Literaturshow über Hertha Kräftner

…und Dine Petrik fehlte, die Hertha Kräftner Spezialistin, die schon eine Menge über von 1928-1951 lebende Burgenländerin geschrieben hat, könnte man so sagen oder einleiten, daß ich heute den großartigen Zeman-Stadlober Leseklub zum ersten Mal live erlebt habe, denn der hat sich, glaube ich, in der Pandemie gebildet und da habe ich die coross over Veranstaltung, der 1981 in Eisendstadt geborenen Barbra Zeman natürlich nur gestreamt und heute eigentlich geglaubt, daß ich das auch tue, weil ein sechs Uhr Stunde. Dann war ich zwanzig vor sieben fertig und habe gedacht, ich renne hin und hätte sogar ein Buch mitnehmen können, denn ich bin zurecht- und habe auch einen Platz bekommen, obwohl vor der Literaturhaustüre schon eine Menge junger Leute standen.

Jopa Joatkin, Astrid Nischkauer, Christian Katt und wahrscheinlich noch ein paar andere Bekannte habe ich gesehen, Daniel Terkl hat eingeleitet und auf Dine Petrik und ihre Bücher hingewiesen und dann hat Barbara Zeman, die ja meist Exilautoren für ihre Veranstaltungen wählt mit ein paar Gedichten begonnen, die Robert Stadelober gelesen hat und dazu erzählt, daß Hertha Kräfter, die Entstehungsdaten ihrer Texte genau datiert hat.

Briefe, Tagebücher und Gedichte wurden vorgetragen und ich kann mich genau erinnern, daß ich vor langer langer Zeit wahrscheinlich waren es noch die Ende Siebzigerjahre in Bozen in einer Cafe- Konditorei gesessen bin und dort in der “Brigittte” zum ersten Mal über die junge Frau las, die sich 1951 das Leben genommen hat.

“Der Tod kommt auch nach Theran” ist, glaube ich, eine Gedichtzeile, die ich für unser Selbstmord- Buch gewählt habe, daß ich auch schon vor Jahrzehnten gemeinsam mit Margot Koller herausgegeben habe. Da haben wir oder ich auch den Erwin Ringel besucht, der wie ich durch Barbara Zeman erfahren habe, sowohl der Therapeut von Hertha Kräftner, Ingeborg Bachmann und Brigitte Schwaiger war und zuumindestens zwei davon haben sich umgebracht, bei der Bachmann war es wohl ein Unfall und Erwin Ringel, der die österreichische Seele erforschte, war ein berühmter Selbstmordforscher und Hertha Kräftner war auch mit Viktor Frankl befreundet oder wurde von ihm ebenfalls therapiert.

Denn die Kriegs-und Nachkriegszeiten waren wohl sehr schlimm für die junge Frau, die mit Siebzehn, wie Dine Petrik, glaube ich, aufdeckte von den Russen in Mattersburg, wo sie aufwuchs, vergewaltigt wurde. Ihr Vater, der sie verteidigte oder das anzeigte, wurde auch dabei verwundet und ist früh gestorben und die junge Frau ging dann nach Wien zum Studium und hatte dort unzählige Affairen und Bekanntschaften.

“Nymphomanin”, hat sie, wie zitiert wurde, Hermann Hakel, einer der beiden Schriftsteller-Entdecker, der Fünfzigerjahre genannt.

Sie reiste nach Norwegen und Paris und hat sich im November 1951 mit Veronal umgebracht und das alles hat Barbara <zemann erzählt.

Leonie Schlager hat dazu gesungen und Gitarre gespielt und Barbara Zeman hüpfte, wie sie das gerne tun, in der Chronologie hin und her.

So erzählte sie, wie und wann Burgendland zu Österreich kam und welche Rolle Viktor Kräftner, der Vater dabei spielte. Die Stadt hat vorher Mattersdorf geheißen und sich, um die Hauptstadtwahl, wie Bad Sauerbrunn beworben und Joseph Roth ist damals dorthin gereist und hat sich sehr kritisch über das Dorf oder die Stadt geäußert und das Burgendland dürfte damals überhaupt sehr ärmlich gewesen sein und über diese Stellen mußte Barbara Zeman herzlich lachen, obwohl das, wie die Nachkriegszeit und das Schicksal der begabten jungen Dichterin eigentlich gar nicht so lustig ist.

Sie hat ihren Platz in der Literatur erobert, hat Dine Petrik, glaube ich, geschrieben und Daniela Strigl hinzugefügt, daß sie es trotzdem noch nicht in den Kanon brachte und die erste Anthologie, die glaube, ich in den Sechzigerjahren erschienen ist, war auch ein Mißerfolg.

Erst in den Siebzigerjahren wurde sie entdeckt und Dine Petrik entdeckt sie engagiert weiter und es war ein interessanter Abend.

Nachher gab es Wein, Christian Katt hat sich mit mir unterhalten und ich habe mein Hertha Kräftner Wissen wieder aufgefirscht.

Erinnerungen an Hertha Kräftner

Auf die 1928 geborene Hertha Kräftner, die sich 1951 mit dreiundzwanzig Jahren umbrachte, bin ich, glaube ich 1978 durch die Zeitschrift “Brigitte”, die damals ein Portrait von ihr brachte, aufmerksam geworden, das mich sehr beeindruckte und ich, glaube ich, noch immer die “Marmeladegläser” in Erinnerung habe, die in einem ihrer Gedichte vorkommen.

Dann habe ich lange nichts mehr oder immer wieder etwas von ihr gehört, als ich mit Margot Koller beispielsweise die “Selbstmordanthologie” der GAV herausgegeben habe, ist ein Artikel von mir im “Podium” erschienen, der sich im Titel auf sie bezieht “…ausschlaggebend ist, daß der Tod auch nach Teheran kommt.”

Ich habe, glaube ich, auch einige Gedichte von ihr gelesen, bis ich viel später in Dine Petriks Buchvorstellung war, die ja viel über sie geschrieben und geforscht hat und jetzt, wiederum viel später hat sich die “Frauen lesen Frauen-Gruppe des ersten Wiener Lesetheaters” ihren Texten angenommen, die 1997  bei “Wieser” unter dem Titel “Kühle Sterne”, auch eine ihrer Gedichtzeilen, erschienen sind.

Angelika Raubek hat die Lesung veranstaltet bei der noch Traude Korosa, Heidi Hagl und Elisabeth Kröhn mitgelesen haben und Angelika Raubek hat  sehr genau in das Leben der jungen Frau, die in Wien geboren wurde, in  Mattersburg aufgewachsen ist und wohl sehr unter dem Tod ihres Vaters gelitten hat, eingeführt.

Gedichte, Prosastücke wurden abwechselnd mit Briefen und Tagebuchaufzeichnungen vorgetragen und gaben so ein sehr eindrucksvolles und auch erschreckendes Bild von der Todessehnsucht der jungen Frau, die diesen Wunsch  sehr lange  mit sich herumgetragen hat und auch sehr genau in ihren Texten beschrieb, bevor sie 1951 eine Überdosis Veronal genommen hat.

Hertha Kräftner ist nach ihrer Matura zum Studium nach Wien gegangen, hat Viktor Frankl kennengelernt, wurde in den Literaturkreis von Hans Weigel und wohl auch in dem von Hermann Hakel eingeführt, hatte einige Freunde und auch viele Pläne oder Angebote und beschrieb in einer Stelle auch sehr genau so einen Stammtisch bei Hans Weigel im Cafe Raimund, wo außer ihr Reihaard Federmann, Jeannie Ebner, Gerhard Rühm und noch viele andere anwesend waren. Sie beschrieb in den “Teheran” Text auch sehr genau, die Gründe für ihren möglichen Selbstmord und fragte sich darin, wie das möglich sein kann, daß ein so schönes und begabtes junges Mädchen für sich keinen anderen Ausweg, als sich umzubringen sieht?

Es gab auch einige Abschiedsbriefe, die sie sowohl an ihre Tante, bei der sie wohnte, als auch an ihre Freunde Otto Hirss, Wolfgang Kudrnofsky und  ich glaube, noch einen anderen, schrieb.

Also eine sowohl  psychologisch, als auch  literarisch sehr beeindruckende Lesung und eine Erinnerung an eine Lyrikerin, die im nächsten Jahr neunzig werden würde.

Das Literaturhaus war auch sehr voll von literarisch Interessierten, Elfriede Haslehner mit ihrem Franz, Judith Gruber-Rizy und noch viele andere waren da.

Dine Petrik was mich ein wenig gewundert hat fehlte, aber vielleicht hatte sie einen anderen Termin und es lohnt sich sicher sich mit Hertha Kräftners Lyrik und Prosatexten zu beschäftigen.

Die Frauen haben auch eine sehr beeindruckende Geschichte mit Namen “Die Liebenden” gelesen, die von zwei Verliebten handelten, die keine gemeinsame Wohnung hatten, sondern jeder irgendendwo weit von einander entfernt ein Untermietzimmer, so daß sie sich immer irgendwo auf Stiegen, in Häusern oder in Arztordinationen trafen, um sich kurz zu küssen oder auch das Finazielle zu besprechen. Der Wunsch nach einem Kind tauchte auf und die Unmöglichkeit in solchen Umständen eines zu bekommen. Dann wurde der Mann krank und starb an einer Lungenentzündung und die junge Frau verheiratete sich etwas später mit einem Arzt in dessen Ordination sie auf ihren Liebsten gewartet hat.