Antonio Fians dreiteilige Nachrichten

Heute war ich wieder in einem Wigelwagel, denn eigentlich hätte ich ins Amerlinghaus zur “Sisyphus-Präsentation” gehn wollen, Dietmar Füssel hat mich dazu eingeladen und auf sein neues Buch “Ricardi” aufmerksam gemacht, da ich aber nicht nur eine Maskenverweigerin, sondern auch sehr gewissenhaft bin und daher nicht ganz sicher war, ob ich dabei nicht doch eine haben sollte, denn die Zahlen steigen ja, wie ich in Oe 24 immer höre sehr bedenklich und die “Alte Schmiede” mich auch auf die Präsentation von Antonio Fians neuem Buch und da habe ich mich für das zu Hause bleiben entschieden, weil man sich da ja auch nicht anstecken kann und diesmal ist es mir auch gelungen, die ganze Veranstaltung zu erleben. Also Antonio Fian und Markus Köhle, der moderierte, mit Masken auftreten und sie abnehmen sehen.

Markus Köhle sagte dazu, daß das das Privileg der Vortragenden sei, sie abnehmen zu können, was das Publikum, das beim Livestream ja nicht sichtbar ist, zwar auch noch könne, aber schon empfohlen würde, sie aufzubehalten. In Literaturhaus und in der “Gesellschaft” muß man das, glaube ich, ja schon, weil Wien Ampelstufe orange und den 1956 in Klagenfurt geborenen Antonio Fian kenne ich sehr gut und er mich, glaube ich auch, war ich ja schon bei vielen seiner Lesungen und sein Buchpreisbuch von 2014 steht auch noch auf meiner Leseliste. Er ist auch bekannt für seine Dramulette, die alle zwei Wochen, glaube ich, schon seit Jahren in der Tageszeitung “Standard” abgedruckt sind und von einigen davon gibt es auch schon bei “Droschl” erschienenen Bände.

Das neue Buch “Die Nachrichten aus einem toten Hochhaus” wo mir die Titelgeschichte bekannt erschien, so daß ich nicht sicher bin ob ich nicht auch schon Teile davon bei einer Lesung hörte, aber vielleicht hat auch Antonio Fian Wiederholungen, bestehen wie Markus Köhle in seiner Einleitung erklärte aus drei Teile und der erste Teil, das ist interessant, besteht aus Träumen, da sich Antonio Fian ja schon öfter und schon länger mit dem Schlaf beschäftigt und da war ich schon 2009 bei einer Lesung im Theater im Nestroyhof. Im Schauspielhaus habe ich ihn aus seinem “Polykrates-Syndrom” lesen gehört und in Krems und Göttweig war er auch einige Male.

Im zweiten Teil aus dem Antonio fian nicht gelesen hat geht es um die braunen Dichter, um Max Mell, nicht Melle, wie Markus Köhle, der ja vielleicht noch zu jung ist, um diesen Namen zu kennen, der mir noch aus der Schule geläufig ist und um Bruno Brehm und der dritte ist die Titelgeschichte, wo Antonio fian beschreibt, wie er offenbar in Pecs Stadtschreiber ist, sich ein Monat lang dort aufhalten soll, im Monat März während er im April in Klagenfurt eine Poetikvorlesung über Werner Kofler halten soll. Da zitiert er dann einige Werke des 2011 verstorbenen Meisters mit dem ich, wie ich ja immer spoilere einmal im Zug nach Klagenfurt gefahren bin, das heißt eigentlich nur mit seinem Koffer, denn er ist noch am Südbahnhof im Speisewagen verschwungen und bis Klagenfurt nicht wiedergehkommen. WernerKofler nicht Kogler wie Antonio Fian mehrmals rezitierte, was ja auch eine wunderbare Verwechslung oderNamensähnlichkeit mit dem Vizekanzler, der aber, glaube ich, in der Steiermark geboren ist, ist. Der Ich-Erzähler irrt jedenfalls in Pecs herum, denkt an seine Vorlesung und sieht dort ein leersteheden fünfundzwanzigstöckiges Hochhaus, das verfällt, weil es zu teuer wäre, es abzureißen, das verschwindet dann und die Fremdenführerin, die er am nächsten Tag mietet, sagt, es gäbe ein solches gar nicht, erwähnt aber den Schrifjtsteller “Kogler” oder “Kofer” und weist auf einen Führer hin, die eine Figur aus einem Kofler- Werk wäre, den trifft er dann auf einer Bak und am Schluß findet er dann noch das Hochahus, das jetzt hell erleuchtet ist, weil gerade eine Schrifjtstellerparty darin stattfindet.

Im Gespräch fragteMarkus Köhle dann, ob es diese Vorlesung wirklich gegeben hätte, Antonio Fian bejahte und meinte, daß die Geschichte, die erste Vorlesung wäre mit der er die Studenten in Koflers Werk einführen wollte.

Dann kamen noch ein paar Träume, die auch von Literaten, beispielsweise den schon erwähnten Werner Kofler handelte, der erschien dem Erzähler, nachdem er ein Jahr verstorben war, im Traum. Da rief er ihn an und verlangte eine StangeZigaretten von ihm, die ihm der Erzöher gerne bringen wollte, er wußte nur nicht wohin, bis ihm einfiel, daß Kofler öfter gesagt hatte, daß das Leben ohne Ziaretten, die Hölle wäre.

Dann gab es noch eine Diskussion, bei der mir auffiel, wie sehr Antonio Fian seine Maske, die er am Ende der Veranstaltung natürlich aufsetzte, zerknetete, das soll man ja nicht, ist aber offensichtlich Realität und Markus Köhle, wies auf den Büchertisch und das Wiederkommen hin und da deutete er an, daß man nicht wüßte, wie lange es noch Veranstaltungen gäbe, spricht ja vieles für einen zweitenLockdown oder Verschärfungen der Maßnahmen nach den Wiener Wahlen hin, da ja die Zahlen inzwischen auf über tausend angestiegen sind.

Abgesagte Veranstaltungen und ein überraschendes Debut

Ich hätte ja ab heute im Stift Seitenstetten bei dem von Doris Kloimstein kuratierten Skriptorium “Bibel heute in Literatur und Malerei” sein sollen. Was für eine Atheistin wie mich ohnehin ein wenig ungewöhnlich ist, sich mit der Bibel zu beschäftigen, da ich aber der Meinung bin, daß man über alles schreiben kann, habe ich mich schon sehr gefreutund dann Corona– oder Maßnahmenbedingt, wegen der verdammten Maskenpflicht, die auf den Gängen doch zu tragen wäre und ich nicht auf meinem Zimmer essen wollte, abgesagt.

Aber macht ja nichts, über “Noahs Fest” kann man auch zu Hause schreiben, habe das schon getan und jetzt sozusagen eine stundenfreie Woche, die ich meinem Schreiben widmen kann.

Da korrigiere ich ja immer noch das “Rotbraunkarierte Notizbuch”.

Das Cover vom “Frühlingserwachen” mit mir mit Schal maskiert ist auch schon da und abrechnen hatte ich am Vormittag auch.

Am Nachmittag habe ich dann meinen Text geschrieben und mich auf den Livestream-Literaturabend gefreut. Ja richtig, mit der Ruth, die ja gestern im Stifterhaus ihr neues Buch vorgestellt hat, habe ich auch telefoniert und dann bis zum Veranstaltungsbeginn auch fleißig Oe 24 TV gehört, weil da ja auch die neuen Maßnahmen, die Registrierungspflicht in den Gaststätten, die von den Wirten alle für so toll gehalten wird, weil dann können die Restaurants vielleicht länger offen halten und müssen nicht, wie schon in Salzburg, Tirol und Vorarlberg, um dem Lockdown und weiteren Reisewarnungen zu entkommen, um zehn Uhr geschlossen werden.

Eine große Pressekonferenz aus Deutschland gab es auch. Denn da beschloß Frau Merkl auch neue Maßnahmen. Die Reisewarnung für Österreich ist schon da, aber jetzt darf man auch nicht mehr “Micky Mouse” in den Registrierungsbogen schreiben, sondern muß, wenn man es tut, glaube ich, fünfzig Euro Bußgeld zahlen.

Das habe ich dann gleich für meinen Klostertext verwendet und eine Idee für mein drittes Corona-Buch ist auch schon da.

Aber da war es schon sieben Uhr und ich bin die Literaturprogramme durchgegangen. Im Literaturhaus eine Lavant-Lesung und in der “Alten Schmiede” Thomas Stangl und Anne Weber und das ist interessant, weil Anne Webers “Heldinnenepos” ja auf der Longlist steht. Ich habe den Livestream aber nicht gefunden und bei dem im Literaturhaus stand nur “Veranstaltung hat noch nicht begonnen”, obwohl es schon nach Viertel war. Aber dafür sollte in der “Gesellschaft” die “Limbus Lyrik-Reihe, auch mit Thomas Ballhausenm den ich ja erst dort im Literaturhaus hörte, gestreamt werden, hat aber auch nicht angefangen.

Also vielleicht erst ein bißchen in meinem nächsten Buchpreisbuch lesen, bis ich dann draufgekommen bin, in der “Alten Schmiede” gibt es eine ganze andere Veranstaltung, denn Anne Weber hat wegen der Reisewarnungen abgesagt und das ist offenbar auch im Literaturhaus so passiert.

Also interessant, nicht nur ich sage ab, auch die anderen und nicht nur die Restaurants und Geschäfte gehen Pleite, sondern auch die Künstler können nicht über die Grenze kommen.

Dafür bin ich aber eine halbe oder dreiviertel Stunde später doch in den Livestream der “Alten Schmiede” gekommen, wo statt Anne Weber Katharina J. Ferner und Katharina Köller ihre Debuts vorstellten.

Das heißt das Debut der Katharina J. Ferner “Der Anbeginn” habe ich versäumt, dafür bin ich gerade zurecht gekommen, als Markus Köhle, der Moderator, das Debut der 1984 in Eisenstadt geborenen Katharia Köller “Was ich im Wasser sah” vorstellte, beziehungsweise das Buch mit dem markanten Cover, das ich schon bei mehreren Blogs gesehen habe, hochhielt.

Beide Bücher wurden vom der “Alten Schmiede” als “Ausflug ins Surreale” angekündigt und die sehr lebhafte mir bisher unbekannte junge Frau begann auch gleich von Brüsten zu lesen, die sie sich amputieren lassen mußte und nicht durch ein Implantat ersetzen lassen wollte. Wie das mit dem Surrealen zusammenhing, habe ich nicht ganz mitbekommen. Es geht aber auch um einen Oktopus. Dazu müßte ich das Buch erst lesen, habe aber, glaube ich, noch vierzig Neuerscheinungen auf meiner Leseliste, so daß ich, wenn es nicht auf die Bloggerdebutshortlist kommen sollte, wohl nicht dazu kommen werde.

Nach der Lesung, als Katharina Köller Markus Köhle noch das Buch signierte und der die Leute aufforderte, Bücher zu lesen, weil man so den Lockdown besser überstehen würde und man außerdem noch auf der Straße Fragen an die Autorin stellen könnte, bin ich noch auf die Facebookseite der “Gesellschaft” gegangen und da zum Schlußapplaus zurecht gekommen und habe den Moderator gerade noch zum Bücherkauf animieren gehört.

Ja, das Livestreaming ist ein wenig unkonzentriert und nie so wie man es sich vorstellt, das habe ich schon festgestellt und jetzt könnte ich noch, wenn das Video schon vorhanden ist, zum Home viewing ins Stifterhaus gehen und mir Ruths gestrige Lesung anhören.

Susanne Ayoubs Paul Antschel Film

Nach dem ich vorige Woche mit dem Literaturveranstaltungsstreamen angefangen habe, da ich ja nicht maskiert in die “Alte Schmiede”, ins Literaturhaus oder in die “Gesellschaft” gehen will, habe ich mir die Programme durchgesehen und bin beim heutigen Montag bei der “Tacheles-Reihe” in der Gesellschaft Daniela Strigl spricht mit Sybille Lewitscharoff hängen geblieben.

In der “Alten Schmiede” war Susanne Ayoub und der mir unbekannte Klaus Demus angekündigt. Gut, kann ich ja wieder hin und herspringen, habe ich gedacht, dann aber auf der “Gesellschaft- Facebook Seite” keinen Stream gefunden, so blieb mir nichts anderes über,als in die “Alte Schmiede” “zu gehen”.

Das war wieder etwas schwierig, weil lange ein leeres Lesepult, obwohl schon Johanna Öttl, glaube ich, die Veranstaltung angekündigt hat und erzählte, daß die 1956 geborene Susanne Ayoub, die ich ja, glaube ich, von einer Veranstaltung in der “Szene Margareten” in den Neunzigerjahren kenne, sie dann beim “Siemens-Literaturpreis traf und noch später immer wieder bei Lesungen in der “AS”, beim Volksstimmefest, Poet-Night, etcetera, sie war auch mit der Bruni sehr befreundet, ihr Buch über ihre Kindheit in Bagdad habe ich gelesen, sie hat sich jaauch sehr auch filmisch mit diesem Thema beschäftigt.

Jetzt aber ein Film über Paul Celan, weil sie zu der Idee, wie sie später Johanna Öttl erklärte auf einem Lyrikfestivasl in Czernowitz, wo sie auch Michael Hammerschmid kennenlernte, gekommen ist, zuerst stellte aber Michael Hammerschmid, den 1927 geborenen Lyriker und Kunsthistoriker Klaus Demus, einen Freund von Celan vor, den Susanne Ayoub in ihrem Film über den berühmten Dichter und seine Freundschaft sprechen ließ. Michael Hammerschmid habe ich während der Vorstellung auch nicht gesehen und dachte schon “Uje, uje, da stimmt was nicht mit der Übertragung!”

Dann kam aber der alte Herr auf die Bühne, der wie Michael Hammerschmid erklärte und auch bei “Wikipedia” steht panthestische Naturlyrik in der Traditionslinie von Hölderlin bis Hofmannsthal und Borchardt schreibt.

Er las fünfzehn Minuten lang aus verschiedenen Büchern. Dann kam Susanne Ayoub und Johanna Öttl auf der Bühne, sprachen über den fünfundvierzig Minuten langen Film, wo Susanne Ayoub zuerst das Czernowitz von heute, das, wie sie meinte, nicht viel mit dem des 1920 geborenen Paul Antschel, der aus seinem rumänisierten Namen das Anagramm Celan machte, zu tun hatte.

Trotzdem war es ihr wichtig die revolutionäre Aufbruchsstimmung von heute zu zeigen und sie wollte zuerst die Gedichte nur aufschreiben und tonlos vorführen, weil sie die Interpretationen der Celan-Sprecher auch seine eigene nicht gefielen. Später kam dann doch eine Schauspielerinnenstimme hinzu und als Pau Celan bei der “Gruppe 47” eingeladen von Ingeborg Bachmann mit der er ja befreundet war, vorgetragen hat, dort hat seine monologe Interpretation auch nicht gefallen und wurde sogar mit den Goebbels verglichen, was den Dichter, der sich ja durch seine Erfahrungen sehr verfolgt fühlte, glaube ich, sehr verstörte.

Den Brief wechsel mit Ingeborg Bachmann habe ich ja gelesen und als ich 1975, glaube ich, mit der Elfi nach Amsterdam fuhr, habe ich einen Celan- Band mitgenommen oder habe ich mir das Buch von der Elfi ausgeborgt und bin damit etwas später zu Workcamp nach Hamburg gefahren?

Das weiß ich nicht mehr so genau, das Buch habe ich noch und war von der “Todefuge” wahrscheinlich nicht einmal so beeindruckt. 2000 hat es aber, glaube ich, im ORF ein Celan-Symposium gegeben, wo ich den Gedicht näher kam und auch Daniela Strigl im Fyoer stehen sah. Soweit meine Erinnerungen, aber zurück zur Veranstaltung oder zu dem Film, der gezeigt wurde und der mich sehr beeindruckt hat.

Mit Bildern aus Czernwitz hat er angefangen, hat dann in die Wohnung zu Klaus Demus geführt, ins Literaturhaus ist es aber auch gegangen, weil dort ein paar Celan-Originalausgaben aufbewahrt werden und in die “Gesellschaft”, wo man Manfred Müller im Hintergrund sitzen sieht und im Vordergrund einen Brief den Paul Celan 1968 an Wolfgang Kraus, dem damaligen Leiter schrieb und ihm versicherte, daß er sich sehr auf die Lesung freue, die am 5. Oktober stattfinden sollte und er sich nur einen einfachen Tisch und dazu ein Glas Wasser wünschte. Er ist dann nicht dorthin gekommen und Klaus Demus, der Paul Celan, wie er erzählte, durch seine Frau, die mit Ingeborg Bachmann in dieselbe Klasse gegangen ist, kennenlernte, erzählte, wie er den Dichter kennenlernte und, daß die Freundschaft einen Bruch bekommen hat, weil er ihn aufforderte seiner Paranoia wegen einen Arzt aufzusuchen. Paul Celan ist dann nach Paris gegangen, war dort als Lehrer tätig, wurde pyschiatrisch behandelt und hat sich 1970 in der Seine ertränkt.

Es gibt auch einen Briefwechsel zwischen Celan und dem Ehepaar Demus, der stand in der “Alten Schmied” am Tisch während des Gespräches zwischen Sussanne Ayoub und Johanna Öttl und jetzt bin ich doch ein bißchen in der “Gesellschaft” gewesen, wenn auch nicht bei Sybille Lewitscharoff, die ich aber einmal, wie ich mich erinnern kann, in der “Alten Schmiede” hörte und im Literaturhaus habe ich einmal eine Lesetheateraufführung mit einem fingierten Treffen zwischen Marlen Haushofer und Paul Celan gehört.

Nach dem Film war die Übertragung dann plötzlich aus, es gab keine Verabschiedung und keine Schlußstatements mehr zu hören, dafür das Video, wo Jana Volkmann im Juni, glaube ich, Sabine Scholl vorstellte und zwischen achtzehn und achtundzwanzig Zusehern, kann ich noch anmerken, hat die Übertragung auch gehabt, darunter einen aus Ohio und eine aus Schweden und die Nedra Bickham, die Grüße schickte, hat in den Film auch mitgewirkt.

Literaturhaus und Alte Schmiede hin und hergeswitscht

Heute, wo wieder ein Maßahmenpaket bekanntgegeben wurde, private Treffen nur bis zehn Personen, überall Maskenpflicht und nur mehr sitzende Konsumation, hätte ich ein sehr umfangreiches Programm gehabt. Das heißt ursprünglich das KAV-Reflexionstreffen, also eigentlich ein Pflichttermin, das wurde aber der hohen Zahlen wegen abgesagt und dann wäre im “Siebenstern” ein Famulus-Lessung, diese Lesereihe, die Luis Stabauer und Erika Kronabitter organiseren gewesen, da habe ich eigentlich hingehen wollen, aber Andi Pianka hat mir einmal kommentiert, daß man dahin ohne Maske nichtkann und weil alle ohnehin so aufgeregt und ich dann noch daraufgekommen bin, daß im Literaturhaus Clemens Berger seinen Unterhaltungsroman “Der Präsident” vorstellte und mir Robert Huez letzten Freitag sagte, daß man sich das im livestream ansehen kann, also gut und dann doch ins Programm der “Alten Schmiede” geschaut, wo Lydia Mischkulnig ihren neuen Roman “Die Richterin” präsentierte, der mich auch sehr interessierte und da man ja, was man physisch nicht kann, im livestream switschen kann, habe ich mich entschloßen die neue und für mich, ich gebe es zu, immer noch sehr seltsame Situation auch etwas seltsam zu benützen und zwischen literaturhaus und “Alte Schmiede” hin und her zu switschen, ich höre schon meine Kritiker stöhnen, daß man das nich darf und kann, aber was kann man schon in Zeiten wie diesen und interessant ist ja auch, daß beide Bücher von inzwischen schon ziemelich anerkennten österreichischen Autoren weder auf der österreichischen noch auf der deutschen Buchpreisliste stehen, also ohne Livestream an mir vorbei gegangen wären.

Also um halb sieben statt aus dem Haus mit dem Laptop in mein Schlafzimmer gegangen und mir den Livestream eingestellt, was in beiden Fällen, im Gegensatz zu meinem gestrigen Versuch in der “Gesellschaft” nicht so einfach war, denn die hat ziemlich pünktlich angefangen.

Hier hat es gedauert, bis ich zuerst Martin Kubaczek, der die Lesung in der “Alten Schmiede” moderierte und dann Lydia Mischkulnig auf dem Bildschirm hatte, vorher hat man nur die leeren Lesungspulte gesehen und der 1954 in Wien geborene Martin Kubaczek, der ja selber Autor ist, hielt auch eine sehr lange Einführung über den neuen Roman der 1963 geborenen Lydia Mischkulnig, die ich schon auf einigen Lesungen hörte und auch schon einige Bücher gelesen habe, die den Veza Canetti-Preis gewonnen hat und ihre Romane immer sehr impulsiv und bildhaft einleitet.

In der “Richterin” geht es, wie schon der Name sagt, um eine Richterin namens Gabrielle, die Asylverfahren zu bearbeiten und einen Mann hat, der Hausmann ist, bei der “Amazon-Beschreibung” habe ich noch etwas gefunden, daß sie ihn einmal in Frauenkleider antrifft und Martin Kubaczek deutete noch etwas von zwei Autoren im Roman an und, daß der Mann offenbar auch ein Buch über seine Frau schreiben möchte. Das habe ich aber nicht so ganz verstanden, bin ich ja inzwischen in das Literaturhaus vefrschwunden, denn da tauchte dann etwas verspätet doch Barbara Zwiefelhofer mit Maske auf und es dauerte auch etwas bis ich den Ton bekam. Sie stellte dann den Moderator Florian Baranyi vor und der oder sie erzählte, daß es in dem Buch um ein burgendländischen Ronald Reagan Double namens Jay geht, der Ronald Reagan offenbar bei allen seinen nicht so wichtigen Terminen, wie Eröffnungen, etcetera, vertreten soll.

Eine Stelle, die der 1979 geborene Clemens Berger las, von dem ich auch schon einige Bücher habe und ihn auf einigen Lesungen höre, war, wie er mit seiner Lucy durch eine Restaurantküche geführt wird und dabei dem Küchenpersonal Witze erzählt. Dann gab es noch einen, wo der Präsident offenbar im Burgenland war und einen Präsidentenwein gab es auch. Der stand am Lesungstisch und eigentlich hätte er auch nachher ausgeschenkt werden sollen.

Aber Corona bedingt ist das nicht möglich. So forderte Barbara zwiefelhofer das pt Publikum nur zum Kauf von Buch und Wein und zum Masken aufsetzen auf und in diesem sinn ist vielleicht auch interessant, daß der Republikanische Club aufgrund der neuen Maßnahmen seine weiteren Veranstaltungen ohne Publikum und per Livestream durchführen wird, also auch sehr schön verrückt und ich überlege mir welche Romane man darüber schreiben könnte und wer sie dann in ein paar Jahren, wenn alles vorüber ist im Literaturhaus, der “Alten Schmiede” oder anderswo präsentieren wird.

Interessant ist vielleicht auch, daß beide Streams zwischen vier und sieben Zuschauer hatten.

Hörstücke

In der “Alten Schmiede” gibt es derzeit ein “Hör!Spiel!Festival” und es gibt überraschenderweise auch Termine am Sonntag, was eigentlich unüblich ist, aber heute fand ab drei, die Präsentation von drei Stücken von Hörspielautoren in voller Länge statt, die dann am Dienstag und am Donnerstag in einem Gespräch und Hörspielproben präsentiert werden.

Ich bin ja, wie ich immer schreibe, keine so besondere Hörspielfreundin, habe mir die letzte “Hörspielgala” und Raphaela Edelbauers “Darling” war auch auf der Nominierungsliste der 2019 gesendeten Hörspiele, ist aber nicht unter die ersten zehn gekommen.

Jetzt steht die junge Autorin, die an der Sprachkunst studierte und mit ihrem zweiten Buch gleich sowohl auf die deutsche als auch auf die österreichische Shortlist gekommen ist, aber am Dienstag am Programm des Hörspielfestivals, denn sie hat an der Angewandten, wo sie ja studierte gemeinsam mit Frieda Paris in der Klasse von Orhan Kipcak ein Hörspiel produziert und das wurde heute Nachmittag in voller Länge vor, sagen wir einmal, eher spärlichen Publikum präsentiert.

Aber Frieda Paris war da, die auch am Programm stand und bei der ich mich wegen Christl Fallenstein erkundigte, die sie ja gemeinsam mit einem anderen Sprachkunststudenten betreut und die unterhielt sich vor Beginn mit Annalena Stabauer, die die Veranstaltung moderierte, über die Doktorarbeit ihrer Mutter, die sie in ihr Hörstück einbaute.

Also zuerst die beiden Hörstücke der zwei Sprachkunststudentinnen. Raphaela Edelbaues Stück, das sie gemeinsam mit Corina Cinkl, produzierte und in ihm auch eine Autorin namens Raphaela Edelbauer auftreten läßt, heißt “Darling (Aus der Reihe das kryptische Journal” und beschäftigt sich mit den verschiedenen Überwachungs und Verschlüßelungstechniken, ist also hoch aktuell, auch wenn es zeitweilig in der Vergangenheit spielt.

Und Frieda Paris hat in “Ruhepuls, Rom”, hat, wie schon geschrieben, die Doktorarbeit ihrer Mutter verarbeitet, die sich mit den Täterprofilen von Mördern beschäftigte und die Beziehung zu ihren Opfern herausarbeitete und das hat Frieda Paris, die wie Annalena Stabauer in der Einleitung erwähnte, an einen experimentellen Roman schreibt, auch sehr experimentell gelöst.

Sie zitiert nämlich stellenweise Passagen aus der Arbeit und läßt sie dann in die Liebesgeschichte eines Paares einfließen, das in Rom spazieren geht.

Zwischen den Stücken gab es jeweils eine Pause, in denen ich mich auch mit Frieda Paris unterhielt, beziehungsweise meine Jonas Lüscher “Poetikvorlesungen”, die eigentlich ganz gut dazu passte, weiterlas und dann folgten zwei Hörstücke von Oswald Egger die er mit Iris Drögekamp produziert hat, mit der am Donnerstag ein Portrait haben wird, beziehunsweise dann von Bodo Hell vorgestellt wird und ich kenne den 1963 in Südtirol geborenen, glaube ich, von meiner Zeit als ich in der GAV-Jury war, beziehungwweise hat er da, glaube ich, eine Laudatio für den “Jandl-Preis” gehalten oder den solchen bekommen, ich habe ihn auch schon in der “AS”und im Literaturhaus gehört und auf der österreichischen Buchpreisliste ist er auch schon gestanden.

Ebendfalls ein experimenteller Dichter und schwerer zu verstehen, als die beiden Vorgängerinnen, würde ich meinen.

Das erste Stück hieß “Linz und Lunz” stammt aus dem Jahr 2013 und beschäftigt sich auf eben diese experimentelle Art mit dem dichter Lenz, das zweite geht in die Natur hinaus, heißt von “Drehen und Wenden der Blätter” und wurde 2006 produziert.

Mal sehen, ob ich am Donnerstag in die “AS” gehe, da wir ja nicht nach Leipzig fahren, hätte ich ja Zeit, am Dienstag werde ich wahrscheinlich die “Gesellschaft für Literatur” vorziehen, denn da werden Gedichte von Szilard Borbely präsentieren, über die ich mich schon mit Stephan Teichgräber unterhalten habe.

Mal sehen, nach der Veranstaltung bin ich jedenfalls in den zweiten Bezirk in “Magdas Hotel” gegangen, wo zum “Internationalen Tag der Frau”, der ja heute ist, eine Sandra, die Obdachlosenführungen macht, zur “Frau des Jahres” gekürt wurde.

DichtFest im März

Der März ist ja der Monat der Lyrik, das hat, glaube ich, Wolfgang Krauss in der “Gesellschaft für Literatur” so eingeführt, die GAV folgte dann mit der “Lyrik im März“, das “Podium” gibt einen jährlichen Flyer heraus und ich kann mich erinnern, als ich 1977 von der Wattgasse weg in die Otto Bauergasse gezogen bin, das war, glaube ich, im Februar, hörte ich im Radio von diesen Flyer, es ist mir aber nicht gelungen, ihn zu bekommen.

Jetzt liegt er in der “Alten Scmiede” und im Literatuhaus auf, in der “Gesellschaft”, die ja im März immer einige Lyrik-Veranstaltungen machen, wahrscheinlich auch und die “Alte Schmiede” hat das DichtFest, eine GAV-Veranstaltung, von Christine Huber organisiert, die viermal im Jahr, glaube ich, sechs meist experimentelle Dichter und Dichterinnen vorstellt.

Es gibt im Anschluß Wein, deshalb gehe ich bevorzugt hin, obwohl ich ja keine so besondere Lyrik- Freundin bin, das heißt nicht selber Gedichte schreibe, aber manchmal welche lese.

Zuletzt “luna luna”, den experimentellen Band, der für die “Leipziger Buchmesse” nominiet ist, wo es ja das Hangen und das Bangen gibt, ob die jetzt stattfindet oder vielleicht doch wegen des Coronoa-Virus abgesagt wird?

Das letzte Mal war ich wegen meines Gipsbein nicht dabei, diesmal habe ich wieder alles vorbereitet und zum ersten Mal auch die Bücher des “Leipziger Buchpreises” angefragt, die jetzt allmählich nach und nach zu mir kommen

Aber in der” AS” “Dicht-Fest”, diesmal mit fünf Lesenden, vier Frauen und ein Mann, die sechste Lesende ist ausgefallen und ich muß sagen, es war wieder sehr interessant und ich habe einige neue mir bisher unbekannte Stimmen kennengelernt.

Es war auch sehr voll im “Schmiedesaal” und die 1987 in Wien geborene, mir bisher unbekannte Manon Bauer hat begonnen mit ihren “Übersetzungsvariationen”.

Dann folgte der 1955 in Linz geborene Christoph Janacz, der sich einige Male bei mir gemeldet hat, als ich noch den “Tag der Freiheit des Wortes” organisierte.

Jetzt hat er gemeinsam mit Christian Tannhäuser den Band “Zwischenstrom” herausgebracht, der sich mit dem Mühlviertel, Adalbert Stifter und südbähmen beschäftigte.

Die dritte Lesende war die mir ebenfalls wohlbekannte Monika Vasik, die sich mit “hochgestimmt” den Sängerinnnen dieser Welt widmete, dann folgte, die mir auch ungekannte in Wels geborene  Sandra Hubinger mit ihren Band “gehen” und die letzte war Marion Steinfellner, die Putho- Tänzerin und neue Lebensmenschin von Herbert J. Wimmer, jedenfalls tritt sie öfter mit ihm auf und ich war schön öfter bei ihren Tanzperformances im Literaturhaus mit ihrem Band “liebs leben, dear live, momentanes”.

Sie hat im Stehen gelesen und es war wieder ein sehr beeindruckender Abend, der mit Wein, Soletti und Gespräche beendet wurde und wer Lust hat, dem kann ich die “Gesellschaft für Literatur” sehr empfehlen, denn da finden in den nächsten Tagen einige Veranstaltungen zur “Lyrik im März” statt und am achtzehnten gibt es GAV-Veranstaltungen.

Dazwischen findet Leipzig statt oder nicht, ich bin jedenfalls gespannt und habe mich auch mit Monika Vasik darüber unterhalten

Über Peter Weiss

Ich bin ja keine Peter Weiss Spezialistin, kann mich aber erinnern, daß ich, als ich das erste Mal etwas über den “Tag des Buches” mitbekam und da in die Buchhandlungen aufbrach, um mir mein Gratisbuch zu holen, beim “Hintermayer”, glaube ich, aus einer Kiste, ein Buch von oder über ihn herausholte.

Ob es die “Erimttlung” oder die “Asthetik des Widerstandes” war oder ein anderes, das sein Leben und sein Werk beschreibt, weiß ich jetzt gar nicht mehr so genau.

Ich habe auch nichts von ihm gelesen, aber als der Alfred mir sagte, daß er heute eigentlich zu einer Lesetheateraufführung mit Christa Kern gehen wollte, habe ich mich durchgesetzt und bin in die “Alte Schmiede” gepilgert, wo Kathrin Röggla und Birgit Müĺler-Wieland mit  Günther Stocker über den 1916  bei Potsdam geborenen und 1982 in Stockholm verstorbenen Autor und Maler referierte und ich kann gleich sagen, ich habe es nicht bereut, so gut Christa Kern vielleicht auch gewesen ist, denn das Zwiegespräch, der beiden Dichterinnen von denen ich schon einiges gelesen habe mit dem Universitätsprofessor war sehr interessant.

Obwohl ich wegen meiner sechs Uhr Stunde etwas zu spät gekommen bin und gerade den Professor sagen hörte, daß er, weil wahrscheinlich nicht so bekannt, in das Leben Peter Weiss einführen will, was er dann sehr ausführlich tat.

Die beiden Autorinnen wurden wahrscheinlich schon vorher von Johanna Öttl vorgestellt und, daß es am Sonntag eine Filmaufführung von Peter Weiss “Abschied von den Eltern” im Künstlerhaus gegeben hat, habe ich erst durch das Programm erfahren und die  1971 in Salzburg geborene Kathrin Röggla kenne ich, glaube ich, seit 1996, als ich in der Jury für das Nachwuchsstipendium war.

Ich habe auch einmal mit ihr in Salzburg, bei diesem “Sichten und Vermichten-Symposium” gelesen. Sie hat dann mit ihren dokumentarischen Romanen einen steilen Aufstieg gemacht, einige von ihren habe ich gelesen und von der 1962 in Schwanenstadt geborenen Birgit Müller-Wieland habe ich das deutsch Buchpreisbuch “Flugschnee” gelesen, weil es mir der Otto einmal schenkte.

Die erste Fragen von  Günther Stocker an die Peter Weiss-Kennerinnen lautete, wie sie zu ihm gekommen sind und was sie von ihm gelesen haben und da berichtete Birgit Müller-Wieland von einer Vorlesung und die einmal ein Student hineinstürzte und aufgeregte mitteilte Peter Weiß ist gestorben. Alle waren betroffen, sie hatte von ihm noch nicht viel Ahnung und da kann ich von einer Buch-Wien berichtetn, wo mitgeteilt wurde, daß das mit Ilse Aichinger so passiert ist, von der ich allerding schon einiges gelesen und gehört hatte.

Im Sommer 1982 hat dann das Arbeiterkind mit zwei Freunden die “Ästhetik des Widerstands” gelesen, was seither zu ihrem Lieblingsbuch wurde, während Kathrin Röggla bekannte, daß sie den Text nach hundertzwanzig Seiten abgebrochen hat und ich, den Sommer 1977 mit Heimito von Doderers “Dämonen” verbrachte, was mich damals auch ein sehr wichtiges Buch war.

Birgit Müller-Wieland hat auch ihre Disserataion über Peter Weiss geschrieben und die Peter Weiss-Gesellschaft mitbegründet und als Lesestelle hat sich sich die “Ästhetik” ausgewählt und das gelesen, wo Üeter Weiss Kafka. als einen Arbeiterliteraten bezeichnete.

Kathrin Rögga las dagegen aus einem Buch über Orte und da beschrieb Peter Weiss Auschiwitz, als einen für ihn prägenden Ort.

Sehr interessant, die Veranstaltung und sicher anregend sich mit Peter Weiss  “Ästhetik” oder seiner Person zu beschäftigten.

Och lese aber gerade sowohl George Eliots “Middlemarch” als auch Cornelia Travniceks “Feenstaub”, habe heute vier Bücher, darunter zwei unverlangte bekommen und kann nur hoffen, daß die Leipziger Buchmesse nicht wegen des Corona-Virus, das schon bis Italien vorgedrungen ist, abgesagt werden wird.

Die Veranstaltung war aber sehr interessant und ich kann nur betonen, daß es sehr lohnend ist in die “Alte Schmiede zu gehen.

Kriegserinnerungen

Zum dritten Mal in dieser Woche “Alte Schmiede”, nach Josef Haslingers Mißbrauchserlebnisse im Stift Zwettl und der Geschichte des argentinischen Geldes, geht es jetzt in den World war II oder überhaupt in das letzte Jahrhundert, denn die 1941 in Wien geborene und in Berlin lebende Ditha Brickwell hat in ihrem neuen Erzählband “Die Welt unter meinen Zehen”, über die geschehnisse der letzten hundert Jahre berichtet.

Jana Volkmann, die ich von der Literatur im Herbst kenne moderierte und Ditha Brickwell, die ich von den GAV GV kenne, beziehungsweise von ihr einmal ins Cafe Hummel eingeladen wurde, um mit ihr eine Lesung in ihrer Reihe, die nie stattgefunden hat, zu besprechen, las zwei Geschichten vor, die im Jahr 1945 spielen und scheint sich überhaupt sehr für dieses Thema zu interessieren, da ich sie schon einmal mit ihrem Vorgängerbuch in der “Gesellschaft”  hörte.

Da flieht eine Mutter mit ihrem Kind um den Bomben oder Fliegerangriffen in der Josefstadt zu entgehen, im winter aufs Land, muß dann den Zug verlassen, ein Stück auf einem Lastwagen weiterfahren und den Rest durch den Schnee waten, bis sich ein Förster ihrer erbarmt und das Kind auf den schultern ins nächste Gasthaus trägt, wo ich, glaube ich, schon im Sommer eine ähnliche Stelle im Cafe Prückl hörte.

Bei der zweiten Erzählung “Das macht der Krieg aus den Weibern”, ist der schon aus, die Mutter mit dem Kind wieder in der Josefstadt zurück und da dringen die Ratten aus den Kellern, die sind fett, weil sie sich offenbar von den Toten, die dort vergraben sind, ernähren und die Kriegsheimkehrer weigern sich sie zu erschlagen, da läßt sich die mutige Mutter den Schürhaken holen und geht ans Werk.

Eine Geschichte, die Ditha Brickwell mit sehr eindringlichen Wiener Dialekt- Dialogen unterfütterte und dann folgte, die 1958 in Klagenfurt geborene Helga Glantschnig, die ich auch aus der GAV kenne, einige Bücher von ihr in meinen Regalen habe, aber sonst schon länger nichts von ihr hörte. Jetzt hat sie bei “Klever”, die aus drei Heften bestehenden Kriegstagebücher, ihrer 1927 geborenen Mutter, die diese von 1943 bis 1945 schrieb und die eine eifrige NS-Anhängerin war,  herausgegeben und mit einem Essay versehen.

Interessant, so unmittelbar in den Krieg, beziehungsweise sein Ende einzudringen und ebenfalls interessant, daß sich Helga Glantschnig, die ja Romane, wie beispielsweise “Mirnrock” geschrieben hat, gegen eine Fiktionalisierung wehrte und meinte, daß man das als nicht Betroffener nicht tun soll.

Ich habe das ja mit den “Wiener Verhältnissen” versucht und, glaube ich,  eine ähnliche Reaktion bekommen und auch Takis Würger ist mit seiner “Stella” wo er die Fiktion mit der Wirklichkeit vermischte gestoßen.

Ich habe die Tagebucheintragungen der Siebzehnjährigen, die gern ins Theater und ins Kino in Klagenfurt ging und dann mit dem Rad ins elterliche Dorf zurückfuhr und später Lehrerin wurde, sehr interessant gefunden und als mein Vater gestorben ist und wir die Wohnung auflösten auch ein Heft gefunden, wo meine Mutter ihre Eindrücke, da hat sie, glaube ich, auf meinen Vater, der noch in Gefangenschaft war, gewartet, geschildert.

Heute ist übrigens, kann ich noch ergänzen, ein historischer Tag, ist da ja nicht nur Thomas Bernhard ausgerechnet im Jahr des Mauernfall, der von Ditha Brickwell als ein sehr entscheidenes Datum erlebt wurde, es hat in Österreich auch den Bürgerkrieg gegeben, den man vielleicht als den Anfang vom Ende bezeichnen kann.

Argentinisches Geld

Noch einmal “Alte Schmiede”, diesmal viel leerer und mein üblicher Platz in der zweiten Reihe viel leichter zu bekommen, dafür vier Personen am Podium.

Johanna  Öttl, die Moderatorin, Johannes Tröndle, der die Romanausschnitte des 1959 in Buenos Aires geborenen Alan Pauls auf Deutsch las, der Autor und seine Dolmetscherin und am Büchertisch lagen alle drei Teile der Trilogie auf, von der in der “AS”, der dritte Teil “Geschichte des Geldes” vorgestellt wurde.

Dann gibt es noch die “Geschichte der Tränen” und die der “Haare” und Johanna Öttl erklärte in ihrer Einleitung, daß es in allen drei, um die Geschichte Argentinien der sechziger oder siebziger Jahre ginge und Alan Pauls der deutsche Wurzel hat und jetzt auch ein Jahr in Berlin verbringt, eine eigene mäandernde Schreibweise hat.

Er schreibt im Präsens, vermischt dadurch ständig, die Gegenwart mit der Vergangenheit und in der “Geschichte des Geldes” liegt gleich ein von einem Helikopter gefallener Mann mit einem Koffer voller Geld, in der Wohnung oder Villa eines fünzehnjährigen Jungen und dann geht es in dem ganzen Buch, um das Geld, das man hat oder nicht hat und, das man vor der Inflation retten möchte, in dem man ein Haus baut, das schließĺich viermal so groß wird und zehnmal soviel kostete, als geplant und als es fertig ist muß man es schnell wieder verkaufen, weil man kein Geld hat, um es zu erhalten.

Es geht um eine Mutter, die für ihren Sohn eine Lebensversicherung abschließt,  ihn dann ständig, um Geld anschnorrt und, wie Johanna noch weiter ausführte, um noch noch zwei weitere Protagonisten, die des Geldes und der Sprache.

Einige Stellen wurden auf Deutsch und auf Spanisch gelesen. Es gab dann ein Gespräch in dem Johanna Öttl, den Autor genauer nach seiner Schreibweise befragte und am Schluß erkärte, daß man auf das vierte Buch noch warten muß, bis es auf Deutsch erscheint.

Einstweilen kann man die drei anderen lesen, was ich wahrscheinlich so bald micht machen werde, aber  einen mir bisher unbekannten autor kennenlernte und einen interessanten literarischen Abend erlebte.

Was die argentinische Literatur beziehungsweise ihre Autoren betrifft, kann ich übrigens auf den in Wien lebenden Lidio Mosqua Bustamante hinweisen, den ich durch Hilde Schmölzer kennenlernte, der einige Male auf meinen Geburtstagsfesten gelesen hat, von dem ich allerdings schon länger nichts mehr gehört habe.

Josef Haslingers Fall

Der 1955 in Zwettl geborenene Josef Haslinger, der Mitbegründer des “Wespennestes” und zu der zeit als ich in die GAV aufgenommen wurde, dort Generalsekretär war, den ich also öfter meine Manuskripte geschickt habe, der den “Opernball”, das “Vaterspiel”   und “Jachymov” geschrieben hat, seit  1996 Professor am Literaturinstitut Leipzig ist und 2006 auch über den Tsunami  in “Phi Phi Island” geschrieben hat, hat jetzt in einer Art Dokumentarbericht seine Mißbrauchserfahrungen, die er im Zisterzienserkonvikt Zwettl erlebte, aufgearbeitet und, ich glaube, schon bei den “Friedtagen im November” darüber berichtete, aber da war auch die “Poet-Night”, wo ich mich mit einigen Leuten verabredet habe, so daß ich gerade vorher weggegangen bin und daher froh darüber war, daß Josef Haslinger heute in der “Alten Schmiede” sein Buch “Mein Fall” vorstellte und daher gerne die “Wilden Worten” zu denen ich wahrscheinlich sonst gegangen wäre, ausließ und die “Alte Schmiede” sehr sehr voll.

Als ich sie zwanzig Minute vorher mit dem Alfred erreichte, war der untere Saal schon voll und man konnte nur mehr das ganze über die Videoleinwand im “Schmiedesaal”, was ich ja nicht so gerne mag und mir einmal schon im ungekehrten Fall passierte, verfolgen.

Katja Gasser moderierte, leitete kurz ein,  dann las Josef Haslinger aus dem Buch in dem er offenbar seine persönliche Geschichte, wie er als zehn- zwölf- und dann auch äterer, sehr gläubiger Sängerknabenschüler, der Priester werden wollte, von den Patres mißbraucht wurde, als auch die Aufarbeitung dieser Mißbrauchsfälle, die es seit zehn Jahren durch die sogenannte Klasnic-Kommission gibt, schilderte.

Er hat offenbar auch schon vorher literarisch fiktional über die Geschehnisse beispielsweise im “Konviktskaktus” geschrieben, die Namen der Täter aber erst nach ihren Tod genannt und hat sehr lange sehr berührende Stellen aus dem Buch gelesen, die natürlich sehr betroffen machen und eine Dame auch die Fragen stellen ließ, wieso er sich nicht wehrte und seinen Eltern davon erzählte?

Damals konnte man das wohl nicht und Josef Haslinger hat auch die sehr autoritären Strukturen in dem Stift geschildert und seine Abhängigkeit beziehungsweise emotionale Zugehörigkeit zu den Tätern, die sehr freundlich zu ihm waren.

Zölibat abschaffen, wären da meine Forderungen und in die Internate gehören auch Frauen, die auf die Geschehnisse achten und vor allem natürlich, die Kinder so selbstbewußt erziehen, daß sie sich das nicht gefallen lassen und sie wehren.

Ein sehr beeindruckendes Buch, ein sehr beeindruckendes Thema mit dem man sich beschäftigen sollte und eine lange Warteschlange vor dem Signiertisch, den Rudi habe ich gesehen, die Astrid Nischkauer, die Frau Schmidt-Dengler, die Helene Hofmann, aber auch sehr viele Leute, die ich nicht kannte und vielleicht zum ersten Mal in der “Alten Schmiede” waren.