Neben der Spur

In den Büchern gibt es ja bestimmte Themen und bestimmte Personengruppen, die immer wieder vorkommen und durchgekaut werden, die Geschichte, die Midlifekrisis der intellektuellen Männer, meistens Mittelschicht und welche, die da kaum eine Rolle spielen und auch nicht als sehr literarisch gelten.

Meine depressiven und alten Frauen wären da wohl Beispiele, aber auch der Personenkreis der heutigen “Textvorstellungen” in der “Alten Schmiede” moderiert von Friedrich Hahn und da war die Zusammenstellung ganz besonders interessant.

Obwohl ich zwei der Lesenden, beziehungsweise eines der Bücher schon kannte und ich gehe ja aus ökonomomischen Gründen nicht zu gerne zu Lesungen, wo ich das Buch schon gelesen habe und höre mir stattdessen lieber etwas anderes an, obwohl man sich da, wie ich beispielsweise bei Angelika Reitzers “Unter uns” und nicht nur da, immer wieder merken konnte, daß die Lesungen oft andere Aspekte auftun, als wenn man sich selber durch das Buch gräbt. Man kann auch Fragen stellen, bekommt einen Eindruck vom Autor, aber trotzdem bevorzuge ich dann lieber etwas, das ich noch nicht gelesen habe.

Also habe ich am Nachmittag nachgeschaut, was es in der “Gesellschaft für Literatur” zu hören gäbe. Das Literaturhaus hatte kein Programm und das war eine Enttäuschung habe ich doch Margit Schreiners “Kein Platz mehr” vor kurzem gelesen.

Also doch in die “Altem Schmiede”, obwohl ich Mascha Dabic ja schon in der AK, bei den O-Tönen und auch bei der Buchpreisverleihung hörte und das Buch gelesen habe und bei Elias Hirschl war ich  auch schon bei einer Lesung im Literaturhaus, aber gut, die 1977 in Klagenfurt geborene Silvia Pistotnig kannte ich noch nicht und habe auch noch nichts von ihr gelesen.

“Tschulie” heißt ihr bei “Milena” erschienes Buch und das ist die Hauptfigur, der Jackeline und Kevin Generation angehörend, wie Friedrich Hahn flapsig meinte.

Das heißt, eine Looserin oder Angehörte der sogenannten buldungsfernen Schichten, “Schulabbrecherin” und “Jobhopperin” steht im Programm und die lernt die Mutter eines Gymnasiasten kennen.

“Bobo trifft auf Prolo” formuliere die Autorin ebenso flapsig und ich rümpfte die Nase, denn das mag ich nicht so sehr, obwohl ich mich vor Jahren, 1980, glaube ich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt habe und auch später immer wieder, in “Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt” trifft die Looserfrau den konservativen Studenten, in der “Reise nach Odessa” ist es die Anselma Fuchs die das tut und die Jasmin Bilic aus der “Pensionsschockdepression” ist  auch so ein bildungsfernes Mädchen, der meine Sympathie gehört, während die Tschulie, wie heißt sie wirklich, das habe ich vergessen zu fragen, eher negativ von ihrer Autorin darsgestellt wird oder rotzfrech.

Ihre Mutter haut sie heraus, weil keinen Platz in der Gemeindewohnung, so beschließt sie bei dem Gymnasiaten einzuziehen, aus besonderen Umständen hat sie dabei nur einen BH an, was ein wenig nach Chick Llit klingen könnte, trifft so auf die Mutter Karin, der Gymnasiast ist nicht da und die Bobo Mutter beschließt sich um das Mädchen zu kümmern, quartiert sie dann in einem Pensionistenheim bei einer Gruppe esoterischen Frauen ein und man merkte beim Zuhören, wie fremd den Durchschnittsliteraten und seinem Publium solche Randschichtenliteratur ist.

Ich fands interessant, mir fiel auch der Perspektivenwechsel auf, die Tschulie-Szenen sind in der Ich Form geschrieben, dieKarin in der Sie Form und  Silvia Pistotnig erklärte auf Fragen aus dem Publkum, daß sie eine Kunstsprache für die Tschulie gewählt hat, denn die wirklichen Prolomädchen würden nur “Heast Alte!”, sagen, da weiß ich nicht, ob das stimmt.

Die Tschulies lesen aber wahrscheinlich nicht so gern und wenn dann vielleicht Comics oder Mangas und wollen nicht über ihre bildungsfernen Aussichten aufgeklärt werden, denke ich und  da fällt mir noch dazu ein, daß ich in”Beim Sterben sollte man zu Hause sein, ja auch die rotzfreche Schwester der Minka auf einen Gymnasiasten treffen lassen, aber die will  auch die Matura nachholen und die Selma, die Freundin von der Jasmin Bilic, will Zahnärztin werden, was ihr ihre Lehrer und das Arbeitsamt in Echtzeit auszureden versuchen und einen Brief eines Kevins an den “Herrn Kurz” habe ich auch eine mal geschrieben.

So weit so gut und sicher interessant, vielleicht findet das Buch einmal zu mir. Friedrich Hahn oder war es jemand aus dem Publkum hat auch noch betont, daß solche Figuren nicht oft in der Literatur vorkommen.

Bei mir findet man sie  und auch bei Pia Piukund ihrer “Lucy ” ist mir noch eingefallen und  Elias Hirschls, des literarischen Wunderkinds und Jungstar wie Friedrich Hahn erwähnte, Protagonisten, nämlich die Bewohner einer betreuten Wohngemeinschaft sind höchstwahrscheinlich auch nicht hochliteraturtauglich, obwohl Clemns J. Setz hat sich in seiner “Stunde zwischen Frau und Gitarre” auch mit diesem Thema beschöftigt und ist 2015 auf der Longlist des dBps gestanden.

Vom betreuten wohnen ist es dann  in den psychotherapeutischen Alltags einer Gruppenpraxis gegangen, wo die Dolmetscherin Nora, der Frau Roswitha, die Antworten der Teschetschenin dolmetschte und es dabei zu “Reibungsverlusten” kommt, wenn sie ein Wort nicht so auf Deutsch wiedergeben kann wie es auf Russisch oder Tschetschenisch formuliert wurden.

Auch nicht der übliche Literaturschauplatz, die therapeutische Praxis und das Flüchtlingsthema, aber sehr interessant und ich habe mich mit beiden ebenfalls beschäftigt. Habe ich ja öfter Therapeutinnen und Therapiestunden in meinen Büchern, in der “Viertagebuchfrau” vielleicht und in den “Berührungen” geht die schreibblokierte Autorin zu einem Psychiater, der sie dann mit Schreibratschlägen versorgt und das Thema Flucht und Vertreibung habe ich auch öfter in meinen Texten, auch wenn ich nicht Dolmetscherunterstützt therapiere, bei der Diagnostik habe ich das eine Zeitlang so gemacht.

Ein interessanter Abend und eine interessante Zusammenstellung mit literarischen Randthemen, die ich für sehr wichtig halte und die auch nicht so abgehoben sind, wie es wahrscheinlich heute in der “Gesellschaft für Literatur” war.

Der Schmiedessaal war auch nicht so voll wie gestern, die Leute, die gekommen waren, waren aber sehr interessiert und haben auch sehr interessierte Fragen gestellt.

Russischer Jahrhundertroman

Heute sehr voll in der “Alten Schmiede”, als ich, um sieben hinuntergekommen bin, nur die erste reservierte Reihe noch leer, die sich bald mit dem ukrainischen Botschafter und ich glaube auch mit Konrad Paul Lissmann füllte, der “Zsolnay- Herausgeber war auch da, denn Maxim Kantors “Rotes Licht” ist dort erschienen.

Cornelius Hell moderierte, Markus Köhle las die deutschen Passagen und der 1958 in Moskau geborene Maxim Kantor, der sowohl in Berlin, London, als auch in Frankfurt lebt, ist, habe ich erfahren, eigentlich bildender Künstler, trotzdem ist das “Rote Licht” ein monumentales Werk, siebenhundert Seiten stark und umspannt in drei Generationen das gesamte vorige Jahrhundert.

Mehr ein europäisches, als ein russisches Buch, betonte der Autor, Sohn eines Philosophen und Historiker, dessen zweiter Teil in russland nicht erschienen ist, nur in der <ukraine deshalb war auch der ukrainische Botschafter da und das Buch erklärte Cornelius Hell in seiner Einleitung, umfasst verschiedene Elemente.

Da liegt einmal in einem russischen Krankenhaus Solomon Richter im Sterben und während er das tut erscheinen im Fernsehen die Nachrichten von dem Kämpfen im Donbass, was den betagten Historiker und Juden dazu veranlaßt sein Leben und da vor allem auch den zweiten Weltkrieg und die stalinistischen Säuberungen Revue passieren zu lassen. Denn er wurde in Argentienien geboren, kam als Kind mit seinen Eltern nach Russland zurück, um dort den neuen sozialistischen Staat aufzubauen.

Eine Kriminalhandlung gibt es auch und weil es auch ein Schelmenroman ist, kommt auch noch ein Dieb vor und drei dieser Stellen, beziehungsweise den Anfang, dann ein Dinner in der französischen Botschaft und eine Stelle mit dem Dieb hat Markus Köhle gelesen, dazwischen gab es ein Gespräch auf Englisch mit dem Autor, der Putin, wie er betonte, nicht sehr mag und sehr selbstbewußt sehr viel erzählte und viele Fragen aus dem Publkum.

Ein interessantes Buch, das ich höchstwahrscheinlich nicht lesen werde, trotzdem spannend, einen neuen Autor kennengelernt zu haben und das Cover des im Jänner erschienenen Buches ist derzeit auch sehr oft zu sehen, Anna Jeller hat es auch in ihrer Auslage.

Zwei Bücher von Klaus Siblewski

Jetzt war ich schon lange nicht mehr in der “Gesellschaft für Literatur” und habe heute auch zwischen ihr und einem Besuch in der “Alten Schmiede”, wo Josef Haslinger Texte verfolgter Autoren vorstellte, geschwankt, mich aber doch für die Herrengasse entschieden, wenn ich mich da auch wahrscheinlich genauso, wie Dietmar Grieser irrte, der mit Claudia Romeder vom “Resistenz-Verlag” gekommen war, weil ich erwartete Hanns-Josef Ortheill dort zu sehen, dabei hat der nur mit Klaus Siblewski ein Buch “Die ideale Lesung” herausgegeben, wo verschiedene Schriftsteller befragt wurden, wie sie sich die vorstellen würden.

Es ist aber nur der 1950 geborene Lektor und Lehrer am Sprachinstitut von Hildesheim erschienen und der hat vorwiegend sein anderes bei “Resistenz” erschienenes Buch, “Der Gelegenheitskritiker”, das glaube ich, irgendwo als Dramulettenband beschrieben ist, vorgestellt

“Was ist ein Gelegenheitskritiker?”, fragte er gleich bei der Einleitung und erklärte dann, daß, das nicht einer sei, der nur gelegentlich Kritiken schreibt, das wäre dann der Sonntagskritiker, sondern ein Freiberufler, der bei den Redaktionen anruft, um Platz für seine Kritiken zu bekommen und  dann erklärte er noch, er auch einen Band mit den Telefongesprächen, die er einmal mit Ernst Jandl geführt hat, herausgegeben hat, daß er sich für die Dialogform entschieden hat, weil er herausgefunden hat, daß Leute anders über Bücher sprechen, als sie darüber schreiben und dann begann er mit den Kostproben aus dem Buch, die da verschiedene Telefonate waren, die der Kritiker, K. genannt, offenbar mit einem Sender führt, wo er seine Rezensionen unterbringen will.

Da hat er einen Stamm-Ansprechpartner oder Redakteur namens U, aber der ist nicht immer da, so gerät er einmal an die Aushilfe der Aushilfe und die erklärt ihm, daß sie zuerst in ihre Maschine, sprich Computer schauen muß, um nachzusehen, ob er zum Rezensieren berechtigt ist.

Da habe ich den Kopf geschüttelt und gedacht, was soll dieses Gespräch über Bücher, da wären mir, der Literaturenthusiastin, ja die Rezensionen lieber.

Aber K erreichte dann auch seinen Redakteur und sagte ihm, er wolle ein Buch von Tom Wolfe und eines von Fritz Rudolf Fries besprechen, worauf sich ein Gespräch ergibt, das der Frage nachgeht ob, Tom Wolfe seine Bücher auch in dem weißen Anhzug schreibt, in dem er immer auf Fotos und auch auf Messen zu sehen ist.

Das fand ich dann ganz lustig, aber wirklich das, was “Ich schon immer über Literatur wissen wollte, mich aber nicht zu fragen traute”, wie sowohl im Klappentext, als auch im Gesellschaftsprogramm steht, ist das auch nicht.

Dann errreichte der gute K seine neue Redakteuerin, der U ist in Pension gegangen, nur im Zug, da kam es zu Gesprächunterbrechungen und es ging um eine Rezension bezüglich Thomas Hettches “Pfaueninsel” von dem ich ja kürzlich einen Essayband über Literatur gelesen habe und Klaus Siblewski erklärte, daß mit der Pensionierung des U auch der Niedergang der Literaturkritik einhergegangen wäre und es für den K immer schwerer wurde, Bücher zu rezensieren, beziehungsweise einen literarischen Diskurs zu führen und er infolgedessen vielleicht schon eine etwas überlebte Figur sei, weil ja niemand mehr über Bücher spricht, beziehungsweise auch Filme oder Krimis rezensiert werden.

Das Buch hat aber auch ein paar Prosastellen, ist also vielleicht doch eine Art Roman oder zumindestens die Geschichte des . über seine Rezensionsgelüste. Eine solche las Klaus Sibleweski auch noch vor und im Gespräch mit Manfred Müller erwähnte der dann noch, daß der Kritiker zu Beginn des Buches nach Leipzig zieht, weil dort die Mieten billiger sind und sich dann viele Gedanken macht, wo er seine Bücherregale aufstellt und, wo den Schreibtisch, damit er das beste Licht zum Rezensieren hat.

Daraus erfolgte eine diskussion über die Hintjergründe der Bücherbranche und auch noch eine kurze Einführung in das andere Buch und, als das Publikum zum Fragen aufgefordert wurde, stellte ich die, wie Klaus Sibewski den Einfluß der literarischen Blogs auf die Literaturkritik sehen würde und erwartete mir eigentlich die Antwort “Hä, was sind Blogs?” oder literarische Blogs gibt es nicht, beziehungsweise hätten sie keinen Éinfluß.

War aber ganz erstaunt, daß er sagte, er würde jetzt vielleicht einige enttäuschen, aber er fände Blogs gut, weil sie den literarischen Diskurs fortführen. Nun denn, also ein sehr interessanter Abend, auch wenn Hanns Josef Ortheill nicht erschienen ist, von ihm habe ich ein ja noch ein Buch auf meiner Leseliste und ich führe in meiner Gelegenheits- oder Hobbykritikerfunktion eigentlich keine Telefonate mit Redaktionen, beantworte aber immer öfter Mails auf Rezensionsanfragen. Da bekomme ich das Buch und kein Honor. Der literarische Diskurs ist aber für den, der meine Artikel lesen will, eröffnet und mit einem Verlagsvertreter, ich glaube, vom “Rowohlt-Verlag”, habe ich heute auch einen Termin in Leipzig ausgemacht.

Übersetzt von Erwin Köstler

Im Literaturhaus scheint es, organisiert von der IG Übersetzerinnen eine Reihe “Übersetzt ins Deutsche von…” zu geben und heute war Erwin Köstler an der Reihe, der 2010 den österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung  bekommen hat und aus dem Slowenischen übersetzt.

Unter anderen den 1958 in Ljubiana geborenen Prosaist, Lyriker und Dramatiker Franjo Francic von dem ich, glaube ich, einen Erzählband mal gefunden habe und auf ihn gestoßen bin, als ich mir die Lektüre für unsere Kroatienreise vor zwei Jahren heraussuchte und das Bch natürlich, weil ja kein Kroate liegengelassen habe, dabei bin ich heute daraufgekommen, daß er seit Mitte der Achtzigerjahre in Istrien lebt.

So kann man sich irren oder so wächst alles zusammen, obwohl ja im ehemaligen Jugoslawien die Nationalismen aufblühent und in den Neuzigerjahren zum Krieg führten.

Aber heute im Literaturhaus ging es sehr festlich her, der Autor, der in einer Latzhose und mit einer großen Tasche am Podium saß, teilte an seine Übersetzer und an die Frau vom slowenischen Kulturinformationszentrum Geschenke aus, Bilderrahmen und Blumensträuße aus seinen eigenen Feld, wie Erwin Köstler später erklärte.

Eine Frau, die wahrscheinlich von der Übersetzergemeinschaft war, eröffnete. Dann kam Erwin Köstler und der Autor und ein Schauspieler der übersetzte, beziehungsweise die Lesung aus dem gerade bei “Sisyphos” erschienenen Buch “Kindheit” gestaltete, saßen am Podium und der Autor, ein uriger und vielleicht auch etwas machohafter Typ, die Frauen und das Trinken spielten in seinen launigen Reden eine große Rolle, er sang auch einige Schanklieder dazu, scheint, wie auch in “Wikipedia” steht, eine schwereKindheit gehabt zu haben. In diversen Kinderheimen, von ihm Schloß genannt aufgewachsen und die Buch “Kndheit”, das in Slowenien in einem Kinderbuchverlag erschienen ist, handelt von einem Dialog des Autors mit seiner sterbenden Mutter.

Franjo Francic ist also, habe ich, gehört ein autobiografischer Autor und das Buch ist in verschiedene Geschichten aufgeteilt, denen alle ein Motto vorangestellt ist.

Die schwere Kndheit kommt darin vor und Erwin Köstler erläuterte, daß die und das Schloß in verschienenen Werken des Autors, warhscheinlich ähnlich wie bei Josef Winkler und Florjan Lipus, vorkommt.

Der Autor war in der Diskussion, wie schon erwähnt, sehr gesellig und gesprächig, meinte, daß die Leute nicht mehr sehr viel lesen, daß für ihn das Schreiben, die Frauen und das Trinken aber sehr wichtig wären.

Am Bchertisch konnte man eine Auswahl von Erwin Köstlers Übersetzungen bewundern. Trinken konnte man auch. Ob es ein slowenischer Rotwein war, der kredenzt wurde, habe ich nicht so genau geschaut und wieder einen interessanten Autor kennengelernt, der höre und staune, auch einen Teil seiner Werke im Eigenverlag herausgebracht hat.

Zweimal Herbert J. Wimmer

Den 1951 in Melk geborenen Herbert JWimmer, dem Lebensgefährten von Elfriede Gerstl, der jetzt mit Marion Steinfellner zusammen ist, kenne ich seit urlangen Zeiten.

Wahrscheinlich seit meinen ersten “Textvorstellungen” die er moderierte, obwohl er ja nicht realistisch schreibt, sondern inzwischen wahrscheinlich eines der experimentellsten Urgesteine Wien ist.

Von den Büchertürmen bei “Literatur im März” habe ich mir ein paar seiner Bücher mitgenommen, die ich wahrscheinlich nie lesen werde, dafür sehe ich ihn sehr oft in der “Alten Schmiede” im Publikum aber auch als Gestalter der “Stunde der literarischen Erleuchtung” und seine neuen Bücher hat er dort auch regelmäßig vorgestellt und jetzt gleich zwei “Vorlesungen zur Literatur” eine Reihe in der “Alten Schmiede”, die von Josef Haslinger und Kurt Neumann gegründet wurden und diese waren, glaube ich, insbesondere etwas Besonderes, da Herbert J Wimmer nicht seine Ansichten zur Literatur preisgab, sondern in zwei Runden durch sein literarisches Werk zog. Die erste Stunde war der Prosa, die ja bekanntlichermaßen sehr experimentell ist, gewidmet, die zweite, den Gedichtbänden. Herbert J Wimmer stand vor dem Mikrophon und hinter ihm wurden die Cover seiner Bücher projiziert.

Eine Idee, die glaube ich, neu für die “Alte Schmiede”, mir aber sehr sympathisch ist, denn ich stelle ja hier im Geflüster meine Werke auch mehr oder minder regelmäßig vor und habe dabei immer ein bißchen ein schlechtes Gewissen, denn so selbstsüchtig ist man ja nicht, so etwas zu tun.

Nun bei mir tut es niemand anderer und hier möchte ich gleich betonen ist es sehr gut angekommen und ich habe wieder viel gelernt, obwohl ich ja keine Freundin der experimentellen Schreibweise bin und Herbert J wimmer hat fast einen philosophischen Touch der mich an ein bißchen an Ludwig Wittgenstein erinnert.

Die erste Stunde Prosa halt und da ist Herbert J wimmer durch sein Leben gegangen, erwähnte seine erste Lesung in der alten Schmiede vor zig Jahren, die ja 1975 eröffnet wurde und ich habe schon geschrieben, daß ich mich nicht erinnern kann, wann ich das erste Mal dort war. Gelesen habe ich 1980 das erste Mal beim sogenannten Literatureck, dem Vorläufer der “Textvorstellungen” und eines seiner Prosabücher war wohl der bei der von Daniel Wisser betreuten Edition der “Pudel” herausgegebene Band “Trouvaillen”, da werden immer drei Worte aneinander gereiht und durch die Veränderung der Zusammenstellung verändert sich auch der Sinn des Ganzen.

Herbert J Wimmer hat ein bißchen was zur Entstehungsgeschichte erzählt und auch wo er mit dem sehr liebevoll  betreuten Band überall gelesen hat.

Dann gibt es den Band “Kühlzack & Flexer”, das sind zwei Figuren, die miteinander kommunzieren und sich vielleicht die Welt erklären oder mit der Sprache experimetieren und eine Detektivin kommt auch darin vor und das führt gleich zu “Tote im Text”.

Einen üblichen Kriminalroman mit einer Spannungshandlung darf man sich dabei natürlich nicht erwarten.es ist aber ein bis heute ungeklärter Mordfall an einem Pfarrer und seiner Schwester in Melk in den Dreißigerjahren, also der Zwischenkriegszeit und da haben wir ja heute auch ein ganz besonderes Datum zu feiern, der darin vorkommt, von dem auch Herbert J Wimmers Mutter damals des Pfarrers Hausgehilfin traumatisiert wurde und dazwischen gibt es dann noch glaube ich die “Kählzack & Flexer” beziehungsweise die Detektivhandlung.

Also ganz schön kompliziert und ein paar andere Prosa Bücher hat der Meister, der ja inzwischen seine Texte mit Marion Steinfellner schreibt und mit ihr Performancen mit Tanz und Musik im Literaturhaus macht, auch noch geschrieben, “membran” zum Beispiel oder “Interfer Blauensteinerbuch” 2017 erschienen, das erst vor zwei Wochen in der “Alten Schmiede” vorgestellt wurde, ich meiner Stunden wegen, aber nicht hingehen konnte.

Dann kam eine Pause mit einer Überraschung, denn auf dem Tisch, wo manchmal das Buffet  ausgebreitet ist, gab es eine Sammlung von Herbert J Wimmers schöner bunten Karten und zwei Karten hat er, glaube ich, auch extra für die Veranstaltung vorbereitet

“die schöpfung nach der Schöpfung ein problempoem nach Elfriede Gerstl” beispielsweise

“nicht alles wissen was im text drin ist

nicht alles verstehen was im text drin ist

nicht alles gebrauchen können was im text drinsteht

nicht alles herausholen können was im text drinsteckt

nixht alles drinnenlassen können was im text drinsteckt”

Das führt schon fast zur Vorlesung zwei über die “gedichtartigkeiten”, die wie Herbert JWimmer betonte, anders konzipiert war, als die erste vorlesung.

Und da passen die schon vorher erwähnten “trouvaillen” auch sehr gut dazu, es gibt aber die “poetischen folgen”, 2006 erschienen, die “ganzen teile” 2010, den “grünen anker” 2012, das “wiener zimmer” 2015, die sprachvorspiele 2016 und die kleeblattbasse toiko” 2017.

Man sieht eine enorme lyrischeProduktivität und dabei hätte ich Herbert J  Wimmer eigentlich nicht für einen Lyriker gehalten, obwohl ich, glaube ich, sowohl der der Vorstellung des “grünen ankers” als auch den “wiener zimmers2 gewesen ist.

Die “kleeblattbasse Toiko” ist während eines Japanaufenthalt des Autors entstanden und es gibt noch eine Gedichtreihe bei “Klever”, wo alle zwei Jahre ein weiterer Band erscheinen wird.

Sehr interessant also in das Werk eines experimentellen Wiener Dichters einzutauchen, der seine Tage auch im Maffeehaus verbringt, verschiedene Wohnadressen aufsucht und darüber schreibt und ein großer Kionfan ist Herbert J. Wimmer, glaube ich, auch.

Fotoshooting am Faschingswochenende

Hill Arches

Hill Arches

Mann auf dem Dach

Mann auf dem Dach

Ich bin ja mit der Ruth im vorigen Mai und Juni, als der Alfred in Amerika war und ich sozusagen Strohwitwe war, die verschiedenen Orte mit Kunst des öffentlichen Raumes abgeklappert und habe da mit ihr jeweils zwanzig Minuten lang einen Spontantext zu dem entsprechenden Kunstwerk geschrieben.

Denn da gibt es einen Folder und einen Verein, der sozusagen die öffentlichen Kunstwerke verwaltet und einen Plan aufgestellt hat, wo sie zu finden sind und ich war damals im Mai und Juni, wir sind gerade erst von unserer Radtour, unseren Geburtstagsgeschenk zu Ruths Siebziger vom Bodensee zurückgekommen und ich war in entsprechender Aufbruchsstimmung, denn das Bibliotheksgespenst im Rohtext fertig und was und wie fange ich jetzt mit meiner Idee von der einsam jeden Abend in einer Pizzeria sitzenden depressiven Frau an?

Da habe ich mir ja eine Rechercheauszeit verordnet, wo Ruths Pläne gerade richtig gekommen sind und Annika Bühnemann, die seit seinem Monat Muutter ist, hatte ja auch die Idee von der zehn Geschichtenchallenge im Monat Juni.

Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, höchstens das Spontanschreiben wäre der gemeisame Jänner und so habe ich im Mai und Juni sowohl die Texte nach Annikas Bühnemanns Schreibimpulsen, die inzwischen zu der Erzählung “Besser spät als nie” geworden sind, geschrieben, als auch die fünfzehn spontanen Kurztexte, als ich mit der Ruth an fünf Nach- oder Vormittagen durch Wien gewandert oder gefahren bin und die entsprechenden Projekte beschrieben habe.

Das war, glaube ich, zuerst nur als Revanche der Ruth für den Radurlaub gedacht, dann hat sie aber der Ehrgezeiz gepackt, sie hat die Texte bei der GAV eingereiht und drei Veranstaltungen geplant, wo jeweils drei Objekte abgewandert und die Texte vorglesen wurden. Da  die Leute von dem Verein, obwohl sie auch Führungen anbieten, nicht zu erreichen waren, haben wir Robert Eglhofer, der ja auch Kunstgeschichte studierte dazu gewonnen, zuerst eine Einführung zu den Objekten zu halten, bevor die Lesungen beginnen.

die GAV hat die Veranstaltung auf eine pro Jahr reduziert, so daß es wahrscheinlich auch 2019 und 2020 einen solchen Spaziergang geben wird.

Der erste findet am 18 April statt, da werden wir vom Ballhausplatz, wo es das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz gibt, in die Servitengasse zu den “Schlüßel des Vergessens”  fahren, wo es Schlüßel mit den Namen sämtlicher jüdischer Bewohner in einer Vitrine gibt, die vor 1938 in der Servitengasse gewohnt haben und dann noch zum Thuryhof, dem Gemeindebau mit der  1939 entstandenen Plastik von Alfred Crepanz mit der sich  Maria Theresea Litschauer kritisch auseinandersetzte.

Brandmayrgasse

Brandmayrgasse

Thuryhof

Thuryhof

Die Ruth ist dann noch auf die  Idee gekommenm eine Diskussionsveranstaltung über Denkmäler im MUSA anzubieten, so sind wir im August ins Kulturamt zu Julia Danielczyk gegangen, die von der Idee an sich sehr begeistert war, wir hätten aber selber einreichen und uns um die Finanzierung kümmern müßen, so habe ich den Direktor des MUSA und Ruth Kurt Neumann von der “Alten Schmiede” angeschrieben und der hat uns das Angebot gemacht, unsere Texte im “März-Hammer”, der Zeitschrift der “Alten Schmiede”, die auch dem “Augustin” beigeelgt ist anzubieten.

Dazu brauchen wir aber Fotos und die haben wir dieses Wochenende gemacht. So haben wir uns Samstag um zwei mit der Ruth am Karlsplatz getroffen, wo wieder der Mann mit dem Pfedekopf mit seiner Ziehharmonika saß, der inzwischen zwar wahrcheinlich unter das Vermummungsverbot fallen wird, aber vielleicht hat er eine Ausnahmegenehmigung und Henry Moores “Hill Arches” war natürlich der winterlichen Temperaturen wegen, es war auch sehr kalt, verdeckt. Der Alfred konnte aber, glaube ich, Fotos von der Umhülung machen. Dann ginf es in die U-Bahnstation zu  Peter Koglers Röhren und dann in die Rahlgasse zu dem “Mann auf dem Dach.

Danach war es nicht sehr weit zur Albertina und Alfred Hrdlickas “Mahnmal gegen Krieg und Faschismus”, wo wir ja im Mai unsere Spaziergänge begonnen haben. Das heißt, das stimmt nicht ganz, in der Rahlgasse bei Franz West “Gerngroßsäule” waren wir noch vorher und von der Albertina sind wir auf den Ballhausplatz, zu dem schon erwähnten “Mahnmal der Opfer der NS- Militärjustiz gewandert und haben unsere Fototour am Samstag beim Rathaaus beim Wortruba Denkmal abgeschloßen.

Dann wollte wir  in den Rathauskeller, uns aufwärmen und etwas trinken, dort war aber erst wieder ab achtzehn Uhr Betrieb. So sind wir die Florianigasse entlang bis zum “Tunnel” dem Studentenlokal, wo ich vor Jahrzenten einmal mit der Elfi  war, entlanggeschlendert und haben bei einem Glühwein unsere Sonntagsziele festgelegt, die zum größten Teil ein Gang durch das “Nazi-Wien” waren, nämlich zuererst zu der “Idylle” in der Brandmayrgasse. Dann ging es zu der zerstörten Synagoge in der Turnergasse, wo in dem kleinen Park vor dem Gemeindebau, der jetzt dort stehen, die Balken aufgebaut wurden, die auf die Zerstörung während des Novemberprogroms 1938 hinweisen.

Dann fuhren wir nochmals zu einem Gemeindebau, nämlich dem Thuryhof mit der völkischen Skulptur, die von Maria Theresia Litschauer transkribiert wurdeund in der Servitengasse vor der Kirche gab es das Gedenken an die Juden, die damals dort gewohnt haben und deportiert oder vertrieben wurden.

Dann fuhren wir in den Prater, wo wir zuerst in einem Lokal in die Hauptalle gegessen haben, um dann in die Moderne ab- und einzutauchen. Denn da gibt es ja die bemalten U-Bahnstelen bei der WU und bei der Station Aspern Nord die “Aspern-Affairs” von Stephan Huber.

Das war es oder auch nicht, denn auf den Folder gibt es noch viel mehr Kunstwerke, die wir nicht beschrieben haben und eines, ein außertourliches, nämlich die Bilder in der U-Bahnstation Mariahilferstraße haben wir zwar beschrieben, sie sind aber irgendwie nicht in Kurt Neumanns “Hammer-Plänen” enthalten.

Macht ja nichts, kann man alles nachholen, das eine und das andere. Wir haben ohnehin schon besprochen, was wir im Juni, wenn sich der Alfred wieder nach Amerika begeben wird, machen könnten.

Und um uns zu belohnen, sind wir dann noch eine Station weiter mit der U-Bahn in die Seestadt gefahren, wo ich ja auch schon im vorigen Juni war. Sind dort um den See und durch die Straßen marschiert und bei den dortigen offenen Bücherregalen, haben die Ruth und ich uns mit neuen Büchern eingedeckt, die dort in großer Menge auflagen.

Dichtfest in der Alten Schmiede

Wieder einmal “Dichtfest” in der “Alten Schmiede”, die von Christine Huber kuratierte Lyrikveranstaltung und diesmal bin ich nicht nur zum Beginn, auch nicht zur fünften Lesung, erst zum Wein oder zu spät gekommen, sondern ich war schon vor halb sieben, als noch geschlossen war, da, denn der “Morawa” schließt jetzt schon, um halb sechs und hatte angekündigt, Anfang Februar gibts einen Flohmarkt und da ich ja so wenige Bücher habe und mit meiner fünf Uhr Stunde schon rechtzeitig fertig war, bin ich losgerast, um mich diesbezüglich umzusehen.

Im Vorjahr gab es ja keinen Abschlußverkauf, sondern nur Halbpreisbücher und ich waren mir, ganz ehrlich zu teuer, aber diesmal standen wieder die Kisten vor dem Eingang und Bücher gab es, um fünf bezeihungsweise vier Euro, eines sogar um zwei, das ist zwar auch nicht wirklich billig, ich kann es mir aber leisten, wenn zwar höchstwahrscheinlich nicht mehr lesen, denn derzeit warten ja scho zehn Rezensionsexemplare im Badezimmer auf mich.

Aber ein Laster kann die Frau ja haben und dieses ist  eher harmlos, also zugepackt und eingekauft und neunzehn Euro ausgegeben und es waren durchaus interessante Bücher dabei, die nicht so interessanten habe ich liegen lassen.

Nämlich alfred Gobrans “Das letzte Journal”, daraus habe ich wenn ich mich nicht irre, schon in der “Alten Schmiede” gehört. Hermann Knapp “Der Tote der nicht sterben konnte”, da war ich bei der Präsentation im “Thalia”, David Foenkinos “Charlotte”, das wird immer angezeigt, wenn ich auf das “Literaturcafe” clique, Judith W.Taschler “Roman ohne U”, das ist auch sehr bekannt und Clemens Berger “Im Jahr des Panda“, da war ich auch bei der Präsentation im Liiteraturhaus und habe Brötchen in mich hineingestopft.

Also wieder Lesestoff in Massen und weil ich so früh in der “Alten Schmiede” war, hatte ich auch ein Rezensionsexemplar mit mir, nämlich Margit Schreiners “Kein Platz mehr”, ein Buch das irgendwie auf mich zutrifft oder auch nicht, natürlich nicht und eine der Lesenden, nämlich die GAV Kollegin C. H. Huber, deren Erzählband ich im letzten Jahr gelesen habe, habe ich auch gleich in der Schönlaterngasse getroffe.

Ansonsten wieder ein illustres Programm, nämlich Helmut Neundlinger mit seinem bei “Hochroth” erschienenen Bändchen “Die Gerüche des Meeres und der Eingeweide”, dann kam Reinhard Lechner und das war für mich, die ich ja die Programme offenbar immer nur sehr schlampig und sehr oberflächig lese, eine Überraschung, habe ich doch “Erzähl mir vom Mistral” scon gelesen, weil mir ja Anita Keiper, seit mich Petra Ganglbauer gebeten hat, ihr Gedichtbändchen zu rezensieren, immer im Frühjahr und im Herbst eines ihrer Lyrikbändchen zuschickt.

Dann kam C. H. Huber mit mit den noch unveröffentlichten bez in der “Rampe” erschienenen Gedichten “im railjet”, wo es um das Reisen zwischen Wien und Innsbruck geht und als die Gedichte nach “St Pölten” gelesen wurden, haben alle gelacht, warum wohl, ist die Frage, denn St. Pölten ist ja die erste Station von Wien nach den Westen und jetzt kommt man schon, glaube ich, in vierundzwanzig Minuten hin, als ich noch mit der Anna und dem Alfred gependelt bin, habe ich noch zweiundvierzig Minuen gebraucht und der Bus nach Harland ist gerade weggefahren, wenn der Zug angekommen ist.

Danach gab es eine Pause, wo ich sitzen blieb und in Margit Schreiner Schriftstellerbeschimpfung in leichter Bernhard- Manier weitergelesen habe und dann folgte, welch Überraschung Wolfgang Müller-Funk, von dem ich nicht wußte, daß er Gedichte schreibt, hat er doch erst vor kurzem das Nadas Symposium in der “Alten Scbmiede oragnisert.

Er hat aber schon zwei, beziehungweise drei Gedichtbände, der dritte ist ein “Podium Bändchen” und Wolfgang Kindermann, dessen Gedichte eigentlich Theaterstücke oder Auszüge daraus warten, erschien mir eigentlich auch bekannt, obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich da nicht vielleicht nur den Namen verwechsle.

Dann kam wieder eine überraschung, nämlich John Sauter, den Sprachkunststudenten, den ich erst vor kurzem im Literaturhaus hörte und dann gabs wie bei den Dichtfesten üblich, Wein und Gespräche, ich habe Reinhard Lechner angesprochen, Cornelia Strahl, die mich ja schon vor einigen Jahren interviewen wollte, ist dazu gekommen, habe ein paar meiner Literatugeflüsterkärchen verteilt und allen, die es wissen wollen erzählt, daß ich am 4. 4. mein “Literaturgeflüster-Texte-Buch” in der “Alten Schmiede” vorstelle und unsere öffentlichen Raum Texte im nächsten “Hammer” erscheinen werden, aber da müssen wir erst am Wochenende die Fotos dazumachen und Kurt Neumann dann am Montag wenn Herbert J. Wimmer liest, den USB-Stick bringen.

Zwei sehr sehr unterschiedliche Canetti-Stipendiaten

Wieder einmal “Literatur im “MUSA” und die diesmaligen Leser zeigen, daß die Autorenauswahl bei den Preisen und Stipendien zum  Glück sehr unterschiedlich ausfallen können und also nicht nur ein Hort der emperiementellen Sprachrauschliteratur sein muß.

Nämlich Daniel Wisser und Olga Flora, beide sind im Musa alte bekannte, beide haben auch in Klagenfurt gelesen, Olga Flor, glaube ich, sogar zweimal und beide sind von ihrem Stil sehr unterschiedlich obwohl sich beide, wie Julia Danielcyck erwähnte, den gegenseitigen Partner ausdrücklich gewünscht haben.

Daniel Wisser habe ich, lang lang ists her, im Amerlinghaus bei einer von Ilse Kilic moderierten Veranstaltungen kennengelernt, da hat er sein “Ritter-Buch” vorgestellt und ich dachte, wenn jemand der so realistisch schreibt, bei “Ritter” erscheinen kann,  habe ich wohl auch Chancen.

“Welch ein Irrtum!”,würde wohl Ernst Jandl sagen und so realistisch ist Daniel Wisser auch nicht, aber jedenfalls ganz ganz anders als Olga Flor, mit deren komplizierten Sprachstil ich ja bekanntermaßen meine Schwierigkeiten habe.

Olga Flor, die erste “Veza Canetti Preisträgerin”, wie Julia Danelczyk in ihrer Einleitung erwähnte, hat mit der Lesung begonnen. Sie hat aus ihrem Buchpreis-Shortlist Buch “Klartext” gelesen, obwohl bei “Residenz” soeben ein neuer Essayband von ihr erschienen ist. Den werde ich wohl so bald nicht lesen. “Residenz” schickt mir ja nicht mehr seine Vorschauen.

“Klartraum” habe ich gelesen und noch immer nicht verstanden und Olga Flor ist ganz in schwarz mit einerm roten Schal der Stola aufgetreten und war so schnell und hastig, wie weiland wohl nur Wendelin Schmidt- Dengler. Seine Witwe saß im Publikum und Olga Flor erwähnte in ihrer Einleitung, daß es ihr schon fast zu viel Canetti wäre.

“Canetti Stipendium”, “Veza Canetti Preis”, aber dem Preis ist sie dankbar, weil sie sich dadurch mit Veza Magd oder Veronika Knecht ausführlich beschäftigt hat und aus ihrem “Klartraum” hat sie “Verluste” I und I, “Komik” I und II gelesen und Daniel Wisser, den ich schon einmal im Musa hörte, hat ja bei”Jung und Jung”, wie Olga flor und nicht mehr bei “Klever” den Roman “Löwen in der Einöde” geschrieben und da geht es um einen Michael Braun, der im <meldeamt arbeitet und immer allen seine jugend aus den Siebzigerjahren erzählt. Das ist wohl auch die von Daniel Wisser und einen Folgeband gibt es auch “Zwischen Null und Eins” heßt der und Daniel Wisser hat im Stehen und auswendig zwei Stellen aus beiden Büchern vorgetragen und dann im Gespräch mit Julia Danielcyck gesagt, daß der Roman keine Handlung hätte.

Jedenfalls keine so komplizierte Sprachexperimentelle, wie Olga Flor, sondern eher Alltagsgeschichten in Alltagssprache linear erzählt, etwas, was ja eigentlich nicht als so literarisch gilt und trotzdem, “Bachmannlesen”, “Canetti Stipendiat”, es geht also auch, höre und staune, aber wahrscheinlich irre ich mich schon wieder und Daniel Wisser gilt als der sprachexperimentelle Geheimtip.

Er ist ist jedenfalls immer sehr freundlich zu mir und nicht so abgehoben, wie andere Stipendiaten und Preisträger die auch im MUSa oder anderswo lesen, was mich sehr freut.

Therapiesitzung im Kino

Erwin Steinhauer, Daniel Glattauer, Aglaia Szyszkowitz, Michael Kreihsl, Christoph Wagner (Cinema Paradiso)

Erwin Steinhauer, Daniel Glattauer, Aglaia Szyszkowitz, Michael Kreihsl, Christoph Wagner (Cinema Paradiso)

Diesmal hat das verlängerte Harland-Wochenende mit einem Besuch im Cinema Paradiso begonnen und die Literatur hat sich, wie ja auch in meinem Leben mit der Psychotherapie vermischt.

Hat mich der Alfred doch schon vor einigen Tagen auf  die Filmpremiere der “Wunderübung” nach dem Erfolgsstück von Daniel Glattauer aufmerksam gemacht.

“Magst gehen?”, hat er mich gefragt und ich habe zugesagt, obwohl ich  von Daniel Glattauers Erfolgstück keine Ahnung hatte und zuerst auch dachte, daß es eine Lesung wäre.

Ich bin ja kein besonderer Glattauer Experte. Habe aber “Gut gegen Nordwind”,   gelesen, sowie den “Weihnachtshund” und von der Anna einmal zu Weihnachten das Hörbuch von “Geschenkt” geschenkt bekommen.

Es ist dann auch noch meine sechs Uhr Stunde ausgefallen, so daß es sich bequem ausgegangen ist und wir auch noch zuerst nach Harland fahren und die Anna abholen konnten, die mitgegangen ist.

Wie geschrieben, keine Ahnung von dem Stück und keine, daß ich nach meinen heutigen  Stunden noch eine extra Therapiesitzung erleben werde. Obwohl da handelte es sich, um eine Paartherapie und habe von systemischer Familientherapie auch nicht viel Ahnung, obwohl ich einmal zwei diesbezügliche Grundseminare machte.

Und dann kam ich gleich in eine solche, denn der ganze Film stellte eine dar. Das heißt, zuerst sieht man ein Paar, sich gegenseitig giftige Blicke zuwerfen, dann mit der U-Bahn fahren und dann getrennt die therapeutische Praxis aufsuchen. Die Frau nimmt die Stiegen, der Mann den Lift. Der Therapeut war Erwin Steinhauer mit Bärtchen und die Therapiesitzung hatte eine Pause. Bis dahin zerstritt das Paar sich nur, absolvierte zwar die therapeutischen Übungen, wo es sich spüren und  die gegenseitigen Ziele vereinbaren sollte.

Nach der Pause kam es dann zu einer Wendung. Der Therapeut bekam ein SMS, wirkte zerstört, trank dann fast eine Flasche Whisky oder Cognac und gestand der fragenden Frau, seine Frau hätte ihn verlassen.

Die Leute im Publikum lachten wieder an Stellen, die so überhaupt nicht lustig waren, das zu therapierende Paar verließ nicht einsichtsvoll die Praxis, sondern begann den Therapeuten auszufragen und sich im Laufe der Sitzung zu versöhnen und die Faustübung, die zu Beginn so gar nicht klappte, mit Bravour zu absolvieren.

Zwei Deutungen habe ich mir während des Schauens gedacht, entweder die Pointe ist die Schwäche des Therapeuten  oder er hat sie bewußt eingeplant?

So war es dann auch “Wieder einmal paradoxe Intevention!”, sagte er am Telefon zu seiner Annika, nach dem das Paar versöhnt die Praxis verlassen hatte. Er hat allerdings vorher auf sein Honorar verzichtet und den Cognac auch dem Mann angeboten und der wäre, wenn er zum Therapieplan gehört hätte, nicht echt gewesen.

Ein paar andere interessanten Pointen, um den  Menschen im Therapeuten zu zeigen, hat es auch noch gegeben. So ißt er während seine Klienten üben schnell ein Joghurt und patzt sich damit an und am Schluß beginnt er sich mit seiner Frau zu streiten und mit ihr herumzukeppeln.

Nachher gab es eine Diskussion mit den Hauptdarstellern, wo Daniel Glattauer erzählte, daß er bevor er zum Schriftsteller wurde, eine Ausbildung zum Sozialberater machte und da diesbezügliche Seminare absolvierte und einen Umtrunk mit Bier und Saft gesponsert von der Firma Ottakringer gab es auch und interessante News zu Daniel Glattauers Schaffen.

So wurde zufälligerweise gerade “Geschenkt” in St. Pölten verfilmt. Deshalb gibts vielleicht noch die Weihnachtsbeleuchtung auf den Straßen und “Gut gegen Nordwind”, soll das, wie der Autor erklärte, auch werden.

Wir haben die Ingrid und den Herbert von Alfreds Wandergruppe getroffen und für die nächste Filmpremiere mit Josef Hader haben wir schon Karten gekauft.

Schweizer Literatur in der Alten Schmiede

Von der Partisanenliteratur bin ich heute in die “Alte Schmiede” gegangen, wo es wieder eine “Stunde der literarischen Erleuchtung” gab und zwar haben da Ruth Schweikert und Samuel Moser Jörg Steiner vorgestellt. Das war ein 1930 in Biel geborener Schweizer Dichter, der 2013 dort gestorben ist und unter anderen, 1994 den “Erich Fried Preis”  bekommen hat.

“Nie etwas von ihm gehört!”, würde ich spontan sagen und gleich nachschauen, ob ich in meinem Buchkatalog vielleicht Bücher von ihm habe, er scheint aber eher experimentell zu sein und auch ein bißchen widersprüchlich.

Leider bin ich, weil ich mich in der Spengergasse noch ein bißchen mit Stephan Teichgräber verplaudert habe, der Weg von dort in die Schönlaterngasse auch länger ist und ich noch auf die Bank und Milch besorgen mußte, ein bißchen zu spät gekommen, so daß ich Kurt Neumanns Einleitung versäumte.

Es waren auch nicht sehr viele Leute im Schmiede Saal und die, die da waren, waren, wie ich aus ihren Wortmeldungen und den Gesprächen in der Pause erfuhr, speziell an Literatur und vielleicht auch an Jörg Steiner interessiert. Ich hörte Schweizer Akzent und das Paar das vor mir saß, schien Alfred Kolleritsch, mit dem ich ja kürzlich telfoniert habe, gut zu kennen.

Jörg Steiner hat einige Romane geschrieben, zwei, beziehungsweise einer und ein Ezählband wurden vorgestellt.

Und da scheint es sich bei Steiner um Fortsetzungsgeschichten zu handeln, beziehungsweise scheint er seine Personen von einem Roman zum anderen zu schleppen. Denn da gibt es einen namens “Strafarbeit”, 1962 erschienen aus dem nicht gelesen wurde, aber der 1951 geborene Dozent für Lliteraturkritik Samuel Moser, hat den Inhalt erzählt. Der handelt in einer Jugendstrafanstalt, wo einige Jugendliche untergebracht sind und einer von ihnen, nämlich Jose Claude  Ledermann, auch Schnorrer genannt, begegnen wir in  “Euin Messer für den ehrlichen Finder”, aus dem gelesen wurde , wieder.

Der ist der Sohn einer Bordellchefin in Biel und hat einem Freund ein Rennrad geborgt, das der verkaufte, worauf er ihn mit einem Messer niederstach und in die Strafanstalt kam.

Ruth Schweikert und Samuel Moser schwärmten sehr von den Text, Samuel Moser meinte, er wäre dadurch zum Lesen gekommen und in der Erzählung “Schnee bis in die Niederungen” treffen wir auch auf eine Figur aus der Strafanstalt, die tritt in den achtzehn Episode,n meist in anderer Gestalt und in anderen Berufen auf und einen Ich Erzähler gibt es auch.

“Ich habe bis drei Uhr Aufsätze korrigiert und bin dann

Ich bin spazierengegangen, weil mich das Lesen der von Hand geschriebenen Texte stark ermüdet, werde ich sagen” beginnt das Buch und das ist einer der sprachlichen Eigenheiten, die für Jörg Steiner wohl typisch sind. Es wurde dann auch diskutiert, wieviel Autobiografie in dem Text ist. Nun, da habe ich nachgegooglet, da? Jörg Steiner Lehrer war. Ein Herr Steiner kommt übrigens auch darin vor, etcetera.

Ruth Schweikert hat einen Text gelesen, dann kam die Diskussion und diesmal nur eine halbe Stunde Pause, weil die Veranstaltung länger gedauert hat. Da bin ich zum Büchertisch gegangen und habe gesehen, daß es eine offensichtlich ältere “Suhrkamp-Ausgabe” des “Schnees” um fünf Euro gibt. Da habe ich nicht lange gezögert und mir das eher dünne Büchlein gekauft, zu einem “Sensationellen Preis!”, sollte Kurt Neumann später sagen.

Das stimmt zwar nicht so ganz, habe ich ja “Suhrkamp-TBs” öfter schon um einen Euro gefunden. Bin auf das Lesen aber gespannt, umsomehr, da wir im Sommer ja vielleicht in die Schweiz fahren und ich dafür schon Lesestoff sammle und da passt vielleicht ganz gut hinzu, daß ich im “Wortschatz” heute auch drei Bücher aus Schweizer Verlagen von Schweizer Autoren gefunden habe.

Nämlich Gerold Späths “Das Spiel des Sommers neunundneunzig” aus dem “Lenos-Verlag” in dem auch Michelle Steinbecks Debut erschienen ist und zwei Bücher von einer Elsabeth Jucker aus der “editon 8”.

Ich bin gespannt und nach der Pause ist es gleich mit Samuel Moser und Ruth Schweikert weitergegangen, hat die 1965 in Lörrach geborene Autorin doch ihr 215 Buch “Wie wir älter werden” vorgestellt. Von Ruth Schweikert habe ich in den Bücherschrönken schon “Ohio” und “Augen zu” gefunden. Das letztere gelesen und war, glaube ich, nicht so begeistert. Bei dem Roman war ich es schon, weil er mir realistischer und verständlicher erschien. Da geht es um zwei Familien, beziehungweise hat der Mann, der einen, auch zwei Kinder mit der Frau der anderen und auch eine Zeitlang mit ihr gelebt. Es geht also um Familiengeheimnisse und  um drei Generationen und zwei Stellen hat Ruth Schweikart vorgelesen.

Eine von dem Paar Jackes und Friederike und dann eine, wo Friederike vierzig jahre jünger, ihre Mutter gestorben ist und sie in ihrer Wohnung hundertachtundfünzig Dosen Katzenfutter findet, owohl die gar keine Katze hatte und sie die Dosen dann in der Nacht in sämtlichen Mülltonnen der Stadt Stuttgart verteilt. Das war sehr interessant und beeindruckend und in der Diskussion hat Ruth Schweikart noch erzählt, daß sie das Buch nicht chrologisch geschrieben, sondern mit einem ganz anderen Kapitel angefangen hat. Sie scheint auch eine lebhafte Erzählerin zu sein und hat in der Pause und nach der Veranstaltung heftig zu ihrem Buch oder etwas anderen diskutiert, so daß ich heute ein oder natürlich zwei sehr intensive Lliteratur Lectures erlebt habe und mich auf den Sommer und meine diesbezüglichen <leseerfahrungen schon freuen kann.