Zwei poetische Tagebücher

Jetzt ist es sich doch ausgegangen zum fünften “Dichterloh-Abend” zu gehen, wo Ludwig Hartinger und E.A.Richter ihre letzten Gedichtbände vorstellten, die eigentlich verdichtete Tagebücher waren und auf der einen Seite die Beschäftigung mit der Natur, auf der anderen die Lockdownzeiten im eigenen Zimmer beschrieben.

Interessant, interessant, zuerst den 1952 in Saalfelden am steinernen Meer geborenen und jetzt wieder dort lebenden Übersetzer und Lektor des “Otto Müller Verlages” Ludwig Hartinger kennenzulernen, der offenbar Karin Peschka ins Publikum brachte und auch den Rudi, der neben mir gesessen ist, aber vielleicht ist der wegen den 1941 geborenen E. A. Richter gekommen, der einmal auf meinen Blog gestoßen ist und auch bei meinen Geburtstagfest gelesen hat.

Zwei interessante Dichter also und Ludwig Hartinger hat schon drei solche Tagebücher herausgebracht, das letzte vorgestellte heißt “leerzeichen” und da war vor allem das Gespräch interessant, denn der 1952 geborene, der sich auch als “Wortschmuggler” betrachtet, hat wirklich eine sehr poetische Sprache. Glatt und geschliffen, wie aus dem Lyriklexikon, könnte man so sagen und seine Gedichtzeilen scheinen beim Gehen entstanden zu sein. Das “Ich” und das autobiografische Erleben schaltet er dabei vollkommen aus.

Das ist zwar etwas, was ich nicht ganz nachvollziehen kann und auch nicht wirklich glaube. Der Dichter hat aber darauf bestanden und auch betont, daß in Trakls-Texten das Wort “Ich” nicht vorkommt, bei ihm offenbar schon, wie Michael Hammerschmid einwarf und E. A. Richters “Fernausdehnung” ist ab dem Dezember 2020 entstanden und offenbar der Pandemie geschuldet oder während Corona-Zeiten entstanden, etwas was mich ja auch sehr interessiert.

Da sitzt einer dichtend zu Hause und beschäftigt sich dabei mit Worten wie “Angstnoträume”, “Polizeierscheinungen” und “Querdenkereien”.

Dann ist er in eine Austellung gegangen und hat in acht Kapiteln aus acht Bildern einen Text geschrieben.

Die “Seestadt”, wo er wohnt, kommt vor und im Gespräch erwähnte er seine Beziehungen zu Leuten, die in fernen Kontinenten wohnen und daß es Personen gibt, denen er jeden Tag ein Mail schreibt.

So konnte man die pandemischen Zeiten offenbar auch benützen und seine Erfahrungen in und außerhalb der Lockdowns machen.

Sehr interessant dieses Lyrikfestival, von dem ich drei unterschiedliche Abende mitbekommen habe und mich trotz des gefüllten Büchertisches in nächster Zeit mit anderen, als mit lyrischen Texten bescäftigen, nämlich Ulirike Draesners dicken Roman, das ich auf meine Radfahrt mitnehmen werde.

Dichterloh zwischen Aufzeichnung, Rebellion und Nuancierung

Von den letzten zwei intensiven Literaturwochen zurückgekommen, geht es in der “AS” gleich mit dem Dichterloh-Lyrikfestival” kuratiert von Michael Hammerschmid

lustig weiter.

Das heißt, das hat schon am zweiten Mai begonnen, wo ich mit meiner Praxis beschäftigt war und ich also Emine Sevgi Özdamar, Valerie Rouzeau und Anja Zag Golub versäumte.

Aber dieses Woche ist es ruhiger oder differenzierter und so bin ich nach meiner letzten Stunde wieder in die Schönlaterngasse marschiert und da gleich gesehen, daß ich das Filmportrait, das immer vor den Abenden gezeigt wird, über Marina Zwetajewa versäumte.

Dafür trat später, die 1948 in der CSR geborene Ilma Rakusa, auf, die sich wie sie sagte, fünfzig Jahre lang mit ihrer Übersetzung befasste und ihr “Droschl-Band” “Kein Tag ohne”, wurde während der Pandemie geschrieben.

In einer Zeit, wo man das Haus nicht verlassen durfte, jeden Tag bis zum 20. 2. 22 ein Gedicht, weil das eine schöne magische Zahl war, die sich mit den Krisen beschäftigten und sich da mit ihren Idolen Friederike Mayröcker, Ilse Aichinger, Clemens j. Setz und Sherji Zahadan unterhielt.

Also Selbstgespräche und Träume und viel Gartenarbeit, viel gelesen und so sind in der Pandemie sehr schöne Gedichte entstanden, obwohl Lyrik, wie sie im Gespräch betonte nicht sehr viel verändern kann, man kann aber versuchen ein kleines Steinchen zum Rollen bringen und dann kam der slowenische Dichter Tone Skrjanec, 1953 geboren mit seinen Gedichtband “Haut”, der von Marjeta Wakounig übersetzt wurde.

Der ist Soziologe,sowie Festivaldirektor und beschäftigte sich in seinen Gedichten, die von Michael Hammerschmid auf Deutsch gelesen wurden mit dem Körper und den inneren oder äußeren Begegnungen, die man macht oder die überfordern können.

Schöne Gedichte und viel literarisches Publikum.

Kurt Neumann habe ich gesehen, Monika Vasik .und noch andere Dichter und Dichterinnen. Ein paar Veranstaltungen mit anderen lyrischen Talenten wird es noch geben. Mal sehen, was ich davon noch erwische und ob es mir gelingen wird, den Film zu sehen?