Gebete der Einsamkeit

Ich tausche ja mit der lieben Doris Kloimstein seit einiger Zeit, wenn ich sie am Markt von St. Pölten treffe, immer wieder Bücher aus. Ich bringe ihr die, die ich in den offenen Schränken finde und ich für interessant halte und sie hat mir schon einiges sehr Interessantes gegeben, wo ich mit dem Lesen inzwischen gar nicht mehr nachkomme.

Clermont-Ferrand

Da die Doris ihre Ferien seit Jahren aber in Frankreich verbringt, haben sich auch einige von französischen Autoren auf meiner Leseliste angesammelt und die habe ich mir herausgesucht, als ich die Leseplanung für die Frankreichreise machte. Die hat dann erst im August statt im Juli stattgefunden und da hatte ich noch eine Reihe von Rezensionsexemplare zu lesen, so daß ich gar nicht mehr alle mitnehmen konnte. Für den “Zopf” ist es sich noch ausgegangen. Dann war ein dünnes Büchlein der letzten Nobelpreisträgerin dabei und als ich zum “Fetzen” greifen wollte, ist mir ein noch dünneres Büchlein von Antoine de Saint-Exüperi in die Hände gefallen, daß mir die Doris vor einigen Jahren, glaube ich, gegeben hat. Jedenfalls vorher, als ich Jörg H Trauboths “Bonjour St. Ex” gelesen habe. Denn da habe ich mich an das Büchlein erinnert und der Autor hat mich darauf aufmerksam gemacht, was ohnehin in dem Buch steht, daß die meisten Texte darin aus “Der Stadt der Wüste” stammen, die Antoine de Saint-Exupery neben dem berühmten “Kleinen Prinzen” noch geschrieben hat.

Das stimmt nicht ganz, denn der erste Text “Für Antoine” stammt von seiner Frau Consuelo. Die Anderen sind aus dem Buch und der Verleger merkt an, daß die Reihenfolge geändert wurde, beziehungsweise gibt es unter jeden Text, die Seitenangabe, wo man das Gedicht oder Gebet in “Der Stadt der Wüste” finden kann.

Camping Huttopia Royat

Es sind mehr poetische Texte als Gebete, wird noch angefügt und Antoine de Saint Exupuery wurde 1900 in Lyon geboren. An dieser Stadt sind wir auf der Rückfahrt auch vorbeigekommen. Es gibt dort auch einen Flugplatz, der seinen Namen trägt und der Flieger ist ja 1944 bei einem Aufklärungsflug über Südfrankreich abgeschossen worden.

Also durch die Gebete, was auf dem Campingplatz bei Clermont Ferrand sehr schnell geschehen ist, denn das Buch hat ja nur einundsechzig Seiten und dreiundzwanzig Texte und da gibt es das “Gebet der Einsamkeit”, die “Hymne auf die Stille”, die “Hymne auf die Nacht”, “Gott in der Wüste”, die “Stille des Friedens”, etcetera.

Und jetzt durch das Buch, was für eine Frau, die weder gläubig noch katholisch ist, sehr interessant war, ein bißchen über Antoine de Saint Exuperys Gedankenwelt zu erfahren.

So schreibt er in der “Hymne auf die Stille”: “Stille du Musikantin der Früchte!- Stille der inneren Worte, denn es ist gut, wenn du Gott wiederfindest”.

In “Stille, Hafen der Schiffe” klagt er “Oh du Schwätzer! Wie sehr haben sie die Menschen verdorben”, an.

In “Der Friede ist ein Baum” schreibt er “Erleuchte mich, Herr. Lass mich an Weisheit zunehmen, damit ich versöhne.”

“Es lügen alle” finde ich auch sehr interessant, wo er schreibt:

“Es lügt der Liebende, der dir vorgibt, dass Tag und Nacht das Bild seiner Geliebten in ihm wohne. Ein Floh lenkt ihn davon ab, denn der Floh sticht. Oder auch nur die Langeweile, denn dann gähnt er”.

Das finde ich sehr originell und wird sich bei mir einprägen und hängen bleiben.

Es ist also ein sehr interessantes Buch und es war sicher sehr eindrucksvoll sich auf der Rückreise nach Wien ein wenig in die gläubige Gedankenwelt des Autors des “Kleinen Prinzen” einzulesen, von dem meine Französischlehrerin in der Straßergasse immer leidenschaftlich schwärmte und den Hut des Napoelons auf der Tafel aufzeichnete.

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