Vielen Dank für das Leben

Die 1962 in Weimar geborene und in Zürich lebende Sibylle Berg hat mit “Vielen Dank für das Leben”, ein alptraumhaftes Szenario über das menschliche Leben geschrieben, das auf der einen Seite dicht und eindringlich, auf der anderen vielleicht etwas übertrieben verworren ist.

Daraufgestoßen bin ich im Zuge meiner “Paul und Paula- Recherche”, denn da habe ich mich ja erkundigt, was ich in Bezug “Transgender” noch lesen könnte? Habe es empfohlen bekommen, nachgegooglet und bin auf dem ersten Blick gar nicht auf die Problematik gestoßen, denn die  Intersexualität der Hauptperson, wird in dem Alptraumszenario  irgendwie nur mitgeschleift  und wenn man das Buch gelesen hat, ist man wahrscheinlich so depressiv, daß man die Welt, wie hier geschildert, am liebsten  verlassen möchte.

Ich bin ja vor einigen Jahren in die Kartei der “Cornelia von Goethe Akademie” geraten und habe auf einer der Buchmessen einen diesbezüglichen Schreibratgeber, “Nähkästchen des Schreiben” heißt er, glaube ich, gefunden und bin da auf Sybille Berg und ihren Erstroman “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” gestoßen, der da sehr gelobt wurde.

Später habe ich den Kolumnen Band “Gold” gefunden und auf der LL ist sie 2009 mit “Ein Mann schläft” auch  gestanden.

Voriges Jahr habe ich sie in Leipzig am blauen Sofa über “Der Tag als meine Frau einen Mann fand”  reden gehört und gedacht “Was ist das für ein merkwürdiges Buch oder kapriziöse Autorin?” und das stimmt wahrscheinlich auch für den 2012 bei “Hanser” erschienenen Roman, obwohl er mich sehr beeindruckt hat, denn Sibyille Berg zeigt mit klaren Worten und einer sehr starken Sprache die menschlichen Grausamenkeiten und Absuditäten. Übertreibt zum Glück natürlich maßlos dabei, denn sonst müßte man wahrscheinlich noch depressiver werden und das, was sie da über das Aufwachsen des oder der kleinen Toto in der DDR erzählt, könnte genausogut in einem katholischen Heim in Irland oder Wien geschehen sein.

Da wird ein Kind in einer kalten DDR-Klinik von einer kalten Hebamme im kalten Jahr 1966 geboren. Die Mutter ist eine Trinkerin, hat keinen Mann und das Kind hat kein eindeutiges Geschlecht. Es wird der Mutter, ich glaube sie hat keinen Namen, vom Arzt übergeben, der ihr sagt, sie muß sich für ein Geschlecht entscheiden, so wählt sie Junge, nennt ihn Toto, nimmt ihn mit nach Hause und läßt das stille ruhige Kind gleich allein, um sich Alkohol zu besorgen. Dann kauft sie schon Windeln und Milchpulver, denn in der DDR stillte man damals nicht und nimmt ihn auch auf ihren Job als Altenpflegerin in entfernte Dörfer zu abgetakelten Alkoholikern mit (man sieht Sibylle Berg Welt ist mehr als trist) und gibt ihm etwas später in ein Kinderheim ab, wo die Kinder von Republikflüchtlingen und Alkoholiker aufwachsen.

Dort wird Toto von den anderen Kindern und der Erzieherin Genossin Hagen diskriminiert, wegen des zweideutigen Geschlechts, muß er allein duschen, als er gedankenlos eine Blume abbricht, wird er zum Dieb an der Volksgemeinschaft gebrandtmarktund als er alt genug ist, um in den Stock zu ziehen, wo die Knaben und die Mädchen vereint oder getrennt sind, verkauft ihn die Erzieherin an ein ebenfalls trinkendes Bauernpaar.

Toto nimmt das allein gleichmütig hin, er dissoziert würden die Psychologen sagen. Im Heim hat er viel gelesen Dostojewski, Zola, etcetera und ich frage mich nur, wie kommt ein Heim, das den Kindern, die Teddybären wegnimmt, damit sie ḱeine Gefühle entwickeln, zu einer solchen Bibliothek?

Am Land, beim Kühemelken fängt er zu singen an und als er die Grundschule abschließt, verläßt er die Pflegefamlie und geht einfach die Landstraße eintlang. Da kommt ein Bus mit westdeutschen Abweichlern, die den Sozialismus studieren wollen und die bringen Toto über die Grenze. Er bleibt eine Weile in deren WG, dann zieht er von Knepe zu Kneipe, putzt dort und schenkt aus, unterhält die Gäste aber auch mit seinem hohen Gesang.

Der dicke Junge, der wie ein Mädchen aussieht, er wird an eine Musikschule empfohlen, fällt bei der Aufnahmsprüfung aber durch, weil die Idioten dort sein Talent nicht erkennen und hantelt sich weiter durch dieses wunderbare Leben, bis in das Jahr 2000 hinein.

Ein Kasimir kommt auch immer wieder vor,  in den hatte sich Toto schon im Heim verliebt. Der ging noch vor ihm oder ihr in den Westen, wird Hedgefondmanager und verfolgt Totos Leben. Das heißt, er vermittelt ihm zu einer Nierentransplantation, denn der dicke Junge ist auch so selbstlos, daß er niemanden etwas abschlagen kann. Da wird dann Toto zum Mädchen gemacht, was aber auch nicht viel nützt. Es nimmt sie zwar ein Krankenpfleger nach Hause und sie reist mit ihm nach Asien.

Später wird Toto Metallarbeiterin und ebenfalls  Altenpflegerin und in dem Teil, der bis in das Jahr 2030 geht, fahren Toto und Kasimir  nach Paris.

Da hat sich die Welt dann wieder verändert, der Kommunismus ist durch den Kapitalismus ersetzt worden und die Welt teilt sich in die Reichen und die Arbeitslosen. Die Mittelschicht gibt es nicht mehr und aus der Stadt Paris wurde die in die Vorstädte verdrängt. In die Stadt kommen die Touristen aus der Unterschicht und die neue Welt ist so schön und heil, wie die von Aldous Huxley.

Man darf nicht rauchen, ißt kein Fleisch und in der Nacht holt die Polizei, die Obdachlosen ab und bringt sie in ein schönes neues Pflegeheim.

Igendwann, nachdem Kasimir sie verlassen hat, kommt auch Toto dorthin und fängt, ruhig gestellt durch Tabletten zu singen an. So schön, daß ein Aufnahmeteam von den Ärtzen geholt wird. Sie stirbt dann irgendwann, ihre Lieder, steht im letzten Kapitel, das wie viele die Überschrift “Und weiter” trägt, “wurden eine Woche später veröffentlicht. Ihr Verkauf war ein unglaublicher Mißerfolg”.

Man sieht Sibylle Berg kann es nicht lassen mit dem Pessimismus in ihrem, wie am Buchrücken steht “wütenden schrillen Roman über das einzige, was im Leben zählt.”

Sie scheint nicht viel dazuzuzählen und läßt die Leserin, ich habe es schon geschrieben,  ratlos und betroffen zurück, die denkt “Na darauf, kann ich auch verzichten!” (Das Leben nicht aufs Buch)

Vom Künstlerinnenbrunch zu Ruths Frauentaglesung

Ruth Aspöck

Ruth Aspöck

Bettina Balaka

Bettina Balaka

Der Sonntag ein bewegter Tag mit Veranstaltungen in St. Pölten und in Wien, hat es doch mit der Finissage der von Doris Kloimstein literarisch kuratierten Ausstellung im St. Pöltner Sommerreflektorium “Kunst-Macht” begonnen. Da waren wir vor drei Wochen bei der Vernisage, jetzt hat es um elf ein sogenanntes Künstlerinnenbrunch mit einigen Ansprachen, Aufstrichen, Kuchen, Kaffee,  Prosecco Rose gegeben.

Dann ging es  nach Wien, wo Ruth Aspöck, wie schon einmal  in der Galerie NUU, in der Wilhelm Exnergasse den Frauentag mit einer Lesung begangen hat.

Diesmal hat sie sich, da ja 1947 in Salzburg geboren, in Linz aufgewachsen und zum Studium nach Wien gekommen,  eine Lesung mit fünf in Salzburg geborenen  GAV-Autorinnen  “Wie wir  Wienerinnen wurden” einfallen lassen und hat auch gleich damit begonnen, ihre diesbezüglichen Erfahrungen vorzutragen.

Zum Studium nach Wien und dann hängengeblieben, obwohl sie auch in Madrid studiert und später einige Jahre in Kuba gelebt hat.

Die nächste Autorin war die 1966 in Salzburg geborene Bettina Balaka, deren Texte ich, 1996, als ich  in der Jury für das Nachwuchsstipendium war, kennenlernte, sie ist auch zum Studium nach Wien gekommen und beschrieb in ihren Texte, daß sie von ihren Eltern darauf geprägt wurde, daß “Wien die schiachste Stadt der Welt wäre”.

Käthe Kratz

Käthe Kratz

Margret Kreidl

Margret Kreidl

Sie hat sich als Studentin auch sehr einsam gefühlt, dann aber den “Geßwein”- und andere Literaturpreise gewonnen, ein erster Roman ist bei “Droschl”, andere bei “Haymon” erschienen.

“Kassiopeia” habe ich gelesen, “Die Prinzessin von Arborio”, wird am 8. März, also am richtigen Frauentag erscheinen und die Lesung ist mit der Filmemacherin und Feministin Käthe Kratz weitergegangen, die die Ruth  schon lange kennt und die hat einmal “Salzburg lahmgelegt”, als sie für die “Lebenslinien” drehte und beim letzten Kulturpolitischen Arbeitskreis, der auch von der Ruth organisiert wurde, das Impulsreferat gehalten.

Dann kam  die 1964 geborene Margit Kreidl, die dreizehn Jahre in Graz lebte, bevor sie sich nach Wien traute.

Jetzt lebt sie in der Kettenbrückengasse, in einem Haus, wo “Girdel Risten” an die Wand gresprayt ist, so hieß ihr Text und sie beschrieb darin  die Wege, die sie vom fünften in den sechsten Weg, wo  auch der Naschmarkt ist, macht und betonte, glaube ich, auch, daß sie sich als Wienerin sehr zufrieden fühlt.

Margot Koller

Margot Koller

Denise Narick

Denise Narick (NUU)

Margot Koller, die wir ja vor kurzem in Salzburg besucht haben, war die letzte Lesende und die einzige, wie sie betonte, die in Wien maturiert hat, deshalb hat sie sich  ein paar Schulkolleginnen mitgebracht.

Sie ist auch die einzige, die in Salzburg lebt und als Lehrerin  einige Jahre mit ihren Schülern nach Wien zur Wien-Woche fuhr. Jetzt zieht die GAV und ihre Freundin sie her und sie erwähnte sogar unsere gemeinsame Arbeit an dem “Selbstmordbuch”-“Kälte frißt mich auf”, das wir vor langer Zeit herausgaben.

Dann gab es ein gemeinsames Tafeln, beziehungsweise Krautfleckerlessen, schöne Fotos und ein Gespräch mit dem Fotografen, der außer dem Alfred, noch aktiv war.

…wie ein Roman entsteht

“Berührungen oder wie ein Roman entsteht”, so könnte mein nächster Roman heißen.

Ganz sicher bin ich mir ja nicht, ob etwas daraus wird oder, ob ich damit nicht wieder im schon zigmal aufgewärmten Einheitsbrei herumschwimme. Deshalb drücke ich mich derzeit wahrschein auch ein wenig vor dem Schreiben und schaue mir stattdessen lieber El Awadallas Facebookseite an, um herauszufinden, daß sie schon über zweitausend Unterstützungserklärungen hat. Ich habe am Montag unterschrieben oder Richard Lugners Wahlkampfvideos, der ja auch dafür sammelt, aber schon achttausendfünfhundert Alte in seinem Keller liegen hat.

Beziehungsweise habe ich mir auch Claude Lanzmanns Film “Der letzte Ungerechte” über den Wiener Rabiner Benjamin Murmelstein angesehen, der der letzte Judenälteste in Theresienstadt war und über den Robert Schindel eine Farce geschrieben hat, die jetzt im Theater Hamakom aufgeführt wurde.

Etwas treibt mich dann doch zum Schreiben, wenn ichs aber tue, bin ich nicht zufrieden damit, denke mir “Das wird nichts! Das müßte man anders machen!”, etcetera.

Zwei Szenen oder 2236 Worte sind auf diese Art und Weise schon entstanden. Die Eingangsszene, wo die Schriftstellerin Anna Augusta Augenstern eine Literaturzeitschrift mit einer Rezension ihrer “Flüchtlingstrilogie” zugeschickt bekommt, wo drinnen steht, daß sie nicht berühren würd und dann den Romananfang, wo die Lehrerin Hildegard Himmelblau ihren ersten Pensionsbetrag am Konto hat, jetzt wie geplant, un die Welt reisen könnte und nicht sicher ist, ob man das in Zeiten wie diesen tun kann, tun soll, etcetera.

Zwei Handlungsstränge, die Schriftstellerin geht dann zu ihren Psychotherpeuten Theo Hardenberg oder vorher zu ihrem Bücherschrank, um sich aus fünf Büchern fünf Worte herauszuschreiben und das mit der Widmung eines P.s an seinen Schatz zu finden.

Aus den Wurfgeschichten könnte der Roman entstehen, der sich in der zweiten Ebene entwickelt. Hildegard hat ja schon Zarah Shamit kennengelernt und die hat ihr Stefan Zweig aus St. Petersburg und Heimito von Doderer aus Sarjewo vorgestellt. Da geht es um ein Theaterstück in dem alle drei in einem Aktionstheater spielen, das am 12. 2. 1934 handelt, wo sich angeblich die beiden Dichter im Cafe Central getroffen haben, um die Weltlage zu besprechen.

Klingt gut, eigentlich, nicht wahr? Warum habe ich dann diese Sperre im Kopf, die diesmal stärker als je vorhanden ist? Die Stimme, die sofort denkt, nicht schon wieder, das ist doch nicht gut, das kann doch nichts werden, etcetera?

Nun ja, da gibt es ja schon an die vierzigmal Selbstgemachtes, von denen keiner ein Exemplar gewinnen will, wenn ich es dann auf die Vorschau stelle.

Jetzt ist es ja wieder soweit. Die “Sommerereignisse” werden nächste Woche aus der Druckerei kommen und die Vorschau für die “Nika” existiert bereits und “Paul und Paula” mein letztes Kurzprojekt, an dem ich eigentlich sehr zügig und mit weniger Sperre im Kopf gearbeitet habe, wurde dann von meinem Testleser nicht für gut gefunden. Er oder sie haben sich zwar einige Male deshalb bei mir entschuldigt, haben aber auch nichts anderers gesagt, als die meisten vorher, eigentlich genau dasselbe. Die Sprache ist zu ungenau und zu schlampert, die Geschichte ist nicht fertig, es sind Rohentwürfe, die Figuren, wie aus Pappe, etcetera.

Was ich bei der “Paula” eigentlich nicht finde, da sind die Themen nicht so abgelutscht.

Das hier sind die Ideen, die mir vor und nach meinen Recherchetag gekommen ist und da war das “Nicht schon wieder über Flüchtlinge schreiben!”, schon im Kopf und über die Pensionistin, die ihr Geld abhebt, habe ich ja auch schon geschrieben. Dagegen ist mir das von dem berührt, schon vorher eingefallen. Denn das höre ich ja immer, wenn jemand fragt, was ein guter Roman sein soll?

“Er muß mich berühren!”, lautet, die immer gegebene,  steeotype Antwort, die ich schon nicht mehr hören kann. Und weil sich keiner für meinen Arbeiten interessiert, berühren sie offenbar nicht.

Eigentlich eine gute Ausgangslage für einen Roman, allerdings auch sehr perslönlich und das könnte dann wieder eine Hemmschwelle sein, die die Sperre im Kopf auslöst und wahrscheinlich auch viel Arbeit, denn der Roman mit Hildegard, Zarah und den beiden Dichtern ist die eine Sache, beziehungsweise muß ich mich da auch in Stefan Zweig und Heimito von Doderer einlesen, auch wenn das Treffen 1934 eine fiktive Angelegenheit ist.

Doderer ist 1933 in die illegale NSDAP eingetreten, habe ich ergooglet und vorher ein paar Frühwerke geschrieben, Stephan Zweig hat 1934 in Salzburg gelebt und im Februar nach den Kämpfen Österreich nach einer Hausdurchsuchung verlassen.Da könnte er am 12. in Wien gewesen sein. Aber was die beiden da aushecken muß ich auch erst erfinden und die Wurfgeschichten müssen  auch zur Handlung passen und da ist  auch noch Zarah, die an einer Dissertation über Anne Frank schreibt, die ja  einige Jahre später in dem Versteck in Amsterdam sitzt und ihr berühmtes Tagebuch schreibt. Das könnte alles auch in das Stück, beziehungsweise Roman einfließen und seinen Bezug zur Gegenwart haben.

Also wieder sehr viel Arbeit. Zu viel vielleicht, denn wenn ich es nur umrunde, anreiße, wird es ja wieder nichts. Aber das wirklich einlassen, ist derzeit etwas schwierig, obwohl ich mir wieder denke, macht ja nichts, wenns nichts oder nicht gleich was wird! Du kannst es ja umschreiben, kommen lassen und vielleicht entsteht durch die Wurfgeschichten auch etwas ganz anderes.

Spannend eigentlich, wenn ich darüber schreibe und das geht auch besser, als das Schreiben selbst und war auch eine Idee, die ich das letzte Mal hatte, das ich mir den Roman vielleicht erbloggen kann. Die Blogberichte könnte dann auch in den Roman fließen, etcetera. Vielleicht mag mir einer meiner Leser auch Ezzes geben, beziehungsweise mich diesbezüglich begleiten?

Mal sehen, daß das Zeitlassen, eine gute Sache ist, weiß ich auch, nicht umsonst stöhnen ja der Alfred oder Wolfgang Helmart im MUSA, wenn ich  mein Neues zeigen will oder davon erzähle.

Ob ichs zusammenbringe ist eine andere Sache. Aber irgendwie kann ich ja doch schreiben, zumindest habe ich das  schon sehr viel getan. Warum soll dann ausgerechnet ich nicht interessieren oder berühren können? Die Themen sind ja interessant, Transgender genauso, wie die momentan aktuelle Situation und die Depression oder Schreiblockade einer Schriftstellerin wahrscheinlich auch.

Mal sehen, die anderen kochen auch mit Wasser oder schreiben mit Tinte. Da habe ich  zuletzt Sibylle Bergs “Vielen Dank fürs Leben” gelesen, die hat eine sehr sehr scharfe Sprache, da kann ich mir sicher einiges abschauen, aber beschreibt auch nur das, was ich mir so denke, nämlich den Untergang oder den Zustand dieser Welt und eigentlich habe ich beim Lesen empfunden, so ganz auskomponiert ist das  nicht. Denn da wird ein Ereignis an das nächste gereiht, so daß ich mir da denken würde “Nicht so viel, nicht übertreiben, das ist  jetzt eigentlich nicht mehr logisch!” Oder Hans Platzgumer, der mit “Am Rand” inzwischen auf Platz eins, der “ORF Bestenliste” steht, da habe ich mir in der “Alten Schmiede” mehrmals gedach “So kitschige Metaphern dürfte ich nicht schreiben!” und der Irving übertreibt in “In einer Person” ja auch sehr ungebremst. Da darf ich mein Fräulein Paula vielleicht auch auf das Faschingsfest seiner Nichte schicken und der Dr. Scherzer von der “Berg-Galerie” kann, wie die anderen, “Ist das Ihr Freund, Fräulein Paula?”, fragen.

Ich habe öfter das Gefühl, das ich das alles nicht darf und die Sperre im Kopf ist auch schon früher da, bevor jemand den Text zu sehen bekommt. Die, den inneren Kritiker, wie die Schreibratgeheber meinen, müßte ich als erstes wegbekommen, das raten sie ja auch im “Writersstudio”, für mich heißt das, aufschreiben und dann vielleicht bearbeiten und natürlich Zeitlassen, denn damit drücke ich mich wahrscheinlich um das Einlassen herum. Mich einarbeiten in die Biografien Doderes und Zweigs und  versuchen einen Bezug zur Gegenwart herzustellen. Die depressive Anna Augusta Augenstern kann ihrem Psychiater ihre Wurfgeschichten erzählen, die müssen dann aber  Bezug zum Text haben und am Ende ist vielleicht die Premiere des Stückes und  Hildegard geht nach Hause, um ihre Koffer für die große Reise zu packen ( und die Anna Augusta steht dann mit “Berührungen” auf der nächsten LL).

Das weiß ich noch nicht zu genau, zuerst einmal muß ich das unangenehme Gefühl wegbringen, wenn ich denke, daß ich jetzt eigentlich schreiben soll, denn das hindert mich am Einlassen oder was ich  schon länger will, mich zuerst mit meinen schon geschriebenen Sachen in die Badewanne begeben und mich in sie einlesen. Das Wochenende will ich nur das und nichts anderes lesen.

“Die Dora Faust” bietet sich dafür an, die “Bbibliophilin”, die “Mimi” und wahrscheinlich anderes, das von depressiven Frauen oder Schriftstellern handelt.

Bis halb elf kann ich das jetzt tun, dann gehts auf den Markt, weil wir da die Ruth Aspöck treffen, weil der der Alfred seinen neuen Holzofen zeigen will. Morgen gibts dann in St. Pölten ein Künstlerbruch bei der von Doris Kloimstein kuraritierten Ausstellung im Sommerfrelektirium des Doms und am Sonntag Nachmittags ist Ruths Salzburger Frauenlesung zum Frauentag in einer Galerie beim WUK.

Die anderen schreiben auch nicht so viel besser als ich, das denke ich immer wieder, warum das dann bei mir nicht und nicht geht, habe ich noch nicht so ganz herausgefunden. Mal sehen, ob es mit dem Projekt geht. Aber vielleicht fällt mir noch etwas anderes ein, was weniger persönlicher ist und daher vielleicht leichter und ungehemmter vor sich geht?

Und, um von Jacquelinge Vegguth und ihrem zwölf Bücher Projekt, das ich mir eigentlich nicht zum Vorbild nehmen sollte, zu berichten, da ist zu schreiben, daß jetzt der Februar Roman on line gegangen ist, der auch der Beginn einer Trilogie ist, aber von übernatürlichen Kräften handelt und bei mir geht es ja sehr realistisch zu.

Nach dem Sturm

Die 1963 in der SU geborene Nellja Veremej, die seit 1994 in Berlin lebt und 2013 mit ihren Debutroman “Berlin liegt im Osten” auf der LL gestanden ist, der vom heutigen Alexanderplatz, alten Frauen und Altenhelferinnen erzählt ist mit ihrem zweitenbei “Jung und Jung” erschienenen Roman “Nach dem Sturm”, sowohl in die Gegenwart, als auch in die Vergangenheit gegangen, erzählt von einem alternden Mann, ist man das mit sechzig heute wirklich schon, einer wahrscheinlich fiktiven Stadt am Mittelmeer und vorallem, genau wie Jan Böttcher in seiner Frühljahrsneuerscheinung von den entwurzelten Generationen aus aller Herren Länder, die sich dort niedergelassen haben und nach den Zeiten des erzwungenen Sozialismus  ihr schönes oder auch nicht so schönes neoliberales Leben leben.

Es ist ein stiller, leiser Roman, die Kathastrophen werden nur angedeutet, umschifft, beziehungsweise, wie auch der Klappentext lobt, in schöner Sprachen und eindrucksvollen Bildern erzählt.

Beginnen tut es tief in der Vergangenheit im siebzehnten Jahrhundert, wo der Hirtenjunge Damir in die Stadt Gradow kommt, wo sich die Flüchtlinge auf der Festung niederlassen dürfen und ihr neues Leben und ihren Aufschwung beginnen.

Richtig von den Flüchtlingen, die das letzte halbe Jahr die Festung Europa so zahlreich stürmen, wird auch erzählt , das tote Flüchtlingskind wird angeschwemmt, während der sechzigjänhre Ivo, der ein Restaurant neben dem Museum auf der Festung  hat, von seiner Frau längst entfremdet in der Bibliothek schläft, einen scheuen Blick auf die junge Praktikantin oder Mitarbeiterin Mira wirft, die dort in der Früh ihren Kaffee trinkt und alles umformen und reformieren will.

Ivo ist der Sohn, einer Mutter die Prag verlassen mußte, als dort die Nazis kamen, sie lernt Dragasch, einen Bauernsohn kennen, der es in Gradow bald zum Universitätsprofessor bringt und seinem Sohn nun eine riesige Bibliothek vermacht, die, weil ja sozialistisch und nicht mehr aktuell, niemand mehr haben will und Ivo hat sich auch längst seinen Kindern, Boris und Ana, die beide in Deutschland studierten, entfremdet.

Boris ist zurückgekommen, um Geschäftsmann zu werden, residiert nun in einen Glaspalast und läßt in seinen Waren Zettelschen mit angeblichen Hilferufen der ausgebeuteten Zwangsarbeiterinnen in der dritten Welt verstecken., Ana verweigert sich im Museum zu arbeiten und widmet sich stattdessen lieber Flüchtlingskindern und die Erben der Leute, die von den Kommunisten vertrieben wurden, melden sich auch bei Ivo und wollen ihre Wohnung zurück.

Dazwischen werden immer wieder Kaptiel beziehungsweise Geschichten aus der Vergangenheit eingeschoben, die Mira im Museum, zeigen will.

So wird die Türkenbelagerung lebendig und der Verrückte bekommt eine Stimme, der sich all dem widersetzen und eine seltsame Kirche errichten lassen will.

In der Stadt gibt eine eine Bruno Schulz Straße und ein geschlossenes Antiquariat in dem man die “Zimtläden” bewundern kann. Überflüßig zu erwähnen, daß es in dem Gässchen mit den teueren Geschäften, wo Boris und seine Mutter Milly, eine verhinderte Opernsängerin einkaufen, nach Zimt riecht.

So geht es rund um und wir lernen auch hier ein anderes Europa kennen und die Menschen bekommen Gesichter, die uns vielleicht bisher nur aus der Zeitung oder als Gastarbeiter, beziehungsweise Emigranten bekannt waren.

Im Buch gibt einen Plan von der fiktiven Stadt und am Cover ist auch ihre Ansicht abgebildet, die das Buch seltsam altmodisch wirken läßt.

Wo sind die Zeiten der schönen alten “Residenz” und frühen “Jung und Jung” Covers mit ihrem einzigartigen Design könnte man fragen und wenn man mehr von Nellja Veremej und ihrer Frühjahrsneuerscheinung wissen will, am 27. 4. stellt sie ihn mit Angelika Reitzer in der “Alten Schmiede” vor.In Rauris habe ich gerade ergooglet, wird sie auch daraus lesen.

Y

Jetzt kommt eine Frühjahrsneuerscheinung aus dem “Aufbau-Verlag”, nämlich Jan Böttchers Y, eine Geschichte, die von Entwurzelung,  dem Aufwachsen zwischen den verschiedensten Kulturen Europas und dem eines Kindes, für das seine Eltern, egal, ob im Krisengebiet des Kosovo oder dem computerverseuchten Berlin, keine Zeit haben, erzählt.

“Die Geschichte beginnt!”, schreibt der Erzähler, ein Schriftsteller, der mit seiner Frau und seinem vierzehnjährigen Sohn in Berlin lebt, als der, Benji, eines Abends einen schweigsamen Freund nach Hause bringt und ihn bei sich übernachten läßt.

Der Vater stellt den Sohn zur Rede und der Leka genannte Junge verschwindet dann auch wieder. Nicht nur aus der Wohnung des Schriftstellers, sondern überhaupt aus Berlin und als Benji seinen Vater vorwurfsvoll anblickt, beginnt der nach ihm zu suchen und trifft Jakob Schütte, einen Nerd, Workoholic und Computerspielerfinder und der beginnt ihm seine Geschichte zu erzählen.

Er ist mit Arjeta, einem Flüchtlingsmädchen aus dem Kosovo zur Schule gegangen, hat sie Jahre später, in den Neunzigern wieder getroffen, eine Beziehung begonnen, sie  auch bei ihren Eltern und ihren Brüder besucht. Die Beziehung klappte irgendwie nicht, haben Moslems doch andere Moralvorstellungen, außerdem hatte im Kosovo, der Krieg schon begonnen, so daß zuerst die Söhne zum Kämpfen zurückgingen, später die ganze Familie mit Arjeta, die dem Erzähler  ihre Sicht der Dinge erzählt.

Jakob Schütte folgte der Familie in den Kosovo, wo Arjeta, die in Deutschland studierte, Deutsch und Englisch Unterricht gibt und mit Leuten, die im Rundfunk einen neuen Kosovo aufbauen wollen, in Kontakt kommt. Sie wurde dann auch von Jakob schwanger. Heiratete aber nicht ihm, sondern einen Mann namens Bedri, denn der Deutsche, der sich schon mit Computerspielen zu beschäftigen beginnt, war ihr viel zu verrückt.

Jakob kümmert sich eine Weile noch um den kleinen Leka, eine Abkürzung von Alexander, dann geht er nach London. Kommt aber wieder, als Leka sechs Jahre alt ist und kauft ihm einen Computer. Als er in einer Bibliothek Bücher mitgehen läßt, um sie zu kopieren, wird er von der Securty zusammengeschlagen, sein Schlüßelbein wird gebrochen, er fliegt verletzt nach Berlin und kommt  nie mehr in den Kosovo.

Sein Sohn ist dann vierzehnjährig nach Berlin gekommen, ob er sich, von der Mutter allein gelassen, die sich inzwischen einem Künstler angeschlossen hat und mit ihm Videos dreht, selber auf die Suche nach seinen Vater macht oder von ihm entführt wird, bleibt unklar.

Leka ist auch nicht lange in Berlin geblieben, sondern hat sich selber der Poloizei gestellt und zurückbringen lassen.

Der Erzähler und sein Sohn werden ihm, es sind noch Ferien, in den Kosovo folgen. Dort wird er sich mit Arjeta und ihrem neuen Freund ihre Kunstprojekte ansehen.

Da stoßen wir auch auf den Namen des Buchs, das Geheimnisvolle “Y”, ein Symbol für das aufstrebende Kosova vielleicht. Wir begegnen aber auch dem Computerspiel, mit dem Jakob Karriere machte und vom Krieg im Kosovo profitierte und der Erzähler beginnt, als er mit seinem Sohn wieder in Berlin ist und die Fahnen für den Roman, den er darüber geschrieben hat, über sein eigenes Leben,  seine Beziehung zu seinen Eltern, im Nachkriegsdeutschland und in den Zeiten, als die DDR zusammenbrach, zu reflektieren.

“Jan Böttcher hat einen großartigen europäischen Roman geschrieben. Einen Roman, der einige der drängensten Fragen unserer Zeit neu stellt: Wie frei können wir sein, ohne die eigene Herkunft zu verleugnen? Wieviel Verantwortung übernehmen wir im Leben füreinander, für unsere Kinder, für die Gesellschaft? Und was macht uns eigentlich zu guten Eltern?”, steht so auch im Klappentext.

Jan Böttcher von dem ich vor kurzem seinen ersten Roman Lina oder: das kalte Moor” im Schrank gefunden habe, wurde 1973 in Lüneburg geboren und hat 2007 beim “Bachmannpreis” gewonnen.

 

Musik im MUSA

Wieder einmal “Literatur im MUSA”, wieder einmal eine Stipendiatin und ein Stipendiat der Stadt Wien, diesmal war auch Musik dabei und die Ausgezeichneten waren mir zwei alte Bekannte, nämlich Christine Huber und Daniel Wisser und Daniel Wisser, den ich einmal, lang lang ist her, bei einer Wohnzimmer-Veranstaltung” im Amerlinghaus kennenlernte, wo er sein “Ritter-Buch” “Dopplergasse 8” vorstellte und ich mir dachte, so realistisch bin ich auch, hat schon einmal das “Canetti-Stipendium” bekommen und seinen “Weißen Elefanten” im MUSA vorgestellt. Mit “Standby” hat er beim Bachmannpreis glesen, mit dem “Elefanten”, war er bei den “Alpha-Finalisten” und eine seiner “Solo-Performances” habe ich im Literaturhaus auch einmal gehört und Christine Huber, die experimentelle Lyrikerin, GAV-Generalsekretärin und “Dicht-Fest-Veranstalterin”, kenne ich auch schon sehr lange. Einmal als sie noch nicht so experimentell war, wurden wir beide nach Klagenfurt zum “Preis der Arbeit” eingeladen. Sie hat neben Bernhard C. Bünker mit einem Text über ein Zimmermädchen gewonnen und jetzt hat sie ihre Gedichte aus einem “Art und Science Band” gelesen.

Sehr experimentelle Gedichte, deren Sprache ein wenig an Jandl erinnerten und sie hat dann Julia Danielcyck auch genau erklärt, wie sie ihre Lyrik verstanden haben will.

Wenn sie das Wort Pfirsich schreibt, stellt sich jeder das runde Ding vor. Sie will aber keine Geschichte darüber schreiben, sondern die Sprache verknüpfen und ärgert sich immer, daß es seit zwanzig Jahren keine Avantgarde mehr gibt, sondern, daß das Erzählen wieder in ist, weil sich die amerikanischen Romane angeblich so gut verkaufen lassen, was sie immer ärgert.

Mich ärgert das nicht so sehr, obwohl ich ja keine so goße Freundin der großen Amerikaner bin, aber realistisch psychologisch vor mich hin erzähle und Daniel Wisser, dessen “Ritter-Buch” ich damals sehr realistisch fand, überraschte mich mit seiner Performance aus seinem eneuen “Klever-Buch” “Kein Wort für Blau” mit seiner Realistik oder war das erst bei dem Musikbeitrag, wo Liese Lyon einhändig begleitet von Oskar Aichinger vier seiner Lieder sang, die erstaunlich erzählend und erstaunlich konventionell klagen.

Ja so dreht und wendet sich alles nach vorne und auch nach zurück und das neue Buch besteht aus lauter kleinen Erzählungen, nach wahren Begebenheiten, wie Daniel Wisser betonte und so stand er wieder mit dem Wasserglas vor dem Mikrophon, sagte dreimal den Titel der Geschichte und dann sprach er seine Texte ab, von denen ich einige, wenn ich mich nicht irrte, schon bei seiner letzten Performance im Literaturhaus hörte.

Sehr viel Publikum, Gerhard Jaschke, Susanne Ayoub, die mich sehr freundlich begrüßte, Herbert J. Wimmer, Alexandra Millner, Walter Famler, Dine Petrik, Wolfgang Helmhart und und und es gab wieder Brot und Wein, Gespräche und die Bücher der beiden Stipendiaten konnte man sich auch kaufen und nach Hause mitnehmen, um dort in Ruhe lesen, was wie Julia Danielcyck im Gespräch erwähnte, vor allem bei Christine Hubers Gedichten sehr hilfreich ist.

Wieder ein Jahr Podiumportraits

Bei der Präsentation der “Podium-Portraitreihe”, diesen kleinen Heftchen, die zu den runden Geburtstagen, ab fünfundfünfzig bis achtzig etwa, der Mitglieder des Literaturkreises herausgegeben werden, war ich schon öfter und ich bekomme auch öfter so kleine Heftchen von den Jubilaren oder deren Erben geschenkt und jetzt wurden Band 83 bis 88 präsentiert und der 1955 in Kärnten geborene Religionslehrer Axel Karner, der mehrmals bei dem von mir organisierten Tagen der “Freiheit des Wortes” gelesen hat und mir auch schon einige seiner Gedichtbände zur Besprechung übergeben hat, hat mit einem sehr eindruckvollen Dialektgedicht über die Gewalt, die wir einander antun, begonnen “Die Goschn soll ich halten hast gsagt” undt dann Auszüge aus den “Stacheln des Rosenkranzes”, den Lissabonnergedichten und den “Chansons grillee”, die ich auch schon einmal im Literaturhaus hörte, gebracht, die nächste war die einzige Frau und auch die jüngste in der Runde, die 1960 geborene Ärztin Monika Vasik, die seit 2011 literarisch tätig ist und die ich sehr oft bei Veranstaltungen sehe.

Barbara Neuwirth hat ihr Portrait eingeleitet, sie hat aber auch selber die Themen vorgestellt, die ihr wichtig sind.

Die Politik, die Liebe, Krankheit und Sterben, sowie Natur und  hat in ihr Portrait auch unveröffentlichte Gedichte, sowie Proben aus ihren bisherigen, in der “Edition Hernals” entstandenen Gedichtbänden einfließen lassen.

Der nächste war der ebenfalls 1955 geborene und als Lehrer tätige Christoph Janacs aus Oberösterreich, der auch öfter bei den “Tagen der Freiheit des Wortes” gelesen hat. Er hat jetzt einen Bart, so hätte ich ihn fast nicht erkannt und hat für sein Portrait Gedichte, die er nach japanischen Mustern geschrieben hat, ausgewählt.

Dann kam Bernhard Widder an die Reihe, er ist auch in Oberösterreich geboren und hat Architektur studiert, reist viel herum, was auch in seinen Gedichten, von denen er einige in den Siebzigerjahren, die meisten zwanzig Jahre später, geschrieben hat, zu hören war.

Der 1945 in Bayern geborene und in Ungarn aufgewachsene Übersetzer, György Buda, den ich von einigen Literaturveranstaltungen und von der Donau Lounge der “Buch Wien” kenne, war der Älteste in der Runde, der seinen ersten Sologedichtband präsentierte, Einzelgedichte hat er schon in Anthologien veröffentlicht und der las von der “Mondstadt” das ist die Gegend um den Donauturm und ein Gedicht, das er Christl Greller zu verdanken hat, die  auch schon einen Band in dieser Reiehe hat. Mercedes Echerer hat das Vorwort für seinen Band geschrieben und der letzte Autor war der 1956 geborene Georg Bydlinsky, der erst im Mai seinen runden Geburtstag hat, der sein Vorwort, wie Martin Auer selbst geschrieben hat und zuerst zwei Gedichtzyklen über Triest und London, das letztere auf Englisch und dann noch drei Kindergedichte las, denn er ist  auch ein Kinderbuchautor und hat unter anderen einen Kinderlyrikpreis bekommen.

Wurfgeschichten versus Roman?

Für die die es wissen wollen, wie es mir mit dem Weiterschreiben geht und ob ich bezüglich meiner Recherche- oder Materialsuchtouren schon zu einer Wurfgeschichte gekommen bin?

Mitnichten, nichts davon,  denn vielleicht wird doch nichts aus einer Geschichtensammlung und ich schreibe demnächst wieder an einem neuen Roman, der dann vielleicht  eine kurze Erzählung wird, aber vielleicht komme ich damit auch nicht wirklich weiter, obwohl in meinem Notizbuch schon ein paar diesbezügliche Notizen und Eintragungen stehen.

Vorige Woche bin ich ja sowohl mit der Endkorrektur der “Sommergeschichte” fertig geworden, die inzwischen auch schon an die Druckerei gegangen ist, als auch mit der Rohkorrektur von “Paul und Paula”.

Das hat jetzt der Alfred zur gefälligen Bearbeitung und ich habe dann am Mittwoch die Fenster geputzt und bin am Donnerstag auf eine Recherche-beziehungsweise Materialsammeltour gegangen.

Da hatte ich allerdings schon ein paar vage Einfälle aufgeschrieben, ich könnte nochmals, genauer, anders etcetera über das Umgehen mit einer Alzheimerdiagnose schreiben oder aber, weil mich das immer nervt zu hören, daß eine Geschichte, ein Roman etcetera nur dann gut ist, wenn er berührt und ich ja genau das mit meinen Texten nicht zu schaffen scheine, weil die niemanden interessieren, obwohl das eigentlich interessante Themen sind, über die ich schreibe, das Downsyndrom beispielsweise oder jetzt die Transgenderproblematik, etcetera…

Dann schreibe ich das, lasse es drucken, zeige es dem Ersten, den ich in der “Alten Schmiede” oder an einem anderen Ort sehe und der nimmt es mit spitzen Fingern, sagt “Schön!” und fügt vielleicht hinzu, daß er es aber jetzt nicht anschauen kann!

Na gut, berühre ich eben nicht, die Themen, die ich aber behandle sind trotzdem interessant. Darüber zu schreiben, vielleicht auch, obwohl ich schon weiß, daß ich damit nicht weit entfernt von meinen gewohnten Fahrwasser bin und in der “Dora Faust” habe ich ja etwas sehr Ähnllichres behandelt.

Nun gut, durch Wien marschiert und diesbezügliche Ideen aufgesammelt, darüber habe ich schon geschrieben und am Freitag, wo ich es mir eigentlich gut gehen haben lassen wollen, in meinen Texten schmökern, meine Schreibutensilien ordnen, etcetera, ist dann plötzlich der Entwurf für einen neuen Roman entstanden, von dem ich mir allerdings nicht ganz sicher bin, ob ich ihm schreiben, kann, soll und will.

Die Frage, was berührt mich, wäre ja schon eine ganz gute Ausgangslage und da könnte die Erzählerin, Anna Augusta Augustin steht schon ganz lange in meinem Notizbuch zu ihrem Therapeuten gehen, in der “Frau auf der Bank” gibt es ja den Psychiater Theo Hardenberg, der sich mit der Sveti befreundet, der könnte auch Psychotherapeut sein und dem erzählt die Augusta von einer Rezension, die sie bekommen hat, daß ihre Geschichten nicht berühren würden.

Dabei hat sie ja schon eine Idee, Achtung auch nichts Neues, da wird ihre Helden sechzig, geht in Pension und möchte fortan ein schönes Leben leben, mit Geld von der Bank abheben und um die Welt reisen etcetera.

Aber kann man das in Zeiten, wie diesen, wo die Flüchtlingsströme kommen, wir von uneren Politikern in Sachen Angst im Kreis geschickt werden, etcetera, die Hildegard Himmelblau, irgendein kürzerer Name ist mir auch noch eingefallen und habe ihn jetzt vergessen, könnte irgendwo auf dem Weg dies zu tun, ihre ehemalige Schülerin, sie war Lehrerin, Zahra Kashrim treffen, die jetzt Germanistik studiert, eine Diplomarbeit über Anne Frank schreibt, aus dem Iran kommt, die ihr zwei junge Männer mit Namen Stefan Zweig und Heimito von Doderer vorstellt.

Ja, genau, das sind Schauspieler bei dem Flüchtlingstheater, sie kommen aus Bosnien und Russland, wo Zahra auch mitmacht und sie proben in diesen Rollen ein Stück, das das Wien der Dreißigerjahre schildert, wo die beiden Dichter sich begegnen und über den Zustand der Welt reflektieren. An eine Begegnung in den Wolken habe ich auch gedachtund während, die gute Augusta nicht recht weiß, soll sie jetzt diesen Roman schreiben oder nicht, kann sie das überhaupt, geht sie vielleicht wöchentlich zu ihrem Psychiater und erzählt ihm ihre Wurfgeschichten.

Am Freitag bevor ich zu den schönsten Büchern und der “Kurzen Nach des Hörspiels” gegangen bin, war ich recht niedergeschlagen und unzufrieden mit meinen Notizen, habe auch gedacht, kann ich das überhaupt und was berührt mich daran und das habe ich doch alles schon in unzähligen Varianten?

Dann bin ich zu meinen Bücherstößen gegangen, im Internet habe ich da von einer sehr viel jüngeren Schreiberin einen diesbezüglichen Tip gefunden, man sucht sich wahllos eine Handvoll Bücher heraus und schreibt sich einen Wort, einen Satz vom Klappentext heraus, der berührt.

Das habe ich dann auch getan und bin auf die Worte: “Erkundungen, Dosenbier, Geld, Feindschaft und Lügen” gekommen, die entsprechenden Bücher weiß ich jetzt gar nicht mehr alle, Cornelia Travnicek war aber, glaube ich, mit “Chucks” und dem Wort “Dosenbier” dabei.

Auch nicht sehr ergiebig, habe ich gedacht, aber ich kann natürlich eine Geschichte schreiben, wo das Wort “Dosenbier” vorkommt und habe dann noch zu Ljudmila Ulitzkaja “Die Lügen der Frauen” gegriffen oder schon vorher, denn das  Wort “Lügen” stammt sicher daraus, interessant ist aber die Widmung, die da jemand hineingeschrieben hat.

“Dieses Buch soll ein Anfang dafür ein, daß du deinen Traum realisierst! Dieses Buch gilt als erster Schritt in die Psychologie. Ich hoffe sehr, daß es dir gefällt, vielleicht kannst Du dann meine Fehler analysieren und entsprechend behandeln!”

Wow, interessant, was man alles in den Bücherschränken findet und die Augusta Augustin, die ausgebrannte Autorin, könnte ja auch eine diesbezügliche Bücherschrankbenützerin sein.

Sie findet das Buch,  geht damit zu Theo Hardenberg und liest  ihm die Widmung vor, beziehungsweise hat sie schon etwas für ihren Roman und wenn ihr diesbezüglich nichts mehr einfällt, weil sie ja nicht alles hundertausendmal, wie weiland Martin Walser, der sich ja, glaube ich, auch in der Kunst übt, immer wieder denselben Roman neu zu schreiben oder das auf jeden Fall vorgeworfen bekommen hat, kann sie dem guten Theo pro Stunde immer eine Geschichte über eines dieses Wörter erzählen und so Kapitel an Kapitel reihen…

So weit so what und da war ich, glaube ich, in der Freitag Nacht, bevor ich dann zu der GV der IG Autoren gegangen bin und gedacht habe, damit könnte ich ja mal anfangen und sehen, wie weit  ich damit komme und am Ende habe ich dann einen Roman, zu dem ich ein Jahr, ein Monat oder was auch immer brauche, beziehungsweise eine kurze oder längere Erzählung für die Wurfgeschichtensammlung oder alles oder auch nichts davon.

Ich könnte ja auch und das hat mich ja einmal meine Psychologiekollegin Irmgard G. gefragt, ob der Blog mein Schreiben ersetzt, eine Zeitlang Artikel, “Wie schreibe ich einen Roman in das “Geflüster” stellen und den Entstehungsprozeß als solchen beschreiben.

Ich lasse mich überraschen, ob das Bloggen das Schreiben, ergänzen, ersetzen oder was immer wird.

Wär auch mal spannend und vielleicht wird der Prozeß über das Schreiben ein Blogroman. So etwas passiert ja derzeit auch bei anderen und von Romanfiguren, die ins Leben treten, wird ja jetzt auch geschrieben oder Geschichten erzählt, die dann ein Roman werden, denn die meisten anderen, haben ja auch schon einiges geschrieben und stehen vielleicht an.

Ich schleppe jedenfalls meine sogenannten Mißerfolge und das nicht Wahrgenommen werden mit mir herum, das schon Ausgeschrieben sein, bei all den Bücherbergen, die es schon gibt, die aber keiner kennt und, ob es eine neuerliche Geschichte einer ausgeschriebenen Autorin und einer Flüchtlingsbetreuerin wirklich ist, weiß ich gar nicht so genau.

Man schreibt immer denselben Roman, sein Leben lang, das weiß ich schon, sollte man vielleicht auch nicht und eigentlich will ich auch nicht schon wieder über eine depressive Pensionistin schreiben, dann fällt mir aber doch eine neue Variante dazu ein. Vielleicht wären die Wurfgeschichten ein Ausweg daraus oder auch der Weg hinein? Mal sehen, ich bin gespannt, und werde weiter berichten…

IG-Autoren, andere Buchmesse und japanischer Film

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Wieder einmal Generalversammlung der IG-Autoren, der Art Autorengewerkschaft, die von Gerhard Ruiss gegründet wurde und die er einige Zeit mit Hannes Vyoral gemeinsam machte und sich jetzt als Geschäftsführer sozusagen alleine auf dem Podium für die Interessen der Autoren einsetzt, das heißt Vizepräsidenten gibt es auch und einen Vorstand und die Präsidentin, die Kinderbuchautorin Renate Welsh hat  eröffnet, als das Frühstück vorbei und die Versammlung beschlußfähig war.

Ich bin da ja schon seit einigen Jahrzehnten delegiert und gehe regelmäßig zu den Versammlungen, die Gerhard Ruiss auch heute damit begann, daß er die Aktivitäten der IG trotz stetig schrumpfender Subventionen lobte.

Da gibt es ja die Beteiligungen bei den Messen, Frankfurt, Leipzig und Buch-Wien mit einem großen Stand, einem Radio und Lesungen, die man dort machen kann, wenn man ein neues Verlagsbuch hat.

Da falle ich ja leider immer durch, obwohl ich auch heuer wieder nach Leipzig fahre. Es gibt den Katalog, der österreichischen Neuerscheinungen, da bin ich leider auch nicht drin und dann nicht jedes Jahr, aber jetzt wieder den Stückebörsenkatalog,  es gibt Rechtsberatung und voriges Jahr wurde auch der Musterverlagsvertrag gemeinsam mit dem Hauptverband ausgehandelt, da war ich bei dem diesbezüglichen Fest.

Bei der Generalversammlung gibt es die Anträge, die von den Mitglieder eingebracht werden können und die dann behandelt werden und da begann es gleich mit Aufregungen im Steuerrecht, denn seit einiger Zeit muß man beim Bund seine Rechungen, für Jurytätigkeiten beispielsweise, elektronisch stellen und die Steuererklärung muß man ab nächstes Jahr, was mich dann auch betreffen wird, ebenfalls online machen und dann ging es gleich weiter mit Ludwig Laher, der im Rat der Rechtschreibreform ist und von den diesbezüglichen Sitzungen berichtete.

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Das ist weit weniger brisanter, denn die IG setzt sich dafür ein, daß die Autoren schreiben können, wie sie wollen und hat das im Vorjahr in einer Umfrage erhoben. Da wurden zwar auch nur Verlagsautoren betragt, aber deren Resultate gingen in eine Studie ein, von der Ludwig Laher berichtet hat und dann gab es Mittagessen, sprich das berühmte Würstlbuffet, Käse und Obst und viele Gespräche.

Die Ruth ist von ihrem Schiurlaub zurückgekommen und konnte diesmal daran teilnehmen, Erika Kronabitter war da, Christl Greller und was vielleicht interessant ist, die Kollegen aus den Bundesländern, die ich nur einmal im Jahr nämlich bei der GV sehe, wie O. P. Zier, den sehe ich zwar  auch bei der GAV-GV und habe ihn Samstagmittag auch beim Bücherschrank getroffen, als ich dort einen Abstecher hinmachte.

Am Samstagnachmittag ging es  weiter mit der Frage, was mit seinem Manuskript passiert, wenn man zwar einen Verlagsvertrag hat, aber der Verleger pleite macht und  mit dem Manuskript verschwindet? Eine kniffelige Frage, die mich ebenfalls nicht sehr betrifft und politisch wurde es natürlich auch, leben wir ja in Krisenzeiten und solchen, wo sich die Sprache gegen die Flüchtlingsfrage wenden kann. so formulierten Ludwig Laher und Renate Welsch auch ein Papier, das sich speziell damit beschäftigte und Peter Paul Wipplinger, der sich sehr für die Rechte von verfolgten Schriftstellern einsetzt, erzählte von einem Gerichtsurteil, in dem Holocaust-Befreite als “Landplage und Kriminelle” bezeichnet wurden.

Am Sonntag ist es mit den restlichen Anträgen und der Wahl des neuen Vorstandes weitergegangen und anschließend hat es wieder die “Andere Buchmesse” gegeben, die ja von Margit Kröll, die auch immer zu den Vorstandssitzungen kommt, Nicole Engbers, dem Verlag “Thorsten Low”, etcetera, seit 2010 an den verschiedensten Orten organisiert wird.

Heuer war es von halb zwölf bis sechs im Amtshaus Döbling. Es hat wieder ein Kinderprogramm und die Verlagspräsentation von Thorsten Low gegeben.

© Dieter Scherr

© Dieter Scherr

Zu dem Jugendkrimi “Zufallsopfer” von Margit Kröll bin ich noch zurechtgekommen, das Theaterstück, die Zaubershow und das Literaturprojekt zum Thema Flucht habe ich versäumt.  Literaturslam und Musikprogramm hat es nicht mehr gegeben.

Dafür war die Verlagspräsentation von Thorston Low, der vier seiner Neuerscheinungen vorstellte, besonders spannend.

So gab es eine Geschichte, die von einem Turm handelte, eine über Piraten, dann ein Ausschnitt aus einem Text zum Thema “Wasser” und dann ging es nach Japan.

Beziehungsweise fuhr ein gescheiterter Historiker mit seiner Frau dorthin, um dort sein Sachbuch über die K. und K. Monarchie vorzustellen, versucht sich den japanischen Sitten anzupassen, will seine Frau in ein Dirndl stecken, wird von Restaurant zu Restaurant geführt, wo er rohes Huhn, Fisch und Nudeln essen muß, und um sein “Amazon Ranking” zu verbessern, wird ihm noch Stück für Stück von seinem Körper abgeschnitten, zuerst eine Locke, dann eine Ohr, eine Fingerkuppe, ein Tatoo wird ihm auch noch entfernt, etcetera, leider konnte ich den Schluß dieser Satire auf das japanische Leben beziehungsweise Literaturbetrieb nicht hören, weil ich mich um halb sieben mit dem Alfred im Kino verabredet hatte, um wie es der Zufall wollte, auch einen japanischen Film zu sehen, nämlich “Krischblüten und rote Bohnen” nach dem Roman von Durian Sugekawa, der im März bei “Dumont” auf Deutsch erscheinen wird.

 

Schreibgedanken

Auch wenn es nerven sollte, jetzt kommen wieder Schreibgedanken, denn während ich mehr oder weniger lustvoll “Die Frau auf der Bank oder dreimal “S” korrigiere und dabei schon wieder denke, bald fertig zu werden, vielleicht nicht mehr vor Weihnachten, denn dann müßte ich “Mörderisches Wochenende”, das kleine Krimiworkshopbüchlein, das ich einmal im Bücherschrank gefunden habe und auf meiner Leseliste für 2012 habe, vorziehen, habe ich mir ja vorgenommen, das sozusagen als Einstieg für das nächste Projekt zu lesen, beginne ich schon zu überlegen, was ich als nächstes schreiben werde?
Man könnte vielleicht sagen, ich bin unersättlich oder unermüdlich, eine manische Schreiberin vielleicht, aber ich habe jetzt sehr lange keine Ahnung gehabt, was ich als nächstes schreiben will. Irgendwie bin ich ja auch ausgeschrieben. Sind die “Zwillingswelten” ja das fünfundzwanzigste Digitalbuch, das in etwas mehr als zehn Jahren entstanden ist und mangels Erfolg oder wegen schlechter Kritiken, kommt ja auch sehr oft der Gedanke “Wozu, das wird ja wieder nichts?”
Dann meldet sich natürlich Widerstand, denn ich denke ja wirklich, daß eine, die sehr viel schreibt, das irgendwie, wenn vielleicht auch anders, können muß und das Bloggen im Literaturgeflüster ist ja auch eine ständige Beschäftigung mit dem Schreiben. So daß ich schon glaube, sagen zu können, wo meine Stärken und meine Schwächen liegen. Ganz so negativ, wie meine Kritikerin JuSophie sehe ich es nicht und denke auch nicht, daß ich Trivialromane schreibe, wohl aber realistisch und mein Brotberuf und die Beschäftigung mit Randschichten hat wahrscheinlich auch zur Folge, daß es mir immer wichtig war, verständlich zu denken, zu sprechen und zu schreiben.
Deshalb wird wahrscheinlich keine experimentelle Autorin aus mir und, daß ein Roman “abgehoben” sein muß, um als literarisch zu gelten, was mir einmal Karl Markus Gauss erklärte, habe ich auch sehr lange nicht verstanden. Jetzt verstehe ich es und glaube auch, daß man etwas Neues schaffen soll und berühren, das ist ein Zitat von Felix Mitterer aus dem neuen Ohrenschmaus-Buch. Aber ich denke schon, daß man das alles in einer verständlichen Sprache tun kann und dann will ich auch von den Randschichten des Lebens und dessen Ecken und Kanten schreiben und natürlich meinen eigenen Ton finden.
Mein Problem und das was mich wahrscheinlich hindert, ist meine Schüchternheit und dann bin ich vielleicht auch zu schnell und zu ungeduldig. Daß ich mich immer noch an meinen Grenzen vorbeischummle, kann ich mir vorstellen, aber ich denke auch, daß ich mit dem Schreiben, die Grenzen überwinde und pro Buch besser werde, ect…
Langer Schreibe kurzer Sinn, irgendwann, ich glaube erst vor ein paar Tagen, sind die Ideen für das neue Projekt gekommen. Da denke ich ja zuerst brav immer, mir ein halbes Jahr Schreibabstinenz zu verordnen, um, wie das Kind nach den Masern einen Entwicklungssprung zu machen, aber ein Kind Masern bekommen zu lassen, gilt ja inzwischen als fahrlässig und ich will mir das wahrscheinlich auch nicht wirklich antun. Die nächste Idee ist dann, eine Weile in Wien herumzufahren, Szenen aufzunotieren und das Gleiche auch beim Zeitungslesen machen.
Dann kam schon die erste Idee und zwar hat da eine Bloggerin von einer Philosophiestudentin geschrieben, die in verschiedene Welten abdriftet, das klingt interessant und Thomas Stangls “Emilia Degen” hat es mir beim Erich-Fried-Preis ja auch irgendwie angetan. Dann kam schon die Idee, daß ich in einer Wohnung zu verschiedenen Zeiten, die Großmutter Rosa 1915 geborenen, die Mutter Marianne Geburtsjahr 1950 oder so und die achtundzwanzigjährige Philosophie studierende Enkeltochter Theresa leben lassen könnte und die Wiedergeburt von Jiri Kratochvils “Femme Fatal” am Montag in der Alten Schmiede hat mir auch gefallen. Da ist dann gleich der Arbeitstitel “Die Wiedergeborenen” entstanden und am Dienstag sind die Idee in das grüne Notizbuch geflossen.
Die inzwischen verstorbene Großmutter Rosa könte in der NS-Zeit eine jüdische Freundin in der Wohnung versteckt haben und 1956 ist dann deren Tochter Esther aus Budapest nach Wien geflüchtet, während die Journalistin Marianne, Theresas Mutter, 1968 ein Verhältnis mit einem aus Prag geflohenen Journalisten hatte und Theresa, die jetzt in der Wohnung der Großmutter wohnt und zu ihrer Mutter ein schlechtes Verhältnis hat, könnte einen Asylwerber aus Georgien, vielleicht auch einen Journalisten oder Schriftsteller in ihrem Kabinett wohnen lassen und dabei unterm Bett oder im Kasten auf ein paar Schachteln mit alten Briefen oder Fotos stoßen….
So könnte es beginnen und wenn ich es unbedingt brauche, könnte ich auch etwas über das erfolglose Schreiben oder den Literaturbetrieb hineinpacken. Mal sehen. Ob es wirklich ein Krimi wird, glaube ich nicht, obwohl ich wieder, bevor ich beginne, ein Art Schreibstudium machen und dafür das Krimiworkshopbüchlein lesen will und dann wieder “Achtung, Bleistift los!” und frei vor sich hin assoziieren um das Neue entstehen zu lassen und wirklich viel Zeit lassen, wenn mir das gelingt, um auch über meine Grenzen zu stoßen. Also wieder denken, auch ein Rohentwurf muß nicht unbedingt in sechs Wochen entstehen, mal sehen, ob mir das gelingt, jetzt bin ich noch sehr zuversichtlich. Aber einige Wochen werde ich für die “Frau auf der Bank” schon noch brauchen. Inzwischen kann ich ja meine Ideen kommen lassen und ich werde auch im Literaturgeflüster darüber berichten, denn ich finde das Schreiben über Schreibprozesse schon sehr gut, spannend und auch inspirierend.