Muttertag und Reise nach Istanbul

Die hat natürlich Franz Grillparzer im Neunzehntenjahrhundert gemacht und die Ruth die ein Buch darüber geschrieben hat, beziehungsweise Franz Grillparzer nachgereist ist, hat ja jetzt, um gegen den Lockdown-Veranstaltungsstop etwas zu tun, zum Freiluftprivatissimum aufgerufen und hat die Stellen aus ihrem Buch, die von Griechenland im März und die von Bratislava, wo es, glaube ich, um den König Ottokar geht, im April gelesen.

Jetzt ging es nach Istanbul und war ich im März mit der Frau Brunngraber und ihrem Hündchen, die einzige Zuhörerin, war es im April schon besser, denn da hat, glaube ich, die Grillparzer-Gesellschaft deren Mitglied, die Ruth ja ist, auch dazu aufgerufen und heute war es ebenfalls sehr gefüllt, so weit das in Zeiten, wie die mit den zwei Meter Sicherheitsabstand überhaupt möglich ist, aber Irene Wondratsch war da und hat mir von ihrem Buch erzählt, das im Herbst bei “Sisyphu” erscheinen wird, erzählt, die Silvia Bartl, die Andrea Pauli vom Lesetheater, sowie Werner Grüner, ein paar Leute von der Grillparzer-Gesellschaft, glaube ich, wieder auch und auch die Kommilitoninnen der Ruth, die ja seit einigen Jahren eifrig evangelische Theologie studiert und diesmal war ich auch sehr pünklich, bin ich ja schon nach zehn weggegangen, um vorher wieder meine Zahlscheine bei der Bank einzuwerfen, was aber schwierig war, da die Automaten in der Wiedner Hauptstraße nicht so ganz funktionierten, aber das Wetter war schön und in Zeiten, wie diesen war am Heldenplatz auch einiges los.

So gab es bei dem Restaurant beim Völkerkundemuseum oder, wie immer das jetzt heißt, schon das Takeaway eröffnet und ein Stückchen weiter sah ich eine Frau mit Kind und einem Sektglas in der Hand für ein Foto posieren und während ich mir noch dachte, wo hat sie den Sekt jetzt her, sah ich schon, sie hatten ein Tischtuch und eine Torte aufgebaut.

Ja in Zeiten, wie diesen, wo die Lokale ja noch geschlossen sind, muß man eben ins Freie ausweichen, obwohl das ja, glaube ich, auch eher verboten ist, aber die Maskenplicht im Freien wurde, glaube ich, am Montag aufgehoben und die Lokale sollen, wenn die Zahlen weiter so gut bleiben in zwei Wochen mit Test, Maske und Restrierungspflicht wieder geöffnet werden und weil der “Tag der Freude” Ende des zweiten Weltkrieges gestern ebenfalls sein Jubileum hatte, gab es auch eine Veranstaltung am Ballhausplatz, wo umgeben von Europafahnen ein junger Mann von seinen Erfahrungen mit seinem Nazsgroßvater berichtete.

Dieses Schicksal blieb vielen nicht erspart, obwohl das jetzt wahrscheinlich eher die Urgroßväter sind und die schon geimpften Mitglieder der Rsikogruppe den “Tag der Freude”, wie beispielsweise Werner Grüner, eher als Kleinkinder erlebten, aber beim Grillparzer-Denkmal oder bei den Sesseln davor, sah ich schon ein paar Bekannte. Ich war ja zehn Minuten zu früh daran, unterhielt mich zuerst mit Andrea Pauli, um ihr von meinem Bankmißgeschick zu erzählen, dann mit der Irene Wondratsch, der ich auch das “Braunrot karierte Notizbuch”, mein zweites Corona Buch zeigte, für das dritte der “Mathilde im Coonaland” wird es hier bald die Vorschau geben und die Ruth las, dann nachdem sie alle begrüßt hatte, zwei Stellen aus dem Buch vor, wo Franz Grillparzer nach istanbul reiste. Da war er auch wieder in Quarantäne, diesmal war es, glaube ich, die Cholera und zu der Entstehung des Denkmals hat sie auch ein bißchen was erzählt.

Dann sind wir ein bißchen zum Ballhausplatz und dem jungen Mann gegangen, haben während ein Polizeiauto vorüber fuhr und die junge Verkäuferin schnell ihre FFP2-Maske aufsetzte und ein Fläschchen Sekt und ein Bier bei Takeaway besorgt und ich habe mir gedacht, so läßt es sich vielleicht auch leben und das nächste Mal muß ich ihr vielleicht meinen grünen Impfpaß zeigen, sofern ich einen solchen habe, dann noch einmal auf die Bank. Bei der Zweiten hat es dann geklappt, so daß ich meine Sozialversicherungsrate für das zweite Quartal einzahlen konnte und dann nach Hause, wo der Alfred, das griechische Hendl, das er schon gestern vorbereitet hat, ins Backrohr steckte. Die Muttertagstorte hat er schon am Freitag in St. Pölten besorgt,

So läßt es sich leben und eigentlich geht es uns auch trotz Corona sehr gut, nachher haben wir noch unseren Sonntagspaziergang auf die Mostalm gemacht, um für unsere Abwehrkräfte und Gesundheit etwas zu tun und die die Verleihung des “Erich Fried-Preises” von 2020 an Esther Kinsky, der heute um elf,passend zum hundertsten Geburtstag des Meisters, verspätet vergeben wurde, habe ich auf diese Art und Weise auch versäumt. Das Gute an der gegenwärtigensituation ist aber, daß man sich den Livestream vielleicht nachsehen kann.

Rauris 1971-2021

Noch einmal zu den “Literaturtagen im Innergebirg”, die ja 2020 ihr fünfzigstes Jubiläum feiern wollten, Corona hats verhindert. So wurde heuer digital nachgeholt und ich bin dazugekommen mich durch die Literaturtage zu hören, von denen ich schon einiges gehört habe und auch die dort aufgetretenen Literaturgrößen zum größten Teil schon kannte. Es gibt aber ein Buch beziehungsweise einen dichtbebilderten Katalog, den ich, glaube ich, schon am Montag danach zugeschickt bekam und mich so auch durch den Ausstellungskatlog blättern und mein literarisches Wissen vielleicht noch ein bißchen auffrischen kann, was in Zeiten, wo ich ja schon über ein Jahr nicht mehr live im Literaturhaus, in der “AS” und der “Gesellschaft” war und mich nur im Sommer kurz bei den “Strobeler Literaturtagen” und denen im Künstlerdorf im Burgenland tummeln bezihungsweise mich bis Oktober bei den “Wilden Worten” umschauen konnte, besonders wichtig, die Bücher der “Lepziger Buchmesse” warten aber schon, die Teilnehmer des heurigen wahrscheinlich auch nur digitalen “Bachmann-Lesen” werden wohl auch bald bekanntgegeben, also ist doch etwas los und eine, die sich nun ja auch schon fast fünfzig Jahre oder sogar schon mehr für Literatur interessiert, geht da auch nicht unter oder bleibt nicht wirklich über, auch wenn man das fast glauben könnte.

Also das rote Buch im Katalogformat aufgeschlagen und lustig durchgeblättert, zuerst sieht man ein schönes Bild vom Gebirg und das ist wahrscheinlich das besondere an den Literaturtagen, daß sich da vor fünfzig Jahren ein Journalist und eine Lleiterin des Fremdenverkehrsbüro aufmachten, die Literatur ins Dorf zu bringen, also die langhaarigen Hippies, die nachts betrunken in grünen Gummistiefeln durch das Dorf tappten und trotzdem ist Rauris eine Legende und eine unvergeßliche Literaturgeschichte und man sollte, wenn man das wieder dürfen sollte, vielleicht einmal dort hinfahren, aber richtig, Kritiker, das weiß ich schon, Erstens lädt mich niemand zum Lesen ein und Zweitens habe ich ja keinen grünen Paß, setze keine Maske auf, etcetera, also wäre eine diesbezügliche Einladung gar nicht möglich.

Manfred Mittermayer und Ines Schütz, die jetzigen Organisatoren haben unter Mitarbeit von Bernhard Judex den Jubiläumsband herausgegeben und das Vorwort geschrieben

Dann folgt ein Artikel von Anton Thuswaldner, dem Saluburger Journalisten, der diesbezüglich auch eine Rolle spielt “Eine Welt ohne Rauriser Literaturtage? Das ist keine Welt!” heißt er und man sieht ein Bild von 1972 und da Günther Eich, ilse Aichinger, Hilde Spiel und Alois Brandtstetter beim Eistockschießen und das ist natürlich auch sehr interessant.

Britta Steinwendtner hat nach dem die Literaturtage da offenbar in einer Krise waren, 1990 die Organisaton des Festivals übernommen.

“Die Worte sind das Gold”, heißt ihr Artikel. Sie hat die Festtage unter ein Thema gestellt, Studenten wurden auch eingeladen, für hunderfünzig österreichische Schilling für Kost und Quartier in das Dörfchen zu kommen und die Dörfler wurden auch eingebunden, in dem es in ihren Häusern zu sogenannten Störlesungen kam. Da sieht aman Ilse Aichinger auf einem Bild mit einem Bauern und die Literaturpreise, die die jungen Talente nach Rauris brachten, wurden auch eingeführt und natürlich gab es, wie schon Anton Thuswalder schrieb, zu Fehlentscheidungen und Literaturskandalen, so hat Karin Struck meint er, die Geschichte ihres Scheiterns erzählt. Ja die ist in den Siebzigerjahren in den Literaturhimmel aufgestiegen und wurde dann glaube ich von “Suhrkamp” fallengelassen. Brigitte Schwaiger ist ja etwas Ähnliches passiert, da weiß ich aber nicht, ob sie je in Rauris gelesen hat.

Ines Schütz und Manfred Mittermayer haben 2013 Brigitta Steinwendtner in der Organisation abgelöst und die Leitung übernommen. Da gibt es auch ein schönes Foto aus dem Gasthaus Grimming von David Sailer vom Jahr 2017, wo beide neugierig offenbar in Richtung Tür und zum auftretenden Autor oder zu was auch immer schielen.

Christa Gürtler hat einen Artikel über die Studenten geschrieben, die ja, wie schon erwähnt eingeladen wurden um sich mit den Autoren zu unterhalten und ihnen die entsprechenden Fragen zu stellen und die haben, wie in ihrer Überschrift verraten wird auch “Eine Flasche Gin” Kristof Magnusson gespendet.

Hldemar Holl schildert seine “Impressionen von den Rauriser Literaturtagen”. Da gibt es ein schönes Foto aus dem Jahr 1975, wo man den kochenden H. C. Artmann sieht. Es raucht gewaltig und das Gulasch habe ich später gelesen wurde erst verspätet serviert, weil der Autor zuviel geplaudert hat.

Dann gibts einen Text von Bodo Hell, dem ersten Literaturpreisträger und dann werden kurz die ersten dreißig Jahre 1971 bis 2000 geschildert.

Dorothea Granegger und Erwin Grimmelsberger waren die Initiatoren, die das Experimant 1971 gewagt haben. Da gibts auch ein schönes Foto und dann folgen noch sehr viele von den aufgetretenen Stars. So kann man Thomas Bernhard, Peter Handke beim Lesen und beim Autogramm geben sehen. Der hat lange dunkle Haare und eine Brille. Man sieht die junge Barbara Frischmuth die 1972 gelesen hat und Hans Lebert. Hilde Spiel wurde 1973 abgebildet und Franz Innerhofer der, glaube ich, mit seinen “Schönen Tagen” auch dort entdeckt wurde. Interessant, daß mein GAV-Kollegen Johann Barth, der als Fotograf offenbar erfolgreicher war, die Fotos geschossen hat.

Rudolf Bayr sieht man beim Schifahren und den Verleger Wolfgang Schaffler.

Dann gibts die Bilder von den Tagen, die Brigtitta Steinwendtner organisiert hat. Da sieht man Robert Schindel und den Literaturpreisträger Thomas Lehr und von 1995 bis 2000 sind Peter Henisch damals noch mit dunklen Bart und schwarzen Kappel und Peter Rosei, den ich auf den ersten Blick fast für Erich Fried gehalten hätte. Herta Müller die Nobelpreisträgerin von 2009 ist zu sehen, Peter Handke hat den ja 2019 bekommen, die dritte Literaturnobelpreisträgerin die erwähnt wurde, ist wohl Elfriede Jelinek, die aber nicht zu sehen ist oder habe ich einen anderen vergessen?

Gert Jonke ist zu sehen und Felizitas Hoppe, die wie ich geschrieben sehe, das Pech hatte, übersehen zu werden, weil Hermann Nitsch beim Musikprogramm einen Skandal auslöste. Ernst Jandl und Friederike Mayröcker waren natürlich ebenfalls da. Peter Stamm und der “Büchner- Preisträger” Josef Winkler, Norbert Gstrein der vorletzte österreichische Buchpreisträger und und, eine Auswahl war ja schon bei der Onlineveranstaltung zu hören. Ruth Klüger hat einen Preis bekommen und die teilweise schon erwähnten “Rauriser Erregungen” gab es auch und dann natrlich auch das Theater, bei dem, glaube ich, “Sakkorrausch” von Elisabeth Reichart aufgeführt wurde.

Dann gehts zu den “Schulprojekten”, denn Lesungen und Schreibwerkstätten beziehungsweise Einbeziehung der Bevölkerung, was ich sehr gut finde, war immer ein Anliegen der Literaturtage.

Klaus Merz hat eine “Rausiser Notiz” geschrieben:

“Eine Sprache finden, Worte, die nicht über das Erzählte hinweg flutschen, sondern Reibung erzeugen, Wärme, Licht.”

Dann gehts zu Rauris von 2001 bis2019 gesehen oder fotgografiert von David Sailer.

“Spurensuche” hieß das Thema von 2001. Da sieht man Corinna Soria, deren Buch ich gelesen, weil bei den Büchertürmen der “Literatur im März” gefunden, habe.

“Facetten der Kriminalliteratur”und das finde ich sehr spannend, hieß das Thema von 2002, da sieht man Alfred Komarek, Petra Hammesfahr und natürlich Franz Schuh, der, glaube ich, dazu Essays und Rezensionen schreibt.

“Versuchte Nähe” 2003 mit Michael Krüger und Alfred Kollertisch. “Lieben und Leben” 2004, da hat Katja Oskamp mit ihrem “Halbschwimmer”, glaube ich, gewonnen, ein Buch wurde dort verkauft oder verschenkt und signiert und ich habe dann gefunden.

“Worte und Orte” 2005, da sieht man Herta Müller, die erst 2009 den “Nobelpreis”gewonnen hatund eineCollage von ihr.

2006 wardas Mozartjahr, da gab es natürlich eine Annäherung an den berühmten Komponisten. “Literatur und Wissenschaft” gab es 2007.

“Zwischen den Worten – zwischen den Welten” 2008, mit Bildern von Wladimir Kaminer von dem ich einiges gelesen hab und Ilija Trojanow.

“Lust.Spiel.Wut” 2009, da sieht man den verstorbenen Architekten und Wiener Gruppe Mitglied Friedrich Achleitner.

2010 gab dann as “40 Jahre-Festival” mit Wolf Haas, Antonio Fian und Peter Esterhazy.

“…und ich begehre nicht schuld daran zu sein” 2011, Dorothee Elminger, die Bachmanngewinnerin von 2010 und Michael Stavaric. Marlene Streeruwitz hat eine Schreibwerkstatt gehalten.

“Die Erfindung der Wahrheit” 2012, da sieht man die “Bachmann-Preisträgerin” Maja Haderlap am Podium.

“Lebens.Wege” 2013 mit Christoph W. Bauer in der Volksschule und Anna Weidenholzer von der ich viel gelesen habe.

“Kapital.Gesellschaft” 2014, Josef Winkler und Sabine Gruber, Tanja Maljartschuk, Fiston Mwanza Muljila und Angelika Reitzer.

Das berühmte Flüchtlingsjahr 2015 wo ich mit den Buchpreislesen angefangen habe, ist natürlichen den “Mehr-Sprachen ” gewidmet und man kann die Portraits von Jaroslav Rudis, Seher Cakir und György Dalos.

“Geschichte” wurde 2016 von Josef Haslinger, Hanna Sukare und Ludwig Laher erzöhlt.

“Körper.Sprache” war das Thema von 2017. Da kann man eine lachende Mercedes Spannagel sehen, deren Buch ich gelesen und sie auch bei mehreren Gelegentheiten, auch Online gehört habe.

“Frühe.jahre” wurden 2018 mit Raphaela Edelbauer, derBachmanngewinnerin und buchpreis shortliststehenden präsentiert.

“Auf.Brüche” war das Thema von 2019. Da sieht man Simone Lappert, die ich ja in Basel gesehen habe.

Freunde und Kooperationspartner der Literaturtage gibt es auch und dann dibts die “Dokumentation” mit den Llesungsprogrammen und den Literaturpreisträgern, beziehungsweise den Büchern, die dort entstanden, beziehungsweise präsentiert wurden.

Da findet man die “Klassenliebe” von Karin Struck, die “Schönen Tage ” von Franz Innerhofer, Peter Hensichs “Kleine Figur meines Vaters”, daß da schon veröffentlicht war. Thomas Hettches “Ludwig muß sterben”, Ruth Klüger “Weiter leben”. Felicitas Hoppes”Picknick der Friseure”, Peter Stamms “Agnes”, Julie Zehs “Adler und Engel”Corinna Sorias “Leben zwischen den Seiten”, Katja Oskamp “Halbschwimmer”, Thomas Klupps “Paradiso”, Dorothee Elmingers “Einladung an die Waghalsigen”, Maja Haderlaps “Engel des Vergessens”, Karen Köhlers Wir haben Raketen geangelt”,, Angela Lehners “Vater unser” um nur die zu erwähnen, die ich gelesen haben und natürlich Julyia Rabinowitsch “Spaltkopf” nicht vergessen, aber den habe ich nicht gelesen, nur viel davon gehört.

Das war der Rundgang durch die Festbroschüre um noch einmal an Rauris zu denken und ich wiederhole es, darauf zu wrten, wann ich mich ohne Paß, Test und Maske vielleicht doch einmal als sogenanntes literarisch interessiertes Publikum in den Vortragssaaal oder an den Wirtshaustisch setzen kann.

Fünfzig Jahre Podium

Die Zeitschrift “Podium”in der ich in den Achtziger-oder neunzigerjahren auch einige Texte hatte, gibt seit fünfzig Jahren.

1971 wurde der Lteraturkreis podium von Wilhelm Szabo, Ilse Tielsch, Alois Vogel und Alfred Geßwein gegründetund, es gibt die Zeitschrift, die Sommerlesereihe, die “Podium Portraits” und noch andere diverse Veranstaltungen, wie die “Lockstoffe”, bei denen ich auch einige Male war und so sollte das, wie Barbara Neuwirth heute im Literaturhaus erwähnte, mit einem großes Fest mit Musik und viel Publikum gefeiert werden.

Corona hat das, eh schon wissen, verhindert und so hat Barbara Neuwirth, die ich ja erst am Montag in der “Alte Schmiede” Ilse Tielsch gelesen hat und die offenbar im Vorstand ist, nur das zu diesem Anlaß erschienene Themenheft, das den Siebzigerjahren gewidmet ist, vorgestellt und drei Autoren eingeladen ihre diesbezüglichen Texte zu lesen.

Die erste war die 1983 in Wien geborene Historikerin Waltraud Schütz, die den Kampf einer unehlichen Mutter, um das Sorgerecht ihres Sohnes Moritz und den Ärger den sie mit dem Vormund hatte, schilderte. Ja in den Siebzigerjahren wurde das Familienrecht geändert und die freie Liebe, beziehungsweise das Recht auf Abtreibung wurde auch erkämpft und so hat die 1946 geborene Schauspielerin Hilde Berger, die zehn Tage geschildert, die sie 1976 in der Mühl-Kommune verbrachte und dann kam die Politik, denn die Siebzigerjahren, in denen ich ja studierte, waren sehr links, es gab auf den Unis maoistischeund marxistische Arbeitskreise, wie Barbara Neuwirth suffisant lächelnd erwähnte, die Alleinregierung Kreiskys, die die sozialen Reformen und die Gesetzesänderungen möglich machten und so kam ein politisch-satirischerText des 1955 geborene Lehrers und Kabaretisten Hannes Vogler, der seinen Text “So starb eine Partei nannte”. Aber diesen Roman hat ja schon Jura Soyfer in den dreißiger Jahren schreiben wollen und ich war ein bißchen erstaunt, daß Barbara Neuwirth die Siebzigerjahren mit diesen Themen und drei mir eigentlich unbekannten Autoren präsentiere. Texte von Manfred Chobot und Peter Paul Wiplinger, ebenfalls lange Mitglieder gibt es in dem Heft aber auch.

Kann ich mich ja an die Vierzigjahresfeier, wo es ein Fest und ein volles Haus mit den “Podiums-Mitgliedern” statt Maske und Desinfektionsmittel gegeben hat, erinnern bei dem ich, glaube ich, auch das damalige Themenheft nach Hause gebracht habe. Ein Buffet hat es wahrscheinlich auch gegeben.

Jetzt hat Barbara Zwiefelhofer nur auf das Heft, das man sich besorgen soll, hingewiesen und Barbara Neuwirth auf das nächste Jahr in dem das Fest nachgeholt werden soll.

Mal sehen, ich bin gespannt und habe auch gute Erinnerungen an den Literaturkreis, war bei vielen Veranstaltungen, habe auch einige Portrait-Heftchen gelesen und erst am letzten Samstag von Doris Kloimstein, die offenbar auch “Podium-Mitglied” ist, den heurigen Gedichtefolder, die die immer im März und ein Portrait für das sie das Vorwort geschrieben hat, überreicht bekommen.

Betriebsstörung des Gustav Ernst

Ich bin ja, wie ich immer schreibe, eine Fanin des1944 geborenen Gustav Ernst, habe schon viel von ihm gelesen und habe ihn, als das noch möglich war, auch öfter im Literaturhaus oder bei anderen Veranstaltungen getroffen und mich dann mit ihm unterhalten. Ist er doch als realistischer Autor sozusagen für mich ein Vorbild und dann noch Drramatiker beziehungsweise Dialogeschreiber, ein Genre mit dem ich nicht so kann.

Er hat die “Leondinger Akademie” mit Karin Fleischanderl gegründet und gibt die Zeitschrift “Kolik”, hinaus, seit er das “Wespennest” verlassen hat, das er ja, glaube ich, auch mitbegründet hat und ist sehr affin imLliteraturbetrieb, juror beim”Priessnitzpreis”, Mitbegründer des “Hochschullehrgangs für Sprachkunst” und und und…

Ich bin das auch oder will das besser sein, habe jedenfalls schon sehr viel und sehr früh überden Literaturbetrieb geschrieben, als man mir noch allenhalben sagte, daß man das nicht kann oderdarf. Ich bin auch keine Krimischreiberin, weil ich Morde und Gewalt nicht beschreiben will, habe mich aber im “Tod eines Jurmitglieds” damit beschäftigt. Das war, glaube ich, in den Neunzigerjahren,wo ich nach dem Muster eines Allan Wilton- Hefterls, zwei Inspektoren und ein Kommissar und einer toten Literaturkritikerin einen Krimi, der keiner ist, geschrieben habe und den Kommissar eine Reihe von Autoren besuchen ließ, um den Mörder zu finden.

Dann wars kein Mord und den Krimi habe ich auch nirgends untergebracht, ist aber in den “Schreibweisen” erschienen und ich habe dann noch öfter über den Lteraturbetrieb geschrieben. Eigentlich sehr oft. In der “Dora Faust” und in der “Heimsuchung”, meinem ersten “Nanowrimo” auch. Da gehts dann schon, um das “Institut der Sprachkunst” und einige Autoren, die dort studieren.

Das Buch habe ich Gustav Ernst einma lmit dem “Wunderschönen Tintentraum” gegeben, weil ich auch einmal einen Textin den “Koliken” hatten, im “Wespennest” hatte ich mal einen und Gustav Ernst hat, glaube ich, auch über den Lliteraturbetrieb geschrieben. 2009 in “Helden der Kunst, Helden der Liebe” bei “Sonderzahl” erschienen. Da habe ich ihn nach den Vorbildern angesprochen. Worauf er, glaube ich, abwehrte und sagte es gäbe keine solchen, sondern nur Typen.

Bei meinem Krimi gab es die und Judith Gruber,der ich es zeigte, sagte mir, ja die “Gerstl” habe ich sofort erkannt und ich habe leider vergessen, wer das Vorbild war, das sie dafür gehalten hat? Jetzt sagte Gustav Ernst das, im Literaturhaus wieder,denn es ist ein neues Buch erschienen, das ein Krimi oder eine Satire auf den Literatubetrieb ist, wie Barbara Zwiefelhofer in ihrer Einleitung erklärte und ich dachte “Aha,interessant, es gib talso auch Leute, die etwas Ähnliches machen und Gustav Ernst erklärte, daß die Iidee von Karin Fleischanderl stammt. Die hat ihm einen Text gegeben und gesagt “Mach was draus!” und da hat er eine Satire auf den Literaturbetrieb geschrieben, die eigenlich kein oder schon ein Krimi ist, dennn da kennt er sich nichtso aus und ist auch kein Krrimischreiber, hat abe reinen Roman in Dialogform geschrieben und das ist sein Genre, da kennt er sich aus.

Es gibt sechs Personen, wie er im Gespräch mit Sebastian Fasthuber erklärte und beginnt, daß eine Nora Eschenbach, offenbar eine Lehrerin visavis dem Literaturhaus sitzt und da auf ihre Freundin Olga wartet, die war bei einer Lesungvon einem Philiph Semmelweiß, einem Bestsellerautor und dann kommt es zwischen den beiden Frauen auf ein Geschimpfe auf den Literaturbetrieb. Das ist offenbard auch Gustav Ernsts Spezialität und vorher gab es noch ein Gespräch, was gute Literatur sei?

Da gibt es auch schon Bücher darüber und ich bin ja eine, die sagt, daß ich nicht weiß, was das ist oder das eigentlich alles für mich eine solche sei? Gustav Ernst ist da offenbar anderer Meinungund meint, es gibt soviele schlechte Bücherund die beiden Frauen meinen das offenbar auch. Dann gibt es noch eine dritte Frau, eine Literaturkritikerin, die ermordet wird und drei Männer, zwei Autoren und einen Kritiker, glaube ich, der eine ist der Bestsellerautor, der andere heißt Joachim Trotta und hat sich vor seinem Fenster eine Mauer bauen lassen, worauf er einen Monolog gegen die Natur hält und die letzte Lesestelle war dann noch eine Beschimpfungsorgie, wo sich die beiden Autoren gegenseitig beschimpfen.

Also sehr viel Geschimpfe, weil es keine gute Literatur und nur schlechte Autoren gibt. Jeder ist schlechter, als der andere und nur man selber gut und spannend ist auch, daß Gustav Ernst andeutet, daß der Mörder für alle überraschen war.

Vielleicht wurde die Kritikerin auch von einem Ast, wie weiland Ödön von Horvath erschlagen, könnte ich unken, wird aber nicht so sein und ich füge an, daß ich auch keinen Krimi schreiben kann und bezüglich des Literaturbetriebs wahrscheinlich durch mein Bloggen viel milder bin, als ich das früher war, auf das Buch aber sehr neugierig bin. Vielleicht kommt es einmal zu mir und dann kann ich es ja mit meinen Literaturbetriebssatiren vergleichen und über der Präsentation dieser Literaturbetriebssatire hätte ich fas taufden zweiten “Dichterloh-Abend” vergessen, den ich mir eigentlichsehen wollte, aber der Literaturbetrieb geht bei mir vor der Lyrik und Gustav Ernst vielleicht auch und da kann ich noch anfügen, daß er im letzten “Falter” ein Portrait hat, wo er beschreibt wie er das Covidjahr überlebte.

Der ehemalige Sohn

Mit Sasha Filipenkos “Roten Kreuzen” habe ich nicht soviel anfangen können, beziehungsweise es für nicht so ungewöhnlich gehalten. Bei dem 2014 erstmals erschienen “Ehemaligen Sohn” des1984 in Ninsk geborenen und in St. petersburg lebenden auf Russisch schreibenden Autors, ist das anders. Denn das ist ein wahrscheinlich sehr aktuelles Buch, das auch in einer sehr ungewöhnlichen frischen Sprache geschrieben ist. Es wird zu Anfang viel geschimpft und hat dann auch sehr originelle Szenen. Gleich am Anfang gibts ein Vorwort des Autors und ein Nachwort der Übersetzerin Ruth Altenhofer in der ein bißchen die belarussische Situation erklärt gibt es auch und, was in diesem Fall fast schade ist, einen Klappentext, aber der Autor hat die Handlung und das wie und das warum in seinem Vorwort auch schon erklört.

Ich bin ja eine, die zu Beginn eines Buches meistens zuerst das Beschreibung liest, aber hier nimmt es viel vorweg, was man anfangs gar nicht findet. Da wacht einer, ein Celloschüler, nach zehn Jahre Koma auf und erlebt, es hat sich nichts geändert.

Nun gut, nun ja, interessant und man hat von Weißrundland in der letzten Zeit auch sehr viel gehört. Dann findetman zunächst aber etwas ganz anderes. Eine Großmutter schimpft mit dem Enkel, weil der nicht Cello üben will. Dann gehts in die Schule in das Musikgymnasium, das Franzisk besucht, dort gibt es eine Notenkonferenz und da wird immer ein Veteran eingeladen, der ein bißchen was über die Geschichte erzählt. Diesmal ist es offenbar ein rebellerischer, das habe ich trotzdem ein wenig langweilig gefunden. Dann gehts in die Konferenhz, dort soll der faule Zisk hinausgeschmissen werden, obwohl die Großmutter, wie üblich die Lehrer bestochen hat und der geht dann zu einem Konzert, gerät in eine Massenpanik und fällt ins Koma.

Ab da wirds spannend, der Chefarzt gibt den Jungen auf, die Großmutter ist die Einhzige die für ihn kämpft. Sie besticht die Ärzte, erkämpft ein Einzelzimmer, räumt es mit Plakaten voll und quatscht den Enkelden ganzen Tag an, obwohl alle ihr erklären, daß das verrückt ist.

Das ist vielleicht auch nicht so ungewöhnlich, ob so was wirklich, wie oft passiert, weiß ich nicht. Man hört oder liest aber darüber und Sasha Filipenko erzählt das auch sehr genau. Die Freundin Nastja verläßt ihn. Die Mutter, die sich ohnehin nicht so sehr um den Sohn gekümmert hat, wird vom Chefarzt geheiratet, der dann und das ist für uns ein wenig ungewöhnlich, die Wohnung, der Großmutter verkauft, denn die ist durchaus eine selbstbewußte Frau und auch eine bekannte Übersetzerin. Es gibt auch eine deutsche Gastfamilie, die Zisk jeden Sommer besucht hat und die erscheint miteiner übersetzerinund will den Jungen nach Deutschland holen. Die Großümutter lehnt ab und stirbt nach zehn Jahren und ausgerecht einen Tag danach erwacht Zisk aus dem Koma und erholt sich rasch. Er zieht in die nunmehrige Einraumwohnung der Großmutter, besucht sie am Friedhof und die hat und das ist auch originell, einen Berief an den Enkel hinterlassen, in dem sie all das voraussieht, und ihn mahnt auf die Orden des Großvaters zu achten, aber die hat der Stiefvater längst verkauft und der tobt auch gehörig, überlegt sich aber schon seine Habilitation.

Zisk bekommt eine Stelle als Verkäufer in einem Sanitärgeschäft, erkennt die Mißstände desLandes, obwohl es doch immer heißt, wie toll es dort ist. Er geht auf eine Demonstration und erlebt, wie alle hunderttausend, die dort waren gejahgt und verhafte wurden. Es tut mir leid, das hat mich ein bißchen an meine letzten Demonstrationen erinnert und am Schluß sucht er um ein Visum an, geht nach Deutschland zu seiner Gastfamilieund spielt dort auf der Straße Cello.

Ein tolles Buch, ein sehr aktuelles, das viel über das mir doch sehr unbekannte Weißrussland erzählt, spannendundungewöhnlich geschrieben, ein Lesegewinn und füge ich noch an, bei “Diogenes” erschienen.

Be- und Entgrenzung im “Dichterloh”

Schon wieder Lyrlik-Festival in der “Alten Schmiede”, natürlich, denn das erste “Dichterloh-Festival”, das Anfang des Jahres stattfand, wurde ja lockdownbedingt vom letzten Jahr nachgeholt und wenn man so will, ist dieses zweite Corona-Jahr für mich ein sehr lyrisches, obwohl ich, wie immer schreibe, kein besonderer Lyrikfan bin, ich schreibe keine solche, nur hin und wieder ein Gedicht und habe jetzt auch ein zweites Corona-Gedicht an Erika Kronabitter geschickt, die einenText für den Feldkircher-Literaturbahnhof haben wollte.

Aber dieses Jahr hat es für sehr viel Lyrik gegeben, so habe ich drei Gedichtbände gelesen,das erste “Dichterloh-Festival” zum großen Teil gehört, ein “DichtFest” und wenn es in der “Gesellschaft” auch keinen richtigen Lyrikmonat gab und auch noch keine “Lyrik der März” , der GAV, jedoch die “Lange Nacht der Lyrik” des “Schöffling-Verlags”gegeben und Alfred Zoppelt hat mir auch ein paar Gedichte geschickt, nachdem er in der Hauptbücherei auf Anita Schaubs Buch und mein Portrait gestoßen ist und das finde ich besonders schön und heute abend wieder “Dichterloh-Festival” in der “Alten Schmiede”,der erste Abend der von Michael Hammerschmid kuratierten Veranstaltung unter dem Titel “Be-und Entgrenzung”, die mit den Abschiedsgedichten, der 1970 geborenen Italienerin Roberta Dapunt begann, die sie ihrer demenzerkrankten Uma gewidmet hat.

“Scheiße!”, habe ich gedacht, denn um sechs wieder eine Stunde, also konnte ich erst um sieben eingsteigen, wenn dann Mila Haugova und Margret Kreidl kommen und Mila Haugova die Slowakin kenne ich seit 2001, als sie sich für meine “Freiheit des Wortes” meldete, die Veranstaltung dann absagte,weil sie einen anderen Leseabend hatte und dann ein paar Jahre später noch einmal las und da, glaube ich, in meiner Erinnerung da Literaturhaus oder den Eingang auch nicht ganz fand und Margret Kreidl, die ich ganz gut kenne und auch schon bei einigen Lyrikabende ein in Leipzig oder wo auch immer hörte.

Kurz nach dreiviertel eingestiegen und gedacht, jetzt komme ich in die Pause, ich kam aber in ein Standbild, hörte mir ein bißchen das Gespräch zwischen Michael Hammerschmid an, wo sie die Würde und die Stille erklärte, die man beim Pflegen von demenzkranken Menschen erlebt und erklärte Michael Hammeschied auch den italienischen Ausdruck “altro” und, daß man einen demenzkranken Menschen nichte wirklich folgen kann und während ich all das noch überlegte, war das Band plötzlich weg und es war schon fünf und zehn nach sieben und hätte eigentlich schon Mila Haugova hören sollen, habe ich aber nicht, so habe ich das Video zurückgespult. Ganz an den Anfang bin ich nicht gekommen, nur zu der Stelle,wo Michael Hammerschied, die Übersetzer erwähnte und dann habe ich auf einmal am Seitenbord gesehen, daß die “Alte Schmiede” sich entschuldigte, weil sie einen Internetausfall hatten und die Lesungen von Mila Haugova und Margret Kreidl aufzeichnen würde, so daß man es sich später nachhören könne und ich habe wieder etwas gelernt, aber trotzdem einen literarischen Abend gehabt und kann, wenn ich will und mir “Zoom” auch noch den Ton hergibt, Jurenka Jurk von der “Romanschule” bei einem Probecouching überdie Schulter schauen und morgen dann vielleicht noch ein paar nachgereichte Gedichtimpressionen nachstellen.

Zwei Grundbücher der Geschichte

Wieder einmal ein interessantes Hin und Hergehoppel von der “Gesellschaft für Literatur” in die “Alte Schmiede”, was möglich ist, weil die “Gesellschaft” ihren Livestream um sechs beginnt und ich dann in die “Alte Schmiede”switsche und interessant, die Zusammenhänge, die man dabei ganz zufällig finden kann, denn in der “Gesellschaft für Lliteratur”wurde heute in Zusammenarbeit mit dem “Institut für die Wissenschaft vom Menschen”, die 1974 geborene ungarische Autorin Noemi Kiss und ihr Novellenband “Balaton” vorgestellt.

Eine mir bisher völlig unbekanne Autorin, die vom Moderator Ludger Hagedorn als eine der bekanntesten ungarischen Autorinnen vorgestellt wurde und das Buch beinhaltet, die Kindheitserinnerungen der Autorin, die ihre Sommer meistens mit ihrem Großvater am Balaton verbrachte, weil die Familie dort ein Ferienhaus besaß und Naomi Kiss ihre Kindheitserinnerungen schilderte. Die Familienerlebnisse, aber auch die Ost oder Westdeutschen, die ebenfalls im Sommer im Balaton schwammen.

Interessant, interessant habe ich gedacht und seltsam, daß ich noch nie von einer Noemi Kiss, die auchleistungsschwimmerin war, etwas hörte, obwohl ich mich ja schon ein bißchen mit der ungarischen Literatur beschäft habe und beschäftige und dann in die “Alte Schmiede” zum achtzigsten Grundbuch seit1945 und da überlebte ich auch eine Überraschung, hat doch Ilse Tielsch ihr Erinnerungsbuch schon in der “Alten Schmiede” gehört, denn dawurde ja “Das letzte Jahr”, in dem die die 1929 geborene Ilse Tielsch, das jahr 1938 in einem mährischen Kleinstädtschen aus der Sicht der neunjährigen Elfi Zimmermann schildert.

Kurt Neumann, der Erifnder, der Grundbuchreihe, der die “Alte Schmiede”, bis 2018 leitete, leitete ein, dann las Barbara Neuwirth in fünfundvierzig Minuten durch das Buch, Ilse Tielsch hörte dem Referat zu, das der1984 geborene Schweizer Fermin Suter, der in Krems den Vorlaß Ilse Tielsch barbeitet, über das Buch hielt und ich dachte, uje, sehr kompliziert,was wird die alte Dame dazu sagen, daß wieder einmal die Literaturwissenschaftler alles viel besser wissen?

Klaus Kastberger, der zweite Grundbucherfinder,deutete das auch, wieder schelmisch lächelnd an und die alte Dame, die mir einmal von Valerie Szabo vorgestellt wurde, sagte dann genau das, das muß ich erst alles lesen, denn ich habe mit etwa siebzig, 2006 wurden die Kindheitserinnerungen geschriebren, die, wie Ilse Tielsch betonte, sehr autobiografisch sind und die über Neunzigjährige sagte auch, daß sich im Alter,die Erinnerungen verdichten.

Ilse Tielsch ist ja 1945 nach Österreich gekommen und hat dann in einer Trilogie, “Die Ahnenpyramide” , “Heimatsuche” und ” Die Früchte der Tränen” schon früher darübergeschrieben. “Atelier” der “Das letzte Jahr”, zuerst 2006, dann 2017 wieder aufgelegt hat, hat jetzt auch die Trilogie wieder aufgelegte.

Ilse Tielsch sagte dann noch, daß sie sichdarüber wundere, daß das kleine Büchlein, in dem sie ihre Kindheit beschrieb, zum Grundbuch wurde und ich habe nachgesehen, ich habe sechs Bücher von Ilse tielsch, ein paar Gedichtbände, ein paar Erzählungen und den zweiten Band der Trilogie und habe die alte Dame ja auch ein paarmal bei Lesungen erlebt und bin auch gespannt, ob ichdieses Grundbuch einmal finden werde?

Elfriede Haslehner kann ich anfügen, hat eine ähnliche Biografie und hat, glaube ich, auch darüber geschrieben.

Wir sind allein unter den Bäumen

Jetzt kommt wieder ein Debut und wieder ein Roman der eigentlich keiner ist, sondern eine beeindruckende Skizzensammlung in einer sehr schönen künstlerischen Sprache des 1983 in Zwickau geborenen Jonathan Böhm, der in Leipzig lebt und auch am Literaturinstitut studierte, vor der Danksagung betauert er, daß alles in diesem Buch, die Handlungund die Personen frei erfunden wäre und wenn man trotzdem Ähnlichkeiten erkennte müßte man “die Wirklichkeit beschuldigen, weil sie Verhaltenswisen hervorbringt, die man wiedererkennt.”

Also auch sehr schön formuliert und es geht um eine Schulklasse in der ehemaligen DDR, die dort aufgewachsen und vielleicht sogardas Abi machten und danach in alle Winde verschwanden und einer von ihnen, Richard ist verstorben. Nun tragen sie ihn zu Graben und reflektieren dann über ihn und das Leben und tun das, wie am Klappentext steht “Richard ist tot. In seinem ersten Roman erzählt der Autor in eindringlicher sprache von einer Gruppe junger Menschen, die einst Freunde Richards waren und später in verschiedenen Berufen und auf denkbar unterchiedlichen Wegen ihr Lebensglück versuchen. Böhm schafft es aus verschiedenen Erzählperspektiven und Erzählzeiten ein Puzzle zu entwerfen, und wir Leser schauen wie durch ein Kaleidoskop auf die Biografien der Protagonisten, was uns bis zur letzten Zeile in Atem hält” und ich schreibe wieder, daß es hier ein wenig schwierig für mich wurde, weil ich mich nicht immer auskannte, da die handelnden Personen immer in der “Ich-Perspektive” sprachen, so daß ich oft nicht wußte, wer ist wer?

Richard ist tot und da gibtes einen Christoph, eine Dora, eine Damris, eine Kristina, eine Sophie und und, also die Klassenkollegen, die erzählen und auch die Erzählzeiten, was mir im Klappentext ein wenig weiterhalf, waren nicht immer klar. Wann ist Richard jetzt gestorben? Nach dem Abi oder erst später? Denn er ist nach Bremen gegangen und hat auch in verschiedenen Berufen gearbeitet.

Eine große Rolle spielt ein See, vor dem sich alle treffen, hingehen und ihre Erinnerungen an Richard davon. Einezieht ins alte Land und züchtet alte Äpfel und ein Plastwerk spielt auch eine große Rolle in dem Buch, das eigentlich könnte man sagen aus verschiedenen Szenen besteht, die lose meist mit schönen Metaphern und Überschriften verbunden, zusammenhängen.

So machen die Abiturenten in diesem Werk ein Praktikumund müßen den Wachmann fragen, wenn sie in den Pausen oder auch so an den See wollen. Der hat ein Bildchen mit einer Fee irgendwo hängen und das treffen wir späterin einem Hospitz wieder, wo eine der Abiturentinnen Krankenschwester ist und der Wachmann seiner Leukämie erlag. In dem Werk soll umgebaut werden, die Leiharbeiter entlassen. Nur einer setzt sich durch und ein anderer Klassenkamerad, ich glaube Jakob, wollte Schauspieler werden.Später wurde er Lehrer. Vorher spielte er aber in einem Becket Stück.

Sehr eindrucksvoll und schön erzählt. Für mich, die ich es ja gerne ganz genau auserzählt haben will, ein wenig unklar. So weiß man beispielsweise bis zum Ende nicht, wer Richard eigentlich war. Von einigen seiner Freunden erfährt man viel. So geht eine mit Sophie am Meer entlang, um nach Dänemark zu sehen und erzählt dabei, daß ihr Vater, der Pfarrer, die Mutter mit der Katechetin betüg tund die Eltern der anderen sind auch geschieden und die Mutter hat sich nach ihrem Krankenschwesterberuf doch noch entschloßen Medizin zu studieren. Schöne undauch sozialkritische Szenen von der Veränderung der DDR in die das vereinte Deutschland und der 1983 geborene Autor als Kind erlebte.

Schön erzählt und eindrucksvoll. Von Jonathan Böhn wird man wahrscheinlich noch einiges hören. Ein Roman ist es, denke ich, trotzdem nicht, es sollte aber auf Long- oder Shortlist des Bloggerdebuts und vielleicht auch noch auf andere Listen kommen.

Die Beichte einer Nacht

Jetzt kommt noch ein Buch das das Frauenleben in den Neunzehnhundertzwanzigerdreißigerjahre schildert, interessant wie viel sich das tut und das 1930 erstmals erschienen Buch der niederländischen Autorin Marinanne Philips, die von 1886 und 1940 in Amsterdam lebte, “Diogenes” hat es auf Deutsch herausgebracht, die Enkeltochter, die Leiteri des jüdischen Museums in Amsterdam Judith Belinfante hat das Nachwort geschrieben und das Leben ihrer Großmutter vorgestellt und das passt zur Trilogie der Dänin Dove Ditlevson, obwohl es in einem anderen Stil geschrieben ist.

“Die Beichte einer Nacht”, da erzählt die Patientin einer Nervenheilainstalt einer strickenden nachtschwester ihr Leben und tut das in einem Monolog. hin und wieder wird die Schwester angesprochen und ihr Desinteresse unterstellt, die letzten Sätze an sie lauten aber

“Schwester, was machen Sie? Weinen Sie? Wegen mir?” und eine Seite weiter “Schwester! Was machen Sie jetzt? Beten Sie? Für mich?”

Darin liegt die Tragik des Arbeiterkindes, das wohl Ende des Neunzehntenjahrhundert in eine Amsterdamer Arbeiterfamilie geboren wurde. Sie ist die älteste Tochter. Der Vater ist Handwerker.Dann gibt es noch eine Reihe Kinder bis die kleine Lintje kommt. Da liegt der Vater nach einem Unfall im Bett. Die Mutter hat er noch einmal geschwängert. Die Mutter ist nach den vielen Geburten erschöpft und so muß die siebzehnjährige Lentje, die aber Heelen, Liilian oderLeen gerufen wird, die kleine nachts zu sich nehmen und sie füttern. Sie ist sehr früh von der Schule abgegangen, um der Mutter ein Jahr lang im Haushalt zu helfen. Dann verunfallte der Vater und um die Unterstützung zu bekommen, mußte die Tochter aus dem Haus. Also zu einer Schneiderin in die Lehre. Da lernte die Juffrouw einen Handelsvertreter namen Groenmans, der sie auffordert in sein Hotel zu kommen. Sie tut es, um die kleine Lientje nicht zu erwürgen, wie sie erzählt. Folgt ihm dann in die hauptstadt, wo er ihr eine Stelle in einem Herrenmodengeschäft für fünfzig Gulden, wie er ihr erzählt, verschafft. Dann sind es nurzehn, Groenmans muß sie unterstüzen, damit sie die zwanzig versprochenen Gulden nach Hause schicken kann und kauft ihr auch die Kleider.

Die scheinen der jungen Frau sehr wichtig zu sein. Sie wird dann auch Leiterin einer Antiquitätenabteilung, wo es viele vergoldete Sachen gibt und heiratet dann einen Charles Gould, mit dem sie sehr unglücklich ist. Das warum und wieso wird nur diskret angedeutet.Dann stirbt die Mutter und sie nimmt die kleine schwester zu sich. Sie verläßt sie ihren Ehemann und verdient sich das Leben wieder durch Nähen und lernt dann im Schwimmbad ihren Hannes kennen. Da ist sie dreißig. Er, der Schwimm- oder Turnlehrer, fünfundzwanzig. Was damals offenbar ein Problem war. Lientje dreizehn. Er zieht bald zu ihr. Sie heiraten auch und Leentjes Schwermut scheint hier zu beginnen oder sich fortzusetzen. Denn sie kann ihm keine Kinder schenken. Er wünscht sich diese. Sie wird eifersüchtig. Die Ehe erkaltet und Hannes verunglückt dann in der Schweiz. Das reißt Leentje offenbar vollends den Boden unter den Füßen weg, obwohl es schon vorher einen Selbstmordversuch gegeben hat. Sie nimmt an einer Seance teil, um mit Hannes in Verbindung zu treten. Die inzwischen auch schon über zwanzigjährige Lientje verbietet ihr das. Sie tut es trotzdem und die Seanceleiterin beschreibt ihr dann, daß Hannes neben Lientje hinter ihr steht und er ihr den Auftrag gibt, daß sie beschützt werden muß. Leentje tappt nach Hause und findet die Schwester in Hannes Zimmer. Da packt sie einen Gegenstand und schlägt ohne recht zu wissen, was sie tut, zu.

Sehr eindrucksvoll, die Beichte einer Insaßin einer Nervenheilstanstalt. Damals sind ja viele intellektuelle junge Frauen dorthin gekommen, wenn sie aufsässig waren. Sehr eindrucksvoll erzählt, obwohl manches nicht mehr sehr realsitisch wirkt. Die vielen vergoldeten Zimmer etwa. Aber das waren wohl die Sehnsuchtsorte der jungen Frauen und das Drama zwischen den beiden Schwestern wird auch nur angedeutet. Heute wäre die Geschchite voll von Mißbrauchsbeschreibungen, wird nur angedeutet und die Enkeltochter schreibt auch über die Großmutter, daß sie eine Psychoanalseerfahrung hatte und sogar Freud dabei kennengelernt haben soll und nach der Geburt eines ihrer Kinder wegen einer postnatalen Depression in einer Nervenheilanstalt war, wo sie vielleicht einiges über die anderen Patienten beobachtet hat, was sie in ihrer Beichte beschrieb.

Flugschrift Präsentation

Die Flugschrift ist eine Literaturzeitschrift oder eigentlich ein Faltblatt, das von Dieter Sperl gemeinsam mit dem Graphiker Domik Hruza seit 2012 herausgegeben wird. Es gibt schon vierunddreißig Ausgaben und die letzten zwei , die von Alexandra Turek und Monika Rinck sowohl graphisch als auch sprachlich gestaltet wurden, heute im Literaturhaus vorgestellt und das Literaturhaus hat, wie Barbara Zwieifelhofer in ihrer Enleitung erwähnte, auch einige Connektions mit der Literaturzeitschrift, so hängen immer wieder Ausgabe im Liiteraturhausschausfenster, es gab zum Friedpreis– Sonderausgaben, Barbara Zwiefelhofer macht, glaube ich, auch das Lektorat und ich habe im Laufe einer Literaturhaus- Besuche auch einige dieser Zeitschriften mitgenommen und sie, wie auch, den Autor Dieter Sperl für eine sehr experimentelle Zeitschrift gehalten.

Der 1966 in Wolfsberg geborene Hauerausgeber erzählte, daß er sich für seine Zeitschriften immer einen Autor, eine Autorin aussucht, so hat Friederike Mayröcker mit Bodo Hell eine Zeitschrift gestaltete, Hannes Millesi, Ann Cotten, die Betautorin Ruth Weiss, Brigitta Falkner und noch viele andere.

Dieter Sperl erzählte im Gespräch auch, wie er zu der Zeitschrift gekommen ist. So hat er schon länger mit Dominik Hruza in der Wiener Zeitung, die Schaufensgerbeilage gestaltet, die dann aber eingestellt wurde und ist später auf die Idee gekommen, das Zeitschriftenprojekt, wo jede Zeitschrift eine eigene Faltung hat, weiter zu machen.

Domik Hruza hat auch eine Diashow mit den Zeitschriften gestaltet und dann stellte Dieter Sperl, wie offenbar auch auf seinen Veranstaltungsplan stand, die erste Autorin, die 1971 in Wien geboren Alexanda Turek vor, die die “Flugschrift Nr 32” gestaltet hat und ihre eigentlich gar nicht so experimentellen Gedichte vorgelesen hat.

Ja man erlebt im Literaturbetrieb immer wieder Überraschungen, aber Dieter Sperl erwähnte im Gespräch, daß er die Autoren nach ihrer sprachlichen Ausrichtung auswählt und die Connection passen muß. Die Autoren müßen auf ihn und sie auf ihn zukommen und die 1969 in Deutschland geborene Monika Rinck, die den “Ernst Jand-Preis” gewonnen hat, habe ich, glaube ich, schon im Literaturhaus, bei den “Fried-Tagen” gehört, ihr Text zum Thema “Planbarkeit” war experimenteller, handelte von einem Schafund der Sprache und bezog sich auch auf das Schreiben.

Am Schluß forderte Dieter Sperl die Zuhörer noch auf, die Zeitschrift zu abonnieren. Wenn man das tut, bekommt man, glaube ich, auch eine signierte Ausgabe hinzu und die anderen Zeitschriften kann man im Literaturhaus erwerben und ab Montag ist, glaube ich, auch die Bibliothek wieder offen, so daß man die Zeitschriften nach Anmeldung erwerben kann.