Fürsprache und Widerworte

Das diesjährige Erich Fried Festival, das am Mittwoch mit einem Festvorttag von Herta Müller, der “Nobelpreis-Trägerin” von 2009 “Vor der Tür saß mal der Zufall”, begann, hätte eigentlich, wie Robert Huez in seiner Einleitung sagte, schon im Vorjahr stattfinden sollen. Die Pandemie hat es verhindert und auch die Preisverleihung an Frank Witzel wurde verschoben. Aber jetzt. Seltsamerweise fand der Festvortrag in der Bibliothek und nicht im Lesungssaal statt. Aber es gibt ja noch die Regeln. Man muß oder soll seinen Platz reservieren, muß Maske tragen und offenbar sind auch weniger Zuschauer zugelassen. Aber man kann streamen und Herta Müller hätte ja 2009 bei der “Literatur im Herbst” lesen sollen. Ihr “Nobelpreis” sollte das verhindern. Ich habe sie aber bei der “Buch Basel” ,gehört und es gab glaube ich, auch einmal ein Symposium über Elfriede Jelinek und Herta Müller, aber da wurde nur über die beiden “Nobelpreis-Trägerinnen” gesprochen.

Jetzt war die Autorin aber da. Robert Huez hat eingeleitet, die Kulturstadträtin eröffnet und sich über das hochkarätige Programm gefreut und Anne Zauner, die Organisatorin, hat dann Herta Müller vorgestellt. Da kann ich mich erinnern, daß ich einmal im Cinema Paradiso in St. Pölten saß, wo über Herta Müller gesprochen wurde. Das war vor dem “Nobelpreis” zugegeben.

“Herta Müller, wer ist das?”, wurde da gefragt und ich habe mich gewundert, denn ich habe sie für eine bekannte Autorin gehalten. Das Spiel wiederholte sich dann nach dem “Nobelpreis” und ich denke, das passt auch zum Veranstaltungsthema und der Vortrag “Vor der Tür saß mal der Zufall” war, wenn ich mich nicht irre, ihrer “Nobelpreis-Rede” ähnlich. Es ging wieder um den Vernehmer zu dem Herta Müller, bevor sie nach Deutschland emigrierte, immer antreten und auch etwas unterschreiben mußte. Zuerst nannte er sie “Gnädige Frau!” und küßte ihre Hand. Später “Hure” und fragte auch mit wievielen Schwänzen sie schon Kontakt gehabt hätte? Das war wahrscheinlich eine sehr traumatisierende Erfahrung, die Herta Müller, die inzwischen viele Collagen macht, immer noch sehr beschäftigt.Diesmal durch den russischen Präsidenten Putin bereichert. So bezeichnete Herta Müller sich und alle Leute aus dem Osten als “Putin-Versteherin”, dieses Schimpfwort, weil sie ja sehr genau wissen, wie der Diktator tickt.

Auch Robert Huez wies in seiner Einleitung auf den Angriff auf die Ukraine hin und verwies auch auf Zahlscheine mit denen man den ukrainischen Flüchtlingen helfen kann und morgen Nachmittag geht es dann bis Sonntagvormittag, wo dann Frank Witzel seinen Preis bekommt, weiter.

Seien wir gespannt und für alle Interessierte weise ich noch darauf hin, daß zeitgleich die “Rauriser- Lteraturtage”, die ich ja im Vorjahr per livestream verfolgte und auch die Festschrift gelesen habe, eröffnet wurde und da wird ja Anna Albinus, die mit “Revolver Christi” schon das Öst-Debut gewonnen hat, den Preis bekommen.

Am Donnerstag ging es dann um vier mit einem Jugendliteraturwettbewerb zum Thema “Eine Stadt von Morgen” weiter, wo Jugendliche ihre Texte unter der Jury von Robert Huez, Gustav Ernst und Zita Bereuter vorstellten. Meiner Stunden wegen habe ich das versäumt und so bin ich erst zum Buchdebut des 1993 in London geborenen Caleb Azumah Nelsen “Freischwimmen” gekommen, das eine Liebesgeschichte im rassischen London schildert und von Florian Baranyi, der wie Anne Zauner einleitete, ein leidenschaftlicher Leser mit einer aus allen Nähten platzenden Privatbibliothek ist, zurechtgekommen.

Nach einer Pause kam dann der 1954 geborene ungarische Autor Laszlo Krasznahorkai mit seinem momentanen Roman “Herrscht 07769”, das aus einem einzigen Satz besteht und vom Fischer Lektor Hans-Jürgen Balmes moderiert wurde und glaube ich schon bei der letzten Lese.Auslese empfohlen wurde und der gut Deutsch sprechende Autor erzählte in der Einleitung, daß er vor fünfunddreißig Jahren in der “Alten Schmiede” gelesen habe, was sein erster Auslandsaufenthalt in der freien Welt war und er da zum ersten Mal auch Touristen gesehen hat, während sich die Ungarn nur für Kühlschränke und nicht für Kultur interessierten, woran ich mich auch erinnern kann, daß die Kärntner Boutiquenbesitzerin in der Otto Bauerbasse plötzlich Computer in ihr Geschäft stellte, weil das die Ungarn so haben wollten und toll, daß der weißhaarige Autor das Maskentragen im Literaturhaus auch für surreale Sache hält und trotzdem machen sie mit, setze ich hinzu.

Der Autor hat dann auf Ungarisch aus seinem Mammutroman gelesen und es gab, was im Stream besonders gut zu sehen war, eine auf eine Leinwand projezierte deutsche Übersetzung und im Gespräch danach, empfahl Laszlo Krasznahorkai seinem Publikum lieber Hölderlin, als seine Bücher zu lesen und kam dann, was eigentlich stimmt darauf zu sprechen, daß das deutsche Buch nicht von ihm, sondern von der Übersetzerin stammt.

Am Freitag Nachmittag ging es dann mit einem Lyrik-Schwerpunkt weiter und zwar führte da zuerst Teresa Präauer, die ja in letzter Zeit sehr aktiv ist, ein Gespräch mit dem 1987 in Ost-Berlin geborenen Max Czollek mit dem sie, glaube ich, den Schwerpunkt auch kuratiert hat und begann da mit dem Namensgeber Erich Fried “Die Jungen werfen zum Spaß mit Steinen nach Fröschen Und d Die Frösche sterben im Ernst”, obwohl Max Czollek wie er sagte, sich gar nicht so sehr mit Erich Fried beschäftigt hat und dann ging es wieder am Beispiel des Ukraine-Kriegs um den politischen Sinn der Lyrik oder wie wirksam sie sein kann. Dann ging es, um die Widersprüche von Traurigkeit zu Lachen und Lebenslust oder um die Frage, ob man sich wegen dem Krieg in der Ukraine freuen darf.

“Trauern für die Ukraine!”, habe ich ja schon irgendwo als Forderung gehört. ich denke, soll man nicht, aber wahrscheinlich lenken, die Zustände, die herrschen von der Fröhlichkeit ab und machen es auch schwer sich auf die Kunst zu konzentrieren.

Die erste Lesende war dann, die 1993 in München geborene und in Leipzig lebende Ronya Othmann, die ich beim “Bachmann-Preis” hörte und, die auch schon Romane und Gedichte, veröffentlicht hat. Sie begann mit einem Gedicht namens “Babylon”, kam dann zu einem von einem größenwahnsinnigen Diktator geplanten Staudamm, in dem man dann Zement schütten mußte, damit er nicht zerbarst und anderen politische Unsinnigkeiten, die aus ihrem bei “Hanser” erschienenen Gedichtband die “Verbrechen” stammen und Max Czollek wollte anschließend von ihr wissen, ob sie forensische Poesie schreibe? Keine Ahnung, was das ist und ob das möglich ist, ist aber wahrscheinlich die Absicht des Lyrik-Schwerpunktes.

Dann kam die aus Israel eingeflogene 1980 geborene Adi Keissar, die wie Max Czollek erwähnte, eine neue Art der Lyrikpräsentation gefunden hat, die sich von der üblichen und vielgeschmähten Wasserglaslesung abhebt.

Die Lesung erfolgte, was, wie ich erfahren habe, eine Spezialität des Festivals ist, in der Originalsprache, also Hebraäisch. Das offenbar nicht sehr zahlreiche Publikum, denn die ganze Veranstaltung findet offenbar in der Bibliothek statt, erhielt Handouts, für die Streamzuhörer las Max Czollek dann die Übersetzung “Ich weiß nicht, wie man Gedichte liest. Dann stand einer mit theatralischer Stimme, damit ich wüßte wie man Gedichte liest”, womit offenbar die neuen Darstellungsform gemeint ist und dann auch noch das andere Gedicht.

Dann kam die 1988 in Klagenfurt geborene Barbara Juch, dieren Gedichtdebut “Barbara” heißt, offenbar auch in der von Stefanie Sargnagel, gegründeten Burschenschaft Hysteria tätig ist und die mit einem Kärntner Volksslied begann, dann mit “Land der Berge viel zu viele” fortsetzte und auch von “Barbara, Babsi, Bärbl”, als Vertreterin Österreichs von diesem Lyrikschwerpunkt las und um das “Schnelle Schwimmen und Rennen” ging es auch.

Dann kam der gut Deutsch sprechende in San Paolo geborene und in Berlin als Übersetzer und Literaturvermittler lebende Ricardo Domeneck, der seine Gedichte auf Portugisisch, aber auch auf Deutsch las.

Nach einer Pause kam dann ein Gespräch zwischen der “Fried-Preisträgerin” von 2017, Teresa Präauer, von der auch der Titel des Symposiums stammt, mit Ronya Othmann, die ja einen kurdischen-jesidischen Vater hat und Ricardo Domeneck.

Teresa Präauer fragte Royja Othmann welche Bedeutung die Landschaft und die Herkunft ihres Vaters für sie hat? Und von Ricardo Domeneck, der vor zwanzig Jahren nach Berlin emigriert und auf Portugisisch schreibt, wollte Teresa Präauer wissen, inwiefern die Migration sein Leben und sein Schreiben verändert hat und die Körperlichkeit ist für ihn, wie sie betonte, auch sehr wichtig. So schreibt er homoerotische Liebesgedichte, die in Brasilien als sehr politisch interpretiert werden, was er gar nicht so empfindet.

Dann kam als Stargast wahrscheinlich der Belasrussische Autor Sasha Filipenko, von dem ich “Den ehemaligen Sohn” und die “Roten Kreuze” gelesen habe und der jetzt seinen ebenfalls bei “Diogenes” erschienenen Roman “Die Jagd” vorstellte.

“Der ehemalige Sohn” ist inzwischen in Weissrußland verboten und er mußte auch mit seiner Familie Belarus verlassen, weil er auf einer schwarzen Liste stand und lebt jetzt, glaube ich, in der Schweiz oder auch nicht so richtig, wie Sasha Filipenko auf Günther Kainderrlsdorfer, der moderierte, von Mascha Dabic übersetzt antwortete.

Sasha Filipenko schreibt auf Russisch und die “Jagd”, wo ein Journalist verfolgt wird, spielt auch dort. Günter Kaindlsdorfer wollte wissen, wie weit das Buch auch in Belarus spielen könnte und der Autor meinte, daß das nicht möglich wäre, weil man in Belarus wesentlich schneller gegen kritische Journalisten vorgehen würde, was aber seit dem Krieg nicht mehr stimmt. Er hat den Roman 2014 zu schreiben begonnen, der dann auch 2016 in Russland oder Belarus erschienen ist. Sasha Filipenko hatte , wie er sagte, schon seit 2010 Schwierigkeiten mit der Zensur.

Dann kam die Lesung aus dem Buch, das einen sehr musikalischen sonatenhaften Aufbau hat. Sasha Filipenko hat eine musikalische Ausbildung und das Buch ist auch mit sehr schnellen filmischen Schnitten aufgebaut. Es gibt den Hauptakt, und immer wieder Pausen, sowie anderen Tempoangaben. Es geht aber um einen Oligarchen, der mit seiner Familie viel in der Welt herumreist und um einen Journalisten, der sich mit ihm anlegt und dann auch um eine Gerichtsverhandlung, weil der Journalist einen leeren Artikel gebloggt hat und deshalb verhaftet wird.

Sasha Filipenko sagte, nach der der Lesung, daß er diese Stelle schon 2014 in Russland gelesen habe und hab haben die Zuhörer gelacht und nicht geglaubt, daß man eines leeren Plakates wegen verhaftet werden kann. <inzwischen passiert das oft, wenn man was postet oder teilt und da muß ich anfügen, daß das auch in Österreich passiert ist, daß Leute fünftausend Euro an einen Rechtsanwalt für einen geteilten Post zahlen sollten.

Sasha Filipenko antwortet dann auf Günter Kaindlsdorfer Frage nach dem Aufbau, daß er wollte, daß der Leser begreift, daß der Weg die Handlung zu verstehen sehr mühevoll ist und nahm auch in Kauf, daß manche Leser das Lesen aufgeben, weil die Handlung immer wieder abreißt, er wollte sie aber zu Mittätern machen, die die Geschichte zusammenfügen.

Mühsam denke ich und das dachte ich auch beim Mitlesen des deutschen Textes, aber ich habe das Buch schon angefragt, mal sehen was ich nach dem Lesen dazu sage?

Günter Kaindlsdorfer meinte aber, daß der Deal, daß er das Buch wegwerfen könnte, bei ihm nicht aufgegangen ist. Er ist neugierig geworden und hat weitergelesen. Bei “Amazon” habe ich aber andere Meinungen gefunden, die damit nichts anfangen konnten.

Um acht kam dann der 1983 in den USA geborene Phil Klay, der schon 2015 bei den “Fried-Tagen” war und da sein Debut “Wir erschossen auch Hunde” präsentierte. Jetzt wurde unter der Moderation von Sebastian Fasthuber, der auch schon öfter auf den “Fried-Tagen” moderierte sein neues Buch “Den Sturm ernten” vorgestellt, wo es um vier Mitglieder der US Special Forces geht, die in einem kolumbianischen Dschungel gekommen sind, Phil Klay konnte hier seine Erfahrungen als US-Marine verwenden, um einen Krieg zu beschreiben und hat einige kurze Stellen daraus gelesen.

Und um zehn gab es noch ein Konzert “Best of Ernst Molden”, der Enkel der Paula von Preradovic und der Sohn von Ernst und Hanna Molden der ja bevor er zu singen angefangen hat, auch Bücher geschrieben hat und von dem ich schon einige Konzerte gehört habe.

Viele schöne Lieder “Und was i am liebsten mog is summer jeden Tag!” und “Alles könnt das letzte Mal sein, drum sollt man sich urdentlich geben, nimm das, da liegts dei Leben!”- “Wo san die Kollegen, wann i außa muß in Regen?”

Am Samstag ging es dann um zwei mit einer Jennifer Daniel weiter, aber da sind wir nach St. Pölten gefahren, weil ich der LITGES-Seite entnommen habe, daß da der Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft stattfinden wird. Es ist zwar erst zwei Wochen vor Ostern und von daher ungewöhnllich früh und eigentlich würde ich normalerweise nicht von Wien aus hinfahren, aber weil derzeit ohnehin nichts los ist und ich schon über zwei Jahren keine Lesung mehr hatte und 2019 ist wegen der “Literatur & Wein” der Osterspaziergang auch ausgefallen und weil ja sonst außer streamen und zu Hause sein, weil ich derzeit auch auf keine Demos gehe, ohnehin nichts los ist, habe, ich gedacht, fahren wir hin und ich lese “Den Meister Hoppel” vor. Mein Ostertext, den ich im Vorjahr geschrieben habe. Das Wetter war kalt und regnerisch, beziehungsweise hat es sogar geschneit. Wir waren um halb drei schon bei der “Seedose”. Dort war nichts los, das Restaurant geschlossen, nur gelegentlich ist einer mit einem Hund vorbeigekommen und zwei Leute haben was ins Restaurant geräumt und das war noch um viertel vier so. Da habe wir nochmals auf der Seite nachgeschaut und dann die Eva Riebler angerufen. Osterspazierigang auf den Ostersamstag verschoben, was es ja auch passender ist. Also zurückgefahren und da konnte ich mich dann ins Festival zurückstreamen oder auch nicht, denn um vier sollte ja Deb Olin Unferth aus ihrer “Happy green familiy”, das mir “Wagenbuch” , als E-Pub zuschickte, lesen, aber die ist krank geworden, also ist es erst um sechs mit Nate Powell weitergegangen, der, wie auch Jennifer Daniel, ein Comiczeichner ist. Denn der Samstag gehört ja bei den “Fried-Tagen” seit einigen Jahren den Comiczeichnern und da war es, als ich dort noch anwesend war, immer sehr voll und anschließend stellten sich die Leute eine Stunde oder länger an, um sich ein Autogramm in ihr Buch signieren zu lassen und der Autor hat gezeichnet und gezeichnet.

Ob das diesmal auch so ist, habe ich keine Ahnung, der Saal sieht ja immer sehr leer aus und werde davon wohl auch nicht viel mitbekommen. Das vorgestellte Buch heißt jedenfalls “Safe ist for later” und Nate Powell entnehme ich dem Programm, wurde 1978 in den USA geboren und so wurde das Gespräch mit Mathias Wieland auch auf Englisch geführt und, um Donald Trump und seine Wahl ging es dabei auch.

Das Buch wurde dann auf Deutsch präsentiert, das heißt, die Zeichnungen gezeigt und Mathias Wieland hat den Text gelesen, der wie schon angedeutet, ein sehr politischer ist.

Und als Letztes für den Samstag kam dann der 1958 in Mexiko-City geborene Guillermo Arriaga, der wie Anne Zauner erklärte, aus kleinen Verhältnissen kommend, sich auf den roten Teppich Hollywoods hinaufgearbeitet hat und seinen Roman “Das Feuer retten”, das in einem Gefängnis zu spielen scheint, vorstellte. Wolfgang Popp, der Ö1-Moderator und Buchautor hat das Gespräch geführt und der freundliche Autor legte zuerst ein paar Münzen auf den Lesetisch, damit die die nach Mexiko wollen, schon einen Startschuß haben.

Dann erzählte er, daß es ihm beim Schreiben immer ums Geschichten erzählen und nicht um gesellschaftskritik geht und in seinem Roman spielen zwei Klassen, eine erfolgreiche und , die des Gefängnisinsassen zusammen.

Es geht um eine Choreografin, die auch Millionärin ist und mit ihrer Gruppe im Gefängnis auftritt und dort auf einen sehr gebildeten Mörder trifft und interessant ist, daß Guillermo Arriaga zu den Autoren gehört, die beim Beginn des Schreibens noch nicht das Ende ihrer Geschichte wissen, etwas was man in der Romanschreibschule trainiert, den Roman erst durchzuplanen, bevor man zum Schreiben beginnt, was offenbar, die Profis von den Autoren unterscheidet und der Autor auch betonte, daß er keine Recherchen und keine Planungen mache, sondern alles erfinde, so ist er beispielsweise, auch nie in einen Gefängnis gewesen, wie Karl May nie in der Gegend, wo seine Romane spielen und das Unperfekte macht nach Meinung des Autors, die Schönheit des Werkes aus, was ich wieder für einen interessanten Ansatz halte. Man schreibt, was man kann, nicht was man will, obwohl ein bißchen Planung und Recherche höchstwahrscheinlich auch nicht schaden kann und der Autor offenbar sehr selbstbewußt ist, daß er sich so darstellen kann. Spannend auch, daß der Autor mehr Englisch, als Spanisch redete, obwohl eine sehr freundliche Übersetzerin neben ihm saß.

Auf die Frage ob er fixe Schreibzeiten hatte, antwortete, daß er eigentlich immer schreibe, weil er immer wissen will, wie es weitergeht. So ist er auch jetzt in dieser wunderschönen Stadt Wien in seinem Hotelzimmer gesessen und hat geschrieben und das auch gestern, obwohl er eigentlich zu Phil Klays Lesung gehen wollte, er aber, wo es mir ein bißchen ähnlich geht, vom Schreiben abhängig ist. So geht es ihm aber auch beim Regieführen, was ja ebenfalls ein Teil seiner Tätigkeit ist.

Es gibt auch zwei Erzählweisen, der Gefangene spricht in der Ich-Form, die Choreografin wird in der Sie-Form erzählt, was Guillermo Arriaga damit begründete, daß er über eine Frau nicht in der Ich-Form schreiben könne. Bei weiblichen Autoren ist das oft umgekehrt und ich habe gleich eine Lösung für mein neues Werk gefunden, in dem ich den Roman im Roman “Die Gestohlenen Jahre” auch in der Ich-Form schreiben werde. Simon erzählt das als “ich”, während die anderen Protagonisten erzählt werden.

Und am Schluß ging es noch um die Frage, wie man gute Sexszenen schreibt, von denen in dem Buch einige enthalten sind.

Und am Sonntag ging es dann an die Preisverleihung an Frank Witzel, die, glaube ich, schon im November stattfinden hätte sollen, als Ingo Schulze im Literaturhaus war, um den Preis der Literaturhäuser entgegenzunehmen oder abzulesen. Zur Erinnerung, beim der “Fried Preis” gibt es nur einen einzigen Juror, der ist diesmal Ingo Schulze, von dem ich auch schon viel gelesen habeund den ich sehr interessant finde.

Diesmal begann es, was ich für interessant halte und früher nicht so war, mit einer musikalischen Einlage und zwar sang da Cosima Büsing mit hoher schriller Stimme eine Komposition von Bernhard Lang. Es ist ja der Preis von 2021, den Sektionschef Meindl übergab. Ex Ministerin Havlicek, die ja einmal mit Jack Unterweger saß im Publikum. Es wurden wieder, was auch relativ neu ist, von Robert Huez die Namen aller Mitarbeiter des Organisationsteam verlesen.

Robert Schindel der Präsident der Fried-Gesellschaft glaube ich, hielt dann die Erföffnungsrede und sprach von den düsteren Zeiten, in denen wir momentan leben.

“Es ist Krieg , was soll ich machen und ich begehre nicht schuld daran zu sein” und gratulierte dann dem Preisträger ganz herzlich. Die Laudatio stammte dann von dem alleinige Juror, der 1962 in Dresden geboren wurde und in Berlin lebt und verlas, wie er die Laudatio während der Zugfahrt nach Wien verbesserte und dabei auch an den Präsidenten der Ukraine dachte und weil er die Laudtio schon im November geschrieben hat, mußte er sie insofern ändern, da Witzel inzwischen einen Erzählband veröffentlicht hat, die Erzählungen für ihn also genauso wichtig, wie die Romane sind und er seine Vorlesungen auch nach diesen Muster verfaßt und dann mit seinem schräg Gegenüber über die Laudatio diskutiert und um Masken geht es dabei natürlich auch, weil man die jetzt ja im Zug tragen muß.

“Weiter so, Applaus!”beschloß er dann seine Rede, die mir gut gefallen hat.

Dann kam der schon erwähnte Sektionschef Jürgen Mein, der die “Fried-Gesellschaft” sehr lobte und Laudator und Preisträger gratulierte und sich dann auch fragte, was Kunst und Kultur gegen den Krieg ausrichten kann? Viel meinte er, denn da gab es einmal eine Opernaufführung, die die Sänger so erregte, daß sie anschließend aufgestanden sind, zu den Waffen griffen, um ihre Heimat zu verteidigen. Das wird für jetzt wohl utopisch bleiben und ist vielleicht auch nicht wirklich zu empfehlen. So wurde der Preis an Frank Witzel übergeben, der dann nach einer neuerlichen Musikeinlage, mit seiner Dankeslesung begann, die sich auch mit der aktuellen Situation der seiner “eigenen Dummheit” beschäftigte, was wohl die Hilflosigkeit thematisierte, die einen wahrscheinlich erfaßt, wenn man mit der aktuellen Situation abstellen will und nicht recht weiß, wie das passieren kann und erwähnte auch dabei, daß im Vorjahr viele Nerve in Dänemark ermordet wurden, weil man an ihnen das Corona-Virus zu entdecken glaubte und die jetzt zum Himmel stinken, was wirklich sehr dumm ist, wie es das genauso ist, wenn man nicht versteht, wieso man für sein Geld auf der Bank keine Zinsen mehr erhält, sondern dafür zahlen muß und dumm füge ich jetzt noch etwas aufmüpfig an, sind ja angeblich auch die, die sich nicht impfen lassen wollen, wie eine etwas seltsame Studie festgestellt hat, aber das hat Frank Witzel nicht thematisiert, kam dann aber doch darauf zu sprechen, daß es nur eine Wissenschaft, der man zu folgen hat, nicht geben kann und hörte dann mit Zitaten von Robert Musil, Niklas Luhmann und einem Gedicht von Erich Fried auf.

Das war es dann und jetzt gehe ich, um etwas für meine Abwehrkräfte zu tun und meinen Vitamin D – Haushalt zu steigern, Radfahren um den Ring, es war aber sehr interessant mich, wenn auch nur per Stream mit den “Fried-Tagen” zu beschäftigen und gelernt habe ich auch sehr viel dabei.

Kommune, Kunst und Landarbeit in der Alten Schmiede

Drei Buchvorstellungen in der “Alten Schmiede”, die Johannes Tröndle mit den drei Begriffen “Kommune, Kunst und Landarbeit” einleitete und da begann der 1965 in Klagenfurt geborene Felix Kucher mit seinen vierten, wieder bei “Picus” erschienenen Roman “Vegetarianer” wo es um den Maler und Sozialreformer Karl Wilhelm Diefenbach 1851 bis1913 ging, der ein Urahn der Grünbewegung war, in München und dann in der Wiener <kommune am Hmmelhof, dem Vorläufer der berühmten Künstlerkolonie Monte Verita lebte, nackt oder mit wallenden Gewändern herumlief und Grundsatzreden gegen das Fleischessen und für die Heilung durch die Natur hielt. Das ist die Stelle mit der Felix Kucher seine Lesung begann. Dann kam noch eine Szene, wo Diefenbach sein neues Atelier bezog und hoffte, nun nicht mehr als “Kohlrabiapostel” bezeichnet zu werden und ein Buch mit dem er sehr berühmt geworden ist, hat er auch geschrieben.

Felix Kucher berichtete dann von Tagebüchern Diefenbachs, die aber nicht sehr ergiebig waren, so daß er den Alltag in der Kommune erfinden mußte und meinte auch, daß er für das Buch eine bewußt schwulstige Sprache gewählt hat. Der Vegetarianismus war damals sehr modern, es hat auch Impfgegner gegen die Pockenimpfung gegeben und der Vegetarianismus und die Naturheilkunde war von übertriebenen Idealismus geprägt, daß es damit keine Kriege und nur mehr ein gutes Leben geben würde, obwohl Diefenbach seine Frauen gar nicht gut behandelt und die Kirche abgelehnt hat. Die letzten dreizehn Jahre seines Lebens hat er dann auf Capri verbracht.

Als nächstes kam dann die 1983 in Maribor geborenen, in Berlin und Slowenien lebende Natasa Kramberger mit ihrem autofiktionalen Projekt “Verfluchte Misteln”, 2017 in Slowenisch erschienen, wo es um die Übernahme eines ökologischen Bauernhofes geht und der nicht chronologische Roman in Kapitel, die Monatsüberschriften haben, aus dem Leben der Protagonistin, den bürokratischen Hürden, die ihr in den Weg gelegt werden und ihrer Familie erzählt.

Natasa Kramberger begann ihre Lesung mit dem Monat März und interessant ist auch, daß sie, die ich, glaube ich, auf der Donauschifffahrten und dann auch im Literaturhaus hörte, eine große rote Blume in ihr Haar zu einem graukarierten Kostüm oder Kleid trug.

Das Gespräch drehte sich dann auch um den Idealismus mit der die Schriftstellerin ihre Landwirtschaft betreibt, was ihr niemand zutraut und von der Erzählerin auch mit viel Selbstironie erzählt wird um die Wahrheit ging es dann in der Diskussion auch.

Einblicke in einen landwirtschaftlichen Betrieb gab es dann auch bei Reinhard Kaiser-Mühlecker von dem ich schon einiges gelesen habe und ihn auch schon auf einigen Lesungen hörte.

“Wilderer” heißt der neue Roman, der wieder im besonderen Maß der Herkunftsgegend verpflichtet ist. “Der ange Hang durch die Stationen” hieß der erste Roman, “Magdalenenberg” spielte wieder in der Gegend und dem bäuerlichen Milieu, wie auch in seinen Romane “Roter und schwarzer Flieder”

Jakob heißt der junge Bauer in dem neuen Roman und die Vorgeschichte finden wir in dem Buchpreisbuch “Fremde Seele, dunkler Wald”.

Jakob ist jetzt zwanzig und lebt in dem Hof in dem sonst nur noch die Großmutter wohnt, die ihr Geld der rechten Partei vermachen will, obwohl Jakob es in den Hof investieren möchte. Dann gibt es Katja, eine bildende Künstlerin aus Salzburg, die sich an Jakobs Arbeit sehr interessiert zeigt, bei ihm als Praktikantin beginnt und dann den Hof nach ihren Vorstellungen auf Bio umsattelt und der Betrieb dann ausgezeichnet wird. Sie bekommen auch das Geld der Großmutter, obwohl trotzdem alles auf die Katastrophe zusteuert, wie Johannes Tröndle in seiner Einleitung zitierte und Reinhard Kaiser Mühlecker hat dann einige Stellen aus dem ersten Teil gelesen und am Schluß gab es wieder eine Diskussion darüber.

Ein interessanter Abend mit drei interessanten Büchern über einen Vegetarier im neunzehnten Jahrhundert und zwei Künstler, die sich auf einen Bauernhof zurückgezogen haben und dort Landwirtschaft betreiben.

Hansjörg Zauner aufgefrischt

Der zweite Autor, den sich Markus Köhle für seine “Aufgefrischt-Reihe” ausgesucht hat, ist der 2017 an den Folgen einer Hüftoperation verstorbenen Hansjörg Zauner, den ich, als ich in die GAV gekommen bin, im Kreise des “Fröhlichen Wohnzimmers” der Ilse Kilic, die damals dort Sekretärin war, kennenlernte und der durch die rosa Anzüge und den großen Brillen, die er immer trug, auffiel. Er ist, glaube ich, ein Obertrauner Wirtsohn, der sich der experimentellen Sprache gewidmet hat und der 1996 als ich dort einmal zuhören fuhr, gelesen hat und mir stolz erzählte, daß er in der “Edition neue Texte” des Heimrad Beckers verlegen würde.

Nach seinem Tod gab es, glaube ich, in den “Manuskritpen” seine Texte und eine Lesetheateraufführung im Weinhaus Sittl gab es auch und jetzt hat Markus Köhle, der Texte und den Lebenslauf zitierte, den 1960 geborenen Christian Futscher, als Auffrischer ausgewählt, der glaube ich mit dem Hansjörg auch befreundet war. Zumindest gibt es ein Foto von einer Lesung im El Speta, zu dem mich der Rudi, der ja, glaube ich, auch zu dem Kreis gehörte, eingeladen hat, wo er gelesen hat oder Zuhörer war und er erzählt in seinem Text auch von seinen Erlebnissen mit Hansjörg Zauner, der in der Straßenbahn gern Reinhard Priessnitz zitierte und mit Futscher Bücher bei “Droschl” hatte. So zitiert er seine Leblings-Zaunersätze und beschäftigt sich auch mit dem Sport, der für Zauner, den er auch als Visionär bezeichnet, offenbar sehr wichtig war.

“Schmiede bleibt Risengecko verkehrt” ist einer der visionären Sätze und als Christian Futscher Mitte zwanzig war, hat er ihn das erste Mal in der “Schmiede” gehört und ich weiß nicht, ob ich Hansjörg Zauner auch einmal dort hörte. An eine Galerienlesung kann ich mich da eher erinnern, aber ich blogge ja erst seit 2008 und kann daher auch nicht wirklich nachsehen.

Christian Futscher erzählte, daß Hansörg Zauner wenig Geld hatte und daher Null-Schillingtage eingeführt und da wenig gegessen hat und sich als Künstler fühlte, obwohl er bei seinen letzten Lesungen kaum Publikum hatte und seine Bücher auch nicht sehr verkaufte.

Dafür wird er jetzt von der Nachwelt sehr geehrt und als nächste Lesende hat sich Markus Köhle , die 1997 geborene Tara Meister ,ausgesucht, die ich glaube ich, schon mal beim Slam B hörte. Sie hat Medizin studiert. Wird jetzt nach Leipzig ans Literaturinstitut gehen und auch bald ihren ersten Roman verlegen und hat den Hansjörg wohl kaum sehr gekannt, sich aber, wie sie sagte mit seinen Texten beschäftigt und da das Cafe Jolly zitiert, in das der Hansjörg gern ging und glaube ich auch einen Text diesen Namens hat. Dann kamen ihre Texte aus dem “Wasserzyklen”, wo toten Fische auf der Straße liegen, weil der Hansjörg einen ähnlichen Text hatte, um den “Peter Pan” geht es auch. Einen Text hat sie auf Hansjörg Zauners “Marzipankleid” gedichtet.

Markus Köhle fragte dann, ob man etwas unvorstellbares schreiben könne und kam zu dem Schluß, daß es immer um die Sprache ginge. Ein “Feribord” von Gerhard Jaschke aus 2016 gibt es auch, daß ich in Wien haben müßte und als nächster kam der 1986 geborene Jopa Jotakin, der jetzt als geschäftsführender Sekretär in der GAV tätig ist, sich in vielen Vereinen betätigt und auch viele Bücher geschrieben hat, der wild und lautstark aus Zauners Wortschöpfungen zitierte und Markus Köhle hat auch augedeutet, daß Hansjörg Zauner ein sehr sinnlicher Autor war, was Jopa Jotakin sehr gut zum Ausdruck bringen konnte.

“Nicht ich bin das Wort, sondern die Schnur, ich zerschneide das Glas und sage Temperatur”, wie es beispielsweise bei Zauner heißt oder hat es Jopa Jotakin so nachgereimt?Die “Wörter haben ihn jedenfalls angerichtet” und Jopa Jotakin ist, glaube ich, im Schreiben auch Hansjörg Zauner im Schreiben sehr ähnlich und am Schluß performte er noch mit zweimal Jolly-Eis, während die Texte vorgetragen wurden und es war sehr fein, denke ich, sich wieder einmal mit Hansjörg Zauner zu beschäftigen und sich an ihn zu erinnern. Die “Aufgefrischt-Reihe” wird wie Markus Köhle versprach auch im Herbst weitergehen.

Daniel Wissers erfundene Frau

Der 1971 in Klagenfurt geborene Daniel Wisser scheint ein Vielschreiber zu sein, hat er doch nach dem 2021 “Wir bleiben noch” und dem politischen Band schon wieder einen Erzählband herausgebracht, der auch in Leipzig auf dem Sofa von Katja Gasser vorgestellt wurde.

Ein Erzählband mit sehr vielen Frauengeschichten oder solchen, die solche Namen tragen und Daniel Wisser hat nach der langen Einleitung von Peter Clar, der die Moderation von Jana Volkmann übernommen haben dürfte, die Geschichte “Ingrid” gelesen und dann wurde gefragt, wie ein Mann Frauengeschichten schreiben kann?

Natürlich kann er das und Ingrid ist eine Mutter, die vom Erzähler wiedergetroffen wurde und eine Geschichte von einer Party, wo Alkohol getrunken wurde und es dann Schwierigkeiten mit der Fahrzeugkontrolle gab.

Die nächste Geschichte hieß “Benno “und da geht es wieder, um die Identitätsfrage, beziehungsweise die Tochter Angela, die in einer Bank als CIO arbeitet, eine Geschichte die aus fünf Szenen besteht und von einem allwissenden Erzähler erzählt wird,wo Herr und Frau Gelich nach Wien in ein teures Restaurant fuhren, wo statt der Tochter eine andere Frau auf sie wartet, weil die noch etwas für eine Geeschäftspartnerin erledigen muß und ein Koffer irrtümlich nach Kiew geschickt wurde und Benno dann ihre Sekretärin küsste.

Gefragt wurde dann warum sich Daniel Wisser für keinen Plot interessiert, aber die Namen und die Altersangaben immer genau gegeben werden, “eine blöde notorische Art mit Fakten umzugehen”, war Daniel Wissers Antwort.

Dann ging es um die “Verknappung” die Daniel Wisser sehr wichtig ist, er aber für keine Tugend der österreichisch deutschen Autoren hält.

Es ging dann um Daniel Wissers Sprache, die von Peter Clar als sehr einfach bezeichnet wurde. Die Geschichte von der Frau Ilse, die beim “Meinl” am Graben immer die Sachen kauft, die ihr toter Mann gegessen hat und sie nach Ende des Ablaufdatums wegwirft, womit Daniel Wisser die Einsamkeit thematisieren wollte, hat er schon in Leipzig gelesen und diese Geschichte, beziehungsweise ihr Stil oder Sprache hat mich stark an die “Königin der Berge” erinnert, mit der Daniel Wisser, ja den Öst gewonnen hat. Diskutiert wurde dann noch, ob es wichtig ist, daß man in den Erzählingen Wien erkennt, was Peter Clar für sich negierte, für mich aber schon so ist

Dann ging es um die Schwierigkeit einen Erzählband zu verlegen, es gibt aber drei längere Erzählungen in dem Band und Daniel Wissers Lektor vom “Luchterhand-Verlag” saß auch in der ersten Reihe. Peter Clar verwies dann natürlich auf den Büchertisch und munterte das Publikum auf, sich das Buch gleich zweimal zu kaufen, weil es jetzt schon eine zweite Auflage gibt.

Und als nächstes wurde noch erklärt, wird von Daniel Wisser eine Roadnovel erscheinen.

Marie Gamilschegs Meerestiere

Auf den zweiten Roman, der 1992 in Graz geborene und jetzt in Berlin lebende Marie Gamillscheg, die mit “Alles was glänzt” 2018 den Debutlist des Öst gewonnen hat und ich glaube auch auf der Shortlist des Bloggerdebuts stand, bin ich vorige Woche auf dem “Blauen Sofa” in Leipzig, aufmerksam geworden und es scheint zu den prominenten Frühjahrsneuerscheinungen zu stehen und wurde jetzt auch moderiert von Ines Scholz in der “Gesellschaft für Literatur” vorgestellt.

Es geht um eine Meeresbiologin namens Luise, die sich mit der Meereswalnuß, einer Quallenart, beschäftigt und dann den Auftrag bekommt im Tierpark von Graz ein Projekt zu übernehmen, so daß sie wieder in ihre Heimatstadt und da in die Wohnung ihres Vaters fährt, zu dem es eine schwierige Beziehung gibt.

Marie Gamillscheg erzählte im Gespräch, daß sie auf die Idee des Buches gekommen ist, weil sie sich sehr für Zoos interessiert und sie auch wissen wollte, wie Geschichten entstehen. Der Zoodirektor kommt vor und Luise erinnert sich auch sehr an die Tiersendungen, die sie als Kind gesehen hat. Der Umgang mit Mensch und Natur kommt vor, obwohl sich Marie Gamillscheg, wie sagte, mehr für die Beziehungen zwischen den Menschen und weniger für die zwischen Mensch und Natur interessiert.

Marie Gamillschegs Sprache ist wieder sehr poetisch und der Aufruhr der beschrieben wird, passiert eher im Inneren von Luise, im Zwiegespräch mit sich selbst, die auch an Neurodermitis leidet und erst mit der Beschäftigung mit sich selbst, wieder den Kontakt nach Außen aufnehmen kann.

Es gab dann noch einen zweiten Lesestrang, wo die Meerwalnuß und ihre Eigenarten beschrieben wurde, im zweiten Gesprächsteil ging es dann um die schwierige Beziehung zum Vater und die Sprachlosigkeit, die zwischen Luise und ihm besteht. Sehr psychologisch also die Traumatisierungen und die Beziehungslosigkeit der Luise und ihre Annäherung zur Welt, die Marie Gamillschegg sehr eindrucksvoll zu beschreiben versuchte und am Schluß gab es noch einen Leseblock im Zoo, den Luise mit dem Zoodirektor besucht, um den Unfall, der einmal passierte und um eine Begegnung mit einem Affen ging es auch.

Ein interessantes Buch, das man wahrscheinlich erst lesen muß um Marie Gamillschegs Absichten zu verstehen und ich kann mich erinnern, daß es mir bei “Alles was glänzt” ähnlich ging, daß ich das Buch erst als ich es gelesen habe, verstanden habe, während ich bei den O-Tönen eigentlich noch nicht so begeistert war.

Alois Brandstetters Grundbuch

“Zu Lasten der Briefträger”, 1974, ich glaube bei “Residenz”, erschienen, ist glaube ich, das bekannteste Buch des 1938 in Pichl bei Wels geborenen Alois Brandstetter, der Professor für ältere deutsche Literatur war und daher eine sehr genau Sprache schreibt.

Der Alfred hat das Buch einmal seinen Vater geschenkt, der ja Briefträger war. Ob er es gelesen und es ihm gefallen hat, habe ich keine Ahnung. Ich habe es nicht gelesen, bin nicht dazu gekommen, obwohl wir es glaube ich in Harland stehen haben. War aber einmal statt in Leipzig in der “Gesellschaft für Literatur” als dort sein Nachfolger vorgestellt wurde und ein anderes Buch von ihm habe ich auch gelesen, weil mir das “Residenz” neu schickte.

Kurt Neumann ,hat die Reihe die sich mit den wichtigsten österreichischen Büchern nach 1945 beschäftigt, gegründet, die “Briefträger” sind der dreiundachtzigsten Band der Reihe, das gemeinsam mit Kaus Zeyringer und Klaus Kastberger vorgestellt wurde. Der Autor, der auch kommen und lesen hätte sollen, hat gefehlt, vielleicht ist er krank oder in Quarantäne oder die Reise nach Wien ist ihm zu beschwerlich. So hat Kurt Neumann aus den Text gelesen und vorher dazu erklärt, daß das ganze buch eine Beschwerderede zuerst über die mangelhafte Postzustellung und dann an die Gesellschaft ist, beziehungsweise über Gott und die Welt ist.

So ging es los, daß die “Briefträger” nur sehr selten die Post an den entlegenden Wohnort des Beschwerdeführers zugestellt wird, weil das Postamt unterfrequentiert ist und sich deshalb jeden Schritt dreimal überlegen muß, dann ging es zu Waffenräder und, wie Kurt Neumann schon in seiner Einleitung erwähnte über die deutsche Grenze oder spielt es überhaupt in Bayern.

Klaus Zeyringer hielt dann das Referat über das “Litaneirequien auf vergangene Zeiten” und ging dabei weit in die Vergangenheit beziehungsweise nach Wien im Jahr 1862 zu einem Karl Kalab zurück, der die Post, die er zustellen sollte, drei Jahre lang unterschlug und in seinem Zimmer aufbewahrte, dann aber dort mit dem Stempel “unterschlagen gewesen und wieder zustande gebracht” doch zugestellt wurde.

Bei Alois Brandstetter heißen die unterschlagenden Postbeamten Ürdinger, Bumauer und Deuth, der eine ein Trinker, der anderer ein Frauenheld, der dritte ein kulturbesessener ehemaliger Lateinschüler und die Dauerrede oder Triade wird an einen Postmeister gerichtet und ist als Satire zu verstehen.

Interessant, daß der “Residenz-Verlag” 1974 eine Stelle die sich auf Thomas Bernhard bezog “So schnell können sie ihn gar nicht vorschlagen, schon schlägt er zurück!”, strich, weil er das den Autor nicht zumuten wollte, ab 2001 wurde dann der ganze Roman gedruckt. Und den Ort “Brach”, wo das Ganze spielt, gibt es nicht.

Dann gabs eine Diskussion der drei Herren, Thomas Bernhards “Gehen” wurde erwähnte und die Zahl der Gasthäuser mit den Stammtischen die es in den neunzehnsiebziger gegeben hat, wo die Leute saßen und genauso wie in dem Roman geredet haben und Ilija Trojanow, glaube ich, betonte das Vergangene des Buches, da es vom Neoliberalismus längst überholt wurde und die heutigen Postbeamten nicht einmal Zeit haben aufs Klo zu gehen, ganz zu Schweigen solche Tiraden zu halten und Kurt Neumann antwortete ihm interessanterweise mit den Impfgegnern,obwohl ich diesen Zusammenhang nicht ganz verstanden haben, denn die halten ja eigentlich keine Tiraden auf Gott und die Welt, sondern machen sich Gedanken um die Verlust der Freiheit und am Schluß zitierte Kurt Neumann noch die Passage, daß man wenn man das Briefgeheimnis wahren wollte, die Briefe ja lesen müsse und gestern wurde das Buch schon in Graz, am Donnerstag wird es in Stifter-Haus in Linz vorgestellt.

Ohrenschmaus und Tanz der Teufel

Heute wird wieder der “Ohrenschmaus-Literatur von und mit Menschen mit Lernschwierigkeiten”, ich glaube diesmal in der Nationalbibliothek und Pandemie bedingt leider nur im kleinen Kreis verliehen. Das heißt, ich als Jurymitglied hätte ja teilnehmen und auch eine Laudatio halten dürfen. Aber da ich keine Maske, keinen Test und keine Impfung will, habe ich zwar wieder angeboten für Peter Gstöttmeier, dem Dauersieger die Laudation zu schreiben und jemand liest sie vor, denn das habe ich schon zweimal, wollten die Organisateren aber nicht und gestreamtn wird diesmal auch nicht, nur in den Soziale Medien kleine Clips verbreitet.

Macht ja nichts, kann ich auch so, das heißt ohne die schönen Fotos vom Alfred, die sonst immer meine Berichte schmückten, die Preisträger bekanntgeben.

Das heißt Robert Saugspier hat beschrieben, wie er seine “Lebensgefährtin kennengelernt” hat. Annemarie Delleg die “Bildersammlerin” und Peter Gstöttmeier, das Ausnahmetalent fragte sich “wo is de zeit hinkemma?”

Eine Ehrenliste gibt es wieder auch. Da stehen diesmal fünf Texte, beziehungsweise Preisträger darauf, zu denen Johanna Maria Ott, Veronika Grün, Christina Hendl, Herbert Schinko und Michael Wilhelm, also ein paar alte Bekannte, gehören und dann gibt es seit vorgen Jahr immer einen extra Schokoladenpreis. Sonst wurde der immer aus den vorhandenen Texten ausgewählt. Seit dem Vorjahr gibt es ein Thema, das diesmal “Luftsprung” hieß und da gibt es auch acht Sieger.

Einer davon heißt wieder Peter Gstöttmeier und dafür, kann ich mich erinnern, habe ich gestimmt. Sonst halte ich mich eher zurück, weil ich den anderen mit nicht so atarken Stimmen, auch eine Chance geben möchte, aber hier ein Ausschnitt:

“Attergau-Attersee

is Freiheit is guate Luft

is Natur dort konnst in Hütterl wohna

konnst Stern zöhn aufd Nocht san sovie am Hümmi

Mond is a do.”

Maria Trojer hat

“Springen

macht Freude

nach Corona aufatmen

Sprung aus mir heraus

mutig”, gereimt.

Christiane Becker schrieb

“Man springt in der Luft, wenn man gute Laune hat

auf dem Trampolin springt, wenn man Glück hat”

Dann gibts noch “Ich bin” von Silvia Hochmüller.

“Nonsens” von Michael Wilhelm, ein Vorjahrssieger, ist besonders lustig

“Zippe zappe ich trage Kappe

zippe zo, nach einem Spiel muß ich aufs Klo

zippe zeiter, das Feld wird immer weiter”” und ebenfalls bekannt, “Die Gestreiften Socken” von Herbert Schinko.

Und weils bei der Preisverleihung beschränkt ist, wirds am vierundzwanzigsten April im Badeschiff ein großes “Luftsprung-Fest” geben, wo alle Autoren lesen werden.

Mal sehen, ob da die Gs und die Maskenpflicht schon gefallen sind und ansonsten werde ich mich wieder in die “Alte Schmiede” streamen, wo der 1981 in Lumbumbashi geborene, seit 2009 in Graz und jetzt vielleicht in Wien lebende Fiston Mwanza Mulija, dessen “Tram 83” ich gelesen habe und ihn auch einmal in Krems bei der “Literatur und Wein” hörte, seinen zweiten Roman “Tanz der Teufel” bei “Zsolnay” erschienen, vorstellte. Das Buch wurde schon im Morgenjournal vorgestellt und der Autor war auch, glaube ich, bei der Präsentation des Gastlandes Österreichs vorige Woche in Leipzig.

Jetzt leitete Johanna Öttl ein und der 1984 in der Schweiz geborene Fermin Suter stellte den Autor vor, der sein Buch zuerst mit musikalscher Begleitung perfomierte. Denn es spielt wieder in einer angolischen Bar, zu Zeiten Mobutos, handelt von zwei Straßenkindern, die sich mit Kleinkriminalität und Gelegenheitsarbeiten durch Leben bringen, beziehungsweise den “wunderbaren Tanz des Teufels” tanzen.

Das war sehr eindrucksvoll, aber schwer zu verstehen, so daß Johannes Tröndle schließlich auf konventionellere Art und Weise vier der sechsundfünfzig kurzen Vignetten weiterlas.”

Sanza wollte nicht länger der Schoßhund seiner Eltern sein”, hieß eine davon, die sehr direkt schildert, wie der Jugendliche aus der bürgerlichen Geborgenheit seiner Eltern ausbrechen will und sich auf die Straße begibt.

Dann ging es zu dem anderen Protagonisten, der sich in den Diamantenmienen Angolas verdingt. Das Buch wurde auf Französisch geschrieben, kam 2020 in Paris heraus und wurde von Katharna Meyer und Lena Müller übersetzt.

Dann gibts noch einen Monsieur Gijon und einen österreichischen Schriftsteller namens Franz Baumgartner, der sich in das schon erwähnte Lokal “Mambo de la Fete” begibt und beim Bier bestellen “Franizskus” genannt wird.

Im letzten Abschnitt ging es dann um “Gungi, dem Ölmagnaten.

Dann gabs noch ein Gespräch zwischen Fermin Suter und dem Autor, der erklärte daß er aus der Tradition der mündlichen aber auch der französischen Kultur käme, so da er immer versucht den Wörtern ein zweites Leben zu geben denn wenn man eine Geschichte zwanzigmal erzählt ist sie zwanzigmal anders und meinte, daß ein guter Erzähler immer spontan neue Wörter erfindet und dann geht es auch um das Schmeicheln, wenn er seiner Mutter erzählt, daß sie für ihn wichtiger als Elisabetz die II wäre.

Fermin Suter fragte dann nach Improvisation in der Zusammenarbeit mit dem Musiker, die schon seit ungefähr zehn Jahren besteht und es passiert bei jeder Lesung etwas anderes. Fermin Suter wollte noch den Zusammenhang zur Lautpoesie und zur Wiener Gruppe wissen, aber Finston Mwanza Mulija ist ja ein kongulesischer Schriftsteller und mußte, als er nach Österreich kam, erst Deutsch lernen und erwähnte Ernst Jandl, H. C Artmann, Ingeborg Bachmann und Peter Handke an denen er sich orientierte und er meinte auchund das ist interessant, weil er ja französischsprachig ist, daß es in Österreich gan anders ist Peter Handke zu lesen, als wenn er das auf Französisch täte.

Dann kam er wieder in den Kongo, wo es eine Kultur und eine Subkultur gäbe und die ist sehr stark und die Leute glauben an Exen und an magische Figuren oder, daß die Inspiration von Schlangen und Meerjungfrauen käme und eine solche kommt in dem Buch, glaube ich, auch vor. Fermin Suter meinte dann, daß das Buch an ein vielschichtiges Gemälde erinnern würde und wollte wissen, wie Fiston Mwanza Mujija beim Schreiben vorgegangen ist und er meinte, daß ihm die Grenzen zwischen Prosa und Lyrik schwer fällt, weil er schon über zwanzig war, wie er nach Europa gekommen ist.

Am Ende sind die Kinder Jugendliche, es ist 1997 und Mobutu wird gestürzt.

Ein interessantes Buch und ein interessanter Abend und jetzt bin ich noch auf die “Ohrenschmaus-Preisverleihungsimpressionen” gespannt.

Wieder Slam B

Das müßte jetzt der hunderterste Slam B sein, zu dem ich frisch von Leipzig zurückgekommen bin. Diana Köhle im schwarzen Glitzerkleid erklärte die Regeln, neun Teilnehmer und auf Wunsch des Publikum wurde diemal immer nur drei Kanditaten ausgelost.Diana Köhle ließ das Publikum dann auch den per Stream Zusehenden zuwinken und Opferlamm gab es diesmal keines, weil eine Kathararina an Covid getestet wurde und die erste Kanditatatin, die eigentlich das Opferlamm wäre, also die Siegerin vom letzten Mal war Sandy Gomez. Warum das so war, habe ich nicht ganz verstanden, aber Diana Köhle hat manchmal eigenwillig und Sandy Gomez begann gleich vom Klo und vom Gacken zu sprechen und ihr Slam handelte auch davon, was höchstwahrscheinlich ein heikles auf jeden Fall wahrscheinlich geruchintensives Thema ist.

Karl Kaisermühlen war dann der zweite Kanditat, neu beim Slam und schon ein älterer Herr und wieder eigenwillig von der lieben Diana, spricht sie jetzt alle gegendert an, was ich eigentlich ein bißchen komisch finde und der Text begann mit “Mutter Erde kommt zu Vater Mond”, erwähnte Wladimir Putin und das, was jeder einzelne tun kann, um die Welt zu verbessern. Dann zum Herrn, der Manna regnen ließ und dem “Felber, der alles selber macht” und die Lösung hieß “Die Welt kann gesunden, läßt du dir altes Brot munden”, wurde eher konventionell im Wiener Dialekt gereimt.

Kanditatin drei, Melanie, war offenbar auch das erste Mal dabei, wäre gern lustig und würde das Publikum gern zum Lachen bringen, kann aber nur gut schreiben, wenn es ihr schlecht geht. Das war die Einleitung, dann gings zu ihren Datingerfahrungen und endete dann doch ganz gut und so hat die Melanie die Runde eins dann auch gewonnen, obwohl mir der Karl origineller erschien.

Die zweite Runde begann auch mit einer Newcomering, offenbar ist das der zweiten Hunderterrunde geschuldet, Bisera, auch eine eher ältere Frau, mit, wie sie sagte, vier eher melancholischen Texten, kurzen Gedichten, die von Herz und Schmerz in Wien, der Strudlhofstiege, einem Hotdog aber auch von einer Japanerin handelte.

Die nächste Kanditatin Liesi oder Elisabeth Swoboa war auch schon mittelalt und Newcomerin, also ein ungewöhnlicher Slamabend, die erwähnte, daß sie keine Politikerin wäre, aber viele Ideen für die hätte und die trug sie dann auch vor.

Leonie May, diesmal jünger, aber auch zum ersten Mal auf der Bühne, hatte, wie sie sagte, einen ihren Gefühlen geschuldeten Text, der “Tagen wie diese” hieß und eher in der typischen Slammanier, die mir bisher fehlte, performiert wurde, weshalb sie die Runde vielleicht auch gewonnen hat.

Runde drei begann, glaube ich mit einem Bekannten, nämlich Chris Soukop, der mit starker Stimme, die Frage klärte, “Warum die Kirche Angst vor Frauen hat?” , etwas, was ich schon immer wissen wollte und interessant auch, daß er Chris mit grüner Maske agierte, was man jetzt, glaube ich, auch darf, wenn man positiv ist, wenn man das Slamen als Arbeit betrachtet, nur Zuhören wäre nicht erlaubt.

Elena Sarto war wieder eine Newcomerin, eine junge Frau mit Kappel und gewohnten Slamersound, die im Gegensatz zu ihren Vorperformern, immer wieder “Ich bin ich, aber nicht dein Unterhaltungsprogramm!”, betonte und die neunte in der Runde, schon lange nicht mehr auf der Bühne, wie sie von Diana Köhle begrüßt wurde, also keine Newcomerin, Katharina Wenty hatte es auch biblisch und ein Gebet, nämlich dem “Plastik unser, wie du schwimmst im Ozean, wie im Himmel und auf Erden!”, denn es ist ja schon fünf nach zwölf”

Elena Sarto kam dann ins Fiale, das von Melanie begonnen wurde, die sich in den Bereichen Wohnen, Fortgehen, Essen, Datingapps, Freundschaften, Social Media, Verpflichtungen, etcetera mit dem Älterwerden beschäftigte.

Leonie May slamte von einem Baby mit dem sie gleichberechtigt sein wollte. Passend also zum Frauentag “Baby laß uns die Welt so gestalten, daß sie uns allen gefällt”.

Elena Sarto slamte dann von der “Emma und dem Subwayparadoxon”, die nach der Matura zum Subway geht und die völlige Freiheit hat, sich zu entscheiden, zu werden, was sie will, also ebenfalls ganz schön feministisch, aber wahrscheinlich nicht ganz der Realität entsprechend.

Spannend also die Themen des heutigen Abend, Gefühlte, Feminismus, Kirche. Corona und diesmal auch die Politik, beziehungsweise der Krieg in der Ukraine wurde diesmal kaum thematisiert, was vielleicht an den vielen Newcomerinnen lag.

Obwohl ichs wieder anders hörte, hat Melanie gewonnen. Ich hätte mich zwischen den beiden feministischenen Texten entschieden oder beide gewählt. Elena Sarto war dann die zweite Siegerin und Platz bekam Leonie May.

Applaus, Diademe, die man wieder zurückgeben mußte und Bücher für die Siegerinnen und die nächsten Slam-Termine werden am 22. April und am 3. Juni sein.

Mal sehen, ob sichs ausgeht und, ob man dann schon live zuhören kann, obwohl die Maskenpflicht in Innenräumen wegen der hohen Fallzahlen, ab Mittwoch wieder in ganz Österreich gelten wird.

Und am Abend in die Wien-Reihe

Während in Leipzig in der Schaubühne Lindenfels das “Wilde Österreich”, der Auftaktabend zum Gastland Österreich startet, bin ich brav in die “Alte Schmiede” gestreamt, weil dort ja wieder ein “Wienreihe-Abend” angesagt war und das passt irgendwie ganz gut, sich da in die Lteratur von Marianne Strauhs und Elena Messner, zwei mir eher unbekannte Autorinnen, obwohl ich mit einer von ihnen schon einmal am Volksstimmefest gelesen habe einzuhören, dann wurde es aber aus den bekannten Gründen, wie Johanna Öttl geheimnisvoll sagte.

Aha, Corona ja, zwei von den sechzigtausend Fällen die derzeit grassieren und da hat Julia Danielcyck umdisponiert und stattdessen Theresa Eckstein und Bettina Balaka eingeladen.

Und Theresa Eckstein, die Film und Medienwissenschaft studierte, am jüdischen Museum arbeitete, hat ein Dramatikerstudium bekommen und stellte ihr Projekt “Ida” vor. Eine alte Jüdin, 1921 geboren, die mit ihren polnischen Betreuern im zweiten Bezirk spazieren geht und dabei ihre Geschichte von der jüdischen Verfolgung, da 1921 geboren durchgeht und nicht loslassen will.

Dann kommt ein zweiter Strang, da sind Malci und Ida Mädchen, Krankenschwester, die sich im Nazi- Wien bei jüdischen Familien und einer Hausmeisterin versteckten, beziehungsweise ohne Stern spazieren und ins Kino gehen.

Julia Danielczyk fragte dann, wie das mit dem Erzählen über die traumatischen Erlebnisse ist? Theresa Eckstein hat schon einen Film mit Gesprächen mit Zeitzeuge über dieses Thema gedreht “Überweiterleben” und berichtete über ihre Erfahrungen mit den Gesprächen mit den Zeitzeugen, die es bald nicht mehr geben wird und meinte, daß es für sie wichtig ist in ihren Projekten auch vorzukommen. Die zweite Frage betraf das Thema Angst, die Ida in den Knochen steckte und die daher keine <kinder bekommen hat. Julia Danielczyk kam dann auf Elfriede Gerstl zu sprechen, die sich als Kind mit ihrer Mutter auch sehr lang verstecken mußte und die, wie sie meinte ihr Leben lang von Angst geprägt war, aber keine Anne Frank sein wollte. Interessant, daß der nächste “Autorinnen feiernn Autorinnen Abend” Elfriede Gerstl gewidmet sein wird und da wird Sabine Scholl die Festrede halten.

Die 1966 in Salzburg geborene Bettina Balaka hat eine solche Rede schon gehalten oder hätte sie halten sollen, weil durch Corona bzw. dem Terroranschlag im November 2020 dreimal verschoben. Die bei Mandelbaum herausgekommene Broschüre über Eugenie Schwarzwald , die da geehrt wurde, gibt es aber schon und die 1872 geborene Eugenie Schwarzwald ist eine berühmte Schulgründerin und Sozialreformerin und hatte in der Herrengasse eine Schule, wo Hilde Spiel, Anna Freud und Vicki Baum ,ihre Schülerinnen waren. Bettina Balaka kam zuerst zur Aussprache ihres Vornamens, französisch oder nicht und kam dann auf die Schriftstellerin zu sprechen, die sie dem Publikum gern nahebringen wollte.

Da gibt es eine Geschichte von den “Zwei Ochsen von Topolschitz”, die Eugenie Schwarzwald für ein Sommerlager brauchte, die aber nie eingetroffen sind, obwohl immer diesbezügliche Telegramme kamen.

Die zweite Geschichte betrifft das Dienstmädchen Marynja mit dem heißen herzen, für die die neunjährige Eugenia einen Liebesbrief schreibt, weil sie von ihrem Freund versetzt wurde, wobei ich stark an die Novelle “Die Gouvernante” vom Stefan Zweig denken mußte, obwohl die Schwarzwald Geschichte gut ausgeht, weil Marynja schließlich geheiratet wird, woran sich Bettina Balakas Frage nach dem Kitsch stellte.

Daniela Danielczyk fragte dann warum Eugenie Schwarzwald zwar als Sozialreformerin aber nicht als Schriftstellerin bekannt wurde und meinte, daß es die kleine Form ist, Eugenie Schwarzwald hat nur Feulletons aber keine Romane geschrieben hat, aber sehr hilfsbereit und sehr durchsetzungsfähig war.

Nach der Diskussion über die Mädchenbildung, stellte Julia Danielczyk noch die Frage nach der Fiktion, wie macht man es, wenn man einen Roman über den ersten oder zweiten Weltkrieg schreibt, muß man die wie Erich Hackl nur dokumentieren oder kann man auch etwas erfinden, also über Juden schreiben, wenn man beispielsweise keine Jüdin ist, Bettina Balaka meinte, daß man Rechtschreibregel ,brechen kann, wenn man sie beherrscht und meinte daß sie je weiter sie in die Geschichte zurückgeht sich mehr zu erfinden traut, etwas was beispielsweise auch meine “Wiener Verhältnisse” oder “Paul oder Paula” betraf, wo man mir mehr oder weniger deutlich sagte, daß ich das nicht dürfe.

Am Schluß wies Julia Danielczyk noch auf die “Frau mit dem Zauberstab” hin, wie Bettina Balakas Festrede auf Eugenie Schwarzwald heißt.

Autorenmusik und Sprachkompositionen

In der “Alten Schmiede” scheint es Anfang März ja immer ein spezialles Hörspielprogramm zu geben. Da war ich vor zwei Jahren an einem Sonntagnnachmittag ja dort und dann nie mehr in der “Alten Schmiede”, und die Hörspielproduktionen, die es vorige Wochen gegeben hat, wurden aus rechtlichen Grünen nicht gestreamt, der zweiteilige “Sprechbohrer-Abend” mit Soundpoetry und einem Konzert mit Stimmen von Helmut Heißenbüttel, Elfriede Czurda, Elisabeth Wandeler-Deck, Florian Neuer, Karin Spielhofer und Barbara Köhler, also alle so weit ich sie kenne, experimentelle Autoren und Florian Neuner leitete auch ein und erklärte, was man bei “Sprachbohrer-Sprchkomposition”, die von Harald Muenz, Georg Sache und Sigrid Sachse zusammengestellt und performt wurden, beziehungsweise wird es mit den genannten Autoren auch an anderen Orte, wie in Linz wiedergegeben und einen kleinen Hörleitfaden gab es von Florian Neuner auch, wo er etwas über die performierten Autoren erzählte und in der “Schmiede” scheinen Programmblätter aufgelegen sein, wo man die Performance nachvollziehen und die verwendeten Texte nachlesen konnte.

“Auf ins Zwischenreich!”, beendete Florian neuner dann seine Einleitung, dann traten die drei Performer vor Lesepulten auf und rezitierten, die mir, da kein Programm, nicht so nachvolliehbaren Texte, so daß ich mich nur in das Sprachhörspiel und den Sound einlassen konnte.

“Der Mond und das Herz und die Liebe!”, konnte”, man aber öfter hören und dann folgten auch noch Texte von Gerhard Rühm den experimentellen Atmeister mit ein Wortsätzen auf Italienisch.

Nach einer Pause kamen dann Florian Neuner, Harald Muenz und Karin Spielhofer auf die Bühne und die wurde von Florian Neuner befragt, wie sie die Performance ihrer Texte erlebt hat und erkundigte sich, dann beim 1965 geborenen Harald Muenz, der Komposition studerte, wie er zu seinen Performances kommt.