Landschaftsproeme

Schule für Dichtung
Barbara Hundegger

Die “Sprachspiele Biennale West”, die sich mit H. C. Artmanns “Poetischen Akt” beschäftigen, gibt es, glaube ich, zum vierten Mal und einmal bin ich im Breitenseeerkino dort gewesen. Dann kam die Pandemie und die Maskenpflicht und, ob es im Vorjahr ein Festival gegeben hat, weiß ich gar nicht, denn möglicherweise gibt es die Veranstaltung nur jedes zweite Jahr. Heuer aber wieder und da fand die Veranstaltung in der “Alten Schieberkammer” in der Meiselstraße statt, denn H. C. Artmann wurde ja am zwölften Juni 1921 in Breitensee geboren, hätte also bald seinen hundertersten Geburtstag und dort hat es ein Grätzselfest gegeben, so daß während die Biennale musikalisch eröffnet wurden, Christa Meissner und Christian Schreibmüller, glaube ich, slamten und die Veranstaltung hatte außer den poetischen Akt noch ein spezielles Thema nämlich “Landschaften” und das Wort “proeme”, also eine Mischung zwischen Prosa und Lyrik wurde von der vor einem Jahr verstorbenen Friederike Mayröcker geprägt.

Johanna Öttl, Curd Duca

So wurde eine Schulklasse eingeladen, die mit einem Künstlerteam Trickfilme zu diesem Thema herstellten, die gleich zu Beginn gezeigt wurden. Dann kam der Literaturwissenschaftler Thomas Eder und beschäftigte sich mit “Inneren Landschaften” in der Dichtung und dann kam der 1930 geborene Gerhard Rühm und sprach von seinen “Sprachlandschaften” beziehungsweise seinen Lebenslauf und seiner Begegnung mit der Wiener Gruppe, die ja aus H. C.Artmann, Konrad Bayer, Oswald Wiener, ihm und später noch aus Friedrich Achleitner beestand. Rosa Pock ,die Artmann Witwe, die ein sehr schönes Kleid anhatte, las dann aus dem “Landschaftsbuch” von H. C.Artmann. Dann gabs eine Pause und dann die offizielle Eröffnung von Julia Danielczyk, die das Veranstaltungsteam sehr lobte.

Eine Ausstellung, nämlich Katrin Plavcaks “Grenzübertretungen”., gabs auch. Dann gings wieder zu H. C. Artmann und zu einem Film von Bernhard Koch aus dem Jahr 1995, “Die Jagd nach H. C. Artmann”, wo es Lesungsausschnitte gab und auch einen Schauspieler, der mit einem Bären nach dem Star suchte. Es gab auch Interviews, aber leider nur von Männer. Die Frauen kamen nur als Stimmen vor, was ich ein wenig schade finde, denn man hätte eigentlich auch Rosa Pock und Friederike Mayröcker befragen können. Es gab aber in Anschluß ein Gespräch zwischen Thomas Ballhausen und der Artmann-Tochter Emily.

Nach einer neuerlichen Pause, wo die Musik vom Grätzelfest deutlich zu hören war, interessant zwei verschiedene Feste am selben Ort, ein Kontrastprogramm hörte ich eine Zuhörerin sagen, gabs noch zwei Kurzfilme, einen zum Thema “Landschaft”, im zweiten las die Filmemacherin Valie Export acht Minuten Gedichte vor, die aus den sechziger bis siebziger Jahren stammten und dann kam Margret Kreidl, gdie mit dem Schlazeuger Björn Wilker, der auch eröffnet hat, in einem musikalischen Dialog trat. Das heißt, sie las eine Textcollage “Einleuchtend Weiss”, wo es um das Atmen ging. Der spielte dazu und so eine Veranstaltung habe ich auch einmal im Amerlinghaus gehabt. Margret Kreidl hat aber vorher mit Björn Wilker geprobt, während es bei mir spontan war und es gab auch ein langes Abschlußgespräch mit Gisela Steinlechner, was mir eigentlich zu theoretisch war, so daß ich schon während des Schlußkonzerts gegangen bin, was aber nichts machte, weil es beim Grätzelfest auch ein Konzert zu hören gab, also sehr spannend und sehr viel los im Wien.

Elisabeth Wandeler-Deck, Sebastian Kiefer, Ulrich Schlotmann, Thomas Eder
Elisabeth Wandeler-Deck

Am Samstag ist es dann wieder um die Landschaft gegangen und zwar wurden da immer ein oder zwei Kurzfilm einer Sprachstillesung gegenübergestellt. Den ersten Film habe ich versäumt und bin erst zu Johanna Öttls Einführung zu Thomas Antonics Epos, Sound und Film zurechtgekommen und da ist es um die Wüste Nevadas gegangen und man hat gesehen, wie da ein Auto endlos die Autobahn hinunterrollte. Danach hat mich Ottwald John, gefragt ob ich Kontakt zum “Wieser” habe und mir erzählt, daß er sich vom Lesetheater zurückziehen wird.

Dann gings mit einem 2020 gedrehten Wien-Film im Stil des dritten Manns aber mit Maske weiter und zu dem 1963 in den USA gedrehten “O.K End here” von Robert Frank weiter und da ist es eher um die inneren Landschaften, also um Beziehungen gegangen und dazu hat dann Judith Nika Pfeifer einen Text geschrieben, der sich auf den Film bezogen hat und darüber mit Renee Gadson diskutiert, die ja in New York geboren wurde.

Klemens Gruber
Esther Kinsky, Claudia Slanar

Der 2019 von Christoph Hertel gedrehten Film “Nach mir die sinflut” war sehr lustig und ließ an die Pandemiemaßnahmen bzw. an Ischl denken. Denn da geht in einem kleinen Tiroler Dorf in dem ein Fest gefeiert werden soll, der Fluß über und was macht man dann, wenn man sich die Freude nicht verderben will und dazu als Kontrastprogramm, die 1963 in Hall in Tirol geborene und in innsbruck lebende Barbara Hundegger, die Lyrikerin mit der feinen Sprachw und ihr “anich.Athomphören.atlas”, auch 2019 erschienen, das ich glaube ich schon einmal gehört habe.

Der nächste Slot war Martin Putz und Ulf Stolterfloht gewidmet. “Wind” hieß der Film und “tante krähe”, der noch nicht fertige Gedichtband, der von einer Krähe handelt, wo man nicht weiß, ist das ein Vogel oder doch ein Mnsch in diesem Fall eine Frau, der in verschiedene Schwierigkeiten verwickelt wird und auch viel von Lyrik versteht.

In der Pause habe ich und der Alfred viel mit Monika Vasik hüber Corona diskutiert und uns mit Elisabeth Wandeler-Deck unterhalten und dann gings zum “Klang der Sprache/Sprache des Kklangs des Curd Duca, der las und performte und dann auch noch den DJ machte.

Am Sonntag gab dann eine Matinee mit einem tollen Film von Mara Mattuschka “Perfekt Garden”, der in der “Arena-Bar” gedreht wurde, dann bin ich mit dem Alfred ins “Kent” auf der Märzstraße essen gegangen und weil nur eine halbe Stunde Pause war, habe auf diese Weise das Impulsreferat von Sebastian Kiefer “Zur poetologischen Unentschiedenheit des Experimentellen – Prosa und Lyrik” , fast versäumt und bin eigentlich erst in die Lesungen von Elisabeth Wandeler-Deck, deren “Visby infra- ordinaire” ich schon gelesen haben und in die von den mir bisher unbekannten Ulrich Schlotmann “Vivat vivat Hoher Priester” hineingekommen bin. Spannend war der Kommentar einer Stammbesucherin, die sich offenbar weniger Theorie und dafür mehr Bedeutung wünschte.

Monika Lichtenfeld, Gerhard Rühm
Monika Lichtenfeld, Gerhard Rühm

Die nächste Runde war zwei Kurzfilmen gewidmet, wo man wieder eine Viertelstunde dasselbe Bild gesehen hat. Esther Kinsky, die dann ihre Landschaftsgedichte präsentierte, meinte daß sie ein Fan des Filmers James Benning sei, ich habe aber keinen künstlerischen Sinn darin gesehen, sondern diese Art für Filme eher für eine blendende Meditationsvorlagen gehalten, weil man damit zur Ruhe kommen kann. Dann gabs noch ein paar experimentelle Filme, bevor es zum Höhepunkt des Sonntags, nämlich des Sprechkonzerts zwischen Gerhard Rühm und seiner Partnerin Monika Lichtenfeld kam und der Zweiundneunzigjährige ist wirklich ein hervorragender Performer und der Saal füllte sich. Ich habe mich in der Pause mit einem Herrn unterhalten, der eher zufällig zu der Veranstaltung gekommen ist und auch den Ärger einer jungen Mutter beobachten konnte, deren Kind offenbar von der Veranstaltung ausgeperrt wurde, weil es Gerhard Rühm zu laut war.

Sowas habe ich vor fünfunddreißig Jahren mit der kleinen Anna beim Herrn Jandl erlebt und erzähle dieses Beispiel ständig, das wäre mein Rat an die junge Mutter und danach gabs noch ein Aufführung der “Schule für Dichtung”. Da trat zuerst Fritz Ostemayer auf, der sich von seinem Schlaganfall oder Herzinfarkt inzwischen schon gut erholt zu haben schien. Er diskutierte mit Nell Zink, der Klassenleiterin und spielte Vogelstimmen vor, denn die <klasse hieß “Ästhetik der Vögel” und dann lasen einige junge Frauen, darunter Jana Volkmann, die ich von der “AS” kenne ihre diesbezüglich entstandenen Gedichte vor und Nell Zink Ausschnitte aus ihrem Roman, der auf Deutsch erst in nächsten Jahr erscheinen soll. Also eine Premiere und danach gab es noch ein Konzert von Anna Mabo und Clemens Sainitzer und ein paar Gespräche vor dem Tor.

Nicht hysterisch werden

Vor elf Tagen wurde in Österreich nach großen Druck, die meisten Corona-Maßnahmen gelockert oder aufgelöst, so daß es einen schönen Sommer mit einer Maskenpause geben kann. Das heißt auch keine im Supermarkt und in den Verkehrsmittel, so daß man solche nur mehr in den Spitälern und Pflegeheimen tragen muß.

Da gab es vorher viel Druck vom Handel, da das den Beschäftigten nicht mehr zumutbar war, den ganzen Tag im Supermarkt mit Maske herumzulaufen, während man die in den Baumärkten schon seit Ostern nicht mehr brauchte, eigentlich unlogisch, wie das auch ist, daß ich jetzt fast jeden Tagen in mehr oder weniger überfüllten Veranstaltungen sitze, im leeren Sjpermarkt aber ein Maske gebraucht hätte, um die vulnerablen Gruppen, die einkaufen müßen, zu schützen.

Aber wenn die eine Maske tagen, sind sie, glaube ich, zu neunzig Prozent geschützt und wenn der Supermarkt leer ist, ist auch der Abstand gewahrt und die vulnerablen Gruppen, die in den Supermarkt gehen, werden auch manchmal Schuhe kaufen oder ins Kino wollen.

Also hörte man schon ein paar Tage später von der Patientenanwältin Sigrid Pilz, die Masken- und die Testpflicht muß wieder her und Wien hat da sowieso nicht zur Gänze mitgemacht. Denn da muß man auch in den Öffis und in der Apotheke Maske tagen.

Die Impfpflicht wurde wieder für ein paar Monate ausgesetzt, weil, wie Ministerin Edtstadler sagte, derzeit nicht verhältnismäßig. Aber im Hintergrund wird schon eifrig daran gearbeitet, sie im Herbst scharfstellen zu können. Ich glaube, da werden schon Juristen angestellt, um das zu exekutieren, ein Brief an die Ungeimpften soll auch kommen und im Herbst soll der vierte Stich kommen. Die über Fünfundsechzigjährigen können das schon früner tun, denn die Immunität läßt nach.

Aber der derzeitige Impfstoff hilft nicht oder wenig gegen Omikron und angeblich läßt die Immunität danach schon nach drei Monaten ab und weil sich ja alle impfen sollen, weil soviel Impfstoff eingekauft wurde, wird der Genesenstatus für den Impfpaß nicht mehr anerkannt und wie lange man wirklich immun ist und Abwehrkörper hat, wird nicht wirklich erforscht und auch nicht anerkannt.

Dagegen hört man überall die nächste Variante B4 und B5 kommt oder ist in Portugal schon da und Gesundheitsminister Lauterbach warnt schon länger von einer Killervariante, die spätestens im Herbst, wenn nicht schon im Sommer wirklich kommt.

Dabei glaubte ich doch, daß sich die Viren abschwächen und Omikron eigentlich ein Segen ist, denn da sind wir alle durch und können das Virus, wie eine Grippe behandeln.

Sollten wir, wollen die Politiker und die Experten offenbar nicht und die Zahlen, die inzwischen bei zweitausend waren, stiegen wieder auf vier -oder fünftausend an und alle wurden nervös und hysterisch. Die Maskenpflicht muß wieder her, hört man allethalben und wenn die Zahlen zehn Tage steigen, wird sie wieder eingeführt.

Ob da die Menschen mitmachen werden, hört man dann manchmal und ich, die ich das ja interessiert beobachte, weiß das nicht wirklich, denn ich war, weil der Alfred so eifrig einkaufen geht, seit ersten Juni oder eigentlich schon seit zwei Jahren noch in keinen Supermarkt, bin aber am Pfingstsonntag mit den Zug von Traismauer bis Traisenpark gefahren und der war, glaube ich, vollkommen leer. Drei Reihen vor mir ist ein Fahrrad gestanden und da hätte ich eine Woche vorher eine Maske gebraucht.

Das ist schon ein bißchen komisch und bei den Literaturveranstaltungen habe ich ganz gut beobachten können, daß das Maskentragen abnimmt. In der “Schmiede” im Literaturhaus in der “Gesellschaft” tragen, die, die Mitarbeiter und letzten Donnerstag hieß es in der “Schmiede” FFP2-Maske, weil die Vortragenden das so wollen, aber in “Gesellschaft” hatte, die dann niemand und so kann ich beobachten, daß die Leute da lockerer werden und das Leben auf der Straße ist auch sehr voll, während man in den Medien immer hört “Die nächste Welle kommt bestimmt und es wird viel gefährlicher werden!”, also muß die Politik was machen, “Denn die Pandemie ist noch nicht vorbei!” und so wird es, wenn man nicht endlich mit der Panik aufhört, wohl ewig weitergehen,, denn Viren hat es und wird es immer geben und wenn man sie sucht und herbeitestet wird man sie auch finden.

Jetzt gibt es B4 und B5 und die Sommerwelle. Da hört man zwar auch schon, die sind zwar ansteckend aber so harmlos, wie eine Grippe. Das hörte man aber eigentlich schon im März 2020, daß die meisten nicht krank werden, während andere von der Killervarianten schreien und, daß man die Leute schützen und die Impfllücken schließen muß und ich fürchte, daß es dann im herbst vielleicht mit den Grippeviren so weitergeht.

“Denn das Maskentragen ist ja angenehm. Daran haben wir uns schon gewöhnt. Da hatten wir zwei Jahre keine Grippe, also bitte weiter Masken tragen, auf andere Rcksicht nehmen und wir werden jetzt alles kontrollieren und die Impfpflicht scharfstellen, etcetera!”

Daneben schießen die Preise in die Höhe, alles wird, um sechzig, siebzig, achtzig, neunzig Prozent teurer, die Mieten, die Lebensmittel, die Fernwärme, das Benzin, etcetera und wie soll das gehen, wenn der Lohn gleich bleibt?

Die Restaurants sind zwar noch immer voll und die Geschäfte auch, aber die Angstspirale dreht sich immer schneller weiter und, daß es für die Psyche nicht gut sein kann, wenn man ständig in Panik gehalten wird, dazu muß man nicht Psychologie studieren, um das zu wissen und ich denke, das ständige Maskentragen hält das Immunssystem auch davon ab, selber mit den Viren fertig zu werden und sie als normal zu betrachten, wie das früher war und ob das wirklich so gesund ist, das werden wahrscheinlich die nächsten Jahre zeigen.

Schlimm, schlimm, schlimm, da kann oder muß man ja depressiv werden oder viel verdrängen. Ich habe schon im März 2020e gefürchtet, daß das so weitergeht, wenn man sie Stratgien nicht ändert und das will man wahrscheinlich nicht und so kann man nur gespannt sein, wie weit und wie lange sich die leute das gefallen lassen?

Denn vieles ist ja wirklich widersprüchig, wenn ich die Geschichte so durchgehe. Das 3G zum Beispiel das man im Vorschah in den Schanigärten brauchte und dann während der Lockdownzeit für Ungeimpfte, wo man seinen Ausweis und Impfpaß zeigen mußte, wenn man ins Schuhgeschäft oder Restaurant wollte. In Wien hat das ja bis Ostern angedauert und das mit den Zügen, daß man, wenn man in Linz einsteigt, in Purkersdorf, die Maske aufsetzen muß.

“Da sind die Viren ja schon da!”, hat die Patientenanwältin richtig gesagt. Aber ich setze ja auf Eigenverantwortlichkeit, statt auf Zwangsverordnungen, die ja unsinnig sein müssen, wenn man mit den Maßstab drüberfährt und wenn man sich bei Begrüßung dann mit Maske küsst, denke ich, kann das auch nicht gesund sein und wenn man den Leuten das logische Denken abtrainiert und sie in ständige Angst versetzt, kann das nicht gut sein.

Aber leider sind wir schon dahin gekommen und so auf in einen hoffentlich doch ganz schönen Sommer! Ich bin wieder gespannt wie es weitergeht und versuche mein Leben möglichst angstfrei und ohne Hysterie zu genießen und dafür meinen Verstand einzusetzen.

Der Mann, der E.T.A. Hoffmann erfand

Der 1976 geborene Ernst Theodor Amadeus Hoffmann wird am fünfundzwanzigsten Juni seinen zweihundertsten Todestag haben. Zeit eine Biografie über ihn zu schreiben und auch Zeit für mich diese zu lesen. Habe ich in meiner Studentinnenzeit doch sehr viel den Romatiker, der auch Jurist, Komponist und vieles anderes war, gelesen und den “Kater Murr,” den “Meister Floh”, die “Elixiere des Teufels”, das “Fräulein von Scuderi”, die “Serapionsbrüder” und noch andere Reclamheftchen in meinen Ragelen und war oder bin eine große Fanin von ihm.

Daß es einen Julius Eduard Hitzig gab, der ursprünglch Isaak Elias Itzig hieß von 1780-bis1849 lebte und ebenfalls Jurist, Schriftsteller und dann noch Verleger war, habe ich nicht gewußt. Ser 1965 geborene Kulturjournalist Norbert Kron hat aber in seinen Briefen und seiner Hoffmann-Biografie geforscht und einen “Roman einer Freundschaft” in drei Akten, einer Ouverture, drei Akten und einer Zugabe daraus gemacht und mehrere Künstler und Künstlerinnen haben Zeichnungen dazu angefertigt und sie den Kapiteln vorangestellt.

Interessant, interessant, wenn auch vielleicht gar nicht so einfach in das Leben der beiden Freude einzusteigen, denn, daß E. T. Hoffmann in Königsburg, heute Rssland geboren wurde, habe ich nicht so präsent gehabt und auch nicht, daß er in Warschau Gerichtsrat war. Da haben sich die beiden kennengelernt.

Zumindestens beginnt die Ouverture dort, der eine hatte eine polnische Frau, Mischa genannt, der andere eine Johanna, die bald und auch Hitzigs Kinder bis auf eine Tochter gestorben sind.

Die Beiden sind dann nach Berlin gegangen, Hoffmann war aber glaube ich auch in Bamberg tätig und Hoffmann der mit seiner “Undine” einer romantischen Zauberoper und als Musiker Erfolg hatte, verschmähte ihn, denn seine Liebe galt, wie es es auch bei mir der Fall ist, der Lteratur.

Die Inspirationen hat er sich dazu wahrscheinlich im Weinhaus “Lutter und Wegner” geholt. Das kann man glaube ich, der phantastischen Offenbach Oper “Hoffmanns Erzählungen” nachempfinden und als er da einmal betrunken nach Hause wankte, hat er eine Katze, beziehungsweise den “Kater Murr” gefunden, der offenbar den Haushalt dominierte und dem sich auch die Gattin Michelina unterordnen mußte und dort haben sich dann auch die Freunde, Hitzig, Adelbert von Chamisso, Fouque, David Ferdinand Koreff, etcetera, besser bekannt, als die “Serapionsbrüder” eingefunden und für Hitzigs Kinder wurde ein Weinachtsmärchen mit den berühmten Nußknacker erfunden, denn eine der Töchter, die auch gestorben ist, hat Marie geheißen.

Mit dem “Meister Floh” hat er, glaube ich, einen politischen Skandal ausgelöst und als er 1822 gestorben ist, war er hochverschuldet und sein Freund Hitzig hat ihm versprochen, sich um seine Frau zu kümmern, sie juristisch zu beraten und auch eine Biografie über ihn geschrieben.

Nun gibt es ein Buch über die Beiden, die mich an den runden Todestag erinnern. E. T. Hoffmann wieder zu lesen wäre fein, wahrscheinlich komme ich nicht dazu, denn die Backlist warten und die Jurien bezüglich des deutschen und österreichischen Buchpreises lesen sicher auch schon.

Also vielen Dank für das blaue Büchlein mit den schönen Illustrationen und noch etwas ist interessant und ungewöhnlich, was meinen Freund Uli wahrscheinlich an die Decke springen läßt, denn Brot und Not und vieles andereswerden da mit “th” geschrieben. War die damals übliche Orthographie und ich halte das auch aus, auch wenn es ein wenig ungewöhnlich und gar nicht so leicht zu lesen ist, dafür aber authentisch und so weiß man, wie man damlas geschrieben hat und das ist ja auch sehr interessant.

Ingo Schulze, von dem ich schon einiges gelesen habe und der vielleicht als eine Art Nachnachfolger des romantischen Meisters bezeichnet werden kann, hat am Buchrücken “Beim Lesen kam mir immer so vor, als wäre ein Stummfilm aus E. T. A. Hoffmanns Zeiten aufgetaucht, dem Norbert Kron seine Sprache leiht. Am Ende glaubt man schon immer gewußt zu haben, daß Schriftsteller ohne jene, die an sie glauben und die sie vielleicht besser kennen, als sie sich selbst, nicht zu jenen Genies geworden wären, als die wir sie heute ansehen.”

,Wiewahr und interessant, daß Schulze “daß” auch mit scharfen “ß” schreibt. Also bin ich da noch nicht ganz allein und eine “E.T.A. Hoffmann-Gesellschaft” gibt es natürlich auch, bei man sich sicher über die geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten erkundigen kann.

Zeit Zuflucht

Jetzt kommt ein Bestseller oder jedenfalls das Ö1 Buch des Monats “Zeit Zuflucht” des 1968 geborenen bulgarischen Autors Georgi Gospodinov, von dem ich schon ein Buch aus dieser zweisprachigen “Wieser-Edition” bei einem Gewinnspiel der Bank Austria gewonnen, aber nicht gelesen habe.

Jetzt ist er offenbar zum Literaturstar aufgestiegen und ich muß sagen das Buch ist sehr interessant, obwohl es mehr locker dahin geschrieben, als eng geplottet scheint, denn es geht um alles oder nichts. Falsch, es geht um alles. Um die Zeit und wie man mit ihr umgeht und da sind einmal zwei große Themenbereichen in denen der Autor locker hin- und herspringt. Das eine das große Thema Demenz und Vergessen, etwas womit ich mich in meinen Büchern auch schon beschäftigt habe. Im anderen Teil geht es, um die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts, wie schon oft beschrieben. Die Bulgarische ist es zumindestens im deutsprachigen Raum weniger, also wieder besonders interessant.

Und mit dem locker Dahingeschrieben meine ich folgendes. Da gibt es einen Erzähler, der offensichtlich der Autor selber ist und, um den Protagonisten Gaustin, begnadeter Flaneur, durch die Zeiten der offenbar schon in früheren Büchern Gospodinov eine rolle spielt, so heißt mein Buch “Gaustin oder der Mensch mit den vielen Namen”. Er flaniert durch die Zeit und trifft den Autor und da ist es auch nicht klar, ob das nicht vielleicht der Roman ist, den Godpodinov gerade schreibt und der seinen Protagonisten, was ja auch stimmt, erfunden hat und dieser Gaustin hat eine Klinik für Alzheimer und Demenzen in Zürich aufgemacht, wo jedes Stockwerk ein anderes Jahrzehnt darstellt, damit sich die Betroffenen wohlfühlen und in ihre Vergangenheit zurückgehen können. Da gibt es die Möbel, die Zeitungen, die Platten, die Filme aus den Dreißiger-, Sechziger, sogar Siebzigerjahre und das ist sicher eine spannende Idee, die wahrscheinlich zum Teil auch verwirklicht ist. Denn wir können ja mühelos in diese Zeiten zurückgleiten, deren Bücher lesen, jeder Roman ist eine Zeitreise, etcetera.

Gaustin macht den Autor zum Verwalter oder Materialbeschaffer dieser Klinik. Es gibt, glaube ich, auch eine Dependance in Sofia und dann werden Geschichten erzählt, Fallbeispiele genannt und man reist locker durch die Zeiten.

Bei einer Diskussion habe ich das Bedauern gehört, daß der Anhang fehlt, so daß man vieles, was hier beschrieben wird, ständig nachgooglen muß und im nächsten Teil ergreift dann die ganze Welt diese Zuflucht und jedes Land Europas kann sich sein Jahrzehnt aussuchen in das es flüchtet.

Da gibt es dann eine Landkarte, wo das beschrieben steht und spannend, die Szene, wo sich der Erzähler am ersten Mai in Sofia entscheidet gleich auf zwei Maiaufmärsche oder Feste zu gehen. Einmal, das der Kommunisten und auf das, wo die Trachtenträger, die inzwischen Mode geworden sind auftreten und interessant dabei, daß er einen Schulfreund trifft, der ihm erzählt, daß er beide Festivitäten inszeniert hat.

Spannend, spannend und sehr interessant und weil das Buch jetzt so viel rezensiert wird, kann man davon ausgehen, daß es bei vielen den Zug der Zeit getroffen hat. Die einen werden sich vielleicht, wie ich, mehr um das persönliche Vergessen, die anderen für die Weltgeschichte interessieren. Aber beides gehört ja, wie uns Gospodinov zeigt, zusammen und ich bin ja eine, die sich schon von jeher sehr für die Vergangenheit interessiert, also ein sehr gutes Buch.

Lyrik statt radikalen Konservatismus

Heute wieder ein Tag der Entscheidungen und es kommt anders als man denkt. Ich suche mir mein Abendveranstaltungsprogramm immer einige Wochen früher aus und schreibe es mir in den Kalender und da war für heute ein Besuch in der “Alten Schmiede” geplant wo Julia Rabinowich mit Natascha Strobl, glaube ich, den radikalisierten Konservatismus diskutierte, beziehungsweise beide ihre neuen Bücher vorstellte. Dann erzählte mir der Alfred vom WU-Sommerfest und ich dachte, da geh ich mit ihm hin, war ich da ja schon ein paar Mal bei ein paar Festen, bei der Sommerakademie und auch auf einer Demo. Der war aber nicht sehr erfreut.

“Da habe ich keine Zeit für dich, da muß ich mit meinen Kollegen reden!”

Dann kam eine Einladung von der GAV, daß es wieder einen Jur fixe gibt, in einem Heurigengarten im alten AKH, aber nur bei Schönwetter und im Republikanischen Club, der jetzt eine neue Adresse hat, wurde ein Krimi vorgestellt. Was mache ich also?

“Geh tin den RC!”, sagte der Alfii.

“Und sag mir wies dort ist?”

Aber Krimis interessieren mich nicht so sehr und auf deren Aussendungen steht immer noch etwas von Maskenplicht. Schließlich tendierte ich zum Jour fixe, um mit den Kollegen zu reden und den Jopa Jotakin nochmals an die Eintragung vom “Frauenleiden” zu erinnern, aber dann war Schlechtwetter abgesagt und die GAV hat gestern abgesagt, beziehungsweise auf nächste Woche verschoben.

Also “Alte Schmiede”, wenn ich nicht bei der WU im Regen herumstehen will und das Thema ist sehr interessant und auch spannend zu sehen, wie weit die Diskussion vielleicht in das Corona-Thema übergeht und dann hat mich, als ich die Stiegen der “AS” hinuntergegangen bin, eine junge Dama angesprochen und “Heute gibts FFP2-Maskenpflicht erklärt, weil die Vortragenden das wünschen und darüber habe ich in den letzten Tagen sehr viel gehört, daß die Zahlen wieder steigen, die Patientanwaltin Pilz schnellstens wieder ein Einführung der Maske fordert und im “Servus TV” gab es auch eine Diskussion darüber, die ich mir vor dem Weggehen angeschaut habe. Wie weit kann der einzelne Risikopatient von den anderen fordern, daß er eine Maske tragen muß?

“Das wird mich wahrscheinlich noch öfter treffen!”, habe ich gedacht, versucht mich nicht zu ärgern, sondern an den “Republikanischen Club” gedacht. Aber da hatte ich die Adresse nicht parat, nur vage an den “Salzgries” gedacht, aber wie komme ich da hin, wenn ich durch den Heiligenkreuzerhof gehe, komme ich in die Nähe, habe ich gedacht und in einer Buchhandlung danach gefragt. Das war aber eine Englischsprachige und als ich schon in Opernnähe war, ist mir eingefallen, daß Ursula Ebel gestern auf eine morgendliche Lyrikveranstaltung hingewiesen hat. Wenn ich da gleich hingegangen wäre, wäre ich pünktlich hingekommen. So ist mir im Vorraum der “Gesellschaft” gleich Marianne Gruber, die ehemalige Präsidentin begrüßte, die mit mir einen Text in der “Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen- Anthologie” hatte und mir da einmal viele Tips gegeben hat. Als ich in den Saal kam, sah ich Erstens, wie gestern keine Masken und am Podium saßen, wie in einem Orchester zwei mal fünf Studenten, das heißt, je vier Schauspielschülerinnen und ein Student von der Schauspielakademie Elfriede Ottt, die abwechselnd Gedichte vorlasen und ich war am Anfang verwirrt, “bis ich darauf gekommen bin, daß die Texte aus dem Band “Einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt, des 1991 geborenen Raoul Eisele stammten, der eine erstaunlich schöne Sprache hat.

Im Anschluß trat dann der Autor auf den Lesetisch und erzählte ein bißchen was über seine Gedichte und das Erstaunliche daran war, daß es eine Art Rahmenhandlung gab. Nämlich eine Figur, der nach einer <o suchte oder ihr Briefe schrieb und ein Seemann war, was ich sehr interessant fand. Dann gings in die nächste Runde, nämlich zu der 1980 in Maribor geborenen Daniela Kocmut und ihren bei “Keiper” erschienenen Band “Freitauchen” und da ging es um das Schreiben und das Übersetzen, was die Autorin offenbar auch betreibt und dann, was mich besonders freute, gab es drei Corona-Gedichte, die ich als sehr stark empfand und die Autorin, die, die Schauspielschüler sehr lobte, las dann noch zwei Gedichte, die sie ihren Mentor Fabjan Hafner, den 2016 verstorbenen slowenischen Autor, gewidmet hat.

Ein interessanter Abend, wo ich zwei interessanter Autoren kennenlernte, die sonst an mir vorbeigegangen wären und den Aband mit den radikalisierten Konservatismus kann ich mir vielleicht per Video ansehen, wenn es die “Alte Schmiede” freigibt.

Schreibblockaden

Ich kann mich erinnern, daß ich einmal vor vielen Jahren, als ich mich noch mit den “Arbeitskreisfrauen” getroffen habe, Valerie Szabo-Lorenz in ihrer schönen Wohnung neben den Grinzinger Friedhof sagen hörte, daß ihr die Idee so zufallen würden.

Wui, habe ich damals wahrscheinlich in den Siebziger- oder achtzigerjahren gedacht, wenn das bei mir auch so wäre! Denn damals war ich sehr gehemmt und habe mir jedes Wort abgequält, weil ich irgendwie den Eindruck hatte, ich darf nicht schreiben, es ist nicht gut genug, etcetera….

Das hat sich dann glücklicherweise geändert und ich schreibe, wie meine Leser wahrscheinlich wissen seit Jahren ein Buch nach dem anderen, das ich dann selbst herausgebe, auf meinen Blog vorstelle, es vor Corona als ich noch Lesungen, hatte dort vorstellte und das war es dann und ich bin zum nächsten Buch gegangen.

Hin und wieder habe ich dann geklagt, ich fühle mich ausgeschrieben, habe aber trotzdem fleißig weiter gemacht, was vor allem die letzten zwei Jahre betrifft, denn Corona hat mein Schreiben enorm beflügelt, so sind inzwischen schon sieben erzählende Texte über dieses Thema erschienen, sieht man bei Wikipedia nach findet man nur fünf und auf der GAV-Seite muß das “Frauenleben” auch noch eingetragen werden. Ob meine Coronamaßnahmen<Kritik schuld daran ist oder doch, daß ich nur selbstgemachte Bücher habe, weiß ich nicht so genau. Trotzdem gibt es diese Bücher und Lesungen habe ich sofern sich die Corona-Maßnahmen nicht wieder ändern, im September beim “Open Mike” im “Werkl im Goethe-Hof” und im Oktober bei der “Poet Night” des ersten “Wiener Lesetheaters” auch und wer meinen Blog regelmäßig verfolgt, weiß, daß in diesem Jahr schon vier Bücher von mir erschienen sind und drei habe ich geschrieben.

“Wui, das ist sehr viel oder schreib nicht soviel!”, könnte man da unken. Stimmt, aber wir haben Juni und die “Gestohlenen Jahre”, da wird ein Stück daraus während des “Bachmann-Preises” auf meinen Blog erscheinen, sind auch schon beim Alfred zum Fertigmachen gelandet und dann habe ich prompt das nächste Projekt angefangen.

Da hatte ich ja eine vage Idee etwas über das soziale Kreditsystem zu schreiben und eigentlich nicht vor schon wieder etwas über Corona. Aber das beschäftigt mich ja sehr und ist wahrscheinlich noch nicht vorbei. Zumindest macht die Politik keine Anstalten dazu, sondern scheint schon wieder neue Lockdowns zu planen. In meinen letzten zwei Texten, den “Uhren” und den “Gestohlenen Jahren”, die etwas in der Zukunft spielen, ist sie das. Aber und ich bin eine, die ja sehr realistisch schreibt. Einen Text, wo Corona und die Masken, etcetera, nicht vorkommen, kann ich mir derzeit, auch wenn ich über etwas anderes, wie über alte Frauenh oder eine Dreiecksbeziehung schreibe, nicht vorstellen und dann bin ich vor zwei Wochen auf sogenannte Recherchesuche gegangen und habe mich dazu in die Konditorei Aida auf der Mariahilferstraße gesetzt und dort ein Gespräch zwischen einer Dame und der Servierein beobachtet. Die Frau habe ich dann in einem Nonfoodgeschft nebenan mit Maske getroffen und die Steffi Schuster, 65, pensionierte Psychologin war schon da und die will, typisch könnte man so sagen, über das soziale Kreditsystem schreiben, hat eine sogenanntes Patenkind, die zwanzigjähriges Chinesin Sun-Jong, die wegen der chinesischen Einkindpolitik vor siebzehn Jahren nach Wien kam und dort adoptiert wurde, deren großer Bruder befindet sich gerade in Shanghai im Lockdown und schickt Sun-Jong eine “Ode an die kleine Schwester”.

Das habe ich dann ratsch rutsch hinuntergeschrieben, obwohl man, nicht schon wieder ein Roman im Roman denken könnte und die “Magdalena Kirichberg” hat ja auch nach ihrer Pensionierung zu schreiben angefangen. Nicht schon wieder, dasselbe Schema, nicht so schnell! Da ist schon etwas dran und als ich mir vor dem Schreiben meine Kritikenmappe durchsah, habe ich ein Mail von Klaus Khittl ,gefunden, der mir in seiner lieben Art geraten hat doch mal etwas anderes zu versuchen und an meiner Sprache zu arbeiten, die ja offebar für den Literaturbetrieb nicht gut genug ist, wie mir der liebe Uli immer schreibt und auf die Ideen einfach Szenen nach einem Wort oder einer Beobachtung zu schreiben, wenn mir für einen Roman nichts richtiges einfällt, bin ich auch schon früher gekommen. Auf diese Art und Weise ist vielleicht auch die “Ode an die kleine Schwester” entstanden. Mal etwas Experimentelles ausprobieren, das habe ich ja auch in der Schreibgruppe mit dem “Kokusnuß-Text” einmal gemacht und das Problem, daß ich da jetzt bei fünf Szenen, zehneinhalb Seiten und 4646 Wörter, die ich schon drei oder viermal umgeschrieben habe, ist, ich weiß nicht wirklich über was ich schreiben soll und auch nicht, wie ich jetzt mit der Pandemie vorgehen soll?

Die Geschichte spielt im Mai 222, wo die Maskenpflicht ziemlich gefallen ist, aber die soll ja, wie gefordert wird, wieder eingeführt werden und die Zahlen gehen schon wieder hoch. Also sind wir noch immer mitten drin im Thema und darüber kann man dann ja nicht wirklich schreiben und über das soziale Kreditsystem und, wie das bei uns eingeführt wird, weiß ich auch nicht viel, also sitze ich in einer Sackgasse und wie komme ich da heraus?

Ein anderes Thema wählen, aber wie und über was? Die Steffi Schuster besser ausarbeiten, über alternde Frauen, die in ihrer Pension was schreiben möchten, habe ich schon öfter geschrieben. Ich könnte die alleinerziehende Serviererin Rosa Horvath und ihre fünfzehnjährige Tochter Tina auch noch einbeziehen und die Tochter könnte mit Mira Edelbauer in einer Klasse gehen, das ist die echte Tochter der Edelbauers, die Sun-Jong damals adoptiert haben und die soll ein Referat über die Einkindpolitik in China schreiben und braucht ihre Adoptivschwester dazu.

Diese Ideen habe ich auch schon, aber in welcher Zeit das spielt und, wie es der Steffi mit Corona geht, müßte ich auch noch klären. Die habe ich jetzt zweimal geimpft sein lassen, aber wenn ich da hineinspringe, fehlt der Hintergrund und in die Zukunft kann ich auch nicht wirklich gehen, ohne aus der Steffi Schuster eine Widerstandskämpferin zu machen. Aber das hatte ich schon bei Tante Hedy in den “Gestohlenen Jahren”.

Also etwas anderes schreiben und da ein Thema suchen oder doch nur Szenen und Kurzgeschichten und das ganze dann zusammedröseln, beziehungsweise einfach nur weitertrödeln und trotzig denken, du mußt ja nichts schreiben, hast du doch ohnehin schon genug geschirieben. Fast fünftausend Blogartikel und fast sechzig Bücher,sechsundfünfzig selbstgemacht, drei andere und zwei die noch erscheinen müßen.

Das kann ich aber wahrscheinlich nicht wirklich, denn es treibt mich zum Schreiben und natürlich zum Erfolg. Der müßte noch kommen. Das habe ich schon damals für “Poldis Galeriecafe”, geschrieben und Corona hat mich wahrscheinlich auch weil ich da kritischbin, noch mehr ins Aus gebracht, beim Volksstimmefest werde ich auch nicht mehr eingeladen und wie das mit meinen literarischen Geburtstagsfest wird, weiß ich auch nicht und das einzige Feedback auf dem Blog sind ja die Kommentare vom Uli.

Also werde ich wahrscheinlich weiterwurschtln, versuchen mehr Peep in die Steffi Schuster zu bringen und mehr Idee dafür oder ein anderes Projekt oder doch schauen, ob ich beim Recherchieren auf Szenen kommen. Meine Bücher könnte ich auch vermehrt lesen, da bin ich ja ein bißchen in Verzug und vielleicht komme ich da auf Ideen, wenn ich schaue, wie es die anderen machen? Mal sehen, ich bin gespannt und über Tips und positives Feedback freue ich mich sehr.

Mareike Fallwickls Frauenpower

Die 1983 in Hallein geborene Mareike Fallwickl habe ich vor einigen Jahren durch ihren “Bücherwurmloch-Blog” kennengelernt, damals hat sie sich, glaube ich, ein Bücherkaufverbot auferlegt und später ist sie mir aufgefallen, als sie erklärte, daß sie nie ein zweites Buch von einem Autor lesen will und sie ist eine eifrige Leserin. Ich habe mich eine Zeiltang sehr eifrig mit ihr kommentiert. Sie war dann auch bei den offiziellen Bücherbloggern, die 2015 von Mara Giese initiert wurden. Sie war auch in der Jury des Bogbusterpreises und hat, glaube ich, einen erotischen Roman geschrieben, bevor sie mit “Dunkelgrün fast schwarz” sozusagen berühmt geworden ist und sogar auf der öst Bp stand, das nächste hieß dann “Das Licht ist hier viel heller” und jetzt ist “Die Wut, die bleibt” erschienen, das heute in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt worden ist. Im Literaturhaus hätte es eine Präsentation einer Anthologie von Eva Schörkhuber und Andreas Pavlik gegeben, aber ich habe mich dafür entschieden und das Buch das inzwischen bei “Rowohlt” erschienen ist, die beiden vorigen erschienen bei der “Frankfurter Verlagsanstalt”, angefragt, das aber leider schon aus war. Macht nicht wirklich etwas, denn, wie meine Leser wissen, ist meine Leseliste sehr lang und wenn ich, bis die die nächste dBp- Liste bekanntgegeben wird, noch meine Geburtstagsbücher vom letzten Jahr lesen will, sollte ich mich sputen.

Also nur in das Buch hineingehört und da geht es um eine Frau, die sich gleich auf der ersten Seite umbringt, drei Kinder, ein fünzehnjähriges Mädchen und zwei kleinere Buben zurückläßt und eine Freundin, beide um die Vierzig, soll sich jetzt um die Kinder kümmern, während der Vater arbeiten geht und die Oma, an die vorher gedacht wurde, erkrankte.

Daran folgte ein heftiges Statesment von Mareike Fallwickl gegen die Unterdrückung der Frauen und, daß man diese entlasten muß. Da habe ich dann an Gertraud Klemm gedacht, wo ich mir als sie damals beim “Bachmannpreislesen” ihre Frauenpower loslies. Das hatten wir ja schon, hat ja die Ruth ihre “Zündenenden Funken” herausgebracht und ich war in den Siebzigerjahren auch auf Frauendemos. Ja, ich habe unter Kreisky studiert und meine Tochter ist ein Jahr jünger als Mareike Fallwickl, die bereits von den jüngeren, den zwanzigjährigen Frauen spricht, die es besser machen wollen oder von ihrem kleinen Sohn erzählte, der bereits das Wort “binär” verwendet. Da fällt mir ein, daß ich einmal auf einer Frauengesundheitstagung der Beate Wimmer-Buchinger, die ja auch eine sehr frauenbewegte Psychologin ist, war, eine Ärztin über eine Medizinstudentin klagen hörte, die sich ihren “Doktor” lieber erheiraten woll,te, als es, wie ihre Mutter, eine alleinerziehende überforderte praktische Ärztin zu machen. Ja, wie man es macht, macht man es schafft und die fünzehnjährige Lola, die tochter der Helene, die sich umbrachte, weil sie die Frauendoppel-oder Dreifachbelastung nicht aushielt, das Buch wurde während der Pandemie geschrieben, wo sich die Männer ins Homeoffice in ihr Arbeits- oder Schlafzimmer zurückzogen, während die Frauen im Wohnzimmer das Homeschooling, den Haushalt und vielleicht auch noch ihr Homeoffice schupften, lernt boxen, um sich gegen die männlichen Gewaltübergriffe zu erwehren. Interessant dabei, daß Mareike Fallwickl erzählte, daß sie im März in Leipzig bei der nicht stattgefundenen Messe in einer Lobby mit Schriftstellern und Journalisten gesesen ist und auf eine Kollegin wartete, die sich ein Heimwegtelefonat wünschte. Ich hatte bisher keine Ahnung, was das ist, obwohl ich auch einmal am Heimweg überfallen und gewürgt wurde und Mareike Fallwickl sprach davon, daß die Frauen mit dem Handy und dem Pfefferspray in der Hand durch dunkle Parks hasten und sich vor dem Überfallen werden fürchten müßen. Stimmt, ich meide in der Nacht auch die Parks ,gehe aber sonst lustig herum und in ihrem vierten Lesestrang wünschte sich Mareike Fallwickl eine Solidarität unter den Frauen und teilte auch einen Folder von Frauenbüchern aus, diesie zum Lesen empfahl. Davon habe ich ,schon einige Bücher gelesen, bin aber trotzdem skeptisch, ob eine Solidariät unter Frauen in einer Gesellschaft, wie diese, wo sich Mareike Fallwickl, wenn sie mit dem Zug in Salzburg nach Wien gefahren ist, in Purkersdort die Maske aufsetzen mußte und dreimal geimpft sein muß, wenn sie, wie ich gerade hörte, im Herbst nicht schon wieder Lockdowndrohungen ausgesetzt sein will, wenn das soziale Kreditsystem eingeführt wird, ist von Frauenpower wahrscheinlich auch keine Rede und die Inflation und die allgemeine Teuerung trifft wahrscheinlich auch zuerst die alleinerzienden Frauen.

Aber trotzdem toll, daß sich auch die jüngeren Frauen für Frauenpower einsetzen und ich kann nur anfügen, daß ich natürlich nicht auf ihrer Liste stehen, obwohl ich mich auch für eine feministische Autorin halte.

Schriftlinien

Das ist eine Reihe die Günter Vallaster offenbar im Rahmen der GAV jedes Jahr veranstaltet und wo es um den Zusammenhang zwischen Literatur und bildender Kunst, Fotografie, Musik, etcetera, geht. So hat es Jana Waldhör in ihrer Einleitung ausgedrückt und dann den 1968 in Schruns geborenen Günter Vallaster ausführlich vorgestellt.

Der stellte dann seine Reihe und die Mitwirkenden noch ausführlicher vor und der erste Lesende war der 1957 geborene Peter Bosch, der außer Autor auch noch Fotograf ist. So gab es eine Fotostrecke, die projeziert werden sollte und auch im Literaturhaus aufgestellt war, “Abwesenheitsportraits” genannt. Peter Bosch hat aber nicht dazu, sondern eine Szene aus seinem neuen Roman gelesen, wo es, wie Günter Vallaster ausführlich erklärte, um die Musik geht und die Stelle war dann ein Gespräch mit einem Ich-Erzähler, wo er einem Stotterer erzählte, wie er einmal eine religiöse Freundin in in einem Pub treffen wollte, aber irrtümlich in einer Kirche gelandet ist. Dort hat er eine Sängerin namens Vibi kennengelernt, mit ihr im Beichtstuhl geküßt und dann die Nacht in der verschlossenen Kirche verbrachte.

Spannend, spannend und gar nicht so experimentell, wie ich die Veranstaltung gehalten habe. Dann kam der Berliner Achim Wagner, der offenbar lange in der Türkei gelebt hat und der seine “Schriftlinien” in der Übertragung türkischer und zypriotischer Autoren verstand. Das heißt, er hat sowohl eigene als auch Gedichte, bzw. Nachschriften von Orhan Veli, Oktay Rifat, Melih Cevded, Nazim Hikmet, Zahrad, Ahmet Arif, Metin Cengiz, Gonca Özem, Fikret Demirag, Gürenc Korkmazel,Tugce Tekhanh, Rasit Pertev und Zafer Senocak unter dem Titel “Orte, die ich nicht anfrage gelesen” und dann kam die 1983 in Villach geborene Angelika Stallhofer, die ich schon bei den “Wilden Worten” hörte und deren “Adrian” ich gelesen habe und präsentierte ihren Gedichtband “Stille Kometen”, der in der “edition ch” erschienen ist und von Andrea Zambori illustriert wurde, die auch im Programm stand und ein Video mit ihren Zeichnungen geschickt hat. Der Band besteht aus fünf Zyklen: “Brennen – Wasserstellen – Surren- Schlingen und Schwebebahn”, den ich auch demnächst lesen werde und oh Überraschung, es gab wieder Wein und Getränke und nur wenige Masken, obwohl die ja von Sigrid Pilz, der Volksanswältin wieder gefordert werden und es angeblich, wie ich hörte schon im Juli wieder schärfere Maßnahmen geben wird.

Also bis daher das Leben genießen und sich ein bißchen in die “Schriftlinien” einlesen, die es, wie Günter Vallaster versicherte, auch im nächsten Jahr wieder geben wird.

Im Auge der Pflanzen

Das zweite Buch aus dem Überraschungspäckchen des Gastlandes Portugal auf der nicht stattgefundenen letzten Leipziger-Buchmesse, stammt von der 1982 in Luanda geborenen Djaimilia Pereira de Almeida, die schon mehrere Literaturpreise gewonnen hat und es führt uns in einen verwunschen Garten, zu einem alten Piraten mit einer Augenklappe, der in seinem Leben schon viele Grausamkeiten begangen hat, ein kleines holländisches Mädchen ,das ihn vorher pflegte mit verbundenen Augen an einen Baum gebundenen zurückgelassen und viele Schwarze, Nege steht auch zweimal in dem von Barbara Mesquita übersetzen Buch ermordet hat. Jetzt ist er alt, hat einen Bart und pflegt, manchmal vom Pfarrer besucht, der ihm zum Beichten überreden will, den Garten. Die Kinder weichen ihn zuerst aus, nennen ihn einen Teufel und fürchten sich vor der Vogelscheuche, die er ihnen im Garten aufgestellt hat. Später besuchen sie ihn, um die Fledermäuse zu sehen und der alte Celestino wird auch vom Schatten der Vergangenheit besucht, eine alte Schwarze mit einem bunten Glockenrock taucht auf und das kleine holländische Mädchen mit den roten Zöpfen oder ist es der Tod ,der viel Zeit für ihn hat und ihn langsam zum Sterben bringen will?

In einer sehr schnöen metaphernreichen poetischen Sprache wird das in hundertfünfundzwanzig Seiten erzählt. Roman steht auf dem im “Unionsverlag” erschienenen Büchlein, das auch Pflanzen im Cover hat, ich würde es wieder Novelle nennen. Gibt es ja Seiten, die aus kurzen Abschnitten bestehen und ich habe mir, ähnlich wie bei Valerie Fritsch wieder viel angestrichen und hätte noch viel mehr der schönen Sätze gefunden, die wahrscheinlich auch von der Übersetzerin stammen.

“Gesegnete Nacht. Er erwachte zu Hause, wiederhergestellt, nach einem erfüllten Leben. – Im Halbdunkel gemahnte die Gestalt der Möbel an Gespenster.” Seite 11

“Die Toten des Hauses gaben ihm die Erlaubnis, wach zu werden.” Seite 13

“Vielleicht möchte er beichten. Meine Tante Aurora hat mir erzählt, dass er behauptet, er habe sechs Kindern die Zunge herausgeschnitten. Wie es scheint, trinkt er Blut und hat sie Seele dem Teufel verkauft. Die Mutter war auch kein guter Mensch, flüsterte der Küster”, Seite 28

“Der Wahnsinn ist das gnadenreichste aller Heilmittel.” Seite 30

“Ich überlegte ihn zu töten, aber ich war zu erschöpft vom Warten.” Seite 33

“Diese Nacht Blut und Licht. Kleine Mäuse in der Jackentasche. Eine Amsel ist unter die Tanne gefallen.” Seite 41

“Im Weinstock habe ich ein Problem entdeckt. Tee mit Padre Alfredo. Widerwärtiges Organ.” Seite 42

“Wissen Sie, Herr Pfarrer, Gott ist wie ein Aprikosenkern, wie Zyanid, Schimmel, giftiges Sekret. Haben Sie je eine Bittermandel gekostet?” Seite 54

“Wäre ich Bäcker, ich vergiftete einen ganzen Ofen voller Brot. Aber was soll ich diesen Seelen sagen. Sie kommen nach Hause und sind weniger als Wasser. Blut und Lcht. Grosse Hitze.” Seite 71

“Gegen acht Uhr abends erklärten die Fledermausmütter den Flugunterricht für beendet.” Seite 74

“Wenn er das Leben damit begonnen hatte, Seemann zu spielen, kopfüber von der Pontonbrücke zu springen, so beendete er es damit, den Gärtner zu spielen.” Seite 80

“Kommt her, Kinder, her zu mir, der ich Kehlen durchgeschnitten habe und den Schlaf der Gerechten schlafe. Wollt ihr wissen, wen ich alles getötet habe? Ich habe Affen und Pferde getötet. Schlangen, Wespen, einen Elefanten.” Seite 93- 94

“Und so schloss der Kapitän Freundschaft mit dem Tod, ohne zu wissen, ohne zu ahnen, dass er ihn rief.” Seite 106

“Mein kleiner Pirat, brachte er halb scherzhaft zwischen den Zähnen hervor. Die Worte hatten etwas Begehrliches. Unter seinen Händen gingen alle Pflanzen ein.” Seite 125

Das war ein poetischer Rundgang durch das Buch, das mir sicherlich entgangen wäre, hätte mir Buchkontakt nicht das Überraschungspakt zugesandt, beziehungwweise mich zum Infogespräch eingeladen und natürlich kann man darüber philosophieren, wie gewaltsam unser Leben und die Menschen sind und eigentlich auch ein bisschen pervers, das in wunderschöne Sprache zu verpacken.

“In Amerika”, sagte Jonathan

Während Katja Gasser und Benedikt Föger sich auf den Gastland Österreich Auftritt in Leipzig nächstes Jahr konzentrieren und Frankfurt wahrscheinlich auf das Gastland Spanien, gehe ich noch einmal zum Gastland Portugal zurck, denn da bin ich zwar nicht in Leipzig gewesen und die Messe hat überhaupt nicht stattgefunden, ich habe aber zwei Pressekonferenzen beziehungsweise Infoveranstaltungen gezoomt und da war das erste das, wo den Buchhändlern, die neben den Bloggern eingeladen waren, ein Goodiepaket versprochen wurde. Ich bin aber keine Buchhändlerin, also wieder nichts, habe ich gedacht. Dann ist das Päckchen mit einer schönen schwarzen Leinentaschen, einen kleinen Block, ein paar Karten und Lesezeichen und zwei Büchern doch zu mir gekommen und das erste habe ich gelesen und muß sagen, es war sehr interessant, ästhesich schön gestaltet und auch sehr ungewöhnlich und so steht auch am Buchrücken “Tavares hat kein Recht, im Alter von 35 Jahren so gut zu schreiben. Man möchte ihn schlagen”, unterzeichnet von Nobelpreisträger Jose Saramago geschrieben, das wurde, glaube ich, auch bei der Bloggersession so erwähnt und inzwischen ist der 1970 in Luanda, Angola, alle portugiesischen Autoren, die ich jetzt lese, scheinen von dort zu kommen, auch ein bißchen älter geworden und es ist, das Buch ist bei “kupido travelouge” erschienen, daher ein Reisebuch, aber ein sehr ungewöhnlich, denn da ist der Erzähler mit einem Jonathan und einem, wie es heißt “naiven Portrait Kafkas” nach Amerika gereist und hat es dort an den verschiedenen Orten fotografiert.

Am Klappentext wird natürlich das “Amerika” Buch Kafkas, das inzwischen, glaube ich “Der Verschollene” heißt, erwähnt. Im Text, der aus vielen kleinen Sequenzen, alle mit Ort und Datumsangabe versehen, findet man nicht viel davon und die meisten der Sequenzen beginnen mit dem titelgebenden Satz “..sagte Jonathan” und so geht es durch Kaliforinien, zum Grand Canyon, nach South Dakota bis nach Florida und wir finden immer wieder das Portrait. Mal wird es in einem Walmart ausgesetzt, mal auf einen Sessel, mal in einem Helm fotografiert, “Projekt Kafka” genannt und interessant ist die Geschichte, wo Jonathan sich in L.A befindet und dort aufgefordert wird, sich seiner Prothesen zu entledigen. So schnallt er zuerst ein Bein ab, dann das andere, dann ein Ohr und die Nase und als er beim Herz angekommen ist, wird er nicht mehr in die Studios hineingelassen. Das erinnert an Kafka könnte man sagen.

Tagebucheintragungen gibt es immer wieder auch und dann die “Spielarten von Bosheiten – durch elektrischen Strom – mit Schlaginstrumenten (akustische Bosheit) – mit Nahrung – mit heißen Gegenständen – mit eiskalten Gegenständen” und so weiter und so fort.

In “Idaho” geht es ins Kino. “Stell dir Kafka im Kino vor, sagte Jonathan. Kafka mit der Karte in der Hand, wie er im Saal einen Platz sucht. Reihe D, Platz 17. Kafka bittet um Entschuldigung, weil Leute aufstehen müssen, die bereits in derselben Reihe Platz genommen haben. Rücksichtsvoller Kafka.”

Im “Yellowstone Nationalpark”, in dem ich auch schon mal war, sind wir ja 1989 mit der damals kleinen Anna auch fünf Wochen dort gewesen und sowohl in New York, als auch in L. A, San Francisco, beim Grand Canyon, etcetera gewesen, wird Jonathan, wie das auch bei uns so war, vor den Bären gewarnt und der Ranger macht dann auch, als Jjonathan keinen getroffen hat, “einen Scherz, den er mit allen Kindern macht.”

Und am “Flughafen von Rapid City”, von wo nach Florida geflogen wird”, sagt ein Kind, während es den eben gekauften, verpackten Kuchen herzeigt: Oma, Oma schau auf das Verfallsdatum. Das ist morgen. “Dann iss schnell”, antwortet die Großmutter. Das fand ich lustig. Es ist sechs Uhr abends, das Kind muss schnell essen. Nach Mitternacht ist die Zeit abgelaufen. Jonathan lacht. “iss schnell, iss schnell”, sagt er.”

Ein interessantes, ungewöhnlichrs Reisebuch, kein wirklicher Führer, eher ein Stück Kunst mit originellen Aufnahmen und ich kann mich erinnern, daß ich 1989, als ich dort war, auch Tagebuch geschrieben habe. So künstlerisch ist es natürlich nicht geworden, denn ich schreibe nicht so so gut, wie Goncalo M. Tavares, obwohl ich damals schon sechsunddreißig war .

“Eine Entdeckungsreise der Gegenwart, nach Amerika, in die USA. Mit im Gepäck, ein naiv gemaltes Portrait von Franz Kafka”, steht noch am Buchrücken. Ich kann noch anmerken, daß ich einmal Wolfgang Koeppens “Amerikafahrt”, der ungefähr die gleiche Route, wie wir damals unternommen hat, in einer Abverkaufskiste fand.