Alles was glänzt

Man erlebt beim Lesen immer wieder seine Überraschungen und man kann, das erlebe ich immer wieder über ein Buch nichts sagen, wenn man eine Lesung daraus hörte oder sich durch die Leseprobenheftchen liest.

So erging es mir mit dem Debut der 1992 in Graz geborenen Marie Gamillscheg, die dort die “Jugend- Literatur-Werkstatt besuchte, 2016 am Klagenfurter Literaturkurs teilnahm und mit ihrem Debut bei den “O Tönen” gelesen hat.

Da habe ich, obwohl Daniela Strigl alles genau erklärte, nicht genau mitbekommen, um was es in dem Buch eigentlich geht. Um einen Berg und ein Dorf, das von dessen Einsturz bedroht ist, um einen Journalistin, um ein Espresso und einen Mann, der in einem Auto verunglückt und das alles in schöner experimenteller Sprache, nun gut nun ja.

Dann kam das Buch auf die öst Debutliste und ich hatte mich schon ein bißchen in David Fuchs “Bevor wir verschwinden” verliebt, das und Ljuba Arnautovics “Im Verborgenen” gelesen, das mir alles in allen zu wenig literarisch schien und war eigentlich sicher, daß David fuchs den “Debutpreis” bekommen wird oder vielleicht doch Ljuba Arnautovic, da die Geschichte ihrer Großmutter ja ein wichtiges Thema ist?

Dann war ich überrascht, als es hieß “And the winnerin is Marie Gamillscheg”, obwohl ich schon bei der Lesung in der AK zur Angela und zwei interessierten Damen am Bufettisch sagte, daß, das das literarisch anspruchsvollste Buch ist, ich aber den Inhalt nicht so ganz verstanden habe, “And the winnerin is…”., nun ja,  die Geschmäcker der Jury sind ja verschieden und meistens an der Sprache orientiert und da das Buch ja nicht zu mir gekommen ist….

Inzwischen ist es gekommen und vorher noch das PDF und habe den Roman auf zweierlei Art gelesen. Die eine Hälfte elektronisch, wie ich es ja schon mit den experimentellsten Büchern so tat, die andere in der guten alten Printform, wo ich unterstreichen kann und habe, glaube ich, schon nach wenigen Seiten erkannt, das ist ein tolles Buch.

Sorgfältig gearbeitet auch in Kleindetailst erzählt und in einer wunderschönen Sprache, die an Valerie Fristsch erinnert, die ja, glaube ich, auch diese Grazer Jugendliteraturwerkstatt besuchte, aber ihr “Winters Garten” hat mir dann nicht  so gefallen, weil zu übertrieben sprachexklusiv, daß es mir zu kitschig war, bei Marie Gamillscheg ist es anders. Denn jetzt weiß ich, worum es in dem Buch geht und es hat mich auch ein bißchen an meine eigenen literarischen Anfänge erinnert, obwohl sie zugegeben, meine Kritiker müßen nicht aufschreien, nicht so sprachlich exklusiv sind.

Es geht eigentlich, um nichts in den sehr kurzen Skizzen und dann wieder um sehr viel. Um das ganze Leben in dem wahrscheinlich kleinen steirischen Dorf und der nicht genannte Berg, der sich verzieht, Risse und Spalten macht und das ganze Dorf zu verschlingen droht, könnte der Erzberg sein, so denke ich es mir, geschrieben steht das nirgends.

Es geht, das war schon bei den Lesungen klar, um Susa, die in den Dorf ein Espresso führt und “wenn sie nachts die Pumpen von den Ketchupflaschen schraubt spürt sie dieses Zittern”, um den alten Wenisch, der einst in den Stollen gearbeitet hat, jetzt noch für das Archiv des Bergwerkmuseums forscht, aber langsam in die Demenz versinkt und schließĺich in ein Altersheim übersiedet, um Martin, der eines Tags einen Autounfall hat und diese Stelle, wie die Polizisten zu den Toten kommen und mit dem Lastwagenfahrer, der ihn gefunden hat, sprechen, hat Marie Gamilscheg bei den “O Tönen” gelesen und die ist, finde ich sehr liebevoll erzählt.

Seine Freundin Esther erfährt durch seinen Tod einen Schock, ihre Schwester Teresa, die in die Musikschule zum Klavierunterricht geht, sieht im Fernsehen eine Sendung über eineiige Zwillinge und bekommt den Gedanken an sie nicht los. Vielleicht ist sie mit Esther auch auf diese Art und Weise verbunden, die nach Martins Tod das Dorf verläßt. Aber der kommt immer wieder zurück, sucht alle Personen auf und geistert, wie der Klabautermann, der auch eine Rolle spielt, durch das Buch, könnte man so sagen.

Der Journalist der über die Einsturzgefahr des Berges geschrieben hat, verschwindet selber irgendwann. Es gibt ein geschlossenes Kaufhaus namens “Ahoi” und einen Regionalmanager, der das Ganze durch ein Fest irgendwie am Leben erhalten will und das dann doch nicht schafft.

“Vielstimmig und untergründig erztählt Marie Gamillscheg von einer kleinen Schiksalsgemeinschaft im Schatten eines großen Berges, vom Strukturwandel un einem Ungleichgewicht in der Natur, vom Glanz des Unterganges wie des Neubeginns”, steht am Buchrücken. Die Amazon-Rezensenten waren sich nicht ganz einig über das Buch und haben sowohl einen, als auch fünf, am meisten aber drei Sterne vergeben und ich sage, es ist ein tolles Buch, poetisch schön in liebevoller Sprache aber auch sehr genau und sorgsam erzählt. Eines das mir sehr gefallen hat, so daß ich sehr gespannt bin, wie es ihm beim “Bloggerdebutpreis”, gehen wird, für das es ebenfalls, wie für den “Aspekte Literaturpreis”, den aber Bettina Wilpert gewonnen hat, nominiert war.

Was ich aber noch immer nicht verstanden habe, sind die Zahlenfolgen, die den einzelnen Kapiteln, die an sich Personennamen haben, vorangestellt sind. Vielleicht hat es Daniela Strigl bei den O-Tönen erklärt, im Buch habe ich jedenfalls nicht davon gefunden.

Spannungsbogen

Tag zweiundzwanzig des “Nanowrimos” und ich erhalte ziemlich regelmäßig Aufmunterungsmail und solche doch etwas Geld zu spenden, damit das Ganze ein Erfolg wird und es gibt auch Autoren, die Videos dazu drehen, wie beispielsweise Julia K. Stein, dabei habe ich meinen “Nano” oder das Projekt, das ich im August begonnen habe, schon am ersten November mit 49.238 Worten abgeschlossen und bschlossen den Rest des Monats und auch noch später das Ganze zu korrigieren.

Das heißt, weil bald darauf die “Buch-Wien” gebann und ich dann auch noch innerhalb von drei Tagen drei Lesungen hatte, meinen Geburtstag feierte und außerdem mit einer nicht kleiner werdenden Monsterleseliste dastehem bin ich bis jetzt gerade einmal dazu gekommenm das Ganze durchzukorrigieren.

Damit bin ich am Sonntag in Harland fertiggeworden. Dann habe ich das Manuskript nach den Protagonisten, beziehungsweise Handlungssträngen sortiert, also einen Stoß mit den Magdalena Kirchberg Szenen, einen für die Magda, den Momo, die Nastasja Stancik, die Maria Mallatschuk und die Ulla hat, glaube ich, auch noch einen und gehe jetzt das Ganze stapelweise durch, um die einzelnen Geschichten vielleicht noch auszuweiten, stimmiger zu machen, Fehler zu korrigieren, etcetera.

Das heißt, im Nachhinein ausweiten bin ich nie sehr gut und bin das auch jetzt nicht, habe den Magdalena Kirchberg-Strang jetzt durchgesehen und halte derzeit bei 48 078 Worten.

Richtig, es war diesmal kein “Nano”, denn Erstens schon im August angegangen, Zweitens schon am ersten Tag mit cirka tausend Worten weniger mit dem Rohkonzept fertig und zum täglichen Korrigieren komme ich derzeit auch nicht. Dazu habe ich meistens zu viele Stunden, obwohl ich mich ja im Sommer, bevor ich mit dem Rohtext angefangen habe, mich mit dem Zeitmanagement beschäftigt habe, denn da hat Jurenka Jurk, eine deutsche Schreibtrainerin, die ich im Vorjahr kennengelernt habe, weil sie auch ausgerechnet im November eine Online Messe für Autoren abgehalten hat, ein solches Seminar angeboten und das mit ein paar kostenlosen Webinaren untermauert.

Sie ist da sehr gründlich und ich habe eigentlich auch ein gutes Zeitmanagement, nur das mit dem regelmäßigen Schreiben klappt bei mir nicht, denn die täglichen fünfzig Worte, die ich natürlich hinausquetschen könnte, würde ich dann am nächsten Tag wahrscheinlich wegwerfen müßen.

Also habe ich meinen heurigen “Nanowrimo”, der keiner war, ohne Hilfe von Seminaren geschrieben. Im Vorjahr habe ich mir ja von Annika Bühnemann, die jetzt ziemlich von der Szene verschwunden ist, Schreibimpulse schicken lassen und bin mit dem Resultat, wie schon beschrieben, so na na zufrieden.

Das heißt eigentlich schon, aber andererseits wird es höchstwahrscheinlich wieder niemand hintern Ofen hervorlocken, ist wieder eine Geschichte von einer depressiven Frau und den Roman hat Magdalena Kirchberg eigentlich nicht geschrieben und auch nicht wirklich einen Blog übers Schreiben. Dagegen rankt sich das Ganze um drei andere Geschichten, die der Nastasja, die eine ziemlich eigene ist, während der Momo und die Maria Mattatschek, die plötzlich, als sie schon dement ist, mit ihren Traummotizen Erfolg hat, obwohl sie das eigentlich nicht will.

Die Maria ist das Alter Ego der Magdalena könnnte man so sagen oder auch ihr Gegenspieler, der Antagonist, um im Schreibjargon zu verharren. Dagegen ist die Ausgangsszene, die drei Personen in dem weißen Auto aber, die ich ja in der Schreibgruppe dreimal geschrieben habe, ziemlich flach geblieben.

Gut, da waren der Oberarzut und die Hebamme, die Magdalena während ihrer Geburt vor fünfundreißig Jahren betreuten. Dann gab es noch einen Psychiater, der zwar schon gestorben ist, die Maria aber immer noch besucht und Spannungen Magdalenas mit ihrer Tochter, die schließlich Mutter wird, gibt es auch.

Da sind einige schon bekannte Motive enthalten, die Pensionsschockdepression in die Magdalena plötzlich fällt, als keine klienten mehr zu ihr kommen, die vaterlose Tochter und die Nachbarn mit denen sie sich befreundet. Einer  meiner Meinung nach recht origineller Scghluß, der dasGanze abrundet, während der Roman eigentlich nicht geschrieben wird und die drei im Auto am Schluß aus der Tochter der Hebamme, ihrem linken Freund und dem FPÖ-Politiker bei dem sie arbeitet, bestehen.

So weit, so gut, das Ganze jetzt vielleicht ein halbes Jahr korrigieren, dann eine Vorschau in den Blog stellen, eine Leserunde und ein Gewinnspiel ausrufen zu dem sich niemand meldet und das war es dann und ran an das nächste Projekt, obwohl ich derzeit gar nicht sicher bin, ob ich noch eines finde.

Dann kam aber vorige Woche wieder Jurenka <jJurk ins Spiel und bot ein tolles Seminar zur “Heldenreise” an, das wie sie euphorisch meinte, allen angehenden Autoren helfen kann, mehr Spannung in ihre Projekte oder sie überhaupt zu ende zu bringen.

Die “Heldenreise”, ach ja, ein paar Schreibratgeber habe ich ja auch gelesen und beschäftige mich im Netz auch intensiv mit solchen Seiten, gehe zu den Schnuppertagen des “Writerstudios”, die “Heldenreise” ist ein Schema, das der Mythenforscher Joseph Campell im vorigen Jahrhundert entdeckt hat und das sich, um es vereinfacht auszudrücken, Hollywood unter den Nagel gerissen hat, um seine Filme spannend zu gestalten.

Campell hat, glaube ich, die Mythen untersucht und herausgefunden, daß sie alle nach einem Schema funktionieren, die er in vierzehn Punkte einteilte.

“Der Held erhält einen Ruf oder Auftrag, sein Leben ändert sich, er macht sich auf auf die Reise, bekommt einen Mentor und einen Widersacher, muß Prüfungen bestehen. Es kommt zur Katastrophe, er muß sich bewähren und am Schluß kommt er geläutert und mit dem Schatz nach Haus”.

Die Schreibratggeber raten einen, sich an das Schema, das auch bei den Dramen, die ja in Akte eingeteilt sind, funktioniert, zu halten. Ich hatte immer meine Schwierigkeiten damit und bin mit den etwas altmodischen Punkten, wie beispielsweise “Der Ruf des Abenteuers”, “Die endgültige Segnung”, “Verweigerund und Rückkehr,” beispielsweise auch nicht weitergekommen. Denn, wie wende ich das bei der Magdalena oder bei meinen anderen Heldinnen an?

Die Magdalena geht in Pension und beschließt, um aus ihrer Depression herauszukommen, einen Roman zu schreiben. So weit, so gut, aber wer ist der Gegenspieler?  Was ist die” Versöhnung mit dem Vater?” Sie hat gar keinen mehr, denn der ist schon lang gestorben, hat ihr aber mit achtzehn davon abgeraten einen Roman zu schreiben. Jetzt tut sie es trotzdem, das ist der “Ruf”, aber was ist die “Katastrophe?”.

Die Antogonistin ist mir eingefallen, könnte die Maria Mattaschek sein. “Läuterung” gibt es auch und am Ende geht sie vomLiteraturhaus nach Haus, sieht wieder den BMW, in dem jetzt die Ulla mit ihren zwei Gegenspielern sitzt und weiß nicht, ob sie weiterschreiben oder ihr künftiges Enkelkind betreuen soll?

Das ist, habe ich schon geschrieben, wie ich fürchte, nicht so besonders spannend. Aber ich schreibe auch psychologisch realistisch und keine Fantasy, wo die Ritter mit Drachen kämpfen und am Schluß, die Prinzessin nach Hause bringen.

So habe ich die Heldenreise immer mehr oder weniger liegen gelassen, mir aber jetzt, weil ich ja gerade am Korrigieren bin, mir wieder zwei Webinare der Jurenka Jurk angehört, die ein dreiwöchiges Wunderseminar anbietet, in dem sie einem die Heldenreise moderner näherbringen will.

Das werde ich wieder nicht machen, habe mir aber die Campell-Punkte und vor allem den Spannungsbogen ausgedruckt und im gestrigen Seminar gab es auch die Verbindung zur “Heldenreise” zur Persönlichkeitsentwicklung, denn das Modell wird auchtherapeutisch angewendet.

Das erscheint mir zwar noch weniger plausibler. Aber ich habe die “Heldenreise”, ja noch nicht so ganz, als  Wundermittel begriffen, sondern als den Kniff, um mehr Spannung in seineTexte zu bringen, was sicher nützlich ist. Aber da klingen bei mir auch wieder die Alarmglocken, denn wenn sich jetzt alle an das Schema halten und es Punkt für Punkt abarbeiten, werden die Sachen und das ist ja der große Vorwurf an den Schreibschulen, vermutlich wirklich gleich und meiner Meinung nach auch immer unrealistischer.

Denn als ich in der “Augustin Schreibwerkstatt” aus meiner “Krisenwelt” gelesen habe, habe ich das Feedback  bekommen “Das interessiert mich nicht, das Alltagsleben einer Großmutter, die die Kinder ihrer Messietochter vom Kindergarten abholt und mit ihnen auf den Spielplatz geht! Ich will es spannender haben, denn vom Alltag habe ich schon genug!” und im “Writersstudio” hat mich auch gestört, daß dort gefordert wird, an das Schlimmste, was man erlebt hat zu denken und das aufzuschreiben.

Denn “Dann wird es gut!” und dann haben wir die verstörenden Romane der Jungautoren a la “Axolotl Roadkill” und dagegen wehrt sich eigentlich die Psychologin und wenn ich dann nur mehr Romane lese, wo von Mord, Totschlag, Vegrewaltigung, Mißbrauch und Dystopie, etcetera die Rede ist, bin ich weit von der Wirklichkeit entfernt und so will ich Literatur eigentlich nicht verstanden haben und ich will mich mit ihr auch nicht nur unterhalten. Ganz abgesehen, daß ich mich an Mord und Totschlag, Vergewaltigung und Mißbrauch eigentlich auch nicht unterhalten kann.

Gestern gab es noch ein Webinar von Jurenka Jurk oder eigentlich, die Wiederholung eines Videos, das es bei ihr im Vorjahr bei der Autorenmesse gab, nämlich ein Gespräch mit Ulrike Dietmann, die die Heldenreise sehr persönlich fasste und meinte, daß es der Autor ist, der in seinen Projekten auf eine solche zu gehen hat. Er muß sich verwandeln und wachsen und alles, was er hat, nämlich wörtlich, hundert Prozent geben, gibt er nur 99, 9, dann ist es zu wenig und das erscheint mir eigentlich sehr gefährtlich, denn dann blutet sich der Autpor aus. Der leser ist vielleicht trotzdem nicht zufrieden und bricht das Buch ab, weil immern noch zu wenig Spannung und wir sind in irgenwelchen Galaxien und weit weg, vom Leben, wie ich die Literatur eigentlich schon verstehe.

So weit so gut und trotzdem sehr interessant, denn ich habe mir ja schon vorgenommen, vielleicht beim nächsten “Namowrimo” wirklich mehr auf die “Heldenreise” zu achten.

Mir eine Person und ein Thema zu nehmen und dann versuchen mich an Punkt für Punkt zu halten. Da befürchte ich zwar, daß das ganze kitschig oder zu mächenhaft phantastisch wird. Mal sehen.

Daß ich die Magdalena Kirchberg nicht umarbeiten kann, war mir von vornherein schon klar. Es vielleicht doch noch ein ganz klein wenig spannender bekommen, wenn ich die einzelnen Stränge nacheinander korrigere und mir nächste Woche noch das nächste Video, bevor Jurenka Jurks dreiwöchiges Seminar beginnt, ansehen und, daß ich mich an die Gliederungen halten sollte?

Theoretisch ja, aber die habe ich auch in der Schule erst immer im Nachhinein gemacht und eine Vorausplanerin, vielleicht a la Schneeflockenmethode, will ich eigentlich auch nicht sein. Sondern schon, wie bisher, eine Idee, eine Person nehmen und mich dann spontan weiter von Szene zu Szene, am besten immer ein paar Szenen im Voraus zu entwickeltn und da habe ich bei meinen Texten oft nicht die großen Katastrophen und auch nicht großen Gegenspieler, sondern, die kleinen Alltagskrisen und meistens geht es irgendwie auch gut aus.

Auch wenn die Veronika Sieberer im “Im Namen des Vaters” am Ende stirbt, ihre Tochter bekommt da auch noch eine Tochter und das ist auch ein Buch, wo ich mir die “Heldenreise” noch am ehesten vorstellen kann. Aber sehr spannend, werden meine Leser vielleicht sagen, ist das auch nicht greworden. Aber da habe ich, glaube ich, auch keine Rezension bekommen und eine Leserunde habe ich damals noch nicht anzubahnen versucht.

Thomas Bernhard als Graphic Novel

Ich bin ja wie meine Leser vielleicht wissen, nicht mehr ein besonderer Thomas Bernhard Fan, früher einmal hat mich seine Sprachgewalt auch sehr fasziniert und ich habe vor allem, die Romane gelesen, jetzt ist er mir zu negativ, aber Thomas Bernhard als Graphic Novel, das klingt auf jeden Fall sehr interessant, weil man sich das auf den ersten Blick wahrscheinlich gar nicht so vorstellen kann.

Obwohl Nicolas Mahler hat vor zehn Jahren schon damit angefangen und die “Alten Meister” und die den “Weltverbesserer” gezeichnet, das ist aber ziemlich an mir vorbeigegangen und heute hatte ich eigentlich vor ins “Literaturmuseum” zu gehen, als ich dann aber die Ankündigung von Lukas Kummer Graphic Novel “Die Ursache” kommentiert von Michael Stavaric in der “Alten Schmiede” sah, habe ich, obwohl ich eine sechs Uhr Stunde hatte und das sich bezüglich “Alte Schmeide” nicht sehr gut ausgeht, um sieben Uhr dort zu sein, umdisponiert, denn das hat mich irgendwie neugierig gemacht.

Ich bin natürlich zu spät gekommen, meine kritischen Leser werden wieder aufstöhnen und “Wieso machen Sie das?”, schreien, ist aber oben schon erklärt und als ich beim “Morawa” vorbeigekommen bin, habe ich noch bemerkt, daß dort offenbar “Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung” präsentiert wurde, ein Buch das ich noch heuer lesen werde, weil um meinen Geburtstagsgutschein eingelöst.

Im Schmiedessaal war es dann erstaunlich düster, ich bin hinter zwei jungen Mädchen hineingehuscht, habe auch meinen üblichen zweite reihe Platz bekommen und Johanna Öttl hat gerade den1972 in Brünn geborenen Michael Stavaric interviewt, dessen Rolle bei dem Ganzen mir länger gar nicht so klar war.

Er hat aber etwas über seinen Zugang zu Thomas Bernhard erzählt und dann aus dem Originaltext zu lesen angefangen, der 1988 in Innsbruck geborene Zeichner ist stumm daneben gesessen. Auf der Leinwand dahinter wurde das vor ihm liegende Blatt demonstriert. Er hat aber erst nach einigen Minuten zu zeichnen angefangen und da, wie er später erklärte, die Silhoutte eines sehr fiktiven Salzburgs gezeichnet, denn so beginnt der erste Teil von Thomas Bernhards Autobiografie, von der ich jetzt gar nicht sicher bin, ob ich das Buch gelesen habe oder nicht und Michael Stavaric hat vorher die Musikalität des Textes gelobt, die seine Qualität ausmacht, denn  ohne die spezielle Sprache würde nur die Salzburg Beschimpfung überbleiben. Die war natürlich enthalten und wechselte dann bald über in das Internat in der Schrannengasse, in den grauslichen Schlafsaal und die Schuhkammer wo der Zögling Bernhard  Geige üben mußte und dabei immer darber nachdachte, ob er sich nicht erhängen solle?

Dann ging es über zu den Bombenangriffen und den Stollen und da kam dann Lukas Kummer in die Leserolle,  hat dann seine Textkürzung rezitiert und die die Zeichnungen dazu gezeigt.

Später gab es noch ein Gespräch zu der Entstehungsgeschichte und eine Diskussion darüber, was eine Graphic Novel ist, Michael Stavaric erklärte, daß man das nicht wüßte und in “Wikipedia” nur etwas von Erwachsenen, Bildern und komplexen Inhalten stünde.

Für mich wäre es wahrscheinlich ein Comic für Erwachsene, für Lukas Kummer dagegen nur ein längerer Comic in Buchform, sehr interessant.

Michael Stavaric wies dann noch auf einige Graphic Novels hin, die er empfehlen würde und ich habe im Laufe meines Lese- beziehungsweise Bloggerlebens auch einige wenige gelesen, verweise auf “Irmina”, das über den dreißigjährigen Krieg, das auch von Lukas Kummer gezeichnet wurde und dann natürlich die “Holzbaum- Gestaltung” der “Letzten Tage der Menschheit”.

Man konnte sich das Buch auch kaufen und der Erste, der das tat hat, dann noch die im ersten Teil entstandene Zeichnung dazubekommen.

Ich denke aber, Thomas Bernhard als Graphic Novel ist sicher interessant, aber wenn würde ich wahrscheinlich das Iriginal vorziehen und in die G.N nur hineinsehen. Michael Stavaric hat es als Einstiegslektüre empfohlen. Das kann ich mir aber eigentlich nicht sehr vorstellen und mich würde natürlich interessieren, was der Meister dazu sagen würde?

Aber das ist ja eigentlich  klar, denn es hat ja das Testament: “Weder von mir zu Lebzeiten veröffentlichten noch nach meinem Tod gleichwo immer veröffentlichten Nachlaß darf auf die Dauer des gesetzlichen Urheberrechtes etwas von mir geschriebenes in welcher Form auch immer aufgeführt, gedruckt oder auch nur vorgetragen werden…”, gegeben, das allerdings nicht sehr beachtet wurde.

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns “Wie hoch die Wasser steigen” doch auch für den “Preis der Leipziger Buchmesse” nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im “Gellert” in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

Stefan Zweig Forschung

Ich habe mich ja als ich “Nicht berühren” geschrieben habe, mit dem 1881 geborenen und 1942 aus dem Leben geschiedenen “Ich grüße alle Freunde, mögen sie die Morgenröte noch erleben nach all der Nacht. Ich allzu Ungeduldiger gehte ihnen voraus“, Stefan Zweig berschäftigt und im Zuge meiner Recherche mich ziemlich gründlich durch sein Werk gelesen und hatte da noch die Ö1 Sendung im Ohr, wo eine Literaturgeschichte >Österreichs vorgestellt und erklärt wurde, daß man statt Stefan Zweig und Peter Rosegger  Franz Michael Felder hineingenommen hätte, etwas, was sich, glaube ich, durch den Film “Vor der Morgenröte” oder auch so geändert hat, jedenfalls hat die “Gesellschaft für Literatur” immer Stefan Zweig Veranstaltungen, es gibt in Salzburg das Stefan Zweig Center und im Salzburger Literaturarchiv, das ich einmal mit dem Alfred und der Margot Koller besucht habe, hat man mir sogar eines seiner Notizbücher gezeigt.

Stefam Zweig der Vielschreiber und Vielgereiste, der in den Zwanzigerjahren in Deutschland sehr berühmt wurde, bevor er sich 1942 im Brasilianischen Exil das Leben nahm, ist wahrscheinlich immer noch umstritten.

“Die Welt von Gestern” halte ich ein großartiges Buch, “Die Ungeduld des Herzens,”, die Novelle die“Gouvernante”, “Amok” weniger und auch die “Schachnovelle” hat mich eigentlich nicht so vom Sessel gerissen, wie auch seine Biografien, wo ich “Maria Antoinette und “Fouche” gelesen habe.

Eine ganze Menge eigentlich,  sein Werk hat mich sehr beeindruckt und ich halte ihn für einen großen Dichter, ob er homosexuell, ein Spanner und Exhibitionist war, wie behauptet wird, ist mir eigentlich egal und geht uns, wie ich finde nichts an und heute wurde in der “Gesellschaft” von Clemens Renoldner den Zweig Experten und noch Leiter des Centers ein tausendseitiges Handbuch vorgestellt, das um etwa zweihundert Euro käuflich zu erwerben war.

Clemens Renoldner der bisherige Leiter und Arturo Lacariti, der künftige haben es mit noch anderen herausgegeben und dazu auch junge Literaturwissenschaftler und auch ältere wie Evelyne Polt-Heinzl und Alexandra Millner aufgefordert, einen Beitrag dazu zu schreiben.

Clemens Renoldner hat in das Werk eingeführt, was mich zu denken veranlaßte, daß man sich den Kauf des Jandbuches, wenn man die “Welt von gestern” gelesen hat, eigentlich ersparen kann, was wie ich denke, ein Kompliment ist, die Herausgeber, die einem das Monsterbuch an Herz legten. aber wahrscheinlich schmerzt.

Clemens Renoldner hat in das Inhaltsverzeichnis eingeführt und zwei Originaltexte gelesen, dann wurde viel gefragt und dieskutiert. Im Publikum scheinen sich auch die Zweig Experkten befunden zu haben. Es wurde erwähnt, daß Zweig erst in der letzten Zeit von den Literaturwissenschaftlern anerkannt wurden, weil er früher wahrscheinlich weder links noch rechts genug war und außerdem im Nachkriegs Wien nicht mehr vorhanden, aber immer viel gelesen wurde. Er hat Wien gehaßt und sich auch nach Salzburg zurückgezogen. Sein Nachlaß ist überall verstreut, wurde zum Teil aber vom Literaturarchiv Salzburg aufgekauft.

Nachher gabs es Wein und Käsecräker, ich habe mich mit Helene Hofmann unterhalten und das zweihundert Euro Buch wurde natürlich nicht gekauft. Ich denke aber, wenn man die “Welt von gestern” liest kann man es sich wahrscheinlich sparen. Denn dann hat man den Originalton, obwohl die jungen und älteren Literaturwissenschaftler wahrscheinlich gründlich recherchieren und wahrscheinlich auch alles besser wissen, die Veranstaltung war aber ohne Zweifel interessant.

Der Tag endet mit dem Licht

Jetzt kommt wieder ein Buch von der Herbstleseliste, eines das nicht auf der dBp oder der öst, wohl aber auf der Bloggerdebutliste, wo ja bald die Shortlist bekanntgegeben wird, steht und eines das mich sehr verwirrte und etwas ratlos zurückließ.

Wird das dünne hundertneunzig Seiten Büchlein des1986 in Bonn geborenen Denis Pfabe, der die “Bayrische Akademie der Sprachkunst” besuchte, doch bei “Amazon” hoch gelobt und auch Katja Lange- Müller hat “konzentriert, bildstark und kein Wort zu viel. Die enorme Spannung, die sich in diesem Roman von der ersten Seite an aufbaut, verdankt sich Denis Pfabes stilistischen Minimalismus”, auf den Buchrücken geschrieben.

Etwas was sich auch bei den “Amazon Rezensenten” wiederfindet, daß sie die sowohl die Konzentration und die Spannung loben, aber mir war es wohl zuviel an Konzentration, so daß ich von der Spannung wahrscheinlich nicht viel mitbekommen hatte, hatte ich ja große Mühe, die ineinanderverschlungenen und meiner Meinung nach sich  auch widersprechenden Handlungsebenen zu verstehen.

Es geht, um eine Texilkünstlerin, die nur ein Auge und keinen Vater hat und die in den Achtzigerjahren, glaube ich, einem exentrischen Künstler, als Assistentin durch die USA folgte, weil der dort für ein Kunstprojekt Häuser zersegen und die Fenster nach Europa bringen lassen wollte.

Dazu brauchte er ein Team von ungehobelten Arbeitern mit denen die junge Frau, die vom Meister einen Packen Geld bekam, verhandeln sollte. Es gibt auch einen nicht anwesenden Galeristen und der Meister verschwindet immer wieder irgendwohin. Ansonsten schmeißt er mit dem Geld herum, verlangt von den Arbeiter unverständliche Dinge und die junge Frau bekommt von ihnen gesagt, daß sie ihnen, als Frau nichts anzuschaffen habe.

Ein legendärer Entführungsfall aus den Dreißigerjahren spielt auch eine Rolle und das konzentrierte Buch wird immer wieder durch Zeitungsnotizen oder Katalogeinträge, die auf das Werk des Meisters   hinweisen, unterbrochen.

Sein Lebenslauf wird auch erwähnt. Er, Adrian Ballon, wurde in den USA geboren, kam dann mit seinem Vater nach Deutschland. Jetzt kehrt er wieder in die USA und an den Ort Paradise zurück, wo er sich schließlich in seinem Ferrari erschießt, nicht ohne Frieda Beier vorher mitzuteilen, daß sein Vater eigentlich auch der ihre war und sein Vater ist auch am Tod seiner kleinen Schwester schuld.

Man sieht, da geht es weg von der Konzeptschuld. Es geht um Schuld und Sühne und hat vielleicht nicht mehr soviel mit Konzeptkunst zu tun. Es geht aber auch um Zerstörung, denn das ist  wohl auch das große Thema des Debutroman und am Ende führt die Texilkünstlerin das Werk des Meisters weiter und ich muß gestehen, daß ich das Buch nicht wirklich verstanden habe.

Wahrscheinlich hat es mir auch nur nicht gefallen, während in den Rezensionen, die ich gelesen habe, die dichte Zeichnung des Roadmovies, man könne sich das “staubige heiße Texas” bildlich vorstellen, erwähnt wird und da fällt mir ein, daß ich vor kurzem ein anderes Roadmovie gelesen habe, wo es auch durch Amerika gegangen ist.

Hysteria

Nach den österreichischen Buchpreisbüchern und der “Buch-Wien”, die mich letzte Woche intensiv gebeutelt haben, geht es wieder zurück zum dBP und den letzten vier Büchern, die ich da noch zu lesen habe, also Buch fünfzehn, das mit dem berühmten Satz, der wahrscheinlich nicht nur Klaus Kastberger, dem Grazer Literaturhausleiter und Bachmannjuror, beginnt “Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.” gefällt, da ich ihn mehrmals auf seiner Twitterseite gelesen habe.

Ein Longlistbuch mit der  1966 in Frankfurt geborene Eckhart Nickel im vorigen Jahr in Klagenfurt gelesen hat und es ist, kann ich gleich verraten oder spoilern ein widersprüchiges Buch, dem man wahrscheinlich nicht gerecht wird, wenn man es nach der ersten Seite auf den Misthaufen schmeißt und hofft, daß dann etwas Biologisches daraus entsteht.

Denn darum geht es. Um eine Welt in der alles künstlich ist, eine Dystopie, die in einer Zukunft spielt, in der Alkohol verboten ist, man nur noch an bestimmten Tagen Autofahren kann und man wenn man sich berauschen will, in eine Armomabar geht.

Man kann nur mehr Kulinarik studieren und das tat der hypersensible Bergheim auch. Er geht auf den Markt, sieht, daß die Himbeeren im Schälchen künstlich sind und die Tiere, die dort auch verkauft werden, nicht mehr bluten. Das führt ihn zu der Farm, wo die Früchte erzeugt werden und von dort ins kulinarische Institut, beziehungsweise in eine Baumschule, wo seine Jugendliebe Charlotte inzwischen Direktorin ist.

Das wird sehr unheimlich erzählt. Überall ist es dunkel. Bergheim fühlt sich übermacht und man könnte denken, daß das Buch eher “Paranoia” heißen sollte. In dem Institut wird er, obwohl er sich nicht angemeldet hat, vom Assistenten gleich erwartet, Charlotte ist per “Sie” mit ihm und tut, als würde sie ihn nicht kennen und seltsame Schreie ertönen auch von überall her.

So begibt sich Bergheim auf die Suche in dem Institut und kommt in ein Badezimmer, das offenbar Charlotte gehört und man könnte sich fragen, wieso gibt es in einer Baumschule ein solches mit intimen Gegenständen? Und mit Hilfe eines solchen setzt sich Bergheim nun in die Vergangenheit zurück und ich war die nächsten Kapitel sehr verwirrt, denn jetzt geht es plötzlich in eine Buchhandlung, in ein Antiquariat eines Herrn Weiss und das hat dann nichts mehr mit dem bedrohlichen Zukunftsszenarieum zu tun, sondern klingt liebevoll altmodisch. Die Assistentin dekoriert die Schaufenster im Sinne E. T. A. Hoffmanns und ich habe die Liebe zu Büchern hinausgelesen, nur gedacht, wie passt das jetzt zusammen?

Bergheim hat mit Ansgar und Charlotte Kulinarik studiert, ließ seine Abschlußarbeit bei Herrn Weiss der später Schöpfer heißt und einen Copyschop betreibt, wo das Papier allerdings handgeschöpft hergestellt wird, besucht mit Charlotte eine Aromoabar und als er in seinem Gang durch die Vergangenheit soweit ist, kommt Charlotte ins Badezimmer, reißt ihn heraus, nennt ihn jetzt wieder “du” und sagt, keiner darf merken, daß er im Badezimmer war, denn die Führung durch das Institut geht weiter. Sie wollen in den Keller, wo alle Künstlichkeiten hergestellt werden. Geht aber nicht, die seltsamen Schreien hindern sie daran. Also zuerst zu einem künstlichen Goumetabendessen. Vorher fliegt Bergheim aber eine künstliche Fliege ins Auge und als er, weil ihm die Schreie weiter irritieren, in den Keller stürzt, findet er dort die “Herrin der Fliegen”, vom künstlichen Fliegenschwarm überfallen und halbzerfessen. Kann sie gerade noch retten und am nächsten Tag, als er mit den ersten Autobus in die Stadt zurückfährt, kommt er zerraufft und zerrissen am Markt an, schnappt sich dort ein Schild, schreibt sowohl “Fleisch”, als auch “falsch” darauf und stellt sich so zur Schau, was die Passanten beruhigend zu ihren Kindern sagen läßt “Nicht hinschauen, das ist nur ein Wirrkopf!”

Also doch ein tolles Buch, obwohl ich das am Anfang nicht so gemerkt habe.

Selbstbild mit russischen Klavier

Weiter gehts mit der allgemeinen Literatur, wir bleiben in Österreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort.

Das Letzte das ich vor neun Jahren von ihm gelesen habe, “Mozarts Friseur” spielt auch dort und es ist mir beim Lesen ein wenig seltsam gegangen. Denn eine sehr schöne poetische Sprache führen durch die Kapitel und das Buch, in dem es um einen Schriftsteller oder ein Ich, das wird gar nicht so so genau erklärt, geht, der in einem Wiener Kaffeehaus oder eigentlich ist es die Pizzeria “La Gondola” am Siebenbrunnenplatz, einen alten russischen Musiker namens Suvorin trifft und der eine erzählt, daß der andere ihm sein Leben erzählt.

Beides in der Ich-Form, so daß es gar nicht so leicht ist, die Erzählebenen zu unterscheiden und sich auszukennen und Handlung hat das Buch ebenfalls eigentlich keine. So daß ich zwar nicht soviel spoilern kann, aber vielleicht wieder eine Rüge bekomme, daß ich wesentliche Dinge ausgelassen mich nur im Details festgehalten habe.

Es ist ein leichtes lockeres Plaudern über Gott und die Welt könnte man so sagen und manchmal ist es auch ein Geschimpfe, beispielsweise über Wien, daß dort die Post zwei Wochen braucht, um Briefe zuzustellen und, daß die Fenster in den Wohnungen so zügig sind, daß man mit Westen schlafen muß.

Das betrifft, denke ich, höchstens die Altbauwohnungen und es ist in gewißer Weise auch ein “altmodisches Buch”, das viel von Musik handelt, denn jener Suvorin, ein alter kranker, ich glaube auch ungepflegter Mann, dem die Ärzte das Trinken und das Rauchen verboten haben, war ein, ich glaube wieder, berühmter Pianist, der das Klavierspielen längst aufgeben mußte, aber immer noch von Bach, Beethoven und Heinrich Schiff schwärmt.

Sehr beeindruckt hat mich, um bei den Details zu bleiben, die Stelle, wo der Musiker, “in Wien habe man das Gefühl, daß es nur zwei Sorten Russen gebe, Millionäre und Musiker”, wird zitiert,  den Applaus nach einem Konzert haßt. was ich verstehen kann, daß das einen sensiblen Menschen irritieren kann, wenn er sich in seine Musik vertieft und dann auf einmal geht der Lärm und das Geklatsche, das Bravo rufen los. Das kann einen wahrscheinlich  aus der Stimmung herausreißen. Deshalb will er es bei seinen Konzerten verbieten lassen, was wohl möglich ist, beim “Parsifal” darf man das eigentlich auch nicht und der Pianist könnte es auch am Anfang sagen oder ins Programmheft drucken lassen, aber im Arbeiter- und Bauernstaat der SU, wo Savorin herkam, war das nicht möglich und da besuchten ihn auch die Funktionäre und ließen ihn wissen, daß das von der Obrigkeit nicht erwünscht ist.

Schostakowitsch hat ja unter der Wilkür Stalins sehr gelitten und unser Held war acht, als der gestorben ist. Die Funktionäre hat es aber noch immer gegeben, so hatte er Fluchtgedanken, wünschte sich nach San Remo oder stellte sich vor, daß er ab nun mehr nur unbeliebte Musik spielen würde, denn dann klatscht man nicht.

Er war auch verheiratet und hatte zwei Kinder und unter dem Tod seiner Frau sehr gelitten. Jetzt sitzt er allein in Wien, darf nichts mehr trinken und rauchen und sitzt offenbar die ganze Zeit bei einem Glas Wasser oder höchstens einer Melange in dem Cafe oder geht mit dem Schriftsteller auch manchmal die Margaretenstraße hinunter, was ich sehr spannend finde, weil ich ja in diesem Bezirk wohne und die Protagonisten in meinen Büchern, das auch manchmal tun und ich mir auch die Frage stellte, ob Wolf Wondratschek vielleicht ebenfalls in diesem Bezirk wohnt?

Der Musiker verschwindet gegen Schluß und der Schriftsteller muß  ihm suchen, geht aus diesem Grund sogar aufs Friedhofsamt und läßt sich von einer netten Dame dort erklären, daß er nicht gestorben ist, aber die Rechnung für sein Grab nicht bezahlt hat.

So überlegt er, die nette Dame nach der Adresse zu fragen, tut es dann nicht und der alte Musiker war ein Ansichtskartensammler und hat von seinen Reisen, die er ins Ausland machen durfte, immer einige mitgebracht, aber nie solche geschrieben.

Von solchen Details lebt das Buch, das eigentlich kein wirklicher Roman ist, sondern ein leichtes lockeres Geplauder mit  vielen Details in schöner Sprache. Philosophische Gedankensplitter könnte man fast sagen und es liest sich einerseits leicht, andererseits wieder für eine, die gewohnt ist, die Handlung zusammenzufassen, wieder nicht.

“Kann man gott zum Lachen bringen?” lautet so einer dieser philosophischer Gedankensplitter, die sogar am Buchrücken stehen.

“Wer gefallen will, hat auf einem Konzertpodim nichts verloren”, ein anderer und so geht es durch das  Buch und durch das Leben des alten kranken russischen Suvorin. Wahrscheinlich auch durch das Leben von Wolf Wondratschek und ich habe ein interessantes Buch mit interessanten Fragen gelesen und bleibe am Schluß noch am Einstiegsmotto “Weiß der Zufall was er will?”, hängen und weiß auch hier die Antwort nicht.

Jahre später

Buch vierzehn des dBps und das war eine Überraschung, hatte ich mir ja von dem dritten Teil der Trilogie der 1958 in Ahrensburg geborenen Angelika Klüssendorf, sehr viel erwartet, ist sie doch schon mit Teil eins “Das Mädchen” und Teil zwei “April” jeweils auf der Shortlist des DBps gestanden.

Das Buch wurde überall hoch gelobt, manche sahen in  der Frühjahrsneuerscheinung auch das Preisbuch. Es kam aber nicht auf die Shortlist und ich stellte fest, daß es schwer ist, in den dritten Teil einzusteigen und hätte mir wahrscheinlich leichter getan, wenn ich die zwei anderen Bücher gekannt hätte, aber 2011 und 2014 habe ich noch nicht Buchpreis gebloggt, so blieb ich etwas überrascht, wenn nicht enttäuscht zurück, denn ich schreibe es gleich, ich bin in das Buch nicht hineingekommen, habe es vielleicht auch nicht verstanden, auf jeden Fall aber den großen literarischen Wert nicht erkannt, ließ es mich doch eher verwirrt zurück.

Der erste Teil, entnehme ich dem Klappentext oder dem, was ich schon vorher gehört habe, handelt vom schwierigen Aufwachsen eines Mädchensj in der ehemaligen DDR, das heißt April, wie auch im zweiten Teil das Aufwachsen und das Entwicklen zur Schriftstellerin beschrieben wird, aber eigentlich behandelt, es das Leben der Autorin und bei einem Interview mit Dennis Scheck habe ich sie sagen gehört, daß das fiktive Ich natürlich nicht sie selbst, sondern eine Kunstfigur ist. Angelika Klüssendorf war jedenfalls mit Frank Schirrmacher, dem berühmten Journalisten, verheiratet und in “Jahre später” lernt April, die inzwischen einen Sohn namens Julius hat, was wahrscheinlich in Teil zwei beschrieben wurde, bei einer Lesung einen seltsamen Mann, sie schreibt von einem “Kindergesicht” kennen, einen Chirurgen namens Ludwig, kennen, den sie dann heiratet.

Das hundertfünzig Seiten schmale Büchlein schildert nun, ich gebe es zu, in poetisch schönen Skizzen, die Ehe der beide, die scheitern mußte, weil sie beide sehr schwierige Persönlichkeiten sind. Ich habe sie aber eher seltsam und auf jeden Fall unrealistisch empfunden und das ist ja etwas, mit dem ich bekanntlich Schwierigkeiten habe, so daß ich eine eher unangenehme Überraschung erlebte.

Denn mir wurde nicht klar warum die Beiden heiraten. Sitzt sie doch bald nach ihrer Hochzeit vereinsamt in der großen Wohnung und hat die Geister von den Filmen, die sie sich am Abend mit ihrem Chirurgengatten ansieht in der Küche.

April zieht mit ihrem sohn, zu dem sie auch eine schwierige Beziehung hat, von Berlin nach Hamburg, dann wieder nach Berlin zurück. Der Chirurg mit dem Kindergesicht ist auch seltsam. Die Beiden machen seltsame Sachen, zum Beispiel Kollegen des Arztes mit verstellter Stimme anrufen. Der Sohn zieht dann zu seinem Vater. April wird nochmals schwanger. Die Ehe geht schief und am Schluß beginnt sie offenbar ihre Geschichte aufzuschreiben und das Buch endet mit dem Satz mit dem Buch eins begonnen hat.

Dennis Scheck und andere waren von dem Buch begeistert, aber das habe ich schon beim Buchmessensurfen festgestellt, daß sich mein und sein Geschmack offenbar unterscheiden. Ich habe die literarische Qualität nicht entdeckt und weil ich mir wahrscheinlich zu viel erwartet habe, war ich nachher auch enttäuscht, bin aber gespannt, ob ich Buch eins und zwei auch noch finde und da zu einem anderen Ergebnis kommen werde?

Revolutionsworkshop mit Antiquariatsbesuch

Ich besuche dieses Semester ja in der “Dokumentationsstelle für ost – und mitteleuropäische Literatur” bei Stephan Teichgräber das “Workshop” “Die Revolution in der Literatur”, vorher war der utopische Roman, die Partisanenliteratur und die Literatur des Centropes daran, inwischen bin ich wieder die einzige Teilnehmerin, also ein sehr intimes Privatissimum und vorgeschlagen wurden von Stephan Teichgräber Alfred Döblin Tetrlogie “November 1918” und Alexej Tolstoi Romantrilogie “Der Leidensweg”.

Wir haben in der ersten Stunde, als noch die Ruth anwesend war, diskutiert welche Bücher wir noch einbeziehen können und ich bin dann auf Csokors “3. November 1918” beziehungsweise auf den Loibelsberger- Krimi “Schönbrunner Finale” gestoßen, denn wir haben ja in Österreich ein Jubiläumsjahr mit hundert Jahre Republik am zwölften November.

Da ist in der “Edition Tarantl” auch ein neues Buch herausgekommen “November 1918 in der österreichischen Literatur”, das ich aber nicht habe und wegen der “Buch-Wien” auch nicht zur Präsentation in die “Libreria Utopia-Buchhandlung” am achten November gegangen bin.

Es ist auch nicht so ganz klar, wie weit die Republiksgründung mit der Revolutio  zu tun hat und  bisher haben wir auch eher das erste Kapitel von Döblins “November” analysiert, was Stephan Teichgräber ja sehr, mir etwas weniger wichtiger ist, nach den Metaphern zu suchen, sie zu benennen und dann Stammbäume mit ihnen aufzuzeichnen. Aber gut, ich habe ja nicht Germanistik studiert, sondern bin an der Literatur eher von der schreibenden Seite her interessiert.

Letzte Woche hat mir Stephan Teichgräber schon vorgeschlagen, mir die zwischen 1920 und 1940 erschienene Trilogie von Alexei Tolstoi, nicht zu verwechseln mit dem Lev, aber der 1882 geborene und 1945 gestorbene, ist irgendwie schon mit ihm verwandt und ein Graf war er ebenfalls. Wenn er sich dann später auch an Stalin anpasste, zu besorgen, aber wenn das Buch in den Vierziger- oder Fünzigerjahren erschienen ist, dann gibt es es nur mehr antiquarisch oder ich finde es rein zufällig in den Bücherschränken, wofür es mir aber zu speziell erscheint, so daß es ein großer Zufall wäre.

Stephan Teichgräber konnte es mir auch nicht kopieren, denn er liest ja immer die Originalausgabe, also haben wir das letzte Mal gesprochen, wie ich es bekommen könnte?

Es könnte mir jemand zum Geburtstag schenken, habe ich gewitzelt oder im Internet antiquarisch bestellen, wo es nur ein paar Euro kostet, was aber etwas ist, worin ich wenig Erfahrung habe.

Die letzte Woche war dann auch sehr hektisch, bin ich doch vom Seminar gleich zur “Buch-Wien” gefahren und dort gab es zwar ein paar antiquarische Stände, wo man seine Bücher schätzen lassen konnte und einen diesbezüglichen Vortrag hat es auch gegeben, aber keinen Alexej Tolstoi und dann bin ich mit der Margot Koller an der Buchhandlung in der Margaretenstraße, gleich der Kongasse gegenüber vorbeigegangen, die, glaube ich, ein Antiquariat ist und habe da gesehen, jedes Buch kostet nur drei Euro. Also ein totaler Abverkauf. Da war am Samstag  keine Zeit hineinzugehen. Am Dienstag ist es mir wieder eingefallen. Ich bin hingegangen und habe erfahren, daß der “Chef” gestorben ist und sein Freund, das Geschäft für ihn auflöst. Zwei Bücher habe ich gekauft, aber keinen Alexei Tolstoi, da war das einzige Buch das es gegeben hat, schon weg.

Aber Stephan Teichgräber ist sehr hartnäckig und hat für mich heute ein anderes Antiquariat in der Margaretenstraße angerufen, offenbar ein besser bestücktes, denn sie hatten die drei Bände. Sie kosteten vierundzwanzig beziehungsweise zwanzig Euro und weil ich  eine Sparefrohin bin, hat Stephan Teichgräber die Bände für die Dokumentationsstelle besorgt und sie sind sehr schön. Eine Ausgabe aus den Fünfzigerjahren, in Moskau im “Verlag für fremdsprachige Literatur” erschienen.

Jetzt hätte ich also sehr viel zu lesen. Interessant ist dabei, daß die russische Ausgabe viel dünner ist. Sie ist in einem einzigen Band enthalten. Wenn ich nicht so eine lange Leseliste hätte und noch fast dreißig Neuererscheinungen in diesem Jahr auf mich warten, was schon nicht zu schaffen ist, mich dann durch den hier fast vergessenen Dichter zu lesen?

Ich weiß nicht, ob ich das will und ob ich das schaffe. Wartet ja auch ein neuer Vladimir Sorokin unter anderen interessanten Büchern auf mich und von der deutschen Buchpreisliste lese ich gerade Buch fünfzehn und habe noch drei weitere auf meiner Liste.

Nun ja und gut, aber sehr interessant mich einmal ein bißchen in die Welt des Antiquariats einzulassen, die für mich ja etwas sehr Fremdes ist, wenn man nicht die Bücherschränke auch als ein solches betrachten will und ich auch sehr alte Bücher in meinen Regalen habe, in diesem Jahr aber fast nur Neuerscheinungen gelesen habe.