Deutsche Shortlist und die Schweizer Nominierten

Ich bin ja, wie ich schon geschrieben habe, durch das Auflesen von neun Neuerscheinungsbüchern, die nach meinem Schweiz-Urlaub auf mich gewartet haben, erst vor einer Woche zum Lesen der Longlistbücher gekommen, die aber alle schön aufgereiht, zum Teil im Badezimmer, zum Teil im E-Bookordner schon auf mich warten, bin derzeit beim Lesen von Buch fünf und Buch sechs, da Eva Schmidts “Die untalentierte Lügnerin” als PDF habe und mich mir gestern, als ich in die “Gesellschaft” gegangen bin, Raphaelas Edelbauers Printbuch mitgenommen habe.

Die “Winterbienen”, die mir nicht so gefallen haben, weil ein sehr übertriebener Hauptcharakter, habe ich schon im Juli gelesen, in der Vorwache waren “Cherubino” und “Nicht wie ihr” daran, am Wochenende, die Streeruwitz, die ja schon seit Juli in Harand überm Bett lag.

Die “Buchpreisblogger” oder Buchpreispaten” haben sich bei ihren Vorschauen etwas zurückgehalten. So habe ich nach den mir bekannten Namen geschätzt und vermutet Karen Köhler, Sasa Stanisic und Marlen Streeruwitz kommen auf die Shortlist und mir gestern gedacht, daß ich mir sowohl das Buch der Eva Schmidt, als das der Raphaela Edelbauer, die sehr gelobt wird, dorthin wünschen.

Nun es kommt, meine Leser wissen es wahrscheinlich, immer anders, als man denkt und man sitzt nachher da mit offenen Mund und denkt: “Das hätte ich mir nicht gedacht!”

Diesmal ist es auch so, aber nur ein bißchen:

1.Raphaela Edelbauer “Das flüßige Land”

2.Miku Sophie Kühmel “Kintsugi”

3.Tonio Schachinger “Nicht wie ihr”

4.Norbert Scheuer “Winterbienen”

5.Sasa Stanisic “Herkunft”

6.Jackie Thomae “Brüder”

Zwei der Bücher habe ich schon gelesen, beim dritten bin ich gerade, “Kintsugi” und “Brüder” wird bald folgen.

“Herkunft” steht ziemlich unten auf meiner Liste und wird noch etwas dauern.

Ich finde es schade, daß die Streeruwitz nicht darauf steht, aber vielleicht kommt sie auf die österreichische Liste, bei “Winterbienen” bin ich wahrscheinlich so erstaunt, wie vielleicht im Vorjahr bei “Archipel” und kann mir das Buch eigentlich nicht als “deutsches Buchpreisbuch” wünschen, aber vielleicht wird es der Stanisic, den ich ja erst lesen muß.

Beim Schachinger bin ich auch erstaunt, bei den  Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, sehr gespannt.

Und wieder interessant, daß die Hälfte der nominierten Bücher Debuts sind.

Außerdem wurden heute auch die fünf Nominierten für den “Schweizer Buchpreis”, der ja am am zehnten November in Basel vergeben wird, wo wir  auch teilnehmen wollen, bekanntgegeben.

Da stehen:

1.  Sibylle Berg “GRM. Brainfuck”

2.Simone Lappert “Der Sprung”

3.Tabea Steiner “Bald”

4.Alain Claude Sulzer “Unhaltbare Zustände” und

5. Ivna Zic “Die Nachkommen” auf der Liste.

Zwei der Bücher habe ich schon, wenn auch nicht gelesen, weil die 1986 in Zagreb geborene Ivna Zic interessanter Weise auch auf der österreichischen Longlist steht und mir “Diogenes” schon den “Sprung” geschickt hat.

Eine gute Liste denke ich, hätte mir aber eigentlich den neuen “Wolkenbruch”, den ich auch noch lesen will, dort erwartet, den Lukas Hartmann und auch den Charles Lewinsky.

Die drei restlichen Bücher, Alain Claude Sulzer habe ich ja in der Schweiz gelesen, werde ich anfragen und die Bücher  wahrscheinlich in vor oder nach der Schweiz lesen und bin wieder sehr gespannt.

Ein Michael Stavaric Portrait

Die Reihe “Werk-Gänge”, wo Brigitte Schwens-Harrant immer je durch ein Werk eines Autors, einer Autorin führt, gibt es, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erwähnte, seit 2015 nun schon das sechzehnte Mal.

Da war ich, glaube ich, nur bei einer, wo es um Michael Prinz ging und ansonsten war ich über die Werkpräsentation des 1972 in Brünn geborenen Übersetzers und Autors, der mit sieben Jahren nach Österreich kam und hier zuerst als Sekreät von Jirsi Grusa später als Autor und Übersätzer tätig war, sehr erstaunt. Denn ich habe gedacht ihn kenne ihn eigentlich recht gut.

Bei der Präsentation von “Stillborn”, 2006 erschienen war ich, glaube ich, im Literaturhaus und bei der von “Brenntage”, in der AS war ich, glaube ich, einmal bei den Textvorstellungen mit Angelika Reitzer und bei der Präsentation über die “Gute Literatur”, und bei der von Marlen Schachingers “Anthologie” in der Hauptbücherei.

Im “Standard” habe ich einmal einen Artikel, sowie einer seiner Übersetzungen gelesen. Das er Kinderbüchet schreibt, wußte ich auch, aber  in der letzten Zeit habe ich nicht so viel von ihm gehört und war daher erstaunt über die präsentierten Bücher, “Stillborn” und “Brenntage” habe ich schon erwähnt.

“Gotland” 2017 erschienen, ist offenbar an mir vorbei gegangen, obwohl ich mich ja sehr für Literatur interessiere und regelmäßig in die Veranstaltung der “AS”, des Literaturhauses und der “Gesellschaft” gehe. Auf den Buchpreislisten sind die Bücher  nicht gestanden und bei “Stillborn” das als Erstes vorgestellt wurde, bin ich daraufgekommen, daß ich vom Inhalt nicht viel mußte. Es geht aber um eine Elisa Frankenstein, eine Maklerin, die Feuer legt, um sich zu spüren.

Brigitte Schwens-Harrant, die Literaturkritikerin und Feuilletonchefin, der “Furche”, erwähnte Michael Stavaric als Vielschreiber und erkundigte sich wer “Stillborn” auf Tschechisch übersetzt hat.

Radka Denemarkova, die ich ja auch schon mal in der “AS” hörte, ist das gewesen, denn Michael Stavaric übersetzt nicht mehr und sie hat das sehr freizügig getan und so zum Beispiel, die Handlung von Wien nach Prag verlegt.

Etwas, was ich, die ich ja viel von Werktreue halte, nicht verstehe und auch nicht mag und das zweite Buch “Brenntage” handelt auch vom Feuerlegen und von einem Protagonisten, der eigentlich der Enge des Tales entkommen will, das aber nicht schafft.

Hier hätte das Buch eigentlich “Niemandsland” heißen sollen, aber die Verlage suchen ja meistens die Titel aus und das dritte Beispiel stammt von 2017, wo ich  schon lange intensiv bloggte heißt “Gotland” und handelt von einem, der in Gotland seitlang einen großen Roman schreiben will und schließlich in der Psychiatrie landet. Hier hat sich Michael Stavaric in dritten Teil des Buches “Das Gutachten”, sehr viel Mühe gegeben, ein solches zu verfassen und ein demächst erscheinendes Kinderbuch “Menschenscheuche”, wo es um einen Raben geht, der eine solche bastelt, wurde auch noch vorgestellt.

Jetzt schreibt Michael Stavaric wieder ein Buch für Erwachsene, das im Frühling erscheinen soll und ich bin gespannt, ob ich etwas davon hören werde und, ob es auf eine der Buchpreislisten schaffen wird?

Nicht wie ihr

Wir kommen schon zu Buch drei der deutschen Buchpreisliste, kleiner Scherz am Rande, obwohl es stimmt, daß ich diesmal mit dem Buchpreisbloggen, das ich ja schon zum fünften Mal sozusagen “unautorisiert” auf mich nehme, spät daran bin, weil  ich bevor ich mit dem ersten, beziehungsweise zweiten Buch beginnen konnte, noch frisch von der Schweiz zurückgekommen, neun  andere Neuerscheinungen gelesen habe, die nicht auf der Liste standen.

Jetzt also Buch drei des dBp, das erste Printbuch, denn sowohl “Winterbienen”, als auch “Cherubino” habe ich digital gelesen und Tonio Schachingers “Nicht wie ihr” ist eine Überraschung, da eines der sechs Debuts, ein “Kremayr&Scheriau-Buch” der mit seiner Literaturschiene, glaube ich, zum ersten Mal auf der Liste steht und, als ich mir das Buch vor einem halben Jahr oder so bestellt habe, habe ich beim Namen Schachinger wohl zuerst an die Marlen gedacht und dann wahrscheinlich erst beim zweiten Blick gesehen, das ist  ein anderer.

Ein Tonio Schachinger, 1992 in New Dehli geboren, in Nicuargua und Wien aufgewachsen, Student der Sprachkunst, von da hätte ich ihn eigentlich kennen sollen, habe ich ihn doch schon bei einer dieser Sprachkunstlesungen im Literaturhaus gehört, da nannte er sich allerdings Antonio und das Thema “Fußball”, ein Ball ziert, so auch das Cover, ist ja eines, wie ich immer schreibe, das mich absolut nicht interessiert.

Aber wieder Überraschung! Um das Fußballspielen geht es eigentlich nicht, sondern um einen Fußballspieler, einen Siebenundzwanzigjährigen mit Migrationshintergrund, weil aus einer bosnischen Familie stammend, der es  geschafft hat, in den ersten Kadern zu spielen, daher hunderttausend Euro pro Woche verdient und mit einem Bugatti durch die Gegend düst.

Klingt, wie ein Märchen oder ein Kitschroman, ist aber Sozialbeschreibung pur und von daher für mich sehr interessant und, wie es der Zufall will, ist es das totale Kontrastprogramm zu Andrea Grills “Cherubino”, wo es auch, um eine Karriere, die einer Sängerin Ende dreißig, die gerade schwanger wird, als sie sowohl an der Met, als auch in Salzburg singen soll.

Das sind wohl die neuen Themen der Literatur und bevor ich zum Inhalt komme, spoilere ich gleich munter weiter, das Malte Bremer vom Literaturcafe, der ja immer einen Buchpreischeck macht, geschrieben hat, daß er nicht weiß, wer dieses Buch auf die Buchpreisliste gesetzt hat?

Das weiß ich natürlich auch nicht, Daniela Strigl oder Petra Hartlieb vielleicht mit den anderen fünf Juroren. Aber, ich denke, es gehört hin, denn so genau wie Antonio Schachinger, der offenbar ein Diplotmatenkind ist, hat, glaube ich, noch keiner, das Schicksal der Fußballer mit Migrationshintergrund beschrieben und ich habe, glaube ich, somit wieder ein bißchen  Einblick in das soziale Leben von heute bekommen, obwohl man das mit den Bugatti und den hunderttausend Euro , die ich eigentlich  bezweifle, vergessen kann und ein solcher, wie der Ivo nur die Spitze des Eisberges ist, während hunderttausend andere mit bosnischen Migrationshintergrund, die von der Fußballkarriere und dem Bugatti träumen, den und das nie erreichen.

Ivo Trifunovic, siebenundzwanzig hat es aber und solche Stars gibt es auch und wir begleiten ihn nun ein Jahr lang durch das Fußballlereben.

Wie schon beschrieben, es beginnt mit dem Bugatti und in diesem trifft er Mirna seine Jugendfreundin wieder, verliebt sich in sie, aber er ist verheiratet, hat schon zwei Kinder und seine Frau Jessy ist die perfekte Fußballerfrau, die alle Geschenke perfekt aussucht und das  Leben, um Ivo auch perfekt cool lächelnd inszeniert.

Das Paar schläft getrennt, weil die Mutter mit dem kleinen Sohn schläft, um den Vater nicht zu stören. Ivo bringt die fünfjährige Lena aber brav in den Kindergarten. Eine Zeit in diesem Jahr lebt die Familie in London und da ärgert sich der Star, weil der Sicherheitskindergärtner vor dem Eingang “Excuse me, Sir, sie stehen nicht auf meiner Liste!”, sagt und ihm das Abholen seiner Tochter verweigert.

Da ruft er wutentbrannt Jessy an und brüllt in das Phone “Der Hurensohn von einem Kindergärtner hat…”

Jessy ist nun wütend auf ihn, weil er sich in Beisein seiner Tochter so gehen läßt und die fragt nun natürlich begierig “Tata, was ist ein Hurensohn und warum darf man das nicht sagen?”

An diesen Passagen sieht man, glaube ich, schon, wie das Buch und sein Autor tickt und diese Szenen finde ich sehr spannend, weil sie mir Einblick in ein Milieu geben, das mir bisher unbekannt gewesen ist.

Ivo wird für drei Wochen gesperrt, bekommt einen Hexenschuß, kann sich nicht bewegen und Jessy auch nicht zu einer Ballettaufführung begleiten. So geht sie mit ihrer Freundin Kata, auf die er eifersüchtig ist und wir erleben ihn mit seinen Schmerzen und sein Warten bis endlich der Not- oder Vereinsarzt zu ihm kommt.

Ivo macht sich auch über sein Leben oder dieses allgemein Gedanken und fragt, nachdem seine Tochter  von ihm wissen will, wieso sie Lena heißt, auch seine Eltern nach seinen Namen und dem seines Bruders, der heißt seltsamer weise Kurt, weil 1986 geboren und diese kleine Szene sagt auch sehr viel aus über Buch und Autor, das eigentlich keinen Plot und keine Handlung hat, sondern aus der Aneinanderreihung solcher Szenen besteht.

“Ein Jahr im Leben des Fußballstars Ivo Trifunovic, ein Roman für Fußballfans und Fußballverweigerer gleichermaßen; rotzig, deep & fresh”, steht am Buchrücken und ich spoilere gleich dazu, daß mir das Buch gefallen hat, Fußballfan aber keiner aus mir geworden ist und ich vermute, daß es wahrscheinlich nicht auf die Shortlist kommen wird, empfehle aber jedermann und jederfrau sehr das Lesen.

Und nun geht es gleich an Buch vier und Marlene Streeruwitzs “Flammenwand” um bei der österreichischen Literatur der neuen deutschen Longlist zu verbleiben.

Cherubino

Jetzt kommt, sehr spät, ich weiß, das zweite Buch von der deutschen Longlist, das erste hatte ich schon im Juli gelesen, aber der Schweizurlaub hinderte mich wohl daran, denn als ich diesmal vor Verkündigung der Longlist zurückgekommen bin, warteten einige andere Neuerscheinungen auf mich, die ich inzwischen brav eines nach dem anderen hintergelesen habe.

Also ein sehr später Beginn des Buchpreislesens, die deutsche Shortlist wird ja schon nächste Woche verkündet und da hatte ich in Bestzeiten schon die Hälfte der Bücher gelesen, dafür wird es jetzt wahrscheinlich zügiger vorangegehen, denn ich habe alle Bücher, zur Hälfte digital, denn das schicken die Verlage jetzt gern und den Rest kann man auf der “Netgalley” anfragen und zuerst wird es beim Longlistlesen österreichlastig zugehen, denn alle sechs österreichischen Bücher stehen weit vorn auf meiner Leseliste und wem es interessiert, mit dem Printbuch von Tonio Schachinger habe ich  schon angefangen.

Aber zuerst als zweites deutsches Longlistbuch kommt Andre Grills “Cherubino”, für mich eine Überraschung, als ich im August in die Liste einsah, obwohl ich Ende Juni als in Klagenfurt das “Bachmann-Lesen” angefangen hat, eigentlich in die “Gesellschaft” zu einer Andrea Grill- Lesung gehen wollte, das dann aber nicht geschafft habe, aber die hat, wenn ich mich nicht irre, wahrscheinlich ohnehin etwas anderes, nämlich eine Übersetzung gelesen.

Also “Cherubino” von Andrea Grill, die 1975 in Bad Ischl geborenen wurde, vom Beruf Biologin ist und die ich schon vor ihrem Auftritt beim “Bachmann-Preis, 2007”, glaube ich, literarisch verfolge.

Im Blog habe ich sie  zu Beginn in  meinen Namensartikel erwähnt, “Zweischritt” habe ich gelesen und das Buch das sie in New York geschrieben hat, bei einigen ihrer Lesungen, beispielsweise bei der, wo sie den “Stoeßl-Preis” bekommen hat, war ich  und sehe sie auch sonst manchmal im Publikum des Literaturhause und “Cherubino” war, ich schreibe es gleich, für mich eine Überraschung, denn es geht für eine, die vor drei Monaten Großmutter wurde und eine fünfunddreißigjährige Tochter hat, sowie in Locarno den Schweizer Film “Die fruchtbaren Jahre sind vorbei” gesehen hat, wo eine Architektin verzweifelt am Boden herumrobbt, weil ihr schon über der Zeit liegendes <kind nicht kommen will, sie aber auf die Baustelle muß, um ihren Auftrag nicht zu verlieren und ihre Karriere nicht zu gefährden.

Und genau davon handelt der Roman, er ist aber, eine Überraschung, im Sänger- und nicht im Biologenmilieu angesiedelt.

Iris ist neununddreißig, als sie im Klo einer Konditrei steht und einen Schwangerschaftstest in der Hand hält. Sie steht gerade am Beginn ihres Durchbruchs. An der Met singt sie den titelgebenden Pagen und im Sommer soll sie in Salzburg in “Sophie Choices” brillieren, das ist die Oper, wo sich eine Frau in Auschwitz für eines ihrer zwei Kinder entscheiden soll.

Iris muß sich dagegeben entscheiden oder herausfinden, welcher ihrer zwei Männer der Vater ist?

Man sieht, Andrea Grill ist sehr modern und baut in ihrem Roman alle Realitäten des modernen Lebens ein.

Da gibt es Ludwig, den Politiker, den sie liebt, aber der ist verheiratet und will von seiner Familie nicht weg und Sergio, den Sänger, mit dem sie schon seit einigen Jahren zusammen ist.

Sie erzählt beiden Männern von der Schwangerschaft und, daß sie die Väter wären und sonst zuerst nur ihren Eltern und fremden Leuten, wie dem Taxilenker oder der Friseurin davon. Nicht aber in der Met und in Salzburg, denn sie ist freiberufliche Unternehmerin,  hat daher keinen Mutterschutz und würde damit womöglich ihre Rolle bzw. ihre Karriere gefährden.

Man sieht, das Leben in den neoliberalen und prekären Zeiten ist sehr hart, ansonst freut sich Iris auf das Kind, besucht gleich zwei Ärzte, ihre Gynäkologin in Wien und einen in New York, wo sie ja immer wieder hinfliegen muß, weil sie Schmierblutungen hat.

“Das ist der Streß!”, beruhigen die Ärzte und raten sich zu schonen. Das kann man aber wohl schwer, wenn man außerdem noch den “Hänsel” an der Wiener Staatsoper singt und niemand von der Schwangerschaft wissen soll. Das klappt aber ohnehin nicht so ganz, denn die Kostüme werden enger und müßen geweitet werden und auf dem Bauch über die Bühne robben, kann sie auch nicht.

So redet sie Regisseurin ein, daß ein Priester, der das Militär verweigern will, denn das Ganze ist auch noch eine Paradie auf das moderne Regietheater, das den “Figaro” nicht in einem andalusischen Schloß, sondern in einem Gerichtsaal spielen lassen will, das nicht tun würde.

So darf sie ihre Arie im Sitzen singen und weil der Bauch immer größer wird, kommt das mit der Schwangerschaft doch einmal heraus und sie verliert zuerst ihre Rolle in Salzburg. Später bekommt sie sie zurück, denn jemand hat sie in der Met fogografiert und das Foto ins Internet gestellt.

Das wird jetzt so berühmt, wie Iris während ihrer gesamten bisherigen Karriere nicht wurde, wieder ein Seitenhieb der Autorin. So darf sie doch, als “Sophie” auftreten und soll in Salzburg ihren Bauch zeigen.

Das Kind, der kleine Linus oder Marius Orion, glaube ich, vereitelt das Ganze, denn er kommt etwas früher oder kündigt sich doch an, so daß Iris im Kreißsaal, die Premiere mit ihrer Vertreterin sehen darf und wer der Vater ist, weiß sie immer noch sehr genau, obwohl sich der am Schluß nicht mehr meldet.

Ein tolles Buch mit einem überraschenden Thema, würde ich meinen, denn leider ist es das immer noch, wenn jemand eine Schwangerschaft in die Literatur hineinholen will. Zumindest höre ich die Blogger, die die Longlist bewerten, das so sagen.

Da legen junge Frauen das Buch weg und sagen ,”Interessiert mich nicht!”, was ich etwas seltsam finde, weil die ja vielleicht auch einmal schwanger werden und ein anderer, dem das Buch gefallen hat, vermutet, daß es nicht auf die Shortlist kommen würde.

Ich würde es mir und Andrea Grill wünschen und  würde von den Büchern, die ich noch nicht gelesen habe, schätzen, daß es die Streeruwitz, Sasa Stanisic und Karen Köhler schaffen könnten, über die anderen kann ich noch nichts aussagen, nur daß das Buch ganz gut zu den anderen Frauenbüchern, wie, das der Marlene  Streeruwitz, der Gertraud Klemm und der Mareike Fallwickl passt, die ja auch, wenn auch auf andere Art und Weise, das Thema “Frau in der Gesellschaft” bearbeiten.

Und ehe ichs vergesse, Kinderlieder, listig abgeandel “Ri ra ru, wir sitzen auf einer Kuh, wir sitzen auf einer Milchpartie, billiger war das Reisen nie” und Szenen übers Kochen und Essen, beispielsweise das von Linsen mit Knödel,  kommen in dem Buch auch immer wieder vor.

Etwas rätselhaft waren für mich die Kapitelüberschriten, die von “* 0 (75 cm) bis *36 (105cm) lauten. Ob das die Schwangerschaftswoche und der Bauchumfang gemeint ist? Denn ein Neugeborenes hat ja ungefähres fünfzig Zentimeter.

Ein Personenverzeichnis am Anfang und ein Werkverzeichnis am Ende gibt es übrigens auch.

Es wird Zeit

Bevor es doch an das Buchpreislesen geht, da sind schon alle Bücher da, aber bisher erst ein Einziges gelesen, jetzt noch ein Frauenroman von Ildiko von Kürthy.

Ich habe, die ich ja manchmal auch Chicklits und Krimis lesen von der 1968 Geborenen schon einige Bücher gelesen und sie haben mir, glaube ich, nicht so besonders gefallen. Hier ist es anders, aber auch ein bißchen ambivalent.

Geht es doch, um die Bewältigung einer Midlifekrise einer Frau, um die Fünfzig mit drei Söhnen, einen Zahnarzt, als Gatten mit einer Ehe, wo nicht mehr viel läuft, in einem Vorort von Hamburg, wo sie all das macht, was die Mittelschichtfrauen halt so machen, die Kinder zur Schule bringen, dort im Elternverein oder sonstwo helfen, halbtagstätig ist, kocht, putzt, bügelt, mit der Putzfrau verhandeltund mit ständig schlechten Gewissen wegen des Übergewichts doch noch ein bißchen Nutella aus dem Glas nascht.

Das ist Judith Rogge und deren Mutter ist gestorben und nun muß sie zur Beerdigung der Urne und zum Verkauf des elterlichen Hauses in das Dorf, wo sie aufgewachsen ist und das ist keine gute Idee, hat sie dort doch ein großes Geheimnis, das sie die letzten zwanzig Jahre sehr belastet hat.

Das wird nun nach und nach und manchmal durchaus sehr langatmig und so geschrieben, als käme es aus einem Ratgeberbuch aufgeklärt, manche Szenen sind wieder sehr lustig und am Schluß ist alles gut und die Mittelschichtfrau geht glücklich in ihr neues Leben hinein?

Doch nicht so ganz, denn vor zwanzig Jahren, hatte Judith eine beste Freundin und die hatte einen Freund mit dem sie in die Anwaltskanzlei ihres Vater einsteigen wollte, aber der macht zuerst noch eine Reise, kommt von dort nicht mehr zurück und Judith plagt das schlechte Gewissen, hat sie sich doch in Michael verliebt und ist nun schwanger.

Kopflos verläßt sie die Freundin und das elterliche Haus, zieht nach Hamburg, heiratet Joachim, bekommt drei Söhne und nun steht sie am Friedhof des elterlichen Dorfes, um das künftige Grab ihrer Mutter zu besichtigen und fällt dort fast hinein, als Anne sie entdeckt.

So was hatten wir schon ein oder zweimal in der Literatur und es geht auch gleich weiter, denn der der dasHaus kaufen will, ist eine andere Jugendliebe, ich glaube, der, der sie mit Vierzehn oder Fünzehn entjungfert hat und auch ihr Meerschweinchen ermordete, also ein Arsch.

Das ist er noch immer, verheiratet und das Haus will er auch zu Spekulationszwecken, aber Judith verliebt sich in ihm und hält nun während es zu verunglückten Treffen kommt und die Urne doch nicht so schnell, wie gedacht beerdigt werden kann, schier endlose Mologe über das glücklose Leben einer Mittelschichtfrau und dem fluch des Älterwerdens.

Dabei ist das Leben der anderen noch viel schlimmer. Anne hat nämlich Krebs im letzen Stadium. Die Freudinnen versöhnen sich wieder, Judith begleitet sie zu den Behandlungen, beschließt das Haus doch nicht zu verkaufen, sondern mit ihren Freunden in einer Art Altershippiekommune glücklich zusammen zu leben.

Sie erfährt, daß Michael nicht gestorben, sondern nur ausgestiegen und das Kind auch nicht von ihm ist, trennt sich glücklich von ihrem Joachim, der sich mit einer Seljacht statt mit einer Frau fortan vergnügen will und alles wird gut, bis, daß Anne doch stirbt und das den anderen irgendwann auch nicht erspart bleiben wird.

Ein vergnüglicher Roman über die Midlifekrise könnte man so sagen und ich denke, daß er wahrscheinlich hauptsächlich von Frauem, um die fünfzig oder noch älter, wie ich beispielsweise, gelesen werden wird und frage mich, wie das Buch auf sie wirkt?

Ich habe mich ja schon in meiner Jugend mit der Mildlifekrise beschäftigt und als ich noch nicht viel davon verstanden habe, eine Dissertation darüber geschrieben und als ich am vorigen Donnerstag das Buch gerade angefangen hatte, und zum Salten-Symposium ins Rathaus ging, meine Straßergassenfreundin auf der Straße getroffen, die mir von ihrem Krebs und der sechsten Chemotherapie erzählte, die sie erwartete.

So wird es wahrscheinlich auch den anderen Frauen gehen, das Übergewicht ist da, die Ehe im Heimer und das Buch gibt manchmal sehr lustig, beispielsweise die Stelle, wo der achtzehnjährige Sohn mehrmals anruft, weil er nicht weiß, wie man eine Waschmaschine betätigen muß, sich die Mutter gerade in einem Schweigekloster befindet, manchmal sehr langatmig gute Ratschläge, wie man das Leben bewältigen kann, die wahrscheinlich auch mehr oder weniger gut wirken werden.

So bin ich gespannt, wie das Buch von den Lesern aufgenommen wird  und kann auch noch spoilern, daß sich Ildiko von Kürthy derzeit auf Lesereise befindet, war doch dem Buch ein Flyer beigelegt, auf dem man die genauen Termine von September 2019 bis Juni 2020 finden kann.

Caroline Pichler und Margit Schreiner

Die “Autorinnen feiern Autorinnen-Veranstaltung” gibt es seit 2014, seit Julia Danielczyk das Literaturreferat der Stadt Wien übrnommen hat, da hat Marlene Streeruwitz den Festvortrag über Berta von Suttner gehalten.

Dann waren Betty Paoli, Marie von Ebner Eschenbach, Mela Hartwig und im Vorjahr Jeannie Ebner an der Reihe und heuer wurde Caroline Pichler fast pünktlich zu ihrem zweihundertfünzigsten Geburtstag gefeiert und neu war diesmal, daß es schon am Nachmittag ein Begleitprogramm in den Musiksammlungen in der Bartensteingasse gegeben hat.

Da haben Elisabeth Grabenweger, Johann Sonnleitner und Wynfried Kriegleder Vorträge aber das Leben der  1769 geboroenen Schriftstellerin, deren Mutter Vorleserin bei Maria Theresia war, gehalten.

Sie hat sechzig Romane geschrieben, Johann Sonnleitner hat über ihre Briefromane, dieses ausgestorbene Genre, referiert und Wynfried Kriegleder über die historischen Dramen und Romae etwas erzählt.

Dann gab es nicht nur Kaffee un kleine Kuchenstücke in der Pause, sondern zwischen sechs und sieben ein so großes Buffet, daß die Reste in das Rathaus in den Staatssenatsitzungsaal, wo der Festvortrag stattfand, hinübergetragen wurde.

Die angekündigte Stadträtin fehlte, weil gleichzeitig der ehemalige Bürgermeister Michael Häupl seinen siebzigsten Geburtstag feierte. So hat Julia Danielczyk eröffnet.

Es gab wieder eine Sonderausgabe der “Furche” in der ein Teil der Festrede “Was können wir vom Leben und der Literatur mehr verlangen, als zu verstehen”, unter der Überschrift “Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau”, abgedruckt war.

Die ganze Festrede, vom “Mandelbaum-Verlag” herausgegeben, gab es diesmal auch zum Mitnehmen und der Vortrag der 1953 in OÖ geborenen Margit Schreiner die mit ihrem “HausFrauenSex” berühmt wurde und deren letztes Buch “Kein Platz mehr” mit dem sie im Vorjahr auf der ÖstList stand, ich gelesen habe, war sehr spannend, auch sehr zeitnah und interessant, erwähnte sie doch, daß die Biedermeierdichterin, die erste Frau war, die von ihrer Kunst leben konnte und erzählte, daß sie trotz ihrem traditionellen Weltbildes so progressiv war, daß sie jährlich mit ihrem Freundinnen sich für einige Wochen auf Schreiburlaub nach Ungarn zurückgezogen hat.

Interessant etwas von der Autorin von der ich bisher nur den Namen kannte und die sich, wie Margit Schreiner ebenfalls erwähnte, 1843 umgebracht hat.

In “Wikipedia” steht, daß sie an Altersschwäche gestorben ist. Sie war eine bekannte Saloniere und wurde in ihrem Werk und wahrscheinlich auch in ihrem Leben sehr von den Napoleonischen Kriegen und Feldzügen beeinflußt. Ihre Werkte sind, wie Julia Danielczyk am Schluß erwähnte vergriffen, man kann sich aber in die Festrede einlesen.

Nachher gibt es, wie, glaube ich seit drei Jahren Wein und den Rest des Buffets und ich bin zum Ballhausplatz hinüber gegangen, wo es das erste Mal seit dem Sommer wieder eine Widerstandsdemo gegeben hat, wo ich den Alfred getroffen habe, der mir die “Volksstimmeantologie” von 2017 “Von der Ordnung und der Unordnung der Welt”, die mir eigentlich Christoph Kepplinger aus Kostengründen vors Rathaus bringen wollte, übergeben hat, in der die “Fabi-Szene” aus der “Unsichtbaren Frau” enthalten ist, die eigentlich ganz gut zu der Widerstandsdemo passt.

Noch einmal Republikanischer Club

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Josef Steinbach, Peter Huemer, Alfred Noll

Den Saisonbeginn, bis die “Alte Schmiede” und das Literaturhaus aufsperren, habe ich jetzt dreimal im Republikanischen Club verbracht, wo es ja eher politische als literarische Programme gibt, obwohl ich schon zweimal dort gelesen habe, einmal im Rahmen der GAV in einer von Irene Wondratsch organisierten Veranstaltung zum Thema Männer und Frauen  und im Mai habe ich aus der “Unsichtbaren Frau” gelesen, ein sehr politisches Buch, das den Wahlkampf 2017 beschreibt, ohne zu wissen, daß es ein paar Tage später diese Regierung nicht mehr geben wird und sich seither politisch viel verändert hat.

Es gibt eine Übergangsregierung, eine Wahl am 29. September. Bücher wurden geschrieben, Journalisten sind zu Parteien und Nationalratsabgeordnete von dort wieder weggegangen.

ich bin seither auf einigen Widerstandsdemos gewesen und zu zwei Wahlveranstaltungen der SPÖ.

Am Samstag zum Wahlkampfauftakt der Grünen und am Freitag davor stellte im Republikanischen Club der vormalige” Kurier-Herausgeber” und jetziger Neos-Kanditat Helmut Brandtstätter sein Buch “Kurz und Kickl – Ihr Spiel mit der Macht und der Angst” vor.

Da war es im RC natürlich viel voller als  bei meiner  Mai – Lesung, wo ich gerade fünf Zuhörer hatte und gestern war es dann literarisch mit Günter Kaindlsdorfers Debut. Ein bißchen weniger Leute aber schöne Gespräche und heute wollte  der Alfred in den Club , ist er doch ein Fan von Alfred Noll, dem Rechtsanwalt und gerade noch Abgeordneten, den wir im Jänner im Schauspielhaus hörten, der zu Josef Steinbach bei “Sisyphus” erschienen Politthriller, der vom ehemaligen Journalisten Peter Huemer moderiert wurde, diskutieren sollte.

Josef Steinbach ist ein 1941 geborener, ehemaliger Universitätsprofessor, der in seiner Pension zu schreiben angefangen hat und in “Narren führen Blinde” offenbar die österreichischen Ereignisse vorweggenommen hat.

Hat er doch das Buch, das im Frühjahr erschienen ist, in dem es, wie im Klappentext steht, um “Trägheit, Freunderlwirtschaft und populistische  Parolen geht”.

Ein Salzburger Unternehmer wird von seinen Freunden in die Politik gedrängt und findet sich offenbar auch in einer Art Übergangsregierung, als Bundeskanzler wieder, was offenbar der Grund war, daß das Buch so prominent im RC vorgestellt wurde.

Josef Steinbach hat ein Kapitel aus der Mitte des Buches gelesen, wo es nur so von Ministern, Erpressungen und schönen Frauen wimmelte, nachher drehte sich die Diskussion natürlich um das österreichische Politikgeschehen.

Alfred Noll wurde zu der gegenwärtigen Parlamentssituation befragt. Peter Huemer erwähnte  die Gründlichkeit des Autors, der in einem Detail erwähnte, daß man den Niedergang eines Landes daran erkennen würde, daß sich die Frauen mehr Lippenstifte kaufen würden, weil sie sich alles andere nicht mehr leisten können.

Das ist mir zwar bisher nicht aufgefallen, wäre aber interessant nachzuprüfen.

Anschließend gab es wieder Wein und Knabberein. Man konnte sich das Buch signieren lassen, das jetzt  auf meinen Lesestapel kommt.

Da ich aber im Rahmen meines Buchpreislesens schon über dreißig Bücher warten, werde ich es wohl erst sehr lange nach der Wahl lesen können, wo wahrscheinlich schon wieder alles anders sein wird, ob es aber besser wird, würde ich bezweifeln.

Widerstandskampf im RC

Der 1963  in Bad Iaschl geborene Günter Kaindlstorfer bekannt als Literaturjournalist von Ö1 und Programmdirektor der “Buch Wien”, hat 2010 unter dem Namen Günter Wels, weil er in Wels aufgewachsen ist, sein literarisches Debut herausgegeben.

Das war, glaube ich, ein Erzählband, im Vorjahr ist sein Romandebut “Edelweiß” erschienen, ich habe auf der letzten “Buch Wien”, ein Stück daraus gehört und war eigentlich erstaunt, daß das Buch heute unter der Moderation von Doron Rabinovici im “Republikanischen Club” vorgestellt wurde. Denn für so politisch hätte ich es, sowie seinen Autor nicht gehalten.

“Welch ein Irrtum!”, würde wieder Ernst Jandl reimen, denn Günter Kaindlsdorfer und Doron Rabinovici haben sich, als Studentien öfter im Cafe Engländer getroffen und haben einander ihre Dichtungen vorgelesen und zu Beginn des RCs also in der Waldheim-Aira ist Günter Kaindlsdorfer auch öfter im RC aufgetreten.

Die Frage des Psedonyms ist eine, die ich nicht verstehe. Gut um seine Identität als Literaturkritier zu schützen, hilft aber nicht viel, wenn der Name Kaindlsdorfer dann in der Biografie genannt ist.

“Gut es ist ein Spiel!”, hat es Günter Kaindlsdorfer genannt und das Debutbuch ist politisch, geht es da doch um den Widerstand im World war II und um die Überläufer, die noch im Jahr1945, in Salzburg, glaube ich mit dem Fallschirm abgesprungen sind, aber verraten wurden.

Günther Kaindlsdorfer hat nach einem authentischen Fall recheriert. Dann literarisch und fiktiv abgewandelt, weil er ja keinHistoriker ist und so ist ein Friedrich Mahr daraus entstanden, der 2010 oder so im Sterben liegt, 1945 aber zu den Amerikanern übergelaufen ist und eine Schiene mit dem Enkelsohn, der sich der IB oder einer Form davon zuwendet, gibt es, glaube ich auch.

Günter Kaindlsdorfer hat den historischen Teil aus seinem Buch gelesen und viel dazu erzählt. In der Diskussion wurde er auch angegriffen, daß man angeblich so ein Buch nicht schreiben können, aber warum nicht?

Es wurde auch sehr viel über den Widerstand gesprochen, die Namen Franz Kain und Erich Hackl erwähnt. Dann gab es wieder Wein und Knabbereien oder eigentlich schon vorher und einer der mich vom Volksstimefest beziehungsweise von der Abschiedsveranstaltung von Franz Hütter kennt, hat mich angesprochen und ich habe eine Weile mit ihm diskutiert.

Wilde Septemberworte

Harald Jöllinger

Harald Jöllinger

Harald Jöllinger

Harald Jöllinger

Nach der Sommerpause geht es weiter mit den “Wilden Worten” die pünktlich jeden zweiten Montag des Monats stattfinden, diesmal mit Harald Jöllinger.

“Kenne ich nicht!”, habe ich zum Alfred gesagt und dann ein “Kremayr & Scheriau-Buch” auf dem Tisch liegen sehen, eines der wenigen, die ich noch nicht hatte, denn eigentlich lese ich mich ja seit 2015, seit es die literarische Schiene des Verlags gibt, durch das Programm.

Aber man erlebt eben immer seine Überraschungen, Harald Jöllinger wurde 1973 in Mödling geboren, lebt in Maria Enzersdorf, sieht optisch ein  bißchen, wie Helmut Qualtinger aus, zumindest wurde er mit ihm verglichen und hat in “Marillen und Sauerkraut” sein erstes Buch geschrieben.

“Gschupfte und grantige Geschichten voll schwarzen Humor”, steht in der Verlagsbeschreibung,  die “Leondinger Akademie” hat er auch absolviert und beim “FM 4-Wortlaut” einige Male gewonnen.

Drei solcher Geschichten hat er gelesen, von einem, der sich wegen der Strahlenbelastung mit Marillenschnaps vollfüllt und dann, die Schnecken Häuser tauschen sieht. Dann von einem. der sich von einer Vera einladen läßt, während sein Gummibaum unendliche Dimensionen annimmt, so daß er fast sein Schlafzimmer nicht mehr erreicht und dann von einer Fremdenführung durch die Stadt Horn und der Autor saß anschließend pheglmatisch da und beantwortete auf diese Art und Weise auch, die Fragen, ließ die Vergleiche mit dem Qualtinger an sich abprallen und sich von der Christa Nebenführ, die neuesten “Instagram-Eintragungen” erklären.

Nachher gab es die Wunschgedichte, nur sieben wurden im Juni gewünscht. Vielleicht sind es diesmal mehr und das nächste Mal im Oktober wird Stefan Slupetzky mit seiner “Mischkulanz”, auftreten.

Entführung

Wieder ein Krimi und eigentlich ein Nachtrag meines Schweizer Lesens, denn Petra Ivanov von der ich im Vorjahr schon “Alte Feinde” gelesen habe, wurde 1967 in Zürich geboren, lebte aber in Amerika und ihr neues Buch, Ende August erschienen, gefiel mir besser als das letzte, obwohl ich mir auch hier mit dem Ermittlerteam schwertat.

Denn Petra Ivanov schreibt Serien und setzt da vieles voraus, was in den vorigen Büchern geschah.

Es geht hier, um einen Anwalt mit kosovarischen Wurzeln, einem Moslem namens Pal Palushi, der wurde zum Pflichtverteidgers eines Entführers, einem zum Islam konvertierten eher unsicheren Burschen, der jetzt Mustafa, vormals Daniel, heißt, der hat eine Studentin entführt, wurde aber geschnappt, weil er sich so ungeschickt anstellte.

Jetzt weiß man nicht,wo die Entführte ist, der Entführer schweigt und Palushi gerät in das Fahrwasser der Presse, wird beschimpft, weil er sich des Täters animmt und er gerät auch in große Schwierigkeiten, was seine Schweige- beziehungsweise Berufsverletzungspflicht betrifft, unternimmt er doch Ermittlungen, um an den Fall, beziehungsweise an die Entführte heranzukommen, was er ja eigentlich nicht darf.

Aber tut er nichts, kommt das Opfer vielleicht um.Interessante Fragen, die hier aufgeworfen werden und ich spoilere gleich, daß es am Ende zu einem Berufsverbot kommt, was ich eigentlich nicht ganz verstanden habe, daß Petra Ivanov das Buch so enden läßt, denn eigentlich hat sich Pal Palushi nichts zu schulden kommen lassen und der Fall wurde auch glücklich aufgeklärt.

Es geht aber weiter, begiehungsweise ist vorher noch so einiges geschehen. So hat Pal Palushi eine Lebensgefährtin, die ExpolizistinJasmin Meyer, die offenbar in einem vorigen Fall entführt wurde. Ihr Entführer sitzt im Gefängnis, Jasmin zu Beginn des Buches in Thailand. Sie kommt aber zurück nach Zürich, wo der Fall offenbar spielt, um Pal zu helfen und der hat auch noch einen Neffen namens Rinor, der sich plötzlich verändert, von seiner Mutter verlangt, daß sie ein Kopftuch trägt und offenbar in die Fänge eines radikalen Imans oder Gebetgruppe geriet und den Onkel aushorchen soll und dann gibt es immer wieder Kapitel, die von einer Ich-Erzählerin handeln, die ein Fotoalbum durchblättert, in dem Fotos ihrer Tochter Delia zu sehen sind. Die wurde, bekommt man nach und nach heraus, Opfer eines islamischen Terroranschlags und nun versucht der Vater sich zu rächeln, der heißt eigentlich Richter, was auf Arabisch Faisal bedeutet. Der will auf einer islamischen Friedenskonferenz eine Bombe schmeißen und Jasmin und Pal haben sehr viel zu tun, den Anschlag zu verhindern und die entführte Lara Blum auch heil in ihrer Familie zurückzubringen.

Das entzweit das Paar während des Geschehens, sie haben Geheimnisse voreinander, kommen am Schluß aber doch wieder zusammen. Nur Pal bleibt über und muß sich rehabilitieren, aber vielleicht gelingt ihm das in einem späteren Buch, das Petra Ivanov gerade schreibt oder schon geschrieben hat und wir haben  einiges über den Islam, die Islamfeindlichkeit und das mulitkulturelle Leben, das offenbar nicht nur in Deutschland und in Österreich, sondern auch in der Schweiz vorherrscht, gelernt, so daß ich das Buch wirklich sehr empfehlen kann.