Und alles ohne Liebe

Daß wir in einem Fontane-Jahr leben, nämlich den zweihundertsten Geburtstag von Theodor Fontane, der am dreißigsten Dezember 1819 geboren wurde, habe ich schon während meines Leipzigsurfens mitbekommen, daß da schon ein paar Bücher erschienen sind, obwohl bis zum dreißigsten Dezember ja noch ein bißchen Zeit ist und jetzt ist ein kleines Büchlein “Theodor Fontanes zeitlose Heldinnen” zu mir gekommen, daß ich mir eigentlich nur bestellt habe, weil Burkhard Spinnen, der langjährige Bachmann Jurorvorsitzende, der Autor ist und ich da, glaube ich, den Namen Fontane eigentlich übersehen habe, obwohl nach der Wende, als Günter Grass sein “Weites Feld” geschrieben hat, das sich ja auch auf Fontane bezieht, ich alle meine Fontane-Bücher mit dem besten Vorsatz sie zu lesen, aus meinen schon damals großen Fundus herausgeholt und auf mein Bücherregal gelegt habe, wo sie sie eine Zeitlang lagen, bis sie wieder in den Regalen verschwunden sind und gelesen habe ich, fürchte ich, von Theodor Fontane nicht sehr viel und habe so nur das allgemeine Wissen über ihn, was man so hat, wenn man sich, wie ich, sehr für Literatur interessiert.

So kommt das kleine hundert Seiten Büchlein, das den Vorsatz hat, Theodor Fontane von seinem “Verstaubten Schulbuchimage” wegzuholen, wie in der “Amazon-Beschreibung steht, gerade richtig, obwohl, ich glaube, daß dem  1956 geborenen Burkhard Spinnen trotz allem Bemühen dieser Vorsatz nicht gelungen sind, denn die Fontanschen Heldinnen, die Effis, Jennies, Mathildes und, wie sie noch so alle heißen, sind im neunzehnten Jahrhundert verhaftet und das heutige Frauenleben ist, zum Glück, würde ich meinen, ein ganz anderes, es ist aber und das war wahrscheinlich, sowohl Absicht des Autors, als auch des Verlages, ein Schnellkurs in das Fontansche Werk, wenn man nicht, die Zeit hat oder sie sich nehmen will, sich durch die acht Berlin Romane des Autors zu lesen.

So hat es Burhard Spinnen für eine oder einen schön gebündelt und gibt, was man sowohl spannend, als auch nervig entpfinden kann, noch seinen Senf dazu, spinnt die Frauenleben weiter und denkt sich aus, was aus ihnen geworden wäre, zieht Verbinungen der einzelnen Heldinnen untereinander, etcetera.

Beginnen tut es mit dem Gedicht “Die arme Else”, dessen Refrain, dem Büchlein seinen Namen gegeben hat und dann geht es hinein in das Fontansche Leseleben von Burkhard Spinnen, bevor er in fünf Kapiteln, die Frauengestalten von acht Berlin-Romanen, die zwischen den Achtzehnsiebziger- und Achtzehnachtzigerjahren entstanden sind.

Und da beginnt es einmal spannend, bevor es für eine, die sich nicht wirklich mit dem Fontanschen Romanschaffen auskennt, etwas verwirrend wird, mit der Therese, der Sophie und der Manon und das sind die Töchter der Frau Poggenpuhl, die ist eine verarmte Aristrokratin, Mutter von fünf Kindern und Witwe, die den einstigen Wohlstand vortäuschend, verarmt vor sich hinleben und die drei zwischen siebzehn und dreißig Jahren alten Töchter, sich nicht unter ihrem Stand verhehlichen dürfen, also ledig und alte Jungfern bleiben. So habe ich Burkhard Spinnens Zusammenfassung verstanden.

Im zweiten Kapitel geht es wohl, um den berühmtesten Fontane Roman nämlich “Effi Briest”, die Ehebrecherin, die, weil sie mit siebzehn, als Kindfrau an einem wesentlich älteren Mann verheiratet wurde, diesen untreu wurde.

Brukard Spinnen verbindet die Effi  mit einer Cecile, aus einem anderen, wie er meint, weniger bekannten Fontane-Roman und die Gemeinsamkeit zwischen den beiden Heldinnen ist, daß sie an wesentlich ältere Männer verheiratet wurden und die Ehe brachen.

Dann geht es zu Stine und Lene, wie der Stine-Roman heißt, habe ich nicht ganz herausgefunden, der der die Lene zur Heldin hat, scheint “Irrungen Wirrungen” zu heißen und hier verweigern, die den unteren Schichten angehörigen Frau, den sie anbetenden Männern, die Hand und gehen daran zu Grunde.

Dann geht es zur Corinna und Jenny und die Jenny stammt aus dem Roman “Frau Jenny Treibel”, den ich, glaube ich von meiner Großmutter geerbt, aber nicht gelesen habe und eine Mathilde Möhring, die Spinnen mit einer Melanie verknüpft gibt es auch.

Die einzelnen Kapitel haben noch alle Titel, wie “Therese, Sophie, Manon oder: der Stillstand” bis zu “Melanie und Mathilde oder: selbst ist die Frau”, die die Spinnenschen Verknüpfungen erklären und ich vermute, daß dem Autor diese Verknüpfungen sicher Spaß machten, dem Leser, die hundert Seiten entweder eine kleine Einführung oder eine Auffrischung geben. Man sich aber jetzt an das Lesen, der Romane machen sollte, wenn, ja, wenn man die Zeit dazu hätte oder sie sich nehmen könnte und da mich meine übergroßen Bücherberge jetzt noch mehr als vor fünfundzwanzig Jahren am Lesen hindern werden, suche ich mir meine Fontane-Bücher jetzt gar nicht mehr heraus, obwohl man die Effi Briest und auch noch einiges andere natürlich lesen sollte.

Ganz klar, aber bis zum dreißigsten Dezember ist  noch etwas Zeit, da kommt noch Frankfurt dazwischen und bis dahin werden sicher noch einige Fontane-Bücher geschrieben oder sein Werk neu herausgegeben.

Privat versus politisch zum Tag der Freiheit des Wortes

Am zehnten Mai 1933 haben die Nazis, die Bücher der anders Denkenden verbrannt und als sich die GAV 1973 gegründet hat, hat sie diesen Tag zu einer Großveranstaltung gemacht, wo im NiG im Hörsaal eins, eine ganze Menge von Autoren dazu gelesen haben.

Gerhard Kofler, der damalige Generalsekretär hat diese Veranstaltung dann allmählich einschlafen lassen, was ich nicht wollte, so daß ich sie 2001 im NIG und dann von 2003 bis 2009 im Literaturhaus weiter organisierte, da ich aber nicht im Literaturbeteieb bin, von da nur wenig Untersützung im Literaturhaus hatte, habe ich mich , als die GAV entschloßen hatte, daß man nur mehr eine Veranstaltung pro jahr organisieren darf, für die “Mittleren” entschloßen, die ich inzwischen auch nicht mehr organisiere.

Das GAV-Büro, beziehungsweise Ilse Kilic oder Petra Ganglbauer haben dann die Veranstaltung was eigentlich sehr schön und wichtig ist, weiter organisert.

2010 hat mich Petra Ganglbauer zum Lesen eingeladen, seither wurde ich das nicht mehr und bin auch nur mehr sporadisch, hin und wieder, wenn es sich ergeben hatte, zu der inzwischen noch mehr abgespeckten Veranstaltung, die nun ein Thema hat, hingegangen und heuer hat es sich, obwohl Festwocheneröffnung, aber mein Herz schlägt ja für die Literatur und das Gratiskonzert am Rathausplatz hätte ohnehin erst später stattgefunden und so bin ich zu der von Ilse Kilic unter dem Thema “Das Private ist politisch” hingegangen und das Literaturhaus war auch sehr voll. Barbara Zwiefelhofer hat begrüßt und Ilse Kilic hat zehn Autoren und Autorinnen, darunter einen Film- und einen Musikbeittrag eingeladen und Jörg Piringners Film, den er über die Statements, die die Mitglieder über das, was die GAV für sie bedeuteten, machte, wurde Eingangs auch gezeigt. Da gibt es auch einen Beitrg von mir den Erika Kronabitter bei der letzten GAV-GV in der Schönlaterngasse aufgenommen hat und dann erklomm Ditha Brickwell das Podium und hat einen Text gleesen, den sie 2002 anläßtlich “nine elefen” geschrieben hat. Dann folgte Markus Köhle der einen Auszug aus seinem Buch “Jammern auf hohen Niveau” brachte und die mir bislang unbekannte Marlene Hachmeister, die einen sehr experimentellen Text zur Frauenfrage hatte.

Dine Petrik hat zwei Stellen aus ihrem Buch “Stahlrosen zur Nacht” vorgetragen und Fritz Widhalm hatte einen Film, in dem sich der Fritz mit dem Älterwerden, den Hörgeräte, die man dann braucht, etcetera, beschäftigte.

Sabine Gruber las eine Stück aus ihrem “Dalvadossi”, ein Buch mit dem sie auf der öst Bb stand und das ich in einem sehr zerflederten Zustand im Schrank gefunden und jetzt auf meiner heurigen Leseliste stehen habe, mal sehen, wann ich dazu komme, im Moment stehen die Zeichen dazu sehr gut. Monia Gentner las aus ihrem utopioschen Roman der im Jahr 2070 spielt, ein Stückchen, das, glaube ich, wenn ich mich nicht sehr irre, schon mal im Literaturhaus gehört ahbe.

Eleonore Weber, die Gedichte und einen Prosatext hatte, war mir bisher ebenfalls unbekannt und Kurt Mitterndorfers Text hat mir, weil realistisch am besten gefallen, weil er die Angst eines offensichtlichen Türken schildert, die er vor dem Schlafengehen hat, er schaut dann aus dem Fenster, sperrt die Türe mehrmals ab, geht essen, Zähnenputzen und dann ins Bett, wo dann die Flashbacks kommen, weil er offenbar einmal überfallen wurde und die ihn Überfallen “Wir finden dich, Kümmeltürke!”, zu ihm sagten.

Am Schluß kam Baml Joachim mit ihrer Band und wir haben einen sehr abgespeckten “Tag zur Freiheit des Worts” in Gedenken an die Bücherverbrennung von 1933 erlebt, mit einigen sehr starken und einigen eher privaten Texten, aber so ist,  wenn das Politisch privat oder das Private politisch wird und wir stehen, die ich mich ja auch im rechten Spektrum sehr umhöre und auch einen rechten Kritiker habe, fünf vor oder vielleicht schon nach zwölf, wie ich meine.

Das Leben ist aber trotzdem noch immer schön und die Festwocheneröffnung wahrscheinlich hochinteressant. Ich habe meines Beines wegen, das noch immer zemlich geschwollen ist, aber darauf verzichtet, im Bücherschrank aber zwei weitere “Wortreich-Bücher” darunter eines von Patrica Brooks gefunden, es war also heute ein schöner Tag, obwohl die politische Situation rundherum warhscheinlich alles andere als lustig ist und wer auch von mir etwas Privat-Politisches hören möchte, den lade ich sehr herzlich ein, am Dienstag in den “Republikanischen Club” zu kommen, wo ich aus meiner “Unsichtbaren Frau” lesen werde.

Dacia Maraini in der Gesellschaft für Literatur

Die Grand dame der italienischen Literatur, wie ich sie genannt habe, als ich sie vor zwei Jahren in der Hauptbücherei hörte, die 1936 in Fiesole geborene Dacia Maraini, die unter anderen mit Alberto Moravia befreundet war, hat heute ihr neues, wieder bei “Folio” erschienenes Buch “Drei Frauen” in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt und der Veranstaltungssaal oder die beiden Säle, es gibt ja auch einen Vorraum, wo bei Bedarf Sessel hingestellt werden und man dann nur wenig sieht, war sehr voll.

War ja nicht nur die “Gesellschaft” sondern auch das italienische Kulturinstitut und der Verlag die Veranstalter.

Ursula Ebel hat wieder eingeleitet, Andreas Pfeifer mit der Autorin gesprochen und übersetzt und Bettina Rossbacher die deutsche Übersetzung gelesen.

Es waren aber, glaube ich, viele  italienisch Sprechende  im Publikum. Gustav Ernst und seine Frau, die italienisch Übersetzerin Karin Fleischanderl habe ich auch gesehen und in den Buch geht es, wie bei meiner “Absturzgefahr”  und, ich glaube, auch in der “Miranda”,  um eine Mehrfrauen-Generation, die im selben Haushalt leben, bei mir sind es fünf, bei Dacia Maraini nur die Großmutter, die Mutter und die Tochter, sechzig, vierzig und siebzehn Jahre alt und die Großmutter, eine ehemalige Schauspielerin, die jetzt Spritzen gibt, weil das Theater keine Hauptrollen für sie hat, ist moderner, als die Tochter Maria, die Übersetzerin ist, sie übersetzt Madame Bovary, wurde das nicht schon längst ins Italienische übersetzt und schreibt Briefe an ihrem Freund Francois, weil sie das internet haßt, die Großmutter scheint es dagegen geläufig zu benützen und Lori, die siebzehnjährige, liegt mit ihrer Mutter in Clinch. Natürlich sie ist Mitten in der Pubertät und läßt sich einen Drachen auf den Rücken tätowieren, ist für Sex statt Liebe, während die Mutter für Romantik ist.

Diese drei Stellen wurden gelesen und immer wenn Andreas Pfeifer etwas mehr von der Handlung verraten wollte, hat eine Frau im Publikum auf Italienisch geschrieben, daß er das lassen soll.

Obwohl er nur verraten hat, was ohnehin im Programm steht, daß  im Buch dann ein Mann auftaucht, in dem sich alle drei verlieben und dadurch ihr Leben durcheinander kommt.

Das ist dann die Geschichte und der Spannungsaufbau und irgendeine, wahrscheinlich Maria würde ich vermuten, fällt ins Koma und kommt  dadurch wieder zu sich, weil ihr Madame Bovary vorgelesen wird.

Da hat die Stimme wieder geschrieen. Natürlich man soll lieber das Buch kaufen und signieren lassen, was auch sehr viele taten und um das Lesen ist es in dem Gespräch mit der Autorin, die eine sehr freundliche Frau ist, auch gegangen.

Warum man lesen soll? Damit die Verlage verdienen, ist wohl nicht die richtige Antwort und natürlich, wie es mit der italienischen Gesellschaft ausschaut?

Das war die erste Frage an die Autorin und da steht in der Zeitung und habe ich auch im Radio gehört, daß in Turin eine Buchmesse stattfindet und ein faschistischer Verlag daraus ausgeladen wurde.

Das hat mit dem neuen Roman von Dacia Maraini wohl nicht sehr viel zu tun, ist aber wahrscheinlich das, was die Leute interessiert und als ich in der U-Bahnstatin mein Buch aus der Handtasche genommen hatte, ich lese gerade, vielleicht ganz passend oder auch nicht, den Thilo Sarrazin, wurde ich von einer Dame unterbrochen, die mich auf die Lesung angesprochen hat, so daß ich mich eine Station lang mit ihr unterhalten habe.

Sie war sehr begeistert von der Grand dame der italienischen Literatur, der Feministin und Frauenrechtlerin, Alberto Moroavia hat dagegen ja eher traditionell geschrieben und hat nach österreichischen Vergleichsautorinnen gefragt? Da wäre mir nur die Jeannie Ebner eingefallen, weil die österreische Grand dame die Friederike Mayröcker und auch Elfriede Jelinek ganz anders schreiben und da wäre ich wieder bei meiner “Absturzgefahr” und meinen fünf Frauen gelandet, denn die sind ja der Roman im Roman und werden von einer Schreibtrainerin namens Fritzi Jelinek betreut.

Christine Lavant Ausstellung

Die 1905 geborene Christine Habernig, geborene Thonhauser,die sich nach dem fluß Lavant nannte und 1973 in Wolfsberg gestorbene ist, gehört sicher zu den österreichischen Ausnahmedichterinnen.

Krank und arm und möglicherweise sehr katholisch und sie ist auch eine der Dichterinnen, die Hilde Schmölzer in ihrem in den Siebzigerjahren erschienenen “Frau sein und schreiben” veröffentlicht hat.

Daher kenne ich auch den Namen, einen Gedichtband habe ich einmal in einem offenen Bücherschrank gefunden und im Literaturhaus hat es auch einmal eine Lesetheateraufführung gegeben. Jetzt gabs eine Ausstellung “Ich bin eine Verdammte, die von Engeln weiß”, die von Annemarie Türk kuratiert wurde.

Eine Lavant Gesellschaft gibt es auch und als ich so um dreiviertel das Literaturhaus erreichte war es schon sehr voll, obwohl ich extra beim Bücherschrank gewartet habe, um nicht zu früh zu kommen.

Den Kärntner Germanisten Klaus Amann, Leiter des “Musil Archivs” und Herausgeber der Lavath-Gesamtausgabe habe ich gesehen und Karin ,Ivancsiscs, Ljuba Arnautovic, Karin Peschka und und und lauter elegante Damen und Herren, die mir nicht viel sagten.

Die Ruth hat sich später zu mir gesetzt und mit den elften teil von ilse Kilic  und Fritz  Widhalms “Verwicklungsroman” übergeben. Robert Huez hat eröffnet, dann hat der Präsident der internationalen Lavant-Gesellschaft, Hans Gasser, ein paar Worte gesprochen und ein bißchen genauer hat dann Annemarie Türk in die Ausstellung eingeführt, die ich eigentlich von den zweisprachigen “Wieser-Ausgaben” und Kulturkontakt kenne.

Die Ausstellung, das hat schon Robert Huez in seiner Einleitung erwähnt, befaßt sich nicht so sehr mit dem Werk der Ausnahmedichterin, sondern mit den Zeichnungen, die sie selbst oder andere über sie angefertigt haben. Es gab aber in einer Vitrine ihre Schreibmaschine zu sehen und drei Filmbeispiele gibt es auch. Einer davon ist ein Schulfernsehfilm aus dem Jahr 1968, den Jeannie Ebner und Hermann Lein gestaltet haben.

Es gab nach der Einleitung ein Musikprogramm und zwar hat die Muskerin und Sängerin Ramona Kasheer, die ich, glaube ich, schon bei der letzten “Kritlit” im Weinhaus Sittl hörte, wieder vier ihrer Gedichtvertonungen gesungen und dazu erklärt, wie wichtig diese Texte für sie sind.

Es gab dann, wohl bei Ausstellungseröffnungen, zu denen ich ja nicht so oft gehe, üblich, ein Buffet, das heißt Gespräche mit der Ruth, dem Chemiker Manfred und einem Schulfreund vom Alfred.

Ein Begleitprogramm “Lavant Lesen I -III” wird es in den nächsten Monaten auch geben.

Mal sehen, ob ich zu einem zwei oder drei Prommapunkten komme? Es war jedenfalls interessant und so kann auch ich die Ausstellung, die es noch bis September im Literaturhus zu sehen gibt, wärmstens empfehlen.

Durch den Untergrund

Ich bin ja eine, wie ich immer schreibe, eine Stadtflaneurin,  die tapfer das U-Bahn und das Straßenbahnennetz und die damit verbundene sehr billige Jahresnetzkarten ganz besonders für die Pensionisten, ignoriert und die Stadt zu Fuß abläuft, weil man dadurch ja herrlich entspannen kann und sich die Welt von links und rechts von oben und auch vielleicht von unten ansehen und beispielsweise auch herausfinden kann, was die Rechten und die Populisten in Wahlkampfzeiten, wie diesen, ja ganz besonders gern behaupten, so bedrohlich ist, daß man sich vor Messerattacken schützen und als Frau allein am Abend und auch schon am Morgen mit Kopftuch, Pfefferspra oder männlicher Begleitung gehen kann.

Mitnichten, nichts davon habe ich gesehen, wenn ich auch am Abend, beispielsweise von der “Buch-Wien” in Praternähe nach Hause wandere, den angeblich so gefährlichen Praterstern durchquere oder mich auch in den sogenannten Problembezirken wie Ottakring oder Rudolfsheim-Fünhaus herumtreibe, denn ich gehe ja gern durch wien des Abends und des Morgens, nicht umbedingt spazieren, wenn ich nicht gerate für ein kommendes Work on Progress recherchiere, sondern eher zweckgebunden, also beispielsweise zum Begräbnis der Elfriede Gerstl oder Friedl Hofbauer auf den Zentralfriedhof, eine sehr lange Strecke, wie ich für nicht Ortskundige gleich anmerke, von oder zur “Buch-Wien” im November und fast täglich in die “Alte Schmiede”, Literaturhaus, “Gesellschaft für Lteratur”, Hauptbücherei, etcetera.

Peanuts also, weil sehr kleine Strecken und das Flanieren bildet, schärft den Blick. Man nimmt Stimmungen auf, bekommt impressionen für das nächste Werk, etcetera.

Ganz abgesehen davon, daß es auch sehr gesund ist, sich zu bewegen, eine der fünf oder was auch immer Säulen sich vor herzinfarkt, Demenz, Bluthochdruck, etcetera zu schützen.

Also ich bin eine, wie die, die mich kennen, wissen werden, Zufußgeherin,  und eine, die das öffentliche Straßennetz, die U Bahn und die anderen Öffis nur nützt, wenn sie muß, weil sie beispielsweise nach einer sechs Uhr Stunde noch immer einigermaßen pünklich in die “Alte Schmiede”, “Gesellschaft für Literatur”, etcetera kommen will.

So weit und what und seit dem zehnten März leider nicht mehr so ganz so gültig, denn da habe ich mich ja mit dem Alfred zu unserer, wenn wir in Harland sind, sonntäglichen Rad und Spaziertour auf die Rudolfshöe aufgemacht, bin am Rückweg ausgerutscht und drei Tage Landeskrankenhaus, wo ich in einem solchen schon fast sechzig Jahre nicht mehr als Patientin war, sechs Wochen Gips und obwohl der Fuß voll belastbar, trotzdem ein Veranstaltungsstop, sechs Wochen Pause vom Literaturbetrieb und außer zu “Literatur und Wein”, mit der Anna Geburtstagsessen und einmal ins Kino,  nur in der Praxiswohnung, ins Spital zur Kontrolle und auf die Bank, um die Zahlscheine aufzugeben und die Kontoauszüge abzuheben, gegangen.

So weit, so what und auch nicht mehr ganz aktuell, denn der Gips ist ja nach Ostern heruntergekommen, die begutachtende Ärztin zufrieden “Viel bewegen und viel eincremen!”, gesagt und  wieder hinein in den Veranstaltungsbetrieb.

Gleich am selben Tag mit der Hofburg und dem “Bruno Kreisky-Preis”, auf Betreiben des Alfreds zwar mit einem Taxi begonnen und die nächsten Tage soviel Abendstunden, daß es mit dem Veranstaltungsprogramm erst am Freitag darauf weitergehen konnte und da hätte eigentlich unser  literarischer Spazierung zur “Kunst im öffentlichen Raum” durch den Neunten stattfinden sollte und da habe ich schon beim Telefonat mit der Ruth gedacht, daß ich nicht ganz sicher bin, ob ich das schaffe, denn von der Idylle am Zimmermannplatz war bis zur Straßenbahn doch ein größeres Stück zu gehen.

Die Probe fiel aus, wie der gesamte Spaziergang, weil zu wenig daran interessierte Teilnehmer, es war aber gleichzeitig Bloggertag bei “Books 4life” und “Rund um die Burg” und so bin ich am “Wortschatz” vorüber zum 13 A gehumpelt, denn die nächste Zeit Öffis ganz klar.

Man muß ja nichts übertreiben, es geht auch nicht anderes und der Alfred hat mir auch, bevor er mit dem Karli nach <kuba abgeflogen ist, einen haufen Fahrscheine in die Hand gedrückt, die ich derzeit auch en masse gebrauche.

Denn der Fuß ist ja noch ein wenig angeschwollen und besonders das Stiegensteigen nach unten ist nicht so einfach. Es gibt aber U-bahn und Straßenbahnen, obwohl ich daraufgekommen bin, daß es, weil ich die ja bisher eher verweigerte, erst herausfinden mußte, wie ich zu meinen gewohnten Zeilen  mit den Öffis komme.

So bin ich bei “Rund um die Burg” vielleicht auch deshalb früher weggegangen, weil ich nicht so sicher war, wie das mit den Straßenbahnen ist und ich mit keinen Taxi fahren wollte und als ich es am Montag darauf wieder mit dem Literaturhaus probierte, mußte ich herausfinden, daß das nicht so leicht öffentlich zu erreichen ist, weil trotzdem etwas zu gehen und der 13 A wegen der Fußgängerzohne auf der Mariahilferstraße auch einen großen Umweg fährt.

Am Dienstag darauf war unser zweiter “Öffentlicher Kunst Spaziergang”, der eigentlich eine einzige U3 Fahrt mit Unterbrechungen war und daher, Stiegen, Rolltreppen, Lifte und, wo sich die befinden, mußte die bisher öffentliche Verkehrsmittel Verweigerin erst herausfinden und manchmal muß man doch die Stiegen hinunter, weil es die Rolltreppe nur in der anderen Richtung gibt.

Ein Bravourstück des Gehens, also am Dienstag vor einer Woche, das dann zu dem Entschluß führte, es am darauffolgenden ersten Mai, der Uli wird sich freuen, doch nicht mit dem Maiaufmarsch, wie ich es eigentlich wollte, zu versuchen, sondern brav zu Haus zu bleiben und meine Abreechnung, was ja auch sein mußte, zu machen.

Dafür am Donnerstag wieder ein Öffitag, weil eine Fortbildungsveranstaltung bei der WGKK am Wienerberg und wie komme ich dahin?

Zu Fuß kein Problem. Die Triesterstraße hinunter bin ich da schon mehrmals gegangen und es waren immer sehr angenehme Flaneurerlebnisse, aber mit den Öffis?

Nachgegooglet und recht lang gebraucht, obwohl ich es schon wußte, weil ich  schon einmal ausprobiert, daß es von der Meidlinger Hauptsptraße einen Bus dorthin gibt.

Also bis zur U4-Station Kettenbrückegasse hinuntergehumpelt, weil die Station Pilgramgasse, wo ich mit dem 13 A fahren könnte, durch den U- Bahnausbau bis auf weiteres gesperrt ist. Mit dem Lift zum Perron gefahren und die ersten Erfahrungen gemacht, wer diesen benützt.

Ältere Menschen und junge Frauen mit Hunden scheinen die bevorzugten Benützer zu sein, wie auch auf den Pickerl darauf angeschrieben steht, daß der lift für Gehbehinderte, Alte und Kinderwägen reserviert ist.

In den 63 A bin ich dann gleich einmal falsch eingestiegen und war schon fast beim Südwestfriedhof bis ich daraufgekommen bin, daß da etwas nicht stimmen kann. Also ausgestiegen und zurückgefahren. Aber macht ja nichts, denn es war ein schöner Tag und eine schöne Gegend. Obwohl ich  in den Festsaal der WGK im zehnten Stock, auch mit Lift natürlich, etwas zu spät gekommen bin.

Danach wollte ich in die “Alte Schmiede” und hatte die Wahl herauszufinden, ob die Zufahrt über Schweden- oder Stephansplatz günstiger, das heißt, kürzer ist?

Ich habe beides ausprobiert. Also zuerst Schwedenplatz, weil ich mich schon in der U-4 befunden habe und bin danach mit einer älteren Stammbesucherin, die eine Krücke benützte, zum Stephansplatz gegangen, weil ich noch auf die Bank mußte, um einige Zahlscheine einzuzahlen und es die schöne Bank gleich neben mir auf der Margaretenstraße, wo ich auch meinen Bankfreund hatte, nicht mehr gibt.

Also auch an diesem Tag sehr viel U-Bahn gefahren, Hinauf- und Hinuntergehumpelt und das U-Bahnleben, das ja seit sie die Junkies von der Station Karlsplatz vertrieben haben, derzeit von einigen Obdachlosen belebt zu sein scheint und sonst bevorzugt mit dem 57 A von der Oper bis zur Ziegelofengasse, obwohl man da auch ein Stückchen gehen muß und in die andere richtung ein größeres bis zur Schönbrunnerstraße und das war sehr wichtig herauszufinden, wie ich es machen will, als ich gestern statt in den “Republikanischen Club” oder in die “AS”, wo es auch tolle Veranstaltungen gegeben hat, doch in die “Gesellschaft” wollte, in die ich, auch wenn ich eine sechsUhr Stunde habe, meist zurecht klomme, wenn ich zu Fuß hingehe, da die  ja erst eine Viertelstunde später beginnen. Aber wie komme ich mit den Öffis hin?

Sehr umständlich und da bin ich zu Fuß wahrscheinlich schneller. Aber derzeit geht das nicht und eine sechs Uhr Stunde hatte ich auch.

Also hatte ich mich zu entscheiden, ob ich mit dem Bus zum Karlsplatz fahre oder, weil es schneller ist, zur U 4 hinunterhumpel und dann zweimal umsteige. Zuerst am Karlsplatz in die U1 zum Stephansplatz und dann mit der U3 bis zur Herrengasse, auch eine Station, was ich bisher noch nie machte und daher auch nicht sicher war, wo ich da ankommen werde?

Es ist sehr gut gegangen und ich bin auch, wieder mit einer Liftpremiere, nur ein bißchen zu spät gekommen und  am Rückweg nur zweimal U-Bahn. nämlich mit der U3 zum Stephansplatz und mit der U1 zum Karlsplatz und dann mit derm Bus bis zur Ziegelofengasse gefahren und den kleinen Umweg zum “Wortschatz” ließ ich meines Fußes wegen aus.

Am Montag, als ich im Literaturmuseum war und vorher die Kärntnerstraße bis zur Bank am Stephansplatz hinunterhumpelte, weil ich für den Alfred den Besen, den er sich beim “Blindenverband” bestellte und den ich für ihn auch eine Woche vorher von einem “Paket-Shop” auf der Reinpreichtsdorferstraße abholte, obwohl ich am Tag der Zustellung ganz sicher in meiner Praxis war und da auch immer aufmache, wenn es läutet, zu bezahlen hatte, habe ich den Umweg gemacht.

Der Fuß hat dann gejuckt, ich habe aber Isabella Straubs “Das Fest des Windrads”, ein Buch, das ich schon immer haben wollte, im “Wortschatz” gefunden und die  U- Bahn Rückfahrt am Dienstag war auch interessant, denn die Stationen sehr voll, so daß ich auf der Rolltreppe fast Platzangst bekommen habe. Drängten sich doch auf einmal hunderte italienisch sprechende Schüler, alle mit Anzug  und Krawatte und die Mädchen in einem festlichen Kleid bekleidet von einer Klosterschwester darauf, so daß ich mich “ein wenig fremd in meiner Heimat-U-Bahnstation fühlte”, obwohl man hier höchstens von von einem “Schüleraustausch” sprechen kann und ich im meiner vierten Hauptschulklasse mit dem selbstgenähten Dirndl auch vier Tage von meiner Lehrerin durch Salzburg und das Salzkammergut geleitet wurde.

Die Stadt  also sehr voll und die U-Bahnstationen sehr belebt und das Hinauf- und Hinunter bin ich schon gewohnt, weiß, wie ich mit den Öffis in die “Alte Schmiede”, ins Literaturhaus und in die “Gesellschaft” komme, weiß vielleicht auch, wo sich die Lifts befinden und, wo man trotzdem ein Stückchen, die Stiege hinunterhumpeln muß. Das Geldtascherl mit den Fahrscheinen ist noch voll gefüllt.

Die Idee mir eine günstige Pensionstenjahresnetztkarte zuzulegen, wurde mir bei unserem U- Bahn-Spaziergang beim anschließenden Umtrunk im Cafe Raimund auch nahegelegt.

Ich warte aber lieber trotzdem noch ein bißchen, bis die Schwellung abgeklungen ist und trainiere inzischen moderat, denn ich bin ja eine Stadtflaneurin und will das wieder werden, obwohl das U-Bahngeschehen und das Leben und Treiben im U- Bahnuntergrund für das literarische Schreiben sicher auch nicht so uninteressant ist.

Friederike Manners Romanbericht

Heute fiel die Auswahl wieder schwer, denn drei sehr sehr interessante Veranstaltungen, wo ich eigentlich zu jeder gern gegangen wäre. So sprach Helmut Rizy im “Republikanischen Club”, wo ich ja nächste Woche die “Unsichtbare Frau” vorstellen werde, über Primo Levi, in der “AS” wurde in der Grundbuchreihe Reinhard Federmanns “Himmelreich der Lügner” vorgestellt und in der “Gesellschaft für Literatur” wo ich jetzt schon sehr lange nicht war, Friederike Manners “Die dunklen Jahre”

“Friederike Manner, who is she?”, werden meine Leser vielleicht fragen. Noch nie etwas gehört von der 1904 in Wien geborenen, die sich dort 1956 das Leben genommen hat. Das gilt aber wieder nicht für mich und vielleicht auch nicht für die, die regelmäßig die Bücherschränke freqentieren. Lag doch dort vor einiger Zeit ein kleines buntes Büchlein aus einem “Forum-Verlag” “Lesen aber was?”, 1955 erschienen und da mich Bücher über Bücher ja sehr interessieren, habe ich begierig danach gegriffen. Es auch auf meine Leseliste gesetzt,  inzwischen von dort wieder  hinuntergenommen.

Der Name hat sich aber eingeprägt und auch das Bild von der verhärmt aussehenden Autorin mit Brille, ist sehr prägnat.

Sie wäre Lektorin, würde Rezensionen schreiben, weil sie leben muß, steht am Buchrücken, würde am liebsten aber schreiben und hat 1948 unter dem Pseudonym Martha Florian, den Roman “Die dunklen Jahre” herausgebracht  und mit dem nie davon gehört, habe ich wohl ein wenig übertrieben.

Denn wenn man ins Netz geht, findet man schon einige Rezensionen über den seit 1948 erstmals bei “Atelier” neuaufgelegten Roman und Erich Hackl, der gemeinsam mit der Herausgeberin Evelyne-Polt Heinzl, das Buch vorstellte, hat im “Standard” auch einen recht langen Artikel darüber geschrieben. Denn die 1904 geborene, die als Lektorin arbeitete, Gedichte herausgegeben hat und mit dem jüdischen Arzt Hans Brauchbar, von dem sie sich eigentlich scheiden lassen wollte, verheiratet war, hat in dem Buch über ihr eigenes Leben geschrieben.

Romanbericht, keine Autobiografie sagten die Herausgeber. Der Unterschied ist mir nicht ganz klar. Aber ich ja keine Literaturwissenschaftlerin. Jedenfalls wird das Leben und die Fluchtgeschichte ziemlich eins zu eins nacherzählt, wenn auch die Protagonisten Ernst und Klara heißen. Das Buch 1934 beginnt und 1945 endet und das Paar mit den beiden Kindern 1928 und 1930 geboren, 1938 flüchten. Klara oder Friederike bringen die Kinder in die Schweiz, der Vater geht nach Belgrad, die Mutter kommt zuerst in die Schweiz nach und geht später, als sie aus der Schweiz, weil mittellos ausgewiesen wird, auch nach Jugolsawien. Der Mann wird ermordet.

Friederike Manner kommt 1045 wieder nach Wien schreibt dort Rezensionen und auch das Buch “Lesen aber was?” und bringt sich 1956 um, weil sie in diesem Nachkriegsösterreich nicht mehr leben will.

Evelyne Polt-Heinzl diskutierte mit Usula Ebel, die Rezensionsgeschichte. Sie hat das Buch, das es nur in einer Literaturhausausgabe und nicht mehr antiquarisch gab, schon lange gelesen. dann gabs  eine Enquette dazu und jetzt ist es neu erschienen. Der Enkel, der Chirurg in Chicago ist und nicht mehr Deutsch spricht, hat sich bei ihr gemeldet und will jetzt das Buch auf Englisch herausbringen, daß er es lesen kann und  Ursula Scheidl hat zwei Stellen daraus vorgetrgen, die zeigten, wie schonungslos offen Friederike Manner, die “dunklenJahre” beschreibt.

Es ist auch von Selbstmord die Rede und ich habe mich gewundert, daß sie so offen darüber schrieb. Das Buch ist aber unter einem Pseudonym erschienen und Evelye Polt-Heinzl erklärte auch, was ich sehr interessant fand, wie schonungslos offen Friederike Manner auch mit den Rezensionen umgegangen ist. Die Kriegsgegner lobte, die Mitläufer und Reichsschriftkammerpräsidenten aber anprangerte.

Es gibt in den verschienene Archiven und Bibliotheken Briefe an Hermann Hesse und Karl Kraus, denen Friederike Manner ihre Gedichte schickte. Sie hat auch welche an Josef Weinheber geschickt, der ja ein überzeugter Nazi war, dem sie auch gefallen haben und Evelyne Polt-Heinzl erwähnte auch den in den Fünzigerjahren erschienenen Leseführer und meinte, daß es, wenn auch kleingedruckt und auf schlechten Papier, interessant zu lesen wäre und ebenfalls interessant, daß außer mir noch zwei andere Besucher, das Büchlein mithatten. Darunter ein Herr, der erzählte, daß er in den Fünfzigerjahren Lehrling in der Buchhandlung Frick war, in dessen Haus sich auch der “Forum Verlag” befand und er daher Friederike Manner öfter hinaufgehen gesehen hat.

Der “Atelier Verlag” überlegt auch die Herausgabe des Leseführers, aber da habe ich, dank dem Bücherschrank ja das Original zu lesen und nochmals interessant, wer sich im Publikum befand. Ljuba Arnautovic und Luis Stabauer, die ja über ähnliche Themen schreiben und Margit Heumann, die ich auch vorigen Donnerstag in der “AS” getroffen habe. Da habe ich noch Erich Hackls “Im Leben mehr Glück” gelesen, ein Buch mit Reden und Schriften, in das auch die Schrift über Friederike Manners “Das dunkle Leben” sehr gut passen würde.

Zweimal Literaturmuseum

Jetzt war ich schon länger nicht mehr im Literaturmuseum. Erstens hatte ich kein Veranstaltungsprogramm und zweites im März und im April eine Veranstaltunghspause, aber während wir bei “Literatur und Wein” waren, wurde dort wieder im dritten Stock eine Sonderausstellung “Wien – eine Stadt im Spiegel der Literatur” eröffnet und unten hielt der Kabarettist Alfred Döfler eine Vorlesung zur Literatur mit dem Titel “Kritik und Satire”, was mich, ich gebe es zu, im ersten Moment gar nicht so sehr interessierte, halte ich es ja nicht so sehr mit dem Kabarett.

Aber beim Uli kann man die Satire ja brauchen. Ein Alternativprogramm gab es auch nicht. Ich wollte die Ausstellung sehen und wenn es eine Veranstaltung gibt, kann man von sechs bis neun gratis ins Museum.

Aso noch immer ein wenig hingehumpelt, obwohl es zunehmend besser wird und dann bin ich, ich bin offenbar ein wenig orientierungslos, mit dem Lift in den zweiten Stock gefahren und habe eine Weile gebraucht, bis ich daraufgekommen bin, daß ich in der Dauerausstellung bin und das Ganze schon gesehen habe.

Aber Stefan Zweig und Karl Kraus gehören ja irgendwie auch zur Wiener Literatur, obwohl ich mir von der ja eher Friederike Mayröcker und Ernst Jandl erwartete. Die habe ich dann im dritten Stock gar nicht gesehen, aber eine Menge Krimibücher und eine Vitrine über Frederic Morton, dem ja die übernächste Veranstaltung gerwidmet ist, Doderers “Dämonen” lagen auf und die Bücher der Jelinek und einen Gang der “das Gehen” zum Thema hatte, gab es auch. da gab es einen Film wo Barbi Markovic aus einem ihrer Bücher las.

Aber solange habe ich mir dafür nicht die Zeit genommen, war es doch im Saal unten, als ich ihn, um viertel sieben betreten hatte, um meine Jacke zu deponieren, schon sehr voll und die Dame nebenan, die ich kenne und die schon einmal bei einer meiner Lesungen war, schnauzte mich an, ob sie für mich einen Platz frei halten sollte, als ich ihr sagte, ich gehe in die Ausstellung nach oben.

Alfred Dorfer ist also sehr begehrt und er hat auch, was ich nicht wußte, Theaterwissenschaften studiert un eine Diplomarbeit zum Thema “Kabarett und Totalität im Nationalsozialismus” geschrieben und jetzt erklärte er sehr vorsichtig was Kritik und Satire ist.

Satire ist nicht genereabhängig und die humorlosen Menschen wären nicht sehr intellegent.Ich halte mich trotzdem dafür, obwohl mir das wohl auch der Uli nicht glaubt und dann führte er ein paar Beispiele von Kararetts im Totaltarismus an und erklärte die Unterschiede. Bei Musolini hätte es eines gegeben und bis 1940 das “Wiener Werkel” und in der DDR gab es das auch.

Danach gab es viele Fragen aus dem Publikum, die wissen wollten, warum Alfred Dorfer in Zeiten von schwarz blau eins,  den “Donnerstalk” machte und was er von dem Kabarettisten Jan Böhmermann hält und Bernhard Fetz erklärte in seiner Einleitung auch einige Beispiele von Zensur, die es im benachbarten Ausland in der letzten Zeit gegeben hätte und welche Beispiele man in der Dauerausstellung sehen kann.

Sehr interessant und wieder was gelernt, denn Ironie, Sarkasmus und Zynisumus, die Begriffe die Alfred Dorfer auch noch erklärte, sind in Zeiten, wie diesen sicherlich sehr wichtig und sei es auch nur, weil man ihnen entgegen muß.

Im Leben mehr Glück

“Reden und Schriften”, des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl, der, glaube ich, mit “Abschied von Sidonie”, das inzwischen zur Schulbuchlektüre zählt, berühmt geworden ist und seither unzählige Bücher geschrieben hat, in denen er sich mit realen Schicksalen von Holocaust oder sonstwie Verfolgte beschäftigt.

Aus dem letzten diesbezügliche Buch am Seil” habe ich ihm sowohl im Literaturhaus als auch in Göttweig lesen gehört, jetzt sind bei “Digoenes” sozusagen seine “Gemischten Schriften”, eine Ansammlung aus mehreren Jahren und Jahrzehnten erschienen, in denen man sich gut durch das Werk und die Denkweise Hackls lesen kann, der ja ein sehr kritischer Schriftsteller ist, sich nicht nur für den Holocaust als auch für die lateinamerikanische Literatur interessiert und auch sonst glaube ich ein sehr gesellschaftskritischer Autor ist, der unter anderen auch den “Wildgans-Preis” bekommen hat.

Die “Reden und Schriften” sind in vier Abteilungen gegliedert. In der ersten die “Heimatkunde”, ein derzeit ja sehr aktuelles Thema, heißt, werden in einem “Alphabet der Auslassungen” mehrerer bekannter oder auch unbekannterer Dichter, die, wie Franz Kain oder seine Tochter Eugenie zum Beispiel, das Leben Hackls geprägt haben, erwähnt.

Dann geht es in “Geschichte, die immer erst anfängt” um drei stayrische Widerstandskämpfer und dem Fußballer Rudi Strittich hat Hackl auch eine Geschichte gewidmet.

Erich Hackl ist den Spuren des im achtzehnten Jahrundert lebenden spanischen Komponisten Sebastian Duron nachgegegangen und zieht Verbindungen zum spanischen Bürgerkrieg.

Die nächsten Texte sind dann den Spaniern gewidmet, die in Mauthausen interniert waren und auch im Holocaust umgekommen, während sich der letzte Text der ersten Abteilung “Im Leben mehr Glück” einem uruguayischen Gewerkschafter widmet, der während der urugayischen Militärdiktatur mit seiner Familie Asyl in Österreich hatte und in der Praterstraße wohnte.

In der Abteilung “Andenken” gibt es viele Grabreden, die Erich Hackl bevorzugt zu halten scheint. Bei einer, bei der von Friedl Hofbauer, 2014 nach Ostern am Zentralfriedhof war ich anwesend, bei der von Eugenie Kain in Linz-Urfahr nicht, da gab es nur eine Gedenkleseung im Völkerkundemuseum, im Rahmen der Volksstimmefestlesungen.

Erich Hackl hat aber auch die Grabreden für Leopold Spira und seinen Freund, dem Spanienkämpfer Hans Landauer gehalten und eine Rede zum neunzigsten Geburtstag der  Zeitzeugin Dagmar Ostermann im Theater Hamakom, wo ich ihn ja auch aus der “Familie Salzmann” lesen hörte.

Die Laudatio an den Kramer-Preisträger Fritz Kalmar, die 2002 in Krems stattfand, wo Erich Hackl dessen Roman “Das Wunder von Büttelsburg” in Beziehung setzte, habe ich auch gehört und da hat mir der Autor, wenn ich mich nicht irre, meine beiden Kinderbücher “Lore und Lena” und “Mutter möchte zuwanzig Kinder” abgekauft.

Ob er sie gelesen hat, weiß ich nicht, er ist aber viel beschäftigt, kommen doch noch viele Reden auf bekannte oder unbekannte Schriftsteller, der nächste ist der Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der 1993 in Zürich gestorben ist, von dem ich auch noch nie etwas gehört habe, obwohl ich mich ja vor einem halben Jahr und auch so recht intensiv mit der Schweizer Literatur beschäftigte.

In “Im Blick eimmer ein Gegenüber”, geht es um den Fotografen Dieter Masuhr, der die Krisengebiete Nicaragua, Bosnien und Palästina bereichst und auch schriftstellerisch tätig war.

Dann kommen noch zwei mir unbekannte Autoren, nämlich die Rezenson von Günther Weisenborns “Der Verfolger”, wo einer sich mit einem Holocausttäter auseinandersetzen will, das aber an mangelnder Zeugenaussagenbereitschaft nicht kann und um das Leben des 1907 in Wien Alsergrund geborenen Arztes Paul Engel, der nach Südamerika emigrieren mußte, dort unter den Namen Diego Viga zu schreiben begonnen hat, was aber, wie Erich Hackl, der sich eine Verbreitung seiner Werke im österreichischen Sprachraum wünscht,  nicht sehr bemerkt wurde.

Dann kommen Texte zu Fred Wander, Ruth Klüger, für die Hackl wieder eine Laudatio gehalten hat und Jura Soyfer, wo Hackl beklagt, daß ihn der Literaturprofessor Schmidt-Dengler nur für einen literarischen Außenseiter gehalten hat.

Dasselbe gilt auch für den mir bisher unbekannten Richard Zach, einen steirischen Dichter und Widerstandskämpfer, der von den Nazis hingerichtet worden ist.

Die nächste Abteilung heißt “Auf einen anderen Kontinent”, geht nach Südamerika und da werden mir zum größten Teil unbekannter Dichter erwähnt. Hackl erwähnt aber auch Gisela Tenenbaum, über die er das Buch “Als ob ein Engel” geschrieben hat, das ich einmal vom Otto geschenkt bekommen habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist.

Er hat “Vor mehr als drei Jahrzehnten”, wie er 2011 schrieb, die Dichterwerkstätten Nicaraguas besucht, die vom damaligen Kulturminister Ernesto Cardinal gegründet wurde und der den sogenannten “Laiendichtern” Regeln wie “keine Reime, konkrete Begriffe, Eigennamen von Ortschaften, Flüßen und Leuten, sehen reichen hören, schreiben wie man spricht, keine Gemeinplätze, Sprache verdichten, keinen Superlativ und subjektive Gefühle objektive beschreiben gab”.

Regeln die eigentlich sehr logisch sind und an die man sich vielleicht auch anderswo halten sollte.

Eine “Rede auf Alfredo Bauer”, der 1924 in geboren, 2016 in Buenos Aires gestorben ist und2002 den “Kramer Preis bekommen hat, gibt es auch und in einem argientinienschen Altersheim hat er 2017, die hunderthährige Hedwig Lüftig besucht, die 1938 Österreich verlassen mußte.

Der letzte Teil des Buches ist den Dankesreden gewidmet. Hackl hat den “Kreisky”,  den “Solothurner Literaturpres”, den “Ehrenpreis für Toleranz im Denken und Handel des österrreichischen Buchhandels”, den “Adalbert Stifter” und wie schon erwähnt den “Wildgans-Preis” und wahrscheinlich auch andere, dessen Reden im Buch nicht enthalten sind, bekommen.

Er zeichnet sich, wie ich schon beim “Wildgans-Preis” merken konnte, durch durchaus kritische Reden dabei aus und das Buch ist, möchte ich zusammenfassen, durchaus spannend und interessant zu lesen, weil man sich dabei  ein gutes Bild über den kritischen Dichter, der sich vor allem für die Verfolgten und Unterdrückten einsetzt, machen kann und am Dienstag, kann ich gleich flüstern, wird es in der “Gesellschaft für Literatur” eine weitere Hackl-Rede und zwar über die Neuauflage der “Dunklen Jahre”, den seit 1948 erstmals wiederaufgelegzen Exilroman, von Friederike Manner, die 1904 in Wien geboren wurde und sich dort 1956 das Leben nahm, geben.

 

Die Gastgeberin

Die 1962 im Burgenland geborene Karin Ivancsics, die von 1986 bis 1989 Lektorin im “Wiener Frauenverlag” war, als er noch nicht “Milena” geheißen hat und noch keine Männer verlegte, kenne ich, glaube ich, aus dieser Zeit und wahrscheinlich aus der GaV, war bei einigen ihrer Lesungen in der “AS”, bei den “Wilden Worten” und in der “Gesellschaft“, habe auch einige ihrer Bücher, gelesen, die ich mir meisten aus Abverkaufskisten oder Bücherwänden gezogen habe, “Aufzeichnungen einer Blumendiebin” hat sie mir, glaube ich, geschickt und als sie jetzt aus ihrem neuen, bei der “Bibliothek der Provinz” erschienenen Roman “Die Gastgeberin”,  nochmals bei Richard Weihs gelesen hat, ich aber wegen meines Gips nicht kommen konnte oder wollte,  hat sie mir auch dieses Büchlein geschickt, so daß ich mich fast, als eine Expertin, der auch in der “Fried-Gesellschaft” engagierten Autorin, die auch für die GAV, die in “Memorian-Lesungen” organisert und die in einer Mischung zwischen realistisch und experimentell schreibt, bezeichnen könnte.

Oder auch nicht vielleicht, denn “Die Gastgeberin”, die ein schönes Cover mit  August Mackes “Portrait mit Äpfel”, ziert, hat mich etwas ratlos zurückgelassen, weil Karin Ivancsics, glaube ich,  vieles offen und der Leserin, die Deutung überläßt.

Wenn die dann noch zufällig Psychologin ist, weiß sie damit viel oder auch nur wenig anzufangen. Es ist aber eine Geschichte, die sich mit dem Leben und dem Tod beschäftigt.

Da hat sich ja erst vor kurzem Robert Seethaler im “Feld” mit den Toten beschäftigt und hat sie aus dem Gräbern sprechen lassen. Bei Karin Invacsics, ist es der Monolog einer Frau, die sich aus dem Leben zurückgezogen hat, weil sie ein Trauma, eine Psychose oder auch etwas anderes hat.

Sie kann jedenfalls nicht schlafen, obwohl sie schon die Lichtlampen, Medikamente und auch Psychotherapie ausprobiert hat und die nach außen, sie hat offenbar Malerei studiert, auch ein unauffälliges präkäres Leben führt.

Sie gibt Kurse an der Volkshochschule, am Donnerstag oder Freitag. Die restliche Zeit verbringt sie schlaflos in ihrer Wohnung. Der Kühlschrank ist leer. Sie wird aber von der Nachbarin Marie versorgt und von ihrem besten Freund Max angerufen, der sich mit ihr treffen will. Sie zieht sich aber ins Bett zurück und ist von ihren Erinnerungen, das heißt ihren Toten umgegeben, wird sie doch am Buchrücken, die “Totenflüsterin”, genannt.

So ist auch ihre Wohnung von Felix und Elsa und noch einer Reihe von toten Künstlern bevölkert, die sie nicht schlafen lassen und unruhig durch ihr Leben ziehen.

Elsa war ihre Schulfreundin, die mit fünzehn an Leukomie verstorben ist und dann gab es noch eine Julia, die ebenfalls an Krebs verstarb. An die hat die Erzählerin einen Brief geschrieben, beziehungsweise kommt er an sie zurück. Marie, die eine Portion Lasagne bringt, übergibt in ihr und die Erzählerin hat sowohl an den Pfarrer und an den lieben Gott geschrieben, um nachzufragen, wieso er die Menschen zu sich holt und nun irrt sie schlaflos in ihrer Wohnung herum und fragt sich, wo Julia bleibt und warum sie nicht, wie Elsa zu ihr kommt?

Sie hat vielleicht auch Schuldgefühle, weil sie sich zu wenig, um sie gekümmert hat.

Dann kommt es aber zu einem tröstlichen Ende, Julia erscheint und teilt mit, daß die Toten beschloßen haben, sich aus der Wohnung zu entfernen und die Erzählerin somit Max und dem Leben zurückgeben.

So habe ich mir die hundertfünfzig Seiten, die ich mehr für eine Erzählung, als für einen Roman halten würde, gedeutet.

Es könnte aber auch ganz anders sein, läßt Karin Ivancsics ihre Erzählerin ja mit ihren Lesern kommunzieren und schließt ihr Buch mit den Worten “Erschrecken Sie nicht, wenn ich bei Ihnen klopfe, machen Sie mir ruhig auf. Was aber, wenn ich Ihnen sage:  Ätsch, gar nicht wahr, habe mir alles bloß zusammengeträumt. Und was, wenn ich Sie morgen zu einem Konzert in meinen Salon einlade – Amy singt “Love is a losing game” und Prince begleitet sie auf der Gitarre -, würden Sie kommen? Den Preis für die Eintrittskarte kennen Sie, Elsa und Felix werden Sie abholen.”

Der Sänger

Jetzt kommt wieder ein biografischer Roman, nämlich einer über den 1904 in Dawideny geborenen und 1942 in einem Schweizer Internierungslager verstorbenen Sänger, Joseph Schmidt, der mit seinem “Ein Lied geht um die Welt” in den 1930 Jahren einer der berühmtesten Sänger Deutschlands war, obwohl er mit seinen etwas über einem Meter fünfzig eher kleinwüchsig war und daher für die berühmten Tenorpartien auf der Bühne  nicht wirklich geeigent.

Der 1944 in Bern geborene Schweizer Autor Lukas <hartmann, der mir bei meiner Schweizer Literaturrecherche wohl entgangen ist, hat ihn geschrieben und bei “Diogenes” herausgebracht, wo er vor kurzem erschienen ist.

Von den berühmten Tenor, der in einem Schweizer Internierungslager schmählich gestorben ist, habe ich schon früher etwas gehört und es war es auch sehr interessant sich in diese Sängerbiografie einzulesen.

Lukas Hartmann scheint sehr sorgfältig, wie er in seiner Danksagung erwähnt, dafür recherchiert zu haben. Es sind auch einige schon erschienen Biografien über den Sänger angegeben, an denen und in einigen Archiven er sich orientiert hat und ich denke, daß es wohl immer etwas schwierig ist, bei einem Roman über eine wirklich gelebt habende Person, die Fakten von der Fiktion zu unterscheiden.

Das 1942 in Frankreich beginnende Buch liest sich aber leicht und flüßig. Da ist der schon etwas schwächliche Sänge, dessen Stimme nicht mehr die beste ist, bei einer Familie untergebracht, der er ein Abschiedskonzert gibt. Am nächsten Tag oder Abend wird er mit seiner Freundin Selma und zwei anderen Flüchtlingen, die Flucht über die Schweizer Grenze versuchen.

Dort ist man aber nicht mehr so freundlich zu den jüdischen Flüchtlingen, hat Angst vor Hitler und spricht auch davon, was die Flüchtlinge den Schweizern kosten, daß das Boot voll ist oder, ob sie wirklich so bedroht und gefährdet sind?

Das klingt, als hätte Lukas Hartmann von den rechten Blogs abgeschrieben und Josef Schmidt wird auch wirklich, als er die Schweizer Grenze passieren will, mit seinem inzwischen ungültigen rumänischen Paß, er ist in der Bukowina geboren und dem deutschen oder österreichischen, wo ein “J” hineingestempelt ist, abgewiesen.

Ein Flüchtlingshelfer, der an seinem guten Anzug, das Vermögen erkennt, spricht ihn an und bietet ihn an, ihn mit seinem Auto über die Grenze und dann in einem anderen bis zum Genfer Bahnhof zu bringen, wo er nach Zürich erster Klasse weiterfährt, um von den Kontrollen Ruhe zu haben. Dort muß er sich bei der Polizei melden, wird in ein Internierungslager gebracht und wird dort, wegen seiner Prominenz aber nicht sonderbehandelt, sondern ganz genau wie allle anderen Häftlinge auch. Das heißt, er muß arbeiten und auf seinen geschwächten Gesundheitszustand wird zuerst nur wenig Rücksicht genommen.

Einer seiner Mithäftlinge ist Manes Sperber. Es ist auch ein Arzt und ein Sanitäter dabei, die ihm dann doch in das Kantonspital Zurüch bringen. Da trifft er wieder Selma, die Krankenschwester Sophie ist sehr freundlich, der Assistenzarzt, der ihn untersucht, stellt eine schwer Laryngitis fest, eine Herzschwäche scheint auch dazu zu kommen. Der Professor weigert sich aber ihn genauer zu untersuchen, spricht von Simulanz und Schmidt muß obwohl ein jüdischer Arzt sehr heftig protestiert, in das Lager zurück. Dort wird er zwar in eine Pension überstellt, wo sich die Wirtin liebevoll, um ihn kümmert. Es ist aber schon zu spät, denn Schmidt stirbt am 16. November 1942.

Dazwischen gibt es immer wieder kursiv gedruckte eingestreute Sznen, die sowohl von einem der Verantwortlichen, dem seine Hände gebunden sind, als auch von einer sich inzwischen in einem Altersheim befindnen älteren Dame handeln, die als junges Mädchen in dem Dorf, wo sich das Lager befand, wohnte, von dem internierten Sänger für den sie mit ihrer Freundin schwärmte, erfuhr und sich wünschte, daß er für sie singen oder ein Konzert in dem Dorf geben sollte.

Sehr interessant, in Zeiten, wie diesen, wo man ja wieder so viel von den Flüchlingen, der Migration, der Überbevölkerung und dem “Bevölkerungsaustausch” hört, vom Schicksal Josef Schmidts zu lesen und auch davon, daß die Schweiz vielleicht gar nicht so hilfreich zu den jüdischen Emigranten war, wie ich es immer in der Schule gehört habe.