eine blau schwarze Regierung mit der der Chef der Patrioten, aber, glaube ich, nicht sehr zufrieden ist und Houllebecq hat ja 2015 auch eine Utopie geschrieben, wie es in Frankreich aussehen kann.

Aufpassen muß man, glaube ich, und die Probleme lösen und sicher auch über das Buch, das ja sehr umstritten ist  und vielleicht auch über die anderen diskutieren, aber das passiert im Augenblick, wo die einen nur auf die anderen schimpfen, nicht sehr, obwohl das Miteinander gerade in schwierigen Zeiten, wie, ich glaube, sehr notwendig ist.

Literarischer Lenz statt Wildganspreis

Als mir Stephan Teichgräber vor ein paar Tagen die Einladung zum “Literarischen Lenz” schickte, habe ich kurz geflucht, denn das Programm begann am Mittwoch und da wurde auch der “Wildgans-Preis” an Daniel Kehlmann vergeben und da gehe ich immer gern hin.

Also nur am Donnerstag, da hätte ich sonst den Versuch zur Donnerstagsdemo zu gehen, geplant, obwohl ich das Mittwochprogramm attraktiver fand, dann machte mir wieder mein Körper einen Strich durch die Rechnung, denn ich habe mich in den letzten Wochen offenbar zu viel angestrengt oder verkrampft, so daß plötzlich meine Hämorrhoiden, die ich seit der Geburt der Anna habe, zu bluten anfingen, so daß ich, als das nicht aufhörte, doch zum Arzt, beziehungsweise zum Gesundheitszentrum in die Mariahilferstraße gegangen bin und dann ist sich das “Centrope” in der Münzwardeingasse in dem Theater das jetzt “Arche” heißt, ganz gut ausgegangen ist und ein Buffet, sprich Brötchen, hat es am Schluß immer auch gegeben.

Und das Programm war toll, obwohl dann doch wieder alte Bekannte, denn Radka Denemarkova habe ich schon im Vorjahr in der “Gesellschaft für Literatur” gehört, sie war auch in “Leipzig” prominent vertreten, jetzt aber nicht aus ihrem neuen Buch, sondern aus einem das noch nicht auf Deutsch erschienen ist, gelesen, sie auf tschechisch, die deutsche Übersetzung hat wieder ein Schauspielschüler übernommen, obwohl Radka Denemarkova sehr gut Deutsch spricht.

Dann kam das GAV-Mitglied Marian Hatala, das von Beppo Beyerl eingeführt wurde, der da die Verbindungsachse zwischen Deutschk Slowakisch und Tschechisch betonte, gelesen hat er aus seinen “Nonsense-Gedichten “Zwei Pottwale am Boden der Badewanne”, die von Stephan Teichgräber übersetzt wurden.

Thomas Raab “Walter muß weg” habe ich schon gelesen und mich ein bißchen über Thomas Raab geärgert, der ja bei seinen Lesungen mehr daherschwatzt, als er liest, so fragte er, wer unter den Besuchern Walter heißen würde und erzählte , daß der den Bundeskanzler Kurz schon mal am Klo getroffen habe, wohl um zu betonen, daß der dort auch menschlich ausgesehen hat und hielt am Schluß ein Plädoyer für den Satz “Wir schaffen es!”, ja wo ein Wille ist, ist ein Weg, schreibe ich den Uli in diesem Fall immer und Barbi Markovics hat das Centrope ein bißchen gesprengt, kommt sie ja ursprüglich aus Begrad, obwohl sie als Wiener Autorin gehandelt wurde, trotzdem hat sie ihre “Sette fontane” ein Stück auf Serbisch vorgestellt.

Ein Buch das ich auch schon gelesen habe, also hätte ich doch nicht soviel versäumt, den Ungar Karoly Mehes aber schon, denn den habe ich, glaube ich, noch nicht gekannt und er las mit einer Schauspielschülerin ein Stück aus einem auch noch nicht auf Deutsch erschienenen autobiografischen Roman oder einer Prosaarbeit, in dem es über Krankheit und Kindheit geht.

Am Donnerstag ging es dann mit der Präsentation der slowenischen Literaturzeitschrift “Fraktal” weiter, in der auch die 1970 geborene Slavka Liptakova Texte hat. Hier las sie aus ihren Text “Herz”, wo es um einen herzkranken Mann geht, der mit seinem Hund spazieren geht. Der Ungar Terey Janos wurde ebenfalls 1970 geboren, er las aus seinem Buch “Die Toten von Kali”, wo Hamlet in Klausenburg aufgeführt wird.

Den 1971 in Linz geborenen Stefan Kutzenberger, dessen roman bei “Deuticke” nicht bei “Hanser” erschienen ist, habe ich schon am Montag kennengelernt. Glücklicherweise las er zum Großteil andere Stellen und zwar, die wo es um Linz geht, weil Kutzenberger dort Friedinger besucht.

Dann folgte noch ein Gast, bevor es zu Marie Luise Lehner und ihr feministes “Im Blick” ging, nämlich der 1976 geborene Tscheche Karel Vesely, in dessen Buch es um den Aufstieg oder Abstieg einer Band ging.

Sehr interessant die Literatur des Centropes könnte man so sagen, danach gab es wieder das sogenannte gesellige Treiben, wo es diesmal neben den schon bewährten Brötchen, auch eine Mehlspeisspende des slowakischen Kulturinstituts gab.

Sebastian Ferien im Kanzleramt

Jetzt kommt passend zum Vortrag im Literaturmuseum ein satirischer Roman, könnte ich so schreiben, aber den habe ich ja schon auf meinen Bücherchristbaum liegen gehabt und mir vom Alfred bei der letzten Kleinverlagsmesse im Museumsquartier kaufen lassen und erst jetzt gelesen, weil ich vorher soviel Neuerscheinungen “abzuarbeiten” hatte, dabei ist Michael Ziegelwagners zweiter Roman ja auch erst im Vorjahr erschienen.

Bei dem ersten, der dann auf die Longlist von 2014 gekommen ist, war ich im Literaturhaus bei der Präsentation und da sagte mir der Name des 1983 in St. Pölten geborene, der Redakteur des Frankfurter Satiremagazins “Titanic” gearbeitet hat, noch nichts und nun ein Roman über die österreichische Regierungsbildung und den Aufstieg des Sebastian Kurz zum Bundeskanzlers.

Das kann ja, da es in meiner “Unsichtbaren Frau” auch darum geht und dort auch ein “Minister Basti” vorkommt, nur spannend sein und ein “must to read” und ist es ja auch spannend zu sehen, wie die anderen, solche Themen verarbeiten.

“Das Schuljahr beginnt! Sebastian ist neu in der Klasse, startet aber gleich voll durch. Mit seinen zwei besten Freunden will er viel verändern. Alte Schustrukturen hinter sich lassen und das Lehrpersonal in eine erfolgreiche Zukunft führen. Michael <ziegelwagner verbindet Enid Blyton mit österreichischer Innenpolitik. Aber: Droht am Ende doch Zoff mit den Lehrern?”, steht am Buchrücken und darunter ist noch angeführt, daß die Illustrationen von Leo Riegel stammen und die sieht man gleich am Cover.

Ein lächelnder Sebasti mit roten Wangen und den großen Ohren, die beiden anderen abgebildeten Personen könnten Elisabeth Köstinger und Reinhold Mitterlehner ähnlich sehen.

Da ich mit den Namen, wie Karoline Edelstaberl als Hilfslehrerin und  Direktor Albux Vandebore meine Schwierigkeiten hatte, das sind die, die ich noch eindeutig zuordnen konnte, frage ich mich, wie es den deutschen Lesern geht, die sich mit der österreichischen Bundesregierung vielleicht  nicht so auskennen?

Die Geschichte ist aber sehr einfach erzählt und hat mit der Bildung der österreichischen Bundesregierung vielleicht gar nicht so viel zu tun, wie das Cover mit dem Ballhausplatzbild suggerieren könnten. Genau genommen ist auch der Titel falsch, denn der Sebastian der da mit seinem Trolley zum Schloß Ballhausplatz mit der U-Bahn gefahren kommt, um dort in die Oberprima einzutreten, macht ja keine Ferien, sondern wird als Schüler ins Nobelinternat aufgenommen, wie ihm der hilfreiche Hausmeister, der sich um den Schlotternden und Zitternden annimmt, gleich freundlich erklärt. Dann kommt er in die Klasse, wo Professor Koffner von ihm gleich was über die Logarithmen hören will und der Junge stottert oder redet sich herum: “Ein wichtiges Thema, Logarithmieren, danke für diese Frage. Wenn Sie mir kurz erlauben, Herr Professor, ein bisschen auszuholen.. ein Satz nur zur Klarstellung, denn da werden….”

Mit diesem Talent muß man Klassensprecher werden und der junge antiautoritäre Musikprofessor Dr. Samstag, der vielleicht an Wolfgang Schüssel erinnern soll, der kurz die Klasse von Professor  Koffner übernimmt, hilft ihm dazu und springt danach singend aus dem Fenster.

Dann steht “Ende” auf der Seite Mitten im Buch und danach geht es mit einem Sebastian, der traurig am Weihnachtsabend vor dem leeren Keksteller sitzt, weil seine Eltern kein Geld für die U- Bahnfahrt nach Hause haben und nur einen Brief schreiben “Wir können dir dieses Jahr zu Weihnachten nichts geben. Keine Playstation zum Spielen, keine Pakete zum Auspacken, keine Schokoschirme für den Christbaum. Wir haben nichts. Wir können dich nur bitten: Glaub an dieses Österreich..!”

Das ist auch von irgendwo gestohlen und passt nicht in den zeitlichen Rahmen. Was aber nichts macht, denn es kommt gleich der Hausmeister in verwandelter Gestalt. Den habe ich nicht  zuordnen können, was auch nichts macht, weil er sich gleich in den Pfeife rauchenden Direktor Alex van der Sowieso verwandelt und den Jungen auf das Dach bringt, wo die drei Berte, die Burschenschaftler der Schule, das fliegende Klassenzimmer in veränderter Form aufführen und Phrasen werden in dem Buch natürlich auch sehr viele gedrocschen.

Ein paar Beispiel gefällig?

“Wir brauchen Ziffernoten – Genau! Die verbale Beurteilung führt nur zu Verweichlung und Indifferenz!”

“Sanktionen für Schulschwänzer” – “Flexi- Schule! Mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis zu zwölf Stunden!” – “Kopftuchverbot”.

Das sind wir aber schon bei der Wahlversammlung unter dem Marillenbaum. Denn Sebastian soll ja auch noch Schulsprecher werden. Der Direktor hat ihm das vermittelt, denn der hat ja bei seiner Wahl versprochen, nie und niemals einen blauen Bundeskanzler anzugeloben. Also bitte, bitte, lieber Sebastian, hilf mir aus der Klemme!”

Der tut das natürlich gerne, obwohl er eigentlich niemals Schlusprecher, sondern immer nur ein ganz normaler Schüler sein wollte und am Ende sehen wir ihn bei der Anglobung oder heißen Rede am Podest vor der vollen Klasse, am Fenster steht “Geil, Geil, Geil !” geschrieben und richtig, ein  “Velociped”, als Wahlhilfe hat es natürlich auch gegeben.

Köstlich kann ich da nur schreiben, wieder was gelernt, wie man satirische Romane verfaßt und nur eines ist wirklich schade, wie die “Literaturgeflüsterin” immer schreibt, daß der “Milena- Frauenverlag” jetzt auch Männer verlegt. Das ist meine Meinung, darum komme ich nicht herum!

Die unsichtbare Frau im RC

Foto: © Republikanischer Club – Neues Österreich

Foto: © Republikanischer Club – Neues Österreich

Im Jänner bin ich ja zu der Frauen Lesung von Andreas Diefenbachers “Möchtler” gegangen, habe da erfahren, daß der Autor mich und meinen Blog kannte, sein Leseexemplar bekommen und Sibylle Summer, der engagierten Organisatorin vom “Republikanischen Club” meine “Unsichtbare Frau” gezeigt, das da gerade erschienen war. Ich habe sie nicht gefragt, ob ich damit vielleicht im Club lesen kann, obwohl mich da schon Irene wondrasch, da zu einer GAV- Lesung eingeladen hat, sie hat mir aber gleich einen Termin gegeben und ich habe mich gefreut, natürlich selbstverständlich.

Denn die “Unsichbare Frau” ist ja, obwohl selbst herausgegeben, ein wichtiges politisches Buch, aus dem ich schon beim “Volksstimmefest” eine Szene glesen habe, bei der Lesung zu der mich der Rudi eingeladen hat, bei der “Poet-Nigth”, bei meiner Geburtstagslesung und auch bei dem “Wilden Worten”, weil ja das Eingangsgedicht wieder von Richard Weihs stammt und auch  bei Erika Kronabitters Geburtstagsfest.

Der Uli hat, weil er ja das Vorbild für den Alfons Tratschke war, sein Belegemembar bekommen und mir gefällt es, die ich ja die plitischen Entwicklungen von links und rechts sehr genau verfolge, auch sehr gut.

Dann hatte ich aber Zweifel wer zu der lesung kommen würde? Denn eine Einzellesung und bei denen, die ich in den letzten Jahren hatte, wie beispielsweise im “Reading Room” hatte ich ja nie sehr viel Publkim. Ich habe die Lesung aber in meinen Blog angekündigt und immer wieder bei meinen aktuellen Artikeln darauf hingewiesen, mich aber, weil ich ja schon bei der Lesung aus der “Sophie Hungers”  im Cafe Amadeo, außer dem Veranstalter und dem Alfred keine Zuhörer hatte, darauf eingestellt, daß ich vielleicht mit der lieben Sibylle Summer allein ein Glas Wein trinken werde, denn der Alfred ist ja derzeit noch in Kuba, und die die mir in den letzten  Tagen auf die Lesung aufmerksam gemacht und sie dazu eingeladen habe, haben mir alle gesagt, “Leder leider keine Zeit, weil einen anderen Termin!” Auch die Ruth, die ja meistens zu meinen Lesungen kommt, hat leider abgewinkt, also war ich ziemlich pessimistisch, als ich nach meiner fünf Uhr Stunde mit meiner Büchertasche in den Republikanischen Club, in die Rockhgasse aufgebrochen bin.

Foto: © Republikanischer Club – Neues Österreich

Foto: © Republikanischer Club – Neues Österreich

Aber es ist so wie es ist und die Angela und der Josef hatten mir ihr Kommen versprochen, die Margit Heumann auch, also vielleicht  eine Handvoll Zuhörer und so war es dann auch, die Linda Christanell ist noch zusätzulich gekommen und eine Frau, die im ORFarbeitet, also zugegeben kein sehr großer Andrang.

Aber wie ich glaube eine sehr schöen Lesung und ich habe mich auch. wie beim Geburtstagsfest durch das Buch gelesen, mit dem Alfrons Tratschke begonnen, dann die unsichtbare Frau-Szene glesen, bei der ich mir auch beim  “Writer Tetreat des Writer Seminars” von einer Psychologenkollegin Feedback holte, dann die Szene aus dem österreichischen Kultursinstitut mit der KehlmannFranzen lesung und dann die Nobelpreisszene, die ich ja sehr mag und mir auch beim “Writermarathon” des “Writerstudios” Feddback geholt habe.

Nachher und auch schon vorher gab es Wein und Knabbereien und eine intensive politische Diskussion und mein Resumee, es ist, wie es ist. Fünf Zuhörerinnen und einen Zuhörer und die liebe Veranstalterin.

Ich kann es nicht ändern und die “Unsichtbare Frau” ist ein gutes und wahrscheinlich auch politisch wichtiges Buch und ich habe am Nachhauseweg auch gleich ein Exemplar in das kleine Bücherkastl bei der Buchhandlung Kuppitsch hineingelegt und wem es interessiert, ich korrigiere immer noch an der “Magdalena Kirchberg” die mein nächstes Buch werden wird.

Dann kommt ein Buch über das Schreiben und wie es dann weitergeht, habe ich keine Ahnung, obwohl schon ein paar Ideen in meinen Notizbuch sthen.

Wieder bei den Wilden Worten

Jetzt  war ich ja zweimal nicht bei den “Wilden Worten”. Am elften März war das nicht geplant, denn da hat ja im “Tiempo Nuovo”, die Abschiedslesung von der Bruni stattgefunden, bei der ich dann allerdings auch nicht war, weil abgestürzt und mit dem Gips im Krankenhaus und im April hatte ich noch meine Veranstaltungspause, allerdings Karin Ivancsiscs “Die Gastgeberin” inzwischen schon gelesen und jetzt habe ich mich, als ich Rchard Weihs Einladung bekommen habe, dafür entschieden, obwohl in der “AS” ja, glaube ich, gerade das Lyrikfestival  “Dichterloh” stattfrindet, aber Stefan Kutzenbergers Roman “Friedinger” klang interessant und von Stefan Kutzenberger hatte ich in der Vorwoche auch noch nichts gehört. Das hat sich zwar inzwischen geändert, da er nächste Woche auch im Cafe Westend lesen wird und am Donnerstag bei Stephan Teichgräbers Centrope-Festival”, also doch umdisponieren?

Ging nicht, weil schon eine sechs Uhr Stunde, also werde ich den 1971 in Linz geborenen Literaturswissenschaftler demnächst zum dritten Mal hören, was ich ja eigentlich zu vermeiden versuche, aber ein Roman, wo der Protagonist Stefan Kutzenberger heißt, klingt interessant, obwohl das ja nicht so neu ist.

Der macht dann noch einen Schreiburlaub in Griechenland, wo er den Herrn Friedinger trifft und der erzählt ihm etwas von einem “Noricum-Skandal” und verbotenen Waffenlieferungen, wie in der Ankündigung steht.

Dann kam es doch ein bißchen anders, denn der junge Mann, dessen Debut bei “Hanser” erschienen ist, erzählte etwas von  Bob Dylan und dann von einer Sexszene im einer Clelia und dann doch das oben erwähnte, aber um nicht zu spoilern konnte er nichts von der Krimihandlung lesen, weil er wollte doch die drei mitgebrachten Bücher verkaufen.

Also ging es um Sex statt, um Crime bei der Lesung und Richard Weihs bedauerte, daß er dann nicht das, sondern die “Noricum-Handlung” ins Programm geschrieben hat.

Dem Publikum hat es trotzdem gefallen und applaudierte heftig und bei den Wunschgedichte, die dann verlesen wurde, konnte ich erahnen, wer aller im April im Publikum war.

Die Mechthild Podzeit-Lütjen, die Ruth Aspöck, die Judith Gruber-Rizy, die Susanne Toth, das who ist who, der heimischen Literaturszene und wahrscheinlich der Freundeskreis von Karin Ivansciscs. Diesmal waren Margit Heumann da, ein Autor, der vor cirka einem Jahr gelesen hat und ein paar Freunde von Stefan Kutzenberger und ich kann gespannt sein, welche Szenen er am Donnerstag und Dienstag lesen wird und, wie er dann sein Publikum unterhält?

Freie Wildbahn hat es diesmal keine gegeben, beziehungsweise keinen Autor, der sich honorarlos in sie hineinbegeben wollte. So habe ich meine Wunschgedichtworte, auf das Wunschgedichtformular geschrieben, ein bißchen in dem Buch geblättert und mir auch von Margit Heumann versichern lassen, daß sie morgen in den “Republikanischen Club” kommen wird.

Und weil der Alfred ja in Kuba ist, gibt es diesmal kein Bildmaterial

Herzstücke

Jetzt kommt wieder ein Buch, wie ich es liebe, ein Sachbuch über den Literaturbetrieb und die Autoren, zwar in der Theaterabteilung, der weiche ich ja meistens aus und lassen dann die Theaterstücke in den Bücherschränken liegen oder ich kaufe sie aus der Abverkaufskiste und ärgere mich dann darüber, weil ich sie wahrscheinlich nicht lesen werde.

Aber der1932 in Frankfurt geborene Karlheinz Braun war wohl ein Theatermann mit Herz und Seele und so heißt auch sein großes, über sechshundert Seiten Buch das bei “Schöffling” erschienen ist “Herzstücke” mit dem Untertitel “Leben mit Autoren und im Nachwort steht, daß der alte Herr keine Autobiografie schreiben wollte. Aber wenn er ein Buch über die Autorenschaft der letzten sechzig Jahre schreiben will, dann ist es auch ein Buch über die Geschichte Nachkriegsdeutschland und so fängt es im ersten Teil auch mit der Kindheit an.

Er ist der Sohn eines evangelischen Autohändlers, der eine Katholikin heiratete und weil man das in dem Dörfchen aus dem sie stammten, nicht tundurfte, zog die Familie nach Frankfurt und nach dem Bombenfall mit ihren Söhnen wieder in das Heimatdörfchen zurück.

1950 kam er wieder nach Frankfurt, wo Karlheinz das Goethe-Gymnasium besuchte, dann Germanistik studierte und sich schon bald in einem Studententheater engagierte, wo er Günter Grass, Bertold Brecht und Stücke des absurden Theaters aufführte. Seine Dissertation schrieb er über Max Frischs “Stiller” und trat dann, er hat inzwischen geheiratet und erwartete sein erste Kind Ende der Fünfzigerjahre bei “Suhrkamp” als Lektor in der frisch gegründeten Theaterabteilung ein.

Im dritten Teil schildert Karlheinz Braun, wie er sich erst in einem Zimmer mit einer Sekretärin in die Verlagsarbeit einarbeiten mußte, er ist viel herumgereist und hat viele Autoren, die von der Gruppe 47 kamen, wie Wolfgang Hildesheimer, Peter Handke, Martin Walser und Thomas Bernhard entdeckt, darunter nur wenige Frauen, die es in den sechziger Jahren als Theaterautorinnen noch nicht sehr gab, aber Gerlind Reinshagen und Marielusie Fleißer und er bleibt zehn Jahre bis 1969 bei “Suhrkamp”.

In dieser Zeit wurde es auch politisch, der Brecht-Boykott, der ja vor allem in Wien von Friedrich Torberg und Hans Weigel ausging, wurde überwunden, Martin Walser schrieb seine ersten Stücke, in denen er den Holocaust aufarbeitete und Peter Weiss seine “Auschwitz-Stücke”.

Es kam die Studentenrevolte und bei “Suhrkamp” kam es zum “Aufstand der Lektoren”, so daß dann Karlheinz Braun 1969 mit dem Lektor Walter Boehlich, den er in einem langen Kapitel dem ” Suhrkamp-Leiter” Siegfrid Unseld gegenüberstellt, “Suhrkamp” verließ und mit ihm den “Verlag der Autoren gründete, einer, wo die Autoren die Eigentümer sind und die Lektoren, wie Karlheinz Braun als Delegierte fungieren.

Fast alle “Suhrkamp-Autoren” bis auf Peter Weiss machen mit, trotzdem sitzt der Verlag zunächst ohne Arbeit da, da die Autoren meist keine neue Stücke hatten, da hilft Urs Widmer, auch eine ehemaliger “Suhrkamp-Lektor” aus, der die Stücke von Eugene Labiche übersetzt und die “Experimenta” ein Avantagarde-Theaterfestival gab es auch.

Da wurde ein “Boulvardstück von ***” gespielt. Das Bühnenbild zeigte ein leeres Wohnzimmer mit Honecker-Bild. Das Telefon klingelt solange, bis  einer der Zuschauer ranging. Die Stimme in der Leitung sagte “Fühlen Sie sich wie zu Hause!”

Die Bühne füllte sich langsam, wurde zertrümmert und wieder aufgeräumt. Ob sowas wirklich ohne Inzensierung funktionieren kann, bin ich mir nicht sicher.

Der Übergang zur Wiener Gruppe, H. C. Artmann und Gerhard Rühm, der dann auch Gesellschafter beim Verlag wird ist damit  da und natürlich Peter Handke, dessen Stücke ein wichtiger Bestandteil des Verlages waren, bevor er sich  von ihm  trennt.

Es gibt in München auch einen Filmverlag und Hörspielproduktionen. KHB, wie er sich nennt, macht sich in Vorträgen über das realistische Theater Gedanken, fährt zum steirischen Herbst, wo er die österreichischen Autoren Harald sommer und Helmut Eisendle kennenlernt.

Peter Rosei hat er  schon vorher im Verlag gehabt. Ansonsten arbeitet er mit Botho Strauß, Hans Magnus Enzensberger, Heiner Müller aus der DDR, Gerd Loschütz, Dario Fo und und zusammen, bevor er 1976 einen “Brief an die Autoren” schreibt, in denen er ihnen mitteilt, daß er für drei Jahre an das Schauspielhaus Frankfurt gehen wird.

1979 kehrt er zurück, hat einige Krisen zu lösen, bekommt vom Regisseur, der Friederike Roths “Klavierspiele” so betreut, daß die Leute gehen, eine Ohrfeige und holt den linken österreichischen Autor, Gustav Ernst, den er ebenfalls beim steirischen Herbst kennengelernt hat, in sein Team, dessen Theaterstücke “Tausend Rosen” und “Blutbad”, im Volkstheater aufgeführt, für ihn aber zu sexistisch waren.

Elke Heidenreich, die berühmte, die sich ja sehr für das Lesen einsetzt, die aber auch Fernsehsketches machte, war mit ihrem Ex-Mann in dem Verlag vertreten und auf einige Autorenfilmer, wie beispielsweise Wim Wenders ging er auch in einem Artikel ein.

Bei Rainer Werner Fassbinders Film  “Berlin Alexanderplatz” soll er die Rolle des Rechtanwalts Dr. Löwenhund spielen und hat Schwierigkeiten den Text zu lernen, was erst mit dem alten Trick das Textbuch unters Kopfkissen zu legen, während er mit Fassbinders Crew Kegeln geht.

Und von den internationalen Autoren werden der Chilene Antonio Skarmetea und der Brasilianer Augusto Boal erwähnt, der, glaube ich, das freie Theater gründete.

1989 ging die DDR zu Ende was KHB auch sein Kapitel schließen  und das nächste, dann bis 2004 dem Jahr seiner Pensionierung weiter gehen läßt.

Gert Jonke den ersten “Bachmannpreis-Träger” hat er schon 1969 kennengelernt. Es gibt einen langen Brief an ihn betreffs seines “Naturtheaters”, wo es einige Regieanweisungen gibt.

Dea Loher, die glaube ich, mal auf der Longlist des dBps stand, wird erwähnt und die Walser Tochter Theresa, die mit dem Schriftsteller Karl-Heinz Ott verheiratet, von dem ich einige Bücher in meinen Regalen habe, die er 2007 also nach seiner Pensionierung in Konstanz besucht und sich an ihre Stücke erinnert.

Zu den unzähligen Verlagsautoren zählt auch Thea Dorn, die einen Krimi geschrieben hat, der in meinen Regalen steht, jetzt im “Literarischen Quartett” tätig ist und sich nach Theodor Adorno benannte.

Die Fragen, was das Theater ist und was es soll, wird in zahlreichen Artikeln erwähnt und es gibt zwei Essays oder Briefe die sich mit Botho Strauß befaßen. Ein nicht abgeschickter Brief an den Autor, der auch den Verlag verlassen hat, ist mit 2006 datiert, da war KHB nicht mehr im Verlag, hat ihn seinen Nachfolgern schon früher übergeben und beschäftigt sich jetzt im  Älterwerden und dem Blick zurück.

Die “Herzstücke” stammen eigentlich von Heiner Müller, aber ein Leben mit Autoren ist natürlich auch mit zahlreichen solchen verbunden und für die eher unbedarfte Leserin, die das Theater nicht unbedingt zu ihrem macht, war die Mischung zwischen Zeit- Theatergeschichte und Autobiografie sehr interessant, obwohl ich einiges, ich gebe es zu, überblättert habe, weil mein Herz ja der Prosa gilt und ich mit einigen Namen und behandelten Themen daher nicht soviel anfangen konnte.

So habe ich auch in meiner Besprechung vieles ausgelassen und mich eher auf das mir bekannte, also beispielsweise die österreichische Autorenschaft bezogen.