Startertag

Die Sommerfrische ist vorbei, wir sind nach Wien zurückgekommen, die Fenster sind geputzt und am Dienstag in der Schreibgruppe habe ich den Beginn der ersten Szene meiner “Unsichtbaren Frau” geschrieben.

Da bin ich ja am letzten Sommerfrischendonnerstag mit dem Korrigieren meiner “Fortsetzungsgeschichten” fertiggeworden und jetzt ab in das neue Projekt?

Da habe ich ja schon geschrieben, daß ich das  eigenlich im November im Zuge des Nanowrimos machen wollte und jetzt ein wenig skeptisch bin, was ich bis dahin machen soll? Wieder Material sammeln, Szenen schreiben oder gleich einsteigen und dann im November vielleicht schon fertig sein und den Nano zum Korrigieren verwenden?

Da habe ich auch geschrieben, daß ich mir diesmal nicht zwei Monate Zeit bis zum Beginn, was ich dann  ohnehin nicht schaffte, nehmen wollte, sondern gleich beginnen. Allerdings bin ich jetzt auch beim doppelten Buchpreislesen und sollte da  auch einiges tun, denn, ich glaube, es liegen an die zehn Buchpreisbücher in meinen Bad und wahrscheinlich nicht sehr viel weniger PDFs und Neuerscheinungen, die aufs Lesen warten.

Aber natürlich will ich beides machen. Am Morgen lesen, dann Praxis und schreiben und am Abend zu Veranstaltungen gehen, die ja auch bald beginnen. So ist ja mein Rhythmus und daran halte ich mich auch.

So habe ich am vorigen Montag, bevor ich ins Weinhaus Sittl zu dem “Joe Berger-Abend” gegangen bin, mir das graue Notizbuch, das mir der Alfred in Lindau am Bodensee gekauft hat, durchgeschaut und schon ein paar Eintragungen gemacht, beziehungsweise mir die Struktur meines neuen Proekts überlegt.

Das ist ja irgendwie ein Überbleibsel der Forsetzungsgeschichten. Denn dort wollen Lily Schmidt und Slavenka Jagoda ja einen Blogroman über eine unsichtbare Frau schreiben und am Montag ist mir, glaube ich, so ungefähr eingefallen, daß die Amanda Siebenstern heißen wird, acht- oder neunundzwanzig jahre alt ist, vergleichende Literaturwissenschaft studiert hat und jetzt als prekäre Germanistin in einer Ottakringer Zimmer Küche Wohnung wohnt. Sie war ein paar Jahre Lektorin in Segedin, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der VHS Ottakring und was ja jetzt nicht so klar ist, ist die Frage, wer sind jetzt die Protgagonisten?

Lily und Slavenka in New York oder Amanda in Wien, die sich Nachts mit Donald Trump im weißen Haus trifft oder Sebastian Kurz, beziehungsweise H. C. Strache bei ihrem Wahlkampf begleitet und, daß der Blog von einem amerikanischen Professor an der Standford Uni, namens Jonathan Smith, beobachtet wird, habe ich auch geplant, aber wen beobachtet er, den Blog von Slavenka und Lily oder den der Amanda Siebenstern?

Am Dienstag habe ich,  nachdem klar war, daß das Thema “Muße -Muse” und nicht unsichtbar war, mit der Slavenka Jagoda begonnen, die Szene dann am Mittwoch, glaube ich, fertig und in meinen Textordner geschrieben. Denn es soll  diesmal kein Blogroman werden und da war dann schon die Idee, die zweite Szene gilt der prekären Literaturwissenschaftlerin Amanda Siebenstern und am Freitag hatte ich keine Stunde.

Also ideal ihn mit einem weiteren Ritual mit dem ich meine neuen Sachen gerne starte, zu beginnen.In Wien herumfahren oder laufen, Recherchen machen, Leute beobachten, plotten, aber auch zm Mc Donalds gehen, einkaufen, shoppen Touristin spielen, das habe ich  im Mai und Juni, als der Alfred in Amerika war, intensiv gemacht.

Diesmal wußte ich nicht so recht, ob ich das wirklich will? War auch etwas unruhig, wegen der Post, denn ich warte  noch auf einige Bücher und habe dann immer Angst, daß sie verloren gehen. Bin aber so um neun losgestartet. Da habe ich noch geglaubt, es gebe um fünf eine Venisage in der “Alten Schmiede” und geplant, das vielleicht zu kombinieren oder zu dort zu beenden. Dann bin ich daraufgekommen, daß die Vernisage möglicherweise in Budapest stattfindet und dort wollte und konnte ich auch so schnell nicht hin.

Also eine kleine Runde und ich habe da auch meine bevorzugten Wege. Einer wäre sicher eine Bücherkastentour, aber dann schleppe ich nach und nach einen Haufen Bücher mit mir herum und habe dann keine so rechte Lust mehr zum weiterforschen. Die Hauptbücherei und da die Ecke mit den Zeitungen ist auch so ein Ort. Da habe ich schon öfter recherchiert und diesmal brauche ich  auch Material aus Zeitungen.

Wie ist das mit Donald Trumps Plänen, die mekikanischen Einwanderer zweiter Generation zurückzuschicken? Wie mit dem Nordkoreakrieg oder den österreichischen Wahlkampf?

Das läßt sich  nicht so ad hoc herunterschreiben. Amanda geht ins weiße Haus und weckt den Präsideenten auf und diskutiert mit ihm darüber?

So bin ich schnell am Sand oder an der Wand. Also in die Hauptbücherei  Zeitung lesen und zuerst wollte ich das Ganze mit einem Frühstück beim Mc Donalds beginnen, weil ich da ja Gutscheine hatte und ich das auch gern tue. Also in Richtung Kettenbürckengasse und “Wortschatz” aufgebrochen und da ist mir eingefallen, ich könnte ja, wenn sie schon offen hat, die Buchhandlung in der Margaretenstraße aufsuchen und nach dem Leseprobenbüchlein zum öst Buchpreis fragen.

Die hatten es im letzten Jahr zwar nicht, heuer aber schon und so bin ich etwas später mit einen kleinen Caffe Latte und einem Bacon Toast, der eigentlich eine Flade ist, im Fritz Grünbaum Park gelandet und habe mir meine zweite Szene,  ausgedacht.

Danach Mariahilferstraße und “Thalia”, die Bücher die dort liegen anschauen, sich über die ärgern, die noch nicht gekommen sind und vielleicht auch nicht kommen und sich über die anderen freuen und dabei auch die vorwiegend Kundinnen beobachten. Richtig, für meine unsichtbaren Frau-Geschichte bringt mir das nicht viel. Aber das Ganze ist  offenbar ohnehin ein Startertag. Ein bißchen herumlaufen, schauen und Gutscheine einlösen, bevor es beginnt.

So bin ich  zum Westbahnhof und dann in die Hauptbücherei, wo ich mir diesmal drei Zeitungen nahm. Sonst schreibe ich dort immer nur in mein Notizbuch und ein paar Themen herausgesucht. Da gibt es ja auchzwei Video der  FPÖ “Neulich bei den Hubers”, das die Amanda sehen könnte, nachdem sie von der Volksshochschule nach Hause kommt.

Dann zum offenen Bücherkasten in die Westbahnstraße. Richtig, diesmal wollte ich nur eine kleine Tour und habe dort genausowenig etwas gefunden, wie beim “Wortschatz”

Macht ja nichts, denn ich muß jetzt  ohnehin Buchpreislesen und werde so das “Powerbuch” in dem es, glaube ich, auch um das Netz und Blogs geht, das ich mal im Schrank gefunden und mir gedacht habe, das könnte ich als Recherchelektüre nehmen, vorerst nicht lesen.

Dann bin ich über das Museumsquartier in die Stadt und dort zu dem japanischen Fastfoodrestaurant in der Rotenturmstraße. Da ich dort, als ich vorige Woche zum Delphintheater und zum Volkstimmefest ging, gesehen habe, es gibt was Ansprechendes  um 4.90 und sich damit an den Donaukanal in die dort bereitstehenden Liegestühle setzen.

Es war ja sehr heiß und schön nur leider hat mich der junge Japaner nicht ganz verstanden, als ich nachdem er die Box mit den Knusperbällchen vollgefüllt hatte, sagte, ich wolle auch noch, wie angeschrieben Reis dazu. Eine Frau hat mir dann auch gebratenen Reis oder Nudeln geben wollen und dann, als ich sie fragte, ob sie keinen weißen Reis hätten, damit eine andere Box ziemlich angefüllt und mir nur oben ein paar der saucenlosen Knusperstücke draufgelegt, so daß das Mahl ziemlich trocken war.

Trotzdem noch einmal Mc Donalds und einen Smoothie Gutschein beim Mc Cafe einlösen. Dort konnte ich den Barrista beobachten, wie er einen Kollegen einschulte und dabei ziemlich wild mit der Schaummilch hantierte, so daß die Theke überall vollgeschüttet war und nicht sehr appetitlich aussah.

Sicher sehr interessant und vielleicht auch einmal einbaubar.

Danach zurück, um meinen Lesern von meiner heutigen Recherche zu erzählen und dann vielleicht mit der zweiten Szene zu beginnen, bevor ich in die Badewanne gehe, um dort Uwe Timms  “Ikarien” zu  lesen, damit ich möglichst bald wieder zu den deutschen Buchpreisbücher komme und da wurde bereits die Shortlist festgelegt, die am Dienstag verlautbart wird.

Da würde ich mir rein nach dem Mainstreamfeeling Zaimoglu, Bonne, Lüscher, Regner, Schulze und als Quotenfrau Poschmann vorstellen können.

Auf den Blogs höre ich auch immer, daß Franzobel große Chancen hätte und da habe ich inzwischen auch das PDF bekommen.

ich selber habe seit der Bekanntgabe ja nur fünf Bücher gelesen, weil Zaimoglu und Wolf  schon im Frühling gelesen wurde und werde morgen mit Michael Wildenhain weiterlesen, dann kommen  Sven Regner und endlich, worauf ich mich schon freue, Robert Menasses “Hauptstadt” dran.

Bei “Nach Onkalo” warte ich  noch immer, ob nicht doch noch  das Buch kommt, bevor ich mich an das PDF mache.

Ich bin gespannt und lese auch bei den offiziellen Bloggern eifrig nach, die jetzt ihre Rezensionen langsam einstellen und schon einiges gelesen habe.

Das hindert vielleicht ein bißchen in den eigenen Roman hineinzukommen, umsomehr, wenn man unwillkürlich denkt, “Wird ohnehin nichts!”, aber das will ich ignorieren und arbeite auch hart daran, in die Sache hineinzukommen. Sei es  im September und Oktober oder erst im November, das ist egal und Material sammeln ist diesmal besonders wichtig.

Da lenkt das Lesen ein wenig ab, stimmt schon, aber dazu passend hat mich die “Schule für Dichtung” zu einer kostenlosen Webklasse mit Jujlia Rabinowich zum Thema “Wahlkampf” eingeladen. Das bringt mich vielleicht wieder hinein und mir gleichzeig die kostenlose “Dialogklasse” für die ich mich angemeldet habe, abgesagt.

Aber macht ja nichts “Ich schreibe trotzdem weiter”, habe ich zurückgeschrieben und das werde ich auch tun.

Refugees Worldwide

Weiter geht es mit den mir von “Wagenbach” zur Verfügung gestellten literarischen Reportagen. Diesesmal geht es von Berlin und den Neuzehnhundertzwanziger Jahren in die ganze Welt. Denn da haben sich, in dem von Luisa Donnerberg und Ulrich Schreiber herausgegebenen Buch,  Schriftsteller überall zusammengesetzt und über die Flüchtlingssituation in ihrem Land einen Essay,  eine Kolumne geschrieben oder eben eine literarische Rweportage zu schreiben.

Den Auftakt macht die in Bremen geborene Nora Bosong, bestens bekannt aus dem Bachmannpreistext, den Nora Gomringer gewonnen hat und die schreibt nicht über Deutschland, sondern über New York, denn dort war sie im vorigen Sommer vierzehn Tage, interviewte Flüchtlingsberater, die ihr meistens alle die Unmöglichkeit versicherten, das Donald Trump die Wahl gewinnen würde.

Da gibt es ja ein gleinamiges Buch, das anläßlich des Wahlsieges wieder aufgelegt wurde.

Dann beschäftigt sich aber der in Nairobi geborene und in Mogadischu aufgewachsene Journalist Abdi Latif Dahir mit demgrößten Flüchtlingslager der Welt, Dadaab, das sich, glaube ich, in Kenia befindet und spricht mit Menschen, die dort schon seit einigen Jahrzehnten leben.

Dann geht es nach Brasilien, beziehungsweise nach San Paulo und hier beschreibt die 1975 geborene Autorin Andrea del Fuego unter dem bezeichneten Titel “Immer noch Menschenfresser” die Lage in der Stadt.

Das heißt sie zitiert zuerst das “Manifesto Antropofagico”, wo die Brasilianer im sechzehnten Jahrhundert oder auch später gern das weiße Fleisch gegessen haben. Dann geht sie aber in Plattenläden, wo Flüchtlingsabendessen zubereitet werden, interviewt zwei Hidschab tragende Frauen, die sich in ihrer kreativen Schreibgruppe befinden, um besser Portugisisch zu lernen, geht in Kirchen oder in “Wiedereingliederungseinrichtungen für Geflüchtete” und erfährt, daß die Syrier angeblich bessere Vernetzungsstrategen, als afrikanische Flüchtlinge hätten und meint, daß die Flüchtlinge in Brasilien immer noch, wie Sklaven behandelt würden und für Unterkunft und Essen bis sechzehn Stunden ohne Lohn arbeiten würden müssen und endet ihren Bericht damit, daß Brasilien die letzte Nation war, die 1888, die Sklaverei abschaffte.

Die 1979 im Sudan geborene Stella Gaitano berichtet vom Elend der Südsudanesen und meint, daß jeder das Recht haben müßte, in seiner Heimat zu leben, ein gutes Leben zu führen und seine eigene Kultur aufbauen zu können.

Während die ebenfalls 1979 in Marokko geborene und in Spanien lebende Najat El Hachmi von den Flüchtlingen schreibt, die sie mit dem Paß in der Hand auf der Autobahn von Cassablanca traf und die sich auch in in der Grenzstadt Nador aufhalten, um in das gelobte Spanien zu gelangen.

Der Pakistani Mohammed Hanif berichtet über die Situation der Hazara, die im südlichen Pakistan verfolgt werden und der 1979 in Nigeria geborene Journalist und Autor Abubakar Adam Ibrahim bringt uns die Situation in dem Bakassi-Flüchtlingslager nahe, in das man ihm zuerst gar nicht hineinlassen wollte.

Trotzdem gelingt es ihm Frauen zu interviewen, die mit ihren Kindern dorthin geflüchtet sind und erzählt von Fati, die von der Boku Haram zur Heirat  gezwungen werden sollte und fünfzehn Tage in ein Erdloch gesteckt wurden, als sie das nicht wollte.

Der 1964 in Aleppo geborene und in Damaskus lebende Khaled Khalifa beginnt in seinem Text mit den Anrufen von Mitgliedern seiner Familie, die ihm von ihrer Flucht nach Europa erzählen und macht sich, der in Damaskus bleiben möchte, Gedanken, was die Syrier zum Verlassen ihrer Heimat bringt.

Dann geht es nach Belize, wo viel Salvatorianer nach den Bandenkriegen der letzten Jahren geflüchtet sind. Der 1986 geborene Antropologe und Autor Juan Jose Martinez d`Aubuisson hat hier mit Alma, Jaime und Wendy gesprochen und berichtet von ihrem Schicksal, das sie und ihre Familie veranlaßten nach Belize zu kommen.

Die griechische Autorin Amanda Michalopoulou besucht ein griechisches Flüchtlingslager und wird dort von den dunklen Augen eines syrischen Mädchens, das sich einen Hut und eine Sonnenbrille wünscht, gefangengenommen, während der 1971 in Hamburg geborene Nils Mohn, die Situation von zwei Flüchtlingen in Litauen beschreibt, von denen es einer dort nicht ausgehalten hat.

Der Japaner Masatsugu Ono hat sich mit dem Schicksal des 1975 im Kongo geborenen Massamba Mangala, der 2008 nach Japan emigirierte und dort eine langjährige Odyssee erlebte, bis sein Status als Flüchtling anerkannt wurde, auseinandergesetzt, während die türkische Autorin Ece Temelkuran vom Schicksal einer syrischen Flüchtlingsfrau,  zu ihrem eigenen kommt und sich schlließlich sehr allgemeine poetische Gedanken über die Lage der Flüchtlingssituation macht und Artem Tschapa entführt und in die Ukraine und erzählt uns dort vom “Ewigen Tranist”.

Ein äußerst interessantes Buch, diese vierzehn weltweiten Reportagen, die uns auf literarische Art und Weise die Welt der Flüchtlinge und ihre Schicksale ein wenig näher bringen und uns die Augen öffnen kann über die Schwierigkeiten dieser Welt, so daß ich das Buch jeden, auch denen, die sich vielleicht vor zuviel Immigration fürchten, sehr empfehlen kann.

Phantome

Daß der 1983 in Tirol geborene Robert Prosser, dessen literarische Karriere, ich, glaube ich, seit 2009 verfolge, als er damals gemeinsam mit Cornelia Travnicek und Clemens J. Setz, als Newcomer am Cover Der “Buchkultur” war, verfolge, 2017 auf die deutsche LL kam,war für mich eine Überraschung und auch, daß er seinen Roman “Phantome” bei “Ullstein” und nicht mehr bei “Klever” verlegte, wo “Strom” “Feuerwerk” und “Geister und Tatoos” erschienen sind,  das Debut war übrigens 2009 und nicht 2013, wie auf dem Klappetext steht, dachte “Hui, ein Autor mit einer sehr eigenständigigen poetrryslamähnlichen Pross und dem entsprechenden Vortragsstil,prosa, auf dieser Liste und las dann erstaunt, daß sich die Blogger über den über den Bosnienkrieg spielenden Roman freuten und keine Rede, daß das ein eher experimenteller Autor ist.

Gut, “Geister und Tatoos” handelt, glaube ich auch von Bosnien. Ich habe keines der drei frühen Bücher gelesen, war aber, bei jeden, glaube ich auf einer oder mehreren Lesungen, im Literaturhaus, der “Gesellschaft”, in der “Alten Schmiede”, sogar im Schauspielhaus, etcetera.

Dann habe ich bei einigen Bloggern noch gelesen, daß ihnen an dem Buch mißfallen würde, daß es mehr reportagenhaft als literarisch wäre, dachte “Aha!”, wunderte mich und fing zu lesen an, nachdem mir “Ullstein” das Buch sehr bald und sogar zweimal schickte, nachdem ich auf eine Einladung zu einerPräsentation nach Hamburg, glaube ich, zu kommen, noch einmal ein Rezensionsexemplar anfragte.

Was soll ich sagen? “Ullstein” toll, “Longlist” ebenso und herzliche Gratulation, aber wo ist der eigenständige unverwechselbare Ton, für den er wahrscheinlich den “Priessnitz-Preis” bekommen hat?

Ein bißchen ist davon noch, zumindestens am Anfang da, denn der erste 2015, spielende Teil beginnt in Wien und wird von einem Sprayer erzählt, der aufzählt, wie es ist, sich an Polizei und Security mit der Spraydose vorbei in den Untergrund zu schleichen und dann am Klo, in das er sich flüchtet, noch einen Mönch zu treffen, der sehr verständnisvoll ist.

Der Klappentext spricht zwar auch von einem Sprayer, erzählt dann aber von Anisa, die 1992 nach Wien flüchtete. Jahre später reist ihre Tochter Sara mit ihrem Sprayerfreund wieder nach Bosnien, um den Spuren ihrer Mutter nachzuforschen.

Das klingt interessant, haben die Blogger meist auch gesprieben oder geyoutubt. Ist es sicher auch, aber ein gänzlich anderer Robert Prosser, als ich ihn kenne und das finde ich ein bißchen schade, aber vielleicht muß ich mich an die geänderte Stilrichtung erst gewöhnen.

Die beiden reisen also nach Bosnien. Sara war mit ihrer Mutter schon 2004 da, die, nachdem sie nach Österreich flüchtete, ihren Vater nie wieder sah und auch ihren Freund Jovan, ein bosnischer Serbe, der in die Armee eingezogen wurde, verlor. Hier hat sie einen Richard geheiratet und nicht mehr viel über ihre Vergangenheit gesprochen. Sara will ihre Wurzeln aufspüren und 2015 wird auch zwanzig Jahre nach dem Geschehen, des Massenmordes von Srebenica gedacht.

Dann kommt der zweite in fünf Kapitel aufgeteilte Teil, der in das Jahr 1992 führt und abwechselnd von Jovan und Anisa erzählt. Sie ist hier schon in Wien in einem Flüchtlingslager, er bei der Armee, desertiert, wird aber eingefangen und muß sich dann am Ende sich wohl auch engtscheiden, ob er bei einem Massenmord abdrücken oder selbst das erste Opfer sein will?

Er entscheidet sich offenbar für seine  “Pflicht” und das Leben, denn der dritte Teil, der auch 2015 spielt, führt überraschenderweise nach Krems-Stein, wo Jovan, der dort wegen eines Einbruchs bei einem Juwelier einsitzt, bald entlassen werden soll.

Wie schon beschrieben, ein sehr überraschendes und auch sehr sprunghaftes Buch, das sicher viel Information über den Balkankrieg und über die Schicksale derjenigen, die 1992 nach Österreich geflohen sind, dort in die Schule kamen und dann wahrscheinlich in Tirol neben Robert Prosser auf der Schulbank, etcetera, saßen, erzählt.

Es gibt auch ein Nachwort, wo der Autor von seiner Recherchearbeit für den Roman erzählt. E hat interviews geführt und berichtet von den Vorbilder die zu seinem Jovan, seiner Anisa, etcetera, führten.

Also fein, daß es neben den sehr abgehobenen brillant geschriebenen Mainstream-Werken, wie beispielsweise, das eines Jonas Lüschers, Ferdun Zaimoglus, den ich ja bekanntermaßen den Preis wünsche und Mirco Bonne, dessen Midlifecrisesgeschichte mir nicht sehr glaubhaft erschien, auf die Longlist kam. Denn es ist sicher interessant, sich über die Schicksale seiner Nachbarn, Hausmeister, Schulkollegen, Putzfrauen, die vielleicht ein ähnliches Schcksal hatten, Gedanken zu machen und in einer ähnlichen Dichte habe ich davon auch noch nicht gelesen, obwohl es ja schon andere Bücher über Jugendliche gibt, die den Balkankrieg erlebten, beziehungsweise von dort nach Deutschland oder anderswohin geflüchtet sind.

Das Cover, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, ein dunkelroter glänzender Umschlag mit einem großen tränenden Auge, gefällt mir überhaupt nicht.

Von der Muse zur Muße

Nach der Sommerpause heute wieder Schreibgruppe in der Krongasse, Peter Czak,  Klaus Khittl, respektive Gloria G, der Egelhofer und Ruth Aspöck waren da.  Doris Kloimstein hat kurzfristig abgesagt, weil sie sich in St. Pölten auf eine Ausstellungseröffnung vorbereiten mußte und der Peter hat die beiden Themen “Muse-Muße” vorgeschlagen.

Ich hatte “unsichtbar” im Koffer, weil ich ja mit meiner unsichtbaren Frau beginnen wollte, aber ich kann ja kombinieren und so ist folgendes herausgekommen:

“Muse – Muße!”, dachte Slavenka Jagoda und blickte auf das gelbe Post it-Notizzettelchen, das Lily Schmidt vorhin auf den Schreibtisch gelegt hatte.

Ob sie damit etwas anfangen könne?, hatte sie sie gefragt.  Slavenka hatte eifrig genickt und eilfertig “Natürlich, selbstverständlich!” geantwortet und dabei geflunkert.

Was tut man denn nicht alles, um bei seinen Vorgesetzten, respektive Stipendiumsbetreuern, einen guten Eindruck zu machen? Man tut sehr viel. Ihr jedenfalls war es sehr wichtig, Lily, ihr Engagement und guten Willen zu beweisen. Dann war die zu ihrem Chef ins  Büro gerufen worden, weil der berühmte Starautor Jonathan Franzen, der heute Abend im Institut gemeinsam mit dem  ebenso anerkannten Daniel Kehlmann, eine Lesung halten sollte und sie war mit dem Zettel und dem Vorschlag mit diesen zwei Worten, ihre unsichtbare Frau auf ihre erste Blogtour zu schicken, in Lilys Arbeitszimmer zurückgeblieben.

Saß an  deren Schreibtisch, schaute den Zettel an und überlegte, wie das mit der Muse gehen könnte? Die Muse war die schöne Dame, die zu den Künstlern zu kommen pflegte, um sie sanft auf die Stirn oder auf den Hals zu küssen, damit diese ihre kreativen Kräfte entfalten konnten und der Welt ein noch nie dagewesenes Opus Magnum schenkten.

Nein, der Hals war es nicht, der dafür in Frage kam. Der war eher Graf Dracula vorbehalten, um die damit getroffenen Opfer zu Vampiren zu machen und es würde sicherlich nicht passen, wenn Jonathan Franzen und Daniel Kehlmann heute, als solche Monster ihre Doppelconference im österreichischen Kulturinstitut von New York halten würde, dachte Slavenka Jagoda und grinste jetzt schon etwas zuversichlicher vor sich hin.

Genauer gesagt, grinste sie ähnlich lausbubenhaft, wie es ihr Bruder Petr  im Plattenbau im weitentfernten Kosice zu tun pflegte, wenn der Vater ihn aufforderte, ihm doch in der Garage zu helfen oder für die Mutter den Mist in den Müllraum zu kippen.

“Muße, Papa, tief durchchatmen und entspannen!”, pflegte er ihm  frech zu antworten, was den Vater meistens ärgerte und er ihm schon einmal eine Ohrfeige angetragen und sie auch sicher ausgeteilt hätte, wäre die Mutter nicht rechtzeitig aus der Küche gestürzt, um ihren Liebling zu verteidigen.

“Muse  -Muße”, hatte Lilly Schmidt, die Kuratorin im New Yorker Kulturinstitut auf einen kleinen gelben Haftnotizzettel geschrieben und ihn ihr schnell hingehalten, bevor sie in Doktor Hartners Büro geeilt war, um mit Daniel Kehlmann und Jonathan Franzen, den berühmten Starautoren, die heutigen Lesung zu besprechen.

“Kannst du dir vorstellen, Slavenki, daraus einen Text für unseren Blog zu machen!”, hatte sie noch schnell hinzugefügt, bevor sie aus dem Zimmer eilte und dem schon ungeduldigen Dr. Hartner ein “Bin schon unterwegs! I am ready, Mister Franzen und coming soon!”, zuzurufen.

Lily würde mit den beiden also die heutige Abendveranstaltung besprechen, während sie einen Blogartikel schreiben sollte, in dem Amanda Siebenstern, ihre unsichtbare Frau, mit dem Kuß der Muse am Morgen aufwachen würde und danach in aller Muße und nicht in Eile ins weiße Haus zu Donald Trump zu stürzen, um ihm an dem Blitzkrieg in Richtung Norkorea zu hindern, den er heute in seinen Twitternews angekündigt hatte.”

Das wars der Beginn und der Einstieg in mein mögliches künftiges Opus Magnum. Die anderen haben auch ihre Texte zu diesem Tehma präsentiert und es wurde sehr viel darüber diskutiert, ob in einer zwanzigminütigen Schreibezeit wirklich ein literarischer Text entsteht oder, ob das nicht vielmehr  nur ein erster Entwurf sein kann, der noch bearbeitet werden muß.

Der Begriff “Sonntagspredigt” wurde in die Runde gebracht  und die Frage aufgeworfen, ob Kunst nicht schwarz, negativ und an die Substanz gehen muß, um als solche zu gelten, was ich eigentlich inzwischen bestreiten würde.

Ein interessanter Einstieg in das Schreiben nach der Sommerpause  und ich habe mein neues Werk begonnen und bin gespannt, sowie erwartungsvoll, wie es mir dabei gehen wird.

Die österreichische Buchpreisliste und ihre Beziehung zu den O-Tönen

Jetzt ist sie da, die zweite österreichische lange Buchpreisliste, die, wie ich höre, in Deutschlan ziemlich unbekannt ist und wenn man sich so die Namen der nominierten Bücher durchsieht und sie mit meiner vor ein paar Wochen getroffenen Schätzung, vergleicht, dann sieht man, es gibt, wenn man regelmäßig zu den O-Tönen geht, nur wenige Überraschungen oder doch. Ein paar experimentelle Bücher von denen ich öfter hörte, die aber irgendwie an mir vorbeigegangen sind, wie das, der Brigitta Falkner oder des Oswald Eggers, und  von Franz Schuhs “Magazin des Glücks”, ein Buch das es meiner Schätzung nach schon seit ewigen Zeiten gibt, war für mich auch eine Überraschung.

An Doris Knecht neues Buch hätte ich ja bei der deutschen Liste gedacht und das ht der Alfred heuer in Leipzig ja gekauft, aber dann der Anna geschenkt, während ich, als er in Amerika war, “Wald” gelesen habe, was einmal im Schrank für mich lag.

Also keine sonderlichen Überraschungen, aber da hatte ich ja nach den letzten O-Tönen, als Katja Gasser dort bedauerte, dam man Florjan Lipus den großen österreichischen Staatspreis verwehrte, die Idee, daß wir, wenn, er auf der Liste steht, schon genauso den Preisträger hätten, wie es im Vorigen Jahr die Frau Mayröcker war.

Ist er aber nicht uind war auch nicht so. Natürlich, denn Katja Gasser ist ja in der Jury für den deutschen Bp und tüftelt, während ich gerade eine Longlistlesepause mache und mich mit literarischen Reportagen beschäftige, aus, wer da nächste Woche auf die kurze Liste kommt?

In der österreichen Jury sind die Buchhändlerin und Amazon-Hasserin, Petra Hartlieb, deren “Wunderbare Buchhandlung”, ich noch lesen muß, Klaus  Kastberger, der bei den O-Tönen moderierte, Klaus Nüchtern vom Falter und Kristina “Pfoser vom ORF und die mir eher unbekannte Wiebke Porombka, die, glaube ich, schon einmal in der dBpjury war und ich hätte noch gedach,t Brigitte Schwens Harrant, aber die war vielleicht schon im vorigen Jahr dort und wer, werden jetzt meine Leser vielleicht fragen, steht  nun auf der langen Liste und auf der kurzen für die Debuts?

Also als erstes eine Überraschung, obwohl es eigentlich nicht so unerwartet ist.

  1. Oswald Egger “Val di Sol,   dann folgt zweitens wieder sehr experimentell und daher für mich unerwartet
  2. Brigitta Falkner “Strategien der Wirtsfindung, aber da gab es schon eine Ausstellung im Literaturhaus darüber
  3. Olga Flor “Klartraum” endlich ein OTöne -Treffer, aber auch ein sehr kompliziertes Buch, ob ich es verstehen werde>?
  4. Paulus Hochgatterer “Der Tag an dem mein Großvater ein Held war”, decapo o-tönig und sehr kurz für die Vielleserin also erholsam
  5. Doris Knecht “Alles über Beziehungen”, ein Buch, das an mir bisher vorbei gegangen ist. Aber vielleicht kann ich es mir von der Anna holen, wenn “Suhrkamp” es mir nicht schickt.
  6. Eva Menasse “Tiere für Fortgeschrittene” ist auch o-tönig und erholsam, weil schon gelesen
  7. Robert Menasse “Die Hauptstadt”, war nicht bei den O-tönen, weil offiziell noch nicht erschienen, steht aber auf der dBp und liegt in meinem Badezimmer und ich freue mich schon auf das Schwein, das da durch Brüssel rennt
  8. Karin Peschka “Autolyse Wien” wieder o tönig, wieder ein Treffer und beim Bachmannpreis wurde ein Textauszug auch gelesen.
  9. Doron Rabinovici “Die Außerirdischen” o-tönig und ein Buch, auf das ich mich sehr freue und bitte, bitte, lieber “Suhrkamp” schick es mir, denn ich habe Doron Rabonivice schon im MQ gefragt, ob er damit wieder auf die Shortlist kommen wird und
  10. Franz Schuh “Fortuna aus dem Magazin des Glücks”, ein Buch, das Christa Nebenführ, glaube ich, schon bei ihrer Glücksreihe in der “Alten Schmiede” vorstellte oder darüber sprach. Ich bin nicht sicher, ob ich es verstehen werde,  werde es aber sicher lesen , denn die liebe Frau Rössler von Deuticke, die mir ja schon voraussagte, ihr Verlag steht darauf, es mir bereits mit dem Franzobel-PDF schickte, das nicht auf der Liste steht. Aber macht ja nichts, höre ich ja allethalben, der wird den dBp gewinnen oder zumindestens auf die Shortlist kommen.

Also bevor es zum Debutpreis geht, die Trefferanalyse, zwei bis fünf könnte man sagen, denn Olga Flor und Eva Menasse habe ich unter eins bis zehn geschrieben. Hochgatterer, Rabinovici und Menasse dann nur erwähnt und schade, lieber Dietmar Füssel, daß es nichts mit der Longlist wurde.

Aber macht ja nichts, man kann sein Buch trotzdem lesen,  soll es auch und es gibt noch soviel anderes. Ich habe ja inzwischen auf dem Volksstimmefest Gertraud Klemm gefragt, ob sie glaubt, daß sie mit ihrem neuen Buch auf die Liste kommt? Anna Jeller hat es jedenfalls in ihrem Schaufenster liegen und für die, die mich immer unersättlich nennen, Theodora Bauer hat auch ein neues Buch, das nicht auf dieser Liste steht und Picus hat mir schon geschrieben, daß er es mir schicken wird.

Also wieder mehrgleisig und durcheinander lesen und es würde mich auch interessieren, was meine Leser von der Liste halten, aber richtig, es gibt ja noch den Debutpreis und der hat auch zwei O-Töne Treffer, nämlich

1.Mascha Dabic “Streuungsverluste” und

2.Irene Diwiak “Liebwies” auf das letztere Buch freue ich mich besonders und  werde es auch lesen, denn die liebe Frau Rössler hat es mir auch geschickt und dann kam noch das für mich völlig unbekannte Buch von

3. Nava Ebrahimi “Sechszehn Wörte” darauf.

Also lesen, lesen, lesen und ich erwähnte vielleicht der Vollständigheit halber, daß ich da schon sieben deutsche Bp-Bücher hinter mich gebracht habe und jetzt “Refuges Wordwide”, die literarischen Reportagen aus dem “Wagenbach Verlag” lese und dann mit Uwe Timms “Ikarien” weitermache. Ein Buch, das auch nicht auf der dLL steht, es aber sicher könnte, bevor ich mit entweder dem “Singen der Sirene” oder mit “Nach onalko” weitermache, aber das ist das einzige Buch, das ich von der “Netgalley” öffnen konnte. Der Verlag hat mir aber inzwischen geschrieben, daß er es mir schicken wird und da ich ja lieber richtige Bücher als Dateien lese, warte ich  lieber noch ein bißchen, umsomehr, daß ich ja auch noch den Seven Regener, den Robert Menasse, die Sasa Mariaa, Salzmann, den Ingo Schulz und und und zur Auswahl habe….

 

Joe Berger Songs

Im Weinhaus Sittl gab es anläßlich der Sommerreihe des ersten Wiener Lesetheaters  heute wieder einen Joe Berger Abend.

Zum fünften Mal hat jetzt Christian Katt einen Abend mit Texten des 1993 in Kaltenleutgeben geborenen und 1991 in Wien verstorbenen Schriftsteller, Schauspielers und Aktionisten Joe Berger veranstaltet.

Bei den letzten beiden waren wir und beim Joe Berger-Symposium in der Wien Bibliothek bin ich auch einmal gewesen.

Joe Berger, das Original, dessen literarische Bedeutung, die Wien-Bibliothek, wie man bei Wikipedia nachlesen kann, das erste Mal gewürdigt hat und die sich jetzt dank des Lesetheaters, Christian Katt und Ottwald John beispielsweise, langsam herumspricht.

Da gibt es die “Märchen für Konsumkinder” und das “Playoyer für den Alkohol”, ein Buch, das ich in meiner Sammlung habe.

Es gibt aber auch, wie Christian Katt in seiner Einleitung betonte, eine Schallplatte”,1982 mit Loys Egg entstanden und jetzt nur noch antiquarisch erhältlich.

Es gibt  auch die “Wiener Depressionen”, Lieder, die von dem 2015 verstorbenen Komponisten Ernst Kölz vertont wurden und der war GAV-Mitglied und bei einem der in Mürzzuschlag veranstalteten Feste, da bin ich ja einmal bei einem für Gerhard Rühm, Ernst Jandl und Friederike Mayröcker in den Neunhzigerjahrten gewesen, habe ich mit ihm und  dem Experimentalfilmer Kurt Krenn in derselbenPension gewohnt.  So habe ich ihn kennengelert und ihn einmal auch zu einem meiner literarischen Geburtstagsfeste eingeladen.

Da hat er mir die CD mitgebracht und als ich heute das Pelikanstüberl des Weinhaus Sittls erreichte, probte gerade sein Sohn Claudius diese Lieder.

Nach und nach traf dann das Publikum ein, es wurde voll und Richard Weihs begann mit seiner Gittarre, zwei Berger- Lieder zu singen.

Dann kamen Eva Filip und Magdalena Knapp-Menzl mit Texten aus dem “Playdoyer für den Alkohol” musikalisch von Richard Weihs mit der Gitrarre, Zieh- oder Mundharmonika begleitet.

Ottwald John hatte einen beeindruckenden Auftritt, in dem er die neben mir sitzende Ruth umarmte und auch Christian Katt gab einen Berger Song von sich, bis dann Claudius Kölz die Lieder seines Vaters sang und es heute in dem Extrazimmer einen sehr tollen Abend gab,  so daß ich mich schon auf das nächste Jahr freue, wo es vielleicht wieder eine andere und neue Facette des verstorbenen Shzene Literaten, wie auch in Wikipedia steht, zu erleben gibt.

Linkes Wort und Volksstimmefest

Erwin Riess

Erwin Riess

Walter Eckart

Walter Eckart

Elfie Resch

Elfie Resch

Pünktlich eine Woche vor dem Schulanfang, Wiens angeblich schönstes Fest mit einer Autorenlesung jeweils zwischen vier und sechs.

Ich habe da, glaube ich, so ungefähr 1980 oder war es schon 79 zusammen mit dem “Arbeitskreis schreibender Frauen” gelesen und kann mich erinnern, daß ich sehr aufgeregt war, war es ja wahrscheinlich eine meiner ersten  Lesungen, Waltraud Haas hat mich da beruhigt und gersagt, sie wäre es auch.

Das nächste Mal allein war dann 1989 in dem Jahr oder Sommer wo Arthur West, der damals die Lesungen organisierte. das Publikum beruhigte und erklärte, daß das nicht so schlimm mit der DDR wäre und sie bestimmt nicht untergehen würde.

Damals haben, glaube ich, noch Elfriede Jelinek, Peter Turrini und Marie Therese Kerschbaumer gelesen, ich habe ein Stück aus den “Hierarchien,” die ich ja damals geschrieben habe, vorgetragen und Peter Turrini hat sich interessiert danach erkundigt.

Nadia Baha

Nadia Baha

Andi Pianka

Andi Pianka

Eva Jancak

Eva Jancak

Seit damals habe ich fast jedes Jahr gelesen, 1991 oder 92 nicht, da ist es sich, glaube ich, irgendwie nicht ausgegangen Arthur West zu fragen, weil ich statt auf der GAV-Vollversammlung auf irgendeiner Fortbildungsveranstaltung war und ich habe dann auch meinen Vater betreut und bin, glaube ich, nur kurz zum Zuhören hingefahren.

Arthur West ist 2000 gestorben, Helmuth Rizy hat aber schon ein bißchen früher die Organisation übernommen und mit den “Anthologien” angefangen.

Dann gabs ein zwei Jahre, glaube ich, kein Volksstimmefest oder keine Lesungen, danach haben Christoph Kepplinger und Roman Gutsch die Organisation übernommen. Seit einigen Jahren macht es Christoph Kepplinger allein und bringt auch junge Lesende, wie Peter Clar, Nadine Kegele, Gertraud Klemm, Verena Mermer, Petra Piuk, die dann bekannt wurden und viele andere, es hat aber auch schon Julian Schutting gelesen, etcetera.

Karin Marinho da Silva

Karin Marinho da Silva

Susanne Toth

Susanne Toth

Sandra Weihs

Sandra Weihs

Es gibt seit einigen Jahren ein Thema, diesmal war das “Von der Ordnung und Unordnung der Welt” und ist, glaube ich, von der russischen Revolution ausgegangen, die ja heuer ihr hunderstes Jubläum hat.

Dazu passt die Szene wo der Fabian Hirschmann von der Störaktion aus Graz zurückkommt und von seiner Mutter aufgeweckt wird, zwar nicht wirklich, ist er ja, wenn überhaupt, dann eine Revolutionär in der anderen Richtung, aber es gibt auch, wie Chrisoph Kepplinger betonte, demächst eine Wahl und die “Rechten” wollen auch eine Ordnung in unsere Gesellschaft bringen, weil sie glauben, daß die nicht mehr geordnet ist und da passt die Szene gut hinzu und ich habe auch gleich am Beginn des Samstags gelesen, was ich ja eigentlich auch immer will.

Die erste Lesende war Elfie Resch, 1948 in Baden geboren und schon fast eine Stammleserin und sie brachte zur Ordnung passend, einen Text von einem Schatzkästchen, das eine Tochter geschenkt bekommt und dann noch ein paar Gedichte, die die Unordnung und den Widerstand dagegen aufzeigten.

Richard Schuberth

Richard Schuberth

Reinhard Wegerth

Reinhard Wegerth

Gertraud Klemm

Gertraud Klemm

Erwin Riess, 1957 in Wien geboren und ebenfalls ein Stammleser, ganz früher haben noch Ernst Hinterberger, Franz Kain, Erika Danneberg etcetera gelesen, brachte einen Ausschnitt aus seinem neuen Groll-Roman, den er in der “Alten Schmiede” zur Saisoneröffnung vortragen wird. Deshalb war wahrscheinlich auch Kurt Neumann im Publikum.

Dann kam schon ich mit meiner Fabian Szene aus meinem wahrscheinlich demnächst erscheinenden Buch “Vor dem Frühstück kennt dich keiner”, mit dem Bibliotheksgespenst, das eigentlich keines ist und dem Roman über hundert Tage schwarz-blau, den ich 2000 geschrieben habe.

Walter Eckhart und  Nadia Baha sind, glaube ich, zwei Debutleser, der erste wurde 1948 in der Steiermark geboren und ist Redakteur des “Uhudlers”, die zweite  1983 und schreibt satirische Texte.

Andi Pianka, kenne ich, glaube ich, noch aus der Zeit, wo er auf Cornelia Travniceks Blog kommentierte, habe ihn zweimal in St. Pölten und einmal auch in dem Cafe in der Lerchenfelderstraße gemeinsam mit Sara Wipauer gehört.

Helmut Rizy

Helmut Rizy

Werner Lang

Werner Lang

Hilde Schmölzer

Hilde Schmölzer

Er brachte zwei sehr politisch scharfe Texte, die sich mit der ungeordneten Welt und ihren Mißständen beschäftigten.

Karin Marinho da Silva, 1962 geboren und im Burgenland lebend, überraschte dagegen mit einem Text, der sich mit dem Senf beschäftigte. Wo ist da die Ordnung oder der politische Anspruch, könnte man fragen. Er war aber meiner Meinung nach eine erfrischende Abwechslung und Würsteln mit Senf gehören wahrscheinlich auch zum Volksstimmefest, die in Wien Frankfurter und überall sonst Wiener heißen, was wieder zu Ordnung passt.

Die 1983 in Klagenfurt geborene Sozialarbeiterin Sandra Weihs, die ich, glaube ich schon einmal im Literaturhaus hörte, wurde dann wieder politisch und brachte eine Gesprächsprotokoll zwischen einem AMS berater und einem arbeitssuchenden Klienten, der sich nicht ganz an die vorgegebene Ordnung hält.

Die 1964 geborene Burgenländerin Susanne Toth kenne ich von den Poetnächten.  Sie hat, glaube ich, auch schon am Volkstimmefest gelesen. “Save the day” hieß ihr Text.

Susanne Ayoub

Susanne Ayoub

Heino Fischer

Heino Fischer

Barbara Eder

Barbara Eder

Und der 1950 geborene Reinhard Wegerth ging mit seinem Text weit in die Vergangenheit hzurück und beschäftigte sich da mit den in den Siebzigerjahren existieren “Edition der Literaturproduzenten”, die bei “Jugend und Vol”k erschien und wo die Autoren selbstverwaltende Texte herausgaben. Elfriede Gerstls “Berechtigte Fragen” sind da entstanden. Die Texte der Jelinek und des Michael Scharangs aber nicht so sehr, denn die waren schon bei “Rowohlt” oder “Luchterhand” und hatten die Autoreninitiative daher nicht mehr so nötig, wie Reinhard Wegarth satirisch listig anmerkte.

Und Richard Schuberth, auch schon ein regelmäßiger Leser beschäftigte sich mit dem Heimatbegriff, den er den Rechten nicht so ganz überlassen wollte.

Als letzte kam Gertraud Klemm auch schon eine Stammleserin, die ihre Karriere vielleicht dort machte oder schon gelesen hat, als sich noch nicht auf der LL gestanden ist und in Klagenfurt gelesen hat. Sie brachte und das ist interessant, einen Text von einer siebzigjährigen rebellischen Frau, die auch, wie der Fabian in Graz, Scheiße schmiß, diesmal aber auf einen Regierungsrat der einen Bären erschossen hat.

Dann gabs wieder Kaffee und Kuchen beim Favoritnerstand und am Abend hörten wir uns noch auf der “Volksstimmefestbühne” Timna Brauer und den “Nino aus Wien” an.

Günter Vallaster

Günter Vallaster

Mladen Savic

Mladen Savic

Katrin Forstner

Katrin Forstner

Am Sonntag ging es dann mit nich ganz so schönen Wetter und daher auch nicht so vielen Zuschauern mit dem “Linken Wort” auf der “Sigi Maron Bühne” weiter. Da hat Helmut Rizy, den ich schon lange kenne und mit ihm auch einmal  in der GAV-Neuaufnahmejury war, begonnen und setzte sich mit seinen Ordnungstext, sowohl politisch, als  auch im Bereich der Kunst, wo wir ja alles in E oder U, Romane, Erzählung, Novelle, etcetera einteilen und dann doch nicht einhalten, auseinander.

Das 1955 in der Steiermark geborene Mitglied des “Werkkreises Literatur der Arbeitswelt” Werner Lang brachte dann auch einen Ausschnitt aus der Erzählung “Stramm”, wo sich ein Arbeiter mit der Vergangenheit seines Vaters und Großvaters beschäftigte.

Hilde Schmölzer, die frauenbewegte, die dann folgte, beschäftigte sich in ihrem Text natürlich mit der Frauenbewegung  während Susanne Ayoub auch schon eine Volksstimmefest-Stammleserin, einen Auszug aus ihrer “Medea-Neubearbeitung” brachte, mit dem sie einen Exil-Theaterpreis gewonnen hat.

KurtO Wendt

KurtO Wendt

Natalie Deewan

Natalie Deewan

Dann wurde es musikalisch, kam doch der 1948 in St. Pölten geborene Heino Fischer, der eine beachtliche Publikationsliste hat, mit seiner Gitrarre, gedachte Sigi Maron und brachte Auszüge aus seinem Programm “Es reicht”.

Die 1981 geborene Barbara Eder, die Sozial und Wirtschaftswissenschaften, Philosophie  und Genderforschung studierte und, glaube ich, in der “Dokumentationsstelle für ost und mitteleuropäische Kunst” im Juni einen Vortrag über Comics halten hätte sollen, brachte einen sehr interessanten Text, wo, die nicht mehr gebrauchten Arbeitskräfte zwangsweise nach Armenien oder an anderen Orten ausgeflogen wurden.

Der mir aus der GAV und aus dem “Wohnzimmerkreis” schon lang bekannte 1968 in Vorarlberg geborene Günter Vallaster sah die Ordnung beziehungsweise die Unordnung in seiner in einer der “Feribordnummern” herausgegebenen “Hasentexte”, was man wieder etwas vom Thema ab interpretieren könnte, es ist aber bekannterweise alles Interpretationssache, beziehunsweise die experimentelle Literatur vielleicht nicht so ganz ordentlich, wie die dem Mainstream angehörende.

Der 1979 in Zagreb geborene Mladen Savic, der glaube ich, schon im Vorjahr gelesen hat, wurde dagegen wieder theoretisch und brachte einen sehr langen Text, der sich mit der Ordnung oder Unordnung der Polizeigewalt auseinandersetzte.

Natalie Deewan

Natalie Deewan

Danach wurde es mit der 1989 in Wolfsburg geborenen Kathrin Forstner sehr poetisch und dann  kam KurtO Wendt von dem ich schon ein Buch gelesen habe und stellte ein Theaterstück vor, das demnächst im “Fluc” aufgeführt wird, in dem es um die Abschaffung der Arbeit geht und ganz am Schluß kam noch eine Wortperformance der 1978 in Wien geborenee Natalie Deewan, die zehn Leute aufforderte sich als Wortträger zu betätigen, ihnen die Buchstaben aus denen man sowohl “LINKES WORT” als auch das Anagramm “SILENT WORT” bilden konnte, was dann wahrscheinlich die  2017 Anthologie über die “Ordnung und Unordnung” der Welt zieren wird.

Kurz nach der Lesung begann es dann zu regnen, so daß wir auf der “Volksstimmefestbühne” zwar Tini Trampler und den “Playbackdolls” zuhörten, dann aber nach Hause gegangen sind, so daß wir die “Wiener Tschuschenkapelle” versäumten, aber die habe ich glaube ich schon einmal in Krems und einmal im AK-Theater gehört.

Und jetzt kommt für alle Interessierte, noch das Archiv 2008, 2009, 2010, 2011, 2012, 2013, 2014, 2015 und 2016, wo man sich die Artikel und meistens auch die schönen Fotos vom Alfred ansehen kann.

In die Herbstarbeit

Der Herbst hat zwar noch nicht begonnen, aber der September und da gibts ja am Wochenende traditonell vor Schulbeginn, das Volksstimmefest im Prater, wo ich lesen werden und deshalb sind wir am Donnerstag nicht mehr nach Harland gefahren, sondern in Wien geblieben.

O Töne gab es auch nicht mehr. So waren wir am Rathausplatz bei einem Konzert des ebenfalls schon verstorbenenen George Michael aus London und am Freitag ging es, nachdem ich die Abfrechnung schon gestern machte, ans Fensterputzen.

Meine Leser wissen, das ist das Ritual zwischen dem Alten und Neuen und da habe ich ja letzten Donnerstag bevor ich zu den letzten O Tönen gegangen bin, die Korrekturen von “Besser später als nie” beendet, das Manu an den Alfred geschickt, den Beschreibungstext geschrieben. Das Cover wird diesmal eine Pizza sein, die der Alfred ja oft von einer Pizzeria aus der Kettenbrückengasse bringt und nein, es ist nicht die, in der ich immer die ältere Frau sitzen sehe, wenn ich von der “Alten Schmiede” oder der “Gesellschaft für Literatur” nach Hause gehe.

Jetzt geht es also an das “Morgen”, ab ersten September und eigentlich wollte ich den Blogroman über die unsichtbare Frau, die versucht auf friedlichen Wege, die Weltansichten der Herren Putin, Trump etcetera, etwas zurechtzurücken, im November beim “Nanowrimo” schreiben.

Was mache ich also? Wieder zwei Monate warten, durch die Stadt streunen und Ideen sammeln, um dann vielleicht am einunddreißigsten Oktober wieder festzustellen, daß ich eigentlich schon allles habe und jetzt einen “Korrigier-Nano” machen könnte?

Wahrscheinlich nicht, wahrscheinlich werde ich die Fenster putzen, beziehungsweise ist das wahrscheinlich schon getan, wenn dieser Post erscheint, ich bin ja eine Vorausschreiberin und dann Notizen sammeln. Überlegen, was ich eigentlich schreiben will und da gibt es ja mehrere Ansätze.

Die Slavica Jagoda und die Lily Schmidt, die wir schon aus “Besser spät als nie” kennen, können in New York den Blogroman über die unsichtbare Frau schreiben und in die Welt schicken.

Aber die könnte ja auch ihre eigene Stimme haben und sie könnte eine erfolglose Autorin sein, die ihre Aktionen ins Netz verlegt, eine Amanda irgendwas, den entsprechen klingenden Namen müßte ich mir erst suchen und, daß da der Exverleger Moritz Lichtenstern auf ihre Spur kommt, ist eigentlich schon ein alter Hut, den man schon in der Anna findet, da heißt der Verleger zwar anders und die Autorin schreibt über ihre Großmutter und über keine unsichtbare Frau, aber wie sagte schon der alte Heimito, man schreibt immer den selben Roman sein Leben lang.

Ein wenig abwandeln könnte man das neue Work in Progress aber schon, also wird die Amanda, ich nenne sie mal so vielleicht auf einen Don Quijote  von rechts nach links treffen und sich mit ihm duellieren.

Die entsprechenden Vorerfahrungen, habe ich da ja in den letzten Monaten vielleicht schon gemacht, während sie versucht die Welt zu retten, in dem sie nachts Donald Trump und Wladimir Putin erscheint und ihnen sanft ins Gewissen redet.

Aber eigentlich könnte ich  auch vom österreichischen Wahlkampf schreiben und die Amanda mit Sebastian Kurz streiten lassen.

Mal sehen, meine Ideen sind, wie man merken kann, noch recht vage und unausgegoren. Vielleicht auch, weil ich noch nicht wirklich weiß, ob ich mich da jetzt hineinsteigern und darauflosschreiben soll, um dann im November nicht recht zu wissen, wie ich es mit dem “Nanowrimo” mache.

Der im Vorjahr ist ja auch ausgefallen, weil ich da, glaube ich mit meiner “Kroatiengeschichte”  beschäftigt war.

Ein wenig Materialsuche wäre also wahrscheinlich doch sehr brauchbar und dann habe ich  vor einiger Zeit im Schrank ein Buch gefunden, das sich mit Blogs beschäftigt. Das habe ich auf meine Leseliste gesetzt und gedacht, das nehme ich als Vorbereitungslektüre, aber jetzt bin ich ja mit meinem Buchpreislesen, das sich ja bald verdoppeln wird, sehr beschäftigt.

Da lese ich gerade Buch sieben, nämlich das im “Ullstein Verlag” erschienene des Robert Prossers und staune, wie sehr der auf einmal realistisch schreibt, habe noch ein PDF in meinem Kasten, fünf Bücher im Badezimmer und zwei oder drei sollten eigentlich noch kommen, der Rest ist Schweigen oder liegt in meinem Bücherregal der “Netgalley” und ich kann sie nicht öffnen.

Also lesen, lesen, damit die Verlage nicht Wochen auf meine Besprechungen warten müßen. Da komme ich vielleicht gar nicht so zum Recherchieren, obwohl ich ein paar Recherchetage sicher machen werde, aber wahrscheinlich nicht zwei Monate lang. Da packt mich sicher vorher die Ungeduld, beziehungsweise nehme ich mir diesmal nicht soviel Zeit dafür.

Die Veranstaltungen beginnen jetzt auch allmählich. So gab es am Freitag eine Lesetheaterveranstaltung, am Montag nach dem Volksstimmefest, noch eine Veranstaltung im Weinhaus Sittl und die “Alte Schmiede” hat mir auch schon das Programm geschickt.

Das sind meine Herbstpläne. Lesen und schreiben neben meiner psychotherapeutischen Arbeit und gespannt sein, wie das mit den Longlisten werden wird, das natürlich auch und der Alfred sollte inzwischen die Korrekturen von “Vor dem Frühstück kennt dich keiner” einarbeiten, damit ich das nochmals korrigeren kann,  sich “Besser spät als nie” ansehen und das Coverfoto machen.

 

Exillyrik zum Antikriegstag

Das Wiener Lesetheater scheint den Antikriegstag am oder um den ersten September immer besonders zu zelebrieren, so bin ich einmal mit Ottwald John auf den Spuren von Berta von  Suttner bis zum Praterstern gewandert und morgen, während das Volksstimmefest ist, hat er, glaube ich, wieder so etwas vor, aber für heute habe ich eine Einladung von Konstantin Kaiser bekommen, daß das Lesetheater zu diesem Anlaß zum dritten Mal aus dem von ihm, Miguel Herz-Krestanek und Daniela Strigl herausgegebenen Band “In welcher Sprache träumen Sie?” lesen wird und der Ort des Geschehen, das Delphin-Theater in der Blumauergasse Ecke Zirkusgasse, im zweiten Bezirk, war auch sehr passend, haben doch damals viele Juden dort gewohnt und es kommen einem auch heute noch vereinzelte orthodox Gekleidete entgegen.

Das Theater Delphin, ist eigentlich kein wirkliches, zumindest schaut es nicht bersondern nach einem aus, sondern ein großer Raum, fast ohne Bühne, nur mit der entsprechenden Beleuchtung, sowie ein paar Sesseln und aus dem Buch haben von  Susanna C-Schwarz-Aschner ausgewählt,  Vera Schwarz, Maximillian Spielmann und Jakub Kavin gelesen und der scheint zu dem Theater zu gehören, lagen auf den Sesseln doch kleine Kärtchen, die auf ein Stück von ihm inszeniert und bearbeitet nach Kafkas “Schloß” hinwies.

Susanna Schwarz-Aschner leitete ein und las ein bißchen aus dem Vorwort, erläuterte daß eine große Anzahl von Exillyrikern in dem Band versammelt wären und dieLesung bestand dann auch wirklich aus einer ganzen Sammlung von sehr bekannten, bis ganz unbekannten Namen.

Die Erste, der Lebenslauf wurde immer dazu gelesen, war Stella Rothenbergt, die erste “Kramer–Preisträgerin”, die den Preis 2001 gebkommen hat, dann war auch das “Soldatengedicht” der Schwester Restituta Helene Kafka dabei, die dafür hingerichtet wurde.

Berthold Viertel hatte einige sehr beeindruckende Gedichte, Stefan Zweig ein solches, Jura Soyfer, Paul Celan, Hermann Hakel, aber auch die Sozialdemokratin Käthe Leichter, die im KZ umgekommen ist und mit deren Gedicht “An meine Brüder im Konzentrationslager”, das von einer Genossin  auswendiggelernt und später aufgeschwrieben wurde, wurde die Lesung auch beendet.

Sehr beeindruckend, die Auswahl, die sich nicht immer, aber zum größten Teil auf das KZ, die Verzweiflung, die Deportation, etcetera bezog und ich habe, glaube ich, von dem Buch schon einiges gehört, war wohl auch schon vor Jahren bei einer Präsentation, aber noch nie eine so beeindruckende Lesung und richtig, die Kramer Gedichte, wo wir in einer Woche ja wieder nach Niederhollerbrunn zur heurigen Preisverleihung fahren werden, hätte ich jetzt fast vergessen.

Lichter als der Tag

Buch sechs der Longlist  ist ein typisches “Schwiergermutterbuch”, also eines, das man von der Longlist kaufen und der Schwiegermutter, Frau oder Mutter auf den Gabentisch legen kann, ein Shortlistbuch wohl auch, zumindestens ist der 1965 am Tegernsee geborene Mirco Bonne 2013, glaube ich, schon mit “Nie mehr Nacht” auf der Shortlist gestanden. Ich habe das Buch, glaube ich, einmal im Schrank gefunden, aber genauso noch nicht gelesen  wie der “Eiskalte Himmel”, das eine bibiliophile Wu-Kollegin dem Alfred einmal, glaube ich, um zwei Euro verkaufte.

Gesehen und gehört habe ich den Autor einmal in der “Gesellschaft für Literatur”, nun das PDF des neuen Longlistenbuchs gelesen und was soll ich dazu sagen?

Es ist ein Buich für die Schwiegermutter, eines, was vielleicht auf die Shortlist kommt, aber eigentlich nichts Neues und ob die hunderttausendste Midlifekrise Geschichte des Mannes um fünfzig wirklich berühren kann, ist die Frage?

Es ist aber sicher das, was sich der Buchmarkt und die Lektoren wünschen, wahrscheinlich auch das, was die Buchhändler empfehlen.

Eine sehr schöne Sprache, immer wieder Wortneuschöpfungen und interessante Satzwendungen, es geht, wie schon der Titel sagt um das Licht und um Wespen und Hummeln, ist RaimundMärz der Held ja ein Insektenspezialist, obwohl er sein Biologiestudium nie abgeschlossen hat.

Er ist fünfzig, also aus der Midlifekrise eigentlich schon heraus, aber heute lebt man ja länger und das Buch ist in drei Teile gegliedert, in denen das Lcht, die Kunst, Gemälde, die Wespen und noch vieles andere. eine große Rolle spielen.

Es geht um eine Kinderfreundschaft, als Kinder haben sie sich kennengelernt und sind in einem wahrscheinlich lichtumflutenden Dorf und einen wilden Garten zusammen aufgewachsen.

Raimund, Moritz, Floriane und später ist noch die Dänin Inger dazugekommen, die nach dem Tod ihrer Eltern in das Dorf zu ihrer Tante zog.

Sie haben ihre Jugend mitsammenverbracht, Paare gebildet, ausgewechselt, sich getrennt sind vom Dorf nach Berlin gezogen. Raimund ist mit Flori dann nach England gegangen, wo sie Zahnmedizin und er Bilologie studierte oder nicht und im ersten Teil sind sie nach Hamburg zurückgekommen, leben dort schon einige Jahre, Flori, als Kieferchrurgin, März als Redaktuer beim “Tag”

Sie haben zwei Töchter Priska und Linda und am Beginn des Buches bringt Raimund Linda auf den Bahnhof, weil sie dort mit ihrer Klasse in ein Landfschulheim fährt.

Linda wird auch das “Elsternkind” genannt, weil sie kleptomanische Adern hat und als Raimund zurückgehen will, sieht er plötzlich Inger wieder, beziehungsweise einen Flashmob, den die Klasse ihrer Tochter Pippa auf dem Bahnhof aufführt.

Das löst eine Katastrophe aus, denn Inger, die jetzt mit Moritz verheiratet ist, war Raimunds große Liebe. Pippa, werden wir später erfahren, ist auch von ihm und als Raimund in seine Redaktion zurückkommt, begrüßt ihn sein Freund Bruno mit den Worten, das er wie ein Gesprenst aussehen würde.

Ganz ehrlich, das ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, daß einer, der nach sechzehn Jahren oder so seine Jugendliebe wiedersieht, so ausflippt.

Raimund, der Insektenspezialist tut es aber, läßt sich von der Redaktion beurlauben und fährt zu Pippas Schule und ihr dann nach in das Reihenhäuschen nach, wo sie mit ihrer Mutter lebt.

Wo ist Moritz? Ist er verschwunden oder vielleicht sogar tot?

Raimund fährt nach Hause und hat Alpträume so, daß er nachts aufschreit und laut “Ohlsdorf!”, ruft.

Das bringt Floriane auf den Plan, die ihm einen Brief Ingers überbringt, schon von Monaten geschrieben, wo sie ihm von einer Krankheit Moritz schreibt und ihn bittet, alles aufzuklären.

Floriane hat einen bösen Brief zurückgeschrieben und verschwindet in das Wochenende. Raimund bleibt zurück, säuft und säuft und fährt am Montag mit Bruno nach Stuttgart.

So endet der erste Teil. Der Zweite, der für mich unnötig wäre, weil ohnehin  schon alles gesagt, führt zwanzig Jahre zurück, wo sich die Paare bildeten und wieder trennten. Floriane war beispielsweise mit Moritz zusammen und im dritten Teil fährt Raimund mit Bruno, dem Frauenhelden, der überall seine Freuninnen hat, nach Stuttagart, zu einem Fußballspiel oder in in eine Kunstgalerie.

Das ist nicht ganz klar, aber dort kommt Raimund auf ein Bild eines Camille Carrots, eines Frühimpressionisten “Weizenfeld in Marvan”, wo das mit dem Licht passt oder besonders ist. So hebt Raimund von seinem Konto und dem von Flori, der erfolgreichen Zahnärztin, fünfzigtausend Euro ab und fährt in das Landschulheim Lindys, wo er seine eigene Tochter entführt und mit ihr nach Lyon entweicht. Dort das Bild, das sich im dortigen Museum befindet, entwendet und dann dank Brunos Hilfe wieder in sein altes Leben zurückkehrt,  das Leben geht weiter,  begnnt nicht noch einmal von vorne und endet auch nicht in der Katastrophe, wie man vielleicht, als von Rasierklingen die Rede war, erwartet hätte.

Ein tolles Buch, perfekt konstruiert und keine Katstrophe ausgelassen und dann noch in einer wunderschöne n Sprache, könnte man so sagen oder aber auch, das ist ja unrealistisch, Mittelschicht, das was in meinem Leben nie passiert und viel zu abgehoben.

Bin gespannt, was die Kritiker sagen werden und, ob es auf die Shortlist kommt oder vielleicht den Preis gewinnt, für den ich mir ja den Zaimoglu wünsche, aber Franzobel, höre ich bei den Blogs, hat auch ganz gute Chancen, aber das Buch müßte  erst zu mir kommen, weil ich das bei “Netgalley” angeforderte, ja nicht öffnen kann.