Mittagessen bei der Ruth und Korrigierbericht

Übermorgen hat sie Ruth ihren sechsundsiebzigsten Geburtstag und da lädt sie immer ein paar Leute ein Ein paar Mal war ich schon dabei,aber diesmal geht es um den Jahrgang 1947, ihr Geburtsjahr.

Da sind, glaube ich die Susanna Schwarz-Aschner, der Franz Schuh, der Thomas Northoff, etcetera, betroffen. Aber wir hatten noch eine Einladung gut. Hätten wir doch kurz vor Jahreswechsel, bevor wir nach Harland gefahren sind, zu ihr kommen sollen, weil sie eine bestimmte Nachspeise ausprobieren wollte. Aber dann ist sie krank geworden und wir sind alleine ins Theater zu einer Ziege namens Silvia gegangen und jetzt die Einladung nachgeholt, was ich als vorgezogenes Geburtstagsfest betrachtete und ihr daher zwei meiner Bücher mitbrachte.

Die “Gestohlenen Jahre” und das passt insofern ganz gut, denn bei ihrem letzten Geburtstag hats, glube ich, auch kein Fest gegeben. Aber auf der WU hat eine große Demo stattgefunden, weil man da ja nur mehr geimpft studieren hätte dürfen und das kommt in dem Buch vor. Verläßt der Simon da ja Österreich, weil man laut Ministerin Edtstadler ungeimpft nach Einführung der Impfpflichtsich nicht mehr in Österreich aufhalten durfte.

Das ist jetzt vorbei. Wurden ja, nachdem die ÖVP, die NÖ- Wahl verloren hat, weil die Ungeimpften lieber der FPÖ ihre Stimme gaben, die Aufhebung aller Regelungen mit April oder Juni angekündigte. Dafür wirds ein neues Epidemiegesetz geben, wo dann die Impfpflicht gleich dabei sein soll und die Stadt Wien hat an ihr Pflegepersonal auch schon Passierscheine geschickt, damit sie im Falle eines Blackoutlockdowns, wo alle wieder zu Hause bleiben müssen, ihre Arbeit machen dürfen.

Das ist aber noch Zukunft und das zweite Buch, das vor ein paar Tagen erschienen ist, ist das über das “Soziale Kreditsystem”, das habe ich der Ruth auch übergeben.

Dann liegt noch die “Flora Faun” beim Alfred, der das Manuskript druckereifertig machen soll und ich korrigiere gerade an den “Drei Frauen”. Bin da beim letzten Drittel und länger ist es bis jetzt noch nicht geworden, kommt vielleicht noch.

Jetzt gings einmal um das Grobe, die Namen kontrollieren und die Rechtschreibfehler und bei der Ruth hat es gefüllte Tomaten als Vorspeise gegeben. Dann gab es Hackfleischbällchen mit Dillsauce und die Nachspeise waren flambierte Bananen.

Dann kam auch noch die Frau Brunngraber, die Tochter des Rudolfs, die in demselben Haus, wie die Ruth lebt und die Ruth hat mir das Buch des Robert Sommers gezeigt, daß er ihr auf der “Buch Wien” gegeben hat und in dem mein Name und mein “Tauben füttern” vorkommt, daß ich ihm offenbar einmal gegeben habe.

Wir haben uns dann auch noch über einige literarische Neuigkeiten unterhalten, so die letzte “Mit Sprache Unterwegs-Veranstaltung” die die Ruth versäumte und die nächste GV der IG Autoren steht auch an. Aber da wird die Ruth wieder im Hinterthal sein, wo wir sie vor drei Jahren begleiten durften und bei meinem Geburtstagsfest, das vielleicht im November stattfindet, wird sie auch auf einem Literaturaufenthalt sein

So weit und ein gutes Mittagessen mit Sekt, Wein und Keksen. Ich wünsche der Ruth alle Gute zu ihrem sechsundsiebzigsten Geburtstag. Zum siebenundsiebzigsten wird es wieder ein großes Fest geben und ich lese gerade ein interessantes Buch, nämlich den persönlichen Essayband der Kerstin Preiwuß, wo es auch um Corona geht, das jetzt ja vorbei sein sollte.

Das neue Buch

Wieder ein neues Buch. Das erste im neuen Jahr im Frühling und Sommer 2022 geschrieben und wenn man es so will, ein Nach-Corona-Buch, das das Coverfoto weist schon darauf hin, sich mit dem chinesischen sozialen Kreditsystem beschäftigt.

Aus der Sicht Steffi Schusters, einer pensionierten Psychologin, die in ihrer Cafe-Konditorei einige interessante Begegnungen hat, von der Tochter einer Studienfreundin besucht wird und ein sogenanntes Patenkind hat sie auch.

Ein sehr dünnes Büchlein. Das Schreiben ist auch nicht ganz so flott, wie sonst dahingegangen,. Trotzdem ein wahrscheinlich interessantes Stück Zeitgeschichte über ein Thema, das mich die letzten drei Jahre sehr beschäftigt hat und worüber man bestimmt realistisch und gesellschaftskritisch schreiben kann und soll.

Am Gewinnspiel hat sich leider wieder niemand beteiligt.

“Traut euch doch!” würde ich sagen, vor allem im Jubiläumsjahr wäre das interessant. Ich löse die Fragen also auf und fordere wieder alle herzlich zu einer Leserunde auf, in der wir über das Buch diskutieren können.

  1. In der Konditorei “Aida” auf der Mariahilferstraße
  2. Sun Jong Edelbauer
  3. Steffi Schuster lernt in der “Aida” den Englischlehrer Winston Smith kennen und von Johanne Amudsen wird sie besucht.

Populärer Realismus

Jetzt kommt ein sehr interessantes Buch auf das ich durch Ö1 aufmerksam wurde, wo es dann auch noch eine gesamte Sendung dazu gab. Das Buch des 1962 geborenen Moritz Baßler, der an der Universität Münster neuere deutsche Literatur lehrt “Populärer Realismus”-“Vom internationalen Style des gegenwärtigen Erzählens” heißt es weiter und da hatte ich schon mal Schwierigkeiten mit den Begriffes.

Was ist der “Style” und was heißt “Midcult”? Und ich, die ich ja realistisch schreibe, meine die Gesellschaftskritik dabei und keine Trivialliteratur. Denn man sollte ja eigentlich leicht und verständlich schreiben und sich nicht in einem Fremdwörter-Touch verwirren, damit man was versteht.

Das ist wahrscheinlich die alte Frage. Sprache oder Inhalt? Und nur der Joyce ist gut, der Proust, der Johannes Marius Simmel nicht und schon gar nicht der Sebastian Fitzek oder die Joanne Rowling, obwohl die ja die Kinder in die Bibliotheken getrieben hat und als der Hauptverband des Buchhandels den deutschen Buchpreis ausgerufen hat, damit die Leute zu Weihnachten Bücher verschenken, würde ich mal vemuten, berief er Literaturkritiker in die Jury und die Buchhändlerin, darunter auch das Jurymitglied Petra Hartlieb, stöhnten, den Reinhard Jirgl, Ulrich Petzer, Frank Witzel, Thomas Lehr können sie nicht verkaufen, denn die Keute wollen etwas Lesbares, Spannendes, Unterhaltendes und nicht die hehre Sprachkunst, die sie nicht verstehen.

So schreibt Moritz Baßler auch gleich am Anfang, daß er mit James Joyce aufgewachsen ist und dann kommt Wolf Haas daher witzelt herum und die Leute sind zufrieden.

Daniel Kehlmann und noch ein paar andere werden aufgezählt und dann ein Text von Sebastian Fitzek, dem Bestsellerautor mit seinen Psychothriller und die Leser, die “Amazon Rezensenten” oder so, sind zufrieden, denn sie kriegen genau was sie erwarten und können sich auf ihren Fitzek ,verlassen obwohl es immer wieder spannend ist und da sind mir die Webinare der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan eingefallen, die ja genau das beibringen will mit der Heldenreise,, die den Leser fesseln und die die noch lesen und, ich glaube, das tun immer weniger Leute, wollen unterhalten werden.

Die hehre Literaturwissenschaft sagt aber Genre oder Trivialliteratur dazu, bespricht es nicht in ihren Feuilletons und Denis Scheck schmeißt es in seinem “Druckfrisch” in den Mistkübel hinunter und das ist interessant, denn warum heißt es “Eigenverlag” wollen wir nicht und warum darf ein Buch nicht leicht geschrieben sein, denn wenn man ein Fremdwörterlexikon dazu braucht, um es zu verstehen, schmeißen es die Leser am Ende in den Müll.

Aber zurück zu Moritz Baßler zu seinen internationalen Style und seinen Midcult, denn er verteidigt Sebastian Fitzek und meint, auch wenn man seine spannende Thriller liest, bekommt man etwas mit von der Welt und es geht nicht nur um den Kommerz und das Verkaufen, was offenbar, das einzige ziel der Populärliteratur ist und da erinnere ich mich, wie ich einmal bei dem “Fest für Gerhard Rühm” iwar, der sicherlich nicht im populären Realsmus schreibt, einen hehren Literaturkritiker klagen hörte, daß es soviele erzählende Romane gibt und man stattdessen lieber Friederike Mayröcker lesen soll.

“Hui?”, dachte ich da verschüchtert.

“Aber ich will ja so schreiben und andere tun es doch auch!”

Richtig, Wolf Haas und Daniel Kehlmann, den ich gar nicht so besonders mag und Moritz Baßler führt dann neben Sebastian Fitzek auch noch den Alfred Döblin und seinen “Alexanderplatz” und der ist sicher nicht trivial obwohl er sich offenbar auch den Mitteln des populären Schreben bedient und der populäre Realismus ist offenbar weltüberfassend und leicht zu übersetzen oder eigentlich dafür geschrieben.

Als Beispiel werden da Huraki Murakami und und Frank Schätzing angeführt, da hat sich der Autor einmal in einer Bahnhofsbuchhandlung den “Schwarm” gekauft und bemerkt, daß er das schon hundertmal gelesen hat, weil da ja die Klischees verwendet werden, leicht verständlich sind, während die hehre Literatur mit der Sprache arbeitet und seinen Leser etwas Neues bietet,, was dieser der sich auf seinen Autor verlassen möchte, gar nicht haben will.

Eine interessante Frage und ich dachte, als ich das begriffen habe, daß es ja sehr wichtig ist, in leichter Sprache zu schreiben. Damit alle an der Kultur teilhaben können und nicht nur die, die Matura haben oder Literatur studierten und mit der Matura habe ich gehört, ist es ohnehin nicht mehr weit her, denn da muß man nur Gebrauchsanweisungen schreiben und kann bis zur achten Klasse kommen ohne einen Klassiker oder Gegenwartsautor gelesen zu haben und da denke ich wieder, daß man alles lesen soll, den James Joyce und den Sebastian Fitzek.

Jeden das Seine und wenn man sich nach einem Tag schwerer Arbeit mit einem Krimi erholt und sich nicht mit Marcel Proust abquälen will, ist das auch okay und es gibt auch gesellschaftskritische Krimis.

Der Ausdruck Midcult stammt von Umberto Eco und mir fällt noch der Rüffel ein, den ich hier bekomme habe, weil ich auch Sophie Kinsella lese. Aber ihre “Schnäppchenjägerin “ist großartig, da ist sehr viel Psychologie dabei, auch wenn die Sprache gut verständlich und leicht zu übersetzent ist.

“Midcult” hat wahrscheinlich soviel zu bedeuten, daß der “Populäre Realismus Kunst sein will” und das wird in nächsten Kapitel gehörig verrissen, beziehungsweise Daniel Kehlmanns “Vermessung der Welt”, das ich einmal gefunden, aber nicht gelesen habe, analysiert. Das kommt irgendwo eine Anspielung auf Goethes “Nachtlied” vor, was verstanden wird oder nicht, bzw. die englische Übersetzerin ärgert und dann geht Baßler durch Kehlmanns Werk, der seiner Meinung nach eine Literarizität vortäuscht, aber nicht hält.

Ich halte Daniel Kehlmann für einen hochintelligenten Autor, der mit all den Klischees und Vorurteilen spielt und sie hervorragend verwendet, so zum Beispiel dann in der “Vermessung” ein Ufo auftreten läßt und ich habe einiges von Kehlmann gelesen, beim “Fernsten Ort” habe ich einmal einen Angriff auf ihn in der “Alten Schmiede” und die Reaktionen darauf erlebt.

2003 hat er “Ich und Kaminsky geschrieben” und dann ging es mit der “Vermessung” hoch in den Literaturhimmel und das, was Baßler da kritisiert, wäre ja eigentlich sehr gut. Ein literarischer Roman der die Massen erreicht und den die Leute gern lesen. Was ist da dabei,wenn er sich, damit das passiert Klischees verwendet?

Die, die den hehren Proust analysieren wollen, weil sie Bildungsbürger sind, können das ja immer noch tun und die Mainstreamleser werden sie dabei nicht stören. Das ist wohl mein pädagogisches Ich, das mich über den Tellerrand schauen und da toleranter sein lässt, aber Achtung Leser, ich war nie in einem Gymnasium oder nur in der Sprechstunde dem, meiner Tochter Anna.

Dann kommen wir schon zum magischen Realismus, der in Lateinamerika vorherrscht und von dort zu uns geschwappt ist. Dort sind die Leute arm, könnte man unken, retten sich deshalb gern in die Phantasie und sehen Wirklichkeiten, die sie vielleicht gern hätten aber nicht haben.

Heinrich Böll, der inzwischen vergessene Nobelpreisträger von 1972 wird hier auch zitiert oder seine Literarizität in Frage gestellt. er hat in “Wanderer kommst du nach Spa..” offenbar einen verletzten Soldaten in sein ehemaliges Gymnasium gebracht, weil das inzwischen zum Lazarett umgewandelt wurde. Das ist sehr eindrucksvoll und sagt uns “Krieg ist Böse!”, wenn die starken Metapher natürlich kitschig ist und deshalb prägt sie sich wahrscheinlich auch so gut ein.

Dann kommt es zu Knausgards Autoficition, den ich nicht gelesen habe und wahrscheinlich auch nicht lesen werde und höre und staune, einer seiner Romane fängt fast genauso, wie der “Engel des Vergessens” an und da hätte ich gedacht, es gibt kein Problem mit der literarischen Wertung. Sie ist eine Lyrikerin, beherrscht also die Sprache und sie hat auch den “Bachmann-Preis” bekommen und ist dadurch bekannt geworden.

Für Moritz Baßler wieder zu poulär. Aber was ist schlecht daran, daß das Buch ein Bestseller geworden ist und sich die Leute mit den Kärntner Slowenen beschäftigten? Das halte ich sogar für sehr gut, auch wenn Maja Haderlap ihrer Großmutter da vielleicht etwas in den Mund legt, was sie selbst nicht gedacht hat.

Dann geht es um die Genre, den Fantasyroman, zu dem “Harry Potter”, der “Herr der Ringe”, die “Biß-Romane”, etcetera gehören und da stellt Baßler die Frage, ob sie zur Literatur gehören? Das ist wohl eine Frage der Definition und ich könnte genausogut danach fragen, ob experimentelle Textmontage ohne Sinn und Handlung eine solche sind?

Die, die Fantasy schreiben, tun das oft in Serie und da sind wir wieder bei dem, was die Leser sich erwarten, bei den “Tatort-Krimis” und den Fantasycomputerspielen.

Dann kommt wieder Baßler zur Literatur oder zu Katrin Paßing, die ja 2006 den “Bachmann-Preis” gewann und das auch voraussagte, weil sie den Text nach bestimmten Kriterien konstruierte. Das nannte sie automatische Literaturkritik und damit hat sie die Texte nach Kriterien etwa, spielt in der DDR, hat Nazivergangenheit, etcetera bewertet und auf diese Art und Weise eine Zeitlang selbst einen Preis vergab.

Das hat sich jetzt aufgehört und es ist, glaube ich, auch um Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner Krebserkrankung das Leben nahm.

“In Plüschgewittern” habe ich von ihm gelesen und “Tschik” und das ist ja der Kultroman, der laut Baßer nach diese Kriterien geeschrieben wurde. Baßler kommt dann noch zur Popliteratur, dazu zählt Herrrndorfs “In Plüschgewittern” und ich weiß zwar ungefähr, wer zu den Popliteraten gehört, aber nicht genau, was das eigentlich ist.

Beim “Neuen Midcult” geht es über die Rezension von Elena Ferrantes “Genialer Freundin”, wo ich den ersten Teil gelesen habe, zu den etws umstritteneren Stimmen. Da wäre einmal Takis Würgers “Stella”, das mir die liebe Doris ins Klinikum St. Pölten mitbrachte, als ich dort mit meinen Knöchelbruch lag und dem wird ja kulturelle Aneignung vorgeworfen oder, daß ein nicht Betroffener sich nicht in eine Holocaust-Täterin einfühlen darf.

Dann wird es noch moderner nämlich binär und antirassistisch und da stand ja Olivia Wenzel mit ihren “1000 Serpentinien Angst” auf der dBp und die hat ordentlich ausgeteilt, als sie mit ihrer Oma chinesisch Essen ging und dort vermanschte Ethnokost vorgesetzt bekam.

Sharon Dodua Otoos “Adam Raum” wird auch vorgeworfen, daß sich eine schwarze Frau nicht in ein Nazi-KZ hineindenken darf. Allerdings milder als Takis Würger, dem wahrscheinlich mittelalten weißen Mann und Anke Stelling, die mit “Schäfchen im Trockenen” den Leipziger Buchpreis gewonnen hat. Leider habe ich das Buch nicht gelesen, hat sich mit den Sorgen einer modernen Bildungsunterschicht beschäftigt, die nicht mithalten kann, wenn sich ihre Freunde aufs Land zurückziehen wollen.

Man sieht der moderne “Midkult” ist wieder sozialkritisch geworden und interessant ist auch, daß Moritz Baßler, den ich, ohne ihn zu kennen, für konservativ halten würde, sich auf eine Anticorona-Demo bezieht, wo eine Jana aus Kassel, meinte, daß sie sich wie Sophie Scholl fühlt, “weil sie in der Corona-Pandemie eine Maske tragen muss.”

Was Baßler, wie anderere für nicht zuläßig hält und vermutet, daß “Jana ihr Bild von Sophie Scholl selbst bereits kitischigen , unterkomplexen, literarischen oder filmischen Darstellungen der NS-Zeit verdankt.” Nun ja, 1943 war sie wahrscheinlich noch nicht geboren.

Da würde ich “Wehret den Anfängen!”, rufen und einwenden, daß man das, wenn man nur mit Bändern ausgerüstet und zwei Pässen von der Polizei oder Security kontrolliert in Geschäfte und in die Uni darf und zum Zeitpunkt des Geschehens, nicht wußte, ob das vielleicht ewig weitergehen wird? schon darf und sich die Geschichte vielleicht auch anders entwickelt hätte, wenn es 1933 mehr Widerstand gegeben hätte und die Bedrohung auch etwas Subjektives ist.

Die einen haben sich vor dem Virus gefürchtet, die anderen, sich um ihre Freiheit gebracht gesehen und wenn jeder Kritiker gleich ins rechte Eck gerückt wird, kann man vielleicht auch von Verharmlosung des Nationalsozialismus sprechen und sich fragen, warum das nötig war?

Eingeleitet wurde das Kapitel aber mit der Frage an die Leser, was sie sich von der Literatur erwarten und dann zum neuen oder auch alten literarischen Quartett hinübergeschwenkt. Das Alte war stimmgewaltig von Marcel Reich-Ranicki geprägt, das dazwischen von Maxim Biller, der mir zu viel schimpfte und Christine Westermann, die wohl als “Wohlfühlmama” bezeichnet wurde. Das Neue dominiert die Autorin Thea Dorn mit Gästen, wenn das nicht schon überholt ist und Wohlfühlliteratur ist überhaupt etwas, das Mortiz Baßler gar nicht mag.

Ob man aber “Stella”, “Hundert Serpentinen Angst”, oder “Schäfchen im Trockenen” wirklich als Wohlfühlliteratrur bezeichnen kann, würde ich bezweifeln.

Im Kapitel “Tentakuläres Erzählen” werden die Romane “In der Traumfabrik” von Hengameh Yaghoobifarah”, “Der Mythos des Pferdemädchens” von Lisa Krusche und “Identitti” von Mithu Sanyal vorgestellt. Den Zusammenhang zwischen Romanen und auch was tentakuläres Erzählen ist, habe ich nicht ganz verstanden. Was eine Kritik an Moritz Baßler sein könnte, der es als Wissenschaftler offenbar nicht viel vom verständlichen Schreiben hält.

Im nächsten Kapitel geht es um die derzeit sehr beliebte Autofiktion und die hat möglicherweise Karl Ove Knausgard mit seiner Serien “Min Kamp” begonnen und da erklärt Baßler, wie man sein Leben in Serie beschreiben kann.

Literarischer wurde es dann be Rainard Goetz, der ja 1983 Klagenfurt erregte, als er sich während des Lesens die Stirn aufschnitt.

Christian Kracht ist auch ein Meister des Autofiktionales und einer den Baßler anerkennt. Begonnen hat der mit “Faserland” und das dann in “Eurotrash” fortgeführt und das wird auch zur Popliteratur gezählt.

Daran knüpft sich wieder die Frage, wer über was schreiben oder übersetzen darf? Früher hatte man das Problem nicht, da haben Männer die berühmtesten Frauenroma geschrieben und deren Psyche erklärt. Aber jetzt haben wir die political correctness und da wird es schwieriger, aber auch eingeengter, weil am Ende und ganz genau genommen, jeder nur mehr über sein Erlebtes schreiben darf und ob die Leser dann dann haben wollen, ist die Frage oder vielleicht darf man dann nur das lesen, was man selbst erlebt hat, was dem Buchhandel aber wahrscheinlich nicht gefallen wird.

Im Kapitel “Kalküroman” wird Dietmar Darth zitiert dessen “Gentzen oder betrunken aufräumen”, ich gelesen habe und den ich eigentlich nicht zu den leicht lesbaren Unterhaltungsautoren einordnen würde.

Interessant ist auch, daß Moritz Baßler Anette Webers “Anette, ein Heldinnenepos” zu den Kalkülromanen zählt. Sie hat damit aber auch den deutschen Buchpreis gewonnen und Leif Randt, dessen “Allegro Pastell” ich gelesen habe, wird auch analysiert und am Schluß kommt Moritz Baßler, der dann doch beim Lesen, das “Gut mit dem Gernelesen” verbinden will, wieder zu Wolf Haas zurück, den er sehr zu schätzen scheint.

Bilder gibt es in dem Bjuch, das ich sehr interessant fand, gern las und viel für mein Schreiben daraus mitnahm, auch wenn ich alles nachvollziehen konnten und nicht alle Meinungen des Autors teile, auch.

Armut im Alter und Brigitte Schwaiger Interview

Andreas Renoldner
Cordula Simon

“mit Sprache” die Initiative der Literaturhäuser, hat sich ja heuer mit dem Thema “Literatur und soziale Gerechtigkeit” beschäftigt und da ging es ja in der “Alten Schmiede” um die Einkommenssituation, dann im Literaturhaus um die “Geschlechtergerechtigkeit” und jetzt im dritten Teil um die Armut im Alter.

Da wurden immer je drei Autoren eingeladen einen Artikel zu diesem Thema zu schreiben, in der Gesellschaft waren das Verena Dürr, Andreas Renoldner und Cordula Simon und ich dachte, da geht es um die Autorensituation, wie es denen geht, wenn sie alt werden?

Den Großen wie Stephen King, Peter Handke und Elfriede Jelinek wahrscheinlich finanziell sehr gut, die haben dann eher gesundheitliche Probleme wie Demenz, Krebs, etcetra. Denen, die von der Mindestpensionen leben, eher schlecht und das sind ja die, die ich in der GAV treffe und da hat ja Bernhard Kathan einmal eine Aktion gestartet, wo er nachgewiesen hat, daß die im Durchschnitt nur dreiundsechzig Jahre alt werden, während der Durchschnitt sonst um die dreiundachtzig bei den Frauen, bei den Männern, glaube ich, etwas weniger, liegt.

War aber nicht so, in dieser Tranche ging es generell, um die Situation im Alter und die drei Autoren wurden offenbar ausgewählt, weil sie schon diesbezügliche Erfahrung hatten. So arbeitet, die 1986 in Graz geborene Cordula Simon offenbar nebenbei, um ihre Tantiemen aufzubessern, als Bestatterin, der 1957 in Salzburg geborene Andreas Renoldner im mobilen Pflegedienst und die 1982 geborene Verena Dürr als Sozialbetreuerin.

Die Texte gingen also hart in die Realität der Altersarmut oder Alterseinsamkeit. Was ist wenn die Freunde wegsterben, man allein übergeblieben ist, sich die Familie weil selbst berufstätig, sich nicht mehr um den Alten kümmern kann?

Verena Dürr

Da gibt es dann die Pflegeheime, mit den überforderten Pflegern in den letzten drei Jahrenn konnte man da auch keine Besuche empfangen und mussten, wenn es hoch ging, einsam sterben und die mobilen Dienste schilderte Andreas Renoldner in seinen Text sind auch keine Lösung. Denn da tauchen jeweils fünfzehn Minuten, die Betreuer auf, haben in ihrem Handy aufgeschrieben, was sie tun sollen. Duschen beispielsweise. Der Klient will das aber nicht oder hat schon oder will vorher frühstücken und Schwarzbrot statt Toast, aber das ist nicht da und keine Zeit einzukaufen. Sehr beeindruckend und angsterregend. Verena Dürr schlug in ihren Text in dieselbe Kerbe, während Cordula Simons Text sehr künstlerisch war und sehr eindrucksvoll immer wieder “Ich habe mich umgedreht” wiederholte. Also man strudelt sich ab, erzieht die Knder, baut das Haus und dann ist man alt und ist allein.

Moderiert wurde die Diskussion von Stefan Gmünder und interessant ist, daß die Frage, daß niemand etwas vom Alter hören will und Bücher darüber nicht genommen werden, durch Milena Michikos Flasars Buch “Oben Erde, unten Himmel” die genau dieses Thema behandelt, beantwortet.

Da geht es um das japanische Phänomen, daß die Leute oft drei Monate lang in ihren Wohnungen liegen, bis sie überhaupt gefunden werden und ich denke, daß das gute Sozialsystem, das es vielleicht vorher gegeben hat, durch die Pandemie sehr gelitten hat. Wenn jetzt der Mittestand durch die Inflation verschuldet wird, ist dann kein Geld da, sich vielleicht in eine Mehrgenerationenwohnung einzukaufen und die autoritären Systemen, die wir in der letzten Zeit erlebt haben, sind da ja auch nicht sehr Hoffnung erregend.

Die Diskussion war auch sehr intensiv, die Psychologin Maria Wölflingseder hat sich sehr intensiv eingebracht, Eva Geber war da, Ilse Kilic, Fritz Widhalm und auch Robert Huez, obwohl im Literaturhaus heute auch das Buch der Milena Michiko Flasar vorgestellt wurde und ich denke, daß ist ein Thema das uns alle betrifft.

Wir alle werden älter und ich habe mich schon sehr lange sowohl psychologisch, als auch literarisch damit beschäftigt und eine Diskussion, wie diese kann nur ein erster Ansatzpunkt sein, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen, daß wir alle sehr verdrängen und ich habe noch ein literarisches Event aufzuweisen, waren doch heute Wolfgang Asenhuber und Ingrid Schwaiger bei mir, die eine Biografie über die 2010 verstorbene Brigitte Schwaiger schreiben wollen und da Personen, die sie kannten interviewten.

Nun habe ich die 1949 in Freistadt Geborene eigentlich gar nicht persönlich gekannt. 1977 bin ich auf ihren Roman “Wie kommt das Salz ins Meer” mit dem sie schlagartig bekannt geworden ist, gestoßen. Der wurde in der sozialistischen Wochenzeitung “Die Frau” veröffentlicht. Dann kam der große Absturz. Sie konnte mit ihren weiteren Büchern von denen ich einige gefunden habe, nicht mehr an den Erfolg anschließen. Hat sich, glaube ich, verschuldet und musste ihre Schulden bei ihrem Verlag abarbeiten.

Sie hatte auch psychische Probleme, die sie mit dem Buch “Fallen lassen”, das 2006 erschienen ist, aufarbeitete und damit wieder Aufmerksamkeit erregte. Da war ich bei einer Vorstellung in der “Gesellschaft für Literatur”. Habe sie auch als Publikum im “Siebenstern”, weil sie offenbar in der Nähe wohnte, getroffen und einmal, als ich mit der Ruth am ersten Mai am Rathausplatz war und die hat sie gekannt und so habe ich sie auch sozusagen persönlich kennengelernt und als Inspirationsquelle habe ich sie bei der “Absturzgefahr” auch benützt.

Und dann kann ich den Bogen zurück zur Diskriminerung und sozialen Ungerechtigkeit spannen.

Denn Brigitte Schwaiger wäre höchstwahrscheinlich, wenn sie sich nicht umgebracht hätte, auch davon betroffen gewesen.

Ein interessantes Thema und jetzt kann ich mich auf die Biografie freuen, die, glaube ich, im nächsten Jahr erscheinen wird.

Stefan Zweig Werkausgabe

Zu dem 1881 in Wien geborenen und 1942 in Brasilien vertorbenen Stefan Zweig bin ich über Umwege gekommen. Im Bücherkasten meiner Eltern stand die Biografie “Maira Antoinette”und die “Welt von gestern”” wahrscheinlich beide in Büchergilde Gutenberg” Ausgaben. Später habe ich dann im offenen Bücherschrank die “Schachnovelle”gefunden, die mich aber nicht besonders begeistert hat.

Vor oder nachher habe ich im Radio eine Sendung gehört, wo Stefan Zweig und Peter Rosegger aus dem Kanon der Literatur vor 1945 hinausgeschmissen wurden, was zur Folge hatte, daß ich ein paar seiner Bände im Bücherschrank stehen habe lassen.

Aber dann habe ich die “Berührungen” geschrieben und da kam die Idee ein paar Schauspieler ein Stück über Stefan Zweig und Heimito von Doderer spielen zu lassen und ich habe gelesen und gelesen.

Bin darauf gekommen welch großartige Novellen der Weltschriftsteller oder Vielschreiber geschrieben hat. “Die Gouvernante” fällt mir da ein und die, wo der Junge dem Vater seinen Seitensprung nicht verrät. Großartig.

Mit “Amok” habe ich wieder weniger anfangen können. Mit der “Ungeduld des Herzens”, schon und daß die “Welt von gestern” großartig ist habe ich schon früher herausgefunden.

Ein interessanter Schriftsteller. “Die Sternstunden der Menschheit” habe ich nicht gelesen und die Biografien zum Beispiel, “Fouche” würde ich für eher schlechter einschätzen. Auch das Buch “Brasilien” in dem er sein Exil lobte. Dann kam auch der Film “Vor der Morgenröte”, wo ich diesen ambivalenten Schriftsteller vielleicht nocb ein bißchen kennenlernte und die “Gesellschaft für Literatur” präsentiert auch seine Werkausgaben, beziehungsweise hat immer Veranstaltungen zu seinem Todestag.

In Salzburg, wo der Schriftsteller viele Jahre lebte, gibt es das Stefan Zweig Center, das habe ich nicht geschafft, während meiner Salzburger Aufenthalte zu besuchen. Aber jetzt ist Klemens Renoldner, der ehemaligen Leiter, mit Elisabeth Erdem und Werner Michler nach Wien gekommen, um den Band III seiner Erzählungen von 1927 – 1942, die unter dem Titel “Schachnovelle”, weil die die bekannteste ist, vorzustellen und das war sehr interessant, denn die drei Herausgeber erzählten von den verschiedenen Textfassungen und ihren Wunsch eine gesicherte Fassung herauszugeben.

Die “Schachnovelle” ließen sie dabei, weil offenbar zu bekannt, weg, sondern konzentrierten sich auf das eher Unbekannte. Eine Erzählung, wo es um einen Taschendieb geht, der vom Erzähler einen Tag verfolgt wird “Unvermutete Bekanntschaft mit einem Handwerk”, die hat Stefan Zweig Joseph Roth zum Lesen gegeben, was er offenbar öfter mit seinen Freunden machte, der die Erzählung zuerst sehr lobte, dann aber bis aufs letzte Detail zerpflückte, was Stefan Zweig offenbar höflich zur Kenntnis nahm, aber nichts veränderte.

“Spät bezahlte Schuld” heißt eine andere Novelle, wo eine Frau einen alten heruntergekommenen Schauspieler in einem Südtiroler Dorf trifft, der sie einmal davor bewahrt hat, sich ihm hingegeben hat und dem sie jetzt einen besseren Ruf verschaffte. Da gibt es einige Fassungen. Zuerst wird der Schauspieler, der auch mehrere Namen trägt, eher sehr schrullig, später milder beschrieben. Die Erzählung iskt auch zuerst auf Englisch und in Brasilien herausgekommen und dann erst in den Fünfzigerjahren in der “Presse”.

Fragmente gibt es auch, Beispielsweise die Erzählung “Wiederstand der Wirklichkeit”, die auch den Namen “Reise in die Vergangenheit” trägt und darüber haben auch die Herausgeber viel erzählt, daß es da zum Beispiel den Roman “Clarissa” gibt, der von dem Fischer-Lektor zusammengesetzt wurde, während sich jetzt die drei um eine gesicherte Ausgabe bemühen, die im nächsten Jahr, glaube ich, vorgestellt werden soll.

Es gab viele Fragen aus dem Publikum, das aus Ursula Seeber, Frau Schmid-Dengler, Dine Petrik, Helene Hoffmann und anderen bestand. Einer stellte die interessante Frage, ob es sich bei den Ausgaben nicht um ein “Zweig-Mausoleum handelt, weil es ja viele andere Zweig-Ausgaben gibt und das ist eine Frage, die ich mir auch stellte, denn ich käme nicht dazu die Bücher zu lesen und wenn sie noch so kommentiert sind, weil keine Zeit, keine Zeit. weil ich ab August mit dem Buchpreislesen beschäftigt bin, aber ich habe schon viel Zweig gelesen, zwar sicher keine gesicherten Ausgaben, aber doch einen genauen Einblick über sein Werk bekommen und Klemens Renoldner meinte, daß es überall auf der Welt viele Zweig-Spezialisten gibt, die auf die Bücher warten.

Asli Erdogan in der “Gesellschaft”

Bei der letzten Leseauslese im Dezember war Asli Erdogans “Requiem für eine verlorene Stadt” auf der Liste der vorgeschlagenen Bücher und heute wurde das Buch der 1967 in Istanbul geborenen, die 2016 in Folge des gescheiterten Militärputsches, verhaftet wurde, die seit 2017 in Deutschland in Exil lebt, vorgestellt.

Katja Gasser, die ich ja in der letzten Woche zweimal gehört und gesehen habe, moderierte. Das Gespräch fand auf Englischt statt und Manfred Müller hat drei Passagen auf Deutsch gelesen.

Zuerst hat Katja Gasser die Autor gefragt, wie sie zum Lesen und Schreiben steht. Sie hat sich das Lesen sagte sie, selber mit vier Jahren beigebracht und dann auch bald zu schreiben angefangen und das Buch ist das Requiem oder Liebeserklärung auf die Stadt, die sie verloren hat. Ihre tote Katze und ihre Mutter beziehungsweise der Bosporus geht ihr ab, hat sie erklärt, dann ein Stück auf Türkisch gelesen. Danach kam Manfred Müller an die Reihe und dazwischen immer wieder Gespräche über das Buch, wo Alsi Erdogan erwähnte, daß sie beim Schreiben des Buchs viel Bach gehört hat und das ihre Schmerzbewältigung war.

Ich bin absichtlich früher in die Gesellschaft gegangen, weil ich dachte, daß es sehr voll ist, weil die Autorin, die Physikerin ist, “Die Stadt mit der Pelerine” und “Das Haus aus Stein” geschrieben hat und schon viele Preise gewonnen hat, den “Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels” hat 2017 aber nicht sie, sondern Elif Shafak bekommen, sehr bekannt ist.

War aber nicht so. Annemarie Türk war aber da und Stephan Teichgräber den ich seit seinem Festival enicht mehr geshen habe, denn die Doml-Workshops gibt es ja nicht mehr.

Dafür hat Elfriede Jelineki die Autorn aber grüßen lassen, wie Katja Gasser am Beginn erwähnte und Manfred Müller hat natürlich das Lesen des Buches sehr empfohlen.

Ich habe aber während ich auf den Beginn der Veranstaltung gewartet habe, schon das Buch der Milena Michiko Flasar zu lesen angefangen und mich nachher mit Stephan Teichgräber unterhalten, im erzählt, daß ich “Es geschah im November” gelesen habe, gestern zwei Slowaken in der “AS” aufgetreten sind und ihn gefragt, ob er mir einen aktuellen ungarischen Roman, der gegen die Politik Orbans Stellung nimmt, empfehlen kann? Denn ich korrigiere ja meine erste Rohfassung meiner “Drei Frauen” und da habe ich mir gestern einen “Schreibespresso” der Jurenka Jurk “Meine Geschichte ist zu kurz” angesehen, das mich ermutigt hat, das Ganze doch mehr zu überarbeiten, als sonst und zu ergänzen. Denn viel Szenen sind sehr kurz, die man sicher noch besser ausarbeiten kann. Dazu muß ich aber genauer recherchieren. Ein Video über “Viktor Orbans System” habe ich schon gesehen.

Mal sehen und die Veranstaltung war sehr interessant, obwohl ich das Buch höchstwahrscheinlich nicht lesen werde.

Kunst im digitalen Raum

Jörg Piringer, Renate Pitroff, Christoph Theiler,und Günter Vallaster veranstalten schon seit einigen Jahren die “Räume für Notizen”, die sowohl in der Alten Schmiede” und in der Kunsttankstelle in Ottakring stattfinden, die sich mit sehr experimentellen Themen beschäftige, ich war, glaube ich, ein paar Mal da, in der “AS” nicht in der Kunstdartstellung, da war mir wohl zu weit und in den letzten zwei Jahren ohnehin nur per Stream und das gab es in der Grundsteingasse wahrscheinlich nicht.

Im Vorjahr ging es um den “Ullysses” und heuer um den digitalen Raum und Namen auf dem Programm, die ich noch nie gehört habe, obwohl ich eine sehr eifrige Besucherin der “Alten Schmiede” bin und obwohl ich ja realistisch linear schreibe, interessierte ich mich sehr für das Experimentelle und gehe sehr oft zu solchen Veranstaltungen.

Daher habe ich auch gleich beim Eingang die Ilse Kilic gesehen und die Konzeptgestalter habe ich natürlich gekannt.

Johannes Tröndle hat eingeleitet und Jörg Piringer hat das Programm vorgestellt, beziehungsweise auf sehr unterschiedliche Art und Weise erklärt, was ein Algorithmus ist, durch eine künstliche Stimme, eine Vitamin C Tablette im Wasserglas, Turnübungen, etcetera.

Ah, der erste Teilnehmer Andreas Bühler aus Berlin war nicht da, hat aber eine digiatale Botschaft geschickt und dann kam die 1982 in Bonn geborene Mara Genschel, die sich mit ihren Laptop auf die Bühne setzte und erklärte, daß sie ein Langgedichgt vom “Kleinen Geld” vorlesen würdeoder einen Text der vom Wohnen, Heimat, Maison und Weihnachtsdeko handeln würde.

Dann erzählte sie noch etwas von einer Rotweinflasche, die unter dem Lesetischchen steht und, daß sie dieses ausgeborgt und nicht zurückgegeben habe. Hängte ihre Manusseiten auf, bis sich ihr Avatar aus dem Laptop meldete und ihr erkärte, daß sie das Thema verfehlt hätte.

Aha, das ist die Kunst im digitalen Raum und die Alternative zur Wasserglaslesung oder die Parodie darauf.

Der nächste Programmpunkt stammte von Zuzana Husarova, 1983 geboren und Lubomir Panak, 1979 geboren, beide aus der Slowakei und die haben sich, wenn ich es recht verstanden habe, ihren Text von einer KI schreiben lassen. Den haben sie auch projeziert, bzw von den Moderatoren und dem Publikum lesen lassen.

Sehr interessant, die Mischung und auch etwas verwirrend herauszufinden, was ist was, vor allem wenn man gerade den Moritz Baßler und seinen populären Realismus liest.

Das ist wohl das Gegenteil und wird auch später besprochen und morgen gibts dann die Ausstellung in der Kunsttankstelle. Da werde ich wieder nicht hingehen, sondern in die “Gesellschaft für Literatur”, ist aber sicher interessant und kann ich empfehlen.

Ihr seid noch nicht besiegt

Der “Wagenbach-Verlag”, der mir immer so getreulich seine Quartbücher schickt hat, mir vor ein paar Monaten, die ausgewählten Schriften des ägyptischen Freiheitskämpfer Alla Abd el-Fattah, der 1981 in Kairo geboren wurde, der Sohn eines Menschenrechtsanwalt ist und seit 2011, seit dem Beginn des arabischen Frühlings mehr oder weniger ununderbrochen im Gefängnis sitzt, zukommen lassen.

“Wagenbach” hat das Buch das von Utku Mogultay aus dem Englischen übersetzt wurde, herausgegeben, in dem Texte des berühmten Bloggers, der soviele Teewts geschrieben hat, daß sie mehrere Bücher füllen könnte, von 2011- 2021 enthalten sind.

Noemi Klein hat das Vorwort geschrieben, das die ägyptische Situation erklärt und ich habe beim letzten “Writers on prison day” der traditonellen vom PEN veranstaltet wird, auch von dem Autor, der mir bisher unbekannt war, gehört und es daraufhin gelesen.

2011 beginnt es mit der Geschichte der Revolution und dem Wunsch zu einer neuen Verfassung zu kommen.

Im Dezember kam es zum Protestmarsch von Maspero, wo bei dem sogenannten Maspero-Massaker selchsundwanzig Demonstranten darunter Mina Daniel getötet wurde, worauf Alaah Abd el Fattah das koptische Krankenhaus besetzte, um eine Oduktion der Getöteten zu erzwingen, worauf El Fattah in der Zeit, als sein erster Sohn Khaled geboren wurde ins Gefängnis kam.

2012 begab er sich mit seinem Sohn auf eine “Gaza-Reise und berichtete, umgeben von den Versen des palästinenischen Dichters Mahmd Darwisch, von den politischen Zuständen und den Überraschungen, die er dort erlebte.

“2013 wird dann schon getwittert oder die Artikel auf Facebook gestellt. So schreibt er zum zweiten Jahrestag der Revolution: “Pessimismus des Intellekts, Optimismus des Willens”, “Vier Tweets über staatliche Gewalt” gibt es im Jänner. Im April kommt es zu Solidaritätsstreiks und im Mai wird dann die Geschichte wiederholt und zwar wie Alaa schreibt “Zuerst als Tragödie, dann als Farce.”, weil es Angesichts des Jahrestages zu Massenprotesten kam.

“Schrödingers Coup” gibt es dann im Juni, da ging es, um die Proteste, “wo hunderttausende gegen die Bruderschaft auf die Straße gingen” und im August stellt er auf Facebook die Frage was in “Abu Zabaal” geschah, wo siebenunddreißig Gefangene in einem Gefägnistransporter ums Leben kamen.

In einem längeren Artikel räsumiert Alaa ab el Fatah dann “Wer die Bourgeois repräsentiert?”, während er im November twittert: “Lasst euch nicht vom Pfad der Gerechtigkeit abbringen, weil er mit Toten übersät ist.”

2014 beschäftigt er sich mit dem “Autismus”, der im Gefängnis entsteht und verläßt das Tora-Gefängnis nach drei Monaten Haft.

“Jeder weiss” schreibt er dann weiter “dass den überwiegende Teil der Gefangenen die Grundrechte verwehrt werden, die Gesetze verfassungswidrig sind, das Regime der Jugend nichts zu bieten hat”, etcetera.

“Games of Thrones ” gibt es auch “Ich wollte doch games of thrones weiterschauen#nieder mit dem Militärregime”, weil er am elften Juni verhaftet wurde, weil er an seine “Grenzen gekommen ist”. Im September gegen wurde er dann gegen Kaution freigelassen.

2015 wird Alaa Abd el Fattah wieder verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, wo er sich 2016 in drei Texten mit “Der Geburt der schönen neuen Welt beschäftigt” und auch schreibt, daß er sich dabei behindert fühlte, weil ihm das Gefängnis den Zugang zum Internet und zu Bücher verwehrte, obwohl ihm das eigentlich zustehen würde.

2017 gibt es das “Portrait eines Aktivisten außerhalb des Gefängnisses” und den titelgebenden Text, den er an die “Menschenrechtskonferenz Rightscon in Silicon Valley” schrieb.

2019 wird er dann auf Bewährung entlassen

“Ich bin das Gift, ich bin das Gegenmittel

ich bin die Medizin, ich bin der Auslöser

ich bin das Gespenst des vergangenen Frühlings”, schrieb er da und wurde im September wieder verhaftet.

Es gibt einen Artikel in dem er beschreibt, wie wichtig es ist, trotz der schlechten Gefängnisbedingungen gesund zu bleiben und er bedauert, daß sein Vater während seines Gefägnisaufenthaltes verstorben ist. Seine Schwester hat über seine neuerliche Verhaftung geschrieben und Alaa Abd el Fattah ist mehrmals in Hungerstreik getreten, um gegen seine Haftbedingungen zu protestieren.

Es gibt Listen wo er über die “Metaphern der Heilung” und den “Sieben Wegen zum Wandel” reflektiert.

2021 gibt es noch einen Palästina-Text, mit dem das Buch auch beendet wird.

Das heißt, es gibt auch eine ausführliche Chronik der ägyptischen Geschichte von 1952-2019 und viele Buchhinweise, wenn man sich mit der arabischen Revolution weiterbeschäftigen will, von denen ich “Die Stadt der Rebllion” schon gelesen habe.

In drei Wochen mit dem Rohtext fertig

Ich weiß, da plane ich immer mein Romanplanjahr .und nehme mir immer vor diesmal wirklich länger zu werden und mir Zeit zu lassen. Dann bin ich nach einigen Wochen fertig und diesmal sinds mit dem jetzigen Stand, vierzig Szenen, neunundsiebzig Seiten und 37.814 Worte und den fünfzigtausend, die der “Nano”verlangt und da habe ich schon gehört, daß das sehr wenig bist, keine Spur.

Drei Wochen habe ich diesmal gebraucht. Ende des letzten Jahres ist mir glaube ich die Idee von den drei Frauen, eine aus Bratislava, eine aus Prag und eine aus Budapest gekommen und habe, glaube ich, am Feiertag, den sechsten zum Schreiben angefangen.

Eigentlich ist es wieder gut gegangen und ich bin mit meinen Schreiben zufrieden. Beim “Sozialen Kreditsystem”, das nächste Woche kommen soll, war das ein bißchen anders. Da ist das nicht so geflutscht und ich habe die erste Szene mehrmals verändert und auch mit Unterbrechungen ein halbes Jahr gebraucht.

Aber sonst geht es mir mit dem Schreiben eigentlich gut und ich kann mich erinnern, daß ich vor vielen Jahren, in den Siebzigern oder Achtzigern vielleicht, die Vali einmal sagte, daß ihr die Idee nur so zuströmen würden, dachte “Wui, das würde ich auch sehr gerne!”

Das hat sich geändert. Ich finde immer sehr schnell neue Ideen. Im Moment habe ich noch nichts, aber auch noch sehr viel Überarbeitsarbeit vor mir. Denn der Rohtext ist ja nur so dahingeflitzt. Zu großen Veränderungen kommt es bei mir meistens nicht. Aber ich denke, ich habe eigentlich die Spannungsbögen und habe mich da wahrscheinlich auch an der Jurenka Jurk und ihren Romanfahrplan orientiert und am Anfang war es so, daß ich zwar die drei Frauen hatte, aber nicht wirklich wußte um was es eigentlich dabei geht?

Was das über Thema, also die Promisse ist. Dann habe ich mir gedacht, da habe ich drei Handlungstränge. Die Zsofi flüchtet vor Viktor Orban nach Wien und baut hier ihr Portal auf. Die Katalin will wieder in den Beruf einsteigen und probt in ihren Trio, soviel das mit drei Kindern eben geht und die Jelena ist mit ihrer Mutter, ihren Bruder ihrer Lehre überfordert, findet aber einen Freund.

Das war es dann und ich finde es eigentlich spannend. Habe ein paar Anspielungen drinnen. Zum Beispiel, das Farbenquartett, den blauen oder schwarzen Anzugmann, die grüne Frau und die rote, die vielleicht die Marlene Streeruwitz im weißen Hosenanzug ist. Motive, die schon in der “Viertagebuchfrau, da in Form von Ostereiern, vorkommen. Literarische Anspielungen, beziehungsweise Bücher gibt es auch.

Die “Tage im Mai”, der Marlene Streeruwitz, “Oben Erde, unten Himmel”, der Milena Michiko Flasar und Laszlo Barnas “Bis ans Ende unserer Leben” tausendund sehr flott in drei Wochen fünfunddreißig Worte dahingeschrieben. Nach dem Korrigeren werden es wohl fünftausend weniger sein und beim letzten der “Flora Faun”, die ich während des “Nanowrimos” geschrieben habe, waren es nach zwei Wochen über fünfzigtausend Worte, der Text der jetzt beim Alfred liegt hat 44.076 Worte.

im Vorjahr habe ich nach den Jurenka Jurk Webinar mit dem “Frauenleben” angefangen, da war ich auch nach einem Monat fertig.

Die “Uhren” waren besonders kurz. Aber da habe ich schon vorhandene Szenen in eine Rahmenhandlung eingefügt und “Die gestohlenen Jahre”die auch sehr schnell vor sich gegangen sind, haben auch nur fünfunddreißigtausend Worte.

Ja, ich werde immer schneller, obwohl ich es am Anfang immer länger anlegen will. Macht aber nichts, wenn es flüssig ist. Die Leute wollen ohnehin nicht so viel lesen, obwohl ich natürlich immer länger, genauer und sorgfältiger werden will.

Bei der “Radiosonate” mit der ich den Blog begonnen habe, war das anders. Da habe ich mich an die Jahresstruktur gehalten und das ist ein wirklich dicken Buch.

Die “Absturzgefahr”, die dann folgte, hatte auch sechzigtausend Worte. Aber jetzt bleibe ich, wenn ich nicht die “Nanostruktur” habe, bei den dreißigtausend Worten und bei den “Nanos” habe ich auch schon öfter angestückelt.

Macht ja nichts, muß nicht lange sein, obwohl ich gründlich überarbeiten will. Einige Unklarheiten habe ich noch drinnen und ich werde auch die Tips der Jurenka Jurk anwenden. Die sieben Stufen nochmals durchgehen und schauen wie es wird? Ob sich was verändert und eigentlich gefällt mir die Geschichte sehr und sie ist auch weniger abgelutscht, als es vielleicht bei früheren Texten war.

Liebe ist gewaltig

Das letzte Buch der Bloggerdebutshortlist ist dem vierten, “Nordstadt” sehr ähnlich, wie es überhaupt bei drei oder vier Büchern auf dieser Liste umd die Identitätsfindung und das Aufwachsen in häuslicher und gesellschaftlicher Gewalt geht.

“Liebe ist gewaltig” der 1986 in Tübingen geborenen Cludia Schumacher ist erzählender und vielleicht auch ein wenig kitschiger, als Annika Brüsings Debut. Es schweift mehr herum und ist vielleicht auch ein wenig unglaubwürdiger. So wirkt die Anwaltmutter manchmal wie eine Hausfrau, die zu Mittag zu Hause ist und für ihre Lieben kocht und der wahrscheinlich dreißigjährige Bruder wird gleich Bürgermeister des Städtchen.

Die Einstiegsszene, die 2007 spielt, ist aber schon mal sehr gewaltig. Da ist die Heldin, Juli, Jules genannt, die sich später Julia nennt, siebzehn und ist von ihren Eltern in ein Sanatorium gebracht worden, wo sie sich erholen soll und ist hier mit Dementen und Bunouts zusammen, passt also nicht hin.

Vielleicht passt sie auch nicht nach Ederfingen, das ist ein Vorort von Stuttgart, wo sie in einer Vorzeigefamilie, beide Eltern Anwälte mit drei Geschwistern aufwächst. Eine Vorzeigefamilie mit dem reinen Glück, dabei ist der Vater sehr gewaltig und der Teppich hat Blutflecken, die Mutter beschwichtigt, lächelt immer und versucht alles mit neuen Klamotten und McDonald Besuchen auszugleichen.

Juli fliegt, weil sie auch gewalttätig sein kann, aus der Kur hinaus, soll in eine Psychiatrie kommen, die Mutter holt sie aber ab und bringt sie in die Villa zurück und hier findet Juli vorläufig ihr Glück in einer kleinen Maus, die sie aufzupäppeln versucht. Der Vater erlaubt ihr zuerst sie zu behalten. Später setzt er sie in Beisein der Mutter aus, aber von Menschen aufgezogene Mäusen können in der freien Wildbahn nicht überleben, “weil sie den Katzen gleich ins Maul marschieren”.

Juli rastet also wieder aus und verläßt das Elternhaus. Später, 2014, da ist sie erfolgreiche Gamerin, lebt in Berlin und soll ihr Mathematikstudium abschließen, kehrt sie zum sechzigsten Geburtstag des Vaters zurück. Was auch in einer Katastrophe endet. Sie beschimpft den Gratulanten. Der älteste Bruder ist inzwischen Bürgermeister des Städtchens geworden und sehr aufstiegsorientiert. Nur der Bruder Bruno ist ihr Halt. Sie klagt den Vater in Beisein aller der Gewalttätigkeit an. Schweigen folgt, der Vater sagt sie ist hysterisch und bildet sich das nur ein und niemand glaubt ihr.

So verläßt sie die Party und fliegt nach London, um ihre Exfreundin Sanyu, die eigentlich Sandy heißt, zu treffen, die sie aber gar nicht hineinläßt und in einer Disko hat sie auch jemand zusammengeschlagen und muß mit einer Anzeige rechnen. Der Vater, der das öfter macht, boxt sie hinaus und 2016 heißt sie dann Julia, was mich Anfangs beim Lesen sehr verwirrte, weil ich mich nicht auskannte, wer diese Julia ist jetzt ist?

Sie ist, wird ihr ihr Bruder Bruno später schreiben, eine “runtergedummte Barbie-Version”, denn sie hat sich ihren Freund Thilo, einen Aufsteiger aus Sachsen, sehr angepasst und sich äußerlich sehr verändert, kocht und backt für ihren Freund, hat die Wohnung umgestaltet und ihr Inneres total verdrängt.

Sie wird sich aber wieder finden und nach Berlin zurückkehren und wie es weiter geht, können wir nur ahnen oder uns erhoffen, daß es nicht in dieser Art und Weise weitergeht.

Sehr viel Gewalt also, die die Dreißig bis Verzigjährigen, die heute Bücher schreiben, in ihrer Jugend erlebten.

Ronja von Rönne, die das Buch sehr lobte, ist wahrscheinlich auch eine davon, Helene Hegemann, etcetera und die Danksagung, wo man den Schreibverlauf gut verfolgen kann, ist sehr lang.