Siebenter Alpha-Literaturpreis

Clarissa Stadler

Clarissa Stadler

Lydia Haider

Lydia Haider

Den “Alpha-Literaturpreis”, gestiftet von den “Casinos Austria”, für Leute die noch nicht mehr als drei Bücher haben,  gibt es seit 2010.

Damals hat ihn Thomas Stangl gewonnen, ich bin hingegangen, weil es in der “Zeitschrift-Buchkultur” einen diesezüglichen Hinweis gab.

Die nächsten zwei Jahre haben sie mich dann hinausgeschmissen, beziehungsweise nicht hineingelassen, weil nur für geladene Gäste, eine Gala mit Buffet und dem Buchpreisbuch.

Danach hat es geklappt und ich habe mich ein wenig geärgert, weil immer der mit dem berühmtesten Namen gewonnen hat, bis voriges Jahr.

Da hat mir dann Karin Peschka beim “Kremayr & Scheriau-Verlagsfest” gesagt, als ich sie fragte, ob sie auf der Shortlist sei, daß dann sicher Valerie Fritsch gewinnt, sie hat ihn aber gewonnen und heuer waren bei der Shortlist mit Lydia Haider eine mir bisher unbekannte Autorin, die aber schon in der “Gesellschaft für Literatur” gelesen hat, mit “Kongregation”.

Dann Barbi Marković mit ihrem “Residenz-Buch” “Superheldinnen”, das hätte mich zwar interessiert, aber die dritte war Katharina Winkler mit “Blauschmuck”, die ja auch bei den Debuts nominiert ist und da mir dieses Buch für mein Buchpreisbloggen fehlte, habe ich sehr auf sie gehofft, war mir auch ziemlich sicher, daß sie gewinnen wird, denn in den Blogs wurde ihr Buch hochgelobt und so bin ich ziemlich zuversichtlich wieder in das “Studio 44” aufgebrochen.

Katharina Winkler wurde auch prominent interviewt und ich hörte während des Aperitivs, wie sich der Juror Paulus Hochgatterer mit dem Alpha Initiator  Dietmar Hoscher unterhielt, letzter erwähte, daß er in das Gewinnerbuch schon hineingeschaut hätte.

Barbi Marković

Barbi Marković

Katharina Winkler

Katharina Winkler

Ein Name wurde dabei nicht genannt, die Spannung blieb also erhalten, dann begann die Veranstaltung wieder mit Clarissa Stadlers Moderation.

Es wurde über den “Alpha” diskutiert, er wurde auch mit dem neuen Buchpreis verglichen, danach kamen die Autorenportraits, ein Interview und jeweils eine kurze Lesung aus dem Buch.

Im Gegensatz zum Vorjahr wo ich schon alle kannte, waren mir diesmal alle fremd, beziehungsweise ungelesen, das heißt Katharina Winkler habe ich schon bei den “O-Tönen” gehört.

Bei Lydia Haiders Buch geht es mit Bibelzitaten um gefährdete Jugendliche, bei Barbi Marković, die 2010 gemeinsam mit Cornelia Travnicek, offiziell für die “Buch-Wien” bloggte, um drei mit übersinnlichen Kräften ausgestatteten Frauen, die sich jede Woche in der Pizzeria am Siebenbrunnenplatz, also ganz in meiner Nähe treffen.

Ein Buch und ein Sujet das mich interessieren würde, aber ich will ja Buchpreisbloggen, beziehungsweise mich durch alle Debuts lesen.

Paulus Hochgatterer

Paulus Hochgatterer

Preisverleihung

Preisverleihung

Also noch einmal ein Stück aus “Blauschmuck” hören, dann gabs eine musikalische Einlage, eine andere Casino-Gewinnerin spielte mit drei anderen ein Mozart-Quartett und dann kam der neue Kulturminister und verkündete “And the winner is Barbi Marković!”, die lief gleich auf die Bühne, obwohl  zuerst Paulus Hochgatterers Laudatio kam und shit, schon wieder nicht erraten und wie mache ich das jetzt mit dem Buchpreislesen, obwohl das Buch von Barbi Marković interessiert mich ja auch?

Inzwischen, das kann ich gleich verraten, habe ich beide Bücher, kann also weiter buchpreisbloggen und zur Buch-Wien” und zur Verleihung des öst. Buchpreises in zwei Wochen kann ich auch, das hat mir heute Theresa Preis vom Hauptverband zugesichert und da hoffe ich dann, daß sowohl Friederike Mayröcker als auch Katharina Winkler gewinnen, obwohl ich bin ja erbärmlich schlecht mit meinen Prognosen, also seien wir gespannt und neugierig, ich habe das jedenfalls Katharina Winkler so gesagt, daß ich ihr den Preis wünsche und der öst. Buchpreis ist wahrscheinlich schon eine Konkurrenz oder eine Alternative zum “Alpha”.

Andererseit kann es ja nie genug Preise geben und ob der öst. Buchpreis inzwischen wirklich so in die Öffentlichkeit durchgedrungen ist?

Auf jedenfall viele bekannte Gesichter im Publikum, mit einer früheren Nominierten Cordula Simon bin ich am selben Tisch gesessen, so wie mit Dorothea Löcker, der ich sagte, daß ich die “Sprache der Krähen” schon gelesen habe. Das hat ein bißchen länger gedauert, wegen meines doppelten Buchpreisbloggens, das habe ich dann auch Karin Peschka, die ich am Klo getroffen habe, so gesagt, daß “FanniPold” inzwischen zu mir gekommen ist und jetzt geht es in ein langes Wochenende und ins Debutpreislesen, wo ich mit Sacha Battyani beginnen will und dann zu Friederike Gösweiner und Katharina Winkler übergehe.

Spannend spannend, wer den Debutpreis gewinnt, am Ende Friederike Gösweiner und ich habe mich schon wieder verschätzt, in zwei Wochen werden wir es wissen und bis dahin bin ich sehr gespannt.

Nachtsendung

Hurtig geht es mit dem fünften und wahrscheinlich letzten österreichischen Buchpreisbuch, Kathrin Rögglas “Nachtsendung” weiter, die sich derzeit in Frankfurt befindet und deren Video-Botschaft ich beim gestrigen “Jelinek Symposium” hörte.

Die 1971 in Salzburg geborene und jetzt in Berlin lebende Autorin, von der ich 1992, glaube ich, zuerst etwas hörte, als ich in der Jury für das österreichische Nachwuchsstipendium war, mit der ich dann in Salzburg bem “Sichten und Vernichten-Symposium” gelesen habe und die ich auch öfter in der “Alten Schmiede” und bei “Literatur und Wein” hörte, ist eine sehr gesellschaftskritische Autorin, in diesem Sinne sicher eine Jelinek-Nachfolgerin, wenn auch mit einem ganz anderen Stil.

Ihre Bücher “Irres Wetter” und “Wir schlafen nicht” habe ich gelesen und jetzt “Nachtsendung”, das ein Erzählband ist oder “Unheimliche Geschichten” beinhaltet, wie unter dem Buchtitel steht, nun habe ich mit den kurzen Erzählungen im Gegensatz zu den ausufernden Plottexten ja meine Schwierigkeiten, mich inzwischen aber daran gewöhnt und die “Unheimlichen Geschichten” hängen auch irgendwie zusammen.

Zumindest handeln sie alle von dem hochtechnisierten Businessbvereich, Kahtrin Rögglas Spezialgebiet, wie man sagen könnte, von den Shareholdner,  Outscorsers, Globalisten, Wutbürgern, etcetera und Kathrin Röggla zeigt nun sehr gekonnt und diabolisch auf, wie das ist, wenn da plötzlich etwas passiert und nicht mehr alles, wie gewohnt und geplant passiert.

Das Flugzeug, das eigentlich abheben sollte, plötzlich stehen bleibt und die Stewadesse zwar Getränke serviert, sich dann aber selber anschnallt und hinsetzt, obwohl der Flieger noch am Boden steht.

Oder es in einer Firma plötzlich zu einem “Aussetzer” kommt, so daß plötzlich eine Putzkolonne anrückt, die gar nicht bestellt war.

Bei einer “Frühjahrstagung” gibt es eine Schweigeminute oder einen “Schweigeminutenmurks” für Opfer eines Attentats, obwohl man ja eigentlich “ergebnisorientiert” weiterarbeiten sollte und ein anderer Globalist sitzt in Indien in einem Taxi, will zum Flughafen und fragt sich, ob die Straße auf der er fährt, überhaupt eine solche ist, die dort hinführt.

Die Geschichte “Bürgerbeteiligung” habe ich, glaube ich, schon in Krems bei “Buch und Wein” gehört und in einer anderen Geschichte kommt es zu Gedächtnisausfällen. Der Frau, die offenbar in Unternehmen wegrationalisieren soll, kommen plötzlich die Donnerstage und dann auch andere Tage abhanden, obwohl ihr ihre Kollegen später erzählen, daß ihre Konferenzen, die sie an diesen Tagen abhielt “großartig” waren.

Es geht, um Kriegsverbrecher, das “Forum Alpach” und vieles mehr in der schönen neuen Businesswelt.

Es geht aber auch, um ein Klassentreffen, wo einer nach dreißig Jahren hinkommt und sich an seine ehemaligen Schüler nicht mehr erinnern kann.

Interessant dabei ist, daß er dann aufs Klo geht, wohin ihn seine ehemalige Lehrerin, eine erschöpfte alte Frau folgt und dann zu seiner Überraschung einen Spray aus ihrer Handtasche zieht, um ihn zu vernichten, denn eine solche Idee habe ich in meiner “Globalisierungsnovelle” auch einmal gehabt.

Es geht aber auch um die Bioindustrie und den Gesundheitswahn. So zeichnet eine kurze Geschichte eine Welt, in der der Alkohol verschwunden ist und eine andere berichtet von einem “Gesundheitsforum”, wo sich einer meldet, der an Herzrasen leidet, der in seiner Firma gemobbt wird, aber nicht mehr darüber erzählen darf, weil er ja ein Stillschweigeabkommen unterzeichnet hat.

Es gibt einen “Kinderkreuzzug” und “Sex in Tüten” und in “Normalverdiener”, einer “Zehn kleine Negerlein-Geschichte”, was man heute auch nicht mehr so sagen darf, trefen wir Felsch aus den “Schweigeminuten” wieder, der seine ehemaligen Freunde auf seine großartige Urlaubsinsel einlädt.

In “Überflug (Marokko) hat einer Krebs und will es nicht vor sich zugeben und zwei Varianten über den “Wiedereintritt in die Geschichte” gibt es auch, in der ersten geht es um den Lärm in einem Drogeriemarkt, im der zweiten, geht es, um eine sogenanntes “Kinderdiktat”, wie schon im Klappentext beschrieben wird.

In “Pentagonumgebung” versuchen Konferenzteilnehmer, das Pentagon zu besichten und in “Absoutionsgeschehen”, verdient sich ein wahrscheinlich Freiberufler sein Geld, in dem er sich in ein Berliner Cafe setzt und denen, die ihre Mieter, Angestellte oder Kindergruppebetreuer loswerden wird, die Teil oder vielleicht auch ganz Absolution erteilt.

Es bleibt dann gleich in den sozialeren oder, wie es Kathrin Röggla in ihrer Businesssprache wahrscheinlich nennt, “Hartz IV- Gefilden” und geht in diesbezügliche Selbsthilfegruppen, Kinder werden gewünscht, ausgewürfelt oder verdrängt, es gibt eine Geschichte über “Untote”, die wieder an die Jelinek erinnern könnte oder um, die Frage, was man macht, wenn man plötzlich nach dem Begräbnis seines Mannes überall Doppelgänger sieht.

Langsam, langsam kommen wir in den, ich glaube, sechundvierzig Geschichten wieder zu den Flugzeugen oder der Ausgangsstory zurück, denn am Schluß sitzen alle wieder in demselben Flugzeug, das wir schon zu Beginn kennenlernten, es normalisiert sich alles, das Flugzeug hebt ab “und es ist eigentlich so wie immer.”

“Die Gespenster unserer Gegenwart” können wir auch am Buchrücken lesen, sind es, die Kathrin Röglla in ihrer wahrscheinlich wirklich unverwechselbaren Businesssprache, in der sogar die Teilnehmer von Selbsthilfegruppen von “Zukunftsfestlegung” und “Meetings” reden, hier beschreibt und sich sehr gekonnt von der Realität, des schönen modernen Businesslebens in die unheimlichen Gefilde der Phantasie oder des Unerklärlichen begibt.

Eine interessante österreichische Erzählstimme und wenn man so will, durchaus Jelinek-Nachfolgerin, die man vielleicht kennenlernen sollte.

Daniela Strigl hat in ihrem Interview, das sie einem deutschen Radiosender gab, bedauert, daß sie nicht auf der österreichischen Shortlist steht. Das ist natürlich schade, aber wenn man sich auf die angeblich fünf besten konzentriert, müssen hundert oder vielleicht auch tausend andere beste überbleiben.

Zum Glück hat der Leser aber die Entscheidung, nach dem zu greifen, was er lesen will und sollte das vielleicht auch bei Kathrin Rögglas “Nachtsendung” tun.

Von Friedrich Polakovics zu Philipp Blom

Statt noch einmal zu Ruth Aspöck in den Repbulikanischen Club, die dort ein literarisches Werkstattgespräch mit Lesung und Musik hielt, bin ich am Dienstag zu einer Doppelveranstaltung in die “Alte Schmiede”, nämlich wieder zu einer “Stunde der literarischen Erleuchtung”, wo Daniel Wisser Friedrich Polakovics “Versuch über den Krieg” vorstellte, gegangen.

Der Name Polakovics erschien mir bekannt, obwohl ich ihn nicht recht einordnen konnte, aber dann kam mir die Erleuchtung, das ist doch der, der die “Neuen Wege” herausgegeben oder mitgestaltet hat, wie ein Herr im Publikum, der sich als Hermann Hakels Sekretär entpuppte, zurechtrückte und der Literaturbetrieb der fünfziger und der sechziger Jahre ist auch einer, der mich sehr interessiert und wo ich schon einiges gelesen habe oder bei einigen Veranstaltungen war.

Friedrich Polakovics 1922 geboren 2011 gestorben, der von seiner Ausbildung bildender Künstler war, wie Daniel Wisser, offensichtlich ein Polakovic Kenner erzählte, wurde 1944 zur Wehrmacht eingezogen und hat 1966 im Alter von 44 Jahren darüber geschrieben. Man sieht die Zahlenspiele.

Der “Versuch über den Krieg” trägt auch noch den Titel “Das Buch von den zweimal elf Jahren”, ist 2003 bei “Wieser” herausgekommen,  inzwischen offenbar vergriffen und in zwei Teilen gegliedert, beziehungsweise montiert, denn es erzählt von den Kriegserlebnissen des Obergefreiten und Funkers, in Frankreich, in der Gefangenenschaft bis zu Heimkehr und dann bezieht es sich im zweiten Teil auf die Zeitungsberichte, die in den Sechzigerjahren erschienen sind, die von Kriegsverbrechern, die freigesprochen wurden, beziehungsweise, der politischen Situation dieser Zeit erzählen.

Polakovics hat nach der Heimkehr in den “Neuen Wegen” mitgearbeitet, diese dann wegen eines Gedichtes, das er nicht abdrucken durfte, verlassen, hat dann H. C. Artmanns “Med ana schwoazzzn Dintn” mit dem er befreundet war, herausggeben, hat viel übersetzt und bis zu seiner Pensionierung, als Zeichenlehrer gearbeitet, dort aber offenbar seinen Schülern viel vorgelesen und er hat, wie der Herr im Publikum erzählte, auch sehr schöne Balladen geschrieben.

Daniel Wisser zitierte zwischen den Textstellen, die er las auch Andreas Okopenko oder zeigte die “Neuen Wege” her.

Dann ging es in den Keller zu einem anderen mir eher unbekannten Namen, nämlich zu Philipp Blom und seinem Romandebut “Bei Sturm am Meer” und erfuhr erst aus Gesprächen, das der 1970 in Hamburg geborene nicht nur ein Historiker, sondern auch ein Moderator von “Von Tag zu Tag” ist und schaute mir am Büchertisch seine historischen und philosphischen Werke an, “Böse Philosophen”, die “Zerissenen Jahre – 1018-1938” und eines über 1900-1908 und jetzt der erste Roman, der vergleichsweise ein eher triviales Thema, nämlich eine Familiengeschichte oder eine Midlifekrise zum Inhalt, aber einen sehr umfangreichen Plot hat und aus verschiedenen Perspektiven in verschiedenen Erzählsträngen erzählt wird.

Da fährt einer namens Ben, nach Amsterdam zum Begräbnis seiner Mutter, muß dort fünf Tage ausharren, weil die Urne verloren gegangen ist, in dieser Zeit schreibt er einen Brief an seinen in Wien verbliebenen vierjährigen Sohn, er ist vierzig und bestimmt, daß der Sohn, den Brief erst in vierzig Jahren bekommen soll.

Man sieht, die Zahlen, Zufall oder nicht, spielen auch hier eine Rolle.

Er schreibt in dem Brief über seine Familie, seine aus Holland nach Deutschland zurückgekehrte Mutter und seinen verschwundenen Vater, den er in diesen Tag offenbar wiederfindet und erfährt, daß er gar nicht gestorben ist und zu seinem Sohn und seiner Freundin wird er vielleicht auch nicht mehr zurückkehren, sondern ihn genaus verlassen, wie ihn sein Vater einmal verlassen hat.

“Ein ideales Weihnachtsgeschenk!”, scherzte  der Autor und eine ältere Stammbesucherin schien für ihn auch sehr  zu schwärmen.

Mich würde da wahrscheinlich Friedrich Polakovics Kriegerzählung, ein sehr sperriges Buch, das mich ein wenig an Theodor Sappers “Kettenreaktion Kontra” erinnert hat, mehr interessieren.

Das Buch ist aber verriffen und das einzige antiquarische Exemplar wurde auch sofort aufgekauft, wie Daniel Wisser, beziehungsweise Kurt Neumann erwähnten, aber ich lese gerade ohnehin ein anderes interessantes Buch, das vom Krieg und seinen Folgen, nämlich Verna B Carletons “Zurück in Berlin” erzählt und zu Philipp Bloms Amsterdam Schilderungen  fällt mir der Buchmessenschwerpunkt Niederlande und Flandern ein und so habe ich wieder zwei  literarische Entdeckungen gemacht.

Priessnitz-Preis an Sandra Gugic

Nach der GAV-GV und Frankfurt geht es gleich munter weiter mit der Veleihung des Reinhard Priessnitz Preises, den es seit 1994 in Gedenken an den am 27.Oktober 1945 geborenen und am 5. November 1985 verstorbenen Dichters, gibt und, den ich, glaube ich, seit der Zeit als Sabine Gruber ihn gewonnen hat mehr oder weniger regelmäßig verfolge. Seit ich blogge glaube ich eher mehr und bemühe mich auch hinzugehen.

Es ist ein Preis, den das BUMUK oder, wie das jetzt heißt stiftet, Gustav Ernst und Robert Schindel sind die Juroren und er ist für eher jüngere Autoren gedacht.

So hat ihn die 1976 in Wien geborene Sandra Gugic heuer bekommen, deren literarischen Werdegang ich schon länger, als der Laudator Sebastian Fastenhuber verfolge, der die Teilnahme beim “Klagenfurter Literaturkurs”, 2009 als Bekanntheitsgrad angibt, aber vorher hat sie, glaube ich, schon beim “Exilpreis” gewonnen und seither kenne ich auch ihren Namen und sie hat mir bei den “Heimsuchungen” auch ein bißchen als Vorbild für die Barbara Winter gedient, das heißt eigentlich nicht, denn die hat ja einen Vampirroman geschrieben und ist daher dem Vorbild Viktoria Schlederer geschuldet, aber Sandra Gugic hat, glaube ich die “Leodinger Akademie” absolviert und wurde dann in den ersten Jahrgang der Hochschule für Sprachkunst aufgenommen, während Cornelia Travnicek, als zu “überqualifiziert” abgelehnt wurde und das ist unter anderen ein bißchen das Thema der “Heimsuchung”.

Sandra Gugic ist, glaube ich, auch bei den ersten zweiten oder dritten für mich sehr berühmten “Textvorstellungen” der Angelika Reitzer aufgetreten und war einmal beim “Kolilk-Slam” in der “Gesellschaft für Literatur. Sie hat dann, glaube ich, auch in Leipzig studiert, wohnt jetzt  unter anderen in Berlin, hat den “Open Mike” gewonnen, von der Stadt Wien ein Stipendium bekommen und den Roman “Die Astronauten” geschrieben, den ich mir voriges Jahr zu Weihnachten wünschte und den ich jetzt endlich nachdem ich meine Leseliste entrümpelt habe, demnächst lesen kann.

Eine mir sehr bekannte Autorin also, deshalb habe ich mich auf die Preisverleihung auch sehr gefreut, obwohl ich gar nicht sicher war, ob ich pünktlich eintreffen kann, weil ich um sechs ein Erstgespräch hatte.

Es ist sich dann aber sogar so gut ausgegangen, daß ich vorher im Bücherschrank noch Theodora Bauers “Das Fell der Tante Meri” finden konnte.

Peter Henischs “Suchbild mit Katze” und Ann Cottens Versroman leider nicht, ich konnte mich bei Robert Huez aber beschweren, daß heuer das “Fried Symposium” zeitgleich mit der “Literatur im Herbst” stattfindet, das literarische Publikum also spaltet und im Gegensatz zum Vorhjahr, wo Anna Elisabeth Mayers Vater regelmäßig Hof gehalten hat, waren heuer eher wenige Leute da.

Die Eltern Gugic, glaube ich, schon und auch die beiden Juroren und wahrscheinlich ein paar Freunde und interessanterweise der ORF, der mitfilmte und nach der Veranstaltung beim Wein die Preisträgerin interviewte.

Zuerst eröffnete aber Robert Huez und begrüßte, dann las Gustav Ernst eine kurze Begründung vor, der Laudator lobte den Roman und wies auf die sehr politische Sandra Gugic hin, die inzwischen einen Blog “Nazis und Goldmund” betreibt, wo es jede Woche einen kritischen Text gegen den Rechtsruck und beispielsweise, die neuen Wahlplakate von Norbert Hofer gibt.

Dann wurde der Preis überreicht, die Urkaunde und ein Päckchen in dem sich vermutlich die “Priessnitz Gesamtausgabe” befand, Robert Huez oder war es Gustav Ernst wiesen in ihrer Ansprache auch darauf hin, daß der Preis ein kleiner Beitrag wäre, die Leute wieder zu lesen von Reinhard Priessnitz zu bringen und Sandra Gugic las  ein Kapitel aus den “Astronauten” und dann noch einen kurzen Text, der auch in den “Koliken” erschienen ist.

Dann gabs wie schon erwähnt, Wein, Wasser und Saft zum Anstoßen und ich gratuliere der Preisträgerin natürlich sehr,  wünsche mir von ihr noch viele schöne Bücher und bin gespannt, was es noch alles über sie zu bloggen und zu berichten geben wird.

Gastland: Niederlande und Flandern

Noch ein kleiner Nachtrag zu meinem heurigen “Buchmessen-Surfing”, das ich ja nur sehr sporadisch und unvollkommen betrieben habe, weil ich stattdessen auch beim “Jelinek-Symposium” zu deren siebzigsten Geburtstag, beim kulturpolitischen Arbeitskreis und bei der Generalversammlung der IG-Autoren war.

Aber die Buchmessen haben ja nicht nur ihre Buchpreise, sondern auch die jeweiligen Gastländer, die mich mehr oder weniger interessieren, beziehungsweise mehr oder weniger intensiv an mir hängen bleiben, aber ich interessiere mich ja auch, obwohl ich ja bevorzugt deutschprachige Gegenwartsliteratur  lese und über sie schreibe, für die Literatur der Nachbarländer und nehme mir solche Bücher wenn ich beispielsweise in den Urlaub nach Kroatien oder Ungarn fahre, bevorzugt mit. Einen litauischen Literaturstreifzug gibt es auch.

Heuer waren Holland und Flandern, das ist, glaube ich, der deutschsprache Teil Belgiens, die Gastländer und zumindest zu Holland habe ich einen größeren Bezug, weil ich früher, als Studentin sehr regelmäßig dort hingefahren bin und meinen Freund Frans besuchte, den ich 1973 während meines Workcamps im Westpark Hospital in England kennenlernte.

Da habe ich ihm, ich glaube, in den Achtzigerjahren nach der holländischen Literatur befragt und er hat mir, glaube ich, Maarten T`Hart  “Ein Schwarm Regenbrachvögel” genannt.

Ich habe mir dann noch 2005, als ich in der Szene Margareten den dortigen Literaturpreis gewonnen und einen “Thalia-Gutschein” bekommen habe, sein “Mozart-Buch” dazugekauft.

Im Laufe der Zeit sind dann noch Bücher von Cees Nooteboom und Harry Mulisch dazu gekommen.

Frans hat mir dann noch Anna Enquist und ihr Buch “Die Betäubung” genannt. Margrit de Moor ist auch noch eine holländische Schriftstellerin. Von Anna Enquist und Harry Mulisch habe ich in den offenen Bücherschränken jeweils ein Buch in hollänischer Sprache gefunden und just for fun mitgenommen, weil das Holländisch, dem Deutschen ja sehr ähnlich ist und ich mir einmal sogar ein Lehrbuch dafür kaufte.

Von den belgischen Autoren wüßte ich nur Dimitri Verhulst von dem ich zwei Bücher gelesen habe und jetzt fällt mir noch ein, daß ich einmal in der alten Schmiede war, als Peter Buwaldas “Bonita Avenue” vorgestellt wurde, als das Buch, glaube ich, noch gar nicht auf Deutsch übersetzt wurde.

Da war, glaube ich, das ganze niederländische Institut samt Professor im Publikum und hat den Autor sehr viel gefragt und auf der folgenden Leipziger Buchmesse gab es dann schon die Übersetzung die groß präsentiert wurde.

Heuer in Frankfurt wurde das Gastland, beziehungsweise die Gastländer auch groß präsentiert und es wurden, glaube ich, vierhundfünfzig Bücher extra dafür auf Deutsch übersetzt.

Die Blogger hat das auch sehr interessiert, so haben Mara Giese und die “Klappentexterin” interessante Artikel dazu gebracht und bei “3 Sat” gab es auch einen Film, wo das Land, die Bücher und die Autoren vorgestellt wurden.

Und weil ich, wenn ich in die “Alte Schmied” gehe,  immer den “Morawa” durchquere und der auch einen Stapel der Gastlandbücher dort liegen hat, habe ich auch schon in einige hineingesehen und habe mich diesbezüglich informiert. Jtzt fällt mir noch ein, auf Leon de Winter und Connie Palmen, beziehungsweise auch auf Arnon Grünberg, alles “Insel-Autoren”, von denen ich schon Bücher gelesen habe, beziehungsweise sie auf Lesungen hörte, habe ich jetzt vergessen und das sind auch die Autoren, die in den Filmen, beziehungsweise beim “Blauen Sofa” oder den “3 sat-” oder “ARD-Stand” auftraten.

Ich habe auch noch vergessen, daß ich 1986 als ich mit meiner Psychologenkollegin Irmgard G. in Holland war, auch einen Tag mit dem Frans in Brüssel war und das ist eine zweisprachige Stadt, nämlich holländisch und französisch, aber die Holländer wollen sie dort nicht und so tun sie, als würden sie holländisch nicht verstehen und so mußte der Frans Französisch sprechen, als er in einem Geschäft etwas kaufen wollte.

Das kam in den Filmen über Land und Leute auch so vor und da wurden natürlich einige interessante Romane vorgestellt, die mich neugierig machen und die ich auch gerne lesen, beziehungsweise finden will.

Vielleicht habe ich Glück und es liegen in ein paar Monate die Leseexemplare vielleicht von Connie Palmens  “Du sagst es”, ein Buch Bücher Syvia Plath und ihren Ehemann Ted Huges im Schrank, Nina Weijers “Die Konsequenzen” würden mich interessieren oder Arnons Grünbergs “Muttermale”, aber ich habe ja ohnehin schon so eine lange Leseliste und bin ja jetzt erst am Fertigwerden der österreichischen Buchpreisliste, die Debut und auch noch einige andere Neuerscheinungen warten noch auf mich und zu meinem Geburtstag habe ich mir vom Alfred das neue Buch der Marlene Streeruwitz, Isabell Lehns “Binde zwei Vögel zusammen” und Tomer Gardis “Broken German” gewünscht, Peter Henischs “Suchbild mit Katze” würde ich auch sehr gerne lesen und dann warten auf mich  auch noch mein Vicki Baum- Schwerpunkt und vier Neuerscheinungen vom Vorjahr oder ältere Buchpreisbücher, beziehungsweise das, was ich vor zwei Jahren auf der Buch-Wien gewonnen habe, sprich Bücher von Arno Geiger, Sabine Gruber, Richard Schuberth und Franzobel auf mich die ich unbedingt auch noch heuer lesen will.

Ich habe aber sicher noch ein paar Bücher, der schon erwähnten Holländer auf meinen Stapel, die ich mir nach und nach auch hervorziehen und lesen will und so war es  interessant und lehrreich, sich ein bißchen neben dem Buchpreisbloggen bezüglich Gastland auf der Messe herumzutreiben und mich  über die Literatur der Niederlande und von Flandern zu informieren.

Vor ein paar Jahren habe ich, glaube ich, auch einen extra Artikel über das sagenhafte Island gemacht, seither ein paar diesbezügliche Krimis gefunden, aber leider leider noch nicht gelesen, dafür habe ich das aber mit der “Atomstation” getan.

Frankfurter Messesplitter

Am Mittwoch um zehn begann die Frankfurter Buchmesse, die größte Buchmesse Europas oder der Welt, glaube ich, wahrscheinlich die berühmteste und zu der alle “Möchtegern”- und richtige Autoren, Leser, Verleger, Buchhändler, etcetera ehrfürchtig aufschauen und Selfpublisher, wie beispielsweise Annika Bühnemann schon Videos drehen, in dem sie erklären was man dafür mitnehmen soll, gutes Schuhwerk und eine Wasserflasche, einen Müsliriegel, etcetera.

Ich war zweimal dort 2000 und 2012 und das ist gar nicht so einfach, weil ja beispielsweise, der gewöhnliche Leser erst am Wochenende hineindarf, Mittwoch bis Freitag sind dem Fachpublikum vorbehalten.

So sind wir 2000 mit einer Ausstellerkarte, die mir Gerhard Ruiss gegeben hat, hingereist und haben in Mainz gewohnt, weil in Frankfurt kein Hotel zu bekommen, 2002 hatte ich dann eine Einladung von einem dieser Selbstzahlverlage, womit ich mir für den doppelten eintritt eine Fachbesucherkarte kaufen konnte und in Wiesbaden wohnte.

Dann habe ich mir geschworen, nie wieder Frankfurt, außer sie laden mich zu einer Lesung ein und zahlen mir die Fahrt und das Hotel und das habe ich  auch 2008, als ich schon bloggte so geschrieben und ein paar Tage später bin ich durch einen anderen Blog daraufgekommen, man kann sich sehr viel davon im Netzt anschauen, die “3 Sat”, die “ARD” und die “blauen Sofaveranstaltungen” beispielsweise und die IG Autoren haben auch ein Literatur-Radio und 2008 hat es, was es jetzt, glaube ich, nicht mehr gibt, auch Blogger gegeben, die dort herumgelaufen sind und lauter sehr interessante kleine Filmchen einstellten.

“Wow!”, habe ich gedacht und war im Himmel und habe seither immer Frunkfurt gesurft, bis mir 2011, glaube ich meine Kritikerin JuSophie, die, wenn ich mich nicht irre, jetzt in anderer Gestalt wieder aufgetaucht ist, geschrieben hat, “Machen Sie was praktischeres, als da bloß herumzuschauen!” und das stimmt ja auch, Annika Bühnemann hat,  glaube ich, auch ein anderes Video gedreht, in dem sie den Autoren, wahrscheinlich den Selfpublishern, verdeutlicht, warum Buchmessen für sie wichtig sind!

Ja, natürlich, 2000 habe ich mir auch die “Wiener Verhältnisse” mitgenommen. Aber wem sollte ich sie zeigen, von Stand zu Stand marschieren und “Hallo, ich bins, eure neue Autorin!”, sagen?

Das tun wahrscheinlich hundert andere und Bücher zu verkaufen und dort für sie zu werben ist auch, wenn man keinen Stand gemietet hat, glaube ich verboten und ich bin ja auch eine Leserin, so bin ich dort herumgerannt, habe eingesammelt und eingesammelt und schon zu Mittag meine volle Tüten, am Stand der IG Autoren deponiert und am nächsten Tag wahrscheinlich mein Buch, weil ich nicht so viel schleppen wollte, nicht mehr mitgenommen, das tue ich jetzt jedenfalls wenn ich in Leipzig oder auf der “Buch-Wien” bin.

Ich interessiere mich  für Bücher und Literatur, wenn ich entsetzlich spoilere, Rechtschreib- und Flüchtigkeitsfehler mache, so daß auf meine Kommentare kaum geantwortet wird und so betrachte ich die Messe wahrscheinlich wirklich hauptsächlich als Möglichkeit mich dort umzuschauen und umzuhören und vielleicht nicht so sehr, um Kontakte als Autorin zu knüpfen, obwohl ich die natürlich schon sehr gerne hätte.

Also die Tage der “Frankfurter Buchmesse” reserviert und zwischen meinen Stunden und eventuellen Klinikbesuchen mich schnell aufs “blaue Sofa” setzen oder bei Dennis Scheck nachhören, was ich lesen soll?

Seit 2005 gibt es ja auch den “deutschen Buchpreis”, der am Montag davor vergeben wird, am Dienstag wird dann offiziell eröffnet und für den Buchpreis interessiere ich mich ja auch, seit dem ich blogge und lese seit dem vorigen Jahr ja auch sehr eifrig mit und die Buchpreisübertragung habe ich mir wenigsten halb in den letzten Jahren auch meistens angeschaut.

Am Montag hat das, wie beschrieben nicht ganz geklappt, daß Bodo Kirchhoff, nicht Thomas Melle, der Preisträger wurde, ich hoffe, Maxim Biller und das “Literarische Quartett”, sind nicht schuld daran, trotzdem mitbekommen und gestern wurde dann offiziell eröffnet.

Die Könige von Flandern und Holland waren da, denn diese beiden Länder sind ja heuer Gastland, 2000 war es Polen und 2002 Litauen, ich habe mir ein paar Videos angeschaut und einige der offiziellen und auch inoffiziellen Bücherblogger sind schon in Frankfurt und zeigen erste Eindrücke von dort her, sie vergeben inzwischen auch einen Debutpreis, das heißt sechzehn ausgewählte Superblogger wählen Manuskripte aus, die man bei ihnen einreichen darf und spielen sie dann einer offiziellen Jury zu, der unter anderen auch Dennis Scheck angehört.

Nun ja, nun ja, die Blogger freuen sich über ihre Wichtigkeit, ich werde da aber wohl auch nichts gewinnen und nicht ausgewählt werden, so reiche ich gar nicht ein, sondern habe mir inzwischen nur die “blauen Sofa” und “3 Sat Programme” ausgedruckt, denn um elf geht es am “blauen Sofa” mit der Vorstellung des neuen Buchpreisträgers los und werde heuer vielleicht auch gar nicht so viel Zeit zum Surfen haben, denn Donnerstag möchte ich ins Literaturhaus, um mir einen Teil eines Jelinek-Symposium zu deren siebzigsten Geburtstag anzuhören und am Freitag ist um zwei, der “Kulturpolitische Arbeitskreis” in der “Alten Schmiede” und am Samstag dann GAV-GV, so daß eigentlich nur der Sonntag überbleibt, wo der Friedenspreisträger in der Paulskirche seinen Preis bekommt und wenn ich den entsprechenden Livestream finde, kann ich dort auch hineinsehen.

Das mit dem “blauen Sofa” war dann nicht so einfach, denn da kam ich nur zur “Leipzig-Schiene”, bei “3-Sat” nahm aber der Programmdirektor des Holland-Flanders-Schwerpunkt Bart Moeeyaert, einem Kinderbuchautor, Platz und erzählte etwas von seinen und den niederländischen Büchern. Dann kam Torben Kuhlmann, der ein ein Buch über eine Maus im Weltall gezeichnet hat.

Dann wurde es bekannter, denn auf “3-Sat” traten dann meine LL-Lieblinge, Katja Lange-Müller und Sybille Lewitscharoff auf und erzählten etwas über ihre neuen Bücher.

Auf der “ARD-Bühne”, wo ich ebenfalls die Videos empfangen konnte, demonstrierte Dennis Scheck den Bücherherbst und dann gab es ein Gespräch mit dem türkischen Journalisten Can Dünder über die politische Situation in der Türkei und Jörg Armbruster hat ein Buch geschrieben über Deutsche die  in israelischen Altersheimen leben.

Danach erzählte der neue Buchpreisträger über seine Gefühle während der Preisverleihung und bei “3 Sat” kam Dagmar Leutpold auf die Bühne.

Es gibt eine Biografie über eine englische Freundin Hitlers, Michaela Karl hat über Unity Mitford geschrieben, Aron Grünberg, ein Holländer, Sohn deutscher Emigranten, der jetzt in NewYork lebt hat zum Niederlandschwerpunkt seinen neuen Roman “Muttermal”  vorgestellt und der ARD-Journalist Tilman Bünz berichtete in seinem Buch “Fünf Meter unter Meer. Niederlande für Anfänger”, von den Eigenarten und Schönheiten, die  man in Holland erleben kann.

So habe ich mich neben meiner Praxis, zwischen der “ARD-Bühne” und dem “3 Sat Stand”, nachdem ich kapiert habe, daß es heuer wohl nichts mit dem “Blauen Sofa” werden wird, hin- und hergezapt, habe auf www. buecher.at nachgelesen, daß  der österreichischen Gemeinschaftsstand  sowohl von Benedikt Föger als auch von Minister Drozda feierlich eröffnet wurde.

Die fünf Shortlistbücher und die drei Debuts liegen dort wohl auch auf und die gestrige Eröffnungsrede vor den beiden Majestäten von EU-Parlamentspräsident Schulz, der früher einmal Buchhändler war und die Besucher zum “Aufstand der Anständigen” aufrief, habe ich mir auch angehört, so daß ich nun, während in Frankfurt die Eingeladenen zu den Empfägen und Festen wandern, mich ins Literaturmuseum begeben werde, wo es ein Archiv-Gespräch über Franz Grillparzer gibt.

Am Abend bin ich dann zu den blauen Sofas Videos gekommen und habe mir einige Interviews mit den Buchpreisbuch-Autoren angehört, die mich in den letzten zwei Monaten sehr beschäftigt haben, so zum Beispiel das von Philipp Winkler, der auch den “Aspekte-Literaturpreis” gewonnen hat und dessen Shortlist-Buch “Hool” ich leider nicht gelesen habe.

Gerhard Falkner, schon ein älterer Herr habe ich dann kennengelernt, der eine sehr genaue Analyse seiner “Apollokallypse” gab, kurz habe ich in das Stadler-Video, dessen Buch mir ja nicht so gefallen hat, hineingehört und dann besonders interessant, das Interview mit Wolf Biermann, der ja 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, jetzt achtzig ist, ein Buch über sein Leben geschrieben hat und der ein besonderes Darstellungstalent ist.

Am Donnerstag hatte ich dann nicht sehr viel Zeit für Frankfurt, sondern drei Stunden, so daß ich nur zu Mittag kurz auf das Sofa und zu den anderen Kanälen konnte und so das Interview mit Carolin Emcke, der heurigen Friedenspreisträgerin hörte, die ein Buch “Gegen den Hass” geschrieben hat, das sich mit der “Begida-Bewegung” beschäftigt, die ja in Deutschland ganz besonders stark vertreten ist.

Danach bin ich ins Literaturhaus zum “Jelinek-Symposium” gegangen, wo zu erfahren war, wär aller wegen Frankfurt nicht zu der Veranstaltung kommen konnte und ich habe mich am Abend wieder eingesurft, war aber zu müde, um mir wirklich alle versäumten Vidos anzusehen.

So surfte ich erst am Freitag zwischen einigen Telefonaten und einem Blogbeitragsentwurf kurz weiter, hörte Katha Lange-Müller, ich glaube noch einmal über “Drehtür” sprechen und auf “3Sat” Marcel Beyer, der ja der heurige “Büchner-Preisträger” ist  und werde dann wahrscheinlich mit dem Alfred in den “Waldviertlerhof” essen gehen und danach in die “Alte Schmiede” zum “Kulturpolitischen Arbeitskreis”, wo es, glaube ich, um Kleinverlage geht.

Damit war war ich dann auch noch am Samstag, wo es ja die Generalversammlung gab noch sehr beschäftigt, so daß ich mir am Abend gerade jeweils noch die Videos Annika Bühnemann und das von der Blogbuster-Konferenz anschauen konnte, wo Tobias Nazemi mit Dennis Scheck und einigen anderen, den neuen “Blogger-Literaturpreis” vorstellte.

Ich habe mich dann auch noch ein bißchen auf dem “Blauen Sofa” umgesehen, mir einen Teil der Zusammenfassungen angesehen, bin dabei auf Donna Leon und immer wieder auf die niederlängischen und flamischen Autoren, wie Arnold Grünberg, Connie Palmen, etcetera, denen ich auch noch einen extra Artikel widmen möchte.

Anna Weidenholzer ist auf dem blauen Sofa gesessen und viele andere.

Am Sonntag wurde dann der “Friedenspreis” an die 1967 geborene Carolin Emke verliehen, die ich mit Verzögerung im Live Stream gefunden habe, eine türkische Philosphin hielt, die Laudatio und die Journalistin, die bei Habermas studierte, eine große energisch aussehende Frau, schüttelte dem Börsevereinvorsteher oder wer der Herr ist, der die Urkunde überreichte, sehr kräftige die Hand und hielt dann eine Dankesrede, in der sie erwähnte, daß sie bisher diese Preisverleihung immer von “unten” vorm Fernsehapparat oder im Publikum gesehen hat.

Sonst wird der Frankfurter Sonntag höchstwahrscheinlich wieder ein Resterlessen werden, eine Mischung von alten Sendungen und neuen.

Es gibt  Videos übers die Öffnung der Messe für das sogenannte allgemeine Publikum, dem Leser, der zwischen ein und neun Bücher pro Jahr liest.

Angeblich lesen die Niederländer wenig, obwohl es vierhunderfünfzig deutsche Neuübersetzungen gibt, die auf der Messe aufliegen und ein holländerischer Gast tritt täglich auf, der durch die Messe marschiert und die sogenannten Goodies, die man dort bekommen kann, einsammelt oder im Zug, der die holländischen Autoren nach Frankfurt führte, interviewte.

Olga Martynova kam um zwölf mit ihrem Roman “Der Engelherd” auf das blaue Sofa und hielt ein Playoyer gegen den einfach linear erzählten Roman, der ich mich nicht anschließen würde.

Der achtundachtzigjährige Hardy Krüger hat ein Buch geschreiben, das, wie er betonte, keine Autobiografie, sondern ein Playoder gegen den Rechtsruck ist und der Rest des “Blauen Sofas” war, sowohl Arnold Grünbergs neues Buch “Muttermal”, sowie in der blauen Stunde dem “Schweizer Buchpreis” gewidmet, wo Sacha Battyany, Christoph Höhtker, Christian Kracht, Charles Lewinsky und Michelle Steinbeck, nominiert waren, gewidmet und das war es dann mit der heurigen “Frankfurter Buchmesse”, auf die ich nur sehr sporadisch gesurft bin, so daß ich wahrscheinlich keine Meinung darüber abgeben kann, sondern nur ein paar Blitzlichter auf die siebzig- oder achtzigtausend Bücher, die dort ausgestellt waren, werfen konnte, dafür aber auch ein bißchen mitbekommen habe, was in dieser Zeit in Wien literarisch so passierte.

GAV-Versammlungen

Diesen Samstag gibts wieder die Generalversammlung der Grazer Autoren, der seit 2009, am Freitagnachmittag der sogrenannte kulturpolitische Arbeitskreis veranstaltet wird, wo im kleinen Kreis unter der Leitung von Ruth Aspöck zu einem bestimmten Thema diskutiert wird, “Warum schreibe ich, was lese ich, Journalismus, Muttersprache, Vatersprache, Film und Arbeitswelt” und “Wünsche an die GAV”, waren schon die Themen, diesmal ging es, um die Kleinverlage, so daß Fritz  Widhalm ein sehr poetisches Referat dazugehalten hat.

Ein typischen Fritz oder “Wohnzimmerverlagreferat”, a la Kleinverlage gegen Großverlage, das aber meiner Meinung nach nur einen kleinen Teil der literarischen Szene abdeckte, denn die Autoren wollen wahrscheinlich selbstverständlich, sobald sie können zu den möglichst deutschen Großverlagen und das “Fröhliche Wohnzimmer” deckt eher die experimentelle Literaturszene ab, die bestimmt sehr wichtig ist, aber wenn ich da nicht gerade ohnehin unterwegs bin und zu den Kleinverlagmessen gehe, werde ich als lesender Normalverbraucher, höchstwahrscheinlich keine Ahnung habe, daß es das gibt.

Von zwei bis halb sechs wurden, dann die fehlenden Bereiche ausdiskutiert, Mila Haugova, Magdalena Knapp Menzel, Robert Kleindienst, Wally Rettenbacher, Irene Wondratsch, Ilse Kilic C. H. Huber und Jopa Joakim, der auch das Protokoll führte, waren die Teilnehmer und ich denke und blogge ja auch sehr intensiv darüber.

Der Literaturbetrieb ist sehr  vielfältig, ich finde es schön, daß viele Leute schreiben, glaube auch nicht, daß durch die Möglichkeiten des Selberpublizieren sehr viel Mist geschrieben wird und veröffentliche seit 2000 selbst, bin also eine Selbstpublisherpionierin und seit es das Internet und den Digitaldruck gibt, braucht man auch nicht mehr für die Schublade schreiben.

Leser und Resonanz sind natürlich wichtig, aber wenn es die nicht gibt, würde ich beispielsweise nicht zum schreiben aufhören und ich denke auch, daß Literaturkurse und Schulen interessant und wichtig sind, die heutzutage von vielen Autoren, quasi zum Nebenverdienst, weil man vom Schreibe allein ja meistens nicht leben kann, angeboten werden. Früher war das anders, aber auch da hat man das Schreiben irgendwie durch Versuch und Irrtum und viel Lesen lernen müßen, heute werden Marketingkurse im Internet angeboten und man kann seine Bücher wenn man will, selber veröffentlichen, muß dafür das Cover und das Lektorat selber bezahlen, während der Verlag, den Druck bezahlt und bersorgt, die Texte lektorieren und durch Werbung auch für ihre Verbreitung sorgen soll.

Dann gabs eine längere Pause in der ich mit der Ruth in einem Restaurant beim Gutenberg-Denkmal war und dann gings weiter, auch schon eine Tradition, die es seit einigen Jahren gibt, mit der Lesung der im Vorjahr aufgenommen Mitglieder.

Zwanzig waren es an der Zahl, vier sind aber davon ausgefallen und im nächsten Jahr, habe ich schon gehört, können es dreißig werden, eine sehr lange und sehr intensive Lesung, die sehr viel Konzentration erforderte, auch wenn die Lesezeit nur fünf Minuten betraf.

Gerhard Jaschke moderierte und es gab zur Unterstützung wieder das Heftchen “Aufgenommen” mit Textbeispielen der neuen Mitglieder von denen ich nur einige kannte.

Die 1976 in Salzburg geborene Renate Aichinger kannte ich dem Namen nach, sie hat auch einen Band in der neuen Lyrik Reihe aus Österreich, aus der sie einige Beispiele gelesen hat.

Ines Birkhan und  Bettina Gärtner habe ich nicht gekannt, während ich Rene Bauer unter dem Namen Rene Monet, glaube ich, schon bei einem Poetry Slam gehört habe.

Dann kam die 1979  in Wien geborene Michaela Hinterleitner, mir von Lesungen in St. Pölten und im “Read!!ingroom” ebenfalls schon bekannt und auch ihren Text vom “Allesfresser” habe ich schon gehört.

Nadine Kegele brachte einen Auszug aus ihrem neuen in Arbeit befindlichen Roman “Blaue Augen zum Selbermachen”

Dann kam der mir bisher unbekannte  1970 geborene Markus Lindner mit einem sehr politischen Text über die “Namenlosen”, die im Meer schwimmen oder an Land angeschwemmt werden, beziehungsweise deren Leichen nicht gefunden werden, weil sie vorher von den Fischen aufgefressen werden.

Doris Nussbaumer mir ebenfalls schon bekannt, weil ich in ihrem “Werkl im Goethehof” schon gelesen habe, fehlte, wie Anne Marie Pirchner.

So daß, als nächstes der 1962 geobrene Autor Komponist und Tonmeister Bruno Pisek aus einem sehr großen Buch, ich nehme an, es war der “Sprechchor für Solostimmen” gelesen hat.

Marcus Pöttler brachte Beispiele aus seinem bei “Keiper” erschienen Gedichtband “noctarium.”

Dann kam der 1981 im Innviertel geborene Stefan Reiser mit zwei Theatertexten beziehungsweise Anweisungen eines Regisseurs an seine Gruppe, gefolgt von dem neben mir sitzenden Stefan Schmitzer, den ich 2008, glaube ich, beim Volksstimmefest kennenlernte, der schon viele Gedichtbände bei “Droschl” und inzwischen auch bei einem anderen Verlag hat und den ich auch schon in der “Alten Schmiede” hörte.

Er war auch sehr politisch und hat die Flüchtlingssituation in seinem Lang oder Kurzgedicht erwähnt.

Märchenhafter wurde es mit den Texten der ehemaligen Lehrerin und Kunsttherapeutin Susanna Schweiger.

Die 1983 in Villach geborene  Angelika Stallhofer hat derzeit ein Stipendium in Palliano, so daß sie ihren Textauszug  aus  “Der rastlose Vogel”, der von einem Kolibri handelte, vorlesen ließ und eine Grußbotschaft sandte.

Dann kamen noch, die in Kirchdorf  an der Krems geborene Elisabeth Strasser und der in Linz geborene Geigenlehrer Erich Wimmer, der in einem Gedicht an den plötzlichen Tod des “Resistenz-Verlegers” Dietmar Ehrenreich erinnerte und am Samstag ging es mit der Generalversammlung, den Neuaufnahmen, den Veranstaltungsvorschlägen und den Regionalberichten weiter.

Am Abend war wieder das traditionelle Abendessen mit Gasthof Pfudl mit Fritattensuppe, Tafelspitz und Palatschinke, wo ich mich sehr lang und sehr intensiv mit Dietmar Füssel, der mir seinen endlich fertig gewordenen historischen Roman avisierte, Frank König aus Berlin,  Hans Jörg Dost aus Dresden und Josef K. Uhl aus Kärnten, der mir eine Rezension für “Paul und Paula”  in  der “Unke” versprach, unterhielt.

Bücher habe ich mit C. H. Huber getauscht und im Jänner gibts wieder in Salzburg eine GAV-Veranstaltung, wo ich mit Margot Koller,  Wolfgang Kauer und Manfred Chobot unter dem Thema “Angekommen” im afroasiatischen Institut lesen werde.

Zum Thema “Abgeschoben” haben wir dort ja schon einmal gelesen.

Vorschau auf “Nicht berühren oder Notizen zur Romanentstehung”

20160726-083835

Wie bin ich nur auf dieses blöde Wort gekommen und was
hat es mit Zoran Simcic zu tun, der sie in diesem Augenblick
aus seinem roten Rucksack nimmt und auf den Cafehaustisch
stellt, den er vorher auf die Bühne des Turnsaals trug, in dem
sie Zarah Bashramis Stück zum zwölften Februar 1934 pro-
ben? Sehr verwirrend, die Idee über eine Schreibblockierte,
die einen Roman verfassen will und keine Ahnung hat, worü-
ber er handeln soll? Denn sie hat ja alles schon geschrieben
und die Dose mit der Aufschrift „Gösser“ auf dem Marmor-
tisch passt auch nicht dorthin. Hat man doch wahrscheinlich,
als am 12. 2. 1934, die Sozialdemokraten aus den Gemeinde-
bauten schossen , eine solche nicht gekannt und in dem be-
rühmten Cafe Central, hat der Dichter Doderer, eine solche
auch nicht bestellt, sondern sicher eine Schale Gold. Das Wort
„Bierdose“ ist auch eine Verwechslung. Denn eigentlich woll-
te die Schreibblockierte eine „Wurfgeschichte“ über das Wort
„Dosenbier“ verfassen. Weil sie keine Romanidee hatte, wollte
sie sich an Kurzgeschichten ausprobieren und da ist ihr ein
Schreibratgeber in die Hände gefallen. In eine Bibliothek ge-
hen, sich mit dem Rücken vor das Regal stellen und nach ei-
nem Buch fassen. Ein Wort heraussuchen und notieren. Das
Ganze wiederholen. Dann man fünf bis sechs Wörter, über die
man eine Geschichte schreiben kann. Das erste Buch, das mir
in die Hände fiel, ist Cornelia Travniceks „Chucks“ gewesen
und da stand „Dosenbier“ im Klappentext.

 

Wieder  gibt es einen Vorgeschmack auf mein nächstes Buch mit Cover, Textbeschreibung und einem Gewinnspiel, das diesmal aus drei ersten Romananfängen, nach dem Vorbild  eines “Mimikry-Spiel des Lesens” besteht.

Ich danke Gloria G. und Anke Dorsam für die zur Verfügungstellen von zwei Textbeispielen, die sie jeweils zu meinen ersten Satz geschreiben haben:

1.

Es war ein trüber  Märzmorgen, an dem Anna Augusta  Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Es regnete nicht, aber die Feuchtigkeit, die in den Sträuchern hing, schlug sich im Kies der Einfahrt nieder. Seit gestern Abend hatte niemand die Einfahrt genommen. Anna Augusta hatte gehofft, die Postbotin oder besser, Besuch würde kommen, bevor sie das Haus verlassen musste, und würde ihr die Entscheidung abnehmen. Am Tag zuvor hatte sie einen Kasten Briefe gefunden, der daraufhin deutete, dass das Haus tief verschuldet war, als sie es gekauft hatte. Sie wußte wenig über den Voreigentümer, vielleicht, daß er gerne Hüte trug, sie erinnerte sich nicht genau. Aber sie hatte eine Absende-Adresse der Briefe. Kein angenehmer Vormittag, um aus dem Haus zu gehen. Lieber würde sie den frischen Tee, der in der Küche auf einem Stövchen stand, mit jemanden teilen, um über etwas anderes zu reden. Was im Dorf vor sich ging. Ob die Bushaltestelle verlegt  würde. Wie der Fischfang war?

 

2.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantollfeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Viel Erfreuliches gab es nicht zu sehen. Der Himmel war grau, der Wetterbericht hatte Regen und drei Grad über Null vorhergesagt. Kein Grund zur Freude, aber auch keiner zum Trübsalblasen. Eher Anlaß zum Weiterarbeiten und das hatte sie auch vor. Hatte sie doch wieder einen Roman geplant und würde sich nach dem Frühstück vor den Laptop setzen und an der Geschichte, der gerade sechzig Jahre alt gewordenen Hildegar Hadringer oder H. H., weil man das so schön verkürzen kann, die nach ihrer Pensionierung beschlossen hat, ihre Ersparnisse zu beheben, um sich damit ein schönes Leben zu machen, zu schreiben. So weit, so what und noch nicht wirklich ausgereift, war sie doch erst vor kurzem, mit dem letzten Band ihrer “Flüchtlingstrilogie” fertiggeworden. Vielleicht also nur ein Wunschtraum Anna Augustas, die sich ebenfalls in A. A. verkürzen ließ.

 

3.

Es war ein trüber Märzmorgen, an dem Anna Augusta Augenstern in ihren orangeroten Filzpantoffeln zum Fenster tappte, die Vorhänge beiseite schob und auf die Terrasse blickte. Was sie dort sah, war wie immer, und doch etwas war anders. Oder war vielleicht  Anna Augusta Augenstern nicht mehr diesselbe? Woher dieses Gefühl, daß nichts mehr so war, wie es einmal war. Woher diese Fremdheit, die alles Vertraute wie eine Imitation des Originals erscheinen ließ, hundertprozentig gleich und doch nicht mehr identisch. Sogar die orangeroten Filzpantoffeln, in den Siebzigerjahren an einem Marktstand am Brenner erworben und mittlerweile, was man ihnen ansah, um die halbe Welt gegangen – die Welt der Anna Augusta Augenstern war nicht sehr groß, aber die Wege addierten sich-, diese Filzpantoffeln, die es in besseren Zustand in jeder Nostalgieboutique zu hohem Ansehen gebracht hätten, jemand mußte sie in ihre feinsten Bestandteile auseinandergenommen und dann wieder zusammengefügt haben, bis sie aussahen wie vorher, oder jedenfallls beinahe, denn irgendwo steckte jetzt ein Fehler drin.

 

Meine Leser können nun erraten, was das Original und was die “Fälschung” ist?

Für den, der  errät, welcher Text von mir ist, gibt es nach Erscheinen  das Buch.

Wenn ich es mir so ansehe, dürfte die Beantwortung eigentlich ganz leicht sein, als  Hilfestellung verlinke ich aber trotzdem zu den Schreibberichten und wünsche viel Spaß beim Raten!

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13

 

 

Die Auswandernden

Im Literaturbetrieb und beim Longlistenlesen erlebt man manchmal Überraschungen, obwohl ich ja eigentlich glaube mich dort ganz gut auszukennen, nachdem ich mich da  schon seit über vierzig Jahren daneben stehe.

So habe ich, als ich in der vorigen Woche überlegte, was das wohl auf die österreichische Shortlist kommen würde, ganz ehrlich nicht im Entfernstesten an Peter Waterhouse gedacht.

Ihn und Daniela Emminger habe ich weggelassen, sonst hätte ich eigentlich alle acht als  wahrscheinlich gesehen und was das Experimentelle betrifft, hätte ich mir eher Anne Cottens Verseops gewünscht, denn, als der 1956 in Berlin geborene und in Wien lebende, 2007 den “Erich Fried Preis” bekam, habe ich, glaube ich nicht sehr viel mit ihm und seinen Büchern anfangen können, denn das Experimentelle liegt mir nun einmal nicht.

2009 hat Michael Hammerschmid den “Prießnitz-Preis” bekommen und da hat Peter Waterhouse, die Laudatio gehalten, eine sehr sprachgenau, wie ich mich erinnern kann, die Wort für Wort, die Texte des Gewinners auseinandernahm und das ist jetzt mit den “Auswandernden”, das zweite öst Shortlistbuch das ich gelesen habe und wahrscheinlich auch lesen werde, passiert.

Eine punktgenaue Auseinandersetzung und Auseinandernehmen der Sprache und das in Bezug zu einem gerade sehr aktuellen Thema und da  habe ich gedacht, die experimentellen Sprachanalylytiker würden sich dafür interessieren.

Über die österreichischen Shortlist habe ich in den Medien und in den Blogs noch nicht sehr viel gelesen, bei der deutschen wurde allgemein bedauert, daß sie sich nicht mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzte und die Bücher der jungen Deutschen, die aus dem Iran, Saudiarabien, etcetea kommen und darüber schrieben links oder rechts liegen ließ.

Von Peter Waterhouse hätte ich mir eine Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht erwartet und es ist auch ein sehr  ungewöhnliches Buch, das da in dem kleinen “Starfruit-Verlag” erschienen ist und das ich für einen Kanditaten für die “schönsten Bücher Österreichs, Deutschlands” oder wo auch immer halten würde.

Denn Peter Waterhouse ist nicht der alleinige Autor, Nanne Meyer steht auch noch darauf und die 1953 in Hamburg geborene, die Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ist, hat die Illustrationen dazu geliefert oder besser ein zweites Buch dazu gezeichnet, so daß man durch die “Auswandernden”, wie durch ein Museum gehen kann.

Es beginnt auch ganz banal, nämlich mit einer Tafel, die angeblich oder tatsächlich im Einsiedlerpark hängt, ich müßte da mal nachschauen, er ist ja gleich in meiner Nähe, auf der “Am frühen Morgen des 15. Oktober 1936 holte Johann Urban, Schuldiener in der Lehranstalt für Textilindustrie in der Spengergasse, im Postamt am Hundsturm das für die Gehälter des Schulpersonals bestimmte Geld ab und durchquerte gerade den Einsiedlerpark, als ihm ein junger Mann weißen Pfeffer ins Gesicht schleuderte.”, steht.

Mit der Flüchtlingsfrau Media, die mit einigen Wörterbüchern gerade Deutsch zu lernen beginnt und der der Autor oder Ich-Erzähler dabei hilft, durchquert er den Park, bleibt vor der Tafel lange stehen,  liest und liest, kommt dabei zu Adalbert Stifter und zu Hebbel und beginnt die Sprache auseinanderzunehmen.

Denn, was weißt Flucht, ergreifen, begreifen, aufgreifen, wenn man genau hinaschaut, kommt man damit wahrscheinlich so durcheinander, wie es Katja Lange Müllers Asta tat, als sie nach zweiundzwanzig Helferjahren im Ausland wieder zurück nach Deutschland geschoben wurde.

Man sieht auch die deutsche Liste ist aktuell und der Preisträger hat ja auch, wenn auch vielleicht sehr konstruiert und abgehoben sich mit dem Flüchtlingsthema auseinandergesetzt.

Media muß sich auch mit der Sprache auseinanderetzen, sagt “Pippi Langstrupfhose und schreibt in ihre Bewerbungsschreiben “Timm”, denn so hat sie das Wort “Team” verstanden.

Von Stifter und  Hebbel kommt Peter Waterhouse zu Charles Dickens und zur englischen Sprache, dem Namen nach hat er wohl auch englische Wurzeln und er kommt auch nach Bozen, weil er dort eine Lesung aus einem von ihm übersetzen Gedichtbandes hat.

Aber das passiert erst später in dem Buch, das immer wieder durch sehr schöne Illustrationsblöcke unterbrochen wird, wo der Inhalt des Vorher beschriebenen visuell wiedergegeben wird.

“Keine, kein, keine, ohne”, steht da mit den dazugehörigen Zeichnungen, das Messer oder Stock, das Blatt, eine Zwiebel ohne Zitrone, so genau ist das nicht zu erkennen und mit der Sprache hat man es auch nicht leicht.

Peter Waterhouse geht inzwischen aber zum Asylgerichtshof nach Wiener Neustadt, hält dort, wenn ich mich nicht irre, im Rahmen des “Mit Sprache unterwegs Projekt” eine Rede und wundert sich, daß keine Richterinnen im Saal saßen.

Vorher hat er Medias Bescheide auseinandergenommen, die bevor sie mit ihrer Tochter das Land verließ, einen deutschen Satz auswendig lernte, um ihn den Grenzbeamten aufzusagen, die ihre Fluchtroute natürlich nicht nachvollziehen konnten.

Vom Auswandern kommt man leicht zum Überqueren und Überfahren, zum Fuhrmann aus einem Märchen oder einer Hebbel-Geschichte aus dem achtzehnten Jahrhundert, zu Zeiten der französischen Revolution, leider fehlen in dem ansonst so schönen Buch, die Quellenangaben, was da jetzt wo zitiert wurde.

Es wird aber auch von einer Freundin, einer Rechenkünstlerin erzählt, die sich ihr Todesdatum genau ausrechnete und dann wirklich punktgenau ein paar Tage vor oder nach dem 4. 4. 2002 gestorben ist und der Erzählter wachte eine Zeit danach jeweils um vier uhr früh auf und konnte nicht  mehr schlafen.

Vom Greifen zum Ergreifen, Begreifen, Auswandern und Zurückdringen, man sieht, man kann sich mit der aktuellen Situation auf verschiedene Art und Weise auseinandersetzen, man kann, wie ich es mit meiner Flüchtlingstrilogie getan habe, realistisch davon erzählen, man kann aber auch mit einer Zeichnerin eine Sprachanalyse daraus machen, kann vom Schuldiener Johann Urban, von Adalbert Stifter, Charles Dickens und anderen erzählen und dann immer wieder die absurde Sprache der Asylbescheide aufzugreifen und zu untersuchen.

Ein interessantes Buch, das ich durch die Shortlist-Juroren kennenlernen durfte, wofür ich herzlich danke, weil es sonst höchstwahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre.

Als Buchpreisbuch wünsche ich es mir nicht, denn dafür habe ich ja schon eine Kanditain, die heute auch beim “Grillparzer Symposium” liest, wo bei der gestrigen Auftaktveranstaltung für mich überraschend der sehr kritische Literaturprofessor Arno Dusini auf das Buch hingewiesen hat, obwohl er sich vorher über den “Bachmannpreis” ärgerte, aber dort haben ja heuer Tomer Gardi mit seinem Broken German und die vielleicht auch sehr experimentelle Stefanie Sargnagel gelesen und den Preis hat eine Autorin gewonnen, die auch nicht Deutsch zur Muttersprache hat.

Ob es ein Buch für die berühmte Schwiegermutter ist, glaube ich nicht, der ist es wohl zu experimentell und vielleicht auch zu schwierig zu lesen und das befürchte ich ganz ehrlich auch bei den Bücherbloggern und bin nicht ganz sicher, ob die, die Geduld aufbringen werden, sich durch die zweihundertfünfzig Seiten zu lesen, wo nicht viel passiert, es keinen Plot gibt, aber die Sprache auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt wird.

Man kann aber, wenn einem das zu anstrengend ist, sich immer wieder durch die wirklich schönen Zeichnung lesen. In jedem Sinn also die große Überraschung auf der öst List ich kann das Buch wirklich jeden nur empfehlen und werde jetzt mit dem letzten Buch auf der österreichischen Liste, dem Longlist Buch von Kathrin Röggla weitermachen, die auch eine sehr experimentelle Sprachkünstlerin mit gesellschaftlichen Ansatz ist.

Elfriede Jelineks siebzigster Geburtstag

Heute vor siebzig Jahren wurde in Mürzzuschlag Elfriede Jelinek, die Nobelpreisträgerin von 2004, geboren.

Zu diesem Anlaß gab es diese Woche im Radio vor dem Mittagsjournal  ein paar ihrer Texte, zum Beispiel am Dienstag eine Lesung aus den “Liebhaberinnen”, wo sie noch selber gelesen hat und die “Elfriede Jelinek Forschungsplattform bzw. das Forschungszentrum”, die mir regelmäßig die Einladung zu ihren Veranstaltungen schickt, veranstaltet schon seit dem elfen Oktober unter dem Titel “Nestbeschmutzerin & Nobelpreisträgerin” ein Symposium, das an den verschiedensten Orten stattfindet und so bin ich heute statt zum “Grillparzer-Symposium” und statt “Frankfurtsurfen” ins Literaturhaus gegangen.

Da gab es ja schon 2004, eine große Veranstaltungsreihe, wo ich auch Pia Janke, die diese Plattformen und Zentren, glaube ich, gegründet hat, kennenlernte, ich habe ihr damals auch meine “Fluchtbewegung” gegeben, wo es auch um eine Nobelpreisträgerin geht, die sich vor dem sie erwarteten Rummel versteckt.

Seither gehe ich gelegentlich zu den Veranstaltungen, nicht besonders oft, da ich mich ja für die Dramatik nicht so besonders interessiere, aber im Vorjahr, wo es um den Vergleich zwischen Elfriede Jelinek und Herta Müller ging, bin ich dort gewesen und, als Elfriede Gerstl den “Fried-Preis” bekommen hat und ihre Freundin Elfriede Jelinek, die alleine Juororin war, habe ich sie, glaube ich das letzte Mal im Literaturhaus gesehen, denn seither hat sie sich ja aus dem Literaturbetrieb zurückgezogen, veröffentlicht aber sehr viel im Netz auf ihrer berühmt gewordenen Website und die “Jelinek-Plattform” und das “Zentrum” forscht über sie und gibt jedes Jahr ein Jahrbuch heruas.

Ich weiß nicht genau, was ich alles  versäumt habe, es gab Veranstaltungen im Film-Archiv und im Film Casino, heute ging es aber um die Übersetzungen und da habe ich vor Jahren auch schon einmal ein Symposium in der “Alten Schmiede” gehört, wo die Jelinek-Übersetzer auftraten.

Amrit Mehta der meine “Zeitungsmeldung” ins Hindi übersetzt hat, war auch dabei und hat, glaube ich, die “Klavierspielerin” übersetzt.

Heute begann es mit einem Vortag der Belgierin Inge Artell “Die Welt mit der Sprache neu bauen”, dann rezitierte Norbert  Bachleitner an Hand von der englischen und der französischen Übersetzung des Romaes “Lust”, die “Quadratur des Kreises”, denn Jelinek übersetzen ist wahrscheinlich nicht sehr einfach oder doch, denn sie läßt ihren Übersetzern freie Hand, so daß diese sich austoben können.

Es waren auch einige Übersetzter zum Beispiele, die italiensich und die tschechische im Publikum und Inge Arteel, die Jelinek ins niederländische übersetzt hat, Yasmin Hofmann, die das ins Franhösische, sowie Aleksandr V. Belobratov, der es ins Russische tat, gaben Beispiele, wo Übersetzungen gelingen oder nicht gelingen können.

Dann gab es eine Pause mit einem kleinen Buffet, Brot, Obst, Schokolade und was zum Trinken und noch einen Vortrag zum “Translationalen Schreiben”, da habe ich nicht ganz begriffen, was das ist, es gab aber noch eine Diskussion über Elfriede Jelinek im nationalen, beziehungsweise internationalen Feld, da trat eine Polin auf und erzählte, daß in Polen die “Liebhaberinnen” als sie dreißig Jahre nach ihren Erscheinen übersetzt wurden, als sehr aktuell aufgenommen wurden und der Wiener Germanist Stean Krammer erzählte, daß die Schüler durchaus Interesse an Jelineks Texte hätten, wenn man sie entsprechend neugierig macht.

In den Schulbüchern tauchen ihre Texte auch auf, sie wird da aber als Feministin oder politische Autorin gesehen und Margarete Lamp-Faffelberger, die an einer amerikanischen Uni lehrt, erklärte, daß Jelinek im universitären Umfeld sehr bekannt sei, sonst aber eher nicht übersetzt und nicht gespielt wird.

Am Schluß gabs  unter dem Titel “Generation Post Jelinek” eine Diskussion mit Clemens J. Setz und Olga Flor  und dem Jung Dramatiker Ferdinand Schmalz zu ihren Jelinek Bezug, Kathrin Röggla, die auch mitmachen sollte, ist aber, wie Robert Huez derzeit in Frankfurt und schickte nur eine Grußbotschaft, in der sie erzählte, daß Elfriede Jelinek, ich glaube auch mit den “Liebhaberinnen” oder war es die “Klavierspielerin” oder “Die Kinder der Toten”, das schreiben lehrte.

Nun ist Kathrin Röggla, mit deren “Nachtsendung” ich gerade begonnen habe, sicher eine sehr politische Autorin, Ferdinand Schmalz, den ich im “Musa” hörte und der mit seinen Stücken auf großen Bühnen, beziehungsweise mit seinen “Herzerlfresser” gerade im Akademietheater aufgeführt wird, ist das auch und Olga Flor wird, meinte Teresa Kovacs, die die Diskussion moderierte, oft mit Jelinek verglichen, während Clemens HJ. Setz sich in seinem “Indigo” auf die Kinder der Toten bezog.

Wieder kam die Frage zum Jelinek Bezug und was von der Autorin gelesen wurde, das scheint jetzt sehr zu modern zu sein, die drei schon erähnten Romane waren das, glaube ich und am Schluß las jeder noch eine Textpassage, bevor es an das Anstoßen und  das Gratulieren in Abwesenheit der Autorin ging.

Ich habe die meisten Romane  gelesen, hier, glaube ich, aber nichts besprochen, da war ich nur bei einigen Veranstaltungen und würde mich nicht unbedingt als Fan bezeichnen, halte sie aber für eine sehr interessante Autorin und den Roman “Lust” habe ich einmal im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen.