Grenzverkehr

Wir leben in Zeiten der offenen oder schon wieder geschlossenen Grenzen, wie man merken kann, wenn man beispielsweise im März nach Leipzig zu der Messe fährt oder, wie ich das im Vorjahr mit dem Alfred machte zu einem Kabarettbesuch nach Salzburg.

Denn seit wir in der EU sind, gibt es ja den Schengenraum und so kann man, was damals sehr gepriesen wurde, innerhalb Europas ungehemmt die Grenzen passieren, kann von Deutschland nach Österreich oder Holland fahren und natürlich selbstverständlich auch umgekehrt und das Schöne ist, man muß auch kein Geld mehr wechseln, braucht den Schilling nicht mehr in DM, Gulden oder Lira tauschen und erspart sich so die Umtauschgebühr.

“Fein!”, könnte eine EU-Gegnerin, wie ich es eigentlich bin, sagen und den ungehemmten Grenzverkehr mit der Erinnerung an die finsteren Zeiten beginnen, als die Zwölfjährige im VW-Käfer  ihrer Eltern mit ihnen nach Deutschland und, ich glaube, auch Holland und nach England zu Onkel Alois und Tante Margret fuhr und  ein vielleicht schlecht aufgelegter Grenzbeamter den Vater das ganze Auto von vorne bis nach hinten ausräumen ließ.

Sehr fein, zum Glück gibt es das alles nicht mehr und man kann ungestört herumreisen und  seine Einkäufe machen. Braucht den eingekauften Wecker oder die Flasche Wein, nicht mehr im Hut oder im Büstenhalter verstecken, wie ich als Schülerin einmal, als Schreckgeschiche von einer Lehrerin erzählt bekommen habe, wie ich mich erinnern kann.

Fein, sehr fein sogar, doch dann kam das Jahr 2015 und die Flüchtlingskrise, die Grenzen wurden von den syrischen Flüchtlingswellen überschwemmt, die Wogen des Unmuts und die schlechte Stimmung schwellte hoch, die Angst kam auf und als wir im Jänner darauf, wie schon erwähnt nach Salzburg reisten, also gar keine Grenze passierten, standen am Bahnsteig, die Grenzbeamten oder Polizisten und ließen sich von denen, die nach Rosenheim oder München weiterfahrenwollten, die Pässe zeigen und zwei Monate später auf der Fahrt zur Leipziger messen, mußten wir zwar keinen Pass herzeigen, die deutsche Grenze aber im Schritttempo passieren und überall standen Grenzer und schauten in das Auto.

Das hat sich, wie man täglich in den Nachrichten hören kann, inzwischen noch verschlimmert. Die Grenzen sind trotz Schengenraum wieder zu, vorübergehend aus Angst von den Flüchtlingsmassen überrollt und verschluckt zu werden verschlossen und dann kam Ruths siebzigster Geburtstag und wir machten uns auf mit unseren Rädern den Bodensee zu umrunden, weil wir ja zehn Jahre früher mit ihr und ihrer Radkarawane von Ybbs nach Regensburg gefahren sind, wo  auch eine Grenze im Schenkgenraum unkontrolliert zu überwinden war.

Und der Bodensee hat, da zu  drei Ländern gehörend, ja auch seinen kleinen oder großen Grenzverkehr und eines davon liegt nicht einmal im Schengenraum und so fuhren wir die letzte Woche lustig von der einen Grenzen zu der anderen.

Passierten sie mit dem Schiff am Rhein gleich mehrmals, weil dieses von Station zu Station zwischen der Schweiz und Deutschland eifrig hin- und herpendelte, wobei sich auch die Frage stellte, wie man seine Konsumation bezahlen soll?

“Nehmen Sie Franken?

“Selbstverständlich!”

Und auf dem Schiff wurde auch darauf Rücksicht genommen mit welchem Geld man zahlte, in der Schweiz, Schaffhausen, Rorschach, etcetera sollte es dann anders sein.

Da kostete das Bier, die Bratwurst und der Kaffee neunzehn Franken und das Wechselgeld betrug selbstverständlich einen Franken, weil man muß ja nicht in Euro zahlen und später wurde auch in Franken retourniert mit dem höflichen Bedauern des Kellners, der Kellernerin, der oder die vielleicht, um ihr Trinkgeld fürchtet, daß es der Chef “Leider, leider!”, so wünschen würde.

Aber dennoch, trotzdem ein kleiner oder großer Greznverkehr und ein erhabenes Gefühl von dem Schiff in Gottlieben auszusteigen, in der Konditorei wo es die guten Hippen gab, einzukehren und da wurde, wenn ich recht informiert bin, der Euro auch in Franken umgerechnet und danach die vier Kilometer auf dem schönen Uferweg an Radfahren und Joggern zuerst vorbei und dann ungeheuert durch die Schweizer Grenze nach Konstanz gegangen, wo wir drei Nächte im schönen City-Hotel übernachteten.

Ein kleiner oder großer Grenzverkehr und wenn man, wie beispielsweise es Erika Kronabitter  einmal tat, in Feldkirch wohnt, hat man die Franken immer in der Tasche, denn der Weg nach Lichtenstein ist ja nicht weit und dort wohnen vielleicht die Kinder, ist der Arbeitsplatz oder man trifft sich beispielsweise zum Muttertag mit der Tochter im Kunsthaus, um dort ein Schälchen Kaffee zu trinken und den dann in Euro oder auch in Franken zu bezahlen.

Ein großer und ein kleiner Grenzverkehr und auch ein schöner Urlaub. Eine schöne Radrundfahrt im Dreiländereck am Dreiländersee und dann wieder nach Hause und die Nachrichten aufzudrehen, um vom Schließen der Greznen, dem Bauen der Grenzzäune und dem Flüchtlingsstop zu hölren und man weiß, der Urlaub ist zu Ende. Man ist wieder da und die Regierung hat sich während der schönen Urlaubszeit zufälligerweise auch umgebildet und Neuwahlen ausgerufen.

Es geht uns gut

Auf unsere Bodenseeradrundfahrt zu Ruths siebzigsten Geburtstag, habe ich ja, wie ich das bei Reisen immer mache, versucht mir die entsprechende landesspezifische Literatur aus meinen Bücherschränken herauszusuchen und da habe ich ja einmal Arno Geigers ersten dBp- Buchpreisroman von 2005 im Schrank gefunden und da habe ich gedacht, das passt, weil ja Arno Geiger in Bregenz geboren wurde, wenn er auch längst inzwischen in Wien lebt und mit den Bodensee vielleicht gar nicht so viel zu tun hat.

Aber ich will ja für mein Buchpreisbloggen, die Buchpreisbücher auch auflesen und Arno Geiger kenne ich seit 1996, denn da bin ich auf eigene Kosten, zum Zuhören nach Klagenfurt gefahren und da war er ein sehr junger Autor und hat dort wahrscheinlich einen seiner ersten Texte gelesen, ist dort, glaube ich, auch nicht so aufgefallen oder doch wahrscheinlich, einmal mir und dann hat auch seine Karriere, wie ich einmal in einem Interview mit Martina Schmidt vom “Deuticke-Verlag”, wo dann seine ersten Bücher erschienen sind, damit begonnen.

2004 hat er mit einem Ausschnitt aus “Es geht uns gut” noch einmal dort gelesen und ist, glaube ich, auch nicht sehr aufgefallen, aber dann kamm 2005, das österreichische Jubiläumsjahr mit fünfzig Jahre Staatsvertrag und genau davon handelt der Famimilienroman, der in meiner Lizenzausgabe, einen rötlichen VW mit zwei kleinen Kindern in jetzt altmodischen Badeanzpgen auf dem Titelbild hat.

Als wir den Bodensee schon umrundet hatten und zum zweiten Mal nach Bregenz zurückgekommen sind, um dort das Wochenende mit Erika Kronabitter zu verbringen, habe ich das Buch zu lesen begonnen und bin jetzt damit fertig geworden, das auch in einer Hietzinger Villa im Jahr 2001 beginnt.

Da hat wohl Arno Geiger den Roman zu schreiben begonnen und sein Protagonist Philipp hat da von seiner verstorbenen Großmutter Alma, die Villa geerbt, jetzt geht erauf den Dachboden und ein Schwall Tauben und ihr Dreck empfängt ihn dort, sowie seine Vergangenheit und Familiengeschichte, von der er eigentlich nichts hören will.

Ein raffinierter Zug, um die Handlung in Schwung zu bringen, denn während sich Philipp über seine verheiratete Freundin Johanna ärgert, die am Küniglberg beim ORF, Wettervorhersagerin ist, schwarz zwei Handwerker bestellt, um das Dach zu sanieren und die Sachen ausräumt und wegwirft, wird diese Geschichte aufgerollt.

Denn da gibt es die Großeltern Richard und Alma. Alma hat glaube ich, wie das früher so war, ihr Studium für die Familie aufgegeben und züchtet jetzt Bienen.

Richard ist dafür 1955 Minister und am Staatsvertrag beteiligt, kann aber zu dem Festakt nicht higehen, weil er von Zahnschmerzen geplagt wird, auch so ein Kunstgriff, außerdem betrügt, er seine Frau ständig mit seinen Sekretärinnen und Kindermädchen, das braucht man für einen Familienroman, der die letzten fünfzig Jahre des vorigen Jahrhunderts behandelt, vielleicht auch oder die Leser, beziehungsweise der Verlag, wollen es haben.

Es gibt auch zwei Kinder Otto und Ingrid. Otto, der Hitlerjunge überlebt glaube ich, das Jahr 1945 nicht, dafür verliebt sich die Tochter Ingrid in einen anderen ehemaligen Hitlerjungen nahmens Peter, von dem der Vater nichts wissen will.

Sie heiratet ihn trotzdem, bekommt zwei Kinder Sissi und Philipp, studiert Medizin, was ihrer Mutter wohl nicht glückte und eine Szene beschreibt, wie sie in den Siebzigerjahren Nachdienst hat, dann nach Hause kommt und sich ärgert, daß ihr Peter nicht beim Haushalt hilft, der ist Straßenexperte, hat aber auch ein “Österreich-Spiel” entwickelt, das sich durch das ganze Buch zieht und am Ende des Romanes, wie der Vater dem Sohn am Telefon erzählt, eingestellt werden soll.

Ingrid stirbt sehr früh bei einem Badeunfall und Philipp ist irgendwie orientierungslos. Das Dach wird von den zwei Schwarzarbeitern, von denen einer ein Ukrainer ist, der dorthin zu seiner Hochzeit muß, repariert und am Ende fährt Philipp mit ihnen mit, die ihn eigentlich gar nicht dabei haben wollten, aber die Vergangenheit ist vorbei und Philipp winkt dem Haus zum Abschied nach.

Es gibt in dem nicht chronologisch erzählten Roman, der immer wieder durch seine Detailgetreuheit auffällt, noch eine Szene, wo der Vater schon Witwer ist und mit seinen halbwwüchsigen Kindern, das heißt, der siebzehnjährigen Tochter, die das gar nicht mehr will, auf Zelturlaub nach Jugoslawien fährt und die hat Arno Geiger einmal bei einer der “Rund um die Burg-Veranstaltungen” gelesen, wie ich mich erinnern kann.

Das Geheimnis

“Verdammt,  verdammt!”, murmelte Lily und starrte trübsinnig vor sich hin.

“Was hast du Darling? Ist irgendetwas nicht in Ordnung?”, erkundigte sich Philip, der ihr Lebensabschnittspartner seit genau zweieinhalben Jahren war und schaute sie besorgt an.

“Du schaust so grimmig drein! Gibt es Probleme mit dem Chef und deinem Institut? Aha, ich sehe, du hast einen Brief vor dir liegen! Post aus  Bloody old Europe bekommen? Ist es die Mama, die sich meldet und sich sorgt, ob sich das Töchterlein in dem so gefährlichen Manhatten auch warm genug anzieht, wenn es auf die Straße geht?

“Nein!”, antwortete Lily Schmidt, blickte auf ihre Uhr und stellte erleichtert fest, daß es knapp vor elf war, Zeit für Phil in die Redaktion zu gehen und sie für den Rest des Tages allein zu lassen, was gut war, denn sie wollte, konnte ihm nicht sagen, was in dem Brief stand, den sie von Tante Natalie aus dem schönen Berlin erhalten hatte. Konnte es noch nicht und mußte es vielleicht trotzdem bald tun, denn Phil der, freiberuflicher Reporter bei der New York Times war, hatte einen scharfen Blick und Tante Natalies Absenderstempel schon erkannt.

“Dr. Natalie Lichtenstern-Schmidt, Psychoanalytikerin!”, stand darauf zu lesen und Phil nickte befriedigt vor sich hin.

“Alles klar, der Brief kommt von der Tante! Was will die Gute denn von dir? Laß, wenn ich raten darf, sie nicht zu viel in deiner Seele herumklempern, das tut nie gut!”,wollte er wissen, dann wandte er den Blick von dem Briefkuvert ab und sah sie noch einmal besorgt an.

“Ist alles in Ordnung? Kann ich dich alleine lassen? Du weißt, ich muß in die Redaktion, um elf Uhr dreißig ist Sitzung und wenn ich da nicht pünktlich bin- Aber ich verspreche, ich rufe so bald wie möglich an, um mich zu erkundigen, was das Tantchen von dir wollte und rate dir, wie du ihren Psychoanalytikerkrallen entkommen kannst!”, sagte er in seiner zuversichtlichen Art,  griff dann nach dem Handy, den Kopfhörern und seinen Rucksack und drückte ihr einen leichten Kuß auf die Stirn.

“Klar!”, antwortete Lily und bemühte sich ein zuversichtliches Lächeln auf ihre Lippen zu bringen.

“Klar, kannst du das, keine Sorge, ich muß den Brief erst lesen!”, behauptete sie. Presste diesen fester an sich, dann winkte sie ihm nach und wartete, bis er die Tür zu dem Loft, das sie in einer ehemaligen Fabrik bewohnten, geschlossen hatte.

“Klar kannst du das!”, hatte sie behauptet und damit gelogen. Denn nichts war in Ordnung, ganz und gar nicht. Denn der Brief, den die Tante, die Zwillingsschwester ihrer Mutter ihr aus Berlin gesendet hatte, war das absolut nicht gewesen und hatte sie so durcheinandergebracht, daß ihre Hände zimmterten und sie unwillkürlich zum Küchenkasten ging, um sich ein Glas Whisky einzugießen, denn sie brauchte jetzt etwas Starkes zur Aufmunterung und Beruhigung. Ein Gläschen Whisky on the Rocks, das Phil von einem Arbeitskollegen geschenkt bekommen hatte, wenn schon kein Rotwein im Hause war, den die Mutter, wie sie wußte, so gern am Abend trank, wenn sie sich  in der einsamen Position, in der sie sich befand, abend für abend in die Pizzerie, die es in ihrem Wohnhaus gab, begab, um sich dort von einem jungen Kellner oder auch vom Chef des Hauses ein Glas Chianti servieren zu lassen. Das war eigentlich etwas, was beunruhigen und Anlaß zur Sorge geben könnte. Die Einsamkeit der Mutter, die wie sie fürchtete, in Wien ganz alleine war, weil sich ihre Tochter nach Abschluß ihres Studiums  nach New York geflüchtet hatte und ihre Zwillingsschwester Natalie in Berlin seit Jahren eine psychoanalyltische Praxis führte. Mehr Verwandte gab es nicht, außer Moritz Lichternstern, dem geschiedenen Mannn der Tante, der aber längst aus ihrem Leben verschunden und daher eine Legende war, weil sie selber keinen Vater hatte, beziehungsweise den Namen desselben  nicht kannte, denn der war noch früher, als Moritz Lichtenstern aus der Tante Leben, aus dem der Mutter verschwunden, was heißt, das es ihn schon nicht gegeben hatte, als Lily mit ihrer Mutter in dem alten Zinshaus mit der Pizzeria in Margareten aufgewachsen war.

“Frag mich nicht, Lily!”, hatte sie auf ihre Fragen immer sehr energisch geantwortet.

“Du hast keinen Vater und wir brauchen ihn auch nicht, weil ich versuche, so gut es geht, ihn dir zu ersetzen und du weißt ja, deine Kindergartenfreundinnen haben auch oft keine Väter, weil die ihren Müttern davon gelaufen sind, was ich dir hiermit erspare!”

“Wie der Mann von Tante Natalie!”, hatte die vorwitzige Gymnasiastin einmal gefragt, die diese Nachricht von der Großmutter gehört hatte, aber sofort verstummte, als sie den eisigen Blick der Mutter sah, mit dem die darauf reagierte.

“Genau, Schätzchen und das will ich dir ersparen! Deshalb frage nicht! Woher weißt du das überhaupt von Tante Natalie?”, setzte sie dann hinzu und Lily hatte aufgeseufzt, weil sie schon weise befürchtete, daß die Antwort, ein Besuchsverbot bei der Großmutter einbringen könnte, denn die Mutter, das hatte sie schon als Kind geahnt, verstand sich weder gut mit ihrer Mutter, noch mit ihrer Zwillingsschwster.

Die Großmutter war dann auch gestorben, noch bevor sie ihre Matura abgeschlossen hatte und so hatte sie nie mehr etwas von der Tante in Berlin und dem entlaufenen Onkel gehört, denn die Mutter sprach nicht mehr davon und auch nach ihrem Vater hatte sie nicht mehr gefragt, obwohl sie, das konnte sie nicht leugnen und nicht bestreiten, sehr neugierig auf ihn war und schon daran gedachte hatte, ob sie nicht einen Detetktiv engagieren solle, der ihr dieses Geheimnis lüften sollte.

Und jetzt war das offenbar durch den Brief geschehen, der zwar den Praxisstempel ihrer ihr sehr unbekannten Tante trug, aber ihr eigentlich von einem Notar abgeschickt worden war.

“Sehr geehrte Frau Schmidt! Im Auftrag meiner Mandantin, die letzte Nacht im christlichen Hospitz, am Weissensee, gestorben ist, übersende ich Ihnen diesen Brief!”, hatte er förmlich geschrieben und als sie ihn aufgerissen hatte, lag darin ein Bild eines braunhaarigen lockigen Mannes, der eine Lederjacke und eine Brille trug, der, wie sie von dem Hochzeitsbild der Tante, das ihr die Großmutter einmal gezeigt hatte, erkannte, jener Moritz Lichtenstern war.

“Das ist dein Vater!”, hatte die Tante in ihrer energischen Psychoanalytikerinnenhandschrift darunter geschrieben. “Wenn deine Mutter auch ihr Geheimnis in ihr Grab mitnehmen will, werde ich, die ihr offenbar vorausgehe es lüften und dich informieren. Denn Geheimnisse, liebes Kind, habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, tun nicht gut und machen nur Probleme! Also sollst du es wissen und auch, wenn du dich das fragst, warum deine Mutter ihr  so böse auf mich war und keinen Kontakt  zu mir wollte und auch dich nicht in mein Leben lassen wollte!”

“Aha!”, dachte Liliy und ihre Finger zitterten jetzt so stark, daß der Brief mit dem Bild auf den Boden gefallen war.

“Aha!” und nocheinmal nach der Whiskyflasche gegriffen, um sich ein zweites Glas einzuschenken. Das brauchte sie jetzt und tat ihr gut und Phil war  auch nicht mehr hier und konnte daher nicht sehen, daß seine große starke Liliane, die er doch so bewunderte, gerade dabei war, sich aus der Welt zu trinken.

Aber vorher bückte sie sich gehorsam, um den Brief und das Bild aufzuheben und da bemerkte sie, daß der vorsorgliche Notar ihr den Patenzettel beigelgt hatte.

“Nach kurzen schweren Leiden und tapferen Kämpfen!” stand darauf zu lesen und nichts von einer treusorgenden Schwester. auch nichts von der Nichte oder war es jetzt die Tochter Liliane, die diese hinterlassen hatte. Auch der geschiedene Ehemann war nicht darauf vermerkt, dafür aber das Datum, das, wie Lily trotzdem sich ihr Kopf schon etwas benommen anfühlte, klar erkannte, schon übermorgen, am Wiener Zentralfried Hof stattfinden würde, wo sich, wie sie wußte, die Grabstatt ihrer Großeltern befand.

Übermorgen gab es im Kulturinstitut eine größere Veranstaltung, da konnte sie nicht weg und es wäre ihr auch ein wenig unpassend erschienen, zum Begräbnis einer Tante zu fliegen, die sie eigentlich nicht gekannt hatte. Da wäre ein Besuch der Mutter, um ihr dieses Brief zu zeigen, schon passender, aber auch das mußte sie sich abschminken. Sie hatte Dienst im Instutut und bekam so schell  auch keinen passenden Flug.

Aber anrufen konnte sie sie, die, wie ihr jetzt einfiel, sich gerade von einer Lungenentzündung erholte. Ihr von dem Begräbnis erzählen und  ihr den Brief vorlesen und das würde sie auch tun, weil, wie die psychoanlalytische Tante richtig geschrieben hatte, Geheimnisse nichts brachten und nur unnötige Probleme verursachten. So atmete sie durch, nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Whiskyglas. Dann suchte sie nach ihrem Handy und tippte die Nummer ihrer Mutter ein.

“Hallo, Mami!”, sagte sie, nachdem die sich meldete, dann kurz entschloßen mit schriller Stimme und einem hohen pfeifenden Ton.

“Hast du gewußt, daß Tante Natalie gestorben ist und übermorgen, um fünf am Zentralfriedhof begraben wird. Leider haben wir da eine große Veranstaltung, so daß ich nicht hinkommen kann! Ich will aber, daß du das für mich tust! Bitte, Mami, sie ist doch deine einzige Schwester, bitte Mami, tue es für mich!” wiederholte, sie mit ihrer schrillen alkoholgeschwängerten Stimme und wunderte sich nicht, daß die Mutter aufgelegt hatte und auch nicht darüber, daß sie der Mutter zwar von dem Begräbnis, aber nichts von dem Brief der Tante und dem Bild des ihr unbekannten Ex-Onkels, der eigentlich ihr Vater sein sollte, erzählt hatte, obwohl das der eigentliche Grund ihres Anrufs war.

Zum siebzigsten Geburtstag von Manfred Chobot

Nach dem Centrope-Workshop, wo ich meine analysierte Seite aus Markus Mittmannsgrubers “Verwüstung der Zellen” vorstellte und wir uns dann ein bißchen mit Ilija Trojanows “Macht und Wiederstand” beschäftigten, ist es dann zu Manfred Chobot, gegangen, von dem ich, glaube ich, das erste Mal in den Siebzigerjahren durch die Wochenendbeilage der AZ etwas gehört habe, denn der ist am dritten Mai siebzig geworden und das wurde in der “Alten Schmiede” mit einem Fest gefeiert, beziehungsweise wurde dort sein neues, bei “Löcker” erschienenes Buch, der Erzählband, “Franz eine Karriere” vorgestellt.

Christian Katt, Peter Henisch, Wladimir Fried und noch andere sind gekommen und Helmut Schönauer, der ja viele von den vielen Chobot Büchern rezensiert hat, hat eine Hommage  unter dem Titel “Einfahrts- und Ausahrtssignale” verfasst, die von Markus Köhle vorgetragen wurde.

Daniel Terkl hat den Erzählband eingeleitet, der eine Reihe von Erzählungen enthält, darunter eine Neufassung von Schnitzlers “Fräulein Else”, die der Autor auch gelesen hat.

Eine ganz moderne Else, die ein Gemisch von Englisch und Deutsch vor sich hinbrabbelt, wo dann nur mehr der “Papa” und die “Mama” störend klingen, aber die werden ohnehin oft nur Erzeugerin oder Samenspender genannt und das Fräulein bringt ganz selbstbewußt, herzlos und gefühllos, den, den sie um Geld bitten soll, dann auch zum Herzinfarkt und das Geld, das sie bekommen hat, teilt sie natürlich nicht mit dem “Papa”, sondern begnügt sich damit ihn ab und an im Gefängnis, das sie “prison”, nennt, zu besuchen.

Nun ja, nun gut, wahrscheinlich auch eine Satire und  sehr lustig, wenn auch gar nicht so leicht zu verstehen und ich habe es  auch nicht so sehr mit dem Humor, habe aber Manfred Chobots Karriere, den ich auch in der GAV angetroffen habe, als ich dort aufgenommen wurde und den ich bei denIG-Autoren immer wieder sehe, von Anfang an mitverfolgt.

Er ist auch ein großer Reisender und hat schon viele Bücher und Gedichtbände geschrieben.Im Jänner habe ich mit ihm in Salzburg gelesen und sein Buch über die “Wichtelgasse” habe ich, glaube ich, auch einmal im Schrank gefunden.

Nach der Lesung gab es in der Zeitschriftengalerie Wein und Brötchen, man konnte mit dem Autor anstoßen und diskutieren und natürlich auch seine Bücher kaufen und sie sich von ihm signieren lassen.

Zerstörung der Arbeiterkultur durch Faschismus und Nationalsozialismus

Kaum vom Bodensee zurückgekommen, geht es schon weiter mit dem Literaturbetrieb, mein Kritiker Uli, der ja jetzt ganz friedlich ist, hat auf meine “Stipendiatin” einern Text geschrieben “Albttraum in der Ulmenstraße – eine Satire aus gegebenen Anlaß”, wo er aus dem Literaturhaus eine ziemliche schäbige Absteige macht, aber vieleicht ist das in Deutschland so und eine Frau Jahnke auftreten läßt, die dort mit ihren Büchern herumwachelt, die habe ich dem Herrn im Literaturhaus Wien zwar gezeigt, Bluttropfen hat es dabei keine gegeben, aber in den Schreibseminaren sollen ja die Hobby- und auch die anderen Autoren lernen, daß nur etwas schlimm und blutig genaug sein muß, damit es die Leser interessiert und Alptraum schreibt, was die leidige Rechtschreibfrage betrifft, zumindestens der “Standard” wieder mit harten “p” so weit, so gut, aber wie hängt das mit der Arbeiterkultur zusammen?

Eigentlich überhaupt nicht oder nur insofern, daß ich ja einmal ein Arbeiterkind war das in einem dieser schönen sozialistischen alten Gemeindebauten aufwuchs, weil der Vater engagiertes Parteimitglied war und jedes Jahr zu Weihnachten gab es von den “Kinderfreunden” der sozialistischen Jugendorganisation, ein Kinderbuch als Geschenk, so bin ich mit Friedrich Feld, Vera Ferra Mikura, den “Drei Stanisläusen” und anderen in Berührung gekommen und von dem erstenen war heute auch in der Arbeiterkammerbibliothek die Rede, da hat er zwar noch Fritz Rosenfeld geheißen und hat in der Zwischenkriegszeit tausend oder hundert Filmrezensionen geschrieben und das weiß ich, weil es vor ein paar Jahren in einer Volkshochschule ein von der “Kramer- Gesellschaft” organisiertes Symposium gegeben hat, das sich mit der Arbeiterkultur der Zwischenkriegszeit beschäftigt hat und jetzt ist das diesbezügliche Buch “Rote Tränen” herausgekommen, das in der Arbeiterkammer-Bibliothek präsentiert wurde und als ich hingekommen bin, haben gerade Thomas Reimer und Eva Feimer mit Kontrabaß und Keyboard “Die Arbeiter von Wien” gespielt und das war sehr angenehm, denn das Kollegium Kalksburg hat dieses schöne Lied “Brüder zur Sonne, zur Freiheit” und dann auch noch die ziemlich verhunzt, um damit den Niedergang der Sozialdemokratie zu zeigen und den gibt es ja, denn durch den Bürgerkrieg und den Faschismus, wurde ja, wie ich alsbald hören konnte, sehr viel zerstört, waß es nachher nicht mehr gegeben hat.

Das habe ich als 1953 in einem Gemeindebau Geborene zwar nicht so sehr erlebt, denn meine Eltern, die als Kinder den World War I erlebten und als junge Eltern, mit meiner Schwester Uschy, den zweiten, haben ja in dieser Zeit ihren ersten Aufstieg erlebt.

Die Mutter hat in Kindergärten geputzt oder geholfen, sie war gelernte Stickerin, der Vater hat die Statistik der WGKK in der Wipplingerstraße gemacht, dann war er noch am Abend im Tanzclub Hernals Billiteur, der auch der SPÖ gehörte und die die Bücher der Büchergilde Gutenberg hat er auch vertreten, daher wohl meine Bücherliebe und meine literarische Sozilisation und als ich dann die Haushaltsschule oder die höhere Lehranstalt für wirtschaftliche Frauenberufe beendet hatte, waren die Siebzigerjahre angebrochen, Bruno Kreisky an der Macht, Johnna Dohnal zuerst Staatssekretärin für Frauenfragen, dann Frauenministerin, es hat sich die AUF gegründet, es hat die Freifahrt für Studenten und die Grratisschulbücher gegeben und ich habe in sehr aufbruchsorietierten Zeiten Psychologie studiert.

Seither hat sich viel geändert, die gläserene Decke war bald da und der Neoliberalismus, der Sozialismus ist zurückgegangen, in meinen Herzen aber, obwohl ich höchstens einmal SPö gewählt habe, geblieben und ich interessiere mich auch sehr für Zwischenkriegszeit und den Faschismus, so hat die Zeit nach dem Urlaub gleich sehr politisch begonnen, ich habe mit einem höheren Gewerkschaftsfunktionär neben dem ich gesessen bin, diskutiert, Klaus Dieter Mulley, der Leiter des Institus für Gewerkschafts- und AK-Geschichte, was es nicht alles gibt, hat eröffnet und für die Herausgeberinnen hat  Sabine Lichtenberger eingeleitet.

Dann war schon Konstatntin Kaiser am Wort, hat das Podium vorgestellt und jeden der vier Teilnehmer eine Frage gestellt. So hat Derek Weber vom Arbeitersynfonieorcheste erzählt, das in der Zwischenkriegszeit Mahler und Bruckner gespielt hat,  bis zum elften Februar 1934 hat es das getan. Dann war es aus damit und hat nie wieder begonnen und Primus-Heinz Kucher, ein Literaturwissenschaftler von der Uni Klagenfurt hat von denschon erwähnten Filmkritiken von Fritz Rosenfeld gesprochen. Dann kam Eva Geber mit der Frauenbewegung der Zwischenkriegszeit, die beklagte, daß die heutigen Frauen sehr müde geworden seien, klar, es gibt ja Ronja von Rönne oder Zeitschriften, die jungen Frauen tatsächlich den Auftrag erteilen, gegen dien Feminismus anzuschreiben, aber die haben studiert und sogar beim Bachmannpreis gelesen und Traude Bollauf, die Redakteurin bei der schon erwähnten “Frau” war, in der ich einmal auch einige Texte hatte, lang lang ists her, denn die sozialistischen Zeitungen gibt es  nicht mehr, hat von Stella Klein Löw gesprochen, die nach dem Anschluß als Hausangestellte nach London gegangen ist, später aber wieder Lehrerin in der Rahlgasse war, in die ja auch die Anna gegangen ist.

Danach gab es eine Diskussion mit einigen kritischen Fragen aus dem Puplikum, dann Wein und Brötchen, man konnte sich das Buch verbilligt kaufen, ich habe es mir für das “Literaturgeflüster” genommen und habe also nach Volker Weidermanns “Ostende”, das auch nicht sehr weit vom Thema abliegt, noch etwas zu lesen, bevor ich zur Gegenwart und der ebenfalls sehr frauenbewegten und kritischen Marlene Streeruwitz komme.

Zwei Herren am Strand

Ich habe mir auf unserer Bodensee-Radrundfahrt ja eifrig heimische, sprich Vorarlberger Literatur mitgenommen. Literatur von Vorarlberger Autoren, obwohl der Bodensee ja nur zu einem eher kleinen Teil in Österreich liegt.

Aber Schweizer- Bodensee-Autoren sind mir keine eingefalen, von den deutschen nur der Martin Walser, der aber dort lebt und auch sehr viel darüber schreibt, während der Vorarlberger Michael Köhlmeier, zwar  in Hard am Bodensee, wo wir, glaube ich, waren und ein Eis gegessen haben, geboren wurde, aber in Hohenems und in Wien lebt.

In Hohenems sind wir, dank Erika Kronabitter und der Konditorei, wo man sehr gute Schokolade kaufen konnte, auch gewesen und der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist mir auch ein Begriff.

Also ein Vorarlberger und kein so besonderer Bodensee-Autor, aber als wir mit Erika Kronabitter im Bregenzer Wald gewesen sind und Clou am Rande dort ausgerechnet Antonio Fian und das Kollegium Kalksburg hörten, hat der erstere, als Zugabe auch eine Köhlmeier Hommage gebracht, beziehungsweise sich in einem Dramulette darüber lustig gemacht, daß der das Telefonbuch vorliest und alle sind begeistert und wollen die CDs haben.

Michael Köhlmeier ist ein fleißiger Schreiber, er ist auch, glaube ich, GAV-Mitglied und ich kann mich an eine GAV- GV vor Jahrzehnten erinnern, wo Thomas Rothschild  aufstand und sagte, er würde jetzt das Buch des Mitgliedes Köhlmeier lesen.

Damals war er mir noch nicht so ein Begriff, inzwischen habe ich einiges von ihm gelesen und gefunden und die “Zwei Herren am Strand”, ein Buch über Charlie Chaplin und Winston Churchill, beziehungsweise über die Depressionen der zwei berühmten Männer stand 2014 auf der Longlist des dBps.

Da waren wir, wieder Detail am Rande gerade im Elsaß urlauben und sind einen Tag nach Bekanntgabe der Liste nach Ansbuach zurückgekommen, wo mir die freundliche Buchhändlerin die Liste ausdruckte.

Damals habe ich noch nicht Buchpreis gelesen, das Buch aber später einmal im “Wortschatz” oder im “Bücherschrank” gefunden und es noch nicht gelesen. Was lag also näher, als es auf meine Leseliste zu setzen und es auf die Radreise mitzunehmen?

Eigentlich nichts, außer daß es  gar nichts mit dem Bodensee zu tun hat und Michael Köhlmeier auch nicht sehr oder doch vielleicht wieder, denn wir sind ja zweimal kurz in Hohenems gewesen, haben da zwar Michael Köhlmeier genausowenig gesehen, wie in Überlingen Martin Walser.

Das Buch habe ich aber in Konstanz zu lesen angefangen, dann in Rorschach weiter gelesen und im Hotel Bodensee in Bregenz beendet und es spielt hauptsächlich in Amerika, wo  laut Michael Köhlmeier, also wieder nicht sehr klar, ob jetzt wirklich oder erfunden, Charlie Caplin und Winston Churchill bei einer Party in Sanct Monica aufeinander trafen, dort am Strand spazierengingen und beide eine Freundschaft für das Leben schlossen.

Das Buch ist in fünf Teile gedliedert und wird von einem wahrscheinlich wieder fiktiven Ich-Erzähler erzählt, der höchstwahrscheinlich nicht Michael Köhlmeier ist, sondern von seinem Vater Unterlagen vererbt  bekam und jetzt schildert er in fünf Teilen einen Teil des vergangenen Jahrhunderts. Er schildert auch Charlie Chaplins Flme “Der Tramp”, “Der Große Diktator” und und und…

Ich bin, wahrscheinlich im Gegensatz zu Michael Köhlmeier, keine Chaplin Spezialistin und habe, glaube ich, auch keinen dieser Filme gesehen und von Winston Churchill war ich bis jetzt nur sehr erstaunt, daß der 1953 den “Nobelpreis für Literatur” bekommen hat.

Wie bitte? Das war doch ein Staatsmann und Politiker und hat trotzdem hitstorische Romane geschrieben. Laut Köhlmaeier soll er in seinen Depressionen auch gemalt haben und die Depression wird in dem Buch “der schwarze Hund” genannt.

Roman steht in dem Buch und es ist wieder keiner, sondern biografphische Episoden über die beiden Männer. Es wird nicht chronologisch erzählt, sondern in den fünf Teilen hin und hergesprungen und die Buchhändlerin in der Margaretenstraße, die ich ja irgendwie in Verdacht habe, daß es ihr Leseexemplar ist, das ich da auf meiner Radrundfahrt gelesen habe, hat mir im Vorjahr, als ich nach dem Leseprobenbüchlein des östBp fragte, das Buch sehr empfohlen.

Es sei besser als das “Mädchen mit dem Fingerhut” hat sie gemeint. Das kann ich nicht beurteilen, denn “Deuticke” oder “Hanser” schicken mir ja keine Rezensionsexemplare und bei diesen war ich vielleicht nicht in der richtigen Stimmung, interessiere ich mich ja ganz ehrlich weder so besonders für Charlie Chaplin, als für Winston Churchill und in diesen Fall war ich auch eher an Bodenseebezügen interessiert.

Aber wir haben in dem Schloßcafe Fenkart in Hohenems Kaffee getrunken und Schokolade für die Anna eingekauft und die “Idylle mit Hund” muß ich erst lesen, das “Mädchen mit dem Fingerhut” finden, der “Joel Spzierer” hat mir, soweit ich mich erinnern kann, gefallen und die letzte Köhlmeier-Helfer Lesung in der “Alte Schmiede” habe ich leider versäumt, weil ich eine achtzehn Uhr Stunde hatte und dann zu spät hingekommen wäre.

Um den Bodensee mit Ruth und Alfred

Konstanz

Konstanz

Imperia in Konstanz

Imperia in Konstanz

Vor zehn Jahren sind wir ja mit Ruth Aspöcks Radkarawane, die damals mit ihrem Verlag “Die Donau hinunter” in Pension gegangen ist, von Ybbs nach Regensburg geradelt.

Sie hat das von Wien nach Bamberg gemacht und jeden Abend hat es eine Lesung aus einem ihrer Verlagsbücher gegeben. Ich habe die “Donauanthologien” in Vielshofen, das ist ein Örtchen zwischen Passau und Deggendorf, vorgestellt.

Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Robert Eglhofer sind mitgefahren, Margot Koller, Irene Wondratsch und und und die Reise war so ein Erfolg, daß wir sie zu Ruths siebzigsten Geburtstag wiederholen, beziehunsweise sie zu einer solchen einladen wollten.

Aber, statt, um noch einmal die Donau hinauf oder hinunter zu radeln, ist uns diesmal der Bodensee eingefallen und so sind wir am vorigen Samstag  weggefahren.

Zuerst mit den Rädern, der Alfred und ich haben ja Klappräder, die Ruth ein mormales Rad, vom Hauptbahnhof mit dem Zug nach Bregenz, wo wir auch übernachtet haben und dann sind wir am nächsten Tag, weil es geregnet hat, zuerst ein Stück mit dem Schiff nach Lindau gefahren.

Rheinfall

Rheinfall

Rheinfall

Rheinfall

Dort sind wir herumspaziert und dann, was mir sehr gefallen hat, in einer Paul Klee-Ausstellung gelandet und am Nachmittag, sind wir  weil das Wetter etwas besser war, doch losgeradelt.

Über Wasserburg, Kressbronn, Langenargen bis nach Friedrichshafen, wo wir in einem schönen fahrradfreundlichen Gasthaus übernachteten, das gleich neben einem Fahrradgeschäft lag, das wir gut gebrauchen konnte, denn der Alfred hatte sich einen Nagel eingefahren, die Ruth keine Luft im Hinterrad und geregnet hat es auch, so daß der abendliche Stadtspaziergang ein bißchen ungemütlich war.

Am nächsten Tag sind wir aber weitergefahren, zuerst nach Meersburg zum Mittagessen, wo es schon die schwäbischen Maultaschen gab und dann über Überlingen nach Sipplingen, wo wir in einem schönen, etwas abgelegenen Landgasthaus, übernachteten.

Rheinfall

Rheinfall

Gottlieben

Gottlieben

Von Überlingen bis Sipplingen hat es ununderbrochen geregnet, so daß wir ziemlich tropfend in dem Gasthaus ankamen und den Wimpel von der Donauradkarawane, den ich mir als Erinnerung mitgenommen und um das Rad gebunden habe, habe ich auch verloren. Zum Glück am nächsten Tag aber wiedergefunden, wo das Wetter besser war, so daß wir zuerst in Überlingen spazierengehen konnten und dann mit dem Schiff, um die Rundfahrt ein wenig abzukürzen, nach Wallhausen hinüberfuhren und von dort nach denm Mittagessen, Flammkuchen, nach Konstanz weiterradelten.

Und Literarisch, das kann ich gleich erwähnen, ist das auch ein bißchen gewesen, denn ich habe mir ja, wie bei mir üblich, für meine Reise, ein paar “Bodensee typische” Bücher eingepackt und das ist für die hier beschriebene Strecke sicherlich  Martin Walser, der ja in Wasserburg geboren wurde und heute, glaube ich, in Überlingen oder in Nussdorf lebt und der feierte im März auch seinen neunzigsten Geburtstag, so daß es ein diesbezügliches “Spiegel-Sonderheft” gibt, das die Ruth in Konstanz besorgte.

Paul Skrepek

Paul Skrepek

Wolfgang Vincenz Wizlsperger

Wolfgang Vincenz Wizlsperger

Die nächsten Tage haben wir in Konstanz, dem deutschen Städtchen an der Schweizer Grenze geschlafen und sind von dort mit dem Schiff am Rehin gefahren. Dabei haben wir ständig die Grezne zwischen der Schweiz und Deutschland gewechselt und den berühmten Reinfall in Schaffhausen haben wir auch besucht, beziehungsweise erklettert.

Das war am Mittwoch. Am Donnerstag sind wir mit dem Schiff nach Stein am Rhein gefahren und auf der Rückfahrt schon eine Station früher ausgestiegen, weil es in Gottlieben eine schöne Konditorei mit den berühmten Hohlhippen gibt, die wir schon am Dienstag mit dem Rad besuchten.

Also noch einmal heiße Schokolade und die gefüllten Waffelröllchen und  ein paar Weinstuben haben wir an den Abenden auch besucht.

Am Freitag sind wir dann wieder mit dem Rad gefahren, nämlich in das berühmte Stätchen Rorschach von dem ich noch immer noch weiß, ob der “Rorschachtest” von dort kommt oder von einem Herrn Rorschach “erfunden” wurde. Wir haben dort aber einen offenen Bücherschrank gefunden und den Abend zur Abwechslung in einer Bierbrauerei verbracht und am Samstag wurde es dann noch literarischer.

Denn da gab es zuerst Frühstück im Hotel Mozart, dann haben wir uns mit Erika Kronabitter getroffen, die uns von dort abholte und mit uns zurück nach Bregenz geradelt ist.

Der ihr Buch, “La Laguna” das mir in Leipzig die Frau Cvancara gegeben hat, habe ich schon auf der Herfahrt gelesen und sie hat uns auch gleich auf eine Idee für die Abendgestaltung gebracht.#

Heinz Ditsch

Heinz Ditsch

Antonio Fian

Antonio Fian

Denn ich wollte ja gerne etwas Literarisches erleben, ein Vorarberger Autor wäre ja vielleicht gut, die ich den Michael Köhlmeier, der letzte Woche in der “Alten Schmiede” gelesen hat, ja versäumte und von einer eigenen Lesung haben wir auch einmal gesprochen, aber die Erika Kronabitter, die in Feldkirch ja eine Literaturschiene im Theater am Saumarkt betreut, erzählte uns von einer Antonio Fian und Kollegium Kalksburg-Veranstaltung, die es am Freitag in Feldkirch und am Samstag im Bregenzer Wald gegeben hat.

Also sind wir zum “Kultur-Bahnhof” nach Andelsbuch gefahren und haben uns Wienerisches übers Saufen und die Sozialdemokratie angehört, was ja auch insofern aktuell war, weil es ja in Österreich, während wir so friedlich den Bodensee entlangradelten, einige politische Veränderungen und Regierungsumbildungen gab oder noch geben wird.

Den Sonntag haben wir dann auch mit der Erika und ihrem Mann Hubert verbracht, die uns zuerst in der Bregenzer Oberstadt, es war der Muttertag, herumführten.

Wir sind auf den Martinsturm hinaufgefklettert, haben uns ihre schöne Wohnung mit Blick auf den Bodensee angeschaut und sind am Nachmittag mit der Erika sogar nach Vaduz nach Lichtenstein ins dortige Kunsthaus gefahren, weil die sich dort mit ihrer Tochter traf, während Ruth und Alfred in einer Ausstellung waren und ich den dortigen Bücherschrank inspizierte, wo ich prompt ein Buch über Maria Theresia fand.

In Feldkirch, wo ja 2008, die “Mittleren” stattfanden, weil man mich die nicht mehr im Wiener Literaturhaus machen ließ, gibt es auch einen offenen Bücherschrank und dort habe ich dann von Martin Walser den “springenden Brunnen” gefunden, bin aber nicht ganz sicher, ob ich das Buch nicht vielleicht schon in meinen Regalen habe.

Heute sind wir dann in Höchst gewesen, wo es Dörrobst und Schnäpse gibt und dann im Schlosscafe Fenkart zum Schokoladegenuß in Hohenems. Dort gibt es Schokoladen mit den Trockenfrüchten aus Höchst. Wir  haben eingekauft und Kaffee getrunken und von Michael Köhlmeier, der ja, glaube ich, auch in Hohenems lebt, hatte ich inzwischen  “Die zwei Herren am Strand” gelesen, die zwar hauptsächlich in Amerika spielen, wo sich Churchill und Chaplin getroffen haben sollen, für mich aber auch meine “Vorarlberger-Reiselektüre” waren und dann ist schon wieder mit dem Zug zurückgegangen und ich kann nur sagen die Bodenseerundfahrt war sowohl landschaftlich, als auch kulinarisch, sowie literarisch interessant.

ich habe wieder viele Bücher und Inspirationen mit nach Hause gebracht, Dörrobst für das Müsli und Schokolade für die Anna und Arno Geigers “Uns geht es gut”, das Buchpreisbuch von 2005, habe ich auf der Rückreise auch zu lesen begonnen und mit der Ruth, der es, glaube ich, auch sehr gut gefallen hat, ausgemacht, in der Zeit, in der der Alfred mit dem Karl in Amerika ist, in Wien auf literarische Entdeckungsreise zu gehen und hier den literarischen Raum zu erforschen.

La Leguna

Jetzt kommt die Besprechung des dritten Buches das mir der “Wortreich-Verlag” freundlicherweise in Leipzig gegeben hat, denn Erika Kronabitters “La Leguna”, habe ich unbedingt auf der Bodensee-Radrundfahrt lesen wollen, zu der wir die Ruth ja zu ihrem siebzigsten Geburtstag eingeladen habe, da wir sie dort getroffen haben.

Ich kenne die 1959 in der Steiermark geborene und derzeit in Bregenz und in Wien lebende Erika Kronabitter ja schon lange, als eine eher experimentelle Autorin, die sich sehr für Friederike Mayröcker interessiert, die “Friederiken-Briefe” herausgegeben hat und ein Buch zum neunzigsten Geburtstag der F. M.

Kennengelernt habe ich sie, glaube ich, 2000 bei einer Versteigerung im Literaturhaus, wo sie, glaube ich, ihr Nachthemd zur Verfügung stellte, denn sie ist eine sehr umtriebige, engagierte Frau und als ich meine “Mittleren II” nicht mehr im Wiener Literaturhaus machen konnte, hat sie mich diesbezüglich nach Feldkirch eingeladen und 2005 war ich auch bei ihrer “Text und Kritik-Werkstatt”.

Ein paar Bücher habe ich von ihr schon gelesen und sie bei den “Wilden Worten” und auch bei anderen Veranstaltungen gehört und so war ich jetzt auch erstaunt, über ihren 2016 bei “Wortreich” erschienen Roman, der ja sehr realistisch ist.

Eine Mischung aus Autobiografie und Fiktion steht, glaube ich, auch im Klappentext und es geht, glaube ich, auch um ihren Vater, der tatsächlich in Teneriffa verunglückt ist.

Im Buch geht es aber um viel mehr, denn Erika Kronabitter vermischt gekonnt, eine Familiengeschichte mit einem ungeklärten Kriminalfall, der vielleicht keiner war, ein reales Flugzeugunglück kommt vor und die zeitlichen Abfolgen werden auch immer wieder vermischt, so daß das Lesen sehr spannend bleibt.

Mal sind wir in den Neunziger-, mal in den Fünziger-, mal in den Achtzigerjahren und nach und nach führt uns Erika Kronabitter in ihre oder in die Familiengeschichte von Elena ein, die ihren Vater in Tenariffa unter merkwürdigen Umständen verloren hat.

Jetzt fliegt sie hin, um über sein Schicksal Näheres zu erfahren, wird aber durch ihre Flugangst sehr behindert und sie denkt auch an Hanna, ihe Mutter, die vom Land in die Stadt gegangen ist, um dort Beppo, einen Lebenskünstler kennenzulernen.

Leider war der aber schon verheiratet und konnte sich von seiner Frau nicht trennen, so verließ Hanna ihn, zog mit ihren zwei Kindern wieder aufs Land zurück, um sich dort doch zu verheiraten.

Elena forscht aber dem Schicksal ihres Vaters nach, denn dessen Todesumstände sind rätselhaft und werden in den Dokumenten auch fehlerhaft wiedergegeben und so erfahren wir von Beppo, beziehungsweise seinem Freund Larek, der von ihm den Auftrag bekommen hat, für einen alten Grafen zu sorgen.

Larek soll ihn für ihn  bis zu seinem Tod pflegen und dann sein Schloß erben. Aber der lebenslustige alte Herr macht ihm einen Strich durch die Rechnung, will nicht sterben, sondern sein Geld lieber in ein Anti Aging Programm investieren, was ihn vielleicht unsterblich macht.

So unterschiebt Larek ihm bei einem Herzanfal das falsche Medikament. Der Graf stirbt, Larek verkauft das Schloß und investiert in Teneriffa und der Elektriker Beppo soll auch dorthin kommen und seine Wohnbauanlagen ausstatten und stirbt vielleicht, weil er auf Lareks Geheimnis gekommen ist.

Erika Kronabitter deutet nur an, macht Wendungen, zieht Schlingen, geht vom Krimi wieder in die Familiengeschichte zurück, läßt alle offen und am Ende könte alles anders gewesen sein oder auch nicht.

Das Geheimnis wird nicht geklärt und ich habe jetzt eine sehr realistische Erika Kronabitter kennengelernt, deren Schreibweise mich manchmal fast an den Ton von Ruth Aspöcks Familiengeschichten erinnert hat und mit der ich in Bregenz auch über ihr Buch sprechen konnte, in das sie mir, beziehungsweise für das “Literaturgeflüster”, für das ich es ja bespreche, auch eine liebe Widmung hineingeschrieben hat.

Mit Martin Walser unterwegs am Bodensee

Auch wenn man keine besondere Literaturexpertin ist, kommt man wahrscheinlich um Martin Walser nicht herum, wenn man auf einer Radreise um den Bodensee “Literatur vor Ort”, in die Fahrradtaschen packen will und so ist mir neben Arno Geiger und Michael Köhlmeier, Erika Kronabitter ist dann ja fast zufällig noch dazu gekommen, auch Martin Walser, von dem ich “Augenblick der Liebe” auf meiner Leseliste hatte, eingefallen, da der ja 1927 am Bodensee geboren wurde und dort auch noch heute lebt.

Daß der dann vor kurzem noch seinen neunzigsten Geburtstag feierte, ist noch ein besonderer Zufall und wahrscheinlich auch, daß wir in dem Weingut vor Meersburg auf das der Alfred durch seine Führer aufmerksam wurde, bei der Verkostung, ein Büchlein zur Region “Nirgend wär ich lieber hier – Mit Martin Walser unterwegs asm Bodensee” von den zwei Walser Spezialisten Lorenz L Göser und Elmar Ö . Kuhn, 2016 herausgegeben, gefunden habe und es mir auch kaufen ließ.

Beide Herausgeber wurden in Kressbronn geboren und haben in dem Büchlein, die Orte zusammengesucht, die in den Walser-Romanen vorkommen, Bilder dazugegeben und das Ganze mit Stellen aus einigen seiner Bücher zitiert.

Ich habe das Buch, das ist vielleicht auch ein Detail am Rande, nicht am Bodensee, sondern auf unserer Schifffahrt nach Stein am Rhein gelesen, mir dazu aber die Bodenseelandkarte aufgeschlagen und so kann ich das Büchlein allen, die sich für Literatur oder auch für Martin Walser interessieren, auf einer Bodenseereise sehr empfehlen.

Für Walser-Experten eignet es sich wahrscheinlich ganz besonders, denn wenn man nicht alle Romane gelesen oder in Kopf hat, fällt es einem wahrscheinlich nicht sehr leicht, sich bei den natürlich nur kurzen Textauszügen auszukennen. Es kann und soll aber wahrschehinlich anregen, mehr und intensiver Walser zu lesen und dazu ist das Buch auch sehr geeignet.

Ich habe es  gelesen, als ich mit dem 2004 erschienenen “Augenblick der Liebe”, das ja  auch am Bodensee spielt, fast fertig war.

Das Buch kommt hier aber nicht vor, wohl aber der Vorgänger “Das Schwanenhaus”, dann auch die “Tagebücher” “Ein fliehendes Pferd”, “Der springenden Brunnen”, den ich  ein paar Tage später, in Feldkrich im dortigen Bücherschrank gefunden habe, aber gar nicht mehr weiß, ob ich es schon gelesen habe oder nicht, es also, wenn ich nicht schon so viele Bücher hätte, wahrscheinlich wieder lesen solle

Martin Walser ist ja ein Vielschreiber und er scheint sich gern und viel auf den Bodensee zu beziehen und so ist das Buch, das ein Vorwort von Lorenz Göser hat, auch in die verschiedenen Orte eingeteilt und am besten nimmt man es auf seine Bodenseereise mit und liest sich an den entsprechenden Orten in die entsprechenden Werke ein.

Ich habe das in dem Landgasthaus in Sipplingen getan. Da wird das “Schewanenhaus” zitiert und hier kommt das Sipplinger Kirchlein vor und natürlich kann man wahrscheinlich auch durch Überlingen oder Nußdorf gehen,  wo der Dichter ja wohnen soll.

Wir sind ein paar Stunden in Überlingen spazierengegangen und da ist es ja ganz interessant, sich vorzustellen, daß einem Martin Walser begegnen könnte, wie er vielleicht zum Zahnarzt geht und dabei nach hübschen jungen Frauen Ausschau hält oder sich ausdenkt, wie er das in seinem nächsten Buch beschreiben könnte.

In dem Buch wird bei “Überlingen” die “Seelenarbeit”, die “Tagebücher” und das “Fliehende Pferd” zitiert und ein eigenes Kapitel, das den Ort Überlingen behandelt gibt es  auch.

Es gibt ein Glossar, wo man die entsprechenden Orte nachschlagen kann, auch eine Bodenseekarte, wenn man keine eigene bei sich hat und am Schluß gibt es  ein Foto von Martin Walser, wo er vom See wegspazigert und man dann vom “S Wasserburger Johr – wia`n as amol gsi isch” aus den “Heilige Brocken, Aufsätze, Prosa, Gedichte, aus 1986”, lesen kann, wenn man den Dialekt versteht.

Wo er recht hat hat er recht

Passend zu unserer Bodensee-Radumrundung und als Beitrag zur Vorarlberger Literatur, kommt jetzt Margit Heumanns “kurzer Krimi”, den sie mir freundlicherweise zuschickte, nachdem ich sie in der “Alten Schmieden” beim “Lichterloh-Lyrikfestival” getroffen habe, denn die 1949 geborene ist ja in Vorarlberg aufgewachsen, obwohl sie, glaube ich, in Wien lebt, denn da treffe ich sie gelegentlich bei Literaturveranstaltungen.

Bei den “Texthobeln” hat sie glaube ich, auch einmal gelesen, Pferdebücher herausgegeben und jetzt in der “Schundheftreihe” der “Unartproduktion” einen Kurzkrimi herausgegeben.

Es ist schon der fünfzehnte, der in dieser Reihe erschienen ist.

Die “Schundhefte kurz klein billig aktuell kult.urig  nachhaltig literarisch informativ” steht auch auf den Heftchenrücken des A6 Kleinformats, in dem schon Krimis von Christian Futscher, Kurt Bracharz, Joe Gmeiner, Petra Nachbaur und anderer erschienen sind.

Die Reihe ist eben vorarberglastig, klein, aber trotz des Dünndrucks graphisch schön, wenn auch etwas verwirrend gestaltet, denn da gibt es immer wieder querliegende Textpassagen, auf denen Wohnwägen und anderes zu sehen sind und  offenbar mit Margit Heumanns Text  nicht soviel zu tun haben, obwohl dort ein Wohnwagen eine große Rolle spielt.

Denn Paul ist ein Vorarlberger Künstler, “kein notorischer Neinsager”, schreibt Margit Heumann in ihrem Anfangssatz, der mit seiner Kätzin Emma auf Campingurlaub in die Toskana fährt.

Sie will dorthin, er würde sich in seiner Vorarlberger-Künstlerwohnung viel wohler fühlen, da er aber nicht nein sagen kann oder sie alles organisiert, fahren sie hin und dann ist er unzufrieden.

Denn es regnet ständig, die ideale Campiingzeit scheint es auch nicht zu sein, so gibt es nur ein paar anderer Camper auf dem Platz, aber einen Nachbarn dicht an dicht. Der ist ein Rentner, steht um sieben auf, fängt an zu kochen, macht Lärm, während die Nachtmenschen Paul und Emma erst um vier schlafen gehen.

Das macht Mordgedanken und da kann ich bei der metaphernreichen Geschichte, Margit Heumann scheint eine Metaphernmeisterin zu sein, gleich anmerken, daß da die “Mordsstimmung gleich bildhaft erzeugt wird, obwohl in dem Schundheftel ja eigentlich gar nicht so viel passiert.

Aber “der See hat gleich ein dunkles Geheimnis” und in der Enge des Wohnwagens haut Pauls sich gleich überall  an. So treibt es ihn hinaus auf den Platz, wo der Nachbar fröhlich sitzt und von seinen Kloproblemen spricht. Er muß nämlich nachtsauf die Toilettenanlage und da kommen schon die Mordgelüste, denn der freundliche Nachbar, lädt den Paul auf ein Mittagessen mit Speckknödel ein und die kann der gute Mann so gar nicht ausstehen, hat geradezu ein Speckknödeltrauma.

So flüchtet er mit seiner Emma in ein italienisches Restaurant und hat sogar das Glück, daß die Katzen den Speck aus den Knödel stehlen, aber die Mordgedanken sind schon geschmidet. Paul schlecht dem Nachbar nachts auf den Klogang nach, obwohl er den auch nicht ausstehen kann, sperrt die Klotür zu und dann ab ins schöne bequeme Bahnhofsklo der Stadt, denn das Schicksal rächt sich,  die Gedärme winden sich und die Kätzin Emma ruft auch noch an, hat genug vom Campingurlaub und will in ein Hotel übersiedeln.

So weit, so kurz und viel mehr ist gar nicht passiert, aber wie gesagt, die drastischen Metaphern versetzen einen in die schönste Krimistimmung und so wird die Kloanlage auch entsprechend schaudrig beschrieben:

“Der Ort für grausame Schandtaten, brutale Morde, die Todesschreie vervielfacht dacht das Echo, Blutlachen, Blutflecken, Blutspritzer pbeall, schreicklich”.

Es kommen aber auch noch andere Metapher beziehungsweise Sprichwörter vor, die zum Teil schon ziemlich abgelustscht sind, wie das von dem “Teufel und dem Weihwasser”, zum Teil aber originell und immer deutlich gründlich und klar ausgedrückt, wie  das titel gebende “Wo er recht hat hat er recht”.

Margit Heumann scheint da eine sehr pointierte Sprache zu haben und so kann ich die “Schundheft-Reihe” eine Entdeckung für mich, nur empfehlen und darauf hinweisen, daß der Verlag noch andere Publikationen hat, auf die auch genau hingewiesen wird und auf  eine “Schundheftparty” gibt es  am sechszehnten Juni um zwanzig Uhr im Gasthaus Lechner in der Wilhelm-Exner-Gasse achtundzwanzig, im neunten Bezirk auch, wo Margit Heumann lesen wird und man sich sicher mit den “Schundheften”, die man, glaube ich, auch im Abonnement zu beziehen sind, eindecken kann.