Leipziger Buchpreisträger in der Alten Schmiede

Gun­tram Ves­per

Gun­tram Ves­per

“Den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse” hat ja heuer für mich sehr überraschend Guntram Vesper mit seiner Chronik “Frohburg” gewonnen. Ein Autor und ein Buch das mir nicht sehr viel sagte. Die Ute hat mir dann erklärt, daß Frohburg eine kleine Stadt zwischen Leipzig und Karl Marx-Stadt Chemitz ist und der 1941 dort geborene Guntram Vesper ist 1957 mit seiner Familie in den Westen gegangen und lebt heute in Göttingen.

Das Buch eine Mischung zwischen Chronik, Stadtgeschichte und Notaten, wie Kurt Neumann erklärte, hat über tausend Seiten und hätte schon im Mai in der “Schmiede” vorgestellt werden sollen. Da habe ich auf dem Weg dorthin einen der Stammbesucher getroffen, der mir sagte, Veranstaltung fällt aus und heute also nachgeholt.

Es gab ja auch einiges Bedauern, daß das Buch nicht auf die LL, kam beim Sascha Stanisic vor ein paar Jahren wurde zwar das Gegenteil bedauert und die die “Alte Schmiede” war gar nicht so voll, Gerhard Jaschke war aber da und Erich Hackl, der österreichische Chronist, wie man so sagen könnte, moderierte und leitete ein, sprach von seiner großen Vesper Verehrung, erzählte auch was zu dem Buch und der Autor sagte dann, daß er sich sehr wohl am Veranstaltungort fühlen würde, denn sein Ur- und sein Großvater waren ebenfals Schmiede und so hat er die ersten Lebensjahre auch an einem ähnlichen Ort verbracht.

Der Vater war Arzt und ein Stück das Guntram Vesper vorlas, begann im Jahr 1945, als die Russen kamen und der Kleine vier Jahre alt war.

Dann ging es näher an die Gegenwart, der Bruder Ulrich stirbt, das Familienporzellan wird aufgeteilt und der Bruder hatte, womit er mir sehr ähnlich zu sein scheint, zwischen zehn- und fünfzehntausend Bücher, die überall in seiner Wohnung oder Haus aufgestapelt waren oder noch unausgepackt in Plastiksäcken lagen.

Der Autor griff sich einige heraus und fuhr mit ihnen dann über die Autobahn und erzählte im Gespräch mit Erich Hackl auch noch sehr viel von der Buchentstehung. Die Chronik hat er ursprünglich für sich selbst geschrieben, erst spät kam ihm die Idee das zu veröffentlichen, denn als der Vater oder die Mutter starb, dachte er, bald ist niemand mehr da, der davon weiß.

Erich Loest kommt in dem Buch vor, das hat er erfunden, er hätte ihm das Buch auch überreicht, nur leider ist Erich Loest vor ein paar Jahren gestorben. Die Liebe zu Karl May scheint auch ein wichtiges Thema zu sein und der Autor erzählte sehr viel und sehr lang die Anekdoten seines Schreiben, eine Schlange von Bücherkäufern gab es auch, die sich das Buch signieren ließen und das ist sicher sehr interessant, obwohl ich ja nie in Frohburg war, nur ziemlich regelmäßig zu den Messezeiten nach Leipzig fahre.

Romanschrumpfung

Mit dem “Plottingday” ist es am Mittwoch dann nichts geworden, weil zuviel Anrufe und Leute, die etwas von mir wissen wollten, so daß ich am Donnerstag, die zwei noch geplanten Szenen, die auch ein bißchen besser gelangen, geschrieben habe und ab Freitag Mittag dann Zeit, da war der Alfred dann schon aus Japan zurückgekommen, zum Plotten hatte.

Das heißt, ich habe mein graues Büchlein mit den Notizen noch einmal durchgelesen und mir gedacht, daß ich den Zeitpunkt des Geschehens noch einmal verkürzen sollte, also der Edy fährt am Donnerstag aus Wien weg und die Hochzeit ist schon am Samstag. Das habe ich mir dann so aufgeschrieben, ich war mit der Handlung beim Segelturn auf den sich Klara mit Sergej und seiner Cousine begeben wollte.

Das heißt, ich hatte es bis zum Frühstück im Cafe Moncaco geschrieben und dachte, der Turn ist keine eigene Szene, aber dann geht Klara in die Stadt mit den restlichen fünfzig Kuna von ihrem Glücksfund ein Hochzeitsgeschenk für Zusanna kaufen.

Am nächsten Tag ist dann die Hochzeit, Zusanna ist eine blonde Braut und erzählt Klara, daß Clarisse gar keine Zwillingsschwester hatte, sondern das von dem Verschwinden derselben nur erzählt, um die Scheidung ihrer Eltern besser zu verkraften.

Edy kommt dann auch und ihm zeigt Klara am nächsten Tag die Stadt, dort sehen sie Sergej mit Jasminka Händchen halten. Sie versöhnen sich und reisen ab nach Pula oder Triest und die Geschichte ist aus.

Drei vier Szenen also noch und der große Roman ist wieder auf ein sehr kleines Format geschrumpft. Aber erst einmal muß ich das Ganze ohnehin noch durchkorrigieren. Denn der Zeitrahmen stimmt ja nicht, der Martin Walser kommt da, es sich um einen österreichischen Buchpreis handelt auch nicht vor und und …

Bei vier Szenen habe ich das dann getan, dann bin ich mit dem Alfred und einem Stapel Bücher, die ich über das Wochenende lesen wollte, nach Harland gefahren.

War mit ihm am Samstag am Markt und haben dort wiederum eine Menge Leute getroffen, so daß wir noch im Cafe Schubert und am Rathausplatz etwas getrunken haben und dann habe ich mir gedacht, ich lasse das Korrigieren und schreibe die Geschichte gleich fertig und es sind wieder drei Szenen mehr geworden.

Zusanna bekommt einen schönen Lavendlstrauß als Hochzeitsgeschenk, die Hochzeit wurde, siehe oben, in zwei Szenen beschrieben und dann finit aus, die Szene mit dem Spaziergang und der Abreise ließ ich weg und jetzt korrigieren, korrigieren.

Wenn ich will, kann ich noch was verändern, erweitern, etcetera und habe dann ein neues kurzes Buch, das dritte, das ich in diesem Jahr, nach dem sehr sehr kurzem “Paul und Paula” und den etwas längeren “Berührungen”, geschrieben habe.

Ganz so kurz wird es aber nicht, habe ich jetzt ja sechzigeinhalb Seiten, beziehungsweise zweiundzwanzig Szenen und 32.195 Worte, etwas kürzer wirds durch Korrigieren noch werden, die Unstimmigkeiten werden ausgebessert und das wird mich wahrscheinlich die nächsten Monate beschäftigen, so daß es für den “Nanowrimo” im Nomember nichts werden wird, denn da müßte ich ja noch zwanzigtausend Worte dazuschreiben, wenn ich es am 1. 11. neu beziehungsweise umschreiben will.

Glaube ich nicht, daß ich das mache, also wird mein vierzigstes oder so selbstgemachtes Buch, ein eher kürzeres, aber das “Schutzengelchen” hat auch nur 57 Roheiten beziehungsweise 27.052 Worte, das “Haus” 65 Seiten und 32.000 Worte.

Und leergeschrieben fühle ich mich nach wie vor. Das hatte ich ja glaube ich schon Anfang des Jahres das Gefühl, jetzt weiß ich wirklich nicht mehr über was ich schreiben soll, ist ja schon alles, die depressiven Frauen, das erfolglose Schreiben, das Sterben und die Demenz angerißen und angeschrieben, dann kam “Paul und Paula” mit dem Transgenderthema.

Die “Berühungen” haben sich ja aus dem “Ich weiß nicht worüber ich schreiben soll” entwickelt uind die Idee zur “Klara” ist mir in Kroatien gekommen und habe ich vielleicht ein bißchen zu lang liegen gelassen, so daß der Schwung wegwar und ich das mit der Clarisse und der Claire dann etwas anders und wieder kurz zusammenbrachte.

Macht aber nichts, denn wer sagt, daß man immer unbedingt tausend Seiten Romane schreiben soll?

Zeitlassen ist wieder angesagt, die Idee mit den “Wurfgeschichten”, beziehungsweise eine solche Wortsammlung besteht ja noch immer und das mit dem “Kann nicht schreiben!”, sitzt ja sehr tief, obwohl ich es natürlich kann, aber offensichtlich so, daß ich damit erfolgreich auffalle.

Es muß ja auch nicht sein, habe ich ja in den letzten Jahen schon wirklich viel geschrieben und zuerst einmal die Bücherberge etwas hinunterlesen wäre ja auch eine ganz gute Idee.

Da habe ich ja vor ein paar Wochen meine überlange Leseliste aufgelöst und kann in den nächsten Jahren das lesen für das ich mich spontan entscheide und vielleicht einmal die ungelesen Schmankeln hernehmen, weniger bestellen, weniger aus den Schränken ziehen, vielleicht wirklich nur das, was sich lesen leäßt, vielleicht auch nicht mehr Buchpreislesen, aber das schon vielleicht, denn das ist ja interessant und spannend und irgendwann kommt dann wohl auch die Idee für mein nächstes Buch und ich bleibe wahrscheinlich eine sehr lineare realsitische Schreiberin, der der Plot wichtiger als die “schöne Sprache” ist.

Damit bin ich dann schon mal im Out, denn das gilt ja nicht als sehr literarisch, wo alle schreien “Wir plotten nicht und eine Handlung interessiert uns!”

Mich schon und meine Flüchtigkeits- und Rechtschreibfehler lassen sich auch korrigieren und meine Bücher sich selber machen und Themen wie Demenz, Depression, Taransgender, etcetera finde ich auch sehr interessant, aber das habe ich ja  schon beschrieben.

Vielleicht komme ich noch auf andere nicht so abgeleutschten Ideen und schreibe darüber so gut, wie ich es kann und jetzt einmal die beiden Works in Progress fertig machen und dazwischen lesen, lesen, lesen, denn es stehen ja noch einige Buchpreisbücher auf meiner Leseliste.

Der letzte Zeitungsleser

Zur Abwechlung jetzt ein wenig in den Sachbuchbereich oder das Plädojer eines Chefredakteurs, Michael Angele vom “Freitag” über das Zeitungssterben, nein nicht direkt über dieses selbst, kein wirklicher Abgesang über die Zeitung, die nach und nach von den Online-Ausgaben ersetzt wurden, so daß es nur mehr den letzten Zeitungsleser gibt.

Das ist höchstwahrscheinlich genauso übertrieben, wie das letzte Buch, denn in meinem Badezimmer türmen sich ja die Bücherberge, die zur Frankfurter Buchmesse beziehungsweise für den Weihnachtsbaum erscheinen und dort liegen sie wahrscheinlich immer noch, weil man will ja die Bücher  riechen, tasten, schmecken, auch wenn ich vor einigen Jahren einen E-Bookreader bekommen habe.

Dort lese ich nur selten, meistens nur, wenn ich von einem Verlag ein PDF bekommen habe und das ist mir jetzt mit Michael Angeles letzten “Zeitungsleser” so passiert.

Am Cover prangt eine alte Zeitung und das Buch ist, wie einer der “Amazon-Rezensenten” schreibt, herrlich schnell zu lesen, er schreibt von einer Stunde, ich habe mehrere gebraucht, es besteht aber nur aus einer Spalte mit einem breiten Rand links und rechts, so daß man, wenn man die Printausgabe wählte, viel notieren kann.

Ein paar Fotos gibt es auch dabei, denn man muß ja die Leserbindung herstellen, darf den Abonennten nicht überfordern und, um seinen Geist nicht zu ermüden, braucht es immer wieder die Ablenkung des Bildes.

Das meint der 1964 in der Schweiz geborene Journalist und Literaturwissenschaftler, der in Berlin leben dürfte, durchaus kritisch und beginnen tut es mit der Literatur, nämlich mit Thomas Bernhard, der wie Michael Angele nachweisen will, ein großer Zeitungsleser war.

In “Wittgensteins Neffe”, hat er geschrieben, daß er 1968 dreihundert Kilometer durch halb oder ganz Oberösterreich gefahren ist, um eine Neue Zürcher Zeitung zu bekommen. Wer tut das heute noch, wo man die NZZ ganz leicht online lesen kann? Aber Thomas Bernhard ist ja schon 1989 gestorben, vorher hat er einen Leserbrief an eine  oberösterreichische Lokalzeitung geschrieben, um sich zu empören, daß die Gmundener Straßenbahn eingestellt werden soll.

Die fährt offenbar noch immer und Thomas Bernhard war, was ich, glaube ich, schon vorher hörte, ein begnadeter Lesebriefschreiber, die gibt es heute  auch nicht mehr oder nur mehr marginal, dafür aber Kommentare, die wahre Shitstorms auslösen und Michael Angele stellte sich die Frage, warum es keine Studie über “Thomas Bernhard als Zeitungsleser”  gibt.

Die sollte man anstellen, also fragt er bei  Peymann und anderen nach, was sie davon halten?

Die Antwort steht später im Text, denn erst gibt es allgemeine Überlegungen über das Zeitungslesen und was wir alles verlieren würden, wenn es die nicht mehr gäbe.

Zum Beispiel das Lesen im Urlaub, da fährt man nach Griechenland, in die Türkei oder wo auch immer und sucht am Kiosk die “Bild”, die “FAZ”, in meinem österreichischen Fall die Kronenzeitung und bekommt, die vom letzten Tag, meist auch zu überhöhten Preisen, merke ich an. Nachrichten von gestern sind längst veraltet, deshalb stirbt die Zeitung wahrscheinlich auch, aber wenn man auf Urlaub ist, ist das ein Gruß der Heimat und man kauft sie trotzdem.

Das erscheint mir bekannt und habe zwar nicht ich, aber der Alfred so getan und Thomas Bernhard, der ja internationaler war, kaufte sich sogar in Japan oder Russland Originalzeitungen, obwohl er die nicht lesen konnte.

Das erzählt dann schon Claus Peymann, der obwohl überarbeitet, Michael Angele einen Gesprächstermin gab und dann einige Stunden von sich selbst erzählte, denn er ist auch ein begnadeter Zeitungsleser.

Die Zeitung wird nur am Wochenende überleben, meint Michael Angele und führt die Zeitungsleser an, die sich die Samstagzeitung kaufen, das sind in Deutschland, die dicken mit den vielen Beilagen, die zerteilen sie dann Samstags, um sie für den Sonntag aufzuheben. Aber da gibt es schon die Sonntagzeitung und man kommt nicht dazu.

Also  ist viel Zeitung ungelesen geblieben, das ist wahrscheinlich genauso, wie bei den Büchern. Es gibt aber auch Sammler beziehungsweise Messies, wie das auch heißen oder in diesen Begriff übergehen kann. Also ganze Wohnungen vollgestopft mit Zeitungsstapeln, so daß man im schlimmsten Fall, weder Tisch noch Bett benützen kann.

Es gibt aber auch die Leser. Michael Angele führt ein paar Beispiele von treuen und weniger treuen an, seine Eltern kaufen beispielsweise regelmäßig eine solche, schimpfen über sie, denken aber trotzdem nicht daran das Abonnent zu kündigen.

Das ist die Lesertreue und jetzt merkt Angele noch an, daß die Redaktionen ihre Leser unterschätzen und ihnen alles in der “Frage zum Tage” zerklären würden, was ihn stört.

Natürlich da gibt es wohl dem Drang zum Mittelmaß und leichten Lesen, damit allle alles verstehen und dann sind einige empört, schimpfen und kündigen trotzdem nicht.

Peter Handke wird noch angeführt, Thomas Bernhards großer Konkurrent, aber ist der nicht Doderer gewesen? Der mag, schrieb er im “Nachmittag eines Schriftstellers” keine Zeitungen, war also kein Zeitungsleser, Claus Peymann zitierte ihm trotzdem immer die guten Kritiken und meinte, sie hätten ihm gefreut.

Ein interessantes Buch und ein sehr liebevolles Plädoyer einer aussterbenden Spezie. Mag sein, denn der Alfred liest seit einiger Zeit den “Standard” auch online und die Wochenendausgaben, die wir  früher Samstag kauften, werden seltener. Früher habe ich mir regelmäßig die Gratiszeitungen mitgenommen und die kostenlosen Probeabos abonniert. Das tue ich auch nicht mehr und wenn sich die Zeitungsstapel ansammeln, muß man sie entsorgen, das geht gar nichts anders, bei den Büchern tue ich das nicht, ganz im Gegenteil.

Trotzdem sind die Kioske immer noch voll von Zeitungen, auch wenn in den Redaktionen, wie ich immer höre gekündigt wird, Zeitungen eingehen und man entweder gar nicht oder online liest, gibt es sie noch und der letzte Zeitungsleser zum Glück oder Gottseidank Utopie und Michael Angele liest ja auch online, hat sogar, glaube ich, ein solches Magazin oder Zeitung herausgegeben und sein Buch habe ich wie schon geschrieben, als PDF auf dem Computer nicht im Reader, der hinter mir am Bücherstapel liegt, gelesen, habe einiges an Literatur und über Thomas Bernhard, beziehungsweise das Wiener und andere Kaffeehäuser, dabei mitbekommen und jetzt kann ich, wenn ich will, mich auf das Klo begeben, wo ja der “Wochenend-Standard”, den wir gestern kauften, liegt, denn den habe ich, ich gestehe es, nur durchgeblättert. Ich hätte also, wenn nicht nur das LL-lesen, das Mittagessen auf der Rudolfshöhe und das nachmittägliche Stumfest  warten würde, noch sehr viel zu lesen.

Kopfzecke

Auf dem ersten Blick findet man bei dem Debut der 1986 geborenen Filmemacherin Iris Blauensteiner zu dem Roman von Simone Hirth, einige Ähnlichkeiten, obwohl es mehr ins Innere geht und die Sprache  poetischer ist.

Es geht aber auch um das Abschiednehmen, das Verlassen des elterlichen Hauses oder Wohnung, das über einem zusammenstürzt und die Erinnerungen, die darin zurückbleiben, bleiben dann unwiderruflich verloren, wenn man sie nicht mehr oder weniger gewaltvoll herauszureßen versucht und am Schluß muß man ein neues Leben beginnen, in einer neuen Wohnung, mit einem neuen Gewerbe oder mit dem Maiglöckchenstock am Fensterbrett, den man einmal der Mutter ins Spital brachte, der wieder zu blühen beginnt.

“Kopfzecke” ist, steht am Buchrücken “ein einfühlsamer Roman über den Abschied einer Tochter von ihrer demenzkranken Mutter” und viele Fragen habe ich natürlich auch.

Ursula Ebel hat die Autorin der “Gesellschaft”, laube ich gefragt, ob sie über das Thema Demenz recherchierte oder es selbst erlebte.

Die Autorin hat ausweichend geantwortet, daß es mehr um eine Mutter-Tochter Beziehung gehen würde und ich habe mir gedacht, daß man das Thema Demenz wohl bei den eigenen Eltern erlebt, ich bei meinem Vater beziehungsweise Schwiegervater und eine Frage, die ich habe, bezieht sich auf das Alter der handelndenden Personen, beziehungsweise um die, wann das Buch jetzt spielt?

Denn bei dem Buch einer gerade Dreißigjährigen, denkt man wohl automatisch an eine etwa gleichaltrige Protagonistin, aber Moni, die ihre Mutter Erika in den Tod begleitet, müßte an die Siebzig sein und die Mutter mindestens neunzig, wenn ihr Bruder in den Krieg gezogen ist, und der Nebenmann, der vielleicht Monis Vater ist oder nicht, ein russischer Besatzungssoldat. Da hätten wir wieder Beziehungen zu Simone Hirths Trümmern oder Trümmerfrauen und was meine Bücher betrifft zum “Haus”, beziehungsweise zur “Anna”

Die Protagonistin ist vom Beruf Cutterin beim Fernsehen vielleicht,  berufstätigt, daß sie bald in Pension gehen wird, wird angedeutet und es gibt Handies, Computer etcetera, also kann die Handlung nicht allzu sehr in der Vergangenheit liegen und dann ist es wieder eine Mischung zwischen etwas schon öfter Gelesenen, das Thema Demenz und Pflege kommen auch kurz vor und das  das wird zienmlich kompetent geschildert wird.

Die Kopfzecke krabbelt am Kopf von Erika, die erlebt darauf einen Schwächeanfall, kommt ins Krankenhaus und muß genäht werden.

“Haben Sie das öfter und in ihrem Alter muß man das ernst nehmen!”, sagt die Ärztin und Moni besucht ihre dementkranke Mutter in ihrer Wohnung, in der sie, wenn ich mich an die “Gesellschaft” erinnere, selber aufgewachsen sist, so kommen die Erinnerungen hoch und die Rollen vermischen sich.

Es gibt auch Pfleger und Pflegerinnen, die von Moni bezahlt werden und einmal geht Moni mit der Mutter auf den Friedhof und schieb den Rollstuhl dann an die Stelle, wo das Haus stand, in der die Mutter mit ihrer Schwester Ilse und ihrem Bruder aufgewachsen ist.

Mit Hand von Fotos will sie der Mutter die Erinnerungen entreißen, aber wenn die nicht will, stellt sie sich dement. Sie erleidet dann auch eine Panikattacke, es kommt zu einem Sturz und die Mutter muß ins Krankenhaus,  muß operiert werden, was sie aber nicht will.

Moni unterschreibt für die Mutter die Risiken und am Ende ruft der Pfleger an und keucht “Rasch zurückrufen”

Er hat die Mutter tot in ihrer Wohnung gefunden. Moni muß alles zur Beerdigung richten und die Erinnerungen, die sie nicht bergen konnte, zurücklassen.

Aber doch, es gibt Platten mit Zarah Leanders rollenden “r” und alte Kinokarten vom wahrscheinlich Bellaria Kino von dem ich, glaube ich vor kurzem auch in einem der LL Bücher gelesen habe.

Dahin ist die Mutter schon als Pensionistin zwei drei mal in der Woche gegangen. Moni trägt die Partenzettel hin und weiß nicht recht, ob sie willkommen sind?

Die Kassiererin legt sie auch in eine Schublade, denn das Leben geht weiter, die alten Herr- und Frauschaften schauen sich weiter mehrmals in der Woche die alten Moser und Leander Filme an, bis sie dann auf einmal still wegbleiben und keiner wagt zu fragen.

Moni, beziehungsweise Iris Blauensteiner haben es versucht und wenn ihre Mutter oder die Mutter einer Gleichaltrigen sterben wird,  werden es wahrscheinlich keine Bellarai Kino Karten und Kriegserinnerungen sein, die zurückbleiben, obwohl meine Tochter wurde 1984 geboren und im Bellaria Kiono bin ich als Studentin öfter gewesen und von meinem Vater gibt es ein Album mit Fotos aus seiner Wehrmachtszeit.

Lied über die geeignete Stelle für eine Notunterkunft

Kleine LL-Lesepause, denn ich habe mir ja die beiden “K&S”- Debuts bestellt und jetzt den ersten Roman, gefördert vom Lande der 1985 in Deutschland geborenen Simone Hirth bestellt, die  am Leipziger Literaturinstitut studierte und jetzt in Gablitz als Lektorin und Autorin tätig ist, die Buchpräsentation habe ich auch schon gehört und so einen kleinen Eindruck in das Buch bekommen, wo Roman draufsteht, der wieder eigentlich wahrscheinlich kein solcher ist, sondern, wie Simone Hirth selber sagte, eine Anzahl von Trümmerelementen”, Trümmerstückchen, die sie, glaube ich, auch auf kleinen Notizzettelchen sammelte.

Der Titel verdient aber vielleicht einen Sonderpreis und ich selbst, ich weiß nicht, ob das meine Leser wissen, habe mich mit diesen Themen ja auch schon sehr oft beschäftigt und tue das vielleicht immer noch.

Denn da gibt es ja die Fragmente von Felizitas Fee der schönen Obdachlosen und auch viele andere arme depressive Frauen in meinen Texten, die aussteigen, sich ihr Geld von der Bank abholen und dann in den Wald wollen, um nicht mehr wiederzukommen, etcetera

Meine Sprache war wahrscheinlich nicht so präzise, daß ich damit ein Stipendium bekommen hätte und in Leipzig hätte man mich wahrscheinlich auch nicht genommen, die Themen sind aber gleich und beschäftigen vielleicht auch viele junge Autoren, nicht alle wahrscheinlich, eher die mit einer sozialen Ader oder einer persönlichen Betroffenheit. Simone Hirth lie?ja auvch so etwas anklingen, daß sie vieles in dem Buch selber ausprobierte, sich die Zähne beispielsweise einmal mit einem Minzblatt putzte, wenn ich mich nicht irre und nichts durcheinanderbringe.

Trotzdem ruft diese Fragmentsammlung, bei mir, der psychotherapeutisch geschulten chronisch Schreibenden viele Fragen auf, die erste hätte ich schon fast in der “Gesellschaft” gestellt mich dann aber nicht getraut, um nicht ins falsche Fahrwasser zu geraten.

Denn, wie ist dieser Text zu verstehen und, um was handelt es sich bei der namenlosen Heldin? Diese Frage stellte Ursula Eibel und die Autorin meinte, daß ihr eigentlich gar nicht aufgefallen wäre, daß die Heldin keinen Namen hat. Es passt aber zu den Fragmenten, ist die Heldin ja selbst höchstwahrscheinlich ein solches, aber was ist jetzt ihr Psychogramm? Ist ihr Aussteigen eine Psychose, die da beschrieben wird und im Realfall gerät man wahrscheinlich bald in die Fänge der Psychiatrie und der Sozialarbeiter, die sich dann zu kümmern versuchen oder amtlich einschreiten.

Obdachlose gibt es aber, die auf der Straße oder in Notunterkünften leben und die stierln dann wahrsc heinlich auch die Mülltonnen leer und bedienen sich vielleicht auch bei den Baumärkten oder klauen Bierkartons in Supermärkten. Es gibt aber auch die “Gruft” und andere Sozialeinrichtungen und die kommen in dem Buch nicht wirklich vor.

Es könnte aber auch ein Traum sein, eine Phantasievorstellung und dann wären wir vielleicht  in Michelle Steinbecks Nähe, die mit ihrem “Vater” inzwischen auf die Schweizer Shortlist gekommen ist.

Die Trümmerfrauen und die Kriegshelme kommen auch vor und das scheint jetzt mir ein wenig aus der Zeit gefallen und nicht ganz zum Sujet passend, denn das waren wohl eher die Fragen von Simone Hirths Mutter oder Großmutter, die nach dem Krieg, die Städte aus dem Trümmern wieder aufbauen, sich auf Trümmerfeldern Karotten anpflanzten und die Fundstücke am Schwarzmarkt verkauften.

Man kann das Buch, das Statt Kapitelzahlen Nägel hat, grob in drei Teile aufgliedern, im ersten haust die Heldin im Keller, über ihr wurde das Elternhaus niedergerissen, wahrscheinlich weil sie die Miete nicht mehr zahlen konnte, es gibt auch einen Hausmeister, der dann arbeitslos wurde. Aber ein Einfamilienhaus beschäftigt öchstwahrscheinlich gar keinen solchen. Es gibt einen Bruder mit dem die Heldin kommuniziert, den es wahrscheinlich nie gegeben hat, sie spricht mit ihrem Schuster, ihrem Gynäkologen, zu denen sie nicht mehr geht, schreibt Briefe an Freunde, die sie nie bekommen werden, weil sie kein Geld für eine Briefmarke hat….

Sie ist eine Fleischertochter und irgendwann einmal irgendwie ausgestiegen. Jetzt haust sie aus dem Nichts, kommunziert mit Phantomen und stellt sich aus einem gefundenen Handbuch der Betriebswirtschaft ihre eigene Kosten-Nutzenrechnung auf.

“FAUSTREGEL NR 2:  Wo kein Elternhaus mehr ist, da ist man nicht mehr zu Hause.

“FAUSTREGEL NR 3:  Wo man nicht mehr zu Hause ist, da kann man nicht mehr bleiben!”

Allso zieht sie aus dem Keller aus und baut sich ihre Notunterkunft hinter einer Hagenbuttenstaude. Einen toten Maulwurf gibt es auch, das erinnert wieder an Michelle Steinbeck, Simone Hirths Stil ist aber viel realistischer.

Sie klaut Nägeln, Dübeln, Äxte, Samen aus dem Baumarkt, wird erwischt, muß abarbeiten, belauscht die Gespräche zufälliger Passanten, pfanzt sich einen Garten an, plündert die Mülltonnen und findet tote Ratten vor ihrem Haus. Es werden auch böse Parolen aufgesprüht und es betreten, so daß sie es in einem dritten Teil auch verlassen muß und dann doch in eine Beratungsstelle kommt.

Dort wird ihr aber gleich eine Gründerfibel in die Hand gedrückt, sie bekommt auch einen kostenlosen Gründerkurs, sie meldet sich an für das Gewerbe “KLEINERE  RÄUMUNGS- UND AUFBAUARBEITEN”, fetziger “Trümmern” genannt, bekommt auch gleich eine Wohnung zugeteilt und arbeitet später lustig vor sich hin. Hat zwar keinen Computer, aber eine Steuernummer und ein Handy und ich denke angesichts der Debatten, um die Grundsicherung, werden sich jetzt vielleicht einige Arbeitslose denken “So einfach ist das nicht!” und so bleibe ich mit vielen Fragen zurück, denke, daß man mir, wenn ich sowas eingereicht hätte, den Text wahrscheinlich mit der Anmerkung “unrealistisch” zurückgeschickt hätte.

Aber ich habe ja keine perfekte Sprache, bin keine Lektorin, habe auch nicht in Leipzig studiert, fand den Text trotz meiner vielen Fragen, wahrscheinlich bin ich mehr für das Ausarbeiten der Trümmerstellen und gegen das allzu Fragmentarische, sehr interessant und bin jetzt  gespannt, ob er vielleicht im nächsten Jahr bei den O-Tönen zu hören sein oder auf der “Debutpreis-Liste” stehen wird?

Das Pfingstwunder

Jetzt kommt Buch elf des bisherigen LL-Lesen und mein bisheriger Favorit, leider wird es das in der Realität nicht spielen, denn Sibylle Lewitscharoffs “Pfingstwunder” wurde ja nicht in die Shortlist aufgenommen, was ich sehr bedauere, denn es ein tolles Buch und vielleicht die perfekte Kombination zwischen U und E, beziehungsweise die Verbindung zwischen Realismus und abgehobenes Wortgeschwafel.

Letzteres vielleicht schon ein bißchen, denn die 1954 in Stuttgart geobrene Büchner-Preisträgerin, ist ja bekannt für ihre “verzwirbelte Sprache”, habe ich, glaube ich, auch irgendwo auf einen Blog gelesen und die hat sie wahrscheinlich auch in die Bredouille und um den Preis gebracht, denn zuerst, bei “Blumenberg” auf dem Sofa hieß es ja, “Ich hasse alle Selbstmörder!”, da habe ich mich gewundert und wußte noch nichts über die Biografie, dann auf der “Buch-Wien”, daß “Amazon” in die Hölle fahren oder nein, so hat sie es nicht ausgedrückt, da wäre ich schon ein wenig die “Pfingstwundersprache” und dann kam das mit den “Retortenkindern”, alle schrien pfui und Elke Heidenreich, sagte, glaube ich, etwas von einer “schwäbischen Hausfrau” und ich hab begriffen, daß jemand, der sich Tag für Tag mit der schönen Sprache mit den ausgefallenen Wortschöpfungen, um auf die langen Listen und die Preispodien zu kommen, beschäftigt, vielleicht die Unterscheidung, daß man sowas zwar, als Roman schreiben und alle schreien “Bravo!”, aber nicht auf einem Vortragspult sagen darf, verliert und das finde ich interessant, denn ich habe mich in der letzten Zeit, Zufall oder nicht, mit der guten Literatur geschäftigt und dann einige LL-Bücher gelesen, die von älteren Herren stammen, mal “Bücher-Preisträger,” mal nicht, die mit ihren letzten Lieben nach Italien fuhren oder sogar, weiterer Zufall sich auf einen Kongreß begaben. Da ging es zwar um Jean Paul und in den Himmel ist auch niemand gefahren, obwohl der Titel es ja angekündigt hätte, aber ich habe mich bei der “Rauschzeit”  eher gelangweilt, wo auf fünfhundet Seiten diskutiert wird, daß einer seine Jugendliebe trifft und der andere in die Oper geht.

Ist das gute Literatur, die berührt und was Neues bietet? Bezüglich der Sprache wahrscheinlich schon und konstrueirt waren die Bücher auch sehr und ich war bisher kein Lewitscharoff-Fan, das möchte ich ausdrücklich betonen, kann man auch im Blog nachlesen.

Beim “Bachmannpreis” bin ich auf sie gestoßen, dann habe ich “Montgomery” beim Bücherturm bei “Literatur im März” gefunden und nicht verstanden, weil zu abgehoben, zu kompliziert, eh schon wissen, bei “Apostoloff” mit dem sie, glaube ich, in Leipzig auf der Liste war oder auch gewonnen hat, war es ähnlich, “Blumenberg” habe ich, das war schon nach der Aufregung im letzten Jahr gelesen und jetzt waren es zuerst die Verisse und die Blogger, die schrieben “Ich hoffe doch, daß sie nicht auf die Shortlist kommt!”

Sie ist nicht gekommen und ich habe das Buch noch davor am Dienstag Morgen zu lesen begonnen, nicht das Buch selbst, “Suhrkamp” hat mir ja die “Fahnen”, also ein breites Skriptum, auf das man herrlich Notizen machen kann, geschickt und war eigentlich sofort begeistert, ob es daran lag, daß ich mich in diesem Sommer auch ganz zufällig mit dem “Tod des Vergils” beschäftigt habe, weiß ich nicht, denn es ist leicht zu lesen und, ich glaube, es ist ihr auch das Kunststück gelungen, endlich einmal aus der “Fadiness” der schönen Worte und den abgehobenen Sphären, was ich ja bei den “Witwen” ein bisschen bedauert habe, wo ja auch ein Philosoph mit einem altmodischen Namen mit vier angeblichen Witwen auf Reisen geht und am Cover prangt ein barockes Fotos, herauszukommen.

Gut, Lewitscharoffs Held heißt auch Gottlieb und hat eine Universitätsprofessorenkarriere hinter sich, er ist Dante- Forscher und hat sich, als solcher Anno 2013 zu Pfingsten nach Rom auf den Aventin begeben, um mit dreiunddreißig anderen Dante-Forschern, die “Göttliche Kommödie” zu diskutieren.

Eh schon wissen und sehr abgehoben, könnte man jetzt sagen und was fange ich damit Anno 2016 angesichts der Flüchtlingskrise und “Brexit-Katastrophen” an? Das interessiert mich ja nicht und vielleicht verstehe ich es auch nicht besonders, denn mit meiner Hauptschuldbildung habe ich die “Divina Commedia” ja nicht intus oder ich will umgekehrt beim Longlistlesen nur die hehren Inhalte und die schöne Sprache haben und von der bösen rauhen Welt da draußen nichts wissen, sondern abschalten und entspannen?

Weit gefehlt, denn der Held taumelt zu Beginn durch seine Frankfurter Wohnung, fragt sich, wie er heißt und, ob er nicht etwa wahnsinnig ist, denn, das was da in Rom im Saal der Malteser geschehehn ist, kann er keinen erklären, daß da dreiunddreißig Forscher und drei Leute vom Personal auf einmal aufgesprungen sind, sich wie toll gebärdeten,  aus dem Fenster sprangen und gegen Himmel fuhren.

Ich würde sagen, Sibylle Lewitscharoff macht sich gehörig über all das lustig, tut es in einer sehr zerzwirbelten Sprache und wir bekommen ein Dante-Seminar dabei geliefert, das hat ja Herbert, einer der offiziellen Bücherblogger an dem Buch bemängelt, daß man nachher zwar alles über die “Göttliche Komödie” weiß, aber keinen Roman gelesen hat.

Dem würde ich entgegenhalten, obwohl ich ihm den Preis, den er angeblich schon hat, von Herzen wünsche, daß das bei Thomas Melle ganz genauso ist und noch viel mehr, denn das “Pfingstwunder” ist, glaube ich eindeutig ein Roman, ein solcher, wie “Die Witwen”, “Rauschzeit” und “Widerfahrnis”, obwohl da ja “Novelle” draufsteht.

Es ist einer, den die Kritiker vielleicht ein wenig kitschig nennen, denn ein Pfingstwunder gibt es nicht und ich denke, wenn die angehenden Psychiater und Psychologiestudenten “Die Welt im Rücken” lesen sollen, dann sollen, das die Germanistik- und vergleichenden Literaturwissenschaftsstudtendten, sowie die Gymnasiasten auch mit dem “Pfingstwunder” tun und das Neue, was mich vielleicht zwar nicht unbedingt berührte, aber doch erstaunen und aufhorchen ließ, ist die Verbindung mit der Realität.

Denn Gottlieb Elsheimer kommt nach alldem, den Verhören durch die Polizei, etcetera, nach Hause, rennt schlaflos in seiner Wohnung herum, geht am Abend zum Italiener essen, betrinkt sich, während er all das aufzuschreiben beginnt,  hat dann nur mehr Zwiback im Haus, weil er auf das Einkaufen vergißt und fragt sich natürlich auch die berühmte Frage, wieso ausgerechnet er zurückgeblieben ist?

Ja, Bezüge zu Primo Levi und dem Holocaust gibt es auch, fragt sich, ob er jemals wieder unterrichten kann und höre und staune, vor allem die, die ja beklagen, daß sich die heurige Longlist sowenig mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, und diese Romane ausgelassen hat, ob er nicht vielleicht einen syrischen Flüchtling, vielleicht auch eine Frau mit Kind, ja auch das, denn Elsheimer ist  ein Mann mit vielleicht “lüsternen Begierden” in seine große Wohnung aufnehmen soll?

Läßt das aber, denn es würde an der Sprache scheitern und der Flüchtling würde ihn vielleicht stören, Gedanken die wir wohl alle haben, die meisten vielleicht nicht einmal so weit kommen und dann erfahren wir noch viel über Dante, Vergil, die göttliche Kommödie und und und…

Sibylle Lewtscharoff schreibt in ihrer Danksagung noch, daß sie das Buch einem Stipedienaufenthalt in der “Villa Massimo verdankt und dort auch in dem Saal der Malteser auf dem Aventin gelesen hat.

Interessant ist auch, daß ihr der Österreicher Klaus Zeyringer die Übersetzung ins Wienerische und ins Steirische machte, denn das Buch ist ja vielsprachig und vielschichtig und es ist bis jetzt mein Preisfavorit, denn mein zweites Shortlist-Buch ist, was jetzt auch die Kritiker erkennen, kein Roman, obwohl ich Thomas Melle den Preis wünsche und vergönne, wenn ihn schon Sibylle Lewitscharoff nicht bekommen kann und jetzt nach einer kurzen LL-Pause weiterschauen, wie es mit den neun anderen LL-Büchern steht, von denen sieben ja noch in meinem Badezimmer auf das Lesen warten?

Zweifache Longlisten-und Shortlistlesung

Normalerweise gehe ich ja aus zeitökonomischen Gründen nicht so gern zu einer Lesung, wenn ich das Buch schon gelesen habe oder lesen werde.

Bei Longlistenlesungen bin ich aber gelegentlich gewesen, einmal glaube ich beim Doron Rabinovici in der Hauptbücherei, im Vorjahr beim Clemens J. Setz in der AS, als ich das Buch halb oder so gelesen hatte und heute hätte ich den Rainhard Kaiser-Mühlecker in der “Gesellschat für Literatur” auch beinahe ausgelassen, aber dann war das Alternativprogramm nicht so entsprechend, auf die Shortlist ist er am Dienstag auch gekommen, auf der öst LL ist er schon und einige Blogger haben “Fremde Seele, dunkler Wald” auch sehr gelobt.

Dem habe ich mich bis jetzt eigentlich nicht so angeschlossen und ganz ehrlich, auch wenn ich das wahrscheinlich revidieren werde oder auch schon habe, denn wahrscheinlich ist es mein drittes Shortlist-Buch, das ich auf meine höchstpersönbliche Liste setzten werde, habe ich den 1982 in Kirchdorf an der Krems geborenen, sehr “schönen” jungen Mann, bisher ja als eher fad eingeschätzt.

Mit seinem  2008 bei Hoffmann und Campe erschienenen “Der lange Gang  über die Stationen” hat er ja Furore gemacht. Da war ich kann ich mich erinnern, bei einer literarischen Soireee im Radio Kulturcafe gewesen zu sein und habe mich gewundert, daß “so was fades”, die anderen nannten es “aus der Zeit gefallen” bei “Hoffmann und Campe” erscheinen kann und das Buch dann auch gelesen.

“Magdalenenberg” habe ich auch irgenwo gehört, bei “Wiedersehen in “Fiumcino”  war iich in der “Gesellschaft” und habe mir das Buch schicken lassen und seither glaube ich, nicht mehr so viel von dem jungen Mann gehört.

“Schwarzer und roter Flieder” ist erschienen und ein Erzähloband und jetzt das Buch, wo ich mir bei den Beschreibungen dachte, das habe ich doch schon im Debut gelesen und bei “Magdalenberg” gehört.

Als das Buch auf die öst LL kam, habe ich bei “Fischer”, wo es erschienen ist, nochmals angefragt und es am nächsten Tag bekomme, vielleicht bekomme ich den Händler, was  mein neunzehntes LL-Buch wäre, also auch noch, der Stamm ist am Montag gekommen und mich dann irgendwann enschloßen, ich gehe in die “Gesellschaft” und eigentlich hätte ich das Buch mitnehmen können, erstens um es signieren zu lassen, was ich nicht so oft mache, zweitens, um mitzulesen und mir die gelesenen Stellen anzustreichen, was sehr gut gewesen wäre, denn ich bin mit dem Lesen ja ein bißchen in Zeitlnot, habe heute mein elftes LL beendet und siebzehn Rezensionsexemplare oder nein, sechzehn, denn die Gösweiner ist ja ein Geschenk vom Alfred, liegen am Klo und vor allem “Literarurtest” drängt ja sehr, wenn man nicht gleich in der nächsten Woche bespricht und von denen habe ich heute auch ein Buch bekommen.

Ich hätte die “K u.S” Debuts also vielleicht noch ein wenig aufschieben und gleich mit dem Lesen anfangen können und wäre etwas schneller gewesen, hätte, könnte, habe ich aber nicht, denn das ist mir erst in der “Gesellschaft” eingefallen, als ich zwischen dem Lehrer und einer jungen Dame saß, die das Buch in der Hand hielt und den Melle in ihrer Tasche hatte.

Sehr voll in der “Gesellschaft”, das heißt gegen Ende hat es sich gefüllt und ein paar Interessierte, die man vielleicht sonst nicht so sieht, wie zum Beispiel die Petra Hartlieb waren da, denn die Buchhändler sollen ja, wie ich überall höre, auf die Shortlist sehr aufspringen.

Manfred Müller hat die Shortlist auch sehr erwähnt, den öst Bp hat er dagegen ausgelassen, ob aus Zufall oder mangelnder Kenntnis, habe ich vergessen nachzufragen und allmählich verwandelte sich mein Desinteresse in Interesse, denn der angeblich so aus der Zeit gefallene junge Mann, etwas, was ihn auch ärgern dürfte, hat wirklich einen eigenen Stil und irgendwann habe ich mir gedacht, daß er dem meinen gar nicht so unähnlich ist und bevor jetzt einige aufschreien, er ist erfolgreich, ich nicht und vom Land schreibe ich auch nicht soviel, denn ich lebe ja im städtischen Milieu, zumindestens bin ich dort aufgewachsen, in einem eher proletarischen Teil von Wien.

In dem Buch geht es wie schon Manfred Müller einleitete, um eine Familie am Land, die Brüder Jakob und Alexander, der eine Bauer, der andere Berufssoldat, um einen Vater und einen Großvater geht es auch und das was der junge Mann vorlas war wirklich sehr interessant.

Der Magdalenenberg kommt wieder vor und ein Kreuz, das die neuen Christen dort errichteten, der Berufssoldat hätte einmal Priester werden wollen, ist dann aber einer Elvira verfallen, der Vater verschleudert den Hof, der Großvater prunkt mit seinem Geld und alle sind zerstritten und viel mehr werde ich jetzt auch nicht erzählen, sondern lesen, wenn ich mit den Debuts, der Vegetarierin, der “Apollokalypse”, dem Mayerhoff und dem Kumpfmüller fertig bin und auch das anschließende Gespräch war sehr interessant, denn Manfred Müller fragte, vielleicht ein wenig provokant “Wie lebt es sich als öffentliche Person?” und der junge Mann antwortete:

“Das bin ich nicht, denn ich mische mich in die Politik nicht ein, sondern schreibe und ich bin einer, der erzählen will und ob man das jetzt altmodisch nennt und mich mit Rosegger vergleicht, ist mir egal!”

So ungefähr habe ich es verstanden und bin sehr gespannt, werde mich aber jetzt gleich mit einer jungen Aussteigerin beschäftigen und meine Spannung hoch und warmhalten und vielleicht wird es mein drittes dBp Sortlistbuch und vielleicht kommt es auch auf die öst SL, den Preis würde ich ja immer noch gerne der Frau Mayröcker zuerkennen und den dBp gewinnt wahrscheinlich der Herr Melle mit seiner Mischung zwischen Memoir und Personal Essay über seine bipolare Depression.

Barbara Hundegger und Max Höfler im Gespräch

Auch im Literaturmuseum haben die Veranstaltungen begonnen und da gibt es ja die Schreibgespräche, eine Reihe, wo die GAV eingeladen wurde, jeweils einen älteren mit einem oder einer jüngeren Kollegen diskutieren zu lassen.

Das hat mir Robert Schindel und Anna Weidenholzer begonnen,  Marie Therese Kerschbaumer habe ich versäumt, weil ich in Deutschland Rad fahren war und war dann noch bei der Veranstaltung mit Franz Joseph Czernin und Angelika Reitzer und heute war, wenn ich mich nicht irre, die letzte Veranstaltung, ob für dieses Jahr oder überhaupt, weiß ich nicht recht, jedenfalls mit Barbara Hundegger und Max Höfler.

Ich war weil die “Volksstimme-Anthologie”, die jetzt gekommen ist, meinem Kritiker schicken wollte, sehr früh daran, bin daher ein bißchen durch das Museum geschlendert, da kann man ja an den Veranstaltungstagen ab sechs frei hinein, mich dann mit Petra Ganglbauer, offenbar die GAV-Abgesandte unterhalten und mich ein bißchen gewundert, daß so wenig Publikum war.

Vielleicht interessiert die Lyrik nicht oder die “jungen Wilden”, wie Max Höfler möglicherweise einer ist, ich hab einmal beim “Volksstimmefest” neben ihm, beziehungsweise einer Maschine, die er aufgebaut hat, gelesen und Klaus Nüchtern moderierte, bei den ersten Veranstaltungen war das Renata Schmidtkunz, dann glaube ich Daniela Strigl, jetzt der “Falter-Kritiker”, der zum Doderer-Jahr ein Doderer Buch geschrieben hat und stellte die beiden Autoren vor.

Bei der 1963 in Hall in Tirol geborenen Barbara Hundegger, war ich, glaube ich, einmal zum “Tag der Lyrik” in der “Gesellschaft für Literatur”, dann hat sie glaube ich auch bei dem “Symposium für Sprachkunst” mitgemacht und ich hab, glaub ich, mit ihr diskutiert, was gute Lyrik ist, denn sie ist ja hohe Ansprüche, den “Wildganspreis” hat sie auch einmal bekommen und ich habe einmal ein Buch von ihr im Schrank gefunden, was ich noch lesen muß.

Einer ihrer Bände heißt, “schreibennichtschreiben” aus dem las sie ein paar Texte vor,  sowie ein  “Gegen Naturlyrik-Gedicht”, bekannte sich im Gespräch als Sport und Fernsehfan, was ich der anspruchsvollen Sprachkämpferin, die gerne Wörterbücher liest, nicht zugetraut hätte und auch als jugendliche Nichtleserin.

Dann hat sie aber Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaft studiert und der 1978 in der Oststeiermark geborene Max Höfler, der außer Germanistik und Philosophie noch Kunstgeschichte studierte und ein Toningenieurstudium abgebrochen hat, von ihm habe ich auch ein Buch gefunden,habe, schreibt experimentelle Texte und las aus seinem “Ritter-Buch “wies is is- ein mondo cane machwerk”, das mit den Worten “Und dann..”, möglicherweise klein geschrieben, beginnt und sich offensichtlich ohne Interpunktion und Absätze durch das ganze Buch zieht.

Das wäre etwas für meinen Kritiker und Max Höfler meinte im Gespräch, das das für ihm eine Mittel sei, gegen die Scheußlichkeit der Welt anzukämpofen und er kommt zu seinen Sätzen in denen er sie sich laut vorliest.

Im zweiten Teil brachte Barbara Hundegger einen Text aus der Realität der prekären Autorenwelt. Lyrik verkauft sich nicht, nur Krimis und es wird inzwischen so viel “konventionell” geschrieben, wie sie beklagte und dann melden sich die Veranstalter bei ihr und wollen einen Text für ein tolles Projekt mit viertausend Anschlägen für hundert euro und sie schrieb dafür einen Absagebrief.

Ja, das Leben ist schwer nicht nur für Autoren, Angelika Reitzer hat ja gestern besispiuelsweise im Gespräch mit Lydia Mischkulnig, die vielleicht eine konventionelle Autorin ist, das Prekartiat beklagt und Barbara Hundegger meinte, daß sie von Stipendien und Prein leben würde, nicht vom Buchverkauf und darauf angewiesen wäre, daß die auch regelmäßig kommen.

Die gibt es wieder nicht für alle und Max Höfler wird, wie er sagte nicht zu Schullesungen eingeladen, weil seine Texte vielleicht zu grauslich sind.

Jedenfalls las er am Schluß ein paar solcher Beispiele vor, die sich mit Fäkalien beschäftigen, ein nicht sehr konventioneller Autor also, wie Barbara Hunegger erfreut feststellt, einer der aber sehr syampathisch wirkt und jetzt muß ich nur noch ihre Bücher lesen, Barbara Hundegger hat ja, glaube ich, auch einen Dante Zyklus geschrieben, nicht nur Sibylle Lewitscharoff, wie Klaus Nüchtern einleitend noch anmerkte, aber da bin ich ja noch mittendrin und der Museumsdirektor Bernhard Fetz versicherte am Schluß, daß im Literaturmuseum die Moderatoren und die Autoren, das gleiche Honorar bekämen, etwas was Barbara Hundegger in ihrem kritischen Schreibetext auch beklagte, daß das nicht immer der Fall sein dürfte.

Plotting-Day

Aufmerksame Leser, falls ich solche habe, werden vielleicht fragen, was ist jetzt mit dem großen Roman, den du jetzt  schreiben willst und wie bringst du angesichts deines doppelten Buchpreisbloggens und deiner psychologischen Praxis, die nötige Konzentration dazu zusammen?

Die Antwort heißt, schwer, obwohl ich schon fleißig geschrieben habe, sechsundvierzig ein halb Seiten, sechzehn Szenen und derzeit 24.678 Worte, aber der Biß ist, das habe ich schon geschrieben derzeit vielleicht ein wenig draußen und das was ich mir in Kroatien in mein schwarzes Reisenotzbüchlein skizziert habe, ist bis auf die Hochzeit schon geschrieben.

Ich habe es jetzt auch zeitlich umstruktueirt, die Handlung wird wahrscheinlich nicht die ganzen sechs Wochen bis zur Jurysitzung dauern, sonder vielleicht schon bei Zusannas Hochzeit enden, wo Edy Klara gefunden hat und ihr ihr Fotoalbum mitbringt, die wird am nächsten Donnerstag sein, Szene sechzehn spielt am Dienstag oder Mittwoch, da ist Klara gerade mit Clarisse im Campingrestaurant gewesen und die hat dort Claires Hochzeitsfoto liegengelassen.

So weit, so what, und für alle, die sich jetzt nicht auskennen und “Nicht so unverständlich, Frau Jancak, holen sie doch mal Atem!”, schreien, gehe ich vielleicht an den Start und an einen kroatischen Campingplatz zurück, wo ich in der Nacht von einem Zauberer mit einem Luftballon träumte, die Namen “Claire-Klara-Clarisse” waren da schon in mein Büchlein geschrieben.

Am nächsten Tag sind wir auf diese Insel gefahren und ich habe geschrieben und geschrieben, in mein Notizbuch die Handlung von dem Jurymitglied Klara, die damals noch den deutschen Buchpreis bewerten sollte, die nach dem ihr Freund sie betrogen hat, überstürzt nach Trogir fährt, dort auf dem Campingplatz logiert, um sich bis zur Jurysitzung die Bücher durchzusehen, in der Nacht von dem Zauberer träumt, der ein kleines Mädchen von einer braunhaarigen Blumenkleidfrau und einem anderen Mädchen weg, zu ihrer verhärmten blonden Mutter führt, ihre Geschichte reflektiert, der Bruder hatte, als sie drei war einen Radunfall, die Mutter seither Schuldgefühle und keine Liebe für die kleine Tochter, die Eltern sterben vor sechs Jahren, dann zieht sie zu Edy, dem Juryvositzenden, in Trogir lernt sie den Kaffeehausbesitzer Sergej kennen, trifft in Split seine Cousine Clarisse, es gibt die Großmutter Claire, bei der sowohl Sergej, als auch Clarisse aufgewachsen sind, die kam mit ihren Eltern 1917 als Säugling aus St. Petersburg, verbrachte ihre Sommer in Nizza, wohnte sonst in Ragusa. Sergej kocht für Klara, erzählt ihr von der Großmutter und dann gibt es noch die große Hochzeit von Zusanna, so weit so what.

Das habe ich in etwa, leider zum Teil ziemlich unleserlich, nach Wien zurückgebracht, beziehungsweise habe ich in Harland, meine Reiseeindrücke und “Ein Souvenier” geschrieben.

Dann ist das Ganze liegengeblieben, denn die “Berührungen” waren noch zu korrigieren. Etwas früher wie erwartet, bin ich trotz der Kritik des Unverständlich schreibens damit fertig geworden und habe dann mit dem neuen großen Roman begonnen.

Mir “Bora” herausgesucht, um es noch einmal zu lesen, bin aber noch nicht dazu gekommen, warten, ja jetzt noch sechzehn Rezensionsexemplare, die nicht nur den d und den öst Bp betreffen, meine Souveniers, das Lavendelssträßchen und den Rosmarin dazu gestellt, habe geschrieben und war mehr oder weniger zufrieden damit, denn die Kritik von dem “Kann es nicht daran liegen, daß Sie einfach nicht schreiben können?”, ist ja nicht so einfach wisch und wegzuwischen, denn daran stimmt sicher einiges, obwohl ich natürlich schreiben kann, aber offenbar nicht so, daß ich damit auffalle und es interessiert.

Nun gut, es war sowieso nicht mehr soviel Zeit, denn der dreiundzwanzigste August war ja bald da und da kamen auch die ersten Bücher und weil ich ja schon versuche genau zu lesen und sie genau zu besprechen, hinterlassen sie auch einen ziemlichen Eindruck und drängen so das Eigene zwar vielleicht nicht weg, aber doch in den Hintergrund und die Praxis lief auch wieder an, die Veranstaltungen begannen und wenn ich nur eine oder zwei Stunden Zeit habe, dann trödle ich vielleicht mit Recht herum und lese Blogs, statt mich in ein Kapitel einzulassen, daß dann vielleicht nicht so gelingt und mich blockiert.

Langer Rede kurzer Sinn, irgendwie habe ich jetzt das vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte, wie das jetzt  mit dieser Zwillingsschwester und der Großmutter ist?

Denn es hat sich bald herauskristallisiert, der Edy spielt eine viel wichtigere Rolle, in Kroatien war er kaum vorhanden, jetzt schickt er aber Klara Mails, sie antwortet zuerst nicht, dann schon, ihren Aufentahaltsort verrät sie zwar nicht, so wird er danach suchen, wenn er Freitag oder Donnerstag aus, jetzt Wien, statt Frankfurt, das habe ich geändert, wegkommt.

Das könnte ein weiterer Handlungsstrang werdenund die Beziehung zwischen Klara und Sergej läuft auch nicht so richtig an. Da scheine ich eine Beißhemmung zu haben. Sie war zwar in seiner Wohnung, die über dem Cafehaus liegt und hat mit ihm Branzino mit Rosmarinkartoffel gegessen und Großmutter Claire hat vom Portrait an der Wand auf sie herabgelächelt.

Die dunkelhaarige, elegante Frau, die wir damals in dem Restaurant in Split getroffen haben, die mich mit ihrem Eßverhalten sehr beeindruck hat und die ich zur Kuratorin des Filmfestivals machte, hat auch ihre Szenen bekommen,  ist sogar am Campingplatz aufgetaucht, ist Sergejs Lieblingscousine, die Möwe ist beschrieben und ein holländisches Ehepaar, das den Bus am Campinglpatz neben Klaras VW aufgestellt hat, sich die Butter vom Baguette kritzt und immer “Ist das ihr Freund Mevrouw Klara?”, fragt, gibt es auch.

Jezt werden sie Klara, die vom Restaurant gerade zurück ist und mit dem Buchpreislesen weiter machen will, zum Kaffee einladen und immer einen Keks aus einer Dose anbieten,  die dann zumachen und weglegen, Edy wird schreiben, daß er vielleicht schon früher von der Redaktion wegkann, um Klara zu suchen und auf den Segelturn wird Clarisse Klara und Sergej begleiten, daß nichts passieren kann.

So weit, so what und  Plan für drei weitere Szenen, die heute schreiben kann, wir sind am Dienstag oder Mittwoch, noch eine Woche Zeit bis zur Hochzeit und was passiert bis dahin?

Wie bringe ich Spannung hinein und löse die Rästsel auf, ob Clara jetzt Clarisses Zwillingsschwester ist und was der Traum von dem Luftballon bedeutet?

Da ist mir irgenwie die Luft ausgegangen, beziehungsweise habe ich die wohl auf der Rückreise von Kroatien und in der Zeit danach, das Gerangel um die Bundespräsidentenwahl, die jetzt wieder nicht stattfindet, ist ja auch sehr nervend, verloren.

Also zurück an den Start, obwohl mir das ja, wie meine Leser wissen, schwer fällt, beziehungsweise nie richtig gelingt und weil ich heute keine Stunden haben, nochmals das schwarze Büchlein durchlesen und dann zu plotten versuchen, die Handlung festlegen, was jetzt bis zur Hochzeit passiert und, wie das Ganze enden wird.

Das ist der Plan für heute, den ich gestern hegte, dazwischen sind mir dann  die drei Szenen eingefallen, die ich vorher schreiben könnten, obwohl die auch nicht wirklich sehr viel weiterführen werden und die Idee von einem Schreibberichtartikel, wo ich das Ganze nochmals präzisieren und vielleicht meine Leser, um Feedback und Ideen bitten könnte, kam auch.

Voila, da ist er, ich weiß zwar, daß die Leser da vielleicht nicht Schlange stehen werden, um mir weiterzuhelfen, weil sie mein “wirrens Geschreibsel” vielleicht nicht verstehen oder auch nicht interessiert, aber wir leben ja in der Zeit der Blogromane, Tillmann Ramstedt, hat einen solchen mit Leserhilfe geschrieben, Thomas Lang tut es, Jaqueline Vellguth schreibt jedes Monat einen Roman und kommuniziert darüber, Annika Bühnemann plant einen solchen und fährt jetzt auch nach Mallorca zum “Nanorimo”, während ich den höchstwahrscheinlich heuer auslassen werde, obwohl ich schon daran dachte, ob ich nicht am ersten November meine vierzig, fünfzig oder was auch immer an Seiten, die ich dann haben werde, nehme, mein Notizbuch mit dem Konzept und so tue, als würde ich das Ganze neu, beziehungsweise umschreiben, denn vielleicht muß ich auch an der Handlung etwas ändern, um wieder in Schwung und zu den großen Roman zu kommen, den ich doch jetzt endlich schreiben will?

Mal sehen wie es wird, ich werde, jetzt also nach dem Essen, schreiben sowie plotten und dann auch weiterberichten wie es geht, über Feedback wäre ich sehr dankbar, ich mache aber auch alleine weiter, da ich ja sehr beharrlich bin.

Zwei Erzählbände

In der “Alten Schmiede” geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

“Lesart” nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die “Alte Schmiede” hat ja auch zwei Räume, den “Schmiedenraum”, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das “Literatrische “Quartier” im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs “Paradiesmaschine” wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte “Halbes Leben” hat ihr Debutband geheißen, bei “Droschl” erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei “Rund um die Burg” gewonnen, dann kam das Lesen beim “Bachmannpreis” 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien “Hollywood im Winter” das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  “Schwestern der Angst” erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die “Kloster neu Burg”, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit “Unter uns”, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige “Altherrenprosa” gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte “Tiere wie wir” spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

“In der Literatur ist das erlaubt!”, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die “Schmiede” und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei “Otto Müller” ist “rosen brechen” erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung “Das Feld”, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger “gestohlen” hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim “Bachmannpreis” hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.