Der Frühling ist in den Bäumen

So jetzt ist es Schluß mit dem Krimireigen, der mich diesen Sommer durch Österreich, Italien und Frankreich begleitete und ich in den vier Büchern höchstwahrscheinlich die Variantenvielfalt dieses Genres hautnah beobachten konnte.

Denn Annemarie Mitterhofers “Magnolienmord” zitiert sich höchst aktuell durch die bräsanten Themen unserer Zeit und läßt Corona dabei aus, Erich Weidinger macht uns das schöne Salzkammergut schmackhaft und ist dabei sehr soft, was das Thema Gewalt betrifft, während Beppo Bayerl in einen realen Mordfall aus dem Wien des Jahres 1928 zurückführt und mir Philpp Gravenbach so richtig klarmachte was ein Thriller ist ,obwohl ich nicht alles verstanden habe.

Und das alles im schönen Frankreich, statt, wie geplant französische Bücher zu lesen, obwohl zu diesem Zeitpunkt sich meine Büchertasche schon mit einigen Originalsprachlichen gefüllt hat. Das wollte ich und habe ich nicht auf der Rückreise lesen und habe ich mich während unserer Reise mit Jana Revedins “Frühling in den Bäumen” etwas früher auf den Bodensee begeben, als wir in Wirklichkeit dort waren. Das Buch spielt aber ohnehin nicht im österreichischen Teil und außerdem hauptsächlich am ersten Mai 1953 zu einem Zeitpunkt also, als meine Mutter schon mit mir schwanger war und wer jetzt an den Maiaufmarschlich denkt, auf den sich damals höchstwahrschein mein Vater mit meiner damals elfjährigen inzwischen verstorbenen Schwester befand, irrt.

Denn davon ist überhaupt keine Rede, da die 1965 in Konstanz geborene Architektin Jana Revedin in dem Roman das Schicksal ihrer Mutter beschreibt, die, wie man am Klappentext und am Buchrücken lesen kann, die jüngste Assistentin Martin Heideggers war. Da Renina Dietrich aber erst vierundzwanzig ist, wird sie wahrscheinlich eher seine Dissertantin gewesen sein, denn 1953 ist sie schon von der Uni weg, sondern arbeitet im Verlag ihres Vaters und träumt davon, die erste deutsche Frauenzeitung namens “Lady” aufzubauen, denn sie will nach dem Krieg ein neues modernes Frauenbild aufbauen, also weg vom Mutterkreuz und der Küche.

Sie hat aber sehr gegen den Rat ihrer Eltern den Neffen Marlene Dietrichs geheiratet und der ist Doktor der Atomphysik. Man sieht also in welchen Kreisen das Buch spielt und es beginnt in einem Hotel am Bodensee. Denn da erwacht die junge Renina und merkt mit Entsetzen, daß sich im Bett zwar nicht ihr Mann, sondern zwei seiner Freunde befinden und der erklärt ihr dann, daß er sie aufwecken wollte und sie deshalb unter Drogen setzte, so daß er mit seinen Freunden mit ihr Gruppensex betreiben konnte.

Renina ist entsetzt und eröffnet ihn, daß sie ihn verlassen wird. Er droht ihr aber mit Gewalt. Sie hat aber das Glück, daß sich der Verlag ihrer Eltern auch am Bodensee befindet. So geht sie zu ihnen. Trifft vorher aber eine berühmte Frau, die aus der Emigration zurückgekehrt ist, ihr Vorbild, die sie ermuntert, sich zu wehren und mit ihrem Verlag weiterzumachen.

So geht es durch den Tag. Am Nachmittag reiten. Da trifft sie einen Freund, der vielleicht später der Vater der Autorin werden kännte geworden ist und am Abend gibt es einen Empfang in dem Hotel, wo ein kleines japanisches Wunderkind auftritt, sich die höchste Prominenz befindet, der gewalttätige Ehemann Renina aber zusammenschlägt, als sie ihm eröffnet, daß sie schon eine junge Anwältin gefunden hat, die sie unterstützen wird, so daß sie erst ein Monat später in einem Krankenhaus aus dem Koma aufwacht und dieses Ereignis gleich mit Champagner feiert, obwohl noch einige Untersuchungen anstehen.

Ein bißchen zu schön gefärbt, aber leicht zu lesen für die moderne oder auch noch konservative Frau, könnte man über das “Aufbau-Buch” unken. Es wird sicher seine Leser finden. Auf die deutsche Buchpreisliste, wie mir am Cap Ferret einfiel, ist es aber nicht gekommen.

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