In die Häuser schauen

Ich bekomme ja immer die Programme für die “Wiener Vorlesungen” das sind Veranstaltungen zu fast allen Themen, die meist im Wiener Rathaus von Hubert Christian Ehalt initiiert, stattfinden und gehe nur eher selten hin, weil ich mich ja hauptsächlich für Literatur interessiere.

Für Politik und Zeitgeschichte interessiere ich ich aber auch und im Sommer kommt seit einigen Jahren auch immer eine Einladung zu einer Sommerakademie, die das  “Institut für jüdische Geschichte Österreichs”, das in der ehemaligen Synagoge in St. Pölten beheimatet ist, veranstaltet.

Die hat früher in der “Bawag” stattgefunden und die Eröffnung war meistens in St. Pölten in der Synagoge. Die “Bawag” wurde aber nach dem Skandal verkauft und das schöne Gebäude bei der Tuchlauben gibt es nicht mehr, so findet die Sommerakademie seit zwei Jahren in der neuen WU statt, was sehr praktisch ist, da ich da ja mit dem Alfred essen kann.

Ich war aber nicht immer dort, weil ich manchmal, wenn sie stattfand schon in meiner “Sommerfrische” war oder der “Bachmannpreis” zeitgleich stattgefunden hat.

Heuer durch meinen geänderten Sommerfrischenrhythmus geht es sich aber auch, denn die Veranstaltung zum Thema “Aspekte jüdischen Wohnens vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert” findet von Mittwoch bis Freitag statt.

So machte ich am Dienstag meinen Praxistag und bin  Mittwoch und Donnerstag in die WU gegangen. Den Freitag, wo auch noch Vorträge sind, werde ich aber auslassen, weil meine “Sommerfrische” ja heuer, als ein verlängertes Wochenende von Freitag bis Montag stattfindet.

Unter “Jüdischen Wohnen” da kann man sich vieles vorstellen und ich bin auch mehr an der Zeitgeschichte, als am Mittelalter interessiert, da gebe ich Ruth Aspöck, die ebenfalls teilgenommen hat, recht, aber diesmal war auch die Entwicklung und die Frage, was ein Ghetto ist und wie es zur Gehttobildung gekommen ist, interessant, das wurde in den ersten zwei Vorträgen diskutiert.

Der Erste gab Definitionen, der Zweite erzählte  vom venezianischen Ghetto, das es seit 1516 gibt, also heuer ein Jubiläum hat.

Der Vortragende, Rafael Arnold, aus Rostock zeigte dazu Pläne und lud zu einem diesbezüglichen Symposium, das in Venedig stattfinden wird, ein aber soweit werde ich wahrscheinlich nicht fahren und es wurde nach der Kaffeepause auch zeitgenössischer, ging es da doch  über das Leben und Wohnen im NS-Ghetto.

Das erklärte Christoph Dieckmann anhand der litauischen Ghettos und Ute Fischer erzählte sehr emotional über die Spuren des Ghetto Theresienstadt und damit habe ich mich auch ein bißchen beschäftigt, hat es da ja im Herbst eine Ausstellung über die Musik in Terezin gegeben, dann habe ich mir auch die Interviews mit Benjamin Murmelstein, dem Judenältestens dort angeschaut und diesen Nazi-Propagandafilm habe ich auch gesehen.

Am Schluß des ersten Tages ging es, um die Judenhäuser auf jüdischen Friedhöfen, das waren Samelwohnungen, die es dort gegeben hat.

Ulrich  Knufinke zeigte ein paar  Beispiele aus Leipzig und Berlin und fragte, wie das in Wien gewesen sei, worauf sich eine Dame meldete und erzählte, daß es das am Zentralfriedhof  auch gegeben hat,  sie als Kind dort spielte und sich noch an die Familien erinnern kann.

Am Donnerstag ging es dann wieder kurz ins Mittelalter, beziehungsweise zu den “Judenhäusern”, in Wien befand sich das Judenviertel damals zwischen Judenplatz und Wipplingerstraße und es gab auch Streitereieren zum Beispiel mit dem Stift Klosterneuburg wegen Abflußrohren und dem Abbort.

Im achtzehnten Jahrhundert wurde es dann breiter und eleganter, vor allem die Familien Oppenheimer etcetera hatten ihre Häuser in denen sie mit ihrern Familien und ihren Dienstboten lebten und dann ging es zu den Sammelwohnungen, beziehungsweise  zum “Leben und Überleben in Wien 1938 -1945”, die waren vorwiegend in im ersten, zweiten, dritten, neunten und zwanzigsten Bezirk, als am Donaukanal zu finden, eine berühmte befand sich in der Berggasse 19 und da gab es glaube ich 2003 eine Ausstellung “Freuds verschwundene Nachbarn” und den entsprechenden Katalog, habe ich, glaube ich, auf einem der Büchertürme der “Literatur im März” gefunden.

Dazu gab es in St. Pölten auch ein Schülerprojekt in St. Pölten, wo unter dem Titel “Abgemeldet”, das Schicksal der St. Pöltner jüdischen Familien erforscht wurde. Eine Schülerin und ihre Betreuer berichteten darüber und dann gab es noch ein Zeitzeugengespräch zwischen Großvater und Enkel, nämlich dem 1934 geborenen Psychiater und Psychotherapeut Harry Merl, der seine Kindheit in den verschiedensten Sammelwohnungen verbrachte und davon erzählte, wie er sich selbst das Lesen beibrachte, der “Dr. Dolittle” hat ihn begeistert, mit einem Freund hat er einmal vor der Urania um Geld für eine Kasperlaufführung gebettelt, die energische Mutter hat ihm eine Ohrfeige gegeben, als sie darauf gekommen ist, er hat mit anderen Kindern auch in den Ruinen des Tempels gespielt, dabei seine erste “Geliebte” gefunden, um die er immer noch trauert, weil sie eines Tages nicht mehr gekommen, sondern mit ihrer Familie verschwunden ist.

Als der Spuk vorüber war, ist er dann in die vierte Klasse Volksschule gekommen, danach in die Haupt und ein Jahr später, in die Mittelschule, wie er sagte und, wie das Gymnasium früher hieß. Dort hat er mit Auszeichnung maturiert und gibt heute noch, wie ich ergooglet habe familientherapeutische Seminare.

Sehr beeindruckend  sein Vortrag und dieses Aspekt des jüdischen Leben und Überleben. Am Freitag geht das Seminar noch mit einigen  sicher auch sehr interessanten Vorträgen weiter. Martha Keil die Direktorin des Instituts wird das Schlußwort halten und hat sich für das nächste Jahr sich sicher wieder schon ein interessantes Akademiethema ausgedach

Vor der Vermarktung

Ich interessiere mich ja, wie meine Leser wahrscheinlich wissen, sehr für das Schreiben, den Schreibprozess, veröffentlichte und auch unveröffentlichte Arbeiten und so ist mir  die heutige “Schmieden-Veranstaltung” gerade recht gekommen, stellte doch der 1967 in Völklabruck geborene Franzobel, der  “Bachmannpreisträger von 1996 war, sein Work in Progress “Das Floss der Medusa – eine Parabel über das Menschsein, über Moral und Zivilisation, Aufstände, Träume, Hoffnungen, Verantwortung, Lebenswille, Glaube, Liebe, Tod”, wie im Programmfolder sehr umfangreich angekündigt worde, vor, zeigte Materialen und las unter dem Titel “Literatur im Freiraum – vor der Vermarktung” Textpassagen seinen entstehenden Romanes, der 1917 bei “Zsolnay” erscheinen soll.

Und das ist ja interessant und spannend, etwas über die Schreibprozesse und, wie der Autor es macht, zu erfahren, auch wenn manche Autoren sich weigern, sich in ihre Karten blicken zu lassen.

Andere tun es und ich kann gleich anmerken, daß das auch Thema des nächsten “Volksstimmefestes” sein wird.

Das heißt “In Arbeit”, was immer man sich darunter vorstellen mag, es können aber auch “Works in Progress” präsentiert werden und das habe ich mit meinen “Berührungen” auch vor.

Aber zurück zu Franzobel, der ja seit seinem “Bachmannpreisgewinn” sehr berühmt wurde und auch ein  großer und wahrscheinlich  ungewöhnlicher Sprachkünstler ist.

Seinen Krimi “Wiener Wunder” habe ich mir ja vor zwei Jahren bei der “Buch Wien” erraten, aber noch nicht gelesen, jetzt gibt es schon eine Fortsetzung, nämlich “Groschens Grab”, das jetztige Projekt ist aber ein Historienroman, handelt es sich bei dem “Floß der Medusa” ja um das Schicksal von hundertfünfzig Schiffbrüchigen der Fregatte Mesusa, die 1816, mit einem Floß das Festland erreichen wollten”, wie weiter im Programm seht.

Es gibt auch ein berühmtes Gemäde dazu, das Franzobel gleich einmal projezierte und dann die ersten seiner schon vorhandenen dreihundert Seiten las.

Da kommen fünfzehn ausgemerkgelte, halbverhungerte Gestalten auf einem Floß an, haben ihren Urin getrunken, Menschenfleisch gegessen und sind auch darüber verrückt geworden. Das Ganze sollte eigentlich vertuscht werden, was aber nicht gelungen ist.

So gibt es viel Material darüber, mit dem sich Franzobel beschäftigt hat, wie er nach seinem ersten Lesungsteil erzählte, er war auch in Frankreich, von wo das Schiff ausgefahren ist und in Senegal, hat zu Recherchezweicken “Moby Dick”, “Die Schatzinsel” und anderes gelesen, sich mit der Seefahrtkunst beschäftigt, zeigte Bilder von Knoten und auch Floßnachbildungen aus Wurstsalat.

Ja, das Essen ist für die Schiffbrüchigen sehr wichtig, die viele von denen, die unrsprüglich auf das Flßo gestiegen sind, von Bord geworfen haben, um zu überleben, überlebt haben eine Marketenderin, aber auch die höheren Chargen, weil, die unteren als erstes von Bord gingen und die Kranken wurde auch ins Meer geschmissen, damit das Floß leichter wurde und Überlebenschancen  höhrer.

Das gibt natürlich Paralellen zu den Schiffbrüchigen im Mittelmeer, bei der Diskussion wurde auch danach gefragt, Franzobel ist aber kein reiner realistischer Schreiber, so hat er sich bevorzugt mit dem historischen Stoff beschäftigt, da er aber auch keinen reinen historischen Roman schreiben wollte, hat er einen Erzähler aus der Gegenwart eingefügt, der dann auch immer berichtigend eingreft und sagt,”Falsch, das oder das hat es 1816 noch nicht gegeben!”

Einen Schiffsjungen hat er auch erfunden und andere Figuren, er las dann noch ein Stück aus dem hinteren Teil und brillierte wieder durch seine Sprachgewalt, so daß er, wie Kurt Neumann abschließend erwähnte, ein ähnliches Farbgemälde, wie der Maler Gericault schuf oder zu schaffen dabei.

Eine interessante Geschichte und spannend in das “Nähkästchen des Schreibens” zu blicken. Ich lese ja auch zu meinen Texten immer was zur Recherche, den John Irving und Sibylle Berg für “Paul und Paula”, den Stefan Zweig für die “Berührungen” und ich google auch sehr viel, wie es Franzobel ebenfalls tat, nur die Recherchereisen spare ich mir meistens ein, bekomme ich ja wahrscheinlich kein Stipendiu dafür

Aus dem Publikum kamen interessierte Fragen und spannend im nächsten Jahr den fertigen Roman zu lesen, der sich bis dahin ja auch noch verändern kann.

Von Franzobel kann ich noch erwähnen, daß er auch Juror beim “Ohrenschmaus” ist, und der wird ja heuer bei der “Buch Wien” wie ich auch schon verraten kann, prominent vorgestellt.

Von Kriegsgedichten zu Dreigroschenoper

Die “Polyversale” ist heute, während die Fußball-EM noch einige Tage dauert mit einer äußerst interessanten Lesung, nämlich mit der des 1974 bei Luhansk geborenen Serhij Zhadan, der seit Sommer 2014, alles aufschreibt, was ihm im ostukrainischen Kriegsgebiet widerfuhr.

Eine besondere Veranstaltung, die Kurt Neumann gerade einleitete, als ich das “Literarische Quartier” erreichte. Der ukrainische Botschafter mit seiner Frau war da und auch sehr viele Ukrainer im Publikum, was ich weiß, weil  Kurt Neumann danach fragte, um festzulegen, ob zuerst auf Deutsch oder Ukrainisch gelesen werden sollte?

Das tat Kurt Neumann, obwohl Serhij Zahadan, der Germanistik studierte, gut Deutsch sprach und Erich Klein moderierte.

Ein interessantes Projekt oder ein dreiteiliger Band, ob es dabei wirklich, nur um Lyrik ging, habe ich nicht ganz verstanden oder hätte die Portraits und Skizzen im ersten Teil eigentlich nicht dafür gehalten.

“Warum ich nicht im Netz bin – Gedichte aus dem Krieg”, heißt der Band, der offensichtlich noch nicht erschienen ist, jedenfalls verwies Kurt Neumann auf ältere Bücher auf dem Büchertisch und meinte, daß man sich das Neue in einigen Wochen kaufen können würde. Man solle nicht darauf vergessen, aber da wird es ja schon die Longlist des dBp geben, wo ich wieder mitlesen werde und die “offiziellen Bücherblogger” haben sich auch schon gebildet.

Aber ich schweife vom Thema ab, das war ja Serhij Zhadans Kriegsgedichte, die im ersten Teil aus Portrais, beispielsweise, des, des zweiunddreißigjährigen Tätowierer Antons, der noch bei seinen Eltern lebte und dann erschossen wurde oder das von den beiden frommen Männern, die in einem Keller vergessen wurden, bestanden.

Die “Gedichte aus de Krieg” im zweiten und wahrscheinlich auch dritten Teil, waren Lieder und bezogen sich auf mittelalterliche Gesänge, von Rilkes “Marienleben” war auch die Rede, das scheint Serhij Zahdan übersetzt zu haben und im Gespräch mit Erich Klein ging es,  um ein Gedicht von Joseph Brodsky über die Ukraine, das er vor etwa zwanzig Jahren, als er schon zwanzig Jahre in den USA lebte, geschrieben hat und um einen russischen Dichter mit dem Serhij Zhadan und Juri Andruchowytsch bei einer Literaturveranstaltung nicht diskutieren wollten.

Sehr beeindruckend für eine, die sich im Jahr 2014, als  des ersten Weltkriegs gedacht wurde, ja auch mit der Ukraine und Donezk in ihren “Schutzengelchen” beschäftigt hat und in den “Somererlebnissen” kommt Donezk beziehungsweise, die Studentin Jelena Malatschuk, die dort lebt, ja auch vor und jetzt beschäftige ich mich mit dem “Braven Soldaten Schwejk”, der auch vom ersten Weltkrieg handelt und Gedichte gibt es in dem Buch auch.

Als es aus war, drängte ich mich an denen, die sich Bücher signieren ließen vorbei und ging wieder, wie in der Vorwoche, über den Karlsplatz nach Hause, weil ich mir das Program fürs “Kino unter Sternen” holen wollte.

Es lief gerade das Vorprogram und weil es Platz gab, sonst ist ja meistens alles besetzt, setzte ich mich nieder und erfuhr, daß es G.W. Papst Verfilmungder ” Dreigroschenoper” frei nach Berthold Brecht aus dem Jahr 1931 zu sehen gab, was sehr interessant war, vor allem weil Andreas Kugler im Vorgespräch viel von dem Film und dem Unterschied zu dem Brecht Original erzählte und ich darauf gekommen bin, daß ich Beides noch nicht gesehen habe. Die berühmten Lieder kannte ich, den Inhalt aber eigentlich nicht. Dann rief mich noch die Ruth von hinten an, so daß ich sitzen blieb und in das Jahr 1931 beziehungsweise in ein eigentlich sehr modernen London, hineinglitt, in dem es schon ein Telefon gab, zwar wahrscheinlich noch ein älteres, als es der brave Soldat  benutzte und ich dachte das würde im sechzehnten Jahrhundert spielen, aber G. W.Papst hat die Handlung offenbar sehr verändert, weil, wie Andreas Kugler anmerkte Berthold Brecht nicht viel vom Fiulm verstand.

Sehr interessant die Geschichte von den Bettlern, die die Krönung stören und von der Polly, die ihren Mackie am Schluß zum Bankdirektor macht, was offenbar auch eine Adaption war, wenn ich es recht verstanden habe.

Als die Nazis kamen wurden Film und Stück verboten und nun habe ich auch die “Dreigroschenoper” gesehen und neue, beziehungsweise alte Gedichte über den ukrainischen Krieg gehört, womit die “vierte Poliversale” erfolgreich zu Ende gegangen ist, wie Kurt Neumann  am Schluß in der “Alten Schmiede” erwähnte.

Der vierzigste Bachmannpreis

Das “Literaturgeflüster” wird acht, das “Bachmannlesen” vierzig Jahre alt, denn 1977 hatten Humbert Fink und Ernst Willner, die Idee, in Anlehnung an die “Gruppe 47” ein solches in Klagenfurt zu veranstalten, gewannen MRR als Vorsitzenden und hatten erst einmal Schwierigkeiten, Autoren dafür zu finden, denn die schrien von öffentlicher Verheizung ihrer Texte, wehrten sich zuerst und lasen dann schließlich doch.

Vor ein paar Jahren sollte der Preis dann eingespart werden, da gab es einen großen Aufschrei und so feiern wir heute vierzig Jahre “Bachmannpreis” und den neunzigsten Geburtstag der Dichterin und der Preis hat sich inzwischen sehr verändert, das kann man merken, wenn man sich beispielsweise das Video zum fünfundzwanzigsten Geburtstag ansieht.

Denn da saßen ja in den ersten Jahren Größen, die heute fast schon Legenden sind, in den Jurorensessel, Hans Weigel, Friedrich Torberg, Hilde Spiel war, glaube ich, auch dabei, Gertrud Fussenegger, Marcel Reich Ranicky und und und..

Es haben auch inzwischen verstorbene Größen, wie Gert Jonke, den Preis gewonnen, Sten Nadolny hat den seinen verteilt, Karin Struck hat sich geweigert ihre Texte vorlesen zu lassen, ein Büchner-Preisträger hat sich die Stirn aufgeschnitten, ein Autor hat mal seinen Text gegessen, einer vom “Baby ficken” gelesen und dann wurde über Geschmacklosigkeit beziehungsweise “Freiheit der Kunst” diskutiert.

Es waren also eigentlich immer recht berühmte Autoren bei den Eingeladenen und einige von ihnen, meistens, die aus Österreich habe ich gekannt, diesmal ist es anders, diesmal sind mir gerade vier der vierzehn ein Begriff und Stefanie Sargnagel, die als die berühmte Facebookautoringehandelt wird und vielleicht als Nachfolgerin der Ronja von Rönne anzusehen ist, fungiert als einzige Österreicherin, weil sich “Klagenfurt” heuer offenbar international geben will und den in Köln geborenen und dort lebenden Selim Özdogan als Türken führt und den in Salzburg lebenden Exilpreisträger Marko Dinic als Serben, früher hätte man das A und das D wahrscheinlich dazugeschrieben und ich hätte mir gedacht, daß Autoren, die in diesen Ländern entweder geboren wurden oder dort leben, lesen können.

So verstehe ich die Teilnahme des in Israel geborenen und dort lebenden Tomer Gardi, der zwar Stadtschreiber in Graz war und bei “Droschl” verlegt nicht ganz und bin gespannt, ob er in Deutsch oder Englisch lesen wird, denn sein Video ist stumm und auch die Altersreihe ist heuer interessant, wurde die älteste Autorin, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland lebt, doch 1944 geboren.

Vielleicht sollte ich noch erwähnnen, daß ich von den Autoren noch Sascha Macht kenne, weil ich ihn in Leipzig und, ich glaube, auch in Wien schon einmal lesen hörte und Bastian Schneider kenne ich von einer der Studentenlesungen, beziehungsweise hat er glaube ich in der “Jenny” einen Text.

Spannend  spannend und weil ich am Mittwoch in der “Alten Schmiede” war, habe ich die Eröffnung zum großen Teil versäumt und bin gerade zu Burkhard Spinnen, dem langjährigen Vorsitzenden Eröffnungsrede “Mythos, Schmerz, Erfolg und Amt” zurechtgekommen, dem dann noch von der Bürgermeisterin eine Ehrenmedaille für seine Verdienste überreicht wurde.

Die Auslosung habe ich auch versäumt, Stefanie Sargnagel wird aber, gefolgt von Sascha Macht und Marco Dinic mit dem Lesen beginnen und das “Carinthia Saxophonquartett” hat auch gespielt.

Und dann ging es am Donnerstag los mit dem Text der 1986 in Wien geborenen, die mit einem roten Kappel auftritt, ein lustiges Video hat und mit ihren Facebook-Geschichten berühmt geworden ist.

Ihr Text heißt “Penne vom Kika” und beginnt mit den Worten “Ich glaube es wird ein guter Tag, denn ich habe das Gefühl, ich habe mein Leben im Griff”,  auf den ORF-Seiten wird sie  sehr hochgelobt und eingeladen wurde sie von der Jurorin Sandra Kegel und, ich glaube, ein zweiter hätte das auch getan.

Spannend, wie die Jury auf diesen nicht sehr abgehobenen Text, der meinen, behaupte ich einmal, nicht so unähnlich ist, reagiert und die Reaktionen reichten von Begeisterung bis zur  Feststellung der “Banalität”. Die “Klugheit und die Tiefsinnigkeit” wurde aber beispielsweise, “Steffi, du bist urgut!”,, von Klaus Kastberger sehr verteidigt und Stefanie Sargnagel, die ungewöhnliche, grinste sich ein und mischte sich immer wieder in die Diskussion ein, die so intensiv wurde, daß Sascha Macht oder Montag wie sich der Moderator Christian Ankowitsch versprach, erst zehn Minuten später an die Reihe kam. Sein Text heißt “Das alte Lied von Senor Magma”, der wieder etwas “Bachmannpreis” konformer oder “Schreibschul” geschult war, der dann von der Jury auch ordentlich verrissen wurde.

Danach ging es weiter mit dem 1988 in Wien geborenen und jetzt in Salzburg lebenden Serben Marko Dinic.

“Als nach Milosevic das Wasser kam”, auch ein sehr realisischer Text über den Krieg, Belgrad und Milosevic, der den Jugoslawienkrieg aus der Sicht des jugendlichen Erzählers in trotzig starker derber Sprache erzählt.

In der Mittagspause ging es mit Marica Bodozic beziehungsweise im Film von Katja Gasser nach Kroatien, also nicht sehr weit weg vom Sujet und mir auch ein bißchen bekannt.

Dann kam ein Auisschnitt aus dem Film von Ruth Beckermann “Die Geträumten”, wo sich zwei Schauspieler vor ihren Mikros stehend den “Bachmann-Celan-Briefwechsel” vorlesen.

Weiter gings  mit dem 1981 geborenen in Köln und Wien lebenden Sprachkunst-Studenten Bastian Schneider und seinen Text “MEZZANIN – Stücke”, wo es um  ein “Halbstücke”, “Schuhstück”, “Handschuhstück”, etcetera, also um kurze Textminaturen und, um kein “Theaterstück” ging, wie das Video vermuten ließ, mit denen sich die Jury wieder schwer tat und von einem bundesdeutschen Schriftsteller sprach, der in Wien in einem “MEZZANIN” sitzt und seine Stücke schreibt und damit, füge ich hinzu, die Jury verwirrte.

Dann folgte der  1971 in Köln geborene Selim Özdogan, von dem ich einmal ein “Haymon” E-Book gelesen habe, in dessen Text “Ein geheimer Accord”, es um einen Hasen, Urheberrechtsverletzungen, sowie um eine manisch depressive Mutter, also nicht um die “türkische Migrantenliteratur”, auf die er, wie ich Selim Özdogan einmal sagen hörte, so gerne festgelegt wird und der es in seiner Vielschichtigkeit, der Jury auch nicht so leicht machte.

Und Stefanie Sargnagel , die im Anschluß mit Marko Dinic im Garten zu ihren Leseerfahrungen zu hören war, twitterte “Alle die was negatives über mich schreiben sind blöd!”, denn  auch das ist neu am heurigen Bachmannpreis, daß es einen eigenen Twitter und Facebook-Account gibt.

Von Stefanie Sargnagel habe ich mir im Anschluß noch einige Videos angehört. Sie war, wie ich noch in Kroatien, beziehungsweise im Anschluß daranin Harland , bei den “Tonspuren” im ORF, war am “Opernball” und bei einem FPÖ-Fest und wird nun bald in einem großen Verlag verlegen.

Wolfgang Tischer macht mit Doris Brockmann wieder seinen Podcast und analysiert den Bewerb und am Freitag ging es mit der 1980 geborenen in Berlin lebenden, Julia Wolf weiter, die auf ihrem Video Portrait Männern den Mund verklebt, ein Bezug auf ihren Text “Walter Nowak bleibt liegen”, der ein Romanauszug ist und von einem alten Mann im Schwimmbad und von einer Yvonne handelt, der von der Jury  gut gemacht, als auch als seltsam altmodisch und noch in fünfundzwanzig Jahren gültig, beurteilt wurde.

Dann kam der, von Meike Feßmann eingeladene, 1980 geborene Open Mike Gewinner Jan Snela. Sein Text heißt “Araber und Schakale”, der sowohl im fernen Arabien, als auch in der Wohnung des Erzählers spielt und von verschiedenen Visionen handelt,  der bei Hubert Winkels einiges Unbehagen erzeugte und von Meike Feßmann verzweifelt verteidigt wurde.

Dann folgte die 1979 geborene, in Leipzig lebende Isabelle  Lehn, in deren Video, in dem sie auf einer Bank in Lepzig sitzt, auch Sascha Macht vorkommt.

“Binde zwei Vögel zusammen” heißt ihr Textauszug, in dem es auch, um eine radikalisierte Welt mit arabische Visionen, geht.

Dann kam der Schock, denn die Bundespräsidentenwahl, die ja von den Freiheitlichen angefochten wurde, muß wegen plötzlich aufgetauchten Schlampereien, die es  wohl auch bei jeder voriherigen Wahl gegeben hat, wiederholt werden.

In Klagenfurt ging es aber in die Pause, beziehungsweise mit Feridun Zaimoglu nach Istanbul und dann kam für mich ein Rätsel, denn ganz klar ist mir noch immer nicht, wieso der in Israel geborene und dort lebende Autor, Tomer Gardi, als deutschsprachiger Autor gilt, obwohl es in seinen Text, um die “Muttersprache” geht,  der, bei dem offenbar doch nicht Deutsch Sprechenden, in einer Kunstsprache geschrieben wurde, so daß ich, wie Meike Feßmann, glaube, daß die Kriterien des Preises noch einmal diskutiert werden sollte, die nach Klaus Kastberger, nur ein Text in deutscher Sprache wären, der nicht einmal gut sein muß.

So sein Problem gab es  auch schon einmal mit dem Brasilianer Ze do  rock, dessen “fom winde ferfeelt”, ich inzwischen gefunden habe, aber der spricht, wie mir kommentiert wurde, ein ausgezeichnetes Deutsch und die Frage könnte man dann wieder diskutieren, daß man zwar nicht gut Deutsch können oder schreiben muß, um beim Bachmannpreis zu lesen, aber Selbstpublisher darf man nicht sein und von sechshundert oder so Berwerbern, werden dannn nach subjektiven Kriterien vierzehn Autoren willkürlich ausgewählt und wieso darf dann ich mit meinen Fall- und Beistrichfehlern nicht lesen?

Natürlich, weiß ich schon, es geht da, um etwas anderes, trotzdem denke ich, daß man daran festhalten sollte, daß es ein Preis für entweder  in Österreich, Deutschland oder Schweiz geborenen oder dort lebenden Autoren sein sollte.

Bei der nächsten Autorin, der 1944 in Frankreich geborenen, Sylvie Schenk, die sich nach Deutschland verheiratete und jetzt in beiden Ländern lebt, ist das Problem leichter zu lösen und da ist es wohl das Alter der Autorin, die bisher in kleineren Verlagen und jetzt bei “Hanser” verlegen wird, das aus dem Rahmen fällt. Ist sie ja, glaube ich, die älteste Autorin, die je gelesen hat und passt daher auch wieder nicht zu den eher dreißig bis vierzigjährigen Autoren, die sonst gelesen habe. Der Text heißt “SCHNELL, DEIN LEBEN” und dürfte eine autobiografische Lebensbeschreibung sein.

Am Samstag ging es nach dem Aufmarschieren der Jury mit der Lesung der 1981 geborenenen Ada Dorian, die von sich behauptete, einige Romane in den Schubladen zu haben. Aus dem “Betrunkene Bäume” genannten, las sie ein Stück, “denn es ist eine große Versuchung von sich erzählen zu dürfen”, wie es im Filmvorspann hieß, obwohl es in dem Text, um einen alten Mann mit Rußlandbezug geht, der mit einem Wald in seinem Zimmer lebt und nach dem das entdeckt wurde, ins Altersheim soll. Irn Eine sehr originelle Art über das Älterwerden zu erzählen, die von den Twitterer, natürlich “nicht risikobereit” genannt wurde, Hubert Winkels korrigierte die Erzählhaltungen,  Stefan Gmundner wußte, welchen Nebensatz man weglassen hätte könnenund Klaus Kastberger bemängelte, daß der Text zu gut, zu brav, etcetera ist und, daß der Name Katharina sehr oft verwendet wurde, ist auch mir aufgefallen, die das in ihren Anfangsschreiberinnenjahren ebenfalls so tat. Und natürlich der Text, dem der Julia Wolf sehr ähnlich, wie auch Klaus Kastberger richtig erkannte.

Danach kam die in Berlin lebende in London geborene Sharon Dodua Otoo, aber ich drehte den Laptop ab und setzte mich aufs Rad, um den Alfred, wie jeden Samstag, den wir in Harland verbringen, auf dem Markt zu verbringen.

Zurückgekommen vom “Sommergrillen”, kam das Gewitter und ich hörte mir einmal den Literaturcafe.de Podcast von Tag zwei der Lesung an, danach war das Video von Sharan Dodua Otoo “Herr grttup setzt sich hin” eingestellt, wo es im Vorfeld um eine Leseanweiseung, im Haupttext auch um einen alten Herrn ging, der in flüßigen Deutsch von der dunkelhäutigen Autorin gelesen wurde.

“Gestern blieb Herr Nowak liegen und heute setzt sich Herr Grttup hin!”, twittern Cornelia Travnicek und Wolfgang Tischer.

“Als deutsches Ei nicht hart zu werden ist keine große Leistung”, geht es dann wieder auf das offensichtlich unbewußte Thema dieser Veranstaltung zurück und Wolfgan Tischer twittert schon, die Autorin könnte Julia Wolf den Preis wegnehmen.

Die Jury sieht das, glaube ich, anders und dann folgte die 1979 geborene in Hamburg lebende Astrid Sozio mit “Das verlassenste Land”, ein Text in dem es um Flüchtlinge und um “Negerinnen” geht und von de Jury dann auch tüchtig verisssen wurde, weil man angeblich nicht so schreiben darf oder man der Autorin davon abraten hätte sollen.

Der einzig Schweizer der Runde, der 1959 geborene Schweizer Diete Zwicky war der letzte Lesende. Sein Text trägt den Titel “Los Alamos  ist winzig” und handelt von einem krebskranken Erzählung dessen Frau,  am Wasseramt arbeitet. Langsam und bedächtig trug der Autor im Schweizer Dialekt von der kleinen amerikanischen Stadt, dem Friseur, dem Sauerkraut und den Zauberer Rudy, den es dort gibt, vor.

Meike Feßmann lobte den gelungenen Abschluß und nun könnte ich abstimmen.

Eigentlich wollte ich das für Marko  Dinic tun, weil Stefanie Sargnagel wahrscheinlich auch ohne mich bei der Jury und vielleicht auch beim Publikum gewinnt.

Aber Ada Dorian, die mit ihren  zu “perfekten Text” bei der Jury wahrscheinlich durchgefallen ist, hat mir auch gefallen und der Text von Bastian Schneider hätte vielleicht ein wenig Unterstützung verdient.

Also wieder mehr Kanditaten für die ich stimmen könnte und so weiß ich jetzt gar nicht, ob ich es überhaupt tun soll, um nicht nachher unbefriedigt zu sein und zu denken, das war war der Falsche, habe mir aber am Markt schon einige Begründungen ausgedacht:

“Ich stimme für Stefanie Sargnagel, weil sie ein so schönes rotes Mützchen trägt”, oder “Ich stimme für Marko Dinic, weil mir realistische Texte gut gefallen”, “Ich stimme für Ada Dorian, weil der Russe einer ist, der Birken liebt” oder “Ich stimme für Bastian Schneider, weil ich gerne in Mezzaninen sitze und auch Schuhstücke mag”, beziehungsweise “Ich stimme für Tomer Gardi, weil er “Broken German” spricht”,  nein, das vielleicht weniger, denn ich bin ja eine Pedantin und denke, um in Klagenfurt zu gewinnen, sollte man schon in Österreich, Deutschland oder der Schweiz geboren sein, beziehungsweise dort leben und ein “Broken Deutsch” mit der deutschen Krähe genügt vielleicht nicht.

Für eine Shortlist könnte ich aber plädieren und denke, daß da Stefanie Sargnagel, Marco Dinic, Julia Wolf, Tomer Gardi und vielleicht auch Selim Özdogan, Sharon Dodua Otoo, Dieter Zwicky und Isabelle Lehn darauf stehen werden.

Mal sehen, ob ich es treffe und wer der Hauptreisträger wird, für den sich dann alle interessieren, ein besonders herausragender Favorit hat sich, abgesehen von dem Hype um Stefanie Sargnagel, ja eigentlich nicht ergeben und im “Literaturcafe” kann man wieder für den besten Kritiker stimmen.

Da habe ich mich vor zwei Jahren aus Unbehagen, daß man für die Autoren schon abstimmen konnte, bevor alle Texte veröffentlicht waren, gedrückt, im Vorjahr stimmte ich am Vortag für Klaus Kastberger, denn den kannte ich ja schon aus Wien und habe mich am Samstag dann über einige seiner sehr überheblichen Bemerkungen geärgert. Wolfgang Tischer tat das, glaube ich auch, so konnte man heuer für beide Bewerbe  erst am Ende abstimmen und ich bin auch da ein wenig ratlos.

Hubert Winkels und Klaus Kastberger sind wahrscheinlich die herausragendensten Stimmen, aber Klaus Kastberger ist immer noch oder nach seinem vorjährigen Sieg vielleicht noch mehr, so sehr von sich überzeugt, daß man es schon fast ein bißchen überheblich nennen könnte.

Ich muß auch nicht überall meinen Senf dazugeben, denn es reicht ja schon, daß ich  im September oder Oktober zum dritten Mal in die Handelsakademie in der Margaretenstraße pilgere und Alexander van der Bellen wähle und wenn, der dann vielleicht wieder ein paar Stimmen zu viel hat, ein viertes oder fünftes Mal….

Dann habe ich natürlich doch abgestimmt, für Marko Dinic und Hubert Winkels und seltsamerweise kann man meine Begründung ziemlich vollständig auf der Literatucafe-Seite finden:

“Doch ich habe den ganzen “Bachmannbewerb” gesehen und schwanke zwischen Klaus Kastberger und Hubert Winkels hin und her….”

Gewonnen hat dann  Klaus Kastberger ohne meine Stimme.

Und vor der Preisverkündung  wurde dann bei 3-Sat “Tabula Rasa-Ingeborg Bachmann und das große Wettlesen in Klagenfurt” gesendet, das ich schon einmal gesehen habe, wo man sich noch einmal das “Bachmannpreis-Spektakel” erklären lassen konnte.

Und dann kam die Überraschung bei der Shortlistplatzierung, denn Stefanie Sargnagel, die vorgeblich gehypte, ist nicht dabei, natürlich wahrscheinlich, schreibt sie doch sehr alltäglich und wahrscheinlich doch nicht so literarisch und auch Tomer Gardi gehlt. Dafür hat sich Meike Feßmann bezüglich ihres “Karl-May-Parodie-Autors Jan Snela durchgesetzt und sonst habe ich es ziemlich getroffen:

Marco Dinic, Selim Özdogan, Julia Wolf,Isabelle Lehn Sharon Dodua Otoo und Dieter Zwicky. Den Bachmann-Preis hat dann die 1972 in London geborene Sharon Dodua Otoo mit “Herr Gröttrup setzt sich hin” gewonnen. Der Schweizer Dieter Zwicky hat dann den “Kelag-Preis” gewonnen.

“Wir sind nicht verdutzt, nein wir sind verzwickt!”, sagte der Juror Jurij Steiner. Julia Wolf bekam dann für “Herr Nowak bleibt liegen”, wie von mir erwartet den “3-Sat” und der auch öfter genannte Marco Dinic blieb wieder übrig.

Bitte nicht Marco Dinic zum jährlichen Durchreicher machen, twitterte Cornelia Travnicek, aber es gibt ja noch den Publikumspreis und den hat dank der zwanzig- oder zweihunderttausend Facebook Followers Stefanie Sargnagel gewonnen, die ja schon ein Vido hat, wo sie den Hauptpreis für sich votierte und die Preisträgerin hob zur Verleihung die Hand zur Faust und pries das “goldene Patriachat”.

Hubert Winkels hielt die Schlußrede, in der auf die Wichtigkeit des Preises in Zeiten der sozialen Medien, wo jeder auf “Amazon” rezensieren kann und eine Pressekonferenz gibt es seit dem letzten Jahr im Anschluß auch und, um mein Resumee zu ziehen, der vierzigste “Bachmannpreis” war sehr interessant, sehr vielsprachig, sehr “risikoreich” und gewonnen hat dann doch die “brave, große, echte, wahre Literatur” und die Risikoautoren blieben über, mir hat es aber gut gefallen und ich bin mit der Auswahl auch einverstanden.

 

Fremde Refrains, andere Lieder

Oder der siebzehnte Abend der vierten “Poliversale” mit Albert Ostermaier, Franz Josef Czernin und Oswald Egger. Michael Hammerschmied moderierte vor einem Pult stehend und stellte die drei Autoren vor, um mit ihren zuerst ein Gespräch zu  beginnen und ihnen einige Fragen zu ihrem Werk zu stellen.

Der Titel weist schon darauf hin, es geht um Bezugnahmen und Referenzen auf andere Dichter, vor allem bei den ersten beiden Autoren wurde das deutlich oder sagen wir besonders bei Franz Josef Czernin, dessen “Winterrreise-Verwandlung” mit der “Krähe”, ich schon im “Literaturmueseum” gehört habe.

Also etwas Bekanntes und das war auch ein bißchen  bei dem Dramatiker und auch Romanautor  Albert Ostermaier, 1967 geboren, so, dessen Gedichtband “Außer mir” bei “Suhrkamp” erschienen ist, denn sein Stück “Letzter Aufruf” habe ich vor Jahren  im “Arsenal” gesehen.

Jetzt also den Lyriker, waren wir ja bei der “Poliversale” dem vierten internationalen Lyrik-Festival und da begann es mit einem Gedicht über die Liebe, das auch einen Filmbezug hatte, Michael Hammerschmid erwähnte es in seiner Einleitung und dann ging es zu Shakespeare, beziehungsweise zu einem Zyklus der sich auf ihn bezog oder überhaupt zu Theatertexten oder Gedichten und am Schluß kam etwas Poetologisches, wie Alber Ostermaier erklärte, nämlich am “Anfang ist was Wort”, also auch etwas recht Bekanntes, wenn dann auch die Abwandlungen kamen.

Danach der mir ebenfalls bekannte, 1952 geborene und “H.C.Artmann Preisträger” Franz Josef Czernin, der in seiner neueren Arbeit Wilhelm Müllers “Winterreise” neu verwandelte.

Michael Hammerschmid stellte den Dichter auch als Sprachforscher vor und der erklärte, daß man heute nicht mehr so wie Wilhelm Müller reimen könne. Albert Ostermaier hat das zwar ein bißchen in seinen Theatergedichten so getan, der “H. C. Artmann Preisträger” ist aber ein experimenteller Dichter, also kamen die Verwandlungen und Franz Josef Czernin projezierte  die “Krähe” und dann noch zwei Gedichte aus dem Zyklus, las zuerst sie und dann seine Verwandlungen von denen es wieder einige Abwandlungen gab.

Sehr interessant und dann zu Oswald Egger,  1963 in Südtirol geboren und mir auch kein Unbekannter, habe ich ihn ja vor kurzem im Literaturhaus gehört, als dort der “Preisträger der Literaturhäuser” Ulf Stolterfoht gelesen hat und in dessen Verlag ist  auch sein Gedichtband “Gnomen und Amben” erschienen.

Damals habe ich mich etwas über die lässige Art der beiden Dichter aufgeregt und auch ein bißchen über die Sprachgewalt von Oswald Egger “Ich schluckte das Ferkel und ich schluckte zwei Stuten”, jetzt erklärte zuerst Michael Hammerschmid und dann noch genauer der Dichter seine Vorgehensweise, wie er verdichtet und mit “Zwirn und Faden” zu seinen Sprachgebilden kommt, die er wieder in wahrlicher  Sprachgewalt vortrrug.

Am Schluß forderte Michael Hammeschmid das Publikum, das sehr zahlreich war, zum Kaufen der Gedichtbände und zum Wiederkommen, der noch zwei stattfindenden Abende auf und ich ging nach Hause, um von der Lyrik zur  Prosa zu schwanken, das heißt mir die Eröffnung des “vierzigsten Bachmannpreises” anzusehen und kam gerade zur Eröffnungrede von Burkhard Spinnen, dem für seine Verdienste als langjähriger Juryvorsitzender die “Klagenfurt Medaille” verliehen wurde und morgen wird Stefanie Sargnagel den Eröffnungreigen beginnen, was vielleicht kein gutes Omen ist, weil die Ersten haben, glaube ich, noch nie gewonnen, ich bin gespannt und werde versuchen mir auch noch den Rest der Eröffnung anzusehen..

Poliversale mit literarischer Erleuchtung und kanadischen Star

“Eigen Sinn moderner Lesart alter Dinge”, unter diesem etwas kryptischen Titel, stellte die1936 geborene Marie- Therese Kerschbaumer, die ich vor fast vierzig Jahren im “Arbeitskreis schreibener Frauen” kennenlernte und dann immer wieder in der GAV und bei den IG-Autoren traf, in der “Alten Schmiede” im Rahmen der “Literarischen Erleuchtung” Rainer Maria Rilkes “Buch der Bilder”, “Neue Gedichte” und “Marienleben” vor und tat das in ihrer  Lesart auf eine sehr interessante Weise

Vorher kommentierte Kurt Neumann ein bißchen die Zusammenhänge zwischen Rilke und der anschließend auftretetenden  Anne Carson, dann ging es hinein in den speziellen Rilke Ton, den wir  noch von der Schule im Ohr haben und am Sonntagmorgen bei der “Holden Kunst” im Radio hören.

Interessant, daß Marie Therese Kerschbaumer, von ihrer Aufregung sprach, die sie vor der Lesung hatte.

Julian Schutting, Lisa Fritsch, Herbert J. Wimmer, waren unter anderen im Publikum, die Kollegen, von denen sie auch öfter geschprochen hat.

Sie begann mit einem 1924 entstandenen Gedicht, das sich auf den Sommer und die Sonnenwende bezog und das wie sie anschließend erklärte, kurz vor dem Tod des Dichters, der von 1875 bis 1926 lebte, entstanden ist.

Dann kamen noch ein paar biografische Daten.

Ingeborg Bachmann wurde 1926 geboren, Friederike Mayröcker 1924 haben also eine Zeit gemeinsam mit dem großen Dichter gelebt, Hugo von Hoffmannsthal und Marcel Proust erwähnte Marie Therese Kerschbaumer noch und ich ergänze Stefan Zweig, der ja in der “Welt von Gestern” erwähnt, daß er Rilke, während des ersten Weltkrieg im Kriegsarchiv untergebracht hat.

Der Sensible war ja nicht sehr kriegstauglich, obwohl er eine militärische Schulbildung durchlaufen hat, dann eine Handelsschule besuchte und danach schon seine ersten Gedichte schrieb, die von “Engeln” handelten und manchmal nicht immer jenen charakteristischen Ton hatten, der sich sofort zuordnen läßt.

“Du bist das Bild, ich aber bin der Rahmen” oder das berühmte”Herbstgedicht” “Herr, es ist Zeit”, der “Panther”, den der legendäre Horaft Unger, der früher die Kunstsektion leitete und die Stipendien vergab, wie Marie Therese Kerschbaumer zu  erzählen wußte, auswendig konnte.

Sie erzählte auch von der Frömmigkeit, die Rilke einmal in russischen Kirchen, sie während ihres Studiums in Bukarest erlebte und glitt so langsam durch Rilkes Leben.

Dann gab es  eine Pause in der ich mich ein bißchen mit der Dichterin unterhielt.

Die Autogrammsammlerin tauchte auf, denn, um acht gab es einen kanadischen Star, nämlich die 1950 geborene kanadische Dichterin Anne Carson, deren Buch “Decreation – Gedichte-Oper-Essays” von der 1973 in Schwandorf geborenen Autorin Anja Utler übersetzt wurde und der Raum füllte sich.

Michael Hammerschmid, Angelika Reitzer, der ungarische Dichter Zoltan Lesi, den ich vor kurzem in der “Gesellschaft für Literatur”, sowie im “Literaturhaus” hörte und und und….

Anja Ultler leitete ein und stellte die Autorin vor, dann begann eine zweisprachige Lesung, die fast eine Performance war.

“If- oder “Wenn-” Gedichte, die wie Anne Carson erklärte, zu dreiviertel um wären, wenn das Wort “Freud” zu hören wäre.

Dann kam ein Essay über Proust beziehungsweise seine Albertine und dann ein Talk mit dem Publikum, das Anne Carson in zwei Teile beziehungsweise zwei Chlre einteilte, die “Kauf ein” bzw. “Es ist ein tolles Schnäppchen!” rufen mußten.

Eine interessante  Lyriksession und eine ungewöhnliche Dichterin, die dann noch ihre Bücher signierte und ich habe wieder eine neue Stimme kennengelernt, beziehungsweise mein Rilke-Schulwissen aufgefrischt, von dem ich mir im Sommer nach meiner Matura eine dreibändige Werkausgabe kaufte und von Marie-Therese Kerschbaumer, die mich  durch den “Arbeitskreis schreibender Frauen” und indirekt in die GAV führte, habe ich auch schon einiges gelesen, beziehungsweise sie auf den verschiedensten Veranstaltungen in Wien, Mürzzuschlag, etcetera gehört und dort bin ich mit ihr und mit Gerhard Kofler, glaube ich, auch einmal ins Brahms-Museum gegangen, als es dort die Feste für Ernst Jandl, Gerhard Rühm, Friederike Mayröcker, etcetera, zu denen die GAV ihre Mitglieder eingeladen hat, noch gab.

Poetische Blickwinkel auf Homers Odysse

Im “Hammer”, Nummer 75, der Zeitschrift der “Alten Schmiede” ist im vorigen Jahr Barbara Köhlers “Penelopes Gewebe” ein Text als “Zentralstruktur der Odyssee des Homers” erschienen und heuer hatte die 1959 in der DDR geborene Lyrikerin, die am Johannes R. Becher Literaturistitut studierte, die Ernst Jandl Dozentur für Poetik, ein “Gemeinschaftsprojekt der “Alten Schmiede” und des “Instituts für Germanistik” inne, was bedeutete, daß im Rahmen der “Poliversale” zwei Abende zum Thema “Seitenverhältnisse -Andererseits – Einerseits- (des eigenen Blickwinkels auf die Homersche Odyssee” stattfanden,  in denen die “Seitenverhältnisse von lechts und rinks, vom vom zum zum, vom Ost und/nach West, von Schrift und Raum, Poetik und Poesie von Realem und Imaginären u.s.w. und darüber hinaus”, wie im Programmfolder steht, beleuchtet werden sollten und die sich vorwiegend an Studierende wandte, die, wenn ich es richtig verstanden habe, sich schon ein ganzes Semester lang unter der Leitung von Thomas Eder mit diesen Thema beschäftigten, das am Mittwoch noch mit einem eigenen “Konservatorium” für die Hörer und Hörerinnen der beiden Vorlesungen beendet werden sollten.

Das habe ich wiederum nicht so genau gelesen, so daß ich ziemlich unbedarft in die Veranstaltung hineinplatzte, während die Studenten, die auch trotz der gleichzeitig stattdindenden Fußballmatsches und Österreich hat wiedermal gespielt, zahlreich erschienen waren, wie Thomas Eder in der Einleitung erklärte, sich in einer eigenen Veranstaltug auf die Fragen vorbereiteten, die sie der Autorin stellen sollte.

Ich war zwar nicht die einzige, die das allgemeine Publikum darstellte, der Lehrer aus Retz und Dine Petrik waren auch gekommen, bin aber bezüglich Homer und Odyssee, bezüglich meiner Hauptschulbildung ein bißchen ahnungslos, obwohl sie mir Barbara Köhler schon einmal in einer “Stunde der literarischen Erleuchtung”, näherbrachte.

Was das Bloggen und meine Beschäftigung mit der Literatur betrifft, bin ich aber , sowohl mutig als auch neugieig, also hinein in das Vergnügen und versuchte zu verstehen, was zu verstehen war.

Denn es begann mit den Fragen der Studenten, danach folgte aber eine Textprobe aus dem “Hammer” und der Student der neben mir saß, las dann noch ein Stückchen auf Altgriechisch vor und so wurde von links nach rechts von oben und nach unten gewandert, beziehungsweise die beiden von mir versäumten Vorlesungen durchbesprochen und ich bekam, ob der Fragen der Studenten auch noch einen allgemeineren Einblick in die Werke Barbarba Köhlers, die ich ja auch schon  in der “Alten Schmiede” in ihrer Funktion als Übersetzerin hörte.

Barbara Köhler erläuterte ihre Art zu arbeiten, gab Einblick in ihre Altgriechischkenntnisse und meinte, daß man ihre Texte am besten laut lesen solle, damit ein Geräuschraum entsteht und meinte, daß sich sich noch mehr und intensiver mit Homer und der Odyssee beschäftigen wolle, von dessen Nachdichtungen sie, die von Joyce, als die ihrer Meinung nach beste lobend erwähnte.

Am Schluß der Fragenrunde, wo es auch, um Namen und ihre Zuordnung ging, las Barbara Köhler  noch einen Text, wo es um die Schönheit ging und die Studenten konnten sich anschließend,  zu einer Prüfung anmelden.

Mir bleibt es den “Ulysses”, der sich ja auf meiner Leseliste befindet, endlich mal zu lesen und mit Barbara Köhler läßt es sich, die vor ihrem Literaturstudium Textilfacharbeiterin und Altenpflegerin war, auch noch beschäftigen.

Im Netz sind jedenfalls einige Videos mit Lesungen von ihr zu finden.

P (margin-botton:m;) nervenkostüm schlange

Was ist denn das für ein unverständlicher Titel, könnten meine Leser vielleicht fragen?

Frau Heidegger hat das vor langer langer Zeit bei meinem “Wunderschönen Tintentraum” einmal getan und richtig, das “Bachmannpreislesen” naht nächste Woche, der Bachmannsche neunzigste Geburtstag auch, acht Jahre “Literaturgeflüster” kommt dann auch.

Aber vorher endet das Semester, die Unis schließen und im Literaturhaus gab es da, wie Barbara Zwiefelhofer einleitete, die traditionelle Studentenlesung des Instituts für Sprachkunst.

Traditionell, ja natürlich, den Hochschullehrgang für Sprachkunst gibt es seit 2009. Robert Schindel hat ihn, glaube ich, mit Gustav Ernst und Ferdinand Schmatz gegründet.

Da bin ich im Herbst des Jahres durch Cornelia Travniceks Blog darauf gekommen, die auch dorthin wollte, aber nicht konnte, weil sie “zu überqualifiziert” war.

Sandra Gugic und andere waren das nicht, denn im ersten Jahr konnte man sich noch die Namen der Aufgenommenen aus dem Internet anschauen und ausdrucken. Es gab dann im folgenden Semester einen Tag der offenen Tür an der “Angewandten” und zwei sogenannte Studentenlesungen gab es auch.

Es gab das “Symposium der Sprachkunst” und Lesungen bekannter Autoren, die extra für die Studenten ins Literaturhaus eingeladen wurden.

Das gibt es nicht mehr, aber seit einigen Jahren Semensterabschlußlesungen im Literaturhaus und auch in der “Alten Schmiede”, bei einigen war ich, die “Jenny” gibt es auch und einige der Absloventen sind inzwischen auch bekannt geworden.

So hat Sandra Gugig die “Astronauten” geschrieben und den “Open Mike” gewonnen, Irmgard Fuchs hat ein Buch herausgebracht, Bastian Schneider liest nächste Woche in Klagenfurt und und und..und Ianina Ilicheva hat bei “Kremayr und Scheriau” im vergangenen Herbst gemeinsam mit Irmgard Fuchs, Daniel Zipf und Marianne Jungmaier ein Buch herausgebracht und sie dürfte jetzt in der Abschlußklasse sein, denn sie hat bei der heutigen  Institutslesung gelesen beziehungsweise performiert und diese Lesungen haben seit einiger Zeit einen Titel, siehe oben,  ich habe das letzte Mal den Veranstalter, der glaube ich Dominik heißt und heute Geburtstag hat, nach dem wieso und warum gefragt?

Gustav Ernst und Ferdinand Schmatz sind nicht mehr im Publikum, aber sehr viele Studenten und die sind auch sehr lange draußen gestanden, beziehungsweise haben sie sich vielleicht über die gleichzeitg stattfindenden Fußballspiele unterhalten, denn Barbara Zwiefelhofer bezog sich in ihren Moderationen immer wieder darauf und gab auch Zwischenstände bekannt. Vielleicht ist sie ein Fußballfan.

Begonnen hat jedenfalls Frank Ruf, der wurde 1977 in Deutschland geboren und schreibt, wie er in seiner Einleitung erzählte, seit drei Jahren an einem Roman über Edward Snowden. Er war auch inzwischen in Amerika und hat aus seinen daraus entstandenen Texten gelesen.

Dann kamen zwei Frauen, die Lyrik hatten, die fast ein wenig, an die Bachmann erinnern könnten. Kadisha Belfiore, 1991 in Lustenau war die erste.

Sandra Hubinger hat bei “Art und Science” schon den Gedichtband “Kaum  Gewicht und Rückenwind” herausgebracht und las daraus.

Als vierte vor der Pause kam Gianna Virginia an die Reihe und die hatte einen Film, beziehungsweise ein Video, eine Frau räkelt sich mit einem weißen Luftballon auf einem weißen Laken, lutscht an einem Strohhalm, stößt Gurgellaute aus, sprach ein zwei Sätze, ja das Institut für Sprachkunst ein Crossing over und nach der Pause kam Isabel Walter an die Reihe und die las aus einem längeren Text, in dem eine Frau in ein Haus oder Hotel geht, dann auf einer Abschiedsparty landet, wo man sich beruhigende, euphorisierende oder auch narkotisierende Drinks mixen lassen kann und schließlich mit einer anderen in einem Zimmer verschwindet.

Dann war schon Ianina Ilicheva dran und die 1983 in Usbekistan geboren ist auch eine Performerin beziehungsweise Crossingoverkünstlerin und hatte eine Mischung aus einem wissenschaftlichen Text über Schrödingers Katrze würde ich mal sagen und Musik zusammengestellt, zu der sie mitsang und tanzte und anschließend großen Applaus erzielte.

Wahrscheinlich nicht ganz so viel, wie Rick Reuther, der auch schauspielerisches Talent zu haben scheint und eine ganz andere Stimme in die Sprachkunstsession brachte, die diesmal eine ganz besonders durchnmischte war.

“Guten Tag ich bin der Rick aus Hamburg, vielen Dank für die Einladung!”, moderierte er sich selbst. Stellte ein Fläschchen Rum gegen Aufregung, wie ihn die Oma riet auf den Tisch und begann dann aus einem Roman zu lesen, der 1919 also nach dem ersten Weltkrieg spielt und von einem Fuhrmann handelt, der Scheiße auf der Straße verbreitet, ein neuer Fallada würde ich unken, die gerade “Jeder stirbt für sich alleine” liest und stellte dann noch  da, wie die Schupo auftritt und welche Laute und Sprüche sie dabei hat.

Sehr interessant und spannend die unterschiedlichen Sprachkunstlesungen. Ich war, glaube ich, die einzige Zuhörerin, die sich  nicht aus Freunden und Bekannten zusammensetzte. Richtig Robert Prosser war auch dabei, aber vielleicht hat sich der auch einmal beworben und so kann ich der interessierten Öffentlichkeit flüstern, was sich bei der ganz jungen Literaturszene tut.

Daß Deutschland und Polen gewonnen hat, hat Barabara Zwiefelhofer den sportlich Interessierten verraten, das dritte Spiel hatte da gerade begonnen und ich bin jetzt auf  den Bachmannpreis und Bastian Schneiders Lesung gespannt, der diesmal  wahrscheinlich auch ganz anders werden wird.

Vor der Morgenröte

Jetzt habe ich auch den Film, “Ein sensibles Portrait des Schriftstellers Stefan Zweigs in seinen Jahren im Exil”, wie im Programmheft steht, gesehen, in dem Josef Hader die Hauptrolle spielt, womit ich meinen Stefan Zweig Schwerpunkt abschließen kann.

Das heißt das Literaturcafe, das wie viele Blogs Werbung für den Film machte, der seit zweiten Juni in den Kinos zu sehen ist, verlost noch drei Biografien von von Ulrich Weinzierl “Stefan Zweigs brennendes Geheimnis”, womit dieser, glaube ich, nachweist, daß Zweig ein Homosexueller und ein Exhibionist war. Aus dem Film und seiner Autobiografie geht das aber nicht hervor und ich habe mich zufälligerweise in den letzten Monaten auch sehr viel mit Zweig beschäftigt und ihn bezüglich meines “Nicht Berühren oder Notizen zur Romanentstehung”, womit ich ja im Februar ziemlich planlos begonnen habe, quer durch sein Werk gelesen, womit ich jetzt zumindest die Frage beantworten kann, ob er ein großer Schriftsteller war?

Er war es, glaube ich und und wird in diesem Episodenfim, der in fünf Bildern und einem Epilog, die letzten Jahre ab dem PEN-Kongreß in Argentinien  sehr schön und aufwendig, aber wahrscheinlich, wenn man nur das übliche Mittelschulwissen und nicht sehr viel gelesen hat, nicht sehr verständlich ist, auch bewiesen.

Ich bin ja in der Wattgasse in einem wie ich immer sage, sozialistischen Arbeiterhaushalt mit einem Bücherschrank im Wohnzimmer, der später, als meine um elf Jahre ältere Schwester Ursula, das Zimmer  bekam, in das Schlafzimmer wechselte, aufgewachsen und in dem gab es cirka dreihundert vorwiegend Büchergilde Gutenberg Ausgaben und da von Stefan Zweig die Biografie Marie Antoinette” und “Die Welt von gestern”

“Marie Antoinette” habe ich, glaube ich, noch in der Hauptschule oder in den ersten Jahren der Straßergasse, wo ich mich sehr für Geschichte und da speziell für Napoleon interessierte, aber von Stefan Zweig sicher keine Ahnung hatte, gelesen und “Die Welt von Gestern”, glaube ich, als Studentin. Die hat mich tief beeindruckt, sehr viel  Ahnung über das, was das beschrieben wird, hatte ich aber trotz meines geschichtlichen Interesses, glaube ich, nicht und auch keine über Stefan Zweig.

Dann habe ich wahrscheinlich im Fernsehen einige Verfilmungen seiner Novellen gesehen und viel später im Bücherschrank die “Schachnovelle” gefunden, das war vor ein paar Jahren, so besonders hat mir die, glaube ich, nicht gefallen und später bin ich immer öfter auf die Behauptungen gestoßen, daß Stefan Zweig kein großer Dichter, sondern nur ein Biografienschreiber war.

Das stimmt, glaube ich, nicht, die frühen Novellen sind sehr beeindruckend und die “Autobiografie”, die er mit der “Schachnovelle” und seiner Hommage über “Brasilien” in seinem Exil geschrieben hat.

Die Biografien wahrscheinlich nicht so sehr, würde ich sagen und ich bin wieder auf Stefan Zweig gestoßen, als ich mich im März oder April, in meiner Schreibblockade für ihn zu interessieren begann, weil ich da ja die Idee hatte, mit Figuren aus Romanen zu arbeiten, die schließlich zu Schriftstellern wurden, zu Stefan Zweig, Heimito von Doderer und Anne Frank.

Das heißt die “Arte Dokumentation”, die auch auf die Gehiemnisse und Widersprüchlichkeiten in seinem Leben hinweisen, habe ich da schon gesehen und das erste Buch, das ich für meinen Schwerpunkt gelesen habe, “Ungeduld des Herzens”, auch kurz nach der Emigration geschrieben und vor dem ersten Weltkrieg spielend, gibt, glaube ich, auch sehr genau Auskunft über das angebliche Zauerdliche und Unentschlossene, das auch im Film eine Rolle spielt.

Und der war für mich zumindestens sehr verwirrend, beginnt er doch, ich glaube, bei einem Empfang auf diesen PEN-Kongreß mit einem großen Bankett, wo man zuerst die Dienstmädchen und die Kellner sieht und dann wird minutenlang Französisch, Spanisch oder Portugiesisch mit deutschen Untertiteln geredet und ich dachte schon, ich bin im falschen Film.

Aber natürlich es ist eine moderne Produktion und wir leben ja in Krisenszeiten, wenn auch in anderen und das drückt die Verloren- und die Entwurzeltheit auch sehr stark aus.

Dann geht es nach New York und man trifft plötzlich auf die andere Frau Zweig mit ihren Kindern, hört eine Menge Namen, die man vielleicht auch nicht als allgemein bekannt voraussetzen kann und Zitate, daß sich der ganze Kurfürstendam jetzt in New York befindet, etcetera.

Dann geht es nach Brasilien zum sechzigsten Geburtstag, wo Zweig einen Hund geschenkt bekommen hat und im Epilog nimmt die Polizei das Protokoll auf, man sieht, die Leichen im Bett durch einen Spiegel, das Dienstmädchen betet und Herr Federn wird, glaube ich, gebeten den deutschen Abschiedsbrief vorzulesen.

Sehr anspruchsvoll und sensibel, für den Film wurde aber, glaube ich, auch viel Werbung gemacht. Wolfgang Tischler empfiehlt, wenn man nicht alles parat hat, vorher nachzugooglen und natürlich zu lesen.

Das empfehle ich auch. Mit “Brasilien” würde ich nicht beginnen. Mit den Biografien wahrscheinlich auch nicht, der Roman, die Novellen und vor allen die Autobiografie würde ich aber sehr empfehlen und nun werde ich mich ja noch den Sommer über mit dem Korrigieren beschäftigen, bevor man bei mir nachlesen kann, wie das mit Stefan Zweig, Anne Frank und Heimito von Doderer im Himmel, auf der Wolke sieben, beziehungsweise mit dem Theaterstück das Zarah Bashrami über die beiden Dichter, die sich am 12. Februar 1934 im Cafe Central treffen, geschrieben hat, ist.

Zurück zur Poliversale

Während wir in Kroatien Urlaub machten, hat in Wien die “Poliversale”, das 4. internationale Wiener Lyrik-Fest der “Alten Schmiede” begonnen, das von Kurt Neumann und Michael Hammerschmied konzeptiert und moderiert wird und heuer auch an anderen Orten, als nur im “Literarischen Quartier” stattfindet.

So fand die Veranstaltung mit Christoph W. Bauer und Ludwig Laher heute in der “Gesellschaft für Literatur” statt und wurde von Manfred Müller moderiert.

Kurt Neumann und Michael Hammerschmid saßen im Publikum, außerdem noch Christl Greller, Monika Vasik, Stefan Gmünder und noch ein paar andere, aber nicht zu viele, denn heute fand ja auch bei der Fußball EM, das Spiel Österreich gegen Ungarn statt, wie Manfred Müller in seiner Einleitung bedauerte und den Leuten dankte, die trotzdem gekommen waren.

Nun, ich glaube das literarische Publikum interessiert sich mit einigen Ausnahmen wie Wendelin Schmidt-Dengler oder Reinhold Aumeier nicht so sehr für Fußball.

Ich tue das jedenfalls überhaupt nicht, habe aber ein paar Fußballbücher auf meiner Leseliste, beispielsweise, das von Reinhold Aumeier, “Rapid, Rapid… Ein Matchtagebuch” aus dem “Resistenzverlag, das ich demnächst  zwischen meine Rezensionsexemplare schieben werde und ob Manfred Müller bedauert hat, daß der dem Fußballspiel nicht zusehen konnte, weiß ich nicht, er hielt jedenfalls eine lange Einleitung zu den beiden, wie er fand sehr unterschiedlichen Dichtern, die beide, wie er betonte Vielschreiber wären.

Das hätte ich nun auch gedacht, daß Christoph W. Bauer und Ludwig Laher sehr verschieden schreiben, fand aber während der Lesung einige Ähnlichkeiten, eine davon ist, daß beide bei “Haymon” publizeren oder publizierten, da Ludwig Laher inzwischen zu “Wallstein” übergewechselt ist.

Der 1968 in Kärtnen geobrene in Innsbruck lebende Christoph W. Bauer wurde mir einmal auf der Buch-Wien von Gerlinde Tamerl vorgstellt, ich sehe ihn auch dort öfter, beziehungsweise bei der “Literatur und Wein” in Göttweig und Krems und habe schon einige Bücher von ihm gelesen, die ich mir meistens aus der Flohmarktkiste des “Morawas” zog.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen ihm und Ludwig Laher, den ich glaube ich von den IG Autoren kenne, ist daß beide sowohl Lyrik, als auch Romane und Essays schreiben und daß auch Christoph W. Bauer, den ich eigentlich für einen reinen Lyriker gehalten hätte, auch recherchiert und dokumentarisch schreibt habe ich heute bemerkt, beziehungsweise ist es mir schon beim “Alphabet der Häuser” aufgefallen.

“Stromern” heißt der Band der heute vorgestellt wurde und wenn ich mich nicht irre, war er schon auf Platz eins der ORF-Bestenliste und ist wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, ein sehr erzählendes Buch. Gedichte, die Geschichten erzählen, ein Paris Teil gibt es auch und Bezug auf Francois Villon von dem sich auch vielleicht das Wort “Stromern” oder das “Vagantentum” beziehungsweise “vagabundisieren” herleitet und dann geht es auch um Zwiegesprächen mit anderen Dichtern, mit Francois Villon wie erwähnt, von Paul Nizon stammt aber das Motto, Ingeborg Bachmann wird erwähnt, Joseph Brodsky etcera. Sehr angenehm war, daß Christoph W. Bauer seine Gedichte selbst dokumentierte und erzählte, wie dazugekommen ist sie zu schreiben.

Dann folgte der 1955 in Linz geborene Ludwig Laher, der in St. Pantaleon lebt und den ich, wie erwähnt schon sehr lange kenne und ihn wahrscheinlich bei den IG-Autoren, woe es sich ja engagiert und im Vorstand ist, kennenlernte. Er hat auch schon viele Bücher geschrieben, von denen ich einige gelesen habe, “Bitter” noch nicht, das lag aber im vorigen Jahr zum “Tag des Buches” im Schaufesnster der Anna Jeller, wo ich es mir herausholte und das wäre noch eine Gemeinsamkeit zu Christoph W. Bauer, der in einem seiner Gedichte Andreas Hofer, den berühmten Tiroler erwähnte, dann gibt es noch einen anderen Hofer, einen Gauleiter, der aber nie verurteilt wurde, sondern zu seinem Begräbnis auch noch die Schützen aufspielen hatte und “Bitter” handelt ja auch von einem. ich glaube. nie verurteilten SS Mann.

Ich würde Ludwig Laher ja nicht so sehr als Lyriker einschätzen, er erwähnte, daß er alle zehn Jahre einen Gedichtband schreiben würde und diesen hat er gebraucht, um sich von seiner Arbeit an “Bitter” zu erholen. Ich würde ihn ähnlich wie Erich Hackl als dokumentarischen Schriftsteller bezeichnen, “Einleben” und “Verfahren” wären solche Beispiele. Seine Gedichte sind auch sehr dicht und knapp und kurz, fast Aphorimen, wie Manfred Müller erklärte.

“Die Jahre kommen und gehen – in die Jahre kommen und gehen” oder “Nacht für Nacht aufwachen und nicht mehr einschlafen können und dann einmal einschlafen und nicht mehr aufwachen können”, beispielsweise.

Nachher gab es eine Diskussion beziehunsweise ein Gespräch das Manfred Müller moderierte, wobei er nach den Versformen, den Schreibtechniken und den Motti fragte. Beide Autoren hatten in ihren Büchern ja welche, Christoph W. Bauer eines von Paul Nizon, Ludwig Laher drei zum Thema “alles”, weil das für ihn der Überbegriff seines Gedichtbandes “Was hält mich” darstellte.

Das Publikum, wie Kurt Neumann, Michael Hammerschmid und ein junger Mann der sehr differenzierte Fragen stellten und wahrscheinlich selbst schreibt, mischte sich eifrig ein und eine Dame bedankte sich für die schönen Gedichte und die Autoren ausdrücklich beim Publikum für das Kommen.

Ja, das Fußballspielen ist eine starke Konkurrenz zur Literatur, aber die “Poliversale”, die am 31. 5. begonnen hat, geht bis zum 5. 7. weiter, die nächste Gelegenheit ist schon morgen in der Uni Hörsaal 31 und am Donnerstag gibt es eine Veranstaltung in der “Alten Schmiede” zu der ich wahrscheinlich gehen werde, obwohl da auch die von Friedrich Hahn moderierte “Dichterzeile” in der Porzellangasse ist.