Erika Danneberg

“Schriftstellerin . Psychoanalytikerin.Friedensaktivistin” – Ein Lebensbild der 1922 geborenen und 2007 verstorbenen Erika Danneberg, das von der im Brenner-Archiv tätigen Christine Riccabona herausgegeben wurde, die ich in den späten Siebzigerjahren im “Arbeitskreis schreibender Frauen”, wo ich eine hoffnungsvolle junge Atorin war, die ihre “Gruppe 47” gefunden zu haben glaubte, kennenlernte.

Erinnerungen im Jubiläumsjahr “Fünfzig Jahre Matura-fünfzig Jahre schreiben” und die beiden Bücher über Erika Danneberg, kamen schon im letzten Herbst heraus, wurden da im Literaturhaus vorgestellt und Alex Hartl hat mich ja im Jänner zu Erika Dannebergs hundertersten Geburtstag eingeladen meine Arbeitskreiserfahrungen über sie auszubreiten und da habe ich die beiden Autorinnen, Erika Wimmer hat ja noch einen Roman über sie geschrieben auch kennengelernt oder mit ihnen diskutiert.

Das heißt, Christina Riccabona hat mich schon vorher angerufen und Fotos von ihr haben wollen. Da habe ich sie auf Raimund Bahr, der den Nachlaß ja übernommen hat, verwiesen, aber der hatte ihn schon an das “Brenner Archiv “übergeben und da gab es 2019 einen Studientag zum Thema “Widerstand” und ist Erika Danneberg ja eine starke Stimme.

Die Idee die beiden Bücher zum hunderrsten Geburtstag herauszugeben, wurde geboren und das Lebensbild habe ich jetzt gelesen.

Herausgekommen ist es in der “Innsbruck university press”, am Cover sieht man die kleine weißhaarige Frau mit den kurzen Haaren wohl am Balkon ihrer Hütteldorfer Wohnung stehen und es beginnt mit der Kriegsjugend.

2022 in einer bürgerlichen Familie im fünften Bezirk geboren. Der Vater war dann ein Nazi und die Tochter hat ihre Kriegserlebnisse in vielen Tagebüchern niedergeschrieben. Sie hat maturiert. Wollte Schauspielerin werden, mußte dann bei “Jugend und Volk” eine Buchhandelslehre machen und hat sich mit einem widerständigen Onkel angefreundet oder bei ihm Unterschluß gefunden.

Es gab die Freundschaft zu einer jüdischen Fürsorgerin und davon zeugen Texte, die später in dem berühmten Buch “Wie leistet man Widerstand”, das ich leider nicht gelesen habe, erschienen sind.

Das Kapitel “Kirschensommer von 1940” ist in dem Buch abgedruckt und ein paar Gedichte. Denn der zweite Abschnitt widmet sich “Der jungen Autorin -Suchbild im literarischen Feld”.

Sie hat, als sie wieder studieren durfte, vorher war ihr das wegen mangelnden politischen Ensatzes verwehrt, zuerst Germanistik und später Psychologie studiert. Da den schreibenden Psychologen Walter Toman kennengelernt, wurde von ihm gefördert und hat mit ihm auch Anthologien und Texte herausgegeben, bis sie in den literarischen Cafehauskreis von Hans Weigel gekommen ist, der sie offenbar auch sehr stark gefördert hat und von ihren Schreiben begeistert war.

In der “Edition Art&Science”, sind 2001 Kriegsgedichte erschienen, von denen einige in dem Band abgedruckt sind, während sich das Dritte Kapitel sich mit “Der Frau des Dichters-das verlorene Wunschbild” beschäftigt.

Hermann Hakel,, Erika Dannerberg Ehemann ist 1947 aus dem Exil zurückgekommen und hat sich, wie Weigl, um die jungen Dichter gekümmert. 1948 fand die Hochzeit statt, Erika Danneberg ist Hakel zuliebe ins Judentum konvertiert und hat ihm dann als Gattin, Sekretärin, Köchin, etcetera, gedient und da eine Menge der jungen Dichter kennengelernt.

Mit Marlen Haushofer wr sie befreundet, dann Vera Ferra Mikura, Christine Busta, Elfriede Gerstl, etcetera, die alle Karriere machten, während Erika Hackl überblieb.

1958 hat sie sich von Hackl scheiden lassen, ist aus dem Judentum wieder ausgetreten, ging eine Beziehung mit Friedrich Polakovics ein und wandte sich der Psychoanaylye zu. Da hat sie eine Lehranalyse bei Tea Genner-Erdheim gemacht und dann lange und intensiv als Lehranalytikerin und Gruppentrainerin gearbeitet und hier auch einiges publiziert.

Zwischen den Kapitel gibt es immer wieder Textteile und da einen Ausschnitt aus dem Text “Der Surabaya Johnny. Psychoanalyse mit Brecht”, der1995 erschienen ist.

In der “Stimme der Frau”, hat sie auch einen Nachruf auf die Psychoanalytikerin Marie Langer geschrieben, mit der sie befreundet war.

Ende Siebzig ist Erika Danneberg, durch den “Arbeitskreis schreibender Frauen”, der 1979 von Bärbl Danneberg gegründet wurde, zurückgekommen, hat sich der KPÖ zugewandt und ihre Liebe zu Nicaragua entdeckt.

Das gibt es das Buch “In Nicaragua,” das ich mir irgendwann einmal gekauft habe und einige Brigadeeinsätze, eine Benefizlesung in der “AS”, die ich offenbar versäumt habe, hat es 1983, wo ich wahrscheinlich nicht mehr im Arbeitskreis war, auch gegeben.

2000 kam dann der Schock von schwarz blau, Arthur West eist gestorben, wo Erika Danneberg, so lange sie es gsundheitlich schaffte, an den Lnken Wort-Volksstimmefestlesungen teilgenommen hat, da werde ich in dem Buch auch erwähnt. Sie hat auch bei den von El Awadalla organisierten Widerstandslesungen gelesen, wurde gesundheitlich schwach.Es gab aber das Geburtstagsfest zum Achtziger, im “Siebensgtern”, bei dem ich auch war und mich nicht recht traute ihr die “Schreibweisen” zu schenken.

Dann kommt wieder ein ausführlicher Textteil, wo man sich wieder in Texte einlesen kann, die man schon einmal gehört hat, hat Erika Dannerberg doch in den “Volksstimme-Anthologien-Texte”, in der “Stimme der Frau”, der kommunistischen Frauenzeitung, die der Alfred der Anna deponiert hat und fast schon vergessen in der “Widerstandsatnologie” des Wiener Frauenverlags oder “Milena” natürlich, wo ich auch einen Text drinnen haben. Sie beschäftigt sich in ihren mit der Sprache und das ist ein starker Text den ich sehr empfehlen kann, wie das Gedicht an die “Genossen”

“Freund, wie gehst du um /mit deiner Freundin?/Genosse, wie gehst du um/mit deiner Genossin”, in “Der Stimme der Frau” 1984 erschienen und dabei hat Erika Dannerberg gemeint, keine Feminstin zu sein.

Ein spannendes Buch dieses Lebensbild, das ich allen, die Erika Danneberg, mit der ich ja meine Schwierigkeiten hatte, weil sie mich wahrscheinlich nicht “zu ihren Leuten” gezählt hat, gekannt haben und auch die anderen, die die starke widerständige Frau posthum kennenlernen möchte und jetzt auf zum Roman “Wolfs Tochter” von Erika Wimmer, die ihre Jugend autofiktional beschreibt.

Die Inkommensurablen

Es geht gleich weiter mit der Weltkriegssliteratur und der Kaiserstadt Wien im Juli 1914 am dreißigsten Juli um genau zu sein, am Vortag des Kriegseintritts, wo noch unzählige Trauungen stattfanden, die unzählige neunzehnjäbhrige Mädchen damit im Voraus zu Witwen machten.

Ein spannender Roman gerade richtig in einer Zeit, wo ich als sogenannte naive Friedensschwurblerin, ständig Bertha von Suttners “Die Waffen nieder” und Karl Kraus “Die letzten Tage der Menschheit” zitiere.

Richtig, die 1990 geborene Raphaela Edelbauer, eine Sprachkunstabsolvente, die ich auf der “Buch-Wien” mit ihren ersten ersten experimentellen bei “Klever” erschienenen Buch kennenelernte, scheint wirklich eine sehr phantasievolle Autorin zu sein, die alle Grenzen sprengt und vielleicht auch die Zeichen der Zeit mit jeweils einen anderen Stil erkennt und phantastisch beschreibt.

Ihr doppeltes Buchpreisbuch. “Das flüssige Land” hat mir sehr gut gefallen.

“Dave” mit dem sie den Öst gewonnen hat weniger und bei der Lesung im Literaturhaus und dem Gespräch mit Daniela Strigl, habe ich gedacht hoffentlich macht sie der Erfolg jetzt nicht überheblich. Dann bin ich in die Hauptbücherei zum “tea for three” gegangen und habe Klaus Nüchtern mit Daniela Strigl über das Buch diskutieren gehört und war erstaunt, wie herablassend Klaus Nüchtern das Buch besprach oder sich darüber lustig machte.

“Ein schlechtes Buch!”, hat er geschimpft und Beispiele angeführt und Daniela Strigl, die ich im Literaturhaus eher begeistert fand, hat nur schwach etwas von der expressiven Sprache verteidigt, die die Autorin offenbar für das Buch gefunden hat.

Jetzt habe ich es gelesen und ich muß sagen, es ist das Vergnügen wert und mit dem Ersten Weltkrieg hat es eigentlich nicht viel oder gar nichts zu tun.

Natürlich es ist ja erst er letzte Julitag und da ist Wien offenbar außer Rand und Band und das kann ich mir vorstellen, daß das damals, wo ich einen knapp zweijährigen Vater und noch keine Mutter hatte, so war. Aber der lebte im Arbeiterbezirk Ottakring und hat von der diesbezülichen Aufregung vielleicht nicht viel mitbekommen, obwohl ich in seinen Nachlaß Postkarten fand, wo der Herr Anton Jantschak an den Herrn Otto und das Fräulein Gretl Feldpostkarten von der Front schickte.

Aber jetzt haben wir erst ende Juli 2014 und da kommt der sechzehnjährige Pferdeknecht Hans aus Tirol nach Wien und kommt da am Südbahnhof an, was Klaus Nüchtern sehr bemängelt hat, denn damals ist man wohl am Westbahnhof angekommen.

Heute wäre das nicht mehr falsch. Vielleicht hat Raphaela Edelbauer, die sich auf das Buch ja sehr gelehrig vorbereitet hat, das ausdrücken wollen, daß sich alles ändert und nichts so bleibt. Der Pferdeknecht kommt also von der Fahrt total übermüdelt an und begibt sich, glaube ich, in die Garnison- oder Landesgerichtstraße, um bei Psychoanalytikerin Helene Ceresch in Analyse zu begeben, weil er paralsychologische Phänomene zu haben glaubt, denn oft wiederholt jemand genau den Satz, den er gerade denkt, was ihn beunruhigt. Er legt sich das ins Stiegenhaus, wird von der Analytikerin aufgeweckt, die ihn für den nächsten Tag bestellt und lernt da zwei andere junge Leute kennen, die mit ihm den letzten Tag des Friedens verbringen, nämlich Klara, die, glaube ich, achtzehn ist und sich auf ihr Rigorosum in Mathematik vorbereitet und Adam, das ist ein Adeliger, der sich am nächsten Tag melden muß und sich vorher noch mit der Musik Schönberg beschäftigt.

Die Personenbeschreibung hat mich damals im Literaturhaus gestört und da habe ich zu Helene Hoffmann gesagt, daß die Frauen, die sich 1914 auf ihr Rigorosum in Mathematik vorbereitet haben, höchstwahrscheinlich aus jüdischen bürgerlichen Familien stammten und sich dann ganz sicher nicht mit Tiroler Pferdeknechten abgegeben hätten und die wären höchstwahrscheinlich auch nicht mit ihren parapsychologischen Phänomenen zu einer Psychoanalytikerin gegangen.

Jetzt glaube ich, daß das genau die Absicht der Autorin war, die Welt des vorletzten Tags gehörig durcheinander zu bringen und auf den Kopf zu stellen und natürich war es nicht so oder doch?

Das hat es da und dort wahrscheinlich alles gegeben. Die Schönberg Musik, die Mathematik, die “Inkommensurablen”, sind ein solches Phänomen, die Frauen- und Sugrafettenbeweegung und auch das Kanalsystem, wo die Obdachlosen ihre Heimstadt hatte.

Max Winter hat Reportagen darüber geschrieben und Raphaela Edelbauer hat sie und alles andere genau studiert und stolpert nun mit ihren drei Helden durch die Stadt. Es geht als nach den Psychoanalytischen Stunden in das Palais von Adams Vater zu einem Diner. Dann gehts aber schon in den Untergrund und in die Zinskaserne, wo die kleine Klara aufgewachsen und nicht gestorben ist. Sie hat stattdessen ihr mathematisches Talent entdckt und Helene kennengelernt und die hat ein sogenanntes Traumcluster aufgebaut.

Es wird als auch in diese Favoritner Zinskaserne gehetzt, denn Klara muß für ihr Rigorosum Zeugnisse holen. Denn damals war es offenbar verboten, daß zwei Frauen zusammen wohnten.

Ja die Zeiten ändern sich, obwohl, fügt die Schwurblerin an, sie heute nicht viel weniger verrückt sind, wenn auch ein wenig anders.

Dann gehts zum Rigorosum. Hans ist noch immer todmüde und kommt nicht zum schlafen. Da werden sie aber von denen, die die Männer in den Krieg einberufen wollen, am eintreten gehindert. Denn es gibt angeblich kein Rigosrosum mehr oder doch natürlich. denn Helene und fünfzig andere Suffragetten warten schon, werden aber vom Floridsdorfer Jägerbund daran gehindert und vertrieben und so nimmt Helene Hans in ihr jüdisch stämmiges jüdisches Elternhaus in Stammersdorf mit, hier scheint die Realität eher zu stimmen und da sieht er das Traumdlort des Traumclusters und erkennt, daß Helene gar keine richtige Psychoanaltikerin ist. Das hatte ich mir da auch schon gedacht, daß Freud das anders verstanden hat, denn alles ist nur Suggestion und der sitzen wir ja offenbar sehr gern auf.

Ein geniales Buch würde ich sagen, obwohl ich zwischendurch auch nicht ganz sicher war, ob ich Klaus Nüchtern nicht vielleicht doch zustimmen sollte, denn ein bisschen verrückt und verdreht ist es schon. Das war aber höchstwahrscheinlich auch die Absicht der Autorin.

Majoran, Mord und Meisterwurz

Jetzt kommt ein Band mit Kräuterkrimis aus dem “Gmeiner-Verlag”, die der 1956 in Hallein geborene Manfred Baumann geschrieben hat.

Sieben Geschichten, die Namen wie, “Majoran”, “Teufelsbart” etcetera haben. Vor jeder Geschichte gibt es ein Bild mit der jeweilligen Pflanze und einer kurzen Beschreibung dazu und dann geht es mit dem “Majoran” in das Kloster Eulenburg und da probt gerade Pater Gwendal in der Kirche “Stairway to heaven” von Led Zeppelin für den “Tag der offenen Tür”.

Das Spiel wird durch einen Schrei unterbrochen, denn da hat Pater Emanuel die tote Celine gefunden, die einen Majoranzweig in der Hand hält und von einem Stein erschlagen wurde. Sie sollte den neuen Klosterladen leiten, das wird jetzt Brigitte Grundtner übernehmen, die vorher das alte Lädchen führte und das mit großen Eifer tut.

Eine schnippige Polizistin gibt es auch und die holt die junge Dagmar ab, denn die hat Vorstrafen und spielt in einer Rockband und im Zimmer der Toten wird ein Bild gefunden, das an Bruder Emanuel erinnert. Der schweigt aber und blickt beharrlich auf die Wand. Dann sagt Brigitte Grundtner “Schlange stehen”.

Pater Gwendal geht in die Kirche ,sieht dort die Schlange vor dem Bildnis Mariens, kombiniert und der Fall ist gelöst. Da muß ich anmerken, daß ich da schon früher und ohne die Schlange auf die Lösung kam und auch, daß der gute Pater daran vielleicht nicht so ganz unbeteiligt war. Toll,daß das auch angeschrieben wird.

“Teufelsbart” ist die zweite Geschichte. Da gibt es die “Gewöhnliche Kuhschelle” zu sehen und die ist auch ein wenig skurril. Da geht es um einen vergesslichen Serienkiller, der einen Landwirtschaftspolitiker beseitigen soll und das auf eine sehr seltsame Art tut. Dazu begibt er sich in ein altmodisches Cafe in ein Tiroler Dorf, bewundert dort die Kuckucksuhr, probiert den bitter schmeckenden Kräutertee, bekommt ein Jausenpäckchen und die Nichte des Polizeichefs kommt ihm doch auf die Spur.

Dann geht es zum “Frauenmantel” und im die Frage ob es sich, um einen Serientäter handelt, wenn drei Männer tot aufgefunden wurden, die alle mit dieser Pflanze übersäht wurden? Es wird auch diskutiert, ob die Sternzeichen eine Rolle spielen und die Polizistin Katja, die eigentlich geschont werden sollte, weil sie einen der Tote in ihrem Türkeiurlaub kennenlernte, drängt sich in die Ermittlung und überlegt wieviele “Frauenmantel-Steinbock-Serienkiller” es noch geben soll?

In “Schnittlauch” gibt Prinz Schnittlauch einer betrogenen Kinderbuchautorin den Rat, wie sie sich an ihren ehemaligen Liebhaber rächen kann und bei der “Melisse” geht es gleich in den Weltraum.

Eine ebenfalls skurrile Geschichte in der Manfred Baumann offenbar zeigen will, wie man auch kleinen Dingen Spannung geben kann. Da werden die Ortsgastronomen zu einem Meeting eingeladen, wo sie ihre Ideen für ein Weltraummenü bekanntgeben können und dann glaubt einer sein Zitronenmelissensiruprezept wurde gestohlen. Dabei löst sich alles harmlos auf.

Mit der “Tollkirsche” wird dann wieder ein ungetreuer Ehemann beseitigt und am Schluß geht es zu “Meisterwurz” zu Pater Gewendal und ins Waldviertel oder ins Stift Zwettl, denn da soll der Kräuterkundige ein Seminar für ein paar Manager halten und da wird eine davon tot im Klostergarten gefefunden. Wieder ein Stein und der Pater kombiniert und kommt durch Bemerkungen eines Kindes auf die richtige Spur.

Manfred Baumann scheint sowohl ein Spezialist von Kräutern und von Kräuterkrimis zu sein, habe ich doch schon “Glühwein, Mord und Gloria”, ein Buch, das ich zu Weihnachten lesen könnte und “Salbei, Till und Totengrün” in meinen Regalen.

Zuhause ist ein großes Wort

Der “Mare-Verlag”, der sich in seinen Büchern mit dem Meer beschäftigt, hat mir zwei solche angeboten. Das Erste, das ich gerade gelesen habe, der 1986 geborenen Nina Polak, hat ein interessantes Thema in einer starken, modernen Sprache mit verschiedenen Textteilen, nämlich eine Skipperin als Heldin.

Eine moderne Matrosin könnte man so sagen. Ich hatte keine Ahnung, daß es so etwas gibt, aber Skip oder Ninke Nauta, man sieht die sprechende Namen, ist gerade von einer siebenjährigen Seefahrt, wo sie mit Käptn Lood unterwegs war, nach Amsterdam zurückgekommen, wo sie sich mit der veränderten Stadt arrangierren muß und sich in die Vergangenheit zurückdenkt, um in die Zukunft zu kommen.

Ihre Mutter Nellie ist sehr früh gestorben, so hat die reiche Familie Zeno, die Sechzehnjährige aufgenommen, die Mutter Mascha ist Schauspielerin, der pubertierende Sohn Juda scheint eine Essstörung zu haben und jetzt auch keine Milchprodukte zu verzehren, was der Mutter Sorgen macht.

Skip kommt wieder bei den Zenos unter und nimmt Kontakt mit ihrem Ex Freund Borg auf und das eher spannungsarme Buch, kann mit einigen beeindruckenden Szenen aufwarten.

Da ist die, wo Skip, die an einer Segelschule unterrichtet, mit ihrer Mutter und den Zenos auf eine Segeltour aufbricht, worauf sich die Mutter, die nicht schwimmen kann, verkühlt und eine Luungenentzündung entwickelt und Borg, der jetzt eine Freundin hat, hat eine Novelle über ihre Beziehung geschrieben, die Skip entrüstet entdeckt und sich schlecht dargestellt findet.

Skip und die Zenos werden auf eine türkische Hochzeit eingeladen und Tag darauf entdeckt sie, daß sie schwanger ist. Die Zenos brauchen ihr Gartenhäuschen auch für die Großmutter, so daß Skip auf Loods “Tintenfisch” genanntes Boot zurückzieht und sich dorthin die Medikamente schicken läßt, um die “Bohne” in ihrem Bauch wieder loszuwerden. Lood lädt sie auf einen Turn nach Malta ein, so fliegt sie nach Sizilien und man kann raten was weiter passiert, wo Skips zu Hause ist und, ob man überhaupt ein solches braucht.

Die verschiedenen Textsorten habe ich schon erwähnt. Da gibt es Mails und seitenlange Mailpassagen, Borgs Liebesgeschichte “Unschuldig” oder auch Deniz Durmuskaya & Elif Özals Hochzeitsanzeige “Wir sagen ja” und da gibt es eine weinende Braut und eine poliitsch inkorrekte Großmutter, die wissen wollte, ob die Braut Kopftuch getragen hat?

“Nein, aber einen Schleier!”, war die Antwort. Ich habe wieder eine sehr interessante Autorin kennengelernt und kann anmerken, daß ich mich, weil ich ja einen holländischen Freund habe, den ich früher öfter in Holland besuchte und mich auch für die niederländische Literatur sehr interessiere.

Gespräch über Kunst und Politik

Jetzt kommt ein interessantes Büchlein. Zwei Dialoge, die der 1991 geborene Edouard Lois dessen “Im Herzen der Gewalt”, ich während des Frankreich Schwerpunkt in Frankfurt gelesen haben mit dem 1936 geborenen Regisseur Ken Loach geführt hat, in dem es um sehr aktuelle gesellschaftliche Fragen geht, die uns, wie man merken kann, auch betreffen.

Der erste Dialog in dem es um “Arbeit und Gewalt” geht, beginnt mit Edouard Louis Buch “Wer hat meinen Vater umgebracht”, der mit ungefähr fünfunddreißig Jahren einen Arbeitsunfall hatte, daraufhin bezog er einige Jahre eine Invalidenrente, bis ihn der französische Staat wieder zum Arbeiten schickte, da die Voraussetzungen für Renten und Sozialhilfen härter geworden ist.

Ein Thema das man auchu bei uns kürzlich hören konnte, hat da doch Arbeitsministerr Kocher, den Teilzeitbeschäftigten angedroht, die Sozialleistungen zu streichen, wenn sie nicht voll arbeiten.

Ja, das Leben ist härter geworden, was sich auch in den Filmen, des mir bisher unbekannten Ken Loach spiegeln läßt. Einer davon heißt “Ich Daniel Blake”, der 2016 mit der “Goldenen Palme von Cannes” ausgezeichnet wurde.

Die Gewalt und die Polizeimacht, die vor allem schwarze Personen betreffen, ist härter geworden und die Beiden diskutierten auch, ob es Sinn macht, daß Leute überhaupt noch in Fabriken arbeiten, wenn die nachweislich ihre Gesundheit schädigen und sie krank machen? Da wehren sich meistens die Arbeiter, die ja leben müssen und sich daher oft auch zu Hungerlöhnen zwingen lassen müssen.

An den Dialog knüpft sich dann die Frage, wie man seine Stimme findet? Haben doch Umfragen ergeben, daß die meisten Arbeiter, das Gefühl haben, keine zu haben, weil sie sich von der “Kultur des politisch Korrekten” zensiert fühlen und andererseits dann bald in die Fänge der Rechten fallen. Etwas was bei uns auch zu beobachten ist.

Ken Loach meint, daß Gruppen, wie Gewerkschaften eine gute Möglichkeit da ist, sich mit Gleichmeinenden zu unterhalten und seine Meinung zu stärken.

Es geht dann, um den Begriff der “”Opferhaltung”.

So hat Edouard Louis in seinem Bucb “Das Ende von Eddy”, die Armut seiner Kindheit geschildert, worauf er von seiner Mutter gerügt wurde, das doch nicht öffentlich zu outen, weil die Politik den Leuten ja einredet, sie wären selber schuld, wenn sie keine Arbeit oder keine Wohnung hätten.

Das führt dann zu den Obdachlosen, die in England verstärkt auftauchen und zu der Frage ob die Politik was dagegen tun würde.

“Nein!”, antwortete Edouard Louis, weil sich die eher um den Immboilienmarkt, als um Obdachlosen kümmern. Sie wollen Wohnungen verkaufen und nicht die Armen unterstützten.

Es geht auch um die Rolle der Technologien und der sozialen Medien, die die Kommunikation verstärken und die Empathie fördern könnten.

Im zweiten Dialog geht es um “Politik und Transformation” und da, um den Aufstieg der extremen Rechten, etwa was man in Italien, in Spanien, in Frankreich und in Brasilien beobachten komnte und Edouard Louis meint, daß er viele Leuten kennen würde, die bei den letzten Wahlen für die Rechten gestimmt haben, weil sie sich von den Linken nicht mehr vertreten fühlten und das Gefühl haben, daß die Politiker auf sie pfeifen würden.

Es geht auch, um den Feminismus und die Homophobie, sowie um das Gefühl, das manche Leute haben, daß ihnen die “Homosexuellen ihre Lebensweise aufzwingen wollen”, aber auch wieder sehr aktuell, daß manche Jugendliche ihre Arbeitsweise selbst bestimmen wollen und nicht mehr von den Chefs ausgebeutet werden wollen.

Dann gehts zur Kunst in Krisenzeiten und zu der Frage, wie sie zu den sozial benachteiligten Gruppen kommt? Zu den Menschen, die nicht das Glück haben Bücher zu schreiben oder Filme zu machen. Die Filme werden von Ken Loach umsonst vorgeführt und Edouard Louis meint, daß man der Kunst gegenüber auch mißtrauisch sein sollte.

“Kunst muß subversiv sein”, meint Ken Loach. Sie muß den Minderheiten auch einen sicheren Raum bieten und natürlich geht es um die Verbesserungen der Lebensbdingungen, die allen ein gutes Leben bieten kann.

So weit so what und ein interessantes Buch, das man schnell lesen, aber noch lange darüber nachdenken kann und das von Hinrich Schmidt-Henkel, von dem ich schon einige Übertragungen gelesen habe, übersetzt wurde.

Mann im Mond

Jetzt kommt schon der Erzählband der 1986 in Zagreb als Kind serbischer Eltern gebroenen Lana Bastasic, die in Bosnien aufgewachsen ist und der ja vor kurzem im Literaturhaus im Rahmen von “Traduki” vorgestellt wurde.

Zwölf Kindergeschichten oder besser Erzählungen, die Kinder als Protagonisten haben und die aus ihrer vielleicht naiven Sicht die Grausamkeit der Welt erklären.

Die Geschichte “Wald” aus der Lana Bastasic ein Stückchen auf Bosnisch gelesen hat, ist da besonders eindringlich “Ich brauchte ganz schön lange, um Papa zu erwürgen!”, heißt es da. Ganz schön brutal und aufschreckend und dann geht es um den Vater der immer mägerer wird. Die Nachbarinnen im Dorf sprechen die Mutter darauf an, ob sie ihn vielleicht vernachlässigen würde und das Kind geht im nach wenn er im Wald spazieren geht und dann auf einen Stein onaniert und das darf man nicht. Das ist peinlich und verboten und das Kind zieht seine Konsequenz.

“Mann im Mond” heißt die Titelgeschichte und da geht es, um die Mondlandung in den Sechzigerjahren. Der Vater, der als einziger im Dorf einen Fernseher hat, lädt die Nachbarn zur Übertragung ein. Die zwei Söhne werden vor das Haus geschickt, denn drinnen gibt es keinen Patz mehr für sie und die spielen dann mit Murmeln und reflektieren über ihre blauen Flecke, denn der Vater schlägt seine Kinder, um sie zu erziehen. So war es damals offenbar im Dorf und Lana Bastasic deckt das alle sehr schön poetisch aber dennoch unerbittlich auf.

Das “Letzte Abendmahl” ist auch ganz schön brutal. Denn da geht es, um den Besuch bei der Erbtante. Dazu schminkt sich die Mutter, zieht das gelbe Kleid an, wo man ihren Busen sieht, was den Kindern peinlich ist. Der Vater muß sich rasieren und man muß sich gut benehmen und dann mit der Tante auf ihr Schlafzimmer gehen und sich von ihr ihren Busen zeigen lassen. Die Tante stirbt ein paar Stunden darauf und das wird während der ganzen Geschichte reflektiert, denn der Augenblick wann sie den “Löffel” abgibt”, ist bei der Familie ein großes Thema.

“Gott aus Honig” hat die Übersetzerin Rebekka Zeinzinger im Literaturhaus gelesen. Auch sehr beeindruckend. Da geht es um das Schlafwandeln, um das Töten von Ameisen, das die <mutter immer tut, um verschwundene Schildkröten und die Beziehung des kleinen Mädchen zu Gott, das nicht versteht, daß er all das zulässt und ihr auf ihre Fragen keine Antwort gibt, bis es ihn endlich aus dem Fenster lässt.

Die nächste Geschichte “Säure” ist auch sehr grausam und läßt sich auf vielfältige Art deuten, da breitet ein Kind Fische auf den Tisch aus, schaut ihnen beim Sterben zu. Dann wird es von der Mutter in die Musikschule zum Violoncellospielen gebracht. Eine Psychologin kommt dann zweimal in der Woche in die Wohnung, um das altkluge Kind beim Spielen zu beobachten, die trinkt immer Tee, einmal vom Kind zubereiten, worauf sie anschließlend speiben muß.

Psychologisch ausgetüffelt die Geschichten, die die vielseitigen Traumen des Aufwachsens in wahrscheinlich ganz normalen Familien sehr scharf aufdecken. In der Geschichte “Zahnfee”, erinnern wir uns Lana Bastasic stammt aus einer Zahnarztfamilie und will sich offenbar dagegen zu Wehr setzen, sehnt sich ein Mädchen nach seiner abwesenden Mutter, der toten Oma und “verpatzt” seinen Geburtstag. Bettnässen tut es auch und vor der Zahnfee, die seine Milchzähne holen kommt, hat es Angst.

Im “Ein Tag im Schwimmbad” muß ein Junge mit seinen Vater zum Schwimmtraining gehen. Nachher sitzen sie im Cafe und der Vater bestellt Kaffee für sich und Zitronensaft mit Wasser für den Jungen, weil der zu dick ist. Deshalb gibt er ihm nicht seinen Keks. Scheidungsprobleme gibt es auch und den sehr eindrucksvollen Satz:

“Zweimal pro Woche sitzt Papa im Cafe neben dem Schwimmbad, während der Junge schwimmt. Danach trinken sie Kaffee, Cola und Zitronensaft mit Wasser. Papa liest Zeitung und isst den Zimtskeks. Das nennt man gemeinam verbrachte Zeit.”

Kein Wunder, daß der Junge danach Durchfall bekommt und wahrscheinlich auch keines, daß Spiderman ihn aus der Not, daß es am Klo kein Toilettenpapier gibt, befreit.

Die Geschichte “Brot” kannte ich auch schon aus dem Literaturhaus. Da geht es um ein vierzehnjähriges Mädchen, um die Nöte des Erwachsenwerdens, die Beziehung zum Vater und wie schwierig es ist, wenn man am Samstag Brot holen muß.

“Kreise” ist, glaube ich, die Geschichte die Lana Bastasic ihrem Sportlehrer gewidmet hat. Denn der hetzt die “Mathematikerin” über das Viereck um die Schule, was sie hasst, so daß sie drei Extrarunden drehen muß und bei der dritte bemerkt sie daß der Lehrer gerade einen Schlaganfall erleidet und leider leider hilft sie ihm nicht aus Rache. Das sind wohl die starken jungen Frauen, während ich in “Mein ist die Rache”, die Sache anders löste.

Die nächsten zwei Geschichten sind glaube ich den Kindern alleinerziehenden überforderten Müttern gewidmet, die ihre liebe Not mit den Müttern habe, die nicht auf sich schauen, sich nicht die Haare waschen können, sondern sie nur in den Supermarkt zum Schnaps holen schicken, obwohl die Kinder den gar nicht bekommen, die sich aber auch bemühen, die Tochter für den Musikvorspielabend gut herzurichten, es dann aber nicht schaffen, selber mit gewaschenen Haaren hinzugehen oder die menstruierende Tochter in ihren Blut warten zu lassen, weil sie es nicht rechtzeitig vom Supermarkt zurückschafft.

Geschichten, die die Psychologin schon mal erlebt hat, während die “Papa kommt heim”, wohl auf die bosnische und jetzt wahrscheinlich ukrainische Kriegserfahrung beschränkt ist. Da wird ein Hühnchen gebraten, Raffaellos aus dem D-Mark -Shop besorgt und der Vater stinkt und Kakerlaken kriechen aus seiner Armeetasche, keine angenehme Erfahrung für die Kinder, an die sie sich wohl noch als Erwachsene erinnern.

Starke Geschichten einer jungen Frau, die sie, wie sie bei der Lesung sagte, aus ihren Beobachten aus der Nachbarschaft zusammenklaubte, die auch stark besprochen und beworben wurden, sowie Aufmerksamkeit erregten.

Jetzt bin ich nur gespannt, was ich von Lana Bastasic noch hören werde und mir ihr Debut wahrscheinlich bestellen.

Der Magier im Kreml

Der Titel des nächsten Buches macht schon neugierig, so daß ich es gleich anfragte, als ich den “C. H. Beck-Katalog” durchblätterte.

Der “Magier im Kreml” das Debut des 1973 geborenen italienisch schweizerischen Schriftsteller Guiliano de Empoli, das in Frankreich im Vorjahr zum Bestseller wurde.

Nun ja, seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine wollen wahrscheinlich alle lesen, wie das mit Wladimir Putim und seinen Politberater Vadim Baranow, der in Wahrheit, glaube ich, Vladislav Surkov hieß, den das Buch ist den realen Begebenheiten nachgefunden.

Das macht natürlich neugierig, obwohl ich gleich verraten kann, so weit ist es wahrscheinlich nicht her, aber einen gewissen Eindruck, wie das mit der neueren Geschichte Russlands ist, kann man aber auf jeden Fall bekommen.

Es gibt eine Rahmenhandlung und die hat mich am Anfang sehr verwirrt, denn da wird immer von einem Zaren geredet. Es geht aber um Putin habe ich dem Klappentext entnommen, Stalin kommt auch vor und ein Erzähler, der möglicherweise der Autor ist, denn der bekommt dann in den weiteren Kapiteln, die Geschichte des Schauspielers und Fernsehproduzenten Vadim Baranow erzählt, denn der hat seine Politkarriere inzwischen beendet.

Wie war das also mit dem Magier oder dem berühmten Politberater?

Der beginnt seine Geschichte mit seinem Großvater und dessen Bibliothek, denn das Buch ist sehr gelehrig. Da gibt es Anspielungen, um Anspielungen, Literaturhinweise und Rückblenden in die Stalin-Ära.

Da erfährt man eine eher lineare Geschichte, Vadim Baranows Beziehung zu seinem Vater. Das Treffen mit der schönen Xenja, die ihm später von Michail Chodorkowski auch eine reale Figur ausgespannt wurde.

Ein Fernsehproduzent hat dann in den Neunzigerjahre die Idee Wladimir Putin als Nachfolger des schwerkranken Boris Jelzin vorzuschlagen.

Es kommt dann zu einer Einladung Vadims zu einem Abendessen mit Putin und die Beraterkarriere beginnt. Dann kann man Einzelheiten zur Geschichte Russlands erfahren.

Der Fensehproduzent wird in seiner Villa tot aufgefunden, Chodorkowski wird aus dem Gefängnis entlassen und der Ukraine Krieg beginnt, bis Vadim Baranow dann auf eine Sanktionsliste kommt, seine Beraterkarriere beendet und dem Erzähler seine kleine Tochter “wie eine keine Brioche frisch aus dem Ofen” vorstellt.

Die Sprache der Sonne

Ein Roman des 1969 in Hamburg geborenen Matthias Görlitz, der in St. Louis lebt und an der Washington Universität lehrt, auch Lyriker und Übersetzer ist, mit dem er sich nach Istanbul begibt, beziehungsweise dorthin seine Protagonisgtin Lee schickt, um ihre Doktorarbeit über ihre Großmutter Helene fertig zu schreiben und ihren Spuren, die sie dort hinterließ zu erforschen.

Denn Gromutter Helene, eine Jüdin hat sich, nach dem sie in die Schweiz geflüchtet war, nach Istanbul begeben. Hat dort gelehrt, bevor sie nach Amerika kam und dort an der Universität tätig war, an der Lee jetzt forscht.

Mit den Tagebüchern ihrer Großmutter fliegt sie aus Berlin, wo sie Zwischenstation machte, nach Istanbul. Da hat sie ihren türkischen Freund verlassen und will jetzt das Verhältnis ihrer Großmutter zu dem 1900 in Wien geborenen Georg Naumann, der noch am ersten Weltkrieg mitmachte, dort verwundet wurde und jetzt in einem Spital in Istanbul lebt, erforschen.

Das Buch spielt im Jahr 2016-2017. Georg Naumann ist also, etwas unrealistisch hundertsechzehn Jahre alt und will den ältesten Menschen der Welt übertrumpfen, was ihm, wie ich anmerken kann, nicht gelingt.

Er stirbt im Sommer 2016 nachdem er bekannte, daß er Lees Großvater ist und Lees Mutter Marie odee Mary stirbt kurz vorher und deren Verhältnis zu ihrer Mutter war nicht sehr gut und das Buch, kleingedruckte dreihundertdreißig Seiten, die gar nicht so leicht zu lesen waren, ich habe eine knappe Woche dazu gebraucht, pendelt nun zwischen dem Istanbul von 1936 und 37 zu dem von 2016 hin und her und erzählt im Großen und Ganzen Georg Neumanns Geschichte, die, wie sein hohes Alter eine sehr widersprüchige ist.

Wie schon geschrieben in Wien geboren, sein Vater ein Hofrat, glaube ich, war ein echter Österreicher, der Monarchie nachtrauernd wahrscheinlich, während sein Sohn sowohl an das neue Deutschland glaubte, als auch von der Orentalistik sehr begeistert ist.

Das studiert er lange und schließt es nie ab, schreibt für verschiedene Zeitungen über die neue Türkei. Seine Artikel werden von den deutschen Redakteuren aber umgeschrieben und die Liebe zu Männern prägt ihn auch.

Da gibt ein leidenschaftliches Verhältnis zu einem Ulrich van Stetten, der dann nach Istanbul geht. Naumann wird von den Nazis erwischt und zum Spitzeln nach Istanbul geschickt. Dort findet er seinen Ulrich aber nicht, dringt nicht zu ihm vor, wird einmal auch verfolgt und dann gefoltert, bis er dann auf Lees Großmutter trifft.

Eine Begegnung zu Atatürk der in den Dreißigerjahren, die deutschen jüdischen Wissenschaftler nach istanbul holten, damit sie sein Land reformieren gibt es auch.

So wirkt der Roman teilweise, wie ein Sachbuch und ist daher schwer zu lesen, weil die spannende Handlung eigentlich fehlt oder die, die es gibt, langatmig und langweilig wirkt.

Man erfährt aber viel über die jüdischen Wissenschaftler, die damals nach Istanbul gingen und dort ihre Vorlesungen hielten. Der 1957 in Conneticut verstorbene Literaturwissenschaftler Erich Auerbach beispielweise, der zehn Jahre in Istanbul forschte.

Es gibt aber auch viele literarische Anspielungen. Orhan Pamuk, der Nobelpreisträger von 2006 wird erwähnt. Aber auch der Putsch von 2016. Matthias Görlitz scheint da sehr gelehrt zu sein, viel zu wissen oder genau recherchiert zu haben. Deshalb ist das Buch und die Rolle Istanbul in den Dreißigerjahren aber auch in der Jetztzeit, die sehr lebeding geschildert wird, auch sehr interessant und es lohnt sich wahrscheinlich es zu lesen.

schlafbaum-variationen

Neue Gedichte des 1972 in München geborenen Nico Bleutge, der 2012 den “Erich Fried Preis” bekonnen hat, von wo ich ihn auch kenne. Seine “Drei Fliegen” – “über Gedichte” habe ich gelesen und jetzt ein neuer Band. In schöner Kleinschrift geschrieben, was manche Gemüter, siehe das “Literaturcafe” aufrege nmag und zum Duden greifen läßt.

Aber trotzdem schöne Sprache und zum Lesen sehr empfehlen, die drei Teile, die der Band, den ich als e pub gelesen habe, enthält.

“anfangen wieder”, beginnt der erste Teil gleich mit einem Langgedicht. Dann geht es zur “schneebeere” über, “schneebeere, leichthin weiße mit überhängenden zweigen- in mein zimmer ist ein fremder vogel gekommen” heißt es weiter “fuchshaft.sorge wetzte die steine”.

Dann geht es zu den dreiteiligen “funken”. “nehme die nase der kleinen/ zu meiner nase./ frage ich nicht: warum. geduld nur/ geduld. das läßt sich/ hören, das läßt sich strecken,”

Im zweiten Teil geht es sehr beeindruckend “ins klinikum”

“da ist der mann/der liegt in der klinik Regensburg/ da ist der raum/ da ist der plan/ da ist der film/ wo ist der mann?/ der liegt in der klinik Regensburg/ sechs tage lang/ der plan ist leer/ und ohne raum/ das war in der klinik in Regensburg”

Mit “hufe zählen” geht es weiter. Da ändert sich das Schriftbild, das sonst eher konventionell ist, einige Male, bevor es mit “pelzentbehrt” weitergeht.

“und drüben bleiben, lethe/und blüte, kein bleistift/ zwischen/den klappen-/ pelzentbehrt. heißt ohne/stachel”, bis es mit dem dritten Teil weitergeht.

Der ist dem titelgebenden Langgedicht gewidmet, wo sich plötzlich die Falken in den Schlafbäumen wiegen und sich plötzlich in den Lüften hunderte von Vögel befanden.

“natürlich kann es sein, daß ich mich falsch erinnere”, schreibt Nico Bleutge und das “daß” Kritiker, steht hier so geschrieben und kommt dann zu den Staren.

“die stare hattest du gemeint, nicht die flocken.die stare als könnten sie sprechen.”

“auf der schulter des bären sitzt ein kleiner falke” geht es weiter

“mit einem schnabel der langsam anwächst

an seiner spitze zwei schartige spitzen

aus grauen honiglicht”

“schon möglich, daß krähen/im kopf sind die dort nicht hin/gehören etwas zischt/in den büschen vielleicht/ein nest”

“nicht den wald aufessen!/ was ist los mit dir?/nur noch ein bißchen mehr”, uns so weiter und so fort mit den vogelreichen Versen, bis es zu den Anmerkungen geht, die verraten, daß Nico Beutge, die wichtigsten Anregungen von Elke Erb, Friedrich Hölderlin, Terezia Mora, Elisabeth Bishop, die auch das Motto für den dritten Teil gestiftet hat,Thomas Kling, Rosmarie Waldrop, Ilse Aichinger y und vielen mehr bekommen hat und ich habe mich wieder obwohl es noch gar nicht März ist in die schöne Sprache eines poetischen Lrikers einlesen können, aber Gedichte, merke ich an, kann man ja das ganze Jahr über lesen und sollte das auch tun.

Tage im Mai

Ich bin wahrscheinlich keine Streeruwitz-Fanin, dazu ist sie mir wahrscheinlich zu theoretisch, obwohl ich sehr viel, fast alles von ihr gelesen habe.

Im Bücherschrank habe ich einiges Ältere von ihr gefunden und mir die neueren Bücher zum Geburtstag gewünscht, angefragt und die “Schmerzmachern”, glaube ich, auch bei einer literarischen Soiree gewonnen. Bei einigen ihrer Lesungen war ich, die Wahlkampfromane habe ich von ihr gelesen und sie war ja auch eine ersten die sich mit dem Corona-Thema beschäftigt hat und da habe ich sie so im Mai 2020 wahrscheinlich auch für sehr kritisch gehalten und habe nicht daran gewzweifelt, daß es da einiges zu kritisieren oder dagegen zu demonstrieren gibt.

Dann hat sich das Blatt gewendet, die Künstler wurden unterstützt, wahrscheinlich damit sie nicht demonstrieren und die das taten waren dann Covidioten, Nazis, Schwurbler, etcetera und über Covid- Romane wurde auch die Nase gerümpft.

Ich habe solche aber geschrieben und geschrieben, schon um alles zu dokumentieren, wie es war und wie ich es empfunden habe und die Marlene Streeruwitz, die ja auch ein Handbuch gegen den Krieg geschrieben hat, was man ja auch nicht sein darf, für den Frieden und gegen Waffenlieferungen, tut es aber weiter.

So ist auch der neue Romn “Die Tage im Mai” von den Covid-Maßnahmen begleitet, was ich ja nur sagen kann, daß ich mir nicht vorstellen kann, einen Roman, der in der Jetztzeit spielt, zu schreiben, wo nicht das Maskentragen, etcetera, beschrieben wird.

Marlene Streeruwitz tut es also in ihrem neuen Werk, das ich weniger surreal und vielleicht auch weniger literarisch als die “Flammenwand” empfinde, also auch, obwohl sie während ihre Konstanze mit Maske auf durch den Prater marschiert oder nach Zürich fliegt, das Ganze sehr neutral zu sehen scheint.

So steht irgendwo, daß Konstanze zwar geimpft aber gegen die Impfpflicht ist und wenn die “Tage im Mai”, was, ich glaube, im Mai 2022 spielen, wo ich mein “Soziales Kreditsystem” begonnen habe und recht verzweifelt damit war, nicht schon wieder Corona, aber was sonst, wird da noch sehr viel Maske getragen.

Es kommt aber auch viel anderes vor. Der Krieg natürlich, gegen den Marlene Streeruwitz ja sehr eindeutig ist oder die Klimademonstrationen und ich wundere mich ein bißchen, daß eine so kritische Autorin, wie es die Streeruwitz eindeutig ist, mit einer sehr starken Stimme, die alles kritisiert, die katholische Kirche, den Kanzler Kurz, die Lockdowns und die Zwangsmaßnahmen so neutral und selbstverständlich hinnimmt, eine besondere Angstneurose würde ich ihr aber auch nicht unterstellen.

Also ein interessanter Roman, obwohl ich ihn, ich wiederhole mich, ihn nicht viel literarischer als mein Schreiben beurteilen würde, die ich ja auch sehr realisitsch bine und es geht um zwei Frauen oder drei vielleicht, wenn man die Großmutter Christl noch mitrechnet und die italinische Nonna ist an Covid gestorben.

Da ist also Konstanze, eine Frau um die Fünfzig und Übersetzerin. Sie hat eine Tochter namens Veronica, die zwanzig ist und ihr Studium abgebochen hat. Von Salzburg, wo sie bei den Großeltern wohnte, ist sie nach Wien gekommen und nun in einem katholischen Studetenheim lebt und in einer obskuren Briefkastenfirma mit Maske an der Rezeption sitzt. eine Doderische-Hausmeisterin die Frau Wallin gibt es auch und Veronica muß mit Maske den Briefkasten bewachen und Damen, die eintreffen zum Herrn Dr. Küchenreither hinaufbitten.

Da wären wir wieder bei den Namen, die bei Marlene Streeruwitz wieder sehr sprechend sind, da gibt es einen Onkel Stieglitz, der Veronica, die er bei einer Demo erwischt, Rechtsradikalität unterstellt und den Siebenstein, das ist ein ehemaliger Liebhaber Konstanzes, die ihn auf ihren Spaziergang durch den Prater trifft, sie wohnt nämlich in der Ausstellungsstraße, wo sie immer zum Prater sehen kann, sich von ihm zehn Euro für eine Käsekrainer ausborgt und ihm dann zwanzig zurück gibt und obwohl es Spannungen zwischen Mutter und Tochter gibt, treffen sie sich immer in Konstanzes Wohnung und schauen sich dann Telenovelas an, die Marlene Streeruwitz, die ja auch Groschenromane schreibt, gleich mitgeschrieben hat.

“Roman dialogue” steht unter dem Titel, was ist das könnte man fragen? Die Antworte sind zwei Textpassagen, wo sich Mutter und Tochter im Dialog unterhalten.

Veronica übernachtet bei der Mutter, die früh morgens, weil es billig ist, nach Zürich fliegt, um dort mit ihren Verlegern über ihre Übersetzung zu sprechen und als sie zurückkommt, findet sie Veronica wieder in ihrem Bett. Denn die ist zwar nicht zu dem Vortrag über Wunderheilungen ins Studentenheim gegangen, obwohl ihr bei Verweigern mit dem Rauswurf gedroht wurde. Sie fand dann aber den Kaplan Chrobath, betrunken oder nicht in ihrem Zimmer und vor ihm geflüchtet.

Und das Mutter und Tochter und auch die Großmutter in Folge unehliche Kinder sind, ist auch etwas, was ich von meinen Schreiben kenne.

“Eine literarisch avancierte Autorin von Format!.. . Wer ihrem Sog nicht erliegt, ist für die Literatur wohl verloren”, steht am Buchrücken. Dem kann dem zustimmen, kenne aber viele, denen die Streeruwitz, zu politisch, zu aufmüpfig und vielleicht auch zu unliterarisch ist. Die FPÖ auch zählt wahrscheinlich auch nicht zu ihren Verehrern und ich kann nur wieder hoffen, daß es auf eine Buchpreislisten kommt. da war sie auch schon ein paar mal und hat auch darüber geschrieben, denn da hätte ich weniger zu lesen.

Und typisch auch das Cover des “S.Fischer-Buchs”, krabbeln da ja die Käfer über die roten Rosenblätter.