Babys in leiwanden Grafiken

Ich bin ja eine eifrige Leserin der “Holzbaum-Publikation” und habe sehr viele, fast alle sogar von ihnen gelesen, seit mir Clemens Ettenauer vor ein paar Jahren das erste Heftchen zuschickte.

Finde den kleinen Verlag, der seinen Shop im Museumsquartier hat sehr fein und bedaure nur, daß er kaum mehr literarische Publikationen, statt dessen WienBücher, Cartoons und in letzter Zeit vermehrt die “Leiwanden Grafiken” bringt, wo das Weltgeschehen in Kugeln und Strichlinien beschrieben wird. Da habe ich, glaube ich, nur ein Buch gelesen, weil das ja nicht wirklich literarisch ist.

Jetzt sind Katja und Clemens Ettenauer, die Herausgeber, Eltern geworden und haben, wen wunderts, dazu ein Büchlein mit den leiwanden Baby Grafiken herausgebracht und richtig, das ist auch nicht literarisch, absolut nicht, das Gegenteil davon und trotzdem, das wundert vielleicht auch, kann die Psychologin in mir das Buch allen, die sich für Kinder interessieren oder welche haben, sehr empfehlen.

Denn es ersetzt, glaube ich, so manchen Ratgeber, obwohl es ja nur aus Kugeln und Strichen und richtig, aus vielen weisen Überschriften ersteht, die einen nachdenken, schmunzeln, nicken oder was auch immer lassen.

Dabei bin ich für das kleine Heftchen wahrscheinlich gar nicht die richtige Zielgruppe, denn ich gehöre  weder zu den “frischgebackenen” oder den “werdenden Eltern”.

Aber da ist die Grafik vielleicht werbemäßig gleich verteilt. Zwanzig zu zwanzig, kommen da noch die “noch nicht Eltern”, “deine Eltern” und “überhaupt alle Eltern” vor.

Also für jeden etwas, obwohl ich es den frischgebackenen und den werdenden Eltern und vielleicht auch noch den Freunden und Verwandten von diesen am wärmsten empfehlen würde.

Also wieder ein Gang durchs Buch, ein kurzer nur, wer mehr wissen will, sollte es selber lesen. Das geht schnell. Es ist auch klein und handlich und hat in jeder Tasche Platz. Teuer ist es mit fünf Euro auch nicht und das kommt noch dazu. Es ist als Geschenk für frischgebackenen Eltern bestens geeignet, steht doch auf der ersten Seite “Zur Geburt von:…” und man kann den Namen des Kindes eintragen.

Also die Sprüche, die der Psychologin in mir am besten gefallen und die sie “So ist es!”, denken ließen.

“Wann beginnt das Baby also zu schreien?” Natürlich nicht, wenn es naß ist oder Hunger hat, sondern “wenn sich die Eltern gerade aneinander kuscheln.”

Selektive Wahrnehmnung nennt man das, glaube ich.

Welches ist das schönste Baby?”. Das Eigene natürlich. Da gibt es keinen Zweifel und als man noch keine Kinder hatte, brauchte man nur den Schlüßel, die Geldbörse und das Handy mitnehmen. Jetzt kommt noch sehr viel anderes dazu.

Babyeltern brauchen natürlich keinen Wecker mehr und wieder selektiv subjektiv, für das Baby, wahrscheinlich ist da schon ein größeres Kind gemeint, ist das Spielzeug am interessantesten, “was ich gerade wegräume” und die Eltern, kaufen dem Kind am öftesten die Spielsachen, die sie selber einmal haben wollten und bauen wahrscheinlich auch den “Stapelturm” öfter das das Kind zusammen.

Was ich nicht ganz glasube ist, daß das Baby nur den Mund verzieht, wenn es das erste Mal Karotten zum Essen bekommt, das passiert bei anderen Sachen, Spinat, vielleicht, wahrscheinlich auch, aber wahrscheinlich haben das die Ettenauer beim Ettenauer-Baby so erlebt.

Und statt sich zu freuen, daß das Baby endlich schläft, kontrolliert man vielleicht alle fünf Minuten nach, ob es noch atmet. Ja, am Anfang ist man noch unsicher. Später kommt die Routine und natürlich schadet man sich selbst damit, aber wahrscheinlich lernt man beim zweiten Kind dazu und nimmt es gelassener, sofern man eines hat.

Und klar fürchten sich die Eltern vor der ersten Impfung mehr, als das Kind. Denn dieses weiß ja nicht, was das ist und schreit erst nachher.

Und so geht es weiter fort und durch das unnummerierte Heftchen. Die Eltern patzen sich beim Füttern an, obwohl nur Baby ein Lätzchen trägt und die besten Eigenschaften hat es natürlich nur vom Vater und nur von der Mutter und von beiden wird das natürlich gleichzeitig behauptet.

Man kann sich ein bißchen selber reflektieren, wenn man das Buch gelesen hat, obwohl es ja hauptsächlich aus bunten Kugeln besteht. Das habe ich schon geschrieben und möchte es noch einmal betonen und vielleicht auch dazu setzen, daß ich daraus, obwohl meine Tochter ja schon über dreißig ist und ich mich schon über vierzig Jahre mit Entwicklungspychologie beschäftige, einiges aus dem Buch gelernt habe, von dem ich vorher nicht dartüber nachgedacht habe, daß es so ist.

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz “Yseut”, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers “Centrope-Workshop” analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem “Präfix” kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:”Yseut hat dann…”. zum Beispiel oder “Yseut mußte lachen.”

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise “Die Schmerzmacherin” glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei “Yseut” war das nicht so, da habe ich diesen “Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den “Amazon-Rezensenten” prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

“Verschlungen!”, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als “alte Frau” beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie “Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde”, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das “Sacre Cour”, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

“Grüne Wanzen gibt es nicht!”, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich “Isabella”, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei “Fischer” verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

Angekommen

“Angekommen!”, dachte Slavenka Jahoda und schaute ein wenig trübsinnig vor sich hin. Ließ den Kopf mit den kurzgeschnittenen rötlich gefärbten Haaren durch das kleine Atelier gleiten, in das Doktor Hartner sie vorhin geführt und die Türe dann hinter sich geschlossen hatte.

“Dann laß ich Sie allein, damit Sie auspacken und sich in Ihrem neuen Reich ein wenig heimisch fühlen können!”, hatte er, der wohl zwanzig oder waren es schon dreißig Jahre, älter als sie war, zu ihr gesagt und sie dabei wohlwollend väterlich durch seine viereckige Brille angesehen.

“Wenn es Ihnen recht ist, Fräulein Jahoda!”

Er hatte wirklich diese Form gewählt, obwohl sie im Institut gelernt hatte, daß das schon längst veraltet war und man im Deutschen und sicher auch im Österreichischen, jede Frau ab achtzehn, als solche anszusprechen und sie hatte ihren vierundzwanzigsten Geburtstag schon vor zwei Monaten gefeiert, noch bevor sie gewußt hatte, daß ihr Stipendiumsantrag bewilligt worden war und sie den Monat Mai und den Juni, als Stipendiatin am Institut für höhrere Studien verbringen und über den Einfluß von Blogs aufs den Literaturbetrieb forschen würde können.

Das war ihre Dissertation, die sie am Germanistischen Institut von Bratislava schrieb und nach dem das Stipendiuum bewilligt worden war, hatte sie ihren Rucksack und ihre Reisetasche gepackt, war mit dem Bus hierhergefahren und von Doktor Stefan Hartner, der ihr Stipendiumsbetreuer war, in der Bibliothek des Institutes empfangen worden, der sie in das kleine Atelier, das den Stipendiaten zur Verfügung stand, hinaufbegleitet hatte und sie dann wieder in die Bibliothek hinunter bestellt hatte.

“Treffen wir uns in einer Stunde in der Bibliothek, damit wir alles Weitere bresprechen können! Ist Ihnen das recht?”, hatte er wieder in seiner väterlich umständlichen Art gesagt und sie hatte energisch genickt, wobei ihr die frischgewaschenen Haare ins Gesicht gefallen waren, ihm beim Schließen der Türe zugesehen und ließ den Blick nun über das Zimmerchen gleiten, das für die nächsten zwei Monate das ihre sein würde.

Ein Bett, ein Schrank ein Schreibtisch, zwei Sesseln und eine Badezimmernische mit einer WC-Muschel und einer Duschkabine. So weit nicht weiter aufregend und von dem Studentenzimmer, das sie in Bratislava bewohnte, nicht wirklich zu unterscheiden und zu Hause in Kosice, wo sie mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern in einem dieser heruntergekommenen sozialistischen Plattenbauten aufgewachsen war, war es auch nicht schöner gewesen.

So weit so gut und nicht wirklich aufregend. Also die Tasche und den Rucksack auspacken, die T-Shirts und die Jeans in den kleinen Kasten räumen, den Laptop auf den Schreibtisch stellen und die mitgebrachten Bücher auf das Regal räumen, das sich über dem Bett auch noch befand.
Dort hatte vorher nur ein Stadtplan von Wien gelegen, den ihr Dr. Hartner oder ein anderer Institutsmitarbeiter vorsorglich hingelegt hatte, damit sie sich auskennen und in der Stadt zurechtkommen würde. Jetzt standen ihre Bücher da, obwohl sie die für ihre Dissertation  nicht besonders brauchte, denn sie wollte ja das Internat erforschen, beziehungsweise, die literarischen Blogs, die es in diesem gab und darüber gab es noch nicht viel Printliteratur und auch noch nicht sehr viele Dissertationen.

Und um das zu verändern war sie auch hergekommen, obwohl ihr Bratislaver Doktorvater Dr. Jan Prochazka zuerst den Kopf geschüttelt hatte, als sie ihm von ihrem Plan erzählt hatte. Das war ihm zu modern erschienen und er hatte wohl auch nicht wirklich geglaubt, daß Blogs einen Einfluß auf den Literaturbetrieb haben könnten, dann hatte sie ihm die dreitausend Artikel des Blogs, der Eja Augustin gezeigt, in denen die das literarische Lebens Wien der letzten zehn Jahre beschrieben und belebt hatte und er hatte einlenkend  “Wenn Sie glauben, Kollegin!”, gesagt.

Er hatte das altmodische Wörtchen “Fräulein” nicht dabei verwendet, obwohl er sicherlich nicht fortschrittlicher, als Dr. Hartner war oder doch. Sie durfte ihm nicht unrecht tun, hatte er ihr doch vorgeschlagen, sich um ein Erasmus-Stipendium zu bewerben, damit sie nach Wien fahren und am Orte des Geschehens forschen könne, obwohl sich die dreitausend Blogartikel der Eja Augustin im Netz befanden. Aber Dr. Prochazka las, wie er selber eingestand, keine Blogs. Dafür fehlte ihm die Zeit. Sie waren ihm wohl auch zu unwichtig und sie hatte auch nichts dagegen nach Wien zu fahren und sich die Orte des Geschehen von denen, die Bloggerpionierin immer schrieb, selber anzuschauen und hatte auch schon ausgemacht sich mit ihr in der “Alten Schmiede”, sowie im “Literatuhaus zu treffen” und in die Bibliothek des Doktor Hartners wollte sie auch kommen, um sie kennenzulernen.

“Angekommen!”, dachte Slavenka Jahoda also noch einmal und verstaute auch den Rucksack und die schwarze Reisetasche in den kleinen Kasten. Jetzt mußte sie nur noch ein SMS nach Hause schicken, damit die Mutter und der Vater sich keine Sorgen um sie zu machen brauchten.  Die Geschwister waren nicht zu Hause, verbrachte der Bruder Petr doch auch ein Forschungssemester an der University von Massachusetts und die Schwester studierte Medizin in Bratislava.
Dann vielleicht das T-Shirt wechseln, da das blaukarierte mit dem sie hergefahren war, schon einen leicht zerdrückten Eindruck mache, also das weiße mit den lustigen roten Punkten erneut aus dem Kasten nehmen und dann rasch ins Badezimmer huschen, um sich die rote Haarpracht zu frisieren, damit sie vor Dr. Hartner und Eja Augustin  keinen schlechten Eindruck machte und dann hinuntergehen in die Bibliothek, die Bloggerin kennenlernen und mit Dr. Hartner besprechen, wie er sich ihre Stipendiumszeit vorstellte.

Von der Seestadt zum Museumsquartier

Eine aktive Phase meiner zweimonatigen Textrecherche- und Geschichteschreibezeit hat begonnen, als der Alfred am Donnerstag früh mit dem Karli in das Flugzeug nach Amerika gestiegen ist, um dort dreieinhalb Wochen zu bleiben und ich habee speziell für das erste “freie” Wochenende sehr viel vor.

Mich selbst, beziehungsweise das Literaturgeflüster ein bißchen feiern, auf Einkaufstour gehen, obwohl ich mir da ja am Freitag im Traisencenter und am Samstag in St. Pöltenschon ein bißchen was zum Anziehen gekauft habe und Geschichten-, beziehungsweise Romanstudien schreiben.

Da bin ich Dank Annika Bühnemanns Schreibimpulsen ja schon fleißig unterwegs und habe bereits drei Geschichten, bezüglich meiner einsamen Pizzeria-Frau und ein ungefähres Handlungskonzept, das ich zwar, nach dem ich die Marlene Streeruwitz gelesen habe, nicht so besonders fetzig finde, habe ich auch und vor mit den Schreibimpulsen bis Ende Juni weiterzumachen. Fortetzungsgeschichte für Fortsetzungsgeschichte schreiben und dann schauen, wie weit ich damit gekommen bin.

Daß ich für ein neues Konzept durch Wien spaziere, zum  Friseur gehe und wenn nötig, mir auch was zum Anziehen kaufe, ist  nichts Neues. Da bin ich ja schon einmal im Oktober mit der U2 in die Seestadt Aspern hinausgefahren, habe dort aber eigentlich nur eine Baustelle gefunden, obwohl ich im MUSA ja von einem diesbezüglichen Schreibprojekt gehört habe, es auch eine eigene Buchhandlung gibt und mir ein E.A. Richter auch einmal sagte, er würde dort wohnen.

Was lag also näher als den Versuch zu wiederholen, obwohl ich ja ein bißchen skeptisch war, was ein Touristentag mir für mein Pronjekt bringt und da am Donnerstag ja Feiertag war, fiel das Einkaufen auch aus oder wird am Samstag nachgeholt.

Ein bißchen hatte ich Angst, daß mir nach zwei drei Stunden die Lust ausgeht, da in Wien herumzuspazieren, so habe ich mir in der vorigen schlaflosen Nacht, Gedanken gemacht, was das bringen könnte?

Daß ich wieder die Seestadt suchen werde, das war schon fix und ich hatte auch vor dort zu essen, neben dem Mc Donald`s nehme ich ja auch ganz gern einen Asia Snack, wie Beispielsweise ein Nudelbox mit Huhn. Aber das bringt nicht viel für mein Projekt und ist nichtr unbedingt literarisch. Denn große literarische Einblicke werde ich in Aspern oder in der U-Bahn nicht machen, obwohl ich am Mittwoch Michael Hammerschmid auf einem Scooter getroffen habe, als ich in die Spengergasse ging und als ich das letzte Mal von Aspern kam oder war das nach der Buch-Wien Pressekonferenz zu der Frau Führer mich einmal eingeladen hat, Stephan Eibel Erzberg, der mir sagte, daß er zum Arzt gehen müße.

Die literarischen Begegnungen passiren ja eher, wenn ich in die “Alte Schmiede” oder ins Literaturhaus gehe und auch da nicht wirklich, denn da stehe ich meistens daneben und schaue zu, wenn sich die anderen begrüßen und Küsschen auf die Wangen drücken, aber in der Phantasie läßt sich ja einiges herstellen und da passiert derzeit auch einiges in Wien und anderswo. So wurden ja am Mittwoch, die heurigen “Bachmannpreiskanditaten” bekanntgegeben. Also könnte ich Karin Peschka in der Seestadt treffen, wie sie sich auf ihren Text vorbereiten und vielleicht sogar schon das obligarorische Filmchen dreht oder Katja Gasser könnte ich an der alten Donau sitzen sehen, wo sie in ihr Handy oder Laptop schaut, um sich die neuen dBp-Kanditaten auszusuchen und Klaus Nüchtern und Petra Hartlieb sitzen daneben und tue das für den östBp.

Das ist ja interessant und da bin ich schon neugierig, obwohl man diese Vorschauen, wenn man viel Zeit und Geduld hat, auch selber machen kann und ich auch immer im August meine diesbezüglichen Tips abgebe.

Also gut, sehr literarisch ist ein Touristen-Spaziergang durch Wien höchstwahrscheinlich nicht, ich kann aber etwas darüber schreiben und vielleicht auch schon Beobachtungen bezüglich mein neues Konzept machen, das ja sowohl in Berlin, als auch in Wien und New York spielt und wahrscheinlich drei Handlungstränge hat.

Da ist der Ex Verleger Mortitz Lichternstern, der nach dreißig Jahren, seine Jugendliebe Mathilde Schmidt wiedertrifft und erfährt, daß er ein Kind mit ihr hat. Er hat auch Angst an Parkinson oder Alzheimer zu erkranken, weil das auch seinem Vater und Großvater so passierte oder weil ihm in letzter Zeit, statt der schönen Gedichte, wie vorher, lauter kindische Versreime einfallen.

So fährt er nach Wien zum Begräbnis seiner Ex Frau, von der er seit siebenundzwanzig Jahren geschieden ist und lädt Mathilde ein mit ihr in seinem Bus einfach wegzufahren.

Die weiß nicht recht, ob sie das angebot annehmen soll, reflektiert aber ihre eigene Familiengeschichte. Se war ein unerwünschter Zilling und wurde immer hinter ihre Schwster Natalie die ihr auch Moritz weggenommen hat, gereiht und dann gibt es  noch Lily und die könnte, außer daß sie in New York das österreichische kulturinstitut kuratiert, auch einen Blog betreiben oder eine Dissertation schreiben in der sie solche erforscht und da ist mir gestern eingefallen, daß ich ja auch eine Stipendiatin nehmen könnte, die ihre Recherchen auf den Spuren einer Bloggerin oder eines Blogpreises macht.

So weit so gut und so habe ich am Donnerstag zuerst nach einem guten Frühstück in der Badewanne “Yseut” fertiggelesen und bin dann ohne Wasserflasche, das Wetter war ja nicht so schön und ich wollte auch nicht so viel schleppen, aufgebrochen. Das heißt, mit der U2 in Richtung “Seestadt” gefahren, nur leider ist mein Zug nur bis zur “Aspernstraße” gefahren. So hbin ich da ausgestiegen, habe mir eine kleine, “All you can eat Nudelbox” vom Buffet zusammengesucht, die auf einer Bank gegessen und bin dann zwei Stunden auf der Suche nach der Seestadt herummarschiert, bin durch Kleingärten und Neubauten gegangen, bis ich wieder am Ausgangsort angelangt war.

Die Seestadt will sich von mir nicht entdecken lassen, könnte man so sagen, so bin ich am Rückweg beim Museumsquartier ausgestiegen und erlebte dort eine Überraschung, nämlich einen veganen Biomarkt, mit Gratiskostproben, grüner Tee und veganer Austrich wurde verteilt. Man konnte koste und so habe ich schon einen kleinen Vorgeschmack, auf das Buffet, das ich mir ja heute machen will, wenn ich meine Recherchen zu Hause weitermachen möchte und so läßt sich ein Feiertag auch angenehm verbringen und die Touristenströme dabei vermeiden, denn nach Schönbrunn, in den Prater, zur Stephanskirche oder in die Hofburg, wollte ich nicht wirklich marschieren.

Das habe ich schon vor ein paar Jahren gemacht, als ich, als “Strohwitwe” einen “Pfingstmarathon” durchführte und dabei Marlene Streeruwitz “Verführungen” las. Einen Pfingst- oder Lesemarathon werde ich aber nächste Woche wieder machen, dabei vielleicht meine eigenen Bücher lesen und die Termine für den öffentlichen Raum, den ich ja mit der Ruth erforschen will, habe ich mit ihr auch schon abgemacht.

Rote Tränen

Von Ostende im Sommer 1936 ist es nur ein kleiner Schritt zur Zerstörung der Arbeiterliteratur durch Faschismus und Nationalsozialismus und es sind zum Teil auch die gleichen Protagonisten, die hier eine Rolle spielen.

Joseph Roth, Friderike Zweig, Ernst Toller und so habe ich nach der Buchpräsentation vergangenen Dienstag und Voler Weidermanns Stimmungsbild einer untergegangenen Zeit, die “Roten Tränen angefangen, die “Ergebnise der gleinahmigen Internationalen Tagung in memoriam Herbert Exenberger am 14.- 15. November 2014”, wie so schön im Vorwort steht und die in der VHS-Brigittenau stattgefunden hat.

Da war ich wahrscheinlich woanders, vielleicht bei meinem Geburtstagsfest, in Ungarn oder auf der “Buch-Wien” und Herbert Exenberger, den 1943 in Simmering geborenen Arbeitersohn, der es zum Bibliothekar und Sammler der Parteispenden brachte und der 2009 gestorben ist, habe ich, glaube ich, gesehehen, als einmal, ich habe da gerade für das Cover von “Tauben füttern” am Donaukanal foografiert, als eines von Else Felmanns Bücher in der jüdischen VHs, die es irgendwo beim Praterstern gibt oder gab, vorgestellt wurde.

Der Tagungsband beginnt mit den üblichen Grußworten, dann wird gleich Herbert Exenberger vor- und die Frage gestellt, ob die Arbeiterkultur eine Fortsetzung der bürgerlichen oder etwas ganz anderes ist?

Gar nicht nicht so leicht zu beantworten und das Buch, will ja, glaube ich, beweisen, daß diese Kultur, das rote Wien der Zwischenkriegsjahre durch den Faschismus zerstört wurde und ich kann michnur auf das beziehen, was ich, als 1953 geborenene erlebte, als ich in einem der alten Gemeindebauten, erbaut aus den Mitteln der “Breitnerschen-, von dem im Buch auch noch die Rede sein wird, Wohnbausteuer”, aufgewachsen bin.

Von dort bin ich  in Volksschule, dann in die Hauptschule, mehr war zuerst nicht drin, dann in die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe gegangen, um doch zu einer Matura zu kommen und dann an die Universität, um Psychologie zu studieren.

Und mein Vater war wohl so ein typisches Arbeiterkind in den Ottakringer Jubiläumsbauten, als der Kaiser ein solches hatte, aufgewachsen, in die SPÖ eingetreten, dort Parteifunktionär und an die Frau Schauffler, die jedes Monat, den Parteibeitrag abkassieren gekommen ist, kann ich mich auch noch erinnern.

Das jährliche Weihnachtsbuch der Kinderfreunde für die Parteimitglieder, gehört für michzurArbeiterkultur und meine Eltern hatten, glaube ich, einVolksstheater-Abo, keines in der Oper oder im Burgtheater und den berühmten schönen Bücherkasten, der zuerst im Wohnzimmer später im Schlafzimmer stand, als meine Schwester, dieses für sich bekommen hat, hat es auch gegeben.

Dort sind die Büchergilde Gutenberg-Ausgaben gestanden, die B. TravenBände, Joseph Roths “Radetzkymarsch”, die Brunngrabers und noch einiges anderes, was inzwischen von mir gelesen wurde und jetzt in Harland steht.

Für mich gibt es diese Arbeiterkultur also ein bißchen noch, der Vater hat die AZ gelesen, die Mutter “Die Frau”.

Diese Zeitungen gibt es nicht mehr, sie wurden eingestellt, wie es auch den “Luitpold-Stern-Preis” der Gewerkschaft nicht mehr gibt, weil der ja nach dem “Bawag-Skandal” 2005, nicht mehr vergeben wird und noch viel früher, als Kreisky gerade reagierte und ich studierte, war ich mit meinem Vater und der SPÖ einmal ein paatr Tage in Schweden, um uns dort den Sozialismus anzuschauen und in der Oper war ich auch einmal mit ihm.

Das war eine Parteiveranstaltung, da ist, glaube ich der Minister Sinowatz auf die Bühne gekommen und hat gesagt “Ich höre gleich mit dem Reden auf, damit wir uns die Zauberflöte anhören können!”

In der berühmten Ausstellung “Mit uns zieht die neue Zeit” oder so ähnlich, hat sie geheißen, war ich auch  mit meinem Vater. Es erscheint mir also vieles gar nicht so unbekannt, was in dem Buch steht und Alexander Emanuely, einer der Herausgeber bezieht sich in seinem Beitrag “Rund ums “Erste proletarisch-revolutionäre Denkmal in Wien-” auch  auf eine Else Feldmann Geschichte, die ja in Brigittenau geboren, in der Arbeiter-Zeitung schrieb und von den Nazis ermordet wurde.

“Der Leib der Mutter” in der Originalausgabe befindet sich auch in den Harlander Regalen, denn das hat mein Onkel Hans wahrscheinlich meiner Mutter 1933 oder so zu Weihnachten geschenkt.

Jürgen Doll bezieht sich  in seinen Beitrag auf Luitpold Stern, den führenden Bildungsfunktionär der Arbeiterbibliotheken, der selbst gedichtet hat, ich habe einmal zwei Bände seiner Gesamtausgabe in den Schränken gefunden und wohl ein wenig pathetisch gewesen sein muß und den Arbeiter  “Weihespiele” und solches schenken oder verordnen wollte, während die vielleicht lieber in die Kabaretts von Jura Soyfer gegangen sind.

Ester Saletta bezieht sich und das fand ich sehr interessant in ihrem Beitrag auf Adelheid Popp, die Arbeitertochter die in ihren “Aufzeichnung” “Die Jugend einer Arbeiterin” genau die katastrophalen Zustände, wie sechzehn Stundentag, etcetera beschrieben hat und dann in den sozialistischen Partei für andere Zustände kämpfte und sich auch von den Nazis nicht einschüchtern ließ.

Wolfgang Fritz läßt zwei “vergessene Namen” nämlich Rudolf Goldscheid und Hugo Breitner wieder auferstehen. Aber ich bin ja jeden Tag an der Tafel mit der “Breitnerschen Wohnbaustuer” vorbeigegangen und habe das, glaube ich, auch meiner Volksschulllehrerin vorgetragen, als die wollte, daß wir unseren Schulweg oder Wohnhaus beschreiben.

Sabine Lichtenberger berichtet auch von Luitpold Stern und führt dann noch zwei weitere Arbeiterbildungsfunktionöre nömlich Franz Rauscher ud Richard Wagner an, die mir kein Begriff sind. Aber vielleicht ist mein Vater wirklich in ihre Volkshochschulkurse gegangen und den Namen Luitpold Stern habe ich, glaube ich, durch den gleichnamigen Preis, zu dem ich ja hinschickte und den ich bevor er eingestellt wurde, auch ein paarmal gewonnen habe, durch das Handbuch der IG-Autoren kennengelernt.

Primus Heinz Kucher hat schon bei der Präsentation von den Literatur- und Filmkritiken von Fritz Rosenfeld, der dann später als Kinderbuchautor Friedrich Feld durch die Gaben der Wiener Kinderfreunde bei mir Einzug gehalten hat und dessen Bücher auch in dem großen Harlander Bücherregal stehen, denn ich bin ja eine Sammlerin und werfe nichts weg, berichtet und Evelyn Adunka, die Historikin, die ich regelmäßig bei den “Krarmer- und anderen Veranstaltungen” sehe, hat sich in ihrem Beitrag ausführlich mit der jüdischen Arbeiterbewegung der “Poale Zion” befaßt, von der ich, wie ich zugeben muß, nicht sehr viel wußte.

Dann folgen zwei Artikel zur Musik und zwar der von Derek Weber, der auch bei der Präsentation über die Rolle des Arbeitersynphonieorchesters referierte, während sich Irene Suchy mit der “Arbeiterinnengesangskultur” beschäftigte.

Im dem Teil der sich mit der “Zerstörung” auseinandersetzt, wird zuerst von der Rolle der Arbeiterkammer berichtet, dann kommt Eva Gebers Beitrag zum “Frauenkampf” und Peter Zimmermanns Beitrag zur “Zerstörung der Arbeiterkultur im zwanzigsten Jahrhundert in Deutschland”, geht sogar soweitin die Zukunft, daß er sich mit Günter Wallraff, Max von der Grün und dem “Werkkreis zur Literatur der Arbeitswelt” auseinandersetzt, wo es ja in den Siebzigerjahren, bei “Fischer”, glaube ich, eine eigene Taschenbuchreihe gab und was den “Max Grün Preis betrifft”, der ja einige Zeit von der AK in Linz vergeben wurde, da habe ich mich auch beteiligt, aber nie etwas gewonnen. Nur einmal wäre ich fast in die engere Wahl gekommen.

Dann folgen zwei Fallbeispiele. So erzählt Yves Müller von der “Köpeniker Blutwoche”, wo die Nazis in den Dreißigerjahren in die Laubenkolonien der Arbeiter bei Potsdam eindrangen und die1928 in Deutschland geborene Vera Freud erzählt anhand des Kinderfreundeliedes “Wir sind jung die Welt ist offen”, das für mich auch eine große Rolle spielte, weil ich ja einige Jahre lang in einer Tanzgruppe der Wiener Kinderfreunde war und auch die Sommer regelmäßig in diesbezüglichen Ferienlagern verbrachte, das Schicksal der gleichaltrigen Dorli Löbl, die mit ihr in Frankreich in einem Kinderheim war und 1942 nach ihrem vierzehnten Geburtstag von den Nazis vergast wurde.

Weiter kommen ein paar Beispielen, wie sich man als Schriftsteller in der NS-Zeit verhalten konnte.

Der Arbeiterschriftsteller, Sexualkämpfer und “Schundheftschreiber” Johann Ferch hat um Aufnahme in die Reichschriftkammer gebeten und war verärgert, daß ihm das nicht gleich gewährt wurde, während die Arzttochter Lyrikerin und Komponistin Hedda Wagner in die innere Emigration ging.

Dann beschäftigt sich Konstantin Kaiser mit dem Volksbildner Otto Koenig, dem Vater des Verhaltensforschers mit den Graugänsen, der der Beitrag heißt “Zwischen Goethe und und Sozialismus” angesiedelt ist.

Traude Bollauf hat ihren Beitrag über Stella Klein-Löw, die als Hausangestellte nach England ging und nach dem Krieg in der Raalgasse Lehrerin war, schon bei der Präsentation vorgestellt und für mich besonders interessant war der Beitrag über Fritz Brügel, dem Schöpfer “Der Arbeiter von Wien”. Er hat auch noch die “Februarballade”, die vom Ausland glaube ich in das austrofasihistische Wien geschmuggelt wurde und das “Flüsterlied” geschrieben.

Dann kommen Erinnerungen oder die Beiträge der Erben von damals, so erinnert sich eine Frau an ihre Kindergarten Erlebnisse in Sandtleiten in dem berühmten Gemeidebau, der ja auch eine Arbeiterbibliothek hat, in der ich mir als Hauptschülerin eine Zeitlang Bücher ausborgte, obwohl ich ja nicht so ein Bibliothekstyp bin und mit den Bibliothekarinennen auch keine so gute Erfahrungen machte.

Dort wurden die Kinder bevor sie in die Schule kamen in den Prater ausgeführt, durften mit den Ringelspielen fahren und bekamen im Restaurant Eisvogel wahrscheinlich ein Kracherl.

Und Peter Schwarz, der das ESRA leitet, erinnert sich an den Widerstand, den seine Mutter und Großmutter in Sandtleiten leisteten.

Vorher war noch einmal Konstantin  Kaiser mit einem Beitrag zum “Verschwinden der Arbeiterkultur” am Wort, aber wie schon geschrieben, ich kann ihm da, da ich doch den Ausfschwung unter Kreisky, der freien Straßenbahnfahrt, dem freien Hochschulzugang, den Schulbüchern, etcetera erleben konnte, nicht ganz zustimmen.

Aber natürlich habe ich auch ein bißchen, die “Verbürgerlichung” meines Vaters erlebt, der nach dem Krieg endlich ein paar große Reisen machen konnte, die Mutter hat im Alter wieder ihre katholischen Wurzeln entdeckt und hat mich, die nicht getaufte, auch in der Schule am Religionsunterricht teilnehmen lassen.

Das hat bei mir nicht gefruchtet und ich habe den sozialistischen Gemeidebau auch ein bißchen als Kontrolle erlebt. Ich habe nach meinem Fertig werden,  auch einige Zeit die Kindergärten der “Kinderfreunde” als Psychologin betreut.

Als ich dort angestellt werden wollte, mußte ich in die SPÖ eintreten. Ich bin wieder ausgetreten und habe bald die Kommunisten gewählt, wähle sie immer noch und gehe am ersten Mai auch vors Paralment und nicht oder erst später oder zwischen durch auf den Rathausplatz, wo jetzt ja die Herren im schwarzen Anzug und mit  den Krwatten stehen und wenn wir Pech haben, haben wir bald wieder eine schwarz-blaue Regierung.

Der Niedergang der Arbeiterkultur hat für mich aber eher erst mit der Einstellung der Arbeiterzeitung, der Abschaffung des freien Hochschulzugangs, den Neoliberalismus, der Generation Praktikum etcetera begonnen und erlebe den Verlust des Sozialismus, wenn ich meinen Kritiker Uli über die “Linken” schimpfen und die Identitären vom “Schreitern von Multikulti” reden höre.

Im Herzen bin ich immer noch eine Sozialistin, meine da auch vielleicht die, die ich gar nicht so erlebt habe.

Lese am Volkssctimmefest und wenn man  wissen will, was Arbeiterkultur ab den Siebzigerjahren war, kann man das warhscheinlich ein bißchen in meinen Blogartikeln und Büchern finden.

Erinnerungen an Hermann Hakel und Jochen Jungs Reime

Vom Centrope wo wir weiter Trojanows “Macht und Widerstand” analysiert haben und ich meine Entdeckungen bei Marlene Streruwitz “Yseut”: “Das Präfix, das konnte alles herstellen. Das konnte alles aus einem Verb machen, Mit “ver” Das war Zustandverständerung. Bewirken. Verhalten. Beurteilen. Verben des Tötens und des Verderbens wurden mit “ver” gebildet. Das hatte sie doch vorgehabt.”, vorgetragen habe, ist es  gleich zu zweimal “Alte Schmiede-Veranstaltungen” gegangen. Gab es doch da einmal eine “Stunde der Literarischen Erleuchtung”, wo Hans Raimund Hermann Hakels Lyrik und Prosa vorgetragen hat.

Und der heute wahrscheinlich ziemlich vergessene Hermann Hakel, der 1911 geboren wurde und vor dreißig Jahren gestorben ist, mit Erika Danneberg verheiratet war, die Zeitschrift “Lynkeus”, an die ich, lang lang ists her, auch was geschickt habe, war ja in den  fünfziger und sechziger Jahren neben Hans Weigel einer der Literaturpäpste oder Förderer junger Talente in Wien.

So hat Herta Kräftner, wie Dine Petrik meint, ihr Problem mit ihm gehabt und ich habe den von der Hakel- Gesellschaft nach seinem Tod herausgegebenen Band “Ein besonderer Mensch”, den es einmal in der “Gesellschaft für Literatur” gab, gelesen und die von ihm herausgegebenen “Jiddische Gedichte“.

Der Sekretär, den ich vor kurzem auch schon in der “Alten Schmiede” hörte, war wieder anwesend und hat auch die Hakel- Publikation der Gesellschaft zur freien Entnahme aufgelegt und Hans Raimund, auch ein Hakel Kenner, hat zu Beginn seiner “Gedächtnismomente”, die autobiografischen Notizen aus dem “besonderen Menschen” gelesen, wo Hakel schreibt, daß er sich  für einen Durchschnittsdichter hält.

Er war wohl, wie auch Erika Danneberg erlebt haben mutß, auch ein schwieriger Mensch und hat sich mit allen oder jeden zerstritten und Hans Raimund hat ein paar Prosastücke, sowie ein paar seiner Gedichte vorgestellt.

Das gibt es eines auf die “Novaragasse”, wo der Dichter auch lebte und eines “Das jüdische Kind”, das laut Hans Raimund und Richard Kovavevic in vielen Anthologien und Schulbüchern abgedruckt war, obwohl sich Hakel sonst nie besonders zum Publizieren seiner eigenen Werke drängte.

Im Programm schrieb Hans Raimund etwas das Hermann Hakel ein konservativer Dichter gewesen sei, der es den heuten Lesern schwer machen würde und Kurt Neumann meinte, als er nach der Veranstaltung auf die Präsentation von Jochen Jungs Gedichtdebut hinwies, darauf, daß es Ahnlichkeiten zwischen beiden Werken geben würden und die waren dann, oh Staunen darin zu finden, daß Jochen Jung der Verleger, der seit einigen Jahren ebenfalls schreibt, “Wolkenherz” habe ich gelesen und bei der Veranstaltung über die “Dichterbegegnungen”, die er ja reichlich hatte, war ich vor einem Jahr in der “Alten Schmiede”, plötzlich vermehrt zu dichten angefangen hat.

Kurt Neumann erwähnte in seiner Leitung, die verschieden Gattungsformen, die in den hundertvierzig Gedichten des bei “Haymon” erschinenen Lyrikdebuts vorkommen, verwies auf Jandl und Shakespeare, als Vorbilder und auf die vielen Themengebiete mit denen sie sich beschäftigen würden und Jochen Jung erzählte , daß ihm in der Nacht, wenn er nicht schlafen könne die Textzeilen einfallen würden, er müsse sie dann sofort aufschreiben und hätte, die Gedichte mit seiner Lektorin alphabetisch geordnet.

Zu meinem Erstaunen waren die meisten der Gedichte gereimt und wirkten für mich daher eher konventoneller, als die von Hermann Hakel, aber mit fünfundsiebzig Jahren kann man sich, glaube ich, auch wenn man ein bekannter Verleger ist und sich mit Handke und Thomas Bernhard etcetera, befreudet war, mit dem Älterwerden und dem Tod auseinandersetzen und kann solche Gedanken auch in Reimform ausdrücken.

Ob ich oder ein anderer älterer Mensch, beziehungsweise ein Hobbydichter, dann einen Verlag dafür gefunden hätte, ist eine andere Frage.

Aber Jochen Jung hat ja schon mehrere Bücher bei “Haymon” und nun den Gedichtband “Das alte Spiel” herausgebracht und erklärte noch, daß es sehr schade wäre, daß sich sehr wenige Leser, Verlage, Kritiker etcetera mit Lyrik auseinandersetzen würden und nur die Leute Gedichte kaufen oder lesen, die selber welche schreiben.

Das tue ich nun nicht, lese aber öfter welche oder gehe zu diesbezüglichen Veranstaltungen und noch eine Neuigkeit habe ich zu vermelden, die vierzehn Auserwählten, die heuer beim Bachmannpreis lesen dürfen, wurden heute bekannt gegeben, von denen mir bei den Österreichern Karin Peschka, Ferdinand Schmalz und Barbi Markovic bekannt sind, deren “Superheldinnen” ich noch lesen muß.

Von Verena Dürr habe ich in der “Auserlesen-Anthologie” etwas gelesen und den Österreich-Armerikaner John Wray in Göttweig gehört.

Die anderen Autoren sind mir unbekannt, was ich aber demnächst sichr ändern wird.

Das Gespräch

Lily war noch eine Weile den Kaffebecher in der Hand auf der Küchentheke sitzen geblieben und starrte auf den Brief, als ob sie sich nicht entscheiden könne.

Sie sollte ins Institut fahren, Slavenka Jagoda kennenlernen und die heutige Veranstaltung organisieren. Das war klar und wichtig. Daran gab es keinen Zweifel und trotzdem hinderte sie etwas daran, aufzustehen, den Brief wegzulegen, die Jacke anzuziehen und das Loft zu verlassen.

Mit der Mami hatte sie vorhin telefoniert, hatte ihr das Versprechen abverlangt, auf das Begräbnis zu gehen und ihr darüber zu berichten. Also war alles erledigt, wie der praktische Phil sagen würde, der sicher nicht verstehen konnte, warum sie trotzdem sitzen blieb und trostlos vor sich hinstarrte.

Auf den Brief in ihrer Hand schaute, den Brief ihrer ihr unbekannten und inzwischen auch verstorbenen Tante, die ihr nicht nur den Namen ihres Vaters, sondern auch seine Adresse und Telefonnummer verraten hatte.

“Das war es!”, dachte Lily, atmete erleichtert auf und griff wieder nach dem Handy, beziehungsweise nahm sie einen Schluck Kaffee, um Kraft und Energie in sich aufzutanken, die sie für das, was sie tun würde sicher brauchen konnte, dachte sie und stürzte mit hastigen Schlucken, die halbwarme Flüßigkeit in sich hinein. Dann nahm sie das Handy in die Hand, schaute noch einmal in den Brief und tippte die Nummer ein.

Erst als das getan war, begann sie nachzudenken, ob das wirkliche einge gute Idee und bezüglich der Zeitverschiebung zu Deutschland der richtige Zeitpunkt war?

Aber die Mami hatte sie vorhin auch angerufen und die hatte nichts dagegen gehabt, sondern nach anfänglichen Sträuben sogar versprochen auf das Beräbnis zu gehen. Also würde es auch hier klappen und sie nicht so falsch liegen.  Und wenn sie schon  dreißig Jahre auf diesen Zeitpunkt gewartet hatte, war die Urzeit eigentlich  egal, dachte sie und schluckte, weil sich jetzt eine rauchige Männerstimme meldete.

“Lichtenstern!”

Aha, ach  richtig und was sollte sie jetzt sagen?

“Hallo, hier ist Lily Schmidt, aus New York, Mathildes Tochter, die Nichte von Tante Natalie und da habe ich jetzt einen Brief von der Tante beziehungsweise deren Notar bekommen, die mir mitteilte, daß ich deine Tochter bin!”, stammelte sie in das Telefon und war schon bereit abzubrechen, als sie die rauchige Stimme übern Ozean, in dem ihr nicht sehr bekannten Berlin, erstaunt sagen hörte “Lily! So ein Zufall, ich wollte gerade selbst nach dem Hörer greifen und dich anrufen, habe ich doch auch einen Brief von Dr. Höllmoser bekommen, wo mir Natalie, die offenbar gestorben ist, mitteilte, daß ich eine Tochter habe! Verzeih, dem alten Mann, daß er nicht so schnell reagierte und du mir zuvorkamst! Aber das ist wunderbar, ich habe nicht gewußt, daß ich eine Tochter habe! Mathilde ist damals so schnell verschwunden, als ich mich von Natalie düpieren und ohne, daß ich die Verwechslung merkte, zum Traualtar schleppen ließ und hat sich nie mehr gemeldet! So erfahre ich erst, als alter Mann etwas von dir!”, stammelte  auch er verwirrt und wollte von ihr wissen, ob sie auf das Begräbnis käme und sie sich dort kennenlernen könnten?”

“Das nein, das nicht, ich fürchte, ich komme vom Institut nicht weg! Aber die Mami, das hat sie mir gerade versichert geht dorthin, wenn du das vielleicht auch tun willst, dann könntest du-!”, stammelte nun wieder sie und die rauchige Stimme am anderen Ende des Ozeans schien sich gefaßt zu haben und sagte beruhigend “Natürlich, Lily und dann schnappe ich deine Mutter und komme mit ihr zu dir, falls sie das will und jetzt fahre ich nach Wien, um mich mit ihr auszusprechen!”
Sie nickte, sagte “Ja!” und “Natürlich, Papa!”, erzählte ihm von Phil, ihrem derzeitgen Lebensabschnittspartner, der sie höchstwahrscheinlich nicht so einfach verwechseln würde, aber sie hatte auch keine Zwillingsschwester, so daß, das gar nicht möglich war.

Dachte dann an Slavenka Jagoda, die schon im Institut auf sie wartete und stammelte weiter in die Leitung, daß sie sich freue, ihn so leicht erreicht zu haben und sie jetzt wisse, daß ihr bisher unbekannter Onkel auch ihr Vater wäre!

“Und jetzt muß ich ins Institut, Papa, die neue Praktikantin, die ich einführen muß, wartet sicher schon auf mich!”, stammelte sie erneut.

Er nickte und antwortete “Natürlich, Lily, mach dir keine Sorgen! Ich muß, glaube ich, jetzt auch nach Wien und melde mich wieder, wenn ich mit deiner Mutter gesprochen habe! Dann komme ich, das verspreche ich,  entweder mit ihr oder allein  nach New York und schaue mir das Kulturinstitut, das sehr berühmt sein soll und wenn du möchtest auch deine Praktikantin an! Aber die Hauptsache ist natürlich mein mir unbekanntes Töchterlein!”, hörte sie seine Stimme in der Leitung und hatte Tränen in den Augen, als sie das Handy weglegte, beziehungsweise Phil schnell ein SMS schickte, damit auch er erfuhr, was in dem Brief gestanden hatte und, daß sie jetzt wußte, wer ihr Vater war und sie gerade mit ihm gesprochen hatte.

Ostende

Vom Bodensee geht es jetzt nach Ostende und von der Zerstörung der Arbeiterkultur in den Sommer 1936, wo sich Stefan Zweig, Joseph Roth und noch einige andere aus Deutschland Vertriebene trafen.

Ich habe mich ja im vorigen Jahre für meine “Berührungen” intensiv mit Stefan Zweig beschäftigt, da fast alles, was ich im Hause hatte von ihm gelesen, die Ausnahme war die Biografie von Marie Antoinette aus der Arbeiterbibliothek meiner Eltern, denn die hatte ich noch in meiner Hauptschulzeit gelesen und wollte es nicht nochmals  tun.

Da bin ich auch auf zwei Bücher über Stefan Zweig gestoßen, nämlich auf Volker Weidermanns, dem 1969 in Darmstadt geborenen, der jetzt das literarische Quartett moderiert, “Ostende” gestoßen, sowie auf Ulrich Weinzierls “Stefan Zweigs brennendes Geheimnis”, wo dieser nachweisen will, daß Zweig ein Exhibionist und Homosexuell gewesen ist.

Etwas, was ich mit Skepsis  betrachtet, es geht mich auch nichts an, auf das Weidermann-Buch war ich aber sehr neugierig und hoffte es irgendwann in einem der Bücherschränke zu finden. Dann bin ich im März nach Leipzig gefahren, habe mich dort mit Ulrike Meier von “Kiepenheuer & Witsch” getroffen, die mit mir die Herbstvorschau ihres Verlags durchgegangen ist und mich darauf hinwies, von VolkerWeidermann wird ein neues Buch erscheinen.

Da habe ich sie gefragt, ob sie mir vielleicht “Ostende” schicken könne?

Sie tat es und jetzt habe ich das knapp über hundertfünzig Seiten dünne Büchlein gelesen, das, wie man vielleicht sagen könnte, ein Zeitbild von 1936 gibt, wo sich Stefan Zweig mit seiner damaligen Sekretärin, die auch schon seine Geliebte war, Lotte Altmann nach Ostende begab, um eifrig seine Bücher zu schreiben. Deshalb sollte das Fräulein Lotte auch die Schreibmaschine mitbringen und, wie Volker Weidermann meint, noch einen schönen Sommer zu verleben, bevor der Krieg ausbrach und das Anfang vom Ende begann.

Zweig ist schon einmal, nämlich 1914 in Ostende, wo ja auch ein Krieg begonne hat, gewesen und er war mit Joseph Roth befreundet, dem Monarchisten und Trinker, der damals schon so versoffen war, daß Stefan Zweig dem amerikanischen Verleger vor dem Abfall der Qualität warnte, worauf sich der weigerte, die weiteren Bücher zu verlegen. Sonst hat Zweig, der Millionär, wie er im Buch genannt wird, Roth aber finanziell untersützt. Hat ihm zuerst eine Hose und dann noch eine Anzugjacke nähen lassen und sich mit ihm auch regelmäßgi im Cafe Flore getroffen. Er hat auch geschaut, daß der Trinker regelmäßig eine warme Mahlzeit zu sich nahm und an die frische Luft kam, was Roth nicht so wollte, weil, wie er laut Volker Weidermann sagte, “Die Fische ja auch nicht in Kaffeehaus gingen.”

Es gab aber noch andere Künstler, die im Sommer 1936 Ostende besuchten. Eine davon war die einzige Nichtjüdin in der Runde, nämlich Irmgard Keun, deren Bücher aber von den Nazis verboten wurden. Sie klagte zwar dagegen, hatte aber keine Chance. So kam sie nach Ostende, verliebte sich in Roth, der wie Volker Weidermann erkärt, schon dünn wie ein Gespenst war und kaum Zähne mehr hatte und begann mit ihm eine Beziehung, wo er sie, wie Weidermann schreibt zum Trinken, sie, ihn davon wegbringen wollte, aber Roth hat gesiegt.

Außerdem war noch der rasende Reporter Egon Erwin Kisch mit seiner Frau Gisela da, das Ehepaar Troller, Hermann Kesten und Arthur Koestler und Volker Weidermann erzählt ein bißchen die Bigorafien der Freunde “Sommer der Freundschaft”, ist ja der Untertitel, aber auch was sonst noch in diesem Jahr passierte.

Schuschnigg ließ sich auf einen Pakt mit Hitler ein, in Deutschland gab es die olympischen Spiele, Klaus Mann hat seinen “Mephisto” herausgebracht und als der Sommer zu Ende war, zerstoben die Freunde in alle Richtungen.

Zweig fuhr zuerst zum Pen-Kongreß nach Argentinien und dann zum ersten Mal nach Brasilien um zu erkunden, ob das Land eine Lebensform für ihm wäre, wo er sich ja 1942 umbrachte.

Der Film “Vor der Morgenröte”– “Ich grüße alle meine Freunde, mögen sie die Morgenröte noch sehen nach der langen Nacht! Ich, allzu Ungeduldiger gehe ihnen voraus!”, zeigt davon.

Joseph Roth befand sich in finaziellen Nöten, ging mit Irmgard Keun nach Paris, wo sie sich bald von ihm trennte und starb  im Mai 1939.

Irmagard Keun wurde  in den Siebzigerjahren durch die Zeitschrift “Emma” wiederentdeckt. Da habe ich jedenfalls von ihr gehört, mir ihre Bücher gekauft und gelesen und Volker Weidermanns Zeitbild über den Sommer 1936 kann ich allen an der Geschichte und der Literatur interessierten sehr emfpehlen und mein Buch über die Schreibkrisen und das Theaterstück einer jungen Exil-Iranerin, wo sie Stefan Zweig und Heimito von Doderer am 12. 2. 1934 im Cafe Central treffen, natürlich auch.

Eine Roman genannte Textcollage

Heute bin ich, was mir ja nicht sehr oft passiert, zu einem mir völlig unbekannten Autor zu einer mir völlig unbekannten Buchpräsentation in die “Alte Schmiede” gegangen. Gut, Markus Köhle moderierte, das war ein Anhaltspunkt und eine andere Alternative hat es auch nicht gegeben.

Aber gut, ich bin ja neugierig und der “Verbrecher-Verlag” in dem Markus Binders “Teilzeitrevue” erschienen ist, war mir auch von der Anke Stelling und dem dBp-Preislesen 2015 ein Begriff und war auch beim “Indie-Bookday” beim “Lhotzkys Literaturbuffet”, wo übrigens auch Markus Köhle anwesend war, präsent.

Daß der 1963 in Enns geborene Autor und Musiker, den meisten durch das Sängerduo Attwenger ein Begriff ist, hat dann Markus Köhle in seiner Einleitung erklärt und dazu gefügt, daß der Sänger-Musiker schon 2005 im “Verbrecher-Verlag” ein Prosa-Debut namens “Testsiegerstraße” hatte.

“Teilzeitrevue” ist eine Fälschung oder Täuschung erklärte Markus Köhle noch und hielt das Buch hoch, um das Cover zu präsentieren.

Roman hat es der Autor genannt, Markus Köhle hat, glaube ich, gesagt, daß man die 550 Textbestandteile aus denen es bestehen würde, auch so bezeichnen könnte und es gibt auch einen Handlungsbogen, nämlich ein Paar, eine Sie und ein Er, beide nicht nähbe benannt und beschrieben, weil das wie der Autor erklärte, nicht so wichtig wäre, fliegen von Mexiko nach Europa und die fünfhunderfünfzig Textbestandteile, die aus Songtexten, Gedichte, Dialogen, etcetera bestehen, spielen sich in sechsunddreißig Stunden ab.

Markus Binder hat schon zweimal in Wien aus dem Buch gelesen und ein Kritiker hat, glaube ich, gesagt, was ich auch schon einmal zu hören bekommen habe, daß die Protagonisten zu passiv wären.

Dem hat Markus Binder widersprochen, denn die zwei reisen ja von Mexiko nach Europa, verbringen eine Nacht in verschiedenen Lokalen, fahren mit dem Zug, etecerta, also eigentlich passiert, sehr viel an Fragmenten, Täuschungen Beobachtungen, Wahrnehmungen, aber nichts, was einer linearen Handlung oder einem Plot entsprechen würde.

Es ist also eher eine konstruierte Textfläche und um das Ganze noch spannender oder mulitmedialer zu machen, gibt es dazu noch Songs und Videos, die man sich auch, gratis, wie der Autor betonte, im Internet abrufen könne.

Drei davon hat er gesungen und dazu die Videos gezeigt, einer heißt  “Ich kaufe nichts” und man sieht dazu Märkte in Odessa, Modawien und noch an einem Ort, den ich nicht ausschreiben kann, denn Markus Binders Textcollage ist auch sehr konsumkritiksch.

Dazu gibt es einen Text von Markus Köhle im Programm: “Markus Binder hat ein Ohr für den Sound der Zeit. So eigenwillig wie seine musikalische Arbeit ist auch seine literarische. Ja in Teilzeitrevue gibt es einen Er und eine Sie, die erfreulich gesellschaftskritisch und geräuschsenibel sind. Ja es gibt auch ein Handlungsgerüst: es wird gereist, er wird getanzt, es wird geliebt, es wird konsumiert, nein Konsum kritisiert. Aber vor allem wird beobachtet.”

Das sagt eigentlich schon alles und zuerst hat es, wie schon beschrieben, eine Einführung von Markus Köhle, die eigentlich auch schon ein Gespräch mit dem Autor war, gegeben. Dann hat der durch sein Buch geführt, Textstellen vorgelesen, gesungen, die Filme gezeigt und sich selbst dazu immer wieder kommentiert:

“Diese Stelle gefällt mir auch sehr gut”, beispielsweise oder “Das habe ich nicht ganz verstanden!” und ich habe wieder einmal eine sehr spannende Variante des zeitgenössischen Schreibens erlebt und glaube sogar, daß ich ähnlich beschreibend begonnen habe, dann bin ich erzählender geworden.

Markus Binder ist, wie er sagte, bei den Fragmenten geblieben und das finde ich sehr schön, daß die Gegenwartsliteratur so vielfältig und verschieden ist und denke, daß sie das auch soll und habe jetzt ein Buch und einen Autor kennengelernt, die sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wären.

Das heißt es kann sein, daß ich das Duo Attwenger schon einmal im Literaturhaus oder bei einer anderen Veranstaltung gehört habe.

Weiter mit den Schreibvorbereitungs- und Recherchemonaten

Den Mai und den Juni habe ich mir als Studien und Recherchemonate bezüglich des nächsten Schreibprojektes vorgenommen und habe da, da es in dieser Zeit ja auch Annika Bühnemann zehn Geschichten-Callenge gibt, einiges vor, beziehungsweise mit dem Geschichtenschreiben schon begonnen.

Ich beginne meine neuen Schreibprojekte ja immer mit Recherche beziehungsweise beende ich die Niemandszeit zwischen dem Alten und dem Neuen mit Ritualen, wie Fensterputzen, Aufräumen, dann sammle ich Material bezüglich des nächsten Projektes, laufe in der Stadt herum, um zu recherchieren oder aber auch, um einzukaufen oder mich und mein Schreiben ein bißchen zu “feiern” und zu belohnen.

In der letzten Zeit kam dann ja eine gewissen Ausgeschriebenheit dazu und die Frage, da ich schon soviel geschrieben habe, über was ich noch schreiben soll.

So kam  da irgendwann die Idee, bevor ich mit den nächsten Projekt anfange, mir Zeit zu lassen, Studien zu machen, Wurf oder Kurzgeschichten zu schreiben, etcetera und während ich all das plante, ein bißchen hat mich das ja schon im vorigen Jahr beschäftigt, als ich die “Berührungen” geschrieben habe, kam Annika Bühnemann daher mit ihrer Schreibcallenge und ich dachte “Wow, da schließe ich mich an und mache mit!”

Und sie gibt auf ihrer Twitterseite ja auch immer sehr konkrete Schreibimpulse und das ist eine Idee, die ich auch in unserer Schreibgruppe für mich entwickelt habe.

Haben wir da ja immer ein Thema, das wir uns zu Beginn, des jeweiligen Treffens ausmachen und wenn ich gerade ein aktuelles Projekt habe, schreibe ich  eine Szene zu diesem Thema und das kann ich empfehlen, das ist sehr produktiv und gibt der Geschichte manchmal einen besonderen Kick.

Und ich bin ja eine sehr Schnelle, die das Zeitlassen, obwohl sie  immer davon schreibt, eigentlich nicht kann und so ist es auch diesmal, denn irgenwann, als ich noch beim Schreiben oder beim Korrigieren des “Frühstücks” war, kam ja die Idee über eine Frau zu schreiben die jeden Abend in einer Pizzeria sitzt und dort ein Glas Rotwein trinkt, weil ich eine solche regelmäßig sehe, wenn ich von der “Alten Schmiede” oder der “Gesellschaft für Literatur” nach Hause gehe.

Das habe ich aufgeschrieben. Aber da kam dann gleich der Gedanke “Nicht schon wieder eine depressive Frau. Du hast doch schon so oft über solche geschrieben!”

Das war auch der Auslöser für die Idee mir für den Beginn des nächsten Projekts sehr viel Zeit zu lassen und statt zu schreiben oder zu planen mit Skizzen zu beginnen.

Zufällig bin ich dann, um den ersten Mai mit dem “Frühstück” fertig geworden, was der Ausläöser war zu sagen, die nächsten zwei Monate, bis zur Beginn der “Sommerfrische”, die ja jetzt nur aus verlängerten Wochenenden bestehen wird, werden der Recherche und den Skizzen dienen, sozusagen ein selbsterteiltes Stipedium, wie ich mich vor ein paar Jahren ja auch selbst zur “Stadtschreiberin von St. Pölten” erinannt habe und zwei Monate diesbezügliche Texte verfasste.

Das habe ich beschrieben, dann meine Fenster geputzt und bin am Freitag vor zwei Wochen auch schon ein paar Stunden durch Wien gelaufen, um damit zu beginnen und dann ging es, die zwei Monate sind ja zufälligerweise gut geplant, zuerst ein paar Tage mit der Ruth und dem Alfred um den Bodensee unser Geschenk an sie, um ihren siebzigsten Geburtstag zu feiern und ein bißchen an die “Dichterradkarawane” vor zehn Jahren zu erinnern.

Da hatte ich dann schon ein paar Schreibimpulse der Annika Bühnemann gesammelt und die waren teilweise sehr konkret, so war einer über “Hausarbeit eine fetzige Szene” zu schreiben und ich dachte, wenn ich dann die Fenster putze, werde ich schauen, was ich dabei Fetziges erlebe und darüber schreiben.

Weil ich aber eine Schnelle bin, habe ich nicht so lange damit gewartet, sondern das Fensterputzen in der Vorstellung vorweg genommen und so ist “Die Stipendiatin” entstanden, sozusagen, wenn man will, die erste der zehn Challenge-Geschichten und bis zum Juni, wie Annika Bühnemann vorschlägt, habe ich mit dem Veröffentlichen auch nicht gewartet.

Am zweiten Mai war dann wieder unsere Schreibgruppe und da habe ich einen zweiten Bei Annika Bühnemann gefundenen Schreibimpuls, als Thema vorgeschlagen, nämlich über “Sucht” zu schreiben, da sie vorgeschlagen hat, eine Geschichte zu schreiben, in dem ein Süchtiger seiner Sucht nicht nach gehen kann.

Und während “Die Stipendiatin” Züge von mir hat, beziehungsweise diese ganze Hoyyautorenfrage über die ich mich in den letzten Monaten mit meinen Kritiker Uli herumgestritten habe, der übrigens dazwischen auch darüber eine Geschichte geschrieben und seine Satirekunst zum Bestengegeben hat, ging es da schon, um die Mathilde Schmidt. Eine Szene über die einsame alte Frau, die mit Grippe im Bett liegt und daher nicht in ihre Lieblingspizzeria gehen und, wie gewohnt ihr Glas Rotwein trinken kann.

Und weil ich ja sehr fleißig bin, sind in der Zeit zwischen dem zweiten und dem sechsten Mai, wo wir ja nach Bregenz gefahren sind, zwei weitere Geschichten nach Annika Bühnemanns Vorschläge entstanden, die die Mathilde Schmidt zur Protagonistin haben.

In “Eine unerwartete Aufforderung” habe ich den Impus verarbeitet: “Lass uns abhauen.” Emils Augen glänzten. “Einfach wegfahren und das Leben genießen” und dann gab es noch “Deine jugendliche Figur findet heraus, dass ihre Eltern gar nicht ihre Eltern sind. Was steckt dahinter?”

Da hatte ich schon das Konzept, daß die Mathilde eine Zwillingsschwester, sowie eine Tochter hat und Lilys Vater könnte Moritz Lichtenberg sein, den ihr ihre Zwillingsschwester ja einmal weggeschnappt hatte.

Drei Kurzgeschichten, die ich noch vor unserer Abfahrt geschrieben und während unserer Reise nach und nach veröffentlicht habe, die eigentlich schon zu dem Roman gehören, den ich ja erst im Juli zu schreiben beginnen will.

Man sieht, ich bin eine Schnelle, aber durch die Bodenseerundfahrt ohnehin aus meinen Konzept herausgekommen, denn da bin ich ja geradelt, Schiff gefahren, in eine Paul Klee-Ausstellung gegangen, habe Walser, Köhlmeier,  Arno Geiger und Erika Kronabitter gelesen und habe nicht an meinem Romankonzept weitergearbeitet.

Aber ich nehme mir ja seit einigen Jahren vor, wahrscheinlich seit ich “Mit achtzig Seiten um die Welt” gelesen habe, aus meinen Urlauben Kurzgeschichten mitzubringen, beziehungsweise nachher Reisegeschichten zu verfassen und in den Blog einzustellen.

Da war ich diesmal ein bißchen blockiert, denn außer mir vorzustellen, wie ich durch Überlingen spaziere und dabei Martin Walser sehe, der gerade zum Zahnarzt oder sonstwohin geht, ist mir nicht viel eingefallen und das habe ich dann geleassen, weil ich ja inzwischen auch das Buch “Mit Martin Walser um den Bodensee” gelesen habe, das wahrscheinig einige diesbezügliche Inspirationen wegnimmt oder schon erfüllt.

So bin ich letzten Montag, als wir zurückgekommen waren, zwar bis vier Uhr früh des nächsten Tages an meinen Laptop gesessen, habe die gelesenen Bücher besprochen und meinen Reisebericht geschrieben, aber keine Reisegeschichte und vielleicht ein bißchen schlechtes Gewissen deshalb gehabt.

Denn ich will ja, auch wenn mir das niemand glaubt, alles perfekt machen und bin auch sehr bestrebt, die mir gesetzten Ansprüche zu erfüllen.

So habe ich die Geschichte inzwischen nachgeholt und der “Grenzverkehr” ist, wenn man so will, meine fünfte Challenge-Geschichte und dabei haben wir noch gar nicht Juni und ich bin inzwischen ins verlängerte Wochenende nach Harland aufgebrochen, obwohl es am Donnerstag und Freitag ein sehr vielfältiges Literaturprogramm in Wien gegeben hätte, so findet ja beispielsweise das Centrope- Festival auf das ich mich ja das ganze Semester mit den demensprechenen Textanalysen vorbereite, an diesen Tagen statt.

Ich bin aber am Donnerstag mit dem Alfred und einigen Büchern nach Harland gefahren und war da ein wenig ratlos, wie ich es mit meinem Schreibcampmonat halten soll, bin aber am Freitag mit dem Alfred und der Schwiegermutter im “Bootshaus” Mittagessen gewesen und dann zur “Seedose” beziehungsweise zum Traisencenter gefahren und habe dort ein wenig eingekauft.

Slips, Socken, ein Leiberl, ein Eis gegessen und am Donnerstag fährt der Alfred ja mit dem Karli für ein paar Wochen nach Amerika.

Da habe ich auch schon einiges vor, beziehungsweise, hat sich ja die Ruth schon um Ostern bei mir gemeldet und mir vorgeschlagen, mit ihr in dieser Zeit, den öffentlichen Raum zu erforschen.

Ich will das “Blogbuster-Leseprobenbuch” lesen und dann die noch fehlenden Geschichten und vielleicht, weil ich ja so fleißig bin, noch ein paar mehr, schreiben und dann irgendwie und ganz allmählich zu meinem neuen Roman kommen, für den ich die drei schon erwähnten Geschichten sicherlich verwenden kann. Konzept dazu habe ich noch keines, beziehungsweise noch kein wirklich ausgereiftes.

Ich weiß also wieder nicht so genau, wie beginnen, fortsetzen und beenden oder doch ein bißchen. Am Anfang steht vielleicht die Grippe, dann kommt Lilys Aufforderung doch zum Begräbnis der Tante zu gehen, dort triff Mathilde Moritz Lichtenstern wieder und daztwischen rollt sie ihre Vergangenheit auf. So weit, so what und sehr fleißig.

Annika Bühnemann rät zwar auch in ihren Videos seine Schreibideen nicht zu sehr zu verraten, auf daß sie nicht gestohlen werden, aber da bin ich ich eher unbedenklich, denn natürlich kann jeder über eine Frau schreiben, die abends einsam in der Pizzeria sitzt, aber es kommen bei zwei oder drei Schreibenden sicher zwei oder drei verschiedene Geschichten heraus.

So weit, so what und sehr zuversichtlich meine zwei Schreibcampmonate sehr intensiv zu verleben und etwas kann ich noch verraten, das “Etcetera Köpfe-Heft” für das ich ja im Februar in unserer Schreibgruppe eine Geschichte geschrieben habe und die dann beim Osterspaziergang der LitGes vorgelesen habe, ist inzwischen zu mir beziehungsweise zum Alfred gekommen.

Denn der hat ja Eva Riebler seine Fotos, die auch in dem Heft enthalten sind, zur Verfügung gstellt. Da kann man also auch ein Foto von mir finden und nachlesen, daß ich meine Geschichte beim Osterspaziergang gelesen habe.

Sonst kann ich noch vermelden, am Mittwoch, um zehn werden die Namen der Glücklichen oder Auserwähleten bekanntgegeben, die heuer beim Bachmannpreis lesen dürfen, da habe ich diesmal noch keine Überlegungen angestrengt, wer das denn sein könnte und wen ich davon kenne. Bin also sehr gespannt iund schreibe beziehungsweise recherchiere bis dahin eifrig weiter und dann gibt es auch bald “Neun Jahre Literaturgeflüster” zu feiern.