Alpha-Literaturpreis an Marie Luise Lehner

Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher

Marie Luise Lehner

Marie Luise Lehner

Und zwischen Nanowrimo-Marathon und Buch-Wien gab es wieder einen Alpha-Literaturpreis, das ist  jener Preis, den das Casino Austria seit 2010 für Nachwuchsautoren, die noch nicht mehr als drei Bücher haben in einer feierlichen Gala veranstaltet.

Damals,  als Thomas Stangl den Preis gewonnen hat, war das im “Literaturkompaß” der Lliteraturzeitschrift “Buchkultur” angekündigt. Ich bin hingegangen, habe das Buch bekommen und gelesen und das nächste Jahr um eine Einladung für die Berichterstattung für das “Literaturgeflüster” gebeten, keine Antwort und als ich dann hinging, haben sie mich hinausgeschmissen.

“Wir laden Sie nächstes Jahr ein, diesmal haben wir keinen Platz haben sie gesagt!”, ich habe meine Visitenkarte hinterlassen, aber wieder keine Antwort, obwohl es in der Buchkultur wieder abgebildet war.

Ich habe das immer gebloggt und 2013 hat “Atalante” darauf reagiert, der “Septime Verlag” hat sich gemeldet mir ihre nominierten Bücher geschict und dann auch Torsten Leitgeb und seither klappt es mit dem “Alpha” und ich bin jedes Jahr dabei um darüber zu berichten, denn ich interessiere mich ja sehr für den Lliteraturbetrieb.

2011 hat Ana Elisabeth Mayer mit Fliegengewicht den Preis gewonnen, das Buch hat mir dann ihr Vater geschickt, als sie den “Priessnitz-Preis” bekommen hat.

2012 Michiko Milena Flasar dieses Buch muß noch zu mir kommen und seit 2013 hat es geklappt, daß ich eine Einladung bekomme und es darf sogar der Alfred mitgehen und fotografieren.

2014 hat Eva Menasse gewonnen und da habe ich mit bei Christian Jahl von der Hauptbücherei, der ja Jurymitglied ist, beschwert, daß ich es schade finde, daß da ein schon Großer gewinnt, obwohl das ja ein Nachwuchspreis ist.

2015 waren dann sowohl Valerie Fritsch mit ihrem damals sehrt gehypten “Winters Garten” und Karin Peschka mit “Watschenmann” nominiert und Karin Peschka hat gewonnen und im Vorjahr Barbi Markovic und nicht Katharina Winkler, wie ich eigentlich dachte.

Und für heuer waren Birgit Birnbacher mit “Wir ohne Wal”, Marie Luise Lehner mit “Fliegenpilze aus Kork” und Anna Weidenholzer mit “Weshalb die Herren Seesterne tragen” und ich dachte entweder Birgit Birnbacher oder Anna Weidenholzer werden gewinnen, den Marie Luise Lehner ist ja noch zu jung und studiert ja noch an der Sprachkunst, obwohl mich beide Bücher eigentlich nicht sehr überzeugt hatten.

Und dann ging es wieder zur Gala, das heißt, eine halbe Stunde Drinks im Foyer, ich stand bei Cordula Simon und ihrem Freund, a deren Tisch wir ja im Vorjahr geseesen sind und beobachte das Eintreffen der Prominez mit ihren Begrüungsküßchen.

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Clarissa Stadler, Anna Weidenholzer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dietmar Hoscher, Marie Luise Lehner, Josef Ostermayer

Dann ging es los Clarissa Stadler moderierte wieder und zitierte irgendeine Statistik die nachwies, daß der Durchschnitt E- bookleser eine Frau und über vierzig ist, dann gab es wieder ein Filmchen über die Autorinnen, deren Bücher ich ja, wie auch 2015 alle schon kannte und eine Lesung, danach eine Musikeinlage und danach wurde der Sieger oder die Siegerin, denn  es waren ja drei Quotenfrauen nominiert und es wurde auch launig behauptet, daß Frauen offenbar besser schreiben, zumindestens die, die beim “Alpha” geweinnen, verkündet.

“And the winner is… Marie Luise Lehner”, “Wui  die Jury traut sich was!”, habe ich gedacht.

Der Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer, der Juryvorsitzender und möglicher österreichischer Buchpreisträger von 2017 hielt eine Laudatio, die deutlich machte, wie sehr einem Kinderpsychiater diese Vater-Tochter Beziehung beindrucken kann.

Aapplaus und Fots und nachher gutes Essen und Gespräche und danach im Foyer, wo man sich das Buch wieder mit nach Hause nehmen konnte, habe ich Therea Preis getroffen und ihr verkündet, daß bei mir bezüglich “Buch-Wien” alles in Ordung ist und ich jetzt alles habe, was ich brauche.

“Fein!”, hat sie gesagt und ich hoffe, das gilt auch für as nächste Jahr, wenn der “Ohrenschmaus” vielleicht dort nicht mehr liest, aber Theresa Preis erzählte mir auch von einer Umstrukturierung und, daß dann alles leichter werden würde, ich bin gespannt und gehe vorher wahrscheinlich in ein schreibintensivens “Nanowrimo-Wochenende” damit aus mir literarisch vielleicht doch noch etwas wird.

Literatur und Glück

Glück in der Literatur ist ja bekanntlich etwas, das ich nicht besonders habe, mit ihr schon ein bißchen mehr, denn ich schreibe für mich ja sehr erfolgreich seit über vierzig Jahren, habe schon über vierzig Bücher und neun Jahre Literaturgeflüster.

Und die Zahl vierzig, die da zweimal vorkommt, war vor einigen Jahren das Motto der Sommerlesereihe des “Podiums”, heuer ist es das Glück” und mit der Sommerlesereihe des Kulturkreises Podium, die Christa Nebenführ seit einigen Jahren veranstaltet, habe ich auch kein besonderes Glück, obwohl ich ja in den Achtzigerjahren einige meiner frühen Texte, in der niederösterreichischen Literaturzeitschrift hatte.

Aber ich bin kein Mitglied des Vereins und als ich Christa Nebenführ, ich glaube, es war 2007 zu Hilde Schmölzers siebzigsten Geburtstag im Literaturhaus, fragte, ob ich da auch einmal mitmachen könnte, sagte sie, es kann nur jeweils ein Nichtmitglied pro Saison lesen und dafür, daß sie mich diesbezüglich auserwählt, hält sie mich für  nicht gut genug.

Nun gut, mit dieser Meinung ist sie, glaube ich, nicht allein, ich schreibe aber trotzdem weiter und staune jedes Jahr und bin ein bißchen neidisch, wenn ich am Programm die Namen  der Auserwählten lese.

Aber da ich bis voriges Jahr im Sommer meine Sommerfrische in Harland bei St. Pölten machte, bin ich ohnehin nur zu der Schluß oder Beginnveranstaltung in die “Alte Schmiede” gekommen und für das Cafe Prückl war ich  bis vor kurzem auch zu geizig, da mir jetzt in meiner Pension aber das Geld sozusagen überbleibt und ich seit voriges Jahr nur mehr meine Wochenenden in Harland verbringe, habe ich  gerade beschlossen an den Dienstagen dorthin und nicht, wie ich wahrscheinlich vorhatte auf den Rathausplatz zu gehen und am Freitag, wo es im Juli dann noch “Podium- Veranstaltungen” gibt,  bin ich in Harland und lasse sie aus.

Literatur und Glück also, ein sehr schönes und spannendes Thema, obwohl ich dem auch nicht so besonders nachjage, aber der Alfred hat mir ein paar solcher Büc her, die keine Belletriktik waren, geschenkt und Anna Weidenholzer hat sich in ihren letzten Longlistroman ja auch damit beschäftigt.

Die hat also Glück in der Literatur, obwohl ich ihr ein bißchen  bezüglich der Aufnahme in die GAV helfen konnte und ein weiterer Glücksforscher der Literatur ist ohne jeden Zweifel, der Philosoph Franz Schuh, der auch “Wespennest-begründer” war und mich einmal in der Otto Bauergasse angerufen hat und mir sagte, daß er einen meiner Texte, den ich damals dorthin schickte, gerne genommen hätte, aber leider ist aus irgendeinen Grund  nichts daraus geworden, also wieder kein Glück, aber das ist schon lange her.

Inhzwischen gibt es das “Magazin des Glücks”, das ist eine Kolumne, die Franz Schuh, glaube ich, im Radio hat und die dort gesendeten Texte gibte es inzwischen auch als Buch.

Franz Schuh hat aber in der Auftaktveranstaltung, die sehr gut besucht war, aus einem anderen Glücksbuch gelesen und gekonnt mit dem “Das Glück ist ein Vogerl begonnen”.

Friedrich Torberg hat seine Tante Jolesch sagen lassen, daß Gott einen vor allem was noch ein Glück ist, hüten möge und das Publikum hat bei Franz Schuhs Texten viel gelacht.

Damit habe ich ja immer meine Schweirigkeiten, weil ich die meisten dieser Stellen so gar nicht lustig finde und in der Diskussion wurde  darüber gerdet, ob das Klischee stimmt, daß die Schriftsteller ihre besten Texte schreiben, wenn sie unglücklich sind.

Franz Schuh hat das energisch bestritten und gemeint, Ernst Jandls letzte Texte wären tief melancholisch aber nicht gut gewesen. Vielleicht hat aber da schondas Nachlassen der kognitiven Kräfte eine Rolle gespielt und einer aus dem publikum hat wissen wollten, ob die “Todesfuge” ein schlechtes Gedicht sei, weil Celan sie nach einer wahrscheinlich schrecklichen Traumatisierung geschrieben hat.

Aber daßman nach Auschwitz keine Gedichte mehr schreiben könne, habe ich ja sehr lange gehört und die Trtaumatisierung hat Paul Celan, glaube ich, auch nach der Todesfuge nicht losgelassen und, ich glaube, eigentlich schon, daß man in der Depression bessere Texte, als in der Manie schreibt, weil in der schreibt man ja wahrscheinlich gar nicht, sondern genießt sein Glück.

Thomas Bernhard hat Franz Schuh noch erwähnt, hätte in der Depression fröhliche Texte geschrieben und es wurde auch sehr lang der Unterschied zwischen Spaß und Freude diskutiert, was für mich eigentlich kein Kriterium des Glücks ist.

Der Herr der neben mir saß, lobte nach der Veranstaltung Franz Schuhs Intellekt: “So ein gescheiter Mensch!”

ch antwortete, daß ich nicht immer alles verstehe und eigentlich auch nicht so sicher bin, ob Ernst Jandls letzte Gedichte wirklich so schlecht wären. Aber was ist schon ein schlechtes Gedicht?

Christa Nebenführ wünschte dann allen einen sehr glücklichen Sommer und ich habe, wie schon erwähnt, beschlossen, die nächsten Dienstage ins Cafe Prückl zu wandern und mich dort weiter, wie Anna Weidenholzers Karl der Glücksforschung hinzugeben.

Die erwähnte in ihrerm Buch übrigen den Jupiterweg, wo ja Elfriede Jelinek wohnt, deren Haus ich einmal, als ich meine Psychologenkollegin Irmgard G. besuchte, suchte, aber nicht gefunden habe.

Also auch hier kein Glück und Anna Weidenholzer meinte auf Christa Nebenführs Frage, sie hätte das während des Schreibens nicht gewußt, sondern erst später erfahren.

Wo man jetzt auch diskutieren kann, ob das zum Glück oder Unglück gehört und Annas Weidenholzer ist ja nicht auf die Shortlist des letzten BPs gekommen, aber vielleicht kommt das noch bei ihten nächsten Büchern, für Leipzig war sie ja auch schon mal nominiert.

Weshalb die Herren Seesterne tragen

“Weshalb die Herren Seesterne tragen, weiß man bisher noch nicht, ist unter dem Bild zu lesen”, beziehungsweise steht es auf Seite  hundertsiebenundsechzig von Anna Weidenholzer zweiten Roman, der es auf die Longlist des dBps schaffte, mein sechstes LL Buch das ich jetzt lese und das dritte von österreichischen Autoren, beziehungsweise, das das vierte der sechs Frauenbücher, die es auf diese Liste schafften.

Die Buchpreisblogger haben es schon sehr fleißig besprochen und nennen es ein schräges Buch mit dem sie mehr oder weniger viel anfangen können, aber ich liebe die Sprache der 1984 in Linz Geborenen, deren literarischen Karriere ich ja schon von Anfang an, bei den berühmten “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede”, bei diversen Literaturzeitschriften, beim “Platz des Hundes”, im “MUSA” bei der “Priessnitz-Preisverleihung” und und mitverfolgen konnte und ein Veto habe ich auch einmal für sie eingelegt, aber da war ich nicht allein und “Der Winter tut den Fischen gut” wurde auch schon für den Leipziger Buchpreis nominiert.

Man sieht, Anna Weidenholzer hat eine Vorliebe für außergewöhnliche, man kann wahrscheinlich auch schräge Titel, sagen und eine für das Rückwärtsschreiben, wie die “Fische” beweisen.

Hier geht es von Kilometer zu Kilimeter zurück, von der Glücksforschung zu Frau und Heim  und die Sprache ist eine Mischung zwischen Alltäglichkeiten und künstlicher Verschraubtheit und darin ist Anna Weidenholzer auch eine Meisterin.

Für die “Fische”, die den Rückwärtsgang, der arbeitslos gewordenen Maria Berenberger beschreibt, hat Anna Weidenholzer, glaube ich, beim AMS recherchiert, hier wird sie es bei den Meinungsforschungsinstituten getan haben, den Karl Hellmann, ein pensionierter Lehrer, wie irgenwo einmal angedeutet steht, ist Glücksforscher. Wahrscheinlich hat er sich, um seiner Pensionsschockdepression zu entgehen, selbst dazu gemacht, hat das aber auch mit seiner Frau Margit so abgesprochen und dann ist er mit Fragebögen, die ihm sein Sohn Helmut besorgt hat, losgezogen, um das Glück der Menschheit, das sogenannte “Bruttonationalglück” zu erforschen.

Dazu steigt er in einem seltsamen Hotel, in einem schneelosen Ort, kurz vor Weihnachten ab, Anna Weidenholzer hatte, glaube ich, mal ein Aufenthaltsstipendium in Kitzbühl, vielleicht hat sie da schon ihre Forschungen betrieben, als er ankommt, ist er der einzige Gast, später kommt noch ein Paar dazu. Die Wirtin ist auch sehr seltsam, nämlich geizig und unfreundlich, rät immer zum Sparen, Heizung abbrehen, die Badewanne nicht benützen und hat einen Hund, das kennt man vielleicht schon von der ersten Geschichtensammlung, die oft als Roman bezeichnet wurde.

Der heißt Annemarie, eine Gästin hat ihn zurückgelassen, Karl freundet sich mit ihm an und dann zieht er los, seine M und Fs zu befragen, denn Karl nimmt seinen Auftrag ernst und will keine persönliche Bezieung zu seinen Probanden.

So macht er natürlich auch einige seltsame, Anna Weidenholzers Spezialität, Begegnungen, trifft einen Fleischhauer, der eigentlich Kapitän sein möchte, einen Holzspezialisten, der besonderen Vögeln die Flügeln abhackt, trifft Frauen, die sich von ihm nicht erforschen lassen wollen und erzählt, das alles auf seiner Reise zurück zu Margit.

Von “vierhundertneunundsechzig Kilometer” bis  “Ein Kilometer”, wird das in Kapitel beschrieben, die Zwischenunterschriften tragen und wenn man nach der Handlung oder den tieferen Sinn fragt, den gibt es wahrscheinlich nicht, aber das Leben ist ja als solches vielleicht auch nicht sehr sinnvoll und widersrpüchlich und vielleicht, könnte ich vermuten oder mich dabei auch sehr irren, hat Anna Weidenholzer das Schreiben ihrer skurillen Metaphern großen Spaß gemacht.

Ein Roman im klassischen Sinn würde ich das hundertneunzig Seiten, inzwischen bei “Matthes & Seitz” dem letzten “Buchpreisgewinner-Verlag”, erschienene Buch nicht nennen und da es, wie bei “Amazon” schon zu lesen ist, nicht den gängigen Merkmalen des klassischen Romaes von denen ja einige noch auf der Liste stehen, entspricht, wird es wahrscheinlich nicht auf die Shortlist kommen,.

Aber was weiß man schon genau, wer meinen Blog verfolgt sieht, daß ich mich da schon öfter irrte und dem Witzel hätte ich den “Buchpreis” vor einem Jahr wahrscheinlich auch nicht zugetraut.

Ich mag Anna Weidenholzer und ihren schrägen Realismus, denn das Glück ist ein Vogerl, die in dem Buch ja auch vorkommen und die kleinen Leute dieses Lebens, die arbeitslos gewordene Maria in den “Fischen”, der pensionierte Lehrer bei den “Seesternen”, haben auch Hoffnungen und Wünsche und Anna Weidenholzer leiht ihnen gekonnt ihre skurrilen Ideem und das mit den “Seesternen” steht in einer Zeitung, die Karl bei einem Wirtshausbesuch entdeckt und ist wahrscheinlich schon im Jahre 1900 geschehen.