In die “Gesellschaft” zu Punsch und Keksen

Die “Leseauslese” in der “Gesellschaft für Literatur” wo Katja Gassner und Cornelius Hell jeweils zum Jahresende bzw. zum Saisonschluß ihre Lieblingsbücher vorstellen und dann mit Punsch oder Bowle gefeiert wird, gibt es. wie Manfred Müller erklärte nun schon seit zehn Jahren und ich bin glaube ich im Sommer 2010 eher zufällig dorthin gekommen, weil ich Buchempfehlungen ja eigentlich nicht mag und bin dann im Winter eher gezielt dorthin gegangen, um dem “Geflüster” einen adventlichen Touch zu verleihen.

Seit einigen Jahren gehe ich jetzt kann man sagen gezielt und der Bücher wegen hin und so hatte ich im vorigen Advent zwei noch ungelesene der vorgestellten auf meinem Badezimmerstapel, diesen Juni habe ich mir zwei bestellt und denke immer noch, ob ich das nicht vielleicht auch bei dem Ungarn tun hätte sollen und jetzt hatte ich schon zwei gelesen, das deutsche und das österreichische Buchpreisbuch und ich muß sagen, das sind die zwei, die mir gar nicht so sehr gefallen haben.

Mein Bücherranking kommt, das kann ich gleich verraten, am neunundzwanzigsten Dezember, da habe ich jetzt schon siebzehn Bücher auf der Liste von den wahrscheinlich hundertsechzig gelesenen und von den heutigen Buchempfehlungen waren mir wieder einge völlige unbekannt. Von einigen habe ich schon etwas gehört, zwei wie schon erwähnt, gelesen und begonnen hat es natürlich mit dem berühmtesten und auch dem dicksten Buch, nämlich den “Jakobsbüchern” der “Nobelpreisträgerin” von 2018 von der habe ich ja noch den “Gesang der Fledermäuse” auf meiner Leseliste, was mir “Schöffling un Co” freundlicherweise schickte “Annain den Katakomben” in den Regalen, die “Jakobsbücher” ein historischer Roman, der das Polen des achtzehnten Jahrhunderts schildert, wurde aber von Katja Gassner und Cornelius Hell sehr empfohlen.

Dann ging es weiter mit Lars Saabje Christensen “Die Spuren der Stadt”, ein mir vollkommenen unbekannter Norweger, aber vom Gastland Norwegen habe ich ja gerade Jon Fosses “Der andere Name” gelesen und war zu meiner Überraschung sehr begeistert.

Es folgte Nora Bossongs “Schutzzone” der vereinte Nationen Roman, der Katja Gassner sehr begeistert, mir eigentlich weniger gefallen hat und dann die “Budapester Überschreitungen”, des kürhzlich verstorbenen Janos Terey, der  bei Stephan Teichgräbers Festival gelesen hat und das jetzt bei “Arco” erschienen ist.

Drago Jancars “Wenn die Liebe ruht”, habe ich auf der “Buch-Wien” ein wenig gehört und das Buch wurde von Katja Gassner, Manfred Müller und Cornelius Hell, als ein wenig kitschiges großes Liebesepos geschildert, das verfilmt werden sollte. Mal sehen ob das geschieht, ich habe Drago Jancar ja schon einige Male in der “AS” oder auch anderswo gehört.

Sophie Reyers “Mutter brennt” ist auf der Shortlist des Öst gestanden, ein sehr experimentelles lyrisches Buch, auch wenn mir wieder klar wurde, das ich nicht glaube, daß dieKinder nur eingebildet sind, weil man das sonst anders hätte schildern müßen, aber mystisch geheimnisvoll ist es wohl allemal und, daß Sophie Reyer auch Komponistin ist, war mir eigentlich nicht bewußt.

Ein Buch über Litauen kann bei dem Litauen-Übersetzer Cornelius Hell natürlich nicht fehlen. So wurde das bei “Wallstein” erschienene Gespräch zwischen Irena Veisaite und Aurimas Svedas “Ein Leben in Litauen” vorgestellt und wenn man dann noch Josef Winklers bei “Suhrkamp” erschienenen “Stadtschreiber von Kalkutta” dazunimmt, hat man sich wahrscheinlich durch einen sehr internationalen Bücherreigen gelesen.

Ich bin ja derzeit noch beim Schweizerlesen, bevor es an das “Bloggerdebut” geht, habe aber wieder einige Empfehlungen mitgenommen und mir natürlich wegen des adventlichen Flairs, das ich auch heuer wieder besonders genieße, mir den Punsch und die Kekse schmecken lassen.

Ottakringerisch im Cafe Amadeus

“Ottakringerisch ist mehr an das Milieu, als an den Ort gebunden, hat Franz Blaha heute im Cafe Amadeus in der Märzstraße im fünfzehnten Bezirk, wo ich auch schon gelesen habe, erzählt, als er das “Häferl”, da hab ich auch schon gelesen und nicht so besonders gefallen, vorstellte, diese Initiative für Haftentlassene, die er mehrere Jahre schreibwerkstättisch betreute und die sich von ihm immer ein Weihnachtsgedicht gewünscht haben.

Da ist dann “ds`weinochdn” entstanden, das ich voriges Jahr gelesen habe und heute eine Lesung im Cafe Amadeus veranstaltet von der Kulturinitiative Klopfzeichen, die, glaube ich, von Christian Schreibmüller, dem begnadeteten Slamer betreut wird. Der und Eugen Bartmer und noch ein paar Leute waren schon da, als ich das Cafe erreichte und Franz Blaha, den ich ja schon lange kenne, der auch bei den “Wilden Worten”, etcetera gelesen hat, gleich eine Einführuing in die Dialektik gab, das Ottakringerisch in und mit dem  er aufgewachsen ist und mir ist dieser Bezirk auch sehr vertraut, hat doch meine Großmutter in den sogenannten Jubiläumsbauten im dritten Stock mit Blick sowohl auf die Kirche am Steinhof, als auch auf die Tschauner-Bühne, dem ersten Wiener Stehgreiftheater gewohnt und ich selber in Hernals in der Wattgasse, in der Nähe zum achtzehnten Bezirks, daher auch im Krankenhaus währing geboren und meine andere Oma, hat in einem der schönen alten Gemeindebauten in der Hütteldorferstraße 150, gewohnt.

Man sieht die Bezirke sind mir vertraut, die Sprache eher nicht, hat meine Mutter ja auch das “Schönsprechen!”, von mir gefordert, so beherrsche ich den Dialekt wahrscheinlich nicht so gut, wie das H. C Artmann tat, der ja von Breitensee herkam und von Franz Blaha mehrmals erwähnt wurde.

Es begann zur Zeit passend mit einem Weihnachtsgedicht und endete auch mit einem solchen. Dazwischen gab es sehr viel Loalcolorit und auch sehr viel Hinterfotziges.

Der Greißler wurde erwähnt, der Eismann, der die Eisblöcke in die Kühlschränke brachte, der “Qui Qui” und der Einundzsiebzigjährige, der mit dem Einundsiebziger nach Simmering fährt und es war eine schöne literarische Alternative zu der “Alten Schmiede” und den jüdischen Weisheiten des Paul Chaim Eisenberg zu denen ich sonst wahrscheinlich gegangen wäre.

Dirk Stermanns Sprache und Brigitte Schwens-Harrants Essays

Im “Doml” hat es noch die letzten Kekse von der gestrigen Weihnachtsfeier gegeben und die gute Schokolade, die die Vortragende aus Kroatien mitgebracht hat, für die SPÖ-Weihnachtsfeier wurde auch eifrig hergerichtet und umgeräumt und ich habe mich mit Stephan Teichgräber wieder in die Gefilde von Dirk Stermanns “Hammer” begeben, was ein tolles Buch ist, was ich dem Kabrettisten gar nicht zugetraut habe. Ein tolles Buch mit einer tollen weitschweifigen Sprache, so daß man mit den Googlen gar nicht nachkommt.

Da waren ja erst die Berufe, der “Kotzenmacher”, der “Gubernialrat”, die “Wehenmutter”, etc, die sich Stermann wohl aus alten Archiven zusammenklaubte, dann ging es zu der Frage, ob “Das Kind zeriß ihr die Eingeweide”, eine Metapher ist?  ich denke eher, das sind die Gefühle einer Gebärenden, bis  hin zu den vielen Glocken, die es in St. Stephan gibt.

Ein tolles Buch und Stephan Teichgräber hat auch sehr viel gegooglet und die Zusammenhänge hergestellt, das ich mir nach dem ich die Lesung bei der “Buch Wien” hörte von Annas Geburtsgutschein bei Thalia in St. Pölten gekauft habe, aber höchstwahrscheinlich erst im Jäjnner lesen werde, wenn ich mit meine 2019 Rezensionsexemplaren fertig bin und dann ist es über den Umweg des “Wortschatzes”, wo ich zuerst die “Anna” hineinlegte und beim Rückweg tolle alte “bb-DDR”-Ausgaben gefunden habe, in die “Gesellschaft für Literatur” gegangen, wo der dritte Essayband vorgestellt wurde, den die 1967 geborene Feuilletonchefin der Furche und Literaturkritikerin Brigitte Schwens-Harrant gemeinsam mit Jörg Seip bei “Klever” herausgebracht hat “Mind the gap. Sieben Fährten über das Verfertigen von Identitäten” und das ist bestimmt ein spannenden Buch, obwohl mir lange nicht klar war, worum es dabei eigentlich geht?

Um die Identität ganz klar, das was man ist, aber eigentlich ist dabei um Ausgrenzung, Abschotten, Rassismus, etcetera gegeangen und “Mind the gap!”, was ich zuerst auch nicht verstanden habe, ist das was, man in der U- Bahn täglich hören kann, “Achtung, da ist eine Spalte!”

Wir haben eine Identität, aber offenbar können wir die nur haben, wenn wir die anderen nicht dazu lassen, so habe ich die “Sieben Fährten” und die Diskussion darüber verstanden, ist es doch um die Frage ob man mit Rechten reden soll?, gegangen.

ich denke, ja natürlich und habe es auch lange genug mit dem Uli versucht, bis er seine Kommentare geschlossen hat, herausgekommen ist aber nur ein Beschimpft worden sein und, um die Handke-Debatte, derzeit gerade besonders aktuell, weil der Nobelpreis, gestern an ihn vergeben wurde.

Der wurde in dem Buch noch nicht erwähnt, hat aber offenbar die Gemüter erregt und ehemalige Freunde zu Feinden gemacht, was ich nicht verstehe, aber schon sehr irritiert über die Diskussion im Literaturcafe, wo Malte Bremer ihm eine “Schlaftablette” nannte, war, sowie über Sasa Stanisic Reaktion bei der “Buchpreis-Verleihung”.

Aber, ich denke, es ist wahrscheinlich doch der Neid “Was der kriegt den preis, der ist doch….?”

Die Greta Thunberg-Beschimpfung, die man bei den rechten Videos hören kann, wurde nicht erwähnt, eher der Rassismus und da ist es in dem Buch zumindestens bei den Stellen die Brigitte Schwens-Harrant vorgelesen hat, eher, um die amerikanische Literatur Toni Morrisson, zum Beispiel und C T. Boyles “America” gegangen. Die sieben Fährten  sind “Liebe, Gender, Stadt,Hybride, Othering, Religion und Gast” und in jedem Kapitel kann man sich anhand der Literaturbeispiele abarbeiten und seine <meinung bilden und ich bin nach wie vor nicht ganz sicher, ob Identität wirklich etwas mit Ausgrenzung zu tun hat?

Zumindest nach meiner Definition nicht, aber natürlich grenzt man ständig jemanden aus, schon wenn man eine “Buchpreisliste” rangreiht tut man das oder mit dem berühmten Satz “Eigenverlag wollen wir nicht! Da kannst du nicht bei uns lesen!”

Aber das ist ein  anderes Kapitel und das “Miteinander statt Gegeneinander!”, ist vielleicht ein Weg hinaus.

Zuhören, Empathie und Wertschätzung! Dann kann man Peter Handke den “Nobelpreis” gönnen und braucht nicht seiner politischen Meinung sein, aber natürlich ist sehr viel Haß in der Welt, was ich nach wie vor sehr schade finde, weil ich ja eigentlich sehr harmoniebedürftig bin.

Philosophisches Forum und zehntes Nika-Fenster

Im Doml, der “Dokumentationsstelle für ost- und mitteleuropäische Literatur finden regelmäßige philosophische Foren statt, wozu mich Stephan Teichgräber zwar einlädt, ich aber noch nie hingegangen bin, weil zu speziell. Aber diesmal gab es anschließend die Weihnachtsfeier und da auch noch die sechs Uhr Stunde ausgefallen ist, bin ich hingegangen, weil ich mich ja auch ärgern würde, wenn ich einen Vortrag halte, wo niemand ist, aber anschließend die Leute zur Weihnachtsfeier auftauchen.

Bei der kroatischen Professorin Danijela Lugaric, die eigends aus Zagreb angereist ist, um ihren Vortrag  “Über den Kulturkapitalismus auf (post) jugoslawische Weise: Der Sozialismus und sein Anderes”, zu halten, sind aber Leute gekommen und die letzte Weihnachtsfeier hat im Doml, glaube ich, vor zwei Jahren am neunzehnten Dezember stattgefunden, da habe ich ein Adventkalenderfenster aus der “Nika” gelesen und heute gleich das zweite, nämlich

“Donnerstag, 10. Dezember

Als der Wecker klingelte und Nika aus ihren Träumen schreckte, rauchte ihr der Kopf und die Schläfen schmerzten. Da hatte sie gestern, als sie sich mit Harald Schwabeneder bei Ruth und Vera getroffen hatte, zuviel Wein getrunken und die Spaghetti, die Vera ihnen serviert hatte, waren auch sehr reichhaltig gewesen, so daß sie lange nicht einschlafen hatte können. Jetzt war es sieben, sie mußte aufstehen und danach trachten, halbwegs munter auf die Mariahilferstraße zu kommen.  Hatte aber keine Lust dazu. Nicht die Geringste war in ihr vorhanden,  sich im roten Anzug auf die Straße zu stellen und mit Herrn Widerlich zu streiten. Auch die schöne Perlenkette, die hinter dem Adventdalenderfenster zu sehen war, konnte sie nicht aufheitern.  Dabei war der gestrige Tag sehr intensiv gewesen. Das ließ sich nicht verleugnen. Hatte doch zuerst Ruth angerufen und sie für den Abend zu sich und Vera eingeladen. Dann hatte Harald sie abgeholt, ihr einen “Standard” mit einem seiner Gegenartikel übderreicht und ihr von einer Fernsehdiskussion erzählt, in der sich Andrea Herbst outen würde, die sie nicht versäumen sollten.

“Dann kommst du am Besten zu Ruth und Vera mit!”, hatte sie vorgeschlagen und Harald, der inzwischen sehr vertraut geworden war, einen Kuß auf die Stirn gegeben. Er hatte nichts dagegen und es war ein schöner Abend geworden. Veras Knoblauchspaghetti hatten hervorragend geschmeckt. Der Rotwein, den Ruth ihr eingeschenkt hatte, hatte das auch getan. Nur leider schien sie zuviel davon erwischt zu haben, so daß der Kopf schmerzte, während sie gestern nichts davon gespürt hatte.

“Schauen wir uns an, was Andrea Herbst darüber zu sagen hat, daß Frau Miletic sie in meine Praxis gehen sah!”, hatte Vera vorgeschlagen und den Fernseher aufgedreht.

“Ich habe sie nicht gesehen und auch nicht bestellt! Als Kronauer geläutet hat, ist sie nicht dagewesen und ich habe sie auch nicht am Gang bemerkt!  Ich habe zwar einen automatischen Türöffner und es kommt auch vor, daß ein Klient zu früh kommt und im Vorraum auf seine Stunde wartet! Als ich Kronauer hinausbegleitet habe, ist niemand auf den drei Wartestühlen gesessen. Ich habe mich verabschiedet, bin ins Büro gegangen, um meine Dokumentation zu machen und die Praxis dann verlassen. Am Klo habe ich, wie erwähnt, nicht nachgesehen und die Tochter muß die Praxis auch verlassen haben, denn am nächsten Morgen war sie nicht da, als Frau Sibelinski den toten Kronauer auf der Toilette fand! Aber es erklärt, wie der Leuchter aufdas Klo gekommen  ist, denn von mir stammt er nicht!”, hatte sie gesagt. Dann hatte sie sich nochmals Wein eingeschenkt,  auf der Polstergarnitur Platz genommen und auf den Fernseher geschaut, wo die schlanke Fünfzehnjährige zu sehen war, die hektisch die Moderatorin anstarrte, die sie vorstellte und sich bei ihr bedankte, daß sie sich bereit erklärt hatte, mit ihr zu sprechen, um der Öffentlichkeit, die sich dafür interessierte, zu erzählen, wie das mit ihrem Stiefvater war?

“Du bist am vorigen Montag, als er seine Therapiestunde hatte, in der Praxis gewesen, nicht wahr?”, fragte Sabine Schweikart Andrea Herbst sanft, die ein blasses, hochaufgeschossenes Mädchen war, das die blonden halblangen blonden Haare,  aus dem Gesicht gestrichen hatte, Jeans und einen blassblauen Rollkragenpulover trug. Sie fuhr sich nervös mit der Hand übers Gesicht, dann hatte sie genickt und trotzig “Stimmt!”, gesagt.

“Ich bin dort gewesen! Das habe ich auch der Polizei erzählt! Aber ich habe ihn nicht umgebracht! Ich habe oft daran gedacht,  es zu tun und  das auch mit meiner Therapeutin, die ich die letzten zwei Jahre besuchte, um ihn aus dem Kopf zu bekommen, durchbesprochen, die das für eine normale Reaktion hielt! Ich habe es nicht getan! Es tut mir nicht leid, daß er einen Schlaganfall hatte, aber ich bin nicht schuld daran!” sagte sie laut und brach ab.

“Natürlich nicht!”, bestätigte Sabine Schweikart sanft und beugte sich zu ihrem Gast hinüber um Andrea Herbst über die Schulter zu streichen.

“Das sollten wir vielleicht für unser Publikum klarstellen, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt! Peter Kronauer, das haben die Gerichtsmedihziner inzwischen festgestellt, ist an einem Schlaganfall gestorben! Er hatte auf seiner Stirn aber auch einige Platzwunden, die er sich offensichtlich zugezogen hat, als er auf einen Leuchter gefallen ist! Ein Leuchter, der  sich auf der Toilette befunden hat, der aber nicht zur Praxis gehört und die Hausmeisterin, die dich kommen sah,  glaubt nun, daß sich in deiner Tasche ein solcher befunden hat!”

“Sie hat ihn aber nicht gesehen!”, antwortete Andrea Herbst patzig. Dann brach sie erneut ab und, strich sich über die Stirn und starrte in die Kamera.

“Es stimmt! Er war in der Sporttasche! Aber ich habe ihn nicht damit erschlagen, soviel Kraft habe ich gar nicht! Das habe ich auch der Polizei gesagt! “, rief sie laut und machte den Eindruck, als würde sie zu weinen beginnen.

“Beruhige dich!”, sagte Sabine Schweikart, strich Andrea Herbst nochmals über die Schulter und blickte zu Andreas Mutter, die ihre Tochter begleitet hatte und neben ihr saß.

“Das hat niemand behauptet! Unser Publikum möchte nur wissen, wie der Leuchter in die Praxis gekommen ist? Du hast ihn also mitghebracht?”

“Stimmt!”, antwortete Andrea Herbst und blickte zuerst zu ihrer Mutter, die ihre Hand ergriff und dann in die Kamera.

“Es war der Weihnachtsleuchter, den ich einmal von meiner Oma bekommen habe und der in meinem Zimmer steht.  Als ich acht oder neun war, hat ihn mir die Oma zu Weihnachten geschenkt! Er ist am Fensterbrett gestanden , so daß ich ihn immer, wenn ich im Bett liege, sehen konnte!”

“Verstehe!”, hatte Sabine Schweikart sanft geantwortet.

“In dem Bett in dem dich Kronauer überfiel, so daß dich der Leuchter an seine Tat erinnert hat!”

“Stimmt!”, bestätigte Andrea Herbst.

“Ich weiß auch nicht, warum ich ihn nicht fortgeworfen habe! Ich wollte das tun! Habe aber immer darauf vergessen! Vielleicht habe ich es auch nicht zusammengebracht! In meiner letzten Theapiestunde habe ich darüber gesprochen  und meine Therapeutin hat gemeint, daß ich einmal so weit sein werde, ihn wegzugeben,  damit ich mich nicht mehr daran erinnern muß! Am vorigen Montag war das dann so!  Da hatten wir am Nachmittag Turnen  in der Schule, so habe ich ihn in meine Sporttasche gepackt und mitgenommen!  Ich wollte ihn in ein Antiquitätengeschäft bringen und fragen, ob ich ihn verkaufen kann?  Dann bin ich aber an der Praxis seiner Therapeutin vorgekommen. Das heißt, ich habe ihn auf der Straße gesehen,  bin ihm nachgegangen, dann lang vor dem Haus mit der Praxistafel gestanden! Mich geärgert und geweint, weil ich wieder an alles denken mußte! Dann habe ich angeläutet und bin hinaufgegangen, weil ich dachte, daß ich die Therapeutin fragen will,  wieso sie ihn therapiert? Das wollte ich wissen!  Ich habe angeläutet, die Tür ist aufgegangen. Im Wartezimmer war niemand! So bin ich auf die Toilette gegangen, habe nicht zugesperrt,  weil ich mich nur frisieren wollte! Dann ist er plötzlich hineingekommen und erschrocken, als er mich gesehen hat! Ich habe den Leuchter aus der Tasche genommen! Da ist er noch mehr erschrocken und hat ein rotes Gesicht bekommen! Auf einmal ist er nach vor gefallen und auf den Leuchter gestürzt, den ich vor Schreck ausließ! So ist es gewesen! Ich bin weggelaufen! Habe mich zuerst der Mama, dann meiner Therapeutin anvertraut, die gemeint hat, daß ich mit der Polizei reden soll und den Reportern habe ich auch erzählt,  daß ich nicht traurig bin,  daß er nicht mehr lebt,  weil ich mich nun nicht mehr vor ihm fürchten muß! Aber ich habe ihn nicht umgebracht und bin auch nicht schuld, daß er einen Schlaganfall bekommen hat, weil er mich mit dem Leuchter gesehen hat!  Denn ich habe ihm nichts getan!  Das mit dem Schlaganfall war Zufall und hat nichts mit mir zu tun!  Das hat auch meine Therapeutin gemeint, die mich darin unterstützte, an die Öffentlichkeit zu gehen, damit ich das alles vergessen kann!”, sagte sie und begann wirklich zu weinen. Sabine Schweikart hatte sie noch einmal umarmt  und “Wir verstehen dich, Andrea! Du bist sehr tapfer und brauchst dich nicht zu fürchten!”, gesagt und Vera hatte “Aha, so ist das!”, sarkastisch ausgerufen!

“Jetzt wissen wir, wie der Leuchter in meine Praxis gekommen ist und woran Kronauer gestorben ist! Müssen nur noch JoeProhaska überzeugen, daß er sich um Ruths Kind nicht zu kümmern braucht, weil das ohnehin zwei Mütter haben wird und ich muß schauen, wie ich zu neuen Klienten komme! Denn derzeit ist mein Zulauf sehr gering! Aber vielleicht gibt sich das, wenn sich die Presse beruhigt hat und nicht mehr soviel über mich und meine Praxis schreibt!”

“Natürlich hatte Harald Schwabeneder geantwortet und hinzugefügt, daß er da ganz sicher sei!  Dann hat er seine Hand auf ihren Arm gelegt  und Ruth und Vera verraten, daß sie sich befreundet hätten.

“Sehr gut!”, hatte Vera gekontert.

“Dann hat die Sache wenigstens etwas Gutes! ” und ihnen zugeprostet. Nika hatte genicktund auch das zweite Glas ausgetrunken. Jetzt hatt sie Kopfweh und eigentlich war es ihr egal zu wissen, daß Andrea Herbst den Leuchter in Veras Praxis getragen hatte. Ganz egal war es ihr oder auch nicht, denn vielleicht hatte auch  Klaus Widerlich Sabine Schweikarts Sendung gersehen und verlangte mit ihr über den Leuchter zu diskutieren. Das wollte er aber wahrscheinlich nicht , weil er sich nur dafür interessierte,  daß sie nicht zuviele Süßigkeiten verteilte,  so daß sie aufpassen mußte, daß Jessica nicht mehr bekam.  Aber die würde erst am Samstag auftauchen und da würde sie zur Sicherheit eine Packung auf eigene Kosten besorgen , die in ihre Weihnachtsfrauenjacke stecken und der Kleinen daraus geben. Da konnte Widerlich nichts dagegen haben und nicht mit ihr schimpfen, dachte sie,  als sie in der Garderobe dieJacke anzog  und die Mütze aufsetzte. Als sie das Kaufhaus zehn Minuten später verließ ,  saß sie wieder Hassan Arawani  beim Eingang sitzen und sie anstarren. Er hatte sich nichts angetan und da er wahrscheinlich wieder nichts  aus ihrem Sack wollte, konnte Herr Widerlich nicht mit ihr schimpfen. Zulächeln konnte sie ihm aber und “How are you?”, fragen und wenn sie sich nicht irrte, hatte er auch genickt. Sie irrte sich bestimmt und bildete sich da nur ein! Es konnte aber nicht schaden, ihn angelächelt zu haben und jetzt die Prospekte herausholen und ihre Verteilungstour beginnen.”

Wilde Worte statt Marlene Streeruwitz

Peter Iwaniewicz

Peter Iwaniewicz

Der zweite  Montag im Monat ist ja den “Wilden Worten” gewidmet und wir gehen da auch ziemlich regelmäßig hin. Für heute hatte ich aber die “Alte Schmiede” geplant, da dort in der Reihe “Dichterin liest Dichterin”, Marlene Streeruwitz die 2007 verstorbene Marianne Fritz lesen und dokumentieren sollte und beide Dichterinnen sind ja interessant.

Marianne Fritz, als “singuläre Einzelstimme”, wie sie von Elfriede Jelinek bezeichnet wurde. mit ihren “Schwerkraft der Verhältnisse”, dem Ürojekt “Dessen Sprache du nicht verstehst”, bis hin zum “Fritzpunkt”, wo es ja eine Zeitlang Veranstaltungen gab und dem “Marianne Fritz-Park”, den es seit 2014 gibt und von Marlene Streeruwitz habe ich ja auch sehr viel, fast alles gelesen, zuletzt ihre “Flammenwand” die ja zu Beginn des Jahres prominent vorgestellt wurde.

Also hingegangen, mit dem Alfred ausgemacht, der ja nicht so ein Streeruwitz-Fan ist und stattdessen lieber zu den “Wilden Worten” geht, daß er mich um acht Uhr abholt und als ich die Schnölaterngasse erreichte, sah ich Ottwald John mit Claudia Karolyi, die am Donnerstag beim “Dichtfest” gelesen hat, vor dem Eingang stehen.

“Hast du schon gehört?”, sprach er mich an und wies mich darauf hin, daß die Veranstaltung ausfällt, weil Marlene Streeuwitz, glaube ich, krank geworden ist.

Für solche Fälle habe ich mich ja einmal in den Mailverteiler die “AS” eintragen lassen, aber jetzt ist keine entsprechende Verständigung gekommen. Es sind aber, da ich noch eine Weile mit dem Beiden vor dem Eingang gestanden bin und mich von Ottwald John unterhalten ließ, nur zwei oder drei Leute gekommen, die zu der Veranstaltung wollten, also hat offenbar doch eine Verständnigung stattgefunden.

Ottwald John hat mich noch eingeladen ins Cafe Hawelka mitzukommen, ich war aber mit dem Alfred verabredet und auf dem Heimweg ist mir eingefallen, daß es sich doch noch zu den “Wilden Worten” ausgehen könnte, obwohl mir der Name Peter Iwaniewicz, der im Programm stand, nichts sagte.

Macht aber nichts, erlebte ich diesbezüglich schon öfter Überraschungen, diesmal auch, obwohl der Kontrast zwischen Marlene Streeruwitz und Marianne Fritz ein ziemlich großer ist, denn Peter Iwaniewicz ist ein Biologe und dann noch einer, der schon seit fünfundzwanzig Jahre eine Kolumne im “Falter” hat, wo er über Tiere schreibt, so daß ihm die LeuteMehlpakte mit schwarzen Punkten zur Begutachtung schickten und sich Doris Knecht bei ihm beklagte, daß zu ihrem Vogelhäuschen keine Vögel kommen und hat jetzt bei “Kremayr und Scheriau” ein Buch mit seinen Kolumnen unter den Titel “Menschen, Tere und andere Dramen”, herausgebracht, das er im Amerlinghaus vorstellte.

Peter Iwaniewicz

Peter Iwaniewicz

Ich hätte das Programm  vielleicht doch besser anschauen sollen, denn Tierbücher interessieren mich ungefähr, soviel wie Fußball, obwohl ich schon zweimal beim “Katzenfasching” des “Wiener Lesetheaters” gelesen habe und die Veranstaltung  war relativ wenig besucht.

“Mehr Bücher am Büchertisch, wie Besucher!”, wie Richard Weihs launig feststellte. Er begann auch mit der Feststellung, daß sich soviele Leute vor Spinnen fürchten, obwohl die, die es in Österreich gibt, nicht gefährlich sind und sich die Spinnenphobiker  ihre Punkte an den Armen, die sie für Spinnenbisse halten, vom Autor begutachten lassen.

Die erste Kolumne, die Peter Iwaniewicz las, bschäftigte sich auch mit der Frage, wie er zu seinem Biologiestudium gekommen ist? Das hörte sich dann ungefähr, wie die Beschreibungen von Joachim Meyerhoff von seinem Schauspielunterricht an, dann gab es, dem Rahmen angepasst noch einige mehr oder weniger wilde Texte, die von Giraffen und Vogelspinnen in den Yuccapalmen berichteten, die zu Polizeieinsätzen führten, handelten.

Nicht besonders literarisch, würde ich unken. Dafür habe ich mir jetzt doch die entsprechenden Worte für den “Siebenten Nanowrimo” als Wunschgedicht gewünscht, nämlich “Nachtcafe, Kurz nach fünf”, “Fräulein No”, “Schauspielschülerin” und “Obdachlose”, bin gespannt und habe dem Gedicht gelauscht das sich Susanne Toth,das letzte Mal wünschte, als Christl Greller die Gästin war und die wird das nächste Mal am dreizehnten Jänner lesen, wo es wahrscheinlich literarischer  wird.

Im Buchquartier

Das “Buchquartier”, der Markt der “Indepedent & Kleinverlage”, wie im Programmfolder steht, gibt es im Museumsquartier Anfang Dezember schon seit einigen Jahren.

So richtig bin ich erst im letzten Jahr hingegangen, vorher eher, wenn überhaupt durch, obwohl ich mich ja, wie ich immer schreibe, sehr auch für das Abseits des Literaturbetriebs interessiere und das “Buchquarter” findet im MQ in der Ovalhalle, wo es am Montag die “Ohrenschmaus-Preisverleihung” gab, sowie im Areal der “Komischen Künste”, die ja, glaube ich, die Mitveranstalter sind, statt und der “Holzbaum-Verlag”, aus dem ja die “Komischen Künste” bestehen, war, glaube ich, so ziemlich der erste, der mir Rezensionsexemplare anbot und schickt mir auch immer seine Produktionen, obwohl die Cartoons ja eigentlich nicht mein Hauptgebiet sind und ich mich eher für das Literarische interessiere, habe ich sehr viel von dem Verlag gelesen und auch jetzt, wo ich mich ja wegen meines Buchpreislesestaus beim Bestellen ein wenig zurückhalte, warten im Jänner  noch fünf oder sechs Publikationen auf mich, wovon ich mir auf der Messe einen kleinen Vorgeschmack holen könnte, jedenfalls per Katalog, denn einige der Präsentationen finden erst morgen statt und da sind wir ja im Gasthaus Ambichl in St. Georgen und feiern dort den achtzigsten Geburtstag des Onkel Franz.

Von elf bis neunzehn Uhr findet die Messe statt und ich bin so ein bißchen nach elf hingekommen, habe erst die Halle abgeschlendert und mich dann in den Saal gesetzt, wo die erste Lesung gerade vorbei war.

Didi Sommer moderierte in seiner bekannt launigen Art und wurde später wieder von Diana Köhle, die ja im Literaturhaus, die Slams moderiert, abgelöst und nach dem Kriegsroman, den ich versäumte, kamen  gleich die Juwelen der Kaiserin Sisi und die Erklärung, warum die sich nur ungern fotografieren ließ.

Dann gings zu der Reihe “Fünfzig Jahre revolutionärer Weg”, weil ja einige der sich beteiligten Verlage diese Richtung haben und eher theoretisch sind.

Es ist aber auch ein bißchen die Messe der Selfpublisher zumindestens trat dann eine junge Frau auf, die Lebensläufe von Frauen, die ausgestiegen und sich selbstständig machten, gesammelt hat und sie bei “BoD” herausgab und ein paar der Bücher auch gratis auflegte, so daß ich mir eines mitnehmen konnte.

Eine in der Ukraine geborene Frau, die Reise- und Kochbücher schreibt, stellte die “Zarenküche” vor, ein Buch das sich zwar noch in der Druckerei befand, so daß man die Geschenke, die sie beim Kauf des Buches versprach nur für die “Tatarenküche” haben konnte und dann kam Helwig Brunner, den ich ja von Veranstaltungen und als Herausgeber der “Keiper-Lyrikreihe” kenne und von dem ist jetzt ein dreisprachiger Band nämlich deutsch slowenisch ungarisch entstanden, weil er ja im Grenzland, nämlich in der Steiermar lebt.

Man sieht die Bandbreite des Gebotenen ist reich, manches sehr interessant, manches weniger. Es gab neben der Lteratur und den Kochbüchern auch die Krimischiene, die vor allem die “Heftinger Edition” mit gleich zwei Lesungen bestritt.

Dann kam die “Edition Exil”, wo ich ja erst gestern im Literaturhaus bei den Preisverleihungen war. Jetzt gabs eine etwas ausführlichere Präsentation der Anthologie. So hat auch der in Damaskus geborene Lyrikpreisträger sein Gedicht gelesen und die gestern verhinderte Lydia Steinbacher hat ihren Preis entgegengenommen. dann gabs eine Auktion zu gunsten der Ute Bock-Stifung und zwar konnte man Werke der “Komischen Künste”, darunter etwas von Oliver Ottitsch, der ja, glaube ich, eines der ersten “Holzbuaum-Bücher” war, die ich gelesen habe, ersteigern.

Eine Kunsthistorikerin hat einen Buch über Albrecht Dürers “Venus” geschrieben in dem es darum geht, das Lukas Cranach Dürer das Motiv gestohlen hat, so daß er sich ins Jahr 2019 und in eine Ausstellung begibt, dann aber wieder zurück in das fünf- oder sechzehnte Jahrhundert kehrt. Auch sehr interessant und spannend.

“Morawa” hat ja auch eine Selbpublischerreihe, die schon im vorigen Jahr ihre Bücher vorstellten und auch immer Noitzbücher verteilen. Die “Edition Mocca” stellte ein Kochbuch der österreichischen Küche vor, wo man sich gleich das Weihnachtsmenu erstellen konnte.

Dann kam die “Edition lex liszt 12”, dieser burgenläündische Verlag, da hätte Gerhard Altmann sein Buch vorstellen sollen, der war aber krank und ließ sich von Michael Hess vertreten und am Schluß gab es noch eine Preisverleihung mit Freibier, wurde doch der österreichische Cartoonpreis an Oliver Ottitsch und Jean le Fleur verliehen und morgen geht es weiter und wem es interessiert, da wird auch Bettina Balaka aus ihren “Tauben von Brünn” lesen, obwohl der “Deuticke Verlag”  gar kein kleiner ist.

Vom Theaterworkshop zur Exilpreisverleihung

Seit langem wieder einmal zur Gegenwartsdramatik ins “Doml”, waren die letzten Freitage doch immer etwas los, Basel, Fried-Tage, Harland, etcetera, fallen mir da ein, dabei bin ich in den letzten Wochen öfter in einem Theater gewesen, wenn auch nicht zu einem Stück.

Wurde doch sowohl der österreichische als auch der “Schweizer Buchpreis” in einem Theater vergeben, die “Literatur im Herbst” fand im “Odeon- Theater” statt und im Schauspielhaus war ich auch zum utopischen Raum beziehungsweise zum roten Wien, aber in keiner Auffühung.

Das war nur Stephan Teichgräber bei den “Vögeln” im Akademietheater während es diesen Freitag über den Umweg über Bratislave nach Brünn ging. Denn von Bratislava mußte ein bekanntes Kabarettistenpaar nach dem Prager Frühling nach Brünn überseideln und in Brünn gibt es eine Reihe von Theatern.

Die “Neue Szene” das Brünner Stadttheater und dann noch eines das auf tscheisch “Divadlo Husa no Provazu” heißt, wo heute  und in den nächsten Tagen, die “Lehmann Brüder” von Stefano Massini aufgeführt werden, sowie ein Stück das “Mein Svejk” heißt und dann noch eines, das “Nachricht von einem Wunder”, heißt, wo es um den Pfarrer Josef Toufar geht, dem am elften Dezember 1949 tatsächlich ein solches in der Kirche passierte, worauf er  Schwierigkeiten mit der Staatssicherheit bekam.

Sehr spannend und verlockend hinzufahren, aber Stephan Teichgräber muß  noch den Vortrag für das “Philosphische Forum” am Dienstag übersetzen und ich bin zur “Exil-Preisveihung” vergangen, die diesmal zum ersten Mal im Literaturhaus vergeben wurde.

Den von Christa Stippinger initierten Preis für in deutsch geschriebene Texte von Autoren mit nicht deutscher Erstsprache, gibt es seit 1997 und zuerst wurde der Preis im Amerlinghaus vergeben. Da ist es wahrscheinlich zu voll geworden, weil es ja verschiedene Preise und auch solche für Schulklassen gibt. so fand er die letzten Jahre auf der “Buch-Wien” statt. Dort war dann viel Öffentlichkeit, aber auch viel Zeitdruck, denn man mußte in einer Stunde fertig sein, das buffet, das es früher vom Amerlingbeisl gegeben hat, fehlte auch, beziehungsweise wurde das dann schon im Literaturhaus nachgeholt und jetzt zum ersten Mal ganz im Literaturhaus, wo es auch sehr gut passte, weil ja dort schon immer “Exilpreis-Lesungen” stattfanden.

Die entsprechende Anthologie, die ja jedes Jahr mit den Preistexten herausgegeben wird, habe ich mir schon auf der “Buch-Wien” geholt. Jessica Beer hat wieder moderiert,  die Musikeinlagen wurden vom Ferry Janoska Ensemblegespielt und die erste Lesung erfolgte von einer Schulklasse aus Linz, die sich das Thema “Kann Sprache Heimat sein?” gewählt haben, was ich sehr spannend fand, weil man da sehr gut hören konnte, wie das ist, wenn man außer Deutsch und Englisch auch noch Türkisch oder Tschetschenisch spricht, was ja eine tolle Sache ist.

Dann kam die Lesung von Sayed Habib Khawadi einem offensichtlichen Afghanen, der fünf Minuten aus einem Roman las, wo es um Straßenkinder in Afghanistan geht, die schon fleißig arbeiten müßen, um ihre Familie zu erhalten, obwohl Kinderarbeit auch dort verboten ist.

Katharina Braschel erzählte von ihrer Oma, die immer sehr sparsam mit ihren Marmeladegläsern war, weil sie als Kind mit dem Pferdewagen im Winter flüchten hat müssen und dabei sehr hungrig war.

Dann folgte die Lesung der Hauptpreisträgerin Vlatka Frketic, die die Erlebnisse eines Gastarbeiterkindes schilderte, das immer die beste sein muße, nie wie die anderen auf Urlaub, sondern immer nur nach Hause fahren mußte und sich wunderte, daß es auf den Geburtstagsfesten der österreichischen Kinder nur Würstchen mit Kartoffelsalat und eine Torte gab, während sich bei ihrem Geburtstag die Tische vor all dem Gebratenen und den Spanferkel bogen.

Danach wurden die Preise vergeben, Fotos gemacht, nochmals Musik gespielt und Buffet und Gespräche hat es  auch gegeben und ich habe beziehungsweise werde ich demnächst zwei Debuts lesen, die von ehemaligen Preisträgern stammten. Waren doch sowohl Marco Dinic, der auf der österreichischen Debutliste stand, als auch Ana Marwan, deren “Kreis des Weberknechtrs” auf der Bloggerdebutpreisliste steht, darunter.

Ansonsten zählen Dimitri Dinev, Sandra Gugic, Julija Rabinowich, Susanne Gregor, Cornelia Travnicek, Cornelia Hülmbauer, Ljuba Arnautovic Seher Cakir, die diesmal mit Anton Thuswaldner und Thomas Perle in der Jury war, mit vielen anderen zu den ehemaligen Preisträgern.

Dichtfest mit fünf Frauen

Wieder einmal “Dichtfest” in der “Alten Schmiede” eine Veranstaltung von Christine Huber organisiert, die ich eigentlich sehr mag und wenn möglich immer hingehe, denn Erstens gibts nachher Wein und was zum Knabbern und außerdem interessiere ich mich ja für Lyrik, obwohl ich keine schreibe und komme, seit ich “Buchpreis” lese, eigentlich nicht sehr oft dazu, welche zu lesen und jetzt hat es wieder einmal gepasst in die “AS”  zu gehen und diesmal war es auch sehr voll.

Viele Freunde und Bekannte im Publikum. Linda Christanell, E. A. Richter, Ruth Aspöck, Erika Kronabitter mit ihrem Hubert,Jopa Joakin, Christl Greller, Susanne Toth, Alice Harmer, Cornelia Hülmbauer, Monika Vasik, Luis Stabauer und und – und gelesen haben Sabine Gruber mit ihren “Am Abgrund und im Himmel zuhause” und dann noch den Monatsgedichten, die ich schon zweimal in der “Gesellschaft” und in Krems hörte.

Dann folgte Petra Ganglbauer mit ihrem bei “Limbus” erschienenen, sehr politischen Band “Gefeuerte Sätze” und John Sauter, den Sprachkunststudenten, den ich auch schon gehört habe, der mir sehr gefallen hat, mit seinen bei “fabrik transit” erschienenen “Startrampen”.

Nach der Pause zum Kopfauslüften, wie Christine Huber sagte und wahrscheinlich auch zum Rauchen, kam dann für mich eher Unbekanntes. Nämlich die 1962 geborene Claudia Karolyi die aus einem Manuskipt von einem roten Kleid las, sowie die 1983 geborene Seda Tunc, die ebenfalls ein Manuskript mit dem klingenden Mamen “eigentlich ist die straße eine venusfliegenfalle und die amsel dreht eine runde” hatte, während ich die 1978 geborene Maria Seisenbacher schon im Literaturhaus und in der “Gesellschaft” gehört habe, die aus ihrem in der “Edition Nö” erschienenen Band “kalben” las.

Ein interessanter und gut besuchter Abend, wo ich wieder einige interessante Stimme entdeckte, sowie  schon Bekanntes getroffen habe.

Vom Doml zu Ilse Helbich

Der Mittwoch ist ja seit einiger Zeit Doml oder Workshoptag, meine Art des Seniorenstudiums, wie ich immer sage, wenn ich höre, wie beispielsweise Ruth Aspöck für ihr Theologiestudium Hebräisch lernt und heute bin ich sozusagen zwischen zwei Stunden hin- und zurückgehetzt, habe mich wieder ein bisschen mit Radka Denemarkovas sehr theoretischen Chinabuch beschäftigt und dann erneut mit Dirk Stermanns “Der Hammer”, beziehungsweise den Namen und den Berufen, die dort auf den ersten Seiten vorkommen und nach der sechs Uhr Stunde war es eigentlich schon ein bißchen spät für die “Gesellschaft für Literatur”, da die aber immer erst um viertel nach anfangen, habe ich es trotzdem probiert und war etwas verärgert nur im hinteren Raum, wo schon Ljuba Arnautovic und noch ein paar andere Späterkommende saßen, Platz gefunden zu haben, denn die Präsentation des neues Buches “Ich möchte noch einmal irgendwo fremd sein  –  Ilse Helbich – Schreiben im Gegenwartszustand” herausgegeben von Helmut Neundlinger und Fermin Suter mit Texten der 1923 in Wien geborenen Ilse Helbich, die in Wien Germanistik studierte, danach Verlagskauffrau war und für verschiedenen Tageszeitungen und den ORF arbeitete, ist sicherlich etwas Besonderes, ist sie ja ein Jahr älter als Friederike Mayröcker, die demnächst ihren fünundneunzigsten Geburtstag feiert und hat 1980 literarisch zu schreiben anfgefangen.

Bei “Droschl” sind, glaube ich, einige ihrer Bücher herausgekommen und jetzt der Vorlaßband der  von “Literaturedition NÖ” herausgegeben wurde. Martina Spitzer hat drei Texte gelesen. Darunter war einer über die Feuilletons, die Ilse Helbich offenbar öfter geschrieben hat. Dann ein Text über eine Frau die am Nachmittag von einem Gerichtsvollzieher besucht wurde, weil ihre Söhne mit falschen Paß ein- oder ausreisten und dadurch in verschiedene Strafverfahren verwickelt waren und, die es trotzdem zusammenbrachte, am Abend ihren Gästen ein warmes Nachtmahl hinzustellen und dann noch ein Bericht einer Gärtnerin beim Wiederlesen eines Buches von Flauberts.

Nachher gab es ein Gespräch mit Rainer Götz der Ilse Helbichs Lektor war und Ursula Baatz, die auch Beiträge in dem Buch hatten und einige Worte der Autorin.

Danach Brot und Wein und Elfriede Haslehner, die ja vor einigen Monaten ihren Franz verloren hat, habe ich auch wiedergesehen und es war ein interessanter Abend und ein Kennenlernen einer Autorin von der ich schon einiges im Radio gehört, aber noch nichts gelesen habe und deren Texte mich auch ein bißchen an Valerie Szabo erinnert haben, die ich ja durch den “Arbeitskreis schreibender Frauen” kennengelernt habe.

Der dreizehnte Ohrenschmaus

Preisverleihung an Gert Baumgartner

Preisverleihung an Gert Baumgartner

Hurrah, hurrah, den “Ohrenschmaus” gibt es schon dreizehn Mal.

2007 wurde der Literaturpreis von und für Menschen mit Lernschwierigkeiten von Franz-Joseph Huainigg auf Initiative von Michaela König ins Leben gerufen. Die erste Preisverleihung fand im Literaturhaus statt, seit 2008 ist er dann in die Ovalhalle ins Museumsquartier übersiedelt.

Die Jury hat mehrmals gewechselt, zum Beginn waren noch Friedl Hofbauer und Kurt Palm dabbei. Niki Glattauer machte es einige Zeit und Andrea Stift inzwischen sind Ludwig Laher, Barbara Rett, Heinz Janisch, Franzobel und ich dabei und am Montag wurden wieder schöne Texte verlesen und schöne Preise vergeben.

Die Moderation wurden diesmal von Dani Linzer und Ruth Oberhuber gehalten, das ist eine Preisträgerin von 2011 mit der ich vor zwei oder drei Jahren auf der “Buch-Wien” diskutiert habe.

Die texte wurden wieder von Chris Pichler und Gregor Seberg gelesen und begonnen hat es wieder mit der Präsentation der Ehrenliste.

Der Lyrikpreis für das Gedicht “Der Bub” ist diesmal an die dreiunddreißigjährige Sandra Holzreiter gegangen. Die Laudatio hat Barbara Rett gehlten.

Dann kam der Prosapreisträger, der 1983 in der Steiermar geborene Gert Baumgartner mit seinem Text “Franziska und die Waschmaschine”, wo die Waschmaschine ihrer Käuferin Franziska davonläuft und fast surreale Momente des magischen Realismus annimmt.

Sehr berührend dann der Bericht “45 Jahre in einer Einrichtung – Wie es damals und jetzt ist”, der 1961 geborenen Cornelia Pfeiffer, die es inzwischen zur Multiplikatorin und Qualitäts-Evulatorin gebracht hat.

Dazwischen gab es eine inklusive Tanzperformance der “T21büne”, die ebenfalls sehr beeindruckend war.

Und die neue Zotter- Schokolade mit einem Text von Daniela Kredo

Alle

Alle

“Mein Sommer

Torte, Kiste, Liebe

Handtuch, Wasser, Hemd

Herz, Haube, Haus, Hose

Cola, Eistee, Fleisch, Almdudler”

wurde von Franz-Joseph Huainigg auch vorgestellt.

Dann gab es ein Buffet mit  gerettenen Lebensmitteln von Foodsharing und den “Wohn- und Werkstättenexpress”, der Büro und Mediengruppe der Werkstätte und Tagessturktur HORIZONT, in der die Texte nachzulesen sind.

Und ein Dankespäckchen mit Tee, Schokolade, der Broschüre und einem handgeschriebenen Kärtchen hat es auch gegeben.