Konzepterstellung

Nachdem ich mit dem Korrigieren der “Unsichtbaren Frau” jetzt doch fertig geworden bin, habe ich mich über die Notizen gemacht, die ich mir, glaube ich, seit Jahresanfang oder sogar schon früher über mein nächstes Work in Progress mit dem Arbeitstitel “Magdalena Kirchberg schreibt einen Roman”, gemacht habe.

Da war ja die Ausgangslage, daß ich irgendwann vom Literaturhaus oder snostwo nach Hause gegangen bin und an der Kreuzung linke Wienzeile-Pilgramgasse ein Auto stehen gesehen habe und dachte über die Insaßen könnte ich einen Roman schreiben.

Dann habe ich in derJänner-, Feburar– und Märzschreibgruppe jeweils darüber geschrieben und weil ich inzwischen ja etwas anderes gemacht habe, nämlich meine Praxis, beziehungsweise an der “Unsichtbaren Frau” korrigiert, bin ich damit nicht recht weitergekommen, obwohl ich mir in mein graues Büchlein, das mir der Alfred in Lindau kaufte, als ich mit ihm und der Ruth um den Bodensee geradelt bin, schon sowas wie ein Konzept aufnotiert habe, was sich im Lauf der Zeit auch ein bißchen verändert hat.

Einmal war die Magdalena Kirchberg sechzig, dann fünfundsechzig und dann wieder siebzig, eine depressive Frau, wie ich ja schon einige in meinen Büchern habe, sie geht in Pension und will ihr Leben beziehungsweise ihre Depression online stellen,  war auch so eine Idee, die ich hatte.

Dann habe ich ihr eine Tochter angedichtet, Magda oder Lena, die in Graz Flüchtlingsbetreuerin oder Sozialhelferin ist, es gibt nur mehr Telefonkontakt, die Tochter könnte aber den Blog der Mutter lesen und wieder zu ihr finden.

Das waren so glaube ich die ersten Ideen, dann bin ich davon abgekommen oder habe darauf vergessen, weil soviel anderes zu tun war und ich mit dem Korrigieren beschäftigt und dann sind auch zwei andere Figuren hinzugekommen, nämlich der Heimhelfer Mohamed, der nicht so genannt werden will, der könnte Magdalenas Nachbar sein und ihr von einer seiner Klientinnen, einer erfolglosen realistischen Autorin, die im Verlauf ihrer Demenz plötzlich experimentell schreibt, von ihrer Nicht entdeckt wird und sich darüber ärgert, erzählt und von ihrer Supermarktkassiererin Nastasja St., die sich immer freundlich bei ihr erkundigt, wie es ihr geht?

Das alles habe ich mir hervorgeholt und durchgelesen, in der Mai Schreibgruppe, wo nur die Doris Kloimstein war, habe ich ja ein Stück von dem Mohamed Momo geschrieben und dann war das Konzept auf einmal da und ich habe es aufgeschrieben, erweitert, ergänzt, etcetera.

Die Magdalena Kirchberg wird fünfundsechzig sein, vom Beruf Physiotherapeutin und ihr Kassenvertrag läuft aus, sie geht in Pension und auch nach Hause, kommt beispielsweise an die Kreuzung Pilgramgasse, denn sie könnte ja wieder, wie viele meiner Figuren, der Einfachheit halber in der Margaretenstraße wohnen, vorbei, bleibt stehen, sieht ein Auto mit drei Personen, das war ja auch der Ausgangpunkt, wird an ihren Geburtshelfer und die Hebamme, die sie vor fünfdreißig Jahren im Wilhelminenspital hatte, erinnert. Der dritte Insaße und zweite Mann im Auto könnte ein Psychiater namens Matthes Enck sein und vorher hat sie sich schon gefragt, was sie in ihrer Pension anfgangen kann?

Ist sie doch etwas isoliert, weil die Tochter Magda Flüchtlingshelferin in Graz, die sie nur alle heiligen Zeiten einmal sieht, da fällt ihr einm daß sie im Gymnasium schreiben hat wollen, dann aber im Laufe ihres Lebens darauf vergessen hat, jetzt könnte sie es wieder tun und einen Roman schreiben über den Gynäkologen Rudolf Rössner, die Hebamme Sophia Böhm und den Psychiater Matthes Enck, wie der auf die Geburtsstation kommt, ist noch nicht so klar, das tut sie dann auch und variiert vielleicht auch die Figuren, wie ist mir noch nicht so klar.

Sie kommt aber in Kontakt mit dem fünfundzwanzigjährigen Momo Kalish, dem Heimhelfer aus Afghanistan, der neben ihr wohnt und der ihr von seinen Klienten, nämlich der besagten alten Schriftstellerin Maria Mallatschek erzählt und deren Bruder und Vater, der Nichte, die Lektorin ist und der Tante Werke auf einmal herausgibt, könnte der Psychiater Matthes Enck sein und mit ihrer Supermarktkassiererin Nastasja Stankic aus Serbien, die unter ihren Kunden einen Mann sucht, könnte sie auch in Kontakt kommen.

So weit, so what, das ist das vorläufige Grundkonzept, an dem ich nun in meinen Sommerfrischenwochenenden arbeiten werde.

Da habe ich wohl wieder das Problem, daß ich schon die kritischen Stimmen “Das ist ja nichts Neues!”, höre.

“Wieder eine depressive Frau!”, obwohl das die Magdalena Kirchberg gar nicht ist und auch die Idee mit der Psychose, die sie vielleicht vor fünfunddreißig Jahren und dem Helferwahn hatte, lasse ich jetzt weg, aber sonst ist das Konzept wohl so, wie in meinen anderen Büchern, aber das wird wohl auch so sein und gehört zu mir und meinem Schreiben.

Ob ich ein Jahr lang daran schreibe, wie ich das ja immer will und bei der “Unsichtbaren Frau” jetzt wohl auch gebraucht habe, aber da war das Rohkonzept auch in ein ein paar Wochen fertig, weiß ich nicht, habe aber wieder fest vor, mir Zeit zu lassen und an meinen Schwächen, die ich sicher noch oder überhaupt habe, zu arbeiten.

Da gebe ich ja wahrscheinlich immer zu schnell auf, wenn ich mich einmal an die Wand geschrieben habe, da daran zu bleiben, ist wohl eine Aufgabe an der ich mich schulen kann und ansonsten, wird es wohl wieder eine Eva Jancak werden, mit meiner Sprache, meiner Psychologie und so abgehoben, wie es für mich passt.

Mal sehen, wie es gelingt, wenn ich jetzt wieder in meine Sommerschreibwerkstatt gehe und mehr oder weniger rasch und problemlos aus dem Grundkonzept einen längeren oder kürzeren Roman, beziehungsweise Erzählung mache und professionelle Unterstützung hat sich mir auch angekündigt, habe ich doch in den letzten Tagen sowohl von Jurenka Jurk von “Schreibfluß”, als auch von der Schreibtrainerin Julia K. Stein Mails erhalten, die mich zu ihrem Schreibschulen und Schreibkursen eingeladen haben und Jurenka Jurk, mit der ich im Vorjahr durch ihre Autorenmesse in Kontakt gekommen bin, macht gerade einen Kurs zum Zeitmanagement für Autoren und da denke ich, daß ich eigentlich ohnehin sehr diszipliniert bin.

Aber früher und vielleicht auch jetzt, wenn ich mich dann vor den Laptop setze, sich immer wieder die Hemmung und die inneren Stimmen mit dem “Du kannst es nicht!”, melden. Da hilft gegen die Schreibunlust oder Hemmung wohl wirklich das weiße Blatt und das Freewriting und um sich klarzumachen, wo die Hemmung liegt, wenn ich da ein bißchen sorgfältiger arbeite und bei Schwierigkeiten dranbleiben, um sie aufzulösen kann das wirklich hilfreich sein und so habe ich zwar nicht vor diesen Kurs und auch keine Ausbildung zur Romanautorin zu machen, um meinen Roman, wenn ich ihn nach einem Jahr Kurs erarbeitet habe, dann vielleicht doch bei “Amazon” einzustellen, mir genügen da wohl meine eigenen Schreibberichte und das Selfpublishin,g wie ich es seit circa 2000 mache, seit ich die Verlagssuche aufgegeben habe, aber im Blog werde ich weiter über meine Schreibprozesse, Fortschritte und Rückschläge erzählen und wenn ich jemanden daran interessieren kann, wird mich das freuen.

Schon Bekanntes bei den O-Tönen

Daniela Strigl, Barbara Rieger

Daniela Strigl, Barbara Rieger

Barbara Rieger

Barbara Rieger

Diesmal hätte ich mir den Besuch der O-Töne eigentlich sparen können, habe ich doch Milena Michikos Flasars “Herr Kato spielt Familie” schon im Frühling gelesen und auch bei “Literatur und Wein” daraus gehört und Barbara Riegers Debut “Bis ans Ende Marie”, lag auch schon einige Wochen mit dem Vermerk, daß man es nicht vor den fünfzehnten August lesen sollte, in meinem Badezimmer.

Jetzt wurde es aber schon im Museumsquartier, die Lesung fand diesmal wegen Schlechtwetter in der Arena 21, diesem langen eher unterkühlten Schlauch statt, vorgestellt und da ich am Morgen mit “Finsterwalde” fertig wurde, habe ich es hervorgeholt und während ich auf die Lesung wartete, diesmal zeitgleich das Buch zu der Lesung begonnen.

Was auch vom Iihalt ganz passend war, geht es ja wieder um eine Marie, allerdings unterscheidet sich das Buch im Stil gewaltig von Max Annas politischer Dystopie.

Ist doch die 1982 in Graz geborene Barbara Rieger, die auch das “Kaffeehausliteratenbuch” bei dessen Präsentation ich in der “Gesellschaft für Literatur” war, wie Daniela Strigl in ihrer Einleitung betonte, auch  Absolventin der Leondinger Akademie und daher eine sehr poetische Schreiberin, womit ich ja öfter meine Schwierigkeiten habe, so daß ich in den hundert Seiten, die ich während des Wartens gelesen habe, nicht wirklich mitbekommen habe, um was es hier geht und die im Klappentext enthaltene Beschreibung schien mir auch nicht ganz zum Inhalt zu passen.

Daniela Strigls Einführung half auch nicht wirklich weiter, sagte sie doch wieder etwas anderes, nämlich, daß es es um obsessiven Sex ginge, während die Buchbeschreibung von einer introvertierten Erzählerin ausging, deren Freundin Marie ganz anders als sie ist. Dann steht dort noch etwas von einem “bruchstückhaften Störbild”, während  der Roman in  sehr knappen, oft sehr kurzen Szenen, die Beziehung von zwei Frauen erzählt, von denen eine Kellnerin, die andere Psychologie studiert, weil sie kein Blut sehen kann und daher, die von den Eltern angepriesene Medizin nicht in Frage kommt.

Mehr will ich, weil ich das Buch demnächst extra brespreche, nicht verraten. Nur soviel, daß Daniela Strigl etwas von dem bei Debuts üblichen Coming Out- Roman erzählte und, daß sich Barbara Rieger in den ihr zugestandenen zwanzig Minuten, bis Seite hundertzechzig durch das Buch durcharbeitete.

Klaus Kastberger, Milena Michiko Flašar

Klaus Kastberger, Milena Michiko Flašar

Milena Michiko Flašar

Milena Michiko Flašar

Dann kam Klaus Kastberger mit der 1980 in St. Pölten geborenen Milena Michiko Flasar, die mit ihrem “Ich nannte ihn Krawatte” schlagartig berühmt wurde, auf die Bühne und hielt eine vielleicht wieder leicht sarkastisch gemeinte Lobeshymne auf das Buch von dem er meinte, daß es eigentlich keine typische Japanische Welt beschreibe, beziehungsweise kein typischer Japanroman sei. Das habe ich beim Lesen zwar eigentlich anders empfunden und glaube nicht wirklich, daß es in St. Pölten, wie Klaus Kastberger auch noch anmerkte, spielen könnte, denn ich denke dieser Herr Kaato, der in seiner Pensionierung vereinsamt, so daß er auf dem Friedhof zu tanzen beginnt und sich darüber ärgert, daß seine Befunde bei der Gesundenuntersuchung so gut sind und sich keinen Hund halten kann, weil seine Frau ihn zu teuer findet, für mich schon die typisch japanische Lebenswelt schildert und denke, daß Milena Michiko Flasar, das vielleicht bewußt auch so beschreiben wollte, auch wenn es dann, weil sie ja in Österreich geboren und aufgewachsen ist, das wahrscheinlich doch nicht so ist.

Lustig war die Art und Weise, wie die junge Frau gelesen hat, ist mir dadurch ersst die Schrulligkeit oder Machoartigkeit des Herrn Kato, die mir beim Lesen gar nicht so aufgefallen ist, bewußt geworden.

Kommt der doch nach der Gesundenuntersuchung und dem Tanz auf dem Friedhof nach Haus, will seine Frau sagen, daß sie jetzt endlich einmal die Taschen bei der Hose öffene soll und ärgert sich darüber, daß sie nicht da ist

Sie hat ihm zwar das Essen zum Aufwärmen in den Kühlschrank gestellt und auch die Zeitung hingelegt, da aber die Brille nicht dazugelegt und das hat Michiko Michiko Flasar erst einmal in einem sehr vorwurfsvollen Ton gelesen und dann noch selber darüber zum Lachen angefangen, so daß diese O Töne im langen Schlauch der Arena 21obwohlesie mir schon sehr viel bekanntes brachte, auch wieder eine interessante Erfahrung war.

Marlene

Alfred Polgar, der, glaube ich, zu den Wiener Kaffeehausliteraten zählt, 1873 in Wien geboren wurde und 1955 starb, war ein früher Fan von Marlene Dietrich, die 1927 in den Kammerspielen in einer Revue namens “Broadway” aufgetreten ist und dort glaube ich, eine Pistole zückte.

Polgar war auch Filmkritiker und ist so höchstwahrscheinlich mit der 1901 in  Berlin Schöneburg geborenen, die, wie er schreibt, zuerst eine Musikerkarriere in Weimar anstrebte, das Studium wegen einer Sehnenscheidenentzündung aber aufgeben mußte, im Max Reinhardt-Seminar nicht aufgenommen wurde und daher in Filmen meistens in Revuegirlrollen auftrat, bevor sie mit Josef von Sternbergs “Der blaue Engel” nach dem Roman “Professor Unrat” von Heinrich Mann berühmt wurde und mit Sternberg in den Dreißigerjahren auch nach Amerika ging.

Alfred Polgar, der ab 1925 vorwiegend in Berlin lebte, mußte, als dort die Nazis kamen, wieder nach Wien beziehungsweise Prag zurückgehen und war offenbar in Geldnot, so daß er einen Brief an die Dietrich sandte, die ihn auch sogleich unterstützte, wofür er ihr versprach, über sie zu schreiben und so ist 1937 – 1938 ein ewa siebzig Seiten Text “Marlene – Bild einer berühmten Zeitgenossin” entstanden, wo er in einigen Kapiteln, das schon erwähnte und dann auch Lobeshymnen auf ihren Stil, ihre Beine, ihren Sexappeal, etcetera,  abgab.

Die Dietrich gab ihm dafür die Erlaubnis in Deutschland über sie ein Buch herauszugeben und da sie im Sommer 1937 in Salzburg beziehungsweise in St. Gilgen war und dort auch eine Villa gemietet hat, hat er sie an beiden Orten besucht und auch ein Interview mit ihr geführt und verschiedene Fragen an sie gesgtellt.

Dann kamen auch in Wien die Nazis und der Verlag mit dem schon ein Vertrag ausgehandelt war, ich wunderte mich ein bißchen wegen der Kürze des Textes, aber vielleicht war das damals üblich, hörte auf zu existieren.

Polgar mußte mit seiner Frau und dem Manuskript im Koffer fliehen, das offenbar dort bis 1984 liegen blieb und erst da von Ulrich Weinzierl, der mit Marcel Reich-Ranicki in den 1980 Jahren an einer Polgar- Gesamtausgabe arbeitete, entdeckt wurde. Der Text kam aber seiner Länge wegen nicht in sie hinein, die Dietrich, die 1992 in Paris gestorben ist, hat zu dieser Zeit auch noch gelebt und so ist der Text von ihm erst 2015 bei “Zsolnay” herausgekommen.

“Zsolnay” gehört zu “Hanser” und “Hanser” hatte zu dieser Zeit auf seiner Facebookseite öfter Gewinnspiele und Facebookaktionen, wo ich einige Bücher gewonnen habe, darunter auch das hundertsechzig Seiten Bändchen, das weil ja kein Rezensionsexemplar auf meiner Leseliste landete und est jetzt von mir gelesen wurde.

Die ersten fünfundsiebzig Seiten gehören also Polgars-Text und da die Dietrich da ja erst Mitte dreißíg war ist es natürlich keine Biografie, sondern eine Huldigung oder ein Portrait in knappen Blitzlichtern. Die nächsten fünfundvierzig Seiten hat der 1954 in Wien geborene Herausgeber geschrieben, der bis 2013 Korrespondent der FAZ war. Hier gibt er unter dem Titel “Aber verliebt in sie war ich schon -Alfred Polgar und Marlene Dietrich”, Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Buches.

Polgar hat Marlene Dietrich später, glaube ich, nicht mehr gesehen, mit Friedrich Torberg war sie befreundet mit Polgar eigentlich nicht und so ist es sehr interessant in den späten Zweitausendzehnerjahren sowohl Einblicke in das Leben der frühen Dietrich, als auch das in Alfred Polgars zu bekommen, der durch die Nazis ja seinen Verlag, seine Reputation und seine Heimat verloren hat.

Außerdem gibt es in dem Buch auch einen Anhang, wo Weinzierl genaue Quellenangaben zu seinen Behauptungen liefert und ein weiterer umfangreicher Teil sind auch den Veränderungen, die an Üolgars Text vorgenommen wurden, gewidmet, der wahrscheinlich hauptsächlich für Literaturwissenschafter und Historiker interesant sein dürfte.

Der gewöhnliche Leser wird sich eher an den beigefügten Fotografien erfreuen und wenn man mehr und die Dietrich “gesamt” erleben will, sollte man sich wohl an eine später erschienene Biografie halten. Connie Palmen hat, glaube ich, in ihrem neuen Buch “Die Sünde der Frau” über sie geschrieben.

Hier ist wohl mehr der historische Zeitrahmen und die Entstehungsgeschichte interessant und daher ist “Die kleine große Biografie über Marlene Dietrich”, wie am Buchrücken steht, höchstwahrscheinlich doch sehr interessant.

Madame Hemingway

Im März 2013 habe ich ernsthafte Bücherbeschränkungspläne geschwungen, alle meine ungelesenen Bücher in meine Leseliste eingetragen und mir geschworen mir wahrlich nie und nimmer mehr ein Buch zu kaufen, sowie ein solches aus einem Bücherschrank zu nehmen.

Das habe ich, glaube ich, gerade einen Tag eingehalten, denn dann bin ich in der Karwoche zu diesem verpatzten Vortrag in den Klub logischer Denker gegangen und da natürlich an einigen der Schränke vorbeigekommen.

Im “Wortschatz” ist glaube ich Norbert Gstreins “Englische Jahre” gelegen und in dem in der Zieglergasse,  Paula Mc Lain “Madame Hemingway”, ein Buch von dem ich zwar keine Ahnung hatte, um was es ging, das Cover ist aber damals in diversen Blogs aufgeschienen. Ich habe gedacht, du darst, brauchst, mußt nicht und habe dann nach dem Buch gegriffen, nach diesem und auch nach Michael Köhlmeiers “Idylle mit Hund”.

Am nächsten Tag habe ich mir zwar geschworen, die Bücher zurückzubringen, ging aber gar nicht so einfach, weil wir ja nach Harland in die Osterferien gefahren sind, dann habe ich sie behalten, Köhlmeiers “Idylle” ist noch immer nicht gelesen, “Madame Hemingway” auf meiner heurige Leseliste, ich habe da inzwischen ein bißchen umdisponiert, gerutscht und ist jetzt die zweite Biografie, in Folge, die ich lese, und nach Ralph Dutlis “Soutine” wird noch Alfred Polgars “Marlene” an die Reihe kommen.

“Madame Hemingway”, der Titel läßt schon darauf schließen, daß es sich dabei, um eine Frau oder Geliebte von Ernest Hemingway , dem Nobelpreisträger von 1954, von dem “Wem die Stunde schlägt” im Bücherkasten meiner Eltern gestanden ist, “Fiesta” und “in einem fernen Land” habe ich gefunden, aber noch nicht gelesen, der “Alte Mann und das Meer” ist, glaube ich, Schulstoff und hat mir nicht so besonders gut gefallen und Alkoholiker war Ernest Hemingway, glaube ich, auch.

Von seinen Frauen hatte ich aber keine Ahung und nicht gewußt, daß die 1891 geborene Hadley Richardson, die erste Frau des acht Jahre jüngeren Hemingway war und die 1965 geborene Paula Mc Lain, die kreatives Schreiben studierte und in einigen Künstlerkolonien gelebt hat, hat aus den biografischen Quellen, wie sie anmerkt, aus Briefen und Tagebüchern einen Ich-Roman mit der Stimme von Hadley daraus gemacht. Ein paar Szenen sind auch dem Meister selbst gewidmet, der dabei ziemlich unsympathisch hardcoremäßig daherkommt.

Hadley Richardsen, eine Pianistin hat den Jüngeren in den Neunzehnhundertzwanzigerjahren kennengelernt. Sie heiraten bald und  zog mit ihm nach Paris, wo sie in Künstlerkriesen lebten, mit Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald und anderen befreundet war.

Hemingway war in dieser Zeit journalistisch tätig, mußte während der Griechenland-Türkei Konflikte an die Krisengebiete reisen und ließ seine Frau ungerührt, für Monate allein zuirück. Er betrog sie auch mit anderen Frauen. Dafür hat sie seine Manuskripte, die sie in einen Koffer packte und zu ihm bringen wollte, im Zug verloren und schwanger wurde sie auch bald, obwohl Hemingway eigentlich kein Kind wollte.

Es wurde aber sohn Bumby geboren. Da ging das Paar kurz nach Amerika zrück, da Hemingway aber nur einen schlechtbezahlten Redakteursposten hatte und von seinem Chef schikaniert wurde, gingen sie bald, obwohl sie in prekären finanziellen Verhältnissen lebten, wieder nach Paris zurück, beziehungsweise nach Spanien zu den Stierkämpfen.

“Fiesta” wurde geschrieben, die Sammlung “Three Stories and Ten Poems” wurde veröffentlicht und Paula  McLain deutet an, daß Hadley Hemingway künstlerisch gefördert hat. Die Winter verbrachte das paar trotz der schlechten finanziellen Verhältnisse in Voralberg, in Schruns und da lernte  Hemingway bald Pauline Pfeiffer kennen, mit der er Hadley ungerührt betrog. Die Ehe wurde geschieden. Pauline wurde Hemingways zweite Ehefrau, die dritte Martha Gellhorn, die vierte Mary Welsh.

Hadley hat auch wieder geheiratet und Hemingway hat sich 1961 umgebracht. Vorher kam es laut Pula Mc Lain noch zu einer Begegnung der beiden und ich kann sagen, daß es sich gelohnt hat, die Vorsätze gebrochen und das Buch nicht zurückgebracht zu haben.

Jetzt habe ich mein Wissen über Ernest Hemingwax, der in dem Buch, wie schon geschrieben, nicht sehr sympathisch erscheint, aufgefrischt und das 2011 bei “Aufbau” erschienene Buch scheint heute wieder vergessen,  auf jedenfall ist es von den Blogs verschwunden, aber ich habe ja, bevor das Herbstneuerscheungs- und das Buchpreislesen beginnt, vor, meine Backlist aufzulesen und mal sehen, viellecht kommt Hemmingway auch noch  im Original an die Reihe.

Endlich fertig

Ich bin ja eine Mischung zwischen zwanghafter Genauigkeit und einer gewissen vielleicht auch legasthen bedingten Schlmpigkeit, wie ich immer schreibe und die Rechtschreibung ist mir eigentlich ganz ehrlich immer noch egal.

Immer noch ein bißchen, denn die lässige Lockerheit, wie als Schulmädchen in der Straßergasse, wo ich mich über die Verzweiflung meiner Deutschlehrerin amüsierte, mir wegen der Rechtschreibung nur ein “Minus sehr gut!”, geben zu können, habe ich schon längst nicht mehr und ich sitze schon seit Jahren nachdem der Rohentwurf meistens sehr schnell in vier bis sechs Wochen hinuntergeschrieben wurde, dann einige Monate über den Text und korrigiere und korrigiere, wahrscheinlich in der Vorstellung ihn endlich fehlerfrei hinzubekommen, wohl wissend, daß das wahrscheinlich ohnehin nicht gelingen kann und wenn, was hätte ich davon?

Die Sprache war mir und das ist wahrscheinlich auch nicht gut, nie so wichtig, wie das Erzählen, kommen ja die großen Sprachkünstler wie Friederike Mayröcker immer noch daher und verkünden stolz, daß ihnen der Inhalt nicht wichtig ist und die nicht so bekannten Sprachkünstler wie Hans Jörg Zauner reihen bis zur Unverständlichkeit Wort an Wort, kreiierenWortneuschöpfungen und erzählen nichts.

Ich will aber erzählen und bin dabei auch wahrscheinlich zu sehr an der Realität, das heißt zu wenig abgehoben und was mein letztes Work on Progress die “Unsichtbare Frau” betrifft, die vor kurzem ein zweites Mal an den Alfred abgegangen ist, damit er nochmals meine “s” und Fallfehler, die ich immer noch verweigere, korrigiert und ein PDF machen kann, woraus dann wiederum ein paar Monate später, aber hoffentlich noch in diesem Jahr mein fünfundvierzigstes “Selbstgemachtes” und das achtundvierzigste Buch überhaupt, denn da kommen ja noch die in der “Edition Wortbrücke” entstandenen “Hierarchien” und die beiden in “richtigen” und zum Teil großen Verlagen erschienenen beide Bücher über das Stottern hinzu.

Fünfundvierzig selbstgemachte Bücher, wui, auch wenn man schon über fünfundvierig Jahre literarisch schreibt ist das sehr viel und eigentlich sehr schade, daß ich damit so unbedachtet bleibe, was mich, obwohl ich das ja tapfer trotzig ignorieren und unentwegt weitermachte, wahrscheinlich doch dazu führt, daß ich mich inzwischen schon sehr ausgeschrieben fühle und immer öfter denke, das bringt ja ohnehin nichts!

Es wird dann zwar wieder eine Vorschau geben und wenn das Buch dann erschienen ist, einen Aufruf zu einer Leserunde, das heißt, ich vergebe fünf Bücher, so daß die daran Interessierte darüber in den Kommentaren dikutieren können. Aber die gibt es ja nicht sehr und das hat wahrscheinlich dazu geführt, daß ich in den letzten Jahren sehr viel und sehr schnell vor mich hingeschrieben.

2016 sind fünf Bücher erschienen, die ich zwar nicht alle im selbenJahr geschrieben habe, aber einige pro Jahr waren es in den letzten Jahren schon.

Wenn die “Unsichtbare Frau” noch heuer erscheint, ist es das zweite Buch 2018 , das erste im Jänner erschienen und das, im vorigen Mai und Juni geschrieben und ein paar Monate vorher konzipiert, ist eigentlich der Vorläufer der “Unsichtbaren Frau”, denn die Idee, da eine Blogfigur des Nachts zu Wladimir Putin oder Donald Trump zu schicken ist mir schon da gekommen und die Lilly Schmidt, die in den Blogeschichten noch Lily heißt ist ja die Tochter der Mathilde, deren Vorbild ich in der Pizzeria in der Margaretenstraße immer des Abends, wenn ich von der “Alten Schmiede” nach Hause gekommen bin, bei einem Glas Wein sitzen sah.

Dann ist in den Blogeschichten von der “Unsichtbaren Frau” nur kurz oder eigentlich gar nicht wirklich die Rede und so habe ich mich, glaube ich, nach der Sommerfrische 2017, als ich damals mit dem Korrigieren fertig war, an die “Unsichtbare Frau” gemacht, die Blogfigur der Lilly Schmidt.

Im September kann ich mich erinnern, habe ich angefangen mich auf Materialrecherchetour zu begeben und da waren wir ja Mitten im Wahlkampf und so ist die unsichtbare Frau eher zu einem Minister Basti als zu Donald Trump gekommen und das Schreiben des Rohtextes, mit dem ich im September begonnen habe, ist, wie ich mich erinnern kann, nicht so flüssig dahingegangen. Der Wahlkampf hat mich daran gehindert und abgelekt und so ist bald klar geworden, das wird doch ein Nanowrimo werden, obwohl ich ja schon im September mit dem Schreiben begonnen habe, mit dem Text der da entstanden ist, aber nicht sehr zufrieden war. Ende Oktober habe ich ihn zuerecht korrigiert, umgeändert, verbessert, so daß ich mit zwanzig Seiten oder zehntausend Worten zum Schreibmarathon des “Writers Studios” gegangen bin, denn da gab es ja zum fünfzehn Jahrjubiläum einen solchen und die erste Woche habe ich daran teilgenommen, geschrieben und geschrieben, dann kam die “Buch Wien”, mein Geburtstag, die “Poet Night” und noch einiges anderes, so habe ich mir am letzten Tag an dem ich dort war, ein Feedback geholt, das heißt, die Szene gelesen, die auch als Probekapitel auf die Website kommt, beziehungsweise beim Volksstimmefest gelesen wird und dann in der entsprechenden Anthologie, sofern es noch eine geben sollte, enthalten sein wird, denn jetzt ist erst, habe ich gerade erfahren, die von 2016 fertiggeworden und da ist da die Himmelgeschichte aus den “Berührungen” drinnen.

Ich habe nach dem Feedback im vorigen November aber wieder eine Woche zu schreiben aufgehört, bin auf die “Buch-Wien” gegangen und habe bei meinem Geburtstagsfest, die Szene aus dem “Bibliotheksgespenst” gelesen, dem dreiundvierzigsten Selbstgemachten, die dann auch in der “Linken- Wort- Anthologie 2017” enthalten sein sollte.

Als die “Buch-Wien” vorüber war, habe ich die fünfzigtausend Worte fertiggeschrieben, der Rohtext, den ich den Alfred gerade schickte, hat 44 982 Worte, es ist also sehr viel wegkorrigiert worden. Aber auch das ist nur sehr zögerlich geschehen und hat lange gedauert. Zuerst bin ich im Dezember einmal zu einem Writerretreat ins “Writerstudio” gegangen, weil man da ja einen Gutschein dafür bekam, wenn man über das Event berichtet hat, auf Facebook sollte man das tun, bei mir ist esauch so gegangen und da habe ich gedacht, fange ich mit dem Korrigieren an.

Das habe ich auch gemacht, leider war ich aber ein bißchen krank, so daß ich nur sehr langsam weitergekommen bin, aber meiner Tandempartnerin, die zufällerweise auch Psychologin war, die erste Minister Basti- Szene vorgelesen habe.

Und dann korrigieren und korrigieren, ich habe mir gedacht, ich mache es professionell und nennen es Retreat, habe mir da zu Weihnachten viel vorgenommen, war aber sehr unkonzentriert dabei und habe teilweise dazu Videos gehört, was wahrscheinlich nicht sehr effizient war.

Es war auch ein bißchen schwerig mit der Handlung, die ja, wie bei mir sehr oft, was wahrscheinlich aber als nicht sehr literarisch gilt, eng an die Wirklichkeit angelehnt war. Der Wahlkampf kommt vor, der Nobelpreis, die Krawalle auf der Frankfurter Buchmesse und ich habe vier Handlungsstränge.

Da ist einmal  Amanda Siebenstern, die Blogfigur der Lilly Schmidt, die nächtens zu Minister Basti geht, des Tages  “Deutsch als Fremdsprache-Kurse” an der Volkshochschule gibt und Proble damit hat, daß ihre Schülerinnen wegen des Vermummungsverbots dort hicht mehr erscheinen.

Dann gibt es die Lilly Schmidt und die Slavenka Jagoda aus Kosice oder Bratlisava, die ein Stipendium hat, um Lillys Blog zu erforschen und sie da in New York besucht, wo sie Kuratorim am österreichischen Kulturinstitut ist und es gerade eine Lesung mit Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann gibt. Es gibt den Alfons Tratschke, der auf seinen Blog nach rechts reitet und Lilly und Slavenka, als linke Schwestern beschimpft und es gibt den Jonathan Larsen, Mitglied der schwedischen Akademie, die den nächsten Nobelpreisträger bestimmt, was er aber, da er gerade seine Frau verloren hat, nicht so gut kann und das zeitlich nicht durcheinander zu bringen, war nicht so leicht und hat einige Änderungsdurchgänge erfordert.

Ich korrigiere ja, wenn ich mit dem Rohtext fertig bin und geschaut habe, daß es so halbwegs passt, ja immer gern Szene für Szene durch und drucke mir das dann aus, was ich aber, wenn ich in Harland bin, nicht recht kann, weil ich  dort keinen Drucker habe.

So hat auch das sehr lang gedauert und ich war Ende Mail als der Alfred nach Amerika flog und ich dachte jetzt habe ich ein Monat zum Korrigieren, noch nicht damit fertig und dann habe ich im Juni korrigiert und korrigiert, wieder mal gedacht, ich wäre schon fertig, dem Alfred alles geschickt und am nächsten Tag wieder von vorne damit angefangen und gedacht, ich werde nicht und nicht damit fertig.

Denn irgendwie packt mich dann doch der Ehrgeiz, daß ich alles richtig machen will und lese laut, was ja eigentlich schon stimmen sollte, finde Fehler und Fehler und das hat diesmal besonders lang gedauert und ich habe besonders lang laut gelesen und eigentlich den Juni fazu nützen wollen, mit dem Recherchieren für das Nächste, an dem ich ja schon ein bißchen bei den letzten Schreibgruppen begonnen habe.

So weit kam es dann nicht und jetzt hat ja schon die Sommerfrische mit den verlängerten Wochenenden angefangen, die ich ab nun dazu benüzen kann, mit der Magdalena Kirchberg, die wahrscheinlich wieder eine depressive Frau ist, ein Auto sieht, das sie in ihre Vergangenheit führt, einen muslimischen Nachbarn hat, der nicht Mohamed heißen will und eine Supermarktkassierin, die Interessantes zu erzählen weiß , zu beginnen.

Das erste Sommerfrischenwochenende war ja dem Geburtstag der Oma und dem “Bachmannpreis” gewidmet, das zweite gab es neben dem Korrigieren, das übliche Programm, Samstag Markt, Sonntag Rudolfshöhe und am Montag sind wir nach Pernitz, beziehungsweise Muggendorf zum Martin und der Zahui hinausgefahren und sind mit ihren, was besonders schön war, die Myra Wasserfälle hinaufgeklettert und dieses war dem Hochschab gewidmet, so daß die Bühne wieder frei ist, wie ich es ja schon einmal oder sogar öfter machte, die Sommerfrische zum Recherchieren und dem neuen Roman zu widmen.

Ein schönes kleines Stadtschreiberbuch habe ich zwar nicht und, ob ich in Wilhelmsburg oder im Traisenpark viel bezüglich der Magdalena <kirchberg recherchieren kann, weiß ich auch nicht, muß aber erst die Entwürfe zusammensammeln, denn von der ursprünglichen Idee mit dem Psychiater, der Krankenschwester und dem Chirurgen bin ich ja schon wieder abgekommen.

Mal sehen, ich bin gespannt und natürlich immer noch entmutigt, denn wirklich wahrscheinlich, daß es diesmal klappt ist es ja nicht, aber aufgaben will und werde ich nicht. Also wieder eine depressive Frau, die sechs- oder siebenundvierzigste und ob ich den Rohentwurf im Sommer schaffe oder es wieder ein “Nanowrimo” wird, steht auch in den Sternen.

Dazwischen soll dann die unsichtbare Frau fertig werden, für die ich ja diesmal, was ich mir immer wünschte, wirklich ein Jahr gebraucht habe, ich lese am Volkstimmefest, die Nobelpreiszene und vielleicht gelingt mir der große Wurf oder bekomme auf den Blog doch ein wenig Interesse, wenn ich über meine Fortschritte schreibe. Die diesbezüglichen Schreibberichte wierd es ja wieder geben, mal sehen, ich bin gespannt.

Eine andere Buchpreisvorschau

Der “Deutsche Buchpreis”, diese Erfindung des “Börsevereins” um den Lesern, die Jahresneuerscheinungen nahe zu bringen, gibt es seit 2005 und da ist er an mir ersteinmal, das habe ich schon geschrieben, ein paar Jahre  vorbeigegangen.

2008, als ich schon bloggte, hat ihn dann Christiane Zintzen, die heute, glaube ich, Chris Bader heißt, auf ihren Blog, den es nicht mehr gibt, vorgestellt und hat von diesem Leseprobenbüchlein geschrieben, das damals glaube ich vergriffen war.

2009 habe ich mich dann auf die Suche nach ihm gemacht und es in Österreich nicht bekommen, damals hatte oder war das schon 2008 die FAZ ein großes Buchpreisspezial und ich habe damals, weil ich ja noch kaum Rezensionsexemplare bezogen habe und mir die neuen Bücher auch nicht kaufte, sondern mir höchstens eins oder zwei davon zu Weihnachten oder zum Geburtstag schenken ließ, nicht sehr viel  gelesen, aber trotzdem, glaube ich, schon damals meinen Senf dazu gebloggt.

Wahlprognosen angestellt, die natürlich, weil ich ja weder die Gruppendynamik der Jurien, noch die Bücher kannte, meistens voll daneben waren, aber ich habe mich, das läßt sich nicht leugnen, sehr dafür interessiert.

“Buzzalddrins-Bücher” hat dann 2013  mit der Aktion “Fünf lesen vier” oder “Vier lesen fünf” angefangen, damals an dem Tag der Longlistbekanntgabe kann ich mich erinnern, bin ich mit dem Rad nach Traisen gefahren und war bei meiner Rückkehr baßerstaunt, über die vielen unbekannten Titel auf der Liste, die ich natürlich nicht vorausahnen konnte.

Da habe ich schon vage daran gedacht, ob ich nicht vielleicht auch die Verlage anfragen sollte? Habe das  aber nur bei Nellja Veremejs “Berlin liegt im Osten” getan und das Leseprobenbüchlein, das ich damals direkt angefragt habe, gebloggt, was inzwischen mehr Leute machen, ich aber zu dem Schluß gekommen  bin, daß ich damit keine Prognosen stellen und auch keinen adäquaten Eindruck bekommen kann.

2014 gab es dann wieder eine Buchpreisbloggeraktion bei “Buzzaldrins Bücher” und wir waren damals im Elsaß auf Urlaub und ich habe die Buchpreisliste in einer Buchhandlung in Ansbach erfragt, das Leseprobenbüchlein gab es damals noch nicht und bei der Longlistenleseaktion, habe ich eifrig mitgemacht, “Kastelau” bekommen und als sich dann 2015 die offiziellen Buchpreisblogger bildeten, habe ich inoffizielle Blut geleckt, das Buchpreislesen ist ja auch sehr spannend, immer Prognosen von den Büchern die ich damals kaum kannte, weil ich noch kaum Vorschauen gelesen habe, gegeben, mich immer gehörig verschätzt, aber 2015 alle Bücher gelesen, mir davon ein paar vorzeitig zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken lassen, ein paar geborgt, zwei in einer Buchhandlung gelesen, etcetera.

2016 habe ich neunzehn Bücher bekommen und gelesen und 2017 waren es achtzehn vom dBp inzwischen hat es ja schon den öst gegeben,  die restlichen zwei habe ich dann im Jänner bekommen und muß sie noch lesen.

Und eine Folge meines inoffiziellen Buchpreislesen war, daß ich plötzlich die Vorschauen bekommen habe und heuer von den achtundzsiebzig Büchern,  die, ich glaube,  in diesem Jahr gelesen habe, so an die sechzig bis siebzig Neuerscheinungen, also Buchpreiskanditaten sind.

Allerdings wird das nicht so ganz stimmen, daß ich am vierzehnten August mit dem Buchpreislesen schon fertig bin, was ich ja gerne wäre, weil ich zwar zwanzig neue Bücher gelesen habe, aber die Hälfte der Verlage, die auf der Liste stehen, sicher fehlen und noch etwas ist heuer neu, der “Kaffeehaussitzer”, der ja 2015 bei den offiziellen Buchpreisbloggern war, hat voriges Jahr den “Bloggeraward” gewonnen, damit hätte er das wieder werden können, kam aber wahrscheinlich, weil er da schon war oder auch aus anderen Gründen, in die offizielle Jury und liest sich seither streng geheim durch die 165 eingereichten Bücher.

Mit sovielen kann ich natürlich nicht aufwarten, aber sechzig bis siebzig, von denen dann wahrscheinlich eins bis drei auf der offiziellen Liste stehen werden, habe ich heuer auch gelesen und weil wir heuer auch wieder, während der offiziellen Listenbekanntbabe nicht im Lande sind und ich zu dieser Zeit wahrscheinlich, Laptoplos mich durch die Schweizer Literatur lese, habe ich gedacht, daß ich mit meiner Lstenprognose, die ich ja bisher immer getreulich falsch gegeben habe, ein wenig variiere, gut die O-Ttöne die ich seit Alfreds Altersteilzeit  immer getreulich besuche, würden mir dabei helfen, denn der neue Seethaler, der neue Gstrein kommen wahrscheinlich auf die Liste und der neue Arno Geiger zumindestens auf die österreichiche, weil der den dBp ja 2005 mit einem Buch das mir übrigens gar nicht so besonders gefallen hat, gewonnen hat und es so, wie die Jury mache, also nicht schätze, was da vielleicht oben stehen könnte, weil es heuer erschienen ist, sondern das nehme, was ich gelesen habe und da vielleicht ein bißchen nach meinen Erfolgskriterien arbeite, obwohl ich ja Bücher gar nicht so gerne rangreihe.

Was könnte also auf meiner persönlichen deutschen Longlist stehen, habe ich gedacht und kann dabei wahrscheinlich gleich wieder an ein paar Bücher einnern, die ich vor einem halben Jahr gelesen habe, während andere wieder fehlen, weil die Herbstneuerscheinungen ja noch weder wirklich eingetroffen, noch gelesen sind. Also meine zwanzig gelesenen deutschsprachigen Meuerscheinungen für den dBp:

  1. Bernhard Schlick “Olga”
  2. Andre Kubicek “Komm in den totgesagten Park und schau”
  3. Hannes Köhler “Ein mögliches Leben”
  4. Helmut Krauser “Geschehnisse während der Weltmeisterschaft”
  5. Tom Sailer “Wenn Martha tanzt”
  6. Margit Schreiner “Kein Platz mehr”
  7. Julia Schoch “Schöne Seelen und Komplizen”
  8. Jakob Hein “Die Orientmission des Leutnant Sterns”
  9. Milena Michiko Flasar “Herr Kato spielt Familie”
  10. Wlada “Kolosowa “Fliegende Hunde”
  11. Eric Nil “Abifeier”
  12. Heinrich Steinfest “Die Büglerin”
  13. Gunnar Kaiser “Unter der Haut”
  14. Mareike Schneider “Alte Engel”
  15. Kathrin Weßling “Super und dir”
  16. Ruth Cerha “Traumrakete”
  17.  Mareike Fallwickl “Dunkelgrün fast schwarz”
  18. Inger Maria Mahlke “Archipel”
  19. Hans Pleschinski “Wiesenstein”
  20. Michel Decar “Tausend deutsche Diskotheken”

Ein wenig einseitig, was die Verlage betrifft und auch fast nur Frühligsneuerscheinungen, also ziemlich unrealitisch, das habe ich schon geschrieben. Ein paar der Bücher haben mir dabei sehr,  wie der Steinfest, der Gunnar Kaiser, manche weniger gefallen und einige davon habe ich zwar in meinen Regalen, aber noch nicht gelesen, eines weil man das erst im August machen darf, das andere über den Gerhard Hauptmann, weil ich es mir beim Literaturhaus-Flohmarkt kaufte und daher nicht auf meine Jahresliste tat. Aber steht es auf der Liste, was ich hoffe, nehme ich es hervor, dasselbe gilt auch für Anne Reineckes “Leinsee”.

So und weil es ja seit 2016 den östBp gibt, das Ganze noch einmal bis zehn für österreichische Autoren und da wird man wahrscheinlich merken, daß es noch einseitiger wird, weil bei meiner öst Auswahl mehr Debuts und unbekanntere Autoren dabei sind, aber ein bißchen habe ich mich schon durch die heimische Literatur gelesen.

1.Rhea Krchmarova “Böhmen ist ein Ozean”

2.Margit Schreiner “Kein Platz mehr”

3.Milena Michiko Flasar “Herr Kato spielt Familie”

4.Heinrich Steinfest “Die Büglerin”

5.Verena Stauffer “Orchis”

6.Martin Amanshauser “Die Amerikafalle”

7.Cordula Simon “Der Neubauer”

8.Luis Stabauer “Die Weißen”

9. Eva Lugbauer “Und am Ende stehlen wir Zitronen”

10.Judith Gruber-Rizy “Eines Tages verschwand Karola”

Bei den Debuts tue ich mir auch ein wenig schwer, denn Luba Arnautovics “Im Verborgenen” habe ich ja nicht bekommen, also könnte ich nur aus meinem 2Kremair und Scherriau- Fundus” schöpfen.Aber da sind meine Lieblingsdebuts, glaube ich, nicht dabei. Denn da bin ich ja für Wlada Kolosowa und Gunnar Kaiser und die spielen bei der österreichischen Liga nicht mit.

  1. Barbara Rieger “Bis ans Ende Marie”
  2. Verena Stauffer “Orchis”
  3. Eva Lugbauer “Und am Ende stehelen wir Zitronen”, hätte ich also da anzubieten.

So das war meine diesmal ungewöhlichere Buchpreisschätzung, mal sehen, wie ich es getroffen habe. Es wird ja noch bis vierzehnten August einiges an Wissen dazu kommen und auch noch etwas Gelesen werden.

 

Soutines letzte Fahrt

Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat “Buzaldrins Bücher”, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion “Fünf lesen vier” oder “Vier lesen fünf” ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis “Soutines letzte Fahrt” auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der “Amanzon-Rezensenten”.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette “Hannibal” ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft “Soutines letzte Fahrt” um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei “Wallstein” erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.

Erinnerungen an Christine Nöstlinger

Ich habe ja in den Sechzigerjahren zu lesen angefangen und als Tochter eines engagierten Sozialisten zu Weihnachten immer ein Buch der Kinderfreunde unter dem Christbaum gefunden.

Damals hießen die Autoren Vera Ferra-Mikura und Friedrich Feld und was die Ferra-Mikura betrifft, sind mir da “Meine Freundin Rosine” und “Peppis doppelte Welt” und natürlich die “Stanisläuse” im Gedächtnis geblieben und sie war, da bin ich mir sicher, ein Vorbild von Christine Nöstlinger, die mir als Kinderbuchautorin irgendwie verlorengegangen ist, weil ich, als sie in den Siebzigerjahren zu publizieren begann,  schon erwachsen war.

Trotzdem war sie damals in aller Munde und hat die Kinderbuchliteratur erstaunlich reformiert. Der “Wischer” ist in den Siebziger- oder Achtzigerjahren in Ö-3 gelaufen, dann gab es das “Austauschkind” und mit dem habe ich mir oder die anderen Autoren der “Die Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen- Anthologie”, den Kinderbuchpreis von 1982, glaube ich, geteilt habe.

Denn, die 1936 in Wien-Hernals, ein Bezirk, in dem ich ja auch aufgewachsen bin, geborene Autorin, war in der Jury, als Johanna Dohnal vom Staatssekretariat für Frauenfragen, einen Wettbewerb für ein nicht rollenkonformes Kinderbuch aufgerufen hat.

Ich habe eine Szene aus einem Projekt, an dem ich damals gearbeit habe, als “Güler will kein Kopftuch mehr”, umgearbeitet und eingereicht und ich bin fast sicher, daß ich den Preis den ich damit gewonnen habe, ihr verdanke.

Gelegenheit zu fragen oder mit ihr darüber zu sprechen, gab es keine, obwohl das Buch prominent  aufgenommen wurde, ein paar Auflagen hatten, den besagten Kinderbuchpreis gewonnen hat, als Taschenbuch aufgelegt wurde und und und am vorigen Freitag, als ich in Harland auf der Terrasse sitzend ein wenig herumgegooglet habe, habe ich erfahren, Christine Nöstilinger ist im einundachtzigsten Lebensjahr gestorben.

Das ist, wie mir “Wikipedia” mitteilte, schon am achtundzwanzigsten Juni geschehen. Bekanntgegeben wurde es aber offenbar erst am letzten Freitag und hat natürlich große Betroffenheit ausgelöst, obwohl ich in einem Interview lesen konnte, daß die Autorin sich zuletzt geweigert hat, weiter Kinderbücher zu schreiben, weil sie meinte, diese mit Achtzig nicht mehr zu verstehen.

Nun, die Kinder haben sich inzwischen sicherlich geändert, die Anna ist aber mit ihren Büchern aufgewachsen und während mich als Kind Vera Ferra-Mikura “Peppis doppelte Welt” als eine der ersten Schilderung eines Scheidungskindes sehr beeindruckt hat und ich bedauere, das Buch, das man inzwischen wahrscheinlich nur mehr gebraucht bekommen kann, nicht zu besitzen. Denn ich habe als Kind ja viel aus der Bücherlade meiner Hauptschulklasse gelesen, hatte die Anna, glaube ich, mit dem Scheidungsbuch, der Nöstlinger, wo die Welt eines Kindes offenbar viel brutaler durchgeschnitten und zerteilt wurde, mehr Schwierigkeiten, als ich mit dem Peppi, dem halt nach den Würsteln beim Papa schon schlecht war und sich trotzdem nicht traute, das Mittagessen der Mutter, das sie ihm hinstellte, als er von dort zurückkam, zu verweigern. Sie hat es aber verstanden und ihm kleine Portionen hingestellt. Heute würde man das Mittagessen wahrscheinlich ganz weg lassen. Es hat sich aber sicher als tolle Szene erwiesen, das Problem von Scheidungskindern aufzuzeigen.

Vera Ferra-Mikura hat sehr sozialkritisch geschrieben, Christine Nöstlinger ist ihren Spuren gefolgt und hat die “Feuerrrote Friederike”, glaube ich, auf dem Küchentisch geschrieben.

Ich war ja, wie schon erwähnt, für ihre Kinderbücher zu alt und bin wahrscheinlich auf Christine Nöstlinger durch das Buch von Hilde Schmölzer “Frau sein und schreiben” aufmerksam geworden, die ein Interview mit ihr brachte. Das heißt so ganz wird das nicht stimmen, Christine Nöstlinger war in den Siebziger- und Achtigerjahren sehr populär und hat wahrscheinlich, sowohl in der Arbeiterzeitung, als auch in der sozialistischen Frau, die Frauenzeitschrift, die meine Mutter gelesen hat, regelmäßig publiziert.

Es sind dann auch bald die Gedichtbände über die ganz armen Kinder, die ganz armen Frauen und später, glaube ich, auch über solche Männer herausgekommen.

Die “Geschichten vom Franz” habe ich der Anna vorgelesen und noch früher, war ich mal auf einer Veranstaltung, wo Christine Nöstlinger gelesen hat und ein bißchen verwirrt darüber war, daß die wahrscheinlich antiautoritär erzogenen und sehr selbstbewußten Kinder ihr nicht so recht zuhören wollten. Da hatte sie es als Autorin nicht so leicht, obwohl sie wahrscheinlich selber dazu beigetragen hat, die Kinder so zu erziehen und rotzfrech, hat sie ja in Interviews öfter  gesagt, ist sie als Kind auch gewesen.

Ihre ersten Geschichten hat sie, glaube ich, am Küchentisch geschrieben und ist, glaube ich, auch über das Zeichnen zum Schreiben gekommen. Ihre Literatur hat aber eingeschlagen. Die Kinder der Siebziger- und achtzigerjahre selbstbewußt gemacht und jetzt fehlt in den neobliberalen Zeiten wahrscheinlich ihre rotzfreche emanzipatorische Literatur und hat, obwohl ich mich bei den heutigen Kinderbuchtrends nicht so auskenne, weil ich ja keine Enkelkinder habe, denen ich Bücher vorlesen könnte, eigentlich auch keine richtige Nachfolger gefunden, die in ihrem Sinne die Emazipation in die Kinderzimmer weitertragen könnten und dort wird, höre ich ja immer, ohnehin immer weniger gelesen und immer weniger Kinder lernen das und die Lust dazu, auch in der Schule.

So ist der Tod der großen Kinderbuchautorin natürlich ein großer Verlust für die Kinderzimmer, obwohl man ihre Bücher ja weiter kaufen und lesen kann und das natürlich auch sollte.

Und an noch ein Bonmot der großen alten Dame kann ich mich erinnern. Als Johanna Dohnal gestorben bin, bin ich zu einer Gedankveranstaltung auf den Ballhausplatz gegangen. Da ist sie aufgetreten und hat gesagt, daß sie den Feminismus nie aufgegeben und ihn, wenn nötig auch noch mit der Krüke verteidigen wird. Was mich in Zeiten, wo ja die jungen rechten Frauen sehr energisch dagegen ankämpfen, sehr beeindruckt hat.

Jetzt kann sie das weder mit noch ohne Krüken tun, so daß wir, die wir den Feminismus wollen, ihn wohl selber verteidigen müssen und mit Vera Ferra-Mikuras und Christine Nöstlingers Büchern gehet das wahrscheinlich immer noch sehr gut.

Ö-Töne mit Yara Lee und Arno Geiger

Yara Lee

Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Das zweite Debut der heurigen Saison, das Daniela Strigl für diesen Donnerstag ausgesucht hat, betraf Yara Lees “Als ob man sich auf hoher See” befände, ein Buch aus dem “Residenz-Verlag”, das sich bereits auf der Debut-Longlist befindet, also muß ich es nicht erst hinaufreklamieren und das, glaube ich, auch schon im Literaturhaus oder war es in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt wurde.

Aber sonst sagte mir das Buch nicht viel und auch von der eigentlich Afamia Al-Dayaa heißenden, in Deutschland geborenen Autorin, die sowohl Klavier als auch Sprachkunst studierte habe ich, glaube ich, noch nicht viel gehört und sie offenbar auch bei den Sprachkunstlesungen nicht erlebt.

Ein Auszug ihres Debutroman ist aber im Vorjahr in den “Manuskripten” erschienen, also nicht sehr genau gelesen und habe jetzt erst ihr Debut kennengelernt, den Roman, wo eine junge Frau, die den Namen Marla Maria trägt mit einem Koffer in der Hand nach Wien kommt, einen James <kennenlernt und einen Vater namens Ulysses hat, der sich eigentlich auf das Sterben vorbereitet, aber offenbar die Gelegehheit dazu nicht  findet. Das waren etwa die Stellen, die die Autorin gelesen hat und auch das, was Daniela Strigl in ihrer Einleitung erklärte.

Danach kam noch einmal Daniela Strigl auf die Bühne und moderierte Arno Geiger, aus dessen neuen Roman “Unter der Drachenwand” ich ihn schon in Göttweig lesen und, ich glaube, außerdem noch irgendwo ein Interview daraus hörte.

Daniela Strigl stelle den 1968 in Bregenz geborenen, sehr enthusiastisch vor und meinte, daß ihrer Meinung nach “Die Drachenwand” zu den besten Romanen dieses Jahrhunderts gehöre, was offenbar  Arno Geiger so überraschte, daß er sie daraufhin umarmte.

Ich würde nicht so weit gehen und würde mich überhaupt hüten, ein Buch, daß ich in den letzten Jahren gelesen habe, so zu bezeichnen, muß aber sagen, daß ich das, was ich bisher aus dem Roman hörte, auch für das beste halte, was ich von Arno Geiger je gehört oder gelesen habe und ich habe ja meine eigene Arno Geiger-Geschichte, habe ich ihn ja 1996 kennengelernt, als er da, als noch unbekannter Autor nach Klagenfurt kam, mit seiner Käthe-Geschichte zwar kein besonderes Aufsehen erregte, zumindestens bei der dortigen Jury nicht. Mir hat die Geschichte aber sehr gefallen und offenbar auch Martina Schmidt vom “Deuticke-Verlag”.

Jedenfalls erschienen da, glaube ich, seine ersten Bücher und ich würde auch nicht sagen, daß er 2004, als er aus seinem späteren ersten deutschen Buchpreis-Roman gelesen hat, Aufsehen erregte. Das kam erst 2005 als er mit “Es geht uns gut” den Preis gewonnen hat.

Daniela Strigl, Arno Geiger

Daniela Strigl, Arno Geiger

Arno Geiger

Arno Geiger

“Alles über Sally” habe ich gelesen und auch in der “Alten Schmiede” und, ich glaube, auch in Leipzig draus gehört. Für das Memoir über seinen Vater “Der alte König in seinem Exil,” habe ich gedacht, daß er den “Preis der Leipziger Buchpresse” bekommen wird, den dann Clemens J. Setz mit seinem “Mahlstädter Kind”  bekommen hat.

“Selbstportait mit fluß pferd” habe ich nicht gelesen und die “Sally” habe ich etwas langatmig wenn nicht sogar schwülstig empfunden.

Das waren aber die Werke die Daniela Strigl von Arno Geiger, der auch den “Wildganspreis” bekommen hat, aufzählte und meinte, daß sie das interessierte O Töne-Publikum sicher gelesen hätte.

“Anna nicht vergessen”, hätte ich ihr da gerne zugerufen, habe den Erzählband zwar inzwischen auf meinen Stapel, aber noch nicht gelesen und diese Geschichte über den blutjungen Weltkriegsoldaten, der 1944, mit dreiundzwanzig Jahren verwundet wird und sich unter die Drachenwand am Mondsee zur Genesung zurückzieht und dort die Liebe entdeckt, habe ich wirklich sehr spannend gefunden und ja auch erst ein oder zwei Bücher über die letzten Tagen des zweiten Weltkriegs gelesen und muß da sagen, daß mir das die Melker Geschichte des Ralph Rothmanns nicht so beeindruckt hat.

Im Gespräch mit Daniela Strigl sagte Arno Geiger etwas, was er, glaube ich, auch bei dem Interview erwähnt hatte, nämlich, daß er für das Buch sehr lange recherchiert hat, weil er nicht historisch darüber schreiben, sondern die Geschichte lebendig und hautnah erzählen wollte.

Etwas, was icht nicht ganz nachzvollziehen kann, denn natürlich weiß er wahrscheinlich nicht wirklich, wie es  1944 gewesen ist, auch wenn er herausgefunden hat, daß es damals keine Bindfäden gegeben hat, weil die, die Leute alle für die Pakete verwendet haben, die sie den Soldaten an die Front schickten.

Aber ich habe diese Verknüpung der Geschichten der beiden ehemaligen Nachbarn, von denen der eine, der Jude OskarMeyer mit seiner Frau und seinem Kind nach Budapest flüchtet und die dort verliert, während der  schon beschriebene Veit Kolbe unter der Drachenwand seine Liebe findet, sehr  gut geschrieben gefunden und bin jetzt nur gespannt, ob es auf die österreichische oder deutsche Buchpreisliste kommt, auf die deutsche nachdem Arno Geiger dort ja schon gewonnen hat, vielleicht nicht mehr, auf die österreichische wahrscheinlich sicher und dann kann ich das Buch, falls es zu mir kommen sollte, es ist bei “Hanser” erschienen, ja lesen und so war auch der zweite O-Töne Abend sehr interessant und wieder sehr voll und schönes warmes Wetter und es ist sicher auch sehr gut, sich in Zeiten, wie diesen mit dem zweiten Weltkrieg zu beschäftigen, obwohl es darüber auch schon sehr viele Bücher gibt.

Der Pfau

Weiter gehts mit meiner Backlistleseliste und da bin ich jetzt bei meinem Harlander Bücherstapel und einem Buch gelandet, das 2015 oder 16 von den Blogs hochgelobt wurde.

Isabel Bogdans “Der Pfau” und dann bin ich 2017 nach Salzburg gefahren, habe dort gelesen und mit Margot Koller deren eigene offene Bücherkoje besucht und was habe ich dort gefunden, richtig von einer Salzburger Agentur hineingelegt und jetzt ein bißchen auf meinem Bücherstapel über dem Bett gelegen oder abgehangen, wie es in dem Buch, der 1968 geborenen Autorin, Übersetzerin und, ich glaube,, auch Bloggerin, so heißt und dort hängt in einer Speisekammer in den schottischen Highlands der namensgebende Pfrau und das Buch wird von den Kritikern, als eines, das die englische Spannung in die deutsche Literatur hineinbringt, hochgelobt.

Wie warh, schreibe ich bestätigend hinzu, denn es hat einen Ton, der heute vielleicht schon  ein bißchen wagemutig klingt. Heinrich Spoerl hat, glaube ich, in “Wenn wir alle Engel wären” so geschrieben und mich hat das Buch auch ein bißchen an Agatha Christies “Zehn kleine Negerlein”, die heute wahrscheinlich nicht mehr so heißen, erinnert, obwohl  es  kein Krimi ist und ich ich habe es auch als Sommerbuch glesen, obwohl es im Noember spielt und tiefster Schnee in den schottischen Highlands liegt. Es liest sich aber leicht und locker dahin und ist sehr vergnüglich, obwohl es eigbentlich um nicht wirklich Aufregendes geht.

Worum geht es also? Um ein altes verfallenes Schloß oder Herrenhaus in den besagten Highlands, das Lord und Lady McIntosh, die es bewohnen, vermieten müssen, um die Instandhaltungskosten zu bewältigen und da mietet sich im November eine Bankerin mit vierKollegen, einer Psychologin und einer Köchin ein, um ein verlängertes Wochenende lang dort Gruppendynamik zu betreiben.

Schön und gut, es gibt nur ein Problem, der Lord hat ein paar Pfaue herumlaufen und einer ist verrückt oder kurzsichtig. Er greift alles an was blau ist und zerstört es.

Also gibt der Lord, Ryszard, dem polnischen Mann für alles, dem Auftrag, die Pfaue dreimal am Tag in den Wald hinauszutreiben. Aber das klappt nicht ganz, denn am nächsten Morgen ist das Auto der Bankerin beschädigt und der Lord treibt nun selbst den Pfau in den Wald hinaus und erschießt ihn dort. Läßt ihn auch dort liegen, denn er kann ja nicht gut mit einem toten Pfau ins Schloß zurückkehren und die Bankergruppe macht einen Morgenspaziergang und der Hund der Chefbankerin bringt ihr den toten Pfau und sie glaubt, er hat ihn erlegt.

Das traut sie sich dem Lord nicht zu sagen, wie er sich nicht traut, ihr zu gestehen, daß das Auto von dem Pfau beschädigt wurde. So gibt sie David, einem jungen Banker, den Autrag ihn zu beseitigen. Der nimmt Helen, die energische Köchin mit und die hat gleich den Plan, ihn ihrer Truppe vorzusetzen.

Das geht auch nicht ohne Heimlichkeiten und so erklärt sie zuerst, sie macht ein Fasancurry, später aber, als einer der Banker, das in der Speisekammer hängende Tier für eine Gans hält, disponiert sie um.

Inzswischen wird die besagte Gruppendynamik betrieben, ein Schiff gezeichnet, eine Hütte gebaut, die Chefbankerin holt sich eine Verkühlung, einer der Banker verstaucht sich den Fuß, als er vom Etagenbett hüpft und Liz, die Chefbankerin, lädt zu allem Überfluß noch das Vermieterpaar zu dem Abendessen ein, als der Pfau serviert wird. Der wird zwar als Gans ausgegeben, was aber auch zu einem Problem führt, ist doch die Gans der Gastgeber, die auch zum Inventar gehört, plötzlich verschwunden und die Banker glauben nun, der Hund hat auch sie erlegt.

Köstlich, köstlich, könnte man so sagen. Leicht zu lesen und sehr vergnüglich, das gruppendynamische Wochenende wird natürlich ein Erfolg, die Gans wird wiedergefunden und nur der Pfau, den der Lord dann im Wald suchen geht, bleibt wohl ein ewiges Räsel, aber so soll es ja auch sein.