Fremdes Licht

Buch fünf des österreichischen Buchpreises, der ja am Montag vergeben beziehungsweise, wie bei Leipzig bekanntgegeben wird, derFestakt, um den ich mich ja immer gerissen habe, entfällt aber wegen des Lockdowns, mit Maske wäre ich aber ohnehin nicht hingegangen,macht also nichts, aber auch kein Livestream und jetzt kann raten und spekulieren oder gleich bemerken Michael Stavaric bekommt ihn nicht, weil nichtauf der Shortlist.

Es war für mich aber ganz spannend, mich in den Stil des 1972 in Brünn geborenen, der seit 1977 in Österreich lebt und den ich schon öfter bei Lesungen erlebt habe, einzulesen.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, so war seit Stil für mich ein Erlebnis. Ich kann aber etwaigen Kritikern gleich verraten ich habe mich schwer damit getan, mit Sicherheit auch nicht alles verstanden, dazu hätte ich mir wahrscheinlich, die zwei drei Jahre Zeit nehmen müssen, die Stavaric wohl zu Schreiben gebraucht hat und ich glaube mich an eine “Alte Schmiede-Lesung” zu erinnern oder an einen Text, der mit Arno Schmidt zu tun hat. Der Stil würde aber fast an “Kaff mare crisium” erinnern.

Nein, so schlimm ist es nicht und ich hatte auch Schützenhilfe, denn vor einem Jahr in der “Gesellschaft” eine Stavaric-Portrait erlebt, wo das Buch auch erwähnt wurde. Im Frühling gab es dann die Corona-Lesungen. Da war Stavaric dabei und im Sommer war er noch einmal mit seinem Buch in der “Gesellschaft”, erklärte einiges dazu im Gespräch mit Manfred Müller und der Eindruck verdichtete sich, sehr kompliziert.

Denn Stavaric ist kein Plotautor, der mir ja irgendwie sehr wichtig ist. Nein, hat er erklärt. Er geht von einer Idee aus. Hier war es, glaube ich, das Licht oder der Schnee und die Kälte und dann hat er, wie Manfred Müller erklärte, zweihundert Seiten lang das Nichts beschrieben.

Das liest sich natürlich schwer und wenn man fragt, welches Genre ist es nun? Geht man und da würde Stavaric jetzt wahrscheinlich lächeln, auch in die Irre.

Ein Scicene Fiction oder dystopischer Roman, da ich ja glaube seit einem dreiviertel Jahr in einem solchen zu leben und ihn auch noch gern beschreiben möchte und nicht recht weiß, wie, da es sich ja doch, um die Wirklichkeit handelt, war es ja sehr spannend sich auf einmal im Weltall zu befinden oder in Grönland bei den Innuits und, um das geht es da eigentlich?

Im ersten Teil, um eine Genforscherin, die einen Großvater in Grönland hatte, aber in der Schweiz, in Winterthur forschte und wir befinden uns, glaube ich, um einige hundert Jahre in der Zukunft und Elaine, so heißt, die Forscherin in einem Raumfschiff. Denn die Welt ist untergangen. Sie ist die einzige Überlebende oder doch nicht so ganz, denn eine Schwester gibt es auch. Sie erwacht jedenfalls im Eis, beginnt sich an ihre Kndheit, ihren Vater und ihren Großvater zu erinnern. Die Mutter ist gestorben und einen Dallas gibt es auch. Der war der Kapitän jenes Raumschiffes, mit dem man dem Weltuntergang entfliehen wollte. Es gab darin aber auch Kapseln, wo man Menschen einfror, um sie später wieder zum Leben zu erwecken. Allerdings war das Schiff mit so vielen Flüchtenden erfüllt, daß das nich thinaute. Elaine hat auch eine Maschine mit dem sie neues Leben erschaffen kann. Manfred Müller sprach Stavaric diesbezüglich auf Kafka an und ich muß gestehen ich habe die diesbezügliche Assoziation nicht bemerkt. Sie irrt jedenfalls im Eis herum, befindet sich dann plötzlich in winthertur oder dort, wo das mal war, versucht neuesLeben zu kreieren und begegnet einem Eisbären, der sich schließlich, als ihr Freund Dallas entpuppt.

Der zweite Teil “Grönland und die weiße Stadt”, ist viel einfacher zu lesen, obwohl es auch hier Tabellen und Worte in der Innuit-Schrift gibt, die manfred <müller auch als Stavarics Spezialität erwähnte.

Da geht es zu Fridtjof Nansen der ja Ende des Neunzehntenjahrhundert nach Grönland kam und dort weil sie seiner Frau Elaine so ähnlich sah, mit dem Innuit-Mädchen Uki Bekanntschaft machte. Dann wird es etwas phantastischer oder auch naiver. Sie, die ihn Vogelmann nennt, weil er Spielautomaten in Vogelform an die Kinder verschenkt und ihr ein Vogelbuch, lernt für ihn bei den Schamanen Englisch und Französisch und begleitet ihn dann nach New York denn sie will zur Weltausstellung nach Chicago, um die weiße Stadt, offensichtlich so genannt, weil in viele Glühbirnen und Elektrizität getaucht, zu besuchen. Nansen schickt sie mit einem Begleiter, der auch ihre Sprach schickt, dorthin. Sie sind auch einen Tag auf der Weltausstellung und bestaunen alles, dann übernachten sie in dem berühmten Hotel von H.H. Holmes oder Jack the Ripper, Stavaric hat also auch reale Eregnisse in seinen Roman verwendet und kommen nicht zur vereinbarten Zeit nach New York zurück, um wieder die Fahrt nach Grönland anzutreten. Sind sie doch dem Serienmörder zum Opfer gefallen und Uki wäre beinahe in seinem Folterkeller erfroren. Sie wird aber gerettet, kommt nach Grönland zurück und wird dort Schamanin. Da gibt es dann auch die Verbindung zum ersten Teil. Denn der Großvater hat Elaine ja viel von Uki erzählt und so endet auch das Buch von dem am Rücken steht “Wenn die Reise in die Zukunft zu einem Blick in die Vergangenheit wird” und der “Stern” hat geschrieben “Michael Stavarics Bücher muß man kaufen”.

Man kann sie ja auch in den Bücherschränken finden. Ich habe meines vom Verlag bekommen und geht man zu “Amazon” findet man auch “Ein Stern- Rezensionen”.

So weit würde ich nicht gehen, kann aber schreiben, daß mich Stavarics Stil vielleicht nicht so sehr erwärmen konnte, aber trotzdem ein interessantes Buch gelesen habe.

Geschichten mit Marianne

Jetzt komme ich schon oder erst, ich habe ja vorher fast die ganze deutsche Buchpreisliste gelesen zu Buch vier des öst Bp und damit auch schon zum dritten Shortlistbuch, denn das der Helena Adler und der Cornelia Travnicek ist auch darauf und es ist ein Buch das ich, auf einer der wenigen Lesungen auf denen ich Corona bedingt in diesem Jahr war, präsentiert wurde und das ganz groß, diese zwanzig Horrorgeschichten, die immer vom Erzähler und seinen Erlebnissen mit besagter Marianne handeln, denn damals war ja Jochen Jung dabei, es gab ein tolles Käsebuffet durch das man sich zum Wein drängen mußte und das ist, glaube ich, an dem Tag passiert, wo Leipzig schon abgesagt wurde, Xaver Bayer hustete und schnupfte am Podium, griff sich in die Nase, grinste dabei und sagte”Das ist nicht Corona!”, war es wahrscheinlich auch nicht.

Der Horrorzusammenhang wurde damit aber sicherlich erhöht und jetzt also auch das Buch und durch diese Geschichtensammlung, wo die erste wohl, um die Absurdität zu erhöhen, gleich mit dem Tod der Marianne beginnt. Die Geschichte haben keine Titel, nur römische Zahlen und da bereitet Marianne ihrem Liebsten in der Nobelwohnung ihrer Eltern, ein wunderbares Menu mit zig Gängen, Weinen, Zgarren, etecetera, während unten in der Fußgängerzone von Terroristen Menschen erschossen werden. Der Erzähler schaut eine Weile während Marinanne kocht zu, dann essen sie und schließlich holen sie die Jagdgewehre der Eltern aus dem Schrank und schießen hinunter, wobei Marianne erschoßen wird.

Das war es, könnte man nun denken. Es geht aber munter weiter, nämlich in der nächsten Geschiche zu einem Horrorzirkus. Da werden die Zuschauer auf die Bühne geholt und beschoßen oder sonstig gequält, die Letzte ist Marianne, die wird in einem Sessel durch die Mangege gehievt verschwindet dann und kommt nicht mehr zurück oder zumindestens eine Weile nicht, denn in Geschichte drei, die ich schon gehört habe, fährt der Erzähler tagelang mit dem Lift in dem Haus, das eigentlich nur elf Stockwerke hat, um nie anzukommen, während er in Geschichte vier mit Marianne zu einen Perchtenlauf geht, wo die Perchten alle wild angreifen. Um zu flüchten, verkleidet sich das Paar dann selbst als solche und muß munter mitspielen. Am Ende liegt der Erzähler benommen vor dem Supermarkt, während er in der nächsten Story, wie weiland Kafkas Käfer, in dem Floating-Institut, das er mit Marianne besucht, zusammenschrumpft.

Die Marianne, die äußerst wohlhabend scheint, hat sie doch die verschiedensten Wohnungen und Wochenendhäuser, liebt es auch ihren Liebsten herumzukommandieren und zu Spielen zu verleiten, bei denen er meistens verliert, was ja auch eine interessante Variante ist, so schickt sie ihn in ein verfallenes Schloß um nach Kafkas “Schloß” zusuchen, er darf dabei kein Licht aufdrehen. Sie gibt ihm telefonische Anweisungen und als vor dem Bücherregal steht, will sie auf einmal ein anderes Buch. Sie spielen auch das Zitatespiel, wo sie sich mit den verschiedensten Zitaten bekämpfen oder er muß in ein Fußballstadion gehen,wo es, wie in einem Gefängnis aussieht, um nach ihr zu suchen.

Ruhiger geht es in der Geschichte zu, wo er allein in ihrem Wochenendhäuschen sitzt und einem Falken,der tot vom Fenster hinuntergefallen in der Wiese liegt, zu begraben, dabei eine Schatzkiste findet in der mehrere Pistolen und das Emblem “Unsere Ehre ist Treue” findet, das gibt auch Anlaß zu verschiedenen Assoziationen und ähnlich gespenstig wie beim “Perchtenlauf”, geht es in der nächsten Geschichte zu. Er und Marianne wollen eine Maus im Wald aussetzen, da liegt zuerst knöchel- dann kniehoher Schnee, es findet auch eine Treibjagd statt. Geht das bei Schnee überhaupt? Die ist zwar angeblich schon fertig, das Schießen geht aber lustig weiter. Blut ist auf den Schnee zu sehen. Die Beiden flüchten sich in einen Hochstand und erkennen, sie sind die Gejagten.

Dann geht es auf eine Fahrt durch den Wald, wo die Rehe und die Kröten wechseln und etwas unlogisch, die Geschichte, wo die Beiden ins Weltmuseum gehen und weil es dort so fad ist, durch den Notausgang flüchten. Dort setzen sie sich auf Boden, Marianne erzählt ihm, wie sie einmal von einem Lover in Rom blau und grün geschlagen wurde. Dann kommt die Aufseherin und holt die Beiden, weil sie nicht durch den Notausgang durften und sie kommen nur, ,weil die glaubt, daß sie sich ein Schäferstündchen machen wollten.

Die Geschichte von den Drohnen, wo Marianne im Kambodscha sitzt und Getränke bestellt, während er ihr das erzählt, kannte ich schon. Auch hier kann man auf die Beziehungsproblematik schließen, weil er ja am Schluß ganz zufrieden mit den Drohnen ist.

Dann gehen sie in einen Swingerclub und denken sich dort mögliche Selbstmordarten aus und in Geschichte fünfzehn wird es gänzlich sadomasochistisch. Da wird er von Marianne gequält und mißhandelt bis zum Zusammenbruch und er wundert sich nur, daß er ersich das gefallen läßt, was vielleicht auch zu denken gibt.

Interessant fand ich die Geschichte, wo die Zwei auf den Flohmarkt gehen, um ahnungslosen Verkäufer rare Originalle, einen echten Beuys und kostbare Vasen, um ein paar Euro abzuluchsen. Dann gehen sie nach Hause, zerreißen und zerstören sie bei einem Gläschen guten Wein. Dazu passt die dystopische Geschichte, die Xaver Bayer auch im Literaturhaus gelesen hat und die in Zeiten der doppelten Ausgangssperre, erstens während des Virus, Zweites des Terrorüberfalls, um die Polizeiarbeit nicht zu behindern, wahrscheinlich noch mehr Bedeutung, als damals im März, hat, wo man sich das alles noch nicht vorstellen konnte. Xaver Bayer konnte aber oder sich was Bizarres ausdenken und dann ist die Marianne plötzlich achtzig und ist nach einem Schlaganfall in ein Heim für betreutes Wohnen umgegezogen. Eine Geschichte, wo sie ihn in den Keller schickt, um Einmachgläser fürdie Marmelade, die sie gerade kocht, zu besorgen, den er dann nicht findet gibt es auch und eine, wo er sich in der Wohnung verwirrt, dann aber noch rechtzeitig in der küche auftaucht, ist als das Omlette fertig ist.

Birzarr, bizarr, könnte man sagen und Xaver Bayer hat einen eigenartigen Humor, wie auch Clemensj. Setz, der ja im Vorjahr im Öst stand, den er excellent ausdrücken scheint, in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich besonders spannend, ob er damit den Öst gewinnen wird, oder doch die Monika Helfer oder die Karin Peschka, mal sehen ich bin wieder gespannt!

Inniger Schiffbruch

Jetzt kommt Buch neunzehn des dBps “Inniger Schffbruch” des Buchpreisträgers von 2015, dem 1955 in Wiesbaden geborenen Frank Witzel, von dem ich schon in einem Kommentar geschrieben habe, daß man in ihm, glaube ich, sehr gut den Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Schreiben feststellen kann und es ist auch ein Paradebeispiel für den Midlifekriseroman eines älteren berühmten Schriftstellers, weil ja 1955 geboren, sich mit der Geschichte Deutschland, der Geschichte seiner Familie und natürlich auch mit seiner Biografie auseinandersetzend und während die Ärztin Melitta Breznik, die letzten Tagen ihrer Mutter, die sie pflegte, mit ihren körperlichen Gebrechen schildert, geht es Franz Witztel sehr kompliziert und wie schon der Titel ausdrückt mit verschiedenen Metaphern an.

Seine Eltern sind gestorben, zuerst die Mutter, dann der Vater und es beginnt mit einem Traum von einem Rhinozeros oder Nilpferd, das man auch auf dem Cover sieht, dann geht er zu seiner Therapeutin und das ist vielleicht wieder etwas untypisch und erzählt ihm von der Trauerarbeit die er jetzt leisten will, die ist damit unzufireden und er wirft es ihr vor und dann geht es mit vielen Tiermethphern und noch mehr Träumen durch seine Lebensgeschichte und das Aufbruchsdeutschland der Neunzehnhundertsechzigerjahre, interessant, daß Eva Sichelschmidt und Stefanie Grengg etwas Ähnliches in ihren letzten Büchern versucht haben. Der Vater, ein Organist, Komponist und Geiger soll auf der Visitenkarte stehen, die ihm der Sohn viel später zu einem seiner Geburtstage schenkt, war ein Sammler und hat sein Leben akribisch in vier Tagebüchern aufgeschrieben, so daß der Sohn sehr viel zu ordnen und zu sichten hat.

Die Mutter aus dem heutigen Polen kommend, hat dagegen viel weniger hinterlassen und der Sohn macht sich nun daran, die Familiengehemnisse zu ergründen, was zwangsläufig zu der Frage führt, ob ein Schriftsteller das überhaupt kann und wieder interessant, die Art und Weise, wie Frank Witzel, das beschreibt und überlegt, ob man ein Buch über die Eltern mit einem Traum von einem Rhinozerus beginnen und mit einem erhängten Eichhörchen enden lassen kann und das hat sich auch nicht genau an dem Tag erhängt, wie es der Schriftsteller in seinem Buch beschreibt.

“Darf man das?”, fragt Frank Witzel und fügt hinzu, daß es der Leser ohnehin nicht merken würde und ich füge einige Rezensionen an, die sich darüber empörten, daß Witzel sie mit seinem Buch mit seiner Vergangheit belästigt, was sie nicht interessieren würde.

Es geht auch um die Frage oder die Selbstzweifel, ob Witzel jetzt ein guter Schriftsteller ist und für den Vater war es, wie schon geschrieben, daß seine große Karriere nicht klappte, später wurde er dement, kam mit der Mutter in ein Seniorenheit und Witzel geht Kapitel für Kapitel, die Stationen seines Lebens anhand der Aufzeichnungen und der Bücher, die er gelesen hat, durch.

Er hat einen jüngeren Bruder, als der geboren wurde, gab es eine Katze, die Mutter gab sie weg, weil es Geschichten gibt, daß sich Katzen auf Säuglinge legen und diese dadurch ersticken. Später fand Witzel eine tote Katze auf der Straße. Im mütterlichen Nachlaß gab es das berühmte Buch “Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind”, das ich auch im Nachlaß meiner Mutter oder schon früher fand. Meine Mutter hatte, da meine Schwester1942 geborene noch das Originale, später hieß es dann “Die Mutter” und das berüchtigte “deutsche” wurde weggelassen. Ein solches hatte Witzels Mutter für ihre in den Fünfzigerjahren geborenen Kinder, der Vater hatte ein Buch wo den Jungen damals die Sexualität schlecht erklärt wurde und Witzel, der intellektuelle hat gelesen und gelesen und zieht seine Lektüre nun in seinem dritten Roman über die Vergangenheitsbewältigung, der zweite ist mir entgangen, ein.

Da ist einmal das “Kind” von Thomas Bernhard, dann Ingeborg Bachmanns Kriegstagebücher, Adorno war schon früher dran, Imre Kertesz kommt vor und und alles was einem so in den letzten Jahrzehnten durch die Hände kam und in seine Erinnerungen einbeziehen kann.

Ist das Thema ja sehr interessant, so daß es nicht nur Witzel, sondern wie erwähnt auch andere Autoren beschäftigt, die darüber schreiben und die Vergangenheit erobern wollen, was natürlich wie Witzel es in seinem Titel benennt, ein Scheitern bleibt und die Innigkeit beschreibt die Gefühle, die, was ich interessant fand, auch durchaus ein Intellektueller haben kann, auch wenn er sich mit Philosophen statt, wie es Melitta Breznik tat, mit dem Bluthockdruck, den Stützstrümpfen und den Fieberkurven beschäftigt.

Mir hat das Buch trotz seiner manchmal etwas kompliziertheit und seiner Distanz mit der es wohl geschrieben ist, glaube ich, fast besser gefallen, als “Der manisch depressive Teenager im Sommer 1969”, obwohl das Thema und die Herangehensweise durchaus nichts so neu ist.

Witzel ist das, glaube ich, doch gelungen, obwohl das Buch, wie ebenfalls schon beschrieben in der Buchpreisliste, im Gegensatz zu 2015 ziemlich unbemerkt geblieben ist, jetzt bin ich trotzdem fast mit der Liste durch und bevor ich zum heurigen Siegerbuch und meinem letzten “Buchpreisbuch” komme, gehe ich zur österreichischen Liste, denn da habe ich ja noch sehr viel hinunterzulesen und bin gespannt, wie das jetzt mit der Preisverleihung am neunten November wird, da es da ja dann schon das Ausgangsverbot ab acht Uhr gibt, da wird es dann wahrscheinlich keinen Livestream geben, den Namen wird man aber wohl schon erfahren.

Mutter

Nun kommt schon Buch drei der österreichischen Buchpreisliste, obwohl ich noch zwei der deutschen zu lesen habe, aber die”Chronik eines Abschieds” der in Karpfenberg geborenen Melitta Breznik, die vom Beruf Ärztin ist und wenn ich mich nicht irre auch einmal die Partnerin Norbert Gstreins war, der ein Buch über sie geschrieben hat, ist ein Printbuch und da ich gelegentlich auch mal in die Badewanne gehen will, ahabe ich es zwischen den Netgalley Exemplare, die jetzt auf mich warten, schnell eingeschoben.

Abschiede, Tod der Mutter, des Vater, Bücher über das Sterben der eigenen Eltern werden ja ofter von Schriftstellern geschrieben, die damit die Trauerarbeit bewältigen, ich habe mich nach dem Tod meines Vaters, den ich ja auch einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter betreut habe, schreibend damit beschäfigt. Elfriede Haslehner hat über den Tod ihrer Mutter geschrieben und mir das Manuskript, glaube ich, zu einem meiner Geburtstage gebracht, Julian Schutting und und- glaube ich, daß es auch sehr wichtig ist, sich mit dem Tod und dem Abschiednehmen, das ja jeden einmal betrifft, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo alles so durcheinadergeht, Operationen aufgeschoben werden um Covid 19- Betten freizuhalten und man seine Anghörigen in der Sterbphase oft nicht besuchen darf, zu beschäftigen.

Ich habe, das, glaube ich, auch sehr intesiv gemacht, habe ich ja auch in der Zeit, wo ich meinen Vater betreute im Geratriezuentrum am Wienerwald Pflegehelferinnen in Pschologie unterrichtet, wo auch Sterbeseminare enthalten waren.

Melitta Breznik von der ich schon “Figuren” gelesen habe, tut das sehr knapp in vierzig Kapitel mit einem Vor- und einem Nachwort, die oft mit dem Wort “Mutter” beginnen. Im Oktober ruft die an, sagt, es geht ihr nicht gut, sie ist vor kurzem in eine seniorengerechte Wohnung gezogen, Melitta Breznik recherchiert gerade an einem Buch, hat ein freies Jahr will sich aber um eine Stelle in der Psychiatrie in der Schweiz, wo sie lebt, bewerben, so ruft sie den Bruder an, der in der Nähe der Mutter lebt, weil sie aus Erfahrung weiß, daß es der Mutter nach Anfällen oft schnell wieder besser geht.

Diesmal aber nicht, der Bauch ist geschwollen, dieMutter erbricht, kann nichts mehr essen, ein Krebs wird diagnostiziert.Bei meiner Mutter war das, als ich zu Oster 1991 von einer Japanreise zurückgekommen bin, ebenso.

Bei Melttta Brezniks Mutter dauert das Sterben länger, die Tochter übernimmt die Pflege. Die Mutter verlangt das auch von ihr, will niemanden anderen, als sie für die Körperpflege haben, Melitta Breznik fühlt sich oft überfordert dabei, berät sich mit befreundeten Ärzten ist erstaunt, daß die Mutter zu den Kirchenglocken, die zu hören sind, das “Vater unser” betet, sie ist im Alter wieder zur Religiositöt zurückgekommen, bei meiner Nutter war das ebenso.

Der junge Pfarrer besucht die Mutter, läßt für sie extra die Kirchenglocken läuten, Weihnachten naht allmählich, Melitta Breznik ist es jedoch gelungen, eine Pflegehelferin zur Unterstüzung zu engagieren. Sie geht in ihre Kindheit zurück, denkt an den trinkenden Vater von dem sich die Mutter scheiden ließ, einen Selbstmordversuch gab es auch und als Melitta Breznik noch zu Schule ging, hat die Mutter sie zur Abtreibung gezwungen.

Jetzt wäre das Kind schon erwachsen, Melitta Breznik hat keine Kinder, ihr Bruder, der sie bei der Pflege unterstützt, glaube ich, schon, die Haushaltshilfe kommt und verabschiedet sich von der Mutter und einer der letzten Sätze laute “Aufgewacht um halb vier am 1. Dezember – Mutter ist fortgereist für immer.”

Ein sehr eindrückliches Buch, das helfen kann mit den eigenen Schmerzerfahrungen fertig zu werden, aber auch anderen sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ob es der Mutter wirklich recht wäre, daß andere Leute über ihre Intimitäten lesen, darüber läßt sich diskutieren und auch über die Frage, wieviel man bei solchen Bücher verfremden muß und ob das, was dann herausskommt, noch authentisch sein kann.

Auch darüber, ob es ein Roman ist, wie es natürlich bezeichnet wird, “Chronik deines Abschiedes” der Untertitel passt natürlich besser. Ich würde es wieder als Memoir bezeichnen und auf der Orf oder Ö1- Bestenliste ist es im Frühjahr, glaube ich, auch gestanden. Auf die Shortlist des Öst ist nicht gekommen und jetzt geht es wieder zurück nach Deutschland, aber da, glaube ich, auch um das Abschiednehmen, bevor es mit der Öst weiter geht, wo der Preis ja am neunten November, meinem siebenundsechzigsten Geburtstag, verliehen wird.

Streulicht

Nun kommt schon oder erst Buch achtzehn des dBps, das fünfte Shortlistbuch und eines das im Vorfeld hochgelobt wurde.

Das Debut der 1988 in Frankfurt am Main geborenen Deniz Ohde, die eine türkischstämmige Mutter hat und das ein Thema unfaßt, das eigentlich ziemlich klar und selbstverständlich istund auch nicht so neu, sondern schon hundermal diskutiert und beschrieben wurde und, daß ich zugegeben nicht im literarischen sondern eher im soziologischen pschologischen Sinn auch schon oft gehört habe, nämlich daß Arbeiterkinder in den Schule diskriminiert werden, daß sie viel weniger, als die aus Mittelschicht und Bildungsfamilien zu einem höheren Schuzlabschluß kommen. Daß sie, wenn sie schon auf dem Gymnasium sind, dieses öfter abbrechen und, daß es Kinder mit Migrationshintergrund auch sehr schwer haben und oft als sekundäre Analphabeten, die Schule verlassen und dann zu Problemjugendlichen werden ist auch nicht ganz so neu. Man denke nur an die Bücher der Susanne Wiesinger, wo ich ja auch eines auf meinem Stapel habe, weil es mir die liebe Doris einmal in die Hand steckte.

Neu ist vielleicht das Erstaunen, daß das Debut, das wie die Autorin selbst erwähnte, autobiografischen Hintergrund hat und vielleicht auch Schuldgefühle auslöste.

“Ach je, ist das so? Das haben wir ja gar nicht gewußt!”

Vielleicht trifft das für die Leser zu, die sich mehr für das Sprachexeriment und nicht so sehr für die Gesellschaft interessieren und deshalb ist es auch sehr gut, daß das Buch nicht nur auf Shortlist gekommen ist, sondern auch den “Aspekte-Literaturpreis” gewonnen hat.

Ob es so unbedingt literarisch ist, weiß ich nicht und ich habe mir eigentlich öfter gedacht, daß weiß ich alles schon und habe es zum Beispiel in den Siebzigerjahren in Christa Stippingers “Kress” gelesen, das ich ja dann unter einem anderen Namen auch einmal im “Augustin” endeckte und stimmt oder stimmt nicht mehr, hat sich doch inzwischen auch einiges geändert, die türkisch oder afrikanisch etcetera stämmigen Kinder mit Migrationshintergrund schließen wahrscheinlich immer öfter das Gmnasium, beziehungsweise die Uni ab und schreiben dann sogar Romane, die im ersten Anlauf auf der Shortist landen und den Lesern ein wahrscheinlich schuldbewußtes “Wow!”, entlocken und so ist es auch der wieder namenslosen Ich-Erzählerin gegangen, die wahrscheinlich viel mit ihrer Autorin gemein hat, eine türkisch stämmige Mutter, einen Arbeiter, als Vater der sein ganzes Leben das Industriegebiet wo es das titelgebende Streulicht gibt, nicht verlassen hat. Die Tochter schon und deren Freunde Sophia und Pikka, zwei Mittelschichtkinder, was schon mal ein bißchen ungewöhnlich und vielleicht auch heute noch nicht so ganz realistisch sind, heiraten.

Deshalb kehrt sie an den Heimatort zurück, erinnert sich an ihre Kindheit und die verpatzen oder schließlich doch geglückten Gelgelenheiten. Denn sie ist mit Zehn aufs Gymnasium gekommen. Ist dort aber immer hinter der strahlenden Sophia gestanden und wenn Herr Kaiser, der Französischlehrer Markt “qu`est- ce que ce?”, fragte, hat sie ihn lange nicht verstanden.

Hat sie sich doch beim Lernen schwer getan und in ihren Eltern wahrscheinlich auch keine Förderer gehabt. So verläßt sie die Schule, bricht sie ab oder wird auch hinausgeschmissen. Um dann später zuerst den Realschulabschluß, dann noch die Oberstufe abzuschließen und schließlich doch zu studieren. Das wird in Rückblenden erzählt und dabei wird auch viel Familiengeschichte eingeblendet. Der Vater trinkt und ist ein Sammler, weil er wegen der Kriegserfahrungen, die wahrscheinlich schon der Großvater hatte, nichts wegwerfen kann. Die Mutter ist verstorben und andere Trauma und Schwierigkeiten gibt es auch.

Ein interessantes Buch kann ich schreiben, bin gespannt, ob es auf die Bloggerdebutshortlist kommt und mich nur wiederholen, daß mich das Echo der Leser etwas erstaunte, weil das hier geschriebene für mich eigentlich selbstverständlich war und es eigentlich schön ist, daß man seine Matura und sein Studium auch im zweiten Bildungsweg schaffen und, daß man es mit seinem Erstlingsbuch gleich auf die Shortlist schaffen kann, viele der Rezensenten hätten Deniz Ohde auch den Preis gewünscht, ist auch sehr schön und etwas was ich mir noch immer wünsche, aber nie erreichen kann, weil ja demnächst mein fünfzigsten selbstgemachtes Buch erscheinen wird.

1000 Serpentinen Angst

Buch siebzehn des dBp und eines der drei Debuts und wow, was für ein Buch könnte ich ich schreiben, das Erstlingswerk der 1985 in Weimar geboren Olivia Wenzel, die in Ostldeutschland von einer weißen Mutter aufgezogen wurde und einen sambischen Vater hat.

So ein Buch hat es schon von Jackie Thomae hat es schon im Vorjahr auf die Shortlist gebracht und als ich die Besprchung bei “Papierstau” hörte, wo ich noch lange nicht so weit mit dem Lesen war, dachte ich, das ist ein sehr ähnliches Buch und habe mich wieder einmal sehr geirrt.

Ist es nicht, es ist ein beachtliches Erstlingwertk einer jungen Frau mit einem sehr sehr ungewöhnlichen frischen frechen oder auch was immer Stil, das viele Themen anschneidet und absolut noch nichts von einer Struktur und einem Plot etwas gehört zu haben scheint. Ich würde es auch nicht Roman nennen, sondern wahrscheinlich wieder Memoir, greift es wahrscheinlich ja viele Themen und biografische Punkte seiner Autorin auf und hat einen rassanten ersten Satz, wo ich noch mit dem Thomae Vorurteil behaftet schon einmal “Wow!” dachte “Mein Herz ist ein Automat aus Blech”, lautet der nämlich. Dann geht es nach New York und zur TrumpWahl, von der man ja jetzt in zweiter Runde wieder sehr viel hört. Dann zurück nach Berlin, ist teilweise, wie ein Seitenkatalog oder ein Fragenbogen gestaltet, dann hat es wieder Fließtextanteile und kurze knappe abschnitte und sehr viel Englisch und, das ist auch sehr interessant, es hat dem gestrengen Kritiker vom Literaturcafe wegen seiner Ungewöhnlichkeit gefallen und ich, die ich ja schon ein wenig älter und auch konventioneller bin, ein wenig verwirrt. Das Buch wird aber sicher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich es eher schnell und flüchtig gelesen habe, maches überflog und mich dann wieder bei anderen Rezensenten und Vloggern nach ihren Eindruck erkundigte.

Die Autobiografie aber bleibt und ist wahrscheinlich prägend, da ist die Protagonistin, ich glaube, sie hat keinen Namen, aber einen Zwillingsbruder, der sich umbrachte, einen Vater aus Angola, der bald wieder in seine Heimat verschwand, aber zum Geburtstag mailt, eine SED- getreue Großmutter, als es die noch gab, die die Enkeltochter liebevoll “Schokokrümelchen” nannte, eine Mutter, die Punkerin war und jetzt reist diese, ich glaube, Dreißigjährige, die auch als Lehrerin in Neukölln arbeitet, nach New York und dann wieder nach Berlin zurück. Sieht am Flughafen einen Mann, der sich vielleicht einen Sprengstoffgürtel überschnall und geht zur Security, als sie zurückkommt spielt er mit drei Kindern und man denkt “Wow!”, es gibt Kim, die vietnamnesische Freundin, die auch von ihren Rassismuserfahrungen erzählt.

Richtig, es ist ein Buch über Rassismus und über die Mikro- oder Makroaggressionserfahrungen dieser Welt, die die jungen Leute von heute wahrscheinlich stärker oder ganz anders, als ihre Großümütter erleben.

Im letzten Teil ist die Protagonistin, dann schwanger und reist nach Vietnam, vorher hat sie, weil an Angst- und Panikstörungen leidend, einige Therapien durchgemacht, ein Freund, der Psychoanaltiker ist, hat sie dazu gezwungen, sie erwischt aber wieder einige falsche, nämlich auch rassistische, die sie und ihr Problem nicht verstehen. Mit den Psychopharmaka ist es ähnlich.

Das Automatenbild kommt immer wieder vor und andere verschiedene Rassismuserfahrungen und immer wieder diese Fragebögen oft in Groß- und Fettschrift geschrieben, die von manchen Rezensenten als rapartig interpretiert wurden.

Interessant, interessant, würde ich sagen, auf die Shortlist ist es nicht gekommen, obwohl es mir wahrscheinlich besser als Jackie Thomaes “Brüder” gefallen hat. Auf meine würde ich es aber wahrscheinlich auch nicht tun. Jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch alles von der Autorin hören oder lesen werde und natürlich auf das dritte Debut, Deniz Ohdes “Streulicht”, das auf der Shortlist war, sowie den “Aspekte-Preis” bekommen hat, für den, Olivia Wenzel, glaube ich, auch nominiert war und das, als Nächstes auf meiner Leseliste steht und natürlich bin ich auch gespannt, ob das Buch für die Bloggerdebutshortlist auserwählt wurde, denn dann hätte ich es schon gelesen.

Herzklappen von Johnson & Johnson

Mit Buch sechzehn des dBps geht es wieder nach Österreich und zum dritten Roman der 1989 in Graz geborenen Valerie Fritsch deren literarischen Aufstieg von der ersten “Textvorstellungen-Lesung” in der “Alten Schmiede” bis zur “Bachmannpreis-Lesung” 2015, ich hautnah verfolgte. Von Anfang an von der sprachgewaltigen Doppelbegabung der Autorin und Fotografin, wie ich in einer Rezension hörte, begeistert war, “Winters Garten” dann zu aufgesetzt, fast kitschig empfand und von ihren neuen Romanbei den O-Tönen hörte.

Davon sehr begeistert war, dachte, er würde mir besser gefallen und jetzt wieder etwas ratlos überblieb oder in den begeisterten Rezensionen las und mich fragte, ist es nun ktischig oder nicht und kann man einen Familienroman über transgenerationale Traumata, wie es Valerie Fritsch, glaube ich, in ihren Buchpreisskurzportrait nennt, so erzählen?

Man kann natürlich. Aber mich befriedigt es, glaube ich, nicht und wenn ich es mit den beiden anderen Büchern, die ich kürzlich über dieses Thema nämlich Eva Sichelschmidts “Bis wieder einer weint” und Stefanie Greggs “Nebelkinder” vergleiche, kann ich nur sagen, daß dieser Roman, der die Rezensenten sehr begeisterte, in Österreich wurde das Buch zum Ö1-Buch des Monats, daß es auf die Longlist kam, habe ich, wie auch bei “Winters Garten” erwartet, sehr ungewöhnlich ist und jetzt, denke ich, ich habe mich durch ein wahres Sprachrauschbuch gelesen.

Valerie Fritsch hat eine wirklich sehr ungewöhnliche, eigene Sprache, wie es auch Marlene Streeruwitz hat und die man wahrscheinlich gleich erkennt. Man kann fast jeden Satz anstreichen.

Da gibt es “Die müden Marionetten mit einem schwarzen Fleck auf dem Herzen”, “Das Weiß des Stoffes das auf dem Weg leuchtet”, “Die Mutter der in dunklen Nächten der Mond zu Kopf steigt” und und und.

Eine Handlung gibt es natürlich auch und die wird von Valerie Fritsch durchaus kunstvoll vollzogen und wenn ich das Buch mit der Sprachkunst der Andrea Winkler vergleiche, kann ich nur sagen, es gibt eine Handlung, denn es wird hier ja von Schuld und Sühne, von den Kriegopas, die in den weiten Russlands, mit der Heimaterde in der Tasche, mehr oder weniger zu Mördern wurden und mit dieser Schuld leben müßen und auch, um die Frage, wie es den Nebelkindern, den Töchtern und Enkeltöchtern damit geht?

Alma, die mondsüchtige, ist die Enkeltochter. Von Beruf Zeichnerin, heiratet spät Friedrich, bekommt von ihm Emil, das schmerzunfähige Kind, das, wie Superman allen Kinder voranstürmt, sich dabei an Herdplatten verbrennt, sich die Hand durchsticht, Dauerpatient in den Kliniken wird und der Mutter große Sorgen bereitet, während die Großmutter von ihrem Schmerz erzählt und der Großvater, der die titelgebenden Herzklappen trägt, die aber sonst irgendwie untergeht, irgendwann stirbt. Die Großmutter erschießt sich ein paar Tage später. Alma und Friedrich stehen vor der Beerdigung und dann möchte Alma mit ihrer Familie nach Kasachistan reisen, um die Orte zu erleben, wo der Großvater Wehrmachtsoldat war.

Eine originelle Handlung könnte man sagen und dann noch noch in dieser wortgewaltigen Sprache. Die Rezensenten sind begeistert. Auf die Shortlist ist das Buch trotzdem nicht gekommen. Beim Öst nicht einmal auf die Lange und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, würde sich die Realistin in mir, da doch mehr an die “Nebelkinder” halten, obwohl dieses Buch ganz sicher nicht so literarisch anspruchsvoll ist.

Von Vierjahrzehnten Freibord zur AK-Debutpreislesung

Der Vorteil vom Livestream-Schauen ist ja, daß man nach Belieben hin und her hoppel kann, was ich an sich gerne tue und da gab es heute durchaus ein abwechslungsreiches Programm.

Wolfgang Hermann in der “Gesellschaft für Literatur” habe ich dabei augelassen, denn ich fieberte ja eigentlich schon lange der Vorstellung der drei österreichischen Debutanten in der AK -Bibliothek entgegen, die es ja heuer zum fünften Mal gab.

Das erste Mal habe ich, glaube ich, versäumt, weil Ilse Kilic gleichzeitig den Veza Canetti-Preis bekommen hat. Bei den drei anderen war ich und habe mich anschließend bei Wein und Brötchen jeweils mit derAngela und dem Josef über den besten Text unterhalten. Die Bücher hatte ich da, wie auch heuer zum Teil noch nicht gelesen, aber, glaube ich, alle oder die meisten nachgeholt und heuer gab es wegen den strengen Corona-Regeln überhaupt nur eine Livestreamlesung, das heißt, wie in Frankfurt, ein paar der Verlagsleute waren eingeladen und saßen weit auseinander, die anderen konnte es sich über Livestream ansehen.

Drei oder vier haben, das, wie bei den anderen Livestreamlesungen auch getan und ich freute mich, wie erwähnt darauf, hatte um fünf eine Stunde, um sieben fing es in der Arbeiterkammerbibliothek an und dann ist mir eingefallen, daß ich schon vor längerer Zeit von Gerhard Jaschke eine Einladung zum“Freibord-Maskenball mit Abstand” in die “Alte Schmiede” bekommen habe. Gerhard Jaschke hat also Humor, ich weniger und so habe ich ihm auch “Mit Maske eher nicht!”, geantwortet und bin dann daraufgekommen, daß die von Kurt Neumann noch initierten “Gesellschaftsräume der Literatur” nämlich die “Revue durch vier Jahrzehnte Resonanz und Produktionsraum” oder der Rundgang durch die seit 1975 entstandenen “Freibord-Produktion” schon um sechs begonnen haben.

thematisch passt es zwar nicht sehr zusammen, denn das “Freibord” istja eine sehr avantgardistische Zeitschrift und dann auch wieder nicht, habe ich doch drei Texte drinnen, denn ich habe ab den Neunzehnhun,,,dertachtzigerjahre und solgange ich noch Ausendungen machte, meine Texte immer wieder auch an Gerhard Jaschke geschickt , der mir, glaube ich, einmal auch einen lobenden Brief geschickt hat. Später habe ich ihn dann durch meine wahrscheinlich etwas provokante Art auch ein paar Mal verärgert, als aber das erste “Literaturgeflüsterbuch” erschienen ist, hat er es auch sehr gelobt.

Der 1949 geborene Gerhard Jaschke hat also 1975 mit seiner Frau Ingrid Wald, den ebenfalls versctorbenen legendären Dichter Hermann Schürrer, Camillo Schaeffer und, ich glaube, noch jemanden anderen das “Freibord”gegründet. Da gab es dann die “Edition Freibord”, eine Sonderausgabe und später nach dem Schlaganfall die kleinen “Feribord” und “FirebordHeftchen” und jetzt hat Gerhard Jaschke seinen Vorlaß, glaube ich, dem Literaturarchiv in Krems übergeben, so daß der Schweizer Fermin Suter, in der “AS” an einem Tischchen saß, Markus Köhle saß an einem anderen. Dazwischen Gerhard Jaschke und dann hat es mit Hermann Schürrer, dem Exzentriker, Josef Enegls Gedichten, Elfriede Gerstl, die mir ja auch einmal ein “Freibord” ihrer Werke schenkte oder es mit einem meiner Bücher tauschte, begonnen. Eine gute Stunde lang die wilde experimentelle Literatur, des letzten Viertels des letzten Jahrhunderts, die ich ja hautnah miterlebte, besprochen, während es dann in der abgespeckten Arbeiterkammerbibliothek mit zwei in den Neunzehnhundertneunzigerjahren jungen Leute und den älteren, sein Geburtsdatum habe ich nirgends gefunden, Gunther Neumann weiterging. Leander Fischer und die schon gestern gehörte Mercedes Spannangel stehen ja auch noch auf der öst. Debutpreisliste.

Die Leiterin der Bibliothek Ute Wödl eröffnete, dannn kamm der AK- Direktor Christoph Klein und hob wieder den Wert der Bildung und des Lesens vor, be–vor Ute Wödl dann die drei Nominierten vorstellte und ich dachte eigentlich, daß ich den der 1992 in Völklabruck geborenen Leander Fischer mir völlig unbekannt wäre.

Jetzt also den ersten Einblick in das umfangreiche Werk, in dem es sowohl um das Fliegenfischen, als auch um die Ermordung des Thornfolgers in Sarajewo geht. Ich bin also gespannt, werde aber noch eine Weile brauchen, bis ich zu dem Buch komme, weil es ziemlich weit unten auf meiner Leseliste steht, während ich von den schon älteren Gunther Neumann, der, glaube ich, eine diplomatische Karriere hinter sich hat, bevor er ans Debutpreisschreiben ging, schon bei den O-Tönen hörte.

In seinem Buch “Über alles und nichts” geht es um eine Pilotin und Mercedes Spannagel, 1995 geboren, habe ich, wie schon erwähnt, sowohl bei den O-Tönen als gestern in der Exil-Vorstellung in der “Gesellschaft” ,gehört. Sie las, glaube ich, dieselben Stellen aus “Das Palais muß brennen” obwohl sie ja gestern sagte, sie würde immer etwas anderes lesen und Ute Wödl fragte dann ins Publkium “Haben Sie sich schon einen Eindruck über den Gewinner gemacht?”

Ich habe nicht, dazu muß ich die Bücher erst lesen. Würde aber auf Leander Fischer schätzen, der wahrscheinlich der sprachexperimentellst,e ist und habe heute in meinem Zimmer eine große literarische Runde gemacht. Von Gerhard Jaschkes Avantgarde zu den drei Debutpreis-Büchern des Öst. DerPreis wird ja an meinem Geburtstag am neunten November vergeben. Ich hoffe, daß es da auch einen Livestream gibt und, daß ich mich bis dahin schon ein bisher durch die österreichische Liste gelesen habe. Derzeit lese ich ja Martin Peichls “Bierdeckelbuch” und gehe dann noch kurz zum dBp zurück, um da noch drei Bücher zu lesen, bevor ich zum österreichischen Buchpreis komme.

Die Dame mit der bemalten Hand

Jetzt kommt schon Buch fünzehn des dBps, das vierte Shortlistbuch und das dritte der 1966 geborenen Christine Wunnicke mit dem sie auf der Longlist stand.

2015 als ich mit dem Buchpreislesen begann war es “Der Fuchs und Dr. Shimamura”, 2017 “Katie”, alle in dem kleinen “Beerenberg-Verlag” und 2015 hat “Literaturen” über den “Fuchs”, den ich in einer Buchhandlung glesen habe, geschrieben, daß Christine Wunnicke nur Außenseiterchancen hat.

Das habe ich wohl auch geglaubt, denn die Bücher sind klein und dünn, graphisch sehr schön gestaltet und sie haben auch eher ungewöhnliche Themen beim “Fuchs” ging es um einen japanischen Pschiater bei “Katie”um den Spirtialismus und bei der “Dame mit der bemalten Hand” wird die Pyschiatrie und ihre Ungewöhnlichkeiten verlassen. Denn es geht nach Jaipur und ins achtzehnte Jahrhundert.

Christine Wunnicke hat einen historischen Stoff gewählt mit dem sie wohl das Nichtverstehen der verschiedenen Sprachen und Kulturen beschreibt und in Zeiten, wie diesen wohl zu größerer Toleranz aurruft und das tut sie mit einer sehr schönen nicht leicht verständlichen Sprache, so daß man sehr aufmerksam und konzentriert lesen muß, um sich in die Welt des Shortlistbuchs einzulesen, über das Sigrid Löffler am Buchrücken “Christine Wunnicke ist eine wunderbare unterschätze Romanautorin schreibt.” und das, glaube ich, inzwischen auch.

Es beginnt in Bombay im jahr 1764, wo der persische Astronom Meister Musa aus Jaipur, der eine Reise nach Mekka unternehmen will und vorher, um dafür das nötige Geld aufzubringen, einem Geschäftsmann ein sogenanntes Asterolabium verkaufen muß.

Auf der Insel Elephanta wo es nur Affen und Ziegen, sowie ein paar Einwohner gibt, findet er den deutschen Karthographen und Forschungsreisenden Carsten Niebuhr, der von 1733 bis 1815 lebte und 1761 von dänischen König auf eine arabische Forschungsexpedition geschickt wurde. Seine fünf Reisegenoßen sind inzwischen verstorben, er liegt mit Sumpffieber auf der Insel, wird von Meister Musa gefunden und die beiden versuchen sich nun in leidlichen Arabisch zu verständigen und sich kennenzulernen, was wie Christine Wunnicke meint, immer wieder zu großen Mißverständnissen führt, die sie gekonnt beschreibt.

Es gibt auch einen Diener, einen jungen Burschen, der die Beiden, die die Sterne beobachten, wo der eine nun das Sternbild Kassiopeia für eine Dame, der andere für eine hennarotgefärbte Hand, um den Titel zu erklären, hält, mit Hühnchen und Ziegenfleisch bekocht. Es gibt auch eine Großmutter und ihre Enkeltochter und am Schluß werden, die Beiden gefunden.

Carsten Niebuhr kann nach Deutschland zurückkehren und Bücher über seine Expedition schreiben und weiß am Schluß nicht mehr, auch ein Kunstgriff Wunnickes, die in ihrem Autorenportrait meint, daß sie dort, wo es keine geschichtlichen Fakten gibt, sich mit ihrer Phantasie behalf und die Geschichte erfunden hat, ob das, was er in Elephanta erlebte, real oder nur ein Fiebertraum war, während Meister Musa, auch Jahre später, in seiner Heimatstadt ein Buch des deutschen Forschers findet und da er die Sprachen genauso, wie die Mathematik liebte, seiner Tochter während sie ihr fünftes Kind zur Welt bringt, von dieser Geschichte erzählt.

Ein interessantes Buch, das mich sowohl an Trojanows “Weltensammler” als auch an marion Poschmanns “Kieferninsel” erinnerte, das es vielleicht nicht auf die großen besten Listen schafft, über das sich aber viel nachdenken läßt.

Herzfaden

Jetzt kommt Buch vierzehn der heurigen deutschen Buchpreisliste und das dritte Shortpreisbuch, mein vorhergesagter Favorit sozusagen “Herzfaden” des 1965 geborenen Thoms Hettche, der, glaube ich, in der “BachmannpreisJury war, als ich 1995 einmal live dorthinfuhr.

“Ludwig muß sterben” und “Unsere leeren Herzen” habe ich gelesen. Die “Pfaueninsel” mit der er 2014 auf der Longlist oder sogar auf der Shortlist stand noch nicht und jetzt ist er mit der Geschichte über die Augsburger “Puppenkiste”, was ein berühmtes mir bisher unbekanntes Marionettentheater ist, das auch für das Fernsehen spielte, wieder auf die Liste gekommen und ich muß sagen, mein Eindruck hat sich bestätigt, auch wenn es vielleicht mehr im Sinne der Petra Hartlieb ein Buch für die Massen. Für die Leserinnen beispielsweise, die als Kind den “Jim Knopf” gesehen haben, als für den experimentellen Literaturgeschmack geschrieben wurde.

Aber dafür steht ja Dorothee Elmiger auf der Liste und einen Kunstgriff, um diese Nachkriegsgeschichte zu erzählen, hat Thomas Hettche auch gewählt.

Einen sogar mit zwei Farben, in rot und in blau. Ich habe nur ein PDF gelesen, aber gehört, daß es in der Printausgabe auch so sein soll.

Es gibt sehr schöne Zeichnungen von Matthias Beckmann und Thomas Hettche hat in seinem dBp-Filmchen gesagt, daß er mit seinem Buch ein Märchen erzählen, beziehungsweise die “Magie der Marionetten” wiedergeben wollte. Deshalb auch der Titel.

Herzfaden ist der Marionettenstrang, den der Puppenspieler gebrauchen muß, um seiner Puppe Leben einzuhauchen und am Anfang ist mir der Stil auch tatsächlich sehr einfach, fast wie ein Kinderbuch erschienen, obwohl es um etwas viel Ernsthafteres nämlich das Aufwachsen im Krieg, was der 1931 geborenen Hannelore Oehmichen, der Tochter der Schauspielers Walter Oehmichen auch passierte.

Thomas Hettche hat aber einen, meiner Meinung nach, wieder sehr genialen Kunstgriff gewählt, um die Geschichte des Puppentheaters zu erzählen.

Da wird nämlich ein zwölfjähriges namenloses Mädchen, das mit seiner Mutter wo anders lebt, vom geschiedenen Vater in so eine Aufführung geschleppt und sie ist wütend und rennt ihm davon. Ist sie ja kein Kind mehr, was soll sie also mit so einem Puppenkram?

Sie gerät durch eine Tür auf einen Dachbodeen, dort hängen die marionetten und es kommt ihr eine mondäne Frau mit einer Zigarette entgegen und die freche Göre sagt auch gleich “Rauchen tut man nicht!”, wie sie später “Neger und Zigeuner sagt man nicht!”, also den politisch korreckten Jargon, den man offensichtlich in der Schule lernt, sagen wird.

Die Frau lächelt und antwortet “Zu meinen Zeiten schon!”, denn sie ist die 1931 geborene und 2003 verstorbene Hannelore Oehmichen, die, wie im Buch erklärt wird und bei “Wikipedia” steht, 1943 mit ihrem Vater den Schauspieler Walter, der Mutter Rose und der Schester Ulla, das erste Puppentheater im Schrank der Wohnung gegründet hat. Das ging im Krieg verloren und der Vater, der immer wieder dorthin mußte und weil er nicht schnell genug entnazifiziert wurde und deshalb nicht wieder an sein Theater, wo er Brecht spielte oder inszenierte zurück konnte, hat aus dem Krieg einige Puppen mitgebracht und gründete mit seiner Tochter 1948 dann die “Puppenkiste”, das heißt eine Kiste für die Puppen, so daß man sie überall mitnehmen konnte und nicht mehr zerstört werden konnten.

Die Tochter Hannelore “Hatü” genannt ist begeistert, beginnt selbst zu schnitzen. Zuerst werden Märchen, wie “Hänsel und Gretel” und “Der gestiefelte Kater” gespielt, dann den “Kleinen Prinzen” und zuletzt noch “Jim Knopf” von Michael Ende mit denen die Kiste auch ins Fernsehen und dadurch in alle Kinderzimmer Deutschlands kam.

Die kleine Hannelore, die später das Theater, das inzwischen ihre Söhne führen, auch vom Vater übernommen hat, erlebt den Krieg, sieht den Vater in diesen ziehen, sieht die jüdische Freundin verschwinden und die Frau Friedmann, die von der Gestapo abgeholt und verladen wird. Dann kommt die Nachkriegszeit und das Wirtschaftswundeer, auf einer Messe wird der Vater angesprochen, ob er nicht im gerade gegründeten Fensehen spielen will und es gibt den Kasperl, die erste Puppe, die Hatü schnitze und die spielt in dem Buch auch eine große, nämlich ambivalente Rolle. Wurde sie ja im Krieg geschnitzt und hat dadurch ein böses Gesicht bekommen, was sich auch in der zweiten märchenhaften Handlung äußert, denn die Puppen, die auf dem Dachboden ja lebending sind und mit dem Mädchen bevor es wieder zurück zu seinem Vater geht, kommunizieren. So klaut der Kasperl auch ihr Handy und Hatü erzählt dem Mädchen oder auch uns die Geschichte ihres Nachkriegslebens, sowie die Geschichte des Puppentheaters. Und ich denke, daß das ein Buch ist, daß zu Weihnachten sicher unter vielen Christbäumen liegt. Eines, das sich gut verkauft und auch für mich sehr interessant ist, denn ich habe keine Ahnung von einer “Augsburger Puppenkiste” gehabt und auch den Michael Ende noch nicht gelesen. Den “Kleinen Prinzen” habe ich einmal auf Französisch versucht, denn das war das Lieblingsbuch meiner Französischlehrerin, was sie auch ständig im Unterricht verwendete und die Zeichnung von der Schlange mit dem Napoleonhut auch auf die Tafel malte.