Goldene Cartoons

“Die besten Bilder aus 10 Jahren Komischen Künste”, steht auf dem Cover des weißen Buches, das, glaube ich, zu der entsprechenden Ausstellung erschienen ist und am Cover gibt es die Ottitsch-Zeichnung “Also ich finds primitiv!!”, die Steinzeitmenschen bei einer Vernissage mit Sekt vor den Höhlenzeichnungen und mit dem 1983 geborenen Oliver Ottitsch hat meine Begegnung mit dem “Holzbaum-Verlag” von dem ich sehr viel, nicht alles, gelesen und gesehen habe, auch angefangen.

Das heißt, nicht ganz, denn das Erste war glaube ich der “Sex mit 45”, dann kam “Kopf hoch” und damals war ich auch noch nicht sicher, ob ich das auf einen literarischen Blog besprechen kann?

Inzwischen kann ich es oder habe sehr viele, nicht alle der “Holzbaum- Publikationen” besprochen, wurde einmal auch gerügt, daß ich soviel spoilere oder nacherzähle und den Humor und die Ironie, die mir ja an sich nicht so liegen, habe ich mit dem kleinen aber feinen Verlag, die die ersten waren, die mir Rezensionsexemplare schicken, auch gelernt.

Inzwischen nehme ich meiner überlangen Leseliste geschuldet auch nicht mehr alles an, aber bei den “Goldenen Cartoons” dem Jubiläumsband konnte ich nicht widerstehen, obwohl ich eigentlich dachte, ich hätte das alles ohnehin schon gesehen, bin ich ja eine getreue “Holzbaum- Rezensentin”.

“Welch ein Irrtum würde!”, wieder Papa Jandl sagen und rechts mit links bewußt verwechseln.

Damit habe ich es auch nicht so sehr oder glaube auch in Zeiten, wie diesen, wo schon soviel verwechselt wurde, ich einen rechten Kritiker habe und einmal auch mit Martin Sellner auf der selben Demo war, nicht, daß man das kann, aber, um mich nicht zu sehr zu verzetteln ein kurzer Rundgang durch das Buch.

“Tja wenn ich einen Hund und vier Kinder unverdaut verschlungen habe, hätte ich auch Bauchschmerzen!”, läßt da Adam gleich zu Beginn den Doktor zu einem großen Bären sagen und Überraschung diesen Cartoon kannte ich, glaube ich, noch nicht.

Bruno Haberzettls Hitler auf der Coah analysiert von Papa Freud habe ich schon gesehen und auch den Cartoon von Dan Piaro, wo der Hund die Coach belegt und “Eigentlich geht es mir gut, ich möchte nur einen Platz wo ich auf derCoach erlaubt bin,” zu der Psychoanalytikerin sagt. Seine Katzencartoons habe ich auch schon mal gesehen, möglicherweise im Katzencartoon.

Daniel Jokesch ist mir auch schon ein alter Bekannter, hat er ja die “Letzten Tage der Menschheit” gezeichnet, davon gibt es nichts zu sehen, nur den Kaiser Franz mit seiner Sissi oder den Furz.

Elisabeth Semrads markante Zeichnungen mit den langen Nasen gibt es zu bewundern, Jean le Fleur hat auch einen eigenen unverwechselbaren Stil und dann gibts natürlich und da habe ich ein bißchen nicht ganz ausgesetzt, die Cartoons und da ein paar Beispiele von katzi, wenn man also wissen will welche Fragen sich täglich stellen oder “Was der der Wiener mit “Steigen Sie auch aus?,” meint”, blickt hinein in das Buch.

Maria Antonia Graff hat die Berggasse 19 ein wenig analysiert und da bin ich nicht sicher ob ich den Cartoon schon kenne.

Martin Zak hat schöne Zeichnungen, zum Beispiel, die, wo ein Hund mit Eis auf Rollschuhen in ein Geschäft will und all das genau verboten ist und er läßt das Mäxchen dem Papa auch verraten, daß es die Mama mit dem Onkel im Bett treibt, die steht daweil in der Küche und verkündet stolz “Schatz weißt du, daß unser Sohn schon schreiben kann?”.

Man soll sich eben nicht zu früh freuen, lautet wahrscheinlich die belehrende Sequenz.

Michael Dufek läßt den Tod aufmarschieren und verrät das Geheimnis, warum Herr Weber 278 Jahre alt wurde?

Es gibt die “To do Liste für den Advent” von ihm und die habe ich wahrscheinlich schon in den “Cartoons über Weihnachten” gesehen.

Der berühmte Nicolas Mahler hat was gezeichnet und dann kommen wir schon zu dem schon erwähnten Oliver <ottitsch, von dem ich ja auch einen Kalender in meiner Praxiswohnung habe und habe auch seine anderen Publikationen durchgesehen.

Rudi Hurzlmeier hat eine Zitrone in ein Huhn verwandelt, Schilling & Blums markante Zeichnungen habe ich auch schon gesehen und den “Dür(r)en Feldhasen” gibt es auch.

Uwe Krumbiegel läßt den Tod in bunten Klamotten aufmarschieren und beschließt das Büchlein, das ich wieder jeden nur empfehlen kann, der sich kurz und bündig in die besten Cartoons der “Komischen Künste”, das Geschäft oder der Galerie im Museumsquartier einlesen will, mit einer Einführung in “Yoga für Fortgeschrittene” und das ist, kann ich schnell noch spoilern auch sehr interessant.

Wir haben Raketen geangelt

Geschichten der 1974 in Hamburg geborenen Karen Köhler, die mit einer davon 2014 beim “Bachmnannpreis” lesen sollte, aber nicht konnte, weil sie die Windpocken hatte und man damals noch live dabei sein mußte. Im Vorjahr ist sie mit “Miroloi” auf der Longlist des dBs gestanden, da habe ich auch den Erzählband im Schrank gefunden, “Bestseller” steht darauf, was für Erzählungen einer recht jungen deutschen Autoren schon ungewöhnlich ist und die Erzählungen haben es in sich, obwohl sie genau genommen gar nicht so ungewöhnlich sind, aber in einer erstaunlich frischen fetzigen Sprache erzählt werden.

Da liegt eine junge Frau mit Krebs und künstlichen Darmausgang ohne Haare im Spital, warten auf ihren Freund und trifft den “Comandante” in der Cafeteria, der ist ein alter Mann im Rollstuhl, der eine Mischung zwischen Spanisch und Englisch spricht. Der kauft ihr eine Perücke, bestellt ihr ein Kleid, damit sie ihren Freund beeindrucken kann und, als es dann so weit ist, ist er gestorben und eine andere junge Frau trifft in Amerika in der Nähe von Las Vegas halbverdurstet und ohne Rucksack einen Indianer. Der gibt ihr zu trinken, kauft ihr Pommes Frites und eine Sonnenbrille, dann gewinnen sie zweitausend Dollar im Casino. Er wird zusammengeschlagen, hat hohes Fieber, sie päppelt ihn in einem Motel mit dem Federschmuck auf dem Kopf eine Nacht lang auf und resumiert dazwischen ihr Leben.

In “Polarkreis” geht eine kurz mal Zigaretten holen und schreibt ihrem Liebsten dann infolge Briefe und Postkarten aus Italien.

Dann wird eine junge Frau, die im Heimatdort einen Bioladen führt, von einem Jugendfreund, der Journalist geworden ist und damit einen Preis gewonnen hat, besucht, sie trinken Schnaps und Champagner. Dann führt sie ihn auf den Friedhof, wo ihre Schwester liegt. Er hat sie einmal ihr vorgezogen, dann lag er mit ihr nach ihrem Tod doch im Heu. Das Kind hat sie verloren und in der Nacht heimlich in der Schwester Grab gelegt.

Ähnlich daramatisch, die Titelgeschichte. Da erinnert sich eine an ihre Jugendliebe, der sie durch Selbstmord verlassen hat und in “Familenportraits” waschen Töchter in der Mittagspause, das Geschirr ihrer betrunkenen Väter, besuchen die Mutter im Altersheim, die sie beschimpft, eßen mit ihren Eltern zu Weihnachten Gans, etcetera.

In “Starcode Red” geht es auf eine Luxus-Yacht, wo sich, weil sie von ihrem Freund verlassen wurde, eine Schauspielerin als Entertainerin anstellen ließ und nun von den Vorschriften und Regeln der Security schikaniert wird.

In “Wild ist scheu” zieht sich eine mit einem Wasserkanister, einem Schlafsack und noch ein paar anderen Sachen auf einen Hochstand zurück,den Müsliriegel den sie auch noch bei sich hat, schmeißt sie hinunter, beachtet das Wild und wartet auf den ersten Schneee, während in “Findling” die siebzigjährige Asja irgendwo in den russischen Wälder ihre gesamte Familie begraben hat.

“Karen Köhler schreibt über die dramatischen Momente im Leben” steht in der Beschreibung am buchbeginn und am Buchrücken hat Ursula <märz “Reden wir nicht drum herum: Da ist Meisterschaft am Werk”, gewchrieben.

“Stimmt!”, würde ich antworten.

Dramatische Momente, Ausnahmesituationen in einer schönen Sprache und ungewöhnliche Titel, kleine schöne Illustrationen gibt es immer wieder auch.

Die Grammatik der Zeit

Jetzt kommt das dritte “Wortreich-Buch”, das ich vor circa einem jahr in den Schränken gefunden habe. Mit dem Lesen hat es etwas, weil ich ein paar Bücher vorgezogen habe, ein paar Neuerscheinungen kamen und ich auch noch ein paar HarlandBücher vorher auf der Liste hatte etwas gedauert, obwohl ich mich auf das Buch schon sehr gefreut habe, weil ich von Patricia Brooks, von der ich das erste Mal etwas gehört habe, als sie mit mir dieses Autorinnenportrait in der Zeitschrift “Buchkultur” hatte, wo die Autorinnen etwas verrissen wurde, weil “Wo keine Männerliteratur da auch keine der Frauen” oder so, sie hat dann ein Buch bei “Selene” herausgebracht, ich war bei mehreren ihrer Lesungen, bei ihrer Radio RosaReihe, die, um den Wohnzimmerkreis, im Cafe Prückl, zuletzt vor ein paar Wochen am Wolfgangsee, ein Buch habe ich aber noch nicht von ihr gelesen und ich muß sagen, es war sehr interessant, wenn auch recht verwirrend und ich bis zum Schluß nicht wußte, wie es enden wird.

Im Klappentext steht etwas von der Grammatik der Zeit, daß Dinge verschwinden und verloren gehen und die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit nicht mehr stimmt. Verwirrend, werde ich mir wohl gedacht haben und dann lange Zeit ein sehr spannendes und auch realistisches Buch gelesen.

Da wurde der namenlose Erzähler von seiner Freundin Silvie verlassen. Sie sagt ihm nicht warum, nur, daß sie jetzt nach New York fliegt. Er ist Programmierer, hat mit einem Freund oder Kollegen eine Internetfirma, programmiert verschiedenes, am liebsten aber Computerspiele. Jetzt ist er an einem dran und zieht sich nach der Tremmung in das Haus einer Freundin in Altaussee zurück.

Dort hat er eine merkwürdige Begegnung mit einer Frau, die nach einem Unfall am See steht und eine Schramme hat. Es ist die Tänzerin Carlos, sie sagt, sie hätte mit ihrem Freund gestritten und bittet ihn, ob sie die Nacht bei ihm schlafen kann?

Vorher hat ihn seine Freundin Judith schon verwirrt, in dem sie behauptete, jemand hätte ihr erzählt, daß er einen <unfall hatte.

Er trifft Carlos, die am nächsten Morgen verschwunden ist, bei einer Party in Judiths Haus in Bad Ischl wieder. Da erfährt er auch, daß er sich im letzten Jahr bei einer Party, wo er mit Silvie war, schlecht aufgeführt, sich betrunken und mit einer Frau geflirtet hat.

Er trifft Carlos dann in Wien wieder, im Klappentext steht noch etwas, daß sie sich in ihn verliebt hätte und sich von einem Mann verfolgt fühlt. Es gibt noch einen Fehler in dem Computerspiel, den er nicht und nicht findet und der hängt auch mit einem Autounfall zusammen und man denkt, da ist etwas zwischen den Beiden geschehen und das Ganze bekommt oder hat einen geheimnisvollen gespenstischen Touch wie in den Romanen des neunzehnten Jahrhunderts. Aber irgendwie passt das alles nicht zusammen und es ist auch sehr viel, was da passiert.

So meldet sich Silvie per Telefon immer wieder. Zuerst ist sie abweisend dann immer freundlicher und Judith hat gesagt, sie wundert sich nicht, daß sie sich von ihm getrennt hat und auch nicht, daß er nicht weiß warum?

Es gibt auch die Szene mit Silvies Goldfisch, den sie ihm zurückgelassen hat und den er füttern soll. EEr mag aber keine Goldfische und so bringt er ihn zu den Nachbarkindern, die ihn füttern sollen.

Es kommt auch ein geheimnisvollen Kettchen vor mit einem Anhänger mit einem S. Ein solches hat er Silvie einmal geschenkt, was sie aber nicht mochte, das ist verschwunden und taucht aber wieder auf und Carlos hat auch ein solches.

Eine Nebenhandlung mit seiner Schwester und seiner Mutter, die auf Kur gehen soll, aber eigentlich mit ihren Gärtner in die Türkei will , gibt es auch und Silvie kommt dann aus New York zurück, sagtm sie wird noch eine Weile bei ihm wohnen und fängt auch an das verschwundene Kettchen zu tragen.

Spätestens hier wird es verwirrend und so unlogisch, wie bei Nele Pollatscheks ersten Roman, denn jetzt passt nichts mehr zusammen und man denkt, er wird verrückt oder besser, er hat ein Burn-out, weil er soviel arbeitet.

Denn Carlos, die sich ja von einem Mann verfolgt fühlt und ihm immer wieder um Hilfe bittet, verschwindet plötzlich. Er fährt ihr nach Aussee nach und da gibt es plötzlich ein deja vue mit dem Unfall. Sie schießt ihn an. Er hat eine Schramme, kommt bei der Rückkfahrt zu einen Unfall, wo man ihm sagt, eine Frau ist tot, aber als er bei der Polizei anruft, sagt man ihm es hätte keinen Unfall gegeben.

Die Grammatik der Zeit kommt also vollkommen durcheinander. Er kommt darauf, daß Carlos zeitgleich in Hamburg eine Premiere hat. Also weder in Wien noch in Aussee war. Vorher hat sie ihm noch gesagt, sie hätte ihn erst bei der Party bei Judith kennengelernt und er liegt ihm Bett und Silvie steht vor ihm und sagt, daß sie ihn jetzt ein paar Tage verlassen wird, um nach New York zu fliegen, aber vorher schon lange nicht dort war.

Wirklich sehr verwirrend und unlogisch würde die Realistin sagen, aber äußerst spannend zu lesen, weil ich zuerst versuchte mir die Handlung zu erklären und dachte, da war etwas mit dem Unfall. Später als es dann entglitt, mich nach der Auflösung fragte und dazwischen immer wieder mal den Kopf schüttelte und mir dachte, es ist doch nicht so gut, wie es sich liest.

Aber wirklich interessant und in der Danksagung steht noch etwas, daß Bettina Balaka und Anna Kim Patrica Brooks moralisch unterstützt und bei der Fertigstellung geholfen hätten.

Spaziergang zum Zentralfriedhof

Ich bin ja, wie ich immer schreibe eine Stadtflaneurin oder begnadete Spaziergängerin, die alles zu Fuß geht und so wenig, wie möglich die Öffis nimmt. Das hat sich im letzten jahr durch meinen Unfall ein wenig geändert, jetzt muß ich wegen Corona beziehungsweise Maskenpflicht wieder, aber so lange Spaziergänge sind jetzt eigentlich ohnehin nicht mehr, da ja kaum Veranstaltungen, an der Tagesordnung.

Früher habe ich meine Psychologenkollegin Irmgard G. gelegentlich in Hütteldorf besucht und bin hin und hermarschiert und dann war ich in den letzten Jahren ein paar Mal bei einem Begräbnis am Zentralfriedhof.

Bei dem der Heidi Pataki bin ich gewesen, bei der Elfriede Gerstl, bei der Friedl Hofbauer, zuletzt vor mehr als zwei Jahren bei dem der Ingrid Wald, aber da habe ich vorher so viel Stunden gehabt, daß sich das Gehen nicht ausgegangen ist und nachher die Lesung in der “Alten Schmiede” und auch sonst bin ich hin und wieder ein paar Stationen zwischendurch mit der Straßenbahn gefahren, denn das Gehen ist ja, noch dazu wenn man bald siebzig wird, anstrengend, hätte ich mir wahrscheinlich normalerweise gedacht und zwischen durch ein paar Erholungsstationen eingelegt, geht als Maskenverweigerin in Corona-Zeiten aber nicht und so bin ich heute Vormittag losmarschiert, weil ich vorige Woche die Benachrichtigung bekommen habe, daß mein lieber Psychologenkollge Wolfram Huber am zweiundzwanzigsten Juli seinem Krebs erlegen ist und mit dem Wolfram, der nach dem Fall der Mauer aus der DDR nach Österreich gekommen ist, war ich ja jahrelang in der Vertragspsycholgengruppe.

Die Gruppe gibt es nicht mehr. Ich habe auch izwischen keinen Kassenvertrag für Psychodiagnostik und der Wolfram ist auch schon vor einigen Jahren in Pension gegangen da hat er sich der Bertha von Suttner zugewandt und wollte über sie ein Buch herausbringen, das ist, glaube ich, unfertig geblieben und das letzte Mal habe ich vor Weihnachen vom Wolfram etwas gehört. Da wollten wir uns treffen, dazu ist es dann nicht mehr gekommen.

Aber ich bin heute losmarschiert, habe mir sozusagen einen Recherchetag mit Friedhofsbesuch gemacht und das war ja auch schon einmal so, als ich nach Grinzing hinausmarschiert bin um Andreas Okopenko die letzte Ehre zu geben.

“Du brauchst drei Stunden!”, hat der Alfred zu mir gesagt und weil ich schon lange nicht mehr dort war und mir auch Zeit lassen wollte beziehungsweise keine Stunden hatte, bin ich vor elf losmarschiert.

Leider war das Wetter nicht so besonders schön und es hat leicht geregnet. Ich hatte meine gelbe Regenjacke an, was insofern nicht so unpassend war, als daß Wolframs Frau Brigitte mir geschrieben hat, daß Wolfram, weil ein fröhlicher Mensch sich bunte Kleider wünschte.

So bunt ist es dann nicht gewesen. Bei mir und auch bei den anderen nicht und ich habe gesehen, daß ich wahrscheinlich schon, um zwölf draußen bin, um halb drei wars angesagt, eine Station im EKZ-Simmering gemacht, mein Notizbuch herausgenommen und mir das Maskentreiben angesehen. In Einkaufszentren darf man ja ohne, in Supermärkten nicht und, wie ist das wenn ich mir beim “Ströck” oder bei der Nordsee” von der Theke etwas holen will?

Habe ich nicht, denn es war ja ein Leichenschmaus oder kleiner Imbiß angesagt, habe aber viele Masken gesehen und weil elfter Bezirk auch viele Frauen, die dazu noch ein Kopftuch hatten. Der Uli würde jetzt sicher toben, war aber nicht da und ich bin etwa eine dreiviertel Stunde sitzen geblieben, habe in mein Buch eingetragen und mir das weitere Konzept für das “Notizbuch” überlegt. Da habe ich ja das Ganze die siebzehn Szenen, die ich schon habe, zwei Seiten kürzer gemacht, habe aber noch immer kein wirkliches Konzept, beziehungsweise Handlungsplan.

Mal sehen, kommt vielleicht noch, interessant war das Einkaufserlebnis im August 2020 mit Vermummung trotzdem und am Zentralfriedhof war ich immer noch eine Stunde zu früh, habe mir gedacht “Uje, uje, was mach ich da, wenn die mich ohne Maske nicht hineinlassen?”, habe aber dann gesehen, es gibt ein Kurcafe Oberlaa, bezwiehungsweise eine Filiale der berühmten Konditorei und mich auf einen Kaffee und ein Croissant hineingesetzt.

Es gibt inzwischen, ich war schon länger nicht da, denn die Verabschiedung der Ingrid Wald fand ja in der Feuerhalle gegenüber statt, sogar ein Museum und davon hat mir eine Klientin erzöhlt, denn die war auch auf einem Begräbnis dort, hatte aber ihre M<maske vergessen und hat sie sich dann dort gekauft.

Das tat ich natürlich nicht, sondern habe mir die Halle eins gesucht und geschaut, ob ich jemanden kenne, außer den Psychologiekollegen wohl kaum, obwohl ich ja zweimal beim Wolfram eingeladen war.

Es standen dann auch ein paar mir unbekannte Personen vor der Halle, die Silvia, die ich eigentlich erwartet hätte oder die Brigitte G. aber nicht und so bin ich, als ich gesehen habe, daß alle ihre Masken herausgezogen haben, draußen geblieben, beziehungsweise habe mich wieder auf die Bank gesetzt, habe dann die Pfarrerin mit dem Kreuz einmarschieren gesehen und das Auto vorfahren, das später den Sarg transportierte, ein Friedhofsgärtner ist auf seinem Fahrrad gekommen und hatte eine offensichtliche Putzfrau begrüßt, interessant, interessant, die Beobachtungen, für mein rotbraunkariertes Notizbuch kann ich es wohl nicht brauchen und dann kamen schon die Trauergäste und ich habe die Petra Rau und die Gertraud Müller entdeckt und bin mit ihnen bis zum Grab marschiert.

Statt Erde gab es Rosenblüten in den Sarg zu werfen und der Imbiß hat im Concordia Schlößel stattgefunden, wo ich auch nach dem Begräbnis der Ingrid Wald und der Friedl Hofbauer war. Danach zurück durch das mehr oder weniger maskierte Wien, habe von meinem lieben Kollegen Abschied genommen und vielleicht ein paar Impressionen gehabt, die ich für mein Projekt verwenden kann.

Die Füße tun mir jetzt weh und zwei Bücher, habe ich in einer Schachtel vor der Schule in der Schäffergasse auch gefunden, darunter war ein Novellenband des Nobelpreisträgers von 1910, Paul Heyse und von dem habe ich einmal bei einem Ebner-Eschenbach-Symposium gehört, wo der der Wolfram auch war.

Das Fest des Windrades

Weiter geht es mit den älteren Büchern auf der Leseliste, Isabella Straubs zweiten Roman, ein Fund aus dem Bücherschrank, den es im Vorjahr einmal dort gab, als ich mit dem noch nicht so gut verheilten Knöchel von irgendeiner Veranstaltung nach Hause gefahren bzw. gehumpelt bin und dvon der 1968 in Wien geborenen, in Klagenfurt lebenden Autorin habe ich durch den FM4 Wettbewerb, den sie einmal gewonnen hat, etwas gehört, das Buch hat das einiges Aufsehen erregt, Isabella straub hat auch bei einem Literaturhausfest daraus gelesen und jetzt habe ich mich mit Begeisterung darauf gestürzt, um so mehr da ich ja den dritten Straub-Roman gelesen habe.

“Das Fest des Windrads” könnte man grob als Kapitalismuskritik bezeichnen, ein sich Lustig machen über die prekären oder sehr elitären Arbeitsverhältnisse von Heute.

Am Buchrücken steht etwas vom Leben am Land und von der Selbstfindung, das habe ich nicht so sehr empfunden und wirklich neu ist das alles wahrscheinlich auch nicht, wenn auch sicher originell.

Da ist Greta, eine Managerin in der Medizintechnikbranche. Sie fährt im Zug von Wien nach St. Marino, zu einer Fachmesse, träumt da von einem Abendessen mit einem ihrer Vorgesetzten und einer möglichen Beförderung. Sie ist die Hype-Frau von heute, die sich nur mit verheirateten Männern einläßt, Markenkostüme trägt, Champagner oder Cocktails trinkt, etcetera. Der Zug bleibt im Oed am tiefen Graben stehen. Das Zugspersonal verschwindet, sie springt aus dem Fenster und in das Taxi von Jurek Bach hinein, der eigentlich einen Botendienst hat. Er liefert in Oed, das der Beschreibung nach mehr eine Stadt, als ein Dorf ist und Ziffern statt Straßennamen hat, an seine Klienten Pakete ab.

Da gibt es beispielsweise einen dicken Diabetiker, den seine thailändische Frau verlassen hat, einen Doktor, der alle untersuchen will, auch wenn man nur Pakete von ihm holt, etcetera.

Jurek hat eine Tochter und eine gescheiterte Ehe hinter sich und hat das Elternschlafzimmer in dem Haus, das er bewohnt, versperrt. Dort erscheint nun seine Tochter Lynn mit ihrem Freund Alfred und will sich bei ihm einquartieren. Der Freund ist ein Versicherungsfachmann und hinterläßt, während er Jurek bei seinen Botengängen begleitet, überall seine Flyer, denn er versichert Emotionen, nicht nur Wasserschäden,

Greta will eigentlich aus dem Dorf hinaus, kann aber nicht, denn zuerst ist sie nach dem Schock zu betrunken, dann muß sie Joe, den Diabetiker in die Burnout-Klinik begleitet, schließĺich erleidet sie einen schwächeanfall, so bleibt sie zum Fest des Windrades, das ist das Wahrzeichen, das die Amerikaner nach dem Krieg dem Dorf hinterlassen haben, das soll jetzt verbrannt werden und alles wird wieder gut.

Denn Greta, die erfährt, daß sie nicht befördert, sondern gefeuert werden sollte, wird Versicherungsmaklerin und Jurek gewinnt beim Tombola, ihre Zugsfahrkarte, die sie nicht benützen konnte und kommt daher vielleicht aus dem Dorf hinaus, während sie dort bleiben und ihre Schulung machen wird.

Neue Buchpreisspekulationen

Der achtzehnte August kommt in zwei Wochen und da wird ja die neue Longlist des “Deutschen Buchpreises” bekanntgegeben. Der “Buchpreis” wird dann in am zwölften Oktober in Frankfurt, beziehungsweise per livestream vergeben und die Buchmesse findet, wie ich hörte, Corona spezifisch statt.

Dort fahre ich ohnehin nicht hin, weil zu weit und zu teuer, wir wren nur zweimal live nämich 2000 und 2002 dort.

Für den deutschen Buchpreis den es seit 2005 gibt, um das Leseverhalten oder den Bücherkauf anzukurbeln, habe ich, glaube ich, seit ich blogge angefangen, mich zu interessieren. Da hat ja “Inadäquat”, ein Blog, den es nicht mehr gibt, 2008 davon berichtet, 2009 habe ich mich dann auf die Jagd des Leseprobenbüchlein gemacht und obwohl ich die Bücher damals zum großen Teil nicht gelesen habe, angefangen darüber zu bloggen beziehungsweise zu spekulieren.

“Buzzaldrin” hat dann 2013 die “Fünf lesen vier – Aktion” gegründet, woraus sich dann das “Buchpreisbloggen” entwickelte und ab 2015 habe ich angefangen, selbst Buchpreis zu bloggen, das heißt möglichst alle Bücher zu lesen und darüber zu berichten.

Eine Aktion, die sich inzwischen auch auf den “Österreichischen Buchpreis“, den es seit 2016 gibt und im Vorjahr auch auf das “Schweizer Buchpreisbloggen”, weil wir da ja in Basel und bei der “Buchpreisverleihung” waren, erweitert hat und ich kann nur sagen, daß mir das “Buchpreislesen”, obwohl es sicher ein wenig stressig ist, da ab August an die vierzig Bücher zu lesen, großen Spaß macht und ich viel daraus gelernt habe.

Ich lese aber das ganze Jahr Bücher, bekome seit ich “Buchpreis” blogge, auch welche angeboten und so habe ich mir auch angewöhnt immer ein paar Wochen vor der Longlistenverkündung meine eigenen Spekulationen beziehungsweise Wünsche darüber bekanntzugeben.

Liege damit meistens falsch, denn obwohl ich da ja eine zwanzig Bücherliste erstellen kann, stimmt sie meistens nur mit ein oder zwei Treffern überein und heuer wird es coronabedingt wahrscheinlich überhaupt ein wenig schwierig, denn ab März sind ja viele Bücher nicht mehr zu mir gekommen, die Leipziger Messe und die Veranstaltungen sind ausgefallen und obwohl man sich online sicher informieren konnte und es da ja auch Online Messen und Corona-Lesungen gab, habe ich das Gefühl, ich kenne mich vielleicht nicht so aus,, wie in den Vorjahren.

Bin also sehr gepannt und da ich ja in diesem Jahr trotzdem oder wegen der Ausgangsspereren vielleicht sogar besonders viele Bücher gelesen habe, werde ich auch heuer meine Spekulationen abgeben, erwarte mir da zwar nicht sehr viele Übereinstimmungen, werde mich aber ab achtzehnten August auf das Lesen stürzen, mein “Buchpreistagebuch” führen und darüber bloggen.

Also was würde ich empfehlen? Was habe ich schon gelesen? Was könnte auf der Liste stehen, die ja von sieben hochkarätigen Juroren und Jurorinnen aus hundertsiebenundachtzig Büchern von hundertzwanzig deutschen, österreichischen oder schweizer Verlagen, die im letzten Jahr erschienen sind, ausgewählt wurden:

1.Kathrin Weissling “Nix passiert”

2.Paula Irmschler “Superbusen”

3. Josef Haslinger “Mein Fall”

4.Ingo Schulze “Die rechtschaffenden Mörder”

5.Leif Randt “Allegro Pastell”

6.Bov Bjerg “Serpentinen”

7.Lutz Seiler “Stern 111”

8.Ulrike Almuth Sanding “Monster wie wir”

9.Charles Lewinsky “Der Halbbart”

10.Sascha Reh “Großes Kino”

11. Michael Scharang “Aufruhr”

12.Laura Lichtblau “Schwarzpulver”

13. Valerie Fritsch “Herzklappen von Johnson & Johnson”

14. Xaver Bayer “Geschichten mit Marianne”

15.Birgit Birnbacher “Ich an meiner Seite”

16.Cornelia Travnicek “Feenstaub”

17.Melitta Brezinik “Mutter”

18.Abbas Khidder “Palast der Miserablen”

19. Marlene Streeruwitz “So ist die Welt geworden”

20. Barbara Rieger “Friß oder stirb”

Für Österreich würde ich schätzen:

1. Cornelia Travnicek “Feenstaub”

2.Simone Hirth “Das Loch”

3.Lucia Leidenfrost “Wir verlassenen Kinder”

4.Josef Haslinger “Mein Fall”

5.Daniel Zipfel “Die Wahrheit der Anderen”

6.David Fuchs “Leichte Böden”

7.Marlene Streeruwitz “So ist die Welt geworden”

8.Michael Scharang Aufruhr”

9.Barbara Rieger “Friß oder stirb”

10. Valerie Fritsch “Herzklappen von Johnson & Johnson”

Bei den Debuts:

1. Dominik Barta “Vom Land”

2.Stefan Roiss “Triceratops”

3.Helena Adler “Die Infantin trägt den Scheitel links”

Und dann noch in eigener Sache, obwohl die Bücher noch nicht erscheienen sind.:

1. Fräulein Nos Nachtcafe”

2. “Kein Frühlingserwachen mehr”

Mal sehen, wie es wird ich bin gespannt, ich habe nicht alle bücher gelesen und bei den zwei letzten liege ich ja mit Sicherheit falsch.

Bei den Schweizern setzte ich aus.

Sommerfrischenhalbzeit

Dieser Sommer ist ja Corona bedingt wahrscheinlich ein anderer als der letzte, starren wir ja gebannnt auf die steigenden Fallzahlen, legen uns mit Maske ins Bad, hoffentlich bekommen wir da keinen Ausschlag und keine Atemnot und werden an den Flughäfen zwangsgetestet oder ins Quarantäne geschickt.

Auf der anderen Seite unterscheiden sich meine Sommerfrischenwochenenden nicht so sehr von denen der vergangen Jahre, wo wir zwar zweimal in die Schweiz gefahren sind und ich heuer nur zwei literarische Kurzreisen machte, aber sonst drei Tage Wien mit O-Tönen, Cafe Prückl und Sommerlesereihe im Weinhaus Sittl und in Harland radfahren, lesen in der Badewanne und am neuen Roman schreiben, der ja den Arbeitstitel “Das rotbraunkarierte Notizbuch” hat und mir damit meine eigene Schreibwerkstatt mache.

Ich habe auch sehr euphorisch Anfang Juli damit angefangen, habe die Figur der Kathi Sommer kreiert, der rothaarige, sommersprossige Polizist Simon entstand aus den Storytelling Anleitungen, die in “Das ist kein dummes Buch”, enthalten sind, die Angela Hager und die Jasmin Bauer habe ich mir aus meinen Recherchetagen Anfang Juli beziehungsweise aus der Kunstschweigemarsch-Demo geholt , die Tante Aloisa, die alte Klavierlehrerin, habe ich im Weinhaus Sittl kennengelernt.

“Wui!”, denkt man da euphorisch, das ist ja ganz schön viel und schreibt einmal los. Ich mache das zumindest, es gibt ja noch als alter Ego, die Eja Augustin, der Uli würde sagen, das ist “die liebe Frau J. aus W. an der D.”

Ist ihr zumindestens stark nachempfunden, die fährt im Sommer aufs Land in das geerbte Häuschen ihrer Eltern in St. Georgen am Steinfeld und schreibt dort ihren neuen Roman. Will ihn schreiben, fährt zum Recherchieren zur “Seedose” an den Viehofner See, findet dort das Buch, beobachtet ein streitendes Paar, denkt sich, ich habe jetzt den Plot oder kann ihn aus meinen Figuren machen. Dann fährt sie zurück, hört im Radio oder Fernsehen von der neu verordneten Maskenpflicht, von den Clustern, dem geplanten Ampelsystem und schreibt im Netzt mit ihrer Freundin Lena Wünsche Corona-Gedichte hin und her und das Ganze ist jetzt ein paar Wochen alt und hat derzeit achtundvierzig Seiten, 22 940 Worte und siebzehn Szenen und ich muß ein bißchen aufpassen mich nicht zuviel zu wiederholen.

Denn das eine Frau in Pension geht und beschließt einen Roman zu schreiben, nachdem sie drei Personen in einem Auto vor einer Kreuzung stehen sieht hatten wir schon einmal. Da gibt es auch immer Figurenszenen und dazwischen schreibt oder reflektiert die Magdalena Kirchberg ihren Plot.

So weit bin ich jetzt auch, Corona, das mich ja, obwohl sehr kritisch, brennend interessiert, kann ich da auch nicht ausslassen und muß Bezug darauf nehmen.

So gibt es die Chefredakteurin eines Privatfernsehsenders namens Dagmar Schneider, die Nachbarin der Tante Aloisia, die im Sender für das Maskentragen plädoyieren muß, selbst aber vielleicht nicht soviel davon hält. Der Simon soll seine Geschichte haben, die Kathi, die Tante Aloisia , aber auch die Eja mit ihrer tochter Toni, dem Enkelchen Alix und der Freundin Lena Wünsche mit der sie Corona-Gedichte austauscht.

Irgendwie habe ich ja oft das Gefühl, ich hantle mich am Rand herum und komme nicht wirklich in die Substanz hinein. So habe ich jetzt auch angefangen das Ganze wieder durchzukorrigieren und vielleicht umzuschreiben und verändern. Das nehme ich mir auch meistens vor und dann bleibt es schließlich doch so wie es war.

Mal sehen, ich bin gespannt und werde auch das zweite Sommerfrischenmonat dazu nützen. Eines ist ja in den zwölf Jahren in denen ich blogge und da öffentlich über mein Schreiben reflektiere schon passiert, meine Schreibhemmungen sind gefallen und ich bin auch wenn es nach außen nicht merkbar wird, selbstbewußter geworden und so wird sicher was entstehen, auch wenn es dann vielleicht wieder an der Oberfläche bleibt. Mal sehen ich bin gespannt.

Die Vorschau vom “Fräulein No” meinem “siebenten Nanowrimo” und noch nicht durch Corona beeinflußten Text gibt es schon und ich hoffe, daß ich das Buch bald proudly präsentieren kann.

Die Sommerlesereihe im Cafe Prückl, ist am Montag zu Ende gegangen, die des Sittls und die O-Töne gibt es noch. Am Montag will ich ja lieber in Harland bleiben, am Donnerstag ins MQ gehen, so ferne es nicht regnet oder die Veranstaltung, wie die mit der Frau Mayröcker in einer Halle stattfindet.

Ansonsten radfahren, einen Spritzer dabei trinken, da gibt es ja die Radlerschänke in der einen richtung in Ochsenburg und die “Seedose” in der anderen und die ist ja besonders interessant, weil meine zweite Szuene dort spielt.

Am Samstag waren wir am Markt, sehr viele Menschen, die sich nicht so ganz, an den inzwischen abgeschafften Babyelefanten gehalten haben, sondern sich um die kleinen runden Tischechen drängten, haben dort wieder die Doris Kloimsteingetroffen, die mir wieder interessante Bücher, unter anderen “Lesen als Medizin” gegeben hat, wir haben dann bei ihr in ihrem schönen Garten noch Kaffeee getrunken, Kuchen gegessen und die Literaturszene beziehungsweise die Corona-Maßnahmen ein bißchen ausgerichtet und heute wollen wir statt auf die Rudolfshöhe auf den Göller gehen und am neunten August hat der Alfred seinen fünfundsechzigsten Geburtstag, da gehen wir zum Vincent Pauli essen. Eine Woche später gibt er dann ein Fest in Harland und dann kommt schon die deutsche Buchpreisliste und das “Kampflesen”, wie es Kritiker nennen könnten.

Meine diesjährigen Buchpreisspekulationen werden noch folgen. Corona bedingt bin ich da heuer vielleicht nicht so ganz informiert und erwarte mir eher lauter mir bisher unbekannte Bücher.

Dann ist der August zu Ende, die “Linke Wort-Lesung” wurde schon früher vom Christoph Kepplinger abgesagt, das Volkkstimmefest erst später.

Trotzdem ist das Wetter ist schön und die Sommerfrischenwochenenden mit den anschließenden Wien-Tagen sind schön und ich kann mir ja meine eigene Schreibwerkstatt machen und die dümpelt so mehr oder weniger euphorisch vor sich hin.

Der Pianist

Jetzt kommt das Buch auf dessen Lesen ich schon lang gewartet habe, nämlich das 1946 nach dem Krieg geschriebene Buch “Mein wunderbares Überleben des 1911 geborenen und 2000 verstorbenen Pianisten, des Warschauer Rundfunks Wladyslaw Szpilman.

Das Buch wurde von Roman Polanski verfilmt und 2002 mit der goldenen Palme in Canne ausgezeichnet. Irgendwann habe ich den Film mit dem Alfred gesehen und mir später auch öfter die englische Fassung in You tube angeschaut und das vom Sohn mit einem Nachwort von Wolf Biermann und mit Bildern sowohl der Familie Szpilman, als auch Bilder vom Film versehene Buch, vorigen Juni im Bücherschrank gefunden.

Bei Buch Verfilmungen ist es ja immer die Frage, ob das Buch oder der Film besser ist, mit Ausnahme eines Donna Leon-Krimis würde ich sagen immer das Buch.

Hier würde ich meines beides ist gleich stark, obwohl ich in das Buch vielleicht am Anfang schwer hineingekommen bin, denn es beginnt nicht mit der Kindheit des Erzählers, sondern mit dem Krieg, als Polen von den Deutschen besetzt wurde. Da ist das erste Kapitel, vor allem für eine, die den Inhalt schon sehr genau kannte, ein wenig langweilig und spannend ist auch, daß Polanski offenbar nicht sehr von der Vorlage abgewichen ist.

Der 1911 Geborene der, in Berlin studierte, dann nach Warschau zurück ging, dort im polnischen Rundfunk Klavier spielte und mit seinen Eltern, seinen zwei Schwestern und einem Brudern lebte, beschreibt die Veränderungen, die der Krieg mit sich bringt.

Es werden zuerst Verordnungen erlassen, dann das Warschauer Ghetto errichtet, die Familie Szpilman lebt schon in dem Teil der Stadt, muß also nicht ihre Wohnung wechseln. Dann werden die Juden in den Osten verschickt. Wladyslaw Szpilmann wird von einem jüdischen Polizisten am Abtransport gehindert. Seine gesamte Familie kommt um. Er verbleibt im Ghetto flüchtet, dann als dort niemand mehr ist, auf die andere Seite, versteckt sich in mehreren Wohnungen, bis er, als schon ganz Warschau zerstört und er halb verhungert auf der Suche nach Nachrung von einem deutschen Offizier entdeckt wird, der ihm eine Zeitlang mit Nahrung versorgt, bis er aus der Stadt abgezogen wird und dann bald die Sowets kommen.

Inzwischen weiß man, Wladyslaw Szpilman wußte es nicht, obwohl er von einem Kollegen hörte, daß ihn ein Kriegsgefanger nach Szpilman fragen hörte, daß es sich um den 1895 geborenen Lehrer und Hauptman Wilm Hosenfeld handelte, der mehreren Juden das Leben rettete und 1952 in einem sowetischen Lager in Stalingrad verstorben ist.

Es gibt in dem Buch Auszüge aus seinem Tagebuch, das auch extra veröffentlicht wurde, ich habe, glaube ich, auch in Leipzig einmal eine Leseprobe davon gefunden.

Sehr interessant in Zeiten, wie diesen, das Buch zu lesen, das unmittelbar nach dem Krieg geschrieben, durch seine starke Sprache sehr beeindruckend ist.

Irgendwo steht auch der Satz, daß Wilm Hosenfeld sich schämte, ein Deutscher zu sein, jetzt höre ich oft von den jungen Patrioten, daß sie sich dafür nicht schämen wollen.

Brauchen sie auch nicht, wenn in den neunzehnhundertneunziger Jahren oder noch viel später geboren wurden, vielleicht sollten sie aber das Buch lesen, um sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und sie zu verstehen. Das kann nie schaden, auch wenn der Groß- oder vielleicht schon Urgroßvater ein Wehrmachtssoldat war.

Frühling der Barbaren

Jetzt geht es wieder zum Backlistbuchpreislesen, dem letzen wahrscheinlich, bevor es ab achtzehnten August zum richtigen “Buchpreisbloggen” kommt, nämlich zum Jahr 2013, dem Jahr wo zwar nicht alles begann, ich mir aber zum ersten Mal überlegte, ob mich das nicht doch reizen könnte und ich das Leseprobenbüchlein besprochen habe.

Den 1976 in der Schweiz geborene Jonas Lüscher, der mit “Frühling der Barbaren” auf der Longlist stand, habe ich damals nicht gekannt und die Perfektionistin in mir bemängelt auch, daß er eigentlich nicht darauf stehen hätte dürfen, ist das Buch doch eindeutig als “Novelle” gekennzeichnet und wurde auch als solche geschrieben.

Sie stand trotzdem auf der Liste, die den besten deutschsprachigen Roman sucht und ich betone noch, daß Jonas Lüscher mit seinem Roman “Kraft” 2017 nochmals auf der DBp-Liste gestanden ist und auf die Longlist des Bloggerdebuts kam, denn dann war es ja der erste Roman, also eigenlich ganz schön verrückt oder ein Hinweis darauf, wie sinnlos diese Gattungsbezeichnungen vielleicht sind.

Den Essayband “Ins Erzählen flüchten” habe ich Anfang März gelesen und die Novelle, die sich in einem wahrscheinlich gewollt altmodischen Tonfall, sowohl der Finanzkrise, als sich auch dem arabischen Frühling annimmt, wurde überall hoch gelobt.

Man kommt in das hundertzwanzig Seiten starke Buch, zuminstest ist mir das passiert, nur schwer hinein, irritiert am Anfang doch der altmodische Tonfall, dann wird es aber packend und ich schließe mich den Kritikern an, eine köstliche Geschiche, die ja ein wenig an die Dystopie, die wir hier erleben, wo ein Virus die Wirtschaft zum Zusammenkrachen bringt, alle Masken tragen und im Frühling das Klopapier ausverkauft war, erinnert, obwohl das Buch ja schon früher geschrieben ist.

Ich habe ja nicht Literarurwissenschaft studiert, daß die Novellen früher, und ich nenne meine Sachen, der Länge wegen, auch manchmal so, obwohl sie nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien wahrscheinlich keine sind, oft mit einem Erzähler beginnen, weiß ich aus den “Radiogeschichten” und oft er erzählt der dann eine Geschichte, die ihm von einem, den er irgendwo kennenlernte, erzählt wurde.

in diesem Fall ist es der Schweizer Geschäftsmann Preising, das heißt, er ist ein reicher Erbe, offiziell Vorstand seiner Firma, die ihm längst von einem Bosnier aus der Hand genommen wurde, der ihm, wie die Geschichte beginnt, auf Urlaub nach Tunesien geschickt hat.

Jetzt befindet Preising sich in der Psychiatrie und erzählt dem Mitpatienten seine Geschichte, wie er da mit dem von der Haushälterin gepackten Koffer, in der sich lauter helle Wüstensachen befinden, zum Fugzeug chauffiert wird, selbst hat er kein Auto. In Tunesien erwarten ihn Geschäftsfreunde, einer will ihm mit einer seiner sechs Töchter verheiraten und zu krummen Sachen überreden. Er entkommt und ffährt mit der Tochter eines anderen in ein Wüstenressort, das bezeichneterweise “Tousands and one night” heißt und nach der Phantasie aus Werbeprospekten nachempfunden wurde. Dort soll eine Hochzeit reicher britischer Finanzleute stattfinden. Preising freundet sich mit der Mutter des Bräutigams an und fährt am Vortag mit dem Vater auf Wüstenbesichtigung. Das wird ähnlich makaber geschildert, wie vorher die Kamele, die einen Bus zum Umstürzen brachten. Der Kameltreiber ist bankrott. Für Preising wäre es ein Knacks ihm das verlorene Geld zu geben, er überlegt und überlegt, tut es dann nicht.

Und während die Hochzeit stilvoll von statten geht, krachen in England, die Banken zusammen und die jungen Leute haben nichts mehr, um ihre Rechnung zu bezahlen, denn ihre Konten sind gesperrt. So läßt Saida, die Hotelmanagerin, das frugale Frühstückbuffet abräumen, nur Preising hat seinen Extratisch. Es kommt zu Plünderungen. Der Kärntner Hotelkoch ist mit dem Schlüßel zur Speisekammer abgetaucht. So beschließen die betrunkenen Engländer ein Kamel zu braten. Das führt zu einem Wüstenlbrand und überstürzter Flucht und der letzte Satz des Buch auf die Frage des Erzählers, was Preising damit beweisen wollte, lautet “Du stellst schon wieder die falsche Frage” und am Buchrücken steht “Eine Entdeckung, weil es ein so komplexes Thema, wie die Finanzkrise in einer schmalen ökonomischen Novelle bündelt, deren Schauplätze nicht besser gewählt sein könnten: eine psychiatrische Anstalt und die Wüste”, “Der Spiegel”, “Treffend beoabachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkhmisch und kühn”, “Die Welt” und “Ein absolut brillantes Buch. Für mich ist Jonas Lüscher die große Endeckung in diesem Jahr”, Ijoma Mangold, “Die Zeit”.

Wieder bei den O-Tönen

Sebastian Fasthuber, Gunther Neumann

Sebastian Fasthuber, Gunther Neumann

Wieder schönes Wetter, wieder O-Töne, diesmal mit Gunther Neumann und Birgit Birnbacher und diesmal habe ich meinen Platz in einen dieser grünen MQ-Sitzmöbel gefunden, die sind bequemer, als die Bänke, man würde auch besser hören, weil etwas näher am Geschehen, wenn sich nicht am Nebensessel eine Gruppe junger Leute eingefunden hätten, die sich laut unterhielten.

Aber eine gute Stimmung, abgesehen von dieser Eingangsmaskerade und der Seucrity-Überwachung und sehen tut man auch nicht sehr viel, weil ja weit hinter, aber Margit Heumann, die unermüdliche, habe ich wieder getroffen, die mit einer alten Dame, die ich früher immer in der “Alten Schmiede” gesehen habe und die einmal auch zu mir zu einer Lesung gekommen ist und nachher beim Weggehen, die Christa U. meine Hauptschulkollegin, die auch ein Corona-Opfer geworden ist, weil Hüft-Op leider verschoben.

Sebastian Fasthuber moderierte und stellte den späten Debutanten, den in Linz geborenen Gunther Neumann vor, der lange in leitenden Funktionen tätig war und offenbar in seiner Pension seinen ersten Roman “Über allem und nichts” geschrieben hat, in dem es um eine Flugbegleiterin geht, die Bauch beziehungen zu zwei Männern hat.

Dann folgte, die mir schon besser bekannte, 1985 geborene Birgit Birnbacher, der Debut “Wir ohne Wal” ich gelesen habe, die Soziologin, die im Vorjahr den “Bachmannpreis” bekommen hat und von Sebastian Fasthuber gebobt wurde, daß sie von einem Beruf und nicht nurvon einer Schreibschule hergekommen ist.

Sebastian Fasthuber, Birgit Birnbacher

Sebastian Fasthuber, Birgit Birnbacher

Nun die Schreibschulen-Autoren sind ja eher etwas Neues, denn als ich zu Schreiben begonnen habe, hat es noch kaum solche gegeben. Das Interessante an Birgit Birnhacher ist aber, daß sie in einer sehr schönen Sprache soziale Themen erzählt, die man bei den Schreibschulabsolventen vielleicht nichtmso einfach findet, geht es doch in “Ich an meiner Seite” um einen Arthur, der ein Straftäter ist und Birgit Birnhbacher erzählte in Gespräch auch, daß es dazu ein Vorbild gab, das sie lange suchte und das sie dann fiktionalisierte.

Interessant interessant, mit “Wir ohne Wal” habe ich ja nicht so viel anfangen können, der “Bachmannpreisrext” hat mich schon mehr angesprochen und auch die Textausschnitte, die sie gelesen hat, erscheinen mir sehr interessant.

Mal sehen ob das Buch einmal zu mir kommt oder ob es vielleicht auf einer der Buchpreislisten steht, schreibe ich wieder und Isabella Straubs “Im Schatten des Windrads”, die, glaube ich, 2015 bei den O-Tönen gelesen hat, wo ich wegen meiner Sommerfrische wegen auf meinem MQ-Möbel saß, den Einzug der Maskierten beobachtete und auf die Veranstaltung wartete.