Noch einmal Hilde Langthaler

Die Bruni, die am elften März 1939, in Graz als Brunhilde geborene, Hilde Langthaler, die am zweiundzwanzigsten Jänner verstorben ist, habe ich in den späten Siebzigerjahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennengelernt, den es  bis 1984, glaube ich, gab, mich danach noch lange mit ihr, Elfriede Haslehner und Valerie Szabo-Lorenz getroffen, um uns einander unsere Texte vorzulesen.

Die Ärztin, die auch Sozialwissenwissenschaften und an der Filmakdademie studierte, war eine sehr vielseitige und sozial engagierte Frau, lange Entwicklungshelferin, Mitbegründerin des Frauenverlags und der AUF und sie hat, obwohl ich sie als eine sehr zögernde Autorin einschätzte, auch sehr viele Bücher herausgegeben.

Ihr berühmtestes war wohl das Theaterstück “Nur keine Tochter”, das ich, als ich es vor kurzem im Schrank gefunden habe, liegenließ, weil ich ja keine Theaterstücke möchte, ich dachte wohl auch, ich hätte es schon in meinen Regalen liegen, nach ihrem Tod habe ich es bereut und heute bei der “In Memorian Lesung” der “Frauen lesen Frauengruppe” des “Wiener Lesetheaters”, wo der Richard, ihr Mann eine Reihe ihrer Bücher aufgelegt hatte, es  bekommen und so konnte ich von der Bruni, zu der ich ja, wie schon geschrieben, ein eher schwieriges Verhältnis hatte, noch einmal Abschied nehmen.

Im Jänner hat mich ja die Erika Parovosky angerufen und mir von ihrem Tod erzählt. Da war eine Lesung im Literaturhaus angekündigte, die ich aber versäumte. Ich bin aber auf ihrem Begräbnis gewesen und wollte auch zu der Buchpräsentation der beiden Bücher, die zu ihrem achtzigsten Geburtstag erschienen sind, in die Buchhandlung Tempo Nuevo gehen, da bin ich aber einen Tag vorher am Weg von der Rudolfshöhe abgestürzt und mit einem Gips im Krankenhaus von St. Pölten gelegen.

Der Alfred ist für mich hingegangen, hat mir das “Podium-Heftchen” mitgebracht, der Richard hat mir dann die “Verortungen”, die “Lyrik der Gegenwart”, die in der “Edition Art und Science” erschienen sind, geschickt und heute gab es im Amerlinghaus eine Lesetheaterabschiedsaufführung, denn die Bruni ist ja auch in der Frauengruppe des Lesetheaters sehr aktiv gewesen.

Eine ganze Reihe von Frauen haben mitgelesen, Sigrid Farber, die auch im Arbeitskreis war, Judith Gruber-Rizy hat die Aufführung veranstaltet, Heidi Hagl, Elfriede Haslehner, Traude Korosa, Elisabeth Krön, Elisabeth  Osterberg, Erika Parovsky, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll, HIlde Schmölzer, Susanne Schneider und für eine Frauenlesegruppe eigentlich unüblich Hansjörg Liebscher.

Gelesen wurden Lyrik, Prosa und zwei Szenen aus dem Theaterstück “Golem now”, das, glaube ich, im Jahr 2000, wo auch ich eine Lesethetaeraufführung meiner Texte im littel stage hatte, dort aufgeführt wurde.

Begonnen wurde mit dem Lebenslauf, den die Bruni zu ihrem siebzigsten Geburtstag beigesteuert hat. Dann kam eine ältere Geschichte, die ich, glaube ich, schon aus dem Arbeitskreis kannte. Eine Hausfrau hastet mit ihren zwei Kindern und den zwei anderen, die sie noch zusätzlich abholen muß, vom Kindergarten nach Hause und wirft dabei ununderbrochen bunte Pillen ein.

Dann kam eine Geschichte, die an den Holocaust erinnerte und noch einige andere, wo das Frauendasein thematisiert wurden.

Gedichte wurden verlesen, in denen das Sterben und der Sinn des Lebens sehr oft thematisiert wurden und am Schluß kam ein “Schinkenfleckerln” genannter Text, der sich mit der Simmeringer Großmutter beschäftige, das von Hermann Leopoldi gesungene und von Fritz Spielmann geschriebene Lied tönte auf und leitete in den geselligen Teil, wo es Wein,  Knabbereien und Gespräche gab.

Ich habe viele Bekannte gesehen, es war sehr voll und sehr heiß im Amerlinghaus und ich habe von der Bruni, die mir eigentlich doch eine sehr liebe Freundin war, jetzt wahrscheinlich endgültig Abschied genommen. Habe aber noch einiges zu lesen von ihr in meinen Regalen und kann mich auf diese Art und Weise wahrscheinlich auch noch länger an sie erinnern.

Hermynias Ende und Anfang

In der Bibliothek, die ich von meinen Eltern erbte, stand auch Hermynia zur Mühlens “Reise durch ein Leben”, die Geschichte der 1883 geborenen Aristokratin und Diplomatentochter, die bei der Großmutter in Gmunden aufgewachsen ist und dort zwei Freundinnen, ein Bürger- und ein Arbeitermädchen hatte.

In den Neunzigerjahren hat dann, glaube ich, der “Sisyphus-Verlag”, die “rote Gräfin” entdeckt und ihre Autobiografie “Ende und Anfang” herausgegeben und noch ein anderes Buch.

Dann kam der “Promedia-Verlag” mit den “Töchtern der Nazinen”, wo wir die gleichen Protagonisten, wie in der “Reise durch ein Leben” treffen, sowie “Ewiges Schattenspiel” und “Als der Fremde” kam.

Diese Bücher habe ich gelesen und irgendwann, wahrscheinlich auch in den Neunzigerjahren, ich habe noch nicht gebloggt, gab es im Literaturhaus eine Veranstaltung “Zum Tee bei Hermynia” veranstaltet von der “Exil-Bibliothek”, wo auch Christiane Zintzen einen Vortrag hielt und es nachher, wie ich mich zu erinnern glaube, Tee und Brötchen gab, wo von Hermynia zur Mühlens Exil in England die Rede war.

Sie hat da sehr viel geschrieben und übersetzt. Upton Sinclair zum Beispiel und ich habe auch ein paar dieser Bücher in meinen Harlander Regalen, weil sie überleben mußte und sich dadurch, wie Ursula Seeber, glaube ich, anmerkte, auch ein wenig ausgeschrieben.

Mir würde da der gleiche Themen- oder der gleiche Personenkreis auffallen, aber ich habe nicht alles, nur vier Bücher gelesen und dann gibt es noch die “Frauen lesen Frauen-Gruppe” des “Ersten Wiener Lesetheaters” und die haben schon vor ein paar Jahren einmal  Hermynia zur Mühlen im Literaturhaus aufgeührt.

Und heute wieder, die Autobiografie, veranstaltet von Judith Gruber-Rizy, die einleitend den Lebenslauf der roten Gräfin erzählte und das war ein sehr bewegtes Leben. Denn bei der Großmutter in Gmunden aufgewachsen und sich sehr früh mit der sozialen Frage beschäftigt. Dann ist sie aber sehr viel mit den Eltern gereist, nach Algier, Venedig, Florenz, Paris, Alexandrienund hat auch in einem Pensionat gelebt.

Das Verhältnis zur Mutter dürfte ein schwieriges gewesen sein. Es gab einen “roten Onkel” und der Vater, der der Tochter auch viel Bildung abverlangte. Aber sehr unzufrieden war, wenn sie sich unter ihrem Stand verliebte.

Sie hat dann einen baltischen Baron geheiratet, der sehr verschieden von ihr war und sich von ihm wieder getrennt.

Das beschreibt sie in ihrer Autobiografie, die mit dem ersten Weltkrieg endet. Die Scheidung von dem Baron und den Weg in ein selbständiges Leben, wo sie schriftstellerisch tätig gewesen ist, bezeichnet sie als Anfang.

Dann kam bald das dritte Reich, ihre Bücher waren auf den verbotenen Listen und die Emigration nach England. Die Rückkehr nach Österreich wurde ihr verwehrt und heute ist sie, die 1951 in England gestorben ist, wie die Lesefrauen erwähnten, ziemlich vergessen.

Für mich nicht so ganz und ich denke, sie wäre auch eine Kanditatin für die “Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung”, die ja Julia Danielcyck eingeführt hat.

Neben Else Feldmann würde ich sie mir sehr wünschen und im “Republikanischen Club”, wo die Veranstaltung stattgefunden hat, gab es wieder Wein, Knabbereien und Gespräche und da habe ich gehört, daß einige Besucherinnen meinten, sie hätten noch nie etwas von Hermynia zur Mühlen gehört, die ja inzwischen wieder außer ein paar “Promedia-Restbestände” wieder vergriffen ist.

Da bin ich dank dem Bücherschrank meiner Eltern nicht so ganz ungebildet und auch gespannt, was ich vielleicht noch von der “roten Gräfin”, die sich so stark für die sozialen Fragen interessierte, hören werde.

Erinnerungen an Hertha Kräftner

Auf die 1928 geborene Hertha Kräftner, die sich 1951 mit dreiundzwanzig Jahren umbrachte, bin ich, glaube ich 1978 durch die Zeitschrift “Brigitte”, die damals ein Portrait von ihr brachte, aufmerksam geworden, das mich sehr beeindruckte und ich, glaube ich, noch immer die “Marmeladegläser” in Erinnerung habe, die in einem ihrer Gedichte vorkommen.

Dann habe ich lange nichts mehr oder immer wieder etwas von ihr gehört, als ich mit Margot Koller beispielsweise die “Selbstmordanthologie” der GAV herausgegeben habe, ist ein Artikel von mir im “Podium” erschienen, der sich im Titel auf sie bezieht “…ausschlaggebend ist, daß der Tod auch nach Teheran kommt.”

Ich habe, glaube ich, auch einige Gedichte von ihr gelesen, bis ich viel später in Dine Petriks Buchvorstellung war, die ja viel über sie geschrieben und geforscht hat und jetzt, wiederum viel später hat sich die “Frauen lesen Frauen-Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters” ihren Texten angenommen, die 1997  bei “Wieser” unter dem Titel “Kühle Sterne”, auch eine ihrer Gedichtzeilen, erschienen sind.

Angelika Raubek hat die Lesung veranstaltet bei der noch Traude Korosa, Heidi Hagl und Elisabeth Kröhn mitgelesen haben und Angelika Raubek hat  sehr genau in das Leben der jungen Frau, die in Wien geboren wurde, in  Mattersburg aufgewachsen ist und wohl sehr unter dem Tod ihres Vaters gelitten hat, eingeführt.

Gedichte, Prosastücke wurden abwechselnd mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen vorgetragen und gaben so ein sehr eindrucksvolles und auch erschreckendes Bild von der Todessehnsucht der jungen Frau, die diesen Wunsch  sehr lange  mit sich herumgetragen hat und auch sehr genau in ihren Texten beschrieb, bevor sie 1951 eine Überdosis Veronal genommen hat.

Hertha Kräftner ist nach ihrer Matura zum Studium nach Wien gegangen, hat Viktor Frankl kennengelernt, wurde in den Literaturkreis von Hans Weigel und wohl auch in dem von Hermann Hakel eingeführt, hatte einige Freunde und auch viele Pläne oder Angebote und beschrieb in einer Stelle auch sehr genau so einen Stammtisch bei Hans Weigel im Cafe Raimund, wo außer ihr Reihaard Federmann, Jeannie Ebner, Gerhard Rühm und noch viele andere anwesend waren. Sie beschrieb in den “Teheran” Text auch sehr genau, die Gründe für ihren möglichen Selbstmord und fragte sich darin, wie das möglich sein kann, daß ein so schönes und begabtes junges Mädchen für sich keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen sieht?

Es gab auch einige Abschiedsbriefe, die sie sowohl an ihre Tante, bei der sie wohnte, als auch an ihre Freunde Otto Hirss, Wolfgang Kudrnofsky und  ich glaube, noch einen anderen, schrieb.

Also eine sowohl  psychologisch, als auch  literarisch sehr beeindruckende Lesung und eine Erinnerung an eine Lyrikerin, die im nächsten Jahr neunzig werden würde.

Das Literaturhaus war auch sehr voll von literarisch Interessierten, Elfriede Haslehner mit ihrem Franz, Judith Gruber-Rizy und noch viele andere waren da.

Dine Petrik was mich ein wenig gewundert hat fehlte, aber vielleicht hatte sie einen anderen Termin und es lohnt sich sicher sich mit Hertha Kräftners Lyrik und Prosatexten zu beschäftigen.

Die Frauen haben auch eine sehr beeindruckende Geschichte mit Namen “Die Liebenden” gelesen, die von zwei Verliebten handelten, die keine gemeinsame Wohnung hatten, sondern jeder irgendendwo weit von einander entfernt ein Untermietzimmer, so daß sie sich immer irgendwo auf Stiegen, in Häusern oder in Arztordinationen trafen, um sich kurz zu küssen oder auch das Finazielle zu besprechen. Der Wunsch nach einem Kind tauchte auf und die Unmöglichkeit in solchen Umständen eines zu bekommen. Dann wurde der Mann krank und starb an einer Lungenentzündung und die junge Frau verheiratete sich etwas später mit einem Arzt in dessen Ordination sie auf ihren Liebsten gewartet hat.

Hilde Schmölzers böses Wien

Hilde Schmölzer, die Frauenbewegte, die viele Bücher zu diesem Thema geschrieben hat und die ich irgendwann, nach dem “Arbeitskreis schreibender Frauen”, wo wir ihr Buch “Frau sein und schreiben” besprachen, kennenlernte, wird nächsten Jänner achtzig.

2008 hat sie ihren Vorlaß der Stadt Wien verkauft und die “Wien-Bibliothek” machte zu  jetzt eine Austellung mit ihren Fotografien zu dem Buch, “Das Böse Wien”.

Die Ausstellungseröffnung ist schon vorbei undhabe ichversäumt, aber heute fand eine Lesetheateraufführung mit ihr, Heidi Hagl, Elisabeth Krön und Angelika Raubek statt.

Eine Lesungaus ihren publististischen Arbeiten, stand im Programm, es war aber eine Collage aus vier ihrer Bücher, das “BöseWien” eine Neuauflage aus dem “Mandelbaumverlag”, Karl Kraus und die Frauen, “Frauenliebe” und das Rosa Meyeder-Buch.

Aus der Neuauflage “die Pest in Wien”, ich habe noch die DDR-Ausgabe, wurde nicht gelesen, weil das zu traugig wäre wie Hilde Schmölzer in ihrer Einleitung erkärte, sie hat aber diesbezüglich in der “Wien-Bibliothek recherchiert und in Rosa Mayreders Tagebücher undBriefe eingesehen.

Ein interessanter Abend mit Textauszügen aus den vier Werken, die ich mir nicht zu kaufen bauchte, denn Hilde Schmölzer hat mir ihre Bücher nach und nach ja alle zu meinenGeburtstgsfesten geschenkt und am 25. 1. gibt es in der”Wien Bibilitphek” ein großes Geburtstagsfest zu ihrem achtzigsten Geburtstag.

Der Siebzigste wurde im Literaturhaus mit einer Lesetheaterveranstaltung gefeiert, da habe ich noch nicht geblobggt, aber jetzt tue ich es und habe mir die Veranstaltung vorgemerkt.

Heute habe ich mir die Ausstellung angeschaut und ein oder auch mehr Gläser Wein getrunken, dann war es etwas schwierig den Ausgang zu finden, weil das Rathaus eine Bauselle und jetzt müßte oder sollte ich mich auch in meine Hilde Schmölzer Bibliothek, die ja einige Bestseller birgt, einlesen, aber leider habe ich nich sehr viel Zeit dazu, aber die Ausstellung und die Lesetheater Aufführeng waren sehr interessant und jezt kann ich jeden nur empfehlen am 25. 1. im nächsten Jahr in die “Wien-Bibliothek” zu kommen, denn da liest Hilde Schmölzer aus ihren “Vaterhaus.”