Klasse und Literatur

Sabine Scholl
Eva Schörkhuber

Das Autorenprojekt von Sabine Scholl, wo ich schon bei einer Veranstaltung war, wurde diesmal unter dem Titel “Haben und Gehabe”, das 2000 auf Deutsch erschienene “Die Bedeutung von Klasse” der 1952-2021 gelebt habenden schwarzen Litereraturwissenschaftlerin bell hooks, die sich von der Arbeiterklasse zur Schriftstellerin und Uniprofessorin hocharbeitete und darüber Bücher geschrieben hat.

Die 1982 in St. Pölten geborene Eva Schörkhuber mit der ich auf einigen Volksstimmefesten gelesen habe, hielt das Einleitungsreferat. Im Gespräch mit Sabine Scholl, die vor einigen Jahren de “Wildganspreis” bekommen hat, ging es dann auch auf die österreichische Situation und da ist interessant, daß da die Klassen zuerst in Angst vor Corona,Teuerung, Krieg, etcetera gehalten und dann aufgelöst werden. Kanzler Nehammer wurde ja sehr dafür angefeindet, als er in vertrauter VP- Runde in einer Vinothek über die Armen hergefallen ist und meinte, daß sie mehr arbeiten und zu Mc Donald`s gehen sollen und da war interessant, daß Sabine Scholl darauf hinweis, daß sich die untere Mittelschicht für reicher hält, als sie ist und deshalb keine Vermögenssteuer will, die sie ohnehin nicht bezahlen bräuchte, während sich die Reichen eher als ärmer darstellen.

Dann gabs eine Pause mit Wasser und Knabbereien, wo ich von Andrea Heinisch angesprochen wurde, die vor ein paar Monaten meinen Bog entdeckte und deren Debut “Henriette lächelt”, ich noch lesen muß.

Harald Darer
Magdalena Schrefel

Der Alfred hat eine Grüne getroffen, der ich natürlich sagen mußte, “Nie wieder werde ich die Grünen

wählen” und sie seufzend kommentierte, daß sie das öfter höre. Sonst war Eva Geber, Mieze Medusa, Markus Köhle, die Ruth, die gerade von einem Autorenaufenthalt zurückgekommen ist, die Ilse Kilic und noch vielen anderen da und nachher ging es, wie Sabine Scholl, betonte mit der Literatur weiter und da gibt es wohl einige Beispiele, obwohl Österreich ja sehr experimentell ist.

Es begann Magdalena Schrefel, die 1984 in Kornneuburg geboren wurde, in Leipzig studierte und jetzt in Berlin lebt und sie hat einen Band mit zwölf Erzählungen herausgegeben, der “Brauchbare Menschen” heißt und sich da auch mit der Arbeitswelt beschäftigte. Da geht es um das Schlangenstehen und der Securitie, die für Ordnung sorgen muß und um einen Mann der ein Haus ausräumen will und dabei einen rumänischen Arbeiter trifft, der ihm Spannendes zeigt.

Dann kam der 1975 in Mürzzuschlag geborene Harald Darer, den ich einmal in der “Kolik Lounge” kennenlernte und der 2019 mit “Blaumann” auf der Öst stand. ein Buch das natürlich zum Thema passt, obwohl ich eigentlich mehr auf sein neues “Mongo” neugierig war, denn den “Blaumann” habe ich schon gelesen und es hat mich auch nicht so sehr vom Sessel gerissen.

Jedenfalls kehrt da einer in sein Heimatdorf oder Stadt zurück, wo er einmal Lehrling war und reflektiert da über sein Leben. Sabine Scholl lobte die Wortschöpfungen von Harald Darer rund erregte dardurch Mieze Medusas Ärger, den ich gar nicht so nachvollziehen konnte, obwohl ich mir schon dachte, daß da Sabine Scholl ein bißchen über die Fabe spricht, die sie nicht wirklich gesehen hat.

Und jetzt können wir, wenn wir nicht schon bell hook lesen wollen, beobachten, was noch alles in Österreich politisch passieren wird und wer nächstes Jahr die Wahlen gewinnt und wie es mit einem möglichen Volkskanzler mit der Klasse weitergeht?

Vom Wiener Kultursommer zu den O-Tönen

Gabriela Hegedüs und Christoph Möderndorfer

Heute habe ich wieder mit einem Buch ins MQ gehen wollen, wie ich es früher mal so tat und mich zwischen sechs und sieben zu den O-Tönen setzte, um einen guten Platz ganz vorne zu bekommen, aber in den letzten zwei Jahren war das anders, 2020 mußte man sich die Maske aufsetzen um durch das Absperrgitter gehen zu können, im Vorjahr seinen Impf- oder Testnachweis, zeigen, etwas das mir, wenn ich so zurückdenke, absurd vorkommt, umso mehr da ich immer höre, wie problemlos die letzten zwei Sommer waren, während wir jetzt ja mitten in einer Sommerwelle sind und dringend wieder Regeln oder Eigenverantwortung brauchte. Letzteres finde ich gut und auch, daß man wieder normal zu Veranstaltungen gehen kann und da gibt es offenbar auch den “Wiener Kultursommer,” wo es jeden Tag an einem anderen Ort Bezirkskulturveranstaltungen gibt und da haben heute am Wiener Naschmarkt Clemens Marschall und Anton Tantner Texte zum “Widerstand und Strategien des Entziehens” und Robert Misik “Das große Beginnergefühl” vorgestellt.

Klingt auf dem ersten Blick ein wenig Spanisch. Was sind Strategien des Entziehens und was ist das Beginnergefühl? Die ersten beiden Autoren waren mir auch unbekannt. Robert Misik natürlich nicht. Da habe ich ja seine “Neue (Ab)normalität” gelesen und höre mir auch regelmäßig seine OE-24 Diskussionen anund im “Kreisky-Forum” habe ich ihn auch einmal gehört.

Also wieder etwas gelernt, als ich auf dem Weg ins MQ Halt am Wiener Naschmarkt machte und da war auch alles abgegrenzt und Security war ebenfalls da. Ma brauchte aber keine Maske und kein G obwohl der Wiener Bürgermeister heute darüber beraten hat, ob er die nicht wieder einführen soll?

Es gab ein paar Ansprachen, der Bezirksvorsteher war da und freute sich, daß die Kultur dem Bezirk nichts kostet und die ehemalige Bezirksrätin Zoumboulakis-Rottenberg, die ich einmal bei den Bezirks-Kulturfestwochen kennengelernt habe, habe ich auch getroffen. Die Texte, die der Journalist Clemens Marschall und der Historiker Anton Tantner gelesen haben, waren sehr interessant, obwohl ich immer noch nicht ganz verstanden habe, was das mit dem Titel zu tun hat?

Es war eine Reise von Wien nach London und Paris und wieder zurück. Einer der Texte handelte von Muriel Gardiner die auf Sigmund Freud Couch gelegen hat und mit ihm, glaube ich, nach London flüchtete, einer von der französischen Revolution, der dritte über einem Fritz Sax, der eine Bibliothek vor den Nazis rettete und nach London brachte und dann ging es noch ins Wiener Neugebäude.

Robert Misik Buch habe ich auch ein wenig unverständlich gefunden. Eine Art radikale Literaturgeschichte die von Elfriede Jelinek , Balzak und Flaubert handelte und dann ging es zu den O-Tönen, wo sich Gabriela Hededüs darüber freute, daß sie keine Corona-Beauftragte mehr sein und keine Kontaktdaten mehr einsammeln mußte. Daniela Strigl und Klaus Kastberger haben wieder das Programm zusammengestellt. Daniela Strigl “hat diesmal moderiert und zuerst die Debutantin Magdalena Schrefel und ihren bei Suhrkamp” erschienenen Erzählband “Brauchbare Menschen” vorgestellt und der Text, den die 1984 in Korneuburg Geborene gelesen hat, war wirklich interessant. Handelte er doch von einer Vater- Tochter Beziehung. Der Vater ruft die Tochter immer an, um ihr zu erzählen wer schon wieder gestorben ist? Die Christa Wolf, der Osama bin Laden, der Ray Bradbury, etcetera und einmal ist es die Mutter. Da weint er in das Telefon und die Tochter nimmt den nächsten Zug und reist zu ihm hin.

Interessant die “Brauchbaren Menschen”, bei denen es sich, wie Daniela Strigl einleitete, oft um Außenseiter oder Typen von der Arbeitswelt handelte, obwohl Daniela Strigl wie sie erwähnte, die Literatur der Arbeitswelt nicht so mag und dann kam der Star Wolf Haas, der, glaube ich, schon öfter bei den O-Tönen gelesen hat mit seinem neuen Brenner “Müll”, den hat Daniela Strigl mit Klaus Nüchtern schon in der Hauptbücherei vorgestellt und diesmal ist der Brenner zum Müllmann hinabgestiegen und wohnt in einer fremden Wohnung und dann wird in der Mülldeponie eine Leiche gefunden. Die Stellen, die Wolf Haas gelesen hat, waren sehr spannend und auch sehr lustig. Die Leute haben gelacht, als die Leichenteile gefunden wurden. Das finde ich ja nicht so lustig. Wolf Haas, der, glaube ich, auch Germanistik studiert hat, ist aber ein großartiger Schreiber, hat alle Nuancen drauf und jongliert sehr gekonnt mit der Sprache und den Genres.

Daniela Strigl hat ihm nach der Lesung darauf angesprochen, daß er zwischen seinen Brenner-Romanen auch andere Bücher, geschrieben hat und jetzt wieder auf den Brenner, den er schon einmal sterben hat lassen, wieder auferstehen ließ.

Sehr spannend der Wiener Kultursommer mit viel Literatur und das betonte Gabriel Hegedus in ihrer Begrüßung auch, daß Wien großartige Literaturveranstaltungen anzubieten hat und ich finde die O-Töne, zu denen ich wegen meiner Sommerfrische, ja erst später gekommen bin, auch sehr spannend, weil man da einen guten Einblick bekommt, was im Herbst vielleicht auf den Buchpreislisten stehen wird, aber ich werde da wohl eine kleine Pause machen und erst zu den beiden letzten Veranstaltungen wieder hingehen.