Zu Thomas Bernhards Wien

“Retrogranden aufgefrischt” hieß es in der “Gesellschaft für Literatur” weiter und während ich gestern in der “Alten Schmiede” August Bisinger zehn vor sieben erstaunt fragte, wieso da so wenig Leute wären, war es diesmal in der “Gesellschaft” nach viertel acht ganz voll.

Auch im zweiten Raum Sessel aufgestellt, aber als ich mich nach vorne drängte, bekam ich noch einen Platz in der ersten Reihe und vor mir saßen der Bernhard Schauspieler Martin Schwab 1937 geboren und die Literaturwissenschaftler Martin Huber und Wolfgang Straub und zeigten auf einer Karte die Wiener Orte in denen der 1939 geborene und 1989 verstorbene Thomas Bernhard präsent gewesen war..

Viele Orte gibt es nicht mehr, erklärte Martin Huber und sagte dann, daß Thomas Bernhard in zweiundzwanzig Wiener Bezirken präsent gewesen wäre.

“In welchen nicht?,” wollte er dann vom Puplikum wissen und höe und staune, es war der zehnte Hhiab, während der soziale aufsteigen Wollende bevorzugt im ersten Bezirk verkehrte.

Und dann ging es gleich an einen literarischen Ort, wo der alte Meister präsent gewesen ist, nämlich die “Gesellschaft für Literatur”, die damals noch im Palais Palfy befunden hat und literarische Jausen für die Literaten veranstaltet hat. Das war in den Sechzigerjahren, bis 1968 ist er glaube ich dort aufgetreten, dann gab es ja diesen Eklat mit der Preisverleihung, wo er den Unterrichtsminister mit den Worten, daß “anesichts des Todes alles lächerlei sei” erbost vertrieb.

Es gab dann einen Lesungsausschnitt bzw. eine Diskussion mit Wolfgang Kraus, dem damaligen “Gesellschafts-Leiter”, wo die junge Frau Schmidt-Dengler, die damals vielleicht noch nicht so geheißen hat, zu sehen war, die auch, wahrscheinlich mit ihrem Enkelsohn zu sehen war und dann gab es Lesungspassagen mit den Burgschauspieler.

Aus den “Billigessern”, denn höre und staune, der gut Bernhard, der ja eigentlich nur mit den Granden verkehrte, hat öfter in der WÖk diesen sozialen Speiselokal, wo man um sieben Schilling fünfzig gut essen konnte, das es auch nicht mehr gibt, verkehrt und vorher war er im Krapfenwaldlbad und noch früher hat er seinen “Frost” geschrieben. Im heißen Sommer 1962, wo es noch keine Klimakrise gegeben hat und ich wahrscheinlich meinen Sommer in einem Ferienlager der Wiener Kinderfreunde verbrachte.

Und die “Untergeher gibt es auch. Da rennt ein Aristrokrat in alten Kleidern durch ganz Wien, weil er die bessere Gesellschaft hasst und Thomas Bernhard, der von Salzburg nach Wien gekommen ist, hasste es auch und liebte es dann wieder, wie in “Holzfällen” wo es ja um das literarische Abendessen bei der Jeannie Billroth gehtbeschrieben wird.

Alexandra Millner, die glaube, ich eine Disser- oder Habilitation darüber geschrieben hat, war im Publikum und als ich sie nachher beim Wein fragte, ob das nicht ein “Unsiympather” war?, schluckte sie und sagte was von “ironisch”.

Also ein ironischer Unsympathler und immer noch ist das literarische Wien von diesem Oberschimpfer, der sich eigentlich sehr ungut gegen Jeannie Ebner verhalten hat, begeistert. Schade eigentlich, aber ein interessanter Abend und ich habe gleich die Gelegenheit genützt, Manfred Müller nach Thomas Olahs “Doppler” ,das ich gerade lese zu fragen, der sich ja offenbar auch ein bißchen in Thomas Bernhard Spuren begeben hat.

Er hat es noch nicht gelesen. Das Buch wurde aber, glaube ich, in der “Gesellschaft”, bzw. im Cafe Central vorgestellt und ich habe ,wer es wissen will, das präsentierte Buch nicht gekauft.

Natürlich nicht, warten ja noch etwa dreißig Buchpreisbücher auf mich und da habe ich ja wirklich genug zu tun und interessant vielleicht, daß ich während ich meinen Wein getrunken habe, offenbar neben einen jungen Literaturwissenschafter gestanden bin, der von dem großen Thomas Bernhard begeistert seiner Begleiterin erzählte.

Heute graben

Jetzt kommt ein originelles Buch oder auch nicht so ganz. Denn vielleicht hat sich der 1985 geborene Mario Schlembach, der Film- und vergleichende Literaturwissenschaft studierte, sowie als Totengräber tätig ist und schon zwei Bücher geschrieben hat, nur entsprechend literarisch vermarktet und sich mit seiner Autofiktion, kann man das so sagen, auch ein bißchen an den großen Thomas Bernhard abgearbeitet, über den er vielleicht auch eine Diplomarbeit geschrieben hat.

Es gibt jedenfalls einen Ich-Erzähler, der, wo irgendwo steht, Mario heißt und der schreibt in fünf Notizheften einen Roman über eine A. Das heißt, die hat er schon geschrieben. Jetzt sucht er dafür einen Verlag oder eine Agentur. Er ist Totengräber, gräbt mit seinem Vater Urnen aus und ein und erzählt zwischendurch, wie das so ist, auch immer wieder skurrile Geschichten über seinen Job.

So hat auch Katja Gasser am Buchrücken “Als gelernter Totengräber versteht es Mario Schlembach dem Tod jene Komik abzutrotzen, ohne die das Leben zum Sterben wäre”, geschrieben.

Nun ja, so kann man es auch nennen oder literarisch erhöhen. Er hält auch manchmal Grabreden, fungiert als Sargträger, ißt zwischendurch Schnitzel, Berner Würstel oder saure Wurst und hat am Anfang eine Grippe. Damit geht er zum Arzt, der tippt auf eine verschleppte Lungenentzündung und der Leidensweg beginnt.

Am Klappentext habe ich schon gelesen, daß es dabei um dieselbe Krankheit, wie bei Thomas Bernhard geht. Das wird aber erst auf Seite hundertfünfundzwanzig angesprochen, dazwischen ist er schon längst von Diagnosezentrum zu Diagnosezentrum gepilgert, hat Computertomographien und Ultraschalluntersuchungen gemacht, beziehungsweise seine Augen eintropfen lassen und hat Cortison genommen, das sein Gesicht aufschwemmt und er auch zugenommen hat.

Da ist er dann nicht mehr so atraktiv bei den Frauen, um die sich in dem Buch auch alles dreht. So gibt es eine H. eine G. , eine S. und so weiter und so fort und immer wieder diese A. und das Buch über sie, das er mal im Zug liegengelassen hat.

Ein Lektor will es zuerst zugeschickt haben, dann lehnt er es ab, der Agent sagt Liebesromane gehen nicht mehr, schreiben sie doch als Totengräber über den Holocaust, das wollen die Verlage immer und, um seine wissenschaftliche Arbeit geht es auch. Dazu trifft er sich mit seiner achtzigjährigen Betreuerin im Gasthaus zu Frittattensuppe und Tafelspitz und der leichte Bernhard-Ton, ist nicht zu verkennen und auch, daß er sich als Totengräber literarisch inszeniert.

So hat er das auf jeden Fall bei einem Art Burgtheater Poetry slam so gemacht, wo er nur unter diesen Namen auftrat.

Also auf der einen Seite ein interessantes Buch, das sich in mehr oder weniger langen Tagebuchszenen immer um die gleichen Themen dreht. Die Untersuchungen, die Medikamente und das Graben, die Großmutter, der er Eier liefert, gibt es auch, sie rät ihm vom Cortison ab und schickt ihm zum Alternativmediziner, die Frauen, das Schreiben udn den Roman und so interessant, das in Verbindung mit der sehr ästetischen graphischen Gestaltung die “K&S” hat, auch ist.

So neu ist das Ganze nicht, klingt eher wie ein Debut, das sich an Thomas Bernhard orientierte, könnte man so sagen, aber das habe ich meinen letzten Büchern ja auch irgendwie getan und das wahrscheinlich mit einer nicht so perfekten Sprache wie Mario Schlembach.

Mit “Heute graben. Die Erde feucht, lehmig. Bei den ersten Brettern des Sarges sagt Papa. “Da drin lebst ewig”, schließt auch das Buch.

Thomas Bernhard als Graphic Novel

Ich bin ja wie meine Leser vielleicht wissen, nicht mehr ein besonderer Thomas Bernhard Fan, früher einmal hat mich seine Sprachgewalt auch sehr fasziniert und ich habe vor allem, die Romane gelesen, jetzt ist er mir zu negativ, aber Thomas Bernhard als Graphic Novel, das klingt auf jeden Fall sehr interessant, weil man sich das auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht so vorstellen kann.

Obwohl Nicolas Mahler hat vor zehn Jahren schon damit angefangen und die “Alten Meister” und die den “Weltverbesserer” gezeichnet, das ist aber ziemlich an mir vorbeigegangen und heute hatte ich eigentlich vor ins “Literaturmuseum” zu gehen, als ich dann aber die Ankündigung von Lukas Kummer Graphic Novel “Die Ursache” kommentiert von Michael Stavaric in der “Alten Schmiede” sah, habe ich, obwohl ich eine sechs Uhr Stunde hatte und das sich bezüglich “Alte Schmeide” nicht sehr gut ausgeht, um sieben Uhr dort zu sein, umdisponiert, denn das hat mich irgendwie neugierig gemacht.

Ich bin natürlich zu spät gekommen, meine kritischen Leser werden wieder aufstöhnen und “Wieso machen Sie das?”, schreien, ist aber oben schon erklärt und als ich beim “Morawa” vorbeigekommen bin, habe ich noch bemerkt, daß dort offenbar “Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung” präsentiert wurde, ein Buch das ich noch heuer lesen werde, weil um meinen Geburtstagsgutschein eingelöst.

Im Schmiedessaal war es dann erstaunlich düster, ich bin hinter zwei jungen Mädchen hineingehuscht, habe auch meinen üblichen zweite reihe Platz bekommen und Johanna Öttl hat gerade den1972 in Brünn geborenen Michael Stavaric interviewt, dessen Rolle bei dem Ganzen mir länger gar nicht so klar war.

Er hat aber etwas über seinen Zugang zu Thomas Bernhard erzählt und dann aus dem Originaltext zu lesen angefangen, der 1988 in Innsbruck geborene Zeichner ist stumm daneben gesessen. Auf der Leinwand dahinter wurde das vor ihm liegende Blatt demonstriert. Er hat aber erst nach einigen Minuten zu zeichnen angefangen und da, wie er später erklärte, die Silhoutte eines sehr fiktiven Salzburgs gezeichnet, denn so beginnt der erste Teil von Thomas Bernhards Autobiografie, von der ich jetzt gar nicht sicher bin, ob ich das Buch gelesen habe oder nicht und Michael Stavaric hat vorher die Musikalität des Textes gelobt, die seine Qualität ausmacht, denn  ohne die spezielle Sprache würde nur die Salzburg Beschimpfung überbleiben. Die war natürlich enthalten und wechselte dann bald über in das Internat in der Schrannengasse, in den grauslichen Schlafsaal und die Schuhkammer wo der Zögling Bernhard  Geige üben mußte und dabei immer darber nachdachte, ob er sich nicht erhängen solle?

Dann ging es über zu den Bombenangriffen und den Stollen und da kam dann Lukas Kummer in die Leserolle,  hat dann seine Textkürzung rezitiert und die die Zeichnungen dazu gezeigt.

Später gab es noch ein Gespräch zu der Entstehungsgeschichte und eine Diskussion darüber, was eine Graphic Novel ist, Michael Stavaric erklärte, daß man das nicht wüßte und in “Wikipedia” nur etwas von Erwachsenen, Bildern und komplexen Inhalten stünde.

Für mich wäre es wahrscheinlich ein Comic für Erwachsene, für Lukas Kummer dagegen nur ein längerer Comic in Buchform, sehr interessant.

Michael Stavaric wies dann noch auf einige Graphic Novels hin, die er empfehlen würde und ich habe im Laufe meines Lese- beziehungsweise Bloggerlebens auch einige wenige gelesen, verweise auf “Irmina”, das über den dreißigjährigen Krieg, das auch von Lukas Kummer gezeichnet wurde und dann natürlich die “Holzbaum- Gestaltung” der “Letzten Tage der Menschheit”.

Man konnte sich das Buch auch kaufen und der Erste, der das tat hat, dann noch die im ersten Teil entstandene Zeichnung dazubekommen.

Ich denke aber, Thomas Bernhard als Graphic Novel ist sicher interessant, aber wenn würde ich wahrscheinlich das Iriginal vorziehen und in die G.N nur hineinsehen. Michael Stavaric hat es als Einstiegslektüre empfohlen. Das kann ich mir aber eigentlich nicht sehr vorstellen und mich würde natürlich interessieren, was der Meister dazu sagen würde?

Aber das ist ja eigentlich  klar, denn es hat ja das Testament: “Weder von mir zu Lebzeiten veröffentlichten noch nach meinem Tod gleichwo immer veröffentlichten Nachlaß darf auf die Dauer des gesetzlichen Urheberrechtes etwas von mir geschriebenes in welcher Form auch immer aufgeführt, gedruckt oder auch nur vorgetragen werden…”, gegeben, das allerdings nicht sehr beachtet wurde.

Der letzte Zeitungsleser

Zur Abwechlung jetzt ein wenig in den Sachbuchbereich oder das Plädojer eines Chefredakteurs, Michael Angele vom “Freitag” über das Zeitungssterben, nein nicht direkt über dieses selbst, kein wirklicher Abgesang über die Zeitung, die nach und nach von den Online-Ausgaben ersetzt wurden, so daß es nur mehr den letzten Zeitungsleser gibt.

Das ist höchstwahrscheinlich genauso übertrieben, wie das letzte Buch, denn in meinem Badezimmer türmen sich ja die Bücherberge, die zur Frankfurter Buchmesse beziehungsweise für den Weihnachtsbaum erscheinen und dort liegen sie wahrscheinlich immer noch, weil man will ja die Bücher  riechen, tasten, schmecken, auch wenn ich vor einigen Jahren einen E-Bookreader bekommen habe.

Dort lese ich nur selten, meistens nur, wenn ich von einem Verlag ein PDF bekommen habe und das ist mir jetzt mit Michael Angeles letzten “Zeitungsleser” so passiert.

Am Cover prangt eine alte Zeitung und das Buch ist, wie einer der “Amazon-Rezensenten” schreibt, herrlich schnell zu lesen, er schreibt von einer Stunde, ich habe mehrere gebraucht, es besteht aber nur aus einer Spalte mit einem breiten Rand links und rechts, so daß man, wenn man die Printausgabe wählte, viel notieren kann.

Ein paar Fotos gibt es auch dabei, denn man muß ja die Leserbindung herstellen, darf den Abonennten nicht überfordern und, um seinen Geist nicht zu ermüden, braucht es immer wieder die Ablenkung des Bildes.

Das meint der 1964 in der Schweiz geborene Journalist und Literaturwissenschaftler, der in Berlin leben dürfte, durchaus kritisch und beginnen tut es mit der Literatur, nämlich mit Thomas Bernhard, der wie Michael Angele nachweisen will, ein großer Zeitungsleser war.

In “Wittgensteins Neffe”, hat er geschrieben, daß er 1968 dreihundert Kilometer durch halb oder ganz Oberösterreich gefahren ist, um eine Neue Zürcher Zeitung zu bekommen. Wer tut das heute noch, wo man die NZZ ganz leicht online lesen kann? Aber Thomas Bernhard ist ja schon 1989 gestorben, vorher hat er einen Leserbrief an eine  oberösterreichische Lokalzeitung geschrieben, um sich zu empören, daß die Gmundener Straßenbahn eingestellt werden soll.

Die fährt offenbar noch immer und Thomas Bernhard war, was ich, glaube ich, schon vorher hörte, ein begnadeter Lesebriefschreiber, die gibt es heute  auch nicht mehr oder nur mehr marginal, dafür aber Kommentare, die wahre Shitstorms auslösen und Michael Angele stellte sich die Frage, warum es keine Studie über “Thomas Bernhard als Zeitungsleser”  gibt.

Die sollte man anstellen, also fragt er bei  Peymann und anderen nach, was sie davon halten?

Die Antwort steht später im Text, denn erst gibt es allgemeine Überlegungen über das Zeitungslesen und was wir alles verlieren würden, wenn es die nicht mehr gäbe.

Zum Beispiel das Lesen im Urlaub, da fährt man nach Griechenland, in die Türkei oder wo auch immer und sucht am Kiosk die “Bild”, die “FAZ”, in meinem österreichischen Fall die Kronenzeitung und bekommt, die vom letzten Tag, meist auch zu überhöhten Preisen, merke ich an. Nachrichten von gestern sind längst veraltet, deshalb stirbt die Zeitung wahrscheinlich auch, aber wenn man auf Urlaub ist, ist das ein Gruß der Heimat und man kauft sie trotzdem.

Das erscheint mir bekannt und habe zwar nicht ich, aber der Alfred so getan und Thomas Bernhard, der ja internationaler war, kaufte sich sogar in Japan oder Russland Originalzeitungen, obwohl er die nicht lesen konnte.

Das erzählt dann schon Claus Peymann, der obwohl überarbeitet, Michael Angele einen Gesprächstermin gab und dann einige Stunden von sich selbst erzählte, denn er ist auch ein begnadeter Zeitungsleser.

Die Zeitung wird nur am Wochenende überleben, meint Michael Angele und führt die Zeitungsleser an, die sich die Samstagzeitung kaufen, das sind in Deutschland, die dicken mit den vielen Beilagen, die zerteilen sie dann Samstags, um sie für den Sonntag aufzuheben. Aber da gibt es schon die Sonntagzeitung und man kommt nicht dazu.

Also  ist viel Zeitung ungelesen geblieben, das ist wahrscheinlich genauso, wie bei den Büchern. Es gibt aber auch Sammler beziehungsweise Messies, wie das auch heißen oder in diesen Begriff übergehen kann. Also ganze Wohnungen vollgestopft mit Zeitungsstapeln, so daß man im schlimmsten Fall, weder Tisch noch Bett benützen kann.

Es gibt aber auch die Leser. Michael Angele führt ein paar Beispiele von treuen und weniger treuen an, seine Eltern kaufen beispielsweise regelmäßig eine solche, schimpfen über sie, denken aber trotzdem nicht daran das Abonnent zu kündigen.

Das ist die Lesertreue und jetzt merkt Angele noch an, daß die Redaktionen ihre Leser unterschätzen und ihnen alles in der “Frage zum Tage” zerklären würden, was ihn stört.

Natürlich da gibt es wohl dem Drang zum Mittelmaß und leichten Lesen, damit allle alles verstehen und dann sind einige empört, schimpfen und kündigen trotzdem nicht.

Peter Handke wird noch angeführt, Thomas Bernhards großer Konkurrent, aber ist der nicht Doderer gewesen? Der mag, schrieb er im “Nachmittag eines Schriftstellers” keine Zeitungen, war also kein Zeitungsleser, Claus Peymann zitierte ihm trotzdem immer die guten Kritiken und meinte, sie hätten ihm gefreut.

Ein interessantes Buch und ein sehr liebevolles Plädoyer einer aussterbenden Spezie. Mag sein, denn der Alfred liest seit einiger Zeit den “Standard” auch online und die Wochenendausgaben, die wir  früher Samstag kauften, werden seltener. Früher habe ich mir regelmäßig die Gratiszeitungen mitgenommen und die kostenlosen Probeabos abonniert. Das tue ich auch nicht mehr und wenn sich die Zeitungsstapel ansammeln, muß man sie entsorgen, das geht gar nichts anders, bei den Büchern tue ich das nicht, ganz im Gegenteil.

Trotzdem sind die Kioske immer noch voll von Zeitungen, auch wenn in den Redaktionen, wie ich immer höre gekündigt wird, Zeitungen eingehen und man entweder gar nicht oder online liest, gibt es sie noch und der letzte Zeitungsleser zum Glück oder Gottseidank Utopie und Michael Angele liest ja auch online, hat sogar, glaube ich, ein solches Magazin oder Zeitung herausgegeben und sein Buch habe ich wie schon geschrieben, als PDF auf dem Computer nicht im Reader, der hinter mir am Bücherstapel liegt, gelesen, habe einiges an Literatur und über Thomas Bernhard, beziehungsweise das Wiener und andere Kaffeehäuser, dabei mitbekommen und jetzt kann ich, wenn ich will, mich auf das Klo begeben, wo ja der “Wochenend-Standard”, den wir gestern kauften, liegt, denn den habe ich, ich gestehe es, nur durchgeblättert. Ich hätte also, wenn nicht nur das LL-lesen, das Mittagessen auf der Rudolfshöhe und das nachmittägliche Stumfest  warten würde, noch sehr viel zu lesen.