Hans Flesch-Brunningens neuaufgelegte Bücher

Nach einem sehr intensiven Tag, wo ich das erste Mal nach drei Jahren wieder ins AKH gekommen bin, jetzt braucht man keine Maske, mehr, aber einen Termin wenn man hineinwill, bin ich am Abend wieder in die “Gesellschaft für Literatur” gekommen, wo Evelyne Polt-Heinzl von der ich schon länger nichts mehr gehört hbe und ich auch sehr verändert fand und Wolfgang Straub, die zwei bei “Atelier” wiederaufgelgte Bücher von Hans Flesch-Brunnigen oder Johannes Evangelista Luitpold Flesch Edler von Brunnigen, der von 1895-1981 lebte und in Bad Ischlgestorben ist, vorstellten.

Ein Name, den ich schon gehört habe, viel mehr aber nicht. So saugte ich begierig die Einleitung von Manfred Müller auf, der kurz den Lebenslauf des Autors vorstellte, der literarisch eher im Hintergrund gestanden ist, nach England emigiere, dann auch auf Englisich und mit dem Pseudonym Vincent Brun schrieb und seine Bücher in unterschiedlichen Stilen veröffentlichte und als er wieder nach Wien gekommen ist, an der Seite von Hilde Spiel gestanden ist.

Zwei Bücher haben die Literaturwissenschaftler wiederaufgelegt, “Perlen und schwarze Tränen”, eine Art Ullysses Roman, denn Flesch-Brunningen war mit James Joyce befreundet und so spaziert einer einen Tag lang durch London und sucht dort eine Frau und “Maskerade”, das auf Englisch geschrieben und von Andreas Pechmann übersetzt wurde und zuerst in England und in den USA verlegt wurde, ein Unterhaltungsroman oder einer, der sich mit dem Antifaschismus in Rom beschäftigt.

Es gab lange Beschreibungen über Flesch-Brunningens Leben und die Entstehungsgeschichte der Bücher und dann zwei Lesestellen und am Schluß noch einen “Americano”, der damals in Rom getrunken wurde, Wermuth mit Wasser, jetzt mit Aperol vermischt und viele Gespräche mit der Frau Schmidt-Dengler, die ja eine eifrige Literaturbesucherin ist, habe ich mich unterhalten und dem Herrn Pauer, den ich seit langen wieder gesehen habe. Die Henrike Blum war da und noch viele andere und ein interessanter Abend und jetzt bin ich natürlich gespannt, ob die Bücher einmal zu mir kommen werden. Aber ich lese weniger und langsamer, als früher, werde es also höchstwahrscheinlich nicht schaffen.

Oreo

Nun kommt das Gewinnerbuch der Sparte Übersetzung des “Leipziger Buchpreises”, das von Pieke Biermann übersetzte und ich glaube zum ersten Mal auf Deutsch erschienene 1974 herausgebrachte Roman der 1935 geborenen und 1985 an Krebs verstorbenen Frances Dolores Ross, die wie ihre Heldin Christine alisas Oreo einen jüdischen weißen Vater und eine schwarze Mutter hatte.

Fran Ross wuchs in Philadelphia auf, arbeite als Journalistin, “Oreo” ist, glaube ich, ihr einziger Roman, der bald wieder vergessen wurde, zweitausend wieder entdeckt wurde und dann zum Kultbuch der Frauenbewegung oder der afroamerikanischen Literatur  hochstilisierte, denn Oreo ist eine wahrlich ungewöhnliche Figur, vielleicht sogar mit dem Ullysses vergleichbar, vielleicht auch nur eine Idee, der Autorin, ihre sechzehnjährige Heldin mit dem  Theseus zu vergleichen und solcherart, die griechische Sage auf eine rotzig freche Art wiederauferstehen zu lassen, von einem Comic habe ich irgendwo etwas gelesen und ich bin, da keine  keine besondere Kennerin der griechischen Mythen ein bißchen unsicher in der Beurteilung, denke aber doch, ein außergewöhnliches Buch gelesen zu haben.

Da ist also die sechzehnjährige Christine, Tochter von Helen Clark und Samuel Schwartz und als Samuel Schwartz, die Afroamerikanerin heiratet, haben deren Eltern jeweils einen Herzinfarkt oder sonstige Zustände bekommen.

Der Vater hat die Mutter  bald verlassen und ist nach New York übersiedelt, nicht ohne der Tochter einen Zettel mit geheimnissvollen Hinweisen, wie sie ihn auffinden kann, zu hinterlassen und die Oreo genannt, nach dem berühmten amerikanischen Keks, dunkle Umhüllung mit weißer Fülle, eine rotzfreche Göre, die alles mit Karate und Witz zu lösen weiß, macht sich auf den Weg, vorher gibt es noch und das finde ich für ein Buch aus den Siebzigerjahren sehr ungewöhlich, eine Szene, wie sie sich gegen einen Vergewaltiger zu wehren weiß.

Auf der Reise in die Metropole macht sie auch noch einige außergewöhnliche Bekanntschaften, so trifft sie zum Beispiel einen Reisehenker, das heißt, einen, der in ein Büro beordert wird, um dort Kunden zu feuern, das finde ich auch sehr beeindruckend.

Sie übernachtet in einen Park, wird am Klo von einem frechen Jungen gespannt, den sie dann, als er Hunde quält es auch ordentlich heimzahlt, dieser Theseus hat also einen  starken Gerechtigkeitssinn.

Mit einem Bordellbesitzer legt sie es sich oder er mit ihr auch an, dann gibt es noch einen stummen Radiomacher und und, der Skurilitäten ist kein Einhalt geboten.

Sie kauft sich noch Schuhe in einem Laden, weil ihre Sandalen beim Kampf mit dem Bordellbesitzer zu Schaden kamen. Dann trifft sie ihren Vater, löst das Räsel und Fran Ross, die am Schluß noch Hinweise auf die Thesseussage gibt und vorher auch noch, die Familienverhältnisse genau erklärte, hat eine rotzfreche afroamerikanische Göre zur Heldin der griechischen Mythologie gemacht.

Ein interessantes Buch, einer interessanten Autorin, das ohne die Buchpreisnominierung wahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre.