Von Massentests und Freitesten

“Testen, testen, testen!”, kann man jetzt immer hören und da wurde Anfang Dezember, als der Lockdown light oder hart langsam aufgehoben werden sollte, obwohl die Zahlen noch immer sehr hoch waren, verkündete der Kanzler plötzlich, daß es Massentests, wo die Bevölkerung in ein paar Tagen mit einem Schnelltest durchgetestet werden sollte, damit man Weihnachten in Ruhe feiern könne, nach dem Vorbild der Slowakei, wo das schon praktiziert wurde, geben würde.

Ab da gab es dann eine große Diskussion über die Freiwilligkeit. In der Slowakei war es das offiziell, aber ging man nicht dorthin, hätte man nicht mehr aus dem Haus, zur Arbeit oder einkaufen können, so daß der Bevölkerung nicht viel anderes übergeblieben ist. Das führte zu einer großen Testunlust, beziehungsweise zur Frage der Sinn oder Verhältnismäßigkeit? Denn diese Test sind ja nur Momentaufnahmen und stellt man sich in den Messenhallen an, um sich von den vermummten Bundesheersoldaten in die Nase bohren zu lassen, kann man sich auch anstecken, hieß es und dann kamen auch Gerüchte, daß der Kanzler, die Tests in der Schweiz doppelt zu teuer, als die Slowaken eingekauft hätte, die nun vertestet werden mußten, so hörte man in den Medien, daß man das tun müße, weil man sonst schuld wäre, daß hundert Arbeitsplätze verloren ginge, warum, das mit dieser Momentaufnahme geschähe, wenn man vielleicht ohnehin zu Hause bliebe, wurde nicht erklärt, nur, daß das sogar kriminell wäre oder man faul, wenn man lieber statt dessen Eislaufen ginge, denn der Eislaufverein hatte ja unter besonderen Sicherheitsauflagen im Dezember geöffnet.

Die Leute ließen sich von diesen Drohungen nicht abschrecken, der Zulauf blieb gering. Zwanzig Prozent oder so und so hörte man von Anreizen die gegeben werden sollten, fünfzig Euro oder so, wenn man sich testen ließe, was wohl etwas kindlisch wäre und die Bürger zu, aber diese krampfhaft Austreibung eines Virus mit schnlee testungen halte ich ohnehin dafür obwohl die Virologin Pamela Rendi-Wagner sehr dafür ist und dann kam der Hammer, die freiwilligen Tests sollen verpflichtet werden zumindestens fürviele oderfast alle Berufsgruppen und der Lockdown, der nach Weihnachten, daziwschen waren ein paar Tage die Geschäfte für das Einkaufen wieder offen, sollte zu bis achtzehnten Jänner vorgesetzt werden. Danach dürfe oder müsse man sich freitesten um die Privelegien zu erhalten wieder in Restaurants oder zum Friseur zu gehen, die anderen die schlimmen ungehorsamen, die sich nicht testen lassen, müßen weiter zu hause bleiben, was zu aufschreien und Gerüchte führten, daß man dann nur mehr mit FFP2-Masken auf die Straße oderzur Arbeit dürfe und damitdie Gesellschaft in zwei Klassen markiert wurden. Was man dann ohne test dürfe oder nicht dürfe, warnicht so klar, weil jeder etwas anderes sagte, nur, daß man zwar zu Weihnachten mit zehn Personen aus zehn Haushalten, als in der Praxis wohl schwer zu realisieren war, feiern dürfe, aber ab dem sechsundzwanzigsten in den harten Lockdown und testen solle man sich vor der Freitestung am fünfzehnten Jänner auch im mit der Familie feiern zu können, was erstaunlicherweise viele Leute dann auch taten, weil sie es offenbar als sinnvoller erachteten. Zu Silvester gab es dann wieder die Ausgangssperren, keine Parties, keine Feuerwerke, nur ein Gerangel von einigen Syriern am Reumannplatz, die die Polizisten mit Feuerwerkkörper beschoßen, Skandale gab es auch bezüglich der Skiliste die zwar am vierundzwanzigsten Dezember aufsperrten man die Gondel aber nur mit FFP2-Masken und die Sessellifte betreten durfte und Germknödel und Jagatee wurde auch nicht verkauft, während man beim Eislauftraum am Rathausplatz einen Pipser umgehängt bekam, der meldete wenn man jedmanden näher als zwei Meter kam.

Nun gut oder schlecht trotzdem Weihnachten so ungestört wie möglich feiern, die Zahlen die inzwischen über tausend liegen, stiegen am Vierundzwanzigsten und am Einunddreißigsten prompt wieder an und Rand Wagner meinte, daß man über Lockerungen nach dem Achtzehnten, wenn die Zahlen bis dahin nicht unter tausend liegen würden, gar nicht nachdenken brauche.

Ja die Impfungen haben am siebenundzwanzigsten Dezember auch angefangen, da gab es am siebenundzwanzigsten Dezember ein sogenannten Schow-Impfen in einigen Altersheimen, wo die Zahl der Erkrankten ja besonders hoch sind, aber dann wieder plötzlich eine Testpause und Schwierigkeiten mit den Impfdosen die offenbar doch nicht so schnell und Impfplan gemäß nach Österreich kommen sollten und am einunddreißigsten Dezember, wo wir mit einer Flasche Sekt auf die Rudolfshöhe wanderten, weil man jetzt ja alles mitnehmen muß, hörte man wieder, die wildesten Gerüchte was dann mit dem Freitesten geschehen würde und ob man wenn man sich nicht impfen lassen würde, dann noch notbehandelt würde oder selber schuld sei wenn man krank wird. Klar trage ich das Risiko, wenn ich mich dafür oder dagegen entscheide, aber wenn sich nicht genügend Leute impfen lassen funktioniert das Ganze nicht und am ersten Jänner hieß es plötzlich, die Novelle für das Epidemiegesetz, wo das Freitesten ermöglicht würde, ist eingebracht und man hat drei Tage Zeit dagegen Stellung zu nehmen. Ex-Minister Kilkl tobte, der Alfred schickte mir den Link zur Parlamentsseite und jubelte, daß die Zahl derjenigen, die Einspruch erhob innerhalb Minuten von dreißig auf dreihundert angestiegen wäre, mir ist es dann gerade noch gelungen meine Stellungnahme abzugeben. Der Alfred hatte dann schon Schwierigkeiten denn die Seite krachte zusammen und am nächsten Tag verkündete die Opposition, daß sie dagegen doch Einspruch erheben würde, so daß das Freitesten doch nicht kommen könnte und der allgemeine Lockdown auf den vierundzwanzigsten Jänner verschoben würde, die Friseur aber öffnen dürfen.

Chaos pur und eine Entmüdigung durch die ständigen Gerüchte, was man dürfe und was nicht und Aufhebelung der Grundrechte, was manche der Einspruchsheber darunter auch ein oder der Christian Kern auch entsprechend scharf formuliert haben.

Chaos pur und keine Aussicht auf Freiheit, wo und wann haben wir sie verloren, denn die Gerüchte, daß die alte Normalität auch trotz Impfung im Sommer nicht kommen wird, mehren sich, weil das nächste Virus oder die entsprechende Mutation die angeblich siebzig Prozent ansteckender als das alte ist von England schon nach Amerika hinübergeschwabt und wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit bis es auch bei uns ist und ob die Impfung auch die sogenannte Herdenimmunität die ja erwünscht wäre, bewirkt, ist wie ich höre, offenbar auch nicht so klar und so können wir gespannt sein, wie es weitergeht, sehr optimistisch bin ich aber nicht!

Hypochonder leben länger

Ich weiß nicht, ob es meine Leser gemerkt haben, ich bespreche hier zwar Sachbücher. Psychologische sind aber aber mit Ausnahme des Thomas Stompe, nicht so viele dabei. Die Fachbücher also in die pschologische Praxis, die Literatur, die politischen und literataurwissenschaftlichen Fachbücher in den Blogs, aber Ausnahmen gibt es immer. Den Thomas Stompe, den ich ja auch bei dem klinischen Mittagen hörte, war eine, als sein Buch bei “Residenz” erschienen ist und jetzt habe ich eines unter dem Titel “Hypochonder leben länger”, angeboten bekommen und der erste Gedanke war, danke, nein, ich blogge hier nicht über pyschiatrische Diagnosen, höchstens über lebensgeschichtliche Bücher, wie über das Leben mit “Alzheimer”, Krebs, einem ALS- Angehörigen, das Schicksal eines Sterbebegleiters.

Aber es war von Jakob Hein, dem Sohn des berühmten Christoph, der “Drachenblut” geschrieben hat und damit die DDR vor zig Jjahren in Aufruhr brachte und der ist, obwohl er schon viele Romane geschrieben hat, einen habe ich auch gelesen, ein oder mehrere andere stehen in meinen Regalen, Pyschiater und da ich ja bei Büchern nur schwer “Nein!”, sagen kann, habe ich es mir schicken lasen und gedacht, ich bekomme jetzt eine mehr oder weniger witzige, geistreiche, etcetera, Abhandlung über den Hypochonder zu lesen und dachte dann auch, nachdem ich jetzt ja die “Fledermaus” neu inszeniert habe, werde ich das auch auf die Corona-Frage übertragen können, die ja das Hypochondertum fördern dürfte.

Aber weit gefehlt, es geht um etwas ganz anderes in dem Buch, das bei “Amazon”, wie ich gesehen habe, auch schlechte Kritiken hatte. Ein Psychiater, der auch Schriftsteller ist, plaudert aus seiner Praxis, weil ihm einmal jemand geraten hat, ein Buch darüber zu schreiben, warum er Psychiater geworden ist oder welcher er nicht so gerne wäre und da fällt mir ein, ich habe ja einen “Hauspsyschiater”, den Theo Hardenberg, der in der “Frau auf der Bank”, beim “Frühstück” und dann noch, glaube ich, bei den “Berührungen” vorkommt. Der Sohn der Doris Kloimstein ist einer und ich schaue in letzter Zeit auch gern die Videos des Raffael Bonelli, der in der Corona-Frage seinen Senf in Sachen Deeskalation gern dazu gibt.

Jakob Hein macht vielleicht etwas Ähnliches. Er erzählt in Kapiteln, die Überschriften, wie “Irrenarzt – Schwer stelle ich mir Ihren Beruf vor. Sehr schwer”, warum er Psychiater geworden ist und, daß er gar nicht wußte, daß man Medizin studieren muß, um ein solcher zu werden, weil die Leute ja immer noch nicht den Unterschied zwischen Psychologen, Psychotherapeut, Psychiater und Psychoanalytiker kennen.

Ich weiß ihn, obwohl es in Deutschland, glaube ich, noch einmal anders, als in Österreich ist, denn da kann der Psychologe, glaube ich, auch psychotherapeutisch tätig sein, während das bei uns getrennte Ausbildungen sind. Obwohl sich die Berufsfelder, wie bei mir beispielsweise, wieder überschneiden und derzeit bin ich ja eine studierte Psychologin, die hauptsächlich Psychotherapie betreibt und dann als Jakob Hein geschnallt hat, daß er um Psychiater zu werden, Medizin studieren mußt, hat er einige Jahre gebüffelt und gebüffelt und wurde von seinen Germanistik studierenden Freunden nicht verstanden, daß er Monate, nicht Wochen für eine Prüfung lernt, jetzt weiß er aber auch, daß dieses Fachwissen für seine Tätigkeit wichtig ist und das denke ich würde auch den psychologen und Psychotherapeuten nicht schaden. Die Psychoanalytiker gehören ja zu den Pschotherapeuten, haben oft Medizin studiert und der berühmteste ist wohl der Urvater Sigmund Freud von dem ich gar nicht sicher bin, ob es damals schon das Spezialgebiet der Psychiatrie gab.

Im zweiten Kapitel kommt Jakob Hein dann zu den Klischees, die es über Psychiater gibt, nämlich, daß das weißbärtige alte Herren sind, die hinter einer Coach sitzen auf der junge hübsche Frauen liegen, die er dann jahrelang viermal in der Woche, um neunhundert Euro in der Stunde beschweigt oder zu denen, die selber verrückt sind, aber ihre Patienten malträtieren. Das führt dann zur Frage, wie verrückt oder normal die Patienten sind und, ob die in die Praxis kommen, nun eine Störung haben oder nicht?

Die meisten Patienten oder Klienten, die ich gesehen habe, hatten aber eine Depression, eine Panikattacke oder ein Burnout, während und das ist interessant, Jakob Hein von den Menschen in den internen Abteilungen schreibt, die glauben, sie haben einen Herzinfakt und dann wars doch nur eine Panikattacke und da fällt mir ein, daß im Margaretenhof einmal eine Frau wochenlang neben ihrer toten Mutter war und die Psychiater konnten angeblich keine psychischen Auffälligkeiten feststellen, etwas, was ich mir eigentlich schwer vorstellen kann, aber ich habe den Fall nicht diagnostiziert.

Aber zu zurück zu Jakob Hein und seiner Praxis, der schreibt, das selten gesunde Patienten zu ihm kommen, mit Außnahme derer, die von ihm ein Gutachten für das Gericht oder die Pensionsanversicherung, in Deutschland, heißt das, glaube ich, Rentenantrag, brauchen.

Das nächste Kapitel führt dann wieder zu Hein selbst, wo er beschreibt, daß er einen Chefarztposten ausgeschlagen hat, weil es ihm lieber war, in die psychiatrische Praxis zu gehen. Hein ist übrigens Kinder- und Jugendpsychiater und da muß ich natürlich sein österreichischen Pendant Paulus Hochgatterer erwähnen, der übrigens ausgezeichnete Texte über gestörte benachteiligte oder traumatisierte Jugendliche schreibt.

Von Kapitel zu Kapitel hantelt sich Jakob Hein weiter und gibt seine Sicht der Dinge von der anderen, der persönlichen Psychiater-Seite bekannt, was ich sehr spannend finde, aber nicht ganz so leicht zu verstehen ist, wie er das jetzt meint?

Hat man das doch öfter schon ganz anders gehört. So geht es um die Cocktailparties-Fragen, also um die, die der Psychiater hört, wenn er sich auf einer Party befindet, da fängt man an mit ihm über psychiatrische Probleme zu plaudern, die man hat und ihm Fragen zu stellen, auf die auch die Psychiater keine Antwort wissen. Er wird von den Freunden um zehn Uhr abends angerufen und kann auch nichts anderes tun, als sie zu einem guten Kollegen zu schicken, aber die guten sind auf Jahre überfüllt und können keine neuen Patienten nehmen.

Es geht um die Frage, ob man zu den Medikamenten Alohol trinken darf? Was mich auch etwas erstaunte, denn, ich glaube, das sagen ja die Psychiater oder steht auf den Beipackzetteln, daß man das nicht soll. Ich kenne aber viele, die das ohne Auswirkungen tun und manche sind sehr ängstlich und halten sich von selber zurück.

Dann kommt auch die Frage warum jemand trinkt oder ob die Krankheit genetisch ist? Hier kommt Jakob Hein mit dem biologischen psychosozialen Modell und meint, daß man jedes Problem von jeder dieser Seiten betrachten und behandeln muß. Nur Medikamente sind zuwenig, nur Psychotherpie vielleicht auch und der Psychiater kann dem Patienten auch keinen Rat geben, auch wenn, die von ihm natürlich die Lösung, bzw. den Zauberstab wollen.

Das erklärt er vielleicht auch ein wenig umständlich, daß es beim Psychiater, um das richtige Fragenstellen und nicht um die Antwort geht, denn, die muß der Patient schrittweise für sich selber finden und dabei kann ihm der Psychiater, ich meine wohl eher der Psychotherapeut helfen und gibt er zu große Schritte vor, schaut ihm der Patient verständnislos an? Die Psychiater, die ich aus meiner Praxis kenne, sind meisten keine Psychotherapeuten und verschreiben hauptsächlich Medikamenten. Aber da kann das Gespräch und der Aufbau einer empathischen Beziehung auch sehr hilfreich sein und wenn man sich mit dem Patienten dabei ein bißchen unterhält, Fragen stellt, etcetera, kann man das dann abrechnen und der Patient fühlt sich im günstigsten Fall besser und bedankt sich für die Hilfe und der Psychiater denkt, ich habe doch gar nichts dazu getan.

Jakob Hein wehrt sich gegen das Expertentum, das heißt, der Fragen der Journalisten welche Diagnose nun der oder der Politiker hat oder, wie sich die Verschütteten in einem Bergwerk fühlen und mahnt, daß man keine Ferndiagnosen geben soll.

Dann nimmt er verschiedene Problemfelder aufs Korn, wie das beispielsweise in der Pubertät ist? Er arbeitet ja als Kinder undJugendpschiater, obwohl sich viele seiner Beispiele auf Erwachsene beziehen und er, glaube ich, trotz seiner seiner psychiatrischen Facharztausbildung mehr als Psychotherpeut derauch oder auch Medikamente verschreibt, tätig zu sein scheint, was die unterschiedlichen Berufsfelder für den normalen Leser wahrscheinlich nicht viel klarer gemacht haben.

Er geht auch auf die Diagnosen ein, warum man sie braucht und wo sie hindern, weil jeder Patient ja einzigartig ist.

Ich sage meinen Klienten immer, daß Diagnosen für die Krankenkasse wichtig sind, weil die ja keine Therapien für Gesunde bezahlen wollen. Es geht aber auch im die Expertise, wenn man weiß, wie man Depressive am besten behandelt, tut man sich leichter und muß das Rad nicht jedesmal neu erfinden.

In einem Kapitel widmet er sich dem Cannabis und beginnt es gleich, daß er für die Freigabe ist und ich dachte, uje uje, habe ich ja schon bei einigen Leuten erlebt, wie die dadurch in eine Psychose kippten. Jakob Hein erwähnt das aber später auch und meinte vorher, es gibt Erkrankungen bei denen wäre Cannabis hilfreich. Das muß man aber erst beantragen und bis das bewilligt wird, hat sich das der Patient schon längst am Schwarzmarkt besorgt.

Ein interessantes Buch, wo ich nur nicht weiß, wie es von Leuten verstanden wird, die weder eine Pyschotherapieausbildung machten, noch Psychologie studierten, auch keine Psychiater oderPsychiatrie- Betroffene sind? Mir hat es einiges klargemacht und es war auch leicht und amüsant zu lesen, so daß ich es weiterempfehlen kann und was den titelgebenden Hpochonder betrifft, der wird in einem Kapitel auch thematisiert. Da meint Hein, sieleben länger, weil sie sich mehr um ihre Gesundheit können, wenn sie, fügt er listig hinzu, nicht zuviel Medikamente beschrieben bekommen und ich ergänze, daß sie auch nicht zu vielen Somatikern unters Messer fallen dürfen, die sie dann vielleicht doch operieren.

Ein Kapitel, wie sich die Diagnosen im Lauf der Zeit ändern, gibt es auch, über das man nachdenken kann und das sich an das vorher Thematisierte aschließt, denn früher hat man ja bei den Schizophrenen die Lobotomie betrieben und der Arzt der die entdeckte, hat sogar den Nobelpreis bekommen.

So kann man sich irren, also vorsichtig sein und zu dem mündigen Patienten werden, den, glaube ich, auch Jakob Hein bevorzugt und der jetzt auch das Internet hat, um sich vorher zu informieren, ob er die vorgeschlagenen Medikamente auch verschrieben haben will. Aber bitte keine Beipackzettel lesen, denn dann ist man so verwirrt, daß man sich das nicht zu nehmen traut und, daß in Zeiten der Pandemie, wo das Gesundheitssstem ja hinuntergefahren wurde und Gesunde gestestet werden, auch wieder mal anders ist, wurde von Jakob Hein, dessen Buch im August erschienen ist, zumindestens thematisiert.

Das Jahr ohne Worte

Ich kann ja schwer nein sagen, wenn mir Bücher angeboten werden, weil ich ja eigentlich alles lesen will, so stehen manchmal Bücher auf meiner Liste, die nicht so literarisch sind, nicht auf den Buchpreislisten stehen, aber trotzdem sehr interessint sind und da ich ja auch Pyschologin und Pyschotherapeutin bin, interessieren mich Bücher über oder von Menschen in allen Lebenslagen ja auch sehr, so ist mir auch mit Syd Atlans “Das Jahr ohne Worte” gegangen, da heißt, eigentlich wußte ich von dem Buch nicht so viel, weil ich meistens nicht die Beschreibungen studieren bevor ich es anfordere, ja lieber Uli, ich bin da etwas schnell und flüchtig, wurde aber, füge ich hinzu auch noch selten enttäuscht.

“Das Jahr ohne Worte” ist schon äußerlich ein sehr buntens Buch, rot, orange, gelb, grün, die berühmte Ampel nach unten, könnte man so sagen und so war es dann wohl auch. Das Buch ist in Jahreszeiten, Frühling Sommer, Herbst, Winter gegliedert. Dann gibts noch eine fünfte Jahreszeit, sowie eine Vor- und eine Nachsaison und Syd Atlas ist eine in Brooklyn geborene Theaterwissenschaftlerin und Schauspielerin, die schon lange in Berlin lebt und als Rhetorikcoach arbeitet.

Die vier Jahreszeiten sind auch mit den jeweiligen Motti, die über den einzelnenKapiteln stehen, auf Karten geschrieben, die dem Buch beilagen, geschrieben. Auf eine fünfte hat Syd Atlas “Liebe Eva, ich freue mich , meine Geschichte mit dir zu teilen”, geschrieben und die hat es wohl in sich.

In der Vorbemerkung und im Frühling steht dann auch geschrieben, wie Syd Atlas, den Filmemacher Theo kennenlernte. Das war in einem Berliner Cafe. Sie hatte schon einen Sohn namens Henry, war von ihrem Mann, der ihr zu langweilig war, geschieden, aber immer noch befreundet, stand nach einer Fastenkur und hat sich frisch in den Theo verliebt, als sie ihm fragte, ob er ihr ein “Stück aus der Zeitung reißen könne?”, Deutsch ist ja nicht ihre Muttersprache. Die große Liebe begann, die aber schon im ersten Kapitel im Streit endet. Sohn Sam wird geboren und dann bricht die Kranlheit, AlS, die die auch Stephen Hawking hatte, die unheilbare, wie öfter steht, um dieses sperrige Wort zu erklären. Sie glaubt es ihm zuerst nicht, denn er ist ein Hypochonder, später wehrt sie sich wohl ihr Unbewußtes dagegen. Sie holen aber verschiedene Expertisen ein, reisen dazu sogar nach Israel Syd Altlas ist Jüdin, aber Theo fällt das Sprechen schon sehr schwer und wird immer weniger verstanden. So beschließen sie zu heiraten, das tun sie auch dreimal. In Kopenhagen wegen der Formalitäten, Syd war ja geschieden, hatte aber ihre erste Heiratsurkunde verloren, dann in Deutschland und in Amerika. Theo muß ins Krankenhaus, bekommt eine Magensonde, eine Tracheomotie. Pflegerinnen ziehen in die Wohnung, die Au Pairs sind schon da, denn Syd ist beruflich sehr erfolgreich und fliegt in der ganzen Welt herum. Die Kinder wehren sich gegen die Pflegerinnen, Syd gegen Sex mit Theo und brauch immer mehr Gin-Tonic, um das auszuhalten und fragt ihn auch einmal, ob er nicht in Würde sterben will. Das war ehrlich. Er ist aber beleidigt, schickt das an seine Familie. Sie findet die Sprachnachrichten. Theo kann längst nicht mehr sprechen und gehen, hat aber zwei Affairen. Mit einer lesbischen Kollegin und einer Pflegerin, will ausziehen. Es kommt zum Rosenkrieg, bis Syd das ehemalige Schlafzimmer ausräuchert und Theo vergeben kam, am Ende besuchen sie und ihre Söhne ihn zuerst in seiner Pflegewohnung, dann im Krankenhaus und nehmen Abschied von ihm.

Ein interessantes Buch, vielleicht für sensible, nicht betroffene Gemüter vor allem in Zeiten, wie diesen, nicht leicht zu lesen, aber für betroffene Angehörige sicherlich sehr hilfreich und so habe ich das neue Jahr, wo die Aussichten ohnehin sehr pessimistisch sind, mit einem interessanten Buch beginnen. Das über Hypochonder, von einem Pyschiater geschrieben, der und dessen Vater auch Schriftsteller sind, wird bald folgen.

Zoom-Jurytreffen

Ich habe ja schon geschrieben, daß mich die Corona-Krise noch mehr, als es schon war vom Literaturbetrieb weggebracht hat, für den Samstagabend gilt das nicht, denn da hätte ich gleich zwei Treffen gehabt, um sieben ein Zoom-Jury treffen, um sich über die fünf Shortlistbücher des Bloggerdebuts miteinander auszutauschen und um acht hat Jurenka Jurk ihr erstes Webinar bezüglich des Fünftagekurs “Plan dein Romanschreibjahr”, das mich noch bis sechsten begleiten wird, gegeben hat und das ich, wie in den letzten zwei Jahren wieder mitmachen möchte, obwohl ich mein Romanschreibjahr 2021 eigentlich schon geplant habe und da kann ich gleich spoilern, daß ich das Webinar, weil das Zoom-Treffen sehr lang war, fast versäumte, was aus den schon zitierten Gründen, aber wahrscheinlich nichts macht, obwohl die Teilnehmerfragen zu denen ich noch zurecht kam, sehr interessant waren

Der Bloggerdebutpreis, den die Frauen vom “Debut” ins Leben gerufen haben, gibt es seit 2016 und seitdem bin ich auch dabei und lese mich durch die Jahresdebuts und finde die fünf ausgewählten Bücher immer sehr interessant und unterschiedlich.

Die Shortlist wurde am dreißigsten November auch, Corona macht es offenbar möglich oder die Debutfrauen auch durch einen Zoom-Konferenz bekannt gegeben und da ich ich bezüglich Internet ein wenig altmodisch bin und auch einen veralteten Browser habe, kann ich bei den meisten Zoom-Konferenzen den Ton nicht hören und so war die Shortlist-Bekanntgabe ein ziemliches Rätselraten, weil Bozena Badura, die ich ja einmal in Essen kennenlernen konnte, die Bücher nur sehr kurz in die Höhe gehalten hat, ich konnte aber alle erraten und habe sie inzwischen alle gelesen und kann mir jetzt die Zoom-Konferenzen auch über Alfreds Laptop, wo der Ton funktioniert anhören, was die Frauen ein wenig verwirrte, da plötzlich ein unbekannter Teilnehmer anwesend war. Dann aber klappte, das heißt, ich konnte mich nicht direkt beteiligen, weil ich kein Mikro habe oder mich damit nicht auskenne, konnte diesmal aber gut zuhören, was die neun anderen Teulnehmer, der sechzehn Jurybloggern zu den Büchern zu sagen hatten, eine Facebookgruppe gibt es auch, da bin ich auch dabei, blogge die Bücher also sehr isoliert vor mir, gebe aber manchmal auf den anderen Blogs Kommentare und bekomme auch welche.

Zuerst wurde gefragt, wer schon welche Bücher gelesen hat, da stehen ja

1.Lucia Leidenfrost “Wir verlassene Kinder”

2. Deniz Ohde “Streulicht”

2.David Misch “Schatten über den Brettern”

4. Cihan Alcar “Hawaii” und

5. Amanda Lasker-Berlin “Elijas Lied” auf der Liste.

Mit der Diskussion über “Streulicht” wurde dann begonnen, das ja weil es auch auf der “Shortlist des Deutschen Buchpreises” stand und den “Akzente-Debutpreis” bekommen hat, das bekannteste ist und das hat, glaube ich, den meisten Bloggern gut gefallen. Mich hat es, das habe ich schon geschrieben, nicht so beieistert, weil ich die Bildungsdiskriminierung von Migrantenkindern nicht so ungewöhnlich fand und mich sonst auch nicht so sehr mit den Stil erwärmen konnte. Die Diskussion darüber war aber sehr lang und interessanterweise wurde dann noch über einige andere deutsche Buchpreisbücher diskutiert und sehr lange über Anne Webers “Heldenepos”, das bei den Diskutanten nicht so gut weggekommen ist. Ich habe es zwar auch nicht so ungewöhnlich aber sehr interessant gefunden, hatte keinen so besonders großen Einwand, daß es den Preis bekommen hat, obwohl ich mir eigentlich den Thomas Hettche erwartet hätte und einen Zusammenhang zwischen dem Epos und Deniz Ohdes Buch kann icheigentlich auch nicht so besonders sehen, war aber interessant, die Gedankensprünge zu verfolgen.

Dann wurde Cihan Alcars “Hawaii” besprochen, das mir recht gut gefallen hat. Da wurde die einfache Sprache diskutiert, die dieser junge Ex-Fußballer hat und dann kam für mich die Überraschung, nämlich die Verurteilung eines Buchs, das mir sehr gut gefallen hat, weil es Tabus bricht, die man sonst eigentlich nicht so auf den Buchpreislisten findet, wo es ja oft um den Sex und die Liebe der älteren Männern geht .

Bei “Elijas Lied” hat die sehr junge Autorin meiner Meinung nach ein sehr frisches Buch geschrieben, obwohl ich mit der Sexualbegleiterin, wie das jetzt zu heißen scheint, die in ein Pflegeheim am Abend arbeitet, während sie am Tag in einer Kantine jobbt und dann noch einen Freund in den oberen Etagen hat, nicht so viel anfangen konnte und dachte, das ist halt so bei den Debuts, daß man es da sehr überzeichnet macht. Das wurde, glaube ich, auch sehr dkritisiert und aufgezeigt, daß eine der beschriebenen Szenen schon woanders zu finden wären. Mich hat ja sehr beeindruckt, wie genau Amanda Lasker-Berlin, die neue Rechten- Szene beschrieben hat. Ich habe mir ja eine Weile Martin Sellners Videos angeschaut. Amanda Lasker- Berlin scheint das auch getan und daraus ihre Loth geformt zu haben. Am meisten hat mich aber die Beschreibung der Elija” und dabei bleibe ich, beeindruckt, denn wenn man seit 2007 Jurymitglied des “Ohrenschmauses” ist und da auch immer die Tanzeinlagen bei den Preislverleihungen sieht, weiß man ungefähr, wie es den jungen Frauen mit Down-Syndrom, die, glaube ich, oft noch immer keine Kinder bekommen dürfen, aber künstlerisch sehr gefördert werden, geht und so habe ich die Schilderung der Elija sehr realistisch gefunden und bleibe, auch wenn ich da vielleicht allein sein werde, dabei, daß ich das Buch für etwas besonderes halte.

Dann wurde David Misch besprochen, mit dem ich ja auch meine Schwierigkeiten hatte und eine ähnliche Dskussion erwartet hätte. Die kam dann auch, ist aber nicht so schlimm ausgefallen. Wahrscheinlich auch, weil solche Bücher vielleicht doch nichtso ungewöhnlich sind, als die Schilderung eines Down-Sndroms und als Letztes kam die Besprechung von Lucia Leidenfrosts “Wir verlassenen Kinder”, das ich ja schon im Frühling gelesen habe und das den meisten wieder sehr gefallen hat, so daß wir sehr gespannt sein können, wie die Entscheidung der Blogger ausfallen wird. Die dann am fünfzehnten Jänner, wo interessanterweise auch die “Ohrenschmaus-Jurysitzung ist, bekanntgegeben wird.

Ich kann da noch nichts voraussagen, aber sehr empfehlen, die Bücher selbst zu lesen und sich ein eigenes Urteil zu machen, ob es jetzt Deniz Ohde oder vielleicht doch Amanda Lasker-Berlin schaffen sollte?

Wie wird die neue Normaltät?

Das Jahr 2020 war ja, wie schon geschrieben, ein besonders verflixtes, wo man plötzlich Masken tragen mußte, Hausarrest bekam von dem man sich frei testen kann und seine Daten bekannt geben muß, wenn man in ein Restaurant oder ins Literaturhaus gehen will und man noch vor einem Jahr den Kopf geschüttelt und “Hast du nicht alle, wie kommst du auf solche Ideen?”, gefragt hätte.

Ein verrückt verflixtes Jahr, keine Buchmessen, keine Auslandaufenthalte keine Lesungen und wie geht es weiter?

Politisch mit dem zweiten Massentest aus dem man sich, wie schon geschrieben “freitesten” kann, wenn man nicht noch eine Woche länger zu Hause bleiben will. Dann wird auch schon mit derImpfung begonnen, wo ja noch lustig diskutiert wird, ob es da jetzt eine Impflicht geben soll und wo und, wie man sich freiimpfen kann um arbeiten zu können, auf Urlaub zu fahren, etcetera und ich bin ja eine, die bisher sehr erfolgreich das Maskentragen und Registrieren vermieden hat, das heiß,t ich war seit Monaten in keinem Geschäft und auch bei keiner literarischen Veranstaltung. Da war ich das letzte Mal im Oktober bei den “Wilden Worten” im Amerlinghaus und im Dezember bei einer Veranstaltung am Ballhausplatz. Richard Weihs hat Lockdown bedingt die Veranstaltungen für das nächste halbe jahr schon abgesagt und plant, wenn alles vorbei sein sollte, ein großes Fest und ich würde ja gerne wieder einmal bei den “Wilden Worten” lesen. Einmal habe ich das ja schon und mich schon im vorigen April gefragt, wie es literarisch bei mir weitergeht und, ob diese Pandemie meinen literarischen oder auch sonstigen Ausstieg bewirken wird?

Wie wird es weitergehen? Wann wird man wieder ohne Maske in die “Alte Schmiede”und vielleicht auch dort lesen können? Stoff dazu hätte ich ja schon und das Jahr 2021 wird bei mir ja gleich mit einem neuen Buch beginnen, meinem zweiten Corona-Buch, in dem ich die Sommersituation beschrieben habe. Buch drei, das ich im letzten November während meines letzten “Nanwrimos” geschrieben habe, korrigiere ich derzeit mehr oder weniger lustlos herum und habe dann schon daran gedacht ein drittes Literaturgeflüsterbuch mit den CoronaTexten herauszugeben, von denen ich ja schon sehr viele habe.

Wie wird das Jahr 2021 werden? Wird die Pandemie beendet und das Licht am Tunnel zu sehen sein, wie der Bundeskanzler ja schon im letzten Sommer versprochen hat? Also keine Masken mehr, keine Anmeldeungen und kann man dann auch wieder auf Urlaub fahren? Da wollten wir ja im letzten Juni ein wenig Radfahren und der Alfred hat sich, als er sich in Pension begab, sogar einen Campinganhänger gekauft. Werden wir das erste Mal seit 2018 heuer wieder nach Leipzig fahren? Die Buchmesse soll ja heuer erst im Mai wenn überhaupt stattfinden. Wird es die “Buch-Wien” geben und auch die Preisverleihungen zu denen ich ja immer gerne hingegangen bin und werde ich vielleicht auch selber einen Preis bekommen, das würde ich ja gern, schaut aber nicht so aus, daß mich jemand vorschlagen würde.

Eine Preisverleihung wird es aber geben. Den “Ohrenschmaus” und da gibts ja gleich am fünfzehnten Jänner die Jurysitzung und die Gewinner des Bloggerdebuts werden dann auch bekanntgeben. Wirds mein Geburtstagsfest geben? Das ist ja auch schon zweimal ausgefallen. Wird mich jemand zu einer Lesung einladen und Buchpreislesen werde ich höchstwahrscheinlich wieder aus.

Viele Fragen und keine Antwort wissen, ob wir wirklich in unser normales Leben zurückkomen oder ob sich die Maßnahmen auch auf den nächsten Virus oder die nächste Virusmutation ausweiten wird, beziehungsweise, die Wirtschaft im Frühling, wenn die Impfungen zu greifen wird, zusammenkracht?

Aber frohgemut und ich betone, positiv in das neue Jahr! Bleiben wir negativ und seien wir postitiv, wie das so schön heißt und so wünsche ich meinen Lesern, ein wenn möglich, weniger verflixtes und viel normaleres neues Jahr in dem wir unsere Freiheit wieder zurückerhalten und wir möglichst wenig digitalisiert werden müßen und wenn sich meine Leser weiter für das “Literaturgeflüster” interessieren, es lesen, Kommentare schreiben und sich an etwaige Leserunden beteiligen, freut mich das sehr!

Die Corona-Fledermaus

Ich bin ja eine, die offenbar einen eher konservativen Literatur- und Kulturgeschmack hat. So habe ich mich schon als Studentin sehr energisch gegen die Regisseure gewehrt, die die “Walküre” nach Auschwitz verlegten und den “Don Giovanni” in einer Bäckerei spielen ließen und habe dazu auch, wie ich mich erinnern kann, handschriftliche Protestartikel geschrieben.

Damals bin ich ja noch sehr viel in die Oper gegangen, jetzt tue ich das nicht mehr. Ins Theater ging ich schon damals nicht sehr viel. Da bevorzugte ich wohl schon damals den Roman, aber jetzt, Corona macht es möglich, ist mir eine Inszenierungsmöglichkeit eingefallen, als ich gestern im Radio hörte, daß die “Fledermaus” die berühmte Strauß-Operette auch heuer, in Zeiten, wie diesen in der Staatsoper zwar ohne Publikum, aber live im Fernsehen übertragen, aufgeführt werden soll.

Das hat mich zwar ein wenig gewundert und auch, als ich bei dem Interview mit dem Regisseur oder wem auch immer hörte, daß es eine eher konventionelle Inszenierung wäre und da ist mir eingefallen, wie man die “Fledermaus 2020” aufführen könnte, die ich ja einmal vor Jahren im Stehen und in der Kälte vor der Oper erlebt habe, als wir ein einziges Mal mit der damals kleinen Anna über den Silvesterpfad, den es heuer auch nicht geben wird, gegangen sind.

Da hat Ernst Steinhauer oder wer auch immer, Fritz Muliar war wohl schon gestorben, die Laterne in den Mistkübel fallen lassen und dazu “Licht ins Dunkel!”, gegröhlt, was, wie ich mich erinnern kann, der kleinen Anna gut gefallen hat.

Aber nun zur Fledermaus 2020 und die würde ich in einer bürgerlichen Villa, in Hietzing oder Döbling vielleicht, spielen lassen. Ein bürgerliches Wohnzimmer oder Salon. Hinten sind groß und nicht zu übersehen, die Corona-Regeln angeschlagen. Die Desinfektionsflasche steht auf dem Tisch. Die Adele ist ein moldawisches Aupair-Mädchen mit Theaterambitionen. Sie trägt Jeans statt der Stubenmädchenuniform. Die Rosalinde ein eher zeitloses Abendkleid und später statt der Augenmaske ein Gesichtsvisir. Der Herr von Eisenstein Frack oder einen Anzug und muß ins Gefängnis, weil er die Maßnahmen nicht eingehalten hat, der Advokat ist von den “Rechtsanwälten für die Freiheit”, hat aber auch nicht helfen können und der Alfred, der ehemalige Liebhaber, der Rosalinde, der zum Schäferstündchen kommen will desinfiziert sich immer, bevor er sie ansingt. Vielleicht hat er auch eine FFP2-Maske auf oder eine im Fledermausdesign. Alle bis auf den Alfred wollen auf eine dieser verbotenen Silvesterparties. Dort steht der Prinz Orlofsky als russischer Oligarch auf der Terrasse, wirft die Raketen in die Luft, singt dazu auf die Frage, warum er das denn täte: “Ist halt bei mir so Sitte, chaqun a son gout!”

Draußen streifen die Polizisten herum und nehmen die Gesellschaft fest. Im Gefängnis gibt es statt des Franz-Josef natürlich ein Kurz-Portrait und der Frosch spritzt betrunken, statt die Laterne in den Mistkübel zu werfen mit dem Desinfektionsspray herum und traktiert die Ankömmlinge mit Schnelltests.

Der “Nichtswürdige Herr Direktor!”, gespielt von Gernot Kulis mit Nehammer-Maske, “Außen schön und innen Direktor!”, erscheint und am Schluß schleppt der Oligarch, die lustige Adele ab, um sie auszubilden. Vielleicht wird sie später die Oligarchin für das nächste Ibiza- oder was auch immer Video, sein und alle singen “Glücklich ist, wer vergißt, was vielleicht doch so ändern ist!”

Und oben schwebt die chinesische Fledermaus herum und streut das Virus aus

So und in diesem Sinn auf in ein hoffentlich besseres neues Jahr angestoßen! Der entsprechende Artikel wird bald folgen! Aber eigentlich, ganz ehrlich, wenn ich mir die Nachrichten so ansehe, bin ich nicht so optimistisch und sehe mich schon den Zeiten der freiwilligen Zwangsimpfung ohne, die man nicht auf die Straße, in ein Restaurant oder in die Arbeit gehen kann, entgegen und damit wir uns daran gewöhnen, haben wir ja demnächst die Massentests von dem man sich freitesten darf und damit das nicht so pessimistisch klingt, füge ich hinzu, Bleigießen war zu Silvester noch erlaubt und die serbische Bohnensuppe für die private Knallerei, denn furzt man öffentlich, kann das ja fünfhundert Euro kosten!

P.S und eine kleine Anspielung, daß das Rauchen nur nach der Impfung gestattet ist und, daß eine Gefängniszelle schon für den Gerrn Grasser vorbereitet sei, hat es in der alten Schenk-Inszenierung auch gegeben und am Schluß hat das Orchester in der publikumsfreien Staatsoper applaudiert.

Das verflixte Corona-Jahr

In diesem jahr war alles anders. Falsch, denn bei mir hat es ja schon 2019 mit den Veränderungen angefangen. Denn da habe ich mir ja im März den Knöchel gebrochen, war ein paar Tage im Landesklinikum St. Pölten, hatte sechs Wochen einen Gips, konnte daher nicht nach Leipzig fahren und die sechs Wochen bin ich zu keinen Veranstaltungen gegangen.

Auf der “Buch-Wien” war ich, aber nur auf der Eröffnung und am Donnerstag, denn da sind wir ja am Abend nach Basel gefahren um uns die “Buch Basel” und den “Schweizer Buchpreis” zu geben. Infolgedessen gab es kein Geburtstagsfest und heuer, ja, da kamen irgendwann, ich weiß es gar nicht mehr so genau wann,die Gerüchte von diesem Virus aus Wuhan, die ich anfangs nicht so ernstgenommen habe, weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß wir plötzlich in so massive Veränderungen und Zwangsmaßnahmen hineinkippen, die ich lange oder vielleicht noch immer als einen dystopischen Roman erlebte, beziehungsweise einen solchen darüber schreiben wollte.

Im Februar hat es ja noch ganz gut angefangen, da wurde die nominierten Bücher des “Leipziger-Buchpreises” verkündet und ich habe mich das erste Mal entschloßen, diese, nicht alle, die Sachbücher habe ich eher ausgelassen, anzufragen und zu lesen. Die Ruth hat uns nach Hinterthal in den Winterurlaub eingeladen. Da bin ich dann gleich, das heißt sogarein bißchen früher, zurück um an der GV der IG-Autoren teilzunehmen, habe da einen Antrag gestellt, daß die IG vielleicht etwas für die Selfpublisher tun könnte, denn die haben da ja auch noch ein eher konservatives Bild, ich habe dann gleich eine Anfrage für ein Interview bekommen. Da war die Leipziger Buchmesse, wo ich auch schon wieder akkreditiert war und mir Vertmine ausgemacht habe, abgesagt und dann ging es Schlag auf Schlag mit den Maßnahmen, dem ersten Lockdown, der Maskenpflich, dem Veranstaltungsstop, der Registrierungspflicht, etcetera.

Im sommer gab es dann ein paar Lockerungen. Eine kurze Zeit konnte man wieder ohne Maske einkaufen und ins Gasthaus gehen. Veranstaltungen gab es auch wieder und wir sind eigentlich relativ viel herumgefahren, haben den Sommer genoßen und ich habe geschrieben und geschrieben.

Im Blog Artikel über Corona mein persönliches Corona-Tagetuch. Sicher ein wichtiges Instrument die Situation zu verstehen und zu bewältigen und dann drei Texte darüber, immer in dem Versuch einen dystopoischen Roman darüber zusammenzubringen, was vielleicht wirklich nicht geht und eine Utopie ist, weil man ja mittendrinnen steht.

Aber diese Zwangsmaßnahmen, Tests, Maskenpflicht, Registrierungspflicht und die Diskussion darüber, ob ich jetzt mit meiner Großmutter Weihnachten feiern darf und ob die sechs Personen, die ich da sehe, aus einem Haushalt stammen oder nicht und ob die Polizei das kontrolalieren darf, was ja immer mit dem drohenden Zeigefinger diskutiert wird, halte ich schon für einschneiden Veränderungen, die sich ja auch beispielsweise in der Sprache ausdrücken, wo man plötzlich ganz ungeniert und ohne sich etwas darüber zu denken vom Isolieren und Wegsperren der Älteren, etcetera, gesprochen wird.

Schreiben kann man aber gut darüber und das ist auch eine Sache, die im Lockdown gut geht und da habe ich ja zum Jahresanfang zuerst mein sogenanntes Opus Magnum mein “Literaturgeflüsterbuch II” korrigiert, was insofern ganz spannend war, da mein erster “Nanowrimo” die “Heimsuchung” ja mitdem “H1N1-Virus” beginnt. Dann kam das “Fräulein No”, der vorletzte “Nanowrimo” und das zweite Buch das in diesem Jahr fertig geworden ist. Im Frühling habe ich schon das “Frühlingserwachen” geschrieben, was ja ursprünglich nur ein Buch über eine Dreierbeziehung beiziehungsweise, um die zwischen einer älteren Frau zu einem jungen Mann werden sollte.

Der Sommer war, wie beschrieben sehr intensiv. Wir waren am Wolfgangsee, im Künstlerdorf im Burgenland, bei den O-Tönen aber da nur weiter hinten, weil man da ja schon mit Maske hineingehen und sich registrieren mußte.

Im Herbst war dann die Wien-Wahl, wo sich der Alfred sehr für die Grünen engagierte. Ich war da auch auf ein paar Veranstaltungen, aber da kamen die auch mit der Maske und dem Angemeldetsein für die Veranstaltungen und richtig Volksstimmefest hat es leider auch keines gegeben und daher kein “Linkes Wort” aber da war nicht Corona schuld, sondern Christoph Kepplinger, der das nicht mehr organieren wollte, ansonsten habe ich diesem Jahr Corona bedingt kein einziges Mal gelesen und hatte auch kein Geburtstagsfest, weil da waren ja die Zahlen schon wieder hoch und der zweite Lockdown angesagt, aber vorher war ich neben einigen Demonstrationen auch bei der Sommerlesereihe im Cafe Prückl, als Zuhörerin, voriges Jahr habe ich mich ja dafür angemeldet und wurde nicht genommen. Heuer hab ich gar nicht angefragt, aber die Frau Danielczyk dort gegtroffen und der mein Opus Magnum schon vorhergeschickt, die ja eine sehr nette Frau ist und mich gleich aufgefordert hat, mich um die Buchprämie zu bewerben, die ich nicht bekommen habe. Was eigentlich logisch war, denn bei den Einrecihungsbestimmungen ist natürlich auch etwas von einem Verlag gestanden, denn selbstgemachtes nein, das wollen wir ja nicht, wie es ja immer noch überall heißt.

Ja und noch etwas hat es außer dem Selbpublisherinterview, was, glaube ich, für eine Diplomarbeit war, gegeben, nämlich das Interview mit Cornelia Stahl, die mich ja einmal lang langs ists her auf der anderen Buchmesse angesprochen hat und sich dann offenbar doch nicht entschließen konnte, mit einer Selfpublisherin zu reden. Corona hat es dann doch möglich gemacht und die Sendung im Radio Orange ist auch sehr schön geworden.

Im Sommer habe ich den sogenannten Sommer Corona Text “Das Notizbuch” geschrieben und weil das mit dem dystopischen Raum und den Erlebnissen einer Maskenverweigerin immer noch übrig geblieben ist, ist dann noch eine “Mathilde im Corona-Raum”, geschrieben im November mitein bißchen Schummeln im Rahmen des “Nanowrimos” daraus geworden und richtig, eine Einladung hätte ich noch gehabt und da ist Corona oder ich natürlich schuld, daß ich sie nicht angenommen habe, hat mich doch die Doris Kloimstein zu einem Skriptorium ins Stift Seitenstetten zu den Bibelwochen eingeladen, um dort mit anderen Literaten beziehungsweise bildenden Künstlern einen Text zu “Noahs Fest” zu schreiben. Da hätte ich aber auch schon Maske tragen müßen, also ist “Noahs Fest” für den Blog entstanden und da gibt es ja auch noch den “Corona-Ampel-Text”, die inzwischen ja sehr schnell und überall auf rot geschaltet worden ist.

Der zweite Lockdown2 kam, die Weihnachtsmärkte wurden wieder abgebaut und inzwischen soll man sich Massentesten lassen, damit man ein ungesörtes Weihnachtsfest feiern und dann langsam im Jahr 2021, wenn die Impfung kommt, durch den Tunnel wieder in das Licht hinausgehen 2kann und dazwischen muß man noch schauen, wie das mit der Impfung werden wird, die ja freiwillig werden soll, wie man ja auch nur freiwillig zur Massentestung gehen kann, aber dann wird man schon als “kriminell beschimpft, wenn man das nicht tut, als “faul und schuld daran, wennn hundert Leute ihren Arbeitsplatz verlieren, obwohl das ja nicht wirklich nachvollziehbar oder nachweisbar ist und, ich fürchte, das habe ich ja schon im April geschrieben, daß Corona mein literatirscher Abgesang werden kann.

Weiterschreiben werde ich zwar sicher, keine Frage, solange mir etwas einfällt, aber seit Oktober war ich bei keinen Veranstaltungen, weil man da ja schon die Maske brauchte und dann könnte ich, wenn das so bleibt, ja auch nicht lesen, weil mit Maske gehe ich nirgendwohin, wie ich immer behaupte. Es hat mich außer der Doris Kloimstein aber heuer auch keiner zu was eingeladen und beim Skriptorium gab es auch keine Lesung. Es soll aber eine Publikation mit den Texten entstehen und da hätte “Noahs Fest” ja noch eine Chance.

Mit der Doris Kloimstein habe ich mich im Sommer öfter auf dem Markt getroffen und mit ihr Bücher getauscht. Mit der Ruth habe ich mich auch getroffen und mit ihr einige literarische Mittagessen und Spaziergänge gehabt und als Jurorin darf ich zum Jahresausklag auch wieder gleich zweimal tätig sein.

Denn es wurde ja der “Ohrenschmaus” ja ocoroabedingt nicht wie vorgesehen, am 30. November vergeben, sondern verschoben. Die Texte sind aber inzwischen schon bei mir eingetroffen und wurden durchgesehen und da kann ich gleich spoilern, daß sich viele, der diesmal weniger Einreichungen mit dem Thema Corona beschäftigten.

Die Jurysitzung wird am fünfzehnten Jänner sein. Der Preis, wenn sich nicht wieder etwas verändert, im März vergeben und “Buchpreis” habe ich heuer auch wieder sehr viel und eifrig gelesen. Die Frankfurter Buchmesse hat online stattgefunden, die Buch-Wien gar nicht. Ich bin aber gerade sowohl mit den schweizern, den deutschen und den österreichischen Büchern fertig geworden und habe gerade meine persönliche Buchpreisliste veröffentlicht.

Jetzt folgen, wie meine Leser vielleicht ahnen, noch die Bloggerdebuts, denn da bin ich ja seit 2016 auch in der Jury und da auch der Gewinner am fünfzehnten Jänner bekanntgegeben wird, kann ich mir mit dem Lesen der drei noch nicht gelesen Büchern noch ein bißchen Zeit lassen und im neuen Jahr damit beginnen, denn ich lese ja zwei bis drei Bücher in der Woche. Also müßte es sich das ausgehen.

Es war also ein verflixtes Jahr. Eines, das ich nie für möglich gehalten hätte und noch immer für dystopisch halte und hoffe, daß ich bald wieder überall hingehen kann.

War ich ja jetzt fast ein halbes Jahr lang in keinem Geschäft, in keinem Restaurant und habe mir die Veanstaltungen per livestream angesehen. Die Maske will ich loswerden. Den Abstand kann ich ja beibehalten und auf das Küßen und das Hände geben auch verzichten und irgendwie werden wir wohl lernen müßen mit den Viren richtig umzugehen, weil uns sonst das, was uns im Jahr 2020 passierte, ja gleich wieder passieren kann und die Folgeschäden, da bin ich mir sicher, werden sich noch zeigen, wie neurotisiert und traumatisiert die Gesellschaft dadurch geworden ist. Ich höre öfter, daß da die Psychologen in Zukunft ein gutes Leben haben werden, was mich, da ich ja schon bald siebzig werde, wahrscheinlich nicht mehr so betrifft. Herausfinden, wie gefährlich dieses Virus wirklich war und, ob die Maßnahmen wirklich alle so angemessen waren und, ob man es nicht vielleicht doch anders machen hätte können, würde ich sehr gern. Aber auch das wird man wahrscheinlich erst in ein paar Jahren wissen.

Im Banne der Südsee

Nun kommt das vierte Buch der fünf mir angebotenen von Frauen aus den Neunzehnhundertzwanziger Jahren und es geht in die Südsee, das zweite Buch der Trilogie der 1889 im heutigen Solweien geborenen Alma M. Karlin, die 1919 auf eine achtjährige Weltreise aufgebrochen ist und darüber drei Bücher und vorher noch eine Autobiografie geschrieben hat. Die und der erste Teil wurden schon vom “Aviva-Verlag” schon herausgegeben. Die deutschsprachig aufgewachsene Alma M Karlin war in der Zwischenkriegszeit sehr berühmt, später in der Republik Jugoslawien,wo sie wieder lebte, verboten und unter den Nazis wurde sie verhaftet.

So war die einstmal berühmte Reiseschriftstellerin lange vergessen,wurde erst in den Neunzenhundertneunzigerjahren von den jungen Slowenen wieder entdeckt. In ihren letzten Jahren hat Alma M. Karlin, die im Jänner Neunzehnhundertfünfzig gestorben ist, eher esoterische Romane geschrieben mit denen sie auch den zweiten Weltkrieg überlebte.

Im Nachwort der 1971 geborenen Slowenin Amalija Macek wird der Rssismus angesprochen, der Alma M. Karlin schon in den Neunzehnhundertdreißigerjahren, wo ihre Reisebücher erstmals herausgekommen sind, vorgeworfen wurden. Der Verlag hat sich entschlossen, die heute problematischen Stellen bis auf wenige Ausnahmen stehen zu lassen und den Lesern selbst ihr Urteil bilden zu lassen, was ich sehr gescheit finde. Außerdem wird Alma M. Karlin, als eine sehr engagierte Frau beschrieben, die alleine um die Welt gereist ist und sich die Reisen, weil sie in prekären Verhältnisse lebte, selbst durch Dolmetscher- und Sekretärinnenarbeiten oder Reiseberichte finanzierte.

Im zweiten Band reist Alma M. Karlin in die Südsee. Dort hat sie nur einige Monate bleiben wollen. Zwei Jahren sind es dann geworden. Der erste Teil des dreihundert Seiten Buches heißt, “Durch Australien”. Eine Landkarte gibt es am Beginn und am Ende des Buches auch zu sehen, damit man sich orientieren kann.

Mit einem Dampfer “Ausnahmsweise wieder erste Klasse”, wie Alma M. Karlin schreibt, geht auf die Philippinen. Dort nach Manila, wo sie sich in einem chinesischen Gästehaus einquartiert. Dort bekommt sie nächtens Besuch von einigen Männern, so daß sie die Fuße durch die Ritzen ihres Zimmers zu studieren beginn, sich mit einem Dolch bewaffnet und den Portier oder Wirt am nächsten Morgen wissen läßt, daß sie das nächste Mal davon Gebrauch machen wird. Eine sehr entschlossene Frau also, von “Männerhaß” steht etwas in dem Nachwort. Sie reist herum, beschreibt die Hüte, die die Frauen trugen die Spielsucht und andere Absonderheiten der Einwohner.

Sie kehrt dann wieder nach Australien zurück, mietet sich in Sidney, Melbourne ein, hält Vorträge und schreibt ihre Artikel auf ihrer Schreibmaschine Erika, die sie irgendwie auch immer mitgeschleppt haben mußte, auf den kleinen Balkon. Sie sammelt Pflanzen und Käfer, schickt viel davon nach Deutschland, um es an Schulen zu verteilen und leidet an chronischen Geldmangel, so daß sie oft nur von Tee, Zwieback oder Brot lebt. Sie kommt dann auch nach Neuseeland, wo sie bei einem Pfarrer lebt, da gibt es eine herrliche Geschichte, wo ein Huhn zerlegt werden soll. Der Pfarrer das aber nicht schafft, so daß dann alle mit den Fingern essen, bevor sie zum abenteuerlichen Inselleben ins Südseeinselreich aufbricht.

Von einem Richter, der nicht sehr begeistert ist, läßt sie sich auf die Fidschi-Insel fahren, wo sie von einer Familie, die fast allein auf einer der Inseln lebt, eingeladen wurde, die sie als Haushaltshilfe verwenden, so da daß sie nu ram Vormittag zwei Stunden Zeit für das Malen und ihre schriftstellerische Arbeit hat. Muscheln werden gesammelt, Ausflüge gemacht und, als sie auf einer anderen Insel bei einer anderen Familie wohnt, die sich sehr um sie kümmert, bricht sie aus, um alleine einen Spaziergang zu machen, wird dabei aber fast vergewaltigt wird oder wollte der Angreifer sie freßen? Denn das war bei den Fidschis damals noch üblich. So gibt es Geschichten, wo der Liebsten der Schinken vom Missionar überreicht wird oder die wo die Schuhe mitgebraten wurden, aber die waren ungenießbar.

In kleinen Skizzen führt Alma M. Kalin durch ihre Reise, die eigentlich mehr von den Schwierigkeiten Anfang des Neunzehntenjahrhunderts die Südsee zu erforschen, ihrer Geldnot, das Angewiesensein von reichen Familien eingeladen zu werden, ihren Malariaanfällen, die sie, glaub ich, durch ihr weiteres Leben begleiteten, als von der Südsee, berichten. Das Menschenfreßertum, das damals offenbar gerade überwunden oder noch gang und gebe war, wird immer wieder thematisiert und das was im Vor- oder Nachwort als Rassismus beschrieben wird, ist wohl ihre Ansicht, daß die sich nicht vermischen sollten. Es gab auch Schwierigkeiten, die die Franzosen und die Italiener mit den alleinreisenden Frauen hatten und auch, daß es für sie als “Österreicherin” schwierig war, anerkenannt zu werden und auch ihr Schriftstellertum mußte sie immer wieder beweisen.

Von den Malariaanfällen gebeutelt und von Chinin fast vergiftet, fährt sie im Boot eines schottischen Ehepaar von Insel zu Insel, besucht die “Pflanzer”, die damals wohl alle weißen Reisenden aufnehmen mußten, begeht den Urwald, wundert sich über Sitten, das Braten von Käfern beispielsweise und ärgert sich über die Kakaerlaken oder Riesenkrabben, die manche Handgelenke brechen können und auch darüber, wie ihr ihre Mutter ihre lukrativen Aufträge wegnimmt, die Briefe und Postanweisungen erreichen sie an manchen Orten und beschreibt, das alles mit erstaunlicher Ironie, wie sie sich auch über die Richter und die einheimischen Herren lustig macht, von deren Gnade sie abhängig ist, weil sie ihre Weiterreise behindern können.

Sie verbringt längere Zeit in verschiedenen Missionen, begleitet die Schwestern in die Dörfer, besucht die Schulen und die Sterbenden, betet mit ihnen, schreibt dabei an einigen Romanen und scheint von den Missionen auch nicht so schnell wegzukommen, bekommt ein Magengeschwür und sorgt sich darum, daß ihre schriftstellerischen Arbeiten in der Schublade beziehungsweise im Körbchen verbleiben muß, hält sich vom Pech verfolgt und bedauert sehr, daß ihr immer die anderen zuvorkommen und als sie nach Hollandia will, wo die Paradiesvögel noch bis 1928 gejagt werden konnten, weshall man nur mit Sondergenehmigung dorthin fahren durfte, gelingt es ihrzwar nach vielen Mühen eine solche zu bekommen, wird dabei aber fast von den “Wilden” aufgefressen und kann sich ihrer nur durch Pfeffer erwehren,was jetzt wiederum sehr modern scheint.

Ein interessantes Buch, vor allem was die Erlebnisse einer alleinreisenden Frau Anfang des vorvorigen Jahrhunderts betrifft. Daß man von der Südsee außer, daß es da noch Menschenfreßer, Missionare, Pflanzer und verschiedene Tierarten und Pflanzen gab, so hat Alma M. Kalin auch die verschiedensten Blumen abgezeichnet, erfährt, finde ich eigentlich nicht so schlimm, wird es dort ja inzwischen auch anders aussehen, so daß ich dieses Buch viel spannender, als erwartet fand und ich mehr von ihm mitnehme, als ich es beispielsweise bei dem China– und Mexikobericht von Egon Erwin Kisch oder Stefan Zweigs Brasilienbuch tat und wenn man das Malaia gebeutelte prekären Leben Alma M. Karla mit der positiven Phantasiegestalt der neuen Sachlichkeit von Margaret Goldsmith, die sich so einfach nimmt, was sie kriegt, vergleicht, hat man wahrscheinlich den Realitätscheck und ich denke , die slowenisch-österreichische Schriftstellerin war wahrscheinlich eine wirklich emanzipierte abenteuerlustige Frau.

Die 2020-Bücherliste

Ich lese ja, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, relativ viel. Das heißt, ganz so viel ist es eigentlich, so hundertfünzig bis hundertfünfundsiebzig Bücher pro Jahr. Die Zweihundertermarke ist mir nie gelungen zu knacken und es wird auch eher weniger als mehr. Das heißt ich lese ehe rlangsam, obwohl ich ja eigentlich Corona bedingt mehr Zeit und Gelegenheit dazu hätte, weil es ja kaum Veranstaltungen gibt, so daß ich eigentlich zweimal pro Tag in der Früh und am Abend mit einem Buch in der Badewanne versinken kann.

Ich lese, wie meine Leser wahrscheinlich ebenfalls wissen, derzeit viele Buchpreislisten. In diesem Jahr waren es besonders viele. Zu der deutschen Buchpreisliste mit der ich ja 2015 angefangen habe, ist ab 2016 sowohl die österreichische als auch das Bloggerdebut dazugekommen, im Vorjahr weil wir ja auf der “Buch-Basel” waren ist auch der Schweizer Buchpreis dazugekommen und heuer habe ich mich erstmal mit dem “Preis der Leipziger Messe” beschäftigt und dann meine Leser wissen es wahrscheinlich wieder, bin ich ja eine Büchersammlerin und kann seit 2000, seit es die offenen Bücherschränke gibt, nicht daran vorüber gehen. So hat sich bei mir eine riesige Backlist angesammelt, Schmankerln, die ich eigentlich lesen möchte aber die Neuerscheinungen machen es zunehmend schwieriger, da auch wirklich alles zu lesen. Da gibt es auch die Weihnachtsbücher, die ich heuer wenigstens auf meiner Bücherchristbaumseite ein wenig vorstelle, denn da hat sich im Laufe der Jahre auch so einiges angesammeltwas ich gerne lesen möchte.

Einige Blogger geben zum Jahresende immer ihre jeweiligen Jahreslieblingsbücher bekannt und damit habe ich, obwohl ich ja keine Monatsleseliste habe, auch einmal angefangen. Vor der Buchpreisbücher- Veröffentlichungen, gebe ich ja auch schon länger immer eine kleine Vorschau von den Büchern die ich gelesen habe, won denen ich mir vorstellen könnte, daß sie auf den Listen landen.

Die Trefferrate ist, weil es ja soviele Bücher gibt, meistens bescheiden. Am Jahresende kann ich aber schon einen besseren Rückblick geben, was mir in diesem Jahr besonders gefallen hat und was davon vielleicht auf irgendweiner Liste stand und was ein Oldie war und da habe ich heuer mindestens zwei Überraschungen erlebt und ein paar der Buchpreisbücher zählen auch zu meinen Highlights.

Also heuer habe ich 168 Bücher gelesen und davon kommen auf meine Lieblingsücherliste:

1.Jaroslav Rudis “Winterbergs letzte Reise”

2.Vea Kaiser”Blasmusikpopp”

3.J. D.Salinger “Der Fänger im Roggen”

4.Wladyslaw Szpilman “Der Pianist”

5.Eugen Ruge “Metropol”

6.Olga Tocarczuk “Der Gesang der Fledermäuse”

7.Ingo Schulze “Die rechtschaffenen Mörder”

8.Ulrich Becher “Murmeljagd”

9. Lutz Seiler “Stern 111”

10.Eshkol Nevo “Die Wahrheit ist”

11.Marlene Streeruwitz “So ist die Welt geworden”

12.Michael Scharang “Aufruhr”

13.Stephan Roiss “Triceratops”

14.Helena Adler “Die Infantin trägtden Scheitel links”

15.Robert Seethaler “Der letzte Satz”

16.Thomas Hettche “Herzfaden”

17.Xaver Bayer “Geschichten mit Marianne”

18.Charles Lewinsky “Der Halbbart”

19.Tom Kummer “Von schlechten Eltern”

20.Dirk Stermann “Der Hammer”

21.Margaret Goldsmith “Patience geht vorüber”

22.Amanda Lasker-Berlin “Elijas Lied”

23. Alma M. Kalin “im Banne der Südsee”

So das war es aus dem Gedächtnis. Ich tue mir ja mit dem Bewerten immer schwer. Aber das waren wohl die Highlights des 2020-Jahres und bin natürlich sehr gespannt, was meine Leser dazu sagen und was sie davon schon gelesen haben?

Schatten über den Brettern

Buch fünf der Bloggerdebutshortlist und ich bleibe wieder etwas ratlos zurück und weiß nicht so recht, was ich von David Mischs “Schatten über den Dächern” halten soll? Ein gutes Buch? Ein schlechtes Buch?, literarisch anspruchsvoll und deshalb schwer verständlich oder doch ein Einheitsbrei mit literarischen Mängel? Jedenfalls sehr monologhaft und das ist ja etwas, was ich auch gern betreibe. Dann kommt noch ein häufiger Perspektivenwechsel hinzu, keine oder wenige Namen, sondern “ihn” oder “er”, so daß man nur schwer in die Handlung hineinkommt und erst nach hundert oder mehr Seiten etwas von der Dystopoe mitbekommt, die schon am Buchrücken beschrieben wird.

“Ein Theaterspieler in Zeiten zunehmender Repression. Er ist hin und hergerissen zwischen gesellschaftlichen Anforderungen und dem Streben nach Selbstverwirklichung. Seine Figuren und Rollen, die er nicht spielen muß, weil sie in ihm Realität geworden sind, bedeuten ihm alles. Eine Kulturverordnung droht sie ihm zu nehmen und der Kampf gegen die neue Autorität im Lande stellt Beziehungen und sein eigenes Ich mehr denn je in Frage.”

Beginnen tut es aber mit einem alten Mann, der auf einer Bank sitzt und Briefe an sein Kind schreibt oder kommt das auch erst später?

Jedenfalls wird da ein Leben beschrieben, ein Aufwachsen in der Kleinfamilie und dann und das ist ein bißchen ähnlich wie in “Hawai”, man könnte auch in der Thematik Paralellen finden, vermittelt der Vater einen Job in einer Folienfabrik, aber eigentlich will er nur lesen. Bücher werden zitiert. Er steigt aber in die Firma ein und wieder aus, weil dann kommt ihm das “Theater der Unterdrückten” von Augusto Boal in die Quere und er beginnt für oder um sein Leben in dem oben beschrieben Sinn zu spielen und vernachläßigt seine Arbeit in der Firma immer mehr.

Vorher fährt er aber auf Urlaub und lernt die Frau seines Lebens, eine Zeichnerin, die aber auch in der Pyschiatrie arbeitet, kennen und bekommt von ihr ein Kind. Die Tochter, wie man in späteren, die Perspektive gewechselten Kapiteln erfährt, sich umbringt.

Der Widersacher oder der Populist, der der dann später die Macht in dem “Kleinen Land in Mitteleuropa” an sich reißt, wird auch thematisiert. Der geht in einigen Kapiteln nach China und hat einen Vater, der offenbar an Krebs gestorben ist, was ich lange mit dem Vater des Erzählers verwechselte. Das Ganze scheint in der Zukunft zu spielen. Das erfährt man auch erst nach und nach oder aus den Rezensionen. Die Kultur und die Geschichte ist schon abgeschafft und der alte Mann auf der Bank, der Seite um Seite, in wechselnden Dialogen beschreibt, wird von einer jungen Frau besucht, die sich um ihn kümmert. Später erfährt man, das ist eine Pflegerin und eine alte Stationsleiterin gibt es auch. Der alte Mann, der in seiner Jugend Schauspieler im “Theater der Unterdrückten” war und da drei Rollen, die von Darko der Katze, Paul und von Tareusz, dem Polen, der aber auch sein Stellvertreter in der Folienfirma war, verkörperte, lebt schon längst in der Psychiatrie, der Freund, der ihn lange besuchte kommt, schon längst nicht mehr, auch die Frau nicht. Nur die alte Stationsleiterin taucht auf, nimmt sich der Papiere an und sucht den Freund auf, der dann die letzten Details erklärt, so daß man der Handlung vielleicht doch folgen kann.

Wie geschrieben, war oder bin ich, von dem Buch hin- und hergerissen, weil es vieles enthält, das mir gefällt. Das Thema, die Dystopie, die ich ja gerade jetzt auch schreiben will oder der Meinung bin, daß wir schon in einer leben. Auch der monologhafte Stil, der sich von den Heldenreise mäßgen Plotaufbau angenehm abhebt, Bücher spielen eine Rolle, aber dann ist vieles unverständlich, das “er” und “ihn” hat mich auch verwirrt und ich habe mich lange nicht ausgekannt und kenne mich noch immmer nicht so recht aus und so weiß ich auch nicht, wie das mit dem letzten Satz und dem “Schatten” ist und ob ich dem Buch jetzt drei, einen oder gar keinen Punkt geben soll, habe ich auch noch keine Ahnung? Habe auch noch Zeit darum zu würfeln oder die Meinung, der anderen Bloggerdebutjurymitglieder zu erfahren. Am zweiten Jänner soll es ja wieder eine “Zoom-Sitzung” geben und habe in einem Interview bei Silvia Walter von den “Leckeren Keksen” erfahren, daß ich den 1985 in Wien geborenen und in der Steiermark lebenden David Misch, möglicherweise schon 2018 beim “Buchquartier” gesehen habe. Sonst war mir der Autor bisher unbekannt. Wieder ein Buch, das an mir vorbeigegangen wäre, hätten es die Debutfrauen nicht auf ihre Shortlist gesetzt und da erstaunt mich immer wieder, da ich ja den Debutpreis seit 2016 sehr verfolge und auch mitjuriere, daß, die drei Frauen da oft ein sehr ungewöhnliches unbekanntes Buch auf ihre Liste setzten über das man sich herrlich streiten und die Köpfe zerschlagen kann und so bin ich auf das Ende der Geschichte und die Einschätzung der anderen Blogger sehr gespannt.